Aie Heutige Wummer umfaßt 14 Seiten c t nt Slbrefle für Deveschenr «uzetger Gtetze». Ferusprcchanichlnß Nr 51. Die Jrage ist form des Mehrheit Aas neue hessische Wahlrecht. Gießen, 9. Juli. oberhessischen Städte gegen die von der ländlichen Kammermehrheit beschlossene Wah lkreiSeinteitung ablehnend verhalten müssen. Auch der Oppenheimer Protest gegen die rheinhessischen Sonderwünsche hat keine Beachtung in der Kammer gefunden. Von großem Werte ist die Erklärung des StaatsministerS Dr. Rothe, daß die Regierung ihre Entscheidung über den Antrag Bähr und Gen. ebenso wie über die von der Kammermehrheit beliebte Wahlkreiseinteilung sich vorbehält. Wir haben die besten Hoffnungen, daß sie sich das ihr allein zukommende Recht der Einteilung der Wahlkreise nicht wird abspenstig machen lassen. Durchaus geboten ist aber auch ihr Schweigen bis zum Beschlüsse der Ersten Kammer, von deren Votum ja die ganze Reform abhängig ist. „Vieles Gewaltigen Allergewaltigstes *, um mit Sophokles zu reden, ist der Freiherr v. Heyl denn doch noch nicht, und wie die Zweite Kammer trotz dessen allzu weit reichenden Einflüssen die Wahlreform in durchaus anderem als dem unheilvollen Heyl'schen Geiste zur Tat gemacht wissen will, so ist auch anzunehmen, daß das hessische Magnatenhaus nicht nach der Pfeife dieses eines Mannes tanzen wird. Die Standesherren Hessens halten wir in ihrer Mehrheit für einsichtsvoll genug, um zu dem Entschlüsse zu kommen, daß dem Volke zu geben ist, was ihm gebührt. Das heute nicht sonderlich starke Vertrauen de§ Volkes gehört ihr sofort, wenn sie diese volksfreundliche Reform zum Gesetz rhebt, em Vertrauen, dessen Wert wahrlich nicht zu unter- schätzen ist. Und die Herren der Ersten Kammer werden ge- viß auch den Willen unseres Landesfürsten gebührend respektieren, der persönlich der Einführung des direkten Wahlrechts in einem Maße Vorschub leistet, wie kein anderer deutscher Fürst. Das wird ihm sein Volk nie vergessen. Erfreulich ist auch, daß unser Ministerium sich in dieser, wie ja auch in allen anderen Fragen oort politischer Wichtigkeit, als wahrhaft liberal und volkstümlich wieder erwiesen hat. Unter den Nationalliberalen haben sich wieder einige entschiedene Gegner gefunden. Doch dieses vier- blätterige Kleeblatt setzt sich zusammen aus Männern, die in der Partei keine führende Rolle spielen, sie sind willenlose Trabanten des funkelnden Sternes vom sonnigen Rhein. Die Entscheidung ist über alles Erwarten schnell gekommen. Zu schnell! Hätte man sich mehr Zeit genommen, hätte man mit der Regierung noch Fühlung genommen, es wäre ein besseres Werk zu Stande gekommen. Was geschaffen wurde, ist ein sehr wesentlicher Fortschritt, aber ideal ist das geschaffene Werk nicht. Unseres Erachtens ist es auch deswegen nicht ideal, weil es die Minderheiten nicht zu ihrem Rechte kommen läßt. Dem Ideale entspricht nur ein Wahlgesetz, das die Minderheiten in einzelnen der neuen Wahlkreise nicht vollkommen rechtlos macht. Nach dem jetzt Entscheidung über eine hochbedeutsame politische geftern in der Zweiten Kammer gefallen. Die Re- hessischen Wahlrechts soll sich nach dem Willen ber der Zweiten Kammer vollziehen. In Sachsen und Bayern ist die liberale Wahlresorm gescheitert, Hessen, das auf so manchem Gebiete unter der segensreichen Regierung Ernst Ludwigs eine vorbildliche Tätigkeit entfaltet hat, stellt also auch in dieser unvergleichlich wichtigen Frage andere Bundesstaaten in den Schatten. Nr. 159 •*!•«<■« ««gl»» außer Sonntag«. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem keMschen Landwirt die Siebener Kamillen» ölätter viermal in bet Woche bei gelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl 'sehen univerf.-Buch-u. Btein- bruderel. R. Lange. Redaktion, Vrpeditü» und Druckerei: Mancherlei bleibt indes an dem Werke der Zweiten Kammer nach wie vor zu tadeln. Im vorigen Landtage scheiterte die Vorlage schließlich an dem Widerspruch der ländlichen Abgeordneten gegen eine Vermehrung der städtischen Mandate; heuer haben sich die Abgeordneten aller Feuilleton. e l t und H a u $*, wöchentliches Unterhaltungsblatt öl' /mr^)inucf ""d Kunstbeilagen, hat soeben sein neueste« L. . ^rer« 20 Pfg.) als Sportbeft erscheinen lassen, lieber oie .vieler Woche plaudert recht amüsant Will). Schölei-mann und ebenso anregend ist der Spott-Aussatz von L. Brückner. Tas Rad-- sahren behandelt Dr. K. Beerwald vom hygienischen Standpunkte a.u6,.u ^a' D; Norman bespricht kritisch die großen sportlichen Er- eigmsie der letzten Wochen, in erster Linie daS Gordon-Bennett- Rennen. — Ter belletristische Teil bringt einen Roman „Der Sunde Sold von Franz Rosen (Margarethe v. Sydow) und eine Novelle von E. Jensen „Heimweh*. Dem verstorbenen Dichter W i l h e l m I o r d a n widmet Paul Wittko einen Nachruf. Ein Portrait des aus einen Stab gestützten Nibelungensängers im 9(1 ter von 83 Jahren ist diesem Aussätze beigegeben. Auch sonst ist das vekt illustrativ reich und vornehin airSgestattet. Unter den Kunst- beilagen verdient die Reproduktion eineß Gemälde- des berühmten Altniederländers PH. Wouverman Hervorhebung. — Diese Wochen- schrill, die zu unseren gediegensten Fmnilienzeitfchriften gehört, kann dllrch alle Buchhandlungen und Postanstalten zum vierteljährlichen Preise oon Mk. 2.50 bezogen werden. - - Landes- und Volkskunde. Im zweiten Bande der Hessischen Blätter für V o l k s k u n b c (Leipzig, Teubner. /?48, 182 S. M. 1U)O) finden wir n. a. folgende Aufsätze : Worin erkennt der Bauer deS nördlichen oberen V o - gelSbergeS Dasein und Wirken Gottes? von hem Pfarrer von Beuern O. Schulte; Naturgesetz im Volksl tzen? Nischen Truppmabtettnngen bei Erldagon und bei dem Tschad llnpasse. . Es hat nicht geregnet. , 8 Juli. Tie ..Times" erfährt -ns Tokio vom 6. ^ust: Nachrichten lassen ersehen, daß der Vormarschdes Zentrums und des rechten Flügels der (Streit- krafte Kurocis ^am 27 Juni begann Zwischen diesem Tage und dem 29. Ium nahmen diese alle wichtigen Gebirgs- Paste auf den zwei Heerstraßen nach Liaujcmg ein. Der Gegner leitete ttltsam schwachen Widerstand. Seine Verluste auf der Nordstraße betrugen etwa 90 Tote und Verwundete, auf der Südstraße 50 Ter japanische Gesamtverlust beläuft sich am .->0 Mann Ueberraschung wird in Japan ausgedrückt über Kuropatkms Schwäche bei Verteidigung der Stellung, die wesentlich war für die Sicherheit seiner Bewegungen. . Lo"bon, 8. Juli. Ein Petersburger Telegramm des „Standard" besagt, Kuropatkin drahtete am " sofort weitere 200 Dr" * , ------- .man möge ihm ■ ■ -------- --- , senden. ,. t e r s b u r g, 8. Juli. Ter abermalige vergeb- l i che V er s u ch 'des Admirals Kamimura, die Wladi- wostok-Kreuzer in einen Kampf zu verwickeln und den Ruckzug abzulchneiden, der nur mit dem Verlust zweier japanischer Torpedoboote geendet hat, hat- am 2. JuL n Tokio ber „Nowoje Wremja" zufolge zu Demonstrationen gefuyrt. Eine große Volksmenge sammelte sich vor dem Hause Kamimuras an und warf Steine gegen dieses. Tie Familie des Admirals r ettete sich, hierauf wurde das turns zerstört. London, 8. Juli. Aus Niutschwang wird vom Kvrrespon- ^nten ber „Daily Mail" gemeldet, daß bei Gelegenheit großer Regengüsse eine Abteilung Kosaken in einem Hohlwege nahe Tanghr fortgeschwemmt wurde und viele Kosaken dabei ertranken. Petersburg, 8. Juli. .Zu Lande halten die Vorpostrn- gefechte noch an ohne daß ein sichtbares Vorgehen der Javaner hervortritt. KurSki soll der Ernennung Oyamas zum Oberbefehls» haben soll gegenüberstehen, da er selbst darauf gereimt Deutsch-Ehma. . k i o, 8. Juli. Tas Gerücht, Kiautschou werde von den Russen als Zufluchtshafen benutzt, tftrb hier nickt ernst genonrnnn. Eine amtliche Erklärung, in ber eT beiBt, die japanische Regierung sei überzeugt, daß Deutschland bte Neutralität aufrecht erhallen werde, ifr beule veröffentlicht worden. Der Zar. . „ 8. Jllli Auf -bei Reise zur Besichtigung de« fünften und sechsten JtBmfcben Armeekorps besucht der Kaiser auck die Städte Morschansk, Ufa und Slatoust? London 8. Juli. Ter „Standard" meldet aus Odessa: ^.er Professor der Völkerkunde, Martens, erstattete der Regierung des Zaren ein Gutachten, wonach die ftemden Läsen den Schiffen der russischen Flotte höchstens 24 Stunden Asyl zu geben vermochten. Leo Tolstoi gegen den Krieg. Mutter teilt feinen Haß und seine Liebe. Ter Vater aber bat au8 Siebe zur ^odxtcr seinen Frieden mit Deutschland gemacht. Die Tock-ter hebt nämlich den beutfeben Leutnant v. Farnow und null ihn heiraten. Die Konflikte, die sich aus diesen Situationen ergel>cn, kann man sich leicht ausmalen. Jean Clx-rle soll Sold.ll merben, ziem es aber vor, nach Frankreich zu desertieren. Sein rimmger Sanvagrr, ber Leutnant v. Farnow, verfolgt ihn und will ihn festnehmen Resultat: vollständiger Bruch mit ber ^rant, die nun wahrscheinlich auch ihr französisches Herz ent decken wird . . . So endet der Roman. Ta sich mit (IxuminifH- JJF” T . « ^^onkreich noch immer ein gutes (Mdn'ift machen laut, bat Rens Bann beschlossen, seinen Roman zu einem Drama rJL Olten. . Hie in traute er sich'- aber nicht zu, denn er hat bivbcr nur 'hoinane gvffivricbcn, und so nahm er denn den Lyeaterkrlllker und Tramattker Edmond X)e Stück zur Auf- rubning brtngen. Tie Zensur bat aber den beiden Verfassern einen mcken Sttich durch die Rellmung gemacht. Der llnterrickns- nnntjrcr Eliaumid hat wiederholt bcnnesen er kein Freund ber Zensur ist, aber dieses Stück schien ihm doch Bedenken zu erregen. Da es Franknnck>s 'Vcziebungrn zu einer ausnn'irttaen Maall zu altenerrn drohte .! hielt er es für geraten den nitgcn veiwn Teleassö zu Rate >n zischen, und Deleassö .mb Weisung - „Unbedingt -n verbieten!" Tie Zensur 'hii frmcY chcichzeitig , reinen' Disch 'gemacht, und ein irrnnie. n W ..Bett Nr. 13", worin auch die Verwaltti d^ ^n . A>obltätigkeit angegriffen merben, verboten. ’uuw»* Einen Protest des großen russischen Dichters Grafen Sa ^olstor gegen den Krieg veröffentlichte die „Times". Jetzt ist er als Broschüre erschienen. Tarin heißt es: „Etwas UnbegretS liches und Unmögliches an Grausamkeit. Falschheit und Torheit n>i£k letzt zur Wirklichkeit.... Eine Menge sogenannter aufgeklärter Leute, wie Professoren, Sozialreformer, Studenten, Kaufleute geben den bittersten Gefühlen gegenüber den Japanern, ben Engländern und den Amerikanern Ausdruck und bekunden ihn Servilität gegenüber dem Zaren, in dessen Interesse sie fÜ) aufopfern wollen. Dieser. . . junge Matm, ber anerkannte Führer von 130 000 000 Menschen, wird fortwährend betrogen und gezwungen, sich selbst Lügen zu strafen: verttauensselia dankt er den Demonstranten und segnet die Truppen, die er seine eigenen nennt, und schickt sie auf Raub und Mord aus Me schenken sich 'gegenseittg abscheuliche Bilder, an die nicht nur d:e Gebildeten nicht glauben, sondern die auch von dem einfachen Bauer nach imb nach verleugnet zu werden beginnen- — alle bücken sich vor diesen Bildern und halten aufgeblasene und trügerische Reden, an die niemand mehr glaubt . . tniibt durch Gebete, Predigten und Mahnreden, durch Prozessionen, Bilder und Zeitmrgen, eilen Hunderttausende Leute zu den Fahnen, um Mensck)en zu erschlagen, die sie gar nicht kennen. Es tjt, als ob es nie einen Voltaire, Montaigne, Pascal, SNnft Spinoza oder Kant gegeben, die mit großer Kraft das Walmsnmrge und Zn^cklose des Krieges geschildert hätten; und überhaupt, als ob Jesus und seine Lehre von der Owttes. und Mensck^enlieb.e nie eristiert hätten. Angesicktts der Tinge, die man icfct um sich sieht, empfindet man meniger die Schrecken Krieges, als den Schrecket: aller Schrecken — dos Bewußtsein von der Machtlosigkeit der menschlickten Vernunft. Tic Ver- nunft, tnc allem den Menschen vom Tiere unttrscheidet, er- febemt als überflüssig; sie tst nicht mir ein nutzloses, sondern von Eduard Hoffmann-Krayer; Ter Einzelne und das Volk von Prof. Tr. Lldolf Sttack: Volkskundliches aus alttn Handschriften von Richard Wünsch und Fr. Vogt; Die Spinnstnbe im VogelSberge von O. Schulte; Zum Odeuwalder Wortsckwtz des 15.—18. Jahrhunderts von L. Diettich: Griechischer und germanischer Geisterglaube Uou Richard Wünsch; Volksdichtung und volkstümliches Tetiken von Robert Petsch. — Der Neubau deS Kurtheaters in Bissingen, der schon seit langem geplant ist und von der bayeriscl^t: Regierung genehmigt Umrdc, soll im Herbst dieses Jahres in Angriff genommen werden, damit bereits zu Beginn der nächsten Somtncrsaison in dem neuen Hause gespielt merben kann. Die Kosten dcö Baues, dessen Zuschauerraum 600 Personen fassen »vird, ist auf über eine halbe Million veranschlagt. Leipzig, 7. Juli. Der bekannte pattiottsche Dichter Fedor Köpp en ist in Lausigk bei Leipzig im Mter von 73 Jalwen gestorben. Paris, 7. Juli. Der Minister hat die Aufführung deS Theaterstückes „Oberle" von dem Sckvriftsteller B a z i n verboten. T'as Stt'lck spiell ht Elsaß-Lotlwingen. Infolge dieses Verbotes wird eine Interpellation in der Kammer beab sichtigt. Bazin hat vor längerer Zeit einen deutschfeindlichen Roman geschrieben, der „Tie Oberle" betitelt ist. Die Oberle sind eine in „AlShcim" lebende elsässische Familie, die durch polit'sck>e Zloistigkeiten gesprengt wird. Zwei Ström iingen l/enschen in dieser Familie: nad) Frankreich weist die eine, die andere nach Deutschland. Jean Oberle schließt sich, obwohl er tartpc nach 1870 geboren wurde, den Protestlern an und schwärmt iitr Frankreich, baß er noch nie gesehen hat. Seine London, 8. Juli. Eine Tschifuer Drahtung des „Daily Expreß" befagt: Tie Kolonne der Armee des Generals Oku, die gegen Stakelberg im Norden operierte, kehrte zur Armee außerhalb Port Arthurs zurück. Tie ganze japanische Belagerungs-Artillerie ist in Dalny gelandet. Die jüngst gewonnene Stellung wurde von den Japanern befestigt und verschanzt. Sie beherissck>en gewisse innere Verteidigungswerke und einen Teil des Hafens. London, 8. Juli. „Taily Chronicle" berichtet aus Tokio, daß die Japaner in ber Nähe von Kaiping mehr ^ils zehn Kanonen erbeuteten und über 50 Gefangene machten. Petersburg ,8. Juli. General S sa cha r ow meldet dem Generalstab über die Gefechte vom 6. Juli, bei welchem zwei Offiziere verwundet und 15 Manu getötet ober verwundet wurden. Wie im Laufe des Tages festgestellt wurde, rückte der Gegner auf ber ganzen Front von der NTüfte bis zum Tale des TschinstanflusseS vor. Unsere Kundschafter bemerkten am 5. und 6. Juli, daß ber Feinb von Scheniutschen längs der Eisenbahnlinie nördlich vorzurücken begann in einer stärke von einer Tivision Infanterie, zwei Regimentern Kavallerie und 60 Ge- chützen. Am 7. Juli morgens besetzte der Feind die Höl>en bet Baositschai. .Russische Streifwachen begegneten kleinen japa- Tokio, 8. Juli. Gegenwärttg werden Operationen von ernster Wichtigkeit'innerhalb der Kriegszone durchgeführt, es gelingt aber der Regierung, sie fast vollkommen ~~u ~zu halten. Aell der Besetzung von Dalny hat die Regierung hinsichtlich der Belagerung von Port Arthur vollkommenes Stillschweigen bewahrt. Es gelangen zusammenhanalose Nachrichten aus verschiedenen Quellen, namentlich chinesischen, nach Japan, deren Bekanntgabe oder Ueber- mittelung nach dem Auslände aber bei schwerer Strafe untersagt ist. Weder bei der Port Atthur belagernden Armee, noch bc, ber Arm« e Okus oder bei der Takusäianarn^ec befindet sich ein Auslänber. Die Kriegskorrespondenten und fremden Militär- attachees, die die Armee Kurotts begleiten, dürfen ein Gebiet von nur zwei Kilometer Turchinesser nicht überschreiten. Tschifu, 8. Juli. .Ein glaubwürdiger, angesehener Chinese, der von ber Ostküste Liao tun gs unweit .Port Arthur hier ein» getroffen ist, berichtet, eine Tivision der japanischen Armee habe am 5. Juli den Nordostabhang des Takuschanberges erreicht, bessen Gipfel weniger als drei Meilen von Port Arthur entfernt fti- Diese Division hatte sich auf ber Landstraße nördlich Pott Arthurs von einer anderen Division getrennt und war durch bas bergige Ldnd marschiert, während die andere Division den vcarsch au^ der Straße in ber Richtung auf das Mattnelager ortsetzte. Sie muß, um dieses zu erreichen, über ebenes Gelände marschieren. , Indessen ist das Marinelager, sobald eine japanische Division auf dem Takuschanberge steht, nicht zu halten. Tas auf der Hauptvetteidigungslinie gelegene russische Fort Nummer 16 ist gestern von den Japa nern genommen worden. Erstes Blatt. 184. Jahrgang Samstag 9. Juli 1804 Gietzener Anzeiger • General-Anzeiger w v Deran-worlltch tot Amts- und Anzeigeblütt für den Kreis Gießen WtzZ ______ ______ zeigenteil: Hans Beck. beschlossenen Wahlrechte bleiben diese Minderheiten unvertreten. Dem Ideale würde eS mehr entsprechen, wenn jeder Kreis in sich eine gewisse llebereinftimmung der Interessen darstellte. Das ist vielleicht bei den paar großstädtischen Kreisen und bei allen rein ländlichen Bezirken der Fall; sonst aber, in den Mittelstädten und kleineren Städten, nicht. Die Verschiedenheit der einzelnen Interessen, die im Kreise vertreten sind und vertreten sein wollen, ist oft ungeheuer groß, so daß der pflichttreueste und unbefangenste Abgeordnete nicht in der Lage ist, sie sämtlich zu vettreten. Das würde nicht bedenklich sein, es würde wenigstens ein gewisser Ausgleich geschaffen, wenn jeder Wahlkreis in sich einen Mikrokosmus des gesamten Landes darstellt. Wohl könnte man diesem Mangel bei einem idealen Wahlrechte näher kommen, wenn man die strikte Scheidung zwischen ländlichen und städtischen Kreis en vornehmen wollte. Daß die durch die Bevölkerungsziffer schließlich gebotene Vermehrung der Abgeordneten der Städte ad calendas Graecas vertagt werden soll, ist ein Unding. DaS direkte Wahlrecht aber wird gedeihlich werden, wenn alle Elemente der bürgerlichen Gesellschaft ihre volle Schuldigkeit tun, wenn sie, wie zu hoffen ist, ihre Gleichgiltigkeit in politischen Dingen sahren lassen und stets nur auf die Besten unter ihnen, die Fortgeschrittensten und Besonnensten, ihre Stimmen vereinen. Z>er Krieg zwischen Japan und Zrußland. Dom Kriegsschauplätze. mbetbU**# nnt ber Zügel. bie vom fkvpf be» TiettV'5 btrunt rfal1 n. feine Bcme wnmtfrln unb e# nur bem- mm rlf tvutige weit gleicht einem Menschen, her. nacb- brnt rr (ich vom geraden Dege verirrte, immer mehr bewußt wnrb tk’f; er heb aus dem richtigen Dege befindet. Aber ie wräfeer jein? Zweifel, desto schneller unb verzweifelter eilt er voran in tv*r Hoffnung baß er irgendwo anlangen müsse .Unseren Skaatvimümiern bient Gedanke und Rede nicht, um die menschliche Tätigkeit in die richtigen Dege zu leiten, sondern um iebe Tätigkeit so berlnrechenfb fie auch fein möge, zu recht- ch-rtigen. Tie» zeigte der Burenkrieg, ebenso^ ber iciMiüfdr fcrifg, ber ieben Augenblick in eine universelle Schlächterei au$* arren hnnr Dir eilen einem TTbgrunb entgegen und wir ndbern uns feinem Rande. Tie einmal begonnene fdnrecflitfx Arbeit wird fürtgefebt: Plünderung. Gewalt. Tiebflnbl, $ieu* «briet, Mord und nxiS noch schlimmer ist: Verzerrung ber re» lrgiSsen Ledren von Jesu- unb Bnbbda. . . . Wann wird die ein vixbe nehm n? Dann wird sich einmal ba^ Volk erbeben unb sagen 3br Zaren. Mikado». Minister. Bischöfe. Geistliche, Generale. Zeitungsschreiber, Svekulanten, die Ihr Krieg wollt, gebt selbst unter den Regen von Kugeln und Granaten: wir wollen feinen Krieg und wollen un» nicht gegenseitig erschlagen Laßt un» in Rude, um ui ackern, ju säen, aufzubauen und auch Euch Müßiggänger zu füttern Ta» englische Blatt „Glode" berichtet an- Petersburg: Tolstoi» Broschüre über den Krieg wurde in Dnnderttansenden von (rrenwlaren abgeh tzt. Er widmete den Vorbereitungen zu der Broschüre zwei Monate Tolstoi soll mit feiner Homilie, die feine Tendenz nicht billigt, zerfallen fein. Sein Solm Andrea steht unter ber Fahne, ein anbercr Solin ist Kriegökorre- ivmrben: unb seine Gatt n teilt ebenfalls seine Ansick^t nicht. Deutsches Deich. Berlin, 8. Juli. Die Kau'erjacht »HohenzoHern^ setzte beute vormittag ihre Reife fort. Nach leicht bewegter rvabrt erfolgte gegen abend die Ankunft m Christin nsa nd. An Bord ist alle- wohl. — Die Heimberufung deS großen Kreuzers »Hertha* auS Ostasien ist zum Herbste beabsichtigt. An Bord der ,Herthabefindet sich bekanntlich Prinz Adalbert. — Der Präsident deS russischen MnisterkomiteeS Witte, welcher dem Grafen Bülow in Norderney einen Besuch abstattet, um mit dem Reichskanzler dort über den Abschluß eines neuen Handelsvertrages zu konferieren, wird voraussichtlich morgen eintreffen. Man nimmt an, daß die russische Regierung weitere Einwendungen gegen die deutschen Mindestzölle auf Getreide nicht mehr erheben wird. München, 8. Juli. Die Korrespondenz Hoffmann schreibt: Die Angelegenheit, die zwischen dem Kriegsminister o. Asch und dem Landtagsabg. Dr. Pichler schwebt, ist infolge der regierungsseitigen Intervention bei gelegt. Dr. Pichler überzeugte sich auS den ihm hierbei gegebenen Aufklärungen. daß sein Porwurf, der Kriegßminister beging in dem Falle deS Einjahrig-Freiwilligen EraS einen Dertrauensbruch, grundlos war. Er nahm daher den Vorwurf zurück und wiederholte ferne Erklärung, die er schon am 15. März im Abgeordnetenhause abgab, daß ihm bei seinem ganzen Vorgehen jede Absicht, den KriegSminiiter zn beleidigen, vollständig fern lag. Hinsichtlich deS von ihm in der Verhandlung von dem Kriegsgericht erwähnten anderen Falle- erklärte Pichler, daß er diese Bemerkung ohnehin schon in der Verhandlung vor dem OberknegSqericht dahin richtig stellte, daß der KriegSminister in jenem Falle überhaupt keinen Anlaß hatte, einzuschreiten. Der KriegSminister zog dagegen den Strafantrag gegen Pichler zurück unb erklärte, daß die von ihm in der Abgeordnetensitzung am 14. März gemachte Aeußerung, daß Pichler gegen die Art seines Vorgebens nichts einzuwenden gehabt hätte, wenn dasselbe die Entlastung deS Einjährig-Freiwilligen EraS auS dem aktiven Dienst ober die Bestrafung des Unteroffiziers Jena wegen Mißbrauche der Dienstgewalt zur Folge gehabt hätte, als nicht gesprochen gelten sollte. Ausland. London, 8. Juli. überbaut. Zn Beantwortung einer Anfrage ^klärtt bei erste Lord der Admiralität, er erachte es für wesentlich, daß die Flotte einen Tffi zierS stab besitze, ber alle^ wichtigen Weltsprachen beherrsche. Er glaube, -aß mehr Marineoffiziere Fertigkeit in fremden Sprachen^ erlangt hätten, als in ber Marineliste aufgefüfrrt 'eien. Tie 3abl ber Offiziere, denen das Sprachstudium im AuSlanbe gestatte! sei, betrage zwanzig In Lsborne sollen die Zöglinge Unterricht im Französischen und Teutleben erhallen. In Weihaiwei sei für bic japanische Sprache ein Lehrer angestellt Ten Lffizieren werde zum Studium bet ff mden Sprachen Auf- entbalt im Auslands auf ein Jahr bennttigt. — Aus Johannesburg wird dem „Evming Standard" t le- graphierr i Tie Führer ber hcllänbifchen Buren beabsichtigen bic Buren au^s Wanderung nach Tentfch-L'stafrika zu vereiteln. Tie Auswanberungsbewegung greift unter den Buren bedeutend um sich, da sie hoffen, auf deutschem Boden ein freies Leben führen zu können. Paris, 8. Juli. Tas Blatt „Aktion" versichert, daß die Auszahlung von 20 000 Francs seitens des Generalstabes an einen Unbekannten am 16. August 1899 und ber Mordversuch in Rennes gegen Labori am 14 Aug. desselben Jahres in gewissen Zusammenhänge ftänoen. Tas Blatt hofft, daß der Hauptmann Francois, eine überaus wahrheitsliebende Persönlichkeit, die volle Wahrheit sagen unb den Namen der Person angeben werde, welcher bic Summe ausbezahlt worden sei. Bern, 8 Juli. Ter Bundesrat ermächtigte den Bund^s- Präsidenten, mit mehreren Staaten, darunter auch mit Teutfch- (anb in Unterhandlungen wegen Abschlusses eines internationalen Schiedsgerichts-Vertrages zu treten. Es ist die beste Aussicht vorhanden, daß die Antwort der meisten Staaten u stimmend fein werde Tagen en verlautet, Deutschland würde sich ablehnend verhalten. Dien, 8. Juli In Lemberg wollten gestern polnische Hochschüler nach der Teilnahme an einer Versammlung, in ber eine Protestkundgebung gegen die preußische An - siedelungsnovelle und Sympathiekundgebungen rür beit finnländischen Pattioten Schaumann und die Warschauer Arbeiter beschlossen nnirben, die sich gegen die russischen Behörden wehrten, vor das deutsche Konsulat ziehen. Sie sanden ,edoch di- Straße durch starke Polizeimannschaft gesperrt. Belgrad, 8. Juli. Ter verhaftete Sekretär des Königs Alexander P rett ans ewitsch wies vor dem Mi- wsttrPräsidenten Gruitsch der ihn in der Haft besuchte, daraus rrn, daß er das angeblich veruntreute Geld im Auftrage des Königs Alexander für Bestechu ngen oer wendete Prettanjewitsch wird die Beweise hierfür vor G-richt üortegen. Newnork, 8. Juli Tie Frauenrechtler mten verliefe i er- vürnt bie N< ionalkonr-ntion, nachdem ihnen die geplanten Plai- bon*T$ v, unft*n de-Frauenstimmrechts verwehrt Darben waren. Avs «fjtiitit und Land. Gießen, den 9. Juli 1904. — D i e Gentälbe - AuSstellung nm Brand ist von morgen, Sonntag, an wieder geöffnet. Die Ausstellung weist 90 Gemälde auf. Eduard Rübisühli-Basel hat seine Kollektion mit einem großen Gemälde »Dämon der Rache" bereichert. Ferner haben u. a. die Ausstellung beschickt: F. Wachen- busen-Hamburg, W. Hambüchen und O. Ackermann-DÜffel- dorf, H. Rasch, C. Balze, E. Hartmann-München, A. Specht- Stuttgart, A. Obst-Berlin, P. Müller-GodeSberg, H. Disch- ler-Freiburg usw. Die diesmalige AuSstelltrng, welche nur noch 14 Tage geöffnet ist, hat fast durchweg aute Gemälde aufzuweisen und kann eßiem Besuch ausS angelegentlichste empfahlen werden. * * Das Promenaden-Konzert fällt morgen Sonntag auS. • • AuSf 1 tig der 2. Kammer. An dem heutigen Ausflug der 2. Kammer nach Bingen, ber übrigens einen rein privaten Charakter trägt, nahmen, so meldet uns ein Drahtbericht, etwa 36 Mitglieder ber Kammer teil. Die Fahrt ging heute früh um 7.24 Uhr van Darmstadt nach Mainz, von wo uni 9 Uhr per Dampfer die Weiterfahrt nach Bingen erfolgt. Dort ist nach der Ankunft um 11 Uhr Frühstück auf dem RochuSberg, und später findet ein von der Stadt arrangiertes Esten statt. * * Der Jahresbericht der Großh. Handels- fa tu in er Gießen ist soeben in der Brühlschen Druckerei erschienen und tm Gegensatz zu früher in größerem Format alS seither und in Antiguaschrist gedruckt. Auf den Inhalt kommen wir zurück. 99 Die findige Poft. Wenn in einem heutigen'Eingesandt die Staufenberger sich über unzulängliche Post- verbmdung beschweren, so sind doch gleichzeitig noch Vorgänge zu berichten, die der Post das beste Zeugnis auSstellen. ,An meine liebe Braut Hedwig* (schreibt eine deutsch-russische Zeitung), .zur Zeit in Bad Nauheim in Deutschland*, so lautete infolge einer Wette zwischen zwei Herren in Riga die Adresse einer emgelaufenen Postkarte, deren Adressatin sich seit einiger Zeit im KurbauS Lindenhof in Bad Nauheim befand. AuS der dickleibigen Kurliste der letzten Wochen wurden ,mit heißem Bemühen" die zahlreichen HedwiqS amtlich berauSgezogen und im Briesträgerzimmer alsdann fest- gestellt, daß eine darunter fast täglich Briese und Karten auS Rußland erhielt, was als Indizienbeweis .starken Verlobt- sein- ausgefaßt wurde. Unb richtig, diese Annahme täuschte nicht und ohne Zeitverlust gelangte die Karte tatsächlich in die zarten Hände ber ungenannten richtigen Adressatin. — Einen merkwürdigen Fall teilt man auch auS Weilburg mit: Ein dortiger Bürger hat bic Gewohnheit, ben Satz .ich willö Euch weise" öfter- zu wieberholen. Einer seiner Freunde schickte ihm von einem AuSflng eine Ansichtskarte, die nur diese Redensart als Adreste führte, und siehe da, die Post weiß den richtigen Stammtisch zu finden; der Briefträger schmunzelte vergnügt .ich willS Euch weise*. w. ^tüb b ing6häufen, 8. Juli. Zu dem geinetbeten Morb hört man noch weiter: Der Verdächtige, Schmied JohS. Koch, ein Vetter deS ermordeten Heinrich Koch, welcher verschwunden war, ist gestern abend spät in sein Heim zu feiner Familie (Frau und zwei Kinder) zurückgekehrt, verließ aber heute früh qm etwa 3—4 Uhr fein Heim wieder und soll hinterlassen haben, er gehe nach Londorf unb stelle sich der Polizei re>p. den Gendarmen, wo er auch in Wirklichkeit gewesen sein soll. Koch traf jedoch die Gendarmerie nicht an, denn diese hatte sich schon in aller Frühe nach RüddingS- ham'en begeben, unb so ist ber Verbächtige bis jetzt noch anr freiem Fuß. Hoffentlich gelingt eS ber Polizei, ihn alsbald in Sicherheit zu bringen. Der Ermorbete Heinrich Koch würbe heute nachmittag 4 Uhr beerbtgt. w. Bad-Nauheim, 8. Juli. Bis zum 7. Juli sind 13405 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 5930 anwesend waren. 158 741 Bäder wurden bis zum 7. Juli abgegeben. ff.) Riffen beim, 8. Juli. Heule fand biet bie feierliche Beisetzung ber am vorigen TienStage nach längerem Leiden gestorbenen Gemahlin S. Erlaucht des Grafen Franz zu Solms-Rödelheim und Assenheim unter ungemein zahlreicher Beteiligung statt. Tie Verstorbene, eine geborene Gräfin Anastasia van Pappen heim, war erst 42 Jahre all und lebte in glücklichster Ehe, roelcher vier Kinder entsprossen sind. Allgemein erfreute sie sich der größten Beliebtheit, so daß ihr früher Toa ausS tiefste betrauert wird. Außer den Familien der bcrbcricihgen Verwandten waren fast alle hessisckDen ständesherrlichen Familien, sowie eine ganze Anzahl bahrifchet Adelsfamillen vertreten. Zahlreiche glänzetibe Uniformen bemerkte man unter dem Trauergefolge. Ter bercsis geschlossene Sarg war in dem sog. (^artenfaalc deS Gräfl. Schlosses auf- gebahrt. Die Einsegnung wurde durch ben Ottsgeisllichen, Pfarrer Hechler, vollzogen: der Sarg wurde von den Handwerkern des Gräfl. Hauses getragen. Auf dem Wege zum Friedhöfe der Gräfl. Familie fangen die Sckwlkinder, während an der Gruft der hiesige Gesangverein zwei Chöre vorttiig. Die Leichenrede hielt der dem Gräfl. Hause seit Jahren eng befreundete Hofprediger a. T. .Stöcker aus Berlin, der das Gräfl Ehepaar seinerzeit auch getraut hat. Er schilderte den Lebenslauf der Ver- ftorbciien, die im Hochgebirge in der Nähe von Partenkirchen ausgewachsen war. Von Natur ernst veranlagt, hatte sie sich als Lebensberuf den der Krankenpflege gewählt und war auch bereitem Jahr lang als Johanniter-Schwester tätig g e - wesen. Tann trat sie in den Stand der Ehe. Sie war eine geistig hochstehende Frau, hatte sehr vielseitiges Interesse und nahm sich mit besonderer Vorliebe der Armen und Kranken an. Als Herrin wurde sie vom Dienstpersonal hoch verehrt. Es wird ihr nicht nur in ihrem Geburtsorte, wo sie stets nur „die gute Gräfin Nacka" genannt wurde, sondern auch in Assen- heim und überhaupt von allen, die sie kannten, ein ehrendes und treues Andenken bewahrt werden. Nach dem Segen, her .wiederum von dem Lrtsgeistrichen gesprochen wurde, wurden zwei herrliche Kränze auS Alpenrosen von dem Grafen von Pappen heim, dem Bruder der Entschlafenen, sowie von Hos-' otebiaer Stöcker ats Gruß aus der fernen Heimat am Grabe nie- aergelegt. Ergreifend war es, als am Schlüsse der Trauer» feier die drei ältesten Kinder der hohen Toten an ber Hand s>?s Vaters zur Gruft traten, um ihrer teuren Mutter als letztes Licbeszeick>en Blumen über den Sarg zu streuen. Seligenstadt, 7. Juli. Se. Kgl. Hoheit der Groß- herzog überraschte heute nachmittag um V35 Uhr unser Städtchen per Automobil mit feinem allerhöchsten Besuche. Tie Fahrt auf ber Opelmaschine führte vom Jagb- schlon, „Wolföqarten^ bei Egelsbach über Offenthal, Langen mb Dudenhofen, unb beanspruchte etwa eine Stunde. Obgleich ein ständiger Chauffeur ben Automobilausflug mit* macht, übernahm doch der Großherzog persönlich die Leitung deS Fahrzeuges, das er mit erstaunlichem Geschick zu lenken weiß. In der Begleitung des Landesherrn befanden sich neben dem Grafen von Werst die Hofdamen Exzellenz Frei- fraulein von Granen und Fräulein von RotSmann. Die Maschine hielt unmittelbar vor ber Einfahrtöbasilika, bic nach einem Runbgang burch bic städtischen Mainanlagen unb bic Gcbäube der ehemaligen Bencdiktinerabtei einer cingchenbcn Besichtiglmg unterzogen würbe. Obgleich ber Landesherr im strengsten Inkognito reifte, verbreitete sich die Kunde von der unserem Städtchen bereiteten hoben Ehre wie ein Lauffeuer unter ber Bevölkerung, bie in Scharen herzueilte, um ehrfurchtsvoll den LanbeShcrrn zu begrüßen. Rach cinstündigem Aufenthalt mürbe die Rückreise über Froschhausen, Obertshausen, Heusenstamm und Neu-Isenburg angetreten. In Heusenstamm würbe daS Schloß besichtigt. sN. H. Bist.) Neckarsteinach, 8. Juli. Bei ber hiesigen Spar* unb Darlehenskasse würben von der mit ber Kontrolle betrauten OberrechnungSkarnmer in Darmstadt grobe Unregelmäßigkeiten entdeckt. Für das Defizit wird neben dem Vorstand ber Aufsichtörat haftbar gemacht werden» Kleine Mitteilungen n u S .Hessen und den Nachbarstaaten. In Butzbach wird am 13. Juli eine Eskadron deS Husaren-RcgimentS König Humbert von Italien (1. Kurhess. Nr. 13), weiches sich auf dem Rückmarsch vom Truppenübungsplatz Senne befindet, einquartiert. Ter Stab wird in Langgöns Quartier beziehen. — Der Großherzog traf am 8. d. M., nachmittags 4 V, Uhr mit Begleitung in einem von Fritz Opel gelenkten Automobil auf dem Schützcn- festplatz in Bingen ein. Schützenmeister Gräff begrüßte den Landesherrn, ber den Gabentempcl und die Schießstände besichtigte unb später in der Festhalle einen Imbiß einnahm. Die Rückfahrt erfolgte wiederum mit Automobil um 6 Uhr. — Der bei Bingen gelegene Ort Gaulsheim erhält demnächst eine Lehrerin auS Brüssel. — Auf dem Güter- bahnhof der ehemaligen Hessischen LndwigSbahn in Darmstadt wurden dieser Tage ungefähr 3000 Militärbrieftauben steigen lasten: eS ist dies das brfttc mal feit vier Wochen. Im Gegensätze zu früher waren dies mal Tauben auS fast allen Teilen Deutschlands hierher gesandt worden. vermischtes. • Düsseldorf, 8. Juli. Aus dem hiesigen Hauptbahnhofe verletzte ein von Rußland kommender nach Amerika reifender Passagier mehrere Personen durch Stiche und durchschni11 sich dann selbst den HalS. * Erlangen, 8. Juli. Im Ludenbach, in nächster Nähe von Erlangen wurde heute früh die Leiche eines un bekannten Mädchens mit einem Beilhieb über ber Stirne gefunben. • Straßburg i. E.? 8. Juli. In Hilfenheim ermor# bete ber Uhrmacher Kilstatter seine Ehesrau. Die Ermorbete lebte von ihrem Manu getrennt. * Chicago, 8. Juli. Der Inhaber ber Dortmunber Bommerlunberfabrik Möller ist nebst seinem Vertreter in Amerika, Jensen, auf der Rückreise von St. Louis in Chicago von einer elektrischen Straßenbahn überfahren worden. Sie wurden beide in hoffnunnSlosem Zustande ins HoSpital gebracht. * Tokio, 9. Juli. In der Nacht deS 4. Juki brach in der hiesigen Universität Feuer auS unb zerstörte zwei (Schäube, welche zur Ingenieur-Abteilung gehörten. Tas eine, bie Marine-Ingenieurschule, war erst im letzten Frühling fertig geworben und hatte 96 000 Pen gekostet. Das andere war für die Zivil-Jngenieur-Abteilung im Bau. Die Herstellungskosten hatten bisher 101 000 Pen betragen. Die Universität in Tokio begreift nicht mir die drei Fakultäten in sich (eine theologische Fakultät giebt eS bekanntlich in Japan nicht), sondern eS sind ihr auch eine Anzahl technischer Hochschulen, sowie bie LanbwirtfchaftS- und Tierarzneiliche Akademie beigeordnet. • Vom Dampfer ,Norge". Die vereinigte Dampf- schiffgesellschast in Kopenhagen erhielt von Stromnetz auf ben Orkneyinseln ein Telegramm, welches besagt, baß weitere 1 9 Personen von bem Dampfer .Norge" in TborShaven, der Hauptstadt der Farörinseln, gelandet worben sinb. Der Dampfer ,Energie* ist mit 69 Geretteten in Swinemünbe angekommen. Ein weiteres Rettungsboot hat die ShetlandS- Inseln erreicht. Ein Geretteter sagt auS, sie seien 8 Tage auf hoher See gewesen. Die Insassen deß BooteS seien sehr erschöpft gewesen, als sie wieder Land betraten. * Einbruch in eine deutsche Gesandtschaft. Der ,K. Z.* wird auS Tanger vom 8. Juli telegraphiert: Ein EinbruchSdiebftahl wurde in der deutschen Gesandtschaft begangen. Gerüchte über eine Entführung veranlaßten folgende authentische Darstellung: Während der Gesandte mit seiner Familie gestern abend speiste, drangen 2 Araber über eine Mauer von dem Christenfriedhof in daS HauS unb dann in baS Schlafzimmer beS Gesanbten ein, wo sie einen Revolver unb Pvtronen stahlen. Dprch baS Geschrei bes Kinbermäbchens im Kinberzimmer gestört, entflohen sie, als ber Gesanbte mit einem Revolver erschien. Der Mangel an jeber Autorität unb an Polizei hat bic Araber frech gemacht. Die Täter kannten bie Oertlichkeit. Sie sind nicht gefaßt worben. AnivttIUäts-1Naäiricht,n. — Ter Rückgang in der Zahl der Stubierenben ber Medizin an ben beutsck>en Universitäten ist im laufenden Sommersemester, wie eine Uebersicht über die BesuibsZiffern erkennen läßt, Wied rum recht augenfällig. Belief sich bie Gk- samtmhl b-r Medizinstudierenben an ben beuticljcn Universitäten im Wintersemester 1894/95 noch auf 7796, so beträgt sie jetzt nur noch 6019, so baß also in diesen zehn Jahren eine Abnahme von 1774 oder säst 29 Prozent xingetreten ist. Einige Hochschulen sind an dieser Verringerung in besonderem Maße beteiligt, so Würzburg, Leipzig, Greifswald, Halle, Breslau, München, Erlangen, Göttin gen, Bonn, Marburg, Straßburg, Tübingen unb Jena. .Einige medizinisch Fakultäten lyabru etnuis zugenommen, so Freiburg von 383 auf 469, (ließen von 109 auf 172, Heidelberg von 225 auf 292, Königsberg von 155 auf 205 und Rostock von 110 ans 123. In Berlin, ber arößten mebi-inisck^i, Fakultät, sank bie Zahl von 1220 auf 963. Im Winter 1897 98 hatte sie noch 1360 Mediziner Kkrii-tslaas. Braunschwci8. Juli. Vor ber Strasloiunirr begann heute em Aufsehen erregender Prozeß. Als Angeklagte erschien die Frau Major v. Bülow, welche beschuldigt ist, ihr 12 jährigeS Töchterchen grausam gequält und ei »gesperrt gehalten zu haben. Die Angeklagte bestreitet jede Schuld und behauptet, daß es sich um Dienstbotenklatsch handelt. Da über 30 Zeugen zu vernehmen sind, wurden die Verhandlungen heute noch nicht zu Ende geführt. Braunschweig, 7. Juli. Am 3. März d. I. wurde die elfjährige Helene Bcvenroth auf dem Rittergute Hagenhof bei Königslutter überfallen, der Versuch an ihr unternommen, ein nach § 176,3 des St.-G.-Bchs. strafbares Verbrechen zu verüben und sie schließlich nach mißglücktem Versuche in scheußlicher Weise ermordet. Als Täter ist der Kuhknecht Wilhelm Triwe, 27 Jahre alt, seit zwei Jahren verheiratet und Vater zweier Kinder, ermittelt worden, der denn auch schließlich ein Geständnis abgelegt und dasselbe zu mehreren Malen wiederholt hat. Heute wurde nun unter ungeheurem Andrange des Publikums gegen Tuwe wegen Mords vor dem Schwurgericht verhandelt, und derselbe zum Tode und zu l1/? Jahren Zuchthaus verurteilt. Wiesbaden, 8. Juli. Im Massenprozeß hiesiger Aerzte haben sowohl der vorn Schöffengericht zu 450 Mark Geldstrafe verurteilte Geh. Medizinal- und Regierungsrat Tr. August Pfeiffer als auch sämtliche gegen ihn klagenden Aerzte Berufung eingelegt. Man wird ,Mo eine vielleicht verstärkte Neuauflage der an sich wenig erquicklichen, in sozialer und rechtlicher Beziehung aber nichtsdestoweniger bedeutsamen Auseinandersetzung erleben. Berlin, 8. Juli. Tos Urteil in einem großen Butter- fälschungsprozesse wurde heute abend gesprochen. Von den 30 Angeklagten wurden nur fünf freigesprochen. Gegen die übrigen wurde auf Gefängnisstrafen von 2 Wochen bis 3 Monaten bezw. auf Geldstrafen von 50 bis 1000 Mk. erkannt. Nürnberg, 8. Juli. Tie Strafkammer in Fürth 'verurteilte den Flaschner G e b s a t t e l, der in der Trunkenheit über den Prinzregenten, den König und den Kaiser geschimpft hatte, wegen Majestätsbeleidigung zu vier Monaten Gefängnis. Rom, 8. Juki. Ter Lehrer Minozzi, der den Geliebten seiner Frau, einen Sergeanten, niedergeschossen hatte, wurde heute unter großem Beifall des Publikums von den Geschworenen freigesprochen. Sport. (E. T) Fußball. Morgen, Sonntag nachmittag, finden auf dem Exerzierplatz zwei Wettspiele statt. Um 3 Uhr spielt die erste Mannschaft des Gießener Ballspielklubs gegen die zweite des Gießener Fußballklubs, später, etwa um 5 Uhr, die erste Mannschaft des Gießener Fußballklubs von 1900 gegen die gleiche des Frankfurter Meisterschostsklubs „Kickers". Beide Spiele versprechen sehr interessant zu werden, und der Besuch ist jedem, der fick für gesund-".: Sport interpff-ert, dringend zu empfehlen! Kandel und Verkehr. Volkswittschasl. HessischeLandcs-Hypethekenbank. Das Halbjahr hat dem Institute eine sehr befriedigende Weiterentwicklung gebracht. .Der Umlauf 3*'? Proz. Hypothek-Pfandbriefe hat sich um Mk. 7 100 000—, derjenige Zr/r Proz. ^om* munal-vLcbnldv erschre ibungen hat sich um Mk. 2 330 000.— erhöht, so daß sich per 30. Juni 1904 Mk. 14 700 000.— 3V2 proz. Hypothek-Pfandbriefe und 4,300 000.— Mk. 3V2 proz. Kommunal- Schuldverschreibungen in Zirkulation befinden. Die Ausleihungen steigerten sich um 725 Hypothekdarlehen im Bettage von Mk. 8 275 000 imb 74 Kommunaldarlehen im Betrage von Mark 2200000.—. Der Darlehensbestand stellt sich insgesantt auf: Mk. 17 500 000.— Hypothek-Darlehen und Mb 5 100 000.— Kom- munal-Darlehen. Die Erhöhung des Bettiebskapitals von Mark 4 600 000.— auf Mk. 9 000 000.— ist durchgefuhrt. Der Staat hat vom gesamten Kapital Mk. 8 311 000.— im Besitz, auf Kommunen und öffentliche Sparkaffen mit kommunaler Garantie entfallen Mk. 689 000.—. Tvs Grundkapital von Mk. 9 000 000 ist voll eingezahlt. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Sonntag, den 10. Juli 1904: Meist heiter, bei etwas kühlerer Nacht tagsüber Temperatur nur wenig verändert, sehr warm, andauernd trocken. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Eingesandt. Mr Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) c < .. r t . Staufenberg, 9. Juli. dE 1- Juni d. I. der neuerrichiteten Posta^ntur Mainzlar zugeteilt. Zn dieser Agentur gehören außer Mamzlar Taubnngen, Heibertshäuser Hof und Staufenberg. Auf seinem ersten Gange besorgt der in Mainzlar stationierte Postbote die Geschäfte in Mainzlar, Taubringen und Heibertshäuser Hof und ist um 8.46 Uhr an der Haltestelle Danbringen, er dem Lumdazug, der um diese Zeit von da nach Gießen geht, die Postsachen der genannten Orte übergibt. Um 9 Uhr Ut er in Staufenberg und kommt kurz nach 1Ö Ahr wieder nach Mainzlar zurück Da aber der um 2 Uhr von hier nach Gießen abgehende Zug keine Post hat, bleiben sämtliche Staufenberger Postsachen auf der Postagentur Mainzlar bis nachmittags 3.18 Uhr liegen und gehen dann über Grimberg, von wo ai's sie mit dem Zug der Oberheffffchen Bahn um 4 Uhr 30 Min. nach Gießen gehen und dort 4.57 Uhr ankommen. Es ist auf diese Weise möglich, daß eine Korrespondenz nach Lollar, die abends nt Staufenberg eingeworfen wird, den anderen Wend S? des Adressaten gelangt, und die übrigen Orte des Bestellbezirks Lollar erst am Vormittag des folgenden Tages erreicht. Daß bei einer solchen Einrichtung nicht allein die Korrespondenzen nach Lollar und Umgegend eine so große Ver- späb'ng erleiden, sondern auch die, welche andere Bestimmungsorte haben, ist selbstverständlich Vor dem 1. Juni, wo wir zum Postbestellbezirk Lollar gehörten, waren wir viel besser dran Hoffentlich genügen diese Zeilen, daß die Sache einer näheren Prüfung unterzogen wird. Ncueile Meldungen. Originaldrahtmeldunaen des Gießener Anzeiger». Berlin, 9. Juli. Wie die „Neue Pol. Korr? vernimmt, hat der Kaiser der Familie Bülow einen Sitz im preußischen Herrenhause verliehen. Berlin, 9. Juli. Zu dem Morde an der Lucie Berlin werden jetzt neue Einzelheiten berichtet, die eine völlige Uebersührung deZ mutmaßlichen Mörders Berger ergeben dürften. Breslau, 9. Juli. Während der Vorstellung im Theater zu Bad Reinerz ertönten aus der Dam en - Garderobe Feuerrufe. DaS Publikum stürmte sofort nach den AuSgängen, wobei eine Dame umgerisien und getreten wurde. In der Garderobe hatte eine Dame eine Lampe umgeworfen, wodurch das Kostüm einer Schauspielerin in Brand geriet. Die Schauspielerin erlitt erhebliche Brandwunden. Auch einige andere Damen verbrannten sich bei den Löschversuchen die Hände. Das Theater mußte geschloffen werden. Gera, 9. Juli. DaS Kriegsgericht der 8. Division verurteilte den Musketier Max Gentey von der 6. Komp, des 153. Infanterieregiments in Altenburg zu 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust sowie Ausstoßung auS dem Heere und Stellung unter Polizeiaufsicht. Der Angeklagte war trotz Leugnens überführt, mehrere Ladendiebstähle begangen zu haben. London, 9. Juli. Der Prinz von WaleS präsidierte gestern im Marlboroughhouse der jährlichen Zusammenkunft der Krebsuntersuchungskommission. Sir William Church verlas den Jahresbericht und wies auf die Fortschritte hin, die die Krebsforschung in der letzten Zeit machte. Er führte auS, folgende Tatsachen seien festgestellt. Der Krebs erstreckt sich sowohl über die zivilisierte, wie über die unzivilisierte Welt. Daher ist die Zivilisation nicht eine Ursache seines Entstehens. Er kommt bei Menschen und Tieren, sogar bei Seefischen vor und ergreift alle Wesen verhältnismäßig in denselben Altersgrenzen. Der Krebs ist nicht ansteckend und nicht übertragbar von einer Art auf eine andere Art. Die Krebszelle kann die Fähigkeit der Selbstsortpffanzung wieder erlangen. Die Krankheit wird nicht durch einen Parasiten hervorgerusen, auch ist sie nicht tm Zunehm en begriffen. Man sand bisher nicht, daß das Radium einen heilsamen Einfluß ausübt. Paris 9. Juli. Die hiesige japanische Gesandschasi gibt eine Rote über ein Gespräch, welches der Ministerpräsident Katsura mit dem amerikanischen Missionar Jmbrie gehabt hat. Katsura erklärte, Japan vertrete im gegenwärtiqeq Krieg die Jutercffen der Menschlichkeit, des Handels und der Zivilisation. Wie sich Japan seiner Pflichten als zivilisierte Nation bewußt ist, gehe daraus hervor, daß es die nahe liegende Idee eines Bündnisses mit China entschieden zurück wies und zwar hauptsächlich, weil es den sonst un. vermeidlichen Ausbruch, des Fremdenhaffes in China ver- hindern wollte. Paris, 9. Juli. Der Petersburger Korrespondent des „Echo de Paris" übermitttelt seinem Blatte folgendes sensationelle Telegramm: Am 6. Juni sind zwei Gefechtseinheiten, bestehend aus 3 bis 4 Schnelldampfern, welche Rußland von deutschen Reedereien erworben hat, von einem deutschen Hafen unter dem Befehl des Barons Melken nach Osten abgegangen. Dieses Geschwader ist beauftragt, in Chile sich durch weitere dort gekaufte Schiffe zu verstärken und vereint mit diesen die japanische Küste zu bom- bardieren, worauf es sich mit der Wladiwostokflotte vereinigen soll. Das Geschwader soll sonst nirgends an- laufen. Brest, 9. Juli. Ernste Unruhen haben hier stattgefunden. Die Streikenden durchzogen die Straßen der Stadt unter Absingung revolutionärer Lieder. Truppen mußten einschreiten, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Diese trieben die Demonstranten gewaltsam auseinander. AuS den Fenstern der Häuser wurden allerlei Geschosse auf die Truppen geworfen, wodurch zahlreiche Soldaten und Polizisten verletzt wurden. Die Behörden, welche sich an Ort und Stelle begaben, wurden ebenfalls tätlich angegriffen. Der Präfekt wurde durch einen Steinwurf am Kopfe verletzt. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Häuser, aus welchen Gegenstände geworfen worden waren, wurden umzingelt. Truppen-Abteilungen besetzten mehrere Stadtteile sowie die hauptsächlichsten Straßen- Kreuzungen. Die Aufregung in der Stadt ist sehr groß. Man befürchtet weitere ernste Ereigniffe. Salzburg, 9. Juli. Auf der Station Seekirchen fand eine Zugentgleisung statt, wobei eine Person getötet und 7 verletzt wurden. Telephonischer Kursbericht« 81V/o Reioheanlerhe . . 3% do. . . . 3Vt®/o Konsols . . . . 3% do...... 3,/e% Hessen . , . . 3V,% Oberhessen . . . 4% Oesterr. Goldrenfe . . 4V6% Oesterr. Riiberrente 4% Ungar. Goldrente . . 40/n Italien. Rente , . . 41/a % Portugieser , . . 3°/ Portugiesen. . . . . 1 % C. Türken . . . . Tiirkenlose ...... 4% Griech. Monopol.-Anl. 41/, % äussere Argentiner Frankfnn a. 51 101.95 3°/o Mexikaner . . 90.70 102.10 90.40 100.35 99.20 101.10 41/e*Vr? Chinesen . . Electric. Sch ackert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . 100.00 103.50 61.45 60.70 128*00 Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden . . . Gotthardbahn . , , Lanrahütte . . . . Bochum ..... 9. Juli. . . 27.45 . . 89.73 . . 1^5.80 . . 10190 - . 201.50 . . 1R7.3O . 137.60 . . 149.70 . . 153.20 . . 136 40 . . 17.25 . . 187.50 . . 242.80 . . 187.00 48.20 Harpener......198JJ0 44,30 Tendenz: stüL NESTLE* Kin WdtWr WchmMKmiS Wei. Garteustraße 2, Zimmer Nr. 14. (Geschäftsstunden von 8—1 und von 3—6 Uhr.) ES find zn vermieten: 30 Wohnungen von 2—8 Zimmern, 1 Zimmer, für Bureau- Zwecke geeignet,. 1 möbliertes Zimmer mit Kabinett. Zu mieten gesucht: 54 Wohnungen von 2—11 Zimmern. Die Vermieter haben eine Einschreibgebühr zu entrichten und zwar für eine Wohnung mit einem jährlichen Mietwert bis 300 Mk. einschließlich 0,20 Mk., von mehr als 300 Mk. bis 500 Mk. einschließlich 0,50 Mk., und von mehr als 500 Mk. 1 00 Mk.; außerdem ist für jede Wohnungsanmeldung 1,00 Mk. zu hinterlegen. Für die Wohnungssuchenden erfolgt die Vermittelung unentgeltlich^___________________________________________________' 5951 Dergebung vonFlohöauaröeilen Zur Erbauung der veterinär-medizinischen Institute in Gießen, hier: des Auditoriumsgebäudes und der Lehrschmiede, werden die folgenden Rohbauarbeiten unter Zugrundelegung des Ministerialerlasses vom 16. Juni 1893 hiermit öffentlich ausgeschrieben. Los I: Erd- und Maurerarbeit, darunter 470 cbm Bruchsteinmauerwerk, 750 cbm Backsteinmauerwerk. Steinmetzarbeiten, Los II: 58 cbm roter Sandstein. Los 111: 26 cbm Lrrngstein (Basaltlava). LoS I V: Zimmerarbeiten, darunter 80 cbm Tannenholz, 4300 lfd. Mtr. Holz abzubinden, 120 lfd. Mir. Holzgesims. Los V: Dachdeckerarbeiten, darunter 750 qm Schieferdach. Los VI: Spenglerarbeiten, darunter 50 lfd. Mtr. Sand- tandeln, 90 lfd. Mtr. Simarinne. Los VII: Grobschlosserarbeit, darunter 550 kg Anker, Klammern re., 380 kg Schrauben, Bolzen rc. Los VIII: Blitzableiteranlage. Los IX: Trägerlieferung, 23 000 kg und U-Eisen. Angebotsunterlagen können auf unserem Zmeigbüreau, Frankfurterstraße Nr. 83, eingesehen, Angebotsformulare dorther bezogen werden. Offerten mit genau bezeichnender Auffchrift versehen sind auf genanntem Zmeigbüreau bis Mittwoch den 27. Juli d. I., vormittags 11 Uhr, dem Erüffnungstermin, ein* rureichen. — Zuschlagsfrist 4 Wochen. Gießen, den 8. Juli 1904. 5928 Großh. Baubehörde für die Universitäts-Neubauten. Becker. Die Ausführung von rd. 2800 cbm Erdarbeit, 420 lfd. m Entwässerung, 380 cbm Bruchsteinmauerwerk, 72 ebm Ziegelstem- mauerwerk und 260 cbm Beton zur Herstellung einer Viehwagen- reiniqungsanstalt auf Bahnhof Gießen soll öffentlich vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen liegen bei der unterzeichneten Betriebsinspektion zur Einsicht aus; auch können dieselben gegen post- und beftellgeldfreie Einsendung von 3 Mark von dort bezogen werden. Angebote sind bis zum Eröffnungstermin am 23. Juli 1904, vormittags 11 Uhr, postsrei einzusenden. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 7. Juli 1904. Großh. Eisenbahn-Betriebs- 5930________Inspektion 1.______ Versteigerung. Montag, de« 11. d. M., uachm. 3 Uhr sollen dahier Marktplatz 20 im Adler: 21/, Mille Zigarre«, eine Partie Schuhwaren, eine Ladeneinrichtung, mehrere Räh- mafchiue«, ein Kanarienvogel mit Käfig, 2 Pierde, Haus- und Küchengeräte aller Art, ein EiSschrank u. v. A. gegen bar versteigert werden. Die Versteigerung findet teilweise bestimmt statt. 5943 Gießen, den 9. Juli 1904. Seipel, Gerichtsvollzieher. Ein grosses Glück verleiht ein zarteS, reines Gesicht, jugendsrisches, rosiges AnSsehe«, weiße, saunnetweiche Haut und blendend schöner Teint. — Alles dies erzeugt: Madebeuler [2401 Lilicnmilch-Seife Man achte auf die Schutzmarke Steckenpferd, echt & St. 50 H bei Adolf Bieler Viktoria-Drogerie. Marktstraße 5. Gegründet 1883. ——— Jean Dern & Co., Giessen Telephon Nr. 21 Inh.: Oscar Gutmann Bureau: Wastanlage 31 A”udL^ernf Glasbausteine ,Falconnier‘ Vielfach preisgekrönt. Angewandt: wenn es sieh darum handelt, Oeffhungen zum Einlassen des Lichtes In Mauere anzubringen, selbst wenn die letzteren nicht in der gesetzlich vorg-eschriebenen Entfernung von dem Nebenbesitzer liegen. Ferner bei Verandas, Wintergärten. Kiosken. Vordächern. Bädern, Spitälern, Eisfabriken, Schlächtereien, Fabriken und überall da, wo grosse Lichtmengen und die Erhaltung einer gleichmässigen Temperatur notwendig sind, in industriellen Etablissements, wo ätzende Dünste erzeugende Stoffe fabriziert werden, als isolierende Scheidewand gegen die Elektrizität. — Die Verwendung ist äusserst vorteilhaft in der Gärtnerei. Wenn die Spaliere teilweise aus Glasbausteinen ausgeführt werden, kommt das Obst früh zur Reife. Die Glasbausteine werden wie gewöhnliche Backsteine durch Mörtel zusammengefügt. — Kostenanschläge gratis. 5953 HttWsttdtMlkI m Gießen. Am Mittwoch den 7. September 1904, vormittags, findet auf den städtischen Marktanlagen nächst der Rodheimerstraße Pferdemarkt statt. Für Stallungen in der Nähe deS Marites Ist ausreichend Sorge gettagen; wegen derselben wolle man sich an Herrn Hoflohnkutscher Huhn dahier wenden. Mtt dem Pferdemartt ist eine Prämiierung verbunden, für welche 1620 Mark zur Verfügung flehen. Der PramiierungSplan ist von Herrn Weinhändler Angnst Schwa« zu Gießen jtu beziehen. Die PreiSvertoilung erfolgt tm Attzchluß an die Prämiierung um 121/, Uhr. Omnibu«Verbindung von dem Bahnhof nach dem Marktplatz tmb zurück. — Von 10 Uhr ab: Konzert auf dem Marktplatz. 2lm 8. September, nachmtttagS 2 Uhr, findet in der Turn halle der Stadtknabenschule eine Verlosung statt von Pferden, Wagen, lmchwirlschastlichen Maschinen und Gerätschaften, Hanshaltungs- und Gebr^mchSgegenständen. Der Generalvertrieb der Lose d, 1 Mk. ist dem Herrn »tichard Bnchacker dahier übertragen. Gießen, den 25. ^uiü 1904. 5924 Dle städtische Pserdemarkt-Kommisfion. Jean Kirch. RcD {Mine Rothe-0 Stern JJßiute Antwerpen nod fioftdainpfer von «Mimst erlhkilar Red Star Linie ie Antwerpen. Earl Retter in (RicNrn, 1M2 Bieichstreße 8, parterre 0. Klippstein 11 Langsdort- Wämizcim Gesangverein. Zur General- Versammlung werden bic verehr!ichcn Vitglheder hiermit auf LXontag den 18, Auli, abends 8'/, Uhr, m d« große Aula (Umotrfitiu) emgeladeru LaaeL -Ordnung: 1. Vertrag mit dem Loncertverem Gießen. 5947 i. Satzungsänderungen. 3. ZahreSdencht, Nechnung-aKlage und VorstandSwahO Der Vorstand: Dr. W. Oncken. Kunstverein. Die GcnuUdc-Au-ftcllung ist von morgen, Sonntag, an wieder geöffnet. r GtitacIMe jtsckelstn 7 in Buffets, Herrenschreibtischen, Zimm er-Einrichtung en f Moderne Schlafzinuner-Sinriclitungen in grosser Auswahl Schwarze Johannisbeere« und Stachelbeeren -u verkaufen. 039001 Schlsjenberflerweg 54,1 Ankauf getragener Kleider, Uniformen, Stiefel zu hohen Preisen. Offert. unter 5853 an die E^ped. d. Bl. Villa. HauS zum Alleinbewohnen, mit warten bevorzugt, zu kaufen gesucht. Offerten unter 03821 an die Expedition d. Bl. Dorsch iedcneo Ausgestellt 90 Gemälde. 5908 Die Ausstellung ist nur noch 14 Dage geöffnet. in besten Qualitäten zu denkbar billigsten Preisen A. Grünebaum’s Möbelmagazin 5966 Telephon 441 Bahnhofstrasse 35 5362 empfiehlt 5923 Billigste Preise. Kr. Grauer. Butzbach. Selbstgekelterten, naturreinen Die gemeinsame Fahrt der Friedhofs-Härtnerei ^epfelwem nach Die ersten neuen hol Volten 0880 sind eingetroffen. 5910 Billige Berechnung. Hur saubere Arbeit. 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