Dienstag, 9. Februar 1904 154* Jahrg. «rstheta» «glich mtt ftaftMbm« M Semtteo*. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe». oßen Bedenken, daß er Di .Eietzer $amatenblättef «erde» dem 31 ii?et5et v rnur rvöchentttch bdgelegt Der ^rlftjche Laudwl',w ersitzeuu m-mrtUch «tnmaL oeleot. Dieser Entwurf begegnete dock so großen Bedenken, daß er zurückgezogen und ein anderer Entwurf in Arbeit genonnnen tourte Wieweit tiefer gediehen ist, vermag ich noch nicht zu sagen. Be. Mlich des praktischen Jahres ist jetzt schon m Meten Fallen D^- pensation erteilt und eine müde Praxis beobachtet worden. Ob d« Bundesrat sich herbeilassen wird, allgemeine Bestimmungen über die Dispensation zu erlassen, erscheint mir fraglich. In Sachen der Akademien werde ich Mich Mit dem preußischen Kultusministerium in Verbindung setzen. Eine allgemeine Reform der Krankenpflege scheint, auch nur wünschenswert. Es schweben darüber Erwägungen ob eme obligatorische Prüfung der Krankenpfleger und eine weitere Prüfung für Oberwärter angeordnet werden soll. Präsident im Reichsgesundheitsamt Köhltt weist den DorwMf Dr. MugdanS, daß die Organisation des ReichSgesundhertsam^ eine falsche sei, als unbegründet zurück. Das Reichsgesundheitsamt wende allen wissenschaftlichen Forschungen. auf hv.gienisck m Gewet seine größte Aufmerksamkeit zu und habe iM speziellen ftirdie Erforschung der Tuberkulose einen besonderen Ausschuß gebildet, dem hervorragende Gelehrte, wie seinerzeit Virchow, angehörten. Abg. Dr. Becker-Hessen (nat.-lib.) erklärt, daß die Erregung über das Borsäureverbot geschwunden sei und man sich fthr gut damU abgefunden habe. Ueber die Schädlichkeit °der Nichflchadsichkeit der Borsäure sind in Fachkreisen, tote ick als Arzt weiß, die Ansichten nicht geklärt. Für mich als praktischen Menschen steht es aber ftst, daß eine Anzahl Fälle vorgekommen sind, in denen, die Borsaure chädlich auf den menschlichen Organismus etngehnrn hat. I Bezug auf das Krankenuflegertiim halte auch ich eme bessere Ausbildung auf reichsgesetzlicher Grundlage für notwendig. Ich Ahe da ganz auf dem Standpunkt meines Kollegen Dr. Mugdan.Den Standpunkt des Grafen Posadowsky hinsichtlich des praktischen Jahres halte ich nicht für bedenklich. H,er darf das persönliche Moment nicht mitsprecken. Das führt zu leicht zu ungerechten Bevorzugungen. Hier darf nicht eine milde oder strenge Praxis entscheiden, fonbr i müssen gesetzliche Bestimmungen geschaffen werden. Vor einer (sh- 'de habe ich den Brief meines Assistenten erhalten, der mir mitteilt, daß die hessische Regierung auf sem Gesuch hin ihn von dem praktischen Jahr dispensiert habe. DaS ist ja sehr liebenstoürdig von der hessischen Regierung, aber von dieser Liebenswürdigkeit darf der junge Arzt nicht abhängen. Erne ^allgemeine Regelung notwendig. Nicht einverstanden b'N ich damit, daß das vrakttsche Jahr unbedingt in einem Krankenhause absolviert werden muß. Ich toü de es für besser halten, wenn es auch bet einem prakttichen Arzte ab) rfoiert werden konnte. Bei dieser Gelegenhett will ich noch eine Sach.- mehr persönlicher Art emschalten. In einem sozialdemokratischen Blatte stand neulich zwar ohne Nennung meines Namens aber doch in deutlicher Beziehung.auf mich zu 1lesen,. daß es heute schon Aerzte gibt, die tn großkapitalistischer Weise ihren Beruf ausüben, indem sie sich in den Reichstag waMen lassen und den Bettieb durch Assistenten fortführen lassen. Ich hange dieses Elaborat tiefet und will nur folgendes bemerken: Ich reise mindestens einmal in der Woche nach Hause, um nach dem Rechten zu sehen, und im übrigen ist mein Assistent eine Person, auf die ich mich ganz verlassen kann. Ick würde es, tote hier gesagt, besonders gut halten, wenn das praktische Jahr gerade bet einem praktischen Arzte absolviert würde, und besonders bei einem Arzte mtt großer Kassenpraris. Gerade in der Kassenpraris lernt der junge Mediziner verschiedenes, was er nirgends anderswo lernen kann, z. B. daS billige Rezeptieren usw. Daß ich persönlich die Einführung des praktischen Jahres begrüßt habe, brauche ich nickt hervorzu heben. In Bezug auf die Akademiegründungen glaube ich, daß das eine schwierige Sache ist, die unter Uuständen für einen runden Mediziner eine unheilvolle Wirkung ausüben kann. Schon Istzt hcwen wir zuweilen den Widerspruch in der Auflassung der UniverfltätS- Professoren und der Leiter von Krankenhäusern. In der Pr<^tS wird manches ganz anders gemacht, als eS in den Hörsälen gelehrt wird. Wenn so ein junger Mediziner in die Akademie kommt, so wird ihm vielleicht in diesem ober jenem Falle gesagt: Sie haben diese Behandlung zwar so auf der Universität gelernt, wir machen daS aber anders. Dadurch kommt über den jungen Mediziner eine allgemeine Sitzungen in den Zeitungen. Direktor int Reichsgeftmdheitsamt Köhler bestreitet, daß irgendwelcher Bureaukratismus in der biologischen Abteilung herrsche. C herrsche im Gegenteil das Bestreben, der freien Forschung den weitesten Spielraum zu gewähren. Im Beirat der biologischen Abteilung sei eine Klage nicht laut geworden. Die Tagesordnungen in den Zeitungen zu veröffentlichen, gehe freilich nicht an Jeder, der sich dafür interessiere, erhalte aber so viel Material und so viel Einblick, als er wünsche. Mg. Schcidemann (Soz.) plattiert für die Oeffnung der Grenzen gegenüber der Fleischetnfuhr. Die.letz'gen Erfahrungen genügen den Konsumenten und Importeuren völlig. Das Schlimme beim Fleischbeschaugesetz sei gewesen, daß es aus entern Gesetz — das die ursprüngliche Vorlage gewesen sei, weshalb Die Sozialdemokratie auch mit ihr einverstanden gewesen sei -- zu einem Gesetz im Interesse der Agrarier geworden set, um ihnen wirtschaftliche Vorteile zu beschaffen. Jeder., der nicht mtt den Agrariern verwandt oder verschwägert sei, müsse ihm bestimmen. Geradezu lächerlich sei die Art, wie das Borsaureverbot gehandhabt werde. Ausländisches Fleisch, das 0,004 Proz.. Borsaure enthalt^ werde nicht hineingelasfen, wahrend man tn "jlandischem Fletsch zuweilen 1,07 Proz. Borsäure antreffe. Die Schuld an der verkehrten Ausbeutung des Fleischbeschaugesetzes treffe nicht den Staatssekretär Grafen Posadowsky; der meine es sicher ganz gut und wuroe auch im Zukunftsstaat einen fähigen Beamten abgeben. (Heiterkeit.) Lediglich dem Drangen der Agrarier sei jene traurige Praxis zu danken. In den Berichten der Hamburger und Bremer Handelskammer fänden sich Auslassungen, die deutlich zeigten, wie das ganze Gesetz im agrarischen Interesse gehandhabt werde. Ein staatserhaltendes Hamburger Organ habe die Ausführung des Fley ckbeschau- gesetzes als einen Hohn auf die ganze moderne Wirflchaftspolttil werden. Die Verhältnisse ändern sich beständig. EineListe könne keinesfalls durch Gesetz statuiert werden, sondern lediglich durch den Bundesrat. An sich sei die Bekämpfung der Geheimmittel notwendig, da mit ihnen ein unerhörter Schwindel getrieben und dem gutgläubigen Publikum das Geld aus der Tasche gezogen werde. Abg. Gothein (freif. Vgg.) findet diese Bevormundung überflüssig. Die ganze Verordnung sei vom heiligen Bureaukratismus gemacht worden. Wenn der Staatssekretär erimbere, er sei nur einer Anregung bes Reichstags gefolgt, so sei es bedauerlich, baß et in anbeten Fällen nicht immer bas gleiche Erttgegeukommen zeige^ Daß aus bem Reichstage zuweilen auch recht unpraktische Anregungen kämen, sei begreiflich, ba tiefer aus so vielen Mitgliedern bestehe Rebnet befürwortet sobann eine reichsgesetzliche Regelung bet Flußverseuchungsftage. Landesgesetzliche Bestimmungen nutzen hier nichts, da die Flüsie den Einzelstaaten nicht den Gefallen taten, ihren Schmutz an den Landesgrenzen anZuhaltem Man könne fteilich nicht zu viel verlangen: em Fluß, der tie Abwasser der Industrie aufnehmen soll, brauche schließlich nicht Forellen zu beherbergen. Aba. Dr. Müller-Sagan (freif. Vp.j ist von der Tätigkeit der biologischen Abteilung des Reichsgesundheitsamtes enttäuscht. Auch dort überwiege das, was man gemeinhin Bureaukratismus nenne. Man laste die Untersuchungen zu tpemg m tie Oesfentlichkeit bringen. Redner verlangt eine Veröflentlichung der Tagesordnungen de die Fleischbeschau em. , __ ,yi r. . Vizepräsident Graf Stolberg: Ich kann Sie zwar nicht hindern, auf den Inhalt der Resolutionen einzugeben, ich mochte Sie ?edock bitten, die Resolutionen als solche nicht zu behandeln. (Hetterkett.) Abg. Scheibemann (fotflahtend) befürwortet sobann eine Reform bes Fleischbeschau-Gesetzes, aber im Sinneeiner Verschärfung der Bestimmungen über die Hnusschlachtungen. Er schließt mit dem Hinweise darauf, daß die Sozialdemokratie durch ihren Kampf gegen das Fleischbeschaugefetz erhebliche pofitive Arbeit geleistet Hecke. Abg. Dr. Mugdan (freif. Vp.) hält die jetzige Organisation des Reichsgesundheitsamtes fiir falsch. Wenn es cmch 'n wistenschaft- licher Beziehung viel geleistet habe, so habe ihm doch zede Initiative in Bezug auf Reformen gefehlt. So sei z B. noch nichts in der Frage der Verbesterung des Krankenpflegepersonals geschehen, ebenso habe e§ auf dem so wichtigen Gebiete der Apotheken-Resorm nichts getan. Ferner verlangt Redner, daß bezüglich des neu erngeführten praktischen Jahres für die Mediziner wahrend der Uebergcmgszett Erleichterungen geschafft würden und kündigt cm, test er sich E enflprechende Resolution Vorbehalte. Die Absicht der preußischen Regierung, Akademien für dieses praktische Jahr einzurichten, sei nicht zu billigen. Staatssekretär Graf Posadowsky: Der Bundesrat war, als er tie Gebühren für die Fleischbeschau festsetzte, sich vollkommen Nar darüber, daß dies nur eine vorläufige Festsetzung fern könne. Nur die baren Auslagen sollten m Form von Gebühren zurückverlangt werden. Wir haben sofort beschlossen, nach emem Jahre m eine Neuprüfung der Gebühren einzutreten und sind wir auch di^et- halben mit den Einzelregierungen in Verbindung getreten. . Erne Reform flt um so notiger, als eme Anzahl von Gebühren rn der Tat zu hoch sind. Wir haben schon eme ganze Reihe von Abcmde- rungsverfügungen erlassen und dürfen Hoflew.mtt der Zeit alle Schwierigkcnten zu heben. Das preußische Ministerium hat vor einiger Zett schon den Entwurf eines Reichsapothekengesetzes vor- (BeisallZ BefIagt ficf) die Ausführung des Fleischbeschaugesetzes. Seine Freunde bedauern es, daß eme Novelle ?u diesem Gesetz nicht an den Reichstag gekommen sei. Er verlangt em vollständiges Verbot der Einfuhr von Pöckelfleisch. „ Es konnten doch keine Erfahrungen darüber gemacht fein, die dartäten, daß em solches Verbot nicht notwendig sei. . Staatssekretär Graf Posadowsky erwidert: Eben weil keine Erfahrungen auf diesem Gebiete gemacht seien, hätte der Bundesrat von einer neuen Vorlage abgesehen. Man müste ber Regierung Zett lasten, sich in diesen großen Organismus einzuarbeiten. Abg. Dr. Müller-Meiningen (freif. Vp.) wiederholt ferne vor- jahrigen Klagen über das Verbot der Geheimmittel. Man habe eme Lisw aufgestellt und wahllos die beliebtesten Hausmittelchen verboten. Da seien u. a. auch zwei reichspatentamtlich geschützte Mittel verboten. Das sei doch geradezu unbegreiflich. Auch Brands Schweizerpillen habe man auf den Inder gesetzt. Er mochte doch an die Mitglieder des Bundesrats, soweit sie anwesend seien, die große Gewistensfrage richten, ob sie diese Schweizerpillen lemals ohne Erfolg angewendet hätten. (Große Heiterkeit. Besonders der sächsische Bevollmächtigte Fischer schüttelt sich vor Lachen.) Die Presse werde ckikaniert, wenn sie Inserate über Geheimmttttl aus- siehme. Es müste eine reichsgesetzliche Regelung dieser Mathie stattfinden und eine authentische Interpretation des Begriffs Geheimmittel gegeben werden. , Staatssekretär Graf Posadowsky erwidert, daß der Dundesrctt bei der Aufstellung der Liste gerade einer Anregung des Reichstag» gefolgt sei. Auf gesetzlichem Wege könne diese Frage nicht gelost Unsicherheit. t r Ich will mich noch dahin resummieren, daß ich zwar die Ein» führung des praktischen Jahres billige, aber auch tote Herr Kollege Dr. Mugdan der Ansicht bin, daß für alle die, welche vor dem 20. Mai 1901 ihr Studium begonnen haben, eine Dispensation davon stattfinden müßte, da diese unter anderen Voraussetzungen dieses Studium ergriffen haben. v Abg. Dr. Müller-Meiningen tritt nochmals für eine reichsgesetzliche Regelung des Gebeimmittel-Wesens ein Ehe man Geheimmittel verbiete, solle man sich wenigstens imt dem Fabrikanten verständigen. Aber jetzt würden die Mittel einfach verboten, oft erhielten die Fabrikanten nickst einmal eine Antwort vom Reichs- gesundheitsamt. In solcher Weise Dürfte man die pharmazeutische Industrie doch nicht zum Versuchskaninchen machen. Präsident Köhler legt Verwahrung dagegen ein, daß DaS Reichsgesundheitsamt schikanös gegen Fabrikanten voraehe. Das Gesundhettsamt hätte überhaupt nichts zu erlauben, sondern sich nur gutachtlich zu äußern. Bei jedem Verbot gehe der Bundesrat mit der größten Schonung vor und jedem Fabrikanten werde es vorher mitgeteilt, wenn seine Mittel auf die Liste gesetzt wurden. Eine Revisionsinstanz könne man allerdings nicht schaffen, denn die würde doch nur zur Reklame von den Fabrikanten benutzt werden. Mg Dr. Burckhardt (wirtschaftl. Vgg.) wendet sich geyen die Ausführungen des Abg. Dr. Müller-Meiningen und ist für eine energische Bekämpfung der Geheimmittel. Das Verbot der Brandt- scheu Schweizervillen sei ganz gerechtfertigt. Diese Pillen bestehen fast ganz aus Aloe und sind um mindestens 80 Proz. zu teuer. Derselbe Schwindel wird mtt dem Pain-Expeller getrieben. Nur em Verbot kann gegen dieses Unwesen etwas nützen. In Sacken des Fleischbesckaugesetzes polemisiert Redner heftig gegen die Sozialdemokraten. Durch die Kosten, die die Bauern von der Fleischbeschau haben, sei die allgemeine Unzufriedenheit m Nassau erregt worden. Die Sozialdemokraten berufen sich auf Die Wissenschaft. Ja, welche Wissenschaft steht Denn auf sozialdemokratischem Standpunkte? Nicht ein einziger Profestor bekennt sich zur Sozialdemokratie (Lachen bei den Soz ) Die Leute, die Urteil haben, wollen von Ihrer Partei (zu den Soz.) nichts wissen. Herr Dr. David sagte vorgestern, in der Sozialdemokratie qerriaje Meinungsfreiheit. Jawohl, in Nebenfragen. In Hauptfragen müste doch die Partei einig sein ... Präsident Graf Ballestrem (unterbrechend): Die Du-fluhrunaen stehen mit dem Reichsgesundheitsamt nur m einem äußerst losen Zusammenhang. (Hetterkett.) .. .. Abg. Dr. Burckhardt l fortfahrend) mochte wünschen, daß die Sozialdemokratie, die in der Kritik sehr stark sei, sieber angebe» solle, wie man z. B. die Wurmkrankheit aus der Welt schafft. Die Weiterberatung wird hierauf auf Dienstag, 1 Uhr, vertagt. Schluß: nach 6 Uhr. Parlamentarische Berhanvlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 2 7.^Sitzung vom 8. Februar« 1 Uhr. Das Haus ist s e h r s ch w a ch besetzt. Am Bundesratstisch: Graf Posadowsky XL a. Zu Ehren des verstorbenen Abg. R o s e n o w (Soz.) erheben sich die Mitglieder des Hauses von ihren Plätzen. Die zweite Beratung des Etats deS Reichsamts des Innern wird fortgesetzt. , Zunächst stehen zur Debatte die zum Titel Staatssekretär gestellten Resolutionen, etwa 50 an der Zahl. Präsident Graf Ballestrem: In der vorigen Schung ist die Generaldebatte geschlosten und der Titel „Gehalt deS Staatsiette- tärs" bewilligt worden. Nach den früheren Beschlüsten des Reichstages hätten wir jetzt in die Debatte und die Beschlußfastung über tie Resolutionen treten müssen, die zu diesem Titel gestellt sind. Ich habe nun die Absicht, diese Resolutionen, nachdem der Etat verabschiedet ist, zur Debatte im Hause gu stellen, und zwar mit kurzen Unterbrechungen für andere wichtige BeratimgsgegenstanDe, die uns zugegangen sind und noch zugehen werden, m to^auernDer Folge. Aber erst mutz der Etat erledigt sein. Deshalb stelle ich den Antrag, für heute die Resolutionen von der Tagesordnung abzusetzen. _ Abg. Dr. Spahn (Ztt.) führt aus, daß eme Besprechung unter den Parteien über diesen Vorschlag stattgefunden habe, und „daß nttgends ein Widerspruch Taut geworden fei. Seine Partei tourDe daher auch keinen Widerspruch erheben. , Abg. Bebel (Soz.) erklärt ebenfalls, fernen Widerspruch erheben zu wollen. u , Abg Dr. Sattler (nat.-lib.) meint, daß unter Den gegenwärtigen Verhältnissen Der Reichstag dem Vorschläge des Presidenten Folge leisten müste, da sonst feine Möglichkeit sei, den Etat rechtzeitig fertigzustellen. Seine Freunde würden daher auch für eine Vertagung der Resolutionen stimmen. Abg von Normann (kons.) erklärt gleichfalls die Zustimmung seiner Freunde zum Vorschläge des Präsidenten, da eine andere Möglichkeit, den Etat fertigzustellen, nicht vorhanden sei. Abg Dr. Müller-Sagan (freif. Vp.) äußert sich m gleichem Sinne. , . „ .,r Präsident Graf Ballestrem erklärt, daß gegen feinen Vorschlag ein Widersvruch sich nicht rehoben habe, daß er infolgedessen demgemäß verfahren werde. . . , Die Resolutionen sind somtt zimackst abgefeyr. Man fährt in der zweiten Beratung des Etats des R eich 8- amts des Innern fort. Eine Reihe von Kapiteln wird ohne Debatte erledigt. „ Beim Kapitel „Reichsgesundheitsamtt wünscht „ Abg Scheidemann (Soz.) eine energischere Bekämpfung der Flußverseuchung. Der Regierungspräsident von. Lüneburg, Herr von Oertzen, habe gesagt: „Genau, wie man tie erbest bekämpft, mub man Die Sozialdemokratie bekämpfen. ,g,..tnyl',e richtiger beißen: „Genau, wie man die Sozialdemokratie bekämpft, muß man tie Wassern-stt bekämpfen " (CVtierMt.) 'fr’.^er 5Tat lalle letzteres mebr als zu wünschen übrig. Ein energisches Vorgehen von ReickSwegen fei dringend notwendig. Die jetzigen «öe= ftinumtugen sieben lediglich auf dem Papier. Jetzt sei es traurig bestellt. So schleppe die Wupper jetzt täglich 150 Tonnen Schmutz mtt sich. (Hörr! hört!) Seit Jahrzehnten könne nicht em einziges Fischchen in der Wupper mehr fein Leben fristen. Die einzigen Lebewesen, die dort fortfamen, seien Wasserratten. Die Wupper sei so schwarz, daß, wer dort als National-Liberaler untertauchte, als Zentrumsmann wieder herauskäme. (Große Heiterkeit.) Das ginge doch nicht an, daß die Industrie — für die er gewiß alle Svmpathien habe — so verheerend auf das Leben in unseren Flüllen wirke. Auch auf dem Main liegen die Verbaltniste bedrohlich. Der Main wechfle häufig seine Farbe. Große Oel- schichten schwimmen dort herum. Der Macht des Kapitalismus müste auf tiefem Gebiete eine Grenze gesetzt werden. (Beifall.) Staatssekretär Graf Pofadowöky: Das Reichsgesundheitsamt hat sich mit dieser Frage beschäftigt und bereits m 4 Fallen eingehende Gutachten abverlcmgt, von den Behörden m beim, Dresden und Mainz. Wir haben die Sache mttematisch begonnen am Rhein. Am 4. und 5. Januar hat eme Beratung statt- gefimden. Man flt überettigekommen, daß mindestens achtmal im Jahre eine Untersuchung stattfinden müste. Zu diesem Zwecke ist der ganze Rhein von der deuflchen Grenze bis , nach Koblenz tn Sektionen eingeteilt worden. Abgesehen von diesen allgemeinen Untersuchungen sollen noch besondere lokale Untersuchungen stattfinden, worntt auch beretts der Anfang gemacht tooroen ist. Die systematische Untersuchung, die hier am Rhein an gestellt ist, soll eine Grundlage bilden, in derselben Weise ähnliche Untersuchungen an anderen deuflchen Strömen vorzunehmen. Daß, wenn es so wettergeht wie bisher, die deuflchen (Ströme kem nennenswertes (STement mehr für die Fische bieten und ferner eme große Gefahr für die Gesundheit bilden, unterliegt keinem gtuetfel. xtie Frage für uns ist nur die, wie man die Interessen der Landeskultur mit den Interessen der Industrie in Einklang bringen tonn. Damit beschäftigen wir uns jetzt, und es ist schon immerhin em erfreulicher Anfang gemacht worden. Ich bin fest entschlosseu-tieser ernsten ■ Frage fortgesetzt meine Aufmerksamkeit zu schenken. genannt. beutfdfc Schwein ist stets gesund. Das fremde bringt uns auf den Hund! das ist Der Refrain Ihrer (nach rechts) Anschauungen Das nationale Schwein ist das einzig anständige Schwern. . Meisich: wir von der Linken sollen ja in landwirtschaftlichen Dingen nicht maßgebend sein. Wir verstehen ja angeblich nichts davon. Nun, ich glaube behaupten zu können: Auch von Ihnen, auch vom Bund der Landwirte selber, haben sehr viele, die als Sachverständige Den Mund groß auftim, keine andere Landwirtschaft kennen gelernt, als die im Berliner Tiergarten. (Große Heiterkeit.) Was verstehen Denn die meisten Großgrun.Dbesitzer von Der Landwirtschaft, wenn sie ihre Studien in einem hochfeudccken Kavallerieregiment gemacht haben? (Sehr gut! und Heiterkeit links.) ES könnte manchem von Ihnen garnichis schaden, wenn Sie zur Bereicherung Ihrer Kenntnisie z. B. das Buch meines Freundes David studieren wurden. (Sehr gut! bei den Soz. und Zuruf im Zentrum: Scbivpel!) Nun, auch Schivvel ist nickt von Pappe. (Heiterkeit.) Dessen Kenntniße könnten Ihnen auch nichts schaden. Die Liebesgaben- und Schutzzollpolitik sind das schlechteste Mittel, um Sie zu veranlassen, Ihre Produktion zu Verbellern. Lesen Sie doch einmal im Buch meine» Freundes David nach, was die Zölle der Landwirflchaft gebracht haben, daß sie nur gedient hcckm, die Großen künstlich aufzupappem und die Intensivierung Der Landwirflchaft zu ruckzuhalten. Nur Schaden hat die deuflche Landwirflchaft von der verfluchten Zollpolitik. (Große Unruhe rechts. Rufe: Zur Ordnung! Vizepra,ident Graf (Stolberg springt von seinem Sitz auf und legt tie eine Hand an die Glocke, die andere ans Ohr, ohne irgend etwas Rügens- Wertes weiter zu vernehmen. Ein Schriffliihrer scheint ihn über den Vorfall zu informieren; Vizepräsident Graf Stolberg setzt sich aber schließlich, ohne daß es zu einem Ordnungsruf gekommen ist.) Redner geht hierauf auf die Resolutionen betreffend Giehener Anzeiger ZleLer den KöSrnch der diplomatischen Aezieh- «vgen Japans zu Iiußlaud verlautet tu Tokio an amtlicher Stelle folgerrdes: Zu diesem Entschluß sah. sich! die japanische Regierung durch die fortdauernde Verzögerung in der Antwort d e r russischen Regierung gezwungen, die bis jetzt im Gegensatz zu den in Europa verbreiteten Berichten, der japanischen Regierung nicht zugegangen ist. In einem längeren Telegramm des Petersburger Korrespondenten der „Köln. Ztg." vom 8. d. M. heißt es: Anscheinend sieht man den jetzigen Zustand an maßgebender russischer Stelle nock nickt als Kriegszustand an. Dafür spricht der Umstand, daß der Hof ball morgen stattfindet. Von Anzeichen stelle ich an die Spitze die Nachricht, nach der im Winterpalais eine Beratung über die Lage stattgefunden hat, an der Graf Lamsdorff, Kriegs- Minister Luropatkin und Admiral Avellan teilnahmen, worauf in der Nacht Admiral Alexejew die telegraphische Weisung erhielt, er solle die Bewegungen der Flotte und des Landheeres derartig leiten, daß aus ihnen Japan keinen Anlaß für die Annahme gewinnen könne, als ob Rußland den Kriegszustand als bereits bestehend ansehe. Aus japanischer Quelle zugegangene Nachrichten bestätigen, daß die japanische Regierung ebenfalls in dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen noch keinen Kriegszustand erblickt, vielmehr die Möglichkeit, auch jetzt noch einen seitlichen Ausgleiche zu finden, anerkennt. Wie aus russischen Kreisen versichert wird, würde die Landung japanischer Truppen in Südkorea selbst heute noch Zettens Rußlands nicht unbedingt als casus belli angesehen werden. Nur ein Vorgehen Japans gegen die Mandschurei und Nordkorea werde die Interessen Rußlands derartig berühren, daß Rußland dann jedenfalls an der Grenze der geduldigen Zurückhaltung angelangt sein würde. Aus Port Arthur wird gemeldet, daß die Abreise der Japaner fortdauert. Sonst ist alles ruhig. Tas amerikanische Staatsdepartement erhielt^ ein Telegramm von der amerikanischen Gesandtschaft in Soeul, wonach dort verlautet, daß japanische Kriegsschiffe auf der Höhe von Masampho angekommen find; die telegraphische Verbindung sei jedoch unterbrochen, eine Bestätigung oes Gerüchts daher unmöglich. Zum Schlüsse eines Artikels vom 6. Februar über die Haltung Deutschlands zu dem japanischs-russischen Konflikt, sagt die „Köln. Ztg.", die Ausgabe der deutschen Politik sei sehr einfach. Wie wir früher den dringenden Wunsch hatten, daß die Leiden eines Krieges den Russen und den Japanern erspart bleiben möchten, so werden wir jetzt unsere Aufmerksamkeit daraus zu richten haben, daß aus dem Zwiste in Ostas.ien nicht weitere Verwickelungen entstehen, und daß nicht die dem Kriegsschauplätze benachbarten chinesischen Gebiete in die Wirrungen hineingezogen werden. Diesem Zwecke werden wir aber am besten dienen durch eine Politik, die keinen Zweifel an unserer loyalen Neutralität aufkommen läßt._______________________________________ Nom Kerero-Ausstande. — Der Kommandant des „Habicht" meldet heute aus Swakopmund: Der Feind verließ die Umgegend von Omaruru. Operationen gegen Gobabis nneder ausgenommen. — Gouverneur Leutwein telegraphiert vom 8. Febr. aus Port Nolloch, daß er sogleich nach Swakopmund abreisen werde. — Der vor vier Jahren von Stettin nach Deutsch-Südwestafrika ausgewanderte Tischlermeister Hermann Berlitz ist, laut einer telegraphischen Nachricht von seiner Frau, in Omaruru gefallen. Gerlitz, welcher seine Wohnung in Windhoek hatte, wurde beim Ausbruch der Feindseligkeiten zur Reserve eingezogen. Seine Frau befindet sich auf der Reise nach Stettin. Der König von Sachsen spendete für die im Hereroauf- stand Geschädigten 1000 Mark. Zur Berittenmachung unserer Truppen in Südwestafrcka wurden bisher 300 Pferde in Argentinien auge- kauft, die am 20. Februar, mit dem Dampfer „Ettola" nach Swakopmund abgehen sollen. Es ist nur ein Vortransport; der Ankauf weiterer 700 argentinischer Pferde ist in die Wege geleitet, die von einer deutschen Regierungskom- misfton, welche bereits nach Buenos Aires abgegangen ist und dort in zehn Tagen eintrifft, abgcnommen werden sollen. Falls noch ein weiterer Ersatz sich als nötig Herausstellen sollte, sind Verbindungen in Mexiko angeknüpft. Ebenso ist die Frage erwogen, ob man einen Versuch mit der Sendung deutscher Pferde machen soll. Farlamerttarisches. Berlin, 8. Februar. Im Abgeordnete wurde heute der Landwirtschaftsetat beraten und das Ordi- narium Erledigt. Alsdann wurde die Vorlage über die Tienstaufsicht bei größeren Amtsgerichten an eine Kommission verwiesen. — Ter Senior enkonvent des Reichstages hielt heute vor der Plenarsitzung eine Beratung über die Maßregeln ab, die bei der jetzigen Geschäftslage erforderlich sein dürften. Ter Präsident schlug vor, die Beratung der zum Etat vorliegenden Resolutionen bis nach, Beendigung des Etats auszusetzen. Ter Seniorenkonvent einigte sich dahin, diese Frage dem Haufe selbst zur Entscheidung vorzulegen. Berlin, 8. Febr. Ter Reichstagsabg. Jänecke (16 Hannover) legte sein Mandat nieder. (Seine Wahl ist bekanntlich für ungültig erklärt worden. D. Red.) Recklinghausen, 8. Febr. Gestern ist auf dem Schloß Herten das Mitglied des preußischen Herrenhauses Graf Tröste zu Vischering von Nesselrode-Reichenstein gestorben. Chemnitz, 8. Febr. Ten „N. Nachr." zufolge ist der Reichstagsabg. Rosenow (Königr. Sachsen 20) gestern .in Schöneberg gestorben. Wien, 8. Febr. Ter Großherzog von, Mecklenburg- Schwerin ist heute nachmittag hier eingetroffen. Ansammlung hessischer Mürgermeisier. fc. F r a n k f u r t a. M, 8. Febr. Im Rechneigrabensaale fand heute von 11 bis y22 Uhr die 2. Generalversammlung des Landesverbandes hessischer Landbürge rm ei st er statt. Tie i erste Versammlung hat vor 7 Jahren stattgefunden. Sie war damals einberufen worden, um den Landesverband zn gründen. Das geschcch auch. AVer der Verband,schlummerte ’ alsbald sanft und selig ein, niemand kümmerte sich mehr um ihn. Die heutige, von Bürgermeister Wenzel in Hainstadt im Namen des Kreisvereins Offenbach a. M. einberufene Versammlung hatte deshalb die Aufgabe, ihn zu neuem Leben zu erwecken. Die co. 150anwesenden Bürger- m er st er erklärten sich mit der Wiederaufnahme der früheren Bestrebungen einverstanden. Zum 1. Vorsitzenden des Verbandes wurde einstimmig Bürgermeister Metzger-Langen gewählt, der dann auch den Vorsitz der Versammlung übernahm. Zn Vizepräsidenten wurden die Bürgermeister Geislinger-Gaualgesheim und Jochem-Laubach! gewählt, sodaß alle drei Provinzen im Präsidium des Verbandes vertreten ind. Schäser-Dortelwell wurde zum Rechner des Verbandes, Srnger-Seligenstadt zum ersten und Poes-Walldorf rum zweiten Schriftführer gewählt. Sodann wurde aus >rei Herren eine Petitionskommission gebildet, wobei auf den Vorschlag von Köhler-Langsdorf von der Entsendung eines Landtagsabgeordneten in diese Kommission Ab- tand genommen wurde. Sie besteht aus den Herren: Höhn- Hepppenheim, Sieben-Zornheim und Schuchard-Brauer- chwend. Sämtliche Herren nahmen die auf sie gefallene Wahl an. Zunächst wird der Verband sein Augenmerk darauf richten, daß überall Kreisvereine gegründet werden. Es gibt noch eine ganze Anzahl Kreise, in denen kein Kreisverein besteht. Die Verbandsstatuten sollen vom Vorstande ausgearbeitet und einer späteren Generalversammlung zur Beschlußfassung unterbreitet werden. Als Jahresbeitrag wurden 2 Mk. pro Kopf vorgeschlagen und dabei aus etwaige Druckkosten bei Petitionen usw. hin gewiesen. Ter kammerkundige Köhler aber machte darauf aufmerksam, daß es bei Eingaben an den Landtag genüge, die Urschrift einzureichen. Sie werde dann auf Staatskosten gedruckt und den Abgeordneten überreicht. Darauf wurde der Beitrag auf 1 Mk. ko Jahr festgesetzt. Unter der Rubrik: „Anträge aus der Versammlung" beschäftigte man sich hauptsächlich mit den Aufgaben der Petitionskommission, die u. a. dahin wirken oll, daß die hohen Vermessungsgebühren — 17 bis 20 Mk. ko Tag — ermäßigt werden. Dann aber sind es vor allem drei Dinge, gegen die sie vorgehen soll: die Grundbücher, die Notariate und die Stempelgebühren. Hierüber entspann sich eine lebhafte Debatte. Im Border- tresfeu stand der redegewandte Langsdorfer. Er wünscht, daß „radikal vorgeaangeu" werde. Mit einer Flut von Eingaben soll die Petitionskommission gegen diese ,^preußischen Segnungen" Sturm laufen, und zwar owohl beim Reichstag gegen das Reichsgesetz über )ie Grundbücher, als auch beim hessischen Landtage gegen das hessische Einführungsgesetz dazu. Das neue Grundbuch passe für Ostpreußen, aber nicht für Hessen. Es verursache der Landbevölkerung nur Zeitverlust und Kosten. Kühler fordert, daß den Ortsgerichteu wieder weitere Befugnisse zugewiesen werden, insbesondere die Grundbruh- ührung und das Recht, Kaufverträge abzuschließen. Dre Notariate sollen aufgehoben werden: „Weg mit den teuren Juristen!" «Seine Ausführungen fanden im allgemeinen Beifall, wenn auch Stimmen laut wurden, die da meinten, Gesetz sei doch nun einmal Gesetz, man solle auf Verbesserungen dringen. So solle man den Notaren die Notariatsgeschäfte über mehr als 10 000 Mk. belassen. Kaufverträge bis zu 1000 oder 500 Mk. sollten von den Ortsgerichten abgeschlossen werden können. Köhler meinte, Kaufverträge über 500 Mk. seien oft in rechtlicher Beziehung knifflicher als solche über 100000 Mk. Gr empfahl wiederholt, aufs Ganze zu gehen. Als wünschenswert wurde bezeichnet, daß den Bürgermeistern Arbeiten, die nur im Staatsinteresse geschehen, vergütet werden, z. D die Hilfsarbeiten für die Staatsanwaltschaft. Zum Schluß wurde folgende von Köhler-Langsdorf im Namen des Kreisvereins Gießen eingebrachte Resolution einstimmig agenommen: „Die heutige zweite Generalversammlung des Landesverbandes hessischer Bürgermeister erachtet die neue Gesetzgebun g betr. das Grundbuch-, Notariats- und Stempelsteuer- Wesen als äußerst schädigend besonders für die ackerbautreibende Bevölkerung des Landes und fordert die Regierung auf, unverzüglich eine Revision dieser Gesetzgebung herbeizuführen." 9lac£)> der Tagung fand ein gemeinsames Atittagessen statt. Aws Stadt and Land. Gießen, den 9. Februar 1904. •* Personalien. Am 5. Februar wurde der Steueraufseheraspirant Georg Helfrich aus Rohrbach zum Steueraufseher ernannt. — In den Ruhestand versetzt wurde der Bahnwärter in der Heff.-Preuß. Eisenbahngemeinschaft Clemens Quell zu Bischofsheim (Kr. Hanau). ** Meisterkurf e. Wie wir erfahren, nahmen die in Darmstadt abgehaltenen dreiwöchigen Meisterkurse für Schuh- macher und Schneider am 8. Februar, ihren Anfang, ein weiterer Kurs im Holz- und Marmormalen beginnt am 22. Februar und ein solcher im Ho lzfärben und Beizen am 2. März; ferner wird ein Buchhaltungskurs gleichfalls in Darmstadt vom 29. Februar bis 4. März, von 7 bis 10 Uhr abends abgehalten, sofern eine ausreichende Teilnehmerzahl sich hierzu rechtzeitig anmeldet. Die Anmeldungen zu diesem Kurse, ebenso auch zu dem in Groß- Felda stattfindenden Meisterkurse für Sattler, zu welchen außer Handwerksmeistern auch ältere Gesellen zugelassen werden, find baldigst an die Großh. Zentralstelle für die Gewerbe zu richten. ** Vortrag doS Evangel. Arbeitervereins. Am Sonntag abend sprach Landgerichtsrat Schmeckenbecher über das Thema: ,Warum, wie und wann errichtet man ein Testament?" Es hatte sich eine zahlreiche Zuhörerschaft erngefunden, welche dem Vorttag mit gespannter Aufmerk- samkett folgte. Der Redner besprach den Gegenstand in leicht verständlicher Weise, dazu wurde der Vortrag belebt durch zahlreiche Beispiele aus der Praxis. Das Jntereffe der Hörer bekundete sich nach dem Vorttag durch Stellung einer ganzen Reche von Fragen, welche eingehend beantwortet wurden. •* MaSkenfest des Turnvereins. Bei der stets zunehmenden Zahl von Maskenvergnügen ist die Frage des Arrangements für die Vereine stets schwierig. Will doch jeder Verein möglichst etwas noch nie Dagewesenes bieten. Der Turnverein brachte es fertig; fein Maskenfest verlief großartig. Der Saal, wunderschön dekoriert, war mit verschiedenen Schau- und Verkaufsbuden ausgestattet, die von den zahlreichen Masken recht fleißig besucht wurden. Inmitten der zur Sommerwirtschaft umgewandelten Bühne erschien eine Felsengrotte mit Wasserfall und elektrischer Effektbeleuchtung, währSid unter der Bühne Gambrinus seinen Einzug gehakten hatte. Ueberall begegnete man fleißigen Verkäuferinnen, so daß die Vergnügungen das Gepräge eines echten venetianischen Festes annahmen. Die vorgesehenen Aufführungen der Gaukler-, Tyroler- und Mandolinen-Bande, sowie der Mordgeschichte kamen nicht zur vollen Geltung, hatten aber auch infolge des bekannt gewordenen Umstandes, daß von der Obrigkeit das Vergnügen in letzter Stunde verboten fei, nicht mehr das Interesse der Mitwirkenden, worauf auch wohl der schlechte Besuch der Sonntagsfortsetzung des Festes zurückzuführen sein dürfte. •• Kutscher-Maskenball. Unter anderen tarne« walistischen Veranstaltungen verdient der vom Kutscherverein Gießen veranstaltete Maskenball im Cafe Leib (oder wie ein Witzbold sagte: Safe Bauch- besonders hervorgehoben zu werden. Narrheit und Frohsinn waren vereint; Gelegenhett zum Essen und Trinken gab es in Fülle; auch die angrenzenden Räume waren mit Tischen besetzt. Besonderen Anklang and ein Karussell, das auch tatsächtlich einem tiefgefühlten Bedürfnis abhalf. (!) Alsfeld, 7. Febr. Hier ist die Errichtung eines Krankenhauses geplant. Unter den Frauen und Jung- rauen ist eine Bewegung zur Förderung dieser Wohlfahrtseinrichtung im Gange. Es sollen Handarbeiten u. bergt angefertigt und gestiftet werden. Später beabsichtigt man die Sachen auszustellen und zu verkaufen oder zu verlosen und den Erlös 3um Bau des Krankenhauses zu verwenden. — Ein Teil der Stadt soll kanalisiert werden, es sind 2200 Wik. vorgesehen. R.-B. Darmstadt, 8. Febr. Se. Königl. Hohett der Groß Herzog ist heute nachmittag 4 Uhr 5 Min. von seinem 14tägigen Aufenthalt in England mittels Extrazuges über Bingen—Mainz wieder hierher zurückgekehrt. Der Großherzog trug Zivilkleidung und sah frisch und gesund aus. Marburg, 8. Febr. Eine Gedenkseierder Universität zur hundertsten Wiederkehr des Todestages von Immanuel Kant wird nach der „Hess. L.-Ztg." am 14. Februar in der Aula der Universttät abgehalten werden. Die Festtede der Feier, zu der alle Lehrer, Beamten und Studierenden der Universität eingeladeu sind, wird Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Cohen halten. Vermischtes. *Berlin,8. Febr. Gestern abend kam im Königlichen Sch auspielh ause während der Vorstellung auf der Bühne Feuer aus. Ein Seitenvorhang über einer elektrischen Leitung, die einer Glühbirne Strom gab, fing Feuer. Die anwesende Feuerwehr bemertte die Gefahr und ersttckte die Flamme, ohne daß im Publikum etwas bemerkt wurde. * Köln, 8. Febr. Der Wasserstand des Rh eins ist seit Samstag um 1.26 Meter gestiegen, er betrug heute 3.27 Meter. Der Rhein steigt werter. M ü n ch e n, 8. Febr. Die „M. N. N." melden aus G a r - misch: Zwei seit dem 1. Februar auf der Zugspitze vermißte Touristen wurden gänzlich zerschmettert einige hundert Mettr unterhalb der Wiener-Neustädter Hütte hinter der Ludergrube aufgefunden. Beide waren von Sachverständigen vor der Tour eindringlichst gewarnt worden. Die Leichen der Verunglückten, die gestern abend nach Ehrwald gebracht wurden, wurden rekognosziert; es sind ein Sohn des Bäckermeisttrs Zimmermann aus Ingolstadt und ein Sohn des Brauereibesitzers Meier ebendaher. Beide studierten an per Technischen Hochschule in München. * Kaiserslautern, 8. Febr. Die „Pfälzische Pr." meldet: Am Samstagabend wurde an der achtjährigen Loch' ter des Fabrikarbeiters Michel ein Lustmord verübt. Nachdem der Unhold das Kind auf das Feld gelockt hatte, vergewaltigte er es, erwürgte es und warf es in einen Bach. Als der Tat verdächtig. wurde ein älterer Mann verhaftet. * Bozen, 7. Febr. Seit 4 Tagen anhaltende furchtbare Regengüsse haben in ganz Südtirol großen Schaden angerichtet. Alle Flüffe sind aus den Ufern getreten, die Temperatur ist sehr warm. * Baltimore, 8. gebr. Seit dem großen Brande in Chicago im Jahre 1871 hat man in den Vereinigten Staaten keine solckx Feuersbrunst mehr erlebt, wie diejenige, von der Baltimore heimgesucht ist und die noch un- geschwächt fortbauert. Die Gebäude, die zerstört sind, bedecken zusammen 60 Acres Land. Der bisher entstandene Schaden wird mit etwa 50 Millionen Dollars angenommen. Das Zollhaus-, Bank- und Theatergebäude, fämt- liche Zertungsdruckereien und viele Warenspeicher sind dem Feuer völlig zum Opfer gefallen. Auch das Stadthaus steht in hellen Flammen. Sonderzüge brachten Feuerwehren von Washington, Philadelphia, Newyork und anderen Städten, doch alle Bemühungen sind gegenüber dem wütenden Feuermeer vergeblich, das gleich einer Flutwoge von zweihundert Fuß Höhe die Sttaßen entlang fegt, an den himmelhohen Wolkenkratzern hinaufleckt und sie gleich Stteichholzschachteln verzehrt. Heute früh i/27 Uhr sprang der Wind um und trieb die Flammen die Wasserseite der Stadt entlang, sodaß jetzt auch deren südöstlicher Teil be- droht i st. Zlniversttäts-Dachnchten. Breslau, 8. Febr. Heute abend brachte die Studentenschaft Felix Dahn aus Anlaß seines morgigen 70. Geburtstages einen imposanten Fackelzug dar. Neueste Mewuugeil. Der erste Schlag im russisch-japanischen Kriege. Petersburg, 9. Febr. (Ci g en er D r a h t b e r i ch t.) Ter „9tegieruug§bote" veröffentlicht folgendes Telegramm des Statthatters Alexejew an den Zaren: Ungefähr um Mitternacht vom 8. auf den 9. d. M. machten japanische Torpedoboote einen plötzlichen Minenangriff auf das auf der äußeren Reede von Port Arthur liegende Geschwader, wobei die Panzerschiffe Retwisan und Zaesa- rowitsch und der Kreuzer Pallada beschädigt wurden. Couverts mit Zinna billigst Brübme Universitäts-Druckerei. Sieben.