Nr. 28S •vlftettH tagte* außer Sonntag*. Äem Gießener A-zeiger werben hn Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Lietzener Zamilien- Glatter mennal m der Woche beigelegL Motaiton^bnicf u. Verlag der Brühl 'scheu Unwett.-Buch-'i. Stein- bniderti. 8t Lang*. ReMftUm, ®n*btttoe und Trufte t ei: Ocholpeatze 1. Adresse für Depeschen: Nnzerger Wietzen. HernsprcchonichlutzNr 61 Erstes Blatt. 154. Jahrgang Donnerstag 8. Dezember 1904 Amis- und AnzeigehlkLi für den Kreis Gießen General-Anzeiger M 1 U % D eeinflibrtilt monatlich 7b Pf^ otertet läbrltd) ML. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Poft tflr.2.~»tetiel- fährl. au§$d)L Beslellg. Annahme von Anzeigen für bte TageSuummer bis vormittags 10 Uhr. ZeUenpretS: lokal 12Pf^ auswärts 20 Psg. verantwortlich tüi den po(tt und allgem. teil: P. Wittko- Mr »Stadt und ßantr unb »(Äerichtssaal^: August Goetz; für den Anzeigenteil: bans Beck. Ale heutige Kummer umfaßt 12 Seiten. - __ - _________________ T Mitt MandspsNtiK. Ter Mittelstand erfreut sich seit langem der Zärtlichkeiten der Politischen AerHte unb noch mehr der Kurpfuscher. Fast keine Session vergeht, in der der Reichstag nicht durch irgend eine „Vorlage" sich gesetzgeberisch mit dem „Mittelstand" zu befassen hat. Mein auf die Fährte einer wirklichen Mittelstandspflege ist man bis jetzt noch nicht gekommen. Und das macht, weit die Mittelstcrndsfrage bei dem dermaligen Standpunkt der wirtschaftlichen (Gesetzgebung als eine Einkoppelung in die „Sozialgesetzgebung" erscheint, die in ihren Grundprinzipien als Fürsorge für die Industrie-Arbeiter erscheint, von ihr den Tenor hat und darum in ihrer Anwendung auf den eigentlichen Mittelstand bedingungslos bankerott machen muß. Der heutigen Sozialgesetzgebung fehlt es an einer prinzipiellen Formulierung des Begriffs Mittelstand. Ter Mittelstand bat — sozial betrachtet — mit dem Hndustrie-Arbeitersband nichts zu tun. Er stellt, wie der „Rhein. Eour." richtig ausführt, die Schichten derjenigen bürgerlichen Produzenten dar, die in eigener Unternehmung und auf eigene Verantwortung arbeiten. Die besser bezahlten Beamten der Privatindustrie kann man allenfalls dazu rechnen, ohne daß dadurch der Begriff Mittelstand eine wesentliche Aenderung erfährt. Damit erscheint diese Schicht neben der Großindustrie und dem Großhandel auf der einen und neben den „Arbeitern" aus der andern Seite als ein apartes sozialwirtschaftliches Gebilde, das in der einschlägigen Gesetzgebung auch anders behandelt werden muß. Was sehen wir aber heute? Die Sozialgesetzgebung ist auf die Großindustrie und ihre Arbeiten zugeschnitten — wo sie auch wirkt und berechtigt ist —, wird aber gleichzeitig auf den Handwerker, Kleinindustriellen, den kleineren und mittleveu Kaufmann, den Tetaillisten angewandt. Diese Gesetzgebung schadet mitunter dem Mittelstand mehr, als Warenhäuser, Filialgeschäfte und Konsumvereine, weil sie chn an oer Arbeit, am Verdienen hindert. Unsere heutige Sozialgesetzgebung differenziert nicht. Unsere berufenen^, aber nur zum kleinsten Teile auserwählten Gesetzgeber haben leider in ihrer Mehrzahl von der Vielgestaltigkeit des grünen Lebensbaumes keine Ahnung rmd wollen doch in heiligem Eifer die Menschen mit ihrer Sozialpolitik glücklich machen. Es ist diesen Herren und dieser Gesetzgebung der Unterschied nicht klar, ob einer Industriearbeiter oder Gehilfe beim Metzger, Schreiner, Fwiseur, Schuhmacher ist; er ist eben „Arbeiter". Der Unterschied ist aber gewaltig. Der Arbeiter der Großindustrie bleibt — mit ganz wenigen Ausnahmen — Arbeiter. Für ihn muß gesorgt werden. Die Arbeitszeit darf nicht zu lang sein, er muh im Falle der Rot, Krankheit und des Alters Unterstützung haben. Der Handwerksgeselle,, der Friseurgehilfe, der Handlungskommis aber wird in der Regel selständig; er selbst wird einmal Unternehmer. Man braucht ihn also nicht wie einen mechanisch arbeitenden Angestellten der Großindustrie zu behandeln, b. h. man braucht die wirtschaftlichen Unternehmungen, in denen er beschäftigt ist, nicht mit dem Maßstab der Fabrik zu bemessen. Es hat keinen Sinn, für Handwerksgesellen einen Maximalarbeitstag einzuführen — solche Maßregeln wird das organisierte Handwerk in kluger Würdigung seiner wirtschaftlichen Lage von selbst ergreifen —, denn es ist ein Unterschied, ob einer als Handwerksgeselle die Errichtung eines gegliederten Gebrauchsgegenstandes — der bis zum gewissen Grade ein Kunstwerk d'arstellt — vornimmt, oder ob er als Schraubendreher, Mafchinenbediener oder dergl. eine mehr mechanische Arbeit vollzieht, an der es keine Freude des Schaffenden gibt. Es ist ein Unterschied, ob einer als Kommis in einem Detailgeschäfte hunderte von Personen mit diesem und jenem „bedient", und dabei mit dem rhm bekannten Kunden ein Tagesgespräch führt und mit der Küchenfee ein Scherzwort wechselt, oder ob er als kaufmännischer Bureauarbeiter fortgesetzt Briefe schreibt oder kopiert 2C. Wenn dieser seine neun Stunden gearbeitet hat, ist er „fertig". Warum aber der Laden-Kommiss mit seiner abwechselungsreichen, Nerven und Geist immer wieder auslösenden Arbeit nicht etwas länger arbeiten kann, ist nicht einzusehen. Es ist für jedes natürliche Emvfinden em Skandal, wenn mau sieht, wie die Maurer, die den Winter über „frei" haben, im Sommer bei der sckMsten Arbeitszeit, abends nach 6 Uhr, die Kelle niederlegen, nm heimwärts zu wandern. Die heutige Sozialpolitik mißt nicht Mit verschiedenen Werten; sie generalisiert, sie schablonisiert. Und wie hat sie schon „erzieherisch" gewirkt. Ter kaufmännische Geist setzt seinen Stolz darein, zu verdiemn. Wir wissen aus größeren Städten, daß, lange bevor es eine Sonntagsruhe und einen offiziellen Ladenschluß gab, die vornehmen Geschäfte von selbst Sonntags zumachten und abends eine menschenwürdige Feierstunde einhielten. Was wir ^agen nwllen, ist klar: man verschone die mittelständischen Betriebe, den Handwerker- nnd Kaufmannsstand mit der egcckisierendcn Sozral- Politik, die allein auf den Großbetrieb anzuwen- den ist. Die übermäßige Paraaraphenwirtschast in Ansehung der Sonntagsruhe, der FeiercibeMtunde, des LabenMusses, der Gehilfen- unb Lehrlingsfrage ufto. schadet dem „Kittel» ftnn$!ir haben seit Jahren eine umfassende Enquete über das Aanbroerl, abcc die meisten der Nntersucher waren jener Seif noch zu sehr vom „sozialistischen" 6!eist erfüllt — es aalt im Sinne der herrschenden sozialistischen Doktrin nachzuweisen, daft das Handwerk dem „Untergang "er,allen fet —, dast die Monographien, von einzelnen abgesehen, nicht als einwandsfrcte, gerechte Darstellungen angesehen werden können. Also mehr sympathisches Interesse für den Mittelstand, keine generalisierende Gesetzgebung, mehr lebendiges Erfassen der eminent reichen Gliederung der mittelstäudischen Prdouktion und Anerkennung des Grundsatzes, daß für den Arbeiter des Großbetriebs in einer zwanzigjährigen, ununterbrochenen sozialpolitischen Gesetzgebungs-Arbeit genug geschehen ist, und daß die unternehmenden Schichten, vom letzten Handwerker bis zum größten Fabrikanten, nichä minder einer einsckiläaiaon sozialen Fürsorge bedürfen. Aie Zcrstörnng der ^ort Arthur-Motte. Tie Poltawa gesunken. Tas letzte Stündlein der russischen Flotte im Hafen von Port Arthur hat nunmehr geschlagen: Vom 203 Meter-Hügel aus, wo sie schwere Schisssgeschütze in Stellung gebracht haben, richten die Japaner ein vernichtendes Feuer auf die Ueberreste der einst so stolzen russischen Armada, die nun schon viele Wochen lang untätig im Hafen der belagerten Festung ihres Schicksals harrt. Wir meldeten gestern bereits, wie schwere Schäden den russischen Schiffen in den letzten Tagen zugefügt worden sind. Am Tienstag nahmen die Japaner die Beschießung der russischen Kriegsschiffe mit Erfolg wieder auf. Vom 203 Meter- Hügel aus wurde, wie ein Reuter-Telegramm berichtet, von den Belagerern bemerkt, daß ein russisches Panzerschiff im Hafen der Stadt s i 'ch st a r k auf die Seite neigte. Infolge Nebels konnte man das Schiff jedoch nicht genau erkennen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist es die „Poltawa" gewesen, denn eine weitere amtliche Mitteilung aus Tokio besagt, daß von den russischen Schiffen in Port Arthur die „Poltawa" gesunken und der „Netwisan" schwer beschädigt sei. Tie heutigen amtlichen japanischen Meldungen lauten: Tokio, 7. Dez. Ter Kommandant der Schiffsartillerie vor Port Arthur berichtet, daß seit dem 2. Dezember die Beschießung der russischen Schiffe, welche siidlich vom Fort Pchyushan liegen, mit Erfolg täglich sortgeführt werde. Sic wurden von wenigstens 134 Schüssen getrosten. Nach Beobachtungen, die man am Morgen des gestrigen Tages vom 203 Meterhügel machte, wurde fest- ge stellt, daß die „Poltawa" gesunken ist, der „Ret- wisan" beträchtlich sich auf die Seite gelegt habe. Man glaubt, daß beide Schiffe für den weiteren Kampf und die Fahrt untauglich seien. Ferner wird von der .Belagerungsarmee berickttt. daß der Feind auf dem Akasahahügel unserem Feuer vom 203 Meterhügel aus nicht stand halten konnte und den Hügel geräumt hat. Wir besetzten ihn am 6. Dezember: an demselben Tage nahmen wir noch zwei andere H ü - gel in der Nähe von Jtseschan ein. Wir gestanden dem Feinde eine von ihm vorgeschlagene fünfstündige Einstellung der Feindseligkeiten am 6. Dezember zur Bestattung d e r T o t e n zu. Tokio, 7. Dez. (Reuter.) Tie Japaner besetzten gestern den A k a s a k a - H ü g e l. Ter Kreuzer „B a j a n" geriet a u f G r u n d. Tokio, 7. Dez. Gerüchtweise verlautet, daß die Japaner die Forts Erlungtschau, Lungschu- schan erstürmt haben. Die Generale Nakamma und N a i t o sollen verwundet sein. Weiteres vom Kriege. Petersburg, 7. Tez. General Kuropatkin berichtet dem Kaiser vom 6. Dezember: In der Nacht zum 6. Dezember versuchten bedeutende japanische Abteilungen die Dörfer Linschinpu und Witschanin anzugreifen, wurden aber überall durch das Feuer zurückgeworfen. Auf unserer Seite drei Mann verwundet. Aus unserem rechten Flügel machten zwölf Freiwillige einen Teil einer aus 20 Mann bestehenden japanischen Feldwache nieder. Ter andere Teil der Feldwache floh. Petersburg, 7. Tez. Wie General Ssacharow dem Gcneralstab unter dem 7. Dez. meldet, beschossen die Japaner am 6. Tez. bei Tagesanbruch ein Dorf südlich vom Laotschengulin-Paß von drei Seiten. Tie russische Feldwache, die sich beim Dorf befand, zog sich in den Paß zurück. Zwei Kosaken wurden hierbei getötet, drei verwundet und vier werden vermißt. Tie Japaner zogen sich nach Dapinduschau zurück. Petersburg, 7. Dez. Der Korrespondent der „Bira- hewyja Wjedomostw telegraphiert ans Mukden vom 6. d. M.: Wiederum wurde eine Beschießung der vorgeschobenen Stellungen vorgenommen, doch erwartet man keinen An- grisf. Hier ist die Nachricht eingetroffen, daß im Hafen von Inkan die Eisbildung beginnt. Im Lause der Woche wird die Schiffahrt eingestellt. Den Japanern war es in der letzten Zeit nicht möglich, ihre Vorräte zu ergänzen. Von Inkan nach Taschitschao gehen eine doppelte Anzahl Eisenbahnzüge. Beschlagnahme eines deutschen Dampfers durch die Japaner. Tokio, 7. Dez. Das Prisengericht in Sasebo entschied sich für die Beschlagnahme des deutschen Dampfers „Veteran" samt der Ladung. Die aus vier Deutschen und 24 Chinesen bestehende Mannschaft wurde frei gelassen. (Der Dampfer war am 19. November aus der Höhe von Jentai von einem japanischen Geschwader gesichtet und später von dem Kanonenboot „Tassusa" festgehalten worden. Er hatt-e nach Angabe des japanischen Marineamts eine große Menge Winterkleider, Decken, Medizin und konserviertes Fleisch an Bord. Der Kapitän hatte damals erklärt, er f lsicher Korrespondent, der „Köln. Volksztg.^ zufolge, berichtet, i seit der Geburt des Thronerben sehr gebessert. Ihre ? seelische Depression ist gewichen und hat einer Lebhaftigkeit - Platz gemacht, wie man sie früher an der Kaiserin nicht - kannte. Ihre Umgebung ist sehr befriedigt von dieser Ver- l änberung, denn die früher schweigsame und sehr ernste Zarin ist nun ganz mitteilsam geworden. Ihr Hauptintereffe wendet ic naturgemäß ihrem Sohne zu, in dessen Zimmer sie täglich mehrere Stunden ^ubringt. Abends sitzt sie häufig an einer Wiege und singt ihm englische Wiegenlieder vor. Die Kaiserin beklagt den Krieg sehr, beim durch diesen ist der Zarewitsch verurteilt, den ganzen Winter im Zimmer zuzubringen, da der Zar nicht nach dem Süden gehen will. /Sollte wirklich nur aud diesem einzigen Grunde die Zarin den Krieg beklagen? Die Red. d. Gieß. Tlnz.) * Kleine Tages chronik. In Stuttgart wurde die Empfangsdame im Geschäft des' Photographen Klaiber durch Stiche in den Hals ermordet und die Kasse beraubt. Die Ermordete war ein in den zwanziger Jahren stehendes Fräulein. Von dem Mörder fehlt bisher jede Spur. — In N aurn- burg a. d. S. erfolgte in einem Restaurant eine Gasexplo- i o u, bei welcher die 15 jährige Tochter des Wirtes durch Brandwunden schwer verletzt wurde. — Bei Ruhland sSckles.) erfolgte ein Zusammenstoß zwischen einem Schnell- und Per- onenzug. Zwei Personen wurden getötet und vier schwer verletzt. — In Budape ft wurde der Stadtvfarrer Koloman R o s a h a z t) vom Fürstprimas wegen Unregelmäßigkeiten bei der Verwaltung von Kir-benaeldern vam Amte suspendiert. Kunst »nk> Wissenschaft. — Der berühmte Maler Adolph von Menzel vollendet heute (8. Tezemberl in,nnver mderter körperlicher wie geistiger Irische und Gesundheit sein 89. Lebensjahr. — „Pharaos Tochter" betitelt sich ein neues, dreiaktiges Lustspiel von Rudolf Presber und Hans v. Wentzel, das vom Hostheater in .Hannover zur Aufführung angenommen wuiche. Mniversttäls-Bachrichten. — Ter Privatdozent in der Philosophischen Fakultät der Universität zu Berlin Professor Tr. Mols v. Wenckftern, ist zum außerordentlichen Professor zu Greifswald ernannt worden. — Ter ordentliche Professor Tr. Walther Nernst zu Göttingen ist in gleicher Eigenschaft in die Philosophische Fakultät der Friedrich Wilhelms-Universität zu Berlin versetzt worden. — Ter Privatdozent Prof. D. hon. c. Martin Rade früher Pfarrer in Frankfurt a. M., der Herausgeber der bekannten Zeit- chrift „Die christliche Welt", wurde zum außerordenlichen Professor )er tbeolpgischen Fakultät in Marburg ernannt. Hkrichtssaal. R. B. Tarmftadt, 7. Tez. Der räuberischen Erpressung angellagt war der 53 jährige, vielfach 'vorbestrafte Tienftknecht Georg Höflich aus Oppau, der sich heute vor dem Schwurgericht zu verantworten hatte. Er hatte ,aus dem Arbeitshaus entlassen, beim Pächter Massau in Klein-Rohr- heim lKreis Bensheim) einen Tienst gefunden und War mit dem Sohn seines Arbeitgebers auf dem Felde mit dem Einsam- meln von Zuckerrüben beschäftigt. Da kam der Landwirt Adam Knaub aus Großliausen mit einem Fuhrwerk von Gensheim die Landstraße entlang, hielt bei dem Wagen des Massau an und machte sich daran zu schaffen, indes die in seiner Begleitung gewesene Frau 5bring mit seinem Wagen langsam weiter ftihr. Als .Knaub nach einigen Minuten wieder seinem Wagen nachlief, kamen Höflich und dm Sohn ihm nachgelaufen und schrien ihm nach: ,.Wenn Tu nicht sofort stehen bleibst, schlagen, wirDich lot". Sie fielen auch den Pferden in die Zügel und Höflich wiederholte seine Drohung mit zum Schlage erhobener Rübengabel. Er beschuldigte dann den Knaub, er habe von ihrem Wagen eine Kette losgelöst und entwendet, wenn er ihm nicht eine Mark zahle, werde er ihn zur Anzeige bringen. Knaub ließ sich wirklich von dem Höflich einschüchtern unb gab ihm zuerst einige Groschen, bann im Ganzen eine Mark, worauf sie das Fulirwerk weiter fahren ließen. Tie heutige Verhandlung ließ über den Tatbestand der räuberischen Erpressung und Bedrohung keinen Zweifel. Doch billigten die Geschworenen dem schon stark ergrauten Angeklagten mildernde Umstände zu. Der Staatsanwalt beantragte darauf 4 Jahre Gefängnis. Das Urteil lautete auf drei Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust. — Ein Schuh macher meist er in Margrabowa batte wegen Abhaltung einer nicht gemeldeten öffentlichen Versammlung ein Strafmandat über 15 Mark erhalten Er erhob Wider- svrnch und wurde vom Schöffengericht freigesprochen. Da der Amtsanwalt Berufung einlegte, beschäftigte die Sache auch die Strafkammer in Lyck, die das polizeiliche Strafmandat aufrecht erhielt. DaS Kammergericht hob das Urteil auf und verwies die Sache zur nochmaligen Beweiserhebung an ba§ Landgericht in Lyck zurück. Vor der Strafkammer in Lyck sollte nun festgestellt werden, ob in jener Zusammenkunft politische Fragen erörtert worden seien. Bei der Befragung des Angeklagten äußerte der Staatsanwalt dem Sinne nach: „daß der nicht die Wahrheit sagt, ist doch klar, daS sieht man ihm doch schon an." Bei diesen Worten will der Staatsanwalt bemerkt haben, daß der Angeklagte höhnisch gelächelt habe. Er stellte den. Antrag, den Angeklagten wegen Un gebühr vor Gericht mit 24 stündiger, sofort zu vollstreckender Haft zu bestrafen. Der Bor- sitzende deS Gerichtshofes sowie die anderen Richter erklärten, von einem Lächeln deS Angeklagten nichts bemerkt zu buben. Der Vorsitzende meinte, der Staatsanwalt müffe bann wohl als Zeuge gegen den Angeklagten auftreten. Darauf erhob stch der Staatsanwalt und bot sein Ehrenwort für seine Bebauptung an. DaS Gericht verurteilte nun den Schnhmachermesiter wegen Ungebühr vor Gericht zu einer Hast von 24 Stunden. Lie Verhandlung selbst wurde vertagt. Der Verurteilte wurde sofort von der Anklagebank in eine Zelle deS GerichtsgebaudeS geführt. Hier blieb er bis 1 Uhr mittags. Dann wurde er von einem Auffeher durch die Stadt nach dem Gerichtsgefängnis gebracht. Bergamo, 7. Dez. Mlbert Olioo, d-er ferne Frau ermordet unb den zerstückelten Leichnam rn Genua ins Wett geworfen hat, wurde auch vom üieftgen schwur» gerfcht, dem der Prozeß nach Annullierung des Frnspruchs des Mailänder Schwurgerichts überwiesen worden war, frerge- sprachen. Tas Urteil ruft grobe Erregung hervor Budapest 7 Tez Ter Abgeordnete Rechtsanwalt Valentin E o e t Y o e s , der angellagt war, von einer Klienttn, Kaeziani, 90 000 Kronen unter der Vorspiegelung entlockt zu haben, er werde ihr dafür eine Lebensrente aussetzen, wurde heute nach Dreitägiger Verhandlung zu drei Jahren Zuchthaus und Verlust der politischen Rechte auf die Tauer von 10 Jahren verurteilt. —-— _ 2 Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. _D i e Aktiengesellschaft Krupp-Essen erzielte im ersten Geschäftsjahr 17 290188 Mk. Betriebsüberschuß 284 796 Mk. sijnscu 2 587 800 Mk verschiedene Einnahmen, zusammen 20,16Mtll. Davon gehen ab: 3 339 369 Mk. fürWohlsahrtsausgaben, sodaß ein Gewinn von 11562 762 Mk. verbleibt Von dem Gewinn werden 5 Prozent der gesetzlichen Rücklage, 600 000 Mk. den Sonderrücklagen und 500 000 Mk. der Arbeiterpensionskasse überwiesen und 6 Proz. Dividende auf ein Kapital von 160 Mill. Mk. auSgeschüttet. R e i ck s b a n k. Am 2. Januar wird in Homberg (Rhein) eine von der Reichsbankftelle in Duisburg abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kafseneinrichtüng und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 8. Dez. (Telegr. Orig.-Bericht deö „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen D i e h m a r k t- p reise. Zum Verkaufe standen: 14 Ochsen, 6 aus Oesterreich, 0 Bullen, 00 ans Oesterreich, 49 Kühe, Fersen, Stiere nnd Rinder, 0 ans Oesterreich, 680 Kälber, 183 Schale und Hammel. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 70 bis 72 Mk., 2. Qual. 68-70 Mk-, 3. Qual. 59—63 Mk.; Bullen 1. Qual. 00-00, 2. Qual. 00-00; Kühe 1. Qualität 67-69 “Ulf., 2. Qual. 64—66 Alk., 3. Qual. 54—56 Mk., 4. Qual. 45—47 Mk., 5. Qual. 00—00 Alk. Kälber 1. Qual. 75—80 Psg., Lebendgewicht 45—48 Pfg., 2. Qualität 59—62 Pfg., Lebendgewicht 43—45 Pfg., Schlachtgetv. 57—61 Pfg.; Schafe: 1. Qual. 68—70 Pfg., 2. Qual. 62-00 Vfg. Geschält bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand unbedeutend ; bei Kleinvieh gedrückt, kein Ueberstand. Limburg a. d. L., 7. Dez. Frachtmarkt. Durch- schnittsvreise pro Malter. Roter Weizen 14.80 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn Mk. 10.50, Gerste 10.00 Mk., Hafer 7.20 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. Kisenka6ii-ZUtung D i e n e u e d i r e k t t e Bahnlinie H o m b u r g-Wiesbaden ist bei Rödelheim in Angriff genonunen. Die Linie macht zwischen Rebstock und dem Rieder-Wald eine Kurve und mündet dann in die Taunusbahn ein. Die Betriebseröffnung ist au? den 1. April 1905 festgesetzt, ab 1. Mal bis Beginn des Sommerfahr- plans sollen die direkten Züge Homburg - Köln und un- gekebrt durchgeführt werden. Arbeiterbewegung Eisenach, 7. Dez. Heute mittag legte die gesamte Arbeiter- /chaft der Fahrzeugfabrik Eisenach, über 600 Mann, die A r beit n i e d e r. Kirchliche Klachrichten. Evangelische Gemeinde. Freitag, den 9. Dezember, nachmittags 5V2 Uhr, findet /'m Konfirmandensaale der Lukasgemeinde, Liebigstraße 56, Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Lukasgemeinde statt. Pfarrer Euler. Zsraelitische Religionsgemeinde. Gottesdienll in der ^ynagsge (büdantage). Samstag, den 10. Dezember 1904$ Vorabend 4.15 Uhr. Morgens 9.00 Uhr. Nachmittags 3.30 llhr. SchrifterNärung. Sabbathausgang 5.15 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst. Sabbathieier am 10. Dezember 1904. Freitag abend: 4.00 Uhr. Samstag vormittag: 8.30 Uhr. Samstag nachmittag: 3.30 Uhr. Sabbathausgang 5.15 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 7.10, abends 4.00. uniellf LAt'wuiumi. Berlin, 8. Dez. Der 24jährige angebliche Goldwarenhändler Isidor Perl, einer der gefährlichster Berliner Wncheragenten, ist verhaftet worden. In den nächsten Tagen soll die Verhaftung zweier weiterer Wucherer erfolgen. Zu den Opfern Perls gehört ein ehemaliger Offizier, der Sohn eines hiesigen Universitäts-Professors und auch der vor einiger Zeit durch Selbstmord geendete koreanische Gesandt- schafts-Attachb. Paris, 8. Dez. Die „Agence Fournier* berichtet aus Rom: Auf Grund von Berichten, die aus Patterson hier eintrafen, sind zwei gefährliche Anarchisten aus den Vereinigten Staaten abgereist mit der Absicht, den König von Italien zu ermorden. Die beiden Anarchisten sind durch das Los zur Ausführung der Tat bestimmt worden und zwar in einer Anarchisten-Versammlung, welche vor zwei Monaten in Patterson stattgefunden hat. Infolge dieser Mitteilung sind die Vorsichtsmaßregeln für König Viktor Emanuel verdoppelt worden. Die Fremden, welche in Rom eintreffen, werden einer strengen Bewachung unterzogen. Madrid, 8. Dez. Der bisherige Minister des Innern, Sanchez Guerra, hatte am 7. Dezember ein Duell mit Soriano, wobei der letztere am Bein verwundet wurde. Vom Kriege. London, 8. Dez. Das Reutersche Bureau meldet aus dem Hauptquartier der russischen Ostarmee über Schengking vom 6. d. M.: Die schwere Artillerie feuert täglich vom Putilowt-Hügel und von Linschinpu aus, jedoch kam es seit den letzten Kämpfen des Generals Rennenkampf zu keinen neuen Zusammenstößen. Freiwillige unternehmen nachts Vorstöße in die feindlichen Linien und sprengen von Japanern besetzte Häuser. Diese nächtlichen Unternehmungen sind naturgemäß sehr gefährlich, verursachen aber oem Feinde viel Unruhe. Jtt den Kämpfen mit General Rennenkampf waren die Japaner an Zahl sehr unterlegen. Die Verluste, die die Russen dabei erlitten, waren sehr gering. Die Russen erbeuteten eine Anzahl Gewehre und machten etwa 500 Gefangene. Diese waren schlecht gekleidet und litten unter der Kälte. In den letzten Kämpfen ließen die Japaner gegen ihre Gewohnheit zahlreiche Tote auf dem Kampf PI atze zurück. Tie russische Armee verbraucht täglich 220 000 Bud an Nahrungsmitteln zur Unterhaltung für Armee und Pferde. Voraussichtlich wird der Hunho in einer Woche stark genug zugefroren sein, um das Ueberschreiten der Trainwagen zu ermöglichen. London, 8. Dez. „Daily Mail" meldet aus Peters- bu^r g: In einer gestern unter Vorsitz des Zaren stattgehabten Konferenz sei beschlossen worden, ein drittes, Geschwader zu entsenden. Die Frage der Entsendung der Schwarzen Meer-Flotte sei noch nicht entschieden. Der Zar sei dagegen. Großfürst Alexis sei dafür. Die Linienschiffe „Paul I." und „Slava" sollen baldigst fertig gestellt werden und mit fünf älteren Linienschiffen sowie fünf Kreuzern und 40 Torpedobooten in zwei Monaten als drittes Geschwader zusammengestellt werden. Dre Kohlenlieserung soll in Anbetracht der Schwi^ rigrerten, die die englische Regierung macht, einer beut« sch en Firma übergeben werden. London, 8. Dez, Tie „Morning Post" meldet auZ Washington von gestern: Die japanische Gesandtschaft er- $ r c • rtne Mitteilung, dem amerikanischen Agenten bei fV'V' Regierung sei es gelungen, zwei Lrn:enschiffe von Argentinien angeblich für Marokko zu kaufen. Tie Schiffe würden sofort nach dem Mittel- mee Kragen, Manschetten Krawatten / Taschentücher jeder Art / äkv Vertretung von: Steinweg Nacht., Rud. Ibach Sohn, Schledmeyer & Söhne, Briese sowie anderen erstklassigen Firmen. Z< Tischtücher, Servietten Handtücher, Wischtücher /y< Fertige Bettbezüge Betttücher, Kissenbezüge Wollene und baumwollene Schlafdecken Steppdecken k-*■ mit Woll- und Daunen - Füllung Feine Hohlsaum-Gedecke Filiale in GIESSEN Bahnhofstrasse 22. 8743 la. 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