Nr. 237 Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.T« Tel. Nr. 51. Telegr^Adr. r Anzeiger Gieß«»» Zweites Mott. L 54. Jahrgang Samstag 8. Oktober 1904 «rjch-tnl »r,nq mtl Ausnahme d-s Sonntag,. ? £> A *A. R°t°tt°nSdruck und »erlag der Brühllch« Die .Äletzrnrr ^ämMiübistter" werden dem filMP F II Unwersuä^drn^ R. Lange, «teßeu. ^An^eiqer viermal wöchentlich beigelegt. Der MN F R, W WM W M U. R J3 II 1 MM W RD M «hfifMr Landwirt- erjchetnl monaMch einmal. X-Z H D General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen. «arkanttntarisches aus Kessen. IN den Parlamentarismen Kreisen Hessens scheint rNan sich noch immer nicht darüber einig zu sein, ob man es angesichts des sich täglich mehr anhäufenden Arbeitsstoffes mit einer Vorsession int November versuchen soll oder nicht. Es zeigt sich auch hier wieder der schon so viel beklagte G e g e n s a tz zwischen S t a d t u n d Land: Wenn die in den Städten ansässigen Abgeordneten zu- sammenkommen wollen, haben die ländlichen ^Vertreter gewöhnlich keine Zeit und wenn die letzteren wollen, dann können die ersteren wieder nicht, andere hingegen sollen oder wollen auch im Reichstag anwesend sein uff. Wie dringend notwendig es aber ist, im Parlament einmal energisch an bie Arbeit zu gehen und wenigstens die wichtigsten der älteren Vorlagen, von denen ein Teil schon seit Jahren als parlamentarische Ladenhüter hin- und Hergeschoben werden, zur Verabschiedung zu bringen, zeigt ein Blick auf das vorliegende Beratungsmaterial. Der zweite und vierte Ausschuß der Kammer haben daher auch ihre Arbeiten längst wieder ausgenommen und eine Anzahl Vorlagen für die Beratung im Plenum sertiggestellt. Allein die recht diffizile Frage der staatlichen Schlacht- Vie h v e r s i che r u n g und die Reorganisation der F o r st- verwaltung dürsten die Kammer schon reichlich eine Woche lang beschäftigen und auch die vom Petitionsausschuß fertig gemachten Vorlagen landwirtschaftlicher Art, sowie die Anträge Hauck und Reh auf Umwandlung zweier Realschulen in Oberrealschulen, bei welchen zweifellos auch das Dr. Davidsche Steckenpferd der Einheitsschule wieder im Parademarsch vorgeritten werden wird, werden zu umfangreichen Debatten Veranlassung geben. Tie Hauptarbeitslast für die kommende Session ruht aber aus dem Finanzausschuß, dessen Aktenschränke noch einen ganzen Stoß. von rückständigen Vorlagen auf* Wersen, während in wenigen Wochen auch schon der neue Haushaltsetat für 1905 seine volle Kraft in Anspruch nehmen wird. Der Ausschuß hat sich denn auch jetzt entschlossen, in der zweiten Hälfte des Oktober tüchtig an die Arbeit zu gehen. Auf die Tagesordnung seiner ersten Sitzung am 18. Oktober sind nicht weniger als 33 Vorlagen gesetzt worden, deren wichtigste die Regierungsforderung für bie Erweiterungsbauten in Bad-Nauheim bildet; als Ausschußre'ftrent dafür ist Herr Ulrich bestellt. Nach den sehr entschiedenen Auslassungen des ihm imNrer noch sehr nahestehenden „Offenb. Abendbl." zu Gunsten der Vorlage darf man der lieber* zeugung sein, daß sich der sozialdemokratische Heißsporn dieser Aufgabe aufs beste entledigen wird. Weiter will sich der Ausschuß dann noch mit der Forderung in Betreff des Isenburger Schlosses zu Offenbach und einigen kleineren Gesetzentwürfen, sowie mit dem bekannten Antrag Schönberger, betr. die lieber* nähme sämtlicher V o l k s s ch u lla st en auf den Staat, dem Antrag M ö l l i n g e r, betr. die anderweitige Organisation des Instituts der Kreisgeometer^ dem Antrag Schmitt, betr. die Aufhebung der Brücken- gelber, dem Antrag Hirsch el, betr. bie anderweitige Verpachtung der Hofjagiden, deren Erträgnisse hinter denen aus den Domanialpachtungen zurücksteyen, und endlich noch mit Anträgen über die Stempelsteuer, den Bau von Nebenbahnen rc. beschäftigen. Das ist ein Arbeitspensum, das dem Finanzausschuß .nanche heiße Stunde und manche lange Sitzung kosten wird, das aber auch schon vollauf hinreicht, die schleunige Einbe- rusimg einer Vorsession zu rechtfertigen. Hegt man in d'n maßgebenden parlamentarischen Kreisen wirklich die Absicht, wenigstens die vorstehend erwähnten Anträge und Gesetzentwürfe noch vor dem Eintreffen des neuen Staatsvoranschlags zur Erledigung zu bringen, so wird sich die Kleines Keuisseton. — Ein Brief Philipps des Großmütigen. Eine liebenswürdige Darmstädter Leserin des „Gieß. Anz." hat die Güte, uns einen höchst charakteristischen Brief Philipps des Großmütigen mitzuteilen. Es ist ein Ermahnungsschireiben des Landgrafen Philipp an einen allzu eisiigen Prediger in Gießen, worin auch des Mißbrauchs der Feiertage gedacht wird. Der Brief lautet: 1563. Zapfenburg am 18 tat Nov. Würdiger und wolgelarter, lieber getmicr, wir feint Ewers Supplicivens unterth-eniglich berichtet worden, und dieweil ihr sovil Ursachen anzihet, barumb euch beschwerlich fei), in disem Winter von Gießen obzuzihen, so sindt wir gnediglichen zufriden, das ihr noch diesen Winter zu Gießen bleibet, und euer Jar ausdienet, haben wir unferm Superintendenten zum Frankenberg bevolhen, das er mittlerz-eit uff ein andere Pfarr, dahin ihr trcmsferirt werden, und da ihr ein zimliche Unterhaltung haben muget, Verdacht fein soll. Tarum ist unser guediges.Begercn, ihr wollet euch mittlerweil in Eurem Predigamt zue Gießen, nemlich zue Krancken zue gehen; sie zu tröften und Sacrament zu reichen also halten, das deshalben kein billiche clstge an uns gelange. Und sonderlich die Leuth auf bem Predigstule n i t schm ehlen, auch sie zu den unnötigen Fehertagen irrt tringen, sondern do sie die fürnemften Fest, als nemlich Wey he nachten, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten und die Sontage wol feyern ist genug; die andern hevligen Tage feint nit nvtw6ndig.ru feyern, wollen auch, das ihr sie darzu nit trrnget, dan ihr wißet, das zu Gießen ein arbeitsam Vvlck ist, als Wolnweber, Führten th, Ackerlenth und andere. Und wir wißen, das uff solche Feyertage, die dermaßen angestelt werden, gewißlich mehr Böß es geschicht, dann uff die Werktage. Wilches wir Euch, darnach wißen zu richten, gncdiglichen anzetgen, und seindt Euch mit gnaden geneigt. datum uti snpra. ♦ — Garten st abt un b ästhetische Kultur. Unter diesem Titel ist im Kunstwort ein Aufsatz von Hans Kampffmeyer erschienen, den bie Deutsche Garten- stadt-Gesellschaft Schlachtensee bei Berlin gesondert heraus- geo/ben hat. Mit Recht, denn die Behauptung, daß von allen Wirtschasissragen, die auf die ästhrtischte Kultur ein- w.'i l ", die Wohnungsfrage bei weitem die wichtigste ist, ist zutreffend. „Man wandere doch einmal aufmerksam durch ein paar neue Großstadtstraßen. Wie. entsetzlich nüchtern ist da schon der Stadtplan. Man sieht es dem elenden Kammer, wenn sie auch in der kommenden Session nur vier Sitzungstage in der Woche abhalten will, wohl oder übel dazu entschließen müssen, noch vor Beginn des eigentlichen Etatsmonats November ihre Arbeiten mit Ernst und Eifer aufzunehmen. Man darf bei der Erwägung des Arbeitsprogramms der zweiten Kammer nicht außer Acht lassen, daß sich im Herbst auch noch die erste Kammer mit der Wahlrechtsvorlage $u beschäftigen bat und eine Rückverweisung derselben für bic Kammer der Abgeordneten eine Reihe neuer, schwieriger und umfangreicher Debatten zur Folge haben dürfte. 8100 Mark, Preußen einen solchen von 17 046 Mark. Für bie bayerischen Staatsbahnen berechnet sich bie Verzinsung des Bauaufwandes im Jahre 1903 auf 2,69 Proz., für die preußisch-hessischen Bahnen auf 7,3 Proz.! Dazu kommt noch, daß in Preußen bauliche Ergänzungen bis zu 100 000 Mk. aus dem Betriebe bestritten werden, während man in Bayern für derartige Ausgaben besondere Kredite zu beanspruchen gewohnt ist. Seit der Verstaatlichung der Bahnen in Preußen konnten über 2 Milliarden Mk. Eisenbahnschuld getilgt werden, während in Bayern die Eisenbahnschuld von Ertrag zirka ein Drittel der Mete für Haus uub Garten beträgt. Bei den Entwürfen für die Häuser hat der Architekt der Gemeinde, Mr. Harvey, cm den ortsüblichen Land- hausstil frei an geknüpft. Die ganze Ansage verschmiszt infolgedessen mit der Land schuft zu einem harmonischen Ganzen. Man hat den Eiirdruch, -daß der Ort von jeher dort gelegen habe." Mas in England erreichbar war, ist auch hier Möglich Tausende seiden gesundheitlich und geistig unter der Großstadt. Im Interesse der Volksgesundheit und Aesthetik wünschen wir der Bewegung Erfolg. Stuttgart,?. Okt. Der ReiWkaMer Gr a f B ülow hat in einem schreiben an den Schatzmeister des Schwäbischen SÄillerv ereins unter Anweisung eines größeren Stifterbeitrages mitgeteilt, daß er für den deutschen 'Reichskanzler als solchen die Mitgliedschaft des Vereins erwerbe, dessen Tätigkeit er schon lange mit regem Interesse Derfolgt habe. — Hs ^Hautet, der diesjährige medizinische Nobelpreis solle Robert Koch zufallen. Paris, 6. Okt. In den nächsten Tagen werden hier Versuch« mit enter neuen Erfindung Edisons gemasinne beS Wortes. In ihm erhebt sich Hedin m einer Höhe brr TnrstMungSkraft, die. geradezu hinreißend wirkt. Schlag auf schlag folgen die Abenteuer des Forschers, so daß daS Buch, dits sich durch eine reiche Ausstattung mit BÄdern, bnrunter 8 bunte Tafeln, geschmackvollen Einband und den überaus billigen Preis' von 6 Mk. auszeichnet, Jung und Alt eine willkommene, Festgabe sein tvirb. Wie wir hören, erscheinen die „Mentencr in Tibet" Mitte Oktober. — „D i e Woche", beEamtt durch ihre all Een AnfsLtz^ mrd Illustrationen, spiegelt auch die Gesche.h'uisse per gegenwärtigen bewegten Seiten mit großer Treue und in einer Anordnung wieder, wie sie von keiner an bereu Zeitschrift erreicht wird. — lieber den Erfolg dessen sich die „Wock>e" von Anftmg an bis auf den heutigen Tag erfreut, unterrichtet bei der heutigen Nummer uniseres MatteS beiliegende Prospekt Volitlsche Tagesschau. Das Vesinden des Kaisers. Tie „Norddeutsche" scl-reibt: , Durch die Blätter gehen Notizen über angebliche Pläne bes Kaisers, die Wintermonate im Süden zu verbringen. Wie wir erfahren, bestehen solche Absichten nicht, und es ist erst recht bie Behauptung unwahr, daß das Befinden des Kaisers einen Winteraufenthalt im Silben wünschenswert mache. Sollte sich der Kaiser überhaupt zu einer neuen Fahrt im Mittelmeere entschließen, so könnte daftir erst das Frühjahr in Betracht kommen. Mit allseitiger Befriedigung wird diese Nachricht ausgenommen werden. Wir waren vor klirzem in der Lage, sestzustellen, daß die Sprache des Kaisers bei seiner Ai^wesen- heit in Hamburg durchaus gesund geklungen habe. Immerhin gibt die „Nordd. Allg. Ztg." die Möglichkeit einer neuen Mittelmeerfahrt im Frühjahr zu. Diese Neise würde dann eben, so nehmen wir an, lediglich den Zweck der Erholung nach der vermutlich sehr anstrengenden politischen Winter- kampagne verfolgen. Im übrigen scheinen Ausstreuungen ber ausländischen Presse in bekannter Tendenz den unmittelbaren Anlaß zu der össiziösen Notiz gegeben zu haben. Zum Schwurgerichtsfalle Kehrein. In Gießener Inristenkreisen wird, wie wir hören, die in einem Llrtikel in Nr. 233 ausgesprochene Ansicht über den Antrag des Verteidigers auf Verneinung der Schuldfragen nicht geteilt. Vielmehr besteht die Auffassung, daß dieser Antrag nach Lage der Sache nicht nur berechtigt war, sondern daß die Psticht für den Verteidiger vorlag, für Freisprechung zu plädieren. Wir halten uns für verpflichtet zu erklären, daß wir und nach genauer Orientierung dieser Aufastung angeschloffen haben, und fügen hinzu, daß der Artikel einen persönlichen Angriff gegen den Verteidiger keineswegs enthalten sollte. ♦ Die preußisch-hessischen und die bayerischen Staatsbahnen. In einem Artikel über das in Heidelberg in Angriff genommene Projekt der Vereinheitlichung des Betriebes ber deutschen Eisenbahnen legen die ^Münch. Neuest. Nachr." an der Hand eines umfangreichen statistischen Materials das natürliche wirtschaftlich eUeberge wicht derpreuß.- hessischen über die bayerischen Staatsbahnen dar, um damit zu zeigen, daß die sinanzielleLage der bayerischen Bahnen sehr ernst ist und Bayern dieser Konkurrenz nur mit einer relativ schwachen Waffe entgegentreten kann. Den dort mitgeteilten Daten ist zu entnehmen, daß Preußen- Hessen über eine Bahnlänge von 31 764 Kilometer verfügt, Bayern über eine solche von 5777 Kilometer. In Bayern absorbierten die Betriebsausgaben im Durchschnitt der letzten drei Jahre 72,21 Proz. der Einnahmen, in Preußen aber nur 60,27 Proz.; Bayern erzielte auf 1 Kilometer Bahnlänge im letzten Jahr (1902) einen Überschuß von Geschöpf an, daß es von Zirkel und Reißmaschine aus Pflichtgefühl und nicht aus Liebe eräugt wurde. Und die Häuser? Oede ZuckMausfassaden reihen sich, in den Arbeitervierteln endlos uebeneinander, und in fedem dieser häßlichen Kästen ist einte Unzahl- von Fa- milien untergebracht, die Sittlichkeit und Gesundheit ernstlich gefährden und zu alledem einen großen Teil des kärglichen Verdienstes verschlingen. Wenden wir uns dann zu den wohlhabenderen Klassen, so wandelt sich unser Mitleid in Zorn. Wie unehrlich und aufdringlich erscheinen» diese ornamentüberladenen .Hüuser!" Dieselbe technisch^ Entwickelung, die solche Zustänoe geschlaffen hat, bringt nun aber auch die Mögllch»keit, sie zu bessern. Die Vervollkommnung der Beförderungsmittel ermöglicht auch Leuten, die in der Stadt arbeiten, das W!ohnen auf dem' ^ande, wenigstens in einiger Entfernung von der Großstadt. Diese heute schon vorhandene Los-von-der-Großstadt- bewegung zu organisieren, hat sich die Gartenstadt-Geselle schäft zur Ausgabe gemacht. „Sie will ihr Ziel durch die Gründung von gemeinnützigen Terraingesellschaften erreichen. Eine solche Gesellschaft sucht ein für die Gartenstadt geeignetes Terrain zu Ackerbaupreisen zu erwerben und gibt die einzelnen Parzellen nach sorgfältiger Ausarbeitung eines entsprechenden Stadtplanes an die Interessenten in Pacht oder Erbpacht ab. Der Gemeinbesitz des Bodens soll als erster Grundsatz gelten, sodaß der Wtert- z.uwach^s, den der Do»den, wie wir oben sahen, durch» das Zusam'menströmen vieler Menschen erhält, denen gesichert bleibt, die ihn geschaffen, d. h. der Gesamteinwohuerschaft. Die steigende Bodenrente würde eine allmähliche Wzahlung der ®auffmniine und gemeinnützige Einrichtungen aller Art ermöglichen. Durch diese gesunde tvirtschastliche Basis können den Einwohnern so gilnftige Lebensbedtngungeu geboten werden, daß sie sicher gern dahin übersiedeln." Wie so häufig, sind wir auch» hier in der Lage, bei unseren praktischen Vettern, den Engländern, in die Schule gehen zr: können. So erzählt der Verfasser von einer englischen Gartenstadt: ,L)vurnville ist heute ein blühender uno gesunder Ort von 2500 Einwohnern. Breite, baumbepflanzte Straßen sichren hindurch Vor jedem der schmucken Hauser liegt ein BlumengM:tch>en. "An die Rüekseite schließt sich ein großer Gemüsegarten, dessen Bestellmitz sich die Leute in ihren Musestnnden mit großem Eifer widmen und dessen 1880 bis 1903 um 416,8 Millionen anwuchs und jetzt runb 1,35 Milliarden beträgt. Aus den Ueberschüsten der bayerischen Bahnen sind in dem Zeitraum von 1880 bis 1903 allerdings rund 43 Millionen der Staatskasse für allgemeine Zwecke zur Verfügung gestellt wordpn; allein in der gleichen Periode mußte der Staat rund 100 Millionen für Eisenbahnbauten und Beschaffung von Fahrmaterial aus allgemeinen Mitteln den Bahnen zuwenden. Letztere sind also weit davon entfernt, den bayerischen Steuerzahler zu entlasten und — obwohl von einer Tilgung der Eisenbahnschuld gar keine Rede ist — den Staatsfinanzen eine solche Stütze zu sein wie in Preußen-Hessen. *■!?-'.<.....HL-!____' »J. .■!■■■■■— Pad-YauyeiM. (Schluß.) Gießen, 8. Oktober 1904. Der ganze jetzige Betrieb des Bndes scheint zerrissen. Das elektrische Werk, die Heizanlagen und die Salinen liegen kilometerweit von einander entfernt. Daß diese Errt- fernungen recht erhebliche Unkosten verursachen, die durch Zentralisation des ganzen Betriebes wesentlich zusammen schrumpfen würden, unterliegt keinem Zweifel. Außerdem könnte das sehr wertvolle, nach Friedberg zu gelegene Gelände, auf dem sich die Salinen von alters her befinden, für Bauzwecke verwendet, große Summen Geldes einbringen. Die genannten Zustände wesentlich verbessernde Aender- ungen sind also allenthalben unumgänglich, will Nauheim, angesichts des überall wachsenden Erlangens nach größter Bequemlichkeit, für die Zukunft nicht gerade auf diejenigen fremden Besucher verzichten, die besonderen Wert auf die Erfüllung ihrer mehr oder minder berechtigten Ansprüche legen. Diese mit Gütern mannigfachster Art reich Gesegneten würden selbstverständlich für die Zukunft jedem anderen Kurorte vor Nauheim den Vorzug geben, der ihren, Wünschen mehr Genüge tut. Es darf nicht außer acht gelassen werden, daß Nauheim namenllich die Konkurrenzbestrebungen der ungemein rührigen und geschickt aroß- sprechcrischen Badeverwaltung von Franzensbad zu fürchten hat. Alle diese aus den an gedeuteten Gründen unvermeidlichen Verbesserungen stehen mit einander int engsten Zusammenhänge, müßten also möglichst gleichzeitig in Atr- grifs genommen werden. Die Verwertung des Salinen- geländes bedingt die Verlegung der Saline und die Veränderung bezw. Erweiterung der Trink- brunnenattlage. Hierdurch wird die Verlegung der jetzt hinter der Trinkhalle liegenden Gärtnerei notwendig. Bei Neuanlage der Saline wird man diese möglichst vereinfachen und den Betrieb möglichst billig gestalten. Die Nähe des Bahnhofs ist da wegen des bequemeren und wohlfeileren Kohlentransports von Wichtigkeit. Der bellagenswerte jämmerliche bauliche und hygienische Zustand der drei älteren Vadehäuser bedingt Ersatz, die ungemein gesteigerte Frequenz Erweiterung. Die neue Anlage muß hygienisch einwandfrei, technisch durchaus solid und für den Betrieb und das Publikum übersichtlich uitb vrcmem wrrden. Tie FcuersteNen (Kessekankaaen) iminen knw der von den Kurgästen frequentierten Gegend verschwinden. Deshalb ist die Anlage eines Fernheizwerks von nöten. Dieses kann mir rentabel sein, wenn sämtliche übrigen Krasibetriebe (Elektrizitätswerk, Eisfabrik, Wäscherei) an derselben Stelle vereinigt werden. Die Anlage muh natürlich an einer Stelle nntergebracht werden, wo die Rauchbelästigung die denkbar aeringste ist. Drüben der hohe Goldstein, jenseits des Bahnhofs, ist ein vortrefflich geeignetes Terrain für die gesamten maschinellen Anlagen mitsanrt der Danrpflviischerei und den Salinen. Ein dort errichteter hoher Schornstein würde, in erfreulichstem Gegensatz zu den jetzigen von Bürgerschaft und Fremden mit Recht übel empfundenen Zuständen, niemanden belästigen, zumal dort, fern voti der Stadt und dem internationalen Badelnden, ohnehin schon durch die Bahn und die Fabriken die kBerhültnisse wie dafür ge- schaffen scheinen. Dieses Gelände ist obendrein staatliches Eigenrum, kann also jederzeit ohne alle Unkosten dazu in Verwendung genommen werden. ES können daselbst auch für die in den dort zu errichtenden Betrieben beschäftigten Beamten billigst Wohnungen geschaffen, sowie ein Zollamt mit Wohnung untergebracht werden. Mit solchen oder ähnlichen Gedanken würde ein Ehidher Heuer von Nauheim geschieden sein. Denken ivir uns seine Wiederkehr nach etwa 20 Jahren. Dann werden hoffentlich längst die jetzt dem hessischen Landtage vorliegenden Regierungspläne zu Gunsten Nauheims sich aujs beste bewährt haben. Er naht mit dem Frankfurter Schnellzuge. Soeben hat er sich vom Coupöfenster aus an dem reizenden Bilde von Stadt und Schloß Friedberg erfreut. Nun läßt er den Blict hinüberschweifen nach dem altgeliebten Ort, nach dem es it)i; seit Jahrtausenden zieht. Und wieder bietet 'sich ihm ein völlig neues, fremdes Bild dar, das ihn mehr als je fesselt. Welche überraschende, erstaunliche Veränderung I Der heute halbstündige Weg von Friedberg nach Nauheim hat sich um die Hälfte verkürzt. Nauheim ist auf halbem Wege Friedberg entgegengekommen, die wogenden Getreidefelder sind um die Hälfte kleiner geworden. Da, wo die Salinen standen, erhebt sich cm neuer prächtiger Stadtteil, lauter schmucke Villen von origineller, anheimelnder Baiiart. Jede zeigt eine gewisse Individualität, wie es scheint etwas von dem Charakter des Besitzers. An der Usa zieht sich eine schöne schattige Allee hin, dicht belebt von eleganten Fremden. Er blickt zum anderen Fenster hinaus und isi nicht minder überrascht. Auf dem Goldstein erhebt sich ein kleiner stattlicher Fabrikort, überragt von einem 45—50 ni hohen Schornstein, dessen Rauchsäulen hinauf gen Hmimel steigen. Sobald der Zug hält, eilt er die wohlbekannte Bahnhofstraße hinab und steht an deren Ende am Beginn der Ludwigstraße wieder etwas ganz Neuem gegenüber, den in sein modernisiertem Barock errichteten zwei Verwaltungsgebäuden. Sie bieten willkommenen Ersatz für dir bisher in den verschiedenen Badehäusern piovisorisch unter- gebrachten Bureaus und Amtsräume. Der breite Gang zwischen ihnen, der gewisserniaßen eine Fortsetzung der Bahnhofstraße bildet und von ihr nur getrennt ist durch die Ludwigstraße, führt ihn in eine gänzlich unbekannte kleine Welt für sich. Die drei alten Bade Häuser sind verschwunden und haben drei lang gestreckten niedrigen neuen Gebäuden, von ähnlichem Stil wie die Verwaltungsgebäude, Platz gemacht. Er betritt das nächste und erbittet sich ein Bad. Flugs führt man ihn in ein wenn auch einfach, so doch recht solid und nett eingerichtetes Badekabinett. Alle unbeständigen Materialien findet er darin ucrmicben, die Fuß- höben sind massiv, die Wände mit glossierten bunten Plättchen belegt und geschmackvolle Freskomalereien geben der Zelle ein recht freundliches und sauberes Aussehen. 300 Badezellen zählen die 3 neuen Badehäuser. Fast will es ihn bedünken, daß die nun vorhandene Zahl von 450Zellen gar bald nicht mehr genügen wird. Nach dem stärkenden Bade hält er weiter Umschau. WaS ihm zunächst aufsällt, ist die äußerste Ausnutzung des Platzt. Diese hat, wie er sich sagt, gefchehen müssen wegen der m den Badehäusern in möglichst natürlicher Wärme erforderlichen Thermalsole. Bei größerer Entfernung der Badehäuser von den Sprudeln wäre viel an Wärme und Kohlensäure verloren gegangen. Die ganze Anlage vt also um die Sprudel als Mittelpunkt gruppiert. Rings um die massiv gefaßten Sprudel ziehen sich hübsche lichte Wandelhallen, von denen die Wartesäle der Badehäuser direkt erreichbar sind. An die Wartejäle schließen sich die einseitig mit Zellen belegten Flure, die ihrerseits niedliche kleine, mit gärtnerischen Anlagen versehene Schmuck Höfe umschließen. Der Tausendjährige freut sich jetzt schon auf die nächste Wiederkehr. Wenn sich einst üppiger Efeu an diesen Mauern und Säulen emporrankt, wenn die Jahre ihre Schrift aus alle diese kecken, mit dem gemütlich heitern Antlitz des deutschen Barocks dreinblickenden, einfachen iind darum so wohltuenden architektonischen Zierrate geschrieben haben werden, dann muß es sich in diesen Schiiiuckhösen in Sommermondscheinnächten wie in traumverlorenen wunderholden Paradiesen weilen. Diese Schmuckhöfe sind, praktisch genommen, die Vorhöfe für die Wartejäle und dienen zugleich zur Ausnahme von Reservoiren für Thermaljprudel- wasjer. Für Gelegenheit zum Vorfahren nut Wagen ist überall gesorgt. Befriedigt von dem bisher Geschauten wandert Ehidher durch den prächtigen Park zum Kurhause. Aiich hier findet er manches anders als es früher war. Zunächst findet er die Terrasse wesentlich verbreitert. Ter alte, baulich und akustisch klägliche Musiltempcl ist nicht mehr. Er erinnert sich der Klagen über den einst zu kleinen Konzertplatz, über die zu geringe Anzahl der bedeckten Plätze, über das Fehlen eines geschlossenen großen Konzerljaales. Der ihm von früher her bekannte Jestsaal eignet sich doch kaum für die Theater-Vorstellungen, sondern nur für Tanzvergnügungen. Ehidher erblickt nahe am Kurhauje einen fast doppelt so großen Konzert- g arten, doppelt jo viele bedeckte Plätze unter Steinlauben und eine große Konzert Halle für 1000—1500 Personen. Ter Mujiktempel steht m der west-östlichen Axe jo, daß die Schallwellen m einen allseitig geschloßenen Konzertplatz treffen. Das ist akustisch em Meisterstück. Da der Musil- tempcl an der Böschung steht, ist der untere Teil ausgebaut zu einem Proberarun, den man seit Abbruch des allen Ge- ioachshaujes un Frühjahr 1904 vermißte. Jtaiuit im Zusammenhang, ebenfalls in der Böschung, ist u. a, ein Re- qmjitenraum untergebracht. Die Trinkhalle im Süden der Stadt fmbet et oen Bedürfnissen entsprechend erweitert. Die neuen Wandelhallen sind in großem Hufeisen biß an den Victoria- Melitta-Ring herangerückt. Die, wie eß ihm scheint, zum größten Teil von Nauheimer Geschäftsleuten gemieteten hübschen und viel frequentierten Kolonnadenläden bilden mit ihren gefälligen bunten und schniueken Auslagen einen den Fremden sehr miflfommenen Ersatz für einige an der Parkstraße weggefallene Läden. Auch hier erhebt sich ein stattlicher Musiktempel, und auch ein kleines Kaffee- Restaurant mit Milchkuranstalt ist hier erstanden. Dahinter leuchten die schönen Villen des neuen, nach Friedberg zu sich erstreckenden Stadtteiles. Die Ufa, die einst so üble, ist reguliert und entsendet keine unangenehmen Duste mehr in die empfindlichen Geruchs- organc holder Patientinnen. Ehidher ist aufß höchste befriedigt von all dem Geschauten. Wenn er auch jetzt noch manches gern anders haben möchte, wenn ihm die gar zu einförmige äußere Architektur der Bade- Häuser nicht fonderlich behagt, wenn er baß leider unvermeidlich gewesene eng Zufammengedrängte der ganzen Anlage bcllagt, so gesteht er sich doch ein, daß in der Zeit seiner Abwesenheit ganz Außerordentliches geschehen ist, und zwar, wie er erfährt, ganz ohne Inanspruchnahme des Geldbeutels des hessischen Stencrzah'erS. Tic Gelder wurden nicht vom hessischen Staate aufgebracht, sondern vom Bade selbst, oder richtiger gesagt, von ganz Europa, der ganzen zivilisierten Welt, d. h. von den in Nauheim weilenden internationalen Kurgästen. Lediglich deshalb, weil der ganze Betrag, resp. die ganze Einlage auf einmal genehmigt werden sollte, nahm der Staat im Jahre 1904 eine Anleihe auf, die nicht nur miß den Einnahmen des BadeS verzinst, sondern auch durch wertvollen Geländeankauf und den llebcrfchuß auß den reichen Einnahmen deß BadeS amortisirt wird. Annähernd 6'/, Millionen erforderte die Anlage. Diese Summe ivnrde auf mehrere Jahre verteilt. Die auf die einzelnen Jahre auSgeschlagenen Summen wurden jedeSmal einzeln der Kammer zur Genehmigung vorgelegt. Die Kammer, so erfährt Ehidher im Jahre 1924, hieß im Jahre 1904 nahezu einstimmig, biß auf einige mißgünstige Herren, die als Rheinhessen glaubten, die rein hessischen Angelegen- heiten um der speziell rheinhessischen Sonderinteressen ivillen außer acht lassen zu müssen, den Gesamtplan gut und genehmigte die erste Baurate. Die Steuerzahler im Lande hatten mit den 91 aul)eimer Bauten gar nichts zu tun. Wie vor 1904, so fließen auch seitdem jährlich mindestens 100 000 Mk. auß den Ucbcrjchüsfen des Bades außerdem in die Hauptstaatskasse, also die Zinsen eines weiteren Kapitals von ca. 3 000 000 9JiL In vielen anderen Bädern gibt der Staat oder die Stadt jährliche Zuschüsse und bezahlt außerdem noch die erforderlichen Neuanlagen l In Nauheim, bezw. Hessen nicht- von alledem! Tie Zeit der kleinlich nörgelnden Mißklänge vor der Kammertagung 1904/05 erscheint den führenden Männern des Jahres 1924 wie eine Seite aus einem vergilbten Witzblatte. Dem Toden der rhcinhessijchen Presse im Herbste 1904 steht schon die Harmonie befriedigter Seelenftimmung im darauffolgenden Jahre nach glatt erfolgter Annahme der Regierungsvorlage gegenüber, was ja eigentlich nichts weiter als eine Form war, "für die Finanzen dcS Staates und der Steuerzahler bedeutungsloß. Es erfüllte sich auch hier daß alte Wort: .Schimpfen hilft I* Nur manchmal freilich bewirkt es das Gegenteil. Dian prüfte nach und fand, daß nicht die rheinhefsische, sondern die Darmstädter Rcchnnng stimmte. Ter Regen rheinhessifchen Mißvergnügens ward glorreicher reinhessischer Somnier durch die Bewilligung dcr 6% ÜDlillioiieii ür Nauheim. Ehidhers Abschiedsstunde schlagt. Noch halb berauscht und traumbefangen verläßt er das klug und gut regenerierte Bad. Ist dieses Bad nach seinem mit den Jahrhunderten pielendcn Maßstabe gemessen, auch nur eine Episode deß Erdcnfleckes, der für unö den Namen Nauheim trägt — für uns bedeutet es ein Triumphwerk menschlicher Kultur, für Tausende von uns Sterblichen bedeutet eß daß Leben. Aus tztuüt rnid Lund. Gießen, 8. Oktober 1904. • • Viehmarktangelegenheit. Gestern abend faßte eine etwa 20 Personen zählende Versammlung einstimmig eine Resolution, die sich an die maßgebende Stelle richtet zur Blenderung der bekannten Polizeiverordnung betr. das Ausmelken der Kühe vor dem Auftrieb auf die Viehmärkte. * • Von der Kanalisation. Der Hauptsammler, oder das Hauptsicl unserer zukünftigen Entwässerung, ist seit einigen Tagen in seinem letzten Teile fertig gestellt worden und reicht nun bis zu der Stelle, wo die Arbeiten für die Klärbecken in Angriff genommen sind. Bisher handelte es sich bei den Arbeiten für die Klärbeckenanlage nur um Erd- arbcitcn, wobei der ausgeschachtete Boden gleich an Ort und Stelle geschafft wird, wo er später als Schutzdamm der fertigen Anlage gegen das Hochwasser der Lahn benuljt werden soll. So lange die Witterungsverhältnisse es zu- lassen, werden die Arbeiten für die Klärbecken fortgesetzt, allerdings ist der eingetretene Regen in den letzten Tagen dem Fortgang der Arbeiten überaus ungünstig gewesen. * • Stenographie. Ein Unterrichtskursus in der Stenographie (System Gabelsberger), beginnt am nächsten Donnerstag abend im Frankfurter Hof. Bei der großen Bedeutung der Stenographie im Erwerbs- und Wirtschaftsleben weifen wir auf diese Gelegenheit zur schnellen und billigen Erlernung solcher nützlichen Fertigkeit besonders hin. Der Kursus wird, wie man uns mitteilt, in etwa zwei 9)lonatcn beendet sein. * * Verhaftung. Ein hier in Arbeit stehender junger Mensch wurde gestern wegen eines in Heuchelheim verübten Fahrraddiebstahls verhaftet. * • Betrüger in Uniform. Am 28. v. Mts. erschien in einem hiesigen Geschäft ein junger Mann, der die Uniform eines Bahnbediensteten, Weichenstellers oder Hilfsbremserß, trug, und verlangte vier Knabenanzüge, von denen er einen zum Kauf in seiner Wohnung auswählen wollte. Der Mann gab Namen und Wohnung an, die sich aber als fdlsch erwiesen. Der Geschäftsinhaber hat Anzeige erhoben, da er biß jetzt vergeblich auf Zurückbringung der Anzüge gewartet i)at Vielleicht tragen diese Zeilen zur Feststellung der Per- önlichkeit bei. Einen solchen Bediensteten, auf den die Be- chreibung paßt, gibt eß, wie zuverlässig versichert wird, in Gießen nicht. ** Gesellschaft für soziale Reform. Die zweibe Generalversammlung der Gesellschaft für soziale Reform findet vom 13. biß 16. Oktober zu Mainz im Casino ,Hof zum Gutenberg" statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a. zwei Hauptthemas: 1) Konsumvereine, Referat von Dr. Reinh. Riehn auß München, 2) Arbeitskammern, Re- erate von Magistratsrat M. v. Schulz in Berlin, und Dr. B. HarmS, Privatdozent in Tübingen. Sonntag den 16. Oktober ist eine Besichtigung der Höchster Farbwerke und ihrer Wohlsahrtseinrichtungen in Aussicht genommen. Am clbcn Tage abends beginnt dcr 1. Allgemeine deutsche Wohn- ungskoiigreß in Frankfurt a. M. Auch hier stehen wichtige Gegenstände auf der Tagesordnung. Die entscheidenden Fragen, welche Veränderungen die Wohnungsverhättnisse bei uns etwa seit dem Jahre 1870 erfahren haben und ob eine Wendung zmn Besseren sestzustellen ist oder nicht; ferner der bisherige Erfolg der Resormmaßregeln und der Einfluß der großen wirtfchaftllchen Flutwellen auf die Woh.iungSverhält- iiijje werden durch einen eingehenden Generatdericht beleuchtet werden. Es folgt eine Erörterung über die Ausgaben von Reich, Staat und anderen öffentlich-rechtlichen Körperfchaften in der Wohnungsfrage, wobei msbefondere auch der preußische Wohnungsgefetzentivurf und die Frage einer Reichs-Wohnungsgesetzgebung zur Behandlung kommen werden. Die wichtige Ausgabe einer gründlichen Umwandlung in der Beschaffung der für die Bautätigkeit nötigen Gelder, insbesondere der zweiten und späteren Hypotheken, wird das Thema des zweiten Verhandlungstages bilden. — Zum Schluß findet eine große öffentliche Versammlung über das Thema „Wohnungsfrage und VotkSwohf statt, gegliedert in die Unterabteilungen »Wohnungsfrage und Volkskrankheiten" und „Wohnungsfrage und Familie". ic. Gelnhausen, 7. Okt. Das Hotel „Hessische^ Hof" hier, vor Jahren weit und breit bekannt und berühmt wegen feiner vortrefflichen Verpflegung, die dem Reifenden zu teil wurde, ging im Zwangsversteigerungsoerfahren in die Hände des Agenten Abraham Jacob von Gießen für oen Preis von 51 000 Rik. über. Kleine M i 11«. 11 u n g e i« aus Hessen und den Nachbarstaaten. In sämtlichen Landschulen des Kreises Wetzlar wurden'die fast abgelaufenen vierwöchigen Herbstferien nachträglich auf fünf Wochen ausgedehnt. — In Nieder-Dorfelden machte der 58 jährige Landwirt Vetter feinem Leben durch Erhängen ein Ende. — Zu dem gemeldeten schwere n Unfälle in dem Bafaltstembruche bei Ober-Seemen ist zu bemerken, daß der Getötete nicht dcr Sohn des Gastwirts Schmidt, sondern der Bruder des Wirtes Kneip ist. Ein anderer Arbeiter, welcher in der Nähe beschäftigt ivar, erlitt ebenfalls schwere Verletzungen. — Die Vermutung, Professor Luthmer in Frankfurt sei bei der Bearbeitung der Gießener Vahnhofpläne beteiligt gewesen, ist nach einer Mitteilung des Herrn Architekten Ludwig Hofmann in Herborn an unö, irrig. — In Frankfurt starb Justizrat Dr. Holdheim. Der Verstorbene war in jungen Jahren Kreiörichter in OrtelSburg in Ostpreußen. Anfangs der 70 er Jahre kam er nach Frankfurt und ließ sich als Rechtsanwalt nieder. In Frankfurt erwarb sich Dr. Holdheim bald eine bedeutende Praris als Verteidiger m Strafsachen; später ging er zur Zivilpraxis über. Namentlich auf den Gebieten des Handels- und Aktienrechts befaß er viele Kenntnisse. Er ist der Begründer der Monatsschrift für „Aktienrecht und Bankwesen". Am kommunalen Leben nahm Dr. Holdheim frühzeitig regen Anteil. Viele Jahre gehörte er als Niitglied dem Kommunal- und dem Provinzial- iZanbtag an. In ihm verliert die Frankfurter Anwaltschaft eines ihrer angesehensten Mitglieder. — In Burkhardsfelden wurde die älteste Frau beß Dorfes zu Grabe getragen; es war bie Frau des Försters Weiß, welche im 90. Lebensjahre ftanb. — Auf der Kirmeß im Dorfe Kölschhaufen (bei Herborn) hat bet Arbeiter Lange feinen eigenen Bruber erstochen. Man vermutet, daß Eifersucht mit im Spiele war. —Die Stabtverorbnetenwahlen in Darmjtadt sollen dem Vernehmen nach am 22. 9kovember stattfinden. Kandel und ZZerKeyr. AolKswirlscha^t. 3proz. Schatzauweifungen und T^is ko n t e r hö h- ung. Bei Bctaimtiverbeii bc» letzten Rcichsbankausweyes wurde versichert, daß trotz der Anspannung des Geldmarktes und trotzdem die Bant so l)vch in der 9lotcnftcuer ist, an eine Erhöhung des TiskontS uick-t zu denken sei. Und nun ivtrb mitgetinU, baß die Rückflüsse nach Quartalswechsel durchaus nicht so rasch und in dem Umfange slattgesunden ßaben, den man erwartete und daher mit der Ac'öglichkeit einer Tiskonerhohung doch gcrecloret werden müsse. TicS sei um so eher mög'lich, da die Unsprüä)e des Rcick>cs an ine Bank fortgc|et>t red>t ftarf sind und -z auch auffiel, bajj das Reich nicht nur für die belaunlen 81 Mültoncn Mark, fonbent gleich für 100 Millionen Mark NeichSlchatz-Anweisungen die Zulassung bewirkte ES felW hierfür unbedingt an einer Erklärung. War man doch vorbereitet, daß den neulich begebenen 81 Millionen Mark mit der Zeit weitere Posten folgen könnten, so läßt doch die sofortige Ankündigung Von noch 19 Mill. Mark, ivie die „F. Z." bemerkt, der Vermutung weiten Spielraum. Vor allen Dingen kann man sich kein VUd davon maclxn, wozu ihr Erlös bestimmt sein mag oder, ob damit lediglich die Grenze für die gegenwanige Emisjionsära bezeichnet iverden soll. Märkte. Gicßcn, 8. Okt. Marktbericht. Airs heutigem Wocbenmackt kosteten: Biitter pr. Pld. 0.85—1.15 Mk., Hühnereier 1 Ci. 7—8 Big. 2 Stck. 15—00 Vjg.. Gänjeeier 00—OO Psg., Enteneier 7—0 Psg., 5iäfe pr. Etck. 6—8 Ps., Käsematte 2Stck. 5—6 Psg. Erbsen pr.Liter 21 Psg., Zinsenpr. Liter 32 Psg., Taubenpr.Paar0,80-0,90Alk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,60—1,20 Alk., Ente,: pr. Stück 1,80—2,20 Alk., Gänse vr. Pid.58—60 Psg., Ochsenfleisch pr. Psund 00—80 Psg., Kuh- und Niiidfleisch pr. Psund 62—68 Psg., Schweinefleisch pr. Psuiid 60—72 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Psund 76 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 68—76 Psg., Hannnelsleisch pr. Psmtd 50—74 Psg. Kartosseln pr. 100 Kgr. 6,00—7,00 Alk., Weißkraut per Stück 10—15 Psg., per Zentner 0.00—0.00 Alk., Zwiebeln pr. Ze»»tner 8,00—10,00 Alt., Alilch per Liter 18 Psg., Aepsel per Zentner 4 ins 7 Alk., in Körben 00-00 Psg. Nüsse 100 St. 15-30 Psg. Zwetschen per Zentner 2.40-3.00 Alk. Birnen per Zentner 6 bi§ — Alk. Marttzeil 8-2 Uhr. Warnusag vor Fälschung I .. 1U Pillen noch Pulverform noch mit Kakao \ W "Uvl geurscht, sondern IIIjimd Flaschen mit eingeprägtem Namenist hounnei n 1111 Haematogen echt. J)6/ Wer Stellung sucht bs*/J verlange die „Deutsche Nalraureu-Kok" Eßlinzeu a. l\. 6 Zimmer :nne- 8» h zu vermieten. 6772 zu vermieten. 7649 zu vermieten. 6765 Lüchtige LAciner gesicht 7673 Nordaulage 28. Läden etc. 7830 zu vermieten. (freundliche 4-Zimmer-Woh- V nung, per Monat Mk. 28. (£ine Werkstätte zu vermieten 057711 Steinstraße 76. 3 Zimmer llBohnunfl zu vermieten [05838 Große Mühlgasse 37. Stellung gesucht. 05804 Tribns & Snttdheim. mieten Weidengasse 12. Ed. 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