! *»- d-b ich ">Gkci! achtend 01033 I öietz. I Wun«. U'9' ° Nation eb*”-ine8o(aWle his Witwe, Haus. ’ niultuMj^rSpanii Hoffmann etltn. mtneid)tem Wrge^l:- (cntxaule und Äelou»l<« genug zu empfehlen. 16 anerkannt. 2i« ©erlitt 1903. 'N öhere Plätze gesucht, unjere Fabrikate tühM rnberger, Kreuzplay 2. r, Frank'unerilraße l llersweg 3ti. l(L M WöW irg5Menfels, Lotz ){ M ’w ** Nr. 57 Dienstag, 8. März 1904 154. Jahrg. Giehener Anzeiger General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Lichen „Um inn was den ist in der Rotationsdruck und Verlag der Brüh lick« UntDerfitätßbrudereL R. Sange. Bietzen. Redaktion. Expedition u. Druckerei : Sckulstr.1. Tel. Nr. 5L Leiegr.-Adr. r Anzeiger Bietzen. Erscheint ISglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gießener ZamilienbiStter" werden dem »Anzeige vterma wöchentlich beigelegt. De .^esfisCk Landl ir» * erscheint monatlich einmal WaS den Fall des kommandierenden Generals des 7. Armee« korpS von Bissing anlangt, so habe ich von diesem am Tage nach der Rede des Abg. Bebel folgendes Telegramm bekommen: „Soeben lese icli den von dem Abg. Bebel gegen mich gerichteten grundlosen Angriff. Ich habe die Akten über den betreffenden Vorfall eingefordert und werde dieselben Ew. Exzellenz umgehend zugehen lassen. Diese Akten liegen vor, ich habe sie heute bekommen. ES handelt sich um einen Burschen, der seinen Dienst vernachlässigte und von dem kommandierenden General mit 48 Stunden Mittelarrest bestrast wurde. Darauf hat ihn der General auf einer Dienstreise mit nach Düsseldorf genommen, und in seiner ersten Aussage sagte der Bursche auS, wegen dieser Bestrafung und weil er als Bursche ab gelöst werden sollte, habe er beschlossen, fahnenflüchtig zu werden. Aus dem Erkenntnis (ber Kriegsminister verliest esj geht hervor, daß er mcht daS mindeste einer Aussage gemacht hat, daß er mißhandelt worden. Der kommandierende General erklärt in einem Brief folgende-: Wenn mich ein solcher Angriff Bebels im allgemeinen auch nur ehren kann, da eS jedenfalls ehrenvoller ist, als wenn sich der Abg. Bebei mit meiner Person steundschaftlich befaßt hätte (sehr gut!), so hat mich der Angriff des Abg. Bebel doppelt verletzt, weil wohl^aum ein kommandierender General mit Wort und Schrift mtt solcher Energie den Mißhandlungen entgegentritt, wie ich." wor^ ^m) Meine Herren, wenn ich es nicht schön sinde, wenn auf GerU einzelne Fälle anführte, so tat ich das gerade im Interesse der Armee. Denn wir haben das allergrößte Interesse sm der Armee. Sind doch auch unsere Söhne und Brüder in der Armee. Wir wollen keine Einengung der allgemeinen Wehrpflicht. 3m Gegenteil: wir wollen deren Erweiterung; wtt wollen, daß jtebermann zur Waffe gerufen totrb Aber toir wollen auch mcht ! ine überflüssige Ausdehnung der Dienstzeit. Wir wollen icder- marm ttiegstüchtig machen, nicht mehr unb nicht toemger Wenn ich Joie Armee und das Offizierkorps IriHiiert habe, so habe ich ubn- mns fernen einzigen Parteigenosten zittert, sondern nur Stimmen y>on Leuten, bte uns auf Tod und Leben bekämpfen. Auf der Rechten sieht man jede Kritik der Armee als Majestätsbeleidigung mt. Genau fo war es vor 1806. Derselbe Geist des Hochmuts «nd des Uebermutß! Der Junker Herr in der Armee, der Junker Herr im Staat! Die Junkerherrschaft hat aber bei Jena den i chrnählichsten Zusammenbruch erlitten, die Junker waren eß, bie Die iichmählichsten Kapitulationen zu stände brachten. Nicht Junker waren es, bie bie moberne Kriegsführung geschaffen haben. Napoleon ber Große war es, der einfache Artillerieleutnant, dem lerne Vorgesetzten das Zeugnis außstellten, baß er selbst für den Exerzierplatz nicht tauglich sei. Napoleons Schüler waren die Scharnhorst tmb Gneisenau, die Reorganisatoren der preußischen Armee. Und heute haben wir denselben Junkergeist bei unseren Herrschenden! freilich: wo hätte es jemals eine herrschende Klasse gegeben, bie Vernunft angenommen hätte! (Schallenoes Gelächter rechts.) Mit ttemfelben Hohne, den Sie jetzt gegen unsere Zulunstspläne aus- roenben, hat man einstmals die Vorkämpfer beß bürgerlichen Libe- wialismuß überschüttet. Sie (nach rechts) sind ja doch nur die Rudt- mente einer absterbenden Gesellschaftsklasse. (Stürmisches Ge- demokraten.) Mg. von Riepenhausen (kons.): Auch bie zweite Rebe Bebels wirb nicht ben Sieg des Kriegsministers beeinträchtigen. (Lacken bei den Sozialdemokraten.) Wie toir über die militärischen Schmähschriften denken, hat schon Herr von Normann gesagt. Die Soldatenmißhandlungen haben toir stets gemißbilligt und auch stets Abhilfe verlangt. Die Zunahme der Selbstmorde in ber Armee beweist noch nichts, in dem 95er Regiment sind einzelne Selbstmorde vorgekommen, aber Herr Bebel kann da keine Mißhandlungen Nachweisen. Ich bin ein alter 96er und bekomme heute noch Briefe: „Ist das unser Riepenhausen, der im Reichstag sitzt?" (Große Heiterkeit. Zuruf bei den Sozialdemokraten.) Sie haben jetzt iu schweigen. Sie können nachher reden. (Lachen bei den Sozialdemottaten.) Heute kommen viele junge Leute zur Armee, die kein Gefühl der Unterordnung haben. Wem haben wir daß zu verdanken ? Doch nur (Redner wendet sich in soldatischer Haltung zu den Sozialdemottaten unb ruft ihnen mit strenger (Stimme zu) Ihnen, bie Sie bie Gottesfurcht unb Köniastteue untergraben! (Abg. Lcbe - bour ruft: Das müssen (sie Ihren Rekruten erzählen! Heiterkeit.) Die Sozialdemottaten versuchen seit 80 Jahren schleckten Lesestoff in bie Kasernen hineinzubringen, so z. B. Den Pommerschen Volkskalenber! Da steht baß „Attentat Nobilingß auf Wilhelm I. brtn — nicht „Kaiser Wilhelm I.", „Kaiser" gibts nicht mehr, ber ist längst bei Ihnen cckgeschafft — ferner bie Erstürmung ber Bastille, ber Tob Friedrich Engels, die Ablehnung ber Zuchthausvorlage unb ber sozialistische Sieg bei den Stettiner Siadtverordneten- toahlen! Solche Sachen sollen die Soldaten lesen. Und bann Ge- versucht unb gesagt, wir sollten uns über die Schimpfereien m der Armee nicht so sehr aufregen, wir sollten lieber auf unsere eigenen Schimpfereien achten, und hat zum Beweise Stellen auß dem Dresdener Parteitagsprotokoll verlesen. Nun, ich habe beim besten Willen in denselben Schimpfaußdrücke nicht entdecken können. (Schallendes Gelächter rechts.) Es ist bei unserer Partei Sitte, einander sehr offenherzig die Wahrheit zu sagen. (Erneutes Gelächter.) Die Sozialdemottaten machen eben aus ihrem Herzen keine Moroer- grube. Sie haben als Devise „Wahrheit und Offenhelf" den Gegnern gegenüber und auch untereinander. Der große Unterschied zwischen der Sozialdemokratie und der Armee besteht aber barm: Wenn ein Soldat von einem Vorgesetzten beschimpft wird, darf er nicht wieder schimpfen. Wenn aber em Sozialdemokrat von einem andern Sozialdemokraten beschimpft wird, dann nimmt er kein Blatt vor den Mund (schallendes Gelächter und Zuruf: „Göhrel"), und das gehört sich auch so. Sie (nach rechts) dürften ja so etwaß nicht wagen. Sie dürften sich nicht öffentlich außeinandersetzen, daher tagen Sie hinter verschlossenen Türen. (Lachen rechtß.) Der Freiherr von Hehl hat neulich gesagt, wenn wir freie Kritik in der Armee verlangen, so sollten wir auch zunächst dafür sorgen, daß freie Kritik in der Sozialoemottatie geäußert werden darf. Er berief sich auf ben Fall Schippel, aber sehr mit Unrecht. Wir haben Schippel keineswegs bie Kritik verboten. Der Beschluß ging nur bahin, daß wir wünschen, er möge offen sagen, tote er zu bestimmten Fragen steht (Zuruf: U«, tbn dann hinauszutoerfen." Großes Gelächter rechts); unb von Herrn v. Heyl angeführten Fall Göhre anbelangt, so ganzen Sache Göhre mein Name überhaupt nicht genannt toorben. Freiherr v. Heyl irrt mit seiner Annahme, baß Göhre deshalb nickt kandidieren durfte, weil er mich beschimpft hätte. Sollte einmal einer in ber Fraktion auftreten unb sagen: Göhre darf nicht kandidieren, toeil er Bebel angegriffen hat, bann toürbe ich selbst gegen meine besten Freunde energisch auf fahren und so ettoaß gurüdtoeuen. (Gelächter rechts.) Was gegen Göhre vorgebracht wurde, waren Dinge ganz anderer Art und ich freue mich, daß Göhre das ern- gesehen hat und von der Kandidatur zurückgetreten ist. Die Hauptschuld an allem tragt der Kapitalismus, er frißt auch am Mark ber Armee. (Zuruf rechtß: Blech! Heitcrttit. Beifall bet ben Sozial- erhalten hat. Es wird darauf hingetoiesen, tote man erst, nachdem das Verbrechen geschehen, an fo mancherlei Vorkommnisse der Jugend, die man vorher als Jugendstreiche angesehen hatte, die sich durchziehende Kette von auffallenden Erscheinungen sah und ihnen eine andere Bedeutung beimessen mußte, als es früher geschah, toenrt man nur ein einzelnes Glied der Kette bemerkte. Es handle sich nicht um eine ausgesprochene Geisteskrankheit, sondern um einen Fall aus dem Grenzgebiete zwischen Geisteskrankheit und Gesundheit. Bei solchen Individuen mache erst das begangene Verbrechen barauf aufmerksam, wie oft schon vorher diese Grenze überschritten sei. Früher habe es sich um leicht zu übersehende Anfänge gehandelt. Man müsse die schlimmen Einflüsse in Südwestafrika berücksichtigen. Nach alledem kann man sich nicht Wundern, wenn in seiner Militärdienstzeit niemand den krankhaften Charakter erkannt habe. Einer der Offiziere hat vor Gericht ausgesagt, einen Anfall des Prinzen erlebt zu haben, der ihm fast ans Leben ging. Dieser Fall, der einem Reserveoffizier passiert ist, ist nicht zur Kenntnis der Behörden gelangt. Der Offizier hatte es für sich behalten, aus welchen Gründen weiß ich nicht. Ick muß es znrückweisen, daß dieser Fall gewissermaßen symptomatisch und typisch sei. Das ist nicht wahr. Gott gebe es, daß er nicht wieder vorkommt zu des Namens, des Standes, des ganzen Deutschlands Schande. ^Beifall.) Ich nehme mit großem Vergnügen Akt von den Erklärungen des Abg. Dr. Gradnauer und der heute noch in viel bestimmterer Form abgegebenen Erllärung des Abg. Bebel, daß im Falle eines Krieges die Sozialdemokratie Mann für Mann ihre Pflicht tun würde, um das Vaterland zu verteidigen. Verzeihen Sie mir: Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. (Lachen bei den Soz.) Denn wie stimmt damit dieses schöne Wort zusammen, das in der Reichstagssitzung vom 9. März 1893 der Abg. Grillenberger gesprochen hat: „Wir werden uns noch mit der Frage befassen, ob im Falle eines Krieges wir uns weigern, zu marschieren. (Hört! Hört) Das könnte Ihnen noch passieren und die Zeit kann, toenn Sie so fortfahren, gar nicht so fern fein." Wie stimmt das mit den fortwährenden Predigten des „Vorwärts", daß der Krieg unmoralisch sei. (Lachen bei den Soz. Beifall rechts.) Wie stimmt das dazu, daß Sie fortgesetzt bemüt sind, bei jeder Gelegenheit den kriegerischen Geist aus dem Volke zu reißen?' Wie stimmt das zu den begeisterten Zustimmungen des „Vorwärts" zu dem Beschluß der französischen Sozialdemokraten: Ke'in Krieg, lieber Aufstand und offener Aufruhr! (Unruhe der Soz.) Wie stimmt das mit der Empfehlung Ihres Genossen Kautsky, große Streiks zu organisieren, um die Gewalt des Staates allmählich zu desorganisieren? (Bebel: wo steht das?) Das können Sie z. B, Herr Bebel, in den „Hamburger Nachrichten" lesen. (Lachen der Soz.) Ihr Genosse Liebknecht hat Bismarck den Vorwurf gemacht, das deutsche Volk durch eine gefälschte Depesche in den Krieg getrieben zu haben (Bebel: sehr richtig!), den gerechtesten Krieg, den jemals die deutsche Nation geführt hat. (Lebhafter Beifall.) Wenn nun ein Krieg kommt, dann wird vielleicht erst ein Dresdner Parteitag einberufen werden. Das könnte Ihnen passen. (Hefterkeit rechts; Lachen der Soz.) Alsa die Botschaft hör' ich wohl, allein es fehlt der Glaube. Da müssen Sie andere Taten zeigen! Da müssen Sie aufhören, diese Agitation zu treiben. Man kann nicht auf einer Seite das Vaterland diskreditieren, man kann nicht sagen: ihr seid rechtlos, ihr seid Sklaven und auf der anderen Seite von diesen Leuten verlangen, daß sie Blut und Leben und alles was sie haben, in die Schanze schlagen für dieses verlästerte Vaterland. (Sehr richtig.) Sie sagen Disziplin, Sie meinen wohl die Disziplin auf Ihrem berühmten Dresdner Parteitage. (Lärm bei den Soz.) Brauchten wir die Armee nur gegen die Proletarierherrschaft, dann brauchten wir nicht die hohe Präsenz, dann brauchten wir nicht zu der zweijährigen Dienstzeit zu kommen. L-chon darin liegt der Beweis, daß alles, was Sie sagen, verkehrt ist, trotz Ihrer Ueberintelligenz I (Heiterkeit und Beifall.) Sie haben direkt die Notwehr empfohlen. Wenn ich die Macht dazu hätte, dann hätte ich nicht übel Lust, einen Truppenteil zu formieren ans lauter Genossen, mit Genossen als Offizieren. (Abg. Bebel ruft: Famos! Heiterkeit.) Die gegenseitige große Keilerei. Ich bin überzeugt, das würde die großartigsten Resultate ergeben. (Heiterkeit.) Ebenso aber bin ich überzeugt, daß Sie bald zu den drakonischsten Gesetzen übergehen würden. Nie hat es brutalere Gesetze gegeben, nie ist mehr totgeschossen worden, als in den Zeiten der französischen Revolution. Und auch nach dem heute geltenden französischen Militärgesetz würden Leute, die das getan hätten, was die im Heidelberger Fall getan, zum Tode verurteilt werden. Ich muß offen gestehen: Sie fangen mir an, etwas komisch zu werden. Schimpfen, dazu haben Sie das Recht, aber toenn in einer hochgebildeten Versammlung in Berlin, in der Stadtverordnetenversammlung, ein Stadtverordneter den anderen, weil er nicht seiner Meinung ist, einfach Lümmel schimpft (sehr gut 1), bann ist das ein erlaubter Zustand, dann ist das gutes Recht. Kasernenton aber, da gehört der Mann vor das Kriegsgericht. (Sehr gut! und lebhafter Beifall.) Mir ist borgetoorfen, ich toure mit außerordentlicher Leichtigkeit über das Baudissinsche Buch hinweggegangen. Ja, gewiß, mit Absicht, denn ich beurteile nach einem solchen Buch nicht den Wert der Armee, sondern den Unwert des Verfassers. (Beifall.) Bei meinem Zitat habe ich allerdings an die Tyrannis gedacht, Herr Dr. Gradnauer, an die Tyrannis der Masse, des Proletariats. Wer dem Staate dey Hals umdrehen will — (Abg. Hoffmann (Soz,) ruft: Wie macht man das?) Ja, toenn Sie das nicht wissen bei Ihrer Intelligenz! (Heiterkeit.) Wer alles von oberst zu unterst kehren will, der kann nicht bessern, der muß Niederreißen ! Auf allen ihren Wahlflugblättern stand: „Nieder mit dem Militarismus 1" Man kann nicht Bohrwurm sein, wie Herr Bebel geschmackvoll auf dem Dresdener Parteitag sich selbst bezeichnet (Heiterkeit) und zu gleicher Zeit Erbauer. Mau kann den Baum nicht abhacken und zu gleicher Zeit neue Blüten wachsen lassen. Also sagen Sie ganz offen, was Sie wollen 1 Dann bin ich schon zufrieden. Dann wissen wir. woran wir sind. Aber kommen Sie uns nicht damit. Sie wollten bessern und helfen, wenn Sie das nicht ehrlich tun, und zwar auf der Grundlage des heutigen Staates. Glauben Sie, daß Sie eine Monarchie, die im Herzen der weitesten Kreise des Volkes wurzelte, einfach bei Seite schieben, daß Sie uns den Besitz nehmen können, daß Sie uns das teuerste nehmen können durch Majoritätsbeschluß? (Der Abg. Hoffmann (Soz.) ruft: 1866!) Also entweder bleiben Sie die revolutionäre Partei oder mausern Sie sich, aber kommen Sie nicht immer damit: „Wir helfen!" Sie helfen uns gar nicht. Sie hetzen und agitieren und machen die Sache nur schlimmer! (Lebhafter Beifall.) Bayerischer Bevollmächtigter Generalmajor von Endres: Der Abg. Dr. Gradnauer hat gesagt, der bayerische Kriegsminister hätte in der bayerischen Kammer selber zugegeben, daß die Bekämpfung der Mißhandlungen fruchtlos sei. Das ist nur in einem Augenblick der Resignation, des Pessimismus geschehen. Der Herr Minister hat in seiner Bescheidenheit arg unterschätzt, was er selber geleistet hat. Wir in der Armee und im bayerischen Volke denken über die Lebenstätigkeit des Ministers anders. Worin das Wesen der Disziplin besteht, das glauben wir zu wissen. In unferm Reglement von 1823 heißt es, daß ohne oie (subütuiiialiou niuji icpcijcii .vi.ui. ; — ....... M... ...o bei den Soz?. Ich habe diese Stelle nur angeführt, nm zu zeigen, daß wir sie gar nicht nötig haben. (Heiterkeit.) Herr von Asch übernahm das Portefeuille 1893 von dem Gedanken ausgehend, daß die Verantwortlichkeit der Kommandeure für die Mißhandlungen der leitende Gesichtspunkt sein müsse. Daß seither in der Tat eine Besserung eingetreten ist, das haben die Sozialdemokraten in der bayerischen Kammer zu wiederholten Malen anerkannt. (Redner verliest einige dahingehende Aeußerungen des Abg. von Vollmar.) Der Pessimismus des Kriegsministers war aber erklärlich durch die Erkenntnis, daß es sich bei den Mißhandlungen um Krankheitserscheinungen handle. Der Dämon Grausamkeit ergreift die Leute. Man steht erstarrt vor den dunklen Seiten der menschlichen Seele, wenn man zum Beispiel die Geschichte der französischen Revolultion studiert. Und so geht es einem, wenn man wissenschaftlich sich in das Kapitel der Soldatenmißhandlungen verttieft. Der größte Teil der Mißhandler ist zweifellos anormal Das ganze gehört in das Gebiet der Psychiatrie. (Höttl hört! und lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) An den schlimmsten Fällen ist weder die Armee noch oie Verwaltung, sondern die krankhafte Veranlagung de§ einzelnen Schuld. Nun ist gesagt, daß die Sozialdemokraten viel Schuld an den Mißhandlungen haben sollten. Ich halte die Sozialdemokraten zwar nicht für so intelligent wie Herr Bebel (Heiterkeit), aber ich halte sie für viel zu schlau, als daß sie schon jetzt in der Armee eine Agitation entfallen sollten. Sie tun das aus demselben Grunde nicht, aus dem die Japaner nicht schon vor drei Jahren die Russen angegriffen haben, sie sind noch nicht fertig. (Heiterkeit.) Tatsächlich wirkt aber das, was die Sozialdemokraten tun, desorganisierend. Der Rekrut hört von den Sozialdemokraten, daß die Offizien, zur Hälfte Idioten, zur Hälfte Schurken sind, daß das Beschwerderecht illusorisch ist. Unserm Offizierkorps wirft man finanzielle Korruption vor, öde Genußsucht, Niedertracht — wo unser Offizierkorps vorbildlich für ganz Europa ist, wo die meisten Offiziere gar keine Zeit und kein Vermögen haben, um Genüssen nachzujagen. Rührt man doch sogar mit schmutzigen Fingern an die Ehre unserer Mütter, F.auen und Töchter! Wären wir Hereros oder sonst Fremde, dann würden die Herren Bebel und Genossen (chon für uns eintreten. Mer wir sind ja nut Söhne des Vaterlandes des Herrn Bebel, da darf man uns schon ungestraft mit Schmtz bewerfen I Wenn ich den Artikel des „Vorwärts" über den Baudissinschen Roman lese, so muß ich sagen, daß ich so etwas von Heuchelei und Niedertracht sonst noch nicht gesehen habe! Der Artikel ist so geschickt geschrieben, daß man nie weiß, was der Bericht über das Buch, was die Meinung des „Vorwäts" ift Und doch sage ich, die Armee ist krank. Sie ist nicht krank in den Mißhandlungen und den Exzessen. Und toenn es zehnmal mehr wären, damit würden wir schon fertig. Die Armee ist kräftig genug, um unwürdige Elemente abzustoßen. Aber sie ist krank in sozialdemokrattschen Verleumdungen. Wir sind keine Söldnerarmee, wir sind ein Vollsheer, wir brauchen die Liebe und das Vertrauen des Volkes, die uns jetzt in so schamloser Weise abgetrieben werden. (Beifall rechts.» Abg. Vogt-Hall (B. d. L. tritt für die zweijährige Dienstzeit bei der Kavallerie ein und verlangt energische Maßnahmen gegen die Soldaten-Mißhandlungen. Hierauf vertagt "sich das Haus auf Dienstag 1 Uhr. ^Schleswig - Holsteinsches Fürstenhaus-Gesetz und Fortsetzung der heutigen Beratung). Schluß 6^ Uhr. Schwurgericht. th. Gießen, 8. März. Gestern vormittag begann die erste diesjährige Tagung Schwurgerichts für die Provinz Oberhessen mit einer Verhandlung gegen drei Bergarbeiter aus Russisch--Polen. Der Gerichtshof bestand aus Landgerichtsrat Müller als Vorsitzenden und den Landgerichtsräten Dr. Schäfer und Schmidt als Beisitzern. Tie Anklage wurde vom Staatsanwalt Hoos vertreten. Angeklagt waren: 1) der 29 Jahre alte, wegen Tiebstahls in wiederholtem Rüfalle vorbestrafte Grubenarbeiter Michael Jzydorczat, wegen eines gemeinsam mit den beiden Mitangeklagten begangenen räuberischen Einbruchdiebstahls und eines einfachen Tiebstahls begangen im wiederholten Rückfall, sowie wegen Sachbeschädigungen in zwei Fällen; 2) der 26Jahre alte noch nicht bestrafte Bergmann Peter Mursaleck und dessen Bruder Andreas, dessen Alter unbekannt ist, von dem aber feststeht, daß er ebenfalls unbestraft ist, wegen der Teilnahme resp. Mittäterschaft an dem von Jzydorczat verübten Einbruchsdiebstahl. Tie Tat, um die es sich in der Hauptsache handelt, soll in der Nacht vom 10. zum 11. Dezember v. I. in Trais-Horloff, wo die drei Angeklagten auf der Grube Friedrich beschäftigt waren, in der Mahnung der Eheleute Sygada begangen worden fein. Der Hauptangeklagte Jzydorczac wurde vom Rechtsanwalt Katz, die Brüder Mursaleck vom Rechtsanwalt Sanbmann-Hungen verteidigt. Es wurden in der Beweisaufnahme eine ganze Reihe Zeugen vernommen, darunter waren die Hauptbelastungszeugen Polen, die, wie der eine der Brüder Mursaleck, kein Mort deutsch sprachen, sodaß ein Dolmetscher in Aktion treten mußte, wodurch leider der unmittelbare Eindruck der Bekundungen dieses Zeugen verloren ging. Die drei Angeklagten selbst bestreiten den Raub resp. den Einbruchsdiebstahl begangen zu haben. Sie erklären, am 10. Dezember sei Lohntag gewesen und sie hätten am Abend sich gehörig mit Schgraps betrunken. Der Angeklagte Jzydorczat will sinnlos betrunken gewesen sein und nicht missen, was er in jener Nachch nach dem 10. Dezember eigentlich, angestellt habe. Den einfachen Diebstahl gibt er insofern zu, als er außerhalb des Hauses Sygadas einen alten Rock habe hängen sehen, den er für herrenloses Gut behalten und den er habe mitgehen heißen. Die Beweisaufnahme ergab nach der Betundung der als Zeugin vernommenen Ehesrau Sygada, daß in der Nacht vom 10. zum 11 .Dezember v. I. nachts zwischen 2 und 3 Uhr, nachdem ihr Ehemann, der in der Grube Friedrich Nachtschicht hatte, die Wohnung verlassen hatte, jemand erst zweimal hintereinander leise von außen an das Fenster geklopft hat. Die Zeugin, welche dadurch, im Bette liegend, munter geworden fein will, erklärt, sie habe geglaubt, es handle sich dabei um einen Scherz und verhielt sich ruhig. Kurz darauf hat es an der Tür zur Wohnung leise geklopft und gleich darauf wurde die Tür, welche direkt vom Freien in die Stube führt, aus den Angeln gehoben, ein Mann drang ein, kam auf das Bett der Zeugin zu und griff nach dem unter dem Kopfkissen liegenden Rock der Zeugin, in dessen Tasche 50 Marl in barem Gelde sich befanden. Die Zeugin Sygada schildert, wie sie, den Michael Jzydorczak erkennend, ihn mit Namen angerufen und ihn gleichzeitig am Arm gepackt habe. Da habe dieser sie an den Haaren aus dem Bette gerissen, sie in die Stube geworfen, um dann. eiligst das Weite zu ,uchen. Aufspringend, sei auch sie ins Freie geeilt, wobei {ie drei Männer habe davoneilon sehen. Sie erklärt, ,ie meine, es feien unter den Fliehenden oie beiden Mursaleck gewesen. Die Zeugin ist dann nach dein Werk geeilt, mn Hilfe zu holen. ?.ec Portier dort hat die nur polnisch sprechende Frau nicht verstanden: er glaubte, ihr Kind fei aeftoibeiL" Als Frau S'.)gada wieder zur Wohn Vermischte». * Berlin, 7. März. Die Millionen-Unterschtag« ungen des Prokuristen Johannes Reinhard haben unter der Kundschaft des Bankhauses Brandet u. Co. eine Panik hervorgerufen. Die Geschäftsräume in der Französischen Straße wurden von Leuten, die ihre Depots zurück haben wollten, geradezu gestürmt. Heute erschienen dort gegen 150 Personen, Männer und Frauen, niei|‘t Angehörige de§ Mittelstandes aus Berlin und den Vororten. Jedoch hängt an der Tür em Zettel mit der Aufschrift: Geschlossen. Unverrichteter Sache mußten die Enttäuschten umkehren. Dabei spielten sich ergreifende Szenen ab. Eine Frar brach ohnmächtig auf der Treppe zusammen. Morgen soll eine Gläubiger-Versammlung stattftnden. * Das Liceurn-Theater und das Auditorium« Theater in Elmira im Staate New - Port sind abgebrannt. Das Realty - Gebäude steht in Flammen. Es liegt zweifellos Brandstiftung vor. Aus Slalll uuS &nük Gießen, den 8. März 1904. ** Personalien. In den Ruhestand verseht wurde der Eisenbahnsekretär in der Hess. Preuß. Eisenbahngemein, schäft Wilhelm Scharmann zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. April 1904 an. ** Das Großh. Regierungsblatt Nr. 6 enthält: 1. Bekanntmachung, die Bildung einer besonderen Bürgermeisterei Eich betreffend. — 2. Bekanntmachung, die Erricht, ung eines Amtsgerichts in Reichelsheim i. O. betreffend. Frankfurt a. M., 6. März. Unter dem Namen ^National-sozialer Verband für Westdeutschland^ ift hier heute nachmittag unter dein Vorsitz des Fabrikantev Schlosser ein Zusammenschluß von National-Sozialen und Mitgliedern des Liberalen Wahlvereins, Sitz Berlin, erfolgt. Nach einleitenden Referaten von Graveur Haag, der als eine der Hauptaufgaben des neuen Verbands die Sammlung der bis jetzt noch nicht wieder in einem größeren Verband organi- fierten Gesinnungsgenossen und die Einwirkung auf weiter rechts Stehende in entschiedenem liberalen Sinn bezeichnete, und von Dr. Cahn über die sozialpolitischen Aufgaben in Bezug auf Genossenschaften, Arbeiterorganisationen usw. durch Schaffung eines Sekretariats wurden nach langer Debatte die Satzungen festgestellt. Zum ersten Vorsitzenden wurde Fabrikant Schlosser gewählt. Der weitere Vorstand vertellt sich auf verschiedene Städte. In einer Resolution wurde der Vorstand beauftragt, mit dem Liberalen Wahloerein Berlin und mit dem Süddeutschen Verband der Liberalen zwecks engeren Zusammenschluffes Unterhandlungen zu führen. parlamentarisches Berlin, 7. März. Das preußische Abgeordnetenhaus setzte heute die zweite Beratung des Eisenbahn- Etats fort bei dem Anträge auf Herabsetzung der Gütertarife für Rübenzucker, Zuckerrüben, Schnitzel, Melasse und Melassezucker. Die Anträge wurden an eine Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen. Ein Antrag Dr. Wagner (freifonf.) ersucht die Regierung, sie möge erstens die Ausnahmetarife für Seehäfen auch auf die Oder-Umschlagstellen Breslau, Maltsch und Kofel aus- dehnen, zweitens ermäßigte Umschlagstarife im Verkehr von Oesterreich-Ungarn mit den Oderhäfen gewähren, drittens für Breslau Expedition für Getreide im Besonderen für Gerste und Hülsenfrüchte sowie Kleie au5 Oesterreich-Ungarn nach Deutschland zum überseeischen Export einführen. Der Aniraa wurde an die Budgetkommission überwiesen. ung zurück kam, fand fie dicht an der Türschwelle ihren Rock liegen, dessen Tasche leer war. Die Zeugin erzählt weiter, daß sie em Gespräch des Schwagers der Angeklagten Mur- saleck belauscht habe, wonach dieser mit einem Dritten beraten habe, ob man nicht dem damals verhafteten Jzydorczak mitteilen könne, daß er ein Protokoll machx und darin erkläre, er habe ihr, der Frau Sygada, in jener Nacht einen Besuch machen wollen. Die Zeugin gibt auf Befragen an, sie sei etwa 5 Monate in Trars-Horlosf, habe allerdings vor ihrer Verehelichung ein Kind geboren, welches nicht von ihrem Manne stamme, habe aber seitdem fie verheiratet sei, mit andern Männern als mit ihrem Ehemanne keinen Verkehr gehabt. — Ter Cendarmeriewachtmeifter in Hungen begab sich am 11. Tezember zu dem Angellagten, dieser war noch angetrunken und sagte ihm, er möge ihn nur mitnehmen, er habe in der Nacht was gemacht. Staatsanwalt Hoos plaidierte gegen Jzydorczak auf schuldig des Tiebstahls der 50 Mark. Zweifelhaft sei, ob der Angeklagte in das Haus mit der Absicht eingedrungen sei zu stehlen. Er wolle es den Geschworenen überlassen, zu entscheiden, ob dem Angellagten ein Raub oder ein schwerer Tiebstahl zur Saft falle. In beiden Fallen aber sei er dafür, daß dem Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt werden müssen. Gegen die Brüder Mursaleck beantragte der Staatsanwalt auf nicht schuldig zu erkennen. Wegen des dem Jzydorczak zur Last fallenden weiteren einfachen Tiebstahls im Rückfall sei dieser unter Zubilligung mildernder Umstände zu verurteilen, ebenso wegen der Zertrümmerung der Scheiben im Trais-Horloffer Nathause. Tagcgen sei nicht erwiesen, daß Jzydorczak auch die Fensterscheibe in der Sygada'schen Wohnung zertrümmert hat, weshalb wegen dieser Sach? beschädigung Freisprechung zu erfolgen hat. Ter Verteidiger Rechtsanwalt Katz war der Ansicht, daß Jzydorczak überhaupt freizusprechen fei. Rechtsanwalt Sandmann schloß sich wegen der An- gettagten Mursalecks dem Antrag der Staatsanwaltschaft an. Tie Geschworenen verkündeten abends gegen 10y2 Uhr ihren Wahrspruch durch den Obmann Landwirt Flemming-Salinenhof bei Bübingen, wonachJzydorczak nur schuldig befunden fei des einfachen Diebstahls im strafrechtlichen Rückfall unter Zubilligung mildernder Umstände und einer Sachbeschädigung im Rathaus zu Trais-Horloff. Tie Angellagten Mursaleck wurden für n i ch t s ch u l d i g erklärt. Ter Gerichtshof erkannte gegen den Verurteilten auf 5 M o n a t e u n p, 2 W o che n Ge f ä n g n i s, auf welche Strafe 2 Monate der erlittenen Untersuchungshaft abgehen. Ter Verhandlung wohnten vom Beginn an bis zum Schluß, welcher erst gegen 11 Uhr erfolgte, zahlreiche Zuhörer bei. Ntuetle iitoluuiujrn. vriginaldrahtmelduugeu des Gießener Anzeigers. Petersburg, 8. März. Der Korrespondent des ,-Standard" will erfahren haben, daß der Kaiser ein Telegramm erhielt, wonach die japanische Flotte den ganzen Tag Wladiwostok beschoß und nur ge- ringen Schaden anrichtete. Das Telegramm meldet weiter, ein oder zwei japanische Kreuzer seien zum Sinken gebracht worden. O d e s s a, 8. März. In Li b au wurden 600 Pferde beschlagnahmt, die für englische Rechnung für Süd-Rußland gekauft, jedoch wahrscheinlich für Japan b e ft i m m t waren. 58 6ie j i> llaK« I«« Ti- könqere" Waldcrsee unb^- Marjcliolls alt * . Berliner Fremd' stellen folgender 1 „Wenn &» liti'schen R gewiß das Rn Es paßte stbo Mucker, Stock: usw. nsw. W Gänsehaut bei v. Caprivi stoßen, und m Ich tot ß woh denken es nr nötig ,ein, ei Ter Wunsch m aber sicher eil von einiger < bin mit diese Wir sind n bestens der Zeit, glücklich gewäh Haupt die Frag nicht zur Serir weitaus grüßen einem Privatbri und Berstimmun haltlos hin. Ur unseren größten traulichen Zusch Bezeichnung al- vielleicht schon ft Etwas anderes Abfassung eines sichtet und dem die sich mit dem erst wird das Bild mägM ein obje Mtz. Tie „Tages; der vom Fiirsten ,,5'amb. ^adyr." ünd Laldnsee haben, von bene eine politische Ge Fürst Bismarck ■ zurückgewiesen, t war die Freunds her", wenigstens kühlen Zurückha der Verabschied!! jedenfalls die $ «O’NWf. Daldersees und Haden. Bekannte sie und Caprivi daß ihm die T ftntrbcn früher^ Z-r M() , Aus Tschifu /aponischon Trus Ui/6' gegen CMe russisck ^bngskette b i pEel mit der . Die „Times' S'Ä i Ä.‘£'E 8 Kr,'s alle -7 bau, d""°bhö (tot A HA* Britto M «iS 6. tfe hÄ üs u Kor