154» Jahrg txWnn tilgfit» irt> Bufrmfcme V» General-Anzeiger, Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Sieden. «etoftonebrud emfc 8etta| *e antDerfodtobwirun (Shetit» txbeuX M» Betxmtnweffld) t> Net «flgewtet» Ml B. ®Utte Hto t» ttmetgewtetii t »H handeln. ... v , Des weiteren habe ich mich mit den Ausführungen des Frhrn. von Hebt zu beschäftigen. Was er über die bessische Vermögenssteuer, die Tätigkeit meines Freundes Ulrich gesagt habe, ist rollig auf irrtümlichen Informationen beruhend. Mit der Vcrnwqens- steuer waren wir im hessischen Landtage durchaus einverstanden, aber nicht damit, daß den großen Vermögen ein Nachlaß gewahrt wurde. Unwahr ist ferner, daß die Sozialdemokratie gegen daS Wuchergeseh gestimmt hat. Das hat sie schon 1880 nicht getan. Der einzige Redner der Fraktion, der Abg. Kayser, sprach sich schon damals für das Gesetz aus. Im Jahre 1893 haben die sozialdemokratischen Abgeordneten in namentlicher Abstimmung mit Jo ge- ... . '•'■f----s- endlich getötet um seine Argumente auf Millerand D> .Siehe SamUtenblättcr «erder »an A.i-etper v rma rBÖdientlicfe »etgelegt Da hesstsche touöart* * «toetm avKUttlttfe etanmL gescheut, meine privaten Verhältnisse zu erörtern. Ich bin natürlich nicht in der Lage, dem Geschmack dieses Herrn zu folgen und Sie mit lokalen Angelegenheiten zu behelligen, aber einige Bemerkungen möchte ich mir schon gestatten. Es ist auch von dem Besuch des Großherzogs von Hellen in der Herberge zur Heimat gesprochen worden und von Artikeln, die darüber sich aush'.elten. Ich kann über letztere nur mein Bedauern ausfvrechen. In ganz Hessen herrscht nur eine Stimme des Dankes dafür, daß der Landesherr in der Herberge zur Heimat die Wanderer, die fa garnicht zur Sozialdemokratie gehören, mit seiner Gegenwart ausgezeichnet hat. Die Herberge zur Heimat ist eine Organisation der evangelischen Kirche und Der innern Mission, und da der Großherzog der oberste Landesherr der Kirche iss, so lag es schon von diesem Standpunkt an? für ihn nabe, daß er sich hier sehen ließ. Der Verdacht, als hätte mein Landesherr eine besondere Neigung zu einer bestimmten politischen Richtung, muß umso mehr ausgeschlossen sein, als der Großherzog im Verkehr mit den Abgeordneten einen Unterschied nicht zu machen braucht, weil alle Abgeordneten den Eid auf die Verfassung geleistet haben. sHöct!h"rt! rechts.) Auch Herr David hat diesen Eid abgeleat, ebenso unser früherer Kollege Ullrich. (Hort! hört!) Wir sind in der gliiklicken Lage, im Großherzogtnm Hessen eine monarchische Vertretung der Sozialdemokratie zu haben. (Gelächter bei den Soz.) Ich, » abe es lebhaft bedauert, daß der Abg. David unsere Kirche mit der sozialdemokratischen Tätigkeit verquickt hat. Nach unserer lieoers zeugung würde der Heiland, der uns die Nächstenliebe qenreöTflt hat, gegenüber denjenigen, die den Klassenbaß in unerhörtester Weise außerhalb dieses Hauses predigen (Großer Lärm oer kcn Soz.), mit dem Schwerte dreinfahren. (Erneuter Lärm bei ocn Sog.) Wenn Sie sich immer damit brüsten, was Sie ar das arbeitende Volk geleistet haben — (Fortgesetzte Unterbrechungen bei den Soz., unter denen die Aeußerungen des Redners oerwrtN gehen.! Vizepräsident Graf Stolberg: Ick bitte um Ruhe Abg. Frhr. Hehl zu Herrnsheim (fortfahrend): Ich, hak« doch auch Herrn Dr. David ruhig angebört, aber gerade in diesem Moment drücken Sie durch Ihre Unduldsamkeit ja wieder Ihren Terrorismus aus. (Sehr richtig!) In anderen Zandern vollzieht sich die Arbeiterbewegung ganz anders. Insbesondere hat sich m England die genossenschaftliche Organisation so ausgebildet, daß dort die Arbeiter in der Lage sind, aus eigener Kraft zu produzieren und ihre Lebenslage zu verbessern, ohne ihre Mitmenschen zu erpropriierrn. Mir als praktischem Mann ist es unfaßbar, tote die Herren glauben können, daß der Arbeiterstand dauernd mit solchen schönen Reden, wie sie hier gehalten werden, zu befriedigen ist. Die Rede des Grafen Posadowskv über Arbeitskammern und Berufsvereine ist inhaltsschwerer, als alle die schönen sozialdemokratischen Reden zusammengenommen. Warum verwenden die Soziawemo- dem großen Ziel der Sozialdemokratie seien diese Konzessiönchen nebensächlich. Das ist doch endlich was ganz anderes. Wie sehr die Sozialdemokratie und gerade auch Bebel die kleinen Reformen schätzt und bewertet, das beweist sie doch durch ihre ganze Positive Tätigkeit. Wir wollen die Gegenwartsreformen u n d wir wollen unser großes Ziel Jedenfalls: wir stehen als geMossene einheitliche Partei vor Ihnen: im Grunde, im Prinzip sind wir alle ewig in dem Bestreben: das große Recht zu erringen für die werktätige Volksmasse in Bezug auf die politische und wirtschaftliche Emanzipation. W i r verdösten nicht die Arbeiter auf emcn ZukunstS- ssaat. Das war Ihre Methode (zum Ztr.) Jahrhunderte lang. S i e haben die großen Massen des handarbeitenden Volkes ^gespeist mit der Hoffnung auf den Zukunftsstaat nn.Jenseits, («ehr wahr! Sehr gut! bei den Soz.) Der Glaube soll jeoem unbenommen bleiben Wir tasten niemandes religiöse Anickauung an, aber wir wollen daß dem Arbeiter schon hier im Die-w'ts sein Recht werde. (Zuruf vom Zentrum: Wir auch!) Nun sie ^rben ' Zeit dazu gelassen, einige Jahrhunderte hat es ge- .....- \ Erst als die Sozialdemokratie kam, sich sehr lange Zeit dazu gelassen, eimge Jayrhunoerre hm es ge- dauert. (Sehr gutllinks.) Erst als die Sozialdemokratie kam, da haben Sie auch einzelne Forderungen für das Liechens ausgestellt. Sie leugnen freilich jetzt daß Sie durch die L-ozialdenw- ftatie gezwungen sind. Aber Bischof Korum Dcrt gemgft. „Diese Fragen (er meinte solche sozialpolitischer Natur) haben wir nicht selber auf die Tagesordnung gefetzt. m Die sozialistische Bewegung hat uns dazu gezwungen" (Hört! hort! bei den Soz-), und im „Deutschen Adelsblatt" schreibt ein Herr v. Wedelstadt: „Der Sozialdemokratie gebührt das Verdienst, die Regierung zur Sozialpolitik gezwungen und das Parlament willfährig gemacht zu haben." (Hört! hört! bei den Soz.) Also Ihre eigenen Gesinnungsgenossen heben SN, daß di« Sozialdemokratie misscklaggebend gewesen ist bei der Schaffung dn: sozialen Reform. Mehr als die Zitate wiegt der Tatsachenbeweis, daß von Wahl zu Wahl die Zahl der Leute angeschwollen ist, die durch ihren Stimmzettel ihr Vertrauen für die SozialDemokratte bekundet haben. (Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Herr Eiberger hat das Wort von Lassalle zitiert: „Der Mob ist groß, Du? Unwissenheit unglaublich." Freilich, Lassalle hat das, wenn auch mit tiefem Schmerz, richtig erkannt und ausgesprochen, in welch unwürdigem Zustand sich der größte Teil des Volkes befindet. , Wer aber bat daran schuld? Sie (nach rechts und zur Mitte), die Sie d« Blldungsmittel, die Schulen, das Erziehungswesen m der Hand hatten und dem Volke alles vorenthielten! Und wenn es »eine anders aussieht in der Arbeiterschaft, als um die Mitte der sechziger Jahre, wem anders ist das zu danken, als eben Der Sozialdemokratie? Alles, was man uns jetzt vorwirft, warf man einst Jesus vor: er schleuderte seinen Zeitgenossen Anklagen ins Exsicht, so scharf wie wir heute, und deshalb sage ich, wer im Crimmitschauer Streik an Jesus appelliert. Der ist es, der das Christentum beleidigt, und nicht wir. Wir führen den Kampf im Jnterepe aller, auch derer, die heute die Herrschenden sind. Wir feiern m den nächsten Tagen das Andenken an Kant, der den Standpunkt vertrat, daß niemand den Menschen als Mittel zum Zweck brauchen darf. Die ganze kapitalistische Gesellschaft aber tut das, sie braucht den Menschen als Mittel zum Zweck, und diesem Streben erklären wir den Krieg. Der künftige Geschichtsschreiber wird, wenn er erfährt, mit welchen Mitteln man die größte Kulturbewegung aller Zeiten zu bekämpfen gesucht bat, herzlich lachen. Wir lachen schon heute. (Beifall bei den Soz.) Abg. Frhr. Hcnl zu Herrnsheim (nat.-lib.): Der Abg. Lasche hat gestern einen Artikel der „Osnabrücker Zeitung" gegen uns ou§- zunutzen gesucht. Jeder, der das Verhalten der national-liberalen Partei innerhalb und außerhalb dieses Hauses seit Bestehen der Sozialdemokratie verfolgt hat, wird nickt in Zweifel darüber sein können, daß Der materielle Inhalt dieses Artikels vollständig unrichtig ist. (Lachen bei den Soz.) Wir sind mit dem Inhalt dieses Artikels in keiner Weise einverstanden und übernehmen dafür um so weniger eine Verantwortung, als der betreffende Parteifreund von uns. Der im Wahlkreise Osnabrück kanDidierte, im Wahlkampf in den letzten Wochen ebenso wie in Den früheren Jahren Die Stellung der Sozialdemokratie gegenüber eingenommen hat, welche sich mit Dem sozialpolitischen Verhalten unserer Partei in Uebereinstim- mung befindet. (Widerspruch bei Den Soz.) Der Abgeordnete Dr. David bat ssck in langen Ausführungen mit meiner Rede und meiner Person beschäftigt und Bat sich nicht Parlamentarische PerhanvlnmM. Nachdruck ohne Beretnbarung nicht gestattet. ^entjcher Reichsiag. 26. Sitzung vom 6. Februar. 1 Uhr. Das Haus ist s e h r s ch w a ch besetzt. ; Am Tische des Bundesrats: von Einem, Graf Posa- d o to s k y u. a. Auf der Tagesordnung steht zunächst die dritte Beratung Des Gesetzes betreffend Verlängerung Des FneDens- präsenz-Gesetzes. , , Das Gesetz wird ohne Debatte definitiv ange - " ° ^Hierauf wird die zweite Beratung des Etats des R eich s - amts des Innern beim Titel „Gehalt des Staatssekretärs u Abg.' Dr. Ruegenbcrg (Ztr.): Wenn die Aerzte heute so oft in Streit mit den Krankenkassen stehen, so kommt das daher, weil die Aerzte aus ihrer Vertrauensstellung herausgedrangt und bloße Arbeiter geworden sind. Oft sind auch Streitigkeiten entstanden, weil die Kassen sich nicht gescheut haben, Kurpfuscher auf eine Stufe Mil den Aerzten zu stellen. Es mag sein, daß das Einkommen Der Aerzte sich durch das Krankenkassengesetz vermehrt hat, aber man darf dock nicht vergessen, daß ihre Arbeitsleistung sich ^'ck erheblich gesteigert hat. Man kann doch nicht verlangen, daß sie diese Nlehr- arbeit umsonst leisten. Redner rügt sodann einige Mißstände, die bei Den Kassen vorgekommen sind, und tritt lebhaft für die freie Aerztewahl ein. Das Vorgehen Der Behörden in Köln entsprach weder den Interessen der Aerzte, noch denen der Kassen. IM allgemeinen herrschte zwar in Köln ein erfreulicher Korpsgeist, die 20 Aerzte jedoch, die ihren Kollegen in den Rücken fielen, waren Die Hefe des Aerztestandes. Man kann sie ruhig räudige Schafe und katilinarische Existenzen nennen. Einige von ihnen waren schon vorbestraft, sogar mit Zuchthaus (hört! hört!) wegen Nötigung m der Sprechstunde und wegen Sittlichkeitsverbrechen. Die Aerzte wollen gewiß alle ihre Kräfte in den Dienst Der guten Sache stellen, sie können ihr aber nicht ihre Selbstachtung und ihre Existenz opfern. Die Störenfriede sitzen auch nicht unter Den Aerzten, sondern sie sitzen unter den Leuten, Die Die Kassen zum Tummelplatz politischer und egoistischer Interessen machen. Jedenfalls aber nötigen Dte Vorgänge Der letzten Zeit Die Aerzte, an den Staatssekretär mit Der Bitte heranzutceten, baldmöglichst eine neue Ordnung Des Krankenversicherungsgesetzes herbeizuführen. Kürzlich ist eine Neuregelung Der ärztlichen Prüfungsordnung erlassen worden. Vor allem ist Darin als Neuheit das sogenannte praktische Jahr enthalten. Hier ist es Doch notwendig, daß man, um allzugroße Härten zu vermeiDen, für Die Uebergangszett wenigstens einige Erleichterungen für Die jungen Aerzte schafft. (Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Mngdan (freis. Vp.) kritisiert die Haltung der Sozialdemokraten in Der Kassenarztfrage. Wenn Diese so gegen die von ihnen abhängigen Aerzte auftreten, so Dürfen sie sich nicht wundern, wenn man ste nicht so ohne weiteres als Vertreter Der Gerechtigkeit anerkennen will. Viele, Die an sich Die So^ialreform kräftig fördern könnten, halten sich Deshalb zurück, weil sie Der AnsiH finD, daß sie bei Den Arbeitern sich Doch keinen Dank erwerben. In einen sozialpolitischen Wettlauf mit Den Sozialdemokraten gedenke ich mich keineswegs einzulassen. Ich gehöre noch zu Den alten, verbrauchten Leuten, die der Meinung sind. Daß eine soziale Reform nur im Einverständnis beider Teile, Der Arbeiter und der Arbeitgeber, geschaffen werden könnte. Ich glaube auch noch Beute, daß nach 2500 Jahren das Wort des alten Menenius Agrippa zuttefst, daß der Gesellschaftskörper nur gesund sein könne, wenn alle Teile sich im Gleichgewicht befinden und kein Teil dem anderen seine Lebenskräfte nimmt. (Beifall bei den Freisinnigen.) Abg. Dr. David (soz.): Daß die Arbeiterschaft undanckar ist jegeu ernsthafte Sozialpolitiker, Davon kann keine Rede sein. Herr Dr. Mugdcrn weiß doch, daß z. B. auch die Sozialdemokratie einen Kranz auf das Grab Richard Rösickes niederlegen ließ. Die Angriffe Dr. Mugdans gegen die Kassenbeamten sind hinfällig. Die freie Aerztewahl ist keine prinzipielle Sache für die Sozialdemokratie. Man darf nur nicht vergessen, daß die Krankenkassen keine kapitalistischen Unternehmungen sind, daß da keine Profite gemacht werden, sondern daß die Vorstände im gemeinnützigen Interesse der Kranken zu wirken haben. Nicht aus Eigennutz sperren sie sich gegen die Forderungen der Aerzte: sie selbst haben ]a keinen Verteil davon. 'Aber sie können als Verwalter fremder Gelder nicht anders Montag, 8. Februar 1904 Giehener Anzeiger einmal ganz ernstlich seinem Sekretär verbieten, solchen Jnfug zu i machen. (Große Heiterkeit.) . <.,<•<« t n. • Herr von Hehl hat Dann davon gesprochen, daß die Arbeiter ; keineswegs, wie die Sozialdemokraten, glauben machen wollten, ’ m ihrer persönlichen Freiheit von Den Arbeitgebern beeinträchtigt . werben. Mag sein, daß Frhr. v. Hehl seinen eigenen Arbeitern i gegenüber so ist. Freilich: So oft ich nach Worms kam, um eine Versammlung abzuhalten, erkundigte ich mich stets danach, 'ob nicht auchÄrbeiter des Frhrn. v. Hehl zugegen waren. Nie war einer da. Das ist doch sehr merkwürdig (Sehr wahr! bei den soz. ^r^r. v. Hehl ruft: Sie wollten eben Nichts davon wissen!) Man zollte doch meinen, daß schon die bloße Neugierde, einmal einen berüchtigten „Roten" selbst zu hören, einen Arbeiter des Frhrn. v. Hehl hätte bewegen sollen, zu kommen Oder sollten da andere Einfluge gewirkt haben? (Sehr gut! bei den Soz.) Herr v. Hehl hat nun aber auch positiv für Die Sozialreform gesprochen. Er hat al-, Ideal hingestellt das Verhandeln von. Organisation zu Organisa- tton, den kollektiven Arbeitsvertrag — eben den, der seinen tyral« tionskollegen, z. B. Herrn Lehmann aus Chemnitz, ein Greuel ist. Als Beispiel führte er den Buchdruckertarif an. Ja, das ist ichon richtig. Aber haben den etwa die Arbeitgeber freiwillig gegeben? (Sehr wahr! bei den Soz.) Er war doch das Ergebnis eines langen und zähen Kampfes, Den die Arbeiter geführt haben! (lebhafte Zustimmung bei Den Soz.) Wie kann man diesen Kampf perhorreseieren, als Folge einer Hetzpolitik hinstellen und auf Der anderen Sette sein Ergebnis feiern? Also insgesamt: Von meinem Kollegen Wurm und von mir sind Herrn v. Hehl Unrichtigkeiten nackgewiesen worden, in Bezug auf das Internationale Konnte? in Brüssel, in Bezug auf meinen Kollegen Ulrich und die hessische Vermögenssteuer, in Bezug auf das Wuchergesetz, in Bezug auf die Anschauungen Millerands, m Bezug auf den sozialdemokratischen Finanzminister Ernst — Die eine Tatsache allein: Ernst ist wiedergewählt worden und zwar mit der größten Stimmenzahl unter seinen Kollegen (Hort! hort! bet den Soz.), das genügt doch —. Nun möchte ich aber tfijni. bon Hehl etwas vorführen. Frhr. v. Hehl hat verlangt, daß Die Hctne sozialdemokratiscke Presse, die sich öfter Beleidigungen und Beschuldigungen zu schulden kommen laßt, schärfer bestraft werden müsse, bis sie schließlich ihren Geist aufgibt. Was soll nun mit einem Blatt geschehen, wie der „Wormser Zeitung', die fortgesetzt Unwahrheiten verbreitet, die Reichstagsberichte fälscht, indem sie die Ausführungen des Frhrn. v Hehl wörtlich wiedergibt, die Erwiderungen aber unterschlägt, Angriffe der niedrigsten Art gegen die Führer der Sozialdemokratie schleudert usw. usw., davon spricht, daß diese sich von Arbeitergroschen mästen, von dem Vollmarschen Schloß phantasiert — in Wahrheit ein bescheidenes Schweizerhäuschen, das Vollmar in seinen Mußestunden $um großen Teil selbst auSgeftattet hat —, von der Bebelschen Villa schwärmt — m Wahrheit ein einfaches Landhaus —. Frbr. v. Hehl kann überzeugt sein, daß in der ganzen Arbeiterschaft, die derartiges liest, das Gegenteil von dem bewirft wird, was die Herren bewirken wollen. Es ist schon widerwärtig, wenn die kleinen Kläffer uns fortgesetzt mit diesem Schloß und dieser Villa kommen. Wenn aber Frhr. y. Hehl, selbst ein dreifacher Schloßbesitzer und ein 30facher Mttlionär (Hört! hört! bei den Soz.), in diese Kerbe einhaut, dann brauche ich diese Kampfesweise nicht noch Wetter zu charakterisieren. (Sehr wahr! bei den Soz.) Damit nehme ich Abschied vom Frhrn. v. Hehl, um mich zu Herrn Erzberger zu wenden. Herr Erzberger hat uns ja gestern mit einer ganzen Reihe von Zitaten erfreut. Er hat uns vorgehalten, daß wir so und so oft uns gegen die Marxsche Lehre vergingen. Ich will ihm etwas sagen: Marx war em bedeutender Mann, dessen Geisteswerk nie untergehen wird, und der auch praktisch sich solche Verdienste um die Arbeiterbewegung erworben hat, Daß fein Name in den Herzen der Arbeiter stets fortlebcn wird! (Lebhafte Zustimmung bet den Sozialdemokraten.) Aber auch er war für uns kein Papst. Wir haben in der Wissenschaft keine päpstliche Gewalt. (Zuruf vom Zentrum: Wir auch nicht!) So? Wie heißt es in einer Enchclica Leos XIII.? „Ein katholischer Schriftsteller muß in Bezug auf alle wissenschaftlichen Ansichten, die eine Einwirkung der Kirche auf die Gesellschaft darstellen, sich dem Bischof und dem Papst völlig unterwerfen (Hört, hört I) und Darf seine Anschauungen nur in Uebereinsttmmung mit dem apostolischen Stuhl kundtun!" Nun, die Sozialdemokratie kennt eine Derartige Instanz in wissenschaftlichen Dingen nicht. Für sie ist die wissenschaftliche Forschung einziger Erkenntnisguell. (Zuruf vom Zentrum: Man ' wird nur abgescmppelt"! Heiterkeit.) Deshalb muß in der Sozial- 1 Demokratie auch selbstverständlich Meinungsfreiheit herrschen. Die : Probleme, die sich die Sozialdemokratie stellt, sind so gewaltiger ' Natur, daß kein einziger Mensch sie erschöpfen kann. Die Sozialdemokratie gibt daher auch veralteten Doktrinen ruhig den Abschied. Wenn Sie also glauben, daß, wenn Sie Meinungsverschiedenheiten in der Sozialdemokratie nachweisen. Sie auch nur das Geringste vorgebracht hätten gegen die große gerechte Sache der gesamten Sozialdemokratie, dann sind Sie außerordentlich im Irrtum. Gab es nicht auch im Schoß der Kirche in den ersten Jahrhunderten Die heftigsten MeinungsverschieDenheiten und finden deren nicht auch nach'Der Reformation unter Den Protestanten statt? Wenn damals auch ein so weiser Reichskanzler gekommen wäre und gesagt hätte, ach. Die Herren wissen ja selbst noch nicht einmal, was sie wollen, so toürDen Sie (nach rechts und zum Zentrum) selbst das auch für sehr kurzsichtig halten. Meinungsverschiedenheiten müssen herrschen, Meinungsverschiedenheiten sind Zeichen eines gesunden geistigen Lebens. Herr Erzberger hat auch mein agrarisches Buch zittert. Er hätte aber auch hinzufügen müssen, daß in Bezug auf die politische Praxis mein Buch völlig auf Dem StanDpunft Der Partei steht. Ueberhcmpt sollten Sie (zu Den National-Liberalen und zum Zentrum ihre Zttatensammlung etwas vervollstänDigen und auch Der Herr Reichskanzler sollte etwas_ modernere Anschauungen von Der SozialDemokratte bekommen. (Sehr gut! bei Den Sozialdemokraten.) Was soll das heißen, wenn Sie uns immer wieder damit kommen, Daß wir das Privateigentum aufheben wollen. Wissen Sie Denn nicht. Daß Kantskv und Sckoenlank in ihren Erläuterungen zum Erfurter Programm selber geschrieben haben: „Es fällt feinem Sozialdemokraten ein, die unsinnige Forderung der Aufhebung Des Privateigentums an Gegenständen des persönlichen Konsums zu erheben." . . Und wenn von unserer Seite immer wieder darauf hingewie,en wird, daß eine Trennung des Produzenten von seinen Produktionsmitteln stattfindet, so konstatieren wir damit lediglich eine objektive Tendenz, dos ist dock nicht etwa unser Wunsch, das ist lediglich emo Tatsache. Nicht wir schaffen dieselbe. Das ist doch mit Händen zu greifen! Sehen Sie sich doch nur einmal Worms an! (Heiterkeit.) Nicht wir haben dort die kleinen Gerber zu abhängigen Arbeitern gemacht nicht wir haben Dort die kleinen Bauern expropriiert. (Sehr gut! bei Den SozZ Nun noch einige Worte in Bezug auf uniere Stellung zur Reformarbeir im Gegenwartsstaatl Herr b. Heyl hat unter Berufung auf meiner Artikel „Tie Eroberung der politisclien Mackt aus den „Sozialistischen Monatsheften" erzählt, Bebel hätte erklärt, Die kleinen Konzessiönchen hätten gar keinen Werk für Die Arbeiter. In Wahrheit hat Bebel nur gesagt: Im Vergleich zu stimmt. Wird Die Wuchergesetzlegende sein? Herr von Hehl hat nun, i... besonders beweiskräftig zu machen, auf Millerano exemplifiziert. Er hat die Vorrede zu feinen gesammelten Werren angeblich zittert, um daraus zu beweifen, daß Diese Vorrede Den besten Agitationsstoff gegen die SozialDemokratte bietet. Ick höbe mir Die Vorrede Millerands angesehen, aber das Zitat des Herrn Freiherrn v. Hehl habe ich nirgends gefunden. Was sagt Denn Millerand in seiner Vorrede? Er spricht von einer tiefen Kluft, die zwischen Arbeitgebern und Arbeitern sich auf getan hat Er sagt, es hat sich gezeigt, daß zwei Klassen sich gegenüberfteßen, deren ökonomische Interessen nur durch die Aufsaugung Der einen durch die anbeir gewahrt werden kann. Millerand sagt