Nr. 210 Zweites Blatt Mittwoch 7. September 1904 Gießener Anzeiger Erscheint Ügllch mit Ausnahme des Sonntags. Redaktion, Expedition m ©ruderet Schnlstr.7. Tel. Nr. 6L TsLegr.-Adr. i Anzelg« Gteßsa, RotattonSdrud und Verlag bet Brüh lachen UnwersitätLdruderei. R. Lange. Gieß«. Die ^Sttzener Kcnniiienblatter- werden dem „Anzeige viermal wöchentlich beigelegt Der Landwirt" erscheint monatlich etnmaL 154. Jahrgang General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Aer Kaiser in Kamöurg. §ambur6. Sept. Drr Kaiser urrd die Kaiserin trafen heute abend etn mb wurden iur Rathause vorn Bürgermeister Moencke- berg nnpfangeu. Während des Diners im Rathause war öer Rathausplatz glänzend itlnrnttriert und mit Buntfeuer beleuchtet. Bei dem Festmahl hielt Bürgermeister Dr. Moendeberg eine Rede, in der er u. a. folgendes aus- fphrü: As Eure Majestät im Herbst 1888 zum erstenmale als Kaiser nach pamburg kamen, galt es 'der SchlußstLinlegnng der großartigen Freihafenbauten, die mit Hilfe des Deutschen Reiä)es er- riclzLe: wurden, um den Anschluß Hamburgs an das Deutsche Zoll- gebar und damit zu engerer wirtschaftlicher Verbindung Hamburgs mit dem deutschen Binncnlande zu ermöglichen. Bei bem nächsten Besuch Eurer Majestät im Juli 189b hatten sich, .der Einladung Eurer Majestät folgend, sämtliche deutsche Fürsten und zahlreiche Vertreter aller europäischen Nationen hier in unserem Rathause versammelt, nm die auf Pen folgenden Tag anb-eraumte Evöfmung des in politischer, militärischer und in kommerzieller Beziehung so wichtiger Nordo fts e e kanals festlich zu begehen. Und Mieder einige Jahre später am 18. Oktober 1899 l>abkn Eure Majestät hier in unserem Rathause die denkwürdige Ansprache gehalten, .in der ans die Notwendigkeit einer starken Flotte hmgewiesen und in ernsten zu Herzen gehenden Worten das deutsche Volk ermahnt wurde, keine Opfer zu scl^uen, wenn es gälte ,die zur Aufrechterhaltung der Machtstellung Deutschlands zur See wie zu Larrde erforderlichen Mittel anfzubringen. Zuletzt im vorigen Sommer haben Eure Majestät der Enthüllung unseres Kaiserdenkmals beizuwohnen geruht. Mit bewegtem Herzen blicken wir zurück auf die lange Reihe glücklicher Friedensjahre, die Deutschland seiner: Kaisern verdankt. Wenn nun der heutige Besuch Eurer Majestät, veranlaßt durch die großen in unserer Nähe 'stattfindendeu Manöver, im Gegensatz zu dem vorjährigen vorwiegend mlli- tärsschLN Charakter hat, so wissen wir ja, daß, werdenF rieben will, jederzeit kriegsbereit sein muß und daß wir die Segnungen des Friedens nur dann genießen können, wenn Heerund Marine ft arkgenugsind, auch in ernsten Zeiten und unter schwierigsten Verhältnissen den europäischen Frieden zu gewährleisten. Daher haben wir das großartige militärische Schauspiel, 'das gestern auf Eurer Majestät Befehl in unserer Nachbarschaft ftattgefuuden hat, mit Freude und Stolz betrachtet, überzeugt, daß unser Heer uud unsere Flotte zu jeder Zeit allen .Anforderungen gewachsen fein werden, .die an dieselben gestellt werden mögen. So heißen wir denn in aufrichtiger Freude die hervorragenden Führer unseres Heeres in unseren Mauern willkommen, die heute in Begleitung Eurer Majestät in unserer Mitte erschienen sind. Mit ehrerbietigem Danke begrüßen wir die erlauchten deutschen Fürsten, die uns die Ehre erwiesen haben, der Einladung zu folgen. .Vor allem aber .sprechen wir Ihrer Majestät, Deutschlaichs geliebten und verehrten Kaiserin, tief empfundenen Lank aus, daß .Ihre Majestät einen langjährigen Wunsch der Stadt Hamburg erfüllt und eine Einladung zum heutigen Fest anzunehnen geruht haben. So ersuche ich denn die geehrten Anwesenden, mit mir einzustimmen in den Ruf: Seine AMajestät, unser allergnädigster Kaiser Wilhelm und Ihre Majestät die Kchfevisl Augusta Viktoria leben hoch Eine neue Kaiserrete. Der Kaiser erwiderte: Mit erhebenden Worten haben Eure Magnifizenz meine Frau, die Bundesfürsten und mich willkommen geheißen im Namen der Stadt Hamburg und cS fehlen mir die Worte, um den Gefühlen Ausdruck zu geben, die mein Herz erfüllen und die auch das Herz Ihrer Majestät der Kaiserin durchziehen bei dem Anhöreu dieses.Ausdruckes von Patriotismus, von Hingebung und von .freundlicher Liebenswürdigkeit Von ganzem Herzen haben wir uns gefreut, daß die Manövertage Gelegenheit gegeben haben, Hamburg zu besuchen. Ich darf wohl sagen, es hat mir heute aus dem Verhalten der Bevölkerung entgegen» geklungen, als ob die Hamburger mich nicht mehr als einen fremden Souverän, sondern als einen alten Bekannten begrüßt haben. Sie haben der Reihe von Tagen gedacht, die ich bei Ihnen zugebracht habe, uud der Ereignisse, die sich daran geknüpft haben. Nun, der inhaltsschwerste, der 18. .Oktober 1899, hat Früchte gezeitigt, und der Appell an das deutsche Volk ist nicht ungehürt geblieben. Ter Erfolg.desselben ist in der deutschen Flotte zu erblicken, die nunmehr verankert vor der Elbmündung Hegt, um meine Inspizierung zu erwarten. Das deutsche Volk hat die Berechtigung, die Flotte und das Heer sick) zu halten, deren es bedarf zur Sicherung seiner Interessen, und niemand wird es daran hindern wol len, .d ie.se lbe auszubauen nach seinem Wunsch und Willen. Ter gestrige Tag hat wohl für manches Hamburger Kind zum erstenmal das Bild einer großen Parade gebracht, und ich bin fest überzeugt, daß mancher Hamburger, als er die glitzernden Reihen der herrlichen Truppen des 9. Armeekorps und des forschen Landungskorps gesehen hat, zum erstenmale sich darüber klar geworden ist, was es heißt, Armee und Flotte. In diesen schimmernden Reihen stehen auch die Söhne der Hansastadte und die Regimenter, deren Fahnen dort vorbeiwehten und deren Nummern an uns vorbei- zogen, haben auch eine Geschichte und haben redlich sich geschlagen und Blut und Leben eingesetzt, um das deutsche Vaterland loieder zu einigen. Aber noch mehr, wir haben uns gefreut an dem Anblick der Jugend, die dort auf den Heeresdienst vorbereitet und gedrillt in stolzen Reihen vorüberschritt, und so manches allere Menschenherz hat mit Bewegung das Spalier betrachtet, das vom Paradeplatz bis in die Stadt hinein dastand, die Krieger- Vereine, eisgraue Leute neben jüngeren mit Kriegsmedaillen aus vergangenen Zeiten auf bet Brust uns den Huldigungsruf entgegenbringend. Tas sind Kriegskameraden Kaiser Wilhelms des Großen und Kaiser Friedrichs. Tas sind die alten Hanseaten, die das Leben eingesetzt haben, um uns das Reich zu gewinnen. Denn dadurch, daß das von meinem Großvater vorbereitete Heer in den Stunden der Gefahr eine scharfe Waffe war, die er schwingen konnte, .dadurch kam das deutsche Volk wieder.zur Einheit, und feit das deutsche Volk geeint ist und das Vaterland in voller Rüstung dasteht, haben wir den Frieden. So möchte ich am heutigen Tage den speziell militärischen Charakter des Besuches dadurch besonders betonen, daß ich die Hansastädte in nähere Beziehung zu meiner Armee bringe. Wie Ihnen bekannt, hat jeder neue Kreuzer in meiner Marine den Namen einer Hanfestadt erhalten. Ich habe befohlen, unter dem gestrigen Datum, daß die drei Jnfanterieregimenter, die in den Garnisonen in den drei Hansa städten stehen, von nun an die Städtenamen tragen sollen: Regiment H am bürg , Regiment Brem en, Regiment Lübeck. Mögen Sre hieraus die Zuversicht schöpfen, daß meine vollste und innigste Dankbarkeit und mein wärmstes Interesse den Hansestädten und vor allem Hamburg gilt, daß ich der festen Ueberzeugung bin, daß uns Gott die Kraft geben wird mit Hilfe dieser tapferen Regimenter dem deutschen Volke den Frieden zu erhalten, daß das Blühen und Gedeihen Hamburgs unter dem Schutze dieses Friedens nicht aufhören möge und daß Hamburg sich entwickeln möge bis in die fernsten Zeiten: darauf leere ich mein Glas. Die Stadt Hamburg und die Hansestädte Hurra, Hurra, Hurra!" Ein F^shabend rrn deutschen Schauspielhaus beendete den Kaiserbesuch Gespielt wurde Blumenthals Vcrs- spiel „Mann wir altern" und Courtelines Einakter „,Der Herr Kortnrnissar". Der Kaiser hatte die Stücke selbst ausge -wählt, doch wirkte das zweite Stück, das eine höchst peinliche Wahnsinnsszene mit Revolverspielerei enthält, auf die Damenwelt weniger angenehm als das erste. Das an Monarchenbesuch im Theater nicht gewohnte Publikum der freien Reichsstadt wartete mit seinem Beifallsklatschen gar nicht erst, bis das Kaiser- paar das Signal dazu gab. Viel Aufmerksamkeit erregte die junge Großherzogin von Mecklenburg. Auch der Großherzog von Oldenburg, der Prinzregent von Braunschweig und zahlreiche andere Fürstlichkeiten, ferner die Generalobersten Graf Schliessen und Hahnke, Reichskanzler Gras Bülow, dieser in Husaren unifor m, die Bürgermeister und Senatoren in ihren mittelalterlichen Trachten, Generaldirektor Ballin und die bekanntesten Persönlichkeiten der vornehmen Hamburger Gesellschaft waren zugegen. Die Umgebung der Imran-Alster, ganz besonders das Gebäude der Hanrvm^-Amerikalinie waren herrlich illuminiert. Tausende durchfluteten die Straßen. Die ,^ohenzollern" mit dem Kaiser an Bord uitb der Kreuzer „Hamburg" nrachtrn um IP/2 Uhr los und dampften elbeabwärts. Die Hessische Sozialdemokratie und der Smsier- damer Kongreß. E. B. Darmsta dt, 4. Sept. Der internationale Sozialistenkongreß in Amsterdam hat in der gesäurten nicht sozialistische Presse eine mehr oder nrinder scharfe Beurteilung erfahren, und es ist auf die Unfruchtbarkeit derartiger Berans^Zungen hingewiesen worden, deren Kosten von den Arbeiter gro scheu bestritten werden müssen. Die Gegensätze innerhalb der Partei sind auch in Amsterdarn wieder aufeinander geplatzt. Trotz aller schönen Redensarten von Einigkeit und Gleichheit kehrte doch fast jedes Land in den wichtigsten Dingen feinen besonderen Standpunkt heraus, und bei der großen Frage über die zukünftige Parteitaktik den Regierungen und den bürgerlichen Parteien gegenüber kam es bekanntlich zu wütenden Kontroversen. Seitens der Hessischen Sozialdemokraten war der „rote Ulrich" aus Offenbach zu dieser internationalen Versammlung delegiert worden uud er unternahm es gestern abend, in einer auch von Frauen zahlreich besuchten öffentlichen Volksversammlung im städtischen Saalbau, Bericht darüber zu erstatten. Man sah es dem Redner an, daß chm diesem Aufgabe nicht leicht wurde. Was sollte er auch dem breiten, Auditorium von Genossen und Genossinnen erzählen von den drettägigen heißen Debatten, die sich über alle möglichen Gebiete der roten Internationale erstreckten und ihren Schwerpunkt in dem Konflikt zwischen der radikal-revolwi tionären und der revisionistischen Richtung hatten? Herr- Ulrich meinte mit etwas kleinlautem Stolz, der Kongreß habe bewiesen, „daß das gesamte organisierte Proletcuüat der Welt auf dem gleichen Standpunkt steht und die internationale Bereinigung durchaus keine Phrase ist" Die Gegner „tun nur so", als ob sie dem ganzen Kongreß gar Feine weitere Bedeutung beimejsen; auch das erfimHlige Erscheinen zweier Asiaten, eines Japaners und eines achtzigjährigen Indiers, liefern den Beweis, wie ,chie internationale Sozialdemokratie marschiert, daß sie alle Welt in ihre Kreise zieht." Dann schien dem Redner aber vor dieser „Welt einig keit" selbst ein wenig bange zu werden, denn er bemerkte weiter: In Amsterdam hat sich, aber die Erkenntnis durchgerungen, und den Sieg davongetragen, daß bei der Verschiedenartig kett der Verhältnisse in den einzelnen Ländern nur grundlegende Prinzipien aufge-- stellt werden können. Also wirtlich „nur" grundlegende Prinzipien? Nun, find denn nicht gerade in dem wichtigsten dieser Prinzipien, das in der Dresdener Res0- lution (Bekämpfung des Revisionismus) niedergelegt ist, die schärfsten Gegensätz e zum Ausbruch gekommen? Gegen dieselbe Resolution, die Bebel mit außerordentlichem Wortschwall verteidigte und als das Allheilmittel der roten Internationale hinstellte, protestierten die Ver> treter einer ganzen Reihe anderex Staaten. Jaurös, der unter häufigem Hohngelächter die politische' Ohnmacht der deutschen Sozialdemokratie kennzeichnete, bemerkte u.a: Die deutschen Genossen befinden sich in einem verhängnisvollen Irrtum, wenn sie glauben, daß ihre Resolution! für alle Nattonen maßgebend sein könnte; sie ist vielleicht auch nur bedingt maßgebend für die Taktik i n D e u t s ch l a n d selbst!" Und der -Oesterreicher Adler und der Holländer Vandervelde brachten eine Gegenresolution ein, die nur mit einer Stimme (Stimmengleichheit) abgelehnt wurde. Nicht minder charakteristisch für die Einigkett in den grundlegenden Prinzipien war die Verhandlung über die Frage der Gleichberechtigung aller Proletarier. Während'der Ausschuß des Kongresses in einen längeren Resolution jede Gesetzesmaßregel verurtettt wissen wollte, welche die Einwanderung fremder Arbeiter, die das Elend zur Auswanderung zwingt, verbietet oder verhindert und überhaupt das Prinzip der Gleichberechtigung anerkennt, legten die Holländer, die Amerikaner und die englischen Kolonisten eine Gegenresolution vor, in welcher ausgesprochen wird, daß ihre Länder gezwungen seien, einen ttnterschied zwischen Arbeitern zivttisierter Länder und uw- zivilisierter Länder zu machen, zwischen ,Arbeitern, die mitten im Klassenkampfe stehen und solchen, die dazu nicht die geringste Vorbedingung haberü', d. h. also für die genannten Länder die Neger und die Kulis, für Deutschland die Italiener, die Polen rc. Auf Antrag der Engländer wurde schließlich die weitere Erörterung urrd Beschlußfassung über dieses „grundlegende Prinzip" von der Tagesordnung abgesetzt. Näan hat sich also auf dem Kongreß nicht über den in großen Lettern im Sitzungssaal prangenden Mahnruf von Karl Marx: „Proletarier aller Ländervereinigt Euch!" verständigt! Wie die vorstehenden, so ließen sich noch zahlreiche andere Beispiele gegen die Behauptung des Ulrich an führen, daß das gesamte Proletariat der Welt auf dem gleichen Standpunkt steht. Der Redner vermied es auch mit peinlicher Gewissenhafttgkett, uns irgend einen Einblick in die intimeren Vorgänge in den verschiedenen Ausschüssen zu gewähren. Er gab nach heftigen Ausfällen gegen die Ausbeutung der Menschhett durch das internationale Kapital nur einen allgemeinen Ueberlttick über die gefaßten Beschlüsse des Kongrc,ses, die nach der Versicherung des Redners in den Ausschüssen eurer gründlichen Vorberatung unterzogen wurden. So ein internationaler Sozialistenkongreß sei überhaupt eine ganz andere Sache, als ein Gelehrte:!- oder ein Friedenskongreß, bei denen man einfach französisch sprech>e, was die meisten ja doch nicht verstünden. In Anrsterdam hätten sich alle Redner gefallen lassen müssen, daß chre Reden ;wch in zwei andere Kleims Aeuilletou. —Aus Berlin wird dem Neuen Wiener Journal mitgeteilt, daß die über den schwankenden Gesundheitszustand Gerhart Hauptmanns zirkulierenden Gerüchte auf Wahrheit beruhen, und ein schon länger andauerndes Brust leiden den,Dickster zningt seinen Auseuthatt in feinem Heim bei Agneten- dorf im Richengebttge auf 'die roarme Jahreszeit einznschränken und den übrigen Teil des Jahres in Otten mit milderem Klima zu verbringen. Gleichzettig meldet das Blatt, daß Hauptmann sich mit seiner Freundin der früheren Berliner Schanfpielerin Frl Marschall verehelicht habe. — War Wagner jüdischer Abkunft? Eine englische Zeitschrift wirft die Frage auf, ob per Verfasser des „Jirdentum in der Musik" jüdischer Abkunft gew-efen fein könnte, und es findet viele Frage in dem neu erschienenen Bnck>e von James G. Huneker „Over-Tones "bejahend beantwortet .Irr den: Kapitel des genannten Buches, welches Papstsal betitelt ist heißt es, ein berühmter Wagner-Tirigent, der kürzlich in Newyork gewesen fei, habe dort feinen Fremrden erzählt, er habe in der Villa Wah-nfricd die handsck-riflliche Selbstbiographie Wagners gesehen, welche erst nach Ablauf einer gcivilffeu Frist veröffentlicht werden dürfe, urrd darin gebe Wagrrer zu, der Sohn eines Ludwig unjer zu fein, welcher Maler, Tichter ,Dramatiker, Komponist, Schauspieler und Regisseur — kurzum ein allseitig begabter Mann war uni> dieser Ludwig (Hetzer war jüdischer Abkünft. Tann roird auch Nietzsche angefüprt, der ctiua im Jahre 1887/88 ge schrieben haben soll, Wagners Vater sei ein Sclmuspieler Namens g . Jen. Außerdem wird der Wagnerbiograph Henry .. d als Zeuge dafür angeführt, daß in der Villa Wahn frier» wohl ein Poctllit von Wagrrers Mutter unb von Ludwig Getzer zu sehen fei, aber feine» von dem Leipziger Polizeiaktuar Wagner, der als Vater des großen Musiker gilt — AnS dem Frankfurter Kun ft leben. In aller Stille beging am 2. September der Vertreter des pores rwbles- Faches, Mathieu Pfeil, das Jubiläum feiner fünfund- zwanzigjährigen Bühnentätigkeit. Pfeil steht im 42. Lebensjahre, er ist ein Kölner Kind und genießt als Künstler die größte WettsckMung wegen der Vornehmheit und der intelligenten Reife feiner Kunst Leider verläßt Pfeil Frankfurt, wett er mit der ihn: hier gebotenen Beschäftigung nicht zufrieden ist; er geht nach Stuttgart, wo er als Heldenvater und zugleick) als Regisseur tätig fein wird. Frankfurt verliert den sympathifcherr Künstler, dessen Wirken am Schauspielhaus und am Losfingtheater in Berlin in guter Erinnerung ist, nur ungern. — Kapellmeister Tr. Kunwald, die interessanteste Persönlicl-- keit der Frankfurter Diusikwelt, ist um feine E tlassung ein- gefommeu. .Tr. Lßnnwald bat sich um die Oper große Verdienste erworben und es wäre sehr bedauerlich, wenn er den Taktstock niederlegte. — Carlo von Erlanger f. Aus Salzburg kommt die Nachricht von einem tödlichen Unfall, den der Afrika- reisende Frhr. Carlo von Erlanger gestern crlUten hat. E. wollte in Begleitung eines Bekamtteu mit dem Automobil eine Vergnügungstour unternehmen, stieß in der Stadt mit einem elektrischen Straßenbahmv'ageu zusammen und wurde au# (einem Fahrzeug geschleudert, schoere Beinbrüche und innere Verletzungen waren die Folgen. Tie Ellen: des Verunglückten, die in Nieder-Jngelhein: nxoljnen, erhielten istegraphisclie Nach- rickft von dem Unfall und reiften sofort nach Salzburg. Azi: Mon^ lag traf die Nachricht ein, daß^der Verunglückte in der stacht seinen Verletzungen erlegen ist. Sein Begleiter und Neffe, Baron von Heimerling, tarn mit kleinen Verletzungen ba*m. Carlo von Erlanger ist nur 32 Jahre alt geworben. Er ist durch die Sck)il- derungen seiner langjährigen erfolgreicljen Afrikaforschnnger: in weiten Kreisen bekannt geworden Zahlreichen geographischen Gesellschaften gehörte er als Ehrenmitglied an. Christiania, 6. Sept. Wie das „Dtorgenbladett' ans Hammerfest meldet, berichtet der Fill-rer des Schüfen „Vtteola", daß er am 17. August auf 78,38 Grad iwrdlicher Brette unb ö2 Osttcmgo das Entsatzschiff der Zieglersche n Expedition von Frithiof getroffen habe. .Frtthjof hal>e bisher vergebens nach r5ranz-Josesslaud zu kommen versucht und sei ostwärts gesteuert. . , ~ u n d, 5. Sept. Ter 20. Jahreskongreß der A st r 0 n 0 m i» scheu Gesellschaft tvuvdc beute int llniversitätsgebäude er* öffnet. Etwa 60 ausländttsche Gelehrte tvaren erschieneit. Ter Prokanzler der Universität, Bisckws Billing, hieß im Auftrage der Jregieruug die Teilnehmer in deutlscst'r Spracisc willkommen, ^er Rektor der Universität, Professor Ribbing, begrüßte die Tett- nehnter im "Namen ter Untversttät. Bürgermeister Brink im Namen der Stadt. Prof. v. Seellngcr-Münck>en dankte int Namen der Teilnehmer. Bern, 5. Sept. In ergangener Nacht starb hier der Bildhauer Antottiv Chiattone, der Schöpfer des im Zah-re 1892 auf Korfu errichteten Denkmals für den M von tUon- prützen Rudolf von Oesterreüb unb des im Jahre 1902 in Terrttet errichteten Tenknull» der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich.^ St. Gallen, 6. Sept. Ge^enüter ausloartigen Blatter- ntclbungen, mich nxlcbcu ter Schöpfer des Noten Kreuzes Henri Dunant int Kranlenhaufe zu Heiden Not leite, da ter ihm seinerzett zuerkannte Nobelprett bereits verbraucht sei, oon maßgebender Sette mitgeteilt, teß die Bel'.anpt'.uigen falsch seien. Tunant, ter körperlich und geistig svihtz sei, beziehe, eine regelmäßige, von ter Kaisenn'WlNoe von Rußland ausgesetzte Pension und habe ten Nobelpreis überhaupt noch nicht angegnffaL €in*ed>en übcrfwurden — e- wurde statt deutsch, ftan- >öfifd> und cmilifib verhandelt. 5 essierende Finge, nne sich die Hess ische Sozialdemo- tratic pU den in A m st erd am gefaßten Beschlüssen stellt, büt der Redner fast gänzlichunbc- a u r w o r t e l gelassen. Wir erstchren nur in einigen Qefdnd'r verNansuliertcn Saßen, daß zwar die hessischen ^ozuttdem oFraim eS ablehne n würden, in ein Mini- st er mut e in zu trete u und alle Sünden der bürger- iül)cn Gesellschaft mi:n>rgen zu Reifen", daß sie aber kein Bedenken trügen wi'uLen, arbeitet freundlichen Vorlagen zu zustimmen und je de Handlun g Zu ALterstüyeu, die /znad) vorwärts gerichtet ist". Die Versammlung nahm den im VcrhälttiiS zu dem jüngsten £ ifenbüdxr VorLommnis bemerkenswert nüclsternen und jachlia- gehaltenen Bor trag mit Ruhe und lUudbauei entgegen; ohne jede Debatte, ohne jede Resolution, ohne jedes Hoch auf bic gefeierten Großen der Partei und and) ohne jede Anspielung auf irgend welche Tagesereignisse grugcn Männlein urw Fräulem fd>on lange vor Mittel- nacht schiedlich — frieblid) wieder auseinander. Politische Togrsschon. Rauviannö Buch .Demokratie und Kaisertum" (Brnchverlag der»HriftV Berlm-Schöneberg) ist jetzt in dritter Auflage erschienen. ES ist mit Rücksicht auf die seit den früheren Auflagen eingetrelenen politischen Veränderungen völlig umgearbeitet, wenn auch die die Grundgedanken der von Raumann vertretenen polnischen Auffassungen die gleichen geblieben sind. Lluch für den, der NauuiaunS Standpimkl mir in Einzelheiten teilt, bietet seine Darlegung intcressanle Gesichtspunkte. Er schildert die Entwickelung der sozial- demokralischen Anschauungen, weift nach, daß der Weg der Revolution tatsächlich verlaßen ist, und legt daS Hauptgewicht daraus, ob die Sozialdemolratie sich so entwickeln wird, daß mit ihr zusammen dre demokratischen Teile deL Bürgerttun- der Demokratte zur polttischen Dtacht verhelfen können, eine 'Frage, auf die weite Kreise von ehrlicher Liberalität nur nut ne in antworten können, deren Bejahung aber Naumann erhofft. Der Streit geht um den endgütigen Sieg des Industrialismus m Deutschland, an dem auch Bauern und Handwerker interessiert sind. DaS Deutsche Reich sei von vornherein eine wirtschaftlich fortschrittliche Gründung gewesen, antikonservatw in seiner ersten Jugend. DaS 1870 siegende System sei aber zugleich milttärifch-kapiralisttfch gewesen, und der Sozialismus müsse daher den Militarismus in Kauf nehmen. Hier kommt Naumann zu seinem eigenttichen Thema, das wir bei Erscheinen der ersten Auflage m einem größeren Leitartikel ausführlich behandettcn. Der Kaiser, der die Natton als Diktator der neuen Industrie führe, brauche die Ntaffe, die Demokratie; ehe aber mchr die Linke für Militär und Flotte fei, müsse der Kaiser seine WinschastspolMk mit der Linken und seine Mitträrpotttik mit der Rechten machen. Die Sozialdemokratie nötige chn, nach rechts jesteren Fuß zu suchen, als eS seinem Programm entspreche, und schädige da- nut die Lebensmteresien der Nlaffe. Demgegenüber möchte Naumann Demokratte und Kaisertum nicht als Gegner angesehen wisien, sondern als zwei Faktoren, deren Wirkung sich ergänzen soll. Zu dem Zwecke empfiehlt er der Demokratte, und zwar speziell der Sozialdemokratie, Eintreten für Heer and Flotte, namentlich für die letztere; zwar ferne bedingungslose Bewilligung, aber so, daß sie bereit sei, mit sich über die Flotte verhandeln zu lasten, die für den Welthandel notwendig sei. Das soziale Sinijertum sei nur möglich, wenn sich der Kaiser in der Baterlondsverteidigung auf soziale und frei* hettliche Volksteile stützen könne. Man sieht, es sind ernste politische Gedanken, die Naumann hier dem Volke zur Erwägung vorlegt, Gedanken, die wohl dazu angetan sind, eingehend erörtert zu werden. Es steckt ein hoher politischer Idealismus m dem Buche, tiefes deutsch-nationales und monarchisches Fühlen, durchfloffen von reichen Quellen demokratischen Celß. Der gründ deutsche Qptimismus Naumanns erfreut und erquickt, manches für tue gegenwärtigen Zustande Utopistische stößt nicht ab, sondern die von wohltuender Wärme beseelte Tonart des BucheS läßt den Verfaffer immer verehrungswürdig erscheinen. Aus Stadt und Lau). Gießen, den 7. September 1904. — Personalnachrichten. Dem Bevollmächtigten zum Bundesrat, Geh. Staatsrat im Staatsministerium Gustav Krug von Nidda wurde die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Deutschen Kaiser verliehenen Krorrenordens zweiter Klasse mit dem Stern erteilt. — Am 20. Juli wurde dem Schullehrer Reichwein zu Ems a. d. Lahn eine Leh rarste l le an der Gememdeschule zu Ober- Rosbach, Kr. Friedherg, mit Wirkung vom 1. Oktober an, übertragen; am 28. Juli wurde dem Karl Weith aus Staden das Patent als Geometer LL Klasse für den Kreis Friedberg erteilt; am 3. August wurde der von dem Fürsten zu Uenburg in Büdingen auf die L Lehrerstelle an der Gcmcindeschule zu Düdelsheim, Kr. Büdingen, präsentierte Schullehrer Vier hell er zu Orleshausen für diese Stelle bestätigt. — Nachweis der Befähigung zur Uebernahme eines Kirchenamts: lieber den Besitz der nach Artikel 1 und 4 des Gesetzes, die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen betreffend, zur Uebernahme eines Kirchenamtes notwendigen Eigenschaften ist der Nachweis erbracht worden bezüglich der Kandidaten der evangelischen Theologie Wilhelm Becker au3 Friedberg, Karl Grein aus Darmstadt, Karl Hoffmann aus Klein-Eichen, Karl Knott aus Ober- xlin; en, Wilhelm Wahl aus Nieder-Florstadt und Ferdinand Wcckerling aus Friedberg. — Erledigt sind die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Oberau, Kr. Büdingen. Mü der Stelle m Or -amsten- und Lektordienst verbunden; tue mit einem evong. . )rc. zu besetzende I. Lehrerstelle an der Gemeinde- »chn - . cder-Mockstadt, Kr. Büdingen ()em Fürsten zu )' ! ; unü Bulligen steht das PräsentationSrecht zu chc zu/; oi. mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrer- stelle an der Gemcindeschule zu Hemmen, Kr. Lauterbach. iMit der Stelle ist Organisten- und Lektordienst verbunden. Dem Grasen zu Schlitz, genannt von Görtz, steht das Präsentationsrecht zu ihr zu); emc mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Sellnrod, Kr. Schotten. ** Personalverände rungen der Ober post- di re ktion. Darmstadt. Versetzt sind: Telearaphen- Ictvctür Lippo 1 d von Gießen nach Nordhausen, ocr Post- assistent D amb m an n von Alzey nach Gießen. ** Elternautorität und Schulautori tüt. Man schreibt uns: Eine Frage, die von weitgehendstem Interesse ist, winde vor einiger Zett der ^reisfd)ulkommisfion eines oberhessifdxm KvetseS zur Entscheidung vorgelegt. Eine Anzahl. Schülerinnen der höheren Privatmädchen- schnle in der betr. Kreisstadt hatten an einem Schlußball eines Tanzkursus teilgenommen. An dem darauf folgenden Sag fehlte der größte Tett der Tettnehnierinnen ui der Schule, trotz des voichergegangeiieii Verbots seitens der Sd)ule. Sie wurden deshalb von der Lehrerin in eine Arreststrafe genommeii. Sed)s Kinder fügten sich. Die übrigen beteiligten Väter erhoben jedod) Beschtverde bei der .Ereisschulkommission. Der Bcsastverde wurde stattgegeben und die Arrestitrase aufgehoben. Die Kreisschulkom- Mission konnte üt dem Verhalten der rbinder keinen Unge- 1)Dilam gegen die Sd)ule sindeii, da sie auf Befehl ihrer eitern der Sd)ule fern geblieben waren. Der Sd>ulviwstand wurde jedod) ersudst, eme SdMlvcrsäumnisscrase gegen die Eitern anzusetzen. Es nmrde nun die Entsd)cidung desGroßh. Min iftcri u niS Gigernsen. Dieses erklärte sich jedod) nicht für kompetent und lehnte eine Entscheidung ab. And) hob es formell die Ensid-eidung der Ztzreis- fchulkornniission auf. Die Frage: Geht Elternautorität vor Schulautorität, ist d^idurcy leider hier nid>l zur Entscheidung gebracht worden. **Die zweifelhafte Fortuna. "Der Franksurtcr Polizei bericht warnt vor ausländischen Serien- und Prämienlosbanken. Hanptsäd)lid) Amsterdamer und rwpenhagener Händler entfalten in letzter Zeit in Deutschland wieder eine besondere Tätigkeit, obwohl schon wiederholt in der Presse von diesem 'Loiesd)windel ge- ivamt wurde. ES wird nodMalS erneut darauf hinge- irncfcn, daß dem Publikum absolut keine Garantie geboten ist, daß jene Banken überhaupt im Besitz der Lose sind, von denen sie Anteile verkaufen. Zudem bieten die von den Banken gebildeten Serientos-Gc)ellsd)aften sehr wenig Ehanccn. Auch sei bemerkt, daß auf Grund des Gesetzes vom 16. Mai 1824 gegen diejenigen Personen, die Beihilfe leisten, Agenten, Skrtrctcr usw., straftedftlid) vorgegangen wird. ** Reid) sbank. Am 26. September d. I. wird in Rheine (Wests.) eine von der Reichsbankstelle in Münster (Wests.) abhänaige Reid)Sbanknelu'ustelle mit Kasseneinricht- nng und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. Grünberg, 6. Sept. Auf eigenartige Weise kam ein Junge im Alter von 7 Jahren zu einer schweren Berwun- düng. Er kam bei einer Spielerei mit anderen Jungen zu Fall und hierbei drangen ihm die Scherben eines zerbrochenen Glases, das er in der Tasche stecken hatte, in den Leib. Nachdem von einem hiesigen Arzte die GlaSsplttter auS der tiefen, 3 Zentimeter langen Wunde entfernt worden waren, mußte der Junge nach Gießen in die Klinik verbracht werden. X Weickartshain, 5. Sept. Gestern feierte der hiesige Sriegerverein sein 20jähriges Stiftungsfest verbunden mit Scd an feier. Unter Bovantritt der Verettis- kapelle bewegte sich der Festzug, an welchem sich auch der Lehrer mit den Schulkindern beteiligte, durch die Orts- straßen nach dem Jestplatz im Walde. Nach dem gemein* chaftlich gesungenen Liede „Deutschtcrnd über alles" hielt der Vorsitzende des Vereins eine Rede, weldje mit einem Hoch auf Kaiser und Grvßherzog ausklanß. Eine weitere 2lnsprad)e des Vorsitzenden galt der 20jährigen Stiftungsfeier des Vereins. Ter Kriegerverein feierte auch aus diesem Anlaß seinen Präsidenten, den Gininder des Vereins, Johannes Schmidt IV. Es wurde ihm vom Verein eine Ehrentafel durch Bürgermeister Knöß überreicht. Worms, 6. Sept. Die vorjährige Theatersaison schloß mit einer Disharmonie zwischen der hiesigen Theatervenval- tung und der Direktton deL Darmstadter Hoftheaterö, hervorgerufen durch Krüiken, die unangenehm ernpsimden wurden, so daß Direktor Wagner der hiesigen Bürgermeisterei mittedte, daß »von wetteren Darstellungen* deL »Darmstädter Ensembles »vorerst abzusehen* sei. Den Bemühungen unserer Stadtverwaltung ist es nun gelungen, die seitdem bestandene Spannung zu beseitigen. Die Bürgermeisterei Worms hat auf Wunsch der Direktton deL Darmstädter HostheaterS die Hoffnung ausgesprochen, daß künftig alles vermieden werden möchte, was die Beziehungen zii dem Hoftheater in Darm- tabt schädigen könnte. Selbstverständlich werden, wie der »Frks. Ztg.* geschrieben wwd, die Krittler nach wie vor ihre Pflicht tun. vermischte». • Berlin, 6. Sept. Freiherr von Brandenstein, Generalsekretär des Deutschen Automobilklubs, verdient um die Organisierung des Gordon Bennett-Rennens, ist heute nachmittag bei Friesack im Automobil verunglückt. Das Automobil kollidierte ohne Schuld Brandensteins mit einem Kinderwagen. Um ein größeres Unglück zu verhüten, nß Brandenstein sein Automobil in den Graben, wo es umschlug. Brandenstein erlitt eine leichte Ge hirn- erschütterung und Gesichtsverletzung. Der Chauffeur ist nur leicht verwundet. Zwei Kinder wurden leicht verletzt. Brandenstein wurde per Bahn nach Berlin zurückgebracht. * Hamburg, 6. Sept. Die beiden Geschäftsführer Strüve der Leipziger-Hanseatischen Bettfedernfabril wurden wegen Urkundenfälschung und Unterschlagung von 25000 Mk. verhaftet. Die Verhafteten sind geständig. Die Gesellschaft ist gezwungen, in Liquidation zu treten. • Kiel, 6. Sept. Der Matrose Masurek von der ersten Matrosendioision hat sich bei Elmschenhagen von dem Lübecker Zug totfahren lassen. * Danzig, 6. Sept. Bel der Ausfahrt aus dem hiesigen Bahnhof entgleiste heute der nach Neufahnvaffer bestimmte Güterzug Nr. 8504. Die Lokomotive und ein Wagen wurden aus den Schienen geworfen. Menschen sind nicht verletzt. Der Personenverkehr wird auf einem Gleise aufrecht erhalten. 'Recklinghausen, 5. Sept. Infolge des Genusses giftiger Pilze sind der »Recklinghäuser Ztg.^ zufolge am SamStag in Recklinghausen-Bruch acht Personen erkrankt, von denen inzwischen drei im Krankenhause gestorb?l>.sind. * Eßlingen, 6. Sept. Bei der Beer.igung de- Direktorö August Ehrhardt wiwde der erste Direktor der Maschineiifabrik Eßlingen, Oberbaurat Groß, w'chrend der Rede des Geistlichen vom Schlage getroffen. Er verschied in wenigen Minuten. * München, 5. Sept. Die hiesige Porträtiialerin Baronesse Schere verunglückte in der Schneiz durch Absturz imd zog sich einen komplizierten Knächebruch zu. Sie wurde in die Paschensche Heilanstalt in Dessau i'berführt. • München, 6. Sept. Herzog Ludwig Wilhelm in Bayern stürzte gestern im Regensburger Mcnöver- terratn mit dem Pferde. Die Eltern des Herzogs, Herzog und Herzogin Karl Theodor, reiften heilte zu ihrem Sohne. Der Herzog erlitt eine Gehirnerschütterung, jedoch keine weiteren Verletzimgen. Sein Befinden ist heue den Umständen entsprechend befriedigend. * Wien, 6. Sept. Seit 2 Uhr nachmittags stcht die große Bleicherei der Firnia Silberstein in Flammen. Der Brand nimmt große Dimensionen an. * Brünn, 6. Sept. Auf dem Nachhausewege rannte der Exporteur Nawratil mit feinem Motorrade in eine Lokomotive. DaS Motorrad ging in Trümmer. Narrratil mürbe getötet. • Barcelona, 5. Sept. Ein Schutzmann brachte eine Bombe, welche er in einer Bedürfnisanstalt gesunden hatte, nad) dem Iustizpalast. Dort erplodierte die Bombe und zerstörte einen Teil des Gebäudes. Personen wurden nicht verletzt. * Typhus. Jni Königsteeler Bezirk (rhein.-westsäl. Kohlenrevier) tritt der Typhus auf. Von den bisher konstatierten 35 Fällen entfallen die meisten auf Elberg und Horst. Es sind VorbeugungSmaßregeln gegen Weiter- uerbredung der Krankheit getroffen. — Professor Koch, der Präsident deö Reid)SgesundheitsamtS, Köhler, und Generalstabsarzt Leut hold, besichtigten die vom Typhus beimgesuchten Gebiete Südwest-Deiitschlands und die bakteriologischen Untersuchungs-Anstalten in Trier, Metz und Straßburg. • Spione. Ein an der italienischen Grenze wegen Spionage verhafteter österreichischer GeneralstabS-Hauptmann von SooS wurde auf Verfügung des italienischen Kriegs- mimsteriumS wieder freigclaffcn. Der in Tarent ivegen Spionage verhaftete Elektro-Techntter deß Arsenals, Montenegro, wurde einem strengen Verhör unterzogen und soll bereits gestanden haben. In seiner Wohnung wurden Kopieen uon Festungen, die Abschriften der geheimen militärischen Chiffren soivie andere Dokumente vorgefunden, die den Be- ivciS liefern, daß Montenegro Spionage betrieben hat. • Ein Mitglied des Frankfurter Parlaments. In Sdzwanenstadt bei Linz starb der Slatthaltereirat a. D. Moritz Edler v. Nlayfeld int 87. Lebensjahre, eins der letzten noch lebenden Mitglieder des Frankfurter Parlaments, in das ihn der Wahlkreis Waidhofen an der Thaya gewählt bat. Als 1898 der jüngst verstorbene Dichter Wilhelm Jordan eine Zusammenkunft der noch lebenden Achtundvierziger Frankfurter veranstaltete, vermochten noch fünf diesem Rufe zu folgen, darunter auch Statthaltereirat o. Mayseld. • Brände. Newyorker Depeschen melden den Brand eineß fünfstöckigen HauseS; biß jetzt sind 14 Leichen und 25 S chwerverletzte aus dem Hause geborgen. — Die große Brauerei in Artois bei Laeken in Belgien ist vollständig niedergebrannt. Der Schaden beträgt mehrere Hunderttausend Mark. Die Holzwarenfabrik und Dampfbild- baucrci von Bank u. Co. in Schönlanke (Posen) ist völlig nicbergcbrcmnt. 200 Arbeiter sind brotlos geworden. Mtt- besitzer der Fabrik ist der Reichs- und Landtagßabg. Gutsbesitzer Zindler. • Dic katholische Universität Washington verliert Hundert tau sende durch ihren S d) a g m e i fier, der sich in Spekulationen eingelassen halte. Kaninchenzucht im Kroßyerzogtum Kessen. (Originalbericht des „Gieß. Anz.") In Darmstadt ist am 4. d. M. die erste Landes- ausstcllun g der vereinigten Kaninchenz.üchter im Großherzogtum Hessen und der Provinz Hessen-Nassau in den Lokalitäten des Hessischen Hofes eröffnet worden; sie ist, wie nebenbei bemerkt fei, die größte aller bisher in Deutschland ab gehaltenen Kaninchen- Vlusflcllungen. Der Eröffnungsfeier wohnte u. a. der Stadtkommandant, Generalmajor v. Lynker, ein RegierungsVertreter und Oberl'ürgermeister Morneweg bei, weid) letzterer, nachdem der Auostellungsleiter, Mul Thiele-Darm^ ftabt, die Ehrengäste und Aussteller begrüßt hatte, eine längere Ansprache an die Versammelten hielt. Der Oberbürgermeister wies darin auf den hohen YLutzen hin, den eine rationelle Kaninchenzucht ganz besonders dem Land- manii gewähren könne. Das Fleisch des Wanind^nß ist außerordentlich nahrhaft —, mehr als Hühnerfleisch — und die große Vermehrungsfähigkeit, wie die anspruchslose Er- nährungSart ist durchaus geeignet, eine billigere Fleisch- verjorgung in die Wege zu leiten. Tatsächlich ist baä Kaninchenfleisch in Belgien, Englarid und Frankreid), längst als Nahrungsmittel eingebürgert; nad) dem Vorwort zum Ausstellungskatalog züdftet z. B. Frankreich gegen 100 Millionen zvaninchen und erzielt daraus einen Gewinn von 250 Millionen Francs. Lluf dem Pariser Zenttalmarkt kommen monatlid) ca. 300 000 Kaninchen zum Verkauf und ebensoviel gehen allwöchentlich in besonders eingerichteten Dampfschiffen nad) London ab. Der hohe wirtschaftliche Wert der Kaninchenzucht wurde zuerst im Königreich Sachsen erkannt, wo man vor 12 Jahren ban deutschen Mninchenzüchterbund gründete. Der Bund für Hessen und die Provinz Hessen-Nassau entstand im Herbst 1902, und feine jetzige erste große Ausstellung liefert den Beweis, daß er seine Aufgabe mit Tatkraft und Geschick ersaßt hat. Auf der Ausstellung sind alle bekannteren Zuchtarten mit schönen Exemplaren vertreten, besonders die belgifd)en Riesen-Rammler und Häsinnen, die französischen W-idder-Ranunler und Widder-Häsinnen, die englischen Widder, die Russen- und tzölländer-'K.'aninchen, die Japaner- und die Silber-Kaninchen, die deutsd)eu Zud)»t- und Sd)lacht-Kaninchen, die englischen Schecken, präd)ttge Angora, die Lieblinge unserer Damenwelt. Damit der Send) er gleichzeitig auch die praktifck/e Ve.rwendbarkeit der Tiere besser beurteilen lernt, find von einer g-ranffurtcr und einer Ottenbacher SttM^adrik Fadrttate ans Kcuuu- Die Wcvindustrie in Hverhessen. Von Zeit zu Zeit findet man in den Zeitungen, insbesondere in Wochenschriften und Frauenzeitungen, sowohl Anzeigen, als auch Neklamenotizenx welche die Aunnerksamkeit aus die armen Handweber in Schlesien, im Erzgebirge, in Thüringen usw. lenken sollen. Da wird man u. a. auf das schlesische Leinenhaus in Landshut, oder Gnadensrei, oder aus den Thüringer Weberverein in Gotha und wie sie alle heißen aufmerksam gemacht. Jeweils werden die verehrten Hausfrauen gebeten, ihren Bedarf an Lemen und sonstigen Webwaren bei den betreffenden Firmen zu decken, da diese nur arme, infolge der Maschinenweberei in Not und Elend geratene Hausweber beschäftigten. , Bei einzelnen Anzeigen, wie z. B. denjenigen des Thurmger- Webervereins, mögen ja die Angaben zutreffen, denn genannter Verein ist eine Vereinigung von Webern, deren Betrieb und Verkauf von einem Wohltäter in selbstloser Weise kaufmännisch geleitet wird; in den meisten Fällen aber handelt es sich um Unter- nehmungen, die unter dem Scheine von Wohlfahrtseinrichtungen Geschäfte zu machen suchen und bei beiten der arme Weber erst in letzter Linie kommt. Man macht Reklame, bittet die Zeitungen um unentgeltliche Ausnahme der Anzeigen und sucht aus alle. Weise die Barmherzigkeit der kaufenden Hausfrauen wachzurufen, um den Absatz von Waren zu fördern. Besonders wird darauf hingewiesen, daß man durch die Beschäftigung der Handweber in der Lage fei, ganz besonders gute und preiswerte Ware zu liefern, und dabet werden manchmal kaum zwei oder drei Handweber beschäftigt, die übrigen Waren aber von größeren mechanischen Webereien bezogen und aus zweiter Hand als gute und vorzügliche Handweberarbeit angepriesen. , Da durch solches Vorgehen reelle und wahrheitsliebende Fabrikanten geschädigt werden, aber auch schon versucht wurde, solche Reklamenotizen und Anzeigen in die m Hessen erscheinenden Zeitungen und Zeitschriften unterztlbringen, so liegt es im Interesse unserer oderhessijchen Textilindustrie, solchem unlauteren Wettbewerb entgegeiidutreten und aus die Erzeugnisse der heimischen Webereien hinzuweifen. , c„ Besonders ist es bte Leinenweberei, die in Oberheffen seit alters her betrieben wird, früher ausschließlich als Handweberei, jetzt auch vielfach auf mechanischen Stühlen. Oberhessische Leinen haben, ob aus Hand- oder mechanischen Stühlen hergestellt, einen Weltruf. Die feineren Sachen, wie Tafeltücher, Servietten, Handtücher, Hemden- und Bettuchleinen, werden in vorzüglicher Qualität sowie Musterung und Bleiche von den Firmen Gg. Langheiurich-, Philipp Frank-, Wölm und Baumgärtner-, Gg. Schul-Schlitz und I. Weiß HL in Frischborn bei Lauterbach hergestellt. Sogenannte altdeutsche Gewebe mit leinen Grund und Seidenoder Glanzgarn-Schußmustern, teils mit Stickereien, werden als Decken, Servietten, Vorhänge, Wandbekleidungen, Schürzen usw. von den Webereien Herrn. Bücking Söhne und F. Stein in Als- chenleder, ferner sind Kaninche-nschinkerr, Kotelettes, Meren- braten, Leberwurst rc. zur Schau gestellt, die sehr schnmck- haft und billig sein sollen. Schisssnachrichten. Norddeutscher Llo-yd. In Gießen vertreten durch Earl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 5. Sept. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Postdampser „Main", Kapitän E. v. Borell, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 8 Uhr vormittags wohlbehalten in Newyork angekommen. selb angesertigt. Von diesen Geweben sind gegenroärtig eine Anzahl in der Ausstellung der Künstler-Kolome in Darmstadt zu sehen. Diese Gewebe sind nach Entwürfen des Herrn Eissarz für die Firma Altdeutsche Weberei Stein in Alsfeld in der Großh. Webschule zu Lauterbach ausgeführt worden. Gröbere Leinen, Marquisendrelle, Haustuch, Steifleinen, Handtücher aller Art, Scheuertücher, Säcke liefern die mechanischen Webereien von Wenzel u. Hoos- und Gebr. Diehm-Lauterbach, I. Grünewald-Alsfeld, E. Kleinen-Altenschlirf, Rebstock-Alsfeld, Fuhr-Allenburg (Säcke und Jutestoffe). Aehnliche Artikel fabrizieren nur mit Handwebern die Firmen I. B. Struth jr.-Lauterbach, Joseph Ruhl-Herbstein und I. E. D. Bücking-Alsfeld. Bedeutend ist auch die Fabrikation von Halbwollstoffen, den sogenannten Beiderwands, in Oberheffen. Fast überall werden diese Artikel angefertigt, hauptsächlich aber in Grünberg und Schotten, wo sich bedeuterrde Versandtgeschäfte dieser Branche befinden. Meistens werden aber die Halbwollsachen noch auf Hand- stühlen gewebt, erst in neuerer Zeit sind einzelne Firmen in Schotten und Grünberg zum mechanischen Betrieb übergegangen, wohl aus Mangel an Arbeüskräften, da im Sommer viele Handweber ankeren Arbeiten nachgehen. Die Hauptftrmen in dieser Branche sind: I. Repp-, Georg Allmendinger-, I. Schmüt-Grünberg, Heinrich Wendeberg-, I. Krumm-, Georg I. Weitz-Scholtem Ferner sind noch zu nennen: K. Hernr. Rühl* und Konrad Rühl IV.-Groß- felda, Heinr. Luft-, F. W. Lang- und Heiur. Sandmmm-Lauterbach, H. G. Heidebach-Alsfeld und Theodor Rudolph-Herbstein. Wollstoffe und Buckskm fertigt Otto Schäfer tn Büdingen, welcher auch eine Wollspinnerei besitzt und Strumpfgarne, hauptsächlich aber Knüpfwolle für die Smyrnateppiche fabriziert. In den Wollspinnereien von Johs. Koch Witwe-Alsfeld, I. Birkelbach- Lautern bei Grünberg, Joh. Ungemach-Lauterbach werden Beider- wandgarne mib Strumpfgarne hergestellt. Die Baumwollweberei ist in Gießen vertreten; daselbst fabrizieren Gebr. Hornberger Söhne Hemdenflanelle und Bettzeuge. In der Großh. Webschule zu Lanierbach werden alle die ge- namiten Artikel für verschiedene Fabrikanten von den Schülern m Lohn gewebt, außerdem können aber auch auf Wmrsch geknüpfte und gewebte Teppiche nach künstlerischen Entwürfen hergestellt werden. Aus vorstehendeni ist ersichtlich, daß man in Oberhessen so ziemlich alles fabriziert, was in der Hauptsache cm Webstoffen gebraucht wird, und, daß dabei ein großer Teil der Bevölkermrg Arbeit und Verdienst findet. Man hat also nicht nötig, irgendwo in der Fremde, aus Barmherzigkeit mit armen Webern, zu kaufen, dagegen werden zweifellos imsere einheimischen Weber indirekt unterstützt, wenn man die im Haushalt und im Gewerbetrieb benötigten Gewebe von oberhesjischen Fabrikanten bezieht; denn, wenn letztere guten Absatz für ihre Gewebe haben, so fehlt es auch den Webern nicht an lohnender Arbett und an Verdienst. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Markte, k. Nidda 5. Sept. Der heutige H er bstmarkt hatte unter günstigen WitterungSverhältnisien einen günstigen Verlauf. An Bullen war ein Auftrieb von ca. 40 reinrassigen Simmenthaler zu verzeichnen, ebensoviel Kalbinnen, wahrend etwa 30—40 Kühe und ebensoviel Kälber verschiedener Größe und Rasse vorhanden waren. Der Handel in Rindvieh war wie auf den meisten kleinen Prämiierungsmärkten, niwt bemerkenswert. Von ^verschiedenen Gemeinden wurden Zuchtochsen gekauft. Auf dem Schweinemarkt entwickelte sich trotz größerer Anfuhr und Anwesenheit vieler Käufer fein durchschlagendes Geschäft. Die Prämiierung von Bullen und Rindern hatte folgendes Resultat: a. Bullen: 1. Gg. Hofmann IX., Ulfa 20 Bit., 2. Levi Hofmann, Bönstadt 15 ML, 3. KcrA Hahn, Wenings 12 ML, 4. Wich. Reichelsheim 10 ML, 5. Louis Bopp Reichelsheim 9 ML, 6. Gg. Hofmann, Büdesheim 8 ML, 7. Louis Widders heim, Borsdorf 7 Mk., 8. Ph. Stoll, Gettenau 6 ML, 9. Hch SchE HL,. Wenings 5 ML, 10. Wich. Eisner, Hanbeumühle 5 ML, 11. G. A. Schneider, Ulfa 4 ML, 12. Otto Spengler, Grund-Schwalheim 4 Mk. b. Kalbinnen: 1. Karl Senm, Wallernhaufan, 2 Stück 20 ML, 2. Herrn. Pfeffer, Borsdorf, 2 Stück 15 ML, 3. Moritz TÜll, Borsdorf 12 ML, 4. Krd. Spamer, O.-Mockstadt 10 ML- 5. I. G. Toll III Wwe., Borsdorf 9 ML, 6. Otto Lenz L, Mallernhausen 8 ML, 7. Otto Nies IL, Wallernhausen 7 ML, 8. Karä Eich, ,Wallernhausen 6 ML, 9. Wllh. Meisinger, Geiß- Nidda 5 ML, 10. Wich. Brann, Nidda 5 ML, 11. Karl Strauch, Borsdorf 4 ML, 12. Krd. Eckel III., Rodheim 4 ML )( Bleichenbach 5. Sept. Ter Schweinemarkt war heute überaus reichlich beschickt: es waren über 300 Ferkel auf- getrieben, ca. 120 Läufer und Einlegeschweine. Tie Kauflust war gering, ixte Prefte daher gedrückt. Für 16—18 ML waren sehr starke Ferkel leicht käuflich, ebenso Einleger zu 50—55 ML das Paar. — Die Kartoffelpreise sind ungemein hoch, 7 ML werden gegenwärtig für Frühkartoffeln gezahlt pro Malter. Groß-Umstadt, 7. Sept. Eine rechte Zugkraft scheint der am 15. d. M. stattfindende Groß-Umstadter Pferde- nnd Fohlen-Markt auszuüben. Täglich laufen Anmeldungen ein. Ter Landespferdezuchtverein veranstaltet hierbei in Gemeinschaft mit der Stadt Groß-Umstadt eine Prämiierung von Stuten und Fohlen der Wagen- und Arbeitsschläge, welche mindestens fünf Monate im Besitze Starkenburger Zucht sind, sowie von Händl-erpferden. Zum Ankauf von Pferden und Fohlen sind 2200 ML vorgesehen. Der auf denselben Tag verlegte Herbst-Faselmarkt ist ebenfalls stets sehr gut beschickt und besucht. Kisenvayn-Zeitung. Berlin, 5. SepL Tie preuß.-hess. Rangier» meister haben eine aus drei Mann bestehende Deputation zum Minister v. Budde gesandt, welche ihm Bitten und Wünsche dieser Beamtenkategorie persönlich vortragen fallte. Der Minister empfing die drei Abgesandten und unterhielt sich längere Zeit mit ihnen. Verkürzung der Dienstzeit von 12 auf 8 Std. wurde in Aussicht gestellt; dagegen wurde eine Verlängerung des Urlaubs zur Erholung abgelehnt. Tie Erhöhung des Rangiermeistergehalts konnte zwar nicht in Aussicht gesellt werden, dagegen sagte der Minister eine wohlwollende PiLsung der Frage zu, .ob die Rangiermeister früher als jetzt das Höchstgehalt erreichen konnten. Eine Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses sei undenkbar, da sonst alle Unterbeamten mit denselben Ansprüchen kommen würden, dagegen sollten die Stellenzulagen der Rangiermeister nach Möglichkeit erhöht werden. 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