Nr. 131 •rfdyetnt täglich außer Sonntag«. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Gießener Zamilien- hlätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brü h l'sehen Un ivers.-Buch-u. Stein- druckeret. R. Lange. Redaktion, Grvedilton und Druckerei: Vchukstroße 7. Adresie für Depeschen: Anzeiger Gießer». FernsprechanschlußNr 51 Erstes Blatt. 154. Jahrgang Dienstag 7. Juni 1904 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt fiir den Kreis Gießen BezngSpretSr monatlich 75 Pf^ viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monntlicb 65 Ps.; durch diePost Mk.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen iür die TageSnumrner bis vormütagS 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12M. auLwärlS 20 Psg. Verantwortlich fflt den polit. und allgem. Teil; P. Wittko- für .Stadt und Land" und , GerichtssaalAugust Goetz; für den Anzeigenteil: HanS Beck. Gießen, 6. Juni 1904. Ö e t r.: Die Revision der Maße, Gewichte und Wagen. Das Großherzogliche Kreiscnnt Gießen an die Großherzogl. Bürgermeistereien Lollar und Grünberg. Sie wollen in ortsüblicher Weise bekannt machen, daß demnächst eine allgemeine Revision der Maße und Gewichte und Wagen in ihren Gemeinden stattfinden wird. Dieselbe wird durch einen Eichmeister und einen Gendarmen vorgenommen werden. Die Gewerbetreibenden sind gehalten, diesen Beamten bei Meldung der Strafe des § 369 Nr. 2 des St.-G.-B, Art. 73 des P -Str.-G. alle in ihrem Eiewerbe- betriebe benutzten Maße, Gewichte und Wägen vorzuKeigen und die Prüfung derselben zu gestatten. Bei der Revision sich ergebende Vorschriftswidrigkeiten werden nach den angeführten Gesetzesstellen mit Geldstrafe bis zu 100 Mk. oder Haft bis zu 4 Wochen, auch mit Einziehung der unvor- schriftsmaßigen Maße, Gewichte und Wagen bestraft. Um Strafen möglichst zu verhindern und das Revisions- geschaft zu beschleunigen, empfehlen wir den Interessenten, ihre der Revision unterworfenen Maße, Gewichte und Wagen vorher eichamtlich prüfen zu lassen, und machen zugleich darauf aufmerksam, daß die Prüfungen, die nur unerhebliche Kosten verursachen, bei Großh. Eichamt dahier geschehen können, und zwar für: Lollar vom 9. bis 11. und 14. bis 18. Juni d. I.; Grünberg vom 21. bis 25. und 28. bis 30. Juni, sowie am 1. und 2. Juli d. I. Ferner werden die Besitzer von festfundamentierten Brückenwagen und Wagen über 2090 Kgr. Tragkraft darauf hingewieseu, daß nach 8 68 Z. 1 der Eichordnung vom 1. Januar 1888 die Eichung der genannten Wagen alle drei Jahre zu wiederholen ist, daß weiter bei denselben das Vorhandensein der Jahreszahl dem laufenden oder einem der drei voraufgegangenen Kalenderjahre angehört. Im Interesse eines besseren Fortganges der Revisionen und um die Interessenten vor unnötigen Kosten zu bewahren, ist es unbedingt erforderlich, daß sämtliche zu prüfenden Gegenstände in gehörig gereinigtem Zustande und reparaturbedürftige Maße und Wagen er st nach vollzogener Reparatur in das Eichlokal verbracht werden. I. V.: Tr. Kranzbühler. Ncber allgemeines gleiches Wahlrecht spricht sich Rechtsanwalt Hermann Martin -Leipzig in dem von uns bereits erwähnten, bei I. F. Lehmann in München erschienenen jungliberalen Jahrbuch „Swarz-weiß-ro t" u. a. folgendermaßen aus: Die herrschende Doktrin lehrt, daß ,,die Frage, welches Wahlrecht in einem Staate bestehen sollt, nicht von vorgefaßten prinzipiellen Gesichtspunkten aus, sondern lediglich nach politischen Zweckmäßiakeiisgründen zu entscheiden fift". Diese Lehrmeinung ist offenbar falsch. Sie verkennt das Wesen des parlamentarischen Wahlrechts. Wenn das Wahl-Recht ein Recht und kein Amt ist, so kann auch die Frage, wer dieses Recht ausüben soll, nicht nach Zweck- mäßigkeitsriicksichten, sondern nur vom Rechts standpunkt aus beantwortet werden. Tas Rechtsbewußtsein entscheidet Eine Wahlrcform ist deshalb nicht mit Zweck- mäßigkeitsrücksichten, sondern nur mit rechtlichen Erwägungen zu begründen. Was für ein Wahlrecht entspricht nun unserem öffentlichen Rechtsbewußtsein? Wtzlches Wahlrecht ist gerecht? Die Antwort kann heute nur lauten, das allgemeine gleiche W a h'l r e ch t. Wenn ein Grundsatz in unserem Staatswesen Geltung erlangt hat, so ist es der: Gleiches Recht für alle. Die Gleichheit vor dem Gesetz ist eines der kostbarsten Güter unserer Zeit. Wer wollte sie heute noch missen! Sie ist uns in Fleisch und Blut übergegangen. Die bürgerliche Gleichberechtigung besagt freilich noch nicht, daß alle die gleichen politischen Rechte haben sollen. Aber von der bürgerlichen zur politischen Gleichberechtigung ist nur ein Schritt. Und diesen Schritt hat unser Volk längst getan. Hand in .Hand zogen die beiden großen Prinzipien in unser Rechtsleben ein, in den großen Reformen, die am Anfänge des vorigen Jahrhunderts das Fundament des modernen Staates legten: in der Aufhebung der Erbuntertänigkeit, der Adels- und Steuerprivilegien, der Unterscheidung zwischen „adligen und bürgerlichen Grundstücken" und in der Einführung der Gewerbefreiheit. Den größten Fortschritt machte die politische Gleichberechtigung aber in der Festlegung des Grundsatzes, daß die Staatsämter allen, ohne Unterschied des Standes und der Religion, offenstehen sollen. Wie wäre es nun denkbar, daß einem Volke, das sich neben der bürgerlichen cruch die politische Gleichberechtigung erkämpft hat, das allgemeine gleiche Wahlrecht vorenthalten bleiben oder Diedergenommen werden könnte! Denn dieses Wahlrecht ijt nicht weniger und nicht mehr, als die letzte notwendige Konsequenz der Gleichberechtigung a-ller Volksgenossen. Heinrich v. Treitschke hat das allgemeine gleiche Wahlrecht die äußerste Grenze der Unvernunft gescholten. Das aiktive Wahlrecht soll den Kreisen Vorbehalten bleiben, in denen Wohlstand und Bildung zu Haufe sind. So unum- luunden wendet man sich heute nicht mehr gegen die politische Gleichberechtigung. Das Prinzip hat gesiegt. An d.ie Stelle des Arguments ist der Sophismus getreten. Der Verlust des Wahlrechts soll eine Strafe für alle sein, d.ie sich selbst als Feinde unserer Staatsordnung be- kmnnen. Nicht besser ist der Einwand, der sich selbst in mnem modernen Lehrbuch findet, das Wahlrecht sei ja doch nirgends allgemein und gleich, denn überall seien Frauen, Kinder und Geisteskranke vom Wahlrecht ans- geschlossen. Wenn dieser Einwand triftig wäre, so würde er das Prinzip der Gleichberechtigung überhaucht treffen, er enthält aber nur die bekannte auch int bürgerlichen Recht enthaltene Ausnahme von der Regel. Diese Ausgenommenen gelten nach ihrer körperlichen Beschaffenheit nicht als vollkommen rechtsfähig. Wenn sich unser Rechtsgefühl weiter vervollkommnet haben wird, wird auch den Frauen das Wahlrecht Zufällen. .Heute stehen sie noch mitten im Kampfe um dieses Recht. Viele Berufene lassen die politische Gleichberechtigung nur insoweit gelten, als sie nicht die Existenz des Staates gefährdet. Und eine solche Gefahr sehen sie in dem Wahlrecht, das die Mehrheit zur Mitregierung beruft. Denn die Masse ist unpatriotisch- dumm, ein Spielball in der Hand gewissenloser Demagogen, regierungsunfähig. Vor allem aber sei die Masse geneigt, ihren politischen Einfluß zur Verbesserung ihrer Lebenshaltung auf Kosten des Staatswohles zu mißbrauchen. Wenn diese »Befürchtung begründet wäre, wie groß wäre dann die Gefahr in den reinen Demokratien, in der Schweiz, in Frankr ich, in den Vereinigten Staaten von Amerika, wo überall das Volk sogar Souverän ist? Die Er f ahr un g lehrt-.dagegen, daß sich das Staatswohl sehr gut mit dem allgemeinen gleichen Wahlrecht vertragen kann. Das beweist auch die Geschichte des deutschen Reichstages. Der Menschen Tun und Lassen wird zu unserm Heile von der Vernunft regiert, weil sie selbst vernünftige Wesen sind. Das gilt erst recht in politischen Dingen. Diese Wahrheit sollte christlichen Politikern besonders lieblich eingehen. Das Leben eines Volkes erscheint ihnen ja als Offenbarung Gottes. Und die Menschen selbst sind Kinder Gottes! Ein Blick auf die Entwickelung der Vereinigten Staaten von Amerika vermag jeden Zweifel zu bannen. Dort haben alle 21 jährigen männlichen Bewohner das gleiche Wahlrecht, seit 1870 sogar ohne Rücksicht auf Rasse und Farbe. Da über die Wahlfähigkeit die Gesetzgebung der Eiuzelstaaten entscheidet, dürfen hier und dort sogar Ausländer zum Repräsentantenhaus wählen. Hat man nun je eine glänzendere Entwicklung erlebt als die des amerikanischen Volkes? Die Kräfte des allgemeinen gleichen Wahlrechts erschließen sich nur dem Volke, das es zu schätzen weiß. Wir müssen uns von der Ueberzegung durchdringen und leiten lassen, daß nufer Wahlrecht ein organisches Glied unseres Körpers und keine künstliche Gliedmasse ist, die wir mühselig mit Herumschleppen. Es gleicht einem Instrumente, dem ein Meister die herrlichsten Töne entlocken kann, das aber in der Hand eines Stümpers versagt. Wenn wir die Politik des allgemeinen gleichen Wahlrechts machen wollen, so müssen wir es als einen Segen für unser Volk erkennen. Nichts lähmt die Reichspolitik, wie sie sein soll, so sehr, als das konservative Regieruugsstzstem in Reußen. Die Herstellung eines einheitlichen Wahlrechts in Deutschland ist das Haupterfordernis einer folgerichtigen und erfolgreichen Reichspolitik. Daß das Reichstagswahlrecht nicht die Schuld an dem Anwachsen der Sozialdemokratie trägt, ist eine Binsenwahrheit. „Hat das beschränkte Wahlrecht, welches in Belgien bis 1894 bestand, dieses Land vor dem Eindringen sozialistischer Lehren zu bewahren vermocht? Würde die Sozialdemokratie weniger gefährlich sein, wenn sie nicht im Parlament vertreten wäre? Die Zulassung der Arbeiter zu den politischen Rechten bewirkt immerhin, daß in den Kreisen derselben eine, wenn auch nur relative Zufriedenheit entsteht. Sie kann deshalb als ein Schutzmittel gegen revolutionäre Erhebungen angesehen werden. Unsere Arbeiterbewegungen haben niemals einen so bedrohlichen Charakter angenommen, wie dies in andern hochentwickelten Industrieländern, z. B. in Belgien und den Niederlanden, welche das allgemeine Stimmrecht nicht hatten, der Fall gewesen ist." Diese Worte Meyers in seinem Buch „Das parlamentarische Wahlrecht" verdienen in weiten Kreisen beherzigt zu werden. Das Schutzmittel leistet aber noch mehr. Nach der Niederlage bei Jena hat ein berühmter preußischer General geäußert, das Schmerzlichste au dem Unglücke Preußens sei die Teilnahmlosigkeit des gemeinen Mannes an demSchicksal des Landes. Noch jüngst hat ein preußischer Offizier im Reichstage die Lauheit des Bürgertums, seine kosmopolitische Gesinnung in jenen Unglücksjahren getadelt. Und das mit Recht. Es fehlte dem damaligen Geschlecht an Vaterlandsliebe und nationaler Gesinnung. Von dieser Erkenntnis durchdrungen hat ja Stein damals ein neues Regierungssystem gefordert „welches der Nation eine wirksame Teilnahme an der Gesetzgebung zusichert, um hierdurch den Gemeinsinn und die Liebe zum Vaterlande dauerhaft zu begründen". Damals ist der Wert des gemeinen Mannes zum crftenmale erkannt worden. „Welche unendlichen Kräfte schlafen im Schoße einer Nation unentwickelt und unbenützt. In der Brust von tausend und abertausend Menschen wohnt ein großer Genius, dessen aufstrebende Flügel seine tiefen Verhältnisse lähmen", rief damals Gneisen au aus. Diese Kräfte sind damals zur politischen Freiheit erweckt und dem Vaterlande nutzbar gemacht worden. In der Zeit größter nationaler Not, als alle Hilfsquellen erschöpft waren, entdeckten weitblickende Staatsmänner und warmherzige Patrioten das deutsche Volk, Damals wurde der Grund zur deutschen Volksvertretung, zum konstitutionellen Regierungssystem gelegt. In den Gedanken und Erinnerungen erzählt Bismarck, daß er das allgemeine gleiche Wahlrecht als eine Waffe int Kampfe gegen Oesterreich, weiteres Ausland und für die deutsche Einheit betrachtet habe. Der historische Moment, in dem er seine ganze Kraft für dieses Wahlrecht ein setzte, erinnert an die Zeit, in der Stein den lieber gang zum repräsentativen System empfahl. Große Dinge waren im Werk und Werden. Der deutsche Krieg stand vor der Tür, und nach dem Siege galt es, ein neues nationales Gemeinwesen zu errichten und gegen Feinde von außen und innen zu verteidigen. Da war wiederum der Moment gekommen, wo es darauf ankam, den Gemeinsinn und die Liebe zum Baterlande dauerhaft zu begründen. Heil dem Lande, das sich in der Zeit der Not auf die nationale Gesinming seiner Söhne verlassen rann. Was ein solches Volk in Waffen zu leisten vermag, beweisen die Japaner. Sie sind geradezu unheimlich in ihrer bedingungslosen Hingebung an den Staat. Die nationale Gesinnung ist für den Waffenerfolg noch wichtiger als eine gute Waffe und eine vorzügliche Schießausbildung, denn sie beherrscht den Willen, der die Waffen gebraucht. Mit dieser Gesinnung gilt es, die Menge schon im Frieden ru erfüllen. Wir sino gewöhnt, unserx höchsten nationalen Guter in das Sprüchlein zusammenzufassen: Vaterland, Altar, Thron. Als ebenbürtiges viertes Gut hat hinzuzutreten: WohlfahrtdergroßenMengedesVolkes. Wenn unsere Politiker von diesem Ideale erfüllt wären, wenn sie die Geschäfte des Landes in diesem Sinne leiteten, brauchte sich Deutschland weder vor dem roten, noch vor einem anderen Gespenst zu fürchten. Aber soweit sind wir heute leider noch nicht. Wir massen erst unser soziales Ideal mit unserm Rechtsideal in Einklang bringen. Komische Tagesschau. Zur Wahlrechtsreform. In Hessen und Baden, den beiden benachbarten Groß Herzogtümern, das gleiche Bild. Unsere Darmstädter Redaktion meldete uns gestern die Annahme der Resolution Osann durch den Lande8- ausschuß der nationalliberale-n Partei. Danach soll der neue Wahlreformgesetzentwurf nur in Verbindung mit einer Blenderung der Wahlkreiseinteilung im Einverständnis mit der Regierung zur Verabschiedung gebracht werden. Daß die Aenderung der Wahlkreiseinteilung ein Bedürfnis ist, haben wir bereits wiederholt ausgeführt. Es ist auch nicht mehr als recht und billig, daß alle Wahlkreise die gleiche Bevölkerungszahl haben. Die Regierungsvorlage steht für Oberhessen 17, für Starkenburg 22 und für Rheinhessen 16 Abgeordnete vor; der Antrag des Dr. Gut- sleisch geht dahin, daß Oberhessen und Rheinhessen je 18 und Starkenburg 24 Vertreter zu wählen haben. Der national- liberale Ausschuß schließt sich der Regierungsvorlage in Bezug auf die Wahlkreiseinteilung an, hält es aber für angebracht, zur Frage der direkten Wahl und der Kautelen überhaupt keine klare Stellung zu nehmen. Offenbar hat sich der Einfluß des Frhrn. v. H e y l innerhalb des AuSschuffes sehr geltend gemacht. Die prinzipiellen Anhänger des allgemeinen direkten Wahlrechts waren wohl in der Minderheit, mögen auch manche praktischen Bedenken gehabt haben, und so hat man denn eine sehr vorsichtige Resolution zu stände gebracht, die wohl von der nationalliberalen Landtagsfraktion ausgenommen werden wird. Die Zweite Kammer wird sich also wahrscheinlich mit dieser Resolution zu besaffen haben, und das Ende von dem, von der Regierung so schön intonierten Liede wird sein, daß angesichts der großen Verschiedenartigkest der Wünsche innerhalb der einzelnen Provinzen, Städte und Gegenden und sogar innerhalb der einzelnen Parteien die ganze Wahlrechtsvorlage in weiteste Ferne gerückfwird. Man hat jüngst den Antrag der Herren Dr. Heidenreich u. Gen. auf Vertagung zum Herbst abgelehnt und wird nun doch den Entwurf, über den man so lange hin und her beraten hat, für den man unendlich viel Zeit aufgewendet hat, zu Fall bringen oder dilatorisch behandeln. Vergebens wird die ganze Arbeit, vergebens wird die Erzeugung von Hoffnungen gewesen sein und der Versuch der Erweckung allgemeinen Interesses an der hessischen Staats- wirtschaft. Auch in Baden, wo die Erste Kammer das Hindernis bildet, ist nicht abzusehen, ob und wann die Wahlrechtsreform zur Tatsache werden wird. Die Verfaffungskommission der Ersten Kammer soll in ihrer Mehrheit entschlossen fein, die Wahlrechtsvorlage in der von der Zweiten Kammer fast einstimmig angenommenen Fassung, als viel zu weitgehend, glatt abzulehnen, und es erscheint unter diesen Umständen äußerst zweifelhaft, ob Staatsminister v. Brauer einen Ausgleich der Gegensätze wird herbeiführen können. Daß aber die glatte Ablehnung politisch ein überaus unkluger Schritt der Ersten Kammer fein würde, der sich bitter rächen könnte, bedarf keiner besonderen Betonung. Das badische Volk — so heißt es recht zutreffend in einem Warnruf, den die „Straßb. Post" soeben veröffentlicht — würde gerade in seinen breiten, staats- treuen und monarchisch gesinnten Schichten es nicht verstehen, wenn die Versaffungsreform scheitern sollte an dem Widerstand der Regierung und der Ersten Kammer gegen das Verlangen der Zweiten Kammer, daß das alte, politische Vorrecht der Volksvertretung in Staatsfinanzsachen im wesentlichen ungeschmälert bleibe. Die Konservativen und das Neichstaqswahlrecht. Wer entsinnt sich nicht, mit wie kräftigen Worten vor den Reichstagswahlen jede Antastung des Reichstagswahlrechts nicht nur als etwas Undurchführbares, Unmögliches, sondern auch als töricht und verhängnisvoll bezeichnet wurde? Da die rechtsstehenden Kandidaten besonders häufig dem Vorwurf ausgesetzt waren, sie führten die Abänderung des Wahlrechts im Schilde, so wurde von der Rechten vorzugsweise Wert darauf gelegt, diese angeblich durch nichts gerechtfertigte Besorgnis, die natürlich die Chance des Wahlsiegs sehr zu vermindern geeignet war, eifrig zu zerstreuen. Aussprüche aus früherer Zeit fanden eine harmlose Deutung. Zum Ueberfluß wurde hier und da schriftlich gegeben, daß der Mahlkandidat, dieser als maßvoll bekannte und erprobte Mann, nichts mit solchen, in ihrer Wirkung gar nicht abzu- mesienden Plänen zu tun habe. Und heute? Heute spricht es die „Kreuzztg." gelassen as: „daß die gegenwärtigen jammervollen Zustände im Reiche nicht zum geringsten dem bestehenden Wahlrechte zuzuschreiben sind." Dies Urteil habe allerdings zunächst nur akademische Bedeutung. Warum denn aber dies fortgesetzte Spiel mit Theorien, das einem Spiel mit dem Feuer sehr ähnlich sieht. Würde nicht damit doch der praktische Zweck verfolgt, maßgebende Stellen für ein „entschlossenes Zugreifen" zu gewinnen? Parlamentarisches. Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 6. Juni: Reichstag und preußischer Landtag öffnen morgen, Dienstag, ihre Pforten wieder. Daß die Beratungen nicht von langer Dauer sein werden, versteht sich beim Reichstag fast von selbst. Der Sonne Glut macht die Reichstagsflucht vollständig. Da die Entscheidung der Regierung für Vertagung, statt, wie es zuerst hieß, Schluß des Reichstags, gefallen ist, wird wohl nur das dringlichste noch erledigt werden. Daß die Kolonialbahn-Vorlage dazu gehört, ist zweifelhaft geworden. Da? diätengesegnete Abgeordnetenhaus will bis zum 1. Juli ausharren. Das Hauptstück der Entwürfe, die Kanalvorlage, kommt aber erst im Winter zur Entscheidung. Rur eine Lesung soll in der Kommission stattfinden, um die Regierung über die Wünsche der Parteivertretungen zu unterrichten. An Wünschen, besonders nach Ausgleichungen für die Kanalbauten, wird es keinesfalls fehlen. Und bis zum Dezember erscheint noch so mancher Nachtrags-Wunschzettel. Die Orientierung ist also keine vollständige. Aer Krieg zwischen Japan und Iußland. Untergang eines russischen Kanonenboots. Eine Meldung des Reuterschen Bureaus aus Tokio besagt: Torpedojäger, welche Port Arthur an der Ostküste bewachen, berichten über den Untergang des russischen Kanonenbootes von dem Typ Giljak. Dasselbe sei am Samstag abend in der Nähe von Chintaoschan gesunken, das Kanonenboot sei mit einem anderen Kanonenboot, einem Torpedojäger und anderen Dampfern damit beschäftigt gewesen, die in der RheHe gelegten Minen zu zerstören. Als die Explosion erfolgt war, beeilten sich die übrigen Schiffe, den Hafen zu erreichen. Admiral Togo sprach die Ansicht aus, daß die Explosion einer japanischen Mine zuzuschreiban sei, der Name des zerstörten Schiffes ist unbekannt. Weiteres vom Kriegsschauplätze. Llus Liaujang meldet vom 6. Juni Reuter: An der Ostküste der Halbinsel Liautunglandetnoch einejapa- nischeArmee,um dem russischen Vormarsch von Daschitschiao gegen die Nachhut des Generals Oku entgegenzutreten. Die Japaner haben den Plan eines Angriffs auf Liaujang, falls sie denselben überharcht gehegt haben, offenbar aufgegeben. Die in zwei bis drei Wochen anhebende Regenzeit würde den Vormarsch unmöglich machen. Inzwischen halten Kosaken Fühlung mit den japanischen Vorposten, während eine andere Abteilung den rechten Flügel des Generals Kuroki nördlich vom Jalu im Auge behält. Ter Gesundheitszustand der Truppen ist überall bemerkenswert gut. Es kommen keine Fälle von ansteckenden Krankheiten vor und nur wenige Falle von Darmstörungen. In Liaojang ist anhaltend das Gerücht in Umlauf, daß Ae Russen einen erfolgreichen Ausfall zur See aus Port Arthur gemacht haben. Das Reuterfche Bureau meldet aus Petersburg, ein ausländischer Offizier, welcher sieb bei den russischen Truppen in der Mandschurei befindet, berichtet. General Kuropat- kin und sein Stab begaben sich mit der Eisenbahn nach einem Punkte zwischen Haitscheng und Taschitschiao, 60 Werst südlich von Liaujang. Mehreren fremden Militärattaches, darunter den beiden englischen Oberst Waters und Major Thume, wurde von den Russen gestattet, sich südwärts zu begeben. Einige dieser Offiziere hoffen sich den Kosaken anzuschließen. welche nördlich von Kintschou in Fühlung mit den Vorposten der Japaner sind. Aus Tientsin meldet Reuter vom 6 Juni: Die Russen haben Hsimmintu und dcft'en Nachbarschaft geräumt. Es heißt, sie seien im Begriff, sich mit den Truppen auf der nach Mukden führenden Straße zu vereinigen. Heute früh wurde in Niutschwang heftiges Feuern aus der Richtung von Liaujang gehört. In Bestätigung früherer Nachrichten wird dem „Berl. Tagebl." aus Mukdcn telegraphiert: Tie japanische Hauptmacht verschanzt sich in der Gegend von Föngwangtschöng. Angeblich sind die Japaner von Kintschou in nördlicher Richtung zurückgegangen. Jedenfalls ist ein Umschwung der Kriegslage eingetreten. Es scheint, als ob an verschieden m Punkten des Kriegsschauplatzes die Vorwärtsbewegung des russischen .Heeres begonnen habe, dessen Lage sich täglich verbessert. Die Verluste der Japaner in den Kämpfen von Kintschou sind außerordentlich hoch und betragen angeblich 15 000 Mann. Das Reiter-Gefecht bei Wasangfou. Ein Telegramm Kuropatkins an den Zaren vom 4. Juni meldet Einzelheiten über das Gefecht bei der Station Wafangou am 30. Mai: (Sine aus Dragonern und Kosaken bestehende russische Kavallerieabteilung mit einer Batterie erhielt, als sie von Wändsialin vorrückte, am 30. Mai mittags 5 Werst vor der Station Wafangou die Meldung, daß zwei Grenzwachsotnien sich mit dem Feinde, der beim Dorfe Judsiatum eine Stellung besetzt hielt, im Kampfe befanden. Die Kavallerieabteilung rückte im Trabe gegen Wafangou vor und sandte zur Unterstützung der Grenzwachtruppen zwei Eskadron Dragoner ab. Zum Schutze des rechten Flügels und zur Rekognoszierung nach dieser Seite wurde von der Llbteilung eine Sotnie und eine Freiwilligen- Abteilung nach dem Tale des Flusses Futschou detachiert, die nach Beendigung dieser Aufgabe den rechten Flügel der russischen Aufstellung bildeten. Gegen 1 Uhr nachmittags begann der Feind in bedeutender Stärke aus Judsiatum hervorzubrechen um die russische Vorhut anzugreifen. Zwei Sotnien sibirischer Kvsaken überschritten nun die Eisenbahn und griffen zu Pferde eine Eskadron der japanischen Vorhut an und rieben sie im Handgemenge fast ganz auf. Nachdem hierauf die Kosaken vom Feuer zweier abgesessener Eskadronen und von Maschinengcwehrfeuer empfangen worden waren, zogen , sie sich zurück und lockten eine sie verfolgende zweite japanische Eskadron auf die Freiwilligenabteilung. Diese konnten hintereinander 8 Salven abgeben. Die Eskadron machte unter großenVerlusten Kehrt. Eine dritte japanische Eskadron, die von links vorrückte, geriet unter das Feuer einer abgesessenen Grenzwach so tnie und machte darauf ebenfalls in V c r w i r r- ung Kehrt. Auf dem linken russischen Flügel befanden sich während dieser Zeit die Dragoner, die der Beschaffenheit des Geländes wegen an dem Kamp'e zu Pferde nicht teil- nehmcn konnten, auf den Höben nördlich von Judsiatun im Kampfe mit dem Gegner. Sie bemerkten eine l'mgehungs- bewegung der letzteren von der linken Seite und zogen sich auf die zweite Stellung zurück, nachdem sie die Aktion der Kosaken vollständig gesichert hatten. Gegen halb 2 Uhr nachmittags nahm eine russische Batterie Stellung und eröffnete ein e^folgreick"s Feuer arc d-e Jnfant r'e und die Maschinengewetr' s "ejnd-s ? nzw s en r r i B w g ng der japanischen I ifcn.erie nach "udsi tun festgestellt G g. n 2 Uhr erschienen dann dickte Jnfanteriekcttcn auf denHöhen, die vorher die Dragoner besetzt gehalten hatten. Auf russischer Seite sind ein Offizier schwer, einer leicht verwundet, drei Mann tot, neun schwer, 23 leicht verwundet. Tie Verluste der Japaner sind bedeutend. Aus einer bei einem gefallenen japanischen Unteroffizier gefundenen Meldung geht bervor, daß das 14. Regiment 70 Mann verloren hat. Ein Gefecht bei Chedsiapuden. Einem weiteren Telegramm Kuropatkins vom 5. Juni zufolge wurden am 3. Juni Kosakenabtcilungen von dem Feuer japanischer Infanterie empfangen, die auf den Höhen beim Torfe Chedsiapuden Stellung hatten. Bei Beginn des Gefechts versuchten die Japaner durch das Tal Keulensvhe vorzugehen, wurden ab r durch das wol'lgezielte Feuer des Geschützes, das die Kosaken auf Stellung bringen konnten, aufgehalten. Tie Kosaken saßen ab und zwangen, unterstützt durch inzwischen herangekommene ?lbteilungen und durch das Feuer zweier Geschütze, die Japaner, ihre Stellung aufzugebm und sich zurückzu-iehen. Tas Gefecht dauerte von 1 bis 6 Uhr nachmittags. Es nahmen 6 japanische Kompageien an demselben teil. Die vom Feinde errichteten Schanzen waren sehr sorgfältig aufgeführt und gut markiert. Das Feuer der russischen G">ckütze trug wesentlich zum glücklichen Ausgange des Gefechts bei. Russischerseits 1 Offizier tot, 2 Offiz-ere und 13 Kosaken verwundet. Tie Verluste der Japaner sind nicht genau festgestellt, aber bedeutender als die russischen. Japanisches. Eine Anzahl von Beförderungen unter den höchsten Offizieren des japanischen Heeres und der Marine wegen verdienstvoller Leistungen im Kriege wird fttzt veröffentlicht. Privarmeldnngen zufolge soll General Kuroki an Typhus erkrankt sein. Ein Newporker Blatt berichtet aus Tokio, der japanische OffizierOda habe einncuesTorpedo, welches automatisch wirke, erfunden. Dasselbe setze die Japaner in Stand, die russische Flotte in kürzester Zeit zu vernichten. Das Gesckoß soll auf eine Entfernung bis zu 150 Meilen wirken und den schwersten Kreuzer bei der Explosion 300 Meter hoch in die Luft heben. Augenblicklich soll der Offizier 15 dieser Torvedas fertiggestellt haben. Der Preis eines solchen Torpedos stelle sich auf 20 000 Dollars. Der Offizier soll geäußert haben, nach seiner Ansicht werde das Torpedo in Zukunft einen Seekrieg unmöglich machen. Russische Kriegsmüdigkeit? Der militärische Mitarbeiter der Pariser Zeitung „Petit Re- publigue" berichtet über ein Gespräch, das er mit einem ihm befreundeten russischen Marineoffizier gehabt haben will (!), welcher der russischen Botschaft sehr nahe steht, aber nicht der russische Marineattachee sei. Der Betreffende soll gesagt haben, das Volk ist des Krieges müde, der nur infolge einer unerklärlichen Neigung des Zaren für Alexejew noch fortdauere. Alexejew sei einer der jämmerlichsten Admirale, die die russische Flotte je besessen habe. Port Arthur dürfe absolut nicht in die Hände der Japaner fallen, leider sei aber dieser Ausgang unver-meidlich und weder die Energie der Garnison noch die zur Verfüguug stehenden Berufsmilitärs könnten ihn lange verzögern. Ich bin in der Lage zu erklären, sagte angeblich der Offizier, daß wir gegenwärtig in Rußland nur noch auf eine Intervention des Königs von England warten, um die Friedens-Pröliminarien zu diktieren. Der Preis wäre die E i n st e l l u n g des Marsches russischer Truppen auf Herat und Kabul und die Ergänzung der englisch-japanischen Allianz durch weine englisch-russische Abmachung. Wenn wir dieser Kombination zustimmen, so bedeutet die Okkupation der Marine durch Japan die Strafe für unsere Unklugheit. Es ist besser Frieden zu schließen, als unnötig viele Menschen und Millionen zu opfern. Aus Charbin kommt indessen folgende Meldung: Der Geist der russischen Truppen ist ungebeugt. Zahlreiche Verwundete vom Jalu sind wieder gesund geworden und kehren zur Front zurück. Eine Besserung der Lage wird nach Eintreffen aktiver Truppen erhofft. Tie Haltung der Chinesen ist verdächtig. Frauen und Kinder verlassen Charbin. Der Wiener „Allg. Ztg." zufolge äußerte ein dort auf der Durchreise begriffener, mit russischen Verhältnissen vertrauter Diplomat, daß, falls der Krieg längere Zeit andauere, in Rußland der Ausbruch einer schweren Krisis unvermeidlich sei. Offiziös wird aus Petersburg bekannt gegeben: Der Kaiser befahl die Mobilisierung des unter dem Befehl des Generals Baron v. Meyendorff stehenden ersten Armeekorps, von dem ein Teil in Petersburg und Umgegend liegt. Der Aufstand in Aeutsch-Südrvestafrika. Der Seesoldat Friedrich Kind ist im Feldlazarett in Okahandja am Typ hus gestorben. Oberleutnant Müller, Kommandeur des 1. Feldregiments der Schutztruppe für Südwestafrika, traf am 6. d. Mts. zur Meldung beim Kaiser in Berlin ein und reiste alsbald nach Hamburg ab, um mit dem Major Osterhaus, Kommandeur der 1. Feldartillerie-Abteilung für Südwestafrika, heute, am 7. d. Mts., auf dem Dampfer „Schleswig" die Ausreise nach dem Schutzgebiet anzutreten. Deutsches Keich. Berlin, 6. Juni. Ein Besuch des Kaisers am herzoglichen Hofe in Dessau steht, gutem Vernehmen nach, im Laufe dieses Monats bevor. Wie verlautet, beabsichtigt der Monarch, den dem .Herzog Friedrich von Anhalt verliehenen Schwarzen Ablerorden persönlich zu überbringen. — Der langjährige hiesige Vertreter der „Köln. Ztg.", Geheimer Justizrat Dr. Franz Fischer, ist heute nachmittag nach langem Leiden g e st o r b e n. — Unter dem Vorsitze des Hüttenbesitzers Vcpelius-Sulz- bach fand die konstituierende Versammlung der Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände statt. — Der Deutsche Verein für Frauenstimmrecht hielt eine öffentliche Versammlung ab, um die fremden Delegierten des neubegründeten Weltbundes für Frauenstimmrecht zu begrü'en. Es sprachen Frau Cauer, Fräulein Dr. Augspurg. Mr. Chapman Catt und andere. Magdeburg, 6. Juni. Tie Hauptversammlung des Deutschen Verbandes kaufmännischer V er e in e b'gann heute. Als Vertreter der Regierung war Oberpräsident v. V'llticher mit mehreren Räten erschienen, als Vertreter des Han d l'm nisters war Regier- ungsrat Tr. Tunken 'ngegm. Nach Er f'nung der Verhandlungen wünsckte Ob'rpräs'dent v Bötticher dm Verhandlungen einen guten Verlauf und gedachte in seiner Rede der Verdienste des verstorbenen Präsidenten des Statistischen Amtes Tr. Will elmi. Ten ersten Vortrag hielt Tr Arndt- Frankfurt über Handelshochschulen. — Im Hotel K iserhof fand eine zweitägige Delcg: wtenversammlung des Kaufmännischen Vereins für weibliche .Handelsan gestellte statt. Ten Vorsitz führte Frau Pro^hl aus Frankfurt a. M. Vertreter hat en ge-audT Berlin. Breslau, Hamburg. Königsberg. Stntt'art, Cassel. Dresden, München, insgesamt 3l Städte mit 30 000 Veebandsnü gliedern. Zur Annahme gelangte u. o.: 1. ein Antrag auf Errichtung einer Zentrale für den Stellennachweis, 2. ein Antrag aus Einführung des Fortbildungsschulunterrichts für weibliche Angestellte. Dresden, 6. Juni. Bei dem König wiederholten sich im Laufe des gestrigen Tages die Anfälle von Darm- ko l i k. Der König ist genötigt, auch fernerhin das Bett zu hüten. In der Nacht wurde er durch nervöse Unruhe mehrfach gestört. Fieber ist nicht vorhanden. Die Herztätigkeit ist regelmäßig und kr 'ftig. Die Reise n a ch Ems muß bis aus weiteres verschoben werden. Straßburg, 6 Juni. Nach der amtlichen Feststellung sind bei der S t i ch w a h l z u m R e - ch s t a'g am 2 Juni im Wahlkreise Straßburg-Land 18 0’5 Stimmen abgegeben, von denen 65 ungültig waren. Es erhielten Recktsanwalt Blumenthal-Colmar lelsaß-lothr. Volksp. 9386, Redakteur Hauß (klerikale Lan^esp.) 8624 Stimmen. Blumenthal est somit gewählt._______________________________ Ausland. London, 6 Juni. Die ,,St. James Gazette" bespricht den Besuch König Eduards in Kiel und erklärt, es sei unnütz, daß die deutsebe Presse allerlei politische Znrunfts- träume an diesen Besuch knüpft. Man köune doch nicht aus der einen Seite Freundschaft, und auf der dritten Seite Feindschaft hervorkehren. Je früher Deutschland dies versteht, je eher wird eine Versündigung möglich sein. — Unterhaus. Auf eine Anfrage, nb die Regierung Rußland wegen der Bekanntmachung über s: r i e gs ko n 1 re- ban d e oder wegen der sckwimmendcn Minen und den Gebrauch neutraler Häfen als Marin, basen Borstellungen machte, erwidert Balfour, der gegenwärtige Krieg habe eine Reihe von neuen schwierigen völkerrechtlichen Fragen ausgeworfen. Tie ganze Angelegenheit werde von der Regierung sorgfältig erwogen. Er glaube aber nicht, daß irgend ein öffentliches Interesse vorliege, den gepflogenen Meinungsaustausch zu veröffentlichen. Paris. 6. Juni. Kammer. Tas Haus setzt bit Beratung der Militärvorlage fort. Vaillant (Soz.) tritt für die Gegenvorloge ein, wonach das stehende Heer durch nationale Milizen ersetzt werden soll. Ter Berichterstatter legt dar. daß Vaillants Vorschlag undurchführbar sei. und erklärt, sowohl Regierung wie Kommission lehnten den Antrag Vaillant ab. Dieser wird sodann mit 506 gegen 68 Stimmen vom Hause abgelehnt. Rom, 6. Juni. Dem Senate lag heute das berichtigte Budget für 1903/1904 zur Genehmigung vor. Im Laufe der Debatte erklärte Schatzminister Luzzatti, voraussichtlich werde das Budget einen aktiven Ucbcrscl'uß von 18 bis 20 Millionen ergeben. Tas ' italienische Budget sei das einzige Europas, das ohne Zuhilfenahme des Staats- kredits ausgestellt sei. Tie Lage des Staatsschatzes sei gut und die Kassenverhältnisse, da 200 Millionen verfügbar seien, vortrefflich. Budapest, 6. Juni. In der ungarischen Delegation wurde die Beratung des H e e r e s b u d g e t s fortgesetzt. Nach kurzer Spezialdebatte wurden Heeresordinarium und Extraordinarium angenommen und der außerordentliche Kredit von 8 8 Millionen Kronen bewilligt. Wien, 6. Juni. Anläßlich des für geiteru im steirischen Bade Tüffer angesetzten Besuches des Fürstbischofs Napotnik kam es zu Ausschreitungen der Slowenen gegen die deutsche Bevölkerung. Die Gemeindevertretung hatte bae Aushängen slowenischer Fahnen untersagt. Trotzdem wurde am Betreiben der Geistlichkeit auf dem Kirckturm nachts eine national? Fahne gehißt. Ter Bürgermeister ordnete die Herabnahme bet Fahne an, worauf die slowenischen Bauern mit der Fahne zuni Brauhaus zogen, um sie dort zu befestigen. Tabei kam es zu großen Schlägereien. Tie Deutschen wurden durchgeprügelt, zwei Kinder verwundet.' Tie Unruhen dauerten den ganzen Tag. Die Gendarmerie nahm zahlreiche Der Haftungen vor. Sofia, 5. Juni. Nachrichten aus Macedonien zufolge werden dort neuerliche Greueltaten seitens der Türken an der christlichen Bevölkerung verübt. Besonders in Kruschewo im Bezirk Monastir richtete eine RäuberbandeVerheerungen an. In Ochrida sei Hungersnot ausgebrochen. Der Miniftcr- Präsident sagte einer Deputation von Flüchtlingen aus Ochrida, welche Unterstützung erbat'n, besondere Berücksichtigung seitens der Regierung zu. Hingegen lauten die Nachrichten aus den Bezirken, wo die ausländischen Gendarmerieofiiziere ihre Tätigkeit aui- genommen haben, sehr befriedigend. Selbst hiesige macedoniscke Kreise geben zu, daß sich die Lage der Bevölkerung wesentlich gebessert habe. Aus Stadt und Kand. Gießen, 7. Juni 1904. ** Im Militär-Wochenblatt lesen wir in der Nachweisung der vom 1. Januar bis Ende März d. Js. bekannt gewordenen Todesfälle von pensionierten und ausgeschiedenen Offizieren u. a.: Arndt, Leutnant a. D., zuletzt im Jnf.-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hessisches) Nr. 116, Wagner, Major a. D., zuletzt Kompaqniechcf im damal. 3. Großh. Hess. Jnfanterie-(Leib-)Regiment Nr. 117, Westernacher, Oberleutnant a. D., zuletzt im 4. Großh- Hesi. Infanterie-Regiment (Prinz Karl) Nr. 118, Freiherr v. Kettler, Rittmeister a. D., zuletzt Eskadronschef im 1. Großh. Hesi. Dragoner-Regiment (Garde-Trag.) Nr. 23, Dr. Zabel, Oberstabsarzt a. D., zuletzt Negimentsarzt des 1. Großh. Hess. Feldart.-Negts Nr. 25. ** Personalien. S. Königs. Hoh. der Großherzog haben dem Pfarrer Karl Han stein zu Horrweiler die evangelische Pfarrstelle zu Bauschheim, Dekanat Groß-Gerau, übertragen; dem Diener des deutschen Hilfsvereins in Pari», Jakob Junk aus Michelbach, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Dienste^ verliehen und den E T »ä» Ae (jenuib d 6 t9ffen bean S-M l»”'®1? efrcdti off*" VT at5 3n>«i"9,.,ib grt, 9er B«! «eieiligte sich einet W tinbm, m< Gesängen und m sicht. $«"" w man |N i“m 91" * pldigungS Si* des Beck rede. Um 7 Uhr nach Mainz. Der Ktn! «fahren heute au- lagsabg- Köhler lichten Vorwürfe waren, Strafan erhoben worden ist im hessissen Landt teilten, d.n Wortlo in der .Landpost", vorn Staatsanwalt ]. Großen-l fame Versammlung Leihgestern und C nahmen: Kreisamtn ein Vertreter der E stand der Verhandl hiesigen Haltest großen Orte und merke hat sich der S daß die Anlagen ur eine Erweiterung n Leihgesterner ®em< Linden führt, so bk ländeankauf, bezw. gestern hierauf nich hingen tonnte eine )(Grünberg ßiiitation der [ welche sich die Bezft dezirks Gießen anschl Gießen, Lich, üoll erschienen. — Da? Bezirks Grünberg 1 6- Juni zu Stan Fahnenweihe des d R-B. Darms sticht fand heute Forderungen im Ko Der Kontra gab eine WHte Gesamtergel ganz beendet «wen als Wert de morden, während srzielt wird und de ,llllune stch auf 10; «tnmfter schätzt b Dorl)onbenen Grund Kl- °u, 'Vur ’0ncn angk r- J. lon nicht Ql Aschen Banken, fer™'*9'' t Metzlar 6 !nmÄ J den soll Ter SBertfr sag undurchführbar fei. || swn lehnten den Antrag il 06 gegen 68 Stimmen M y beute das dnWql. | ng vor. fim $ouje W i, voraussichtlich W m 18 bis 20 Million^ *| 3et sei das tinzii < obmt des Stftote \\ es Staatsschatzes |et s- ff Mionen verfügbar Iw jj uischen Delegation p' fortgesetzt 'M M m und Eltraocknm- trebit von 88 Mill mr aesrern j loroencn gegen » ^ndevertretimg ,qt. rrotzdem neu u | Ln nachts eincnoL-| nett die 5erab*J uern müder W.l sgebrocheu. * Mchttingeu w. v s L- -L VevnrLschtes. • Trier, 6. Juni. In Sensweiler ermordete der 72jährige Müller Storr seinen 75jährigen Bruder. * Bremen, 6. Juni. Auf der Weser ertranken drei Personen, darunter Vater und Sohn vor den Augen von Frau und Mutter. * Zürich, 6. Juni. Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich gestern hier bei der Hauptprobe zu Arnold Otts großem Vol^sschauspicl „Karl der Kühne und die Eidgenossen", für dessen Aufführung in Wiedikon-Zürich eine eigene Spielhalle erbaut wurde, ereignet. Ein Mitwirkender wollte nachsehen, ob ein Mörser geladen sei, als er sich aber über die Mündung beugte, krachte der Schuß und zerschmetterte ihm den Sckädel. * Rom, 6. Juni. Der Direktor des Nationalmuseums in Neapel, PaiS, ist wegen Unregelmäßigkeiten in der Verwaltung ab gesetzt worden. Das Defizit soll 3 0 0 0 0 0 Lire betragen. * Newyork, 6. Juni. (Reuter.) Heute morgen explodierte eine beträchtliche Menge Dynamit unter dem B a h n ft e i g auf der Endstation der Florence- and Cripple- Creek-Eisenbahn, im Staate Colorado. 16 Personen wurden getötet, neun tödlich verwundet. Es waren sämtlich nicht zur Gewerkschaft gehörige Bergleute, welche gerade ihre Arbeit verlassen hatten und auf den Zug warteten, der sie nach Hause B‘B; J WA pcn|W^fl.SJ iSÄSI 85. ... yn? Kunst und Wissenschaft. — „Andreas Kraft" ist, wie wir schon mitteiltcn, der Titel eines dreiaktigen Dramas, das der in Paris lebende hessische Novellist Wilhelm Holzamer vollendet hat. Die Gestalt des Helden, eines alten Lehrers, ist denen, die 5^olzamers Novellen kennen, vertraut. Tas Stück behandelt den Kampf zwischen Schule und Kirche in der sogenannten „Reaktionszeit". Es ist nicht uninteressant, daß der Dichter in dem Drama einen Konflikt verwertet, der sich in seiner eigenen Familie abgespielt hat. Sandel und Uerkehr. UolksVirtschast. Neue hessische Staatsanleihe. Die neue 3 proz. hessische Staatsanleihe von 9’_> Mill. Mark wurde einem Konsortium zu 87.43 Prozent zugeschlagen, das sich aus der deutschen Bank in Berlin, den Banll)äusern Lazard Speyer-Ellissen u. Jacob S. H. Stern, sowie der Deutschen Vcreinsbank in Frankfurt a. M., der Württembcrgisehcn Vcreinsbank in Stuttgart, der Hannoverschen Bank und der Oberrheinischen Bank in Mannheim zusammensetzt. Freibank. I Gesalz. Ochsenflcisch 30 Pfg. | Schweinefleisch 40 Pfg. 5013 BerLraueuSmaun, iveldjer noch über frereZeit verfügt, wünscht Nebeubeschäft. durch Beitragen von Büchern, Ausschreiben von Rechnungen oder bergt. Offerten unter 03236 an die Exp. d. Bl. ^oichte Beschäs- + tigung in Gießen oder Umaegend sucht ein junger, fleißiger Mann (Invalide). Zu erirag. in der Exp. d. Bl. [4941 Stcüegesuch! Für ein junges Mädchen, welch, z. Z. ausm.dient, wird z. 1. Juli Stelle siir Stiche u. Hausarb. gesucht. Gesl. Offert, lint. 4958 an die Exp. d. Bl. erb. ausgeführt von der 4953 Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pfg. im Gartenlokal statt. 5000 aus geführt von der Militärkapelle. 5010 Eintritt 25 H»fg. H. ESges WsMioa Karlsruhe enwsiehlt zum Besuche 14563| Biarl Dorfrld. An nächste» in Giessen Mittwoch den 8. 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Nh Ter bayerische bi Würzburg hat, bayerischen Landtage 'n der Universitätssta dabei (vergl. unsere Damen, die er ku digte die Würzburge '^>re Töchter an Tie meisten Würzbur ^Abgeordneten ve> minieren. Als sich nun A Ezbnrger Frauen fflm 'hm doch wohl kopiert hatte. E Aatt, der in Würzbi 'nne Nede nur iudrucken. In nachgewiesen, daß er entfernt oder d Memminger h( treten muffen. 9 °"nung d" L treffend. ntm' .. l'n^nn ii fchin5'"'ri^ l'ch S die Dorhn k 9 ""'er cin?t j"61e" ESjä hX 5. kauf for ',nil St. «ebätf r^^ritt des 1 JNe und bka^^^nden N, noch Ur fein V?t;: M 1 , Anzeige' ^l^£anOfflr des ^T0^cr’ Ter Kaiser ein und wurde an L dem Erbgroßl Krikgcr. md leitet, wa bkg°ba» Ä M AM-rs rttei1 schwa^'n u siüßen d.e Fns L «nnbffönbe. r aliedern des Staa scbaft und des ? treter von F-ur tfi träger fanden sich am Sarge nieder, der Kaiser mit bei und die großherz nahmen -eben her aesang und der Leichenrede über d die Energie und A ein Charakter vob sei und seine Bund Liderhall hcrbe es daß der nunmel klamation an und Reich so w sang und dem Sec die Fürstlichkeiten Schlosse teil. Ter Kaiser ver' Oberhofmarschall i zweiter Klasse mit den Kronenorden z Tewih und dem Kc orden dritter Klass Leibarzt Sanitätsri Ter Kaiser ist Ler GroWrzog u Kaiser zur Bahn, 1 lichste verabschiedet liuuvrnuetnt