Die heutige Kummer umfaßt 8 Seiten. die einer neuen Bewegung Rültzuaslinie zu sichern. Aus Mulden nrirfo tele- au § Brautleute Geburtstage bt i ' dessen sind wohl fcufantmen gesehen um eine wcitew Gehcimhaüung Aer Krieg Mischen Japan und Kußland. Nach der Schlacht bei Liaujang. Kuropatkins Armee hat nach heißem Kampf die befestigten Stellungen geräumt und ist nach Norden abgezogen — auf Charbin. Von großen Kapitulationen, zerschmetterten Korps hat man nichts vernommen, wohl aber von großen Verlusten der russischen Armee, und diejapanischeJnvasionsarmeehatsichernicht weniger gelitten. Allmählich ebbt das „Sedan- geschret" ab, das sich, weil es gerade die Zeit des Sedantages war, in der Presse zu bedeutender Höhe erhoben hatte — es gribt weder einen gefangenen Zapen bei Liaujang noch eine gefangene Armee. Die geschlaaene russische Armee geht na chNorden, der Zar freut sich seines jüngsten Sprößlings, die zweite mandschurische Armee bildet sich Nicht mit Sedan, sondern, wie der militärische Mitarbeiter der „Dtfch. TagesM." sehr richtig sagt, etwa mit Borodino, kann man die Schlacht bei Liaujang vergleichen, und selbst dieser Vergleich hinkt an vielen Stellen recht bedeutend. Als Napoleon mit einer Arpree, wie sie die Welt vorher, außer zu Zeiten DschingiS Khans, nicht gesehen hatte, in Rußland einbrach und direkt auf Moskau zog, erreichte er Teilerfolge, bei Smolensk und anderen Orten, siegte stets und rückte vor —- genau tote die Japaner. Das russische Volk aber forderte eine Schlacht, mindestens eine vor Moskau, und wie zu Liaujang stellte sich Suwaroff bei Borodino — an der Moskwa der Grande Armee enb- gegen. Borodino war für Napoleon ein Erfolg wie Liau- jaug, ein Erfolg nach gewaltigem Kampf, ja ein noch größerer Erfolg als Liaujang, denn einmal hatte der Kaiser m der Schlacht seine Garden gar nicht eingesetzt, und dann ist der gewaltige Unterschied der, daß hinter der Moskwa — das heilige Moskau wehrlos lag, die alte Zarenstjadt mit dem Kreml und den Heiligtümern Rußlands, unb hinter Liaujang liegt — nichts! Denn Mukden und selbst Ehar- bin wird man als strategisch oder politisch gewonnene Punkte doch wohl nicht mit der Bedeutung Moskaus vergleichen wollen. — Nach dem siegreichen Borodino und mit dem Besitz Moskaus glaubte Napoleon sich auf der Höhe. Er hielt die damalige Hauptstadt Rußlands im Besitz, seine Flanken waren burtij die Armee unter Macdonalo und V?rl im Norden, unter Schwarzenberg int Süden' gedeckt, feine Rückzugslinie war unbedroht in seinen Händen; Korps Victor stand in Reserve auf ihr; Paris und Frankreich jubelten, Preußen und Oesterreich mußten, schwer gedemü- tigt, zusehen, in Italien, in Spanien strahlte oer Ruhm französischer Waffen, und zu Moskau im Kreml stand der Jm- ^cra^ einer siegreichen Juvasionsarmee von über 100 000 Mann der besten Truppen der Welt, etwa um dieselbe Zett wie jetzt die Japaner in Liaujang, aut1 14. September. Aber hinter Liaujang liegt kein Moskau so nahe wie hinter Borodino, sondern viele Tausende Kilometer entfernt---das ist der gewaltige Unterschied zwischen Liaujang und Borodino! — Und Moskau ist das Wab des französischen ersten Kaiserreichs geworden. Alexander I. wies alle Frieden. Vorschläge Napoleons zurück. Da redet man jetzt von Frudcu, weil da hinten in Ostasien eine russische Armee aus einem Ort verdrängt ist, den vor dem Kriege nur die kaunten, die sich mit der Sivirischeu Eisen- London, 5. Sept. Aus Peking wird telegraphiert: Der japanische Versuch einer Flankenbewegung nach Westen wurde zurückgeschlagen. Ein russischer Luftballon entdeckte die feindliche Stellung, die dann durch einen entschlossenen Bajonettangriff genommen wurde. Die Japaner, die mit dem Leben davon kamen, waren so erschöpft, daß sie nicht einmal mehr ihre Gewehre abfeuern konnten. Sie hatten 6 Tage in nassen Schützengräben gelegen, nachdem sie 2 Tage ohne Proviant marschiert waren. Die Bahn jenseits Jentai ist offen, doch fallen japanische Granaten in das Gelände zwischen dem Bahnhof von Liaujang und der Taitse-Brücke Der Rückzug des größeren Teils der russischen Arme e bis Jntai ist ausgeführt, aber mit enormen Verlusten. Kuroki droht jedoch mit einer neuen Bewegung und Kuropatkin muß ihn, um die RüHugslinie zu sichern, mit dret Armeekorps an greifen. — Aus Mukden wird telegraphiert, daß Kuropatkin eine Anzahl Geschütze zurücklassen mußte. v Petersburg, 5. Sept. General Kuropatkin meldet dem Kaiser vom 6. Sept.: Ter Rückzua unserer Truppen auS Lrauiang nach dem rechten User des Taitse wurde m der Nacht -um 4. Sept, in Ordnung beendet. Unbedeutende Versuche des Gegners, .uns zuverfolgen, wurden durch unsere Arriöregarden vereitelt. Im Verlauf des 4. Sept, verstärkten die Japaner ihre Stellung gegenüber unserem linken Flügel, indem sie sich von den Steinkohlengrnben von Jentai nach Norden wie auch in der Richtung von BensiluS- Mukden ausbreiteten. Wie festgestcllt ist, setzten die Japaner auf .das rechte Ufer des Taitse westlich vonBensilus über. Am 4. Sept, fetzten die Japaner auf das rechte Ufer sowohl bei Liaujang wie in seiner Umgebung über. Nach Meldungen aus Tokio glaubt man dort, daß Kuropatkin eine weitere schwere Schlacht bei Yent ai wird annehmen müssen, ehe er den Rest feiner Armee sicher nach dem Norden bringen kanu Beide Teile sind durch die tagelcmgen schweren Kämpft und besonders durch den Mangel an Proviant furchtbar erschöpft. :n nur spärlicke Meldungen vor. Wir lassen hier lern der stattfinden. In* seine Vermittlung im russisch-japanischen Kriege angeboten habe, sind vollständig aus der Luft gegriffen. Vertrag zwischen Japan vud Korea. Tokio , 5. Sept. .(Reuter.) Heute wurde der am 22. August in Soeul abgeschlossene Vertrag Mischen Japan und Korea veröffentlicht. Danach verpflichtet sich Korea, .einen von Japan empfohlenen Japaner als Finanzheirat und einen von den Japanern empfohlenen Ausländer als diplomatischen Ratgeber im Auswärtigen Amt anzustellen. Alle finanziellen Angelegenheiten, sowie alle bedeutenden Maßnahmen inbezug auf die auswärtige Politik dürfen erst nach Anhören des be- züglichen Beirates erledigt werden. Tie koreanische Regierung verpflichtet sich, .vor dem Ablaufe von Verträgen und Konventionen mit fremden Mächten sowie vor Erledigung sonstiger wichtiger diplomatischer Angelegenheiten, wie beispielsweise Erteilung .von Konzessionen an Ausländer und andere Der- tragsabschLüsse mit Ausländern, den Rat Japans einzuholen. Als finanzieller Beirat ist der Direktor des EinkommenbureauS in Tokio Basata, als diplomatischer Ratgeber, Legationsrat Stevens ernannt worden: Von Port Arthur . liegen heute auch einige Nachrichten vor. Die wichtigste ist die folgende: T s ch i f u, 4. Sept. (Reuter.) Am 27. August begannen die Japaner den zweiten allgemeinen Angriff aufPort Arthur. Dieser wurde unter heißen Kämpfen bis zum 31. Aug. fortgeführt. An diesem Tage zogen sich die Japaner überall zurück außer auS Palungsshan. Am 30. August Mrrden verschiedene heftige Angriffe auf Jdcshan abgeschlagen. 2- Sept, um 3 Uhr morgens griffen die Japaner heftig die mke Flanke der Russen an, zogen sich aber um 6 Uhr morgens urück, worauf die Beschießung wieder begann. Tie Japaner eueren namentlich van Shushyien und Palimgshan, die Russen von Antsuchan und Erlungshan. Tokio, 5. Sept. 40 Bataillone haben in den letzten Tagen Tokio verlassen, um die japanischen Verluste vor Port Arthur z u ersetzen. Nach den neuesten Informationen be- rragen die japanischen Truppen vor Port Arthur 45 000 Mann, toätymtb die Insassen inder Festung nur noch 11000 kampffähige Soldaten betragen. Ein neuer Angriff steht unmittelbar bevor. Der Fall Liauianas' wurde gestern durch einen großen Fackelzug, an dem sich 5000 Personen beteiligten, gefeiert. — Die Gesamtverluste der Japaner vor Port Arthur betragen nach den neuesten Schäinlngen ungefähr 25 000 Mann. Askolb ttttb Grosovoi. 5. Sept. (Reuter.) Tie Mannschaften der russischen Kriegsschiffe „Askold" und „Grosovoi" bleiben in China und werden in den VertragSbäfen, wo sich russische Kon- ulate befinden, wie Tientsin, Tschifu. Haukau, Shanghai und Futschau einquartiert. Nunmehr ist sicher, daß der „Askold" einen ungewöhnlich großen Vorrat an Munition an Bord hatte. Er hatte 180 Schuß für jedes Geschütz großen Kalibers und reichlichen Vorrat für die kleinkalibrigen Geschütze. Keine Intervention. Berlin 5. Sept. Die. in englischen und amerikanischen Blättern aufgctaucbten Meldungen, ^vonach Kaiser Wilhelm Nr. 201» Erstes Blatt. 154. Jahrgang D-cnstag 6. September 1904 Lbex^oraitoaK O d*L»gsp"t»r WWfl*iMtMtMf NltMtAiW sxWivnwivi E-JgE " General-Anzeiger " WM MM Amts- md Anzeigeblatt für den Arm Gießen Üfcl ......■ —.« ... _____________________ zeigenteil: Hans Beck. Dom Kreuzer „Rjurik". Petersburg 5. Sept. Ein Telegramm des Statthalters Alexejew an den Kaiser von gestern besagt: Wie Leutnant Iwanow, .der am 14. August während des Kampfes das Kommando über den .Kreuzer „Rlurir" als Rangältester übernahm, berichtet, befand sich 'der Kreuzer in der Abteilung unter der Flagge des Kontreadmirals Jessen, als am 14. August um 4,30 Uhr früh ein feindliches Geschwader gesichtet wurde, das aus vier gepanzerten Kreuzern bestand. Wir ließen uns, berichtet Leutnant Iwanow weiter, Mit diesen Schiffen in den Kam^ ein. Der Feirrd richtete fein Feuer hauptsächlicb auf uns. Um 8 Uhr morgens wurde durch ein feindliches Geschoß das Steuer beschädigt imb der Kreuzer konnte dem Befehl brö1 Admirals, per ihm signalisierte, er solle mit voller Geschwindigkeit den sich entfernenden Kreuzern „Rossija und „G r o m o bo i" folgen, nicht nachkommen. Diese beiden Kreuzer kämpften mit vier gepanzerten Kreuzern. Rjurik blieb zurück und nahm den Kampf .mit den sich von neuem nähernden beiden Kreuzern ,,Tanatschio" und „Naniwa" aus, die die schwierige Lage des Kreuzers ausnutzten uird auf ihn feuerten. Hierbei fügten sie ihm durch ihre Schüsse auS großkalibrigen Geschützen großen Schaden zu. . Unser Feuer wurde allmählich schwächer, da eine große Zahl von Geschützen außer Gefecht gesetzt war. Um 12 Uhr mittags hörte unser Feuer völlig auf, da alle Geschütze ge- fechtsunfLhig waren und toür großen Verlust 'an Offizieren und Mannschaften hatten. Wir schossen MlS dem Lancierrohr ein Torpedo ab, .der aber sein Ziel ni<Ä erreichte. .Die übrigen Rohre waren zerschossen. Der Kommandant und der erste Offizier waren bereits -u Beginn des Kampfes tödlich verwundet worden. Vvn 22 Offizieren sind verwundet und an ihren Wunden gestorben: zwei Leutnants dreiMidlhipmenund derSchiffSarzt^ ferner verwundet drei Leutnants, zwei Midfhipmen und ein Ingenieur. Von 800 Mann der Besatzung wurden annähernd 200 getötet und 278 Mann schwer oder leicht verwundet. Ta ich nicht die Möglichkeit hatte, das Schift zu lenken, und da das Steuer und mehrere Hauptrohre beschädigt waren, .konnte ich mich nicht vor dem Feinde zurückziehen. Unsere Verteidigungsmittel waren vernichtet und ich beschloß daher wnl.vier gepanzerte Kreuzer, bte von der Verfolgung unserer Scknffe zurückgekehrt waren, und drei Kreuzer 2. Klaffe mit fünf orpedobooten sich zeigten, den Kreuzer in die Luft zu sprengen.^Der Versuch dies zu tun, mißglückte aber, da die Zündsckmure zum Teil durch ein explodiertes Geschoß vernichtet worden waren, zum Teil sich in dem unter Wasser gesetzten Schiffsraum^ besarrden. Ich befahl daher, den „Rjurik" zu versenken, was von den Ingenieuren ausgefühtt würbe. Die bis zur Versenkung des Schiffes übrig bleibende Zeit wurde zur Rettung der Verwundeten und der Besatzung verwandt. Da alle Boote Zerschossen waren, wurden Rettungsgürtel und Holzreste benutzt. Bald nachdeni wir unser Feuer eirrgestellt hatten, hatte auch der Feind ausaehört, auf uns zu feuern. Gegen V Ubr mittags sank der Kreuzer: die Besatzung wurde von den feindlichen Schiffen anfgenommen und diese chafftcn uns unter voller Sorgfalt nach Sasebo. Die Aufnahme der Verwundeten und ihre Pflege war äu ß e r st a n fm e r kfä m und gegen dre übrige Mannschaft war das Verhalten sehr gut. Offtzrere und Mamisckmst bewiesen während des Kampfes volle Kaltblütigkeit, und erfüllten ihre Pflicht lns zum letzten Augen- v Divsen Bericht hat Hieromouach Alexei über Nagasaki und Shanghai überbracht, der von den Japanern in Freiheit gesetzt wurde, weil er Jein Kriegsgefangener war. Die vermißten Attaches. Kiel, 5 Sept. Tas Kanonenboot „Tige^ unter dem Stvm* Korvettenkavitäns Deimling sucht seit zehii Tagen die Küste t>i\> Golfes von Tschilr ab, um die Spur des verniißtcn Kapitanleutnants Hentschel von' Gilgen heirnb und deZ EzosisÄni MarlueattachceS i>e Euvcrville zu cntbccTcn. Bisher waren alle Bemühungen erfolglos. Zie Wrrtoöung des deutschen Kronprinzen. . Der „Reichsanz." schreibt: Die Verlobuna de« Sh-or« mnzen nnt der Herzogin Cäcilie zu Mecklenburg ist am Sonntag nachmittag in Gelbensande amtlicl, bekannt gegeben toorden. Witz begrüßen die freuMgc Kunde mit ehrerbietziasten Glückwünschen für die hohen Verlobten, für das kaffevliche und königliche Haus, für die großherzoglicküen Farnitten von Mecklenburg und der verwandten Höft. Mit herzlicher Shnrpathie wird eS in allen deutschen Gauen auf gcnonmien werden, daß der Erbe der Kaiserkrone zu seiner Lebensgefährtzin die Tochter aus einem der aktangestamw- Kekanntmachung. ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach § 6 des Reichßgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlages von Fünf vom Hundert, pro Monat August 1904 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kg. betragen: Hafer Mk. 15.90, Heu Mk. 7.80, Stroh Mk. 4.20. Gießen, den 5. September 1904. Großherzoaliches Kreisamt Gießen- ___________I. V.: Dr. Kranzbühler.____________ Bekanntmachung, Betr. : Die Veranstaltung von Verlosungen innerhalb des GroßherAogtums. Der Stadtvorstand zu Qrtcnberg beabsichtigt, mit dem ant 3. November d. A daselbst stattfindenden sogenannten kalten Markt eine Verlosung von Fohlen, Rindern, Schweinen, landwirtschaftlichien Geräten und fonftigen Gegenständen zu verbinden. Großh. Ministerium des Innern hat die nachgesuch!te Erlaubnis zur Veranstaltung dieser Verlosung unter der Bedingung erteilt, daß nicht mehr als 6000 Lose zu 1 Mk das Stück ausgegeben werden dürfen und mindestens 60 Proz-, des Bimttzoerlöses aus dem Verkauft der Lose zum Ankauf von Gewinngegenständen vu verwenden sind. Zugleich ist der VerLrreb der Lose in der Provinz Ober- Hessen gestattet. Gießen, den 3. September 1904. Großherzogliches Kreis amt Gießen. ______________I. V.: Dr. Wagner._______________ Bekanntmachung. • Der Deutschen Unterstützungskaffe für Mltsiker-Witwen und -Waisen, Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, in Berlin ist die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb im deutschen Reich erteilt worden. Gießen, den 5. Septemb?r 1904. Großherzogliches Kreis amt Gießen. I. V.: Hechler. ten Herrschergesmiechtcr Deutschlands erwählt hat, u u s demselben Fürstenh a u e, das einst dem Thron der Hohenzollern und dem preußischen Volke die unvergeßliche Königin Luise geschenkt hat. Mögen die Strahlen des Glückes, die heute das junge Fitrstenpaar umgeben, über i^rem Lebenswege leuchten rmmerdar, zrun Segeil der 9^a- tton, zum Heil für Kaiser imb Reicks Zur Verlobung berichtet der „Berl. Lokalau^", daß dcr Kronprinz und seine Maut bereits vor anoertbalb Jahren sich ifire Üt e i g u n g g e g e «fettig er kl a r t haben. Tie Verlobr i g sollte au beut bevorstehenden 18. bahn und ihrer Station befreundet hatten, und eine verlorene Schlacht, ja selbst ein verlorenes Heer dort soN den Zaren und Rußland veranlassen, den Japanern nach- zugeben? — So weit ist man denn doch no chlange nicht, und trotz des Sieaes heißt es für Japan : Marschieren, marschieren, immer weiter, immer weiter, jetzt nachNopden in den Winter hinein, dann nach Osten, ohne Ende, ohne Ziel. Zar Nikolaus I. sagte einst von Rußland: seine Schwäche sei seine Größe. Jetzt ist den Japanern gegenüber Rußlands Größe seine Stärke! — Der Winter wird kommen, neue Armeen wird Rußland senden, niemals darf sich Japan schlagen lassen, das toich auf die Dauer sich nicht durchMren lassen, und toenn dann genügend Zeit ins Land gegangen ist, dann dürste Japan doch einsehen, daß seine Kräfte einer europäischen Großmacht gegenüber nicht reichen. Ein schwer errungener Sieg ist Liaujang für die japanischen Heere. Was nun? Wir haben jetzt Anfang September, Charbin ist noch weit, und Mitte Oktober setzt der Winter ein. Ob Kuropatkin den Feldzug Napoleons nach Moskau studiert hat und Lehren aus ihm zieht? Weshalb nicht? Ein Feldherp, der aus Rußlands Weite und Klima nickt genügend Nutzen zu ziehen versteht, wäre kein solcher erster Klasse. Japan hat so früh wie nur Möglich den Krieg eröffnet — am 6. Februar und sicher mit in der Absicht, bis zum Mnter vor dem Abschluß zu stehen. — Liaujang ist aber kein Abschluß, keinesfalls tn dem Sinne, wie manche ihn in Japan erhofften. Es scheint, daß int Feldzug 1904 die Japaner von sich stets fugen können: ba$ Schlachtenglück ist mit den „Großen Bataillonen", beim sie sind die stärkeren. Aber im Feldzug 1905 dürsten das die Russen von sich sagen können. free VeüSvuna opportun er)meinen zu lassen. 'ne Ver- Tobung ginq int Grvßb. 3cigbfd)lo(i offiziell Jagdhaus genannt, vor sich» wo die fürftlidVn Miste nach, 6 Uhr abends von ihrem ÄuSflng nach dem Teehause Zinmcfiwkchrt waren. Der Kr^'nprinz und die Prinzessin Cäcilie befanden sich im Salon und einige Minuten später stellte sich das jugendliche ^ärflenpanr der Großherzogin -Mutter als Verlobte vor. Rach Telegrammen aus Gmunden hat die Verlobung eS und von Preußen verlobte. Ich hoffe tu Gott, daß auf dieser Verbindutrg,von der ich überzeugt bin. daß sie in ganz Mecklenburg freudigen Widerhall findet, der Segen meines teueren hockseligen Vaters ruhen nrnbe. Friedrich Front." Kaiser Wilhelm benachrichtigte König Victor vpn Italien telegraphisch von der Verlobung des Kronprinzen. Der König antwortete, er werde, trenn irgend möglich, der Hochzeit beiwohnen. DaS „Wiener Fremdend latt" schreibt zu der Verlobung: Die Nachricht von Mefcr Verlobung wird nicht bloß in Deutschland, sondern auch in Oesterreich-Ungarn angesichts der innigen Freundschafts- und Allianzbe- ziehungen, welche die Herrscher und die Reiche verknüpfen, mit froher Teilnahme begrüßt werden. Das Blatt erinnert daran, daß der Kronprinz ein wiederholt auf das herzlichste begrüßter Gast des Kaisers von Oesterreich war. und daß der Kaiser von Oesterreich auch zu der Feier deS Mündigwerdens deS Kronprinzen in Berlin anwesend war. In Dänemark wird die Verlobung von der Presse mit großer Zufriedenheit begrüßt. Die Blatter betonen, daß der künftige dänische König und der künftige deutsche Kaiser Schiwäger fein werden, eine Tatsache, die eine Stärkung der deutsch-dänischen Freundschaft ergeben würde. Die Braut Herzogin Cäcilie hat den größten Teil ihrer Jugend im Aus lande verbracht. Ihr verstorbener Vater wurde von Bismarck einst als zuverlässiger Bundesgenosse und treuer Nachbar gepriesen. Die Großherzogin Anastasia, von Geburt eine russische Großfürstin, hat ihre Tochter, wie es heißt, in deutschem Sinne erziehen lassen. Einen entscheidenden Einfluß auf die spätere Ausbildung übte in den letzten Jahren Miß King, eine Angehörige des großherzoglichen Haushalts. In Rußland von einer deutschen Mutter geboren — der Vater war ein Engländer — und der Sprachen dieser Länder mächtig, hat die Miß ihren Zögling weiter fortgebifbet Herzogin Cäcilie beherrscht das Französische und Englische vollständig und ist im Russischen gut bewandert. Die Musik übt sie als Kunstfreundin ohne besondere Leidenschaft. Die Passionen der Herzogin sind die Hauswirtschaft, an der sie sich gern wie ein auf dem Gutshof erzogenes mecklenburgisches Landeskind be- teiliat, unb der Reit- und Fabrsport — diese Vorliebe teilt sie Wit dem Kronprinzen. Ihren keimen erhielt sie nach der ^woßmutter, der im Jahre 1891 verstorbenen Prinzessin Cäcilie von Baden, die sich 1857 mit dem Großfürsten Michael Nikolajewitsch, dem Bruder Kaiser Alexanders II.. vermählte und seitdem den Namen Olga Feodorowna führte. AuS Berlin wird uns noch geschrieben: In hieügen Hostttifen ist man dem Vernehmen nach geneigt, die Vorgescbickte der Verlobung des Kronprinzen zurückzuführen bfS zum April v. I., b. h. bis zum ersten Besuche Kaiser Wilhelms am Koyenbag-mer Hofe gelegentlick d S Geburtstages König Chrrstians. Bei den engen verwandtschaftlichen und besonders "freinrbftfxntlichen Beziehungen zwischen den regierenden Hörnern nt Mecklmbvrg-Schwerin und Dänemark war es die für die Verlobung des Kroiwrinren unumgängliche Vorbedingung, die seit Jahr und Tag tuniim Kopenhagen und Berlin bestehende, durck die verstorbene Königin von Dänemark, die „Scknrieger- mutter Europas", verschärfte Spannung zu lösen. Ter Berliner .Hof tat den ersten Schritt mit Einladung und Aufzeichnung des f?ro7wrin^n von Dänemark, dem damals besonders der deutsche Kronprinz Aufmerksamkeit ri erwies. Nach der Rückkehr des bänb scken Gastes in ':tne Heimat erfolgte die Einladung König Christians an Kaiser Wilhelm, der ihr Folge leistete unb seine Anwesenheit in Kopenhagen — auch die mecklenburg-schwerinschen Herrsciaften weilten damals dort zu Besuch — über das ur- fvrünglicke Programm hinaus verlängerte. Damit formte das Verlöbnis des deutschen Kronprinzen als tn die Wege geleitet gelten unb bes Weiteren förderlich dürste dieser Angelegenheit ber diesjährige Geburtstag König Christians gewesen sein, zu bem in Vertretung Karier Wilhelms der deutsche Kronprinz in Kopenhagen erschien unb nun auch seinerseits dort mit seiner jetzigen Braut unb deren Familie zusammentraf. Ter holt» tische Reflex deS Verlöbnisse S — unb die Staatsraison bleibt am wenigsten unberücksichtigt, wenn es sich um die Wahl ber künftigen deutschen Kaiserin handelt — weist also aus Dänemark hin, besten Herrscherhaus wiederum mit den narr- baftestkN- Dynastien Europas verwandtschaftlich verbunden ist. Man dürfte deshalb kaum fehl gehen in der Annahme, daß die erste Auslanbsvisite des Brautpaares in Kopenhagen erfolgen wirb, wo man beiläufig noch in diesem Monat den Besuch deS Herzogs und der Herzogin von Cumberland und des mecklenburg--fckwerinscken Großherzogpaares erwartet. Ein heiteres Begleitspie l hat das GhrtgniS dadurch gehabt baß rroch am Sonntag morgen der als hochoffiziöS geltende „Berl. Lok-AnzT bie Verlobungsmeldung als unrichtig bezeichnete Ein paar Tage zuvor verkündete dasselbe Blatt, dos siinen Nachrichtendienst für den bestorganisierten und zuverlässigsten bet Belt hält, den Rücktritt deS Gouverneur- OberstenLeutwein in TeutschSüdwefdAfrika. Zwei Da- nehentr»ffet ersten Range- im Zeitraum einer halben Bocke daS ist wirklich alles mögliche. Ober ist nach rxm Scke.^'Nt deS grandiosen Sparlotterieprojcktes der T rafK zwischen hem „Lokal-Awchger" und der Negierung gerissen? I-dmialls rrrirb fortan ernige Vorsicht am Platz fein gegenüber ben 7^br\^:wn ober Dementis von dieser Seite. Deutsches Reich. Berlin, 5. Sept. Der Kaiser wirb am 16. Sep. ftwiber tn Ladin en eintreffen unb dort bis zum 18. abends verweilen. — Zu der Erkrankung des Fürsten Herbert Bismarck wird ans FricbrichSrrlh gemeldet, daß der Fürst von einem akuten Leberleiden befallen ist, baß eine erhebliche Abmagerung beß Kranken zur Folge hatte, so daß er sich nur mit Hilfe eineß Stockes im Zimmer zu bewegen vermag. Der Fürst mußte unter diesen Um* tänben auf eine Erholungsreise in diesem Sommer verzichten und im Schloß Friebrichßruh dauernden Wohnsitz nehmen, auch konnte er der an ihn ergangenen Einladung zur Teil- nahuie an dem Paradediner in Altona wegen seineß leidenden Suftanbcß keine Folge leisten. Wie nach der „Köln. Ztg." verlautet, hatte Fürst Herbert Bißmarck im Frühjahre in London einen schweren Krankheitßanfall, der in nahestehenden Kreisen als eine Art Schlaganfall bezeichnet wurde. In Friedrichßrnh hatte er sich wieder etwas erholt, ist aber vor etwa 14 Tagen wieder schwer erkrankt. — Die Erkrankung beß Frhrn. v. Mirbach beicht in einem Herzleiden, daß ihn nötigt, sich ans ärztliches Anraten vorläufig jeder aufregenden Tätigkeit zu enthalten. — Zu dem bevorstehenden Parteitag der Deutschen Resorrnpartei (9hüi[cmitcii Zimmermann'scher Richtung) in Dresden beantragt der Landesverband Kur Hessen: Der Parteitag wolle beschließen: I n d e n W a h l k r e, s e n M a r b u r g * K i r ch b a i n-F r a n k e n b e r g-V ö h l, A l s f c l b- Lauterbach'Schotten, Gießen-Gr ünberg-Nidbg ist schon jetzt eine p l a n m ä 6 i g e Agitation zu entfalten, um dieselben beidennächst en Wahlenzurückzu erobern. Die Anstellung eineß geeigneten NednerS mit dem Sitze in Frankfurt a. M. ist in Erwägung zu ziehen. Insbesondere erscheint eS auch notivenbig, daß unsere jetzigen Abgeordneten in den genannten Wahlkreisen abwechselnd Werbcreisen unternehmen. Kiel, 5. Sept. Wie bie »Kieler N. N." melben, wirb ^önig AlfonS von Spanien im nächsten Jahre mit einem Geschwader den Kieler Hafen besuchen, um als Gast beß Kaiserß den sportlichen Veranstalttingen zur Kieler Woche beizuwohnen. Der Besuch beß Königs ist bie Er- wiberung deß Besuches, ben ber Kaiser in diesem Frühjahre bem Königßhofe abgestattet hat. Bückeburg, 5. Sept. Amtliches Resultat ber nm 1. September im Fürstentum Schaumdtirg-Lippe ftattgebabten Reichstags-Ersatzwahl. Abgegeben wurden insgesamt 7250 Stimmen; davon erhielten Brun st ermann in Stadthagen (kons.) 3 5 8 4, Klingenhngen in Herford (Soz.) 2192, Crüger in Charlottenburg (srs. Vp.) 1458, zersplittert 21 Stimmen. Eß ist Stichwahl zwischen Bninstermann unb Klingenhagen erforderlich. Dreß den, 5. Sept. Wie daß ,T. I/ meldet, be- Ihnmte ber König mit Rücksicht auf die durch ben ungewöhnlichen Wassermangel für die Bevölkerung der Lausitz ein» getretenen Mißstände, daß bie diesjährigen beim 12. Armeekorps angcfetjten KorpSmanöver nu Bf allen. — Wegen Einführung von NotstnnbStarifen für bie Industrie pflegt die sächsische Regierung Perhand- 1 ungen mit bem preußischen Verkehrsminister. Sollte Preußen ablehnen, so wirb Sachsen allein vergeben, da bie sächsische Regierung den industriellen Notstand anerkennt.______________ Mische Tagesschau. DaS jnngliberale Schulprogramm. baß vorgestern auf bem Leipziger Delegiertentage zur Annahme gelangte, nennt baS „Berl. Sa gebt" eine nationalliberale Tat. Man habe, so wirb bem „B. T " von einem Teilnehmer an der Leipziger Tagung gefdnieben, wieber einmal Töne gehört und eine Kampfes st im mung gegen bie Reaktion vernommen. In ber vertrau licken Sitzung am ersten Tage schien cs nvch, alS tvenn keine volle Harmonie erzielt würbe. Diese Bemerkung scfnoächt inbeffnt bie Tatsache nicht ab, baß die Mehr- s thnmen jegen 8 Stimmen, mit ber die Richtlinien eines nationalliberalen Äbulprogrcnmns ausgestellt wurden, äußerst imposant ist. In gavtffcm Sinne eine baS Sckmlkompromiß erdrückende Mehrheit. Tenn nidttß hilft darüber hinweg, daß im Hauptpunkt die Jungliberalen fick im entschiedensten Okgcn- ätz befinden zu denienrgen Mitgliedern der nationalliberalen Partei, die baS Sämlkomvrorniß gebilligt und veneidigt haben. Wollte bie mit bem Zentrum unb den Konservativen geschlossene Vereinbarung bi Konfessicnssckule alS Regel, bie Simultansckule als gcbulbetc Ausnahme aufgefaßt wisien, so präzisiett der Be- bie Volks- unb Lehrerbildung eine allen Bekenntnissen gemein» ante Scknile kS'multanschule.) ' Ebenso bestimmt lautet ber an bie Spitze gestellte Satz des jungliberalen Sckulprogramms: Tie allgemeine Volksstlmle ist eine weltliche Einrichtung, deren Leitung ausscl'4iestlick dem Staate zusteht. Tie nächstliegende Frage ist, trie sich bie nationalliberale Fraktion beß preußischen Landtages mit diesen Beschlüssen absinden wird. Ein Redner bat bie Besorgnis geäußert, baß die Jungliberalen mit ihren Richtlinien Gefahr liefen, einfach ignoriert zu werden. Ein foldxß Nichtbeackten müßte mon_ aber als äußerst bedenklich erkennen, denn bnburch würde erst recht die ju g , d. h. echt liberale Opposition verschärft werden. Heer und Alotte. — In her Nacht zum Sonntag brach in dem Manövcr- lager von Esscg eine Panik unter ben Pferden aus, a(ß ein Pferd erschossen wurde. Etwa 7 0 0 Pferde ftürmten durch daß Zeltlager ber schlafenden Soldaten, von denen viele verletzt wurden. Der größte Teil der Tiere raste durch die Stadt. Viele rannten gegen Stacheldraht, wodurch sie sich schwerverletzten; andere liefen in den See. Die Zahl der getöteten und verletzten Tiere ist noch nicht festgestellt. 80 bis 100 dürften vernichtet fein. Ausland. Konstantinopel, 5. Sept. AuS Wan in Armenien sind an mehrere hiesige Botschafter Telegramme gelangt, welche melden, daß am Donnerstag 150 revolutionäre Armenier unter Führung von LoriS Mclikow, eines rusiischen Armeniers, die Stadt Wan betraten, um am Tage der Thronbesteigung deS Sultans Unruhen hervorzurufen. Die Aufständischen besetzten ein Stadtviertel und plünderten dasselbe. ES entbrannte gleich darauf ein heftiger Kamps mit ben türkischen Truppen. Es wurden 3 3 Häuser ein» geäschert. Auf beiden Seiten wurden 4 1 Personen getötet. 2000 Christen flüchteten aus Furcht vor Massakres in ein Kloster. Die Insurgenten schossen besonders heftig von einem unmittelbar in ber Nähe beß französischen Klosters gelegenen Hause auf die türkischen Truppen. Weitere telc- graphische Einzelheiten stehen noch auß. Die auf einer Reise hefindlichen Konsuln von England und 9(incrifa in Wan erhielten von ihren Botschaften Befehl, sich sofort nach Wan zurückzubegeben. — In dieser Angelegenheit hatte der russische Botschafter eine zweistündige Unterredung mit bem Großvezier. Tanger, 5. Sept. Eine Karawane, die Gold von Fez bringen sollte, wurde bei Akbalhamra, ungefähr 25 Meilen von Tanger, angegriffen. Den Maultiertreibern gelang eß, sich mit ungefähr 30 000 Piastern nach einem sicheren Platz zu flüchten. Ein Maultier mit 6000 Piastern siel in die Hände der Räuber.__________ Aus Stadt uud Fand. Gießen, den 6. September 1904. * * Eine ne ne.Karte beß Kreises Gießen von Pros. Waiiiscr-Butzbach ist im Verlag von Emil Roth- Gießen erschienen. DoS kleine Heft (Preis 60 Pfg.) enthalt die wichtigsten Wegemarkierungen unb eine sehr reichhaltige Karte beß Kreiscß mit genauer Darstellung ber Stäbtc unb Dörfer nach ihrer Größe, ber Schlößer, Ruinen. Türme, ber Höhenschichten, Straßen, Wege unb Eisenbahnen. * * Ein Mißgeschick hatte am Sonntag eine Gesell^ schäft, bie sich im Philosophenwalb ein Sonntaqßvergnügcn machte. Eine größere Anzahl von Damen hatten am gemeinschaftlichen Tisch Gläser voll Milch vor sich stehen unb schauten dem Spiel zweier kleiner .Hunbe zu. Plötzlich verlegten bjese ben Platz ihrer Ausgelassenheit unter ben Tisch der Gesellschaft, bie Damen rafften unter Ausrufen bes Schreckens ihre Kleiber zusammen, wobei der Tisch um* gestoßen wurde und die sämtlichen Milchgläser sich über bie festlichen Gewänbcr ergossen, woburch großer Schaben an* gerichtet wurde. * * Die Sciltanzcrfamilie L. Kniee giebt morgen abend auf dem Brandplatz eine letzte Vorstellung. Gestern abend fanden sich zahlreiche Zuschauer auf dem Platz ein, die ben geivanbten Darbietungen ber Künstler auf bem kleinen Seil mit großenl Jntcrcsic ztischautcn. Der Greis mit betn langen, eisgrauen Bart, ber vor Jahren auf bem kleinen Seil auftrat, ist zwar tot, aber anbere jüngere Kräfte zeigten gestern in allerlei Kunststücken ebenfalls eine berounbernß* werte Gcwanbtheit unb Zierlichkeit ber Bewegungen. Humoristische Szenen unb Tanze auf bem Pobium veroollstanbigten eine hübsche Zirkusvorstellung unter freiem Himmel. Zum Schluß betrat einer bet Künstler, als Storch oerkteibet, mit größter Sicherheit baS große Seil, bas in beträchtlicher Höhe vom KrcisamtSgcbäube zur Kaserne gespannt ist. Für diese halsbrecherische, schwierige unb gefährliche Kunst wirb im Umhcrgehcn ein Zuschauergelb von wenig Groschen erhoben. Da bas Wetter heute wieder gut ist, verdienen die Seiltänzer ntid) bei der letzten Vorstellung bie Aufmerksamkeit be§ Gießener Publikums. h. Friebberg, 5. Sept. Zu einer großen Trauer- fnubgebung gestaltete sich beute bie Beerdigung des Geh. Mcbizinalrats Dr. Martin Lorenz, Großh. Kreisarzt i. P. Tie Spitzen ber Zivil- unb Militärbehörbcn unserer Stabt, sowie Aborbnungen verschiedener Korporationen uub Vereine und ein großer Teil der Einwohnerschaft nahmen neben vielen von auswärts Erschienenen am Trauerzuge teil. Kirchenrot Dekan Meyer hielt eine Grabrede, worin er u. a. sagte, daß der Dahingcgangene, einer heiteren Lebensauffassung zuncigcnb, gerne andere erfreute, unb ihm bicS wesentlich erleichtert würbe blirch feine musikalische Begabung. Sein künstlerisches Spiel bereitete allen einen wahrhaften Kunstgenuß. Direktor Dr. v. Peter sprach als Freimaurer zu bem Bruber. Direktor Schäfer sprach namens bes Lehrerkollegiums. Für ben Wettcrauer Aerzteverein sprach Mebizinalrat Dr. Weckerling. Für den KreiS Friebberg sprach ZIreisrat Fey. Er betonte, daß ber Verstorbene nahezu 33 Jahre als Kreisarzt seines Amtes gewaltet habe. Auch er legte, wie die Vorredner, eine reiche Blumenspenbc nieder. Herr Weber legte namens be§ MusikvereinS einen Kranz nieber. Herr Koch aus Gießen war als Vertreter ber Loge .Lubwig zur Treue* anwesend. Der Verstorbene hat ein Alter von 71 Jahren erreicht. = Stockheim, 5. Sept. Die Frau eines Arbeiter-m ber hiesigen Zuckerfabrik endete heute auf eine gräßliche Weise. Sic goß in bas schwach brennenbe Herdfeuer aus einer vollen Kanne etwas Petroleum. Im Augenblick war die Frau in eine Feuersäule gehüllt. Alle Hilfe war vergeblich. Von Brgnbwunben bedeckt, starb bie BebauernS- werte gegen abend. Vier unversorgte Kinder trauern um bie Mutter. r. Mainz, 4. Sept. Der 16. Deutsche Feuer- wchrtag rourbc hier eröffnet. Nach ber am gestrigen^Vor- mittag stattgehabten Eröffnung ber Ausstellung von ,ycuer- wehrgeraten unb Ausrüstungsstücken fanden am Nachmittag technische Vorträge statt. Den Vortragen reihte sich am Abend in ber „Stabthallc* bie Begrüßung ber auswärtigen Feuerwehren durch bie Behörben an. Die ausgebchntcn Räume ber .Stabthalle" reichten zur Aufnahme ber erschienenen Feuerwehrleute nicht au8, unb schon bald nach der EröffnungSstunbe waren ber riesige Saal mit ben angrenzen* ben Gallcricn bis auf ben letzten Platz besetzt. Heute morgen fand zunächst eine große Schulübung der hiesigen Feuerwehr statt, zu welcher sich als Vertreter des Großherzogs Staats- Minister Rothe unb Hofmarschall von Westermeller cingefunben hatten. Der Nachmittag galt dem Festzug ber Feuerwehren, der in unabsehbarer Lange vor ben Vertretern beß Groß* herzogß defilierte. Der Festzug bestand auß 60 Feuerwehr* verbänben, baruntec auch einer auß Oesterreich. Außer ben hessischen Verbänden waren vertreten: Altenburg, Anhalt, Baben, Bayern, bayrische Pfalz, Brandenburg, Braunschweig, Kaffcl, Elsaß-Lothringen, Hannover, Mecklenburg, Mcinrngen, Ost- unb Westpreußen, Pommern unb Posen, Vcrbanb Rheinprovinz, Königreich Sachsen, Provinz Sachsen, Schlesien, SchlcSwig-Hokstcin, Türingen, Westfalen, WicSbabcn unb Württemberg. Dem Festzug reihte sich ein gemeinschaftliches Bankett der Ausschüsse an, dem am Abend noch zwei große Konzerte in der „Stadthalle* folgten. — Am 5. d. Mts. wurde vom Feuerwehrtag folgende Resolution angenommen: 1. Der 16. deutsche Feuerwehrtag erklärt bie seitherige GeschästSorbmmg beß beutschen Fcucrwchrtageß unb Außschusseß für ausgehoben. 2. Der 16. Deutsche Fcuerwchr- tag setzt an besten Stelle einen bie Feuerwehren beß Deutschen Reiches umfassenden neuen Verband ein, besten Namen unb Organisation späterer Beschlußfassung Vorbehalten Meibt. 3. Der 16. deutsche Feuerwehrtaq erklärt bie von dem ein* gesetzten SonbcranSschuß zu Dreöbcn verfaßten BunbcS* satzilngen eines BunbcöauSschllsteS, welcher bie gemeinsamen Förberungen feuerwehrlicher Angelegenheiten zwischen Dcutjch* lanb unb Oesterreich regelt, anzunehmen.* Frankfurt, 6. Scht. Aas bwt KirrAjeA fiter statt- findenden.Chemikerita ge hielt der Gerichts ch^miker Dr. Popp einen Dorttpg >Mer die Beobachtung und Deut- una von Blutspuren in Krintinalfällen". Jetzt ’üft es möglich, genau festzustellen, ob ein Mutfleck aus Menschen- oder Tierblut besteht. Ein Blutspritzer auf dem Hemdtragen des ermordeten Lichtenstern lieferte den Beweis, daß ein ebenfalls auf diesem! Hemdkragen befindlicher Fingerabdruck von deut Mörder her- ruhren mußte, und dieser Fingerabdruck wurde als der des Bruno Groß erkannt. Denn Hand in Hand mit der chemischen Untersuchung muß die Daktyloskopie gehen, d. h. die Untersuchung der Fingerspitzen und ihrer Abdrucke, die einen ganz sicheren Schluß auf eine bestimmte Persönlichkeit zulassen. In China ist dieses Verfahren langst in Uebung. Dem Vortragenden ist es in dem Mordfalle Lichtenstein gelungen, nachzuweisen, daß ein anderer auf einem Zettel gefundener blutiger Fingerabdruck voM linken Daumen des Atafforst herrührt, ebenso konnte nach- aewiesen werden, daß Groß seine blutigen Hände an dem Handtuch des Lichtenstein abgewischt hat. Noch wichtiger waren die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung in^ dem zu Darmstadt verhandelten Fall Rothermel. Ebenso wurde Dr. Popp in dem Kindesmord in Eberstadt bei Butzbach — den der Ab g. Köhler-Lan gsdorf in der hessischen Zwetten Kammer zur Sprache brachte — mit einer Untersuchung bettaut und der Dau- ntenab druck, den er an einem Knopfstiefel der An- geschuldigten Görlach entdeckte, wird in der bevorstehenden Gerichts Verhandlung gleichfalls eine wichtige Rolle spielen. Sandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Hibernia. In offizieller Form hatte der Vorstand der Bergwerksgesellschaft dem Handelsminister Möller mitgeteüt, das; der Verstaaklichungsantraa der preußischen Regierung von der Mehrheit der Aktionäre abgelehnt worden ist. Darauf hat der Handelsminister ebenso offiziell erwidett, daß er erst den AuSgang des Rechtsstreits abwatten müffe, ehe er den Beschluß der Generalversammlung als rechtskräftig anerkennen könne. — Der Minister soll der iesten Ueberzeugung sein, daß der Kamps noch weiter geht und für ihn noch nicht verloren ist. Märkte. i Gießen, 6. Sept. Marktbericht. Auf heutigem Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1.10—1.15 Mk., Hühnereier 1 St. 7—0 Vfg. 2 Stck. 15—00 Vfg., Gänseeier 00—00 Pfg., Enteneier 7—0 Pfg., Käse vr. Stck. 6—8 Pf., Käsematte 2 Stck. 5—6 Pfg. Erbsen pr.Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar 0,80 — 0,90 Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,60—1,20 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 00—70 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 00—80 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 62—68 Pfg„ Schweinefleisch pr. Pfund 60—72 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 76 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 68-76 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfmrd 50—74 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kgr. 6,00—8,00 Mk., Weißkraut per Stück 30—40 Pfg., per Zentner 0.00—0.00 Mk., Zwiebeln pr. Zentner 7,00—10,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg., Aepfel per Zentner 00 bis 00 Mk., in Körben 00-00 Pfg. Nüsse 100 St. 00-00 Pfg. Kirschen per Pfd. 00—00 Pfg. Marktzeit 7—1 Uhr. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Offenes Briefchen an den Herr« Berfaffer des „Eingesandt" in Nr. 206 d. Bl. Hochverehrter Mitbürger und Zeitgenoffe! Auf Ihr von echt großstädtischem Geiste durchwehtes „Eingesandt" in Folgendem ganz kurz meine Meinung. I. Im allgemeinen: 81 tacuisses etc. II. Im besonderen: a. Trotz des besten Willens — und auf diesem engherzigen und kleinbürgerlichen Standpunkt stehen wohl all die „bösen Musikfeinde" die Ihr Eingesandt geißelt — kann ich mich nicht aufschwingen zu der idealen Höhe großstädtischen Musikverständnisses, daß ich die windschiefen Klänge eines „schlecht disponierten" Orchestrions oder den dröhnenden Schall des Feuenvehrmarsches, der von 6 bis 8 Trommlern und Pfeffern durch die engen Gassen „getönt" wird, besonders bet nachtschlafender Zeit für einen hohen Kunstgenuß halten kann. b. Ihre Aufdeckung der verblüffenden Wahrheit, daß Musik „doch wirklich etwas Schönes" ist, verdient heißen Dank; ich habe das seither noch nicht gewußt. Wieviel kann man von einem gewesenen Großstädter doch noch lernen! c. Auf Ihre stolze Frage: „Was gibt's Schöneres in dieses Daseins Dunkel?" antworte ich in kleinstädtischer Einfalt : „Einen gesunden Schlaf", besonders nachts um 2 Uhr, wo ihn sicher auch der Herr Regimentskommandeur im allgemeinen den rührendsten musikalischen Ergüssen seiner „strammen 116 er" vorziehen dürfte! d. Wenn, wie es Ihre Ansicht zu sein scheint, „Gebimmel", , . Bumbum und Täterätä das Großstädtische, ich meine den Geist, auSmachen, dann nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich im stillen von meinem engherzigen, kleinbürger- * K T lick)en und altmodischen Standpunkt aus tagtäglich den stillen Wunsch wiederhole: Der Himmel bewahre in ' ' • Gnaden unser liebes, stilles und bcmtm so anheimelndes Gießen vor dem großstädtischen Geist! e. Im übrigen können wir nach meiner Meinung das , ■; Kriegsbeil ruhig begraben und die ganze Angelegenheit, > die sich ja doch nicht um Liebhaberei von Musik und bergt, sondern um billige Rücksichtnahme auf die Mit- , bürger dreht, ruhig dem Taktgefühl der Beteiligten über- ■ r lassen ; denn Takt und Bildung waren von jeher die beste Polizei und werden sie auch bleiben. Wollen Sie ober fortfahren, so lassen wohl alle bösen Musikfeinde Sie „schöne Eingesandt gern machen". — Ein böser Musikfeind, der ober schon oft mit oufrichtiger Dank- barkeit den munteren Weisen unserer wackeren Feuerwehrkapelle gelauscht und schon manchen Taler geopfert hat, um sich von den strammen 116 ern „gute Musik machen zu lassen" — am rechten Ort, zu rechter Zeit! J ♦ Gießen, 5. Sept. Gestatten Sie mir, aus dem Verlauf der gestrigen Radrennen einige Einzelheiten hervorzuheben, die nicht geeignet erscheinen, ein uneingeschränktes Wohlgefallen zu erregen. Es dürfte im Interesse sportlicher Veranstaltungen dem Publikum zu empfehlen sein, den weniger glücklichen Fahrern gegenüber eine etwas größere Reserve an den Tag legen. Durch Rufe aber, wie „BravoI* „Gut gemacht!* „All Heil!" oder gar „Hipp' eninn!" dem unterlegenen Fahrer die Teilnahme auszudrücken, ist ein Verfahren, das zu den weniger geschmackvollen gerechnet werden dürfte. Ein zweiter Punkt: Es war bei einem der letzten Rennen. In scharfem Endspurt geht der Sieger durchs Ziel; große Begeisterung, lauter Beifall; die Musik setzt ein und spielt: . . . . „Heil Dir im Siegerkranz! !* So geschehen zu Gießen am 4. September 1904. w. " -i r-] - : "" - • Klein-Linden, 6. Sept. Die geehrte Redaktion wolle auch mir das Wort zu dem „Eingesandt aus Klern-Linden" in Nr. 207 Ihres geschätzten Blattes gestatten. Durch Kurzsichttgkeit des Ottsvorstandes soll die Gemeinde Klem-Lrnden beim Bahnumbau zum Schaden gekommen fein. Worin aber dieser Schaden bestehen soll, ist mir ganz unverständlich, denn jeher hiesige Ortseinwohner dürste doch wissen, daß durch das Vorhandensein einiger Wohnhäuser, ohne diese meterhoch zu verschütten, die Brücke überhaupt nicht anders zu bauen war. Bei Erweiterung pes 'Gießener Rangierbahnhofs sind die Kleinlindener Grundbesitzer doch entsprechend entschädigt worden. Der 'OttSvorstand hat nicht starr am Alten ^hangen, Wohl aber da, wo es nöttg war, Sparsamkeit geübt. Der konservative Ottsvorstand war aber fortschrittlich genug, vielleicht auch zu sehr liberal gesinnt, als er vor mehreren Jahren die Vikariatsstelle dem verheirateten Schulverwalter zu Gunsten in eine definitive (dritte) Schulstelle umwandelte. Wenn eine Gemeinde für Schule u-nb Lehrer mehr tut, als das Gesetz verlangt, .dann kann von einem langen Schlafe doch 'wahrlich keine Rede sein. ,Unb auf welche Art wurden die Mehrkosten, welche dadurch entstanden, daß ' der verheiratete Schulverwalter zu einem definitiven Lehrer ernannt wurde, bezahlt? Der Bürgermeister, am Alten starr hängend, ließ sich seine Bureaukosten nicht nach den eingefühtten Sätzen erhöhen, sondern begnügte sich mit einem niedrigeren Satz und hat somit durch diese freiwillige Verzichtleistung indirekt die Mehrkosten für die de- sinittv besetzte dritte Lehrerstelle bezahlt. Die Gemeinde Klein- Linden als solche ist leider arm; fie hat keinen Wald, wohl aber Schulden genug. Bei dieser Vermögenslage formte man die projektierte elektrische Sttaßenbeleuchtung, die 13 000 Mark Kosten verursacht haben würde, vorerst nicht einführen, denn die Steuerzahler haben in Klein-Linden gerade gemtg zu zahlen. Tie Stadt Gießen kommt mit 114 Prozent Zuschlag aus, Klein- Linden muß sogar 163 Prozent erheben. Unter dieser Sachlage ist die größte Sparsamkeit geboten. Bezahlt doch mancher Nein- Lindener heute schon an Gemeindesteuer täglich mehr als 1 Mark. Wem eS aber auf das Zahlen nicht ankommt, wer gerne noch mehr Gemeindesteuer gibt, der wähle am 7. September den Kandidaten der Fortschrittspartei. Schaum Bürgermeister. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. BorauSfichtttche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 7. September: Zunächst leichte Bewölkung und stellenweise (besonders im Süden) Gewitter, dann wieder heiter und fortdauernd ttocken, bei milderer Nacht tagsüber warm. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Kriefkasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) oand. phil. Paul Gr. Freundlichen Dank für Ihren liebenswürdigen Brief. Wir haben allerdings die Absicht, von Zeit zu Zeit ähnliche Preisfragen zu stellen zur Förderung des ästhetischen Gefühls tn weiten Kreisen. Krvetteröewegung. '5. Sept. Aas Ausstandskomitee der Dock arbeit er wurde von der Genueser Ärbeitsbörse verständigt, r^aß die dortigen Kohlenverlader beschlossen haben, mit den M arseiller Ausständigen insofern gemeinsame Sache zrr machen, als sie sicb weigern würden, an Bord der wegen des .Streikesanstatt in Marseille in Genua anlaufenden Schiffe zu arbeiten.1 Gerüchtweise, verlautet, daß auch die Genueser Tockarbeiter geneigt seien, .im Falle einer längeren Dauer der Marseiller Stterk- bewegung die Arbeit einzustellen. .Die Bäcker gaben der Bevölkerung , bekannt, daß sie infolge der Schließung der Damps- mühlen nicht mehr auf Kredit verkaufen können und wegen Mehlmangels vielleicht in Kürze genötigt sein würden ihre Säben' zu sperren. Die Genossenschaft der Dockarbeiter will die ausständigen Fuhrleute ermächtigen, den Transport des für die Bäckereien erforderl^en MeW zu besorgen. Nnielst Meldungen. ' Gelbensande, 6. Sept. Der Kronprin verbrachte den gestrigen Tag in denr Kreise der großh erzogtichett' Fanrine. Am Abend wurde dem hohen Brautpaare von! den Einwohnern in Gelbensande ein Fackelzug gebracht;,' int Zuge befanden sich etwa 200 Fackelträger. Forstmeister v. Oertzen gab in einer! Ansprache der Freude über die Verlobung und den Wünschen für das Brautpaar Aufdruck. Der Kronprinz dankte mit herzlichen Worten. B e r l i n, 6. Sept. Wie der „Vorwärts" berichtet, wurde gestern abend eine von etwa 700 Personen besuchte Volks- versammlung, in welcher der Schriftsteller Adolf Brand über das Thema: „Kaplan Dasbach und die Freundeslieb6" sprgch, wegen unzüchtiger Worte deA Red-, ners polHeilich aufgelöst. Petersburgs. September. Der Zar besichtigte gestern in Kronstadt das baltische Geschwader, welches in acht Tagen nach Ostasien abgehen soll. Dasselbe wird aus der Reise auf der Höhe von Algier Rast mvchen. Sollte brs dahin Port Arthur in die Hände der Japaner! gefallen sein, so werde das Geschwader nach Rußland KU- Äckkehren. Petersburg, 6. September. Wie aus" Liaujang berichtet wirjd, mutzten sich die russischen Truppen nördlich von Liaujang ntittePft. Bajonett einen Weg durch die japanischen Truppen bahnen, wobei "sie 5000 Mann verloren. Die Sprengung der Pulvertürme von- Liaujang hat ungeheuren Schaden verursacht. Amtlich wird berichtet, daß die Russischen Truppen sich nördlich von! Jentai konzentrieren. Eine starbe Kolorrne befestigt den Platz. Tschifu, 6. Sept. Die japanische BeiagerrmgsarNtee von Port Arthur soll stark an Ruhr und Fieber leiden. Die Blockade von Port Artthur ist eine sehr lockere. Die Garnison kann sich leicht verproviantteren, doch beginnt die Munitton auszugehen. Die Japaner erwarten täglich einen neuen Ausfall der im Hafen liegenden russischen Kriegsschiffe. Die japanischen Verluste bei Liaujang sollen sich auf 20 000 Mann belaufen. Die Japaner werden wahrscheinlich bei Mukden Merwintern. New York, 6. Sept. Unter den 38 Bewerbern bei den olympischen Spielen auf der Weltausstellung' in St. Louis tnugen die Amerikaner 34 Siege davon, während die Vertreter Deutschlands, Kanadas, Griechen- lands und Irlands je einmal siegtem Telephonischer Kursbericht- 8‘/eo/o Reiohßanleihe . . 102.20 30/0 do. ... 89.75 3V,6/o KoneolB .... 102.05 8°/n do......89.85 3Ve% Hessen .... 100.20 8l/,% Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente . . 101.90 4xh% Oesterr. Silberrente 100.40 4% Ungar. Goldrente . . 100.15 40/9 Italien. Rente . . . 104.80 4*/,96 Portugieser , . . 62.00 8% Portugiesen, .... 61.50 \ % C. Türken .... —.— ITirkonlose......129.50 4% Griech. Monopol.-Anl 47.60 41/. H Äussere Argentiner 44.50 80/0 Mexikaner .... 27.7G. 41/ao/o Chinesen .... 90.10 Electric. Sehnckert . . . 117.10 Nordd. Lloyd . . . . 103 80 Kreditaktien ..... 204.50 Diskonto-Kommandii. . . 191.75 Darmstädter Bank . t ; . 143.50 Dresdener Bank . . . . 155.40 Berliner Handelsges. . : . 162.00 Oesterr. Staatsbahn . . . 187JG Lombarden • . « • . 18.60; Gotthardbahn . . . . « 189,50 Lanrahütte ...... 253.00 Bochum ....... 209.30 Harpen er ...... 219.60 Tendenz: fest. Feinde der Schönheit deswegen^ auch die Quelle steten Verdrusses für schönheitslrebende Damen. Man meide daher ängstlich minderwertige Seifen und benütze dafür ausschließlich die aus den edelsten Materialien hergestellte Eulen-Seife. Diese Sette ist so rem, so fettreich, so mild, daß die zarte Haut des Müdes biej Waschungen mit stetem Wohlbehagen empfindet. Schöne Frauen, verständige Mütter sollten diesen Wink beherzigen und nie zugeben, daß in ihrem Wirkungskreise eine andere Seife für die Toillet ; Verwendung finde als Doering's Eulen-Seife, zumal fie nur 40 Pf^' im Ankauf kostet. hv9/,^/ Nochmalige endgiltige Immoöilien-Wersteigerung. Freitag den 16. September 1904, nachmittags 3 Uhr, lassen die Witwe und die Kinder des Ludwig Christoph Rüb- sameu zu Gießen ihre nachstehend näher verzeichneten Liegenschaften in der Stadt und Gemarkung Gießen auf Großh. OrtS- geeicht Gießen auseinandersetzungshalber öffentlich meistbietend freiwillig versteigern. 1. Alicestraße 13, Wohnhaus mit 3 Etagen zu je 7 Zimmer und geräumiger Mansarde, großem Hof mit Stallgebäude und Garten Flur 5, Nr. 27 und 87 = 1056 qm. 2. Lahnstrabe 11, Wohnhaus mit 2 Etagen (auch zum Alleinbewohnen), mit Vorgarten, Veranda, Hof mit Stallgebäude und großem Nutzgarten Flur 38, Nr. 21,1, 21,5 und 20,1 — 1517 qm. 3. Hammstraße 12, Wohnhaus, Doppelhaus mit 6x3 Zimmer- wohnunaen, Hof und Grabgarten Flur 38, Nr. 32,6 und 35,2 — 884 qm. 4. Grabgatten am Mühlweggarten und am Hamm, am Neustädter Tor iBaugelände) Flur 38, Nr. 32,2 = 1257 qm. 5. Flur 24, Nr. 92,5 = 2021 qm Acker am grünen Weg. 6. „ 26, „ 7 = 2268 qm Acker rechts am grünen Weg. 7. „ 27, „ 29 — 4782 qm Acker an der Steinkaute gegen die Hohl. 8. „ 27, „ 46 — 4645 qm Acker daselbst. q f w 27, „ 113,5 — 406 qm Hosraite üb. d. Schäferbrunnen. * I „ 27, „ 118,1 -- 3793 qm Acker daselbst. Die Verkaufsbedingungen können bei dem unterzeichneten Ortsgericht eingesehen werden. Gießen, September 1904. B% Großh. Ortsgericht Gießen. Gros. IHoselthal (hießen, Blcichstraße 5. Dezente Bedienung. Separate Salons. 0400fl ff. Biere und Weine. Iwikbelkuchcn Montag, Mittwoch u. Freitag von 9 Uhr ab. 6501 Fr. Moll, Mäusvurg. Bekanntmachung. Das gesamte zum Nachlaß der Heinr. Fviedr. Reit Eheleute zu Großen-Buseck gehörige Mobiliar, bestehend in Uhren aller Art, vollständiges Uhrinacherhandwerkzeug, Möbel, Betten, Weißzeug, Schmucksachen, Kleider, Küchen- und Hausgeräte pp. soll Donnerstag den 8. und ed. Freitag den 9. September 1904, von vormittags 9 Uhr ab, in Großen-Buseck öffentlich meistbietend gegen Barzahlung verkauft werden. 7192 Gießen, 6. September 1904. Versteigerung. Donnerstag den 8. Sept. L I. vorm. 11 Uhr versteigere ich Ttefeuweg 3 dahier gegen Baarzahlung: 1 vollständiges Bett, 1 Wanduhr, 1 Tisch, 1 Kommode, 1 Spiegel, Herrenkleider u. Wäsche, 1 Häckselschneidmaschine, 1 Haferkasten, Pferde-u. Schlittendecken, Chaisen- lat?rnen, Ketten, Pferdegeschirr- Teile u. s. w. Die Versteigerung findet bestimmt statt. 7194 Born, Gerichtsvollzieher. Versteigerung. Morgen Mittwoch den 7. d. M., nachm. 3 Uhr versteigere ich srei- willig im Gasthaus zum Pfau, Neustadt 55: Betten, Kleiderschränke , Konunoden, Sopha, Nähmaschine, sowie eine größere PartiePorzellan, Glas u.Einaille- waren und Eßservice rc. Die Vccsteigerung ist beftimmt. 7193 Simon. Wttchctzkmg in der Gemarkung Eberstadt. Dienstag, den 13. September soll das Gemeinde-Obst, sowie dasjenige des fürstlichen Hof- konsortiumS, bestehend in gutem Wirtschafts- und vorzüglichem Tafelobst öffentlich nieiftbietenb versteigert werden. 7144 Anfang vormitt. 9^ Uhr auf der Dreispitze. Eberstadt, am l.Sept. 1904. Großh. Bürgermeisterei. Görlach. Erstaunlich war die Wirkung Ihrer Decktet»- Bat teil k u c h e n. Senden Sie mir noch 5 Dosen zu 1.50 TJf. Ktttlewo b. Gr.-W., 18.9.00. E.H. Tose 0.50, 1.— u. 1.50 Mk. Zu haben in der Hirschapotheke und bei Otto Schaaf. [Du/e Sekaimtmachiing. Sämtliche zum Nachlaß des Sattlermeisters L. Kühne zu Gießen gehörigen Warenvorräte, als: 1 Partie Kinderwagen, Koffer, Luxusartikel, Geschirre, Peitschen, Jagdutensilien usw. sollen Mittwoch d. 7. September von vorm. 9 Uhr ab in den Kuhne'schen Geschäftsräumen, Asierweg 2, freihändig verkauft werden, wozu Kaufliebhaber hierdurch höflichst eingeladen werden. 7136 Gießen, den 3. Sept. 1904. Der Nachlaßverwalter I. L ö b e r m a n n. MM den W.U 7166] rmchmittags 2 Uhr versteigere ich im Bieker'schen Saale — Neustadt 55 — L Sopbas, Kommoden, 1 Glasschrank, 1 Pia- nmo, 1 elsg. Bitcherschrank, einen Horrsnschreibtrfch lEichen), 1 Bild, 1 Spiegel, 1 Chaiselongue, zwei geschn. Eichenstämme u. a. — II. 1 Sopha, 2 Bilder, 2 Hau§- segen, 1 Nähmaschine und 2 Revolver. — Die Versteigerung sub II findet bestimmt statt. Geißler, Gerichtsvollzieher. Wäsche gebügelt bei 04077 Fr. Otto, Liebigstraße 63. 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