Mittwoch « Januar LSV4 154t Jahrgang Erstes Blatt VchalVratze 7. tibrefle ttn Develchenr «nzetger Gtetzeu. 5rrnan« tHect, Eichener Anzeiger General-Anzeiger ** Amis- und Anzeigeblati für den Kreis Gießen 6 Zuteilungskarten, Bände Gütergeschoffe, 3 2 Bände Zuteilungsverzeichnis, 1 Heft Zusammenstellung der Güterqeschosse, 1 Heft Verzeichnis der Drainagekosten, da? Protokollbuch, daß Obstbaumverzeichnis schäftsordnung enthalten soll, um der Obstruktion ent» gegenwirken zu können. Auerbach i. S., 5. Ian. Bei der heutigen Reichs- tagsnachlvahl im Wahlbezirk Reichenbach-Auerbach erhielten Sozialdemokrat Hofmann 16 195 und Graf Hocnsbroech 10108 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt. (Bei den Hauptwahlen erhielt der Sozialdemokrat 19106, der Kartellkandidat 12 988 St.) Stuttgart, 5. San. In einer Besprechung von Vertretern bayerischer und württembergischer national- sozialer vereine tvurde heute hier der „Süddeut* sche Verband" konstituiert, der alle nativnalsozialen, ibcralen Vereine Süddeutschlands umfassen wird, einerlei, ob sic dem liberalen Wahlverein in Berlin angehören oder nicht. Als vorläufiger Vorort wurde München gewählt, wo zunächst auch der ^Parteisekretär seinen Sitz nehmen soll. Auf dem ersten Verbandstag, der in der Zeit um Ostern dieses Jahres stattsinden wird, soll die endgiltige Regelung >er Verbandsverfassung erfolgen. zur Einsicht der Beteiligten offen. Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet statt: Donnerstag, den 21. Januar 1904, vormittags von 11 bis 12 Uhr, in der Großh. Bürgermeisterei Heuchelheim bei Gießen, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Einwendungen sind schriftlich abzufassen, zu begründen und auf Papier in Aktengröße (mindestens 1/2 Bogen) einzureichen. Friedberg, den 31. Dezember 1903. Der Großherzogliche Feldbereinigungskommiffär: Spam er, KreiSamtmann. von den 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Gießen, rechts der Lahn. Rechre verletzt werden, dann wissen wir — das hat der Venezuelas«!! bewiesen — unser Recht auch wahrzunehmen. Wir tun es aber nur, weil wir es müssen, nicht etwa, weil es uns besonderes Vergnügen machte, von unserer starken Wehrkraft zu Wasser und zu Lande Gebrauch zu machen. Es macht uns mehr Vergnügen, mit allen, auch den kleinenStaaten,inFriedenund Freundschaft zu leben. Ist es als-o nur der moralische Zwang und nicht etwa ein abenteuerlicher Sinn, der uns veranlagt, da einzuschreiten, wo unsere Ehre und Interessen in Frage stehen, so ergibt sich daraus zur Evidenz, daß es uns nicht beikommcn kann, uns einzumischen, wo unsere Interessen gar nicht berührt sind. Für die Gefährlichkeit der Einmischung gerade in amerikanische Angelegenheiten aus purer Abenteurerlust steht mir ein lehrreiches Beispiel vor Augen. Ter Stern Napoleons UI. erbleichte, als er sich auf das sinnlose Abenteuer in Mexiko einließ. Für deutsche Staatsmänner ist, mag cs sich um Amerika oder andere Erdgebiete handeln, die Politik der Nichteinmischung, wenn unsere Interessen nicht berührt werden, oberster Grundsatz. Eine solche Politik entbehrt des Zaubers der Romantik, sie erscheint vielleicht manchem egoistisch, aber sie trägt sehr wesentlich zur Wahrung des Weltfriedens bei, dessen Erhaltung mir ein sehr ideales Ziel zu sein scheint." Kolouialpost. Nach einer Meldung der „Frkf. Ztg." aus Sidney ftnd bei dem Ueberfall in Peterhafen außer den beiden Teutscheu Toll und Reinhardt auch zwei Chinesen und zehn Eingeborene von den Eingeborenen erm or d e t worden. Ter Stationsches Hansen wurde von befreundeten Insulanern beschützt und ist nach Friedrich-Wilhelmshafen entkommen. Am 12. November wurde die §ll:alstation auf der Mundua-Jnsel angegriffen und die Eingeborenen wurden ermordet. Ter Händler Lauer erhielt zwei Speer- wunden, ist aber nebst seiner Familie nach Herberts- Höhe entkommen. Tas Gouvernement hat 50 Mann Schutz- truvven nach dort entsandt und 25 Ein ge bor en e wurden getötet. Als angebliche Ursache der Tat wird der Umstand bezeichnet, daß die Europäer Land, oas sie bereits bezahlt hatten, übernehmen wollten, worauf der uebersaä erfolgte. Tie Schutztruppe setzt gegenwärtig die Verfolgung 'fort, sonst herrscht Ruhe.__ Keer und Atolle. — Im Trainbataillon Nr. 16 in Forb ach sind nur zwei Offiziere verblieben, die dem Bataillon schon vor dem Juni 1903 angehört haben: der Mttmcistcr. Hagele unv ver Leutnant v. Flenimiug. Auch der Dircllor der Traindirektion 4, dem das Forbawer Trainbataillon unter« steht, Oberst v. Dewall, ist pensioniert worden. Die ,M. N N." charakterisieren die Veränderungen im Forbacher ^raut- bataillon ttrie folgt: Me Offiziere des Trainbataillons Nr. 16 bis auf zwei schieden aus der aktiven Armee auS, und zwar wurde der nachgesuchte 9lbschied bewilligt m:t P?tz"on: Oberst v. Dewall mit Uniform des Trainbataillons Nr. 18, Major Fuchs mit Uniform des Nlanen-Regiments Nr. 12, Rittmeister Bandel ohne Uniform; mit Pension ausgeschieden sind und zur Landwehr übernommen: Oberleutnant Hertz und Oberleutnant Koch; mit Pension zur Disposttion gestellt wurden und als Bezirks Offiziere eingerechi: Ritt- meister Ehe in Gnescn und Oberleutnant Mite in Siegen; mit Pension zur Disposition gestellt wurde: Oberleutnant Habenicht: den schlichten Abschied haben erhalten: Die Leutnants Schmidt und Bilse. ________ Deutsches Keich. Berlin, 5. Jan. Der Kaiser hörte heute den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts Grasen v. Hülsen- Häseler. , — Die „Nordd. ANg. Ztg." schreibt: Die „Welt am Montag" behauptet, von vertrauenswürdiger Seite zu wissen, daß der Kaiser unmittelbar nach Bckanntwerden der Nachricht, nach der sich in Weimar eine neue K ü n st l e r - Vereinigung der Modernen unter dem Protektorate des Großherzogs gebildet habe, den preußischen Kultusminister dorthin entsandt habe, um vor Sr. Kgl. Hoheit dahin vorstellig zu werden, daß von dem Plane Abstand genommen werde. Der Großherzog habe sich dem Minister gegenüber in sehr kräftigen Worten gegen jede Einmi f ch- ung in seine Bestrebungen nachdrücklichst verwahrt. Wir lind zu der Erklärung e-nr/Tätigt, daß die gesamte Darstellung der „2Mt am Montag" auf Erfind ung beruht. — Ter „Nordd. ANg. Ztg." zufolge lautet die telegraphische Antwort des Präsidenten Roosevelt auf das Telegramm des Kaisers anläßlich des Brandunglücks in Chicago folaendermaßen: „Ihre aus Herzensgrund und edlem Genius redende Depesche bezügl. des schmerzvollen Unglücks, das die Einwohner von Chicago betroffen hat, habe ich erhalten und den Behörden der Stadt Ihr tiefes Mitgefühl ausgedrückt. Empfangen Sie meinen und des amerikanischen Volles herzlichen Dank und beste Glückwünsche, und möge der gütige Gott Sie und Ihr Voll sowie das unsere vor ähnlichen schweren Unfällen möglichst bewahren." — Bei dem Minister des Innern fand heute eine Konferenz sämtlicher preußischer Oberpräsi- d ent en statt. Aus Anlaß der Konferenz fand abends beim Frhrn. v. Hammerstein ein Diner statt, an dem der Kaiser, der Reichskanzler und der Finanzminister tell- nahmen. — Wie gemeldet wird, hat der evangelische Pfarrer H e ck e n r o t h, der bekanntlich gelegentlich der preuß. Landtagswahlen einen Pakt mit dem Zentrum schloß, gegen einzelne Personen, die ihn öffentlich beleidigt haben sollen, Klage angestrengt. — Ter frühere Reichstagsbag. Seyboth, welcher bekanntlich wegen Wcchselfälschung zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust verurteilst worden ist, wurde trotz des hohen Strafmaßes gegen die von inm seinerzeit gestellte hohe Kaution auf freiem Fuß belassen. , . , Dessau, 5. Jan. Nach preußischem Vorgang forderte jetzt das anhaltische Staatsministerium die Oberbürgermeister und Kreisdirektoren auf, dafür zu sorgen, daß die vom Reichskanzler in den Reichstagssitzungen am 10. und 14. Dezember gegen die Sozialdemokratie gehaltenen Reden weiteste Verbreitung finden. Dresden, 5. Jan. Der König wird sich am 2b. Januar nach Berlin begeben, wo er am 27. Kaiser Wilhelm seine Glückwünsche persönlich darbringt. Ob der Kronprinz in seiner Eigenschaft als Korpskommandeur ebenfalls nach Berlin fahren wird, ist noch unbekannt. — Dem „Neuen Sächsischen Kirchenblatt" entnehmen die „Tr. Nachr." folgenden Protest: „Der Herr Kammer- Herr Tr. v. Frege-Weltzien hat in der Ersten Kammer am 21. Dezember bei der Besprechung des Krimmitschauer Streif? geäußert: „Es gibt in den eigentlichen Arbeiter- [reifen viel weniger Sozialdemokraten als leider in den Hörsälen und auf den Kanzeln." Wir müssen unsererseits und im Namen der sächsischen evangelischen Geistlichkeit' auf das entschiedenste und s chärfste widersprechen. Wir müssen von Herrn v. Frege unbedingt fordern, daß er seine Worte, lauten sie so, wie gemeldet, beweise oder zurücknehme. Sie bedeuten eine schwere, unverdiente Kränllmg des geistlichen Standes, die allseitig und bitter empfunden wird." _ — Wie der „Chemnitzer Allg. Ztg." aus zumerläsftger Quelle bestätigt wird, ist die Beschleunigung der Veröffentlichung der Denkschrift bei der Wahlrechtsre|orm auf den Wunsch des Königs Georg zurückzusuhrem eintönig hat beim Neujahrsempfang dem Geh. Hofrat Mehnert gegenüber sich ausdrücklich in diesem Sinne geäußert. Aus unterrichteten Kreisen verlautet ferner, daß die Kundgebung der Unterschrift auch eine Verschärfung der Ge- Ausland. London, 5. Jan. Wie aus Finanzkrcsten mitgeteill wird, schließt das Finanzjahr mit einem großen Desi- zi t. Dasselbe soll sich aus 4-5 Millionen Pfund Sterling belaufen und veranlaßt sein, durch unge- migende Steuereinkünfte, sowie durch auß ervrd ertliche Ausgaben infolge der Somali-Expedition und für die E r w e r b u n g z w c i e r P a n z e r s Ä i f f e infolge der Somali-Expedition und für die Erwerbung zweier Panzerschiffe, die für Argentinien gebaut worden waren. . . o _ . Paris, 5. Jan. Der Sozialistische Verband des Seme- Tepartements schloß den Deputierten Mirard aus, weil er in der Kammersitzung vom 22. November 1303 gegen den Äbrüstunasantrag Hubbard gestimmt hatte. Ta ich jedoch das Mahllomitee Mirards mit letzterem solidarisch stellte, glaubt man nicht, daß der B'scymß des sozialistischen Verbandes irgend welche Folgen, für Mirards Stellung haben werde. Mirard selbst erklärte, er bedaure den Beschluß nur deshalb, weil derselbe den -Sozialisten eine vergiftete Waffe in die Hand drücke. Er Persönlich fühle sich durch den Beschluy in keiner Weese berührt und bleibe seiner Uebertzeugung nach wie vor treu. Budapest, 5. Ian. Abgeordnetenhaus. In der heutigen Sitzung wurden militärische Ausschreitungen in Vilek besprochen. Honvedmimster Nyiri erflärt: Tatsache sei, daß infolge der Zurückhaltung der Soldaten, die ihr drittes Jahr a6gebicnt hatten, sich Unzufriedenheit 6 ein er f 6 ar gemacht habe, und daß am 25. Tezember ein Fall von Verletzung der dem Vorgesetzten schuldigen Achtung vorgekommc:: sei, sodaß 16 Munn arretiert worden seien. Tic Un rsuchung habe ergeben, daß die Widersetzlichkeit planmäßig verabredet gewesen sei. Am 27. Tezember hätten Soldaten in einem Wirtshause in Bilek aufreizende Reden gehalten, weswegen gegen sieben ein Strafverfahren eingeleitet sei. An den Ausschreitungen hätten insoesamt 60 Mann teilgenommen, es fei jedoch nur gegen IG ein Strafverfahren cingcieitct worden. Im weiteren Verlaufe der Sitzung interpellierte Baoknyi (Kos- suthfiarteij wegen der Dekräniung be* Freiheitsdenkmals in Tebretzin durch sieben Soldaten, welche sich deswegen schon drei Monate in Untersuchungshaft befanden. Der 5^onvedminister Nyiri , hierauf, jene Soldaten seien wegen Aufwiegelung i itersuchung. Die Heeresleitung Ualitische Tligesschau. Eine „Ditte" an den Reichskanzler. Aus Berlin, 5. Januar, wird uns geschrieben: Es wurde schon vor einiger Zeit in Berliner politischen Kreisen davon gesprochen, daß die konservative Partei die Kan alvor lage in Preußen zum Anlaß von Gegenforderungen nehmen werde. Mit der Einführung von Schiffahrtsabgaben auf freien deutschen Strömen ist es nichts; der Versuchsballon, den man aufsteigen ließ, sank rasch zu Boden. Jetzt wird, um doch etwas zu erreichen, eine politische Forderung erhoben. Ter, anerkannte Führer der Rechten, Abg>. Graf Kanitz, richtet in der heutigen Abendausgabe der „Kreuzztgck' eine „Bitte an den Herrn Minister und Reichskanzler", und zwar kurz und bündig des Inhalts, daß Graf Bülow das Kanalpwjekt dem Landtag erst dann vorlegcn möge, wenn der Reichskanzler das längst verheißene Gesetz gegen sozialdemokratische Gewalttätigkeiten im Reichstag zur Annahme gebracht haben werde! Weiter nichts? So dürfte Graf Mlow mit Ironie auf diesen „bescheidenen Wunsch" fragen. Graf Kanitz, der sehr ausführlich und sachgemäß in den vorausgehenden Ausführungen darlegt, daß der Eisenbahn-Transport demjenigen auf künstlichen Masscrst-raßen sowohl in Bezug auf Billigkeit wie auf Zuverlässigkeit entschieden vorzuziehen sei, verabsäumt ganz und gär, dem Reichskanzler einen Vorschlag zu unterbreiten, wie bei den gegenwärtigen Mehrheitsverhältnissen im Reichstag das neue Sozialistengesetz durchgebracht werden könnte. Gras Kanitz spricht von einem Gesetzentwurf gegen Ausschreitungen und zum Schuh der Arbeitswilligen. Graf Kanitz weiß aber, daß die seinerzeit in dieser Richtung« unternommenen Versuche völlig gescheitert sind. Und heute liegen die parlamentarischen Verhältnisse noch ungünstiger für die Wiederholung« des Versuchs. Tas alles hat mit dürren Worten beim Etat Graf Bülow selbst schon dem konservativen Abg. Grasen Limburg« auf dessen Begehren nach „Taten" gegen die Sozialdemokratie auseinanoergesetzt. Wie man sieht, vergeblich. Tie Rechte knüpft an die Kanalvorlage die Forderung erneut an. Taktisch ganz geschickt ist die Begründung, die Graf Kanitz dieser Vcrioppelung gibt. Er meint, wenn der Großindustrie jetzt wieder eine neue künstliche Förderung zuteil werde, dann komme die dadurch hervorgcrufcne Anhäustrng der Menschenmassen in den Jndustriebczirken der sozia1dem«okratischen Bewegung wesentlich zu statten. Folglich müsse die Regierung auf gesetzliche Maßnahmen gegen Ausschreitungen der Sozialdemokratie Bedacht nehmen. Ter Mittellandkanal, oder vielmehr dessen zunächst geplante westliche Teilstrecke, leistet nach Ansicht des Grafen Kanitz dem Anwachsen der Sozialdemokratie wesentlich Vorschub. Uns scheint dieser Hinweis noch für eine höhere Stelle, als die des Reichskanzlers,, bestimmt zu sein. Wichtiger ist die praktische Frage, ob die „kleine" Kanalvorlage scheitern wird, wenn die „Mtte" des Grafen Kanitz unerfüllt bleibt? Mir glauben diese Frage verneinen zu können. Tie preußische Regierung hat das Kanal- Kompromiß „in der Tasche." lieber eine Unterredung des deutschen Reichskanzlers mit einem Mitarbeiter des „Montreal Taily Herald" bringen die „Berl. Ncucst. Nachr." nähere Mitteilungen, denen wir folgendes entnehmen: „Ich erinnere mich wohl, Ihnen schon Ende Juni dieses Jahres gelegentlich von Verdächllgungen, die sich an den Venezuelastreit anknüpften, die Stellung Deutschlands zu den amerikanischen Republiken auseinandergesetzt zu haben. Ich habe damals erklärt: „Politisch*e Aspirationen h a b en w ir in der n euen Wel t ü b er - Haupt nicht." Diese (Märimg gilt heute genau s-o, wie sie vor einem halben Jahre gegolten hat, und wie sie in zehn Jahren gelten wird Damit ist aber schon gesagt, daß die Mitteilungen über sympathische Kundgebungen der • deutschen Regierung gegenüber Kolumbien abiolut erfunden rind. Wenn unsere Interessen und wohlerworbenen In der Zeit vom 7. Januar 1904 bis einschließlich 20. Januar 1904 liegen in der Großh. Bürgermeisterei zu Heuchelheim bei Gießen die Arbeiten des III. Abschnittes Fluren 34 bis 39 obiger Feldbereinigung, nämlich : im Dörfchen, etwas abseits der Bahnlinie, war unter Gesang und Tanz und fröhlichem Juchhei der erste Tag des höchsten örtlichen Festes, der Kirchweih, glücklich vorübergerauscht. Am Morgen des zweiten Tages aber zogen die Musikanten „zum AufspielenE in dem Dorf umher und heimsten, wie üblich, die riesengroßen Stücke Kirmeskuchen ein, die in einer Kiepe nachzutragen sich ein Mann aus einem benachbarten Orte erboten hatte. Immer schwerer wurde die Kiepe, immer verschmitzter aber das Gesicht des biederen Kiepenträgers, und als man, mit dem Ausspielen fertig, sich ins Wirtshaus begab, um den Kuchen brüderlich zu teilen, fehlte der gefällige Nachbar mit seiner gespickten Kiepe. En hatte sich mit den Worten: „Der soll mirsch moal für mei Keng do!" aus dem Staube gemacht und eilte mit Riesenschritten der Heimat zu! Hier fröhliches Entgegenjauchzen der Kinderschar, dort — lange Musikantengesichter. Mainz, 5. Jan. Der Lustmörder Weygand, der wegen Verdachts, den Mord an der Telephonistin Josephine Haas aus Bamberg begangen zu haben, vor einiger Zeit aus der Irrenanstalt Klingenmünster in Aschaffenburg eingeliefert wurde, ist nach dem M. Tgbl. gestern wieder dorthin abgeliefert worden. Er konnte sein Alibi nachweisen. Weygand ist bekanntlich s. Z. in Mainz verhaftet worden. Kassel, ß. Jan. Auf dem Bahnhof Elchenberg fuhr eine Rangiermaschine einem Personenzug in die Flanke, wahrscheinlich, weil die Signale mißverstanden waren. Personen wurden nicht verletzt. Die Lokomotive und mehrere Wagen wurden stark beschädigt. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. 300 000 Katholiken zählt nach einer Mitteilung der Hess. Schlilblätter die Diözese M a i n z, welche das gesamte Großherzogtum Hoffen umfaßt, in 19 Dekanaten und 174 Pfarreien. Die Zahl der Priester beträgt 307. — Nach der statistischen Aufnahme am Ende des verflossenen Jahres betrug die Bevölkerungsziffer der Stadt Mainz 89 048 Seelen. — Das Hotel „Deutsches Haus" in Jugenheim ging auf dem Subhastationswege zu 39 000 Mk. in den Besitz des früheren Eigentümers Herrn. Albin Diedel, zurzeit in Bad Nauheim, das „Hotel Bauer" in Auerbach zu 103 000 Mark an einen Herrn aus Darmstadt källflich über. 2. Anz." folgendes Geschichtchen. In einem kleinen A»is Htadl rind Land. Gießen, 6. Januar 1904. ** Die Reise des Großherzogs. Ariswärtige Blätter bringen über allerlei Reisepläire Sr. Kgl. Hoh. dc§ Grohherzogs die mannigfachsten Nachrichten, die inSaesammt , nach den ,N. H. Vbl." falsch sind. Weder nach Rußland, hvkitifiere nicht und dulde auch nicht, daß die Soldaten an politischen Kundgebungen teilnähmen. — Die der Negierung nahestehenden Blätter fuhren die Militär-Unruhen in Bilek auf den Einfluß einer auswärtigen Macht zurück. Ein Blatt bezeichnet geradezu Rußland als jene Macht. Washington, 5. Jan. Der gemeinsame Ausschuß />es Repräsentantenhauses für Heeres' und Marineangele- saenheiten unterbreitete dem Hause einen Bericht, in dem 'bas Repräsentantenhaus dringend ersucht wird, ohne Vcr- tzug die Mittel zur Befestigung der Buchten von jFubiq und Manila zu bewilligen. Kerichlssliat. (2) Friedberg, 5. Jan. Ter heutige Schöffen- gericbtsverhaudlungstag bot sehr Interessantes. Anläßlich der Kirchweihe gerieten in der Wirtschaft Hen- ritzi zu Ockstadt -wer „Kerbeburschen" in Streit. Einige andere Burschen rissen die Raufbolde auseinander, wobei es natürlich nicht wenig „Keile" absetzte. Der Nachtwächter mußte sogar noch seinen Schutz einem jungen Mann aus Wußtand und Japan. Der „Nat.-Ztg." zufolge hat der Konflikt zwischen Ruß- jTanb und Japan nach den aus Petersburg und London vorliegenden Meldungen seinen akuten Charakter verloren, sodaß die Gefahr eines Krieges nunmehr als ausgeschlossen gelten darf. Selbst wenn Japan, um einer ?aufständischen Deweanng der Eingeborenen auf Korea vor- szubeugen, einige Küstenforts dieses Landes besetzen sollte, würde Rußland dies nicht als einen Kriegsfach bedachten. Tie Veröffentlichung jeder Nachrichten über die Be- ,1veo,ungen der Truppen und Kriegsschiffe ist in Japan jedoch ^amtlich verboten. In Tokio verlautet ferner aus Wtadi- 'ipoftof, daß sich dort ein russisches Geschwader aktionsfertig mache. Eine andere Nachricht besagt, ein russischer Kreuzer sei mit einer kleinen Landungstruppe von Port Arthur abgegangen. Ter Bestimmungsort sei 'nicht bekannt, wahrscheinlich aber Tschemulpo. Tie russische Antwort auf die letzte Mitteilung Japans soll in Tokio noch nicht eingegangen sein. Tas Bureau Reuter erhielt aber von einem Privatkorrespondenten aus Petersburg eine Depesche, die besagt, aus 'amtlicher Quelle verlaute, daß die Antwort, über die bem Statthalter Alexejew Instruktionen zugingen, in stußerst versöhnlichem Geiste gehalten sei. Einige japanische Vorschläge seien angenommen, während andere Zum Gegenstände ausgedehnter Bemerkungen gemacht und ähnen Gegenvorschläge gegenübergestcM seien. In rnssi- ischen amtlichen Kreisen gebe man der Hoffnung Ausdruck, Daß die Japan gemachten Konzessionen, welche in Petersburgs als sehr wesentlich betrachtet werden, sich als annehmbar erweisen werden. Man hoffe, daß morgen, am Donnerstag, dem russischen Weihnachtstage, Kaiser Nikolaus in der Lage sein werde, den Frieden zu verkünden. Der Korrespondent fügt hinzu, in Bankiers- ikreisen erkläre man die Erregung an der Börse als die >Folge der Regulierungen zum Jahresende. Tie Lage in pstäsien habe auf die Haltung der Börse keinen Einfluß gehabt. Tas Reutersche Bureau erfährt aber auch,, auf der .japanischen Gesandtschaft in London sei nicht richtig, zu ibehaupten, daß die Verhandlungen in letzter Zeit einen -günstigeren Verlauf genommen hätten. Diese stän- loen immer noch auf demselben Fuße. Auch der Petersburger Korrespondent der „Köln. Ztg." teilt mit, daß im Gegensatz zu den optimistischen Meldungen in amtlichen Kreisen "wieder eine nervöse Stimmung Platz gegriffen habe. Tie aus Japan eintreffenden Meldungen von der Besetzung von Masampho und anderer Plätze seien geeignet, den korrekten Gang der Verhandlungen ungünstig W beeinflussen. Tie Annahme, daß der Krieg bevorstehe, wird auch /it Paris nach Meldungei: aus Tokio bestätigt. Tie hiernach bevorstehende Aktion werde wahrscheinlich in einer Besetzung der koreanischen Häfen bestehen, die Japan durch- führen werde. Dor Frühjahr würde indeflen der eigentliche Kampf nicht zu erwarte:: sein. Einer Londoner Depesche Infolge behauptet hinwiederum der „Daily Expreß", König Dduard habe im Interesse der Wahrung des Friedens ^zwischen Japan und Rußland durch den Prinzen Louis von Battenberg direkt an den Zaren appelliert, tinib in Paris wird es, wie die „Voss. Ztg." von dort erfährt, als ein günstiges Zeichen für den Frieden gedeutet, daß «sowohl der Minister des Aeußeren, Telcasss, wie auch der neue russische Botschafter Nelidvw eine mehrtägige Erholungsreise nach Cüdfrankreich angetreten haben. Ein römisches Blatt bringt unter Vorbehalt die Meld- 1mg, daß Deutschland die Initiative zu einer Vertritt elung zwischen Rußland und Japan ergriffen habe. Tie Meldung, daß zum Militärrcitinstitut in Hannover kommandierte japanische Offiziere Befehl erhielten, nach Japan zurückzukehren, ist völlig unbegründet. Zu dem genannten Institut sind zur Zeit japanische Ofsiziere überhaupt nicht kommandiert. Auch ist es unbegründet, daß die in Berlin studierenden japanischen Offiziere ihre Studien abgebrochen haben, um sich in die Heimat zu beheben; dieselben setzen ihre Studien ununterbrochen fort. Ter „Frkf. Ztg«." wird aus Konstantinopel gemeldet: Der Sultan verfolgt mit größtem Interesse den Verlauf der russisch-japanischen Krisis. Einem Ausbruch von Feindseligkeiten in Ostasien sehen die türkischen Regierungskreise mit großer Beklemmung entgegen, denn sie befürchten, daß, wenn Jtußland sich auf Ostasien konzentrieren muß, Kräfte frei werden würden, die bisher gebunden waren. Tie letzten Meldungen lauten: An der Köhlenbörse zu Cardifs herrschte am 5. d. M. außerordentliche Nachfrage nach Kohlen schiffen für Ostasien. Sechs große Schisse sind bereits von einer Firma für Japan gechartert worden, vier andere wurden gestern gechartert. Jetzt verlangt die Admiralität Kohlenschiffe zur Fahrt nach Hongkong und anderen Kohlendepots im Osten. Man versichert, daß die Admiralität den Agenten für 5000 Tonnen Schiffe, die zur Fahrt nach Hongkong fertig sind, 20 Schillina pro Tonne bezahlt habe, während man am Samstag 16i/ö Sch zahlte. Die Admiralität hat weiterhin zwei Köhlenschiffe zu je 5000 Tonnen für 20 Schilling pro Tonne zu Verladungen int Januar gechartert. Ter Frachtsatz für Verschiffungen nach Japan hat sich gegen die Vorwoche um 71/j» Schilling erhöht. Ter Kapitän des amerikanischen Kriegsschiffes „Vicke- burg" telegraphierte am 5. Januar au5 Tschemulpo: Ich hatte eine Besprechung mit dem amerikanischen Gesandten und wir sind einstimmig zu der Ansicht gelangt, daß die Lage in Soeul sehr ernst ist. Es besteht dort die Gefahr einer Revolte der koreanischen Soldaten. Ich habe 40 Mann Marineinfanterie dorthin abgesandt. Ter Rest der Marineinfanterie ist maricbb-'reit. noch weniger aber nach Egypten gedenkt unser Landesherr sich zu begeben. Möglicherweise besucht Se. Königl. Hoheit einmal auf wenige Tage seine Schwester, die Prinzeffin Viktoria von Battenberg, in London. Im übrigen gedenkt der hohe Herr Darmstadt vorläufig nicht zu verlaßen. * • Personalien. S. K. H. der Großherzoq haben den Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Oberrealschule zu Mainz Dr. Joseph Krauß auf sein Nachsuchen aus dem Staatsdienste entlasten. — Ernannt wurde der Kanzleigehilfe am Landgericht der Provinz Oberhesten Franz Tippel zum Kanzlisten bei diesem Gericht. — Der Steueraufseher Wilhelm Wagner in Gießen wurde zum Pfandmeister für den Beitreibungsbezirk Alsfeld ernannt; der Pfandmeister Friedrich Schäfer zu Lindenfels in gleicher Diensteigenschaft in den Beitreibungsbezirk Friedberg versetzt. * * Der Ludwig- und Alicestiftung des Großherzogtums Hessen (Verein zur Unterstützung von Lehrer- Hinterbliebenen) wurde durch Staatsminister Rothe eine Spende Seiner Majestät des Kaisers von Rußland im Betrage von 200 Mk. zugewiesen. • * Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Am heutigen zweiten Ziehungstage der 3. Klaste fiel die Prämie von 75 000 Mk. auf Nr. 31619, die zuletzt mit 1000 Mk. gezogen wurde (nach Friedberg), ferner fiel ein Gewinn von 25 000 Mk. auf Nr. 2912 (nach Groß-Umstadt), ein Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 9305, ein Gewinn von 3000 Mk. auf Nr. 80783, drei Gewinne von je 1000 Mk. auf Nr. 49187 74338 91450, Gewinne von je 400 Mk. auf Nr. 42223 86622 93322, Gewinne von je 200 Mk. auf Nr. 14818 19578 75426. (Ohne Gewähr.) (?) St einb ach, 4. Jan. Ter hiesige Krieger- v er ein feierte am Neujahrsabend den Geburtstag Sr. Königl. Hoheit unseres Grohherzogs. Llbends gegen 7 Uhr bewegten sich die Spielleute des Vereins mit klingendem Spiel durch unsere Ortsstraßen. Gegen 8 Uhr war der Verein so zahlreich erschienen, daß arte Plätze im Lokal besetzt waren. Es sprach der Vorsitzende und noch verschiedene andere Ansprachen wurden gehalten, u. a. von Pfarrer Haake. > , l Lich, 5. Jan. Gestern fand im „Holländischen Hof" unter dem Vorsitz des Oberamtsrichters Giller eine zahlreiche Versammlung statt. Es hatten sich Vertreter aus allen Kreisen der Bevölkerung der Stadt Lich, sowie der Ortschaften, die zur Standesherrschaft des Fürstl. Hauscs Solms-Höhensolms-Lich gehören, hier zusammengefunden. Es wurde beschlossen, dem 1881 entschlafenen Fürsten Ludwig zu Solms, der in vielen Beziehungen sich um die engere .Heimat, wie um das deutsche Vaterland verdient gemacht hat und dessen lOOjähriger Geburtstag am 24. Januar 1905 ist, ein einfaches, würdiges Denkmal zu setzen. Es wurde dann noch ein engerer, sowie ein weiterer Ausschuß gebildet, und Drauercibesitzer H. Jhringjr. zum Schatzmeister ernannt. § Butzbach, 5. Jan. Die Domanialjaaden der hiesigen Gemarkung (Walddistrikt Bodenhard) und der fiskalischen Waldgemarkung bei Bodenrod werden am 12. l. M. int Gasthaus zum Löwen hier wieder auf 12 Jahre verpachtet. § Becheln, 5. Jan. Das seltene Fest der diamantenen Hochzeit beging unser Mitbürger Gg. PH Ansel nebst Gattin: er ist 84, sie 83 Jahre alt L. Friedberg, 5. Jan. Das Anwesen mit der Wirtschaft „Zum Hanauer Hof" ging um den Preis von 48 000 Mark in den Besitz des Wirtes A. Küffner über. — Für das Jahr 1904 beträgt der Staatszuschuß für die hiesige Augustinerschule (Gymnasium) 52 469 Mark. Diese Summe ist die zweitgrößte von allen Zuschüssen zu den Lehranstalten des Landes. Aus dem nordöstlichen Vogelsberg lesen wir dessen Nachhauseweg angedeihen lassen. Schlußeffekt der Rauferei ist heute, daß der wegen Körperverle tzun g angeklagte Reinhard Dönges aus Ockstadt zu 15 Mark Geldstrafe oder 3 Tage Haft verurteilt wird. Zirka 15 Zeugen waren geladen. — Am Kirchweih-Montag wurde in Heldenbergen der heute auch wegen Körperverletzung angeklagte Georg Rottweiler von dem damals angetrunkenen und heute als Kläger auftretenden Müller angerempelt und bedroht. R. wehrte M. mit} einem schleunigst ergriffenen Holzknüvpel ab, wobei er ihm eine leichte Verletzung am Kopfe beibrachte. Die Vernehmung der Zeugen ergab, daß R in Notwehr gehandelt und er wurde demzufolge von der Anklage freigesprochen. — Ter Taglöhner Heinrich. Euler aus Orlers- hausen sich am 12. Juli v. I. der Beleidigung der hiesigen Schutzleute Frank und Bender schuldig gemacht, als diese ihn aufforderten, seinen Wagen zu verlassen und in Ordnung zu bringen. Er schimpfte die Beamten „Lumpen", Staatskrüppel" usw. E, der auch gerne dem Alkohol huldigt, hat sich heute vor seiner Vernehmung wieder betrunken und lärmte und tobte im Gerichtssaal, sodaß der Vorsitzende kaum ungestört die Anklageschrift verlesen konnte. Mit den Worten: „Ich weiß, daß ich e Schuft bin!" ,Liewe Herrn, ich bin e Schienocs!" „Ich gewwe Ihne Beifall!" unterbricht er fortwährend die Verlesung der Anklage zur nicht geringen Heiterkeit der Zuschauermenge. Auch als er 3 Wochen (Äfängnis und die Kosten des Verfahrens zudiktiert erhält, gibt er dem Gerichte in beifälligen Worten die Anerkennung der Strafe zum Ausdruck. E. wird sofort verhaftet, um vorläufig für 3 Tage sein ungebührliches Verhalten vor Gericht zu büßen und auf einige Zeit dem Genuß des Alkohols entrückt zu sein. Mainz, 5. Jan. Vor der Strafkammer hattem sich heute 2 4 Metzger aus Worms wegen Nahrungsmittelfälschung zu verantworten. Angcklagt sind, wie wir dem „M. TM." entnehmen, die Megger aus Worms 1. Ludwig Bäcker, 2. Friedrich Goldschmidt, 3. Karl Hanry, 4. Philipp Metz, 5. Adam Kncll, 6. Heinrich Heyl, 7. August Johann Frank, 8. Wilhelm Gras, 9. Jakob Lortz, 10. Karl Uhrig, 11. Georg Schild kn echt, 12. Heinrich Roland, 13. Michael Schlenk, 14. Johann Kohr, 15. Christoph Helwig, 16. Eugen Rieth, 17. Gregor Siedlein, 18. Konrad Schildknecht, 19. Daniel Glück, 20. Johann Glück, 21. Jakob Dietrich, 22. Ferdinand Burger, 23. Georg Schlemmer, 24. Heinrich Mayes. Als Sachverständige sind geladen: Kreis Veterinärarzt Tr. Trops in Worms, Chemiker Dr. Peters in Worms, Prof. Tr. Mayrhofer, Direktor des chemischen Untersuchungsamtes in Mainz, Veterinärarzt Tr. Knell in Mainz, Metzaermeister Johann Falk in Mainz und Metzger- meister Karl Schlitz in Mainz. Beschuldigt sind die Angeklagten, den von ihnen angefertigten und verkauften Würsten abgebrühte Fasel köpfe und Faselhaut beigemengt zu haben. Die Angeklagten geben dies auch zu, sind jedoch nicht der Ansicht, sich hierdurch strafbar gemacht zu haben, da dieses Verfahren allgemein üblich sei. Die Haut wurde abgebrüht und zu einer gallertartigen Masse gekocht inib dem Wurstfüllsel beigemengt. Wie sich aus der Vernehmung ergibt, geschah dies bei den einzelnen An geschuldigten in verschiedenem Maße. Während einer z. B. behauptete, in 100 Pfund Wurstfleisch nur ein Pfund Faselhaut gemischt zu haben, gab ein anderer unumwunden zu, daß er im Verhältnis von 1 zu 20 gemischt habe. Plakate, in denen diese Beimischung kenntlich gemacht worden wäre, hatten die Angeklagten in ihren Geschäftslokalen nicht aufgehängt. Nachdem die Geschichte ruchbar geworden war, hat bei fast allen Angeklagten der Konsum bedeutend nachgelassen. Als Sachverständiger erklärte Dr. Mayrhofer, daß in den Gegenden, wo es üblich sei, gegen die Verwendung der gesunden Haut als Bindemittel zu bestimmten Wurstsorten nichts einzuwenden. sei. In der hiesigen Gegend sei es aber nicht üblich. Das bedenklichste sei jedoch ^daß die .Haut nicht unter der Fleischbeschau steht und somit bei ihrer Verwendung ganz unkontrollierbare Dinge in die Wurst kommen könnten. Verschärft werden diese Bedenken noch durch den Umstand, daß teilweise die Häute erst auf Umwegen über das Felllager in die Wurstküche gekommen sind. Eine Fälschung liege wohl nicht vor, wenn die Haut von vollständig gesunden Tieren verwendet werde, wohl aber ein Minderwert. Seiner Ansicht nach sei das Publikum über'die Einzelheiten dieses Umstandes kaum unterrichtet. Tie Rinderhäute kommen zur Lederbereitung und sind nicht als Nahrungsmittel anzusehen. Tie Faselhaut nehme viel Wasser auf, und man habe seiner Ansicht nach bie Haut verwendet, um recht viel Wasser in die Wurst zu bringen, ohne daß man es sehe. Ein Angeklagter bemerkte dazu, daß in Blutwurst überhaupt kein Wasser komme, und gerade hierzu sei die Haut viel verwendet worden. Tas (Bericht erkannte nach mehrstündiger Verhandlung auf Freisprechung, es betonte, daß die Verwendung der Fasel haut zu Genußzweckenunzulässig sei, nahm aber den guten Glauben der Angeklagten an. Magdeburg, 4. Jan. Das Schwurgericht bat den Kesselschmied Leo Kaczmarek von der Anklage der Körperverletzung mit tödlichem Ausgange freigesprochen. Kaczmarek hatte bei einem Wirtsbausstreit Der sehentlich einem Bahnarbeiter mit einem Schirm durch ein Auge in das Hirn gestoßen, sodaß dieser am nächsten Tage starb. Ucrinilchles. • Berlin, 5. Jan. Wegen Veruntreuung einer großen Summe wird der flüchtig gewordene Direktor der internationalen Schlafwagen-Gesellschaft, Viacocky, verfolgt. • Hamburg, 5. Jan. Ein Kaufmann verwundete auS Eifersucht seine Frau durch eine Revolverkugel in den Hals und tötete sich durch einen Schuß in die Schläfe. • Hamburg, 5. Jan. Der 29jährige Eisenbahn» Praktikant Friedrich Haltke aus Kattowitz verletzte heute die ledige Emma Harms en aus Hamburg durch zwei Revolverschüsse lebensgefährlich und erschoß sich dann selbst. "London, 5. Jan. Nach einem Telegramm ans Penzance (Cornwall) fand in dem „National Explosiv Works" von Hayle eine Explosion statt. Die ganze Gegend ist voll schwarzen Rauches, der von explodiertem Dynamit oder Cordite herrührt. Fast alle Fensterscheiben in einer Entfernung von drei Meilen von Hayle sind eingedrückt. Auch in Penzance, da§ acht Meilen von Haple entfernt liegt, wurden viele Fenster zertrümmert. Vier Personen sind um gekommen. Mehrere sind verletzt. Die Explosion ereignete sich in der Nitroglyzerinabteilung. • Paris, 5. Jan. Die wegen der Ermordung eines Irrsinnigen in der Irrenanstalt zu Tours ein- storben.. Markte. Telephonischer Kursbencht 300 Alice-Kochschule cn Elektr. Taschenlampen Kompl. elektr. Klingelanlagen versteigert. 301 287 verkaufen. 312 Wwe. Jmhäuser, Grünberg, i 3Va% 3n/o 3V,°/o 3°/o 37«% . 27.00 . 88.70 . 105.00 . 104 00 . 213.90 . 193.80 . 144.10 . 144.50 . 160.30 . 145.00 . 16.70 . 193.00 . 236.00 . 189.00 . 202.50 . 102.30 I Su/o Mexikaner . 91.35 4%% Chinesen . . 102.45 Electric, tichuckert Bekanntmachung. Im Wege der Zwangsvollstreckung wird das in hiesiger Stadt belegene „Gasthaus zum Römischen Kaiser" nebst Trinkhalle mit Garten und zwei wettere Grundstücke, im Grundbuche auf den Namen des Gastwirts Jakob Kuhn dahier eingetragen, am Samstag d. 6. Febr. 1904, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle, Zimmer Nr. 16, anderweit Reichsanleihe do. Konsole . do. . . Hessen — Zollfrei! — Muster an Jedermann! — Seidenfabrikt. Henneberg, Zürich. Telephone, Autophone, Citophone, Induktionsapparate und Kleinmotore für Kinder Kompl. Gas-Bade-Einrichtungen, Gas-Sparherde, Gas-Radiatoren Diverse Beleuchtungskörper. Spritus-CIiihlicht mit Brenner, vollkommenster Konstruktion sofort ab Lager biligst zn beziehen durch w. Gießen, 6. Jamrar. Auf dem gestern stattgehabten ersten diesjährigen Viehmarkt waren etwa 1000 Stück Großvieh und 250 Kälber vorhanden, ein ansehnlicher Vorrat in Anbetracht der Jahreszeit. Für Milchvieh fehlte es nicht an Kundschaft, welche vom Mam, aus der Wetterau und von der Sieg an den Markt gekommen war. Trotzdem die Käufer vom Rhein am Markt fehlten, welche gute und ständige Abnehmer von Milchvieh sind, mar der Handel bei guten Preijen in dieser Ware nicht schlecht. Für den Vorrat von Fettvieh und besonders in Kälbern waren Käufer von Frankfurt a. At., Wiesbaden und Koblenz ain Markt, zu denen noch gegen Mitte des Marktes die Gießener Metzger kamen, sodaß der Handel, besonders in guter Qualität, zu einer förmlichen Hetze ausarlele und hohe Preise erreicht wurden. Nur fette Kühe zum Schtachten, von denen ein erhebliches Quantum zum Verkauf stand, waren schwer anzubringen. Ter kleine Vorrat von Gangochsen, etwa 16—18 Paar, welche für den Markt auigefahren waren, fand so nebenbei Liebhaber, ohne daß sich deswegen ein eigentlicher, rechter Handel entwickelte. — Die Handelsleute, welche diesmal mit^Vieh unseren Markt besuchten, führten lebhafte Klage darüber, daß die Abfertigung seitens der Sanitätsbeamten vor dem Auftrieb zu langsain vor sich gehe und sie für den Handel fo wertvolle Zeit, befonders die ersten 1 7, Stunden nach Beginn des Marktes, mit Warten auf den Straßen zubringen müßten. Verkauft wurden Kühe frischmelkend und trageiid 1. Qual. Mk. 425—475, einzelne schwere Tiere auch höher, 2. Qual. Alk. 340—400, 3. Qualität Mk. 270—310 pro Stück. Fette Rinder wurden gehandelt für den Zentner Schlachtgewicht 1. Qual. Alk. 68—70, 2. Qual. Mk. 65 bis 66 ; ebenso gingen fette Kühe je nach Güte zu Mk. 50—54 fort. Kälber wurden abgefetzt: 1. Qual., welche ganz ausgezeichnet vertreten war, zu Mk. "70—75, 2. Qual. Mk. 64—68, 3. Qualität Mk. 61-63 pro Zentner Schlachtgewicht. Ochfen, welche nur in mittlerer Ware vorhanden waren, wurden das Paar zwifchen 700 bis 800 Alk. gehandelt. Der Markt wurde fast ganz geräumt. Nächster Markttag anl 19. Januar. Limburg a. d. 5. Januar. Frachtmarkt. Durchschnittspreise pro Malter. Roter Weizen 13.50 Mk., weißer Weizen 00.00 Alk., Korn 9.80 Mk., Gerste 8.90 Mk., Hafer 6.00 Mk., Erbsen 0.00 Wik., Kartoffelii 00.0 Mk. Nordd. Lloyd . . Kreditaktien .... Diskonto-Kommandit. . Darmstädter Bank . . Dresdener Bank . . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn . . Lombarden .... Gotthardbahn .... Laoratiütte ..... Bochum ...... Harpener..... Tendenz: fest. 37,5L Oberhessen . , < 4% Oesterr. Goldrente . , 47Oesterr. tiilberrente 4% Ungar. Goldrente . . 40/3 Italien. Rente . . , 4V2% Portugieser . . , 3°/. Portugiesen, . . . 1% C. Türken . . . Türkenlose..... 4°/o Orieoh. Monopol.-Anl. 41/,% äussere Argentiner Kunst und Wissenschaft. — H a l b e's packendes und stimmungsreiches Drama „D e r S t r 0 in" fand in M a i n z vor gut besetztem Hause eine sehr anerkennende Aufnahme. Frl. Scarla (Renate) hatte erschütternde Momente. — Auch in F r a n k f u r t wird die neueste Halbe'sche Bühnendichtung z. Z. an mehreren Abenden in jeder Woche zur Darstellung gebracht, leider jedoch in einer durchaus unzulänglichen Weise. Von den Darstellern genügt eigeiitlich nur Herr'Pfeil in einer kleineren Rolle, während die Hauptdarsteller ihren Ausgaben fast säintlich verständnislos gegenüberstehen. Wir sind der Ansicht, daß das Gießener Theater eine im ganzen wie in Dielen Einzelheiten gelungenere Darstellung dieser Dichtung zu stände zu bringen vermöchte. . — D-r Leipziger S ch i l l e r v e r e i n , dem I06 Mitglieder angehören, erhielt von der einst gefeierten Sängerin Frau M l ch a e l i s - N i e m s in T a r m st a d t ein Legat von 10 000 Mk., aus dem insbesondere bedürftige verdleiite Literalen unterstützt werden sollen. Rudolf v. Gottjchall, der den Vorsitz wegen hohen Alters medergelegt hat, wurde zum Ehrenpräsidenten eriiannt. 91.55 101.40 99.50 102.60 101.30 100.35 103.60 62.75 32.20 37.20 136 80 43.70 42.90 Suchard verwendet nur Rohmaterialien erster Qualität, sowohl für seine Tafel- als auch für seine so beliebten Dessert-Chocoladen; dieselben werden daher auch mit Recht bevorzugt. Suchards Velma (Dessert- Chocolade) und Suchards Milka (Milch-Chocolade) verdienen besonders erwähnt zu werden. Wer plagt sich unnötig ? Jede Hausfrau oder Wäscherin, die für ihre Wäfche nicht die richtigen Wafchmittel znm Kochen benutzt, muß sich destomehr mit Reiben plagen, wodurch auch die Haltbarkeit der Wäfche beeinträchtigt wird. 2)lit Gioth's gemahlener Kernseife mit Salmiak und Terpentin kann die Wäsche ohne Schaden behandelt werden, da dieses Pulver nicht scharf und die Wäsche doch außerordentlich reinigt. Preis per Paket 15 Pfg. Fabrikant: I. Gioth, Hanau. Ingenieur Richard Fertsch, Giessen Telephon 378. Gas-, Wasser- und Elektro-Anlagen. Seltersweg 77. General-Dersammlüng der HneskMen öer zieöatilwn. H. G. in L. Haben sich im Laufe der Zeit in der Wohnung Mängel gezeigt, so hatte der Meter nach 8 545 des Bürger!. Koppeln täglich frisch. HoMcker, Mäusburg. Damen-Glace Alk. 1.50, 2—, 2.50. Ziegenieder per Paar Alk. 2.75. Stoffhandschuhe große Auswahl. Spezial-Geschäft Awg. Waag, Seltersweg 60. « Sitjjw WmWrWHchWst Samstag den 9. Jarmar, abends 8 Uhr int Gasthaus zum Schwanen. Tages-Ordnung: Rcchnuiigsabhör. Vorslandsivahl. Verschiedenes. geleitete Untersuchung hat ergeben, daß der Ermordete seinen Wärtern keinerlei Widerstand entgegengesetzt hat. Einer der Wärter schnürte mit seiner Schürze dem Kranken die Kehle zu, ein anderer versetzte ihm Fußtritte, während ein dritter ihn mit einem Hausschlüssel bearbeitete. Die Aufregung in der Stadt über diesen Vorfall ist groß. * Thiers, 5. Jan Ingenieur Fay wurde, als er die Ursache einer Stromableitung ausfindig machen wollte, von einem 10000 Volt starken Strom getroffen und sofort getötet. * Verviers, 5. Jan. Vorgestern wurde der Jagdaufseher Deloyer von einem Wilderer erschossen. ' Reichen berg, 5. Jan. In einem Variete versuchte die Sängerin Ella Hasenfuß aus Wien Selbstmord durch Rcvolverschüsse und verletzte sich lebensgefährlich. Das Motiv ist unglückliche Liebe zu einem Offizier. » Olmütz, 5. Jan. Während der Vorstellung im hiesigen Theater brach ein großer Skandal aus. Das Publikum demonstrierte gegen den Direktor, der eine beliebte Sängerin gemaßregelt hatte. Der Lärm nahm einen solchen Umfang an, daß die Polizei einschreiten mußte und das Theater schloß. * Budapest, 5. Jan. Der liberale Abgeord. Paul Eremits wurde heute vormittag in Nagy-Kikinda von zwei Aauernburschen durch Revoloerschüsse und Hiebe mit eisernen Stöcken ermordet. Der Beweggrund ist Rache. Der Vater der Mörder hatte gegen Eremits einen Prozeß verloren. *Jn den Berliner Privat-Theatcrn finden gegenwärtig genaue Revisionen seitens der Behörden statt, ob die vorschriftsmäßigen Vorrichtungen gegen Feuersgefahr und für die Sicherheit des Publikums wie der Theater- Angehörigen in Ordnung sind. Jedem Mangel muß sofort abgeholfen werden. — In Chicago sind ungefähr 400 öffentliche Lokale für die Untersuchungsdauer, die zur Zeit dem Baugesetz gemäß vorgenommen wird, geschlossen worden. — Wie man aus New-York meldet, hat der Feuerkommissar die Prüfung aller Asbestvorhänge in Theatern angeordnet. Eine starke Gasolinflamme ist gegen die Vorhänge zu richten und falls diese nicht gänzlich unversehrt bleiben, müssen sie durch geeignetere Anlagen ersetzt werden. • Prinzessin Alexandra von Ysenburg und Büdingen, eine Enkelin des letzten Kurfürsten von Hessen, ist nach einer Mitteilung der „Voss. Ztg." aus Frankfurt a. Ast in Konkurs gekommen, der von ihrem zweiten Manne, von dem sie geschieden ist, beantragt worden ist. Prinzessin Alexandra hatte, nachdem ihre Ehe mit einem Vetter gelöst worden war, einem Herrn v. Pagenhardt aus Braunschweig die Hand gereicht und mit diesem in Stuttgart ein sehr vornehmes Haus geführt. Auch diese Ehe, aus der sechs Kinder entsprossen, wurde geschieden, und die Prinzessin sicherte bei der Scheidung ihrem Manne eine jährliche Rente von 5000 Mk. zu. Später heiratete Baron v. Pagenhardt die Tochter des Millionärs Strohmeyer in Baden-Baden. Im Hinblick auf diese Tatsache einerseits und in Berücksichtigung ihrer mittlerweile ungünstig gewordenen Finanzlage andererseits stellte ibie Prinzessin die Zahlung der Renten ein und wurde dadurch ihrem geschiedenen Gatten eine größere Summe schuldig. Als nach dem Tode des alten Fürsten von Ysenburg und Büdingen zu Wächtersbach sich die Finanzen der Prinzessin nicht besserten, verlor Baron v. Pagenhardt die Geduld und beantragte den Konkurs. Neueste Mrlömigen. (L) Berlin, 6. Jan. Tie M itte lme er reise deS Kaisers ist so gut wie aus gegeben. Ter Kaiser blerbt den Winter über in Berlin und unternimmt im Frühjahr die übliche Auslandsreise, die diesmal tnck leicht nach dem Süden, statt nach dlorwegen führst Berlin, 6. Jan. Ter „Börsen-Kur." meldet unter Vorbehalt, daß drei Theater, darunter ein erstes älteres Privattheater auf behördliche Anordnung bis aus weiteres g e s ch lassen wurde und die erforderlichen Umbauten zum erhöhten Schutze des Publikums bei Bränden ofort in Angriff genommen werden sollen. London, 5. Jan. Ter „Standard" meldet aus Tokio': Halbamtliche Blätter betrachten den Bruch mit Rußland als bereits vollzogene Tatsache. Kittegsvorbe- reitungen werden in Wladiwostok eifrig betrieben. — Ter „Daily Telegraph" meldet aus Tokio: Mr den Kriegsfall werden, wie auch im letzten Kriege, die Regierung und der General- und Admiralstab nach Hiroshima verlegt, das sehr günstig gelegen ist. Tas Fehlen des Barons von Rosen bei den Feierlichkeiten in Tokio in den beiden letzten Tagen wird viel besprochen. Prag, 6. Jan. Ter Zugführer Tusek vom 6. Jäger- Bataillon wurde vom Militärgericht wegen Mißhandlung eines Rekruten, welche den Tod zur Folge hatte, zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Budapest, 6. Jan. Ueber die Beweggründe zur Er» mord un g des Abg. Eremits wird berichtet, daß Eremits in den 80 er Jahren mit dem Vater der beiden Mörder, der von den Gläubigern hart bedrängt wurde, ein fingiertes Geschäft abfchloß, womit dieser sein 80 000 Gulden betragendes Vermögen aus Eremits übertrug, der in den Prozessen, die aus diesem Scheingeschäst zwischen den Parteien entstanden, siegreich blieb. Nach Beendigung der Prozesse schloß Eremits mit dem Vater der Mörder einen gütlichen Vergleich und zahlte ihm lebenslang eine kleine Rente. Nach dem Tode ihres Vaters traten die Söhne mit neuen Forderungen hervor, die Eremits indessen, wie es scheu.lt, zurüäwies. Arbeitcrbervrgvng. B erlin, 5. Jan. Vertreter der Fuhrherren und der ausständigen D r 0 j chk e n k u t j ch e r schlossen vor dem Emigungs- amt des Berliner Gewerbegerichts einen Vergle ich, nach dem die Kulscher am 7. Jan. die Arbeit wieder aufnehmen. Die Kutscher erhallen als Tagelohn 1 Mark statt bisher 1.50 und 30 pEl. der Einnahmen statt 25 pEt. Tas Abkommen soll bis zum 1. Juli Gültigkeit haben. Inzwischen soll von einer Schlichtung!)- komijsion em neuer Vertrag vorberettet werden. D res den, 5. Jan. Das „DresdnerJournal" meldet: Am 4. Januar wurden im Rathause von E r l m m i t j ch a u von Geh. Rat Rescher Besprechungen mit Vertretern der Arbeitgeber abgehallen. In der Besprechung mit den Arbeitern wurden einige Vorschläge zum Einvernehmen gemacht, die jedoch in der später abgehallcnen Besprechung nut den Arbeitgeb e r u nicht angenommen wurden. Infolgedessen geht der Ausstand zunächst lvetter. _ . _ ... Grenoble, 5. Jan. Die Setzer zweier hiesiger sozialistischer Blätter sind in den Ausstand getreten, sodaß lctztere ihr Er'chemcn emsiellen muhten. Hanöcl und Dettichr. Volliswütschasl. Kricgsfurcht au der Börse. An der Börje ivachtt die Kriegsiurchl mehr und mehr unö gestern machte sich der Truck an allen Hauptbörjenplätzen in verstärktem Maße geltend, obwohl nach den neuesten Berichten die Lage sich keineswegs weiter ver° schlechter! hat. Alan glaubt aus der gegenwärtig herrschenden Un- sicherheit bald herauszukommen, aber im ungünstigen Sinne; d. h. man erwartet die Eiitscheidung über Krieg oder Frieden schon in der allernächsten Zeit. Hierm kann man sich aber sehr irren, es ist eher wahrscheinlich, daß der Zustand der Uiigeivlßhelt noch lange anhält. Ties iväre gairz besonders zu bedauern. Gut ist es nur, daß das Prwatkapital an seinem erworbenen Besitz ieslhatu ftm Hafsecmarkt. Auf New-Yorker Meldungen hin stiegen die Kaßeepretze an der Hamburger Börse um 2 Pfg. Die jebarfe Steigerung wird damit motiviert, daß die Planlagenbesitzer in Brasilien wegen der niedrigen Bewertung des Kaffees den Betrieb dermaßen 'reduzierten, daß die Zufuhren gegenwärtig sehr tlClU Bom Petroleummarkst Die Nobel-Gesellschaft hat die Petroleumpreije an den russischen Hauptmärkten um 12 Kopeken eriUa SUciuc Nachrichten. Aus dem Vorstände der F a r b w e r ke vormals Ai e i st e r, L u e i u s und B r ü n i n g in H ö ch st scheidet der Geh. Regierungsrat Professor Dr. Laubenheimer aus, dessen Wahl in den Ausslchtsrat der nächsten Generalversammlung vor- qeschlagen werden soll. — In die Firma A. Koch ö hne in Ai a i u z sind anstelle der ansscheidenden Frau A. Koch und Frau M. Koch die Herren Alphonse Koch und Alex Koch emgelreten. — Rach kurzem Kranksein starb Herr Jakob Lion, der Direktor der Deutschen Veremsbank in Frankfurt a. Ai. Der Direktor der Darmstädter Volksbank Adolf G emind er ist ge- Gesehbuchs die Pflicht, davon Ihnen Anzeige zu machen. Ist diese Anzeige unterblieben, so ist er zum Ersatz des schadens ver- pflichi^ll M einen Verein giebt, der minderbemittelte studierende Frauen durch Geldmittel unterstützt, haben wir zu unserem Bedauern nicht feststellen können. Abonnentin in Weilburg. Wenn Sie unsren Kalender haben wollen, der Ihnen verwunderlicherweise nicht zugegangen ist, so dürfen Sie Ihren werten Nanien nicht weiterhin verschwiegen halten, sondern müssen ihn uns schon preisgeben, damit wir den Kalender Ihnen danii direkt zuslelleii können. Wir können unmöglich raten, an roen wir den Kalender zu dirigieren haben, da- ,nit er in Ihre Hände kommt. H. Zur Erteilung von A u s k u n f t in A u s w a n d e r u ngs- Angelegenheiten ist vor einiger Zeit die vom Reich subventionierte Zentralauskunftsstelle für Auswanderer, Berlin-W., Schellingstraße Nr. 4, eingerichtet ivordeu; die Auskunft-Erteilung erfolgt unentgeltlich. Wir empfehlen Ihnen, mit der gedachten Auskunftsstelle in Verbindung zu treten. nach Vorschrift des deutschen Arzneibuches, garanitert rein, empfiehlt Adolf Bieler, Viktoria-Drogerie, Marktstrasse 5. 274 Amerikauer-Dfeu, Rießner Vulkan, zu verkaufen. 217s Näh. Süd-Anlage 3, IL Durch Sterbefall bin ich gezwungen, mein Hotel und Restaurant zum „Wilden Mann" alsbald zu Prim« Wühle« WhrnzitWkii per Centner Mk. 1.75 Marken: Grube BlttkUS Friedrich u. Union Anthrazit-Wm-Metts empfehlen in nur bester Qualität Bachenlieimer of. gej. West-Anlage 9, ll. Dienstmädchen welches bürgerlich kochen kann, für sogleich oder später gesucht 069] Hofmannslraße 7, II, Mädchen 203 für Haus- und Küche gesucht. Frau Johanna Georgi, Weserslraße 2, Ecke Nordanlage. ÄGizeö Mäöihe» Gute Zeugnisse erjorderlich. Frau Atajor Buchholtz, 199_________Butzbach. x Tüchtiges, selbständiges Mädchen onNL 216_______Bergstraße 11, part. An tants Iiensiinäölhcn gesucht, welches Küchen- u. 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