Nr. 286 Montag, 5. Dezember 1904 154. Jahrg. ■ 11 ............... Parlamentarische Verhandlungen. Ara ch druck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 104. Sitzung vom 3. Dezember, 1 Uhr. Das Haus ist schwach besetzt. Am Bundesratstisch: Frhr. von Stengel, v. Einem, Frhr. von Richthofen, Stuebel, Kraetke, Frhr. von Rheinbaben, v. Tirpitz u. a. Auf der Tagesordnung steht die erste Lesung des Etats, des Nachtrags-Etats für Südwestafrika und der beiden Militärgesetze (Erhöhung der Friedens- Präsenzstärke um 10 300 Mann und gesetzliche Festlegung festeste Stutze der so ungemein wichtigen Zuckerindustrie, der gesicherte Jnlandsverbrauch, hat sich nach den bisherigen Einschätzungen in einem Maße gehoben, wie es die kühnste Berechnung nicht hatte erwarten lassen. (Hört! hört! links.) Es bleibt .zu hoffen, daß die bisherige ungemein günstige Entwickelung dickes Steuerzweiges auch weiterhin andauern möge, obwohl, wie ich hinzufügen möchte, auch durch die unvorhergesehenen Umstände insbesondere durch die immerhin so sehr sich steigerndden Zucker- Preise zeitweise leicht beeinträchtigt werden können. An wetteren Mehreinnahmen kann gerechnet werden: einmal bet der Salzsteuer auf etwa 2 Mill., bet der Brausteuer auf C00 000 Mk., bet der Wechselstempelsteuer auf 700 000 Mk. Von der Brennsteuer scheint ein Ueberschuß von 1 Mill, einstweilen in der Neichskasse zu verbleiben. Von der Verwaltung der Reichseisenbahnen erwarten wir einen Ueberschuß von etwa 1% Mill. Bei der Netchspost- und Telegraphenverwaltung scheinen die Einnahmen zwar dte etatsmäßigen Voraussetzungen in etwas zu übersteigen, auf einen größeren als den etatsmätzigen Ueberschuß darf aber hier nicht gerechnet werden, da bei den Ausgaben Mehrbednrfntpe zu Deden smd, die leicht den Betrag der Mehreinnahmen überschreiten können Für die Einnahmen des Reiches aus seiner Beteiligung an dem Reingewinn der Reichsbank eröffnen sich insofern günstige Aussichten, als eine Steigerung des Gesamtrelnertrages Der Reichsbank dadurch eintreten muß, daß der Reservefonds durch das Aufgeld von den jüngst abgegebenen 30 Mill. Mk. restlichen Reichs- bankanteile die gesetzlich vorgeschriebene Hohe erreicht hat und daher eine Verstärkung aus dem Reingewinn, die tut Vorzahre noch über 4 Mill. Mk. betrug, nicht mehr zu erfolgen hat. Aus Dieien Verhältnissen für sich allein wird dem Gewinnanteil des Reiches an dem Erträgnis der Reichsbank eine Summe von etwa 3 Mill. Mk. zulaufen. Wie hoch diese letzteren an sich anzunehmen waren, das abzuschätzen fehlt zurzeit jeder feste Anhaltspunkt. Als Mehreinnahmen aus dem Betriebe der Reichsbank können daher Surzei. nur jene 3 Mill. Mk. in Rechnung gezogen werden. Auch von der Banknotensteuer ist nach dem bisher steuerpflickttig gewordenen Notenumlauf ein Mehrertrag von etwa 800 000 Mk. in Ausstckn genommen. Bei den verschiedenen Verwalttmgseinnahmen wird zusammen genommen auf em Mehr von über o Millionen Mk. gerechnet werden können. Es gibt ja tm Reichshaushalt nicht nur Mehreinnahmen, es gibt bekanntlich auch Mindereinnahmen '(Heiterkeit.) Von den zu erwartenden Mindereinnahmen stnd dte erheblichsten und bedenklichsten Einnahmen die Zolle. Alles in allem genommen, wird sich immerhin mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen lassen, daß das laufende Rechnungsjahr im ganzen ohne Fehlbetrag abschlre- ßenwird. „ Nun komme ich zu den vorliegenden E t a t s e n t w u t* f e n Die Aufgabe, die Entwürfe des Haushaltsetats uno des Etats der Schutzgebiete inbezug auf die einzelnen bann .entwal- tencn Ansätze näher zu beleuchten, ist bei der Fülle des «tofses und der Menge von Zahlen durch das gesprochene Wort nur schwer zu lösen, und ich glaube Ihre Zustimmung zu finden, wenn ich von einer auch nur einigermaßen erschöpfenden Darstellung des Jnhtls der beiden Vorlagen absehe und wegen der Einzelheiten auf die,e Vorlage selbst und ihre Begründung, insbesondere aber auch auf die dem Reichshaushaltshauptetat beigegebene ausführliche Denkschrift verweise. Zu dem E t a t s g e s e tz möchte ich vorweg bemerken, daß der Aenderung, die die bisherige Fassung des 8 1 durch schärfere Markierung der Summe des außerordentlichen Etats erfahren hat, nur eine formelle Bedeutung innewohnt. Dte Aenderung ist lediglich eine Folge davon, daß im Etat selbst dte Absonderung der Ansätze des außerordentlichen von denen des ordentlichen Etats in strengerer Weise als bisher durchgeführt ist. Im 8 4 des Etatsgesetzes handelt es sich darum, den Notbehelf, mtt welchem im Frühjahr dieses Jahres auf die Anregung aus diesem Hause selbst der Weg gefunden wurde, über die Finanzierung des Etats von 1904 zwischen Reichstag und verbündeten Regierung^ noch tn letzter Stunde zu einer Verständigung zu gelangen, noch auf em weiteres Jahr zu erstrecken. Die hier vorgeschlagene Maßnahme entspricht auch durchaus den Ansichten, von denen die Mehrheu dieses Hauses selbst gekettet war und die dahin gegangen war, auch gegenüber den Staaten mit zweijährigen Budget-Pertoden nachträglich störende Eingriffe in deren Haushalte möglichst zu vermeiden. Ick darf in dieser Beziehung mich wohl auf die Rede des Herrn Abg. Dr. Spahn vom 13. Mai d. I. Bezug nehmen, und Herr Dr Spahn wird meine Ausführungen ebenfalls tn bte,cr Hinsicht bestätigen. Daß eine solche Weiterstundung schon gleich von vornherein ins Auge gefaßt war, ergibt auch die uapmtg per vorjährigen Bestimmung, wonach die Erhebungen jener Betrage vorerst für 1904 ausgesetzt werden sollen. Lediglich etatsmaßtge Erwägungen haben damals dazu geführt, die Stimdung^ermäch- tigung auf das eine Jahr zu beschränken, dessen Haushaltsetat durch das Etatsgesetz zur Feststellung gelangte. Daß der Etat eines tn lebendig aufstrebender Entwicklung begriffenen Gemeinwesens, wie das deutsche Reich ist, auch in Zetten schlechter Finanzlage den steigenden Bedürfntssen Rechnung tragen muß, wird kaum einer ernsten Einwendung begegnen. Jeder Stillstand wäre hier ein verhängnisvoller Rückschritt. Mit Rücksicht auf die ungünstige Finanzlage sind aber selbstverständlich alle Forderungen auf das Notwendigste eingeschränkt, was, wie ich vertraue, auch eine strenge Kritik anerkennen wird. Trotzdem hat sich der Etat nicht ohne Zuhilfenahme einer Zuschußanleihe balancieren lassen. Wenn die Etatdenkschrift den Nachweis führt, daß trotz sparsamster Bemessung der Ausgaben zu ihrer Deckung doch noch die beträchtliche Summe von fast 75 Mill. Mk. fehlt, so ist damit das eigentliche Defizit des vorliegenden Etats noch keineswegs tn seiner vollen Höhe angegeben. Ich will das ohne Umschweife von vornherein hervorheben, denn ich glaube der Sache, die uns gegenwärtig beschäftigt, am besten dadurch zu dienen, daß ich die Finmtz- ; läge mit vollster Offenheit darlege. (Beifall.) Nichts würde hier verderblicher sein als Selbsttäuschung und Schönfärberei (Sehr richtig!) Die verbündeten Regierungen haben sich nämlich, wenn auch im Hinblick auf die vor einigen Jahren aufgestellten Grund- - sätze nur mit Widerwillen, entschlossen, gewisse einmalige Ausgaben ' der Verwaltung des Reichsheeres, die nach jenen Grundsätzen das Ordinarimn zu tragen gehabt hätte, in Anknüpfung an die Gc- ’ pflogenheit weiter zurückliegender Zeiten, ausnahnEwetle für I9uo : auf den außerordentlichen Etat zu verweisen. Es stnd das Dte - Ansätze für die Ergänzung der Bewaffniing des, Heeres mtt etnem : Gesamtbeträge von 46% Mill. Mk., einschließlich der bayerischen > Quote. Wäre das nicht geschehen, so würde sich also ter m.ge- : deckte Bedarf des vorliegenden Etats auf rund 1-1 Süll. Mr. bc* : laufen haben. (Hört l Hört!) Die wirkli ch e a g c ist also n o ch erheblich schlechter,, als es der E t a t S c n t < - Wurf erkennen läßt. (Hört!) „ ' Von dem Etcttsdeiizit von 75 Millionen Mark haben bk dauernden Lasten der Unfall- und Invalidenrenten durch die Organe der Postverwaltung aus der Reichskasse vorzuschießen, noch immer kein Ersatz mittelst eines ausreichenden festen Betriebskapitals gewährt worden ist. Belaufen sich diese fortgesetzt steigenden Vorschüsse doch jetzt schon selten unter 100 Millionen Mk. und haben sie zeitweise sogar den Betrag von mehr als 150 Millionen Mark erreicht. Ein derart steigendes Bedürfnis zur Beschaffung von Betriebsfonds im Wege des Kredits hat der Etat bei Bemessung des entsprechenden Zinstitels nichts vorgesehen. Nach den angestellten Berechnungen kann vorläufig angenommen werden,, daß dieser Fonds im Jabre 1904 um mehr als 5 Millionen Mk. überschritten werden wird. Beträgt demnach also der Mehrbedarf bei den Ausgaben, soweit es bis jetzt bekannt geworden ist, rund G Millionen Mk., so werden von dem Mehrbeträge der Reichs- eigeneinnahmen in Höhe von 11 bis 12 Millionen Mk., noch annähernd 6 Millionen Mk. übrig bleiben, welche nach dem neuen Artikel 70 der Reichsverfassung den Bundesstaaten für die von ihnen gezahlten ungedeckten Matrikularbeiträge verrechnet werden müssen. Die Bundesstaaten dürften allerdings daran,kerne tetne Freude haben; denn abgesehen davon, daß in den von ihnen, übernommenen 23 Millionen ungedeckter Matrikularberträge em m- zwischen gestundeter Betrag von 16% Millionen sozusagen m der Luft schwebt, wird ihnen beiläufig ein Betrag von 6 Millionen bei den Ueberweisungen fehlen. Mit anderen Porten, die Bundes- naetfen werden allem Anschein nach für 1904 im „Ist ebenso belastet werden, wie nach dem „Etatssoll". Es eröffnet ,ich also kein günstiger Ausblick. Die Maischbottichsteuer krankt noch immer an den Nachwehen der ungünstigen Campagne. Es wird nur auf Einnahmen gerechnet werden können, die um fast 2 Millionen hinter dem Etatsoll zurückbleiben. Auch bei der Branntweinverbrauchsabgabe wird das Etatssoll nicht erreicht, weil anscheinend unter dem Einfluß der'Antialkoholbewegung ein fortdauernder Rückgang von Branntwein feftzusteNen ist. Die . Börsensteuer, die bei dem Emissionsstempel neuerdings etne steigende Richtung ern- geschlagen hat, liefert befriedigende Erträge, die für ,ich genommen, den Etat Wohl übersteigen würden. Aber der Stempel von der Staatslotterie gebt in der neuesten Zeit ganz auffallend zurück. Inwieweit dieser Rückgang in der Höhe der Steuerbelastung oder vielleicht auch in einzelstaatlichen Abwehrmaßregeln leinen Grund hat, wird sich schwer feststellen lassen. Die Reichsstempelabgabe rm ganzen wird demnach wahrscheinlich in dem Etat mit einer Mindereinnahme von über 1% Millionen Mark abschließen, wodurch, sich dann der Ausfall bei den Ueberweifungssteuern irn Rechnungsjahre 1904 auf den schon angegebenen Betrag von rund 6 Millionen Mari der zweijährigen Dienstzeit). Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel: Bevor ich auf das eigentliche Thema unserer heutigen Tagesordnung eingehe, beginne ich, gepflogener Hebung gemäß, auch diesmal mit einem Rückblick auf die Ergebnisse des bereits vollkommen abgeschlossenen, hinter uns liegenden Rechnungsjahres. Wenn ich mir dabei vergegenwärtige, daß die spezielle Uebersicht der Einnahmen und der Ausgaben für das Jahr 1903, mit eingehender Begründung aller Abweichungen von dem Voranschläge versehen, dem hohen Hause auch diesmal sogleich bei seinem Zusammentritte zugegangen ist, und wenn ich mir weiter vergegenwärtige, daß ein kürzer gefaßter Bericht dieser Ergebnisse bereits im abgelaufenen Sommer durch den „Reicps- anzeiger" zur öffentlichen Kenntnis gebracht worden ist, so vermag ich allerdings Ihnen heute wesentlich Neues in dieser Hinsicht nicht mehr zu bieten. Ich darf mich daher Wohl auch in meiner Rede auf die Mitteilung Der hauptsächlichsten Punkte beschränken. Neu ist von den Ergebnissen des Jahres 1903 insbesondere nicht, daß auch dieses Jahr wiederum mit einem Fehlbeträge abgeschlossen hat. (Heiterkeit.) Immerhin war dieser Fehlbetrag in seiner Höhe von annähernd 6% Millionen Mk. wesentlich geringer, als er noch im Frühjahr dieses Jahres geschätzt worden war und auch wesentlich geringer als die Fehlbeträge der voraufgegangenen Jähre 1902 und 1901. Abgesehen von den gewifser- maßen auf die eigene Tasche angewiesenen Betriebsverwaltungen haben die einzelnen Verwaltungszweige, im ganzen genommen, im Jahre 1903 nach den Ausgaben annähernd 10 Millionen mehr in Anspruch genommen, als der Etat, ihnen gewährte, wogegen die wichtigeren Einnahmen den Etatsansatz nur um 3% Millionen überschritten haben. Die erheblichen Mehreinnahmen finden sich bei den großen Betriebsverwaltungen, die nach der Begleichung ihrer Ausgabenüberschreitungen einen reinen Ueberschuß von mehr als 17 Millionen ergaben. In diesen Gesamtüberschuß von 17 Millionen teilen sich die Reichspost und Telegraphenverwaltungen mit fast 10 Millionen, und die Neichseisenbahnverwaltung mit 7 Millionen. Auch die verschiedenen Verwaltungseinnahmen Übersteigen den Etat mit fast 6 Millionen Mk. Einer Gesamtmehreinnahme in Höhe von 20 Millionen stehen^ Ausfälle gegenüber von rund 25% Millionen, darunter die Zuckersteuer, deren Etatsansatz, wie sich die geehrten Herren ja selbst erinnern werden, seinerzeit im Reichstage unverhältnismäßig erhöht worden war, mit 11% Millionen Mk., sodann die Maischbottichsteuer mit 9 Millionen und die Einnahmen aus dem Bankwesen mit fast 3 Millionen. Die erwähnte Mebrausgabe von annähernd 10 Millionen Ware an sich bei einem Milliardenetat schon nicht überraschend; sie verliert aber vollends an Gewicht, wenn wir uns diese 10 Millionen Mark in ihre Hauptbestandteile zerlegen. Ich, will Sie natürlich nicht hier mit einer in Einzelheiten sich verlierenden Darlegung ermüden. Aber zwei Punkte möchte ich in dieser Hinstcht doch besonders hervorheben: Der finanzielle Effekt der, Wohltaten, Dte durch die neue Gesetzgebung den pensionierten Kriegsinvaliden zu- gewendet sind, hat sich im vollen Umfange nicht voraus berechnen lassen. Fortgesetzt sind die Pensionszuschüsse über die Schatzungen hinausgegangen. Namentlich aber konnte der Betrag der Pensionen, die infolge der Kriegsinvalidennovelle vom Jahre 1901 vom allgemeinen Pensionsfonds auf den Neichsinvalidenfonds schon übertragen waren, nun genau veranschlagt werden, die den Reichs- invalidenfouds belasten. Die Pensionen stnd infolgedessen um runb 4% Millionen Mk. über den Etat hinausgegangen, wogegen allerdings beim allgemeinen Pensionsfonds 3 Millionen Mk. uitver- wendet geblieben sind. Von bteier Mehrbelastung des Reichsinvalidenfonds ist nur ein geringer Teil durch) Ersparnisse und durch erhöhte Zinseinnahmen gedeckt worden., Rund 4 Millionen Mk. mußten aus staatsrechtlichen Gründen einstweilen aus allgemeinen Reichsmitteln entnommen werden mttdem Vorbehalt, für Die, en Vorschuß den Reichsinvalidenfonds durch den Etat für 1905 nachträglich in Anspruch zu nehmen. Eine weitere Belastung de^ ordentlichen Reichshaushalts ist dadurch entstanden, dah das Sutz- (tnffaefeü der Reichskasse zwar etne Entschädigung an die Inhaber von Süßstofffabriken für die Unterdrückung dieser Fabrikattons- bett-iebe auferlegt hat, daß aber entsprechende Deckungsmittel der Rcichsfinanzverwaltung nicht zur Verfügung gestellt: stnd- Dte hiernach außeretatsmäßig verrechneten, vom Bundesrat ststgeste - l {^tifirfiäbinitnaen itellen sich annähernd auf 2% Millionen Mk. ^un^4S^$fteuer.n6=bc,n M für das Jahr 1903 der vorsichtigen Veranschlagung der Zolle annähernd so 6unstig gestaltet, wie ich im Frühjahre dieses Jahres hier tm voraus Matzen konnte, denn nach Begleichung der namhaften Ausfälle be den Tabaksteuern, den Branntweinverbrauchsabgaben und bet den Stempelabgaben durch die reichlichen Mehrertrage der Zolle tm Gesamtbeträge von 35% Millionen Mk. haben die Ueberweisungs- steuern insgesamt den Etatsansatz noch.um 22% Millionen Mk. überschritten. Ich darf jedoch daran erinnern, daß dieser Mehrbetrag nicht in die Bundesstaaten zur Ueberweiiunggelangt ist, sondern daß er in Gemäßheit des § 1 des Gesetzes vom 28 Marz 1903 zur weiteren Verminderung der durch den Relchshaushalts- etat für 1903 bewilligten Zufchußanleihe zuruckgehalten worden ist, welche Zuschußanleihe sich dadurch rund auf 41 Millionen Mk. armaW^r -Dressieren als diese Mitteilungen werden Sie die, welche ich Ihnen über die nrutmaßl che Gestaltung der Einnahmen und Ausgaben tn dem laufenden Rechnungsjahre 1904 zu machen habe. Die in diesem gemachten Schätzungen haben jedoch unter ihren Grundlagen so verschiedener und so schwankender Faktoren, daß deren Ziffernergebnis nur mit vollem Vorbehalte hier bekannt gegeben werden kann. Einen sehr belangreichen Mehrerttag gegen den nach den tatsächlichen Verhältnissen fdicn ansab-dürfte im Sommer die Zuckersteuer liefern. Der^Meyrbenag der i *) auf 14 Millionen Mk. berechnet, ist nicht nur fiskalistt) von n Standpunkte des Reichshanshalts willkommen zu heißen, sonder» "nickst minder auch als ein erfreuliches Zeugnis an. Lcrfcn. eu, daß die Gesetzgebung mit der Reform der Zuckersteuer den recken Weg eingeschlagen hat. (Sehr rtchttgl links.) Die Die bis Ende Oktober zur Anschreibung gelangte Solleinnahme bleibt nicht nur sehr bedeutend, nämlich um fast, 12 Mill. Himer dem gleichzeitigen Stande des Vorjahres zuruch nein auch die ^ahre 1902 und 1901 zeigten für diesen Zeitpunkt schon ein namhaft höheres Einnahmesoll. Die Ursache für Diesen Rückgang liegt mäst etwa in einem allgemeinen Zurückbleiben der zollpftichtigen ^aren- einfuhr, sondern er beschränkt sich auf ein finanziell allerding-. «ehr belangreiches Gebiet: den Getreidehandel. Alle übrigen Einfuhren Cufammcngenommen sind in ihrem Zollwerte sefhegen, bet ben © e treib ecöll en, bereu ungemein schwantenbe Natur schon des öfteren, zuletzt in besonders eingehender Weise vor^2 W,en bei Beratung der lex Trirnborn, betont worden ift, stnd bi» Ende Oktober gegen das Vorjahr 12% Mill. Mk. weniger S^r Anschreibung gelangt und 5% Mill. Mk mehr für die Ausfuhr in Anrechnung genommen, so daß bis letzt zusammen hier 18 M ll. an Mindereinnahmen entstanden sind. In den Erntenachrichten und der Preisgestaltung auf dem Getreidemarkte scheinen zwar in jüngster Zeit Anzeichen dafür vorzuliegen, oaß für den Rest de» Etatsjahres weitere Rückgänge kaum mehr eintreten durften. Aber es ist so gut wie unmöglich, in dieser Beziehung zu einem irgendwie sicheren und abschließenden Urteil zu gelangen. Im ganzen errechnet sich »iach dem gegenwärtigen Bestände der Enismhmen für das laufende Jahr gegenüber dem bekanntlich E Reichstage um 20 Millionen erhöhten Etatsansatz schon zetzt em Ausfall von 14 vis 15 Mill. Mk. Weitere Mindereinnahmen mtt etwa 900 OUU Ml. sind bei der Tabaksteuer und mit fast 300 000 Mk. bei der Schaumweinsteuer vorzusehen. Es scheint weniger Champagner getrunken zu werden, als der Gesetzgeber angenommen hat. (§citcrfeit) Im ganzen würden den Mehreinnahmen, die sich auf rund 27 Mill. Mk. zusammenrechnen, etwa 16 Mill, zu erwartende Aussalle gegenüber, stehen, sodaß die Einnahme mit einem Mehr gegen den Etat von runb 11 Mill. Mk. abschließen würde. Ich komme nun zu den Ausgaben für das laufende Rechnungsjahr. Von diesem Ueberschuß der Einnahmen wird mehr als die Hälfte durch die Etatsuber- schreitungen und durch die außeretatsmaßigen Aufwendungen bei den verschiedenen Ausgabezweigen aufgezehrt werden. Nach Gegenrechnung der wahrscheinlichen Minderausgaben, von denen nur 1 Mill. Mk. bei der Verwaltung des Reichsheeres erwähnenswert ist, wird der Bedarf in dieser Beziehung sich auf rund 6 Mill Mk. stellen Bei dem Mehrbedarf sind das Auswärtige Amt, das Neichs- amt des Innern, die Verwaltung der Kaiserlichen Marine und das Reichsschatzamt mit verhältnismäßig geringen Betragen beteiligt. Das Reichsamt des Innern glaubt, für dieses Jahr bei den Zuschüssen des Reichs zu der Arbeiterinvalidenversicherung eine lleber- schreitung nickt voraussehen zu müssen. Abgesehen von einigen unerheblichen Mehrbedürfnifsen bei der Zentralbehörde.sowie auch beim Statistischen Amte, ist aber eine Ueberschrettung bei den Kosten für die Beteiligung des Reichs an der Weltausstellung m St. Lorn» in Aussicht zu nehmen gewesen, wegen der i)afelb)t enorm gestiegenen Arbeitslöhne, die in keiner Weise vorherzusehen war, und die sich vielleicht auf einige hunderttausend Mark belaufend wird. Der Hauptmehrbedarf wird aber bei den Fonds zur Verzinsung der Reichsschuld in Erscheinung treten. Es kann das ja nicht Wunder nehmen in einer Zeit der finanziellen Ebbe, wo aus der Vergangenheit nicht nur keine Ueberschüsse vorhanden stnd, sondern auch noch Fehlbeträge einstweilige Deckung erheischen, und wo daneben noch für die unvorhergesehenen sehr beträchtlichen Aufwendungen zur Unterdrückung des Aufstandes in Südwestafrika die erforderlicksen Geldmittel unverweilt bereitgestellt werden müssen. Auch die Entlastung der Einzelstaaten um mehr als 100 Mill. Mk. Matrikularbeiträge, die sie der Neichskasse früher nur hatten vorschießen müssen, um sie nach einigen Monaten wieder von der Reichskasse zurück n c^fangen, lohnte nach bet Natur der Sache auf öic Betriebs- mittel der Reichskasse nicht ohne Rückwirkung bleiben. Um nun die Neichskasse zahlungsfähig zu erhalten, hat daher mit der Verstärkung ihrer Betriebsfonds mittelst Schatzanweifungen in einem Umfange vorgegangen werden müssen, wie es bisher noch niemals der Fall war. Ich eracktc es nicht ausgeschlossen, daß wir noch genötigt sein konnten, nut Der Begebung von S ch a tz a n w e i s u n g e n für diesen Zweck bis an die äußerste Grenze vorzuschreiten, die tm Etatsgesetz gezogen ist (Hört, hört! links), ja, daß wir sogar vielleicht genötigt sein können, uns vorübergehend eine gesetzliche Erweiterung dieser Grenze zu erbitten, wenn eS nicht noch gelingen sollte, wenigstens den in dem NachtragSetat für EmD- westafrika für 1904 geforderten Kredit in Bälde bewilligt zu e»> halten. Ich darf hier auch daran erinnern, daß dem Reich tur Die ÄtAfcAMAM 'Mtt'frAtAAt» MkMMT LMMDM General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sieben. Bundesstaaten auch diesmal wieder die für die Leistungsfähigkeit l der Medrzadl die äußerste Grenze bildende Summe von rund ‘24 Mill. 2\'f. als m,gedeckte Mcrtrckularl'eiträge übernommen, fo daß auf den nleihe 3 11 f di 11 f> der Nest von 51 Mill. Mk. entfällt. Der Gesa mt a n l e i h e b e d a r f erreicht hierdurch die Höhe von 293 Millionen Mark. Ein erheblicher Teil dieser gewaltigen Summe, und flhxir ein Betrag von 3Sst Milt. M!., ist zur Deckung des außerordentlichen und fdiivcr 31t übersehenden Bedarfs bestimmt, der durch die beklagenswerten Verhältnisse im s ü d w e st a f r i k a n i s ch e n Schuh gebiet entstanden ist. Die bisher ctatSmatzig bercitgestelltcn Mittel zur Unterdruckmig des Eingeborenenaufstandes haben nach Entsendung weiterer Truppennacksckube sdion im laufenden Jahre bei weitem nickt auSgcreicht. ES ist Ihnen daher ein zweiter NacktragHetat zu dem Etat der Schutzgebiete und zu dem ReichShaushaltSetat für das Jahr 1904 vorgelegt worden, der uüt rund 764j Mill. Mk. abschließend, zunächst Deckung schaffen soll für die Kosten anläßlich der in der Zeit vom 25. März 1904 bis Ende Oktober d. I. entsandten Nachschübe einschließlich der nach der Lüderitzbucht geschickten. Wegen der iveitcren Truppennachschübc muß, weil die Kosten hierfür fick) noch in keiner Weise übersehen lassen, die Ausbringung weiterer Kredite Vorbehalten werden. (Hört! Hört! bei den Soz.) BiS jetzt beziffern sicki die anläßlick) deö Aufstandes er folgten Bewilligungen und gestellten Forderungen auf insgesamt 135 Millionen Mark. WaS ich an den Einzelheiten des Etats des Jahres 1905 nicht unerwähnt lassen Möchte, daS will ich nun in tunlichster Kürze fassen. Zunächst die Ausgaben! Für die Verwaltung des Reicks Heers beträgt daS Mehr einschließlich der bairischen Quote bei den fortdauernden Ausgaben rund 16% Millionen Mk., wovon mehr als die Hälfte auf die Naturalverpflegung entfällt und zum ivcir überwiegenden Teile der neuerdings eingetretcuen Preissteigerung zuzuschreiben ist und 300 000 Mk. Kontingentsetats auS Anlaß der Hceresverstärkung und desgleiechn 1 600 000 Mk. auS Anlaß der dauernden Festlegung der zweijährigen Dienstzeit hinzugetreten. Für alle übrigen Ausgabezwecke deS weitschichtigen HeereSetats stellt sich somit die Rrebrsorderung nur auf 4 Mill. Mk. Ein Minderansatz von 3% Mill. Mk. bei den einmaligen Ausgaben erklärt sich durch die bereits erwähnte Ilebernahme von bisher aus den ordentlichen Mitteln bestrittenen HeereSauSgaben auf den außer ordentlichen Etat. Unter der so reduzierten Summender einmaligen Ausgaben sind für die Bedürfnisse infolge der Heeresversiär hing 10*4 Mill, und aus Anlaß der Festlegung der Dienstzeit etwa eine halbe Mill, enrbalten. Die gesamten Erfordernisse für diese zwei Zwecke sind in der Begründung zu den vorliegenden Gesetzentwürfen nachgewiesen und belaufen iid) einschließlich des daurischen Anteils für das Rechnungsjahr 1905 auf rund 16% Mill. Für die K a i s e r l i ch e Marine werden im ordentlichen Etat fortdauernd nicht ganz 6 Millionen und einmalig fast 13 Mill, mehr gefordert, während die den hergebrachten Grundsätzen ent sprechende Belastung des außerordentlichen Etats um 4 Mill, gestiegen ist. Die dem Marineetat hinzugefügte Vorbemerkung ergibt, daß die Gesamlausgabc, wenn and; nicht besonders für das Jahr 1905, aber dock) in Zusammenhang mit dem Ausgabcetat vom Vorjahre fidj in den Grenzen des Geltungsbereiches des Flöt renplanes halt. AuS dem Etat deS Reichsamt des Innern möchte ich anmerken, daß der Zusckmß auf Grund des Jnvalidenversiche- rungsgesetzes mit einem diesmaligen Zugang von 3% Millionen die noch immer fortschreitende Belastung des Reiches auf die Höbe von annähernd 50 Millionen Mk. gebracht hat. Eine verhältnismäßig sehr-bedeutende Steigerung haben im Etat der Reichsschuld die Zinsen erfahren (sehr richtig!), die bei einem bisherigen Jahresbetrag von 104 Millionen und ISO Millionen um 28% Mk. höher angesetzt, darunter 1% Mill. Mk. für die Diskontierung von Schatzanweisungen, die zur Verstärkung des Betriebsfonds der Reichskasse ausgegeben werden, wodurch für diese Zwecke im ganzen 3 Mill. Mk. zur Verfügung stehen. Daß dieser letztere Betrag zur Deckung des Bedarfes 1905 ausreichen werde, ist für mich nach den Erfahrungen der letzten Zeit und im Hinblick auf die Verhältnisse in Südwestafrika weit mehr eine Hoffnung als eine Gewißheit. (Hört! Hört! bei den Sozialdemokraten.) Der auf fast 113 Mill. Mark angeschwollene Zinsbetrag für das Reich sollte vor allem eine ernste Mahnung sein, mit der Kontrahierung von S ch u l - den nicht in der bisherigen Weise (Hört! Hört! bei den Soz.j nicht in der bisherigen Weise fortzufahren (sehr richtig! rechts) und vielmehr an die baldige Einrichtung einer planmäßigen Tilgung unserer Schulden zu denken. (Sehr richtig! rechts.) Denn nur zum geringsten Teile finden bekanntlich im Reiche die aus den Anleihen entnommenen Mittel zu direkt werbenden Anlagen Verwendung, aus denen dann unmittelbar die Zinsen herausgewirtschaftet werden können. Von der Anleihesumme des vorliegenden Etats in Höhe von 293 Millionen sind die rund 44 Mill. Mk. für die Po stund Telegraphenverwaltung und für die Reichsbahnen zu unmittelbar werbenden Zwecken bestimmt. Aus dem Postetat verdient es Erwähnung, daß auch in diesem Jahre der auch von dem Reichstag lebhaft gewünschten Vermehrung der etatsmäßigen Stellen erhebliche Mittel gewidmet werden sollen. Die Ausgaben des allgemeinen Pensionsfonds sind infolge der fortschreitenden Personalvermehrung, namentlich bei dem Heer und der Marine naturgemäß in andauerndem Steigen begriffen. Der Mehransatz stellt sich auf 2% Mill. Mart und erreicht damit die Höhe von mehr als 73 Mill. Mk. Auch die Veteranenbeihilfen sind in fortgesetzter Steigerung begriffen. Die Bedarfssumme, die 1904 erst um 2% Mill. Mk. erhöht worden war, hat für 1905 schon wieder um weitere 2% Mill. Mark höher, das ist auf 14 Mill. Mk. angesetzt werden müssen. Es dürste noch eine Reihe von Jahren dahingehen, bis hier die Höchstgrenze erreicht ist. Es ist in dem vorliegenden Etatsentwurf vorgeschlagen, diese Ausgabe für 1905 wiederum auf allgemeine Reichsfonds zu übernehmen. Aber ungeachtet der beträchtlichen Entlastung, die der Reichsinvalidenfonds dadurch erfährt, wird seine Lage von Jahr zu Jahr immer bedenklicher. (Sehr richtig! im Ztr.) Noch im vorigen Jahre glaubten wir, nach Entlastung des Fonds von den Veteranenbeihilfen mit einer Abminderung der Unterbilanz von 290 auf 170 Millionen Mark und mit einer Verlängerung der Lebensdauer des Fonds bis 1913 rechnen zu können. Inzwischen haben sich die Wirkungen der .Kriegsinvalidennovelle vom 31. Mai 1901 aber derart fühlbar gemacht, daß die Unterbilanz wiederum auf annähernd 280 Mill. Mk. gestiegen ist und wir mit der vollständigen Aufzehrung des Fonds im Jahre 1913 rechnen müssen (Hört, hört! im Zentr.) Tie Jahreslast wird nach den aufgestellten Berechnungen sich dann noch auf rund 35. Mill. Mk. Pensionen beziffern. (Hört, hört! im Zentr.) Tie neuen Militär-Pensions-Gesetz-Entwürfe, die doch auch auf den Jnvalidenfonds nicht obne Rückwirkung bleiben können, sind dabei noch gar nicht in Betracht gezogen. Welche .Kalamität es für unfern Reichshaushalt bedeuten mußte, wenn wir eine so erhebliche neue Jahreslast im Jahre 1910 ganz un vermittelt auf allgeineine Reichsfonds übernehmen müßten, bedarf wohl keiner näheren Darlegung. Leider gestattet die augenblicklicl)e Finanzlage es nicht, die im laufenden Jahre begonnene Entlastung des Jnvalidenfonds schon in den nächsten Jahren weiter aus- zu dehnen. Wir werden jedoch hiermit über das Jahr 1906 hinaus kaum zuwarten dürfen; denn wie die Dinge liegen, muß ich betonen: es ist hier in der Tat Gefahr im Verzug. (Sehr richtig! rechts.) Tann aber werden die beiden Jnvalidenfondsgesetze vom 22. Mai 1895 und 1. Juli 1897 einer erheblich durchgreifenderen Aenderuna bedürfen, als der Reichstag in seiner Resolution vom 20. April d. I. befürwortet hat. Mit Rücksicht hieraus erschien cs auch nicht geraten, der Ausführung jener Resolution des Reichstags schon jetzt näher zu treten. Inzwischen soll indessen versucht werden, wenigstens auf eine, tunlichst gleichmäßige Berücksichtigung der unterstützungsbedürftigen Veteranen in den verschiedenen Bundesstaaten hinzuwirken. Es entspricht das auch einem Verlangen, das wiederholt in diesem Hause an die verbündeten Regierungen gerichtet worden ist. Der Entwurf desfallsiger einheitlicher Grundsätze unterliegt augenblicklich der Beschlußfassung des BundeLrats. Man entrüstet sich über die wiederholte Zuhilfenahme von Z u s ch u ß a n l e i h e n zur Balanzierung des Etats, und ich erkenne ohne weiteres an, daß ein solches Verfahren an sich nicht unbedenklich ist, und daß davon nur im äußersten Notfälle bei momentan raschvorübergehendem Defizit Gebrauch gemacht werden soll. Aber als weit bedenklicher erscheint mir die Tatsache, daß das Reich nun schon seit Jahren nicht mehr in der Lage ist, fernen Haushalt balanzieren zu können (Sehr richtig, rechts) ohne einen Fonds, den eine loeitauSschaueiide GesetzgebiNig früherer Jahre zur Sicherstellung der Versorgung unserer Invaliden unu der Hinterbliebenen aus dem Jahre 1870/71 so zu sagen, gestiftet hatte, für andere Reichszwecke ar.zutasten und vorzeitig aufzu- braucheii. Diese eine nakte Tatsache spricht für das dringende Er fordernis einer gründlichen Sanierung der 91 c t ct) 5 f 1 n a n- 3 c n eine beredtere Sprache, als ich es in Worten je vermochte. (Sehr richtig.) . Wir würden un8 dem nicht unberechtigten Vorwurf anösetzen, von der Hand in den Mund zu leben, wenn Ivir in der Lage, in der wir unS gegenwärtig befinden, nicht unsere Blicke auck) etwas weiter über daS Jahr 1905 hinaus in die Zukunft richten wollen. (Sehr richtig!) Ich kann nicht verbergen, daß ,ich dabei eine reckt trübe Perspektive eröffnet (Hort, HortI), denn wenn auch erwartet werden darf, daß nach Niederwerfung des Aufstandes in Südwestafrika der Anleihebedarf eine wesentliche Minderung erfahren luirb, so bedeutet das dock) noch leine Verbesserung des ordentlichen Etats, der vielmehr durch die Verzilnung der fraglidien .Kolonialanleihen eine schwere dauernde Mehrbelastung erfährt. Ich stehe nicht an, hier offen zu erklären, daß es mit der Bewirtschaftung unseres Haushalls in der bisherigen Weise unmöglich weiter gebt (Hört! Hört! links, sehr richtig! rechts), und daß wir alles daran setzen müssen, um unseren Haushaltsetat wiederum auf eine solide Basis zu stellen, (—ehr richtig! rcckto.) Wir haben in dieser Beziehung durch das Gesetz vom 1-1. Mal d. I. bereits den ersten einleitenden Sckrilt getan, wir haben sozusagen das Fundament gelegt für eine künftige rationelle Haushaltsführung, wir haben die Trümmer lucggcräumt, die hindernd un Wege lagen. Wir werden aber auf der nun einmal betretenen Bahn fortschreiten müssen, wenn wir zum Ziele gelangen wollen. (Sehr wahr!) Eins der vornehmsten Mittel, seine Finanzen zu besicrn, ist ganz zweifellos — das ist eine alte Erfahrung die Sparsamkeit in den Ausgaben. (Lebhafte Zustimmung.) Ick kann dem hohen Hause versichern, daß ich von dem ersten Tage an, an dem ich in dieses mein Amt eingetreten war, es für meine erste Pflicht crackter habe, hinzuwirken auf Sparsamkeit in allen Zweigen der Reichsverwaltung. Aber in den Haushalten der Staaten uild insbesondere im Haushalt des Reichs mit seinen großen verfassungsmäßigen und sonstigen gesetzlichen Aufgaben, da sind der Sparsamkell auch Grenzen gezogen, unter die nicht herunter gegangen werden kann, lvenn nicht das ganze Schaden leiden soll. Das gilt nicht zum mindesten von den sogenanntenMehrauSgaben des Reichs, d. b- von dem Aufwande für die Erhaltung und für die notwendige Fortentwicklung unserer Wehrkraft zu Wasser und zu Lande, und unbedachte Sparsamkeit an diesem Punkte könnte sich in der Stunde der Gefahr aufs aller- bitterste rächen. (Sehr richtig! rechts.) Bei unseren Kolonien mögen die Meinungen bariiber auseinandergehen, ob und wieweit ihre Erwerbung seinerzeit geboten war. (Sehr richtig! links.) Aber wir haben sie einmal erworben, und jetzt wird sich das Reick) der verfassungsmäßigen Verpflichtiing nicht entziehen können, in Ansehung jener Kolonien seine Kulturmisiion zu erfüllen. Was aber den übrigen Reichshaushalt betrifft, so habe ick die Empfindung, daß die Regierungen und daS Reichsschatzamt unter dem Druck der Finanzlage in ihrer Sparsamkeit vielfach schon weiter gehen, als es der Mehrheit des Reichstages lieb ist. Ter Reichsschatzsekretär, dem die undankbare Aufgabe erwächst, dem Drange nach Mehrausgaben, der auch in diesem hohen Hause nicht 311 den Seltenheiten gehört (Sehr wahr!), kann hier aus eigenster Erfahrung sprechen. Ick) habe überhaupt auf Grund meiner langjährigen Erfahrungen den Eindruck gcloonncn, daß in der Veranlagung zur Sparsamkeit die Regierungen dem Parlament mindestens nicht nackstehen. (Heiterkeit.) Aus Sparsamkeit allein werden Ivir das angestrebte Ziel der Gesundung unseres Reichshaushaltes kaum zu erreidicn vermögen. Wir werden vielmehr auf die Dauer dazu einer Verbesserung der Neichseinnahmen nicht entraten können. In der Tat, wir haben auch von einer unserer Einnahmequellen in Bälde schon größere Mehreinnahmen zu erwarten, und zwar ans unseren Zöllen; aber ich möchte doch erneut davor warnen, sich in dieser Beziehung allzu großen Hoffnungen hiiizugebeii. (Sehr richtig!) Nächstens werden sich ja ohnehin die Schleier bereits lüften, und Sie werden selbst in der Lage sein, sich in der Richtung ein hinlänglich klares Bild zu verschaffen. Ich habe mich in dieser Richtung niemals sanguinischen Erwartungen hingegeben. Eine Fortführung der finanzpolitischen Ziele hatte sich daS neue Zolltarifwerk programmgemäß von Anfang an nicht zur Aufgabe gemacht. Der Reichstag hat dann diesen programmatischen Gedanken weiter ausgebaut, indem er einerseits bei den eigentlichen Finanzzöllen, die nach der Regierungsvorlage unverändert bleiben sollen, einige Verbesserungen vorgenommen hat und andererseits beschloß, einen von der Erhöhung der landwirtschaftlichen Zölle zu erwartenden, nicht nn- crljcblidjcn Mehrertrag zum größten Teile für einen neuen sozialpolitischen Zweck, nämlich für die Versorgung der Arbeiter- Witwen und -Waisen zu verwenden. Ich möchte nur hoffen und wünschen, daß der Fonds, der vorläufig hier zu diesem Zweck thesauriert werden soll, nicht ein ähnliches Schicksal d e r c i n ft erleiden möchte, wie der Reichst nvaliden- fonds. (Sehr richtig! und Heiterkeit.) Jedenfalls weiß ich aber das eine nicht, wo nun plötzlich; daS viele Geld Herkommen soll, das man vom neuen Zolltarif erwartet. Wie Manna fällt bekanntlich das Geld nicht vom Himmel. Vorläufig ist für uns nur das sicher, daß zu dem teils latenten, teils offen daliegenden Defizit, mit dem wir seit längerer Zeit zu Himpfcji haben, im nächsten Jahre noch beträchtliche Neuforderungen hinzutreten werden. Ich will dabei Fragen, die zur parlamentarischen Erörterung gegenwärtig noch nicht reif sind, wie beispielsweise die Vermehrung der Auslandsgeschäfte, ganz außer Betracht lassen; ich will auch noch nicht sprechen von der baldigen Verstärkung der Betriebsmittel der Reichseisenbahnen oder von der endlichen Inangriffnahme einer organischen Schulde n- t i l g u n g. Erinnern möchte ich nur schon hier an die bereits vorgeschlagene Erhöhung der M i l i t ä r p e n s i 0 n e n , die doch auch von dem Reichstage dringend gewünscht ist, )veld;e aber — wie ick; einschaltend bemerken möchte — in dem vorliegenden Etatsentwurfe noch gar nicht in Erscheinung getreten ist. Ich will weiter erinnern an den Bedarf aus Anlaß der ebenfalls Ihnen bereits vorgeschlagenen Erhöhung der Friedenspräsenzstärke und der Durchführung der zweijährigen Dienstzeit. Ich will des Weiteren erinnern an die wachsenden Reichszuschüsse zu den Invalidenrenten, an die wachsenden Veteranenbeihilfen und die sehr beträchtliche Steigerung der Zinsenlast, an die von Ihnen selbst dringend geforderten Erhöhungen der Wohnungsgeldzuschüsse, an die Notwendigkeit, den außerordentlichen Etat sobald als möglich von den weiteren Raten der sogenannten Waffenforderungen wieder zu entlasten, an das nicht minder dringende Erfordernis, an eine weitere Entlastung des NeichSiuvalidenfonds heranzugehen. Es sollte mich ja aufrichtig freuen, wenn wir bei demnächstiger Schätzung des der Reichskasse verbleibenden Mehrertrages der Zölle zu dem Ergebnis gelangen sollten, daß damit das vorhandene Defizit, und was außerdem noch hiiizutreten wird, auch nur annähernd gedeckt werden kann. Borer st aber fehlt mir dazu der Glaube, und ich bin nicht eher geneigt, anzunehmen, daß auch dann noch ein gewaltiger Fehlbetrag verbleiben wird (hört, hört! bei den Sozialdemokraten), von etwaigen Heber; schössen, deren wir zur gclcgcntlicfcn Verminderung unserer bc trächtlichen Reichsschuld dringend bedürfen, schon gar nicht zu reden. Wenn wir aber, wie ich mit Grund besorge, zu diesem Ergebnisse gelangen sollten, banr möchte tck; glauben, Ware es auch unsere ernste, der Wohlfahrt deö Reiches geschuldete Pflicht, ohne Zögern diejenigen Maßnahmen zu treffen, die zur endlichen Sanierung unserer Finanzen unerläßlich sind (sehr richtig! rechts), und tch weiß mich im vollständigen Einklang mit der ®uffoffiing der Gesamtheit der verbündeten Regierungen, wenn ich schon heute aufs bestimmteste erkläre, daß wir nicht glauben wurden, eine wettere Vertagung der schon aus Rücksicht auf das Ansehen und die Wurde des Reiches dringend gebotenen, gründlichen Ordnung seines Haushalts verantworten zu können. Bei allen Maßnahmen aber, die in Frage kommen mögen, um zu einer nachhaltigen Beßerung unserer Finanzen 511 gelangen, wird unentwegt an Einem wstgehalten werden müssen, loirb Eins nicht außer acht, bleiben dürfen, das ist: schonende Rücksichtnahme auf die wirtschaftlich SchwachenI (Beifall rechts, im Zentrum und bei den Nationalliberalen. Zurufe von den Sozialdemokraten.) Kriegsminister von Einem: Gelegentlich der Beratung des vorjährigen Etats habe ich in der Budgetkommission bereits tm Februar eine Erklärung über die Forderungen abgegeben, we wir im Interesse der Armee erheben müßten. Im jetzigen Etat fmöen voß « S • ’2 5 8 & ^9 0,5 <$» SsZI-ff tro ®5'§3 q cs 3 0' 5© o S Z-' tÄ 2. * s o* 2. ? 5° 731 s 2®? o er o S er' 3: _ 0 •er er s — —r. A) * n ^5 ,-l 0 3 3- 8 Ä s s MS L.Z 2. ’ < 3'^2. 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