General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen Are yeutrge Yummer umfaßt 10 Seiten. 4105 ** 4085 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UniversitätZdruckerei. R. Lange, Dießen. Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.7. Tel. Nr. 61. Teiegr^Adr.: Anzeiger Dießen. treten, “ unter besonders Bedingungen eine Aus Stadt und Kaud. Gießen, 5. Mai 1904. irren. Massige Zigarren- 5 in Mexico-, öden- und Su- •ikaten ganz her- leistet, sucht mit rten Kaufleuten i» mi-MM oi.gef. GM.PM 04 an i)ie W- 0- n hiesigen ßejdwil Heneoichir« Orifl und $oub.e- it einiger Zeit W Abzugeben ee g '» meinem hach r Bach 8. ntin Röhrig, chuhmachn. Mtä gep.^oftfarte[02557 lebigstraße 63, Hb. Zur slahnkanatisation. Der Lahnkanalverein hat soeben einen Antrag ans Aufnahme der Lahnkanalisation in die wasserwirtschaftliche Vorlage an das preuß. Abgeordnetenhaus gerichtet. Darin heißt es u. a.: Nachdem jetzt so große Summen für die Verbesserung anderer Flüsse und die Herstellung neuer Kanäle ausgegeben werden sollen, halten wir es für an der Zeit, daß endlich unsere Bitte um Verbesserung der schon seit beinahe 40 Jahren nur im alten Zustande erhaltenen Vorrichtungen an der Lahn erfüllt wird. Unsere Forderung ist um so berechtigter, als es sich bei der Lahn um verhältnismäßig ganz unbedeutende Beträge handelt im Vergleich zu den in der wasserwirtschaftlichen Vorlage der Staatsregierung für Neuanlagen enthaltenen großen Summen, Mm al auch das Lahngebiet ein älteres Anrecht auf Berück- stchtigung hat, als die in der genannten Vorlage in Bedacht kommenden Gegenden. Unsere Landwirtschaft und unsere gewerblichen Unternehmungen haben mit einer schweren Konkurrenz gleichartiger Betriebe in überseeischen Ländern zu kämpfen, welche ihre Produkte auf dem billigen Wasserwege des Rheins bis in unsere Nähe in das Land bringen können. Wenn nun auch noch im Jnlande so viele neue Wasserstraßen erbaut und so viel für die Verbesserung der Schifffahrt geschehen soll, während an dem vernachlässigten Zu st and der Lahn nichts geändert wird, so mu ein starker Rückgang unserer Produktion un unseres Erwerbes und damit eine starke Vermehrung der Unzufriedenheit in unserer fleißigen und ordnungsliebenden Bevölkerung die notwendige Folge sein. Die kleine Schiffahrt, welche sich trotz aller gebrachten Opfer nur mühsam und kärglich bisher erhalten konnte, müßte völlig erliegen und könnte später nur mit vieler Mühe und großen Kosten wieder ins Leben gerufen werden. Die preußische Staatsregierung hat zwar anfangs der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts einen Entwurf nebst Kostenanschlag für eine weitere Entwickelung der Lahnschiffahrt von der Mündung aufwärts bis Wetzlar aufgestellt, und von dem Landtage für diesen Zweck 6.75 Mill. Mark erbeten,- indessen wurde diese Summe damals nicht bewilligt. Die Staatsregierung ließ darauf diesen Plan fallen, sodaß wir noch bis heute auf die vor fast 40 Jahren schon geplante Vervollkommnung unserer Schiffahrt vergeblich warten. Die Interessenten sahen sich dann genötigt, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und beauftragten eine namhafte Firma für Ingenieurbauten, einen Entwurf und Kostenanschlag für den Schisfahrtsbetrieb auf der Lahn auf ihre Kosten aufzustellen. Diesen Entwurf haben wir der Königlichen Staats- regierung vorgelegt, welche ihn auch eingehend geprüft hat. Indessen wurde er nicht günstig beurteilt und für die Verhältnisse der Lahnschiffahrt als zu groß befunden, da er einen Kostenaufwand von 33 bis 35 Millionen Mark erfordert haben würde. Infolge dieser Untersuchung sind auch wir von der Verwendung eines so großen Baukapitals zurückgekommen und haben uns zu einem Entwürfe mit kleineren Baukosten entschlossen, was wir dem Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten in der Eingabe vom 23. Februar 1904 mitieilten. Wir haben uns mit einem auf diesem Gebiete erfahrenen und mit den Verhältnissen der Lahnschiffahrt wohl vertrauten Sachverständigen in Verbindung gesetzt und nach dessen Rate den oben erwähnten alten Plan der Königlichen Staatsregierung aus dem Anfänge der siebziger Jahre wieder aufgenommen. Wir erstreben daher jetzt weiter nichts' als' eine zeitgemäße Erweiterung und Ä:gänzung des vor fast dreißig Jahren aufgestellten Entwurfes für die Verbesserung der Lahnschiffahrt unter Berücksichtigung der inzwischen gestiegenen Preise und den AusbauderSchiff- fahrtsanlagen über Wetzlar hinaus bis zu der preußisch-hessischen Grenze bei Gießen, damit auch diese Stadt und die hessischen Ufer» gemeinden an der Schiffahrt teilnehmen können. Es wird dabei vorausgesetzt, daß, wie es die hessischen Interessenten annehmen, der Großherzoglich hessische Staat zu den Kosten der oberen preußischen Strecke auch entsprechende Beiträge leisten wird. Unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte beantragen wir, daß seitens des preußischen Staates ein Betrag bis zu höchstens 15 Millionen Mark für Ergänzung und Erweiterung der Schiffahrts-Anlagen an der Lahn nachträglich in die wasserwirts chaftliche Vorlage eingestellt und damit spätestens binnen b Jahren die Strecke von der Lahnmündung bis zur preußisch-hessischen Grenze ausgebaut werde. Arbeiterschutz in Ziegeleien. Die Vorschriften zum Schutze weiblicher und jugendlicher Arbeiter in Ziegeleien haben durch die am 1. Jänuar 1904 in Kraft getretene Bekanntmachung des Bundesrats vom 15. November 1903 eine weitere Ausdehnung erfahren. Nach der gleichartigen früheren Bekanntmachung vom 18. Oft. 1898 durften in den sog. Kampagneziegeleien, in denen das Formen der Ziegelsteine auf die Zeit von Mitte März bis Mitte November beschränkt ist, junge Leute zwischen 14 und 16 Jahren täglich 11 Stunden beschäftigt werden. In Ziegeleien, welche ohne ständige Anlage ober mit nur einem Ofen betrieben werden, durfte die Dauer der täglichen Arbeitszeit von Arbeiterinnen und jungen Leuten sogar 12 Stunden betragen, Wenn diese Arbeitszeit durch drei Pausen mit einer Gesamtbauer von mindestens zwei Stunden unterbrochen wurde. Auch konnte die Beschäftigung, abweichend von bett allgemeinen Vorschriften der Gewerbeordnung, in die Zeit von 4i/2 Uhr morgens bis 9 Uhr abends fallen. Di^e Ausnahmen von den §§ 135 bis 137 der Gewerbeordnung sind nun aufgehoben durch die, neue Verordnung, welche eine 11 und 12 stündige Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen, unter 16 Jahren alten Arbeitern im Ziegeleibetriebe künftig nirgends mehr gestattet. Unverändert bvibehalten ist in der neuen Verordnung das Verbot der Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern mit gewissen Arbeiten im Betrieb der Ziegeleien und Schamottefabriken (bm Rohmaterialgewinnung und Transporten, in der Regel bei der Hcmdformerei, bei Arbeiten in den Oefen und zum Befeuern der Oefen, sowie bei dem Transport der geformten Steine). Die neuen Bestimmungen, welche vom 1. Jan. o. I. ab 10 Jahre Geltung behalten, sehen auch eine Aen- derung des in allen Ziegeleien und Schamottefabriken gesetzlich vorgeschriebenen Aushanges vor. Eine nicht unbeträchtliche Einschränkung des Umfanges der Kinderarbeit in Ziegeleien hat das ebenfalls am 1. Jänuar 1904 in Kraft getretene Kinderschutzgesetz zur Folge. Nach den §§ 4 und 22 dieses Gesetzes dürfen sowohl ftemde wie eigene Kinder unter 13 Jahren, oder solche über 13 Jahren, die noch $um Besuch der Volksschule verpflichtet sind, in bloß vorübergehend ober in geringem Umfang betriebenen Ziegeleien nicht beschäftigt werben. Damit ist das Verbot der Beschäftigung von Kindern in Ziegeleien, das sich vor dem 1. Januar b. Js. nur auf bie größeren, ben Fabriken gleichgestellten Ziegeleien erstreckte, erfreulicherweise nunmehr auf alle Ziegeleibetriebe ausgedehnt. Von den jetzt erstmalig geltenden Vorschriften dürfte eine große Zahl von Ziegeleibetrieben berührt werden. Es wird sich daher empfehlen, wenn die Unternehmer und die Betriebsleiter dieser Ziegeleien bei Beginn der neuen Kampagne berti nun veränderten Verpflichtungen volle Aufmerksamkeit zu- wenden. fälliger Weise fehlt einstweilen unter den Vormerkungen: der Name des Führers der konservativen Kanal-Opposition: Graf Kanitz. (In dieser Liste fehlt leider auch Herr Cahensly, Kommerzienrat in Limburg, der wohl die Gelegenheit ergreifen könnte, um mit aller Rührigkeit und Jnteusivität für die Kanalisierung der Lahn aufzutreten. D. Red. d. Gieß. Anz.) ♦ Einen eigenartigen „Vorschlag zur Güte" macht die „Kreuzztg." der preuß. Regierung, um die „leidige Kanal- angelegenheit" durch einen Kan a l ko m pr o mi ß zu einem definitiven Ende zu führen. „Vielleicht einigt man sich hinsichtlich des westlichen Kanals auf den Endpunkt an der Weser." Also es soll wieder ein Stück abgeschnitten werden, das Opfern des Mittellandkanals genügt nicht. Lluf dies fast durch Naivität ausgezeichnete Verständigungsanerbieten wird Graf Bülow unmöglich einr gehen können. Ter Regierung suchte Dr. Wiemer den Rücken zu stärken mit der Mahnung: Etwas weniger Vertrauen und Optimismus, etwas mehr Entschiedenheit! phtr noch zwei Redner kamen heute zum Wort. Der nationalliberale Abg. v. Eynern und der Pole v. Grabski. Herr v. Eynern aßte auf Grund eines umfangreichen Materials alles zusammen, was zu gunsten der An läge von Wasserstraßen pricht; er erntete kräftigen Beifall bei seiner Fraktion und ben Freisinnigen. Minister v. Bub de verwahrte sich gegen ben Vorwurf v. Eynerns, baß die militärische Bebeulung der Kanäle nicht gründlich betont worden sei. Von der „Unversöhnlichkit" der Polen war von vornherein nichts anderes als eine ablehnende Haltung zu erwarten. Die Sitzung schloß, ohne daß Graf Bülow im Hause sich hatte blicken lassen. Wenn Graf Bülow erst alle Redner hören will, die auf der Liste stehen, bann hat er allerdings noch viel Zeit zur Verfügung. Die Liste enthält nämlich noch über vierzig Namen, u .a. die National- liberalen Dr. Friedberg, Dr. Lotichins, die Freikonservativen Graf Moltke, v. Kardorff, Frhr. v. Zedlitz, Dr. Arends Gamp, den Bündler Dr. Hahn, vom Zentrum Dasbach, die Konservativen v. Staudy und v. Bodelschwingh. Anf- Sterbekasse des Kriegerbundes, Ber- icherungsverein auf Gegenseitigkeit in Berlin. Der Geschäftsbericht der Kasse für das Jahr 1903 ergibt wieder ein starkes Wachstum dieser Wohlfahrtseinrichtung des Deutschen Kriegerbundes. Man sieht daraus, daß die Vereinigung der Kräfte zu einem Ganzen auch in der Sterbekassenversicherung der Kriegervereine Bedeutendes leistet. Die Kasse steht unter der Aufsicht des Kaiserlichen Auffichts- amts für Privatversicherung. Die Geschäftsergebnisse sind in jeder Beziehung befriedigend. Es betrugen am Ende des wahres 1903: der Versicherungsbestand 15 094 636,50 Mark, die Prämien- und Sicherhätsreserve 2 237 569,50 Mark, die Gutschrift auf Dividendenkonto pro 1903 48960,81 TnSo -• Jahre gezahlten Versicherungssummen 1683/o,67 Ml. Versicherungen können nach 6 verschiedenen Tarifen auf den Todes- und Erlebensfall in Höhe von 100—2000 Mark abgeschlossen werden. Ten Mitgliedern der KOiegervereine ist durch die mit niedrigen Beiträgen arbeitende Kasse zur Fürsorge für ihre Familien schöne (gelegen!) eit geboten. Für den hiesigen Geschästsbezirk vermittelt Aufnahme an träge der Generalbevollmächtigte C. Mayer, Postsekretär i. P. in Gießen. Von den Erfolgen der Direktion Stein- 9 oetter in Weilburg lesen wir im „Weild. Tagebl." vom 2. d. M.: Auch die geftriac letzte Theatervorstellung war wieder sehr tark besucht. Es ist bisher noch keiner Direktion gelungen, sich die Anerkennung des hiesigen Publikums in so hohem Maße zu erringen. Am besten zeigte sich dies an dem reichen Applaus, den Kranz- und Blumenspenden seitens des Publikums. Mehrere Damen Weilburg? sandten Herrn F. A. Steingoetter eine reizende Stickerei zum Andenken. Andere Damen ließen einen Erdglobus von 20 Zentimeter Durchmesser überreichen, dem solgende Zeilen bei- lagen: „In den Annalen Weilburgs wird die Epoche Ihrer Theaterabende als unvergängliches Ereignis verzeichnet werden Mit großer Dankbarkeit wird man sich Ihrer erinnern, der Sie id) angelegen sein ließen, einen Kranz so hervorragender Kräfte zu Bereinigen, wie er hier in Weilburg bisher noch' nicht gastierte. Damit Sie, verehrter Herr Direktor Steingoetter, nun auch im nächsten Jahre Weilburg nicht vergessen und sich wieder bet un» Mo ist Kraf Aülow? Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 4. Mai: Wird Graf Bülow heute Fontmen? Wirb er sprechen? So fragten sich bie Tribünengäste des preußischen Ab- geordneten Hauses, während sie eilig ihre .Garderobe ab gaben. Man ermutigte sich gegenseitig mit einem kategorischen Selbstverständlich! Aber bie Besorgnis, ein Wort des Ministerpräsidenten zu verlieren, war unnötig. Am Regierungstisch fehlte das „teure Haupt". Finanz-Minister Frhr. v. Rheinbaben erhob sich um liy4 Uhr M einer Rede, bie ungefähr um halb 1 Uhr ihr Ende erreichte. Sehr sachliche und unterrichtende Ausführungen über bie Rentabilität ber geplanten Wasserstraßen, über ben Einfluß der Aufwendungen auf bie Staatsfinan- zen, über das Verhältnis von Känal- unb Eisenbahn- Aula gekokten, alles bies gespickt mit Zahlen, aber eben wegen btefer sachlichen Behandlung, unb trotz aller trefflichen rednerischen Eigenschaften bes Frhrn. v. Rheinbäben, kein „Genuß" für die Tribünen. Die Gesichter wurden länger unb länger. Mancher stille Ausbruch erfolgte, auch unten im Saale. Der Minister schöpfte aus der Haltung der Mehrheitsparteien die Hoffnung, daß eine Verständigung gelingen werde. Er bejahe bie Frage, ob die Aufwendungen mit ben finanziellen Interessen Preußens vereinbar finb, mit einem lauten Ja. Gesetzt, der Rhein- Hannover-Kanal würde nicht gebaut, so würden in kürzester Zeit Eisenbahnbaukosten erforderlich werden, die diejenigen für den Kanal bei weitem übersteigen! Die Entscheidung über Me großen Vorlagen werde in der Hauptsache durch Optimismus ober Pessimismus beeinflußt: er, der Minister, bekenne sich freubig zum Optimismus, zum Glauben an die Zukunft unseres Vaterlandes. Die Linke begleitete mehrere Stellen der Rede mit lebhaftem Beifall; Rechte unb Zentrum verharrten in achtungsvollem, aber kühlen Schweigen. Bon ben beiden freisinnigen Wortführern, zu gunsten ber Kanalvorlage, ben Abgg. Dr. Wiemer (fts. Volksp) unb Brömel (fts. Bg ) hatte ber Erstere mehr das Ohr des Hauses. Brömel's Redeweise ist etwas zu langsam, gemessen und kcvthederhast. Er warnte davor, daß man einst vom preuß. Abgeord- netenhouse sage: Der große Moment fand ein kleines Ge- chlecht. Mit Tadel wurde das Zentrum bedacht, weil es ich dem Bau des eigentlichen Mittellandkanals, der Strecke Hannover-Magdeburg, für alle Zeiten widersetzen will. Dr. Wiemer Kat die vernehmliche Frage: „Wo ist denn Graf Bülow?!" Bei der Wichtigkeit ber Vorlage habe er anwesend sein müssen. Der jetzige Entwurf sei ein Dorso, ein Stückwerk, nicht geeignet, bie alten Freunde zu erhalten, ober die alten Gegner zu bekehren. Seine Partei halte fest am Mittellandkanal. geforberten mäßigen Betrag gegenwärtig längst erreicht hat. Es ist fobann aber auch hervorzuheben, daß für das auszuwendende Kapital ganz gewiß sehr bald eine mäßige Verzinsung herauskommen und die Schiffahrt die Betriebskosten aufbringen wird, da es sich hier nicht um die Einführung einer ganz neuen Schiffahrt, wie K- B. beim Dortmund-Ems-Kanal handelt, sondern um die Förderung einer von Alters her bestehenden Schiffahrt. Zu beiden Seiten ber Lahn liegen blühende Ortschaften mit Bergbau, landwirtschaftlichen Betrieben und reich entwickeltem Gewerbe, alle Gemeinden sind von Alters her daran gewöhnt, zu Schiff die Produkte der Gegend zu verfrachten und die zu ihren Betrieben notwendigen schweren Stoffe zu Schiff zu beziehen. Es werden hier Eisenerze, Roheisen, Basalte, Kalksteine, Zement, Quarzite, künstliche Dünger, landwirtschaftliche Produkte aller Art, Bau- und Brennholz, Koks, Stein- und Braunkohlen, allerhand Bausteine und andere Produkte in so großen Mtzngen in dem Gebirgstale zu beiden Seiten der Lahn, sowie in ben nächstliegenden Seitentälern gewonnen bezw. bezogen, daß sich eine Frachtmenge von mindestens 1,5 Millionen Donnen für den Anfang auf ber Lahn erwarten läßt. Nach einigen Betriebsjahren und besserer Entwicklung der Schiffahrt werden dann die Zinsen des aufgetoenbeten Baukapitals mit Sicherheit in den Schiffahrtsabgaben ihre volle Deckung finden. Wir richten nunmehr an das Hohe Haus ber Abgeordneten bie Bitte, bie wasserwirtschaftliche Vorlage nur genehmigen zu wollen, wenn sie in der folgenden Weise ergänzt wirb: „Für bie Lahnschiffahrt von ber Mündung bis zur preußisch-hessischen Grenze bei Gießen wird ein Betrag bis zu höchstens 15 Millionen Mark aufgewendet und die Schiffahrtsanlagen nach einem von dem Herrn Minister ber öffentl. Arbeiten zu genehmigenden Plane für Schiffe von 1,6 bis 2,0 Meter Tiefgang binnen 5 Jähren nach Verabschiedung dieses Gesetzes ausgebaut." Einen Plan dazu, welcher von einem namhaften unb erfahrenen Sachverständigen aus gearbeitet wird, werden wir ber König!. Staatsregierung vorlegen. Die bisherigen Ausarbeitungen genügen indessen, um biesem Sachverständigen die Schätzung der Kosten in ben angegebenen Grenzen zu ermöglichen. Die Tragweite dieser Ausbauten für die Staatssincmzen ist auch nach unserer Kenntnis ber Produktions- unb Ver- iehrs-Verhältnisse des Lahntales im Nassauischen unb der Wetzlarer Gegend von keiner erheblichen Bedeutung. Denn einmal ist die Summe von 15 Millionen Mark für eine 137 Kilometer lauge Schiffahrtsstraße im Verhältnis zu freu Forderungen für die Wasserstraßen in der wasserwirtschaftlichen Vorlage eine sehr geringe und andererseits« Werbt zu berücksichtigen, daß die von ber Wnigl. Staats- legierung Ende der siebziger Jähre selbst zur Veraus- nißbung in Aussicht genommene Summe von 6,75 Millionen '-'Hart nebst den inzwischen erspürten Zinsen, ben von uns iate Bbergieln. Off. . 989 an Badoli rankfurt a. K. MWwe tmtfuNi AuferügMg vo> »erobe sowie M «Mk m Stricken jeuvonArünip b nu* anflek9^ „neibtötAM ,ld ftetä vvnach irriK „ line HopV Nr 105 Zweites Blatt. 154. Jahrgang Donnerstag 5. Mai 1904 Erscheint täglich mit Ausnahme de» Sonntag». O Die „Siebener §amilienbI8tter" werden dem fl DH D O Kg gJT gT ID AAA /W OIt »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ■ IhK 8 D m Pi VA U W „hessische Landwirt" erscheiru monatlich einmal. V V' ■ ■ V' 8 V V- B v _ H W' W 'd" v Die / Kerichtsjaal. s 1 s V >s £ o p & V Q ca y S 8 y y Z «0 0x- ,5»-§ s S-? y ± ö y Z VermidehteA. * Der Kaiser und der älteste inaktive Unteroffizier. Gelegentlich des jüngsten Kaiserbesuches in Biebrich ließ sich der Monarch, wie wir bereits meldeten, den 101jährigen Landwirt Becht aus Delkenheim bei Wiesbaden, den zurzeit ältesten inaktiven Unteroffizier vorstellen. Der Kaiser schüttelte dem Alten kräftig die Rechte und erkundigte sich nach seinen Familienverhältnissen, sowie Erinnerungen an seine Militärdienstzeit. Becht sprach sodann dem Kaiser seinen Tank für das Geschenk aus, das ihm der Monarch zu seinem 100. Geburtstage hatte zukommen lassen, und wünschte dem Kaiser, daß er auch 100 Jahre alt wer den möge. Lachend erwiderte der Monarch, daß er sich alle Mühe geben werde, dieses Lebensalter zu erreichen. Inzwischen hatte sich die Kaiserin dem alten, fast Lauben Greise genähert. Aus die Aeußerung der hohen Frau über seine Rüstigkeit wünschte der alte Veteran auch der Kaiserin eine so lange Lebensdauer, die ihm selbst beschieden sei. Hierauf erwiderte die hohe J-rau: „Ich glaube aber, daß ich in den Jahren nicht so rüstig sein werde!" — Bei der Verabschiedung bat der alte Brecht, der Kaiser möge bei seinem 55. Urenkel, der gerade an demselben Tage das Licht der Welt erblickt hatte, eine Patenstelle annehmen, worauf der Kaiser eine zusagende Antwort gab und sofort den Oberpräsidenten v. Windheim beauftragte, das weitere in 1« yz 4-: $1 Sä 2$ # $ sg jag s S Sti- ’y y p Sg 12 ’y der Angelegenheit zu veranlassen. * Ein Geschenk des Kaisers an die Kaise- r i il Gelegentlich einiger Atelierbesuche bei Berliner Künstlern, die das Kaiserpaar am Dienstag nachmittag machte, wurde der Kaiserin eine Uelberraschung bereitet. Der Kaiser hatte bei Pros. Karl Begas vor einiger Zeit eine Statue der Kaiserin in Lebensgröße bestellt, und nun konnte er ihr das schöne Werk im Atelier des Pros. Begas als Geschenk nach der Rückkehr aus Italien vollendet vorführen. Gleich beim Betreten des Ateliers geleitete der Kaiser seine Gemahlin zu dem lebensgroßen Marmorbildnis. Die Statue soll im Neuen Palais zu Potsdam aufgestellt werden Tas Bildwerk zeigt die Kaiserin im geschlossenen Spitzenkleid mit großem Federhut. Die hohe Frau hält in ihrer Rechten eine Rose und über der lmken Hand einen Spitzenschal. ■— Später begab sich das Kaiserpaar in das Melier des Bildhauers Prof. Uphues, in [hem das gwoße Gußmodell des Kaiser- Friedrich-Denkmals für Charlottenburg seiner Vollendung entgegengeht. Es ist ein Werk von doppelter Lebensgröße. Ter Herrscher trägt die Uniform der Pasewalker Kürassiere, nett Helm und Küraß. Dar, p«t oder durch den indüuntkL q ■"*5g 5 *y C v! 4'J v :S » S £ 1 R. B. Darmstadt, 3. Mai. Sieben Jahre Zuchthaus wegen Diebstahls hat der erst 20 jährige Metzger Friedrich Hofmann aus Eitelbrunn in Bayern von der hiesigen Strafkammer zudiktiert erhalten. Er war vor mehreren Monaten wegen eines schweren Embruchs in eine hiesige Holzschneiderei, den er mit mehreren Genossen aussührte, zu 6 Jahren Zuchthaus verurteil- worden. Heute war er angeschuldigt, am 28. August v. I. dem Eishändler Friedrich Stumps hier ein Fahrrad gestohlen zu haben. Da der Angeklagte schon wiederholt vorbestraft ift, so wurde ihm für diese Tat ein Jahr Zuchthaus zugerechnet, sodaß er also jetzt im Ganzen 7 Jahre Zuchthaus zu verbüßen hat. — Ein Ein bruchsdiebstahl im Kreisamt brachte heute dem Taglähner Christian Gebhardt aus Erbach i. O. eine Zuchthausstrafe vor. 3 Jahren ein. Der schon wiederholt wegen Diebstahls vorbestrafte Angeklagte hatte sich mit einem nicht ermittelten Kumpanen aus Frankfurt a. M. zusammengetan und von dort aus einen gemeinschaftlichen Einbruchsdiebstahl im Kreisamtsgebäude zu Erbach i. O. verabredet. Sie drangen durch das Fenster eines Aborts in die Räume des Großherzoolichen Kreisanriß ein, sprengten die Türen und versuchten den Kassenschrcmk zu öffnen. Do ihnen das aber nicht gelang und sie auch sonst keine Wertgegenstände entdeckten, mußten sie ohne Beute wieder von dannen ziehet- und ,sie fuhren auch gleich früh morgend nach Frankfurt zuruck. Nur ein dem Kreisrat gehöriges Messer soll der Kumpan des Angeklagten als des Mitgehens wert erachtet haben und das war auch der Grund, daß die heutige Anklage nicht aui versuchten, sondern auf vollendeten schweren Diebstahl gegen Gebhardt lautet«. Er wurde, wie erwähnt, zu 3 Jahren Zuchthaus abzüglich 3 Monate Untersuchungshaft verurteilt, und ferner auf 10 Jahre Gyr- vertust und Stellung unter Polizeiaufsicht erkannt. ß = -P. -5 2 für die Entsendung Trothas entschieden. Wieweit bieje Mitteilungen zutreffen, läßt sich im Augenblick nicht fest- stelleir. Mffällig ist aber, wie lange das offiziöse Tele- graphenbureau wartete, bis es die erste private Nachricht von der Berufung des Herrn v. Trotha bestätigte. General v. Trotha war in letzter Zeit wiederholt als für die Entsendung nach Südwestafrika in Aussicht genommen genannt worden, weil er als Truppenkommandeur in den afrikanischen Kolonien bereits Erfahrung hat. Er war als Oberst in den neunziger Jahren längere Zeit Kommandeur der Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika und war 1900/01 im chinesischen Feldzuge Kommandeur b:r 1. Ostasiatischen Jnfanteriebrigade. Mit der Ernennung General v. Trothas ist selbstverständlich der Rücktritt Ober st Leutweins, wenn nicht als Gouverneur, so doch als Befehlshaber der Schutztruppe verbunden. Es erscheint aber auch nicht sehr wahrscheinlich, daß Oberst Leutlvein nach dieser diminutio capitis noch mit genügender Autorität als Gouverneur des Schutzgebietes zu wirken im stände ist, und deshalb muß man wohl annehmen, daß bis zur Pazifizierung des Schutzgebietes dem neuen Truppenkommanüeur auch die Gouverneursfunltionen übertragen werden. Wie die „Kieler N. Nachr." melden^ ist der Major von Glasenapp mit der Führung des Marineexpeditionskorps in Südwestafrika betraut worden. Demnach wäre Oberst Dürr, der Inspekteur der Marineinfanterie, von der Stellung als Führer des Expeditionskorps enthoben worden. Taß der Kaiser dem energischen Vorgehen des Majors im übrigen Beifall zolle, wußte man ohnehin. „Macht nur feste so roetter", so ungefähr soll sich der Kaiser nach Owikokoreo geäußert haben. Von militärischer Seite wird uns heute geschrieben: In Kreisen, die dem Großen Generalstabe nahe stehen, rechnet man durchaus mit der Möglichkeit, daß der Feldzug gegen die Hereros in diesem Jahre nicht zu Ende geführt wird. Angesichts der neuen Verstärkung der deutschen Truppen werden, so meint man, die Hereros vielleicht ihre Taktik ändern und danach trachten, einer entscheidenden Begegnung aus dem Wege zu gehen. Ten Deutschen bliebe bann die mühevolle Aufgabe, den Feind zu suchen, wobei es gilt, Zersplitterungen der eigenen Streitmacht zu vermeiden. So beklagenswert ein langwieriger Kolonialfeldzug aus verschiedenen Gründen ist, eine erwünschte Wirkung übt er: er vermittelt den Deutschen Vertrautheit mit der kolonialen Kriegsführung, die andere Nationen vor ihm voraus haben. Die Truppe, die die Schule des Hererofeldzuges durchgemacht hat, wird zur Kolonialtruppe im eigentlichen Sinne des Wortes, und daraus ergibt sich der dauernde Charakter dieser Organisation. Man besitzt Kolonien noch nicht, wenn man sie erworben hat; sie gehören dem Mutterlande erst, wenn es in der Lage und bereit ist, sich seinen Besitz mit Waffengewalt zu sichern. Die 800 Mann starke Schutztruppe in Südwestafrika konnte die Sicherheit nicht gewährleisten. Ob die Schutztruppe für Ostasrika im Falle einer Erhebung der dortigen Einge'borenenstämme ausreichen würde, ist bei der räumlichen Ausdehnung auch dieser Kolonie und bei den unzulänglichen Verkehrsmitteln zum mindesten eine offene Frage. Deutschland würde wohl mit größerer Zuversicht in die koloniale Zukunft schauen können, wenn es über eine jederzeit schlagfertige und kriegsgeübte Kolonial!ruppe verfügte. Ter erste Schritt zur Bildung eines derartigen militärischen Verbandes ist getan mit der Hinaussendung des Expeditionskorps nach Südwestafrika und der Angliederung weiterer Truppensomrationen cm dasselbe. Die den verschiedenen Armeekorps und Waffengattungen entnommenen Mannschaften nebst Vorgesetzten gewinnen Fühlung und gewöhnen sich an gemeinsames Operieren unter neuartigen Verhältnissen. So bildet sich das Expeditionskorps zu einem einheitlichen Ganzen aus und damit zu einem wertvollen Machtsattor für die Kolonialpolitik. An eine Wiederauflösung dieser Organisation denkt die Heeresverwaltung bezw. die Regierung Wohl kaum. Man geht im Gegenteil schwerlich fehl in der Annahme, daß aus dem Expeditionskorps seinerzeit der Kern für eine Kolonialtruppe herausgeschält werden wird. Marsch der ftnnländischen Reiterei. Oberon-Ouoerture von Weber. Rosen aus dem Süden, Walzer von Strauß. Ob du mich liebst, Lied von Paul Lincke. Serenata von Moszkowsky. Introduktion der Oper „(Samten*. Negers Traum, von Lansing. Italienischer Bersaglierimarsch von Eilenberg. Anfangsbuchstaben der Programmnummern ergeben „Morosini". Der Kaiser schenkte der Gräfin und ihrer Tochter auch wertvolle Schmucksachen, ein vierfaches Diamantenarmbaud mit dem Bildnis des Kaisers, Brochen usw. und nahm vor der Abreise noch das Mittagessen im Paläste der Gräfin ein. Bei diesem Anlasse soll er den Wunsch geäußert haben, einen alten Patr izierp alast in Venedig zu besitzen. Diese Gesprächswendung hat die venetianischen Palaftb^sitzer in große Aufregung versetzt. Einer von ihnen, der Antiquitätenhändler Guggenheim, erklärt in den Zeitungen, daß der Kaiser blos den Palazzo Balbi am Canal Grande im Sinne haben könne, dessen glücklicher Besitzer Guggenheim ist. Der Kaiser habe diesen Palast schon vor sechs Jahren einmal Eaufen wollen, habe aber die Bedingung gestellt, daß der antike Hausrat vollständig in dem Palast verbleibe, und das sei nicht möglich gewesen. Ter Palazzo Balbi ift ein Hochrenaissancebau von dem venetianischen Mchitekten Alessandro Vittoria. Er wurde im Jahre 1582 beendet und zeigt schon barocke Zutaten. Die innere Ausschmückung rütyrt von dem verone- sischen Bildhauer Girolamo Campagna her, die ganz mittelmäßigen Malereien von dem Settecentomaler Guaranna Der Palast liegt zwischen der Akademie und der Rialto- brücke mit prächtigem Blick auf den Canal Grande. — Die Gräfin Annina Morosini, die Kaiser Wilhelm schon seit vielen Jahren kennt und auszeichnet, galt früher als eine der schönsten Frauen Italiens und ist auch jetzt noch eine sehr stattliche Erscheinung. Sie hat in den letzten Jahren viel häusliches Unglück gehabt, erlitt schwere Vermögensverluste und trennte sich von ihrem Manne, so daß sie jetzt nicht mehr im Paläste Moroftni wohnt, sondern wieder bei ihren Eltern, in einem bescheidenen Paläste abseits vom großen Kanal. In der letzten Zeit spielte sie in Venedig keine hervorragende Rolle mehr. Die Auszeichnung durch den deutschen Kaiser hat sie aber sogleich wieder in den Vordergrund des venetranischen Lebens gestellt. Werk wurde aus dem Atelier ins Freie hinausgeschoben und fand densu/neingeschränkten Beifall des Kaisers. Der Monarch bezeichnete es als eine großartige Lösung und lobte insbesondere die lebenswahre Wiedergabe der Züge, sowie den Sitz und die Haltung der Reiterfigur. In dem Garten, der das Melier umgibt, steht die für Washin- t o n bestimmte Bronzefigur Friedrichs des Großen. Von dem in Wilmersdorf gelegenen Melier begab sich das kaiserliche Paar noch nach Friedenau in die Bildhauerwerkstatt von Valentino Casal, den der Kaiser mit den Worten: „Italien läßt Sie schön grüßen!" qn- sprach, während die Kaiserin von dem Töchterchen des Herrn Casal ein Bukett enigegennahm. Zunächst wurde Eberleins für Rom bestimmtes Goethe standbild besichtigt. Von diesem siuo zwei Gruppenteile: Mgnon und der blinde Harfenist, sowie Iphigenie und Orest bereits nach Rom abgesandt toorben. Im Laufe dieses Monats wird die Goethefigur selbst sowie die Gruppe Faust und Mephisto zur Aufstellung in der Villa Borghese abgesandt werden. Der Kaiser, der seiner Hoffnung Ausdruck gab, daß das Denkmal noch im Spätsommer enthüllt werden könne, nahm die Goethestatue in ihrer Vollendung in Augenschein. Er sprach seine volle Befriedigung über das Werk wiederholt aus und nahm auch die in etwa dreifacher Lebensgröße bargestellte Marmor- figur Moltkes in Augenschein. * Aus der Umgebung der Gräfin Morosini, die Kaiser Wilhelm durch seine Freundschaft auszeichnet, vernimmt man noch einige interessante Einzelheiten über den Aufenthalt des Kaisers in Venedig. Der Kaiser hatte die venetianischen Behörden und die Gräfin Morosini zu Tische geladen. Bei Tafel kam das Gespräch auf den Wiederaufbau des Glockenturmes von San Marco. Die Gräfin erklärte sich als entschiedene Gegnerin des Wiederaufbaues. Der Kaiser nahm darauf das Glas, wandte sich zum Grafen Grimani, dem Bürgermeister von Venedig, und trank auf das Wohl Venedigs, „der wunderbarsten aller Städte — mit oder ohne Glockenturm". Das Programm zur Tafelmusik hatte der Kaiser selbst entworfen. Es lautete: P ä Vr-g e « c J..2 c y e 5 Ö 2 O -- .. S "u ° y ui : » c y - y y » E £ »7 -- c - y y y - y O P >Q einfinden, erlauben wir unS, Ihnen beifolgenden ErdglobuS zu übersenden. Möge er Ihnen neben der Dankbarkeit des hiesigen Publikums die Wege zeigen, die Sie in unser Lahnstädtchen zuruck- führen. Mehrere Damen Weilburgs." — Wie die Theaterdireklion versichert, gedenkt sie auch nächstes Jahr die Zeit zwischen den Saisons von Gießen und Nauheim wieder in Weilburg zu verbringen. In den nächsten Tagen werden die Brüder Steingötter ihre Theater in Nauheim und Brandenburg eröffnen. Bad-Nauheim, 3. Mai. Zum Kuraufenthalt ist am Sonntag Ihre Hoheit die Frau Herzogin Mutter vonAnhalt hier eingetroffen. In Begleitung der hohen Frau befindet sich die Hofdame Freiin von Ende und Kammerherr von Schimpfs. Die Herrschaften haben in Villa Goswin Wohnung genommen. — Freitag, 6. Mai, (Geburtstag S. K. K. H. des Kronprinzen) nachmittags von 3—6 Uhr Deutsches Nationalkonzert der Kur- Kapelle. Sonntag, 8. Mai, Konzert der Kapelle des Thüringischen Manen-Regiments Nr. 6 aus Hanau. 8. Laubach, 4. März. Heute fand am hiesigen Amtsgericht in der bekannten Konkursangelegenheit des Handelsmannes Bärmann Katz, welcher seit 18 Jahren am hiesigen Platze ein Handelsgeschäft betreibt, der erste Gläubigertermin statt. Die Passiva belaufen sich auf etwa 32 000 Mk. Der Gemeinschuldner stellte den Antrag .auf Zwangsvergleich mit 10 pCt., von denen 5 pCt. sogleich, die weiteren 5 pCt. erst nach 2 Jahren zahlbar sein sollen. Als Prüfungstermin wurde der 27. Mai d. I. festgesetzt. — Die erloschene Firma Bärmann Katz wird unter der Firma Jenny Katz, Ehefrau des Gemeinschuldners, weitergeführt. (I) Geiß-Nidda, 1. Mai. Die dieser Tage hier ab- gehaltene Verpachtung eines Teiles des Kirchen- gutes gab ein ganz überraschendes Resultat. Bisher kamen an Pacht für diese ca. 70 (kleine) Hess. Morgen (ca. 2000 Quadratmeter) etwa 1500 Mark ein. Nun ist der Pachtpreis auf über 4000 Mark, annährend das Dreifache, gestiegen. Einzelne (kleine) Morgen wurden mit bis 60 Mark bezahlt. Ob bei derartigen Preisen die Landwirtschaft noch rentiert, erscheint sehr fraglich. Es ist dies aber ein Symptom, das hier nicht vereinzelt bastel)t, und das gewiß volle Beachtung forbert. p. Alsfeld, 3. Mai. Nächsten Samstag den 7. Mai findet hier im Hotel „Deutsches Haus" von nachmittags halb 4 Uhr an eine amtliche Bürgermeister-Versammlung für den Kreis Alsfeld statt, deren Tagesordnung in erster Linie die für den Kreis akut gewordene Frage der Errichtung eines Kreiskrankenhaufes enthält. — Gestern weilte der Altertums- und Denkmalpfleger für das Großherzogtum Hessen, Ministerialrat i. P. Soldan, in unserer Stadt. Sein Aufenthalt galt besonders der Besichtigung verschiedener Baudenkmäler Alsfelds und einiger seit altersher geschichtlich bekannter Punkte der nächsten Umgebung. So wurde u. a. auch der „Gönsberg" hinter dem Frhrl. Riedesel'schen Schloß zu Altenburg im Beisein der Altertumsschutzkommission von Alsfeld einer eingehenden Besichtigung unterzogen. Auf diesem Berge befindet sich nämlich eine außerordentlich ausgedehnte Wallburg germanischen Ursprungs. Auch alte Hünengräber werden dort bestimmt vermutet, weshalb hier im Laufe des Sommerhalbjahres unter fachmännischer Leitung Aus- und Umgrabungen vorgenommen werden sollen. Darmstadt, 3. Mai. Im Herbste v. I. wurden auf Beschluß des ärztlichen Landesvereins für das Großherzogtum Hessen in allen Kreisen des Landes ärztliche Vertragskommissionen eingerichtet, zur Neuregelung der Verhältnisse der Kassenärzte und der Krankenkassen, da die Leistungen der letzteren infolge des am 1. Januar 1904 in Kraft getretenen Reichsgesetzes eine Erweiterung erfahren haben. Nahezu alle Aerzte des Landes haben in einem Schutz- und Trutzbündnis sich verpflichtet, diese Kommissionen anzuerkennen und sich ihren Beschlüssen zu fügen. Im Kreis Darmstadt haben die feit Beginn des Jahres 1904 geführten Verhandlungen jetzt mit fast allen Krankenkassen zu einem befriedigenden Ergebnis geführt, indem besonders alle größeren Kassen in der Stadt Darmstadt den berechtigten Wünschen der Aerzte Rechnung getragen haben. Die Möglichkeit eines AerztestrcUs, wie er zurzeit in vielen Orten Deutschlands besteht, erscheint daher bei dem Entgegenkommen beider Teile ausgeschlossen. Man hofft, daß die bis jetzt noch nicht abgeschlossene Neuregelung bei verschiedenen kleinen Kassen und in einigen Landgemeinden des Kreises Darmstadt sich ebenso gestalten wird. M! a i n z, 3. Mai. Der Verbandstag desBäcker- Jnnun g sv erb an de s für das Großherzogtum Hessen tagte, nach der „Frkf. Ztg", heute hier im Hotel „Rheinischer Hof". Den Vorsitz führte Obermeister Jckstadt-Mainz. Namens der Stadt begrüßte Bürgermeister Schmidt die Delegierten und namens der Provinzialregierung Kreisamtmann Tr. Merck. In die Fünferkommission wurden die Innungen Bensheim, Bingen, Eberstodt, Michelstadt und Pfungstadt gewählt. Von dem Sekretär der Handwerkskammer wurde mitgeteilt, daß wegen der schädigenden Wirkungen der Konsum- und Produktivgenossenschaften eine Enquete eingeleitet sei. -Ein Antrag, beim Ministerium des Innern dahin zu wirken, daß die §§ 73 und 74 der Reichsgewerbeordnung einheitlich in Hessen geregelt und die §§ 184, 185 und 186 des hessischen Polizeistrafgesetzes äbgeänbert werden sollen, wurde angenommen. — Die Verhandlungen werden fortgesetzt. Frankfurt, 4. Mai. Die Behörde glaubt nicht, daß der an der Richard Wagner-Straße gefundene Zweikilo- stein die Waffe ist, mit der Hermann Lichten stein erschlagen wurde. Uebrigens wird jetzt, nachdem die Untersuchung erdrückendes Beweismaterial gegen Groß ergeben hat, von der Behörde nicht mehr so großer Wert wie früher auf die Herbeischaffung der Mordwaffe gelegt. Die Untersuchung an dem dieser Tage gefundenen Stein konnte keine Blutspuren nachweisen. Iie Entsendung des Kenerals v. Hrotya. In einem Teil der Presse spiegelt sich die Ueberrasch- ung wieder über die Entsendung des Generals v. Trotha nach Südwestafrika. In der Tat ist dies Ereignis insofern eine Ueberrafchung, weil noch ganz vor kurzem offiziös behauptet worden war, entgegen anderen Meldungen, Oberst Leutwein werde den Oberbefehl beibehalten. Das „Berliner Tagebl." glaubt, daß der Gouverneur nur -einstweilen im Amt «etoleibt, bis für ihn ein Nachfolger gefunden ist. Zunächst fei durch Graf Bülow, den preuß. Kriegsminister und den Kolonialdireflor befürwortet worden, daß Leutwein den Oberbefehl behalte. Erst nach der Konferenz habe sich der Kaiser, auf dessen Initiative -die Kandüratur Trotha überhaupt zurüctzuführen sein dürfte, Das Schreien der Kinder, welche mit reichlicher unverdünnter Milch ernährt werden, beruht meistens auf dem zu großen Gehalt derselben an Käsestoff, welcher die grobe Gerinnung der Kuhmilch im Magen veranlaßt und durch Gahrungen cm *t?rrn das Zwergfell in die Hohe treibt, wodurch sich die Kinder belästig fühlen. Ter Zusatz von Kufeke's Kiudermehl vermindert dir arobflockige Gerinnung des Käsestoffes und d,e Gahrungen iw Darm, sodaß der Stuhlgang leichter erfolgt. _________ & bw> ejeej® MR MrS «■:< rr. interessanter SM O sl 11 - 0i■ f 8 I EU® E ra - fl Briefkasten Auskunft ub: HU köa M alle, auch juristische Frager fifta Ja WW ■■ M* w Bestellungen durch d jtH-WcU, Berlla. 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August d.3v ad gestohlen i, !«* i» sfc von ÖOJ Ajyje !L ah das üc n mv; ro hraiü ZU sonst eder°Knkx hoben N-ehr | großen s-s5- ■ YU 1 ?$*• I A e e ClI O an «n E X 4 -xi jO ■5 Ä wö ®-s G S w o -~S «N „ O w E -O >5 CD P co « o e G E a S <>> « E -o •ED T € c 2 Kg « 'S o o *c -3 fl O 4- § Ä ■ « = ® 70 it E - s e 4, ♦ > zs.S S S ’E =.E^ §. t- - s? A <50. Q «s -ED. £ *-* O o 22 vi S e GrH c S E J5- E a 5 ED O E •*» « 1 2 «$> '«Z'b «X 0.0 *; :— cu *rl Z-Ev-rL *3- SH S y w Mo «j-2. —< OED- Z^sZ e ET o.-ES» O e-> ±2 E ö U U — 2 3 .üSog 2 "O« c e o *'—• .2CD - p'ä “ <41 C O. „ - RTl an 2 an CD E an. c>> ; o jO <«n uQ 'S' 40 Q 2 JQ s c o C x> CD E c E5 § K x> E E c '_C O Cd N VD rXD E o o Ä an CD E ’e >b «— an jO E JE E L CD «2 E -c^ ö? 5 jQ — a> 'S s 'S E2 E JE" c AZ . an — uo .5 O 2 o 3 C e> E JO QD C . = E C? S E an Q cd cd S Ä ’E CD o 3 S ro DO "E E cdX o o ^O o ?2Ü. ^2. c rtt L?'C' 23. c -c -n, :c C -3 :C o § § cd an ZL E S -C XD an ~r c ■ ZE ctz R " an K E .S? 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