SEH Nr. 3 Erstes Blatt. 154. Jahrgang Dienstag 5. Januar 1904 Erjchetnl tig* _________irT _ _ a. Cejng«pe»l>i außer Sonntag monatlich 7ö oierteU Giktzener Anztlgtk LrM Seneral-Anzeiger " -LL'L-Amlr- md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW Kern'pr.LanlchlutzÄr 51 CF ? ______________________________________jftqentetl g>anJ Vect. Ten nachstehend Erlaß Seiner Königlichen Hoheit des Großh:zogs bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis. Darmstadt, derz. Januar 1904. Rote, Staatsminister. Tiefbewegt habe h am Neujahrstage von Vertretern jller Stände und alleTcite des Landes die Spende cnt- geqengenommen, durch welche Mein geliebtes Volk Mir in dieser Zeit der Trauer n Zeichen herzlicher Anhänglichkeit gegeben hat. Die Miranvertraute Gabe, zu der Meine Landeskinder in so übers großer Zahl beigesteuert haben, ist Mir um so teuerer, al nicht nur der Beitrag des Reichen, sondern auch das Scherst«. des Armen darin enthalten ist. Allen den freundlichl Spendern sage Ich von ganzem Herzen Dank. Die Freue welche ihre Gabe Mir in dieser ernsten Zeit gebracht hat, >ll unvergessen bleiben. Die Mittel der Landspendc werde Ich zu wohltätigen oder gemeinnützigen Zweck verwenden. Ich ersuche Sie, diese.Erlaß zu veröffentlichen. Darmstadt, den 2. anuar 1904. ERNS2LNDWFG. An den Staatsminister Rhe. Politische Tagesschau. Zum Befind des Kaisers. Man schreibt uns aus wlin, 4. Januar: Von einer geplanten ^ittelmeer-Reise des Kaisers weiß ein römisch Matt aus „zuverlässiger Quelle" zu berichten. Ter .siser werde in der zweiten Januar-Hälfte Messina berühn. Nach unseren Erkundigungen beruht auch diese Mitte,ng auf Vermutungen. Eine Reise nach dem Süden isbisher nickt beschlossen, sie ist, was noch wichtiger ersehen von ärztlicher Seite dem Kaiser nicht einmal vorgeschlien worden, sicherlich ein Beweis, das; das Befinden d Kaisers einen Klimawechsel nicht erforderli macht. Bei dem Besuch des Kaisers im Atelier des Bdhauers Johannes Götz war die frischeste Stimung zu bemerken. In der heutigen Konferenz über d Feuersicherheit in den Kgl. Theatern, mit bt sehr zweckmäßigen Ergebnis der vorläufigen Schließu, des Königlichen Opernhauses bis zur Vornahme der digendsten baulichen Aen- derungen, soll der Kaiser läner e Zeit das Wort genommen haben, ohne daßirgendwelche Anstrengung oder Trübung es Organs wahrgenommen werden konnte. Tie Eminge im Königl. Schloß in Berlin und im Neuen Palaisind überhaupt ganz so zahlreich, wie vor der Operation. Nach einem aus Rom eingeglgenen Telegramm will der „Giern. d'Jtalia" aus zuver'siger Quelle erfahren haben, Kaiser Wilhelm werde aufeiner Mittelmeerfahrt in der zweiten Hälft Des Januar Messina berühren. Tamit werde eiiMsuch Siziliens verbunden sein. Von anderer Seite erfahren ir über den Besuch des Kaisers beim Bildhau' Götz folgendes: Ter Kaiser besuchte am Samstz nachmittag mit der Kaiserin das Atelier des Bildhaue Johannes Götz und besichtigte in erster Reihe die vom iltusminister bestellte Figur des Alexander Seveis für die Saalburg. Tie im großen Donmodellollendete, etwa zwei Meter große Stattie zeigt die jugendh, schlanke Gestalt des Cäsaren, der, 26 Jahre alt, gemein'jt mit seiner Mutter bei Mainz ermordet wurde. Tie Für wird in Bronze gegossen und patiniert; die Ornarnte und figürlichen Tarstellungen auf dem reich g eschmiten Panzer werden vergoldet. Tie zweite Kaiserstatue, e des Hadrian, ist erst aufgebaut. Beide Figuren solleiim Jüni d. I. im Innern der Saalburg aufgestellt werd.. Tas zweite Werk, das der Kaiser betrachtete, war die fc die Saalburg b e st i m m t e M o m m s e n - B ü st e, dch die der Monarch die Verdienste des großen Gelehrten m die Erforschung des Limes ehren will. Götz hat fei eigentliche Büste geschaffen, sondern eine Art Gedenksteiider an altrömische Grabsteine erinnert und in die Wand einlassen werden soll; der Stein von etwa zwei Meter Höh und einen Meter Breite enthält eine Rische, aus der ziclich frei der Cha- ralterkopf Mommsens wie ein ganz h-es Relief heraus- gearbeitet wird. Darunter befindet sich ne große römische Widmungsinschrift, die der Altertums pscher Prof. Otto Hirschfeld verfaßt hat. Ms Materi ist griechischer Marmor besttmmt. Ter Gedenkstein für ommsen soll noch im bevorstehenden Sommer in der soc Waffenhalle der Saalburg ausgestellt werden: er wird meiner Schmalseite in etwa zwei Meter Höhe in die Wandnngelassen, links und rechts davon werden auf dem Lime gefundene Waffen angebracht. Von Verstimmungen zwischen Berlin v Karlsruhe» ist, wie die „Bad. Landesztg." erfährt, jes die Rede, irach? dem der Kaiser bei der Tr auerfeie für die Tante seiner Gemahlin, der Fürstin Leopv'ine Hohenlohe, geb. Prinzessin von Baden, sich icht durch ein Mitglied dzes königlichen Hanse hat vertteten lassen, sondern einen in der Nähe, in wnkfurt a. M. wohnenden Generaladjutanten, v. Lindeqist, mit seiner Vertretung beauftragt hat. Daß dies in ttaßburg i. E., Karlsruhe und Stuttgart Aufsehen erregen uhte, lag nahe genug und man braucht sich daher keinesws zu wundern, daß allerlei Gerüchte auftauchen und geglait werden. Es heißt jetzt auch, der F ü r st - S t a t t h a l t e rri entschlossen, Izurückzutreten. In einer Straßburger Korrespondenz des obengenannten Blattes, die von der Trauerfeier berichtete, war die Vermuttrng ausgesprochen, Etikettenfragen seien an der Nichtbeteiligung eines preußischen Prinzen schuld gewesen und dabei war vornehmlich an den Kronprinzen gedacht worden, dem als „kaiserliche Hoheit der Dorttitt gebührt hätte. Eine solche Etikettensrage kann jedoch unmöglich maßgebend gewesen sein, denn das hieße doch jede Begegnung des deutschen Kronprinzen mit deutschen Bundes- fürsten zueinerprinzipi ellfatalenSacheh-in- sichtlich der Etikette stigmatisieren. Im übrigen pflegt der bewährte Takt der beteiligten Fürstlichkeiten in solchen Fällen stets den richttgen Ausweg zu finden. Mr erinnern nur an die Reichstagseröfsnung rin Dreikaiserjahr 1888, wo der König Albert von Sachsen dem Prinz-Regenten Luitpold von Bayern — cedo maiori — den Bortritt überließ, um die bayerische Empfindlichkeit zu schonen. Ebenso wäre wohl die Frage des Vorttitts in Straßburg zu regeln gewesen, bei der zu den Satzungen der Etikette auch noch die Gebote des Respekts vor einem grauen Haupte gekommen wären. Mso mit der Ettkette ist es nichts. Die Gründe sind anderswo zu suchen. Es mögen familiäre Differenzen vorgelegen haben — darauf deutet auch das Fernbleiben des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen, dessen Gemahlin, Schwester der Kaiserin, ebenfalls eine Richte des Fürsten-Statthalters ist. Ein letzter Versuch. E. Berlin, 4. Januar. Gegen die Herabsetzung der Börsen st euer hat der Bund der Landwirte die Reichstagsabgeordneten durch eine besondere Zuschrift scharf zu machen gesucht. Das Organ des Bundes, die „Deutsche Tageszeitung", stellt heute abend als das mindeste, was man verlangen kann, die Forderung der Hinausschiebung der Angelegenheit. Man warte ruhig noch ein Jahr und sehe, wie sich inzwischen die Börsensteuer entwickelt. „Die „Tagesztg." droht der Regierung mit schweren parlamentarischen Kämpfen". Ein so schweres Geschütz würde nicht aufgefahren werden, wenn man nicht wüßte, daß die Herabsetzung der Börsensteuer innerhalb der Regierung beschloßene Sache ist. Graf Bülow will auch in diesem Falle sehen, „wie der Hase läuft". Lehnt der Reichstag die Ermäßigung der Umsatzsteuer ab, dann bleibt es einfach zunächst beim Alten. Für ein Kampfspiel ist diese nüchtern und sachlich zu erwägende Frage nicht angetan. Dem „Berl. Tagebl." zufolge soll die Börsengesetz-Vortage gegen Ende des Monats veröffentlicht werden. Aufgaben de8 preußischen Landtags. R. Berlin, 4. Januar. Die Oberpräsidenten von Westfalen und Hannover sind in Berlin eingetroffen. Der Besuch dürfte mit der Kanal- oorlage im Zusammenhang stehen, die dem neuen preuß. Landtag sehr bald nach seiner Eröffnung zugehen wird. Der Entwurf ist im wesentlichen fertiggestellt. Deutschland und England. Unset I.-Korrespondent schreibt uns aus London: Nichts ist charakteristischer für das Gefühl der Be- klemmun g über die Kühle der offiziellen Beziehungen Deutschlands zu England, als die Lebhaftigkeit, mit der man hier über die im neuen Jahr erwartete Reise König Eduards an den deutschen Kaiserhof diskutiert. Der Besuch König Viktor Emanuels in London hat ttefgeheuden Eindruck nicht hinterlassen; ohne besondere Bewegung ist seitens der Bevölkerung auch die Zusage ausgenommen worden, die Kaiser Franz Josef über seinen Besuch der Themsestadt für das Frühjahr gab. Tie dadurch bekundeten fteundlichen Gesinnungen der Dem Deutschen Reiche verbündeten Mächte gegenüber England können eben das reservierte Verhalten der Berliner maßgebenden Stetten nicht vergessen machen. Der „Daily Chro- niele" erzielte deshalb durchschlagende Wirkung, als er dieser Tage meldete, daß das englische Königspaar, bei Gelegenheit seiner Reise nach Kopenhagen zum Geburtstabe des Königs von Dänemark, in der ersten Woche des April dem Berliner Hofe einen Besuch ab statten werde. Man sieht in dieser Meldung zunächst eine Entkräftung des ziemlich wurzelfest gewordenen Gerüchts, daß zwischen Kaiser Ml- helm und König Eduard eine „Unstimmigkeit" persönlicher Natur obwalte, die die Souveräne, entgegen der Gepflogenheit früherer Jahre, seit geraumer Zeit einander ferngehalten haben. Dann aber auch ein Anzeichen, daß in der ausgesprochen russenfreundlichen Politik des GrafenBülow eine Schwenkungzu Gunsten En g- lands sich vottziehen werde. Hier glaubt man natürlich was man wünscht, denn im Grunde ist das englische Volk genügend polittsch geschult, um zu wissen, daß die Polittk eines Landes dnrck ganz andere Faktoren bestimmt wird, und daß insbesondere Desuchsreisen König Eduards auf die hohe Politik feinen maßgebenden Einfluß ausüben können, weil von ihm mehr als von jedem anderen Monarchen das Wort gilt: „Ter König herrscht, aber er regiert nicht". Aks zwischen den Kabinetten in Loudon und Berlin ein freundlicheres Verhältnis bestand, ließ der „freie" Engländer keine Gelegenheit vorübergehen, auf Deutschland zu schmähen. Run, da Berlin ungleich größere Sympathien für Petersburg bekundet, erscheint ihm Deutschland doch von einigem Wert. Deutsches Reich. Berlin, 4. Jan. Ter Kaiser und der König trott Dachsen haben aus Anlag des Jahreswechsels Telegramme ausgetauscht. Ter Kaiser telegraphierte am Sylvester abend : „Viktoria und ich senden Dir zur Jahreswende unsere wärmsten Segenswünsche. Gott der Herr wolle Dich, Tein Hans unh Tein Land auch im neuen Jahre in feine gnädige Obhut nehmen. Zugleich bitte ich ben Ausdruck meiner aufrichtigen Verehrung und Freundschaft freunb* lieh entgegenzunehmen." König Georg sandte folgende Antwort: „Herzlichst danke ich Dir für Deine so liebens-- würdigen Glückwünsche und erneuere meine schon brieflich Dir gesendeten Wünsche. Gott segne und behüte Dich, bie; Kaiserin und alle die Seinen!" Ter Großherzog. von Weimar hat bekannte lich unlängst eine Reihe moderner Künstler an die Kunstschule in Weimar' herangezogen, u. a. Hans Olde, van de Velde, Schulze-Raumburg, Ludwig v. Hofmann. Jnfolgedesfen haben sich die verschiedenen deutschen Gruppen der Sezession in einer Vertreterkonferenz in Weimav dahin geeinigt, daß sie in einer großen gemeinsamen und regelmäßig wiederkehrenden Ausstellung der modernen! deutschen Kunst die Anerkennung verschaffen, die ihr in gewissen Kreisen noch immer versagt geblieben ist. SBie hierzu der „Welt am Montag" geschrieben wird, hat unmittelbar nach dem Mannttoerben der Weimarer Beschlüsse der Kaiser den Kultusminister Studt nach Weimar geschickt, um vor dem Gr o ßherzo g dahin vorstellig zu werden, daß er von seinem Plane abstehew möge, aber der Gro ßh erzog habe sich dem Minister gegenüber in sehr kräftigen Wort en gegen jede Gin Mischung inseinen Best rebungennachd rück-» lichst verwahrt. — Ter Abg. Seyboth, der ben Reichstagswahlkreis 4. Kassel (Gschwege-Schmalkalden) seit den letzten Wahlen b er trat, hat im Verfolge seiner Verurteilung sein Mandat durch ein Schreiben an den Reichstag niedergelegt. Er rechnete sich zur Freisinnigen Volks-1 Partei. Eine weitere Ersatzwahl wird somit nötigt — Ter erbitterte Kamps zwischen dem ZenlrumSab'g/ Tr. Heim und dem bauembündlerischen Landtaosabg. Dr. Gäch in Bayern dauert fort. Tr. Heim veröffentlicht neuerdings auf Gächs Antwort eine Erwiderung, in der er wiederholt betont, daß über die Behauptung Gächs, Heint habe Profit und Rabatt als Verwalttmgsmitglied von Genossenschaften eingesteckt, nur im Gerichtssaal Klarheit ge=» schaffen werden könne. Heim werde den Abg. Gäch noch zwingen, öffentlich Farbe zu bekennen. Er werde ihn nicht ruhen lassen, bis er zu neun von Heim hervor gehobenen Punkten noch Stellung nimmt. „Wenn er das tut, wie im der Abgeordnetenkammer, werde ich ihn — ich wiederhol^ das öffentlich — als Ehrabschneider und verleum-i deriscken Schurken brandmarken." — Eine zweite Assistentin ist im Gewerbeauf-, sichtsdienst für Württemberg angestettt worden. Preußen beschäftigt jetzt vier weibliche Beamte. Bayem- hat zwei Assistentinnen, Hessen ebenfatts, Baden, Weimar, Sachsen-Altenburg, Coburg, Neuß j. L., Hamburg und Bremen je eine, sodaß zurzeit im Deutschen Reich bereits 17 Frauen im Gewerbeaufstchtsdienst tätig sind, abgesehen von den vier weiblichen Verttauenspersonen in Sachsen^ die aber nicht nritzuzählen sind, da sie feine Revisionen vornehmen dürfen. — S&ie der deutsche-russische Verein in Berlin mittetft sind gewisse Sonderbestimmungen im russischen Zolltarif, für welche als Endtermin der 18. Dezember a. St. 1903 vorgesehen war, in letzter Stunde vorläufig bis zu einer enogiftigen Regelung eines neuen .Handelsvertrages, prolongiert worden. Es handelt sich hierbei um diejenigen Bestimmungen, welche eine große An-- zahl landwirtschaftliche Maschinen und Geräte und deren Ersatzteile zollftei zulassen. — Ferner erfährt das „Berl. Tgbl.", daß die deutsch-russischen Handels ve rtragsverhandlungen vertagt wurden^ während über die Zölle auf Vieh und Getreide eine Verständigungsaktion auf diplomatischem Wege ein, geleitet worden ist. Dresden, 5. Jan. Von nationalsozialer Seite wird eine Versammlung geplant, die sich eventuell mit dem Ersuchen an das Reichs amt des Innern wenden wird, seinen Einfluß in Krimmitschau geltend zu machen. DaS Referat dürfte Geheimrat Tr. Böhmert übernehmen. Die Fabrikanten, die der Unterstützung des Zenttalver- bandes deutscher Industrieller sicher sind, haben sich jeden- fatts entschlossen, nicht nachzugeben. — Das „Dr. I." ist zu der Erklärung ermächttgt, daß die Rachrichiten, der K r o n p r i n z v o n S a ch s e n habe mtt seiner geschiedenen Gemahlin zum Weihnachtsfeste Glückwunschschreiben gewechselt, sowie der König habe von der Gräsin Montignoso ein Glückwunschschreiben erhalten, durch das er sehr angenehm berührt worden sei, erfunden sind. Die durch den EhescheidungsProzeß geschaffene Lage ist durchaus unverändert und Die Wiederaufnahme direkter Beziehungen zwischen dem Kronprinzen und seiner Gemahlin dadurch völlig ausgeschlossen. Dagegen hat der König angeordnet, daß der Gräsin Montignoso vom 1. Januar 1904 ab vierteljährlich amtliche Berichte über das Befinden und die Entwicklung der kronpri nglichen Kirlder durch Ber- mittlung ihres Rechtsbeistandes zugestellt werden. Seer und Klotte. — Ein neuer General st abschef? Generatteuö nant und Generaladjutant Hellmuth v. Moktke, Kommandeur der 1. Garbedivision, der zur Tienstleisttmg beim; Generaloberst Graf Schliessen, Ches des Generalstabes, kom- inandiert wurde und wohl in Kürze der Nachfolger des Generalstabschefs werben wird, wurde als zweiter Sohn des dänischen Kammerherrn und Landrats Adolf v. Molike, jüngeren Bruders des Generalfeldmarschalls 1848 in Gerftors M.-Sch. geboren. Er wurde während des Feldzuges am 12. September 1870 Leutnant bei den Liegnitzer Königs-Grenadieren und erwarb sich das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. • Kolonialpost. Berlin, 5. Jan. Heute tritt der Ersatztransport für die südwe st afrikanische Schutztruppe in Stärke »on 2 Offizieren und 230 Unteroffizieren und Mannschaften, die sich auf 3Vs Jahre verpflichtet haben, die Ausreise nach Afrika an. Rußland und Japan. Wie dem „Tally Telegraph" aus Tokio gemeldet wird, Zieß Rußland Japan "nunmehr die An t w o r t zu gehen. Tas Matt glaubt zu wissen, daß sie, wie es bisher der Fall war, nicht verbindlichen Charakters sei und nur einen Aufschub bezwecken wolle. Jedenfalls seien die Japaner entschloßen und hätten schon vor mehreren Tagen Maßregeln getrossen, um gewisse japan'sche Interessen auf Korea'sicherzustellen. Man werde Rußland nicht gestatten, Häfen auf Korea zu besetzen, sedenfalls nicht diejenigen von Mvkpho und Mosampho, wo Maßregeln ergriffen wurden, um die Besitznahme derselben zu ver- chindern. Wegen der Gefahr des Ausbruchs von Unruhen in Soeul wurde das englische Kriegsschiff „Sirius" nach Chemulpo gesandt. — Ter russische stroße Kreuzer „Awrora" ist am 3. Januar nach dem Hasen Piräus abgegangen. Fünf Tor- pedobootszerstörer befinden sich in Malta im Tock. Der große Kreuzer „Dimitri Donskoi" und das Panzerschiff „Osljablja" sollten ursprünglich mit dem großen Kreuzer „Awrora" nach dem Hafen Piräus fahren. Lldmiral Wirenius erhielt am 2. Januar Befehl, neue Anweisungen abzuwarten. Man glaubt, daß das g a n z e ru s sis ch e Ge s chw a d e r gegen Ende der Woche nach dem Suezkanal ab- geht. Tie Rufs. Telegraphen-Agentur ist ermächtigt, mitzu- teilen, daß der Statthalter Alexejew Instruktionen betr. die russische Antwort auf die letzte japanische Note erhalten hat. Tie zum Militär Leitinstitut in Hannover komman- dierten japanischen Offiziere erhielten Befehl, sofort nach Japan zurückzukehren und sich zur Verfügung des Kriegsministers zu stellen. Auch die übrigen japanischen Offiziere, die sich in Deutschland auf Kommandostellen befinden, sind nach Japan zurückberufcn Horden. An der Kohlenbörse zu Cardiff ist die Nachricht verbreitet, die Menge der von Japan bestellten Kohlen betrage 80000 Tons. Sie seien größtenteils mit der Bedingung zu liefern, daß sie im Januar zur Verschiffung gelangen. Man schätzt, daß bisher bereits 30—40000 Tons gekauft chiorden sind. Wie die „Neue Fr. Presse" aus diplomatischen Kreisen erfährt, besteht zwischen Frankreich und Rußland auch bezüglich Ostasien ein Uebereinkommen, nach welchem sich die beiden Staaten militärische Hilfe zu leisten hätten, wenn eine von beiden in Ostasien mit einer europäischen Macht in Konflikt geriete. Dieses Uebereinkommen soll, anläßlich des englisch-japanischen Vertrages abgeschlossen worden sein. AtiS Stüdt und Land. Gießen, 5. Januar 1904. Gedenket der hungernden Vögel! *’ Akademische Vorträge. Am 13. d. M. wird in der Universitätsaula der zweite gemeinverständliche aka- Idemischc Vortrag stattfinden. Prof. Dr. Bet he wird über !„Liebe in antiker Poesie" sprechen. ** Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Am heutigen ersten Ziehungstage der 3. Klasse fiel ein Gewinn .von 5000 Mk. auf Nr. 26126 (nach Rudolstadt), ein Gewinn von 1000 Mk. auf Nr. 60874, zwei Gewinne von je 400 Mk. auf Nr. 47615 und 62450, sieben Gewinne von je 200 Mk. auf Nr. 15923 16952 20698 24789 63063 80624 99190. (Ohne Gewähr.) " Gascntweichung. Vom städtischen Gas- und Wasserwerk wird uns geschrieben: Jin Hause Nr. 67 in der Walltorstraße machten sich gestern morgen die Folgen einer Gasentweichung so bemerkbar, daß eine Familie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen und sich auSquartieren mußte. @er Gasgeruch siel schon abends vorher in dem Hause auf, doch hatte inan es unterlassen, dem Gaswerk sofort Anzeige zu machen. Die nach erhaltener Kenntnisnahme gestern morgen von demselben sofort eingeleitete Untersuchung — auch der angrenzenden Hauser — ergab in mehreren Kellern gleichfalls Gasansammlungen, sodaß die nötigen Sicherheits- Maßregeln veranlaßt werden mußten. Die schadhafte Zuleitung wurde abgeschlossen, und einige Pfiasteraufbrüche zur Entlüftung des tief festgefrorenen Bodens vorgenommen, sodaß des Abends wieder alle Räumlichkeiten gasfrei waren. — Es wird hierbei aufs neue darauf hingewiesen, bei auftretendem Gasgeruch sofort den Haupthahn zu schließen und dem Gaswerk alsbald — sei es tags oder nachts — Kenntnis zu geben, und bis sachkundige Hilfe erscheint, die mit Gas durchdrungenen Räume durch Oeffnen von Fenstern und Türen zu ent» lüften und insbesondere Flammen von Gasansammlungen fernzuhalten. Durch die unvermeidliche Veränderung der Bodenfestigkeit infolge Ausführung des Sielbaues sind mehr Beschädigungen an den Gas- pnd Wasserleitungen der Straße zu befürchten und es ist deshalb während dieses Baues ganz besondere Vorsicht geboten, um Störungen und Gefahren abzuhalten. ♦* Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde, fcer vierre Vortrag findet am Donnerstag abends in der fluia statt. Tr. Hugo Grothe wird über „Maecdonien und lllbanien (mit Lichtbildern) sprechen. Am 3. Februar wird Prof. R. Hauthal aus La Plata (Argentina) über Patagonien, am 1. März Pros. Dr. E. v. DrygalSki über (ne deutsche Süd polar exp ed ition. 1901 — 1903 sprechen. — Der katholische Gesellenverein hielt gestern abend im Saale des Lenzschen Felsenkellers seine Weihnachtsfeier ab, welche sehr stark besucht war. Bei einem prächtig geschmückten Chrntbaum und einem schwer beladenen Tische, worauf 175 Gegenstände zur Verlosung bereit lagen, hatten sich die frohen Gesellen eingefunden. Dekan Pfarrer Bayer hielt eine Ansprache an die Versammelten, worin er die Gesellen zur Dankbarkeit, zur Arbeitsamkeit und Fleiß ermahnte. Dann folgte ein Weihnachtsspiel, „Die christliche Nächstenliebe", welches großen Beifall fand. Hieran schloß sich die Bescherung, bei der jedem Gesellen ein hübsches Geschenk überreicht wurde. Zum Schlüsse fand die Verlosung der unter dem Christbaum aufgestapelten Gegenstände statt, wobei es an heiteren Szenen nicht fehlte. ** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Nochmals sei in letzter Stunde auf die heutige Volksvorstellung — „Erbförste r" — hingewiesen. — Am nächsten Freitag gelangt als 11. Vorstellung im Freitagsabonne- ment „Ter Hochtourist" —, am Sonntag, den 10. Jan., als 12. Sonntagsabonnementsvorstellung „Zapfen- st rei ch" zur Ausführung. •* Jubiläen. In Wieseck feierte Herr Philipp Junker am Montag abend bei vortrefflicher Rüstigkeit im Kreise seiner Freunde in der Wirtschaft von Ludwig Haas sein 40jähriges Arseitsjubiläum. Die Feier nahm bei Ansprachen, Glückwünschen, Musik und Vorträgen, wo die Musiker Heinrü^ Frank und Maier Grünewald sich besonders hervortaten, den schönsten Verlauf. Herr Junker ist seit 40 Jahren ununterbrochen in der Zigarrenfabrik von Arnold Müller in Gießen als Zigarrenmacher tätig und freut sich seitens seines Prinzipals, Mitarbeiter und Freunde allgemeiner Beliebtheit. — Goldene Hochzeit, dieses seltene Fest, feiern am 8. d. M. in Lauter der Müller Johannes Hahn und seine Ehefrau Charlotte, geb. Schwabe, in seltener geistiger und körperlicher Gesundheit. s. Heuchelheim, 4. Jan. Die wohlgepfiegten Obstbaumpflanzungen an der Staatsstraße Gießen-Rod- Heim wurden schon wiederholt in schändlicher Weise beschädigt. So hat eine rohe Hand wiederum in der Nacht vom Sonntag auf Montag ihr Zerstörungswerk an den Bäumchen vor der Lindenallee ausgeübt. — Vom Dünsberg, 4. Jan. In den Ortschaften der hiesigen Gegend werden z. Zt. die gewohnten Hausschlachtungen eifrig betrieben. Die anfangs gehegte Befürchtung, daß die fetten Schweine noch weiter im Preise zurückgehen werden, ist nicht eingetreten. Metzger und Privatleute zahlen für Mastschweine 52 bis 54 Pfg. für das Pfund Schlachtgewicht. Am liebsten verkaufen aber unsere Bauern ihre fetten Schweine an Privatleute, zumal in den städtischen Schlachthäusern bedeutende Abzüge gemacht werden. t. Linden st ruth, 4. Jan. Der Holzarbeiter Launs- bach von hier verunglückte heute im Winneröder Walde, sodaß er sich sofort in ärztliche Behandlung begeben mußte. )( Grünberg, 3. Jan. Die nicht scharf genug zu verfolgende Unsitte, daß in der Neujahrsnacht von meistens halbwüchsigen Burschen alle möglichen Schießwaffen in Gebrauch genommen werden, hat auch hier wieder einen Unglücksfall hervorgerufen, indem der 16- jährige K. beim Gebrauch eines alten Gewehrs den Dau- m e u der rechten Hand verlor. — Beim Entfernen eines Fledermausnestes hinter dem Lutherbild der hiesigen Kirche fand man auf der Rückseite des Bildnisses die Wiamuug der Spender des Bildes von vor jetzt fünfzig Jahren; cs sind dies die Namen der Vorstandsmitglieder d's hiesigen Gesangvereins, welcher das Bild nach Erbauung der Kirche gestiftet hat. § Gedern, 4. Jan. Einen schrecklichen Tod hätte gestern morgen der hiesige Landwirt und Müller Guth beinahe gehabt. Er war nämlich in der Scheuer am Heu beschäftigt, als plötzlich der unterhöhlte Heustoß über dem Ahnungslosen zusammenbrach und ihn vergrub. Zufällig kam die Dienstmagd in die Scheuer und hörte noch ein chwaches Stöhnen. Sogleich rief sie um Hilfe, und man konnte den Verunglückten noch lebend herausarbeiten. Wären noch 2 bis 3 Minuten verflossen, so wäre sicher der Tod eingetreten. W. Alsfeld, 4. Jan. Eine durch die Seltenheit derartiger Darbietungen am hiesigen Orte um so schätzenswerteren Genuß bot den Freunden des Kunstgesanges das Auftreten vonFrl. (Sanft att, Konzertsängerin aus Wiesbaden im hiesigen Kasino. Die Dame verfügt über einen klangvollen Mezzo-Sopran von Geschmeidigkeit und reiner Intonation. Was ihre Mittel zur richtigen Geltung bringt, is die künstlerische Intelligenz und musikalische Art ihres Vortrags. Diese treten in dem geschickt gewählten Programm, das neben allbeliebten heiteren Weisen ernstere Gesänge von Schubert, Schumann und Brahms aufwies, ins hellste Licht. Die Eigenart des Vortrags, der sich von Affektatwn und Manier fernhält, entzückte. R. B. Darmstadt, 4. Jan. Vom Schloß des Erb- prinzeu Erbach-Schönberg in König im Odenwald wird gemeldet, daß daselbst die Frau Erb Prinzessin heute früh 4 Uhr von einem Prinzen glücklich entbunden worden ist. Tie Erbprinzessin ist bekanntlich eine geborene Prinzessin von Waldeck und Pvrmont. Wiesbaden, 4. Jan. Der im vorigen Monat hier zugereiste Generalagent Louis Schlesinger aus Oschersleben, der wegen einer unheilbaren Krankheit in ein hiesiges Krankenhaus überführt worden war, beging daselbst gestern Selbstmord. Er hatte sich die Pulsadern geöffne und stürzte sich dann aus dem Fenster des im zweiten Stock belegenen Zimmers auf den Hof hinab. — In Kirchen a. d. Wied ertrank beim Schlittschuhlaufen durch Ein brechen ein 8jähriger Knabe. Seine 12 jährige Schwester, die ihn retten wollte und ins Wasser sprang, erlitt einen Schlaganfall. Das Mädchen wurde zwar noch lebend heruusgezogen, verstarb aber am andern Morgen. Der Knabe wurde nur als Leiche geländet. Ems, 5. Jan. Eine vom Reg.-Prcisidenten Heugsten- berg im Auftrage des preuß. Ministers an den Generaldirektor C. Linkenbach des hiesigen Blei- und Silberberg- werls gerichtete Antwort auf dessen Eingabe in betreff' Kanalisation der Lahn bis Ems bringt die Kunde, daß eine allmähliche Verbesserung der Schiffbarkeit der Labn durch Maßnahmen geringeren Umfanges in Erwägung gentminen wird. Der Ausführung des von der Firma Harestadk und Cvntap ausgearbeitecen Projekts (das (-^r o ß kan altsat i onspr-oje kt) kann zurzeit nicht näher getreten werden. Kleine Mitteilungen aus Hesku und den Nachbarstaaten. In Saasen steht atm Vernehmen nach die Errichtung einer Zigarrenfab/l durch Herrw Roßmann aus Alten-Buseck bevor. — J/H euchelheim wurde anläßlich seiner 40jährigen Amtstäneit dem Lehrer Schneider das Verdienstkreuz Philipps /es ^Großmütigen verliehen. — Für die durch das Hochwasse/n Schlesien Be- chädigten wurden in Wetzlar 1173 91 gesammelt. — Die Schuldenlast der Stadt Mainz blf sich Ende des vorigen Jahres auf 30 370 646 Mk., wätnd ihr Vermögen sich auf 41 683 073 Mk. stellte. — Jntillenburg sind einem Wagenmeister beim Rangieren bei/ Beine abgefahren worden. Er wurde ins Krankenhaus gekickst. Vermischtes/ • Berlin, 4. Jan. Wegen /es Brandes im Generalstabsgebäude wurde Soiwg Abend die ganze Feuerwehr und ein Teil der Garniso/alarmiert. In der Druckerei des Generalstabes war ein -dfen Papier in Brand geraten. Die Angestellten nahmen all das Feuer so rechtzeitig wahr, daß es mit einigen Ei/rn Wägern gelöscht werden konnte. I * München, 4. Jan. Heute /end konstituierte sich )ier die Ortsgruppe München der/n t i d u el llig a und wählte zum ersten Vorsitzenden de» ür st en v. d. Leven, zum zweiten den Reichsrat Prof/or v. Pechmann, zum Kassierer den Reichsrat Frei hem v. Cramer-Klett und zum Schriftführer Reckstsanwal/ttirnpi. An der Debatte beteiligten sich auch der Oberkonsmialpräsident Schneider, Professor Amira und Dr. Hirth. J * London, 4. Jan. Ein 1 Ihriger junger Deutscher, Thomas Schütz, griff heute vocktag in der City seinen Prinzipal Lane, den Manager der fctric Light and Traction • Company of Australia, mit einer fct an, die er eigens zu dein Zwecke heute früh, in braun/Papier gewickelt, in das Bureau gebracht hatte. Er üblab dem Prinzipal zum Scheine einen von ihm selbst adr/erten Brief, der nur leere Bogen enthielt. Während der ilnzipal den Brief öffnete, ührte Schütz von hinten seine Sstäge aus. Dann verließ Schütz in Hemdsärmeln und ohnHnt ganz ruhig das Geschäft und ist seitdem verschwtzden. Das Bureau ^zeigt die Spuren des heftigsten Kamuß. Die Art fand man im Zement der Mauer steckend. & Lane hatte zwei bis drei schlimme Wunden im Kopf, bidfber nicht tätlich sind. Für die Tat fehlt jeder Beweggrun/Schütz war beim Prinzipal beliebt und tüchtig. Außerden/st er ein geschickter Zeichner. * St. Gallen, 4. Jas Oberstleutnant Ferk wurde wegen Unterschlagng von Staatsgeldern in bedeutenden Beträgen verl/et. • Wien, 4. Jan. Eilviord wurde an dem Pächter Engel und seiner Frau in stoviee durch 3 Strolche auS Rache verübt. Sie faßten q Plan in Engels Wirtsstube, weckten um Mitternacht daskhepaar, schlugen den Mann tot und hackten die FrI buchstäblich in Stücke. Zwei von den Mördern sin/ietzt verhaftet. — In Pikuliee bei Przemisl wurde ein jisscher Händler in bestialischer Weise ermordet. Petersburg, 4. Jj. Graf Goleniischew - Kusnsow Offizier der Leibgarde dertziscrin, wurde in der Reitbahn durch den Hufschlag eines »erdes getötet. * Heber die Tat /nes Wahnsinnigen berichtet der „Oberschl. Anz.": Ä beim Mälzereibesitzer Rother in Zailchwitz seit 20 Jahreist Stellung befindliche Obermälzer Schänder zeigte seit einigiZeit ein menschenscheues Wesen. Am 23. Dezember versafiel^en sich die Arbeiter wie gewöhnlich zum Frühstück. Einer der 9(rbeiter ging hinaus, um nach dem Ofen zu en, von dem aus die Gerste geröstet wird. Ein grälcher Anblick bot sich ihm bar. Schauder kroch auf den Vieren in den O^en, wobei die Glut ihm den Ki fürchterlich versengte. Sofort riß der Arbeiter den llnglü/chen zurück. Als die übrigen Arbeiter herbeieilten, maiMaubcr wieder in die Glut gekrochen. Wieder tfn ihn die Arbeiter aus dem Feuer, aber die Brandwundenvaren derart schwer, daß der Bedauernswerte bereits p nächsten Tage unter gräßlichen Qualen starb. • Heber einen/ach klang zum B ilse - Progeß berietet die „Franks Ziq.": Oberleutnant a. D. Lindner, weiland N Forbacher Train-Bataillom der seinerzeit, wie im ProL konstatiert wurde, seinen Rücktritt vom aktiven pft nehmen mußte, weil er eine m Bilses Buch und im ssbacher Prozeß so arg kompromittierte Rittmeistersgattin naiutbeefung ihrer Fehltritte aussernem Hause gewiesen hatt/und der in dem Forbacher Prozesse glanzend gerechtfe/gt wurde, hat nach dem Prozeß in einer Jmmediateipabe um Wiedereinreihung in den aktiven Di Ist gebeten. Nun ist sein Gesuch, wie die „Frkf. Ztg." decket, abschlägig beschieden worden. Die Ablehniing stützsich auf die Angabe, mit der er seinerzeit sein Entlassiingssuch begründete, daß er nämlich eine kranke Hand habe. I . f * Die Eiseqahn am Montblanc. Der vielbesprochene Eiscnbsstbau von Chamounir nach Viartigny vom Tal der cbeJn Arve nach dem Rhsuctal i)t endlich begonnen worden, Awar von beiden Endeii gleichzeitig. Tie Gesamtlänge trd nur gegen 40 Kilometer betragen einschließlich der /Kilometer langen Strecke im Rhonetal. selbst von Vcrnay/nach Martiguv, da der Beichlny gefaßt ist, die.Verbind^ mit der Hauptlinie des Rhonetale^ au der lestteren p nicht an der ersteren Station zu bewirken. Von Chapunir bis Chatelard wird die Lmie aus französischem Ge»t bleiben und dann bis Martigny aus schweizerischem, je Strecken sind ziemlich gleich- sodaß jedes der beiden/ünder die Kosten für etwa.20 Mometer des Baues aufz/ringen hat. Ter französische Teil dec Bahn stellt nur pinge Schwierigkeiten, und über den rrn- zuschlagendeu 2$ bestehen keinerlei Zweifel. Xle 2imc geht von der (fition der elektrischen Eisenbahn ui Cha mounix aus if verläuft längs des offenen Tals, wo Stationen für F Chapeau und das Mer de Glace errichtet werden,kann kreuzt fie die Arve. Gleich ober halb ist eine ßltestelle zur Besteigung der Flögöre vor- acieb'n. Tieser/bschnitt endet bei Argentiöres. Hier bietet der Rücken, die Wasserscheide nach dem Rhonetal hin bildet, einige tl'wierigkeit und wird voraussichtlich den Bau eines Titels erforderlich machen. Nach Ueberwind- ung der Wassscheide führt ein neues Tal nach der GrenLL hin, die durch eine Drücke über die Eau Noire bezeichnet wird. Ter Bau auf Schweizer Gebiet hat den Ingenieuren weit schwerere Ausgaben gestellt, die erst nach jahrelangen Erörterungen entschieden worden sind. Die billigste Lösung der Aufgabe würde gewesen sein, die Linie im Grunde der Talschlucht bv5 nach Vernähaz durchzuführen und zur Vermeidung der Gorge du Trient in einen Tunnel enden zu lassen. Tiese Linie wäre aber für die Dörfer zur Seite des Tals fast nutzlos gewesen. Ein zweiter Plan wollte der Straße die Töte 'Jtoire folgen und in einem langen Tunnel den Eol de la Forclaz durchsetzen. Tie Bewohner des Dorfes Trient waren über diesen Plan sehr glücklich, der aber als sehr teuer und auch für die Allgemeinheit zu wenig nutzbringend gleichfalls aufgegeben wurde. Man entschied sich schließlich für eine Linie an der linken Seite des Flusses über die dort gelegenen Dörfer, die auch mehr große Gasthäuser besitzen wie das Trienter Tal. Ter jetzt begonnene Abschnitt von Vcrnayaz nach Salvan zwingt tue Bahn zu einein Anstieg von 450 Meter, bereit Ueberwindung keine leichte Aufgabe ist, da die Strecke in der Luftlinie nur etwa drei Kilometer lang ist. Die Linie wird daher in großen Dogen angelegt, die ihrem Verlauf die Gestalt eines S geben, und es müssen Zahnräder angewandt werden, die nach dcui gleichen System wie die der Jungfraubahn eingerichtet sind. Der übrige Teil der schweizerischen Linie vertäust aus ziemlich einfachem Gelände, nämlich in einem Einschnitt an der Seite einer jähen Schluchit mit nur kurzen Tunneln. Tie schwierigste Strecke von Vernayaz soll für die Hauptverkehrszeit nächsten Jahres beendet sein, während für die ganze schweizerische Strecke eine Bauzeit bis zum Jahre 1907 tn Aussicht genommen ist. Nach ihrer Vollendung wird die ganze Bahn eine der schiönsten und malerischsten in der Schweiz sein. Ein großer Verkehr ist ihr der Lage nach fast sicher, und es wird daher nur von der Höhe der Baukosten abhängen, ob sie sich gut bezahlt machen 'wird. _______________________________ Kunst um Wissenschaft, — Irene Triesch vom Deutschen Theater in Berlin eröffnete, wie wir in der „Köln. Ztg." lesen, am Samstag im Alten Stadttheater ein Gastspiel mit den beiden S chn i tz- ler scheu Stücken Liebelei und Literatur. In dem ersteren Schauspiel erfreute der Gast durch die einfach schlichte Darstellung der Christine, die bodji voll innigen Gemütslebens war. Die Leistung verdient den Vorzug vor derjenigen der Frau Sorina, weil in der Schlußszene nicht so viel Aufwand äußerer Mittel gemacht und trotzdem eine tief erschütternde Wirkung erzielt wird. Im vollsten Gegensatz zu dem rührend kleinbürgerlichen Bilde der Christine bot Irene Triesch in dem Einakter Literatur als Margarete ein keckes farbiges Zeitbild satirischen Stils. Das überspannte Ueberweib war schon durch die müch-tige rote Frisur und die hellgrüne Tollette humoristisch gekennzeichnet, und die Dialogführung war voll köstlicher ironischer Laune. Am Sonntag veranstaltete Irene Triesch unter Mitwirkung von Direktor Otto Purschian und Dr. Simchowitz einen Bibelabend, T-r. Simchowitz hielt zunächst einen Vortrag über den Charakter der Bibel als Literaturwerk und über die Eigenarr der farbenreichen, plastischen und elegant beweglichen hebräischen Sprache, die nicht abstrakt, sondern lebhaft sinnliche in ihrem Ausdruck sei. Irene Triesch gab nun verschiedenen Bibeldichiungen eine überaus charak- reristische Färbung orientalischs-leidenschaftlicher und süß einschmeichelnder Rede. Insbesondere ist das Jcunmerlied der gefangenen Juden im 137. Psalm hervorzuheben und der sinnlich schmachtende Vortrag des hohen Liedes SalomoniS. Kniversilüts-Nachrichten. Berlin, 4. Jan. Geheimrat Prof. Friedr. Jolly, Direktor der Klinic für Nerven- und Geisteskrankheiten der Charite, ist heute nach, kurzer Krankheit gestorben. — Jolly, geb. 1844 zu Heidelberg, studierte in München und Göttingen und habilitierte sich 1871 in Würzburg. 1873 ging Jolly nach Straßburg als a. o. Professor für Psychiatrie und Direktor der psychi atri schien Klinik. 1875 wurde er daselbst o. Professor. 1890 kam Jolly nach Berlin als ordentlicher Profefsor und Direktor der psychiatrischen und Nervenllinil an Scette von Westphal. Von seinen Schriften seien erwähnt: „Hysterie und Hypochondrie", „Untersuchf- ungen über den elektrischen Leitungswiderstand desmenschf- licyen Körpers" (1884). Seit 1890 redigierte der Verstorbene das „Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten". Heidelberg, 4. Jan. Ter Pvofeflor für römisches Recht an der hiesigen Universität, Karlowa, ist nach längerem Kranksein gestorben. Aus.Karlsruhe wird uns geschrieben: Als ein erster Schrill am dem Wege der völligen Gleichstellung und Gleichbe- rechngung aller Technischer! Hochschulen des deutschen Reiches, erscheint die Ausarbeitung und Gemhmigung einer neuen Tiplomprüsungsordnung an der Karlsruher Technischen Hochschule auf Grund von gerneinsamen Vereinbarungen innerhalb der beleilrglen Dundcsstaalcn. Bezüglich der Zulassung weiblicher Sludrerender hat dle Fridericicma dieselbe Berechtigung erhalten, welche die beiden Landesuniversitäten seil dem Jahre 1900 besitzen. Aus Grund einer Prüfung wurde iin Studienjahre 1902/1903 der Grad eures Tokloringenreurs 13 Diplom-Ingenieuren verliehen. GerichlssM. Berlin, 1. Jan. In Wiesbaden besteht eine Polizei- oerordriung, welche die Vorschrift enthält, daß der Transport v o n . F l e i s ch nur in stels j mibe r gehaltenen Wagenräumen gejchehen soll. Eur Flelscherrneister hatte, rvie die „Frkf. Ztg." schreibt, bisweilen in seinem Fleischtransporlwagen auch lebende Schweine transportiert unb rvar deshalb in Strafe genomrnen .worden. Ter Fleijchcrineister wurde vorn Schöffengericht und Landgericht freigesprochen, die Slaatsarrwallschaft legie Revision beim K a ni m e r g e r i ch t ein, dies erklärte die Revision auch für be° aründet und gab die Sache an das Landgericht zur anderweiten Entscheidung zurück, da die in Rede stehende Verordnung giltrg und dahm ailszulegen sei, daß in derr Räumen der Fleijchtransporl- rvagen keine lebenden Schweme befördert werden dürfen; denn Ausdünstungen der Tiere teilen sich nicht nur den Wagerlräumen, sondern auch dem Fleische mit. Ai ü n ch e n, 3. Jan. Vor bcni Landgericht wurde gestern der R e i ch s t a b g. für Schmalkalden, Fabrikant Leonhard Seyboth in München iv e g e n Urkunden- s ä l s ch u n g, im Zusammenhang mit Betru g zu 1 I a h r u n d 3 Ac o n g t e it Gesäng n i s und 5 Jahre Ehrverlust verurteilt. Handel und Verkehr. UolliLwirlfchasl. w. Gießen, 15. Jan. In der gelungen hier ftallgeyablei, Gewerkenversammlung der G e iv e r k f ch a s t G l e ß e n er Braun- st e i n b e r g iv e r t e vormals Fernie berichtete der Vorsitzende des' Grnbenvorstandes, Rechtsanwalt Grünewald, über die Durchführung der in der letzten Gewerkenversammlung (9. Mai v. I.) beschlossenen Finanzierung. Tie Sanierungsidee sei eine sehr gute gewesen, die Gießener BergwerksgejelljchaN m. b. H. in Bonn habe ihre Ausgabe, die.Mittel zur Besriedlgung Fernies und kür die Kosten der Reuanlagen un Werk zu beictiahen. aelöft. — Ter dieser Tage von Berlin aus gegen die Gewerkschaft gerichtete Artikel sei weiter nichts als em bösartiges Machwerk, das durchgängig Unwahrheiten enthalte. Die gefchäftliche Lage des Unternehmens sei gut und biete gute Aussichten für die Zukunft; auch ließen die schwebenden Rechtsangelcgenheiten keinerlei Befürchtungen für die Gewerkschaft zu. — Ter Vorsitzende teilte mit, daß das Grubenvorstandsinilglied Bankier A. Zobel ein Schreiben an ihn gerichtet hat, in wetchem er von der Gewerkenversammlung die Genehmigung erbitte, jein Amt niederlegen zu dürfen. Die Versammlung beschloß, diesem Ersuchen zu willfahren und wählte an Stelle Zobels Bankier Loiüs David-Bonn zum Mitglied des Grubenvorstandes. — Tas vom Vorsitzenden entworfene Statut wurde hierauf in mehrstündiger Beratung geprüft und mit geringen Aenderungen genehmigt und angenommen. Endlich wurde dem Grubenvorstand für 1903 eine Vergütung von 20 000 Mk. ausgesetzt. Zum Vorsitzenden des Grubenvorstandes und zum Vertreter der Gewerkschaft nach außen wurde Rechts- aitwalt Grünewald-Gießen, zu dessen Stellvertreter Heinrich Ref° Frankfurt a. M., bestimmt. Die ordentliche Geioerkenverjammlung zum Zwecke der Vorlage der Bilaiiz rc. wird voraussichtlich im März d. I. stattfinden. Fabrik feuerfester und säurefester Produkte. In der Generalversammlung, in der 2374 Stimmen vertreten waren, wurden die Verglcichsvor schlüge der früheren Aufsichtsratsmitglieder Gebrüder Tuchen mit 400 000 Mark bar und Anrechnung eines früher gegebenen Darlehens von 350 000 Mk., des Baron d'A b l a i n g. mit 250 (X)J Mk. unter Anrechnung seiner Forderung von 75 000 Mark, des Geh. Justizrats Tr. R e a tz in Gießen mit 12 000 Mk. bar unter Verzichtleistung seiner angemeldeten Massenforderung angenommen. Ter frühere Direktor Arthur Boeing protestierte. Zu Liquidatoren werden gewählt das frühere Vorstandsmitglied Lehmann -Neuwied und Rechtsanwalt H e n n i g - Berlin. Tie Festsetzung der Bezüge derselben wird vertagt. Ten bisherigen Auf- jichtsratsmitgliedern Lütty werden 5000 Mk. und Sollers 3000 Mk. für die seitherige Tätigkeit bewilligt. Zur Wahl neuer Auftzchtsrutsmitglieder und Vorlegung der Liquidations-Bilanz findet in nächster Zeit eine neue General- versannnlung statt. A. Schaaffhausenscher Bankverein. Die Verwaltung bringt die Mitteilung in die Oetz nitlichkeit, daß die Dividende für das Jahr 1903 höchstens um 1 Proz. höher fein wird als für 1902, wo sie bekanntlich 5 Proz. betrug. Lange bevor von der bekannten Vereinigung Die Rede war, wurden Die Aktien Des Schaaffhausen- schen Bankvereins wiederholt in die Höhe getrieben und zwar nut Dem besonderen Hinweis, daß Der Bankverein im laufenDen Jahr mit sehr günstigem Erfolg arbeite und an der Internationalen Bohrgeselljchaft rejp. indirekt Durch dieje bedeutende Gewinne gemacht habe. Märkte. Gießen, 5. Jan. Marktbericht. Auf heutigem Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 0,90—0.95 Alk., Hühnereier 1 St. 8—10Vfg< 2 Stck. 00—00 Pfg., Gänseeier OO—00 Pfg., Enterleier8—0 Pfg., Käse pr.Stck. 6—8 Pf., Käsemalle2 Stck. 5—6 Pfg., Erbjen pr.Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr.Paar 0,80—1,00'1)1?., Hühner pr. St. 1,30—1,40 Alk., Hähne pr. Stück 0,80—1,70 Alk., Enten pr. Stück 1,70—2,20 Alk., Gänse.pr. Pfd. 68—70 Pfg., Ochjenfleisch pr. Pfund 68—78 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 62—66 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. PfD. 70—76 Pfg., Hammelfleisch pr. Pjund 65—74 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,50—6,00 Alk., Weißkraut per Stück 5—7 Pfg., per Zentner 1.3O—1.60 Alk., Zwiebeln pr. Zentner 4,50—5,00 Alk., Milch per Liter 18 Pfg., Aepfel per Zentner 16 bis 20 Alk., in Körben 00—00 Pfg. Nüsse 100 St. 35—40Pjg. Arbeiterbewegung. Dresden, 4. Jan. Geh. Rat. Roscher ist gestern Abend wieder nach Cnmmiqchau abgereist. Er hat vorher noch mit den hiesigen Industriellen Rücksprache genommen. Alan ist verschiedentlich geneigt, an Die Emjendung Roschers große Hoffnungen zu knüpfen. Man hat aber andererseits auch nach hier vor- liegenDen Nachrichten Grund zu der Annahme, daß, wenn diese Hoffnungen sich verwirklichen jollten, es jedenfalls nicht durch ein ^)t ach geben Der Arbeitgeber gejchehen könnte. Paris 4. Jan. In Böziers sind 2000 Landarbeiter infolge der Weigerung der Grundbesitzer, für einen sechsstündigen Arbeitstag 3 Francs Lohn zu gewähren, tu den A u s st and getreten. — In Hennebont veranstalteten gestern die Arbeiter einen Umzug mit einer roten Fahne. Es kam zu einem Zusammenstoß mit Der entschreitenden Gendarmerie, wobei mehrere Personen verletzt wur- Den. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. L y o n, 4. Jan. Die französischen Textilarbeiter wollen, angeregt durch Die Agitation Der englischen Baumwollspumer eine internationale Bewegung für Den Zehnstundentag unter Den Textilarbeitern ins Leben rufen. Barcelona, 4. Jan. Ter hier seit einiger Zeit herrschende A u s st and der S ch i f f s a r b e 11 er nimmt an Ausdehnung immer mehr in dem Maße zu, wie neue Schiffe in Den Hafen emlauien. Die Zahl der Ausitändigen beträgt annähernd 4000. Die Ausständigen jandten an Die Arbeiter an Bord Der in anderen jpamjchen Hafen liegenden Schiffe Abordnungen nut der Aufforderung ab, sich ihnen anzujchlteßen und in den Ausstand zu treten. Kanbwirtjchast. Berlin, 2. Jan. Der Präsident des Deutschen L a n d- w i rts ch a f t s r a t s, Gras von Schwerin-Löwitz, hat die 3 2. Plenarversammlung dieser Körperschaft zum 9. bis 12. Februar d. I. hierher einberufen. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Januar 1904. c - Ct- 4. 215 746,4 — 2,4 3,6 85 8. 1 4. 925 746,4 — 1,7 4,0 88 SE. 1 5. 7“ 745,8 — 1,3 4,2 97 NW, 2 Wetter Bed. Himmel II u, II u Niedrigste Temperatur am 3. bis 4. Januar — 1,60 C. Höchste ,, „ 3, „ 4. „ — 6,5u C. Wetterbericht vom 4. Januar 1904. Verl au f der Witterung von Sonntag bis Montag. Tas westliche ausgebreitete Tief dringt langsam ostwärts vor, während gleichzeitig das östliche Hoch nach Jnnerrußland zurückweicht. Auf der Ostscttc des Tiefs sind viele Teiltiejs entwickelt, welche, über unser Gebiet von Süd nach Nord ziehend, eine Wind- jchwanlung von Süd nach Südost und hiermit Beivölkuiig, stellenweise leichte Schneefälle und Temperaturerhöhung Hervorrufen. Diene Tiefs folgen nach. Daher für Dienstag uno Alittwoch etwas milderes, trübes und zeitweise windiges Wetter mit leichten Schneefällen zii ertvarten. Zunächst noch tein Tauwetter. Wetterdienst in Gießen: A. Peppler. £iUHilini-$liid)ridjini. Verlobte. Lina Heldemnuth mit Hugo Müller, Wetzlar und Herleshaitzeu. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldttngen des Gießener Anzeigers. Berlin, 5. Jan. Tie F o r t d au er d c s Dr o s ch ke n- kutsch crftreiks ist das Resultat fünfstündiger Einig- ungsverhandlungcn vor dem Gewerbegericht und zweier gestern abend abgehalteuer Verfammlungen der Fuhr- 1)errett und der Droschkeututscher. — Nach Verübung von Unterschlagunge u ist der Kassierer Gustav Biedatz von der Vieh komm issionsfirma Lehmann u. Philipp, bei der er länger als W Jahre tätig war, flüchtig geworden. London, 5. Jan. Der Standard läßt sich aus Tokio telegraphieren: Hier ist das Gerücht verbreitet, daß die Antwort Rußlands, die am 2. Januar eingegangen sei, unbefriedigend laute. Eine Bestätigung des Gerüchtes liegt nicht vor. In Kreisen, die man für wohlunterrichtet halten kann, wird geglaubt, daß die russifche Regierung trotz der friedlichen Aeußerungen des Grafen Lamsdorff völlig von der russischen Kriegspartei beherrscht sei. Demgemäß rechnet man hier nicht darauf, daß eine günstige Antwort Rußlands eingehe. — An der nach den Neujahrsfeiertagen wieder eröffneten Börse in Tokio trat gestern ein beispielloser Curssturz ein. Mehrere Makler sind ruiniert. — Eine Depesche des Daily Telegraph aus Tokio besagt: Tag und Diacht treffen russische Truppen in Wladiwostock ein, dessen Bevölkerung in großer Erregung über die Wendung der Dinge sei. Die Zeitungen in Tokio sind geteilter Meinung über die Lage. Während die einen in der Meldung, daß Diußlands Llntwort versöhnlich sei, einen Schimmer von Hoffnung sehen, glauben die anderen Rußlands Ausflüchte, um auf Japan die Verantwortlichkeit für den Konflikt zu schieben. London, 5. Jan. Spät nachts waren hier Gerüchte verbreitet, daß der Mikado von der Kriegspartei entthront worden sei. Gmunden, 5. Jan. Die Abreise des Königs von Dänemark wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, dürfte aber jedenfalls nicht vor Ende dieser Woche statt- finben. Der König leidet an Schwächezust ä-n den und gichtischen Schmerzen. Bis zum 27. Dezember wohnte er allen Festlichkeiten anläßlich der silbernen Hochzeit des Herzogs Karl von Cumberland und der Verlobung der Prinzessin Alexandra mit dem Großherzog von Mecklenburg bei. Seit diesem Tage hütet er aber das Zimmer. Agram, 5. Jan. Diunmeyr stellt sich heraus, daß der Ichährige, feit zwei Jahren in einer Irren- anstaltinternierteBaronZornbergnichtirr- sinnig ist. Er hatte eine große Erbschaft gemacht und war von seinen Verwandten als geisteskrank erklärt worden. Petersburg, 5. Jan. Zn Hofkreisen wird versichert, daß das Zarenpaar diesen Winter nicht nach Aalta gehen wird, da einerseits die ostasiatische Angelegen» heit den Zaren benötigt, in der Nähe von Petersburg zu bleiben und andererseits der Gesundheitszustand der Kaiserin noch immer zu wünschen übrig läßt. Tientsin, 5. Jan. Ein russischer Offizier hat die Eisenbahnbehörde in Khinuting informiert, daß binnen 48 Stunden russische Soldaten die Stadt und die Bahn besetzen würden. L. Newyork. 5. Jan. Der deutsche Universitätsprofessor Karl Garlack, der zusammen mit der nationalen Weinbaukommission tätig ist, wurde bei Peekskille im Staate Newyork von einem Schneesturrn überrascht. Er wurde später von einem Hunde, der zur Aufspürung der Verunglückten ausgeschickt war, unter dem Schnee vergraben aufgefunden. Seche Glieder waren bereits erfroren; er dürfte sich jedoch erholen. L. Washington, 5. Jan. Die seit zwei Monaten im Gange befindlichen Nahrungsmittelproben zur Untersuchung^ der Wirkung von Salicyl säure auf den menschlichen^ Organismus wurden eingestellt, da sich bei den Personen, die falicylsäurehaltige Dlahrungsmittel erhielten, eine schwere« Schädigung der Gesundheit herausstellte. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt ft. Jäl.. 5. Januar 1904. 372% Reicheanleibo . . 102.45 3% do. . . . 91.25 37,% Konsole .... 102.25 3°/0 do......91.50 31/2% Hessen .... 101 40 3% Oberhessen . . . 99.50 4% Oesterr. Goidrcnto . . 102.85 4*/c% Oesterr. Silberrente 101.10 4% Ungar. Goldrente . . 100.45 4u/o Haben. Rente , . . 103.80 4 72% Portugieser , . . 62.50 Portugiesen, .... 32.35 1% C. Türken .... 37.35 Türkenlose...... 137 80 4°/o Oriech. Monopol.-Anl. 43.90 4l/} % äussere Argentiner 42.90 89/o Mexikaner .... 26.9(7 4‘/27o Chinesen .... 88.50 Electric. Schlickert . . . 105,50 Nordd. Lloyd . . . , 104.25 Kreditaktien . . . , . 213.60 Diskonto-Kommandit, . . 193.30 Darmstädter Bank . . 143.60 Dresdener Bank .... 254.20 Berliner Handelsges. . . 160.20 Oesterr. Staate bahn . . . 143.30 Lombarden ..... 16.10 Gotthardbahn.....192.00 Laurahütte...... 235.00 Bochum . ...... 188.00 Harpener......201.00 Tendenz: schwach. ' ' ' ' IL'-l1* LJ.'"."!" ......... 7 ' ■L.1. 1 K Hessische Landes-Hypotheken-Bank. 3 V2 % Pfandbriefe: Cours 100% 3 % % Communal-Obligationen : Cours 100.30 %* Verzinsung vom hessischen Staate garan* tiert und im ganzen deutschen Reich mündelsicher. Als direkte Verkaufsstelle der hessischen Landes-Hypotheken-Bank in Darmstadt halten wir vorstehende Werte stets in grossen Beträgen auf Lager und berechnen solche franko Provision. Bank für Handel Wd Industrie Depositenkasse Giessen 19 (Darmstädter Bank). Drucksachen aller Art liefert in Jeder gewünschten Ausstattung, stilrein und preiswert die Brühl’sche Universitäts - Druckerei. 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München, Pilgersheimerstr. 26a LL 0641 Schön möbl. Zimmer bin. Sit vevm. Gr. Stcinweg 12, II. Villa Großer Steirrweg 9. Die Wohnung des Herrn Forstmeister Joseph ist per 1. April Verein öer WMem Meßen n.llW. Wir erfüllen die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unserer Kollegin Am EHisabe^Bw Sehmadt in Kenntnis zu sehen und bitten um zahlreiche Beteiligung bei der am 0. Januar, nachmittags 3 Uhr, ftattfinbenben Beerdigung. |265| Der Vorstand. olster- u. Tapezierarbciteu "P icrtigt gut und billig 106236 Carl Reh, West-Anlage 25, pt. (Sine lcktiic Wc270 zwisch.Wehlar u. Gießen verloren. Abzug. Nhdhennorsir. 20, Gießen. Ziattcupttlschcr |0ö7 zugelausen Wieseckenveg 31. VMIüWlMm!!! Im Strikten u.Anstrkckcn von Strümpfen empfehle td) mub ange'egen hcbU SLrickgarnestkAk6usl'l!äIellI habe ick stets vorrätig. @ßT Preise billigst. Ernestine Eöpfnei Gritudergerftratze 11. Hwburjtze Ä, V(anf021 per 1. April zu mieten c Offerten mit Preisangabe Ar. 243 an die Expedition d. 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