lmtz einet -rchrtu l 761* i gewöhnlichsten 7384 abgeben- i Co. Nr. 233 G»schei«i täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gtetzener Zamilien» blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der BrÜhl'schen Untvers^Bucb-u. Slein- druckeret. 9t Bange. Rebaftion, TrpedMon imb Druckerei: Gchulstratze 7. Ldresse für Depesche:,: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Erstes Matt. 154. Jahrgang Dienstag 4. Oktober 1904 I •fiwl k" ’ K M M £ Mi- Kreis Vezugspret-r monatlich 75 Pf., viertel^ jÜKrlich Mk. 2J2O; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen sür tue TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeUenpreiS: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Pfg. Verantwortlich Khr den potü. und auaern. Teil. P. Witiko: für »Stadt und Land^ und »GerichtSsaal": August Goetz, für den Anzeigenteil: HanS Beck. General-Anzeiger - und MzeigeblaiL für den Zie heutige Kummer umfaßt 8 Setten. Gießen, den 4. Oktober 1904. Betr.: Herbstübungen der Großh. Hess. (25.) Division. Das GroWrzogliche Kreisamt Gießen Sv vie BnrgerMeiftereieu des VrsLKsS. Insoweit Sie mit der Einsendung von Flrrrschaden- nachweisungen im Rückstände sind, erinnern wir Sie an deren alsbaldige Vorlage (bis längstens 8. l. Mts., rrrittags 12 Uhr). ___I. V.: Dr. Kranzbühler._____________ Kekmmttmachung. Betr.: Achtuhrladenschluß für die Uhren-, Gold- und Siiberwarengeschaste in Gießen. Gemäß der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 25. Januar 1902 haben wir den Großh. Beigeordneten Herrn Curschmann zum Kommisiar bestellt. Gießen, den 3. Oktober 1904. Großberzogliches Kreisamt Gießen. _______________I. V.: Dr. Wagner._______________ Gießen, den 3. Oktober 1904. Cetr.: Festsetzung der ortsüblichen Tagelöhne und der Durchschnittswerte der Naturalbezüge. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 29. Augnft l. Js. (Kreisblatt Nr. 117) noch nicht entsprochen haben, werden wiederholt an deren Erledigung bei Meidung unangenehmer Verfügung mit Frist von drei Tagen erinnert. _____ I. V.: Haberkorn. Amtliche Nachrichten über Viehseuchen. Die Notlaufseuche in Cappel (Kreis Marburg) ist erloschen. Die Sperre ist chieder aufgehoben. In dem Gehöfte des (H Nau L in BelterShausen (Kreis Marburg) ist die Nonaufseuche unter dem Schweine- bestande auSgebrochen. Es ist Gehöftsperre angeordnet. WMische Tagesschau. DaS Verbrechen auf dem Gießener Bahnhof. Das Roheitsverbrechen aus dem Gießener Bahnhof, wo in der Nacht des 14. August der verheiratete Monteur Luch^ erschossen worden ist, hat durch das Gießener Schwurgerich seine Sühne gefunden: der Handlungsreisende Kehrein, der Revolverheld, ist zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Nach Maßgabe der Beweisaufnahme ist dem gesetzlichen Rechte Genüge geschehen. Betrachtet man die Strafta t an sich, so will freilich das Urteil ziemlich milde erscheinen. Es handelt sich hier um eine Tat der Roheit und obendrein um eine absolut reuelose Kaltblütigkeit und herzlose Unberühr-^ barkeit des Verbrechers, die Abscheu einflößt. Ein schwerer Schlag ins Gesicht des Rechtes und der Gerechtigkeit war der Antrag des Verteidigers auf Verneinung der Schuldfragen. Staatsanwalt, Geschworene und Gerichtshof waren von gleicher humaner Milde beseelt, als sie alle den guten Leumund des Angeklagten berücksichtigten und annahmen, daß er unter dem Einfluß des Alkohols gestanden hat. Doch ist der Alkohol immer eine schlechte Entschuldigung und sollte als Cntlastungsmoment möglichst selten gelten. Wer unter den Einwirkungen des Alkohols zu sinnlosen Taten hingerissen wird, der muß sich um so mehr davor hüten, daß er diesem „Dämon" unterliegt. Und die Trunksucht zu bekämpfen, könnte auch als eine Ausgabe des Strafrechtes anerkannt werden. Schließlich hat die gerichtliche Strafe doch nicht nur den Zweck der Wiederherstellung des verletzten Rechtes, sondern auch eine ethische, erzieherische, bessernde Ausgabe. Kehrein war nach Verkündigung des Urteils vom Vorsitzenden gefragt worden, ob er die ihm zuerkannte Strafe anerkennen wolle, und hatte geantwortet, darüber zunächst mit seinem Verteidiger Rücksprache nehmen zu wollen. Jetzt hat er, wie wir erfahren, erklärt, daß er die Strafe an- nchme. Er hat Recht damit getan. * Eine sehr pikante Mitteilung über die Zustände in der Redaktion der hyperradikalen Leip- z i i, e r Volksztg. briri ' das Bernsteinsche Montagsblatt. Ihm wird nämlich von einem seiner Mitarbeiter geschrieben: „Kaum ist der Parteitag geschlossen, so setzt die Leipziger Vv'lkszmtnng ihren Hardenfeldzng gegen Südekum fort, den sie angesichts der Entrüstung deö gesamten Parteitags ver- lengnet hatte. Am 22. v. M. hatte die Redaktion an den Parteiton U legraplsiert und in der Leipziger Volkszeitung feier- lich erklärt, daß die Notiz über den „Bürger Südekum" der Mißgriff eines einzelnem Redakteurs sei, dem die Gesamtredak- tion völlig fern stehe. Aber in ders^ben Nummer der Leipziger Volks-eitung von Freitag, dem 22. September, an derselben Stelle, w-o nachher zu lesen war, daß die Gesamtredaktion j ene No ti z n n t e rdrü ckt hätte, wenn sie rechtzeitig Kenntnis davon gehabt hätte, hatte ur- spräuglich eine ebenso feierliche Erklärung der Gesa m t r e d a l't i o n gestanden, in der sie daS Verhalten des Gen-ssm Jäckh billigte und sich in energischer Weise jede EimnistlulN'! des Parteitags verbat. Dazu war man schließlich bod) nicht kühn renug. Tiefe ursprüngliche Erklärung der Gesamlredaktion wurde her a u sg e s chn i t te n und durch den innerlich unwahren Widerruf ersetzt. Mer drei Exemplare der „wahren" Leipziger Volkszeitung wurden unter den korrigierten Exemplaren von der Expedition der Leipziger Volkszeitung nach Bremen gesandt, befinden sich in den HändeN von drei Delegierten und sind auch von vielen Parteigenossen ern- gesehen worrden. Nach dem Parteitag übt jetzt der Mut wieder seine Spannkraft in der Brust der Leipziger Redakteure, und Südekum wurde weiter ange—Hardent. Was' würde wohl die Leipziger Volkszeitung sagen, wenn ein „revisionistischer" Redakteur mit solch dopvelten Konzepten arbeitete, solche Unsumme von Mut imb Wahrhaftigkeit bewiese?" »1.1 IHM———MKI !IW>I« —«—gp imwuum——i«■——»——■—c— Deutsches Reich. Berlin, 3. Okt. Ter Kais er stiftete ein Kapital von 28 000 MarE für Witwen und Waisen Don Bewohnern der Ro- mintener Heäde. — T^er Verwaltimg^ - Ausschuß des oldenburgischen Landtages hat sich einstimmig zu Gunsten der Thronfolge deL Herzogs van Schleswig-Hol st ein-Son- derburg- Glücksbnr g entschieden. — Reichskanzler Graf Bülow reist morgen, dem offiziösen „W. T. B." zufolge, von Homburg nach Rom, um in etwa 14 Tagen über München nach Berlin zurnckzu kehren. Tie „Frkf. Ztg." dementiert aber diese Meldung. — Zur Entstehungsgeschichte des Nachrufs für den Graf-Regenten Ernst zur Lippe glaubt die autis. „Staatsbürgerztg." berichten zu können, das so arg verspätete Erscheinen des Nachrufs habe „seinen Grund darin, daß die durch die öffentliche Mißstimmung unangenehm berührte Behörde erst an, den R e i chskanzler sich wandte, der seinerseits sich der peinlichen Situation dadurch entzog, daß er die Entscheidung dem Kaiser zur persönlichen Regelung überließ. Der gewundene Ausdruck des amtlichen Berichts ist ein getreues Widerspiel seiner Entstehung.': Erst drückten sicy alle um diese unangenehme Pflicht; was' dann entstand, war ein Schmerzenskind." — H-rrr Liebermann v. Sonnenburg, der Antisemiten- n$b Agrarierführer, soll, wie einst Eugen Richter, von seinen GeinNnungsgenosfen eine Geldspende gestiftet erhalten. Es. ist. nämlich 25 Jahre her, daß Herr v. Liebermann politisch tätig ist. Ter u. a. auch von Tiedcrich Hahn unterzeichnete Aufruf, dm z. B. die „Deutsche Tagestztg." bringt, appelliert an „alle .deutschgesinnten Männer." — Iw einer zu Genthin abgehaltenen Vertrauensmänner- Versammlnng der Konservativen wurde Chefredakteur Dr. O e r t e l als konservativer Reichstagskandidat für Ie - r i ch o w aufgestellt. — Ihrem früheren Beschluß entsprechend haben die E n gr os- fchlä ch t e rg e se ll e n gestern die Schlachtungen v erwe i g ert. Infolgedessen wurde nur etwä ein Zehntel oer Tiere geschlachtet. Tie Schlachtungen sindm unter starker polizeilicher Bewachung statt, doch soll die Zahl her Arbeitswilligen nur klein gewesen fein. Der Vorstand der Berliner Fleisch!erinnung hat sich für allgenreine behördliche Untersagung der Sonntags'schlachtungen erklärt. Man erwartet also Verständigung. — Die letzten Tage haben ein vermehrtes' Angebot au dem ArEeitsmarkt gebracht, zu dem die Entlassungen vom Mi litär sehr viel beitragen. Eine seit Jahren gemachteE Beobachtung lehrt, daß das platte Land einen nicht unbedenümden Teil junger Leute in die Garnison abgibt, während es von dien Marmschaften, die ihre Dienstzeit absolviert haben, fast niemand mehr als Arbeiter zurückerhält. Tie Reservisten bleiben in den Städten und vermehren hier das Angebot auf dem gewerblichen Mbeitsürarft. H a m bürg, 3. Okt. Eine Versammlung der infolge des' bekannten Vorgehens der Altonaer Polizeibehörden beim Kaiser maMöver-Zapfen ft reich Verletzten und Ge- schadii.gte.n beschloß in einer Immediateingabe dem Kais eg .hie Angelegenheit zu unterbreiten. (Frkf. Ztg.) Köm i gsb e r g i. Pr., 3. Okt. Unter dem Vorsitze des Ober- präsideEen Grasen Moltke bildete sich hier ein Komitee, das die Schaffuvg eines in Memel zu errichtenden Nationaldenk- maleS zum Gedächtnis des Jahres 1807 in die Wege leiten Nmll. In den nächsten Tagen sollen Aufforderungen zur Bildung eines' großen, 200 bis 300 Mitglieder umfassenden Ausschusses ergehen und Sammlungen in her ganzen Monarchie he> gönn er^ werden. Kirche und Hchule. Dresden, 3. Okt. Tie 17. Generalversammlung des .v " WAe lischen Bundes wurde heute unter sehr zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung im Festsaale des Evangelischen Vereins eröffnet. Nach einer beifällig aufgenommenen Ansprache des Leiters der Versammlung des Landtagsabg. Tr. Kogel begrüßten , Tr. v. Zahn im Nanren des königlich sächsischen Landes- konsift^riums, Oberbürgermeister Ventler im Namen des Rates der SMdt Dresden und Oberkonsistorialrat Diebelius im Namen der evangelischen Gemeinde Tresden die Erschienenen. Nach einer Reihe weiterer Begrüßungen antwortete der Vorsitzende des evangelischen .Bundes Graf Winzingerode in einer längeren Ansprache. — Eine proteftantische Tranung in einer ka- tholi^chen Kirche. In der katholischen Pfarrkirche zu Mo- surau Mreis Kofel) fand dieser Tage eine protestantische Trauung statt. Das' Brautpaar war, tote jetzt näher bekannt ivird, der Ober-1 leutnaiLt Ehrenreich v. Man st ein vom Hufarenregiment „Graf Götzen" in Ratibor und Fräulein Margarete v. König, Tochter des Rittergutsbesitzers v. König, der, obgleich Protestdnt, Patron der katholischen Pfarrkirche ist. Nachdem die Orgel den Ehoral: „Jesu, geh voran!" gespielt hatte, hielt Pastor Pohl aus Ratibor die Traurede. Tier Kardinal-Fürstbischof Tr. Kvivp hatte im Hinblick auf das dem Patron v. König zur Seite stehende Reckt die Erlaubnis zu der Amtshandlung des protestantischen Geistlichen in der katholischen, Kirche erteilt. Kolonialpost» m Tie von General v Trotha hierher übermittelte l'cachrMt, daß dre Bewegungen der Truppen in Teutsch-Südwcst- afrika unter Umständen durch Rücksichtnahme auf den Verpfleg- ungs'uyrchschnb imgünftin beeinflußt werden könnten, hat, wie die ,,'^oiff. Ztg." aus sicherer Quelle erfährt, zu dem Beschluß gefühist, die. Intendantur zu verstärken. Ter Gouverneilr des Kiaulschaugebietes, Kapitän z. S. Trntppel, wird seinen ihm bewilligten mehrmonatigen Urlaub n T^l'tschland verbrinaen. AttsliNtd. Piaris, 3. Okt. Aus Rom wird berichtet, daß der ehe- malrv N- luisterpräfident^ dee- Kaiserreiches und Akademiker Emil Olivier vom Pap,t in längerer Audienz empfangen wurde Untep dem Eindrücke derselben sagte Olivier zu dem Berichlerstal' ter des „Temps": Tte französische Regierung möge es sich sehr wohl überlegen, ehe sie sich in einen Konflikt mit einem solchen Papst einlasse. Pius X. w^rde sich unbeugsam jedem Unternehmen widersetzen, welches die ReÄe des OberArten der katholischen Welt verletzte. , New York, 3. Okt. GeneralMunoz ,der bisherige Chef der Rebellen m U r n g u a y , ist von seinen eigenenPartei- gängern wegenVerrats, begangen durch den Friedensschluß mit der Regierung Uruguays, erschossen worden. General Pampillon führt mit angeblich 6000 Mann den Ausstand fort. Aden, 3. Okt. (Reuter.) Wie gemeldet wird, plünderte der Mullah Ogaden, wobei 600 Einwohner ge tötet und eine beträchtliche Menge Kamele und Schafe erbeutet wurden. Es heißt, der Mullah erhielt kürzliw eine große Anzahl Gewehre. Aer Krieg zwischen Japan und Mußland. Port Arthur. London, 3. Okt. Das Rewtersche Bureau meldet ausi Tschisu: Während des letzten Sturmes auf Port Arthur griffen die Japaner wiederholt den für die Russen sehr wichtigen H o h en Hü g e l an. Am^ 22. September nahmen! sie diese Stellung, indem sie die steilen Berghange wie 'Ameisenj erklommen. Da der ^Versuch, diese Stellung z>urückerobern,. äußerst gewagt war, wollte General Stössel keinen Befehl dazu erteilen; er rief Freiwillige auf. Jeder, an den die Frage erging, war bereit, worauf eine Anzahl Freiwilliger ausgewählt wurde. Mannschaften und Offiziere nahntejw Handgranaten, und es gelang ihnen in verzweifelt'ernj' Kampfe, die Japaner aus allen Positionens zu vertreiben. Die Russen beziffern den Verlust der Japaner in den vier Tagen des Sturmesf auf 10 000 Mann. General Stössel erließ eine Pro- llamation, in der er den Daank an Gott und an die heldenmütige Garnison für die Zurückweisung des Sturmes' ausdrückte. Tschisu, 3. Okt. (Reuter.) Ein hier eingegangener Privatbrief besagt: Der letzte Vorstoß der Japaner vor Port Arthur bestand aus einer abwechselnden Reihe heftiger Beschießungen kund fortwährender Sturmangriffe. Der Angriff gegen den großen tzügek zeigte eine verzweifelte Entschlossenheit und dauerte biet' Tage hindurch Ein japanisches Bataillon in ungedeckter Stellung im Tale wurde durch russisches Shrapnellftuer nahezu vernichtet. Schließlich gelang es den Japanern. Feldgeschütze und zwei Maschinengewehre hinter eine rasch^ aufgeworfene Schutzwehr in Stellung zu bringen. Diese war jedoch infolge des Feuers der Jnnensorts unhaltb'ar, und als die Russen zum Angriff übergingen, wandte sich das Glück gegen die Japaner, die fast aufgerieben wurden^ Zwei weitere Versuche der Japaner, jene Stellungen einzunehmen, schlugen gleichfalls fehl. Dae Chinesen, die vorgestern Port Arthur verließen, sagen: Die Wirlling des Feuers der rmssischen Artillerie und der Maschinengewehre war fürchterlich. Die Mhänge des Großen Hügels seien mit verstümmelten Leichen und abgerissenenj Gliedmaßen besät. 300 Russen und 200 Fa'paNer lagen tot zusammen in einem einzigen Graben. Me Japaner unterbanden teilweise die Wasfer- zusuhr, doch sind noch and ere Mittel zur Wasser- beschafsung vorhanden, die nur mit dem Fall der Stadt genommen werden könnten. Auch Lebensmittel gäbe es genügend, nur die Fleischkonserven seien nahezu aufgebraucht. Daher würden täglich 30 Esel geschlachtet. Ein Pfund Fleisch koshet 10 Schilling und ein Ei 10 Pence. Au8 der Mandschurei. Tokio, 3. Okt. (Reuter.) Das Marinedepartement meldet, daß am 20. September ein zur Beseitigung von Seeminen verwendeter russi sche r Dampf er am Hafen- emgang von Port Arthur auf xine Mine gestoßest und gesunken sei. Im japanischen Marineministerium meint man, die Russen litten Mangel an kleinen zur Beseitigung von Minen geeigneten Dampfern. Die Meldung, daß ein japanisches Kanonenboot südlich von der Halbinsel Licnltifchan durch eine Mine zum Sinken gebracht worden sei, ist amtlich nicht bestätigt worden. London, 3. Okt. Aus Mukden vom 1. Oktober wird gemeldet: Die Japaner scheinen die Taktik ge- ä n d e r t zu haben und v e r s ch an ze n s i ch; trotzdem sin^ ilmgehungsversuche im Osten nicht ausgeschlossen. Die Gegner pprechjen einer vom andern mit Hochachtung. Alle Beschuldigungen wegen angeblicher Folterungen ver- wnndeter urb gefangener Soldaten und wegen Mrßbrauchs der weißen Flagge haben aufge- g e h ort; die Gefangenen werden gut behandelt. Die chine- fifrlien Behörden legen außerhalb des Kampfbereicho de Paris" beröffcnH' t einen Privatbries vom KriegsiMuplatz, dessen Schreiber erzäblt -N bei der Nachricht von der N ied e r - läge bei Liaujang Statll)alter Alexei ew mit äußerster Ucberstürzurrg ainen Spezialzug in Mukden Heizen ließ und in größter Ci le narb ton bin sandte. Seine Eile icnr so xiruf;. dan der Sug stundenlang den Verkehr der Militärzüge dinderie nnd sogar einen schiveren Unfall verursachte. Er fuhr itämlui) in einen Sanitätszug, den er zertrümmerte, nnüxn 40 verwundete Soldaten getötet wurdcn. Flüchtige Japaner. Eydtkubnen Cftpr. , 3. Cft. lieber 700 Ja Paner, darunter 299 'rauen und 24 Kinder, die sich in Sibirien aus- nebelten buben und uv gen bcv 5h*iegc3 zlvrschen Rußland und ^apan dii-Ajemefen wurden, sind beute an der deulsa russischen Grenze crngekommen und in Wirdallen vom japanich^n Konsul in Bremen Noeßllr übernommen tvorden. Am 11. Sil. werben meiieic 115 and Siublunb ausgewicsene Jalmner erwartet. Tie Flüchtlinge treten am 20. Okt. von Bremen mit dein Dampfer Norddeutschen Lloyd „Willehad" die Heimreise nach Japan an. Z>er Aindesmißüandlungspro'.ctz gegen den Major von Sydow. S. n. H. Hannover, 1. Okt. .Bor dem Oberkriegsgericfyt der 20. Timfion steht heute der Major und Bataillous-Kommaubcur im Braun schw. Regt. Nr. 92 v. Sudow unter der Anklage, seine 12jährige T o ch t e r An n e -M a r i c in Gemeinschaft mit seiner Gattin fortgesetzt in grausamster W e i se r ö r pe r l i ch m i ß - handelt zu haben. Der Prozeß bildet das Nachspiel zu dem am 11. Juli d. I. vor der Strafkammer in Braun- schlveig verhandelten, von uns seinerzeit kurz erwähnten Prozeß gegen Frau v. Sydow, der mit der.Verurteilung der Angeschuldigten zu 4 Monaten Gefängnis endete. Im Anschluß an die Verlesung der Auslage stellte der Ver- lreter den rtnrrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit. Nach kurzer Beratung teilte der Vorsitzende mit, daß das Gericht den Eintrag aus A u s s ch l u ß d e r Oeffentlichkeit a b l e h n t, da eine Gefährdung militärischer Interessen nicht vorliege. Angekl.: Tie Kleine hat uns sehr viel Sorgen gemacht. Namentlich ihr sctrrecklicher Hana zum Lügen hat uns viel Aerger und Verdruß bereitet und nur deshalb habe ich das Kind, allerdings sehr streng, bestrafe. Es iure ein kvlossalver logen es Kind. Bors.: Haben Sie zur Züchtigung eine Reitpeitsche benutzt? Angekl.: Dir besaßen nur eine Klopfpeitsche, die im Herren- zrmmer am Waffenständer hing. Ta ich das Kind ins Herrenzimmer geholt halle, so nahm ich diese Klopfpeitsä>e als nächstliegendes Instrument. Bors.: Im zwecken Falle hat zunächst Ihre Frau das Kind geschlagen und Ihnen dann das Mabchen zum Zwecke der weiteren Züchtigung übergeben. Sie sollen es dann am Zopf hochgehoben und mit den Füßen getreten haben. Ten Lmlaß zu dieser Mißhandlung soll allein der Umstand gegeben haben, daß das Kind etwas zu spat aus der Schalle gekommen war. Es sollen 15 heftige Hiebe mit der Peitsche auf die inneren Handflächen getvesen sein? Angell.: TaS ist nicht wahr. Ich habe nur drei bis vier Schlage gegeben. Bert. Obersllt. v. Trotha stellt fest, daß der Angellagte daö Kind wiederholt zur Schule begleitet habe, weil es unterwegs von anderen Kindern belästigt wurde. Das zeige, daß der Angellagte dem Kinde große Sorgfalt habe angedeihen lassen. Ferner stellt der mllitärische Verteidiger fest, daß der "Angellagte in seiner Kompagnie während seiner mehr als zehnjährigen Dienstzeit niemals Soldatenrnißhandlungen gehabt, bezw. zwei vorgelcmmeue sofort verfolgt frühe. Auch habe er sich bei sämtlichen Leuten wegen seiner Milde großer Beliebtl/eit erfreut. Unter diesen Umständen, so fährt der Verteidiger fort, muß ich die unzulässige Beeinflussung desAngeklagten durchden Braunschweigischen Polizeipräsidenten — Vors. (unterbrechend): Herr Oberstleutnant, ich muß eie doch darauf Hinweisen, daß unter Umständen auf Grund Ihrer soeben ausgesprochenen Behauptung ein Verfahren wegen wissentlich falscher Anschuldigung gegen eie ein geleitet werden könnte. Bert.: Ich wollte nur feftstellen, daß der Polizeipräsident Prötzel von Braunschweig eines Tages den Angellagten und dessen Gattin zu sich b^'chiw und zu letzterer sagte: Gnädige Fran scheinen hysterisch oder auch hochgradig nervös zu sein, lassen Sie sich in eine Anstall bringen, sonst muß ich Sie verhaften lassen. Wenn das feine Beeinflussung oder gar Bedrohung--Vors. (unterbrechend): Solche Schlußfolgerungen bitte ich zu unterlassen. — Angell.: Die Sache hat sich aber ganz so zugetragen. Zch war zunächst allein bestelll worden, und indem der Polizeipräsident mir, der ich von der ganzen Sache nichts wußte, die Allen gegen meine Frau vorlegte, sagte er etwas von Hysterie oder großer Nervosität meiner Frau. Darauf erwiderte ich, daß die von einer „Frau aus der Nachbarschaft^ unterzeichnete Anzeige gegen uns erloaen und daß die ganze Sache ungeheuer aufgebauschl sei. Er blieb jedoch dabei, ^daß etwas an der Sache sein müsse und sagte: „Bringen Sie Ihre Frau in eine Anstalt, dann ist die Sache erledigt! Sonst geht der Klatsch immer weiter." Inzwischen war meine Frau erschienen und in ihrer Gegenwart wiederholte der Präsident seinen VovsMrg, obwohl auch meine Frau die ihr zur Last gelegten Handlungen abstritt. Schließlich sagte der Polizeipräsident zu meiner Frau: Sollten Sie nicht den Aufenthalt in einer Anstalt vorziel^n, so sehe ich mich veranlaßt, Sie zu verhaften! Er hat also sie und zugleich auch mich bedroht. Tie Köchin Anna Habekost war Zeugin, als der Angellagte die erste ihm zur Last gelegte Mißhandlung an der Keinen Anne-Marie beging. Tas Kind habe nicht auf einem Sessel, sondern in kauernder Stellung auf dem Teppich gelegen, ohne sich gegen die auf sie niederhagelnden Schläge irgendwie zu wehren. Sie, die Zeugin, habe den Eindruck gehabt, als ob der Vater das Kind direll auf die Erde geworfen hatte. Tie Hiebe seien mittels einer ledernen Reitpeitsche erfolgt und hätten den Körper des Mädchens fast überall getroffen. Es hieß immer, sie lüge so schrecklich, ich selbst habe aber davon nie etwas bemerkt. Tas Kind sei fast täglich geschlagen worden und bann immer in die Küche gekommen, um sich dort in einem dunklen Dinkel auszuweinen. Auch ist es der Zeugin so vorgekommen, als ob das Kind sehr froh gewesen wäre, wenn die Eltern längere Zell abwesend waren. Angetl.: Jcherkläre dieseZeugin für unglaubwürdig. Tie folgende Zeugin Ehefrau Jörns- Braunschweig war ebenfalls früher Köchin im von Sybowschen Hause. Sie war zugegen, als der Angeklagte das Kind an dem Zopfe erfaßte und darum mißhandelte. Sie erinnert sich genau, daß der Angeklagte Das Kind nicht nur an dem Zopfe gezogen, sondern gam, in Die Höhe gehoben habe. Tann habe er es ins Gesicht Sachlagen, auf den Boden geworfen unö die Peitsche geholt, um das Mädchen damit mehrmals in heftiger Weise zu schlagen. Vors.: Tas Kind schwebte also sörmlicy in der Lust? Zeugin: Ja. Polizetwochtmeister B e n i g a m - Braunschweig hat die Zeugen und Zeuginnen in dieser Affäre nach dem Einlauf der anonymen Anzeige vernommen. Er hat dabei nicht den Eindruck gewonnen, daß es sich dabei um ein Komplott früherer Dienstboten des von Sybowschen Hauses handle. Alle Aussagen hätten den Eindruck auf ihn gemacht, daß die kleine Anne-Marie fast täglich rn r ohester Weise mißhandelt ^vorden sei. Die Frage des Verteidigers, ob Die Jjeugen die Sach.- jo oargcftdlt hätten, als ob das Ehepaar von Sydow etwa das Kind zu Tod. bringen wollte, verneint der Zeuge. Das frühere Tienstniädci-en I o r n s des Angeklagten bc- konnte. Am schrecklichsten sei ihr das Treten mit den Füßen eri'd n:n, mobi l das Kind jedesmal laut geschrien habe. Angeklagten, M o h w i n k e 1. Angell.: Es ist in der Verhänt halbnackt in Keller gesperrt worden sei. Zeuge .'! als sie die Mutter letzthin einmal im Gerichtsgebäude in Braunschweig sah, stürzte sie auf diese zu, umhalste sie und rief: Gott sei Dank, daß ich mein Muttchen wieder habe! Daß es Prügel bekommen habe, habe das Kind nicht in Abrede gestellt, jedoch bemerft, daß es doch auch sehr ungezogen gewesen sei. Vors.: Wie denken Sie über die Befrrndlung des schvächlichen Kindes mittels einer Reitpeitsche? Zeugin: Ich habe davon nichts gesehen. Wohl aber will ich zugeveu, daß die Tante mit ihrer wahnsinnigen Heftigkeit viel dazu beigctragcn hat, daß der Onkel zum Prügeln der Anne-Marie veranlaßt wurde. Die Lehrerin T o m m e s von der höheren Mädchenschule in Braunschweig bekundete, daß Anne-Marie eine sehr mäßige Schülerin gemeiert sei. Sie habe ihr deshalb öfter schlechte Noten mit nach Hause gegeben, bis eines TageS das Fräulein des Kindes zu ihr gekommen sei, und sie gebeten habe, davon doch M stand zu nehmen, ivcü das Stinb auf diese Noten hm sehr schlecht behandelt werde. Ven.: Surd Sie einmal im Hause des Majors gewesen, weil daS Kind seine Bück-er versteckt hatte? Zeugin: Ja. Vors.: Auch hierbei soll der Vater mit der Reitpeitsche gedroht friben. Angell.: DaS Kind fragte mich: Papa, jetzt bekomme ich wohl Prügel, daraus sagte ich: Aber natürlich. Unb da holte das Kind d i e P e i t s ch e s e l b e r. Ter tüichste Zeuge, Bandagist Hoffmeister, hat dem Deinen Mädchen den Gerade Halter angefertiat, bei dessen wiederholtem Anlegen aber keinerlei Spuren von MM^mdlungen an dem Kinde bemerkt. R.-A. Andree,mackst gellend, daß dieser Gerndeyalter sest wie ein Panzer gewesen sei, so daß das Kind ellvaige Prügel kaum gefühlt habe. (Heiterkeit im Zuhörerraum.) Es folgen bann Die Gutachten der Sachverständigen. Ter Kreisarll der Grafschaft Wernigerode Tr. meb. Friebel- Wcrnigerodc schildert btc kleine Anne-Marie als ecin frohes, lebhaftes Kind, das aus ihn nicht den Einbrnck gwnacht habe, als ob cS schweren Mißl)andlungcn ausgesetzt ge.vescn sei. Er sei der Meinung, baß da§ Kind an moralischem Schwachsinn leibe, daß dieser Zustand aber dem Laien, also auch den Eltern nicht erkennbar gewesen sei. Ter zweite Sackwcrständige, Physikus Tr. Mikller-Braun- schwcig, führte u. a. aus: Tas Kind fei so zart, daß^es ganz besonders liebevoller Pflege bedürfe. Aus der einen Selle sei ja denn auch alles getan worden, und zwar soweit ixe medizinische Seile in Frage kam. Auf der andern Seite sei jedoch um so mehr gefehlt ivoiben. In moralischer Hinsicht nämlich sei daS Kind so Itcfrinbclt worben, wie er es roeber nls Arzt noch als Vater billigen könne. Vor allem sei die Peitsche absolut kein Erziehungsmittel. Ein Vater, der eine Anne-dNarie von Sydow sckstägt, macht sich meine- Erachtens der Mißl-andlung schuldig. Krw'gsgerichlsrot Schön b om beantragt gegen den Angellagten ivegen des ersten Falles 1 Monat Gefängnis, wegen des zioeiten Falles, der cm scluversten liege, weil das Hochhaben am Zopf und das Treten mit den schweren Stiefeln gaXz unent- Idmlobär sei, 4 Monate, wegen des dritten Falles, wo bas Kind die 15 schweren Schläge auf die Hanb erhielt, 3 Woa-en, unb wegen des vierten Falles, wo die Reitpeitsche in Annvenbung kam, 4 Wollen Gefängnis, bezw. eine Gesamtstrafe von 5 Monaten Gefängnis. Ferner beantragte er die. Tienst- enttassung des Angellagterr. ReckstSamoalt Tr. Anbrce - Braunschweig bittet, pur auf eine Geldstrafe zu erkennen. Ter ,welle Verteidiger, Obcrstleutnartt v. Trotha, führt aus: Möge Ihr Freisprull, den ich beantrage, bem Angellagten leichter über alle die Qualen hftuveghelsen, denen er in den letzten Wochen ausgesetzt war. Es folgt dann das letzte Wort bes Angeklagten: Ich bin unschuldig unb bitte um Freisprechung. Tie Gesamtstrafe des Gcricksts lautet auf 4 Monate Gefängnis und T i cn ften 11 a f f u ng. eÄi\5 §taDt uni) Kaud. Gießen, den 4. Oktober 1904. •• Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse wurden folgende Gewinne gezogen: 10 000 Mt. auf Nr. 12756 36338, Gewinne von 5000 Mk. auf Nr. 76000, Gewinne von 2000 Mk. auf Nr. 4693 18736 22842 34852 40769 50047 67244 67833 72148 78377 87571 88081 93733, Gewinike von 1000 Mk. auf Nr. 520 1404 3257 4890 5623 5798 12426 13875 14509 17123 17953 18003 19785 20377 22115 23230 23939 24476 28036 31209 32826 34997 36344 38091 40632 41136 43208 44784 45421 46286 52447 56140 57338 58843 63078 64027 64306 65235 66900 67671 68006 68016 68118 69503 71160 71315 71345 75415 77807 78106 83143 83424 90478 99162. (Ohne Gewähr.) * ' Zur Regierungsvorlage betr. Bad-^tanheim wird auf einen Artikel der ,W. Ztg.", welcher die verlangten 6 496 000 Mk. als Stcuerkapital bezeichnete und für die Steuerzahler Aufklärung über die Verzinsung 'dieses Kapitals wünschte, in der ^Darmst. 5tg." offiziös folgendes erklärt: „Die der Zweiten Kammer bei Lanbstänbe im Juni b. I. angegangene Regierungsvorlage betr. Vab-Nanheim (Dnucksache Nr. 422) hat bereits in ausführlicher Weise ziffernmäßig bargielegt, baß die zur Umgestaltung des Bades für bie nächsten 8—9 ?Jahre geiorbertc, bmcl) Kapitalanfnahme zu bellende Summe von insgesamt 6 496 000 Mk. neben der alljährlichen Ablieferung eines reinen Ueberschusses von 10#D 000 M ark aus bem Beirieb bes Babes an die Staatskasse schien bei Fortbauer des seitherigen Besuches aus ben laufenden U c b e r [ d) ü j i e ii des Bades z u verzinsen und ,all- ni ä h l i cl) zu tilgen sein werde, während alle seitherigen A nswenbnnge n für bas genannte Bab a n s f ch 11 e ßll i ch aus ben E r t r a g n i f f e » desselben bestritten niorben sind." * * Blume «pflege durch Schulkinder. Wie pll- jährlich, sollte auch in diesem Jahre eine öffentliche Aus- slelluni; dec Lstumen jlcittfinben, die von Kindern der beiden oberen Stadtu äbchenschultlassen gepflegt iverden. Allein inan sah davon ab wegen der bannt verbundenen Unkosten -und beschloß, eine solche nur alle zwei Jahre stattftnden zu lassen. Um den guten Zweck der Blumenpflege aber doch zu fördern, soll in den Zwischenjahren eine mehr interne Ausstellung veranstaltet werden, wobei allerdings nur wenige Preise zur Verteilung gelangen können. Trotzdem in diesem Jahre die abnorme Witterung nicht gerade günstig auf die Pflege der dusligen Kinder der Natur cingewirkt und obgleich sich der Termin der Veranstaltung wegen geivisser Umstände etwas hinausgeschoben hatte, war man doch am Samstag erstaunt über die außerordentlich günstigen 9iesultate. Man sah durchweg gut gepflegte Exemplare, und nicht einmal 20 Prozent der Blumen waren eingegangen, während es in Frankfurt bei ähnlicher Gelegenheit deren 30—40 Prozent waren. Es ist schon soviel über Blumenpflege geschrieben worden, daß es eigentlich überflüssig wäre, nochmals hinzuweisen auf dieses wichtige Erziehungsmittel, das in den Kindern die Liebe zur Natur erweckt und fördert, das auch in der kleinsten Hütte Sonnenschein verbreiten Hilst, wenn nicht immer wieder edle Menschenfreunde gebctett werden sollten, mit niatccieller Beihilfe das schöne Unternehmen nach Ntöglichkeit unterstützen zu helfen. * * Reiche Zufuhr. Am heutigen Markttage hielten auf dem Brandplatz ca. 180 Fuhrwerke mit Aepfeln und Zwetschen. Am vorigen Samstag waren ca. 200 Wagen mit Obst angesahren. * * Eine 1 i/z Pfund s ch w e r e B i r n e trifft man nicht häufig an. Der Weißbintzer Heinr. Münch II. in Hausen ließ uns heute eine solche, ctiie hübsche Glockenbirne, die auf seinem Baume gereift ist, zur Ansicht vorlegen. Er versichert, 1 Pfund schwere Birnen hätte er viele geerntet. 8. Watzenborn-Steinberg, 3. Okt. Am Sonntag abend gab der Rezitator Friedrich Hamp aus Wiesbaden in der hiesigen Kirche eine Darstellung über das r£eben, Wirken und Kämpfen Dr. Martin Luthers" nach dem bekannten Herwigschen Lutherfestspiele, die er mit 30 großen, sehr deutlichen Lichtbildern illustrierte. Eine zahlreiche Versammlung, — wohl über 400 Personen — hatte sich eingefunden. ? Groß en-Lin den, 3. Okt. Eine ordentliche Kirchenvisitation wurde durch Dekan Strack heute hier und gestern in dem Filialdors Klein-Linden abgehalten. Bad-Nauheim, 3. Okt. Ein seltenes Jubiläum kann unsere Stadt am 5. d. M. begehen. An diesem Tage werden es fünfzig Jahre, daß durch Dekret Sr. Kgl. Hoheit des Kurfürsten Friedrich Wilhelm II. von Heffen-Kassel dem Dorfe Nauheim die Bezeichnung „Stadt Nauheim" verliehen wurde. + Nauheim, 3. Okt. Dieser Tage soll in Friedberg eine Versammlung der Vertreter der Städte Bad- Nauheim und Friedberg unter dem Vorsitze des Kreisrats Fey stattsinden, um über die Verhinderung der Verseuchung der Ufa zu beraten. Wie verlautet, wird Oberbaurat Schmick über ein gemeinsames Kanalsa- tionsp rojekt beider Städte sprechen. Baurat Eser von hier wird wohl an der Versammlung teilnehmen. Die Verhältnisse sind zur Zeit dermaßen, daß unsere Kurgäste mit Recht heftige Klagen geführt haben. Noch lauter wird in Friedberg geklagt, wo freilich alle Schmutzwasser in den Fluß geleitet werden, so daß dec Gestank und die Verschlechterung der Gesundheitsverhältniffe nachgerade eine schwere Kalamität bedeuten. § Friedberg, 3. Okt. Die Obstausstellung ivurbc gestern geschlossen. Der Oberhessische Obstbauverein und die Aussteller sinD von dem Ergebnis der Ausstellung außerordenllii»-> zusciedeu. Tic Aussteller haben gute schufte gemacyc, zahlreiche Käufe wurden abgeschlossen und troii des diesjährigen Obsisegens annehmbare Preise erzielt. Aus allen größeren Städten, z. B. Köln, Barmen, Düsseldorf usw. waren Käufer erschienen. Ter Besuch der Ausstellung war am gestrigen Sonntag sehr groß. Allgemein fiel das scyöne Obst aus dem Kreise Gießen auf, der besonders viele uud peachwolle Goldparmänen und anderes edle Taselobst ausgestellt hatte. Der Bereinsbezirk Friedberg vorn Oberhesjischeu Lbstlmuverein hielt gestern gelegentlich der Ausstellung im Saalbau eine Versammlung ab. Kreisamtmann Werner sprach über die Wichtigkeit der Obstausstellungen für den Züchter und den Konsumenten. Professor Rcichelt hielt einen lehrreichen Vortrag über die „Pilzschäden an den -Obstbäumen". Von besonderem Interesse war die Vorführung der Baumrichitmaschine von dem Erfinder Förster Stendal-Langd, der die Handhabung der Maschine klar machte. — Das hier ausgestellte uud prämiierte Obst wird heute verpackt und größtenteils nach Düsseldorf zur Ausstellung (8—16. Okt.) gesandt. Hessen wird an dieser internationalen Obstausstcllung großen Anteil nehmen. Ter Raum, den Hessen dort entnehmen, wird, betrügt ca. 700 Qm. Mit dem offiziellen Schluß der Ausstellung erfolgte die .Verteilung von 6 0 Ti- plomen als Prämien für Lösungen der gestellten von einer oder mehrerer Preisaufgaben. Gestellt waren im ganzen 97 Preisaufgaben, die sich auf neun Grnppen verteilten. In Nachstehendem bringen wir nur diejenigen Namen der Aussteller, welche für die Losung von mindestens drei Preisausschreiben Tiplome erhielten oder für besonders hervorragende Einzeile i st u n g e n. Es erhielten Tiplome: Riedel, Gräft. Gärtner, Assenhcim, G c 0 r g B u r k, Laubach, W. S chjm e c I, Bettenhausen, Stadt Fried berg, Stadt Gießen, G. Müller, g-ahrifanty Gießen, Karl Maul, Asseu- heim, Ludwig Tamer, Ziöthgcs, Gemeinde Lich, Großh. Förster Stendal (für Baumrichtmaschinch Kaufmann Baumeister, Friedberg, und Fabrikant Bindewald, Friedberg. 1. Ulfa, 3. Okt. Vor einiger Zeit verletzte sich der 17- jährige Sohn des hiesigen Landwirts PH. Düll dadurch an ber Handfläche, daß sich feine erst kurz vorher in Friedberg gekaufte Vogelflinte entlud. Wohl nahm der Verletzte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch und die Wunde schien auch ganz normal zu heilen. Nach Verlauf -von etwa einer Woche ruiitbc der junge Mann aber plötzlich so schwer krank, baß er sofort in die Klinik nach Gießen gebracht werden mußte, iuo er leider am folgenden Tage bereits an Blutvergiftung starb. Heute wurde die Leiche des so rasch aus dem Leben Geschiedenen unter zahlreicher Beteiligung der Gemeindemitglieder und namentlich seiner Altersgenossen hier zu Grabe getragen. 1. Bad-Salzhausen, 3. Okt. Die Badejaison hat für dieses Jahr ihr Ende erreicht. Mit Befriedigung blicken wir auf den Verlaus der Saison zurück. Die Zahl der Heilung juchenden, sowie bie Zahl der abgegebenen Bäder i|t um ein Bedeutendes gestiegen. Die Heilkraft unserer Quellen, die landschaftliche Schönheit unserer Gegend, besonders unseres wohlgepftegten Parkes und vor allem auch die gesunde reine Lust erwerben sich immer neue Anerkennung. Für gesellige Unterhaltung war in diesem Jahre mehr als sonst geboten. Vor allen Dingen fanden alle zwei Wochen regelmäßig die auch in der Umgegend so sehr beliebten Militärkonzerte stalt. Eme Theatergesellschaft sorgte für angenehme Abwechslung. Eine Anzahl Gesang- und Jnstrumentalvereine aus benachbarten Städten, wie Gießen, Frankfurt usw. lockten Scharen von Fremden herbei. Das wird den Ruf unseres Bades verbreiten helfen. Es war diesen Sommer reger Verkehr in unserem Badeort. Von Seiten der Badeverwaltung geschieht auch stets das Beste zur Hebung unseres Bades. Alsfeld, 3. Okt. Die Feier des 25jährigen DrenstlubrläumS unseres Bürgermeisters Arnold sand am Samstag und Sonntag statt. Der Samstag brachte um halb 8 Uhr einen feierlichen Choral vom Turm. Ilm 9 Uhr bewegte sich unter den Klängen der Musik ein von den hiesigen Vereinen gebildeter Fackelzug durch die Straßen und Gassen. Auf dem Markte nahm der Fug vor dem Rathause, in welchem der Jubilar mit seiner Familie und seinen Angehörigen weilte, Aufstellung. Die „Harmonie" leitete dre Feier durch den Vortrag des Liedes „Glaube, Liebe, Hoffnung" stimmungsvoll ein, woraus Beigeordneter Georg Kurtz jr. eine Ansprache an den Jubilar richtete. Der Jubilar sprach sichtlich bewegt der versammelten Bürgerschaft seinen herzlichsten Dank für die ihm gewordene Ehrung on§, bie ihn mit hoher Freude erfülle und die er nie vergessen werde. Danach begaben sich die Teilnehmer ins „Deutsche HauS" zum gemütlichen Schoppen, der bei Konzert der Kapelle Müller bis gegen Morgen währte. Am Sonntag morgen von halb 12 Uhr ab sand sich eine stattliche Zahl von Gratulanten, vor allem die Vertreter der Behörden, Schulen, Vereine, städtischen Beamten re. zur Beglückwünschung des Jubilars auf dem Rathaus ein. Kreisrat Dr. Melior als Vertreter der Staatsbehörde überbrachte dem Jubilar die allerhöchste Anerkennung seiner Verdienste, das Ritterkreuz 2. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, Oberantts- richter Dr. Scriba überbrachte die Glückwünsche des Amtsgerichts, Amtsanwalt Brab diejenigen der Staatsanwaltschaft. Beigeordneter Kurtz sprach im Namen der Stadt; er überreichte eineu silbernen Pokal als Zeichen der Dankbarkeit der Bürgerschaft. Die Wünsche der fteiwilligen Feuerwehr übermittelte deren stellvertretender Kommandant Herr Carl Hölscher. (O. Z.) R. B. Da.rntstad't, 3. Okt. Ter hiesigen Stadt- verordnetenversa.mjmlu.ng wurde heute nach- ntittag in vertraulicher Sitzung der Plan des Darmstädter Bahn Hofs um b aues zur ' Erörterung vorgelegt, dessen Kosten pH auf 12 Millionen Mark belaufen. Die Stadt hatte bekanntlich Gutachten von den Herren, Geh. Baurat Koch-Darmstadt, Oberbaurat "Baumeister-Karlsruhe^ und Baumeister Gleien-Hamburg Veranlaßt, und diese Herren erstatteten heute über diese schwierige Materie ihren Bericht. Es dreht sich bei dem Projekt hMptsächüch um den völligen Umbau, des Bahnhofs der ^siisä^n Ludwigsbahn, wobei der jetzige Güter- baynhos verlegt werden würde. Dann soll ein Vorbau längs des jetzigen Main-Reckarbahnhofs erfolgen, also der Platz mit dem Liebigdenkmal zum Teil bebaut werden. Um dies aber durchführen zu können, müßte die Verbindung der Rhetnstraße nsit der Griesheimerstraße ca. 21/? Meter tiefer gelejgt werden. Hiergegen wehrt^sich aber die Stadt ganz entschieden. Die Sachverständigen sollen sich indessen entgegen de^n Plänen der Eisenbahn- Verwaltung daHn erklärt haben, daß der Umbau und die damit bedingte Geleisverlegung auch ohneBertiefung der Rh eiustraße durchzuführen sei. Diesen Ausführungen schloß sich die Stadtverordnetenimehrheit im allgemeinen an und beschloß, die GutaHten. der Sachverständigen durch Druck zu veröffentlichen. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Im Wahlkreise Fulda stellte das Zentrum den Reichsgerichtsrat Spahn als Landtagskandidateu auf. — In Schotten erschoß sich ein 26jähriger Manu von Eschenrod. Liebeskummer soll die Ursache sein. Die Eltern des Mädchens wollten das Verhältnis nicht dulden. — In Büdingen wird, wie beim Gymnasium nunmehr auch an der höheren Mädchenschule der Vormittagsunterricht eingerichtet. — Wie man aus Hanau berichtet, feierte am 1. Oktober in Schloß Philippsruhe der landgräfliche Hofrat Friedrich Bensing sein 50jähriges Dienstjubiläum. Alls diesem Anlasie wurden ihm vom Kaiser der Kronenorden 3. Klasse mit der Jahreszahl 50 und vom Großherzog von Heffell das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß- lnütigen verliehen. Vom Landgrafen Alexander Friedrich von Hessen wurden dem bewährten Beamten, dec 50 Jahre lang dem kurfürstlich und dem landgräflich hessischen Hause gedient hat, verschiedene Auszeichnungen zu teil. — In Mainz werden seit dem 1. d. Mts. 2 Kinder von 12 und 8 Jahren einer, wie der „Rh. K." schreibt, sehr achtbaren Familie vermißt. — In Darmstadt wird am Mittwoch, den 12. Oktober, das neue Reichsbankgebäude eröffnet worden. Der Großherzog hat dazu sein Erscheinen in Aussicht gestellt; auch Reichsbankpräsident Dr. Koch wird an der Feier te ilnehmen. Menarversammlung der hlsstschen Anwaltskammer. th. Darmstadt, 3. Okt. Um Samstag hielt die hessische Anwaltskammer ihre regelmäßige Plenarversammlung hier .ab. Der Vorsitzende Justizrat Metz I. gedo.ch.te der Tatsache daß der 1. Oktober d. I. ein wichjsiger Gedenktag in der Geschichte der deutschen Rechtsverfossnng sei, denn an diesem Tage seien 25 Fahre verflossen, seit die JussizMetze in Kraft traten, das Reichsgericht seine Tätigkeit begann und damit zugleich, die freie Advokatur eingeführt wurde. Mer noch ein zweites 25jähriges Jubiläum begehe die Kalnmer heute, Tiämliu); das silberne Jubiläum des Kollegen Dr. Entfleisch, welcher am 1. Oktober 25 Jähre Mitglied der Anwallskannner sei. Der Vorsitzende gedachte der großen Verdienste des Jubilars um den hessischen An- wallsfand mit) sprach ihm namens der Karniner und der verfanimelten Mal Legat deren herzlichste Glückwünsche aus. In warmen Worten dankte Justizrar Dr. Gutfleisch. Darauf trat die Versammlung in die Ber ung ein. ■Jmf der Tagesordnung stand ein Antrag des Vor- ftaubi, des deutschen Arnvollsvereins auf Abänderung des Statuts der Hilfs'kasse für deutsche Rechtsanwälte. Dieser Antrag bezweckte eine wesentliche Erhöhung der Beiträge für die Hilfskasse und zwar sollten zu deren dermaligen Einnahmequellen, den regelmäßigen Jahresbeiträgen der Mitglieder (früher 10 Mk^ in den letzten Jahren 20 Mk. Piro Jahr), freiwilligen Beiträgen der einzelnen Anwaltskammern und stiftungsmäßigen Zuwendungen, noch eine direkte Quelle geschafsen werden, nämlich regelmäßige Beiträge der Kammern. Diese sollen in der Weise geleistet werden, daß die einzelnen iAjtv- waltskammern beschließen sollen, regelmäßige Jahresbeiträge, je nach der Zahl ihrer Mitglieder, zu leisten und diese Jahresbeiträge pro Kopf ihrer Mitglieder, b.' h. auf die sämtlichen Anwälte des betreffenden Oberlandesgerichts auszuschlagen. Man hofft hierdurch zu erreichen, die seither im Fall der Bedürftigkeit eines Kollegen oder den Hinterbliebenen eines verstorbenen Anwalts gewährten Beihilfen etwa verdreifachen und daneben den Reservefonds nicht unerheblich verstärken zu können^. Der Vorstand der hessischen Anwaltskammer ist auf Grund eines in der heutigen Versammlung von Justizrat Braun-Mainz erstatteten Berichts einstimmig zu dem Resultat gekommen, daß der Vorschlag des Vorstandes des deutschen Anwaltsvereins unausführbar und unannehmbar sei. Der dementsprechende Vorstands an trag wurde einstimmig zum Beschluß erhoben. Ebenso wurde nach sehr eingehender Debatte einstimmig der vom Vorstand gestellte Antrag angenommen, beim Justizministerium dringend in motivierter Eingabe um die Schaffung eines dritten Senates beim O b c r l a n d e s g e r i ch! t D a r m st a d t ein zu ko mm en. In der Begründung dieses Antrages wurde hervorgehoben, daß an den beiden Senaten des Oberlandesgerichts fast regelmäßig Termin auf Berufungseinlegungen auf 6 Monate hinaus angesetzt werden, daß ebenso die Der yemb lungert, welche aus irgend einem zufälligen Grunde ausfallen müssen, ‘ auf 6 Monate vertagt werden. Es sei dies nicht etwa ein durch außergewöhnliche Arbeitsüberhäufung herbeigeführter vorübergehender Zustand, sondern diese Verhältnisse beständen an beiden Senaten ganz gleichmäßig schon seit Jahren als Regel. Es steht wohl zu erwarten, daß dem Antrag der Anwaltskammer, nachdem sich der hessische Richtertag bereits im gleichen Sinne geäußert habe, entsprechen wird. Die Versammlung beschloß noch die nächste Versamm- lung der Anwaltskammer in Gießen abzuhalten. Kerichtssaal. R. B. D a r m st a d t, 3. Okt. Vor dem Schwurgericht begann heute die Verhandlung über die Mordtat gegen den Polizeidiener Johannes Schneller in Lorsch, die int Juni d. I. allgemeines Aufsehen erregte. Ter Mordtat verdächtig und angeklagt ist der 25 jährige ledige Fabrikarbeiter Johannes Rosenberger. Ter Angeklagte hat zuerst die Mordtat geleugnet, später aber eingestanden. Er macht über sein Zusammentreffen mit Schneller folgende Angaben: Er habe in der Nacht zum 8. Juni auf einem Gerstenacker bei Lorsch geschlafen und sei plötzlich aufgerüttelt worden. Ter Forderung, sofott aufzustehen, sei er gefolgt, und der Polizeibeamte habe ihn am linken Aermel geführt und in seiner linken Hand fein Gewehr getragen. Er selbst habe seine rechte Hand in die Hosentasche gesteckt und darin seinen Revolver festgehalten. Auf die Aufforderung, seine Hand aus der Tasche zu nehmen, habe er dem Beamten mit der linken Faust einen Stoß vor die Brust gegeben. Tarauf habe der Beamte sein Gewehr in Anschlag gebracht und da habe er selbst blitzschnell seinen Revolver gezogen und sei damit gegen den Gewehrlauf gefahren. In demselben Moment habe der Beamte sein Gewehr losgedrückt, worauf auch er seinen Revolver ab gefeuert habe. Tic Anklage läßt diese Schilderung mangels anderer Beweise im allgemeinen gelten, bestreitet jedoch, daß Schneller zuerst geschossen habe. Es sei unwiderleglich festgestellt, daß der Revolverschuß zuerst fiel und gleich darauf der andere folgte; der Revolverschuß ging dem Beamten direkt ins Herz. Tas Schwurgericht verurteilte den Angeklagten zu 15 Jahren Zuchthaus. Dresden, 4. Okt. Ein gerichtlicher Rekord ist am hiesigen Amtsgericht erzielt worden. Von einem Amtsrichter wurden von vormittags Vs9 Uhr bis mittags 1 Uhr 146 Ter- mine und zwar 8 Verkünd igungs- und 138 Verhandlungstermine erledigt.^ Wien, 3. Okt. Graf Milewski, welcher seinerzeit auf dem hiesigen Nordbahnhofe den Privatier Emanuel Barber bunf)i einen Revolver schuß verwundet hatte und deshalb wegen schwerer Körperverletzung angeklagt war, wurde in der heutigen Gerichtsverhandlung fr e i g e spr oche n, weil aus dem Gutachten der Gcrichtsärzte sowie den Zeugen-Aussagen hervorging, daß Graf Mllewsti die Tat im Zustande der Sinnes- Berwirrung begangen hat. Kisenbal)N"Zkitui!g. — Zu einer neuen E ts e n b a hn kon f e r e n z sollen Vertreter der p r c u ß i s ch - h e s-s i s ch e n Gemeinschaft, der sächsisch eit und der süddeutschen Bahnen am 28. November zusammenkommen. Vis dahin hofft man die neuen Leitungspläne im einzelnen fcßgcstcllt zu haben, die auf eine Vereinfachung und Förderung des allgemeinen Güter- und Personenverkehrs hinzielen. Am schwierigsten erscheint, wie das schlesisch. Blatt aussührt, die anderweitige Ver- lehrseinteilung zwischen Baden, Bayern und Württemberg, das jetzt teilweise beim Verkehr zwischen Baden und Bayern u m - fahren wird. Man sei überzeugt, daß, wenn die Konferenz im November auch noch keine vollkommene Entscheidung bringen werde, eine solche doch in einem den Verkehr fördernden und alle Teile befriedigenden Sinne in einiger Zeit herbeigeführt werden könne. Kandcl und W-rkchr. Hrolkswinschaft. Tck e Gewerkschaft E l l s e n b u r g steht im Begriff, auf den vor kurzem erworbenen Feldern, die mit der Gewerkschaft „Fernie" marl'scheiden, einen Großbetrieb einzurichten. Tie Vorarbeiten hierzu sind bereits im Gange. Tie Untersuchungsarbeiten haben ergeben, daß auf sieben der mit Fernie markscheidenden Felder abbauwürdiges Erz dersttbeu Qualität, wie es diese Gewerkschaft fördert, vorhanden ist. D a r m st ä d t e r Baut. Geh. Justizrat Tr. R i e ß e r wird auf seinen Wunsch, auf Grund freundschaftlicher Verständigung mit dem Aussichtsrate, am 31. Dezember aus der Tirektion der Tarmstädter Bank ausschciden. Ter Aufsichtsrat brachte sein lebhaftes Bedauern zum Ausdru'ck, daß hiernach die langjährigen bewährten Tiienste d-es Geh. Rats Rießer der Tirektion der Bank nicht noch auf längere Zeit hinaus erhalten bleiben und beschloß einstimmig, der nächsten ovdentlickxn Generalversammlung der Bank dessen Zuwahl zum Aufsichtsrate vorzuschlagen. R e i chs b a n ka u s w e is. Tie Erwartung, daß die letzte Septemberwoche eine außergcwrhnlicy starke Anspannung bringen werde, hat sich erfüllt. Tie V^ink ist mit 305 U40 000 Mark in der Nolensteuer gegen 153 990000 im Vorjahr und 151 020 000 vor zwei Jahren. Nicht nur die Anforderungen des Staates, sondern auch die privaten an die Bank waren diesmal sehr stark. Ttt s k o n t e r h o h u n g ? Berliner Meldungen zufolge waren die Auspriiche an die Neich-sbaick auch am Samstag noch so groß, daß die Frage einer ev. Tisk^nterhöhung für die nächste Zeit erwogen wird, da infolge Ur Abnahme der neuen Schatz- anwelsuugen Geldbedarf vorerst bestehen bleibt. Man tarnt jedoch darauf rechnen, bab der bisherige Diskontsatz weiter aufrecht erhalten wird, umsomehr als schon bald große Rückflüsse durch Fälligworden kurzfristiger Wechsel stattfindeu. Berlin, 3. Okt. Der Zusammenbruch des' Bank- h aus es Ehrenberg u. Co. hat zur Verhaftung des Gdschäftsinhabers Paul E l l e r h o l z geführt. Tie Verhaftung erschien einerseits wegen Fluchtverdacht, andererseits deswegen erforderlich, weil die Höhe des Tefizits bei der Firma sich als eine recht beträchtliche heransgestellt hat. Nach den bisherigeit Ermittelungen beträgt die Unterbilanz annähernd eine halbe Million. Tavon entfallen mehr als die Hälfte auf die Depots, die ent= weder zum oder auch ganz veruntreut worden sind. Norielle Mellimigen. Originaldrahlmcrdnttgen des Gießener AnzergerS. Ulm, 4. Okt. Ter Uu eroffsiier Biegler von der ersten Batterie des württembergischen e- rlillerüregiments Nr."13 wurde vom Kriegsgericht der 27. Division wegen Soldat e n m i ß h a u o l u n g itt 300 Fällen z u 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Tie Verhandlung und Begrülldnng des Urteils,, erfolgte unter Ausschluß der Oesfen tlichkeit. Wien, 4. Okt. Ein im Auftrage seiner Regierung an beit beutsch - östrei ch ischen Hanbelsver-^ tragsverhanblungen teilnehmender ösrreichischer StaatsmatlN sprach sich über den gegenwäriigen Stand der Verhandlungen sowie über die Aussichten eines neuen Hanbetsverleages folgendermaßen aus: Die Treyung, den Handelsvertrag vorzeitig zu tundigen, sei nicht 0!ou, der) deutschen Regierung ausgegangen, soubern von agrarischer Seite, die damit einen Druck ausüben wollte. Der Wunsch der östreichischen Regierung gehe dahin, sofort mit den Verhandlungen zu beginnen. Es seien aber noch vorbereitende Arbeiten zu vollenden, welche eS im günstigsten Falle erst möglich machien werden, daß Die Verhandlungen in der zweiten Hälfte des Oktober ihren Anfang nehmen. Es^ ist die Hoffnung vorhanden, daß keine lange Zeit nötig sein wird, um zu einem günstigen Abschluß zu gelangen. Bezüglich der Dauer des Vertrages bestehe die Absicht, ihn auf 12 Jahre abzuschließen. Tie Regelung der Vete- rinärsrage wird zweifellos bei den Verhandlungen die größten Schwierigkeiten bereiten, da Deutschland das äußerste versuchen wird, um die Ge s u nb h e i t seiner Vieh st änbe zu sichern. In bezug auff bie biesseitfgen Zugestänbnisse bei bett Industriellen ist in Erwägung zu zieyen, baß beibe Reiche ihre Zölle so stark hinaufgesch.raubt haben, daß bic Verhandlungen in biefer Richtung nicht mehr anstreben tonnen unb eher eine Herabsetzung zu erwirken wäre. Lonbon, 4. Okt. Aus Obessa wirb berichtet, baß bie Polizei keine Spur davon habe, wer eine Bombe vor b en Zug bes Zaren auf bie Eisenbahnschsienen gelegt habe. Bonnbor f (Schwarzwald), 4. Okt. In Ober-Wangen, brannte baö Anwesen eines TaglöhnerS. Während des Brandes stürzte eine Giebelmauer des Hauses ein und' begrub unter sich den 58 Jahre alten Landwirt und« Gemein berat Johann Sibler unb ben 12jährigen Knabenj Karl Mog von Nigolsheim bei Bruchsal. Beide Verunglückte! tonnten nur als gräßlich verstümmelte Leichen aus dem Schutt herausgezvgen werden. Toulon, 4. Okt. Die parlamentarische Kommission zur Untersuchung der Zustände in der fra^n- zösischen Marine besichtigte das Arsenal junb bie Werft in Toulon. Ter Unterdirektor des Arsenals, Sal- vayre, hat ber Kommission erklärt, es herrsche keine Disziplin int Arsenal. Er könne bisweilen nicht mehr arbeiten lassen, ohne baß bie Werkführer De leibigun gen urch Tätlichkeiten ausgesetzt seien. Der Achtstuubeü- tag ergebe eine geringere Arbeitsleistung alö ber Z e h n st u n b e n t g g. Olbenburg, 4. Okt. Tie Beschwerbe bes Rebak- teurs Biermantt vom „Resibenzboten" gegen feine Verhaftung ist vorn Laubgericht abgewiesen worben. * Vom Kriege. Tokio, 3. Skt. Za E y r e n d e s P r i n z e n K a r l A n t o n von H o h e u z o l 1 e r n fand heute int Schloß ein Abschiedsbankett statt. Ein japantscher Prinz trank auf das Wohl Kaiser Wilhelms und des Prinzen von Hohcnzollern. Er sagte, die Entsendung cüie§ so hervorragenden Mitglledcs des deutschen HofeS nach Japan zur Begleitung der )apanischen Armee liefere d e it Beweis, daß nicht nur zivischen den beiden Kaiserhäusern die b e st e n B e z t e y u n g e n bestehen, sondern daß dies auch zwischen den beiden Völkern der Fall sei. Paris, 4. Okt. Aus M u k d e n wird berichtet, daß bei den jüngsten Kämpfen japanische Artillerie aus Versehen auf japanische Infanterie schoß. Tie Infanterie warf sich ouf die Artillerie und lötete mehrere Artilleristen. Vom Kriegsgericht wurden wegen dieser Affäre 90 Mann zum Tode durch den Strang verurteilt. London, 4. Ctr. Em aus Tschifu hierher telegraphierter amtlicher Bericht des Verteidigers von Port A r t h u r, Generals Stößel vom 23. September bestätigt bie Z u r ück s ch I a g u n g der 1 e ß t e it japanischen 21 n ft ü r m e. General Stößel erließ darnach folgende Proklamation: „Ruhm uud Tank sei Gott, Ruhm unserer heldcnyailen Garmfon, Ruhm Jllmaun, Sychow uud Pogorski, besonderer Ruhm und Tank unseren lavieren Frei- willigen, welche den Feind von den Trancheen venrieven. Tokio, 3. Cfu Ter japanische Finanzminister empfing die hervorragendsten japanischen Bankiers, um ihnen die Bedingungen der n e n e it 80 Millionen Pen-Anleihe mitzutei'len. &er Emissions-Kurs beträgt 92. Tie Anleihe ist mit 5 pCt. verzinslich und in 7 Jahren rückzahlbar. London, 4. Ott. „Taily Telegraph" meldet aus Nagasaki : Tie I a p a n e r beendeten am 24. Scptbr. einen unterirdischen Gang nach Port A r t h u r und nahmen ihn sosort i11 Benutzung. Tas Ergebnis iß unbela TeSe^Sucmischer S^igrsberächt. 3Vu°/u lieichsauloihe . . 101.90 ö 'Zu do. ... 89.95 3l/,% Konsols .... 101.80 3°;-) do 89.85 3 /«°/n Hessen .... 100.05 3'/»% Obcrhessen . . . —.— 4% Oestei r. Goldronto . . 101.85 4‘/6 % Uestorr. bilberronfo 100.40 4% Unffar. Goldrontö , . 100.40 47q Italien. Rente . . . 104.00 4‘ ,>o Portugieser , . . 62.80 8C/ Portugiesen 61.75 1 % C. Türken .... —.— Türken !oso 130.80 4°/o Griech. Mor.opo'.- Anl. 47.90 4l .z°» iiusioro Arirontmor —.— | 2u/ü Mexikaner .... 29.70 ■ 4 */*» /u Chinesen .... 90.75 ! Eicc.r e. Schuckort . , . 122.70 | Nordd. Lloyd . . . . 105 40 Kreditaktien . . . , . 213.50 Diskonto-Konimandit. . . 194.50 Darnr.st ädter Bank . . 142.90 Dresdener Bank .... 156.00 Ber in er Han deisgee. . . 161.90 Oesterr. Stuatabalm . . . 140.49 Lombariiei; 18.20 Gotthar«i!)Hhn .... 189.50 Laura Inltto 252.50 Bochum 211.50 llarpenor 217.20 Tendenz: fest. Kaufe „Fay S Sodener!" ra mb Das ist in dieser Jahreszeit der wichtigste Imperativ! g|g Kaufe Fan's Sodener, denn du bi|t nie vor Erkältunger W ö sicher, kaufe Fay's Sodener, denn du tvcißt nie, wann im M du sic nötig haben wirst, kaufe öau's lodener, denn die W U schützen dich vor allen den Erkältungen, die sie, iveim erst V U vorhanden, bekämpfen. 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