Nr. 285 Samstag, 3 Dezember 1904 Erscheint «glich mti NuSnahm» bei vonntayL. Di- .Gießen« tfam Ul en blätter* toetben ben w9ln)eirv. ote*mc a>dd)enüld) bet gelegt Dc V tand fr» * ericheür monatUch etnmr>| Gießener Anzeiger 154. Jahrg. SUtoHunO 'irff tmb Sertog ber BtflbfMw UnnyedUAiSirtudeteL 0t LamgO. Bttb«, giebaftton t^pebttton a. Druckerei: 6d)uflh.l T-1 9h 4L leugi^Äbtet La-etga Gieße». General-Anzeiger, Amts- und Anzeigebiatt für den Kreis Giehen. Parlamentarische Verhandlungen. Nachdrue- ohne Vereinbaruna nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 10 3. Sitzung am 2. Dezember. -L.[ 1 Uhr. Tas Haus ist schwach beseht. Am Bundesratstisch: Kommissare. Auf der Tagesordnung stehen zunächst die Resolutionen, die eine Novelle zum Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb fordern. Dre Abgg. Gröber und Gen. verlangen 1) eine Novelle zum Gesetz wider den unlauteren Wettbewerb im Interesse des Kleinhandels, 2) eine Regelung des Ausverkaufswesens, 3) Beseitigung der Härten des Gesetzes über die Abzahlungsgeschäfte, 4) ein Verbot, das den Beamten und Offizieren die Gründung und den Betrieb von Warenhäusern untersagt. Abg. Rettich (kons.) verlangt einen Gesetzentwurf über das Ausverkaufswesen, durch den 1) die Anmeldepflicht für alle Ausverkäufe festgesetzt, 2) die Veranstaltung von Scheinausverkäufen und 3. jeder Nachschub von Waren zu einem Ausverkauf unter Strafe gestellt wird. Die Abgg. Patzig und Genosse»! (nL) stellen dieselbe Forderung wie der Aög. Rettich und haben sie gleich in Form neuer Paragraphen (4a und b) zum Gesetz wider den unlauteren Wettbewerb eingebracht. Die Abg. Gröber und Gen. (Zentr.) beantragen, die Resolution Patzig brr Regierung als Material zu überweisen. Aög. Dr. Pottbofs (freif. 23er., schwer verständlich) rechtfertigt die Haltung, die die Freisinnigen bei der Beratung des Gesetzes wider den unlauteren Wettbewerb eingenommen haben. Ein Krebsschaden für Handel und Gewerbe sei jetzt das sogenannte Schmier- gelder-Unwestn. Tie Bestechung ber Angestellten, geworden. Hiergegen müßten Maßnahmen getroffen werden; noch besser könnten sich die Angestellten durch Ausbau ihrer Organisationen helfen. Abg. Nißler (kons ) protestiert gegen die Bemerkung des Abg. Peus, daß der Mittelstand nicht mehr lebensfähig sei. Die Sozialdemokraten wollten natürlich auch für den Mittelstand nichts tun, wie sie sich gegen alle Mittel zum Schutze der Landwirtschaft gesträubt hätten. Tie großen Warenhäuser seien die Verderber des Mittelstandes, möchten doch die Einzelregierungen gemeinsam gegen sie Front machen, um diesen Krebsschaden an unferm Volke zu vernichten. Warenhäuser für Beamte und Offiziere seien auch nicht nötig, denn Beamte und Offiziere bekämen auskömmliche Gehälter. Inzwischen ist Staatssekretär Graf PosadowSky am Bundesratstische erschienen. Abg. Peus (Soz ) führt aus, die Sozialdemokraten würden bei jeder Gelegenheit als Mittelstand-Töter bezeichnet unb doch würden fie auch vom Mittelstand gewählt, denn ihre drei Millionen Stimmen stammten doch nickt bloß von Kapitalisten. Die Sozialdemokraten könnten dem Mittelstand gar nichr schaden, weil ihnen die Macht fehlte. Die Gesetze, die dem Mittelstände schaden sollten, seien von den bürgerlichen Parteien gemacht. Für die Handwerker sei es viel besser, wenn sie sich einer großen Organisation an- t» schlössen, als daß sie selbst eine kleine Bude besäßen. Auch die Antisemiten-Blätter brächten Annoncen von Warenhäusern. So hieße es in einer Annonce der „Staatsbürger-Zeitung" „Bundes- orüder und Leser der Staatsbürger Zeitung, also Pücklcr-Männer, bekommen 5 Proz. Rabatt" (Heiterkeit). Die Kunden der großen Warenhäuser beständen meistens aus leistungsfähigen Käufern, auch die Freunde des Abg. Nißler strömten scharenweise dahinein, denn die kleinen Leute könnten dort nicht gegen bar kaufen, sondern müßten beim nächsten Krämer pumpen. Abg. Erzbeczcr (Zentr.) befürwortet den Antrag Gröber. Die Sozialdemokraten hätten den Mittelstand ruiniert durch die schrankenlose Gewerbefreiheit. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Tenn darüber feien sie doch alle einig, daß die zahlreichen Schäden des gewerblichen Lebens nur von der schrankenlosen Gemerbefreiheit herrührten. (Lachen liyks.) Der Abg. von Schweitzer habe sogar erklärt, daß er nur aus Bosheit für ein Gesetz stimme, durch das der kleine Handwerker ruiniert werde. (Lachen bei den Sozialdem.) Aehnlich habe sich Lassalle geäußert. Ter Ansturm der Sozialdemokraten gegen diese Resolutionen zeige, daß man auf dem richtigen Wege sei. Abg. Naab (Antis.): Der Abg. Peus hat gesagt: Es ist nur meine Ansickl, daß der Mittelstand ruiniert, nicht meine Absicht, aber ein Mann ohne Absichten ist doch gar kein Mann! (Schallende Heiterkeit.) Tie Sozialdemokraten wollen die Expropriation der Expropriateure, wenn sie auch die „Revolution" in eine „Evolution" verwandelt haben. Herr Peus hat nicht das Volle und Ganze der sozialdemokratischen Bestrebungen daxgestellt. Seien Sie doch konsequent! Wir werden viel mehr Respekt vor Ihnen (zu den Sozialdemokraten) haben, wenn Sie nicht mehr wie die Katze um den heißen Brei herumgehen. In der Jnseraten-An- gelegenheit führt Redner aus, daß auch die sozialdemokratisckte Presse marktschreierifcke Anzeigen bringe. Er exemplifiziert besonders auf das „Hanwurger Echo", das Anzeigen von Mitteln gegen die Magerkeit, zur Beförderung des Haarwuchses, Warenhausanzeigen (Blousen ä 75 Pf., sogar a 25 Pf.), bringe. Die einzige Jnseraten-Zel.sur, die das Blatt verhänge, richte sich gegen die eigenen lokalorgamsierten Parteigenossen. Abg. Frohme (Soz.): Niemals haben die Sozialdemokraten gesagt, daß die Erhaltung des Mittelstandes nicht wünschenswert sei. W>r konstatieren lediglich die wirtschaftliche Tatsache, daß er sich nicht halten kann, selbst wenn er die wohlgemeinte Hilfe der Gesetzgebung genießt. Unter ben „Mittelstandspolititern" gibt es aber Erzdemagogen, die ganz genau wissen, daß sie dem Mittelstand nur blauen Dunst vormachen, um im Trüben zu fischen. Die Mittelstandspolitiker des Zentrums mögen wohlmeinende Leute sein, die der Antisemiteli sind größtenteils wirklich nichts als Demagegen, wenn sic sich auch als „Ritter der Nation" geberden. D'e großen Warenhäuser sind dock keine Gaunergeschäfte, es sind mindestens ebenso ehrlich geführte Geschäfte, wie die, die unter antisemitischer Leitung stehen. 2lbg. Dr. Pachnickc (freif.23er.): Die Angriffe, die hier gegen uns gerichtet sind, sind unberechtigt. Dies geht schon aus der einen Tatsache hervor, daß unser Fraktionsmitglied Alexander Meyer Referent der Kommission war, an die das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verwiesen war. Die Referenten werden aber doch gewöhnlich nur aus Freunden der Vorlage genommen. Herr Raab scheint tod Gesetz überhaupt nicht zu kennen. Abg. Raab (Antis.): Tas Beste an der Rede des Abg. Frohme war das Pathos dieser 9tebe. Als Festredner würde Herr Frohme gewiß großen Erfolg haben. Redner kopiert hierauf unter großer Heiterkeit des Hauses die pathetisch-bombastische Redeweise des Abg. Frohme. Aber Inhalt hatte die Rede nicht. Die Sozialdemokraten wollen dem Mittelstände den Schwanz stückweise ab- hacken, wir bedanken uns für das völlige Entfernen dieses Zier- gegenstandes. (Stürmische, anhaltende Heiterkeit.) Wir wollen den Mittelstand erhalten. Abg. Frohme wendet sich gegen den Abg. Raab, spricht jedoch jetzt so leise, daß er absolut unverständlich bleibt. Hiermit schließt die Diskussion. Der Antrag Patzig, alle drei Resolutionen an eine Kommission zu verweisen, wird zurückgezogen. Die ersten drei Punkte der Resolution Gröber werden mit großer Majorität angenommen, nur die Sozial- demok raten stimmen dagegen, Punkt 4 wird auch angenommen, doch stimmen gegen diesen Punkt auch Konservative und Reichspartei. Die Resolution Rettich wird auch angenommen, während die Resolution Patzig entsprechend dem Anträge Groeber der Regierung als Material überwiesen wird. Es folgt die Beratung einiger Resolutionen betreffend da§ Bergrecht. Tie Abgg. Auer u. Gen. (Soz.) verlangen ein Reichsberg- g e s e tz , das besonders folgende vier Punkte enthalten soll: 1. Einführung einer regelmäßigen Schichtzeit von 8 Stunden, in Betrieben mit einer Temperatur von 28 Gr. Celsius nur sechs Stunden. 2. Obligatorische Teilnahme der Arbeiter in der Ueberwachung der Schutzvorschriften. 3. Verbot der Frauenarbeit in den Bergwerken. 4. Einheitliche Regelung des Änappschaftswesens. Tie Abgg. Stütze! u. Gen. (Ztr.) fordern 1. ein Reichsberg- gcsetz, 2. in der Gewerbeordnung Bestimmungen zu einem umfaßenden Schutze der Bergarbeiter, 3. eine wirksame Bekämpfung der Wurmkrankheit durch sofortige Verhandlungen mit den beteiligten Einzelregierungen. Abg. Spahn (Ztr.) befürwortet einen Antrag, die Resolution Auer dem Reichskanzler als Material zu überweisen, bleibt aber vollkommen unverständlich. Abg Sachse (Soz ) begründet die Resolution Auer, den großen Mißständen im Bergbau könnte nur durch ein Reichsberggesetz ein Ende gemacht werden. Der Antrag des Zentrums, die Resolution Auer als Material zu überweisen, sei sehr zu bebauern^enn lieber» Weisung als Material bedeute nichts anderes als: in ben Papierkorb! Hierauf vertag: sich das Haus auf Sonnabend 1 Uhr. (Erste Lesung des Etats, des Nacktragsetats, des Friedens- präsenz-Gesetzes und des Gesetzes betr. die zweijährige Dienstzeit.) Schluß 6 Uhr. - (5) & 3 ö p 'p1 'cd ‘ rt p er rt rt _ rt rt rt ws xps W) P rt p5 er er P <*» rt p P rt 3 § ,3 ’-*-JpCD CD <$l) " 3 « 3 3 13^0°' P CD rt rt rt p er-er __ rt* «"< L. rt rt rt Ö3 H- ro P "P? CD w- yo 3 S er’"*• er p § 3* £5' rt ^CD O'rt rt cr2*P ° 3.3 r —” rt W rt ® 2sP rt Z. ^JCD w rt •—c - . Hf ijü rt 0 S- p 6-9' 2 2Cp p * ^CD -=^-3.3.-n 2 » er 5" PQP rt p % P p P rt CD _ « V r-f- « rt z*' rt S 2.CD <-* rt JÄ-er ca ' « ß g «S'cr WP Q -»• rt p 2 ° 2 H rj n PT 6-<- crL Co er ti ro rt er o s er D 03 t\D Cs) 3; IO ZX D e D^ S PS S S D s cc>aD*3cn 6?5c rÖ>P . C= E. A Art' 2 üä (W ZA 8 = Prt tl— 05 CO to er to® rt. Ci CZ 4- Oi LO >-» rt rt D rt | O'p 03 “2 § /Crt —• §03« p-S" —- r?> CD -■ Pa <Ä 3- p'^-p er S ry rt 2 o-rt o- p 2. erp p- rt n ö rt rt rt — " P rt P‘ D P* er er P P erp rt rt p<_ ' P P -2; rt rt- er P S P er HL CD 6? rt D 2-3 § p 2 , ra n p-5* L--L -n« P- O O e -p; 61 r-1 tt Mrlamentarisches. Di« parlamentarischen Arbeiten unserer zweiten Kammer. R. B. D a r m stadt, 2. Dez. Die Arbeiten sollen noch vor Beginn des neuen Jahres nach "Möglichleit gefördert werden, damit dann die Monate Januar und Februar noch gründlich für die Etats- 'b e r at u n g ausgenützt iv-erben können. Ter Fi na n z a u S- schutz der 2. Kammer ist zum Dienstag, den 6. Dezember, ein berufen, mm sofort mit der Vorder atun g des neuen EtatSporans chlags zu beginnen. Man ist der Meinung, daß sich bei der peinlich genauen und übersichtlich motivierten Aufstellung der neuen Jahresrechnung sowohl die Prüfung durch den Finanzausschuß, wie die spätere Plenarberatung glatt und flott vollziehen wird. Jedenfalls gedenkt der Ausschuß feine Arbeiten so zu beschleunigen, daß sie bis zum Weihnachtsfest im großen erledigt sind unb mit der Drucklegung des gewöhnlich recht umfangreichen Ausschußberichts begonnen werden kann. Heute nachmittag war in der Kammer auch der Gesetz- aebung saus schuß wieder versammelt, der sich noch eingehend mit dem Gerichtskostengesetz und der Gebührenordnung für Notare zu beschäftigen hatte, über die-, wie berichtet, schon früher im allgemeinen ein Einvernehmen mit den Regierunasvertretem erzielt worden war. Tie zweite Kammer soll, wie Präsident .Haas bereits verkündet, Mitte Dezember noch einmal zusammenberufen werden, um die noch rückständigen Vorlagen möglichst bald zu verabschieden. Sie hat noch ben Gesetzenwurs betreffend die Forstverwaltung, die beiden heute vom Gesetzgebungsausschuß fertiggestellten Vorlagen, deren Erledig ung in beiden Kammern noch bis zum Jahresschluß gewünscht lvird, sowie die schwierige Frage der Reorganisation des Kreisgeometerwesens und eine Reihe Anträge von Mitgliedern des Hauses in Beratung zu nehmen, wozu immerhin noch mehrere Sitzungen erforderlich sein werden. Inzwischen ist auch der Finanzausschuß der ersten Kammer hier zusammen gewesen und hat eine größere Anzahl von Vorlagen zur Beratung im Plenum fertiggestellt, darunter die F o r d e r u n g f ür B a d - N a u - heim. Der Ausschuß empfiehlt die Annahme dieser Vorlage nach den Beschlüssen der Zwecken Kammer, also mit der Streichung von 30 000 Mk. bei der Position von 954000 Mk. für die Zentralmaschinenanlage. Diese Streichung erfolgte bekanntlich in der Absicht, der Großh^ Regierung Gelegenheit zu geben, noch einmal mit der Stadtverwaltung von Nauheim zur Erzielung eines günftigeren Llb- kommens betreffs des Elektrizitätswerkes in Verbindung zu treten. Ta der Regierung viel daran gelegen ist, sowohl die Forderung für Bad-Nauheim, wie auch das Gerichtskostengesetz und die Gebührenordnung für Notare bis zum Jahres- schluß definittv verabschiedet zu sehen, so dürfte dem Vernehmen nach die e r ste Kam m e r n o ch zwi s ch e n W ei h- nachten und Neujahr zur Abhaltung einer Sitzung zusammentreten. An Stoff dafür fehlt es auch sonst nicht. Ter Präsident wird nicht weniger als einige vierzig Be- xatungsgegenstände auf die Tagesordnung setzen können. Berlin, 2. Dez. KanalkomMission. § 9a der Kanalvorlage wurde im Einverständnis mit dem Minister v. Budde dahin ergänzt, das; nicht nur bei der Ausarbeitung der Pläne, sondern auch bei deren Aufstellung und Ausführung die Organe der landwirtschaftlichen Verwaltung nutzuwir»- feit haben. — Ferner wurde von den Konservativen ein Antrag angenommen, nach welchem das Stück von der Weser bis Hannover eventuell als Anschlußkanal zu bezeichnen ist und dann mit 18 gegen 10 Stimmen der ganze Kanal vo m Rhe i n bis H an - n over a n g e n o m m e n. Eine tangere Diskussion knüpfte sich an den Antrag betr. die Mosel, Saar und Lahn. Ter Antrag auf Einstellung der für diese Kanalisation erforderlichen Summen in die Gesetzesvorlage wirb, nachdem Minister v. Budde sich dagegen erklärt hatte, abgelehnt, dagegen eine Resolution zugunsten der Kanalisierung der Mosel, Saar u n d L a h n a n g e n o ni m e n. Darauf wird § 1 des Gesetzes mit 21 gegen 7 Stimmen angenommen. Von den Konservativen stimmten dafür 5 Herren. Das ganze Gesetz wird mit 2 0 ge g e n 7 Stimmen a n g e n v m m e u. Der Abg. Tr. Wiemer enthält fiel) der Abstimmung. Gegen das ganze Gesetz stimmten vier Konservative und drei Frcikonscrvative. Wien, 2. Dez. (Abgeordnetenhaus.) Nalik tritt für vollständige Trennung Oesterreichs von Ungarn ein sowie für bundesstaatlichen Anschluß a n das Deutsche Reich. Er kritisiert aufs schärfste das ganze gegen- tvärtige Regicrungssvstem, welches zu einer Revolution führen müsse. Schuklje erklärt, es wäre Pflicht der Regierung, ulyiie auf einen Eiißpruch von irgend einer Seite zu hören, die kulturellen Forderungen sämtlicher Nationalitäten nach einem bestimmten Plane zu erfüllen. Ta die Regierung dies von einem vorherigen Ausgleich zwischen den Nationalitäten abhängig mache, mache sie sich zu einem Gefangenen. Die Slovenen gönnten den Italienern eine eigene Universität, verlangten aber für sich das gleiche Recht unter Gcltendmacl-ung ihrer historisck>en Ansprüche auf das Adrialitorale. Damit wurden die Berl-andlungen abgebrochen. Tie vom Notstandsausschuß heute erledigten Notstand s a n t r ä g e sowie die Notstandsvorlage der Regierung wurden dem Budgetausschuß zugcwicscn. Wochenbericht der Äuxcrrabteilung des Bankhauses S. H. Oppenheimer jr. Hannover, 1. Dez. Auf dem Markte für Kaliwerte trat in der abgelaufencn Berichtsperiode für eine große Reihe von Werten ausgesprochene Kauflust hervor. Der Grund hierfür dürste jedenfalls in dem Umstande zu suck>en sein, daß die Befürchtungen über die Preisgestaltung für das Ausland mehr und mehr gesckMunden sind und einige jüngere Werke durch ihre letzten guten Aufschlüße ihren Jnteressenkrcis wesentlich vergrößern konnten. Bon schweren Wetten sind zunächst Herchnia bei ca. 23 000 Mk. bmicmb begehn, doch ist Material hierin nur schwer erhältlich. Zu nennen sind ferner Glückauf Sondershausen Hedwigsburg und Wilhelms- hall, in denen bei 200 Mk. bis 300 Mk. höheren Preisen namhafte Umsätze stattsanden, während Neustaßfurt etwas abgcschtvächt und Hohensels ganz ohne Kursverandernng liegen. Tas Hauptinteresse wandte sich 'wiederum den Mittelwerten zu, von denen Beienrode, Earlsfund und Wmtersl)all besonders favorisiert wurden. Hohenzollern erzielten 7425 Mk., Bürbach 9150 Mk., Alexanders hall 6700 Mk., Tesdcmona 5300 Mk. usw. Justus I., Kaiseroda, Großherzog von Sachsen und Johannashall weisen wenig veränderte Notizen aus. Für Hcldrungen zeig! sich letzt- tägig größeres Kaufinteresse, infolgedessen der Kurs um ca. 150 Mark durch größeres Angebot bis -1100 Mk. gedrückt wurde. Tie starke Kauflust für Friedrick)shall Aktien, lvelchc wir bereits in unserem letzten Bericht hervor hoben, hält an. Die Umsätze hierin, sowie in Sigmundshall alten und jungen Aktien gestalteten ich in den letzten Tagen bei starken Schwankungen außerordentlich umfangreich und wurden namentlich letztere bis 192a Mk. bczw. 1225 Ml', in Posten bezahlt. Gute Meinung machte sich ferner bei gebesserten Kursen für Oelerse, Schieferkaute, Albrechtshall und Sachsenhall bemerkbar. HeldburgAktien konnten sich nach einem Kursrückgang bis 53 Proz. wiederunl erholen nnd gehen mit einer Notiz von 54-/2 G., 55^ Br. aus dem Verkehr hervor. Großes Geschäft entwickelte sich in Hermann II. aus die Nachricht von der Einberufung der Gcwcrkcnvcrsammlung, in welcher über den Bau des Schachtes Beschluß gefaßt werden soll. Zu erwähnen bleiben noch Güntershall, Immenrode Benthe- und Bounenberg Aktien, welche zurzeit ttwaS vernachlässigt sind unb Knrsver- ändernngcn nicht aufzuwcifen haben. Auf dem Kohlenkuxenmarkt herrscht seit mehreren Tagen ausgesprochene Gcschäftsslillc, wobei die Kurse mit einigen Ausnahmen leichte Rückgänge erleiden. Hoher bewertet wurden nur Blankenburg, Gottessegen, Tah.hauscr Tiefbau, Johann Teimels- berg und Borussia. Bon leichten Werten lagen Altcndorf, Schürbank und Ehattottenburg und Trcmonia etwas schwächer, wohingegen Caroline bei Holzwickede bei 1875 Mk. Geld in gnter Nachfrage standen. Für sclMere und mittlere Papiere bestehl nur geringe Kauflust. Eine Ausnahme machen Torstfeld und Hercules, für die vereinzelt bessere Gebote abgegeben werden. Hervorzuheben sind noch Friedlicher Nachbar-Aktien, in denen große llmsätze stattfanden, wobei der Kurs bis 208 Prozent an- ztehen konnte. Gerichts jaal. (Sine Prü gclszene zwischen z w e i A e r z t e n erregte am Abend des 6. Juli in einer Rettungswache in Berlin Aufsehen. Ter Arzt Dr. Magnus 9?. hatte an jenem Abend den Tienst in der Wache, als der Arzt Tr. S. etlvas ungestüm ciiv trat und seinen Kollegen mit beleidigenden Ausdrücken, wie „Lump", „Idiot" „Sie stehen ja mit einem Kurpfuscher in Verbindung" usw. traktierte. Als Dr. N. sich diese Komplimente verbat, wurde Dr. S. immer aufgeregter, ergriff einen Stuhl, um damit feinen Kollegen zu schlagen, und als ihm dies mißlang, gab er ihm mit der Hand zwei Schläge ins G e si ch t. Er stürmte dann lvieder aus dem Wachlokale heraus und rief dem dort beschäftigten Beamten zu: „Sie haben gesehen, daß ich den Dr. N. geohrfeigt habe!" Bei dem Handgemenge ließ sich Tr. N. gleichfalls zu beleidigenden Worten hin reißen, er soll auch seinen Gegner mit dem Fuße gestoßen haben. Tie turbulente Szene hatte eine Anzahl von Personen in die Rettungswache gelockt, die fast energisch hinausgewiesen luerben mußten. Tie Erklärung für den Exzeß liegt in dem Umstande, daß Tr. S., der auf eine Wohnung in einem Neubau spekulierte, der falschen Ansicht war, daß ihn Dr. N. ausgemietet habe. Er glaubte auch annehmen zu sollen, daß seine Wirtschafterin, die tu Unfrieden von ihm geschieden war, sich von Tr. N. ein Attest habe ausschreiben lassen. Darob war e's bei gelegentlichen Begegnungen der beiden Kollegen mehrmals zu unliebsamen Acußerungen gekommen, bis dann der Krach in der Rettungswache erfolgte. Die Folge dieses Jnteremezzos war, daß die beiden Aerzte am Tonnerstag im Anklageraum des Berliner Sckwfstngcrichts Platz nehmen mußten, um sich wegen gegenseitiger Beleidigung und Körperverletzung zu verantworten. Ter Staatsanwalt beantragte je 150 Mk. Geldstrafe. Tie peinliche Affäre wurde durch das Bemühen der beiderseitigen Rechtsanwälte in lunstvoller Weise aus der Welt geschafft.. Zunächst wurden die Strafanträge wegen der Beleidigungen auf beiden Seiten zurück- genommen und dann schloß sich der Gerichtshof der Ansicht der Verteidiger an, daß die Tätlichkeiten auch als tätlich: „Beleidigungen" gelten und gegenseitig auf gewogen werden konnten