1 ■*w; Nr. 38» Zweites Blatt. Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Giehener §amll!enb!atter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der „Hesflfche Landwirt" erscheint monatlich einmal. Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schulstr.7. Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gieße«. Montag 3. Oktober 1904 Rotationsdruck und Verlag der BrÜhl'schen Universttätsdruckerei. R. Lange. Gießen. Eemral-Anzeiger, Amts- und Anzeigebiütt für den Kreis Gießen. ^*»u^**Hn »i■ .mivjw/jiimaminBwwaiM.ul "iTTn.-BiMwrrBiuwrnwecMrjefiwxBwiJujiiw—im t—rrr Doüäsche Wochenschau. Ml den vorher von keiner Seite angekündkgten Besuch, den der italienische Ministerpräsident Giotitti dem Reichskanzler Grafen Bülow in Ho.bürg v. d. H. ab- gestattet hat, sind die willkürlichsten Kombinationen ge- ,Inüpft worden. Leute, die für .gewöhnlich meinen, das Gras wachsen zu hören, waren denn auch sofort in der Lage, versichern zu können,. daß der Besuch keinen anderen Zweck habe, als eine iVerständigung Italiens mit Deutschland über eine zukünftige Intervention int russisch-ja-s panischen Kriege herbeizuführen. Daß davon keine 'Rede sein kann, geht schon daraus hervor, daß bis jetzt ,keine der beiden kriegführenden Mächte die Dienste einer, Großmacht zu Vermtrtelungszwecken in Anspruch genom- mell hat und vorläufig auch keine Aussicht ist, daß ein solches Ansinnen in absehbarer Zeit erfolgen könne. Hierzu kommt noch daß Graf Bülow in eigener Person einem Interviewer gegenüber erklärt hat, daß der ".Besuch rein üwwlitischer Natur gewesen sei. Eine Korrespondenz aus Wien wußte endlich noch zu berichten, daß die Zusammenkunft beider Staatsmänner nur aus einem Alt der Höflichkeit beruht habender den erst kürzlich erfolgten, wohl etwas zu enthusiastisch ausgefallenen Begeisterungskundgebungen der italienischen ^Bevölkerung für Frankreich ein Paroli bieten solle. Diese Version klingt allerdings etwas' weih hergeholt, denn bis jetzt hat sichln Deutschland noch nrern and über diese italienischen Gefühlsausjdrüeke beunruhigt gefühlt. Auffällig bleibt bei der Visite Giolittis nur, daß dieser zuvor eine Audienz bei König Viktor Emanuel ii- Raceonigi hatte und nach der Mresie von Homburg alsbald auch dorthin zurückgekehrt ist, Jedenfalls hat die Konferenz der beiden Ministerpräsidenten gezeigt, daß die Vermutungen über eine Lockerung des Dreibundes, die in einem Teil der ausländischen Presse ausgestellt worden waren, vollkommen hinfällig sindi Zwei Ernennungen, die in der vergangenen Woche in den L»deren Regionen der Berliner Beamtenhierarchie vollzogen wurden, haben Aufsehen erregt, schon der Mut- maßungen wegen, die an sie geknüpft wurden. Der bisherige Chef der Reichskanzlei, Geheimrat v. C o n r a d wurde Unter- .staatssekretär im preuß. LandlvirtschaftSministerium und zu seinem Nachfolger ist laut „Reichsanzeigeich vom letzten Samsrag unter.Verleihung des Charakters als Wirkt. Geh. Oberregierungsrat der frühere konservative Reichjstagsabg. v. Loebell ernannt worden. Beide Herren sind als stramme Konservative und Agrarier bekannt, der Reichskanzler hat imlso durch diesen Aemterwechisel von neuem bekundet, daß er mit den konservativen, trotz ihrer nicht regierungsfreundlichen Haltung in Sachen der Handelsverträge und der Kanalvorlage, gut Freund bleiben will. Ms, einen weiteren Beweis für das Entgegenkommen der Berliner Negierung gegenüber den rechtsstehenden Parteien ist ferner die jetzt amtlich erfolgt Verkündigung des preuß. Fleisch-Ausführun gsgesetzes anznsehen. Tie Vorstellungen, die die Oberbürgernreister der Städte mit Schlachjthofanlagen noch in letzter Stunde gegen die Jnkraft- tvetung dieses Gelegenheitsgesetzes erhoben hatten, sind zu den Akten gelegt worden. Dem Fleisch ist die Freizügigkeit gesichert worden, die die konservative Partei dem lebendigen Menschen zu beschränken bemüht ist. Während der Han de lsver trag sver Handlungen mit Rußland tauchten Gerüchte auf, daß sich die Verhandlungen zerschlagen hätten uno daß der Vertrag aus Grund des neuen Tarifs nicht zu shande koistmen werde. Aehnliche Gerüchte wiederholten sich vor kurzem hinsichtlich der d e u t s ch - s ch w e i z e r i s ch e n Verhau d-i langen. Wie aber regierungsseitig versichert wurde, entbehren die Befürchtungen dep Begründung. .Vielmehr schritten die Verhandlungen in ebenso befriedigender Weise fort, wie die um den Hanoelsvertrag mit 9t.ii mänien. In Homburg haben ja auch zwischen dem Grafen Bülow und dem rumänischen Ministerpräsidenten Sturdza wiederholt Besprechungen stattgefunden, aus denen auf einen günstigen Abschluß geschlossen werden kann. Durch die Annahme der Novelle zum Ansiedelung sgesetz ist der Kampf gegen die großpolnischen Bestrebmrgen in ein neues Stadium getreten. Mcht mehr wie früher können die polnischen Parzellierungs- und Ansied-j lungsbanken, die bekanntermaßen die systematische Seßhaft- machung polnischer Elemente auch in bisher rein deutschen Gebieten in die Hand genommen haben, beliebig viele polnische Anwesen und Dörfer sch«assen, sondern für jeden einzelnen Fall der Kolonisation ist die Bescheinigung des Regiermrgspräsidenten einzuholen, in der bestätigt wird, daß die beabsichtigte Ansiedlung nicht dem Zweck desAnsiedlungs- gesetzes und den Zielen der Anjiedelungskommifsron widerspricht. Dem Thronwechsel im Zwergstaate Lippe-Det- mold, der mehr die Genealogen und Heraldiker angeht. kommt insofern eine politische Bedeutung zu, als es sich hier um dynastische Zwistigkeiten.handelt, die mehr als einmal aus das persönliche (Gebiet herübergespielt worden sind. Vorläufig hat sowohl die preußische wie die schaumburgische Regierung Protest beim Bundesrat eingelegt, auf dessen Entscheidung zunächst alles ankommt. Ein Abschluß Me[et, seit Jahren wie eine Seeschlange durch die Blätter winderp. den ^weltbewegenden" Angelegenheit ist noch nicht abzu- sehen, sodaß dieser Sturm im Glase Wasser also noch ge-. raume Zeit fortbrausen kann. Vom Kriegsschauplätze in Ostasien sind in denj letzten Tagen wichtige Nachrichten nicht eingetroffen. Da die von den Russen in der Gegend von Mukden, wo! übrigens Teuerungspreise herrschen und die Bevölkerung sehr leiden soll, erwartete Ossensive der Japaner bisher ausgeblieben ist, macht sich in der Beurteilung der Stärke der Japaner unter den Russen ein Umschwung geltend. Man schützt jetzt die Streitmachit, die dem Marschall Oyamai zur Verfügung steht, auf nicht mehr als 150 000 Mann mit 650 Geschützen, und die russische Heeresleitung wird hieraus; ihre Konsequenzen ziehen. Die Japaner befestigen Bania- pusa am Oberlauf des Schaho-Talin-Haß. Gegenüber dem russischen rechten Flüg'l überschritt eine japanische Kü- vallerie-Brigade und i\;i Infanterie-Regiment beiTschang-- tan den Huuho. Trotz der Zurückhaltung, die die Japaner bisher zeigten, wird wohl doch bald wieder eine große Schlachst geliefert werden, da es u. a. neuerdings heißt, daß die Ernte dort zum großen Teil durch die Vorbereitungen für einen neuen Kamps vernichtet wurde." Aus dem, Hauptquartier der 1. japanischen Armee wird telegraphiert^ die Russen seien von der fortgesetzten Untätigkeit des japanischen Heeres überrascht. Die Japaner seien ihrer Ueber- legenhert sicher. Die Ankunft uusjischer Verstärkungen beunruhige sie nicht, wie man vom General ^osacharow selber erfährt, da die Japaner auch von Süden her große Verstärkungen erhielteir, Die die russische Küvallerie zum Rückzüge vom Hunho-Flusfe nötigte. Uebrigens finden dort fortwäh-^ rend kleine Plänkeleien statt. _ < Vor PortArthur dauern die Kämpfe mit der gleichen bisher geführten Erbitteriurg fort, aber trotz der gewaltigen Anstrengungen der Japaner ist es ihnen nicht gelungen, einen entscheidenden Erfolg zu erringen. Der letzte allgemeine Stürm ist wieder zurückgeschlagen worden. Die japanischen Offiziere geben zu, daß General Stössel eine großartige ^Verteidigung führt. Auroritoüiv wird jetzt ange- <5o <50 O 3 CO o c 'S c 3 E 3 CO o 3 Cf 03 3 & vn £' crco 3 er 3 o 3 CO 3 uo er CO 2" Zy) Seos o o - c 3 — o -32 ö 3 — CO CO ° rö --Z o ■CSt V s 5 O c ' e^cS S ?cr3 co o er « 5 «8 5 <50 «0 s cp o ra cn- g^to o en P ■ 3 o es rt> CM (?) 5 54 ^ re 2-CO 3^ H- CO " 3-.3 ö O -i. *5 <5o co er os h ß (v n o$ ro n' -• h n o *" ® § SS «M D- c4 r» H c/ -9s -»■ re « o<>' <50 (5) Q O 3 ö c <3- 3 O CO 3 -3 ä o er CT1 2. « <50 o O Z 3 3 Coa 3 "TT; Ö3 © o' 3 3 5 Öß X <58 -t M 5 cp Bi rr <»■§• § & ST iw 2-co <55- <«’ 2 co tJ* «5 o 3 *1 ä w er o <5r <56 2 er 3 H-1 <56 O 6) er CO ♦ 3P <3-3 3 0.0 er 3 er o 3 ' 3 & @5 er 3 o 2 =5 o ♦ • 2 C § e S p • ♦ II s - S II . . 2 ° E WHN 3 ” t O <3 Ü» CO — » y 2, o 2. 3 d_ o ü>re S ö- gr (yjS (y)2 --___ o- *♦ oo 2 0^*0 . « 2 * 2 0=3 <50 <50 3 . O - er o er ro Ö <50 O 3 T3*__V 3 ä' er O 8 8 T3S‘ O ro r~*. >>2 q.- sx o O <50 f p er 3:<3« 2 ' <50»5T fv co o " <5o er o o »'o* ffÄZ' r 3g K ot> cr o kJ U- f-« <-5 0 3^ co cr^ K3 3 er 2 co -tr TO_. sä» 'M K f 2 •l'3T O US« Q- Q5 W'CO C —er n E CO PO egg’“ O cp ri SP) ro rö üv & £ p <50 - CO h ra • • SHggrt-r- o P S)-S- O g P* §. en Ucbcreinlommcn für unannehmbar erklärt. Umgekehrt erklären die östrei.loschen Landbündler den Abschluß einer ViehseuäZenkonvemion als unbedingte Voraussetzung für einen Handels vertrag. Ueber diese Frage hat sich ein Streit entsponnen zwischen Herrn E d in u n b klapper, dem Herausgeber der „Deutschen Agrarrorrespond.nz" und Herrn Alfred Stmi 11 dx Reichsritter v. HohenbIum, dem Führer der östreichisd>en „Zentralstelle zur Wahrung der land- und forstwirtschaftlichen Imeressen beim Abschluß von Handelsverträgen". Der Streit geht, obioohl in den höfliä-sten Formen unter Brr sicherung gegenseitiger Hochacluung, mit sachlicher Säx'rrfe vor sich. So schreibt Herr v. Hcl-cnblum in 9h:. 63 der „Wiener land- wirtsch. Ztg.": „Ich wiederhole daher, daß ich es nach reiflichem Studium aller Verhältnisse geradezu für eine Utopie halte, wenn man ine Behauptung auf stellt, daß der dcuvsd-e Bedarf an Rindfleisch durch die inländische Produktion nicht nur in ab* sehbarer Zeit, sondern überhaupt jemals gedcclt werden könnte." Und das, trotzdem infolge der D e p r e s s i o n derGclre idc- preise „unzählige Wirtschaften des deutschen Reiches sich geradezu gewaltsam mit Aufopferung großer finanzieller Mittel auf die ViehzuäÄ geioorfen haben, um dadurch den Fortbestand des Wirtschaftsbetriebes überhaupt zu ermöglichen. Daß es bejfenungeadxct der deutschen Landivirtsd-aft mir gelungen ist, den Rindviehbcstand feil 1892 vis 189/ von 17,5.) aus 18,49 1DItUioncn Stück und b;_- zum Fohre 1900 auf 18,93 Millionen Stück zu erhöhen, i .r ein ttarer Beweiss, daß der deutschen Rindviehzucht Grenzen gezogen sind, iveldyc olme wirtsdMftlich nidit zulässige Ueberanstrengung ihrer Leistungsfähigkeit nicht überschritten werden können. Unsere Ünndvieliausfuhr überstieg unsere Einfuhr im Jahre 1903 um das Dreifache, und unsere Viehseuchenkonvention mit Serbien wird bei uns ausschließlich aus veterinären Gründen bekämpft, da es eine notorische Tatsache ist, daß sowoA die Maul- und K l a u e n s e u ch e als die Schweinepest bei uns unzählligemale durch serbisdu'ö Vieh eingeschleppt wurde, ohne daß es gelungen ist, die ?Ü'sperrung unserer Grenze bei unserer Regierung durchzusetzen. Eine nitjcrn Viehstand entwertende PreisdePression durch die Vieheinfuhr aus dem Auslände haben wir aber in solange nicht zu fürchten, als uns der deutsche Markt offensteht. Den dent-lchm Agrariern ist es bei unserer Nindviehaus- ful)r dahin nicht geglüdt, eine Seucheneinschleppung durch Rindvieh vstreichisch-ungarischer Provenienz mit jener zwingenden Gewalt der beutfcfpen Regierung gegenüber konstatieren zu können, welche im Sinne der Konvention zur Schließung der Grenze geführt hätte, obwohl vorauszusetzen ist, daß unsere deutfeden Berufsgenossen mit denselben an die Tätigkeit der Detektivs erinnernb-eit Maßnahmen, ipeldx1 sie bei unserer Schweineaussuhr zugestandenermaßen so wirkungsvoll angewendet haben, aud- bei unserer Rindviehausftihr nidjt gespart haben dürften." Wir östreichischen Agrarier fänden, wenn es uns gelingen sollte, unser Ideal, die wirtschaftliche Trennung von Ungarn, verwirklicht zu setzen, niemals den Mut, uns so prohibi- tiv gegen die n n g a r i)' d) c Vieheinfuhr schützen zu wollen, wie es die deutschen Agrarier uns gegenüber beabsichtigen, da wir befürchten müßten, durch eine solche extreme Forderung die agrarische Bewegung in ihren Grundfesten zu er- fd)üttem, indem die gesamte fteischkonsumierende Bevölkerung OesterreichG gegen uns Stellung nehmen würde. Wir rufen daher aus voller Ueberzeugung auch unseren deutschen Berufsgenossen die Warnung zu: Allzu scharf macht schartig!" Um das Zusammengehörigkeitsgefühl zwisd-en dem länb* lichen und ftäötifdjcn Mittelstände in der Reichshauptstadt zu wecken, entfaltet der Bund der Landwirte in Berlin eilte u m f a s f e n de A g i t a t i o n. Für den 25. Oktober und 29. November sind große Berliner Versammlungen anberaumt, in denen Dr Diedrich Hal/n^ Direktor des Bundes der Land- mirte, RciclMagsabg. Wols-Stnttgart, Reichstagsabg. Gras zu Reventlon>-Wulfsl>agen und luittergutsbesitzer v. Bvdelsd-wingh- Sd>ivarzenhasel fpred>en werden.^ Ter R e i d>s ka n z l e r I/it einem Vertreter der „Franks. Ztg." in einem Interview verraten, daß die Handels-Verträge „im wesentlichen l a n dw i r t s cha f t s f r e u n d- l i ch" sein würden. „Im ganzen landwirlschaftssreundlich?" fragt mißvergnügt die „Tische. Tagesztg.". „Tabci läßt sich viel denken." Allerdings! Volitische Tagesschau. Harcourt ch. Sir William Harcourt ist am SainStag in London im Alter von 77 Jahren plötzlich gestorben. Mit ihm ist ein bedeutender englischer Rechtßgelehrter und bekannter Parlamentarier au8 dem Leben geschieden, der als unbedingter Anhänger Gladstones in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine wichtige Nolle spielte. Er war 1827 geboren, wurde 1854 Rechtsanwalt in London und 1868 Professor des Völkerrechts m Cambridge. Im gleichen Jahre trat er in das politische Leben ein, als die Stadt Oxford ihn ins' Unterhaus wählte, wo er sich der liberalen Partei anschloß. 1873 übernahm er m Gladstones Negierung das Amt eines Solicitor-General, das er aber beim Sturze des liberalen Kabinets im Februar 1874 wieder verlor. 1880 wurde er in Gladstones zweitem Ministerium Minister des Innern, unterlag dann zwar der nötig gewordenen Neuwahl zum Parlament in Oxford, wurde aber für Derby wieder gewählt. 1885 trat er mit Gladstone zurück, gehörte aber vom Februar bis Juli 1886 dem dritten Kabinet des Premiers als Schatzkanzler an, da er dessen irische Pläne völlig billigte. Dasselbe Amt bekleidete er auch im vierten Ministerium Gladstones im August 1892. Bis zum Sommer dieses Jahres gehörte er dem Parlamente an, m dem er als hervorragendster und einflußreichster Führer der liberalen Partei großen Einfluß ausübte, den er sich durch seine rednerische Begabung, feine Verstandesschärfe und die Selbständigkeit feiner Ansichten zu erwerben und zu befestigen gewußt hatte. 1898 legte er die Führerschaft der liberalen Partei nieder, weil er ihre imperialistischen Neigungen nicht zu teilen vermochte. Literarisch ist er als eifriger Afttarbeiter der »Saturday Neview^ und als Verfasfer der mit der Unterschrift ^Historicus" in ber „SimeS" erschienenen politischen Briefe hervorgetreten. Zur Futternot in der Landwirtschaft. Eine seltsame Veröffentlichung kommt von der Land- wirtschastskammer für den Regierungsbezirk Kassel. Im dlnsang dieser Veröffentlichung wird erklärt, die durch die Ausfuhrverbote einzelner Staaten hervorgerufene Panik derLandwirte wegen Verteuerung berFuttermittel fei nur zum geringsten Teil berechtigt. Die Heuernte fei gut gewesen, und die vorzügliche Beschaffenheit des in trockenem Zustand eingeernteten Strohes sei ein Ersatz für geringere Futtermittel. Des weiteren wird daraus verwiesen, sich selbst durch Verfütterung von Bohnen und Roggen aus der eigenen Wirtschaft zu helfen. Sehr richtig, wird jeder dazu sagen. Dann heißt es weiter: „Selbst wenn es durchaus nötig fein sollte, eine B e s d) r ä n - fang in der Viehhaltung eintreten zu lassen, so würde dies immer noch richtiger sein, als der Ankauf der teueren Futtermittel." Gerade die Viehhaltung verschafft den meisten Bauern bekanntlich die Haupteinnahmen. Und hier gibt eine offizielle landwirtschaftliche Vertretung den Bauern den Rat, ihre Einnahmequellen zum Teil zu verstopfen! Am Eingang der Veröffentlichung wird von der Landwirtschaftskammer der Panik wegen der Futtermittel die Berechtigung abgesprochen, und dann wird über die teueren Futtermittel wie Baumwollsaatmehl, Raps- und Leinkuchen und namentlich Mais ebenso geklagt, wie über die immer teuerer werdenden Düngemittel. Muß sich die Landwirtschaft das gefallen lassen? fragt die Landwirtschaftskammer, und empfiehlt dann, den Gebrauch der genannten Futtermittel ßiih ftlW 11 Kill ' tt ic,K ttW er on'' das nt allein holtt" tfiii öfl in i 11c: tnergi!" eine fo M die *an blidt^ als g" der gar Höhe : Pcotetz dreifach Ä spiel, r auöein Sy" schuß eingc die S den: Deut (Die Pfau einig' jamn heim Lrgc des eoan aus same beul) Trun Mair Man ersten Der, über Einic ein r kann. auj b\ ood u im hei NA W grunl ■leilm 8 19 03 M art e N ar> (9 X vo CD -O -4* o o -t- © C5 o ■C Ä o s o 2 x> c -er « A K CD tC - ‘Zs = 'ti 2 C o (9 S- CD _ c " c E s .L- r-» o [A W CD D — Q <3 19 cs 3 - —' o a e o o Ci VD , feit VtJ1 & >°, lu^r, i 'Mitein, Be an bei das W oaß ht N ^cbotoe üchcs ü Wr Ker ^le in b ’S • Q o CD ’S ‘5S O CD o g’g- in Auf Parti Streu gleich legen! fern. der C diesen und erziele . O ei £ £ v VD CD C = L >6* :C £ o "c £ — >bD (9 B B o . a 00 Ä 1? gii E o L o 2 5^ C = = 73 ort cd aufs äußerste einzuschränken. Das kommt natürlich auf dasselbe wie der Rat zur Einschränkung der Viehhaltung hinaus. Will der viehzüchtende Bauer sein Vieh mästen, so braucht er jene Futtermittel; andernfalls muß er seinen Viehstand reduzieren. Oder verlangt die Landwirtschaftskammer, daß er anstatt der angeführten Futtermittel vom großen Besitzer das noch teuerere Körnersutter kaufen soll? Dabei könnte allerdings die Rentabilität der Viehzucht in die Brüche gehen. Selbstverständlich soll sich die Landwirtschaft die hohen Futtermittelpreise nicht gefallen lassen. Am vernünftigsten aber tut sie das doch, wenn sie, was wahrlich recht nahe liegt,^für Abschaffung der Futter - inittelzölle, die die Futtermittel so erheblich verteuern, energisch eintritt, statt die von Kassel aus empfohlene Dr. Eisenbart-Kur zu befolgen. Wäre die Landwirtschastskammer zu Kassel in erster Linie eine Vertretung des mittleren und kleineren Bauernstandes, so wäre sie nie auf den Gedanken gekommen, das Heil für die Landwirtschaft in der Minderung'dos Viehstandes zu erblicken. Dann wäre ihr jeder Ausweg gangbarer erschienen als gerade dieser. So aber dominieren in ihr die Interessen der ganz großen Besitzer. Darum stellt sie zwar die unsinnige Höhe der Maispreise fest. Aber sie findet kein Wort des Protestes dagegen, daß Der neue Zolltarif den Maiszoll verdreifacht! Wieder einmal zeigt sich an einem charakteristischen Beispiel, wie die Interessen der Bauern und der großen Besitzer auseinanderklafsen. Kirche und Schule. Zu einer Tagung aller deutsch-evangelischen Synodalen wird jetzt von dem „Frankfurter Arbeitsausschuß" in aller Form zum 31. Oktober d. I. nach Worms eingeladen. In der geschlossenen Synodalenverhandlung soll die Besprechung durch folgende drei Referate eingeleitet werden : 1. Die gegenwärtige Lage der evangelischen Kirche Deutschlands, namentlich im Hinblick auf das öffentliche Leben (Die öffentliche Mission der evangelischen Kirche); Referent: Pfarrer August Cordes aus Hamburg. 2. Die freie Vereinigung von Synodalen und der verfassungsmäßige Zusammenschluß der Landeskirchen; Referent: Prof. v. Kirchenheim aus Heidelberg. 3. Die Rückwirkungen einer solchen Organisation aus das evangelische Bewußtsein, die Hebung des synodalen Lebens und die Belebung und Vertiefung evangelischer Gemeindearbeit; Referent: Pfarrer Th. Wahl aus Langen. Für die Volksversammlung lautet das gemeinsame Thema: Die Botschaft der evangelischen Kirche an das deutsche Volk. Als Redner werden genannt: Superintendent Trümpelmann aus Magdeburg, Justizrat Dr. Lucius aus Mainz und Pfarrer Julius Werner aus Frankfurt a. M. — Man ist auf den Verlauf und das praktische Ergebnis dieses ersten „Deutschen Synodaltages" in weiten Kreisen gespannt. Der Zweck der Tagung ist, wie es in der Einladung heißt, über die Mittel zu beraten, wie dem begonnenen kirchlichen Einigungswerk, in dem „Deusch-evangelischen Kirchenausschuß", ein volkstümlicher und wirksamer Unterbau geschaffen werden kann. Dadurch soll die Möglichkeit geschaffen werden, auch auf das öffentliche Leben im protestantischen Sinne so planvoll und kraftvoll ernzuwirken, wie es der evangelischen Kirche im Heimatlande der Reformation gebührt. Ueber die hierfür , einzuschlagenden Wege soll in Worms beraten werden. Zur Teilnahme eingeladen sind alle derzeitigen Synodalen, die grundsätzlich mit dem Vorgehen einverstanden sind! Wer Ueilnehmen will, wird gebeten, sich sofort beim Arbeitsausschuß in Frankfurt a. M. — Musikantenweg 46 — zu melden. Auf eine bestimmte theologische Richtung oder kirchenpolitische Partei stützt sich der Wormser Synodaltag nicht. Theologische Streitfragen bleiben von der Debatte ausgeschlossen; desgleichen liegt die Absicht, in Bekenntnis- und Kultusangelegenheiten der einzelnen Landeskirchen einzugreifen, durchaus fern. Man will nur die Synodalen, als Vertrauensmänner der Gemeinde, zunächst in freier Weise einigen, um durch diesen Zusammenschluß einen größeren öffentlichen Einfluß und eine größere Einheit der evangelischen Landeskirche zu erzielen.________________________________________________________________ Iic Kychrchungsaffär« auf dem Gießener Aayn- Hof vor dem Schmurgericht. (Schluß.) (th.) Gießen, 2. Okt. Bei dem außergewöhnlichen Interesse, welches das Publikum an dem Falle Kehvein genommen hat, wollen wir heute das Wesentliche aus den Plaidoyers des Staatsanwalts und der Ver- teidigung noch nachtvagen. Staats anwalt Reuß nahm am Freitag um 3/47 Uhr das Wort zur Begründung der Anklage. Er wies darauf hin, daß in der gegenwärtigen Tagung des Schwurgerichts drei Fälle vorlagen, bei denen die Anklagebehörde für ein vernichtetes Menschenleben Sühne forderte. Bon diesen drei Fällen sei , der Fall Kehrein der schwerste. Ein erst 26 jähriger junger Arbeiter, -der Frau und SEtnb hat, ist durch die mörderische Kugel aus Dem Revdlver des Angeklagten getötet worden, und damit ein schreck- 'liches Unglück über eine Familie hereingebrochen. Froh und -guter Tinge wollten die drei Leute aus Köln, welche während der Verhandlung als die drei Monteure bezeichnet wurden, in der Frühe des 14. August nach sechswöchiger Abwesenheit von der Heimat zurückkehren zu Frau und Kindern. Sechs Wochen hatten sie in Gießen gearbeitet; sie hatten nach dem Zeugnis aller jener Leute, die mit ihnen zu tun hatten, während dieser Zeit anständig und friedlich sich betragen, so daß keine Klage über sie geführt wurde. Richtig ist, so führte der Ankläger aus, daß das Vorleben des Angeklagten tadellos sich erwiesen hat; aber drese Tatsache kann nickst allzuhoch veranschlagt werden. Tie Tatsache, daß der Getötete vorbestraft war, rann die Tat des An- getlagten nickst entschuldigen; dessen Vergehen waren auch nur minimaler Natur. Fest steht durch die Beweisaufnahme, daß der Monteur Lullst ein friedfertiger Mensch, ein ordentlicher, sorgsamer Familienvater, ein braver und tüchtiger Arbeiter in seinem Geschäft und vor allen Tingen kein Wirtshausbesucher war. Staatsanwalt Reuß geißelt, daß der Angeklagte in der Verhandlung die Aussagen der Belastungszeugen, welche überaus korrekt waren, zwar nicht direkt aber indirekt, als falsche Be- tündungen hingestellt hat. Man müsse dock- zugeben, daß die ganze Art, wie der Angeklagte die Sache darstellt, und seine Tal als Notwehr zu stempeln versucht, ganz unwahrscheinlich ist. Es sei, so erklärt der Staatsanwalt, erfunden, wenn Kehrein behaupte, die drei Monteure hätten ihn schon. im Wartesaal mit herausfordernden Blicken gemessen. Nicht die Monteure mären co, w. lche sich am Bahnhof herausfordernd benommen haben, soud.ru der freund des Angeklagten, der Reisende Uhlig, war es, iiA । . l im Warce'saal laut ivurde, und mit dem Stock auf bei: Tisch schlug, weit es mit dem bestellten Kaffee nicht schnell genug nuin. Staatsanwalt Reuß schildert daraus den Geschworenen, luie > nch di' Tat Kehreins nach der übereinstimmenden Aussage der! zahlreichen Belastungszeugen zugetragen und erklärt mit erhobener Stimme, daß nach seiner Ansicht der Angeklagte aus reiner Rauflust gehandelt hat. Ohne Grund, ohne Veranlassung und ohne Not hat K. seine gefährliche Mordwaffe gezogen, um einen Nebenmenschen niederzuknallcn. Angreifer waren nicht die Monteure, sondern Kehrein. Unbehelligt, wie alle Zeugen übereinstimmend angebcn, stand der Angeklagte da; die drei Leute aus Köllr dachten gar nicht daran, auf ihn einzudringen, sie waren im. Begriff, in das Bahnhofsgebäude einzutreten, um ihr dort liegendes Gepäck zu nehmen und zum Zuge zu eilen, der sie in die öeimat bringen sollte. Tie Situation so hinzustellen, als ob für den Angeklagten Notwehr vorgelegen habe, gehe nicht an. Notwehr mittels einer so schweren Waffe war nicht geboten, selbst wenn die drei Mcnsck-en, welche zum Angriff weiter nichts als ihre Fäuste hatten, auch wirklich gegen Kehrein eingedrungen wären, wie K. glauben machen will. Es hätte nur eines .Hilferufes bedurft, und der Angeklagte hätte Hilfe bekommen, falls wirklich auf ihn ein Angriff erfolgt wäre. Ter Staatsanwalt wirst die Frage auf, wohin es führen sollte, wenn bei einer solchen Lappalie, wegen einer unbedeutenden Rauferei, zum Revolver gegriffen würde. Er verweist darauf, daß in unserer Stadt doch die Sicherheitsverhältnisse derart 'eien, daß niemand nötig habe, mit einem geladenen Revolver in der Tasche auszugehen, wie es Kehrein getan habe. Ter Vertreter der Anklage weift auch den Einwa-no zurück, daß der Angeklagte von der Wasfe Gebrauch gemacht haben tonnte in Furcht und Schrecken; daran sei gar nicht zu denken, dem: es sei erwiesen, daß die Tat kält und berechnend begangen^ wurde. Ter Angeklagte wußte und mußte wissen, daß ein Schuß mit einer derartigen Waffe einen Menschen töten würde. Wie ruhig der Mann bei der Tat war, geht daraus hervor, daß angesichts der Leiche, des von ihm getöteten Menschen Kehrein erllärte, er würde im gleichen Moment wieder so handeln. Diese .Handlungsweise sei ein Beweis einer beispiellosen Gefühlsroheit,und erkläre, mit wem man es im vorliegenden Falle zu tun hat. Nicht eine Körperverledung mit tödlichem Erfolg, sondern ein Totschlag, wie er besser nicht als Lehrfall zu denken sei, ein Totschlag, wie er im Buche stehe, liege vor. Unsägliches Leid habe der Angeklagte über eine glückliche Familie gebracht; er habe einer Frau, die leidend sei, den Mann und einem unversorgten Kinder den Vater genommen. Ohne Reue nach der Tat, hat Kehrein frech sich bereit erklärt^ die gleiche Tat zu wiederholen. Zur Frage, ob nach Lage der Sache deni Angeklagten von den Geschworenen mildernde Umstände zu bewilligen seien, vertveist der Staatsanwalt darauf, baß die Strafkammer Messerhelden, welche Mitmenschen nur verletzten, nicht selten mit zwei Jahren Gefängnis bestraft habe. Im vorliegenden Fall sei aber das Leben eines Menschen vernichtet worden. Trotz der Scheußlich- keit der Tat, trotz der schweren Folgen, die sie gehabt hat, beantragt der Ankläger, dem Angeklagte: mildernde Umstände nicht zu versagen. Dafür seien Gründe gegeben im guten Leumund, in der Unbestraftheit des Angeklagten, in der ungesuchten Gelegenheit. Auch sei wohl anzunehmen, daß der Alkohol seinen bösen Einfluß ausgeübt habe. R e ch t s a n w a l t Katz ist mit dem Staatsanwalt einig, daß das Unglück, welches die Tat seines Klienten über die Familie des Gelöteten gebracht hat, zu bedauern sei, und daß man mit der Witwe des Mannes das wärmste Mitleid haben müsse. Aber, so fährt der Verteidiger fort, ist es denn des Unglücks nicht genug, muß man nun auch noch eine zweite Familie unglücklich machen? Tenn dies würde unzweifelhaft geschehen, wem: der Angeklagte verurteilt und damit seiner Existenz beraubt würde für eine Tat, die nach dem Gesetz als in Notwehr begangen, zu betrachten sei. Ter Verteidiger geht dann auF die Aussagen der Belastungszeugen ein, die er einer scharfen Kritik unterzieht und die nach feiner Meinung in wichtigen N^benpunkten nicht übereinstiuunt.m. Man müsse, mem: man die Sachlage objektiv würdigen wolle, sich in die Lage Kehreins versetzen, der an jenem sJJ:orgcn auf dem NLch dunklen Vorplatz des Bahnhofs die. Situation so aufsaßte, als hätten die drei Monteure, die ihn vorher zu Boden geworfen, ihm seine Kleidung zerrissen, und ihn geschlagen hatten, zu einem Angriff sich auf ihn stürzen wollen. So nur würde es begreiflich, daß sein Klient zur Waffe griff. Rechtsanwalt Katz bestreitet ganz entschieden, daß sein Klient, wie der Staatsanwalt behaupte, die Tat aus Lust zur Rauferei getan habe, denn dafür sei nicht der Schatten eines Beweises erbracht. Eine ganze Anzahl von einwandsfreien Zeugen habe bekundet, daß der Angeklagte ein ruhiger, friedfertiger und kein streitsüchtiger Mensch sei, der auch für das Wirtshaus nichts übrig habe, der nur seiner Familie lebe. Ter Angeklagte hat sich bisher tadelftei geführt, er fei, und dies hätten die Geschworenen bei Abwägung der Sachlage ebenfalls zu berücksichtigen, ein glaubwürdiger Mann. Rechtsanwalt Katz suchte au vielen Merkmalen darzulegen, daß Kehrein im vollen Glauben war, er werde angegriffen, als er die Tat beging. Es sei für den Angeklagten im Effekt gleich, so erklärte der Verteidiger, ob die Geschworenen Totschlag oöer Körperverletzung fest stellten, darum gehe seine Bitte dahin, zu prüfen, ob der Angeklagte in Notwehr gehandelt habe, ob die Situativ:: derart war, daß er sich angegriffen glauben konnte. Tiefe Frage aber müsse bejaht werden, und die Geschworenen würden, wenn sie die Schukdfragen verneinten, der Gerechtigkeit einen Dienst erweisen. _ Aiiü £?iapi iliw Gießen, den 3. Oktober 1904. ** Das Groß h. Regierungsblatt Nr. 29, ausgegeben Darmstadt, 30. September, hat folgenden Inhalt: Verordnung, die Handhabung der Lokalpolizei in der Stadt Bad-Nauheim betr. Verordnung, die zweite Prüfung für den Staatsdienst im Justiz- und Verwaltungsfach betr. Bekanntmachung, die Abänderung der Verordnung vom 31. Juli 1854 über die Leseholznutzung in den Großh. Domanial- und in den Kommunalwaldungen betr. Bekanntmachung, die Tagegelder, Reisekosten und klmzugskosten der Zivilbeamten betr. Bekanntmachung, die für den Großh. Forstdienst erforderliche körperliche Qualifikation betr. — Die im Regierungsblatt Nr. 29 veröffentlichte Verordnung, betr. die zweite Prüfung für den Staatsdie nst imIustiz- und Verwaltungs- fach, enthält folgende 2 Paragraphen: § 1. Die Zulassung zur zweiten j uristischen Pr üfu ng ist zu versagen, wenn seit der bestandenen ersten Prüfung ein Zeitraum von sechs Jahren und, so- ern ein Aeeessist nach bestandener erster Prüfung während eines Jahres seiner Militärpflicht genügt hat, ein Zeitraum von sieben Jahren verflossen ist. § 2. Aeeessisten, welche nach dem Jahre 1894 die erste Prüfung bestanden haben, können noch bis zum Beginn der im Herbst 1905 stattsindenden Staatsprüfung zur zweiten Prüfung zugelassen werden, auch wenn bis dahin die in dem § 1 bestimmte Frist abgelaufen ein sollte. — Nach der Bekanntmachung, die für den Großh. Forstdienst erforderliche körperliche Qualifikation betr., haben die Kandidaten des höheren Forst- dienstes in Zukunft den Nachiveis, daß sie die für diesen erforderliche körperliche Qualifikation besitzen, zu erbringen, bevor sie zum Aeeeß bei der Abteilung für Forst- und Kameral- verwaltung zugelassen werden. Der Eingabe um Zulassung zum Besähigungsaeeeß ist demgemäß entweder eine Be- cheinigung über abgeleisteten einjährigen Ntilitärdienst, wobei die Vorlage des Militärpaffes genügt, oder ein Zeugnis eines Großh. Kreisgesundheitsamls anzufchließen. Letzteres hat über die in der Bekanntmachung vom 14. Juni 1854 (Reg.-Bl. Nr. 22, S. 235, Handbuch der Forst- und Kameralverwaltung, S. 93} aufgeführlen Erfordernyse eingehende Auskunft zu erteilen. ** Bei der Bürgermeisterwaht in Herchien- hain, die vor einigen Tagen stMfanö, erhielt, wie wir mitteilten, überraschenderweise der bisherige Bürgermeister, der bekannte Landtagsabg. Weidner keine einzige Stimme. Nun teilt man uns von dort mit, daß gegen) das sttesultat der Wahl beim Großh. Kreisamt Schotten Protest eingelegt worden ist. Von welcher Seite dieser Protest erfolgte, verschweigt unser Gewährsmann leider. 0. Durch Kohlenoxydgase betäubt. Ein Unfall, dein beinahe zwei junge Rtenschenleben zum Opfer gefallen wären, ereignete sich in der Wohnung eines hiesigen Arztes. Dieser war mit seiner Familie verreist, und der Sicherheit wegen sollte sein Dienstmädchen in feinem Arbeitszimmer schlafen. Das Mädchen hatte sich noch eine Freundin eingeladen, da es sich allein in der Wohnung nachtsüber nicht aufhatten wollte. Die beiden Mädchen hatten sich nun zwei Betten in das Zimmer gestellt und sich gestern abend schlafen gelegt. Heute früh hörte die im 2. Stock wohnende Frau starkes Stöhnen in dem Zimmer, wo die Mädchen schliefen. Sie holte Hilfe herbei; das Fenster wurde gewaltsam geöffnet, und als man in die Stuben eingestiegen war, fand man beide Rtädchen bewußtlos in ihren Betten. Dem herbeigerufenen?lrzt gelang es, die beiden Mädchen ins Bewußtsein zurück -zu rufen, und er ordnete die Unterbringung in die Klinik an. Die Ursache der Betäubung der Mädchen war der im Zimmer befindliche Dauerbrandofen, dem Kohlen- oxydgase entströmt waren. ** Die Gießener Freiw. Feuerwehr hielt gestern nachmittag ihre diesjährige Schtußübung ab. Um 3 Uhr rückte das Korps in der Stärke von 120 Mann unter Vorantritt der Feuerwehrkapelle auf Oswakdsgarten, wo unter dem Kommando des Brandinspektors Wigand das Exerzieren der Mannschaften und die Detailübungen stattfanden. Daran anschließend fand am Turmhaus ein Brandangriff statt, wobei auch von den Steigermannschaften die sogen. Selbstrettung vorgesührt wurde. Nach der Uebung versammelte sich das Korps auf Lonys Bierkeller, wobei Kommandant Wigand und Brandmeister Faber Ansprachen hielten. 1. Friedberg, 1. Okt. Heute wurde auf der Hasenjagd im hiesigen Burgfeld der neunjährige Sohn des Gerber-Gesellen ,E dlich durch einen Schuß so schwer verletzt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Der unglückliche Schütze wollte auf einen Hasen schießen» Kleine M i t t e i l u 11 g e n aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Frankfurt starb am 2. d. Mts. der Handelskammer-Syndikus Dr. jur. Hans Hat sch ek im Alter von 44 Jahren. Zlniverfitäts-Dachnchten. — Ter „Rcichsanz." veröffentlicht die Ernennung des großh. Hess. Geh. Medizinalrats und Professors Gaffky-Gießen unter Verleihung b:ö_ Charakters als preuß. Geh. Medizinalrat zuin Tirettor des Instituts für Infektionskrankheiten in Berlin. — Mit dem Geheimrat Prof. Robert Koch wurde von dem Staate das Abkommen getroffen, daß er sich für besondere ^rbeiten, besonders auch auf hygienischem Gebiet, dem Staate weiter zur Verfügung stellt. Auch im Institut für Infektionskrankheiten werden ihm zu wissenschaftlichen Arbeiten reichlich Räume bereit- gehalten und alle 5)ilfsmittel des Instituts für seine Arbeiten dienlich gemacht. Im Laufe des Winters wird sich Prof. Koch, der „Köln. Ztg." zufolge, nach Deutfch-O stafri ka begeben, um dort feine bakteriologischen Arbeiten sortzusetzeu, die er bei seinem letzten Aufenthalte in Rhodesia noch nicht völlig zu Ende führen konnte. Die staatswissenschaftliche Fakultät in Tübingen hat den Professor des deutschen Privatrechts in Basel Andreas Heusler an* läßlich seines 70. Geburtstages zum Ehrendoktor ernannt. Hiselivayn-Zeitung. — Auf der in Heidelbe rg abgehaltenen Konferenz von E i s e 1: b a h n v e r w a l t u n g e n, die auf Antrag der süddeutschen Staaten stattfand, einigte man sich, der „Wln. Ztg. zu- solge, darüber, daß eine B etr i e bs mi t t e l g em e i nscha ft a n g e b a h n t werden soll. Tie weitere Learbell'mg der in Betracht kommenden Fragen wird durch eine von den beteiligten Staaten zu beschickende gemeinsame Kommission erfolgen. Tie BetriebSmittelgcmeinsckPft bezweckt die gemeinschaftliche Benutzung der Lokomotiven, sowie der Personen-, Gepäck- und insbesondere der Guterwagen. Turch eine solche Gemeinschaft wird vermieden, daß ohne den geringsten Grund,Güterwagen leer hin und ber laufen und daß auf lieber gangsstationen wie bisher zum Zlvecke besonderer Äusgabeverhandlungen ein Aufenthalt für Güter- wagen entsteht. ArveiLervewcgung. Brüssel, 1. Okt. Tie belgischen Z i g a r r e na r b e it e r haben beschloßen, pro Person und pro Tag 25 Centimes ihres Tagl 0 hns zur U nterst ü 151: n g ihrer englischen im A u 2 |t and bei i ndlischen Kollegen be:zusleuern. Oerrchlssaal. Düsseldorf,!. Okt. Bom hiesigen Kriegsgericht wurde der K a p e l l in e : st e r H a s e vom drillen Bataillon des Jnfan- ter:eregiments 06 in Kleve wegen Attßhandttmg Untergebener in 4 0 - a 11 e n zu sechs Wo ch en M : 11 e l a r r e st verurteilt ZpiüLplan der vereinigten Frankfurter StadUheater. Opernhaus. - Dienstag 'bei: 4. Oktober'): „Undine." Mittwoch den o. Oktober: 1. Abonnement-Konzert. Donnerstag den 6. Oktober: „Hofsmanns Erzählungen." Freuag den 7. Oktober: Gastspiel des Frl. Emmy Deilnm und Herrn Th. Bertram: „Tannhäuser" und „Ter Sängerkrieg auf Wartburg." Samstag den 8. Oktober- „Der Waffenschnned." Sonntag den 9. Oktober, nachmittags halb 4 Uhr: „Boeeaeeio." Abends 7 Uhr: „La Traviata." Mon- tag den 10. Oktober: Gastspiel des Frl. Enuny Tistinn und Herrn Th. Bertram; „Der fliegende Hollander." Schauspielhaus. „ Dienstag den 4. Oktober: „Tie Karlsschüler." Mittwoch den °^Lflf?bev : ',jLCV iüwde Passagier." Donnerstag den 6. Oktober: „Tw Zungfrau von OrteanL." Freitag den 10. Oktober: Neu ein- studiert: „-Lie Welt, in der man sich langweilt." Samstag den 8. Oktober: „Zohannisseuer." Vorher: „Sittliche Forderung." wonntag den 9. Oktober, nachmittags halb 4 Uhr: „Die berühmte Frau." Abends 7 Uhr: „Tie Welt, in der man stch langweilt." Alotttag den 10. Oktober: „Romeo und Julia." _____*) Ansaug, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. Die soziale« Verhältuisse, nicht die Unfähigkeit der Mütter zu füllen, sind sehr ost der Grund, wenn die Kmder nicht nut Muttermilch ernährt werden. Ein sehr guter Ersatz derselben ist Kuseke's Kindermehl mit oder ohne Ktihnulch, da es die in der Muttermilch vovlnuiDencn Nährstoffe im richtigen Verhältnis enthält, von den Kinder:: seines Wohlgeschmackes wegen gern genommen wirt', leicht zuzubereiten, im Gebrauch sehr ausgiebig und daher billig ist, stets gteichsürrnig hergestellt wird und ' nicht verdirbt. Chemische Waschanstalt GIESSEN Marktplatz 18 Marktplatz 18 Worms a.R!i. Nr. 2. 6 Hanau a. 11. Kr&merstr. 17 Nussbaumgasse 12 Läden in allen Stadtteilen 450 Annahmestellen Höchst l II. Königsteinerstr. 17 Wiesbaden Langgasse 12 Mainz Stadthausstr. 2 Augustinerstr. 26 Kaiserstr. 22 Kaiserstr. 45 Homburg v. d. H. Ofienbach u. Frankfurterstr. 50 Wilhelm-Platz 12 X-------------- Mannheim Kapuziners tr. 1 X------s— Kaiser Wilhelm-Str. 12 ____________/ Ernst Ludw.-Platz 4 Rheinstrasse 23 X_____________/ ------------X Darmstadt -----------------------X. Bingen a. Rlk Frankfurt a. Main Luisenstr. 50 _____________/ ----------------\ Strassburg i. El*. ZM »MO WMU _'r.V Bekanntmachung. SamStaq den 8. Oktober 1904, vormittags 10/, Uhr, werden im Guraermeiftereig ebäude — Sitzungssaal — die in den Waldungen der otobt Gießen erforderlichen Kultur- und Wcgbauarbeiten öffenllich wenigstnehmeud versteigert. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien der umlicflenben Gemeinden werden ersucht, dieö in ihren Gemeinden ortsüblich bekannt machen zu lassen. Gießen, den L Oktober 1904. BVw Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Ani Donnerstag, den 6. Oktober d. Is. werden nachstehende dem städtischen Hospitale gehörigen Grundstücke an Oct und Stelle verpachtet: 40325 qm Wiesen in 10 Abteilungen in der Gemarkung Wieseck, 1715 qm Wiese ,an dec Ochsenwiese* in dec Gemarkung Gießen. Zusammenkunft vormittags 9 Uhr an der Wirtschaft zum Philosophenwald. Gießen, den 80. September 1904. 13f/10 Die Armen-Teputation der Stadt Gießen. Curschmann. GrH. AßW-M) laute. 'Sinkrjiljiilc Friedberg. Das Winter-Semester der landw. Abteilung beginnt Mittwoch den 2. November. Anmeldungen sind schriftlich oder mündlich an unterfertigte Direktion zu richten, von welcher auch Statuten, sowie Wohnungsauswcise und Schülcrfahrscheine zu erhalten sind. Schulgeld Mk. 25.—. — Acltere Schüler können als Hospitanten eintretcn und desgleichen wie Schüler mit (Bin- ;ährigenbcrcchtigung die obere blasse besuchen. Großh. Direktion der Obstbau- und landw. Winterschute. _____________________Dr. von Peter. 1)26' choLhaerLcöensverdcherungsiinnlia.^. Dersichernngsbestand . ......' 2115 840 000 000 Bisher ausbezahUe Berslcherungsfmnmen . 42oou0 0o0 Bisher gewährte Dividenden....... ilüOOOOOO Neue Satzung vom 1. Januar 1904: Unverfallbarkeit vorn Begum der Versicherung an, Unanfechtbarkeit und Lüeltpolicc nach zwei Fahren. Verwendung der Dividende wahlweise zur Prämleu- ern ämguug oder — ohne neue ärztliche Untersuchung — zur Ex. Höhung der Versicherungssumme (jährlicher und selbst btub den den berechtigter Sum in en zu wachs). $554 Heinrich Hochreiither, Stein'tra^e 92 Guter Eiittagstisch von GO Pfg. an und hoher, liest au rate 11 r Ikez, 05660 ^Darmstädter paus". Prillill Snncrfraiit empfiehlt 7856 Submission. Für die Gr. neuen Kliniken in Gießen soll die Lieferung nachbenannter VerzehrungS- gegenstände auf dem öffentlichen SubnnssionSwege vergeben werden: 600 Ctr. gute Speisekartoffeln 15 , gelbe Mäuschenkartoffeln 10 , unterirdische Kohlrabi 2 , oberirdische Kohlrabi 10 , Zwiebel 2 , VUeerrettig 10 , Gelberüben 35 , Weißkraut 150 Stück Rotkraut 400 , Wirsing 200 , Lauch 350 , Sellerie. Tie Lieferungsbedingungen können auf dem Verwaltungsbureau der neuen Kliniken an den Wochentagen nachmittags von 3 bis 6 Uhr (ungesehen werden. Offerten unter Beischluß von Musterproben sind verschlossen mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum GröffnungS- ternnn Donnerstag, 20. Ott. 1004, mittags 12 Uhr, auf dem obenerwähnten Bureau einzureichen. Zujchlagsfrist bis zum 24. Oktober 1904. b17/9 Gießen, den 25. Sept. 1904. Großh. Verwallungs-Direktion der neuen Limiten. Versteigerung. Im Auftrage der Konkurs- Verwaltung werden Dicustag den 4. Lltobcr b. Hs., vor I mittags 10 Uhr, ui der voi- raue ^ahnurape il die zur i(on- knrvmasje des Albert Rübscunen! gehörigen, uachbcnannlen tvegen- irdnbc: G gute ^ttgp>eroe, 1- Wagen vcrich.edenper ’vlri, 2 Jagdhunde, die Uartossel- 11. bknuqcevnte ans dem vauogarlen gegen ^ur-.ahmng verpeigerl. Die Ukqxcißcuiiig |moet be- stinunt Narr. 7643 Gcifjlcv, Gerichtsvollzieher. Heschäftsverlegung und -Empfehlung Hierdurch teile meiner werten Kundschaft, Freunden und Bekannten, sowie einer geehrter Nachbarschast mit, daß ich mein W“ Schuh-Geschäft von Bleichstraße 15 in mein HauS 761, 61 Seltersweg dl verlegt habe. — Gleichzeitig empfehle alle Sorten Schahwaren von den gewöhnlichsten bis zu den hochmodernsten zu sehr billigen Preisen. LV Anfertigung nach Maß, sowie Acparatureu gut, rasch und billig. Hochachtungsvoll Micklaus, Llhilhivachemeister. fressen, fett und fleischig werden die Schweine durch d. altbewährte „Monopol“- Freß- und Mastpnlver. Packet 50 Pia., allem echt bei Adolf Bieler, Victoria-Drogerie, Marktstr. 5. tuser- Kognak Gesetzl geschützte preUwürd. Marke. Gutachten. „Kaiser-Kognak" ist von Hochs, aromat. (Geruch u. vorzngl. Geschm.,dessen Verwend, in d.Niedizin, wie auch alsGenuß- mittel nur bestens empi. werden kann. 9. 1U. 1897. l)7o gez. Dr. Amsel, 2Ipprob.9lnljninfle'tiljtiiL Preise: V, Xfitcrfl. 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