Donnerstag 3* März 1904 Zweites Blatt 154* Jahrgang Nr. 53 Giehener Anzeiger General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Die Sciitige Kummer umfaßt 10 Seite«. Fl Landtage einzuleiten. M Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulftr.7. Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen. Politische Tagesschau. Die Zukunft auf dem Master. Man schreibt uns aus Berlin, 2. März: Rach den Erfahrungen früherer Jahre kann es nicht verloren wurde vorge|ienii:: ' Prllle. Cs wird geben [jette l'andgraiensiraße 8, Ul iugehen.* Erfcheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Giehener Zamilienblätter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Kirche und Schute. Braunschweig, 2. März. Der Landtag hat eine Vorlage der Regierung angenommen, wonach oas Höchstgehalt der Mil itärgeistlichen der Landeskirche von 4800 auf 6000 Mart erhöht wird. — Am 7. März feiert die britische und ausländische Bibelgesellschaft in London das Fest chres 100jährigen Bestehens. Seit ihrem Bestehen hat die Bibel-Gesellschaft rund 185 Millionen Exemplare mit einem Kostenaufwand von 270 Millionen Mark verbreitet. Ueber- setzungen der Bibel, besonders des neuen Testaments, liegen in mehr als 350 Sprachen und Mundarten vor, Bibeln für Blinde mit erhabenen Buchstaben in beinahe 30 verschiedenen Sprachen. In den Nlchtchristlichen Ländern sind es Missionare, die als lleberseßer und Verteiler zugleich tätig sind. Sämtliche Exemplare oer von der Bibelgesellschaft verbreiteten Bücher der heiligen Schrift gelangen kostenlos zur Verteilung und werden namentlich Missionaren zur Verfügung gestellt, die dcunit ihr Bekehrungswerl betätigen. Seit 1863 hat die Gesellschaft in der Queen Victoria-Street zu London ihr Zentralbureau errichtet. An der Spitze der Anstalt steht zurzeit der Marquis von Rorthamptvn. Wäsche * n Waschen, Äugeln und Glanz- zeln wird angenommen, auq ßer -em'Hause. Steusiadi bi Aus Stadl und Kaaü. Gießen, den 3. März 1904. LU. Promotionen. Im Monat Februar 1904 haben an der Landesuniversität promoviert: Zum Dr. med. vet. Anton Lenfers, approbierter Tierarzt aus Trier, Karl Gerhard, approbierter Tierarzt aus Lang-Göns, Arno Dennstedt, approbierter Tierarzt aus Leipzig. Zum Dr. phil. Adolf Lütke-Wentrup, Landwirtschaftslehrer aus Hiltrup, Hugo Schaumberger, Oberlehrer in Frank- furt a. M., Karl Thelen, Landwirtschaftslehrer auS Meckenheim, Max Müller, cand. ehern, aus Schenkendorf, Emil Rentrop, cand. phil. aus Lüdenscheid. ** Personalien. S. K. H. der Großherrog haben dem evangelischen Pfarrer Friedrich Sell zu Beienheim, Tekanat Friedberg, aus sein 9iachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen und treuen Dienste in den Ruhestand versetzt. *• Gießener Pferdemarkt-Lotterie. Die Lose des am 16. März ds. Js. stattfindenden Pferdemarktes in Gießen finden guten Absatz. Als Haupttreffer sind vorgesehen: 1 viersitzige Equipage nebst Pferd und silberplattiertem Geschirr, 1 Lauterbacher Wagen mit Kutschierbock nebst Pferd und Kummetgeschirr, 1 Reitpferd nut Sattel und Zaumzeug, komplett, sowie 7 Pferde und Fohlen, Fahrräder, Nähmaschinen, landwirtschaftliche Geräte und HauShaltungS- gegenstände. Der Preis des Loses beträgt 1 Mk. ** Der evangelische Arbeiter-Verein hielt am vergangenen Sonntag seine jährliche Hauptversammlung ab, die gut besucht war. Aus dem Jahresbericht ist zu erwähnen, daß im abgelaufenen Geschäftsjahre 10 Vorträge gehalten wurden; außerdem war der Verein dreimal von anderen hiesigen Korporationen zu Vorträgen gebeten. Der Konzert- oerein veranstaltete für ihn bekanntlich die Wiederholung der All W i weißen Pioien zug«k .'SI Ä'ejeü, Älicejiraxr^ "7^7, alterejÄ WW T ach sh uns». ,r Aulaus wud y. Lchmttt, Sunen, 50““ ”iass—1303. Tie SlUerlgenoiien ** &*»»“«** robe 4> nachmittags 5 ühr, U'2l^°hn »«ft.,* XgwMen b. M J aus Uiesaeu. E, Direktion: 1901 »,!5äS' Walpurgisnacht und der 9. Beethooenschen Symphonie. Pfarrer Euler wurde durch Zuruf zwecks Ausdruck des lebhaftesten Tankes für seine Mühewaltung wieder zum 1. Vorsitzenden gewählt. Auch die ausscheidenden Vorstandsmitglieder C. Graulich, Ehr. Haas, Hrch. Heß, Dr. E. Heuser, A. Schufst wurden zum Teil einstimmig, zum Teil mit großen Mehrheiten wiedergewählt; an die Stelle zweier Herren, die gebeten hatten, von einer Wiederwahl abzusehen, traten die Herren Phil. Mandler und Earl Weller. Kommerzienrat Heyligenstaedt wurde zum Ehrenmügliede des Vorstandes ernannt. Die Kassenverhält- nisse des Vereins sind günstig. Auch über die Baugenossenschaft wurde berichtet; sie ist jetzt 10 Jahre alt; über ihre seitherige Tätigkeit hat ihr Direktor, Rendant Döring, dieser Tage eine größere Broschüre veröffentlicht, die allen Migliedern dec Genossenschaft demnächst zugehen wird. ** Der Strafgefangene Otto Oppel, von desten Einlieferung wir berichteten, hielt sich voriges Jahr in Klein- Linden auf, wo er bei einem Schreinermeister fast 1/i Jahr arbeitete und für einen tüchtigen, nüchternen Schreiner galt. Erst um Fastnacht vorigen Jahres begann er wieder in die „Oeffentlichkeit" zu treten. Er „kaufte" das Hotel Seipp in Gießen, verlobte sich mit der Köchin des Hotels, pumpte Kellner und Hausburschen an und ließ sich auf Kredit den Hochzeitsanzug anfertigen. Die Braut mußte ihm dann eine größere Geldsumme überlassen, und der „Bräutigam" begab sich angeblich in seine Heimat, um sein Vermögen zu holen. Doch er — blieb auS, und erst jetzt sah man ein, daß man das Opfer eines Schwindlers geworden war. Auch in Lang- Göns suchte der Mann mit einer Witwe em „Liebesverhältnis" anzuknüpfen. ** Besitz wechsel. Schreinermeister C. Klingelmeyer verkaufte einen Teil seiner in der Ludwigstraße 57 gelegenen Besitzung an Metzgermelster Herm. Euler jun. Dieser beabsichtigt, eine Metzgerei dort zu errichten. ** Ein Verein ehemaliger Pioniere wurde nach einer vorausgegangenen Besprechung dieser Taae hier gegründet. In den Vorstand wurden die Kameraden K. Malkomesius, Metzgermestter, 1. Vorsitzender, und Kultur- techniker Culmann, 2. Vorsitzender, in den Vorstand gewählt. In die übrigen Aemter wurden gewählt: Bautechsniker Hill- marm, Geometer Müller, Zugführer Göbel, Restaurateur Bourgeois, Bautechsniker F. Noll. Der Verein beabsichtigt der Hassia und dem deutschen Kriegerbund beizutreten. Hungen, 28. Febr. Gestern nachmittag weilten nach der „L.-P." mehrere Beamte der Eisenbahndirektion Frankfurt hier, um etwaige Beschwerden der Interessenten gegenüber der geplanten Bahnhofserweiterung entgegen* zunehmen. Von der Gemeinde wurden denn auch Der* ickstedene Wünsche vorgebracht, von denen einige berücksichtigt, andere erst auf ihre Ausführbarkeit geprüft werden jollen. Anstatt der gewünschten Uebersührung am Solmser Hof wird neben der Hauptbarriere noch eine Fußgünger- pforte angebracht werden, welche es ermöglicht, Fußgänger noch im letzten Augenblick passieren zu lassen. Tie Wünsche bezüglich der Zufahrt in die Langgasse sollen nochmals einer eingehenden Erwägung unterzogen werden; ferner soll der Uebergang am Lokomotivschuppen verbleiben, eo. wird er verlegt werden. §§ Ober-Seibertenrod, 2. März. Im Vereinslokal des hiesigen Kriegervereins hielt vorgestern abend Lehrer Rudolph aus Alsfeld einen Vortrag über „Moltkes Leben und Wirken" vor recht zahlreicher Zuhörer- schast. Nicht nur alle Mitglieder des hiesigen Vereins waren anwesend, auch Kameraden der Nachbarvereine Ulrichstein, Unter-Seibertenrod, Babenhausen und Höckersdorf hatten sich eingesunden. Anschaulich und begeisternd ließ oer Vortragende die Kriege 1864, 1866 und 1870/71 vorüberziehen und entwarf ein anziehendes, packendes Bild des größten Meisters der Strategie. sd. T a r m st a d t, 1. März. Die Ziehungstage der Sch-lußklasse der 3. Hess. Thüring. Staatslotterie beginnen am Montag, den 7. März, und werden fortgesetzt am 8., 9., 10., 11., 14., 15., 16., 17., 18., 21., 22., 23., 24., 25. 28. und 30. März. Am zuletzt genannten Tage werden die Prämien gezogen. — Heute hat sich hier ein Kreisverein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke gebildet, dem schon 204 Mitglieder beigetreten sind. Frankfurt a. M., 2. März. Zum Raubmord L i ch t e n st e i n wird berichtet, daß der Klaviertransporteur Bruno Groß noch in Hast ist. Neu ist die Tatsache, daß Groß sich verschiedene fälsche Namen beilegte. So wohnte er beispielsweise auch unter dem Namen Kops in verschiedenen Häusern. Auch hat er zeitweise stark über seine Verhältnisse gelebt und bei verschiedenen Leuten, vermutlich auch bei Wirten, Schulden gemacht. Die Gläubiger wurden von der Polizei um nähere Mitteilungen ersucht. Ferner werden Personen, die vor oder nach dem Morde oder zur Stunde der Mordtat Groß gesehen, getroffen oder gesprochen haben, um ihr Zeugnis ersucht. Ebenso sollen sich alle Leute melden, bei denen Groß in den letzten drei Jahren gewohnt hat. Groß ist ein schlanker, bartloser Mensch, der einen intelligenten Eindruck macht. Da man keineswegs sicher ist, in ihm den Täter zu haben, da ferner unter allen Umständen mit der Möglichkeit gerechnet werden muß, daß zwei oder drei Täter beteiligt waren, dauern die Nachforsch' ungen der Polizei fort. Außer der Schnur haben die Täter noch ein weiteres corpus delicti zurückgelasien. Es ist ein unscheinbarer Manschettenknopf, der osienvar bei dem blutigen Werk einem der Täter abhanden gekommen ist. Der Polizei sind in der Mordsache bereits 218 mehr ober minder wichtige Mitteilungen zugegangen. Sie vermehren sich noch stündlrch Außerdem wurden vom Tage der Mordtat an 40 Verhaftungen vorgenommen. — Der Fall Lichtenstein hat nach der „Kl. Pr." noch ein weiteres Opfer gefordert. Der Bureaugehilse Hermann Neander, der mit zwei anderen Herren zuerst die blutige Tat entdeckte, soll nämlich plötzlich irrsinnig geworden fein. auf die Zukunft eröffnet eine andere Kombination, der- zusolge mit einem späteren Zusammengehen Rußlands und Deutschlands inOstasienzu rechnen sei im Sinne etwa eines Schutzverbandes der Weißen gegenüber der Gelben. Tie Aufsicht zu Lande werde Rußland, zur S e e T e u t s ch l a n d zufallen. Auch diese Tarsiellung läuft auf die voraussichtliche Konzentrierung bedeutender beutfdjer Seestreitkräste in Ostasien hinaus, und an diesem Maßstab gemessen müßten Flottenpläne alle „uferlos" werden. Doch gegenüber der Aufrollung all' solcher Möglichkeiten ist die Frage zu stellen: warum sollen die Gelben gerade den deutschen Besitz in Ostasien als einen Pfahl in ihrem Fleische empfinden? Teutsch- laud rerridjitet dort nichts anderes als friedliche Kultui- arbeit, die ja audji den Gelben zugute kommt: es hat mit dem Pachtverträge nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten übernommen, denen es gewissenhaft nachgeht. Hat der Pachtvertrag über Kiautschvu keinen größeren Wert als den beschriebenen Papieres, dann müßte dasselbe gelten von einem Bündnisverträge, den Deutschland mit Ehina ober Japan abschließen würde. Wenn man die Hinausbrüngung Deutschlands aus China an die Wand malt, um weitgehende Flottenpläne zu begründen, dann erweist man der Regierung in ihrem Bestreben, der Marine wesentliche Verstärkungen zuzusühren, keinen Dienst. Anfang vom Ende. Man schreibt uns aus London: Die öffrntlichte Aufmerksamkeit in England wendet sich in dem Maße der inneren Politik zu, je mehr es offenbar wird, daß der rufsisch- ja panische Krieg sich in die Länge zieht. Das ist dem Ministerpräsidenten Lord Balfour nichts weniger als angenehm, denn derart komnit immer weiteren Kreisen der Bevölkerung die Erkenntnis von der Verworrenheit, um nicht zu sagen von der Unhaltbarkeit der innerpolitischen Lage. 2JZan rechnet Herrn Balfour hier und da bereits zu den gewesenen Größen, wozu die häufigen Erkrankungen des leitenden Staatsmannes ein UebrigeS tun. Jedenfalls ist die Regierung dec Mehrheit im Unterhaus nicht mehr absolut sicher; erst unlängst wurde die zur Unterstützung Lord Balfours erforderliche Anzahl Konservatwer nur mit äußerster Mühe „zusammengetrommelt". Die Liberalen wittern Morgenluft und machen klar zum Wahlgefecht. Mandatsgewinne werden sie zweifellos erzielen, ob ihnen die Regier- ungSgewalt zufallen wird, ist allerdings zweifelhaft. Die politische Rechnung darf nun einmal nicht ohne Chamberlain gemacht werden, der zwar fern vom Schauplatz der Dinge, in Aegypten weilt, aber der Politik keineswegs Valet gesagt hat. :i|. K* ns u. 01074 an d, (jro. d, v'llig angeimici, alle aulgearbeitet. |(j1üsj rau (6. Schott, Übeigndirm, mir. 14,111, irutiet cd)Q[||it, Tie Folge dieses ungünstigen Ergebnisses der auf eine Wahlrechtsreformen abzielenden Alttonen wirb freilich tn vecsckstedenen Bundesstaaten die fein, daß die wachsende GiBitterung hierüber der Sozialdemokratie nur immer neue Scharen von Anhängern in die Arme treiben wird. Vor einigen Jahren ist durch den Staatssekretär des Innern, Grafen Posadowsky, eine in ihren Ergebnissen leider nickst publizierte Enquete veranstaltet worben über die Ursackstn ües Anwachsens der Sozialdemokratie. Zweifellos gehört zu. diesem in erster Linie auch bas Festhalten einzelner Bundesstaaten an reaktionären Wahlsystemen. Zu welchen Konsequenzen das führt, zeigt an einem geradezu klassischen Beispiel die politische Entwicklung in Sacksten, das, mit einer einzigen Ausnahme, ausschließlich, durch Sozialdemokraten in Reichstage vertreten ist. 'en gute Pension mit Heber- h.d. 3#iittrl>. Sieiiijlr. lö,E IHintf 511111 ^mden werben Mflt angenommen bei iu Hatteuhauer, Kirdjjtr. 2. iQtycwtt »auixaauu üt tttyn. W 5 an einem ftabnlfc ,gii)5‘toeia)äjt in Oießeu iigcgenb mit gr. Kapital V. j. mit 01023 an die Exp.d.1 Das Landtagswaökrccht in den AuvdcsstaatkN. Seit Jahren wirb bekanntlich in einer Reihe von größeren Bundesstaaten auf eine Reform des Landtags- Wahlrechts hingearbeitet, ohne daß es bisher gelungen wäre, ein positives Resultat herbeizuführen. Nachdem im vorigen Jahre die hessische Wahlreform zu keinem Ende Öietommeu war und uns neue Verhandlungen für eine vorerst noch nickst abzusehende Zeit bevorstehen, ist, wie wir schon mUleilten, auch die bayrische Wahlreckstsreformvorlage gefallen und auf absehbare Zeit jede Hoffnung geschuunden, daß ein erneuter Versuch ein günstigeres Ergebnis haben werde. Dieser Ausgang einer in dem letzten Stadium auf beiden Seiten mit wachsender Erbitterung geführten Aktion üt um so bedauerlicher, als der Mißerfolg zweifellos auch aiuf die Resormbewegung in anderen Staaten ungünstig -runwicken wird. Die Wahlrechtsreform in Baden ist vor einigen Zähren schon einmal gescheitert. Es gewann den Anschein, alls ob der zweite Versuch ein günstiges Resultat erhoffen l»sse. Nun sind aber neuerdings scharfe Gegensätze zwi- fdjen der Regierung und der Majorität des Landtags in der Frage der Verstärkung des Budgetrechts der ersten Kam- nter hervorgetreten. Die Kommission hat diese Forderung aligeleynt. Die Regierung aber, die allen sonstigen Ab- ni.iberungen der Vorlagen seitens der Kommission keinen Widerstand entgegengesetzt hat, ist, wie offiziell erklärt wird, fist entschlossen, um jo entschiedener an dieser Forderung fistzuhalten. Die Aussichten auf ein Zustandekommen der giesocm sind infolgedessen wieder sehr erheblich gesunken. Noch ungünstiger sind die Chancen einer Reform dcs Wahlrechts in Sachsen. Eine Vorlage etwa in der Richtung der famosen Druckschrift der Regierung ist von allen Seiten entschieden abgelehnt worden, sodaß ein konservatives Organ schon bei der ersten Ankündigung einen derartigen Versuch einer Wahlrechtsreform nicht mit Unreckst als „totgeborenes Kind" bezeichnete. Am kläglichsten liegen allerdings die Dinge in 6iefer Beziehung in Preußen. Während der Wahlbewegung und noch unmittelbar neun Beendigung der Landtags- nahlen kündigte zwar die nationalliberale Partei offiziell an, daß sie die Führung des Liberalismus im Mgeordnetenhause übernehme und auch in der Frage der Abänderung des Wahlrechts die Initiative ergreifen trierbe. Bisher ist jeboch in allen Wipfeln Ruh; die beiden si.eisinnigen Parteien, die noch in der vorjährigen Periode in jeder Session die Reform des Wahlrechts ourm Stellung »^bezüglicher Anträge wenigstens in Fluß erhalten haben, irib allein nicht in der Lage, eine nachdrückliche Mion tung * HilUtiL sten Matth- Organs Ude; Orgel '■ Trauhn,.. gerade überraschen, daß die soeben angeordnete Bildung eines Großen Admiral st abs der Marine den Gedanken an Flotten Pläne wieder aufltudten läßt. Umsoweniger, als man in Kreisen der Flottenenthusiasten bereits für eine umfangreiche Verstärkung der Marine agitiert, im Hinblick aus den Krieg in Oft- afien. Staatssekretär v. Tirpitz hat ja jetzt in der Fudgetkommission ober später im Plenum Gelegenheit zu . einer Aeußerung über diese Frage. Svezielles mitzuteilen, ist er wohl schon um deswillen nicht in der Lage, als I ias Programm fürdenAusbauderAuslandsflotte höchstwahrscheinlich auf Grund der durch den russisch-japa- niscken Krieg gegebenen Erfahrungen und Bedingungen u m - gearbeitet werden wird. Doch wie diese Einwirkung auch sich äußern mag, eine Möglichkeit, von der schon hier and da gesprochen wird, darf wohl als ausgeschlossen gelten. Tie nämlich die ostasiatische Flottenstation so stark zu machen, daß sie allen kriegerischen Eventualitäten gewachsen ist. Ein derartiges Programm könnte selbst England mit seinen gewaltigen maritimen Machtmitteln nicht durchführen, und es steht doch fest, daß Deutschland schon aus sinanziellen Gründen stets darauf verzichten wird, be- !-üglich der Seewehr England auch nur annähernd gleich- mtommen. Was aber, so fragt man sich, sollte Deutsche land wohl veranlassen, eine so bedeutende Ver- lürkung der Seestreitkräfte in Ostasien ins luge zu fassen? Ta wird denn die Möglichkeit ins Few ae fuhrt, daß in K i a u t s ch o u eines Tages den D e u t s ch e n >er Stuhl vor die Tür gesetzt werden könne. Nickst ucck China allein, aber durch ein verbündetes Javan- (ifl)i«a, durch ersteres zur See, durch letzteres zu Lande. (Mabe der llmstanb, daß Deutschland im fernen Osten iböllifle Neutralität beobachte und zu keiner anderen Macht im Bunbesverhältnis stehe, könne ihm dereinst verhängnis- doll werben. Es befinbe sich in glänzender Vereinsamung, niemand werde ihm gegen die Gelben Beistand cHten. Daher müsse es sich auf die eigene Straft verlassen ujuö Fürsorge treffen, baß es dem burch seine Ueberlegenheit üb-et Rußland zur See siegessicher gewordenen Japan die Mhne zeigen könne. Einen kaum weniger trüben Ausblick § 166 Str. G.! ließe. Gegcntvc Totengräber der hoffe, ba& in bet i Sie gab! bet ke-i $u, bieg ist nur bt dock unerhört I schaftlicher und Parilll Kachbruci o Muschieiben, die i tiGt. Eint flcnbmi nehmen, t8 M werden. Äbg. Thiele gleiten Recht für sein, weil die R! die Berufung vie mente, die eine 9 der Arbeiter. E absolut nicht, foo schen Vereins go schaitskartelle mi Und wie war es eine flagrante & dar? Redner bc eingenommenen Staatsselre des Hallenser E Me. Die zwa stoßt gegen kein dort ausdrükkliä Verfahren gegen streite, daß die oeS Hauses ents. Groben llnfugpt macht die Straft Staatssckrc haben wir einer drigen-Kommi'ssi- kreisen lebhafte 5 wurden auch so Entwurf nod’mali 2ie zweite Weiterberati Kvrderungi SLtz SftSF rf» di- Sinken irrtz-- Eiä'S’ 5r* N bje Shell '“"eii, M m *• 4 »5$ \ I llhr- Ta! Lm Bunde- ich Siiiem l'* ttÜn|d;e des H?" S Präsenz^ Heiterkeit.,^ wird, und daß Feichsjust' Abg. Dr. i läge des Hauses schränken. M des Vriratversm dingte Begnadig lieber du beding die Just, nur zu dem Ar eben Zu lebhaft Anlaß. Aba. - man vom Reg so sollte man fi richter braucht. Grafen Bülow, Des weite tnnnsnummer I * Frankfurt, 2. März. Der physikalische Verein erläßt ein Rundschreiben, um die Mittel für einen Neubau des phsikalischen Instituts aufzubringen. Der Neubau soll neben der Jügelakademie der naturwissenschaftlichen Bibliothek und des Senckenberg'schen Museums an der Viktoria- Allee erstellt werden. Dem Verein stehen 600,000 Mark zur Verfügung, der vom Baurat von Hoven ausgcarbcitcte Plan erfordert aber alles in allem eine Million. Es ist beabsichtigt, die fehlenden 400,000 Mark durch unverzinsliche Schuldscheine aufzubringen, die m einer bestimmten Zeit zurückzubezahlen wären. Kassel, 29. Febr. Der Kommunallandtag beschloß, die Aufhebung der veralteten Ge sind e ord nung von 1797 für die Städte Kassel, Marburg, Rinteln und Hanau bei der Staatsregierung nachzusnchen. Ferner soll diese ersucht werden, im ehemaligen Kurhessen die Flei sch sch au bei Haus- schlachtungen aufzuheben. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Nach zuverlässiger Mitteilung findet die Bischofsweihe in Mainz am 19. März statt. Vermijdytest * Hallea. S., 2. März, ^er fahnenflüchtige Soldat Wolfgang brach in Grovzig bei feinem früheren Arbeitgeber Winter ein und erschlug ihn. Der Mörder wurde hier verhaftet. ♦ Trier, 2. März. Auf der Eifel, dem Hunsrück und ttn Mofeltal find fett gestern mächtige S ch n e e m a s s e n niedergegangen. Im Gebirge find die Dörfer vom Verkehr abgeschnilten. * Einen netten Fastnachtsscherz verübten, der „Pirmas. Zig." zufolge, einige Witzbolde in Lemberg in der Pfalz. Sie ließen nämlich im jjrte verkündigen, bay abends in einem bezeichneten Saale durch Schauspieler das Stück „Der Betrug der Welt" mit Gesang und bengali- fcher Beleuchtung au, geführt werden solle. Natürlich ,ano sich abends ein auptuoroentlich zaylreiches Publikum ein. Der „Herr Tirettor", der wie am Faftnachistage nicht unnatürlich, in Maske erschien, teilte von oer Bühne aus mit, daß das Publitum gebeten werde, vor Beginn oer Vor- stellung und zu wirksamerer Veranstaltung der bengalischen Beleuchtung bei erloschenem Lichte das mit Recht ,o beliebte Lied „Steh ich in finstrer Mitternacht" zu singen. „Publi- kus" kam diesem Wunsche mit Begeisterung nach. Dem Vorspiel fehlte jedoch die Nachfolge, aus bengalisches Licht und Vorstellung wartet man vergeolich Die verflixten Künstler waren nämlich aus Leitern wahrend des Gesanges aus dem Saale hinabgesliegen und übereießen es den Zuschauern, ,ich über den „Betrug der Welt" ihre eigenen Gedanlen zu machen. Univelsilütü-Utichllüstcn. — Handel mit Kollegienheste n. Wie aus Wien berichtet wird, ist es an den österreichischen Universitäten zwischen Professoren und S t u d e ii t e n neuerdings zu einem eigentümlichen Ur Heber streit gekommen. Es kommt dort nämlich vor, daß Studenten die Vorlesungen der Professoren sorgfältig nachschreiben und sie hernach verfielsältigen und verkaufen. Deswegen haben nun in letzter Zeit Professoren solche Studenten wegen Verletzung des Urheberrechts verklagt. Seit zwei Jahren trägt das Schwarze Brett der juristischen Fakultät der Universität Wien einen Anschlag, daß die mechanische Vervielfältigung nachgeschriebener Vorlesung unter Androhung der gerichtlichen Verfolgung untersagt wird. Die nächste Folge dieses Verbotes war, daß die noch vorhandenen Kollegienheste int Preise derart stiegen, daß die Hörer, die solche sür die Vorbereitung zu den Prüfungen benötigten, einem geradezu unerhörten „Skriplenwucher" ausgeliesert waren. Dies rief natürlich unter der Slildentenschast großen Unwillen hervor. Ja es ivareii fogar Kundgebungen geplant, die aber unterblieben, wert man hoffte, es werde sich auf gütlichem Wege em Ausweg finden lassen, unter dem die Wiederherausgabe der Kollegienheste gestattet werden würde. Besonders fühlbar machte sich das Verbot bei jenen Lehrgegenständen, für die ein Mangel an brauchbaren Lehrbüchern besteht, wie zum Beispiel bei Staats- und Verwaltungsrecht. Deshalb waren einige Studenten an ProfessorBernatzik mit der Bitte herangelreten, die Anfertigung von Nachschriften seines Kollegs zu gestalten. Professor Bernatzkl rief seine Hörer zu einer Besprechung zusammen, tu der er erklärte, er bedauere jene Sludenlen, die die Vorlesungen zu besuchen nicht in der Lage seien, weil sie einem Erwerbe nachgehen müssen; trotzdem könne er eine neuerliche Anserttgung von Skripten unter keinen Umständen gestatten, schon deshalb nicht, weil darm viele Unrichtigkeiten enthalten wären, für die er eine Verantwortung nicht übernehmen könne. Im übrigen hoffte das Profefforenkollegium auf diese Weife öen schwachen Besuch der Vorleiungen heben zu können. Diese Hoffnung erwies sich jedoch als trügerisch, beim auch seit dein Verbote der „Skripten" herrscht |m den Hörsälen eine gähnende Xfeete, die um so mertwürdiger ericbemeii muß, wenn man bedentl. daß mehr als 3UUU ordentliche Hörer an der juristischen Fakultät eingeschrieben sind. In letzter Zelt wurden wieder „Skripten" in gröberer Ai enge hergestelll, was schließlich em neuerliches Einschreiten der Profehoren zur Folge hatte. — Die philoiophriche Fakultät der Universität Straßburg ernannte den argentlmichen Londesgeologen H a u t h a l wegen seiner Verdienste um die Erforschung der südlichen Anden zum Ductur honoris causa. — Set ordentliche Professor und Tirettor der Frauenklinik an der Universität S t r a g b u r g , Tr. Hermann Fehling, wurde zunl Ehremnitglied der ilaliemschen Gesellschaft lür Ghnäkologie ernannt — Der a. o. Professor Tr. S. Brandl, der Lener des philologischen Proseminars an der Universilal Heidelberg, wurde zum Honorarprofessor ernannt. — Tas kürzlich im heillschen Landtage angelündigle Werkchen : „Tie Hochschulftipendlen int Großherzogtum Hesien", nach anillichen Quellen zujammengestellt von Will». Erle, Großh. Sekrelarials- Ajsislenlen bei der Landes-Umverfiläl, ist soeben erschienen. Cingrsandt. (Für Form und Jnha^ u. < c u fer Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüb-. keinerlei Verantwortung.) Auf den unter den Stichworten „Ter Kampf der Aerzte mit der Sozialdemokratie" erschienenen Artikel erübrigt es sich, nur einen Punkt zu widerlegen, um jedem Laien Gelegenheit zu geben zu beurteilen, ob und inwieweit die von dem Herrn Verfasser des Artikels gemachten Angaben An,prucy aus Richtigkeit machen lönneu. In dem Artikel heißt es, es gäbe im deutschen Reiche Kranken lass en, die eine wahre Verschwendung mit den Kasjengeldern trieben, iitdem solche ihren Rendanten 16 bis 17 uOO Mart Gehälter auszahlten. Diese Angabe habe kein geringerer wie Handelsminister Möller im preuß. Abgeordnetenhaus gemacut. Letzteres stimmt, allein, wenn jeuuuti) jo schwere Verdächtigungen macht, so verlangt man doch auch billigerweise die Nennung der Namev der betr. Kassen oder mindestens einzelner. Beide, der Herr Handelsminister wie der Herr Verfasser des betr. Artikels, tun solches nicht und können es auch nicht, da es im ganzen Deutschen Reiche nicht eine einzige Kasse gibt, die auch nur annähernd solche Gehälter zahlt. Ten Ruhm, den höchsten Gehalt für einen Krankenkassenbeamten zu zahlen, hat die Ortskrankenkasse Leipzig. Tieselbe zählt ca. 150 000 Mitglieder und wenn man die bei dieser Kasse sehr stark entwickelte Familienversicherung in Betracht zieht, so kommen ca. 300000 Personen in Betracht. Hierzu kommt, daß die Kasse für ca. 180 000 Personen die Juvalideiibeiträge einzieht. Tiefe Kasse mit ihrem großen Verwaltungsappara, zahlt ihrem ersten Beamten, den Herrn Verwaltungsdirektor Ullmann, 5000 Mark, und wird die Höhe dieses Gehalts von keiner einzigen anderen Krankenkasse erreicht. H- Fourier. ßim der wichtigsten Kragen unserer Ernährung ist die eines gesunden, angenehmen billigen Frühstücks- und Vesper-Getränkes. Diese Frage, die früher manchem Familienvater und mancher Haus- frau viel Kopfzerbrechen machte, kann jetzt als praktisch beantwortet gelten, seit Kathreiner's Malzkaffee nn Handel ist und überall Eingang und Anklang gesunden hak. — Echt nur in Packeten mit dem Bild des Prälaten Kneipp als Schutzmarke. 566 ® O 8 cT <Ä) <9 öd 3 ES p E 5 -r & £ 5 5 3*2. -<9 3 »5 s <2 do r)S< 3 ^2 9" <ß) —n c 9 9 Ä s 9 2. <5l) P 9 S'S" 3 3 Ö 3 s L rs O q p ' ' co S. o OB "91 o P: «T. P o »cp X- rr wo O K R. % 3 O ä 3 to e S' Z- ® ÄS ISO ® & 12 n X3T» V S « Os 2- 2. " 3 iv tsS & ' rt C 3 to » 3 OÖtP V 3 2. er 2. rt O P CD . - " 1 9 er #<0 M Ä 5 ä sO s> s : 0 3 Z n e 0 : ! r -! es & p 3 = vv p 5 O' ÖO'S K cr.2. ü O' 0 'S* — 3 —- S' ro =3 = - CP 3" CD 3 t, die um icn p O er er P er p TS 3 p -• ro 3 0 ra 3 er rt S; er er 3 6?' —r. — 0 0 -X’ reC2” 0 p den 1. Mä -inkünste. nben. cderlich. rt. 3 ST er 3 % 3 M 5 S 5$ 0 cp 0 a G' er § P: Pi 3 HU Ä 3 CP Qp Satost*SaÄ,XSet5 Man verlange Munter von der Fabrik und Handlung: von Elten & Keussen, Krefeld, <50 "CP <9 xo CT CD 8 2. C® 2- er 5- 3 ~ o r-J CO _ s CS er rx « er CO n 0 2 uv erJ2 jSiS? 2-^3 “ 2- 3 • O 05 =^i 2. " er 2 2, 2, - CT „ <-s ri 3 —-.-ö* (9 3 P 3 cr^cs 3 rr o CP o § &Z £3 v £ =• = s <2 3 4 L « s 3 Z to' er n ® E Cö g 5 3 » ' 3 CQ « 2* B. Q — 5 5 A ÄO^3 er KD 3 2 & Sr _ O? 3 2 2 (?)£ « <50 " 2 Sf- » om — 2.—, J3; to s S» er 3* 5 8 (?) _ = ® 'S 3 (9 2 3 cp 2 R„. - = ' O 3 3 3 <3 er r-f) -■ 9» 3 'S. 3? =• ii! c —• or to iso s ö =,5 ?»3 • 5 _S 2. g 5 ■c-cl g5p 3-^ • 3 -3- -S. to 5 3 Harana I 2115 Die Garnitur ist gut angekommen und recht zu meiner Zufriedenheit ausgeführt. (Umarbeitung und Modernisierung einer gebrauchten Polstergarnitur.) Giessen, 13. 3. 01. Frau Baurat W... Th. Brück, Möbelfabrik-Lager. Eigene Atel>ers für Innendekoration Polster- und llolzinöbel werden nach neuestem Geschmack auf gearbeitet und modernisiert zu billigsten Preiseti. Grösstes Möbelstoplager. Vorhänge, Linoleum, abgepasst und Stückware, Fachgemässes Verlegen desselben. Von einer grossen Lieferung ein Posten Linoleum zu staunend billigem Preise abzugeben.