154t Jahrg Nr. 53 General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen spricht durchaus dagegen, ebenso die Praxis des Kammergerichts i Bürgerliche Gesetzbuch, sondern auch gegend« De^cch'ung. Das rst und die Praxis deS Reichsgerichts. Uebrigcns braucht das Haus ja | ein Einbruch in das Rcichsrccht, der um so u^heucrlrcker ist, a^ und deshalb wegen Beleidigung eines längst verstorbenen Staatsanwaltes vom Ehrengerichtshos zu 500 Ml. Geldstrafe verurteilt worden sei. Solche Urteile hätten doch eigentlich einen Sturm der Entrüstung in Anwaltskreisen Hervorrufen müssen. Er bitte den < Staatssekretär, dafür zu sorgen, daß solche Urteile nicht mehr vor- - f> e. fr 8- U fr fr ? 8 -- A Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schm Unwerfttätsdruckeret. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr. 7. Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr. r Anzeiger Gießen. Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gießener FamiUenblätter" werden dem ^Anzeige vierma wöchentlich beigelegt. Dc Land, lrt4 erscheint monaUich einmal 8 n kämen. Nötig sei ferner eine Reichs-Gesindeordnung. Hier müsse Abhilfe endlich geschaffen werden, damit es nicht dahin komme, daß von dem Züchtigungsrecht Gebrauch gemacht werde, aber in umgekehrter Weise, d. h. von den Knechten und Mägden gegenüber den LSammte, Velvets lU direkt in Private. i der Fabrik nnd Bindlon{: Bussen Krefeld, wollen. Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr. (Fortsetzung der heutigen Beratung und Militär-Eta t.s Schluß 6% Uhr. 4 «Mwen und angeführt. Merniürung einer irniiur.) Frau Baurat W.„ K I Ifabrik-La, ger, " Pottler- und Liolzinöbd /gearbeitet um modernisiert VMloplager. Vorhänge, 'e. Fachgemässe! Verlegen *u*g ein Posten Linoleum i tise abnigtbtn. Kragen Junten nnA iptCe®eitäh9fe?^mtl Cn°Qtet unh h Dikji wn -tzN^rh^ l9 und Anklana -Q |ei -____ 566 Saftes! k toltb die ÄQltUn95- Herrschaften. Redner spricht sodann über die Novelle zum preußischen Renten- autsgesetz, die gegen daS Fundamentalprinzip des Bürgerlichen Gesetzbuches verstoße, gegen das unbeschränkte Eigentumserwcrbs- recht, das hier für die Polen beschränkt werde. Man will den Zufluß polnischer Menschen beschränken und verstößt nicht nur gegen das Abg. Thiele (Soz.): Es ist eine Fabel, wenn man von dem gleichen Recht für alle redet. Dies kann schon deshalb nicht möglich sein, weil die Rechtsprechung viel zu teuer ist. Namentlich mußte die Berufung viel billiger sein. Dazu kommen noch subzektwe Momente, die eine Rechtsunglcichheit bewirken, namentlich zu Ungunsten der Arbeiter. So z. B. weiß man bezüglich des Streikpostenstehens absolut nicht, woran man ist. Ebenso wird der Begriff des politischen Vereins ganz verschieden ausgclegt. Z. B. werden Gewerl- schaftskartelle manchmal für politisch erklärt, manchmal auch nicht Und wie war es mit meinem eigenen Fall in Halle? Stellt er nicht eine flagrante Verletzung der Immunität der Reichstagsabgeordneten bar? Redner behauptet, die Konscguenzen des vom Hallenser Gericht eingenommenen Standpunktes verstießen direkt gegen die Verfassung. Staatssekretär Dr. Nieberding bestreitet, daß das Vorgehen des Hallenser Gerichts einen Eingriff in die Reichsverfassung dar- ftelle.^ Die zwangsweise Vorführung des Abgeordneten Thiele verstößt gegen keine Bestimmung der Verfassung. Es heißt vielmehr dort ausdrücklich: der Reichstag hat darüber zu bestimmen, ob das Verfahren gegen einen Abgeordneten eingestellt werden soll. Ich bestreite, daß die Auffassung des Abg. Thiele der bisherigen Praxi- des Hauses entspricht. Auch die Geschichte der fraglichen Bestimmung bemüht sein werde, eine Revision der hier in Beträgst kommenden Bestimmungen herbeizuführen. Die von einigen Rednern angestrebte Topvelzucht in einzelnen Gemeinden halte er aber nicht für durchführbar. Rach kurzer Pause teilt Abg. Molthan als Aus- »erent mit, daß der zu Kap. 38, Gymnasien, Realien usw. vom Aba. David gestellte Antrag auf Streichung von 10 000 Mr. für Vorschulen vom Ausschuß nicht genehmigt, sondern dessen Ablehnung beantragt werde^ schon im Hinblick aus die Erklärung der Regierung, daß bei der Kürze der Zeit bis zum Beginn des Sommersemesters eine Aenderung nicht mehr gut möglich sei. Bei Fortsetzung der Debatte über die Viehzucht führte nach einigen Bemerkungen der Abgg. Möllinger und Brauer noch Abg. Reinhart aus, er habe zu dem „tragischen Schluß" oer gestrigen Debatte nichts bergetragen, sondern nur als Nichtfachmann seine Verwunderung darüber ausgesprochen, vay die Abgg. Bähr und Kohler, welche sich doch immer als spezielle Vertreter der Landwirtschaft betrachteten, zu solchen Beurteilungen hier gelangen konnten. Ta muhte der Nichtfachmann zu der Frage kommen, ob man die Weiterbewilligung der hohen Summe, die seit 1898 bereits 730 000 Mk. betrage, noch werter verantworten könne. Menn ihn Abg. Weidner als das „Karnickel" hinstelle, das schuld an dem unliebsamen Ausgang der Debatte sei, so erwidere er, daß er lediglich ferne Meinung frei und offen ausgesprochen habe. Gr hoffe aber, daß durch dre Ausführungen des Abg. Haas das gefährdete Sch-isf wieder in den sicheren Hafen zurückgefuhrt werden ^^Nach einigen weiteren Bemerkungen der Abgg. Erk und Weidner bedauert Abg. Wolf im Gegensatz zum Abg. Haas die zu tage getretene Uneinigkeit in der Landwirtschaft durchaus nicht, er meine aber, daß der Ort für derartige Auseinandersetzungen nicht die Kammer, sondern die lanowirtschaftb t Provinzialausschüsse seien; vielleicht durch die Flucht der weiteren Verhandlung dieser Sache zu entziehen ■ gesucht. (Heiterkeit. Zuruf vom Zentrum: Erlassen Sie doch einen Haftbefehl!! Ja, ein Haftbefehl würde hier nicht ungerecht ert.gt sein. Leider habe ich nicht die BefugmS, ihn zu erlassen. (Heiterkeit.) Redner geht hierauf auf die Frage des Kontraktbruches der ländlichen Arbeiter ein und sucht nachzuweisen, daß der im Ab- aeordnetenhause angekündigte Gesetzentwurf dem Reichsrecht widerspreche. Auf diesem Standpunkt hätte auch der Abgeordnete Baster- mann gestanden. Trotzdem hätten sich die National-Liberalen für den Gesetzentwurf ausgesprochen. Aus allen diesen Vorgängen gehe hervor, daß e§ unbedingt nötig sei, eine Reichsschutzinstanz g^gen Uebergriffe der einzelstaatlichen Gesetzgebungen zu schaffen. ü>cau darf nicht di.ldcn, daß Knuten gegen die .Landarbc'terschaft ae- schaffen werden. (Lärm rechts. Zurufe: Ah! Ohl Uh! Redner, swh nach rechts wendend:) Ihre Rufe irritieren mich nicht. Jedes Wesen macht das Geräusch, das seiner Veranlagiing entspricht (schallende Heiterkeit.) Der Staatssekretär muß dafür sorgen, daß auchi tm preußischen Landtag die Stimme der Gerechtigkeit ertönen kann Gelächter rechts), und dafür gib es ein einfaches Mittel: die Em- föhiung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für Vreußen (Gelächter rechts), das den jetzigen preußischen Landtag, die Gebiirtsstätte des Volksunrechts, einfach fortfegt l (Beifall bet Staatssekretär Tr. Nieberding erklärt, ihm sei nicht bekannt, daß die verbündeten Negierungen die Absicht hätten, vor der allgemeinen neuen Kodifikation des Strafrechts mit besonderen Bestimmungen gegen das Duell vorzugehen. Ucberdies sei die Zahl der Duelle ohnehin in erfreulicher Abnahme begriffen, was die verbündeten Regierungen mit Genugtuung erfülle. . Die Frage der jugendlichen Delinquenten wird von den verbündeten Regierungen fortgesetzt im Auge behalten. Was die Fesselungsfrage betrifft, so existieren bereits seit einigen Monaten allgemeine Grundsätze darüber. Ueberdies sei eine Verständigung unter den verbündeten Negierungen darüber im Gange. Den Fall des oldenburgischen Landtagsavgcordneten Schmidt möge man an den oldenburgischen Landtag bringen. Er gehöre nicht hierher. Pariamentarische Perl,anolnnqen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht g : ft c, t i t i. Deutlcher Reichstag. 47. Sitzung vom 2. Marz. 1 Uhr. Das Haus istsehrschwach ocsetzt. Am Vundcsratstisch: Tr. N i e b e r d i n g u a Auf dem Platze des Abg. v o n W i n t e r s e l d t -M e nkin, der seinen 81. ®d>uri5tag feiert, prangt em schöner Blumenstrauß. Präsident Graf Ballestrem: Unser ehrwürdiger Alterspräsident, Herr von Winlerfeldt-Menkin feiert heute seinen 81. Geburtstag Ick glaube im Namen sämtlicher Kollegen zu sprechen, wenn ich diesem liebenswürdigen und ehrwürdigen Herrn die Glückwünsche des Hauses dorbringe. (Beifall.) Er hat uns stets durch seine Präsenz im Hause ein nachahmenswertes Beispiel gegeben. Heiterkeit.) Ich hoffe, daß er uns noch lange dieses Beispiel gebtn wird, und daß wir danach trachten werden, ihm nachzufolgen. 'hierauf setzt das Haus die zweite Beratung des Etats des ,R e l ch s j u st i z a m t s" beim Titel „Staatssekretär fort. Abg. Dr. Müller-Meiningen (freis. Vp.): Angesichts der Notlage des Hauses werde ich mich auf wenige Bemerkungen beschränken. Wie steht es mit der in Aussicht gestellten Neuordnung des Privatversicherungs-Vertrages? Tie Denkschrift über die bedingte Begnadigung gibt uns viel zu denken.. Man sollte doch lieber die bedingte Verurteilung einführen, das setzige System, das die Justiz nur zu einer begutachtenden Behörde macht, entspricht nicht dem Ansehen des Gerichts. m Zu lebhaften Klagen gibt die Ueberlastung unserer Gerichte Anlaß. Aba. Oescr hat im Abgeordnetenhaus das schon ausgeführt. Tic Frankfurter Kammer hat ä. B. 47 Proz. Hchsrichtcr — sie heißt schon im Volksmund die „Assessorenkammer'. Wenn man vom Regierungstisch meint „ultra posse nemo tenetur , so sollte man sich Süddeutschland ansehen, wo man lerne Hilfs- cichter braucht. Ter jetzige Zustand paßt schlecht zu dem Wort des Grafen Bülow „Preußen in Deutschland voran! Des weiteren bringt Redner die Beschlagnahme der Zentrumsnummer des „Simplieissimus" zur Sprache. So etwas ist doch unerhört! Auf diese Weise wird jede Kritik bestehender gesellschaftlicher und politischer Zustände unmöglich. Man muß dem § 166 Str. G. B. eine Fassung geben, die derartige Dinge nicht zuließe. Gegenwärtig kann man geradezu sagen, daß der § 166 der Totengräber der öffentlichen Meinung ist. Auch die Klagen über den Groben Unfugparagraphen nehmen von Jahr zu Jahr zu, hoffentlich macht die Strafprozeßreform all diesen Klagen ein Ende. Staatssekretär Dr. Nieberding: Ueber den Versicherungsvertrag Lasten wir einen Entwurf aufgestellt und ihn einer Sachverstän- driaen-Kommission vorgelegt. Doch wurden aus Interessentenkreisen lebhafte Bedenken gegen den Entwurf geltend gemacht; es wurden auch so schätzenswerte Anregungen uns gegeben, daß der Entwurf nochmals einer Umarbeitung unterzogen worden ist. Ich hoffe, daß in der nächsten Session ein Gesetz vorgelegt werden kann. Die Zahl der bedingten Begnadigungen nimmt von Jahr zu Jahr zu, dies ist nur dem unablässigen Bemühen der Justizverwaltung zuzuschreiben, die immer wieder auf diese Einrichtung fiingehnefen hat. Eine Aenderung dieses Systems können wir jetzt noch nicht vornehmen, es müssen erst noch weitere Erfahrungen abgewartet den Sozialdemokraten.) Abg de Witt (Zentr.): Die Amtsrichter haben sich tn Bezug auf die bedingte Begnadigung durchaus den Anforderungen gewachsen gezeigt, die im Jnteresie des sozialen Friedens an sie gestellt werden bürfen. Umsomehr darf man verlanaen, daß der leise Truck, der in dieser Beziehung auf sie geübt wird (Hört, hört!), aufhort. Ich will mich auf diese kurze Bemerkung beschränken. Ich hoffe, es bedarf keiner weitern. Redner spricht sich ferner Dafür ans, daß bei der bevorstehenden Strafvrozeßreform die bedingte Begnadioung in die bedingte Verurteilung verwandelt werde. Abg. Jesten (Däne, sehr schwer verständlich) scheint sich über das Vorgehen der nordschleswigschen Gerichte, gegen die dänischen Zei- hmorm zu beschweren, hierdurch werde ein gutes Stück der Preßfreiheit beseitigt. Es werde auch ein förmlicher Kampf gegen die dänische Literatur geführt. Das Singen alter dänischer Volkslieder werde unter Strafe gestellt, und zwar auf Grund einer alten Verordnung, die durch die Einführung der preußischen Verfassung in Schleswig längst außer Kraft gesetzt sei. Die Richter seien di« schlimmsten Agitatoren gegen die Dänen, besonders scharf gehe der Amtsrichter in Sonderburg vor, der an der Spitze des dortigen Deutschen Vereins stehe. Die Richter interpretierten alles mögliche in die Lieder hinein, was gar nicht darin stände. Es fehlte nur noch, daß Luthers Lied „Eine feste Burg ist unser Gott' verboten würde, weil darin stände: „Und wenn die Welt voll Teufel war . Denn ein nordschleswiger Richter würde sicher deduzieren: Mit den Teufeln meinen die Dänen die Preußen (Heiterkeit), und mit dem Satz: „Da? Wort sie sollen lassen stahn", meinen sie den Artikel V des Prager Friedens. (Heiterkeit.) Das Flensburger Landgericht hätte Leute bestraft, well sie dänische Lieder deklamiert häften, da der Tert strafbar gewesen sei, in anderen Fällen seien sogar Be- '"hafungen vorgekommen, wenn nur die Melodie, ohne den Text ge- frmmt sei. Schließlich würde man noch Lieder ohne Text und 'bne Melodie unter Strafe stellen. (Heiterkeit.) Ta hätte man daS 'icrühmte Mester ohne Heft, dem die Klinge fehlte. Llbg. Tove (fteis. Vgg.) meint, es herrschte jetzt eine gewisse Lethargie in den maßgebenden Ständen, deshalb komme man nicht Abg. Stadthagen (Soz.) meint, jeder Fall gehöre zur Kompetenz des deutschen Reichstages. Das sei der Zweck des Deutschen Reiches. Dieses habe Rechtsverletzungen seitens der Einzelstaaten unmöglich zu machen. Redner spricht sich sodann gegen die Heraufsetzung der Revisionssumme aus, damit nicht nur die großen Vermögen einen besonderen Schutz genießen. Die Hauptsache, der Grund- und Eckstein, das A und ß, der springende Punkt, der eigentliche Kern, die einzige Basis für die Gesundung unseres ganzen Rechtslebens ist die absolute, völlige, totale Unabhängigkeit der Richter. Diese soll nicht nur, wie jetzt, auf dem Papier stehen, )te soll wirklich vor Einflüssen jeder Art geschützt sein. Redner beschwert sich dann darüber, datz die Richter oft die politische Gesinnung der Angeklagten in Betracht zögen und Sozialdemokraten scharfer als andere bestraften. Solche Urteile zeigten einen solchen Mangel an Logik, datz ein Schuljunge sie hätte machen können, und seien ein klassisches Dokument persönlicher Unreife. Er bitte den Staatssekretär, darüber nachzudenken, ob er nicht recht hätte. (Heiterkeit.) Vielleicht wolle ein Richter sich aber durch solche Urteile nach oben bemerkbar machen. Auch die Unabhängigkeit der Anwälte werde angetastet. Redner erinnert an den Fall des Rechtsanwalts, Lei einen Stoff aus seiner Praxis zu einer Novelle verarbeitet hatte Kelsijchcr Landtag. Darmstadt, 2. März. Tie zweite Kammer der Stände trat heute alsbald in hie Weiterberatung des Hauptvoranschlags ein. Zum Titel F-örderungderRindviehzuch t", 6et welchem 91230 Mart nach Ansicht des Abg. Bähr hmausgeworfen werden ^H^Abg^W eidner vor beschlußunfähigem Hause aus, daß (ür Ministerialrat Braun kein Grund vorlag, ihm den Tenl- rettel zu geben, den er ihm gab. Er verlange nur, daß das Körgesetz praktisch gehandhabt werde. Wegen der vor- aebrächten kleinen Beschwerden liege kein Grund vor, dre Flinte ins Korn zu werfen. Daß bei den Prämiierungs- dersuchen manchmal etwas zu viel geschehe, gebe er zu, ebenso sei richtig, daß bei den Viehschauen der kleine Mann dem großen gegenüber zu kurz komme. Er schlage vor, eine Kommission zu bestellen, welche die geführten Beschwerden Duüfen und über dieselben entscheiden solle. Ministerialrat Braun entgegnet auf die bezügliche Bemerkung des Vorredners, er nehme stets alle Redner des Hauses ernst und habe gerade Herrn Weidner immer sehr ernst genommen, wie das der große Streit mit ihm dar zwei Jahren beweise. Für seine Bemerkung, daß man bäe Streichung der Summe in Erwägung ziehen werde, seien die Aeußerunaen Weidners und anderer Redner be- stnmmend gewesen, Die über die Zucht der Landschläge vor- geebracht churden. Bei so vielen Klagen müßten doch Zweifel darüber «entstehen, ob die Gelder wirklich zweckmäßig ver- Msgabt würden. Wenn eine Anzahl Züchter immer wieder Mit Preisen bedacht wurde, so könne das doch nur als ein Reweis dafür gelten, daß sie ihre Ausgabe ernst nehmen uni) die Zucht mit großem Eifer betreiben; er werde sich irreuen, wenn der geforderte Betrag im Interesse der hseimi chen Viehzucht auch diesmal wieder bewilligt w"rde. t:afe der Vorredner volles Vertrauen zur Regierung asse außer den Entwürfen betr. Maßnahmen zur Verhütung von Hochwassergefahren in Brandenburg uird dem Havelgebiet uno der Provinz Sachsen und betr. ein allgemeines Gesetz über Freihältung des Ueberschwemm- ungsgebretes in Oberscylesten drei Gesetzentwürfe. Erstens betr. Regelung der Hochwasser-Deiche und Vorflutvernält- nisse an der oberen und mittleren Oder, zweitens, betr. Verminderung der Hocywastergefahren durch Verbesserung der Vorflut an der unteren Eder, Havel und Spree, drittens betr. Herstellung und Ausbau von Wasserpraßen. Die beiden letzteren wären in einigen Tagen lertig und sollten Ursprungiich dem Landtage unverzüglich vo^grlegt werden. Nach näherer Erwägung werde die Regierung aber von der sofortigen Vorlegung absehen, weil oer Entwi.rs betr. Hochwasser-, Deich- und Vorflut-Verhältni'se an d? ren und mittleren Oder noch nicht vom so: 's.scheu E^in- ziallandtage begutachtet sei und mit dem Entwurf über Verbesserung der Vorflut an der unteren Oder in engem Zusammenhänge stehe, sodaß vielfach einheitliche für den ganzen Oder ström berechnete Maßnahmen gewünscht würden. Deshalb sollten die drei erwähnten Gesetze erst nach der Osterpause im Landtage zur Vorlage gelangen, was auch eine unerwünschte Unterbrechung der dringlichenn Etatsberatung verhindern werde. Das Abgeordnetenhaus beriet ferner über einen Antrag Felisch und Genossen, betreffend eine Neuregelung des Submissionswesens nach der Richtung, daß den Mindestfordernden nur ausnahmsweise der Zuschlag erteilt werde und daß die Arbeiten und Lieferungen möglichst in Partien begeben werden, ferner eine Resolution Dr. Arend, die gleiche Materie betreffend. Die Anträge wurden der Kommission für Handel und Gewerbe übenoiefen. Es folgt die Beratung der Ausgaben der Bauoerwaltung, Titel Ministergehalt, welches bewilligt wurde. Ein Antrag der Budget-Kommission, der vom Minister Budde die Vorlegung einer Denkschrift über die Tätigkeit der Bau- üerroaltung verlangt, wurde angenommen. — Präsident Kröcher teilt mit, daß zwecks Fertigstellung des Etats vor Ostern Abendsitzungen abgehalten werden müßten. Aer Ausstand der Kererüs. Einem Telegramm des Gouverneurs Leutwein zufolge ist der Gefreite Emil Fehr aus .Hopfenau (Kreis Insterburg) bei einer Rekognoszierung gefallen. Major v. Estorff meldet, daß auf dem Gefechtsfeld vom 25. Februar (siehe Telegramm vom 28. Februar) vom Feind 5 0 T 01 e gesunden wurden. An Großvieh wurden 800 Stück (nicht 500) erbeutet. Aus Outja telegraphiert vom 13. Februar der Spezialberichterstatter der „Köln. Ztg." (von Swakopmund am 1. März): Seit Ende Januar beschränkte sich die hiesige Kompagnie Kliefoth auf Aufklärung des Geländes. In der Nähe wurden keine Herero gefunden; Ctaneno hätten sie nach dem Gefecht vom 29. Januar geräumt. Eine von Leutnant v. Stülpnagel gcjüijrre Erkundigung ergab ihre Anwesenheit in größerer Zahl erst in Okawatjewi (gemeint ist offenbar Otowa.uatjivi, 35 Km. südlich von Etaneno, auf dem Wege von Out^v nach Omaruru). Tie Herstellung einer Verbindung mit Omaruru war daher immer noch unmöglich; denn der Weg nach Omaruru führt bei Oka- watjelvi durch Schluchten, weshalb dort ernste Kämpfe wahrscheinlich sind. Seit den ersten Tagen des Februar war eine Osftzcerspcnrvuille westlich bcS Frans- lontein damit beschäftigt, die Gegend zu säubern. Sie stieß dort mit ^erervs zusammen, erschoß zehn von ihnen und iiahm 200 Rinder und viel Klemvieh weg. Erst wenn diese Streifwache zurückgekehrt ist, ist ein Zug nach Omaruru bembar. (Dies alles war im wesentlichen bereits bekannt. D. Red.) Tie Statioli Olaukwejo (am Südende der Etoschapfanne), welche die Owambv beobachtet, wurde verstärkt. Aus Grootfontein trafen am 30. Januar hier Nachrichten ein. Danach ist es am 18. Januar 22 Km. südwestlich von Grootfontein bei der Wasserstelle Otjvru- ka tu zu einem Gefecht gekommen; die Herero verloren dabei zwei Häuptlinge und einen Großmann, der als der Führer des Aufstandes in der dorAgen Gegend galt; im ganzen halten sie 2 6 Tote. Auf unjerer Seite wurde der Unteroffizier Stadler tödlich, verwundet; weitere Verwundete: Händler Schmiedel, 0armer Halberstadt, Bur Dupwssis uno Retter Pietsche. (Bereits betannt!) Bei dem Angriff der Herero auf die Station Otjitu 0 (40 Sun. östlich von Grootfontein, am Eyuobflusse- fielen der Farmer Wikmer uno der Reiter C 0 l b e r g ; der Reiter Pieph 0 wird vermißt. Auch, mehrere Farmen wurden dort von den Aufständisch.^ angegriffen; dabei erschlugen jie den Farmer Merkel in Gingab; der Farmer Steinfurth in Olatjougama wird vermißt. (Ebenfalls bereits bekannt.) In Grootfontein bejinben sich 200 Flüchtige; die Besatzung der Nebenstationen wird dort vereinigt; mit den eingezogenen 60 SJtann der Truppen sind im ganzen 100 waffenfähige Männer dort. Auch die Bewohner Otawis hat man nach Grootfontein gebracht, das verschanzt ist. Die Zahl der Pferde ist gering; einzelne Sterbefälle kamen unter den Pferden vor. e-u,i> y iüOi und Lund. Gießen, den 3. März 1904. Personalien. Ernannt wurden der Hilfsgerichtsschreiber bet dem Amtsgericht Bensheim Konrad Heinrich .Koch zum Hllfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Darmstadt I, der Gerichtsschreibergehilfe Franz Röder m Gernsheim zum Hilfsgerichtsschreiber bet dem Amtsgericht Bensheim, der Gefangenwärter am Gefängnis in Darmstadt Jakob Schubert zum Gefangenaufseher an dieser Anstalt. R. B. T arm sta dt, 3. März. Eine neue Aufregung beherrscht seit gestern abend unsere Stadt. Der Inhaber des alten Bankhauses Carl Schade ist nach großen Defraudationen flüchtig gegangen und wahrscheinlich ins Ausland entkommen. Man schätzt die veruntreuten Summen auf mindestens eine halbe Million Mark. Schade, dessen gleichnamige, von ihm gegründete Firma sich eines guten Rufes erfreute, begab sich gestern abend nach Mainz und hat sich von dort vermutlich mit dem nächsten Schnellzug nach Köln und dann nach London begeben, woselbst ein Sohn von ihm angeslellt ist, der zweite Sohn ist Prokurist in des Vaters Firma und heißt Otto. Der Defraudant schrieb gestern abend an seine Frau von Mainz hier- her einen Bries, daß er flüchten müsse, aber den Tod einer- langen Gefängnisstrafe vorziehe; es gingen auch spät abends bereits Gerüchte von Schades Selbstmord um, doch glaubt man in den Kreisen feiner zahlreichen Bekannten nicht daran. Die heute nachmittag angestellten Untersuchungen der Staatsanwaltschaft im Geschäftslokale in der Waldstraße, wo die Firma em elegantes Haus mit großem Geschäftslokal besitzt, ergaben die traurige Tatsache, daß Schade auch die Privatdcpots angegriffen hat und mitnahm, was er nur mitnehmen konnte; auch das Bargeld fehlt bis auf Kleinigkeiten. Die Staatsanwaltschaft hat noch am nachmittag über die Firma Konkurs verhängt. Es ist sicher, daß eine große Anzahl hiesiger mehr oder minder gut situierter Bürger zum Teil ihr ganzes Vermögen verloren haben, so ein Rentner fast 50,000.Mark; ein anderer Herr, früherer Inhaber des Lokals „Stadt Pfungstadt" Halle ihm 11,000 Mark übergeben und sich dafür Kreditbriefe ausstellen lassen für die Weltausstellung in St. Louis, zu deren Besuch er bereits unterwegs ist. Schade ist 58 Jahre alt und verstand es durch fein behäbiges, freund- lich - heiteres Wesen sich überall Eingang zu verschaffen und Vertrauen zu erwerben; er hat dasselbe aufs schmählichste gemißbraucht und alle seine Bekannten hereingelegt, darunter auch zahlreiche Offiziere. Als Ursache der Bankkatastrophe werden die fast wahnsinnigen Spekulationen bezeichnet, die Schade in letzter Zeit unternommen haben soll. Frankfurt a. M., 1. März. Ter 23jährige Tage- köhner Louis Seipel aus Niedevrad versuchte gestern abend, seine ehemalige Geliebte, die Büglerin Elise Hoffmann, mit einem Revolver zu erschießen. Tas Mädchen erhielt indes nur einen Streisschuß. Tarauf schoß sich Seipel selbst eine Kugel in den Kopf. Er wurde schwer verwundet in das Krankenhaus übergeführt.__________________________ Im Kurpfuscher-Irojeß zu HUstt handelte es sich in der weiteren Verhandlung um einen Fall, in welchem der Angeklagte Schröter einen Schlächtermeister Balzer mittels Heilmagnetismus zu Tode kuriert haben soll. Der Mann litt an quälenden Kopfschmerzen, die den Verdacht eines organischen Gehirnleidens aufkommen ließen. Nachdem sich anfänglich Linderung gezeigt hatte, starb Balzer plötzlich. Es wird der Sachverständige Dr. Van gehr vernommen, der in seinen Darlegungen vor allem gegen die Behandlung des Balzer durch Magnetismus sich wendet. Was der Angeklagte über den sogenannten „tierischen Magnetismus" zum besten gegeben habe, sei Unsinn. Auch die feinsten, mit dem menschlichen Körper in Verbindung gebrachten Meßinstrumente hätten das Vorhandensein einer nach außen hin wirksamen Elektrizität, die ja mit dem Magnetismus identisch sei, nicht ergeben. — Angekl.: Für mich ist es ganz gleichgültig, wie und auf welche Weise der Magnetismus im Körper entsteht und ob feine photographische Fixierung möglich ist. Entscheidend ist für mich einzig und allem, daß er existiert und daß er wirksam ist, wie ich durch die Ablenkungen der Magnetnadel im Kompaß mittels der mir innewohnenden magnetischen Kraft oft genug bewiesen habe. — Vors.: Wie hat sich diese Kraft gezeigt? — Angekl.: Dadurch, daß ich die Slabel um 8—9 Grad ablenken konnte. — Sachverständiger Dr. Puppe: Ich mochte bemerken, daß für das, was der Angeklagte da behauptet, eine ganz einfache Erklärung vorhanden ist. Es handelt sich da offenbar um eine Erscheinung rem physikalischer, und biologischer Statur. Der Angeklagte hat die Stadel mittels SieibungS- elektrizität abgelentt, das können andre Leute auch. Hieraiif verbreitet sich der Sachverständige Dr. med. Wugk über die Untersuchung des verstorbenen Balzer in der Königsberger Klinik. Er erinnert sich, den Fall ebenfalls als einen hoffnungslosen diagnostiziert, dem Kranken aber davon nichts gejagt zu haben. — Sachverständiger Dr. Gustine - Schmalleninglen, der den Balzer ebenfalls behandelt hat, verwahrt sich in seinen Darlegungen dagegen, daß die Allopathen der Homöopathie ignorierend oder gar feindselig gegenüberständen. Sie nehmen vielniehr aus allen Methoden das Beste heraus. — Professor Jaffe: Der S)tagnetiSmu6 ist eine Phantafiebildung von ihm. — Ein Beisitzer: Herr Sachverständiger, glauben Sie, daß der Angeklagte gutgläubig handelte, als er seinen sogenannten „Magnetismus" zur Anwendung brachte, daß er auch wirklich, wie er sagt, wenn er feine Patienten magnetisierte, dieselben Schmerzen verspürte wie jene, denn darauf kommt es doch schließlich bet der Betrugsaukkage an. — Sachverständiger: Bei sehr nervösen, sensiblen Menschen kommt es fchon vor, daß sie sich gewisse Sensationen embilben. Es ist also durchaus nicht ausgeschlossen, daß der Angeklagte bestimmte Schmerzen w i r k l i ch mit empfindet. (Bewegung.) * Berlin, 2. März. Eine heplge Explosion ereignete sich gestern im königlichen Feuerwerks-Laboratorium zu Spandau. In der Raketen - Abteilung entzündete sich Füllmasse und flog in die Luft. Das Gebäude wurde erheblich beschädigt. * Berlin, 2. Heute nachmittag wurde in dem Fremdenzimmer: emes Gasthofes eine gestern dort abge- giegene unbekannte Familie, dem S)iittel|tanbc angehörig und bestehend aus einem etwa 36jährigen SJianu, einer 30jährigen Frau und einer fünftährigen Tochrer, anscheinend durch Morphiumvergiftung aufgefunden. Tie Frau und das Stint) sind tot, der Mann touroe ins Krankenhaus geschafft. * Hamburg, 2. März. Ein Doppel mord wurde in Fuhlsbüttel bei Hamburg begangen. Der Straßenbahnschaffner Zeibig erhängte in der Küche seiner Wohnung seine Frau und sein em halbes Jahr altes Kind, worauf er ruhig zum Dienst ging. Der Täter wurde alsbald oer- haftet. Er ist völlig geständig. Kunst und Wissenschaft. — In Frankfurt a. M. hatte die Uraufführung von HcmS Eschelbachs Drama „Professor Berger" einen starken äußeren Erfolg. — Im Frankfurter Opernhause erzielte Die Wience Hofopern- und Stammexfängerin Fräulein Selma Kurz an drei Gastspielabenden, Hossmanns Erzählungen von Offenbach, Mignon von Thomas und Rigoletto schönen Erfolg, vor allein als Riga- lettos Tochter, Gilda. Kninerlltüts-Nachrichten. Heidelberg, 2. März. Professor Rudolf His siedelt mährend des Sommersemesters als Ordinarius des deutschen Rechtes an die Universität Königsberg über. Gerichtssaal. Potsdam, 2. März. Die erste Strafkammer des hiesigem. Landgerichts verurteilte die Arbeiter Neumann und Hem wegen K i r ch h 0 f s ' S ch ä n d u n g zu 3 Jahren Gefängnis und 0 Jahren Ehrverlust. Paris, 1. März. Das Zuchtpolizeigerrcht verurteilte lv Assumptionisten wegen Verletzung des Kongregatlonsgeseyes vx contumaciam zu 14 Tagen Gefängnis oder entsprechenden Ge st ras en.______ Handel und Uerlleyr. DoiliLwiltschast. Würzburg, 2. März. Tas Bankhaus Benkert u. V 0 r n 1) e r q e r hat heute Konkurs angemeleet. Die U n t e x- bilan 5 beträgt Ml. 5 0 0 0 0 0. Diese dürfte sich noch unter diesen Betrag ermäßigen, wenn die Berliner Depots für Borf ermingeschäfte teitroeife zurückkommen.