W-steS Blatt. 154. Jahrgang Freitag Ä. Dezember 1VV4 G Nr. 284 •rlOfint taan9 Beck. Ale heutige Kummer umfaßt 12 Seiten. Deutsches Reich. Berlin, 1. Tez. Tie Abf ahrt des Kaisers von Slawenüitz erfolgte heute vormittag. Während der Fahri hörte der Kaiser den Vorttag des Chefs des Militärkabineits Grafen Hülsen-Häf"ler. Um halb 1 Uhr nachmittags traf der Kaiser in Breslau ein und begab sicki in die Kaserne des Leibkürassierregiments. Nach dem Frühstück int Kasino fuhr der Kaiser nach Berlin, wo er heute abend eintraf. — Tie deutsche Volks Kartei und die freisinnige Volks Partei beschlossen, im Reichstage eilte Interpellation einzubringen, ob es dem Reichskanzler bekannt sei, daß von feiten des Grafen Pückler und seines Anhanges durch Reden und Flugschriften in Verlegung des Paragraphen 130 des Strafgesetzes in einer den öffentlichen Frieden gesährenden Weise die Bevölkerungs- klassen zu Gewalttaten gegen einander angereizt werden und welche Maßnahmen der Reichskanzler zur Vorbeugung der Wiederholung solcher Verletzung zu ergreifen gedenke. — Tie neue Studienordnung für die Zahnärzte mit dem Abi turi ent en ex am en als Vorbildung, wird am 1. Oktober 1905 in Kraft treten. Kiel, 1. Tez. Tie „Kieler N. N." veröffentlichen einen chnen vom Präsidenten Löwe des kaiserl. Kanalamts auf ihre Anfrage zuaegangenes Schreiben, durch das mitgeteilt wird ,dast in der Nacht vom 8. zum 9. Oktober 1904 ein als Lustjacht klarierter, mit ordnungsmäßigem englischen Meßbrics versehener Turbinendampfer unter englischer Handelsflagge den Kaiser-Wil- kelm-Kanal ostwärts passierte. Tiefer Dampfer iübrtc den Namen „Karolina" und hatte seinem Aeußcren nach große Aehnlichkeit mit einem zu anderen als Sriegs?w--cken aptierieu Torpedoboot, wie z, B. die Statronsiachten der Marine, Tie „Karoline" hatte keine Armierung an Bord. Ueber die weiteren, auf diesen Fall bezüglichen, durch die Presse verbreiteten Ausführungen ist" hier nichts bekannt." . Leipzig, 1. Te^. Bei den Verhaudluntzen tu der l i v v i s ch e u S t r e i t s a ch e vor dem Reichsgericht werden, wie verlautet, die Rechtsanwälte Justizrat Ervthropel und Justizrat Putzler die Parteien vertreten. Ersterer vertritt die' Biesterselder Linie, wie seinerzeit bei dem unter dem Vorsii'. des Königs Mbert von Sachsen erlassenen Schieds- ^^^Stuttaart, 1. Tez. Tie Kammer der Abgeordneten s^rhandett- ' über die Gemeindeordnung nnd über die von der Regierung auf Grund früherer Beschlüsse des Hauses sowie früherer Petitionen der Stadt Stuttgart ein-, gereichte, an die preußische Ordnung sich anschließende Mali st r a t s v e r f a s s n n g. Ter Minister des Innern legte mbei in längerer Rede den Standpunkt der Regierung )<>r und betonte, falls die Kammer die Magistratsver- cissuug ablehnen würde, so werde die Regierung immerhin in den übrigen Teilen des Entwurf einen Fortschritt C1 bilden. Tie Notwendigkeit einer besonderen Städtever- MMMe Tagesschau. Der Berliner Schulkonflikt im preuß. Abgeordnetenhanse. -tt- Berlin, 1. Dez. Man sollte meinen, daß der Berliner Schulkonflikt, trorüber in der Stadtverordnetenversammlung, in der hiesigen Presse und in der Oessentlichkeit eifrigst debattiert worden ist, heute bei der freisinnigen Interpellation ganz^e Scharen von Bürgern der Reichshauptstadt auf die Tribünen gelockt hätte. Der Regierung sollte doch, wegen ihrer Einmischung in die kontmunalen Schulrechte, durch Verbot der Benutzung von Schulräumen seitens polnischer und freireligiöser Vereinigungen, gründlich den Standpunkt klar gemacht werden. Also geschah es auch, überraschender Weise nicht durch einen Berliner Abgeordneten, sondern einen Frankfurter, den Abg. Funck von der freisinnigen Volkspartei. Doch der große Moment sand nur eine ziemlich kleine Zahl von Hörern. Auch das Parkett wies Lücken auf. Herr Funck rechtfertigte die Uebernahme der Begründung der Interpellation damit, daß es sich nicht um eine lokale Angelegenheit, sondern um eine Frage handele, die für die Gemeinden von ganz Preußen von Bedeutung sei. Es sei in den Verfügungen der Regierung die allgemeine Tendenz bemerkbar, das Selbstverwaltungsrecht ein zu's ch r än ken. IN würdiger Form habe der Berliner Magistrat seine Rechte gewahrt. Sache der Regierung sei., den eingeschlagenen Weg zu verlassen. In der Antwort des Kultusministers, die sich nicht eben durch Leichtflüssiakeit auszeichnete, wie denn Dr. Studt kein Polemiker ist, erregte einige Verwunderung der Vorwurf, der freisinnige Redner habe mit ungewöhnlicher Schärfe gesprochen. Gegen diese Auffassung protestierte die Linke nut Lebhaftigkeit, und der Ruf erschallte: „Noch viel zu milde'/' Aber auch rechts und im Zentrum schien man von „ungewöhnlicher Schärfe" Fimcks nichts gemerkt zu haben. Ter Beifall, der von rechts den Erklärungen des Ministers — er zitierte unter Gelächter des Hauses bis in das Jahr 1763 rückwärts Schulverordnuugen — zuteil wurde, entbehrte aller Wärme. Da staatliche Interessen und Interessen der nationalen Ehre -auf dem Spiel gestanden hätten, habe die Negierung einschreiten müssen. Linke und Polen zischten. Also keine Nachgiebigkeit, sondern Fo r t- setzung des Konfliktes, der demnächst den preußischen Städtetag beschäftigen wird. Die beste, häufig von Beifall unterbrochene Rede hielt der Ehrenbürger Berlins, der greise nationalliberale ?lbg. Dr. H o b r e ch t. Er legte den Schwerpunkt auf die Frage, ob die Regierung aus politischen und anderen Gründen nicht besser getan hätte, den Streit zu vermeiden. fassung werde aber in kurzer Zeit wieder auftreten. Die Redner der Volkspartei, der deutschen Vartei, des Zentrums und der Sozialdemokraten sprachen sich Unter Anlehnung an die Petition der bürgerlichen Kollegien in Stuttgart, die den speziell sirr Stuttgart gemachten Vorschlag der Regierung als unannehmbar bezeichnet hatten, gegen die Vorlage aus und verlangten Zurückverweisung an eine Kommission._______________________ Kirche und Schute. Das Gesetz über die ländlichen Fortbildungsschulen in der Provinz Hessen-Nassau hat den Erfolg gehabt, daß die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf diese Schulgattung gelenkt worden ist. Es sind tatsächlich wohl auch nie so viele neue Fortbildungsschulen in Dörfern errichtet worden, als in diesem Winter. Interessant war uns aber folgendes Stimmungsbild, das un§ aus einer dieser Gemeinden zuflog. Es heißt in demselben: „Seit dem Jahre 1890 haben wir heuer zum vierten Male die Errichtung einer Fortbildungsschule in unserem Dorfe durchgeführt. Die jungen Leute sind zahlreich gekommen und entwickeln, wie ich mich selbst über- zeugte, sehr vielen Eifer. Daß die Schule notwendig war, mußten wir, aber daß die Zustände so beklagenswert sind, wie sie sich in Wirklichkeit zeigten, davon hattten wir keine Ahnung. Wir fanden junge Leute von 17 Jahren, die keinen noch so einfachen Gedanken logisch und ortographisch richtig niederschreiben konnten, und die in der überfüllten Dorfschule mühsam erworbene Rechenfertigkeit ist fast vollständig verloren gegangen. Die Schriften, welche man zu sehen bekommt, sind jammervoll. Doch wie wird es weitergehen? Der Anfang war auch früher ebenso gut. Aber, als die Anforderungen, die an die Schüler gestellt wurden, wuchsen, da wurde die Zahl der Besucher immer kleiner und schon un Januar stand der Lehrer vor leeren Bänken. Und der Mann gibt sich redlich Mühe, den Stoff aus deni Gebiete der Landwirtschaft zusammenzusuchen und in möglichst interessanter Weise an die Jungens zu bringen. Und die Kosten? Ein Schulgeld ist von den Burschen nicht zu erlangen; die Gemeinde glaubt keine Mittel zu haben und der Zuschuß des Staates ist noch nicht ausreichend. Doch hoffen wir das Beste!- Diese Zeilen beweisen, daß ohne Druck und ohne Zwang das Ziel nicht erreicht werden dürste. Arr Ausstand in I)eu1sch-Südu>estasrika. General v. Trotha meldet aus Windhuk unterm 1. Dezember: Am 29. Novbr. 4.30 Uhr morgens wurde die Kompagnie der Oberleutnants Gruner (Zweidrittel der 7. Kompanie des Regiments Nr. 2, bisher Hauptmann Preusker) im Lager Lidfonlein, südöstlich von Hoachanas, von etwa 250 Hottentotten angegriffen. Nach einem dreistündigen Gefecht wurde der Feind aus seinen Stellungen geworfen und floh unter Verlust von 8 Toten. Diesseits 6 Gewehre und 7 Pferde erbeutet. Ausland. London, 1. Dez. „Daily Expreß" zufolge soll der Mörder des Ministers Plehwe schon Ende August aus Schlüsselburg, wo er der Aburteilung entgegensah, entflohest sein, und sich im Auslande in Sicherheit befinden. Antwerpen, 1. Dez. Die heute hier eingetroffene Post aus Leopoldsville meldet, daß im belgischen wie im französischen Kongo große Negeraufstände aus- gebrochen seien. Ein Kapitän Recht wurde mitsamt seinem Sergeanten und 14 Jägern von den Eingeborenen niedergemetzelt. Eine Strafexpedition ist abgesandt worden. Naab, 1. Dez. Graf Tisza hielt heute in einer Wählerversammlung eine Rede, in welcher er sein Vorgehen in Sachen der Hausordnung verteidigte. Bei der Fahrt des Ministerpräsidenten vom Bahnhofe versuchte ein Teil der angesammelten Menge, die Huldigungen für Tisza durch Schmähruse zu stören. Einige Pferde wurden scheu. Die Ruhestörer wurden durch das Militär auseinander getrieben: eine Anzahl derselben wurde verhaftet. Die Demonstrationen dauerten bis spät nachmittags. Im Lloyd- hotel wurden sämtliche Fenster ein ge sch la gen, gegen Tisza wurden Feuerwerkskörper aeworseu. Budapest, 1. Dez. Heute uachmittag^wurde der deutsche Botschafter Graf Wedel vom Kaiser in besonderer Audienz empfangen. Der Botschafter wird dem Kaiser ein Handschreiben Kaiser Wilhelms überreichen, welches nach der einen Version auf den Abbruch der H a n d e l s v e r t r a g s v e r h a n d l u u g e n Bezug hat, nach einer anderen die Einladung zur Hochzeit des deutschen Kronprinzen enthält. New York, 1. Dez. Wie die „World" meldet, beabsichtigt Italien, Amerika eine Statue Eäsars zu schenken. Ker Krieg. Port Arthur Vom japanischen Hauptquartier vor Port- Arthur wird gemeldet, daß Generalleutnant Thu k- k i j a tt u d Generalmajor N a k a m u r a v e r lu u ndet sind. Letzterer erhielt Verwundungen au beiden Beinen als Führer der japanischen Schwertmäuner beim Angriff am letzten Sonntag. Petersburg, 1. Dez. Der fünftägige Sturm auf Port Arthur ist wiederum resul tatlos verlaufen. Es tvird behauptet, daß die Japaner keineswegs bis au bje Forts lietc/i.cyiior.iincn sind nitb daß He nicht einmal in den Besitz der vor den Forts liegenden Befestigungslinie, gekommen sind. Petersburg, 1. Dez. Eine aus Port Arthur ein» getroffene Meldung besagt, die Japaner hätten zahl- reiche Luftballons in Besitz, mit deren Hilfe sie im! stände wären, sich über die inneren Verhältnisse der Festung genau zu informieren. Au, diese Weise wäre es ihnen auch gelungen, ein Kohlenlager des Arsenals in Brand zu schießen. Wladiwostok und Sachalin. Petersburg, 1. Dez. Ter Korrespondent der „Bir- schewija Wiedomosti" telegraphiert aus Wladiwostok von! heute: In der letzten Zett gestaltet sich das Leben hier normaler; die Jndusttie lebt wieder auf, der Handel bessert; sich, viele Einwohner kehren in die Stadt zurück. — AuÄ Sachalin wird gemeldet, daß viele Bewohner, die zu Beginn! des Krieges nach dem Innern des Landes gegangen mären/ in ihre Wohnsitze an der Küste zurückkehren. Die Ehun- chuseu beunruhigen nach wie vor die Bevölkerung. Gestern versuchten 8 bewaffnete Ehuuchusen einen Laden zu plündern; ein Ehunchuse wurde verhaftet. Auch wurde gestern eine aus fünf Personen bestehende russische Family von Ehunchusen ermordet. Aus der Mandschurei Petersburg, 1. Dez. Wie General Ssacharowl dem Generalstab unterm 30. Nov. meldet, zog sich eine von einem Passe 10 Werst südlich von Tsinhetfchen üertriebend Nachhut der Japaner auf einen zmeiten Paß, der zwei Werst südlich vom ersteren liegt, zurück und nahm eine befestigte Stellung ein. Am Morgen des 30. Nov. griffen die Russen den Feind au, der sich nach kurzer ab et hartnäckiger Gegenwehr eiligst zurück zog. Meldungen über andere Kämpfe am 30. Nov. sind nicht eingelaufen. Petersburg, 1. Dez. Generaladjutant Kuropat«, kin meldet dem Kaiser unterm 30. Nov.: Unsere Truppen verfolgten weiter den sich zurückziehenden Feind und vertrieben am 29. Nov. die Nachhut der Japaner aus dem Paß, der 10 Werst südlich von Tsinhetscheu liegt. Unsere Verluste sind unbedeutend. Die von den Japanern zurückgelassenen Leichen gehörten dem 36. Reserve-Regiment und der 9. Reserve-Brigade an. IN der Nacht zum 30. Nov. sind keine Nachrichten über Kämpfe eingelaufen. Tokio, 1. Dez. (Reuter.) Ein Telegramm des Haupt-^ qnartiers der japanischen Mandschureiarmee vom 29. Nov.! meldet verschiedene kleine Scharmützel, in denen die Japaner die Angriffe der Russen regelmäßig a b s ch lu g e u und der russischen Infanterie, welche nördlich von Schentzulin erschienen war, einige Verluste beibrachten^ Rom, 1. Dez. Ein Telegramm aus Tokio meldet: Die kriegführenden Truppen in der Mandschurei leiben schwer unter grimmiger Kälte unb heftigen Schnei stürmen. Fünf Wachposten des Generals Kuroki finb ex^ froren. Revolten russischer Soldaten. Petersburg, 1. Dez. Nicht nur die Reservisterr^ sondern and) die iieueinberufenen Soldaten revoltierten.! Ter Teelgraph meldet von durch Rekruten hervorgerufenen! Straßenuuruhen in Slonim (Gouvernement Erodnow), Elisabetsgrad, Libau und anderen Städten. Ueberall werdet Geschäfte geplündert und Personen verletzt. In Slonimt wurden mehrere Personen getötet. Das japanische Parlament. London, 2. Dez. Die v2ime§* meldet au8 Tokio von gestern: Das japanische Herrenhaus beschloß durch Zuruf, der Armee und der Flotte den Dank für die ausgezeichneten Leistungen auszusprechen. Ein Geschichtsprofesior über den Krieg. Brüssel, 1. Dez. Aufsehen erregt ein Schreibet Vanderkinderes, Geschichtsprofessors an der hiesigen Universität, an den Vorstand des hiesigen Friedensvereins, das in einer Volksversammlung verlesen wurde. Vanderkindere erklärte, er verabscheue den Krieg, aber die sentimentale Hoffnung auf ewige Friedens st iftung seien gutherzige Utopien. Obwohl der Parlamentarismus ein Schiedsgericht für innere Angelegenheiten darstelle, beanspruchten wir doch das Recht der intelligenten Minderheiten aus Revolution. Ein internationales Schiedsgericht wäre eine verschlechterte Auflage der reaktionären heiligen Allianz. Durch den gegenwärtigen.Krieg werde das russische 23oIf von der moralischen Sklaverei befreit. Aum Kcldcnbergcr Waubmord. Die Nachricht von der Verhaftung des Meininger bestätigt sich nicht. Es liegt eine Verwechslung mit einem Wilderer namens Weber vor, von deffen Renkontre mit zwei Gräfl. Meerholz. Förstern wir kürzlich berichteten. Der des Mordes in Heldenbergen verdächtige Hudde hatte sich, wie jetzt festgestellt, am Tage nach dem Morde in Nidda herum getrieben und bei verschiedenen Einwohnern um Unterstützung naehgesueht. Er ist den Leuten durch sein verstörtes und ängstliches Wesen äufgesallen. Die Gendarmerie in Gelnhausen forscht eifrig nach dem Metzgergesellen Hudde. Hudde soll mit der Oberheffischen Bahn in Gelnhausen cingetroffen und von Mitreisenden nach dem Steckbrief erkannt worden sein. Die Leute teilten ihre Wahrnehmung dem hiesigen Oberwachttneister mit. Bis jetzt tvaren die Recherchen ergebnislos. (Wahrscheinlich haben sich die Mitreisenden geirrt. D. Red.) Aus Fr au l furt wird folgendes berichtet: Am 11. November d. I., uachmntagS gegen 5 Uhr, erschien ein Mann iu einer Wirtschaft der Kronprinzenstraßr. in welcher viele Prinz Frankfurt, 1. Dez. hier in der Stadt befindet. de§ tionierens entfernt wurde, wie sich nachträglich herauSstellte, sich nicht die Stadtverwaltung bezüglich der Beleuchtungsfrage Ter Im Ganzen haben von 13 492 war der EntwickelungSapparat zll klein, i|t seit dieser Zeit die Belcuchtungsfrage unzählige Male auf dem Tapet gewesen, sowohl seitens der Stadtverwaltung, als auch seitens des piritus" schien Ich bitte, mich also anzul)ären. . . Nach einem heftigen Disput zwischen dem Vorsitzenden und dem Verteidiger kommt Verl. RA. rz-Altona ort. Ter Ansicht gegenüber, das; wir ,jr* absichten hätten, bemerke ich, daß wir nur nicht befangen. Nunmehr wurde in die eigentliche Verhandlung emgctreten. Ta in der ersten Sache auch Tr. Sprenger als Zeuge geladen ist, so ordnet der Vorsitzende an, daß Dr. Sprenger fein Verteidigeramt bis zu feiner Vernehmung nieder zu* legen und den Saal zu verlassen habe. Hiergegen erhebt Tr. Sprenger Einspruch, ebenso der zweite Verteidiger, Tr. Herz- der in dieser Aufforderung des Vorsitzenden eine unzu- ! lässige Beschränkung der Verteidigung erblickt. Das Gericht > b e j ch l o n iedoch, daß der Verteidiger den Saal zu v erl a ssen hab e. Es wird dann der Angeklagte Redakteur Schwehnert vernommen. Ter Angeklagte jagte u. a. in großer Bewegung: Ich bitte zu berücksichtigen, daß ich in den letzten Monaten täglich 11 Stunden Zwangsarbeit verrichten mußte und daher nicht imstande bin. meine Gedanken so zusammen zu nehmen, daß ich miet) im Zusammenhang verantworten kann. Ten Artikel als die Beleuchtungsfrage. Nachdem vor mehreren Jahren die Turnhalle mit einer Acetylengasanlage versehen worden war und diese Anlage wieder wegen schlechten Funk- posante Neubau im Ccltersweg, Ecke Teufelslustgärtchen, aus dem Boden gewachsen. Innen wie außen entspricht der in Eisenkonstruktion errichtete Bau allen Anforderungen in- bezug auf Geschmack und Bequemlichkeit. Neben den schönen Treppenaufgängen vermittelt ein elektrischer Fahrstuhl den Verkehr zwischen den Etagen des Hauses, das mit Zentraldampfheizung geheizt wird. Bei der morgigen Eröffnung hat jedermann, nicht nur Käufer, freien Zutritt, um die Einrichtung des Warenhauses zu besichtigen. — Schotten, 1. Dez. Nichts ist hier „brennender", wiederholt ins Zeug legen? Daß die Straßenbeleuchtung bester werden muß, ist ja allen klar. Bei den jetzigen trüben Dezemberabenden sehen die alten Petroleumfunzeln nn§, als hätte man Fettlichter von anno toback herausgehängt. Von einer Beleuchtung der Straßen im eigentlichen Sinne, kann keine Rede sein. Darmstadt, 1. Dez. Der hiesige sozialdemokratische Reichs- und LandtagSabg. Gramer verteidigt in der Mainzer Volksztg. das Bündnis, das die hiesigen Genossen mit den Bodenreformern und Bezirksvereinen geschlossen, welches aber „Vorwärts", Leipziger Volksztg." und „Offenbacher Abendblatt" verurteilt hatten. Der „Vorwärts" möge den Darmstädtern eine Lehrkraft überweisen, „um den Führern in Darmstadt das Abc des KlassenkampseS einzupauken". In den 30 Jahren seiner Tätigkeit in Darmstadt sei es, von einer oder zwei Ausnahmen abgesehen, nie anders gewesen. Hätten sie nach dem Wunsche des „Vorwärts" gehandelt, dann wären sie noch auf dem Fleck, den Rebel vor zwölf Jahren mit den Worten bezeichnet habe: „Wenn wir einmal den Wahlkreis Darmstadt-Groß-Gerau haben, haben wir ganz Europa!" Wer die Verhältnisse in Darmstadt, wo die Arbeiterschaft nur ein Drittel betrage, nicht kenne, „sollte doch mit seiner Kritik etwas vorsichtiger sein". Mit kleinlicher Cplitterrichterei springe für die Partei nichts Großes heraus. Darmstadt, 1. Dez. Die erste Schlußprüfung der Kandidaten der evangelischen Theologie für das Jahr 1905 hat ihren Anfang genommen. Es beteiligen sich daran fünf Examinanden, die sämtlich aus Oberhessen sind. (1. Mainz, 1. Dez. Die heutige Stadtverordnetenwahl brachte den vereinigten liberalen Parteien iRat'onall'beralen, Deutschfreisinnigen, Demokraten, Sozial- Stimmberechngten 8249 Personen von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. zu tragen hatte. „ ._ R.-A. öe rz beantragt nunmehr, die Aussagen RuhstratS zu proto ko l Heren. Diesem Anträge wurde stattgegeben. Es wird dann der Kellner Laturnus aus Bremen, der zweiten Preis auf goldene Wyandottes. *• Ein neue8 Geschäftshaus. Morgen findet laut Inserat die Geschäftseröffnung des Neubaues von Fritz Nowack statt, der seit 15 Jahren in seinem seitherigen Hause, Seltersweg 68, sein Ausstattungs- und Bettengeschäft betreibt. Mit erstaunlicher Schnelligkeit ist der hübsche, im- 2. , 626 , 435 Dampf- und Heißlustbäder, sowie Massage zusammen 154 Männer und 33 Frauen, Brausebäder 1177 Männer und 169 Frauen. Tie Personenwage wurde von 220 Personen bemktzt, das Bad von 8 Personen besichtigt. •• Preisgekrönt. Bei der vom 26.-29. November in Stolberg a.Rh. stattgehabtcn „Ersten Allgemeinen Geflügelausstellung" erhielt Johannes Hecker, Mitglied neuen Geflügelzuchtvereins Gießen und Umgegend, den und Prinzessin ! bäben, daß die Istesigen Richter silr *eitrte{Iung der vorliegenden Sache, welche die Oldenburger Gesellschaft auf das tiefste erregt, nicht die erso rderliche Objektivität besitzen. R.-A. Sprenger: Ich habe in meinem Ablehnungsantrage — — Vors.: Sie haben zu diesem Anträge nicht mehr das Wort. Bert.: Ich'wollte nur bemerken, daß--Bors.: Ich entziehe Ihnen das Wort und erkläre schon jetzt, daß Ihr Betragen nicht ein solches ist, wie wir es sonst gewolmt sind. (Bewegung.'» Bert.: Ich bitte um Protokollierung dieses Vorganges und, falls ich 'mich ungebührlich benommen haben sollte, um meine Bestrafung, damit ich in der Lage bin, dagegen die mir zustehenden Rechtsmittel anzuweuden. Vo rs.: Ich lehne dies ab und bemerke, daß auch diese Ihre Auslassung ganz ungehörig ist. Bert.: (das Barett lüftend): Sehr liebenswürdig! Bors, (erregt): Diese letztere Bemerkung ist geradezu ungehörig. Rach kurzer Beratung lehnte das Gericht auch den Ablehnungsantrag in Bezug auf die Beisitzer Hartung und Braun a b, nachdem beide erklärt hatten, sie fühlten sich Mekaer verkehren den der Wirt nach der Photographie als, u---------- r » ■ « - dkn Metzger o-kar $>ubbe jetzt erkannt hat. Dieser Manns Heinrich »on.Preußen, trafen gestern nachm.ttay^nn führt hat. . c m l Zunächst gelangte der Beleidigungsprozeß gegen den .acbancur I Scbweynert zur Verhandlung, der kürzlich im „Residenz- boten" geschrieben hatte, Minister Ruh st rat habe vor Gericht I und vor dem Landtage die Unwahrheit gesagt, als er bestritt, I noch als M i n i st e r ,.L u ft i g e S i e b e u" g e s v i e l t zu haben. Vor Eintritt in die Verhandlung teilte der Verteidiger R.-A. Sprenger mit, daß er erst in letzter Stunde in der Lage gewesen fei, einen formellen Antrag auf Ablehnung des ge-I samten Gerichtshofs wege n Befangenheit zu stellen. Ter Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Erk. werde wegen perion- licber Freundschaft mit dem Verletzten (Minister Ruhftrat) beanstandet. Unter diesen Umstünden sei zu befürchten, daß sich diel Abneigung des Verletzten gegen den Angeklagten auch auf den Vorsitzenden unbewußt übertrage. Tie Mitglieder des heutigen Pro',eßaerichts. die Landgerichtsrate Kitz und Janssen, seien als beisitzende Richter in der Gerichtsverhandlung zugegen ^gewesen, über deren Inhalt eine Beweiserhebung notwendig sei. Sie seien somit als Zeugen erforderlich. Sie seien aber auch deswegen als I befangen anzusehen, weil sie im kommenden Prozeß darüber zu I urteilen haben würden, was der Inhalt einer von ihnen selbst •*»**•, ssm eine Zeit lang die Losung zu sein, e» kam zwar nicht 311 mini,-tcr ÜU$ in ben ihm vorgeworfenen Fehlern lediglich ein einer größeren derartigen Anlage, aber in den meisten Ge- Eremplar seiner „Zunft" sei. Ter unter Anklage stel-ende Artikel schäften und bei vielen Privaten „spielt der Alkohol jetzt eine Viermanns erhebe seinen Protest ausdrücklich nicht nur gegen Rolle", allerdings zum nachträglichen Aerger, da der Spiritus st-n 3 Wte labern bedeutend teurer geworden ist. Nachdem die Aeetylenbranche {n ben le^ten ^lwen offenbar geworden ist, Protest dagegen, bedeutende Verbefferungen erfahren hat, wendet sich jetzt die Keift eine b is über die Ohren in „Hurerei, Suff. Aufmerksamkeit wieder dieser Beleuchtungsart zu. Wer sich Spiel und Schulden steckende Gesellschaft sich noch -mc wirklich gute Beleuchtung -erschaffen w.ll der nimm. Mar,?ls Eckpf^L L"İE-r7sWL,^e!n letzt wieder Acetylen. Bereits sind m einzelnen Hmisern Oldenburger Richter in Beleidigungssachen betreffend den Residenz- Anlagen vorhanden und noch mehrere werden folgen. Sollte h^ten nicht unbefangen sein könne. 1 1 ' r‘ -----1 Staatsanw. Tr. Fimmen: Es fei ja bei diesem Verteidiger nichts neues, daß er mit seinen Beweis-, bezw. Ablehnungs- Anträgen erst in letzter Stunde komme. Allein, es scheine so, als ob es dem Verteidiger etwas an Entschlußfähigkeit mangele, 'onst hätte er auch in der kurzen, iljm zur Verfügung stehenden Thrift seinen ykblehnungsantrag rechtzeitig einreichen könneii. Was | dann diesen Antrag selbst anlange, so meine er, daß die Richter wohl am besten beurteilen würden, ob sie wirklich befangen feien; er enthalte sich daher jeglichen Antrages. c Racb kurzer Beratung verkündete der Vorsitzende, da» die Verhandlung auf eine Stunde vertagt sei, nm die zur Entscheidung Über den Mlehnungsantrag erforderlichen drei Ersatzrichter heran ziehen zu können und ihre Entscheidung herbei- zusühren. Es scheine ihm, als ob mit diesen Anträgen eine gewisse Ueberraschung beabsichtigt sei. Eine weitere Kritik wolle er an dem Vorgehen des Verteidigers nicht üben, er frage aber den Staatsanwalt und den Vertreter des Nebenklägers, ob sie angesichts der in letzter Stunde eingelaufenen Beweisanträge nicht etwa auch ihrerseits noch solche Anträge zu stellen oder gar einen Antrag auf Aussetzung der Verlsandlung ^ein^u bring en hätten, um auch ihrerseits die volle Freiheit zur Stellung von V habe früher in Sinn beim gearbeitet Automobil von Darmstadt hier ein und besuchten gemeinsam iuit dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen die Ausstellung „Volkskrankheiten und ihre Bekämpfung" an der Weißfrauenstraße. Heute besichtigte auch die Prinzessin von Anhalt die Ausstellung. Hanau, 1. Dez. Der Bauunternehmer Kämmerer aus Langstadt hat auf der Freigerichterstraße auf einem infolge der dort neuerbauten Dunlop Rcisenfabrik erschlossenen Bauterrain ein Doppclwohnhaus mit vier übereinanderstehenden Wohnungen errichtet, von denen daL westliche eingestürzt ist. Ter Unfall entstand dadurch, daß das größtenteils ans Basaltsteinen auSgesührte freistehende Fundament nachgab. Ob die Annahme zutrifft, der zu Rtörtel verwen- I bete Sand sei allzu lehmhaltig gewesen, wird die Untersuchung R.-A. Herz beantragte noch mehrere Zeugenladungen und die Heranziehung des Kriminalkommiffärs Freiherni v. Manteuffel-Berlin als Sachverständigen, zu der weiteren Verhandlung, da dieser den Standpunkt vertrete, daß Poker ein Glückssinel b'u Im Anschluß daran bemerkte der Vorsitzende, daß inzwischen auch Ä »erz-'Äiiona au ^u^.-cin Antrag auf Ablehn ung sämtlicher Richter Ol- iraendwelche VerscUeppuugs d e n b ur g s für d e n z w e i t e n P r v z e ß B i e r m a n n cui- bic Ueberzeugung I gelaufen sei. Er frage, ob dieser Antra-g ebenfalls aufrecht cm bemoiroten) von 1888—1890 Oberkellner in Oldenburg war, vernommen. Es wurde in der Gesellschaft um Tausende gespielt. Der t o l l st e Spieler war aber auf alle Fälle der damalige Over- StaatSanwalt, jetzige Minister Ruhftrat dem ich verschiedentlich Geld geliehen habe. Ich bin Zeuge gewesen, wie der Minister kein Geld mehr hatte, und ich auch nicht, ebenfalls Herr Eilers sagte, er habe nichts mehr, da er schon alles verliehen. Ter Herr Oberstaatsanwalt sagte: „Sie müsien mir Geld geben, Sie bekommen es morgen toieber". Als aber Derr Eilers sagte, er könne mit dem besten Willen nichts mehr geben, langte Minister Ruhstrat Herrn Eilers in die Tasche, zog ihm die Schlüssel daraus hervor ging bann mit Herrn Eilers ins Kontor und schloß selbst den Sekretär auf, worin die Geldkassette stand. Ein Leutncml v. Trepper verlor 5 Schläge st Mk. 1000 gleich 5000 Mk. Es war dies nichts außergewöhnliches und ließ den Verlierer, der vorhe^ gut gewonnen hatte, völlig kalt. Wenn er das Lokal betrat, rief es: „Ruhstrat, was setzen Sie auf die Sieben? Ich bin später in der Welt herum gekommen, war in Monte Carlo, Ostende, Newvork und habe vieles hohe Spielen gesehen, namentlich in Newvork. Mit einer Leidenschaft, wie m Oldenburg । gezielt wurde, wie insbesondere der damalige Oberstaatsanwaw spielte, habe id> 'a/ber anderswo nur selten fbielen sehem Ich verdiente häufig in einer Nacht weit über 100 Ml. Axt Minister hatte meistenteils Pech. Hierauf erschien als weiterer Zeuge der Kellner M e Y er, dessen Auftreten den Höhepunkt des Prozesses ^?ete. Ich unirbe häufig angepumpt. J er je big e dNmister Ruhstrat war häufig dabei. Wenn ick) in die Nahe kam, so hieß es „Raus, und ich bekam einen Taler oder em Fünnnarkstuck an den Kopf geworfen. Heruntergeworfenes Silbergeld lvurde nicht aufgehoben, fonbeni blieb für ben Kellner liegen. Was .den Nischen gemacht wurde, wurde sehr gebeim ffebalten. Juf ©ilbc^elb wurde sehr geschimpft und flog häufig verächtlich auf die E^ Wer gewonnen hatte, gab mir regelmäßig hohev ^rmkgeld. Ich hatte häufig 50—60 Mk. Wenn die Magde reinmachen wollten, saßen die Herren häufig noch und fwAten. Tie Offiziere gingen häufiger vom Kasinospieltisch zum Dienst, a9^n? freuten uns dann wohl über den trübseligen Anblick. Man habe zunächst Skat gespielt und.dann bei zugezogenen <&n*™n tn ben Nischen sich der „Lustigen Sieben" zugewandt. Er habe den Herren das Mineralwasser gebracht, das während der ganzen ^auer des Spiels getrunken wurde, damit die Herren einen I klaren Kopf belsielten. (Heiterkeit.) Einmal, nach einer Examens- kneipe im Jahre 1899, habe man sehr lange gespielt ^md schließ- lich sei ein Leutnant 3000 Mk. schuldig gewesen Ms sem Gläiibiaer qefagt l)-abe, er erwarte das Geld am nächsten Tage, habe der Leutnant erwidert: Ja lieber Freund, wenn das Dem letztes Wort ist, so findeftDumichrnorgenimHunte- t “üB o rf bleiben Sie dabei, daß Minister Ruhstrat dieser Szene beiwohnte? Z.: Ich glaube, daß er dabei stand. Ms wenige Tage später die Leiche eines Leutnants aus der Hunte gezogen wurde, kam mir bie Sache sofort in Erinnerung und ich ging im Geiste die Personen durch, bie an bem Abend zugegen waren. Bors.: Es kommt darauf an, daß er mitgespielt tyat. Z.: Tas kann ich nickst mehr so genau ' ° Tie folgenden Zeugen: Buchhändler Schmidt, Zahnarzt Tr. Schleppegrell, Ob.-Reg.-Rat Tr. Woebs und Reg.-Rat Becker, befiinden, daß sie in den Jahren 1898 bis 1900 mit dem Minister I wiederholt Skat gespielt hätten, nach dessen Beendigung auch manchmal gepokert worden fei, daß man jedoch niemals „Luftige ; Sieben" gespielt habe. habe ich geschrieben. , „ Hierauf wurde der Justiz- und Kultusminister RuhstratII. als Zeuge vernommen. In dem Biermann-Prozeß sei seines Wissens niemals eine Frage dahingehend an ihn gestellt worden, wann er zum letzten Mal gespielt habe. Ebensowenig sei eine ähnliche Frage gestellt worden, sodaß er gar nicht in der Lage gewesen fei, zu verneinen, daß er feit den letzten 12—14 Jahren noch gespielt habe. Es habe sich damals in erster Linie nm die Beförderung des Gymnafialdirektors Früstück gebandelt imb im Zusammenhang bamit um bie Frage, ob diese Beförderung auf ein ihm, dem Minister einmal beim Spiel gewährtes Tarlehn zurückzilsühren sei. Tiefe Frage habe er damals ebenso verneint wie die weitere Finge, ob er mit Früstück zurzeit seiner Beförderung im Jahre 1900 noch gespielt habe. Er wiederhole heute und betone ausdrücklich, daß er nur in der Zeit vor 14 Jahren „L ustige Sieben" gespielt und dabei auch tviederholt den Bankhalter gemacht habe, daß aber von einem Spiel als Oberstaatsanwalt und Minister k e i n e R e d e sei. Er wisse auch bestimmt, daß er eilte dieser ähnlichen Erklärung im Biermann-Prozeß abgegeben habe, sodaß ebensowenig wie von einer wissentlich falschen Aussage auch von einer absichtlichen Verschweigung die Rede sein könne. Dagegen habe er noch bis vor etwa drei Jahren mit mehreren Bekannten abends Skat gespielt und nach Schluß eines solchen hier und da gepokert. Ms Mitspieler kamen Reg.-Rat Becker, Geh. Obersinanzrat Wöbs und Tr. Schmidt in Betrackst. Tieses Poker ist kein Hazards viel im Sinne des Gesetzes, fein Jeu. — R.-A. Herz: Sie geben aber zu, daß man Poker für ein Glücksspiel halten kann? Zeuge Ruhstrat: Möglich, daß Laien es für 3cu halten. — Ein Beisitzer: Und welche Beträge wurden beim Spiel umgeictzt? Zeuge: Etwa beim 5 M^kat, sodoh Gewinn und Verlust zwischen 50 und 60 Mk. schwankten. Natür- sich ist es aueb vorgekommen, daß mal einer den ganzen Verlust erzählte dein Wirt, er , unb er wolle über Winter bei dein Wirt cm Zmnner mieten Gr gab dann dem Wirt eine Ledcrtasche 311m Anfbcwahrcn und ging darauf fort, um, wie er sagte, an demselben Abend | nach Oberursel zu fahren. Am nächsten vormittag erschien t cr wieder und zwar in Begleitung zweier imbekannter Metzgerburschen. Aus der Straße hatten sie einen Stoßkarren, aus welchem sich zwei Koffer unb ein Fahrrad befanden. Hudde ließ sich seine Handtasche geben mit dem Bemerken, er nehme Privatlogis. Sie fuhren dann mit dem Gepäck die Kronvrinzenstraße entlang nach der Stadt zu. Freitag, den 25. November ist Hudde wieder an vorgedachter Wirtschaft vorbeigegangen unb zwar anscheinend in Arbeitskleidern. Hudde hat s. Zt. tatsächlich ein Fahrrad besessen. Er hat nach dem Morde in verschiedenen hiesigen Kaffees verkehrt. ES ist nicht ausgeschlossen, daß fein erwähntes Gepäck sich Aus §taiit ur.ii Land. Gießen, 2. Dezember 1904. - Die Hochzeit de§ Großherzog?. Die Nachricht eines Berliner Blattes, daß die L^ochzeit S. K. Hoheit deS GroßherzogS im Januar oder Februar n. IS. ftattfinde, ist nach unseren zuverlässigen Erkundigungen ebenso willkürlich wie die weitere, die deii Termin auf den Dezember ansetzte. *♦ Gießener Volkßbad. Im November wurden 8875 Bäder verabreicht gegen 9618 im Oktober 1904 und 8514 im November 1903, oder im Durchschnitt pro Tag 296 Bäder gegen 310 im Okttober 1904 und 310 Im November 1903. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt: Schwimmbad 4874 Männer, danmter 698 zu 10 Psg., , 1043 Frauen, » 180 „10 , Wannenbäder 1. Klasse 282 Männer, 82 Fronen, (Gegenanträgen zu erhalten. Nach etwa zwesitünd-iger Beratung erschien das zur Entscheidung des Ablehnungsantrags ei n b e r u f e n c Gericht im Saale, um seinen Beschluß zu verkünden. Ter! Vorsitzende verkündet folgenden Beschluß: Tas neue Ge-; richt hat von dem Ablehnungsantrag Kenntznis genommen. Tie sämtlichen Richter, einschsießlich des Vorsitzenden, haben dazu erklärt, daß sie sich nicht befangen fühlten. Demgemäß hat das Gericht das A b l e h n u n g s g e su ch für unbegründet erklärt, dagegen das geforderte Ausscherdeu der Räte Kitz und Janssen für begründet erklärt, weil diese zu der heutigen Verhandlung als Zeugen geladen sind. R-A. Sprenger: Wir lehnen sämtliche Oldenburger Richter ab und wünschen damit eine Entscheidung des Reichsgerichts darüber herbeigeführt zu sehen, daß die vorliegende Sache nunmelyr vor einem ” 1 aj-t 01 b e n * buraischen Gericht zur Verl-andlung gelangt. Ich nnll ausführen, wie lokale Einslüffe es unmöglich machen, oie vorliegende Sache vor einem Oldenburger Gericht zu verhandeln. festzustellen haben. fc. Hanau, 1. Dez. Man projektiert hier eine Eisenbahnverbindung mit Büdingen, welche von Hanau- Nord über Bruchköbel, Marköbel, Langenbergheim, Düdelsheim, Ealbach nach Büdingen führen soll. [] Marburg, 1. Dez. Etwa 1200 Studenten brachten heute abend dem vorherigen Rektor der Universität, I Konsistorialrat Prof. Dr. Mirbt, einen Fackelzug. fc. Hofgeismar, 1. Dez. Vom hiesigen Proviantamt wurden 5 0 0 0 0 0 Kilo Hafer für die Truppen in Deut s ch - S ü d w e st - A f r i k a verladen. Kleine M i 11 c i 111 m e n ans Hessen und den Nachbarstaaten. Auf dem Obermarkt in Alzey kam es zwischen zivei Knaben im Alter von 12 und 13 Jahren zum Streit, wobei der eine dem anderen eine nicht unerhebliche Stichwunde in die linke Brustseite mit einem Messer beibrachte. Der Messerheld ging flüchtig. — In der höheren Bürgerschule in Wörrstadt (Rheinhessen) wurde die Stenographie als obligatorischer Lehrgegenstand cin- geführt. Unterrichtet wird nach dem System Stolze-Schrey. — In Frankfurt a. M. stürzte das zwei Jahre alte Mädchen de§ im zweiten Stock bc5 Hanfes Kronprinzenstraße 44 wohnenden Schuhwarenhändlers Blum in der Küche in eine Bütte mit kochendem Wasser. Der Körper deS Kindes wurde derart verbrüht, daß eS den Verletzungen erlegen ist. ^Icr gerichtlich- Mchluk der WuMrat-Affären. (Nachdruck verboten.) S.u. H. Oldenburg, 1. Dez. Unter gewaltigem Andrange des Publikums sand beute vor I der hiesigen Strafkammer die Verhandlung in vier Preß- und I Beleidigungspro'.essen statt, die sämtlich mit dem „Fall Ruhstrat^ in Verbindung stehen und sich als die letzten Ausläufer der Prey- kampague darftcllen, welche der Herausgeber des Oldenburger „Refidenzboten" Bi ermann gegen den Großh. Oldenb. Justiz- und Kultusminister Ruhftrat II. seit mehreren Jahren ge- Versteigerung. Freitag den 9. Dezember lfd. Fö., nachmittags 3 Uhr sollen im ftäbt. Pfandlokal Seltersweg 11 die wegen rückständiger Gem.- Steuer, '2. Ziel isrl. Gem.-Steuer, Realschulgeld, elektr. Stromgeld, Beerdigungskosten, Gebäude- und "Abschätzungsgebührengepfändeten (Gegenstände als: Vertlkow, Soia, Sclnänke, 1 Schreibtisch, 1 Näb- maschine, Regulateure imb dergl. mehr, versteigert rverden. 8654 Gcmmecker, Pfandmeister. Sieh im Anschnitt i empfiehlt Fr. Ebel, RUtcrgafse. Telephonischer Kursbericht 4% Griech. Monopol 4l/,% äussere Argentiner Tendenz: fest. H NM ;gr 07226 7 104.50 64.10 62.85 9% Mexikaner . . 4,/g% Chinesen . » Electric. Sohnckert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . N Berliner Handelßges. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden ♦ , * Gotthardbahn , . . Lanrahütte . , , . Bochum . . « » « llarpener . . , Schatzscheine . . * w 83 3’/9% Oberhessen . . 4% Oesterr. Goldrente •’W/o 3Vo 8V90/0 3% 3V2o/n Reiohsanleihe do. Konsols . do. . . Hessen i "tnfaj . 101.50 . 89.85 . 101.45 . 90.00 . 100.20 ' 101*75 Die trauernden Hinterbliebenen. Heuchelheim, den 1. Dezember 1904. Die Beerdigung findet Sonntag den I. Pesen um 12l/j Uhr vom Slerbehause in Heuchelheim aus statt. halten werde. Tie Verteidiger bejahen. Tiarauf bertagre der Vorsitzende die Verhandlung. (Forts- si) . 33.40 . 91.80 . 125.00 . 108 25 . 112.60 . 193.40 . 144.10 . 158.50 . 165 20 . 140.80 . 1S.20 . 192.90 . 259.50 . 230.30 . 216.70 Todes-Anzeige. Heute entschlief sanft nach langem, schweren: Leiden unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Onkel 4*/62o Oesterr. Silberrente 100 20 4% Unirar. Goldrento . . 100.00 40/ Italien. Rente 4’2% Portugieser v°/ Portugiesen. . 1 % C. Türken . Türkenlose . . . Fassung zu empfehlen. Mit Rücksicht aus die Dringt, lichkeit dieser Vorlage wird die Erste Kammer noch kurz vor Jahresschluß zur Erledigung dieser Vorlage zusammentreten. Marburg, 2. Dez. Beim Jäger-Bataillon Nr. 11 sind 2 Soldaten an Genickstarre erkrankt. Königsberg, 2. Dez. Vor dem Landgericht wurde gegen den Redakteur des lokalen Witzblattes „Der Japper" verhandelt. Das Blatt hatte allerlei Skandalgeschichten veröffentlicht, durch die sich verschiedene Spitzen der Königsberger Gesellschaft getroffen und beleidigt fühlten. Die Verhandlung war größtenteils nicht öffentlich. Redakteur Beselin wurde zu 2 Jahren 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Ein zweiter Angeklagter erhielt 5 Monate Gefängnis. Heidelberg, 2. Dez. (Eig en er Drah tb er ich t.) Die „Bad. L.-Ztg." meldet: Der Ausschuß der Studentenschaft entsendet heute eine Abordnung nach Prag, um bei den Einweihungsfeierlichkeiten der Lese- und Redehalle der Studenten der dortigen deutschen Universität; die Gemeinbürgschaft der deutsch-nationale^ Hochschulen zu bekunden. Stuttgart, 2. Dez. (Eigener Drahtb ericht.) Der verstorbene Stuttgarter Arzt Karl Faber hat der Universität Tübingen zu einer Karl Faber-Stifturm 100000 Mk. vermacht. London, 2. Dez. Der „Standard" macht bekannt, daß der Plan in Betreff der neuen Einteilung der Flotte bis Neujahr zur Veröffentlichung reif sein werde. Die Heimatsflotte werde ganz besonders stark gemacht werden. Sie mobilisierte bei Gibraltar anläßlich des Nordsee- Zwischensalles. Die Heimflotte soll infolge dieser Erfahrungen so stark gemacht werden, daß sie die ganze Küste nlin i e vom Firth of Forth bis Portland decken kann und die bedeutendste englische Flotte sein werde. Das Kanalgeschwader wird mit dem Kommando des nordatlantischen Geschwaders verbunden und das Bindeglied zwischen der Heimatsflotte und dem Mittelmeergeschwader sein. Ferner werden sechs Kreuzergeschwader eingerichtet werden. Diese Flotten werden sämtlich jederzeit zum Gebrauche bereitstehen und eine Reserveslotte in den Heimatshäfen werden, die in weniger als 48 Stunden mobil gemacht werden kann. Paris, 2. Dez. Infolge einer beleidigenden Depesche, die der in der Verbannung lebende Deroulede an den Abg. Jaures gerichtet hat, hat letzterer Deroulöde seine Zeugen gesandt. Voraussichtlich wird also ein Duell zwischen Deroulöde und Jaurös stattfinden. Madrid, 1. Dez. Infolge Schneefalls haben sich vcrschieeene Unglücksfälle ereignet. In ganz Spanien wütet ein heftiger Sturm. Mehr als 20000 Arbeiter sind beschäftigungslos. Der König, die Behörden und die Zeitungen unterstützen sie durch Zuwendungen, Washington, 1. Dez. (Reuter.) Die Tatsache, da^ Rußland die Einladung zur zweiten Haager Friedenskonferenz mit der bekannten Einschränkung annahm, wurde vom Staatsdepartement der Presse mit folgendem Zusatze mitgeteilt: Da Rußland sich jetzt an der Konferenz nicht beteiligt und in Anbetracht der Tatsache, daß verschiedene andere Mächte die Annahme der Einladung Roosevelts zurück-, ziehen würden, falls Rußland nicht vertreten wäre, muß dem, Vorschläge Rußlands, daß die Konferenz bis nach Schluß des gegenwärtigen Krieges verschoben werden möge, ent-^ sprochen werden, wodurch das Staatsdepartement verhindert^ wird, weitere Schritte in dieser Angelegenheit zu tun. St. Louis, 1. Dez. Der Reinüberschuß deo Weltausstellung wird auf 200 000 Pfund Sterling ge-| schätzt, was eine Dividende von 6 Prozent ergibt. Im ganzen wurde die Ausstellung von 19 Millionen Personen besucht^ Die Ausgaben betragen 10 Millionen Pfund Sterling. Der Regieruugszuschuß von 200 000 Pfund wurde zurückgezahlt^ Bom Kriege. London, 2. Dez. „Daily Telegraph" meldet aus Tschiftr von gestern: Der Angriff auf den 203 Meterhügel war mit schweren Verlusten für die erste japanische Division verbunden. Tie neunte und die elfte Division, welche gleichzeitig gegen Erlungtschan und Kikwantschan vorgingen, sollen tri 24 Stunden 15000 Mann verloren haben. Es wird versichert, daß die Angriffe bis zum 10. Dezember fortgesetzt werden sollen, und man hoffe, daß die Eroberung des Platzes damit vollendet sein werde. — Die Matter melden, die Russen hätten bei der E r o b e r u n g des Forts 203 Meterhügel verschiedene 47 Millimeter-Schnellseuergeschütze und 15 Zentimeter Ganet- geschütze im Stiche gelassen. Tas Fort besteht hauptsächlich aus Felsen und großen Felsstückcn, die besonders auf der Westseite aufgehäuft waren und die Verteidigungswerke bildeten. (Hcrichtslaal. fc. Darmstadt,!. Dez. Die hiesige Strafkammer verurteilte den Fabrikdirektor Dr. Adalbert Z ifka, der auf einen Kriminals ch u tz m a n n geschossen hatte, als thn dieser wegen des Verdachts, Beihilfe zu einem Verbrechen gegen das keimende Leben geleistet zu haben, verhallen wollte, zu 4 M ona ten Gefängnis. 'Tie Strafkammer in Mainz hatte den Angeklagten freigesprochen, weil eine Ueberschreitnng der putativen (vermeintlichen) Notwehr vorliege. Das Reichsgericht hatte das Urteil auf- gehobeii und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die hiesige Strafkammer verwiesen. ~ (d.) Mainz, 1. Dez. Zweite Strafkammer. Der frühere Weinhändler und jetzige Privatmann Moritz v. L en gerke aus Kassel, wohnhaft in Wiesbaden, der bekanntlich seinen Schwiegervater, den Altbürgermeister Lebert m Erbes-Budeshetm, erschoßen und gegen den noch in dieser ^ache die Untersuchimg schwibt, hatte sich wegen W e i n f ä l s ch u n g zu verantwort^, wahrend der Küfer Jakob Müller aus Erbes-Büdeshenn der Beihilfe mit- angeklagt war. Das Gericht verurteilte den v. Lengerke zu zwei Wochen Gefängnis und 500 Mark Geldstrafe, den Muller zu 150 Mk. Geldstrafe. Urteilspublikation soll m der „Deutschen Wcinzeitung" und in der ,.Alzever Zeitilng^erfol^n^^^^^ Hm Heinrich StMing im Alter von 53 Jahren. Landwirtschaft. R. B. Darmstadt, 1. Dez. In der tzeutigm Sanptver- lammlung des Gartenbauvereins unter dem Vorsitz des Garteninspektors Stapel hielt Oekonomierat Goethe einen interessanten Vortrag über den O b st b a u auf de r A/riffel borfer Gartenbauau sstellung. Es sei dies die größte Ausstellung ilwer Art gewesen, die bisher in Deutschland stattgesundcn habe, die riesigen Obstmassen, die dort in fünf mächtigen Hallen zur Schau gestellt waren, sei aus allen Teilen Europas zusammengeflossen gewesen. Speziell die hessische Obstbauausstellung litt wesentlich darunter, daß sich viele der Aussteller außerhalb der vom Landwirtschastsrat gebildeten Gruppe befanden, man hatte Kirchlich^ YachriÄten. Evangelische Gemeinde. Am 2. Advent, Sonntag den 4. Dezember: Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 9iM'mi|e yrr r t J e in fein Die Ber lass Fr Mr fchn mer war fiert Ge wer fünf spar von Ben steh« Fori Bert ynb ber kürz tive borl dies ton Tu „T nn La> me der in Re^ Rn bei bei zu ftö sr Pc he fßei nit ri| de nta fiel Mlfi beti Cm Rat iibr Do im mai Trc t)au| ein l bann nntr ihin leqei toin her Eisei viel fönn wog fie t Stift doch den ein ihr lich, km Iche ber e. rc ich