Rotati ordd ruck und Verlag der Brühl'sch« Unwersiätsdruckerei, R. Lange, Gieß«. Rebaktior, Expedition u.Druckerei: Schulstr^. Lei, 9lt,5L Telegr.-Adr» r Anzeiger Gießen. Nr« ^58 Zweites Blatt. 154« Jahrgang Mittwoch Ä. November 1904 Erscheint »glich mit Ausnahme des Sonntags. ASP* V A A ▲ A,A a Die „Gietzener FamMendlStter- werden dem |H| ^|aA|| < P hl il P »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der HW W ® &£. 1L, M, S Ö M SL, K H M V'w IL »yejfischr Landwirt" erscheint monattich einmal. W L, Ea V Ea V” General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen. Mitische Tagesschau. Die nächste Monarchenbegegnug. R. Berlin, 1. November. Die Nachricht, daß Kaiser Wilhelm binnen kurzem eine Begegnung mit König Viktor Emanuel haben werde, ist in der italienischen Kolonie der Reichshauptstadt mit nicht geringer Genugtuung ausgenommen worden. Es wird mit dieser Meldung ivohl auch seine Richtigkeit haben, da ein offiziöses Dementi bisher nicht erfolgt ist, und da die unlängst durch die „Nordd. Allg. Ztg." gebrachte „Klarstellung" der Gerüchte über eine neue Mittelmeerfahrt Kaiser Wilhelms nichts weniger bedeutete als eine Entkräftung dieser Gerüchte. ES läßt sich verstehen, daß die in Berlin lebenden Italiener die Monarchenbcgegnung zunächst mit der Ucbernahnie einer Paten stelle bei dem Sohn des italienischen Königspaares in Verbindung bringen. Man unterschätzt dabei aber keineswegs die politische Bedeutung der in Aussicht stehenden Zusammenkunft. Man ist dazu umsoweniger geneigt, als die Konferenz zwischen dem Grafen Bülow und dem italienischen Ministerpräsidenten Giolitti nicht lange zurückliegt. Zudein besteht Grund zur Annahme, daß schon in jener Konferenz über die Monarchenbegegnung gesprochen worden ist. In den italienischen Hafenstädten beschäftigt man sich bereits mit den Vorbereitungen zum Empfang Kaiser Wilhelms. Ein hervorragendes Mitglied der Berliner italienischen Kolonie gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß seine Landsleute am liebsten jedes Jahr den deutschen Kaiser bei sich zu Gaste sehen würden, denn die im Nordland gemachten Erfahrungen bewiesen, daß nichts so belebend auf die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland einwirkc, als der regelmäßige Besuch Kaiser Wilhelms. Unter diesem Gesichtspunkt kann auch im deutschen Jiiteresse nur gewünscht werden, daß die deutsche Kaiseryacht häufiger das Mittelmeer kreuze, denn dort hat der deutsche Handel gegen eine schärfere Konkurrenz anzukämpfen, als im Norden. Es sei nur auf das Rhedereigeschäft hingewiesen. Die mächtig ausblühende italienische Exportindustrie könnte sehr wohl die Transporte, die sie englischen und amerikanischen Schiffen überträgt, den deutschen Dampfern zuwenden. Es ist kern Zweifel, daß der wiederholte Besuch Kaiser Wilhelms im Diittelmeer hier seinen Einfluß ausüben würde. Der „Auftakt". -tt- Berlin, 1. November. In parlamentarischen Kreisen glaubt man, daß die diesmalige Generaldebatte zum Reichsetat eine volle Woche in Anspruch nehmen wird. Schon das rein finanzielle Moment, der Zustand der Reich ssinanz en, im Zusammenhang mit der Brausteuervorlage, dürste ausgiebige Erörterungen zeitigen. Andrerseits wird eine eingehende Diskussion über Südwestafrika, das ja den Etat außerordentlich belastet, sich nicht vermeiden lassen, weil dort die Kolonialpolitik Deutschlands in ein neues Stadium getreten ist. Die auf Heiniaturlaub befindlichen Gouverneure Ostafrikas und Kameruns, Graf Götzen und v. Puttkamer, werden der Etatsdebatte beiwohnen. Einen breiter: Raum in dieser dürfte ferner einnehmen die Lippesche Angelegenheit, besonders die Auseinandersetzung über die vom Grafen Bülow gegebene Interpretation des Kaiscrtelegramms an den jungen Gras-Regenten. Man erwartet, daß auch der vielgenannte Staatsminister Gevekot das Wort ergreifen wird. Schließlich bietet, von Anderem abgesehen, die auswärtige Politik der Kritik so reichlichen Stoff, daß mit ihr schwerlich geivartet werden wird, bis die Reihe an den Etat des Reichskanzlers kämmt, bei dem man sonst Fragen der internationalen Politik ^u erörtern pflegt. * Zum Stand der Lippeschen Frage im Bundesrate erfahren wir von ko m Pete n ter Seite aus Ber- lin folgendes: Alte in den letzten Tagen verbreiteten Nachrichten über angebliche schon im Schoße d-es Bundesrats getroffene .......... Ser Aing. Kriminal-Roman von O. Elster. (Nachdruck verboten) (Fortsetzung.) „Ich sehe cs ein", stimmte der alte Herr seufzend zu. „Tie arme Marie, — wo mag sie jetzt weilen? O die Weiber, die Weiber", rief er dann in kölnischer Verzweiflung, „daß sic doch niemals logisch handeln können! — Nein, es ist jetzt nichts zu machen. Aber morgen in der Frühe, — beim ersten Tagesgrauen breche ich aus und suche sie." „Ich begleite Sie", sagte Ferdinand. „Und wenn Sie ^erlauben, bleibe ich die Nacht bei Ihnen, damit wir gemein] am in aller Frühe ans Werk gehen können". „Abgemacht! — Kommen Sie herein. Ta sängt das Unlvetter schon an! — ,C Marie — arme Adarie — Bertha wollte ich sagen. Damit eilte er wieder in das Haus zurück, gefolgt von Ferdi- tiand. Kaum hatten sie das sebtttzende Tack) crreidjt, als das Unwetter mit alter Macht loSbrach. Ter Amtsgerichtsrat warf sich in die Ecke des kleinen Sofas und jammerte: „Marie — Bertha . .. denken zu müssen, daß Tu bei diesem Weiter vielleicht im Walde umherirrst. . ." Tann sprang er wieder empor und rannte im Zimmer umher und fand leine Ruhe mrd Rast, bis der bleiche Schimmer des nahenden Morgens über die Berge emporiroch. Ta nahm er wieder seinen Hut und stürmte hinaus, die Entflohene zu suchen. 12. Kapitel. Tie beid'n Herren suchten zuerst die nächste Umgebung de. Haases ab, Lu. |. huch sich keine Spuren. Sodann ward der Web) und aun) der infolge des nächtlicheii Getvittcrs hoch angc- schwollene Dach untersuchet, jedoch ohne jeden Erfolg. Tie Sonne stand schon poch am Himmel, als sie wieder bei Entscheidungen, haben nur den Wert von Phantcr- sieprodukten. Nur soviel sei hier ausbvücklich fest- gestellt: Es ist nie einen Augenblick daran gedacht worden, den streitigen Fall einem aus deutschen Bundesfürstejn zusammengesetzten Gerichte zu unterbreiten. Es ist nie beabsichtigt worden, die Erledigung des Falles einem Schiedsgerichte unter deins Vorsitze des Großherzogs von Gnden vorzulegen. Es ist nie davon die Rede gewesen, den Prinzregenten Luitpold von Bayern um hie Uebernahine des .Vorsitzes zu bitten. Der Stand der Dinge ist in Wahrheit vielmehr dieser: Der Reichskanzler, dem der Kaiser völlig freie Hand gelassen hat, mußte sein Streben naturgemäß zunächst daraufhin richten, den nach dem Wortlaut der Verfassung unzweifelhaft zuständigen Bundesrat darüber erst zu sondieren, welche Stelle seinen Mitgliedern geeignet scheine, die Entscheidung des Konflikts in die Hand zu nehmen. Cs erschien hierbei aus Gründen, die keiner näheren Erörterung bedürfen, einmal wünschenswert, daß ein solcher Beschluß des Bundesrats, tvenn nicht einstimmig, so doch mich großer Majorität gefaßt werde. Und es erschien ferner nottveudig, noch vor Fassung dieses Beschlusses Sicherheit zu gewinnen, daß keine der beiden streitenden Par teilen Protest gegen ihn erhöbe. Augenblicklich sind die Dinge über dieses Stadium noch nicht h i n a u s g e d i e h e n. Es ist also völlig verfrüht, und haltlose Kombination, wenn behauptet wird, es werde wie im Jahre 1897 ein aus Mitgliedern des Reichsgerichts unter dem Vorsitze eines deutschen Bun- desfürsten zusammengesetzter Schiedsgerichtshof berustn werden. Darüber besteht allerdings im Bundesräte kaum eine Meinungsverschiedenheit, daß die Thronfolgefrage einer rechtlichen Erledigung bedarf, da die Frage der Successionssähigkeit des Grasen Leopold zur Lippe in jenem Spruch vom Jahre 1897 absichtlich offen gelassen wurde. Wir können auf Grund anderer Informationen noch hinzufügen, daß auch der bayrischen Regierung zur Stunde nicht das Geringste von der Absicht bekannt ist, den Prinzregenten Luitpold zur Uebernahme derjenigen Rolle zu Bewegen, die int Jahre 1897 der König Albert von Sachsen inne hatte. Es ist nach dem Naturell des greisen Regenten auch wenig wahrscheinlich, daß er diese Rolle, vorausgesetzt, daß sie ihm angeboten würde, je aceeptierte, ganz abgesehen von seinem gegenwärtigen leidenden kör- perliKen Zustande. Zwischen Rußland und Deutschland ist, wie allseitig angenommen wird, eine so enge Annäherung wiederhergestellt, wie sie seit den Tagen Alexanders IL und Wilhelms I. nicht mehr bestand. So schreibt auch der Berliner Universitätsprofefsor Schiemann in der auswärtigen Wochenrundschau der konservativen „Kreuzztg." (Nr. 503): Als ein hüchst erfreuliches Ereignis notieren wir die Tatsache, daß der russische Militarbevollmächtigte Oberst Schebelo der Person Kaiser Wilhelms und dernentspreck-end unser Miiirärbevollmächtigter Graf Lamsdvrff der Person Kaiser- Nikolaus II. attachiert worden ist. Tie freundliche Neutralität, die T-eutschland unter Aufrechterhaltung aller durch das Völkerrecht gesetzten Schranken während des Krieges itn fernen Osten behauptet hat, findet damit einen natürlichen Ausdruck, der wohl zeigt, daß die seit den Tagen Alexanders III. auf gekommene Spannung enbgiltig b es ei ti gt ist. Auch die öffentliche Meinung Rußlands hat die Tatsache mit Befriedigung aufgenommen, lvie sich denn nicht verkennen lä^t, daß in dieser Hinsicht ein Umschwung eingetreten ist. Zweifellos liegt in dieser Annäherung ein großer Erfolg der deutschen Politik. Wenn aber die beiden Kaiserstaalen derart verbrüdert sind, so wird den Franzosen am „Z weibu n d" nichts mehr liegen, denn sie hatten ihn doch nur in der Hoffnung abgeschlossen, daß er seine Spitze gegen Deutschland richte. Ach mit Rußland gegen England oder irgend einen anderen Staat zu verbünden, daran denken die Revarrcyemänner nicht. Allervtngs mag neben dem Zweibund jetzt, auch der Dreibund mehr als nn „Bonmot von vorgestern" aufzufassen sein, ^er Bündnisvertrag bezweckt nur die Unterstützung beibcr gegeit einen russischen Angriff; da aber jetzt ein rui.ischer A.ngrcff auf Teutschlaird nidjt mehr zu besorgen ist, hat das Bündnis den größten Teil seiner Bedeutung verloren. Was galten betrefft, so bat es seit seiner ftanzösischen „Ertratour" tvohl auch kaum noch Besorgnis vor einem Angriff von dieser ^eite her. bem kleinen Hause ein trafen. Ersck)öpft trocknete sich'der Amtsgerichtsrat den Schtveiß von der Strrn: m seinem Alter machten sich die Folgen der eifrigen Walrderung durch den warmen Sommermorgen merklich fühloar. , , „ „Ich kann mich kaum noch auf den Beinen halten", ^^^^Sie^'sollten sich niederlegen, Herr Rat", sagte Ferdinaitd. Ich'werde die Nachforschungen allein fortsetzen.' Noch einen Versuch taffen Gie mich ntaujtn, ihre L-Pur zu finden. Lassen Sie uns Erstmdigungen im Torfe einziehen, ob sie dort gesehen worden ist." , . . _ n „Ich bin einverstanden, wenn Sre vorper nut nur un Gasthaus" etwas frühstücken wollen." , Gut Ich fühle, daß ich eurer flctnen Stärkung bedarf." Im "Gasthaus angenommen, bestellte Ferdinand eure Tasse Bouillon unö einige gekochte Eier Trotz seines Kummers aß der gute alte Herr mit trefftich-em Appetit und erlangte bald icinc frühere Lebhastigkeit und Energie zurück. „Lassen Sie uns letzt werter forfchen!" rief er, sich rasch erhebend. Augenblick trat Herr Nengcbaur in das Gastzimmer und sah erstaunt die beiden Herren freundichaftlrch zu jammen verkehren. , „ . , 1 Guten Morgen, meine Herren sagte er lackiclnd. „Ich sehe,' die Herren haben fcljon Freundschaft geschlossen." „Allerdings" . entgegnete der Rat scharf. „Und ich hoffe, daß diese Freundschaft langer dauern wird, als die unfrige, Herr Neugebaur!" ~ Lrr r ~ „Weshalb sollte unsere Freundschaft so bald endigen, Hon Amtsg^richtsrat?" versetzte Neugebaur lächelnd. . , Weil . weil Sie ein . . . ooch laßen wir das letzt! unterbrach er sich selbst, indem ihm ein neuer Gedanke tarn. „Sie sind ja ein sehr findiger Kopf, Herr. . . Heer Neu gebaut-, und beobachten sckmrf. Haben ^ie vielleicht gestern kurz nach der Mittagszeit Marie Brandt gesehen?" , „Freilich, Herr Rat, und ich habe tniaji sehr über ihr ver- Zur Vorgeschiche der Erbschaft Bebels, der bekanntlich von einen früheren bayrischen Oski- zier, Koklniaün, zuu Erben seines bedeutenden Vermögens eingesetzt worden 'st, schreibt Bebel in der sozialdemokratischen ^Münch. Pos": Kollmann wurde 1873 weigert eines Hals leidens pensioniert. Meine Beziehungen zu dem Verstorbenen datieren aus dem Frühjahr 1874, also volltz fünstJahre vor seiner Testierung. Kollmann begann damials, einen Briefwechsel mit [mir, dessen nächstes Resultat war, daß er mich im Juni 1874 in Leipzig besuchte und einen halben Tag mein Gast war. In den nächsten Jahren war unser Briefwechsel spärlich. Dieses änderte sich aber, als Kollmann am Anfang 1878, aus Grujstd eines ehrengerichtlichen Urteils, das Recht, dieUnisorm zu tragen^avs- erkannt wurde. In diesem Prozeß spieQe ein Bruder. Kollmanns, der genötigt genesen war, als Leutnant den Abschied aus der Armee zu nehmen, und ein dcmrals noch im Dienst befindlicher Schwager, der im Range eines Premierleutnants stand, und hie beide heute noch leben, eine für Kollmann Verhängnisrolle Rolle. Kollniaryr wurde unter anderem von den beider, moralisch gezwungen, wegen einer Unbesonnenheit, die er gegen den aus der Arwcp enlckassenetr Bruder wegen deffen Lebenswandel begangen hatte, einen Revers zu. unterzeichnen, auf Grund dessen hauptsächlich das Ehrengericht zu seinem Spruche kantz. Daß aber die vorgesetzte Behörde insbesondere auch 'das Verhalten des damals noch iin Dienst befindlichen Schwagers gegen Kollmann mißbilligte, dafür spricht, daß bem* selben auf Unordnung des TivisionZkommandeurs vor versammeltem Ossizierkorps ein «Verweis erteilt wurde. Koll-, mann war über das ehrengerichTiche Urteil sehr aufgebracht, und nachdem ich erst Weeder in diesen Tagen die Men dessolbert eingesehen habe, mit Recht. Er wandte sich d-ari auf an mich pnter Darlegung des Sachverhalts und bat, daß ich 'ihm dü'rch Erörterung der Angelegenheit im Reichstag zu seinem Recht verhelfen möchte. Ich antwortete, ihm, daß dieses unmöglich sei. Der Reichstag könne weder ehrengerichtliche.Urteile abändern, noch dahin wirkest, daß sie abgeändert würden. Tie einzige Möglichkeit, dest Spruch aus der Welt zu schaffen, sei die sÄtretung deS> Gnadenwegs. WoUe er aber diesen Wieg betreten, dann! sei eine Erörterung seiner Angelegenheit im Reichstags durch meine Person der deutbar verkehrteste Weg, denn dann werde sein Gesuch sicher abgelehnt werdchr. Das. sah Kollmann ein und' beruhigte sich M diesem meinem Bescheid. Er hat dann in der Tat bei dem damaligen König von Bachern ein Gnadengesuch tzingereichch wurde aber ab* schlä glich beschieden. Seitdem hörten meine Beziebungen: zu Kollmann auf, von dessen späteren Schicksalen ich erst durch seine testamentarische Werfügung und den daraufhin,^ ein geleiteten Erbschaftsprozeß Kenntnis ssrhielt. Zn bezstgj auf letzteren möchte ich noch bemerken, daß ich und mein testamentarisch eingesetzter Mterbe den vom Erbe ausgeschlossenen Geschwistern im vorigen Jahre einen jVer- gleich anboten, der aber von diesen abgelehnt wurde,, ßä diese heute anders denken, weiß ich nicht. s ' , ÄuöLanö. Paris, 1. Nov. Ter Urheber des gegen den Kriegsminister auSgebcuteten Torumeutendiebstahls ist ein junger, bisher sehr eifriger Freimaurer Namens Sebeguin, der seit sieben Jahren als Sekretär in der Freimaurerloge „Grand Orient" angestellt, war. Bedeguin, der ein Monatsgehalt von 500 Frcs. bezog, soll für die Tvkumente 42 000 Frcs. erhalten Habern Ta der klerikale Käufer 50 000 Frcs. bezahlte, existiert offenbar ein Vermittler, der 8000 Frcs. einsteckte. Ter Kriegsminister forderte den Teputierten Guyot de Billeneuve auf, ihm Gelegenheit su geben, die von ihm in der Kammer verlesenen Dokumente anf ihre Echtheit zu prüfen. Bikleueuve lehnte jedoch ab, dem Wunsch des Ministers zu entsprechen. Wien, 1. Nov. Staatssekretär Graf PosadowSky ist mit feinen Begleitern heute früh hier eingetroffen. Er wird morgen vom Kaiser in besonderer Audienz empfangen werden. Troppau, 1. Nov. Gestern abend wurden in Pbeefutt wegen des Beschlusses des Ortsschulrates, die irchste KLasse tret tschechischen Mädchenschule zu sckKeßen, tschechische unb deutsche Versammlungen veranstaltet. Am Schluffe der tschechischen Versammlung zogen die Teilnehmer gegen Mährisch-OstrOn. Die an der Stadtgrenze ausgestellte Sick>erheitswache unb die GcndarmMe foiärerten die Menge vcrgelstich auf, ausLfnsrkder^g»-«!. We tourben mit Steinen und Bierflaschen bewsLFfe-rv; zwei Wachtleute wurden verletzt. Tie MeNtze öwrde hierauf von der städtischen Wache zersprenst. Sie sammette sich störtes Wesen gewundert, da sie doch sonst die Glcichnmt seW. war. Sie ging — ja sie lief fast durch das ganze To^ daß ich sie kaum einholen konnte." „Sie baten mit ihr gesprochen?" „Ja... das heißt, ich versuchte sie anzureden, doch sie wies mich mit heftigen Worten ab. Ich folgte ihr bann in einiger Entfernung und sah, datz sie sich in die Fabrik begab. Nach einiger Zeit sah ich sie wieder herauskommen. Sie hatte ein großes dunkles Tuch über den Kopf geschlagen und ein kleines Läscl)chm am Arm. Eine Weile blieb sie wie unentschlossen stehen und blickte, lute es mir schien, sehnsüchtig nach ihrem kleinen Hause hinüber. Tann zog sie mit einer raschen Bewegung das Luch über den Kopf, wandte sich ab und schritt davon" „Wohin — wohin?" „Ja, das kann ich Ihnen auch nicht sagen Sie verststate die Laudsiraßc, welche nach Böhmen hineinsuhrt. Ich folgte ti)r eine zeit lang, bald aber mußte ich dies aufgeten; ich hätte sie gern noch einmal angeredet, aber sie ging so rasch unb der Nack>- mittag war sehr heitz, so daß ich schließlich die Verfolgung aufgab." „Ich baute Ihnen für diese Auskunft..." „Bitte sehr, Herr sJiat . . . wenn Sie meine Dienste noch feiner in Anspruch nehmen wollen. . ." (Fortsetzung folgt.) — TaS badische Kultusministerium hat Prof. W. Trü.bner für das Studienjahr 1904/05 zum Direktor der Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe ernannt. — Am lü. d. M unb folgende Tage Wirb in München unter Leitung des gcr. verpfl. Kunstexperten Maurer eine ^omm- tung wertvoller Gemälde alter und moderner Meister, diücklaw R. Beyschlag, W. v. Kaulbach versteigert. (S. Inserat.) — Wil h e l m H o l 5 a m e r s Trama „A n b v c a K r afft" wurde von den vereinigten Leipziger Schauspielhäusern erworben. laut e r hastet. 5 Verwaltung wurde hier, wie wir der ,RL Pr." entnehmen, eine Liste in Umlauf gesetzt zur Herbeiführung des Acht- uhrladenschlusscs, mit 79 Unterschriften ist die nötige Zweidrittelmehrheit erreicht. Eine Versammlung der Beteiligten beschloß, den Achtuhrschluß für alle Läden einzugezogen werden mühten. Des Längeren wurde auch über die Wüchsig kert deö Rindviehes gesprochen. Allgemein war man der Auffassung, daß nicht die Riesentiere die besten seien, sondern solche Tiere, die im bestimmten Mer und Geschlcchtszustand eine dem Schlage entsprechende schöne, Entwickelung zeigen. Tie zu großen Tiere sind für Zucht^wecke ebenso wenig brauchbar, wie die zu kleinen oder jene Tiere, die nach zweiJahren ausgewachsen sind. Tie erstrebte Ausgeglichenheit des Körperbaues stellt sich erst nach dem dritten Jahre ein. Weiterhin tagte noch die Geräteabteilung. Hier beriefAsmIaerschky GartzenÄerg) über eine s Herbftversammlurrg der Deutschen Landwirtjchaftsgesellschast. Berlin, 1. November. Tie Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft hält in Berlin ihre Herbstversammlung ab. Zunächst ragten die zahlreichen Ausschüsse. Bon besonderer Wichtigkeit waren die Verhandlungen der Tierzuchtabteiliung, da hier die Vorbereitungen für die nach st jährige große la^rdw.irt- schastlicheAusstellung in München getroffen wer- Aus Stadl u::d Lund. Gießen, 2. November 1904. ** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtvcrordneten-Ver|ammlung Donnerstag, den 3. November 1904, nachmittags 4 Uhr. 1. Mitteilungen. 2. Baugesuch des Tr. Jung für, die Bahnhofstraße. 3. Baugesuch des Joh. Georg Pfaff für den Riegelpfad. 4. Baugesuch des Heinrich Winn für den Riegelpfad. 5. Baugesuch für die Neuen Baue Nr. 18. 6. Ausbau der Seitenestraße neben dem veterinär-niedizinischen Jn- 138 Männer und 24 Frauen, Brausebäder 1493 Manner und 226 Frauen. Die Personenwage wurde von 260 Personen benutzt, das Bad von 4 Personen besichtigt. -* Eine Zigeunerhochzeit. Aus Niederrad schreibt man der »Kl. Pr." r Ende voriger Woche hatte man hier das seltene Schauspiel einer Zigeunerhochzeit. In der "Nähe der hiesigen Gummiivarenfabrik hatte die Gesellschaft einen Acker gepachtet, auf dem die Feier abgehalten wurde. Der Hochzeiter war ein schmucker junger Mann namens Paul Lichtenberg, sie eine gebräunte Schöne mit wallendem Locken- haar, Luisa Petroski) mit Namen. Nach Erfüllung der gesetzlichen Bestimuiungen, die auch für die Zigeuner gelten, begann auf freiem Felde der HochzeilSschm aus. In einem rußigen Kessel über dem Lagerfeuer wurde das Hoch- zeitsmahl bereitet. Hammelfleisch und Schnecken, Schweinsfüße und Speck, Kraut und Rüben, alles das kochte in dem unergründlichen Kessel. Außerdem wurden drei große Fässer Frankfurter Bieres spendiert. Ziim Schluß kam der Tanz. Die Geigen wimmerten, die Harmonika brummte und fröhlich miegten sich die schwarzen Gestalten im Tanz. -n- Dorf-Gill, 1. Nov. In Dors-Gill ist für verhältnismäßig wenig Geld ein Musterschulhaus geschaffen worden. Das Hauptgebäude ist für eine einklassige Schule bestimmt und enthält demgemäß einen Lehrsaal und eine Lehrerwohnung, außerdem ein Zinimer für das Standesamt. Tas schöne, schmucke HanS und seine sämtlichen Nebenanlagen werden für alle Zeit eine Zierde des Ortes sein. Die Em- weihungsfeier verlief sehr erhebend und ansprechend. Sie begann mit einer kleinen Abschiedsfeier am alten Schulhause junb einem längeren Gottesdienste. Am Schulhause erfolgte l die Uebergabe des Schlüffels durch Straßenmeister Hermann unter öffentlicher Belobung der Bauhandwerker, die am Bau beteiligt waren, an den obersten Bauleiter, Baurat Diehm. Letzterer übergab ihn an den Vertreter der Staatsregierung, Kreisamtmann Dr. Kranzbühler, der den wärmsten Dank der Regierung für die Opferfreudigkeit der Gemeinde und Herz» liche Segenswünsche aussprach. Kreisschulinspektor Kleinschmidt empfing den Schlüffel, erwärmte in längerer Ansprache die Herzen der großen Festversammlung für die hohe Bedeutung der Schule und überreichte den Schlüffel dann dem Bürger- insister, der nach einer kurzen Rede das herrliche Gebäude zur Besichtigung erschloß. Ansprechende Gesänge und Vor- träge des Pojaunenchors verschönten das Fest. B a d - 9t a u h e i m, 31. Oft. Aus Anregung der PolizeiPrüfung von HedcricWttnaschtnen, nursveiryer 'A)r. w' Der t (Münchhof) über eine Prüfung von Sclbsteinleger- Dreschmaschmen und großen Häckselmaschinen. Rittergutsbesitzer Meyer (Kl. Eichholz) machte cimae Vorschläge zur Verbesserung der Ackerwagen. Er empfahl die allgemeine Einführung des etwas geänderten mitteldeutschen Kasten- wageiis. Von anderer Seite wurde über Erfahrungen mit' amerikanischen Wagen berichtet. Diese haben eine breite Ausladesläche und dasselbe Gewicht (12—1300 Kilogramms Die Versuche sollen fortgesetzt werden. Die Verbesserung^ bedürstigkeit der jetzigen Wagen wurde allseitig anerkannt Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter bi?)er Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 1. Nov. Auf das „Eingesandt" in Nr.^5 bett. Klagen in Friseur kreisen ist zu erwidern, datz Abhilfe nur geschaffen werden kann, wenn ein einheitliches Zusanimengehen sämtlicher lstesiger Friseure versucht tvürde, Ter Euiseiider dieser Zeilen, ebensalls Friseur, betrachtet es jedoch für vollkommen unkorrekt, wenn der Kundschaft der Vorwurf gemacht wird, fie wolle den Friseur auSbeuten. Glaubt man denn, damit zu erreichen, daß Die Kundschaft großmütig eine höhere Taxe zahle, als die, welche Die Friseure sich scheuen, für ihre geleistete ^lrbeit zn fordern'^! Meine langjährige Selbständigkeit hat mich eines anderen belehrt, und ich kann fonftaticren, daß sich bis heute noch niemals ein Kunde geweigert hat, mir das gewünschte Frisieren nach der Taxe zu bezahlen. Würde man Die Geschäfts Prinzipien hochhalten, so Hütte man keine Ursache Derartige ütlagen zu führen. . r Ein Friseur. * Kleine Tageschronik. In Hornburg r. d. Pfalz erregt Aufsehen die Verhaftung des Postexpedienten Bähr, Der sich bedeutende Unter)chlagungcii in fernem Amt zu fchuldcii hat kommen lassen. Auch die ihm anvertraute Kasse des Schützcnvereins zog er in Mitleidenschaft, indem er 2300 Mk. daraus für sich verwandte. — In Lüde ct ist nach Beendigung der Vorstellung das 2000 Personen fassende Gebäude des Zirkus Reuterkrug abgebrannt. Vier Pferde und zahlreiche Garderobe- und Ausstattungsstücke, sowie Musikinslrumenle sind verbrannt. — Ter Landschastsdirektor Laer aus Münster i. W. wurde auf einer Treibjagd bei Jägerhaus schwer ver- t e t51. — In dem braunschweigischen Torf Liersse schnitt ein Arbeiter aus Wut Darüber, Daß eines feiner Kinder laut meinte, dem dreijährigen Kinde mit einem Messer die Zunge durch. Tas Kind starb bald Darauf. Der Unhold wurde Der* Landwirtschaft. Die schlesische landwirtschaftliche Berufs» genossenschaft nahm das Statut einer Haftpflichtversicher- uiigsanstatt an und stimmte dem projektierten Zusammenschluß mit der ostprcußischen und he s s en-na s s a u i > ch e n Haftpf lichtversicherungsanftalt zu einem Garantier-Ver- band bei. . wieder und es kam zu einem neuen Zuummenstoß. Elf Verhaftungen wurden borgen.mimen. Tie Teilvdmer der deutschen Versammlung wollten später dem Obmani des OttSfckmlrats eine Huldigung dar bringen, wurden aber gewtigt, au S einan d er zugeben. Petersburg, 1. Nov. ES vcsiautet gerüchtweise, daß am fo mm en Den Tanner 5 tag. Dem Jalwstag Der Thronbeldngung des Zaren, ein kaiserlicher Ukas verösentlickst werden wird, in | n>elchem eine Erweiterung der Preßfreiheit imb, sonstige Reformen an gekündigt werden ollen. Belgrad, 1. Nov. Tie „BeogcadSke Novine", ein über I Die Vorkommnisse in Makedonien gut unterrichtetes Blatt, meldet I von einem blutigen Zusammenstöße zwischen bulgarischen Bandeii und Leuten ds serbischen Wostvooen Misko in Poretsclx Beiderseits gab tS viele T o t e und Ver> i wundete. Ter bulgarische Führer Sugareiv soll saIver ver-1 wundet sein. i Sofia, 1. Nov. Ter König von ^erbten sandte an den Fürsten Ferdinand beim Belassen Bulgariens ein herzliches Tanktetegi-amm für den warmrn Empfang. Er betonte, der Aufenthalt in Bulgarien bilde ehrit Der schonsdm Augenblicke feines Leb«is. Fürst FerdinanD ertnDcrte, er schätze sich glücklich über bie von Dem Könige gebotene Gelegcnl)eit, Die Ge)uiste Des bulgcrrtf&en Bvlkcs und dessen Ersten gcgcnul-t-r bem Kü-nige Pettr und dem serbisck)en Volke ztm Ausdruck zu bringen. Cetinje, 1. Nov. Ter Köllig von ^erbie^n un^der Fürst von Bulgarien sandteL dem Fü r )ten NtTo la us gemein i a m Telegramme, h denen es Heißt, )ie begrüßten um, crfEt von brüderlicher HerzkckKeit, und betonen ferner die uniuanbetbarc Freundschaft znifckxni Serbien, Bulgaineii und Montenegro. Fürst Nikolaus antwortete in gleichem ^innc. _ Washington, 1. Nov. Staatssekretär vay und der rran- zosische Bolsck>after, Jusserand, haben den V e r t r a g ^unterzeichnet, nach welchem jeder möglick^erwüse eintretende streit lall zwischen den Vereinigten Staaten und sranzo)i)c1>en Schiedsgerichts vertta g es zum Vorbilde zcdiem. O-SsottorilrÄ bekomme x hübsche Tarnen- oder Herren-Remontoir-Ubr, welcher 400 Umhüllungen der beliebten Gioth's gemahlener Kernseife an den Fadr^anten I. Gioth, Hanau, cinsendet. hv >* i ftitut. 7. Ausbau der Crednerstraße. 8. 9(u§bau des Wetzlarer WegS. 9. Gesuch des Hilfsvereins vopi Roten Kreiiz um Ueberlaffung von Baracken für ein im Kriegsfall zu errichtendes Veremstazarett. 10. Befchaffung von Schultafeln für die Stadtrnädchenfchule. 11. Aufräumen der Jlutgräbcn im Neustädterfeld. 12. Gesuch des 1. Bataillons Inf.- Regiments Nr. 116 um Geländeverpachtung. 13. Bejchädi- gung des Geländers an der Lasuvaage auf dem Sett-rsb-rg . ^h- ^^Äus'n°hm- der Bäcker und r'!etzger, über di-nach 14. Bcüreibcing der Ferdcrungcn ber ^ent ' “ "fl Qen fmb. Samstag abend ist um Gießen. 1b. Der H-lzpre.sl-nf für d.-stadstschenWa düngen. ^°"ngen anzui.e ny Dezember bis 18. WirtschaftSplan für die Gießener Stadtwaldungen. ! yanuac um ,ct)n uhr. Das gilt natürlich nur für den 17. Gesuch der siadtischen ^or;rwartc um Gewährung cmcr faic U„ch eine besicre Regelung m f^ ^r Beiwohnen der den H°lz°Mte-gcrungen und - ,,^ach du!chlöchei1en Sonntagsruhe ist m Aussicht ge. Aufstellen der AbzShlungsprot°r°lle. 18. Genehmigung von I trüber soll eme weitere Versammlung entscheiden. 878» ÄÄä« 5WÄÄ sssra *" «Äff 3« -ä»; »mjÄts ^luß an d,e vor Kurzem gemachte Mitteilung wird unser m bie Radspeichen und wurde, da der Wagen Mitglied Herr Oberbergrat Proscsfor Dr. Chelius den an- 3 „.Bewegung befand, förmlich vom Bein ab- gekündigten Vortrag über den Erzbergbau in Ober- 31,1 tjefien in Beziehung zur Lahnkanalifation am Ntarburg, 1. Nov. Ein Volksbad beabsichtigt, wie 19. November nachmittag-- 4 Uhr m Stern s Garten o.-Ztg ' hört, die hiesige Ortskrankenkasse zu lNeuer Iaalbau) halten. Roirzkundc errichten, wa- aus hygienischen Gründen sehr zu begrüßen Ler am Montag iUckö Ebel"abgeyaltene erste Mitglieder- wäre. Am 10. November soll eine Generalversammlung der aöend der Hessischen Vereinigung für Volkskunde erfreute Mitglieder slaitsinden, um Beschluß zu fassen, ob bic J. httcl sich eines zahlreichen Besuches. In seiner Begrüßungs-s zu diesem Volksbad zur Verfügung gestellt werden sollen. anfprache verriet der Vorsitzende zugleich das. Winter- progrcrmni, wonach den Miügliederu Boriräge^ aus den verschiedensten Gebieten der ,'Vdlkslunde in Aussicht stehen. Es wird im Laufe des Winters über Mythus, Sage und Märchen, über rnohanrincdanische Gesellschaft in Aegypten, I über Abendmahl und Tärnonen, über Spottnamen und > Spottverse in Oberhessen und schließlich über Hexenglaubeu in neuerer und alber Zett gesprochen werden. Rach der Ve-- grfiAung ertzeitte der ?Lorfinende bem Lehrer Leutz- GeTshausen, das Wort zu seinem Vortragsiiber den Tod. Als Grundlage für seine auf eingehenden Studien beruhenden Ausführungen dienten dem Vorttcrgenden Sitten, Gebräuche und Anschcruungeu, wie sie im Lunrdatal heimisch, sind, Sitten, Dciiuche und Vorste-llungen, die bei allen uns bekannten Bvtkern ]o viele AetMichkeiten und doch wieder so mancherlei Verschiedenheiten anftoeifen. Am meisten interessieren uns dabei solche Bräuche, die sich im Lumdatal vielleicht allein erhalten haben oder wenigstens vor nicht allzu ferner Zeit dort noch beobachtet worden fiwb. Hierher gehören das Äusagen des Todes durch die Leichenbitter und die Verwendung von Totenbrettern. Nicht ausschließlich auf dem Lande ,inden wir noch jetzt den Aberglauben, daß der Torenvogel den bevorstehenden Tod anlündigt, daß vor Geist oes Verstorbenen umgeht, daß er einen Lebenden nach sich zieht, daß von 13 Tisch- genossen einer sterben muß. Tie Erklärung bietet vielfach Schwierigkeiten. Manche Sitte, die wir heute im Zeichen der Pierüt zu nennen geneigt sind, stellt sich Der wissenschaftlichen Betrachtung als Den Ausfluß der Angst vor dem Wiederkonnnen des gefürchteten Toten dar. Auch der Sprachgebrauch ist bisweilen dunkel. Der Ausdruck „er geht in die Hohmerstiele" ist noch nicht besriedigend erklärt. Daß der an sich so ernsten Unterhaltung auch der Humor nicht fehlte, dafür sorgte die Mitteilung einer Reihe von originellen Grabschriften, die aus der Mitte der V.r- scrmnrlung ergänzt wurden. An den Vorttag knüpfte sich eine rege Tiskussion, die teils Aufschlüsse gab, teils neue Fragen stellte. ** Gießener Volksbad. Im Oktober wurden 9618 Bäder verabreicht gegen 8898 im September 1904 und 6449 tm Oktober 1903, ober pro Tag 310 Bäder gegen 207 tm September 1904 und 291 im Okltober 1903. Der Besuch im emgejnen hat sich wie solar verteilt: Schwimmbad 5038 Männer, darunter 964 zu 10 Psg., H 1 1 '/ Wannenbäder 1. Klaffe 229 Männer, 88 Frauen, 472 Dampf- und Heißluftdcrder, sotvie Massage zusammen $md)t9|aaC Breslau, 1. Nov. Tas Kriegsgericht Der 1. Division verurteilte die Reservist en Joschke unD Jakudek vom 10. Grenadier- rcgiment wegen Gehorsamsverweigerung unD tätlidjcm Angriff auf eine militärische Wirtshauspatronille zu je fünf Jahren Zuchthans. Budapest, 1. sJioü. Baron Ernst von Wallburg^ der beschuldigt war, aus den 2aibad>cr Militärmaterialien zwet Blätter herausgerissen und aus denselben die Trauung seiner Mutter Laura Sknblits mit Erzherzog Ernst geätscht zu haben, nmrbe heute vom Verdrecken der Urkunden- ätschung f re i g e spr o cken. . Tie Sehnsucht nach einem Kinde hat drc Kauf- mannssrau Gertrud Sch. in Berlin zu einem törichten Streich verführt, Der ihr eine Anklage wegen Vergehens m Beziehung auf Den PersonenstanD zugezogen hat. Neben ihr hatte Das TicnstrnäDchen D. auf Der. Anklagebank Platz zu nehmen. Tas Eheglück Der Frau Sch. wurde Durch Den UmstanD getrübt, daß sich Der Wunsch nach Nachkommenschaft nicht erfüllen wollte. So oft fie auch in schlaflosen Nächten Die Gunst Des Himmels in Dieser Beziehung erflehte, sie bat und hoffte vergebens. Ta griff sic zu einem verz-iveifelten Nttttel, welches ün Kwilecki- Prozeß eine so große Rolle gespielt hat: zur Äi n des unter- chiebuug. Sie täuschte ihrem Ehemann allerlei vor und be- chenkte ihn eines Tages mit einem jungen Weltbürger, der auch als sein MinD standesamtlich angemeldet wurde. Tatsäckdich war es aber Das KinD der ziveiteu Angeklagten, Die Das Neugeborene mit Freuden der Frau S. überließ. Da sie damit Das Glück deS Kindes zu begründen hoffte. Turch einen Zufall ist die Sache ruchbar geworden, und Frau S. hatte nicht nur Den Schaden, daß sich ihr empörter Ehemann ob Dieses törickxten Streiches gänzlich von ihr abgewendet hat, sondern sie mußte nun auch auf Die Anklagebank. Ter Gerichtshof verurteilte sie nur zu einem Tag Gefängnis. Ter Staatsanwall erklärte sich bereit, em etwaiges Gnadengesuch seinerseits zu unterstützen. Kandel und KerKeyr. IolKswirlschast. Neue russische Anleihe. Berliner Blättern zufolge oll die neue russische Anleihe schon perfekt und unter-eächnet ein. Auch daS Deutsche Kapital soll dabei beteiligt werden. Ob diese Meldung richtig ist, darüber liegt sickjeres nichts vor. In der „Fr. Ztg." kommen wieder Berichte aus Paris, nach welchen zuverlässige Mitteilungen bestätigen, daß eine neue russische Anleihe für dieses Jahr nicht mehr in AnssicA steht. So widersprechen sich, ivic schon seit fUtonaten, auch jetzt noch alle Nachttästen, Die über diesen Gegenstand in die Oefsentlichkeit gelangen. RussischeBestellungenbeiderdeutschenSchuh- inbuftrie. Wegen der Lieserung von einer Million Paar Schuhen, und zwar von 500 000 Paar Stiefeln und 500 000 Paar Halbstiefokn unterhandelt Rußland mit deutschen Unter* nehmern. Auftrage auf die Lieferung von Proben nach bestimmten Mustern sind bereits erteilt Tie Preise, die geboten werden, sind jedoch sehr niedrig und es sollen sich auch wegen zu niedriger Gebote die Verl-andlungen mit Unternehmern anderer Staaten zerschlagen haben. — Es wäre bedauerlich, wenn die dentscheii Schuhfabriken Den russischen Auftrag äu Schundpreisen übernehmen würden, da es hier wieder, unD nickst mit Unrecht, hieße: Den Teutfchen kann man eben alles bieten. den mußten. Tie erste öffentliche Versammlung war die der Rinderrichter. Sie beschäftigte sich yauptsächlich mit der Frage, ob der bei der Ausstellung in Tanzig gemachte V?rsuch mit dein Punktrichten sich bewährt hwt und in München nnederhcllt werden soll. Geh. Oberregierungsrat Prof. Tr. Werner von der tterärzttichen Hochschule in Berlin berichtete über die Ergebnisse einer bezüglichen Umfrage. Tanach hat das Punktrichten allgemein Anklang gefunden. Nach verschiedenen Richtungen könnte das ^Verfahren noch vereinfacht werden. In Zukunft soll auch keine Abteilung mehr als 40 Tiere zur Beurteilung erhalten. Auf das Punktierschcma der Land wir ts ch a j t sge sellschast haben sich die landwirtschaftlichen Vereine in Nord- und Süddeutschland geemigt. In der Tiskussion wurde u. a. die Frage aufgetvvrfen, ob nicht genauere Bestimmiun gen über die Ab- stanimung der ausgestellten Tiere zu erlassen seien, und wie insbesondere die Mstammung bei dem aus der Schweiz importierten Simmentaler Rindvieh zu bewerten ist. Bei dem Simmentaler Zuchtvieh sei in der Regel kein sicherer Nachweis der Mstammung zu erbringen, und wo Angaben gemacht würden, seien sie zu 99 Prozent falsch. Tie Versammlung wurde schließlich dahin einig, oaß auch in München beim Fehlen des Absta.nttnungsnach- weises mindestens zwei Puutte bei der Bewertung ttbV Nur acht mit Drei eck- /I86O\ /tp.a.p.mX C.nEIEP6YPnr Marke auf der Sohle Kreisblatt M den Kreis Gietzen ö w eo iä E an -W an 6“? p o p * s C Qo §GQ c3 T M *8* JQ £ . o Ci vO £ P o Ä ü « | ** tt a ®K» o S P «3 CD £2 Sä ö •irr - c-£ § g N ‘P'.o (7? -TZ e .5 £ <5bc " § -£ G> P C 8 B B p JE> P c an ./D SS s Z Q. » <3 vO Q Xft Ä w Pb X an V-* o _VD CD p P <5D P z> o an" 2 S' G Jd -2 O £ 5 «efc^E r% — - «W -L2- -2 <5 ü ** P- is ge = = = Ä >b^ tt'u 3»BL»ZU jo g 5 -g -g «!^v öS« HZ -t p E 5 « »-»•*• ^ IS) £ an «ö c 3 o C sZ ?? a= 3 o "-"Ö o UP o> CS ‘gg 2e± «st P P tH O er i = ** -Ö ttc RZK 2E 4-7^- p CD S HZ o o o es CD CJ o jO w v Z I r"* er er oo ^2 Ä an x> -p p ZN CO £ « E a» « E HK •- - 3£ ’S Ä c , S S SS' 5 » = I e-QZ o « *—*_ v g £ io p — » «K ° S .. an an C?«K p vd p Ci 'o p s -o p p -c an . '77 0 jQ CD P 2 -H LQ O L Q)^ s °>e CD jj © w * w «* O' CÖ <- JD •- :C 2 ■*-* ' — an >gy Z-- p H^" *S c e-g- Q X> o <-> _/D P P >;c P P O P s p «SSg p^ c» VD C K S's 5 § *3 '*2 P «rt 2 =o ?*« CQ ä -p 3 E ■€ .£ g a? F a >b o p p *2- CQ p H- n- p P o w -2 3 . c? *7 • *t7 « O o^-g-S 5i ®’®@ «■Jg S § - -w l «£> an I x> (Z' 3 2-cd q an cd -L L -- LZ -2.5 » LZ s 5 «’g'-g L-Z o ZQ C o q p p P-^an w »Ö CD o *_* j_, Bekanntmachung. Es ist zu unserer Kenntnis gelangt, daß in einer Anzahl Ge° taube Entwässerungsanlagen ausgesührt worden sind und z.Zt. vusgeführt werden, wozu die in § 13 der Polizeiverordnung, die Entwässerung von Grundstücken im Anschluß an die städtische Kanalisation betreffend, vom 1. August 1904 vorgeschriebene baupolizeiliche Genehmigung nicht eingeholt worden ist. Wir machen daraus aufmerksam, daß die seit 1. August ds. Js. zur Ausführung gelangten Entwafferungsaulageu genau den Bestimmungen der angeführten Polizeiverordnung entsprechen müssen und bei Anschluß derselben an den Kanal auf Aenderung bestanden werden wird, insoweit gegen die Polizeiverordnung verstoßen ist. Gießen, den 31. Oktober 1904. B1/11 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung, Offenlegung der Liften der Stimmberechtigten zur Stadt- verordneteuwahl betreffend. Während der Zeit vom 28. Oktober bis 4. November 1904- einschließlich (auch am Sonntag), vormittags von 0 bis 12 Uhr und nachmittags von 2 bis 5 Uhr, liegt die Liste der in der Stadt Gießen zur Stadtverordnetenwahl Stimmberechtigten, sowie das Verzeichnis der zu deut höchstbesteuerten Drüteil der Wählbaren gehörigen Personen in dem Bürgermeistereigebäude — Zimmer Nr. 15 — zu jedermanns Einsicht offen. Innerhalb dieser Frist kann in dem bezeichneten Lokale jedes Mitglied der Stadtgemeinde Einsicht von diesen Listen nehmen und Einwendungen gegen dieselben vorbringen. Gießen, den 27. Oktober 1904. B27/1O Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Stratzenjperre zu Solms-Jtsdorf. Anläßlich der Arbeiten zwecks Umbaues der Straße von Solms-Ilsdorf nach Hessisch - Ilsdorf ift dieselbe für den Verkehr gesperrt. Schotten, den 29. Oktober 1904. Großherzogliches Kreisamt Schotten. Schönfeld. D2/jt mit 2% Pfund gefüllt, Stück zu 4.75, 5M, 6.70, 8.— Mk. und besser, falten stets in großer Auswahl vorrätig a-2/l0 ö. Böäi- äs öo. Fertige Federbetten mit « Pf,inb Federn gefüllt, Stück zu 13.-, 15.-, 18.-, 21.- Mk. und beffcr. Gaskoks Gegenwärtige Preise: Für den Zentner ab Verkaufsstelle: Stück-Koks .............. 1,10 Mk. Nuß-Koks, arrsschließlich trocken gelagert, in zwei verschiedenen Korngrößen für Stubenheizung, sowohl für 10eite als für enge Osen- schachte geeignet, zerkleinert: Größe Nr. 1, etwas größer als durchschnittliche Korrrgröße des Anthracit, g ang- bar st eSorte ........ . 1,25 Mk. Größe Nr. 2, kleiner als durchschnittliche Korngröße des Anthracit, namentlich für engere Osenschächte geeignet.....1,25 AU. In Wagenladungen von mindesten- 36 Zentnern: Stücktoks.......1,05 M. NußkokS Rr. 1.....1,20 , Nutzkoks Nr. 2.....1,20 , Bei Entnahme von mindestens 200 Zentnern: Stückkoks.......1,— Mk. Nußkoks Nr. 1.....1,15 „ Rrttzkoks Str. 2.....1,15 , Für Koksabnebrner, welche zwei und mehr Doppelwaggouö beziehen, ermäßigt sich der Preis um weitere 5 Pfg. für den Zentner. Für Anfuhr an das Haus werden 5 Pfennig für den Zentner berechnet. NB. Ausnahmsweise können kleinere Koksmengen ohne besondere Vergütung auch an die betr. Lagerplätze (Keller, Stall usw.) verbracht werden, sofern Die Zufuhr durch das Gaswerk erfolgt. Im Gaswerk findet nur Verkauf von über 5 Zentner Koks statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der Klkiiüirrvus her Sssvlrs von 1 bis 5 Zentner eingerichtet, nämlich bei: Bacheuheimer & Schaumberger, Marburgerstraße 22 Andreas Euler, Steinstraße 11, Äoh. Fischer, Alicestraße 19, F. Happel, Neustadt 56, Gebr. Kahl, Frankfurterstraße 151, Ed. Klinket, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Kirchenplatz 9, Emil Piftor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Licherstraße 2, August Struck, Bismarckstraße 6, Georg Unverzagt, Grünbergerstraße 13. Daniel Wirth's Nachf. (Th. Geitsns), Westanlage 51. Diese Firmen berechnen obenstehende Preise unserer Gaskoks samt Ansuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch in Mengen unter 5 Zentnern. Die Preise unserer GaskokS für die Abnehmer außerhalb der Gemarkung Gießen ermäßigen sich um den Betrag der Oktroirückvergutung von 4 Pfg. für den Zentner. Gießen, den 11. Oktober 1904. Bia/W städtisches Gaü- und Wasserwerk Gießen. Nutzholz-Verkauf der Gräflichen Oberförsterei Arnsburg. Für den gemeinsamen submissionsweisen Holzverkaus verschiedener standesherrlicher Forstverwaltungen am 7. November zu Gießen hat Gräfliche Oberförsterei Arnsburg 80 Fstnu Eichenschwellen-, 100 Fstm. Eichen-Grubenholz, 40 Fstm. Erlenstamm-, 450 Fstm. Fichten-Bauholz, 120 Fstm. Fichten- Derbstangen, 260 Fstm. Fichten-Reisstangen, 70 Fstm. Kiefernbau-, 140 Fstm. Kiefern-Grubenholz ausgeschrieben. Wir machen auf diesen Verkauf mit dem Bemerken aufmerksam, daß Offerten am 5. November, abends, bei Fürstl. Stolbergischem Rentamt Ortenberg eingelaufen sein müssen und sind zu weiterer Auskunft bereit. B2/« Utaranstädt. Pädagogium Darmstadt, Herdweg 53. Die Anstalt bereitet auf das Einjährigen-, Primaner- und Abiturienten-Examen, sowie auf den Eintritt in mittlere und obere Klassen höherer Lehranstalten vor. hv*0/, Kleine Abteilungen, individuelle Behandlung, daher sicherer Erfolg. Vorzügliche Verpflegung. Elias. tGjeKkmr Eisvneis E. B. Eintrittsgeld 1 Mk., Jahresbeitrag 2 Mk. Derselbe wird vorn Vereinsdiener Adolf Schwau im Laufe dieser Woche erhoben. Jeder Quittung wird eine Beikarte beigefügt; gegen Ausstellung des mitfolgenden Bezugsscheines und Entrichtung von 50 Pfg. per Stück können weitere Beikarteu gefordert werden. v*1/1* Beikarten können uur für die Hausstands- Mitglieder der engeren Familie verlangt werden und sind nicht übertragbar. Mißbräuchliche Benutzung dieser Karten zieht zunächst den sofortigen Ausschluß aus dem Verein nach sich und wird gegebenen Falles gerichtlich verfolgt. Die Bezugsscheine und Eintrittskarten sind beim Vereinsdiener oder atlch beim Vereinsrechner Herrn Alexander Kuhr, Schottstraße 10, erhältlich. Gießen, den 30. Oktober 1904. Der Vorsitzende. gratis Methode für Brnästeidende, Ltuhlveistopfung, Hämorrhoid, »leidende voii Dr. M. Reimauus in Maastricht, N. 150 Holland. Tausende Danlschreibeii zur Verfügung von deiUscheu Fürsten bis zum Arbeiter. b34/, Ausland, Doppelporto oder für Deutschland iLourad Carduck, Aache«. MEDAILLE 8 Ederstrasse 8. Geschäftsgründung 1868, 47 Asterweg 47 Eigene Tischler-, Polster- und Delxorations -Werkstätten für Heu-Anfertigung, Aufarbeitung t Aug. Schwab a QWasch-Extrakt V* / mit Bär (c14/. Rein. 3207 w Siutritt frei. »r, i o D58 8194 Bar- Marbnr^erftraße 28, 7959 Lieferung frei Haus. TT 7780 H. Otto 06587 UMZ ■ WMWIIIIIIWWW von M.1000 an von M.400 an von M . 30 an Daum & Co, 8. m. b, H. 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