Nr. 283 VrdSrtat tSgktch außer Sonntags, Dem Gießener An-eiger werben tm Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die (Siebener Familien» Häher viermal in bet Woche beigetcgL -totatton-bruck u. Verlag bet Brüht 'tchen tlmveri.-Buch-u. Stein- bruderei. BL Bang«, tlebofttim, ®n*Mtton und Truderti: Schn tfleatze T. ftlbrefle tür Tevetd)ett: Vnzetger Gieße«, ^ernlprfdianldiluß 9h 51 Erstes Blatt. 154. Jahrgang Donnerstag 1, Dezember 1VVL Amts- und Anzeigeblali für den Kreis Gietzen VezngSpeetSr monatlich 75 otertel* jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- it Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch biePosrM.2.-> Handelsminister Möller erhärt, er müsse sich wundern, daß diese Angelegenheit ihm Anlaß zu einem unerhörten Vorgehen gegeben habe. Es sei ihm (Redner) gar nicht eingefallen, die Verwaltung der .Hibernia anzugreisen oder gar alle Bankiers und Aufsichtsräte zu beleidigen. Sollte jemand in seinen Worten eine Beleidigung finden, so wolle er das trotzdem ausdrücklich zurücknehmen. Weiter sucht der Minister einzelne Darstellungen des Abg. v. Eynern richtig zu stellen und den Vorwurf der Inkonsequenz zu entkräften. Von einer angebotenen Teilung des Raubes könne gar keine Rede sein, weil der gebotene Aktienpreis fkfy gerade in der Folgezeit als dem Durchschnittskurs entsprechend erwiesen hat. Es sei auch nicht richtig, daß viele Leute ihr Geld verloren hätten, nur einige haben nicht soviel verdient, wie sie nachher hätten verdienen können. Er perhorresziere die staatliche Verantwortlichkeit für die gesamte Verantwortlichkeit des Staates für die gesamte Preisbewegung und lasse da lieber die Weltmarktkonjunktur wirken. Abg. Hirsch-Essen (nl.) erklärt, einen Einfluß des Staates auf das Kohlensyndikat halte er für berechtigt, aber das Mittel, das er hier anwenden will, erscheint uns ganz falsch. Preisermäßigend habe der ,Fiskus noch nicht gewirkt, er habe immer die Preise im Saarrwier höher gehalten, als sie im Ruhrrevier waren. Die Bildung der großen Organisationen entspreche einer wirklichen Notwendigkeit. Sie aufhalten, hieße unserer Industrie eine Waffe aus der Hand schlagen, die sie notwendig braucht. Tie rheinisckp-westsälische Industrie wolle .sich ihre Entwicklung nicht unterbinden lassen und aus dieser Erwägung heraus sei die erregte Abwehr gegen die Verstaatlichung der Hibernia zu verstehen. Die Verstaatlichung der Hibernia allein könne für den erstrebten Zweck des Einflusses auf das Syndikat nicht genügend sein. Die Vortage sei nur geeignet, die schon bestehende Beunruhigung im westlichen Industriegebiet zu verstärken. Deshalb lehne er die Vorlage ab. Hieraus wird cyt Antrag, die Debatte zu schließen, an- genommen. , __ __ Der Krieg. Port Arthur Petersburg, 30. Nov. Tie hiesige Stadtverwal- t u n q beschloß, 100000 Rubel zum Besten der Verteidiger oon Port Arthur und ihrer Familien zu stiften und um Erlanvms nach.'.usuchen, g a n z R u ß l a n d zu solchen Spenden aufzurufen. London, 30. Nov. Tie Morgenblättcr melden aus Tokio, nach den neuesten Nachrichten von Nogis Streitkräften bätten bie Japaner dm Angriff auf das Zentrum der^russischen Beses ig- unaen vor Port Arthur begonnen; 50 große Vclagcrungsgesfyutze seien in beb'reichender Position ausgestellt worden und richten gegen die Stadt und die Hafenanlaqcn ein verheerendes Bombardement als Vorbereitung eines neuen allgemeinen Angriffs, der heute, Mittwoch, beginnen sollte. London, 1. Dez. „Daily Telegraph" meldet aus Tschifu vom 30. Nov: Die Japaner , eröffneten in der Nacht zum 23. November ein neues heftiges Bombardement. Nach Berichten kam es bei dem Sturm auf die Forts Erlungtschan und den 203 Meter-Hügel wiederholt zu Vajonettkämpfen. Ti' Verluste der Japaner sind schwer. Aus guter Quelle seitens der Belagerungsarmee wird erklärt, daß seit Beginn der Belagerung 25 000 Mann auf dem Schlachtfelde u m g e - kommen sind. Aus der Mandschurei Petersburg 30. Nov. General Kuropatkin meldet dem Kaiser von gestern: Tie japanische Abteilung, die nach dem Kampfe mit unseren Truppen bei Tinhetschen zurückgegangen war, machte bei dem Torf Suidun und in dem Paß, 12 Werst südöstlich von Tsinhctschen, Halt. Nach Aussagen der Dorfbewohner ist die Stimmung derJapaner gedrückt. Sie führen viele Verwundete mit sich. — Heute morgen gingen unsere Truppen 10 Werst von der Stellung unserer Vorhut zum Angriff über; sie wurden mit Feuer empfangen. Um 12 Uhr mittags eröffnete unsere Artillerie das Feuer. Tie Infanterie ging zum Angriff über. Weitere Berichte sind nicht eingegangen. Vom Kriegsschauplatz. London, 30. Nov. Tas Reuterbureau meldet aus Tokio: Es heißt, das; die Japaner heute den südöstlichen Teil des 203 M eter-H ügels mit Erfolg erstürmten und ihn besetzt halten. Eröffnung des japanischen Parlaments. Tokio, 30. Nov. Tas Parlament wurde feierlich vom Kaifer mit einer Thronrede eröffnet, in der erklärt wird, daß die Beziehungen zu allen neutralen Mächten zunehmend freund schaftlich seien. Tie Thronrede kündigt eine Vorlage an betreffend die Bestreitung außerordentlicher Kriegsausgaben. In der Thronrede heißt es in Bezug auf den Krieg: „Wir geben kund, daß unsere Expeditionstruppen in jeder Schlacht siegreich gewesen sind und wiederholt neue Beweise der Treue und Tapferkeit gegeben haben, so daß der Verlauf des Krieges mehr und mehr zu unserem Vorteil gewesen ist, und daß wir erwarten, durch loyale Hingebung unserer Untertanen unser schließliches Ziel zu erreichen." Tie Thronrede fordert am Schluß die Mitglieder beider Häuser auf, ihre Aufgaben in einmütigem Zusammenwirken zu erledigen und dadurch des Kaisers Wünsche und Ziele zu fördern. London, 1. Dez. Tie Blätter berichten, daß das japanische Budget weitere Ermächtigungen verlangen werde, im Auslande Geld aufzunehmen und weitere Serien von inneren Anleihen auszugeben. Die Untersuchungskommisfion. Der amerikanische Wmiral Tawis hat seine Ernennung als Mitglied der Nordseekommission angenommen. Der Kaiser von Oesterreich ernannte den Admiral v. S p a u n zum Mit- gliede der Kommission. London, 1. Dez. Der „Standard" teilt mit, die englische Regierung habe auf c-fte Anfrage der japanischen Regierung eine genaue Untersuchung eingeleitet über die Ko hl ende r sch iffungen für die Baltische Flotte in englischen Fahrzeugen, der ganze Regierungsapvarat sei in Tätigkeit gefetzt worden und außerdem seien Maßregeln getroffen worden in Bezug auf Kohlenlieserungen an eine der kriegführenden Mächte. Alle Tatsachen sollen geprüft werden, um die Wiederholung einer Handlungsweise zu verhindern, die als Neutralitätsbruch ausgelegt werden könne. , Russische Bemühungen. Liverpool, 30. Nov. Seit einiger Zeit versuchen russische Agenten, Bei englischen Wersten Schnelldampfer und Kriegsfahrzeuge zu erwerben. Vor kurzem wurde in Birkenhead zwecks Ankaufes eines für die. peruanische Negierung gebauten Kanonenbootes unterhandelt. Derselbe Agent, ein Russe, welcher mehrere Sprachen fließend spricht, begab sich auch nach anderen Wersten und verhandelte dort wegen des Erwerbes von zwei Schnelldampfern und besuchte auf den Tayne-Werften mehrere bereits fertig gestellte Kriegsschiffe. Englands Neutralität! Cardiff, 30. Nov. Es ist ein offenes Geheimnis, daß England beiden k r i e g f ü h r e n de n M ä ch t e n Kohlen verkauft. In den letzten zehn Monaten wurden in Cardiff 374 549 Tonnen für Rußland, 85 774 Tonnen für Japan und 625 773 Tonnen für China, versandt. Im vergangenen Jahre wurden für Japan 82 228, für Rußland 95 374 und für China 159 361 Tonnen Kohlen versandt. Es liegt auf der Hand, daß der größte Teil der nach China zur Versendung gelangten Kohlen für die japanische Regierung bestimmt ist. In den letzten 30 Tagen sind 60 000 Tonnen Kohlen für Rußland in Bestellung gegeben worden, für welches im ganzen 70 Dampfer aus Cardiff, Newcastle und Bary nach Ostasien abgegangen sind, zwecks Versorgung des Baltischen Geschwaders. Tie Kohlen werden sämtlich von Agenten meist deutscher Nationalität, besonders der Hamburg-Amerika-Linie versandt. Am Schlüsse des Jahres bleiben noch große Mengen Kohlen für Japan und China zu verschiffen; dieselben belaufen sich auf insgesamt 41 Millionen Tonnen. Für Japan erfolgt der Versand offen nach dem Hafen von Nagasaki und neutralen Häsen. Politische Tagesschau. Die italienische Thronrede, mit der am Mittwoch die erste Session des neu gewählten römischen Parlaments eröffnet wurde, konstatiert die guten Beziehungen Italiens zu allen Mächten. Sie versichert, daß innerhalb der Grenzen der Gesetze der Regierung die freiheitliche Politik fortgesetzt werde. Ferner fordert sie die neugewählten Volksvertreter auf, ihr Hauptaugenmerk der Sorge um die Interessen der arbeitenden Klassen zuzuwenden, damit ihre LebenS- verhältnisse gebessert und der Konflikt zwischen K a - p i t a l und Ar b e i t einer L ö s u n g zu geführt werde. Weiter hebt die Tchronrede den Absclcknß der H a n d e l S v e r t r ä g e hervor, wodurch die Schäden eines Zollkrieges vermieden werden. Das Budgetstleichgewicht werde besonders die Interessen der unler'en Klassen wahren, denn nur durch Verminderung der Zinsenlast könne eine Steuerreform möglich werden. Alle Vervollkommnungen zur Erhöhung der Schlagfertigkeit des Heeres und der Marine durch geführt werden. 'Tie Thronrede betont ferner den offenkundigen wirt- schaftlichen Aufschlvun^, den der früher nie erreichte hohe Rentenkurs, das Verschwinden des Goldagios, der Kapitalzufluß in Banken und Sparkassen und der unbegrenzte Kredit, dessen sich der Staatsschatz erfreue, beweisen. Hierzu habe der Friede beigetragen, der durch feste Bündnisse und aufrichtige Freundschaft sichergestellt sei, die in den Besuchen Kaiser Wilhelms, König Eduards und des Präsidenten L o u b e t in Rom zum Ausdruck kamen. Schiedsgerichtsabkommen seien abgeschlossen mit Frankreich, England und der Schweiz und vorbereitet werden solche mit anderen Staaten; so habe Italien seine Friedensmission bestätigt. Möge, so schließt die Thronrede, die Erhaltung des Friedens von außen und innen gelingen, möge die Festtgkeit des Budgets und des Staatskredits gewahrt bleiben, dann werde Italien weiter schreiten auf der Bahn der Zivilisatton. Ter König hatte die Cchronrede selber verlesen. Auch die Königin war zu dem feierlichen Akte erschienen. deutsches Reich. Berlin, 30. Nov. Auf das vom Herrenhaus aus Anlaß des heutigen 50jährigcn Jubiläums an den Kaiser gesandte Huldigungstelegramm ist heute abend während des Festdiners, an welchem außer zahlreichen Mitgliedern des Hauses und des Staatsministeriums, Vertreter des Abgeordnetenhauses teilnahmen, folgendes Antworttelegramm des Kaisers aus Slawenkritz an den Präsidenten Fürst zu Inn- und Knyphausen eingegangen: Mit freudiger Genugtuung habe ich die Versicherung treuer Hingebung des Herrenhauses entgegengenommen und entbiete Ihnen und den Mitgliedern meinen landesväterlichen Dank. Möge Gottes Segen auch fernerhin auf der dem Wohle des teuren Vaterlandes gewidmeten treuen Arbeit ruhen. Wilhelm I. R. — Aus Anlaß des Jubiläums des Herrenhauses wurden Orden verliehen an den Präsidenten Fürsten zu Jnn- und Knyphausen, die Professoren Dernburg und Löning, die Oberbürgermeister Struckmann, Büchtemann und Dr. Jungerblodt. Zlußer dem Vizepräsidenten Frhrn. v. Manteuffel erhielt auch Frhr. von Landsberg-Velen-Steinsurt den Titel als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz. — Wenn der neue Etat so genehmigt wird, wie et vom Bundesrate vorgeschlagen ist, wächst die Reichsschuld auf über 3^ Milliarden Mark. Von einer Schuldentilgung kann natürlich nicht die Rede sein; im Gegenteil, die Schuldenlast wird immer mehr wachsen, wenn man sich nicht 31t der notwendigen gründlichen Finanzreform entschließt. Schwerin, 30. Nov. Der Landtag in Malchin stimmte der Erhebung einer Prinzessinnen - Steuer in Höhe von 70 000 Mk. für beide Großherzogtümer Mecklenburg zu. Paderborn, 30. Nov. Ein Erlaß des Bischofs von Paderborn ordnet die Errichtung von Mäßigkeitsvereinen in sämtlichen Gemeinden des Bistums in den nördlichen Missionen sowie in den Hansestädten und Mecklenburg und Holstein an. Dresden, 30. Nov. Ein ungemein warmer und herz» sicher Ton geht, wohltuend berührend, durch die Thronrede, mit welcher heute König Friedrich August den außerordentlichen Landtag eröffnet hat. Besonders bedeutsam ist der Schluß: „Möge das teure Kleinod des gegenseitigen Vertrauens zwischen Fürst und Volk, welches stets den schönsten Schmuck Meiner Vorfahren auf dem Thron gebildet hat, auch fernerhin unverkümmert erhalten bleiben l” — Der Landtag hat sich nun mit der Zivilliste und den Apanagen zu beschäftigen. Die Zivilliste des Königs bleibt mit 3 550 000 Mk. unverändert, ebenso das Wittum der Wittwe König Alberts mit 210 000 Mk. Für die Prinzessin Mathilde, die Schwester des Königs, sind 37 000 Mk. Apanage und 8500 Mk. für Gründung eines eigenen Haushalts ausgesetzt. In Wegfall kommt die bisherige Apanage der Prinzessin mit 20 000 Mk. und die Kronprinzen-Apanage mit 300 000 Mk. Die Bezüge des Prinzen Johann Georg fließen aus dem Vermögen der Sekundogenitur, kommen also nicht in Betracht. Rach der Regierungsvorlage hat Sachsen somit 3 797 000 Mk. statt bisher 4 080000 Mk. für die königliche Familie aufzubringen. Lübeck, 30. Nov Zwischen Lübeck, Preußen und Mecklenburg ist eine Lotteriegemeinschaft gebildet worden, nach welcher die Lübecker und die Mecklenburger Lotterie eingehen und in beiden Staaten Einnahlnestellen der preußilchen Lotterie errichtet werden. Speyer, 30. Nov. Bei der heutigen Stadtrats- ivahl siegte die vereinigte Liste des Zentrums und der Sozialdemokraten. UarlamkntarischsS. Berlin, 30. Nov. Die sozialdemokratische Reichstaossrcikiion bestimmte als Redner für die erste Lcsimg des Reichshaushaltsetats Bebel und v. V 0 l l m ar, für die Hapdelsvertrüge Bernstein und Singer. — Die polnische Landtagsfraktion beschloß mit Rücksicht auf die zahlreichen polnischen Bergarbeiter gegen die Verstaatlichung der Hibernia zu stimmen Wien, 30. Nov. (A b g e 0 r d n e t e n h a n s.) Jtn Ein», laufe befindet sich ein von der freien deutschen Agrarvereinigung beschlossener Dringlichkeitsantrag, betreffend die *■).' 0 tstands v 0 r l a g e. Tie Antragsteller verweisen auf den einer Katastrophe glcimkoinmenden Rötst and der L and wir tf ch a f t hin und unterbreiten einen! mit der Regierung. Vorlage fast identischen Entwurf, in wcl- ichem He Regienmg ermächtigt werden soll, 161/2 Mill. Kronen Rente zur Deckung der Unterstütz- un gen für die dnrcb den Notstand Betroffenen anSzugebcn. und Hielte. — Dem Reichstage ist die übliche Ucbersicht über die Ergebnisse deS HeereS-ErgänzungSgeschäftS für das Jahr 1903 zugegangen. Danach waren von den Militärpflichtigen, die auf dem Lande geboren waren, rund 67 Prozent diensttauglich, während von den Gestellungspflichtigen, die in der Stadt geboren und nicht in der Landwirtschaft beschäftigt waren, nur etwa 51 Prozent zum Dienste mit der Waffe geeignet waren. Kolonialpost« Antwerpen, 30. Nov. Wie aus der hier eingetrossenen kongonesisckpn Post hervorgeht, sind gegen die aufständischen Budias deS Mongala-GebictcS drei Expeditionen entsandt worden. In Boma spricht man ernstlich von der Entdeckung von Diamant- und Kob le nm inen westlich von Lualaba. Auch bei Aruwimi sollen Goldfelder entdeckt worden sein. Die Arbeiten an der neuen Eisenbabn nach den großen Seen schreiten rüstig vorwärts. Die Erdarbeiten sind bis zu 70 Kilometer, und die GeleiS-Anlager bis zu 35 Kilometer vorgeschritten. Zwei Lokomotiven sind bereits in Dienst gestellt, während die Indienststellung von 6 anderen demnächst erfolgen soll. AuS dem französischen Kongo wird berichtet, daß in N'Gou.o Sang ha ein Aufruhr ausgebrochen ist. Wie verlautet, sollen mehrere Wei)e ermordet worden sein. Einzelheiten fehlen indes noch. Irr Aufstand in Dcuffch-Südwestasrika. Die Rkichspost und der Ausstand. In dem Etat für die Schutzgebiete auf 1905 und zwar bei der Expedition für das südmestafrikanische Schutzgebiet besindet sich auch ein Ausgabeposten für die RcichSpost- und Telegraphen - Verwaltung von 510 000 Mk. Davon sind 330 000 Mk. in den Nachtragsetat eingestellt. Daraus isl ersichtlich, wie auch die Reichspost vom Aufstand in Anspruch genommen wird. Au TqphuS gestorben. Unteroffizier Ohligschläger, Unteroffizier d. Res. Eugen Hönninghaus, Gefreiter Mumm, die Reiter JustuS und Rornonath. An der Ruhr gestorben: Gefreiter Kohler. Verwundet: Reiter Schröder.________________________ 'Ausland. Wien, 30. Nov. Im Abgeordnetenhause hielt heute der deutsch-fortschrittliche Varon Osfcr- mann seine tschechensreundliche Rede, in der er für Errichtung tschechischer Schulen eintrat, da durch ein Entgegenkommen beider Parteien ein Ausgleich ermöglicht werden könne. Ter Minislerpräsident müsse auch kulturelle Forderungen anderer Parteien erfüllen. Tie Rede ruft bei den Deutschen große Bestürzung hervor. Wolf rüst: .Solche Rede ist nur in einem solchen degenerierten Hause möglich !* Der Obmann der Fortschrittspartei, Groß, erklärt, daß Ossermann in eigenem Namen gesprochen habe, daß sich die Partei mit diesen Ausführungen nicht identifiziere. — Eine Abordnung des Saazer HopsenbaueS und der Hopfeninteressenten sprach bei dem Ministerpräsidenten und dem Ackerbau Minister vor und hob die schweren Schäden hervor, welche der Hopfenproduktion und dem Hopfenhandel erwachsen,. wenn der Hopfenzoll derart erhöht würde, wie in dem deutschen Zolltarif geplant sei. Ter Ministerpräsident und der Ackerbcmministcr erklärten, die Regierung trug den geäußerten Wünschen schon bei den Vertragsverhandlungen Rechnung und kann bezüglich des Zollsatzes nichts mitteiten, sie hoffe indessen, daß eS, falls es zur Wiederaufnahme der Vertragsverhandlungen mit Deutschland kommt, möglich sein wird, einen Hopfenzoll zu erreichen, welcher die Hopfenvroduktion und den Hopfenhandel nicht schädigt. Konstantinopel, 30. Nov. (Wien. Korr.-Bureau.) Am Sonntag nacht drang eine angeblich 100 Mann starke griechische Bande in das bulgarische Torf Zelenic im Wilazct Monastir ein und tötete 13 Personen. Die Bande entkam, obgleich sich in dem 2 Kilometer entfernten Neveska eine Truppenabteilung besindet und die von der Bande abgegebenen Schüsse dort hörbar waren. Zzenstochau, 30. Nov. Zu dem Anschlag auf den hiesigen Polizeimeister v. Nehrlich wird gemeldet, daß die behandelnden Aerzte namenlose Drohbriefe erhielten, so daß sie die Behandlung aufgegeben haben. Ter schwer verletzte Polizeimeister mußte nach Warschau ins Militärkrankenhaus geschasst werden. Washington, 30. Nov. (Rentei). Rußland teilte der amerikanischen Regierung mit, es billige von Herzen des Präsidenten Roosevelt Vorschlag einer zweiten Haager- Konferenz, halte aber den augenblicklichen Zeitpunkt für ungeeignet und schlage vor, die Konferenz bis nach Beend i- gung des Krieges zu verschieben. Aus Stadt und Land. Gießen, 1. Dezember 1904. • • Die Reise Sr. Königl. Hoheit des Groß- herzogs. Man schreibt uns ou§ Lich vom 30. Nov.: Gestern und heute sand in den wildreichen Revieren des Fürsten Karl von Hohensolms-Lich Hofjagd statt, woran auch der Großherzog teilnahm. Er war, begleitet vom Obersiallmeister Frhrn. von Riedesel, per Extrazilg ein» getroffen und wurde von seiner Braut Prinzessin' Eleonore und der Fürstin Karl abgeholt und begab sich ins Schloß. Später fuhren der Großherzog und seine hohe Braut im Jagdkostüm nach dem fürstlichen Hofgute Kolnhausen, wo die Jagdgesellschaft um 12 Uhr eingetroffen war und das Frühstück einnahm. Der Großherzog unterhielt sich sehr lebhaft mit der Jagdgesellschaft, die aus ca. 20 Herren bestand; darunter weilten u. a. Frh. Heyl-Worms, Prinz Reinhard von Lich, Friedrich von Braunfels, Wilhelm von Stolberg- Wermgerodc, Fürst von Isenburg-Birftein nebst Gemahlin und der Erbprinz von Erbach. Gestern wurde im Revier Hardtwald gejagt, welches sich bis Kloster Arnsburg er» streckt. I ’i-ieS Heoier ist sehr reich an Goldfasanen, von welchen denn auch ca. 45 zur Strecke gebracht wurden. Abends 6 Uhr hatte der Fürst Karl die hohen Jagdgäste zum Diner eingeladen, woran auch der Großherzog teitnahm. teilte vormittag wurde im Birklarer Wäldchen und nach Langsdorf zu Jagd abgehalten. Der Großherzog fuhr mit seiner Braut nach dem genannten Revier. Um 11 Uhr war die Jagd beendet; wiederum hatte man reiche Beute an Fasanen und Hasen gemacht. Die Abreise des Großherzogs erfolgte um 1 Uhr 45 Mm. über Gießen und Frankfurt nach Offenbach in Begleitung des Oberstallmeisters Frhr. von Ried- esel. Die Prinzessin-Braut und die Fürstin Emma begleiteten den Großherzog zur Bahn. Nachmittags traf der Großherzog in Offenbach ein. Er besuchte die Parfümerie-Fabrik der Firma Böhm und die Metallwarenfabrik von PH. A. Hinkel. Abends besuchte der Großherzog das Konzert des SängerchorS vom Turnverein. "Der Kronbau ersehe Quartett-Verein feiert am 3. Dezember im Neuen Saalbau sein 26. Stiftungsfest in althergebrachter Weise durch ein Konzert und darauf folgendem Mahl. Freundschaftliche Beziehungen statten den musikalischen Teil diesmal ganz besonders opulent aus. Die vortreffliche Sängerin E. von Munsterkjelm aus Helsingfors hat ihre Mitwirkung freundlichst zugesagt. Im allgemeinen Interesse möchten wir noch darauf Hinweisen, daß daS Konzert pünktlich 7 Uhr abends beginnt. * * Aus d e m Bureau des St a d 11 h e a t er S. Nochmals sei auf die Volksvorstellung am Freitag, die „Halbes" hochinteressantes neues Werk der „Strom" bringt, hincjewiesen. Das Stück ist im Repertoire sämtlicher Bühnen und hat überall — wie auch hier — einen großen durchschlagenden Erfolg zu verzeichnen. In Vorbereitung stehen Jbsen'S „Stützen der Gesellschaft" und Hauptmanns „Bib erp elz". * * Fritz Reuter-Abcnd. Tie Tialektdichtung hat, Menn sie humoristische Gegenstände behandelt, ihre beson- dereu Vorzüge. Im Dialekt werden reiche Erinnerungen, die warme Liebe zu einer engeren Heimat und ihren Besonderheiten und Gebräuchen lebendig, und der Humor, der ja auch ein (bewußtes und gesuchtes') Wiedererkennen ist einer erlebten und erworbenen Anschauung auf einem besonderen Wege unseres inneren Lebens, im von der allgemeinen Brandung Geschehens und Erfahrens gesonderten Gemüte, er hat zum Dialekt eine innige Verwandtschaft. Dort, wo die plattdeutsche Mundart das geistige Verkehrmittel eines an der heimatlichen Scholle hängenden Stammes ist, hat Fritz Reuter gelauscht und gedichtet, jene Träume und Geschichten, die nur ein ftinb des Landes dort aus dem Leben schöpfen konnte, auch anderen im sonnigeren Süden des deutschen Vaterlandes vermittelnd. Seine Poesie ist jedem Deutschen verständlicn. ^as bewiesen auch die Rezitationen, die uns gestern abend der bekannte tvürnembergische .Hofschauspieler August Jun kenn ann inmitten einer viel- hundertköpfigen Zuhörerschaft im Neuen Saalbau geboten hat. Mit Recht hat er in seiner Vorlesung, die die schnelle Aufnahme des fremden Dialekts weniger leicht ermöglicht als die dedächtiae Lektüre, und die ihre künstlerische Aufgabe nicht verfehlen wollte, die plattdeutsche Mundart dem Hochdeutschen etwas genähert. Der ganze Reiz der Reuter- schen Dichtungen wurde allgemein empfunden und hat vielen Zuhörern eine frohe Stunde bereitet. Da waren zunächst die kleinen Kapitel aus „Hanne Nüte", denen man zu lauschen hatte. Wie köstlich wußte Junker mann die Mahnungen des alten „Pasturs", der mitten drin von/ seinen Jenaer Erinnerungen befallen wird, vorzubvingen, wie war er bald dieser „Pastur", bald der auf die Wanderschaft gehende und dazu tapfer, wenn auch mit dünner Stimme, sich ermannende Hanne Mte, — der wußte in diesem Augenblick noch nicht, wie schwer das .Heimweh ist —, wie hörten wir bald die helle Stimme des altklugen Pastortöchterleins und bald die Stimme der würdigen „Vasnirin" selbst. Und als dann der angehende Gesell §anne Wüte hinausgezogen war und, vom Heimweh ergriffen, weinend und sein Butterbrod verzehrend, unter dem frühlingsknospenden Baum beim Nachtigallenschlag in Schlaf versank, da kamen die Spatzensamilie, de Mus'vuck und de Pogg und betrachteten den Fremdling und die Brotkrumen und das blaue Papier, woraus Hanne Nute so ftüh^itig seine Stolle entnommen hatte. Tas häusliche Leben des Spatzenehepaares war unvergleichlich, und das Gebabren Jochems, des Svatzenherrn, hätte man prächtiger als Jnnkermann nicht zur Anschauung bringen können. Auch die Kapitel von Onkel Bräsigs Kaltwasserkur und der Szene in Kaufmann Kurz's Laden traten in Junkermanus Darstellung ganz neu und überaus charakteristisch vor uns hin. Als der Künstler mit einigen Gedichten aus L ä u s ch e n un RimmeLs schloß, war der Beifall so groß, daß er gern noch ein kurzes Gedicht seinen Darbietungen hinzn- fügte. Ein Erfolg des vlbends wird wohl auch sein, daß viele der Zuhörer, die Fritz Reuter noch nicht genügend kannten, nun mit nwhr Erwartung und Interesse art die Lektüre seiner Schriften Herangehen. Damit haben der Kaufmännische Verein und der örtsgewerbeverein, die den schönen Abettd veranstaltet haben, fVcty wiederum verdient gemacht. A. G. • * Der Verein der Detaillisten zu Gießen hielt am 29. November d. Js. im kaufmännischen Vereins- Hause seine diesjährige Generalversammlung ab. Au§ deut vom I. Vorsitzenden, Hrn. C. Röhr, erstatteten Geschäftsbericht entnehmen wir, daß der Verein auch in diesem Jahre eine lebhafte Tätigkeit entwickelt hat. Es fanden neun Vorstandssitzungen und eine außerordentliche Generalversammlung statt; in letzterer wurde einstimmig beschlossen, für die Wiederwahl der ausscheidenden Handelskammermitglieder einzutreten. Der Verein war auf einer Ausschußsitzung des Verbandes süd- und westdeutscher Detaillistenvereine zu Frankfurt a. M. vertreten, der Vorstand beteiligte sich an einer vom hiesigen Gastwirtsverein au8 Anlaß der bekannten Viehmarktsperre einberufenen Versammlung und wohnte außerdem einer Sitzung des kaufmännischen Vereins bei, in welcher zu dem am 1. Januar k. Js. in Kraft tretenden Gesetze betr. die Errichttmg der Katismannsgerichte Stellung genommen wurde. Wie in früheren Jahren richtete der Verein auch diesmal sein 9lugenmerk auf den unlauteren Wettbewerb und zwar mit dem Erfolge, daß die zur Kenntnis gelangten Fälle durch Atlfsorderttng beseitigt wurden. Der von der Ortskrankenkasse Gießen wider ein Vereinsmitglied angestrengte und auf Veranlassung des Vorstandes durchgeführte Prozeß bezgl. der Versichertlngspflicht der weiblichen Dienstboten im kaufmännischen Gewerbe wurde zu Gunsten des betreffenden Mitglieds entschieden, sodaß nunmehr feststeht, daß weibliche Dienstboten, die in kaufmännischen Geschäften zu nicht gewerblichen Arbeiten, wie z. B. zum Reinigen des Ladens u. dergl. herangezogen werden, der Versicherungspflicht bei der Ortskrankenkasse nicht unterliegen. Die Einführung des gesetzlichen Ladenschlusses auf 8 Uhr abends ist dem Verein nickst gelungen, doch soll die Einführung des früheren Ladenschlusses für einzelne Branchen, zunächst für die Be- kleidungSbranche, versucht werden. AuSgenoutmen sollen sämtliche SamStage, der ganze Monat Dezember und die gesetzlichen AtlSnahmetage fein. Die vom Verein gegen das Rabatt- nbfonuuen mit dem hiesigen Eisenbahnkonsmnverein unternommenen Schritte waren insofern von Erfolg, als die betreffenden Firmen bis auf einzelne von dem Abkommen zurückgetreten sind. Hinsichtlich der AtiSnahtnetage zum längeren Offenhalten der Läden für das kommende Jahr ist der Verein für die Beibehaltung der jetzt zugelassenen AuSnahme- tage eingetreten. Mit Freuden wurde eö begrüßt, daß die Stadt Gießen die Verhandlungen bezüglich des Bahn- projekts Rixseld^-Nlrich stein—Mü cke, zu dem der Verein schon wiederholt Stelltmg genoittmen, wiedcratifge- nonunen hat. Man war allseitig der ^lnsicht, daß Gießen darauf bedacht sein müsse, daß ihm der Verkehr durch Nebenbahnen nicht, wie schon seither, noch mehr entzogen werde, zmttal auch der größte Teil der in Betracht kommenden Orte feinen Anschluß nach Gießen suche. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Röhr, Herbert, Nassauer und Frz. Schmidt wurden wiedergewählt. ** Humoristische Darbietungen einer Wiener £)r- pb.'umgeiellscbast finden von gestern ab auf mehrere Tage tm Hotel Einhorn statt. Frankfurt, 30. Nov. Die Frankfurter Fleischer- innung hat in ihrer gestrigen Versammlung unter dem Vorsitz des Stadtverordneten Karl Marx die Gründung einer Vieh marktsbank beschlossen. Die Bank soll den Metzgern die sozialen Lasten und die damit verbundenen Unzuträglich- feiten abnehmen. Sie verzichtet von vornherein aus die Er- zicltmg großer Gewinne. Den Aktionären werden aus dem Betriebsüberschuß fünf Prozent Zinsen vergütet; weitere Ueberschüsse kommen dem ^Bankfonds ztlgute. lieber die Ziele der Bank herrscht in der Versammlung Einstimmigkeit. Von htmdert der Anwesenden wurde em Aktienkapital von rund 2 50000 Mk. gezeichnet. Weiter wurde durch Angabe der JahreSschlachttmg ein Umsatz von 8y2 Millionen garantiert, so daß daS neu ins Leben tretende Unternehnten gesichert erscheint. Es rourbc eine Kommission aus elf Mitgliedern gewählt, die mit der Ausarbeitung deS Gesellschaftsvertrages betraut wurde. Kleine Mitteilungen a u d Hessen und den Nachbarstaaten. Unter den einmaligen Ausgaben des ReichSpostctatS besindet sich auch die Forderung von 400 000 Mark für Herstellung eines neuen Oberpostdirektions- gebäudeS für Frankfurt a. M. — Der Betrieb der Papierfabrik in Eberstadt wird eingestellt. Dem gesamten Personal wurde bereits gekündigt.___________________________ Zum Hcldcnbcrgcr Morde erfährt der „Frks. G.-Anz." von angeblich authentischer Stell? noch folgende bemerkenswerte EinzeWiten: Am Nachmittage des 11. November, dem Tage vor der Mordnacht, bemerkten einige Besucher einer Wirtschaft in Windecken in einer dunllen Ecke des Wirtschaftszimmers eine Persönlichkeit, die eifrig bemüht war, hinter einem Zeitungsblatt, ihr Gesicht zu verbergen. Nach und nach ging die Verwunderung der Anwesenden über das Gebaren des sonderbaren fttrmben in gutmütigen Spott über, bis es dem Gefoppten schließlich zu viel wurde. Er stand auf, das volle Licht siel aus ihn und — als den Zeugen jener Szene das Bild deS steckbrieflich verfolgten MeNgerS Hudde gezeigt wurde, wollten sie aufs bestimmteste in ihm jenen Fremden vom 11. November iviedererkennen. Am Spätnachmittag trat dann Hudde, Ivie gleichfalls feststeht, an einen Heldenberger Arbeiter heran und redete ihn, indem er auf die Kirche deutete, nut den Worten an: ,,Eure Kirche ist ja ganz hübsch, aber das Pfarrhaus dort sieht sehr dreckig aus." Verwundert antwortete ihm der Heldenberger: ,,Mer das ist ia gar nicht das Pfarrhaus, das liegt ja dort drüben", worauf der Fragende mit kurzem Dank verschwand. — Und welch' merkwürdiges Spiel des Zufalls: Derselbe Mepger Hudde hat in Herd 0 rf im dortigen Pfarrhaus einen Einbruch verübt, dessen Vorgeschichte fast ganz genau mit der des Heldenberger Mordes übereinstimmt. Auch in Herdorf fand sich, wie gerichtlich festgestellt wurde, im Gasthaus ein Fremder ein, der konstant eine Zeitung vors Gesicht hielt, während sein Kumpan Walter einen gleichfalls im Wirtshaus sitzenden Gymnasiasten geschickt aushorchte. Der Fremde verschwand dann plötzlich in der Richtung aufs Pfarrhaus. In der Nacht darauf erfolgte der Einbruch, bei dem die Einbrecher überrascht wurden. Walter wurde ertappt, der Fremde — Metzgergeselle Hudde — sprang, bis an den Bahnhof verfolgt, in den schon fahrenden Zug. Man telegraphierte nach der näckfften Station, und der dienfttuerlde Beamte daselbst antwortete:. „Der Reisende hat seine Strafe bezahlt und sieht sehr anständig aus. Er ist weitergefahren." Weg war er. Seitdem ist Hudde flüchtig. Noch weitere Wahrmehmungen werden mitgeteilt. Am Abend, ehe der Mord geschah, als gegen 9 Uhr abends ein Zug Heldenbergen verließ, bemerkte der Stationsbeamte im Wartesaal einen Mann, der seinen Kops über den verschränkten Armen auf die ' Tischplatte gelegt hatte. Er trat an diesen heran und machte ihn aufmerksam, daß der Zug mit dem er wohl reisen wollte, soeben abgefahren sei. Hudde — das war der Mann — erwiderte, er wolle nicht sortfalwen, sondern erwarte einen Freund, der aber wahrscheinlich erst mit dem nächsten Zuge kommen werde. Darauf aufmerksam gemacht, daß dieser Zug erst nach anderthalb Stunden cinlaufe, bemerkte Hudde, dann wolle er noch fo lange warten, und legte wieder seinen Kopf nieder. Ms der nächste Zug einlief und demselben niemand entstieg, wandte sich der Beamte wieder an Hudde und fragte ihn, ob sein Freund gekommen sti Daraushiri erhob sich Hudde und verließ den Warteraum. Man nimmt nun an, daß Hudde, um nicht ausfällig zu werden, nicht mehr ins Wirtshaus und überhaupt ins Städtchen znrück- febren wollte, sondern sich, nachdenl er die Raumverhältnisse im Pfarrhanse ausgek'mdschaftet, direkt zu dem abseits gelegenen Bahnhof begeben habe, wo er gegen 9 Uhr angeiangt ist. Dort hab: Hudde abgewartet, bis in Heldenbergen alles ruhig war, und sei nach 10 Uhr wieder zurückgekehrt. Die Frankfurter Kriminalpolizei ist weiterhin fieberhaft tätig, zumal sich jetzt, nach Wiedergabe des Bildes in den Zeitungen, täglich eine Anzahl von Personen melden, die Hudde gesehen haben wollen. Mittlerweile ist in Mannheim ein Mann in Hast genommen worden, in dem man den verfolgten Hudde zu erkennen! glaubte. Ob er mit dem Gesuchten wirklich identisch ist, muß sich natürlich erst noch Herausstellen. Es hat sich herauSgestellt, daß her verdächtige Mekger Otto Hudde vom November 1903 bis Ende 1904 auch bei einem Metzgermeister in Biebrich in Stellung mar. Hudde hatte damals mit der Tochter eines dortigen Einwohners ein Verhältnis angeknüpft und verkehrte in der Wohnung des Mädchens. Auch nach seinem Verzüge nach Weisel bei Canb hat er noch Briefe von dort aus geschrieben. vermischte». * Einer genialen Schwindlerin, Miß T a d w i ck, gelang e§, wie aus Newyork gemeldet wird, von verschiedenen Banken und Privatpersonen Million->n von Dollars zu rschwmdeln. Verschiedene reiche Leute sind ruinirt. leine Bank mußte ihre Zahlungen einstellen. Der Fall er- »nnert ganz an die Humbert-Affäre. Die von der Schwindlerin gegebenen Sicherheiten erweisen sich als völlig werlös. Man glaubt, daß in der weiteren Untersuchung viele -^eri oncrt der Gesellschaft in die Sache verwickelt werden. Die Schwindlerin soll behauptet haben, Carnegies Tochter zu sein; dieser erklärte, daß er mit ihr nichts zu tun habe. Detektivs bewachen das Hotel, in dem sie wohnt. Was sie mit dem Gelde machte, weiß man nicht. * Kleine Tageschronik. Ein schweres Bootsunglück hat sich bei Swin emünde ereignet. In der Kaiserfahrt hängte sich ein Fischerboot mit vier Mann an den Schleppzug des Dampfers „Willi Orth" ohne Vorwissen des Kapitäns. Ter Dampfer war in voller Fahrt. Tas Fischerboot kam unter den von dem Dampfer geschleppten Kahn und kenterte. Drei der Insassen ertranken dabei, während der vierte gerettet werden konnte. Tie Leichen der Ertrunkenen sind noch nicht aufgcfundcn worden. — In Aachen wurde ein heftiges Erdbeben verspürt. — Bei der venetianischen Jnstl Murano stieß im Nebel ein kleiner Dampfer mit einer Gondel zusammen. Von den zehn Insassen W Gondll find drei ertrunkm. rstwr wird vermißt. Asraelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in bet Synagoge (5>üdcrntage). Samstag, den 3. Dezember 1904: Vorabend 4.15 Nhr. Morgens 9.00 Uhr. Predigt. Nachmittags 3.30 Uhr. Sabbathausgang 5.15 Uhr. Israelitische Religionsgesettschaft. Gottesdienst. Sabbathieier am 3. Dezember 1904. Freitag abend: 4.00 Ubr. Samstag vormittag: 8.30 Uhr. Predigt. Samstag nachmittag: 3.30 Uhr. Sabbathausgang 5.15 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 7.00, abends 4.00. Kunst und Wissenschaft. R. B. Darmstadt, 30. Nov. Tie Erstaufführung der Tragikomödie „Traumulus" von Hol; und Ierschke erzielte heute abend in itifferm Hoftheater einen starken Erfolg. Hebet den Wert und Inhalt des neuen Nühnenwerkes sind dre Leser durch die ausführliche Besprechung bei der Erstdarstellung in Gießen unterrichtet worden. Wir möchten nach dem heutigen Mend konstatieren, daß uns die „Tragik" des Stückes in den beiden letzten Akten nicht ergreifen, die Komik in der Tragikomödie nicht sonderlich zur Heiterkeit Ammen konnte. Die höchst umsichtige Regie des Herrn Valdek hatte die burschikose Kneipszene in der „Mehlkiste" — zu burschikos für eine Pennälerverbindung in der Kleinstadt — mit großer Lebensfrische und Jugendlust ausgestattet, und auch die-Szene auf dem Polizeibureau und der erregte Auftritt zwischen dem Professor und seiner jungen Gattin war sehr wirksam arrangiert. Ter übertriebene Ausdruck des Schmerzes und der Verzweiflung im letzten Akte aber ließ zu deutlich die Absicht erkennen, der geistige und körperliche Zusammenbruch des idealistischen Jugenderziehers zeigte zu deutlich die gesckncket Bühnenmache, die auf der Oberfläche haften bleibt und somit auch nur eine äußerliche Wirkung erzielt. Tas Publikum zeigte sich aber trotzdem sehr dankbar und rief neben den Hauptdarstellern — P o r t h als Professor, Lehrmann als Landrat, H acker als Rechtsanwalt Falk — nach den beiden letzten Aktschlüssen auch mehrmals den anwesenden Mitverfasser, Rechtsanwalt Ierschke aus Straßburg, vor die Rampen. Henrik Wclinuuu'u. Köln, 30. Nov. In der St. Petruskirche in Ehrenfeld wurden in den letzten Tagen mehrfach die Opferstöcke bestohlen. Jetzt ist dem Küster gelungen, den Dieb auf frischer Tat zu ertappen und festnehmen zu lassen. Er ist ein Monteur, dem noch mehrere Diebstähle zur Last gelegt werden. — Ein Einbruchsdieb st ahl wurde in der Nacht in das Bureau der hiesigen Synagogengemeinde verübt. Den Langfingern fiel eine Geldkassette mit mehr als 3000 Mk. Inhalt in die Hände. Die leere Kassette fand man früh vor. Von den Dieben fehlt bis jetzt jede Spur. Hamburg, 1.- Dez. Die Prämie der preußischen Klassen-Lotterie im Betrage von 3 0 0 0 0 0 Mk. hat eine bei dem hiesigen Fern sprech amte als Beamtin angestellte Siamesin gewonnen. Dresden, 1. Dez. Bei den Stadtverordnetenwahlen, die unter außergewöhnlich starker Beteiligung der Bürgerschaft stattfanden, siegten die Kandidaten der verTodes-Anzeiqc Gestern mittag 2 Uhr starb nach kurzem, schwerem Leiden unser lieber Gatte, Vater, Schwiegersohn imb Schwager Km ECarl McchMr im Alter von 50 Jahren, was wir Verwandten, Freunden und Bekannten mit der Bitte um stille Teilnahme tiefbetrübt Mitteilen. 07217 Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen (Riegelplad 21), den 1. Dezember 1904. Die Beerdigung findet Freitag den 2. Dezember, nachm. 3 Uhr, vom Portale des neuen Friedhofes aus statt. U. V. ¥ict©r*ia. Wir erfüllen die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Vorstandsmitgliedes Kem KaH Hatz, Mechaniker geziemend in Kenntnis zu setzen. Der Vorstand. Die Beerdigung findet Freitag den 2. Dezember, nachmittags 3 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofes ans statt. Znsammenknnft um 21/. Uhr bei Mitglied Pepp ler, Marbnrgerstraße. 07213 Kolmmümachung. Betr.: Die Ausführung des Neichsgesetzes über die Abänderung der Gewerbeordnung vom 30. Juni 1900. Wir bringen hiermit zur Kenntnis der Interessenten, daß an den nachbezeichneten Tagen die Vorschriften über die Mindestruhezeit und Mittagspause der Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter (§ 139 c rubr. Gesetzes) keine Anwendung zu finden haben, und die Läden, sowie die offenen Verkaufsstellen an diesen Tagen bis 10 Uhr abends offengehalten werden dürfen: a) 14 Wochentage vor Weihnachten: 9. und 10., 12.—17., 19.—24. Dezember; b) 1 Wochentag vor Neujahr: 30. Dezember. Gießen, den 30. November 1904. Großherzoglick-e-. Volizetamr Gießen. __________________Herberg. ________________ ' Bekanntmachung. Die unterm 14. Oktober l. Js. angeordnete Sperre der Goethestraße zwischen Lüber- und Ludwigstraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 30. November 1904. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. _________________Herberg. ___________ Bekanntmachung. wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß wieder eine Prämiierung von Dienstboten des Sparkastenbezirks stattfinden soll. Prämien können von 5 zu 5 Jahren solche Dienstboten im engeren Sinne erhalten, welche bei der Herrschaft Kost und Logis haben und sich darüber, sowie über gute Führung durch Zeugnisse ausweisen können. Von Vollendung der 5 Jahre kann nur dann im letzten Dienstjahre abgesehen werden, wenn der Dienstaustritt durch Einberufung zum Militär, durch Auflösung des Haushalts, oder durch Gründung eines eigenen Hausstandes erfolgt. Es werden hiernach alle diejenigen Dienstboten, welche nach diesen Bedingungen auf eine Prämie glauben Anspruch erheben zu können, aufgefordert, sich unter Vorlage der Dienstbücher, eines Zeugnisses der Herrschaft über gute Führung, sowie eines etwaigen Sparkassebuchs (die Angabe der Nummer des Buchs genügt ebenfalls) bei unserer Kasse oder der Bürgermeisterei des Wohnorts bis zum 15. Dezember l. I. zu melden. Gießen, den 29. November 1904. B30/u Der Direktor der Bezirkssparkasse Gießen. Wiener. v'uinit Gießen. Großherzogin Herberg. iw Giessen, 1. Dezember 1904. 8645 Mrr 12 Millionen Mrtz kommen in der 5. Hessisch - Thür. Staatslotterie zur Ausspielung. Darunter 8487 1 von 40 OOO Mk. Mk. von von H 2 von w. 6554 tf v 3 4 5 5 ii ii V 30 000 20 000 250 oeo 150 OOO 1OO ooo 50 000 Lebens-Versicherung zugunsten der Familie. Dieser Zweck wird besonders vorteilhaft erreicht bei der Gothaer of Wnseitichil der ältesten delltschen und größten europäischen Anstalt ihrer Art. Hier fümmen die stets hohen Ueberscbüsse ben Versicherungsnehmern unverkürzt zugute und die Versiche- ruugsbedinguilgeu sind mlßerordenllich günstig (Unverfallbar- kcit von vornherein, Unanfechtbarkeit und Weltpolize nach zwei Jahren). Nähere Auskunft und Prospekte kostenlos durch Heinrich Hochreuther, Assekuranzgeschäft, Steinstr. 92 Statt besonderer Mitteilung. Die heute erfolgte Vermählung unserer Tochter Emi mit dem Haus- und Staatsarchivar Herrn Dr. Julins Reinhard Dieterich beehren wir uns Freunden und Bekannten ergebens! anzuzeigen. Geh. Heirat Prof. Dr. Alex. Naumann und Frau. M wertvoMe WcißrmchtsgaSe in Betätigung sebstloser Fürsorge ist die u u. s. Prämien 500 000 Mk. und 5 von je 75 OOO Mk. Bekanntmachung. Die unterm 8. September lf. Js. augeordnete Sperre der Bleichstraße zwischen Ludwig- und Stephaustraße wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 30. November 1904. AeNanntmachmlg. Die unterm 14. Oktober l. I. angeordnete Sperre der Löberstraße zwischen Bismarck- und Goethestraße wird hiermit ausgehoben. Gießen, den 30. November 1904. Großherzogii '। wurmt Gießen. Herberg. Ziehung I. Klasse am 6. u. 7. Dezember. V« V. Va solange Mk. 3.50 7.— 14.— 28.— Vorrat. zu beziehen durch die amtlich bestellte Haupt-Kollektnr von Richard Buchacker, Gießen Renen Baue 11. TH 28 Aelteste nnd allein echte Marke SjcUI (iß L0100M6 des Erfinders. r» i<£ Allein prämiiert mit der „Zur Stadt Mailand“ 6M6 Kffl. Pr. Staatsmedaille. Hauptdepöt: U>wen-lDrogerie, W. Kilbinger. ■wwmwW'W.’j1 > ■» wr? einigten Reformer und Konservativ en über diejenigen der Sozialdemokraten und Nationalliberalen mit 1500 Stimmen Mehrheit. Sigmaringen, 1. Dez. Der Zimmermann Beck in Jnneringen ermordete in der vergangenen Nacht seine Frau und seine Kinder. Vom Kriege. Paris, 1. Te^. Nach einer Meldung aus Petersburg wird 5? u e ? r u V i f di e 5 Geschwader im April in Dienst gestellt werden. Es erhalt die Bezeichnung: Europäisches. . chrku, L Tez. Ein Ch'nese, welcher Tvlnp am 28. Nov. berfanen hat, errlärt, daß an di-stm Tage dar Port Arthur gekämpft wurde und daß er selbst mitgeholsen habe, javanische Verwundete zur Epenbalm zu transportieren. Er selbst habe Tausende Verwundete gesehen. Paris, 1. Tez. ,.Echo de Paris" meldet aus Petersburg: In einem Briese, den General Stössel unter dem 14 ds cm seinen Lohn gerichtet hat, erklärt der General, daß die Zahl der Truppen in Port Arthur 32OQO Mann betrage, Kranke und Verwundete mit eingerechnet. An Munition sei man nicht sebr reich, aber sie genüge vorläufig. Wir lassen, so schreibt Stössel, den Feind sä nahe wie möglich herankommen, damit unser Feuer die arößte Wirkung hat und die Munit'on nicht u'nuütz vergeudet wird. Am Schlüsse des Briefes aibt der ^eiwral der Uederzenauna Ausdruck, d^ß er niemals i Weiß-MKlilk..... SifliB stets vorrätig. D4/8. Telephon: Kalkwerke Nr. 200, Kontor Nr. 282. ITI riT 11 TI —F y GasausstrSmung und Explosionen ausgeschlossen. *— tivrlenlsch idealstes Sys Allgemeine Wltt-VttsamiW. Mit Rücksicht auf die außerordentliche Wichtigkeit der zur Zeit den Landtag beschäftigenden Gesetzesvorlage, betreffend das Wahlrecht zum Landtag, laden die unter* zeichneten Vereine zu einer chrmmn MHItt-NkchMlNg behufs Erörterung obiger Vorlage auf Montag den 5. Dezember abends 8Vs Mr in den Neuen Saalban (fro^r Steins Surfen) ein und bitten um zahlreiches Erscheinen. Der Landtagsabgeordnete Herr Justizrat Dr. Gutfleisch hat das Referat übernommen. Gießen, den 1. Dezember 1904. yi/1? Str srcifimige $trcin. Str mtimWmlt Strtin. K. 66/04. nachmittags 3 Uhr, wird aus hiesigem Onsgericht di« vor dem Flamen des Carl Buß und Eheirau geb. Rumpf in Gießen stehende Parzelle 1/516 — 243 qm Hofraite auf dein Marktplatz öffentlich meistbietend versteigert werden. B8/11 Gießen, den 3. November 1904. Großherzogl. Ortsgericht Gießen. Gros. STeäöZ Inlltrslilg -.15.Ikj.1M nachmittags 3 Uhr, wird auf hiesigem Ortsgericht die vor deni Namen des Carl Bilß und Ehefrau geb. Rumpf in Gießen stehende Parzelle 1/616 = 243 qm Hofraite auf dem Dlarktplatz öffentlich meistbietend versteigert werdeii. Be/n Gießen, den 3. November 1904. Großherzogl. Ortsgericht Gießen. Gros. Ochseufleisch 54 Psg. B: 1; Schellfische blutfrische Nordseeware, sind m Eispackung eingetroffen bei Georg Wallenfels Marktplatz 21, 8553 gegenüber der Engel-Apotheke. Pariser Kopfsalat Spinat unü KeWlat i trifft jeden Morgen frisch ein bei I. Kliugelhöser, Wettergasse 5. Frisch gejWlle Hasen sowie Reh im Anschnitt. 072061 Frau Klotz, MäuSburg 17. Prims LcheöfisU und Cabetjau blutfrisch in EiSpackitng, treffen ein bei a8/, ChristianWallenfels 17 Marktplatz 17 Telephon 262. Gegründet 1826. Hnchfeinst.Spezial.i,,,, ^chuihoT^y^ yjelan ^SSeffen| jQchwämrae Adolf Bieler Viktoria-Drogerie »arktstraße 5. [8143 Stuhislhrriiltttl... P. 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