4 i ■ . M Erstes Blatt. 154. Jahrgang Mittwoch 1. Juni 1904 GicheimAiizeiger w General-Anzeiger Nr. 186 Orffttlttt täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesstschen Landwirt die Siebener Familien. Härter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univeri^Buch-u. Stein» druckerei. R. Lang«. ve-ug»vret»r monatlich 75 Ps., viertel- jäbrlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- fährt. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für bie Tagesnummer bis vormütagS 10 Uhr. ZeUenpreiS: lokal 12 Ps* auSwärlS 20 Pfg. verantwortlich für den polit. und allgem. TeU: P. Wittko; für ,©tabl und Land* und .DerichtSfaal*: A u a u st Goetz; für den Anzeigenteil: Hans Beck. St Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen FkrnfprechanfchlußNr.bl. Ire Wasserverhättnisse der ©her. Die Kanalkommission des Abgeordnetenhauses in Berlin beriet am 31. Mai die Vorlage betreffend Maßnahmen zur Regelung der Hochwaffer-, Deich- und Vorflutverhältnisse an der oberen und mittleren Oder. § 1, welcher angenommen wurde, sieht vor, daß der Oberpräsident von Schlesien einen Plan zur Regelung der Hochwaffer-, Deich- und Vorflutverhältnisse der Oder von der österreichischen Grenze bis zum Eintritt in die Provinz Pommern aufzustellen hat. Wagner (freikons.) beantragte ein Amendement, wonach die Mitwirkung des Oberprasidenten der Provinz Brandenburg und eine öffentliche Auslegung des Planes vorgesehen wird. § 2 wird auf Antrag Arnim etwa in folgender Fassung mit 11 gegen 10 Stimmen angenommen. Zur gutachtlichen Mitwirkung bei der Regelung der Hochwaffer-, Deich- und Vorflutverhältniffe der Oder wird am Amtssitze des Oberpräsidenten von Schlesien ein Oderstromausschuß gebildet, bestehend aus dem Oberpräsidenten von Schlesien als Vorsitzenden, dem Oberpräsidenten von Brandenburg, dem Oderstrombaudirektor, je einem von den Oberpräsidenten von Schlesien und Brandenburg zu bestimmenden Meliorationsbaubeamten, den Landeshauptleuten von Schlesien und Brandenburg, sowie vier von dem Provinzialausschuß Schlesiens und drei von dem Provinzialausschuß Brandenburgs zu wählenden Mitgliedern. Bei der Beschlußfassung steht dem Vorsitzenden und dem Oberpräsidenten von Brandenburg, den Landeshauptleuten sowie den von den Provinzialausschüffen gewählten Mitgliedern je eine Stimme zu. Die übrigen Mit- glieder haben beratende Stimme. H.sterreich-Angaru. Die Österreichische Delegation nahm das außerordentliche He eres erford ernis und den 88 Milll- Kredit an. Gegen letzteren stimmten'sechs Jungtschechen, der Slovene Sustersic, sechs Mitglieder der deutschen Volkspartei, der Christlichsoziale Thurnher und das klerikale Herrenhausmitglied Rhombery. Der Kroate Zaffron, der Christlichsoziale Schneider, Walz von der Deutschen Volkspartei und vier Italiener enthielten sich der Stimmenabgabe. Bei der Abstimmung über die Refundierung schloffen sich der Opposition an der Klerikale Dollinger, der Verfaffungstreue Baernreither und das Herrenhausmitglied Graf Merveldt, der ehemalige Tyroler Statthalter. Die beiden Feudalen, Graf Lazansky und Baron Parish, enthielten sich der Stimmenabgabe. Rhombery bekämpft auf das entschiedenste den Duellzwang in der Armee. Kramarsch richtete heftige Angriffe gegen die Regierung KörberS. Reichskriegsminister Pitreich erklärte, er habe sich nur nach schweren Kämpfen zu den neuen Forderungen entschlossen, eS sei aber seine unabweisliche Pflicht, Heer und Marine in einen solchen Stand zu setzen, daß der Monarch, wenn ihm eine kriegerische Aktion aufgedrängt werde, in diese, mit entsprechender Sicherheit eintreten könne. Der Minister erörterte nochmals die Gründe für die rasche Umbewaffnung der Artillerie, und wies darauf hin, daß andere Staaten diese Umbewaffnung bereits in verschleierter Form vorgenommen hätten. Er schilderte die Schwierigkeiten einer Einigung im gemeinsamen Ministerrat und erklärte, daß von einer Ueberraschnng nicht die Rede sein könne, da die Notwendigkeit der ganzen Aktion durch frühere DelegationS- beschlüffe bereits anerkannt sei und nur das Tempo in der Beschaffung beschleunigt werde. Der Aegierungsantritt des Kroßherzogs von Wecklenöurg-Strelih. In einem Erlaß vom 31. Mai teilt Gr oßherzog Adolf Friedrich nut, daß er infolge Ablebens seines erlauchten Vaters die Regierung angetreten habe und die bisherigen Großherzoglichen Hof-, Staats- und Kirchendiener in ihren Aemtern und Würden auf Grund ihres bereits geleisteten Diensteides bestätige, indem er erkläre, daß er unablässig bestrebt sein werde, allen Einforderungen zur Förderung des Wohles seiner Untertanen in Treue zu Kaiser und Reich zu entsprechen. Der Erlaß schließt: Der Großherzog hoffe, auch der Erve der Liebe und Treue zu werden, die seinem unvergeßlichen Vater in so hohem Grade zuteil geworden. In einem weiteren Erlaß wird angeordnet, daß in allen Kirchen des Landes sechs Wochen Trauergeläute zu erfolgen hat, in den ersten drei Wochen von 12—1 Uhr mittags und von 3—4 Uhr nachmittags, in den letzten drei Wochen von 12—1 Uhr mittags- Während zwei Wochen ist weder Schauspiel noch Danz erlaubt- Die Behörden haben sich sechs Wochen lang des schwarzen Siegels zu bedienen. Für die Hof- und Staatsdiener wurde eine dreimonatliche allgemeine Landestrauer angeordnet, ferner wurde eine sechswöchentliche Hoftrauer verfügt- — Als eine der ersten Beileidskundgebungen ist folgendes Telegramm des Kaisers bei dem Großherzog Adolf Friedrich eingetroffen: „Neues Palais, 30. Mai. Mit tiefer Betrübnis über das Ableben Deines Herrn Vaters, meines hochseligen Herrn Großonkels, bitte ich, Dir meine und der Kaiserin aufrichtige Teilnahme ausfprechen zu dürfen. Mit dem hochseligen Großherzog geht einer der letzten aus der alten Generation dahin, welcher, wir so unaussprechlich viel zu danken haben- Der Allmächtige tröste Dich in Deinem Schmerz, stehe Dir bei in der Erfüllung Deiner hohen Aufgaben für Mecklenburg und unser gesamtes deutsches Barerland- Wilhelm." — Ter königliche Hof in Berlin legt für den Großherzog von Mecklenburg-Strelitz Trauer auf 14 Tage an bis ein- schließlich 13. Juni. Deutsches Reich. Berlin, 31. Mai. Heute abend fand im Weißen Saale des Schlosses P a r a d e t a f e l statt, wobei der Herzog von Anhalt die Kaiserin führte, der Kaiser die Erbprinzessin von Hohenzollern. • Anwesend waren der Kronprinz, die Fürstlichkeiten, der Reichskanzler, die Generalität, die Minister und fremden Militär- attachees. Später war im Opernhause Festvorstellung, wobei die „Weiße Dame" neu einstudiert, aufgesührt wurde. Die Majestäten und Fürstlichkeiten wohnten der Vorstellung bei. — Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: In der gestrigen ersten Sitzung der zur mündlichen Beratung über die Erneuerung des Handelsvertrages zwischen dem DeutschenReich und Oesterreich-Unaarn von der östreickisch-ungarischen Regierung entsandten uno hier eingettoffenen Herren mit den deutschen Delegierten hieß der Staatssekretär des Auswärtigen Freiherr v. Richthofen die östreichisch-ungarischen Herren mit einer Ansprache willkommen, auf die der Botschafter Szoegyeny, Sektionschef Freiherr Beck und der Ministerialrat von Bico erwiderten. c — Der Rittergutsbesitzer Hans von Arnim wurde durch königlichen Erlaß auf Lebenszeit ins Herrenhaus berufen. , , t „ Gera, 31. Mai. Der Landtag überwies heute der Regierung eine Petition um Erlaß eines Landesgesetzes gegen die I e s u i t e n g e f a h r. Zugleich wurde ber„ Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß jetzt noch kein Grund für ein solches Gesetz vorliege, da die Reichsgesetze ausreichend seien und die Regierung scharf wachen werde. Stuttgart, 31. Mai. Heute sand hier unter Vorsitz des Senators Frese-Bremen die Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft zurRettung Schiffbrüchiger statt. Ihr wohnte auch der Vizepräsident der ftanzösischen Gesellschaft Emil Roubin bei, welcher der Deutschen Gesellschaft zu El)rcngabcn und Unterstützungen ein Kapital von 30 000 Mark gestiftet hat. Die Versammlung genehmigte u. a. 61 000 Mark für Errichtung neuer Rettungsstationen. Als Ort der nächsten Jahresversammlung wurde Emden gewähll. _ — Sicheren! Vernehmen nach bezchloy die württemvergsiche Regierung die Zulassung der Feuerbestattung in Württemberg. , M ü nchen, 31. Mar. Aer Prrnzrcgent verlieh dem preußischen Kriegs Minister das Großkreuz des Mi- litärv erdien stord ens. — In dem Kunstausstellungsgebäude am Königsplatz wurde dommandeur deS Hafens von Kronstadt die Oberleitung über stie Häfen Reval, Sveaborg und Libau und über die Seekreitkräfte des baltischen Meeres unter Ernennung zum Oberkommandierenden der Flotte und Häfen, sowie zum Chef der Verteidigung deS genannten MeereS. Ruffifche Rüstungen. Aus Triest wird gemeldet, daß die russische Regierung bei den Stabilimento Tecnieo fünf Panzerkreuzer bestellt hat. Der Auftrag sei das Ergebnis einer vor mehreren Wochen unternommenen Reise des Direktors Bendecke nach Petersburg. _____________________________________ Politische Tagesschau. Die Lage in Ostafien nimmt gegenwärtig eine Gestalt an, welche geeignet ist, auch die nicht direkt beteiligten Mächte in hohem Grade zur Aufmerksamkeit zu zwingen- Es ist bisher in England im allgemeinen vermieden worden, von einer Vereinbarung mit den Japanern zu sprechen oder Schlüsse aus einer solchen Vereinbarung zu ziehen- Dieser Standpunkt scheint iedoch nicht derselbe bleiben zu sollen. In einer der angesehensten englischen Wochenschriften für Armee und Marine wird am 28- Mai am Ende einer Betrachtung über die gegenwärtige Kriegslage in Ostasien ausgeführt: „Es ist wichtig für England, sich daran zu erinnern, daß der Krieg gegenwärtig noch im Anfang ist, daß aber sein Ende bezeichnet werden wird durch eine neue Gleichgewichtsverteilung innerhalb der Weltmächte, welche auf den englischen Standpunkt einen tiefen Einfluß haben kann- Es ist nutzlos, über das Ende der Kriegsoperationen, welche niemand vorherfehen kann, Mutmaßungen anzustellen; zeitgemäß aber ist es, eine wachsame Haltung anzunehmen und sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Kein englischer Staatsmann oder Jurist wird sich gegen die Tatsache verschließen, daß England den Japanern bindende Zusicherungen gegeben hat- Diese wichtige Ueberein- kunft legt uns keine Pflicht außer der Neutralität auf, solange als Rußland ohne Unterstützung bleibt, aber sie wird uns zwingen, jeder Intervention entgegenzu- treten, welche sich gegen die Interessen unseres Verbündeten richten. Die Lehre, die wir aus dem bisherigen Verlauf des Krieges ziehen, ist die, daß die Nation vorbereitet sein muß. Es ist möglich, daß wir in einem oder zwei Jahren in eine feindselige diplomatische Kontroverse mit einer oder der anderen der europäischen Mächte kommen, und wir haben unaufhörlich daran zu arbeiten, unsere Verteidigungsmittel zu prüfen und uns zu vergewissern, daß unsere Flotte fertig und unsere Armee vorbereitet ist." Wir wissen nicht, am welche Adresse sich diese unzweifelhaft deutliche Erklärung der englischen Wochenschrift richtet. Da es sich hier aber nicht um eine Auslassung einer mehr oder minder untergeordneten Tageszeitung, sondern um ein Organ der englischen Landesverteidigung handelt, so muß die Aeußerung unter allen Umständen als wichtig zur Kenntnis genommen werden. Bemerkenswert ist jedenfalls, daß in der ganzen Auslassung immer von Europa, nicht aber von Amerika die Rede ist. Japaner an Giljaken, Tungusen und Golden. Rufs. Telegr.-Agentur aus Nikolajewsk BP iburg 1*__' Wie die Rufs. Telegr.-Agentur aus Nikolajewsk Primoski meldet, ist erwiesen, daß die Japaner seit langer Zeit die eingeborenen Giljaken gegen die Russen aufzuhetzen suchen, indem sie ihnen für den Fall, daß sie ihr Land besetzen, allerhand Versprechungen machen. Die Giljaken haben sich nicht nur bestimmt geweigert, als Freiwillige sich einreihen zu lassen, sondern sie haben sich auch bemüht, anderen Eingeborenen, tote den Tungusen und Golden, davon abzuraten. Letztere sind als gute Schützen und Führer bekannt und geschätzt- Die Küsten des baltischen Meeres. Um die Maßnahmen zur Verteidigung der Küsten des baltischen Meeres entsprechend der Kriegszeit einheitlich zu gestalten, überträgt ein kaiserlicher Ukas dem Ober- Das „Militärnwchenblatt" in Berlin bringt eine vergleichende Uebersicht der zunächst in Aussicht genommenen Streitkräfte Rußlands und Japans in der Man dschurei. Hiernach werden die Russen stark sein: 221 Bataillone, 183 Eskadrons, 81 Vk Batterien, d. h. 248 450 Mann und 683 Yjefchütze; die Japaner 234 Bataillone, 68 Eskadrons, 130 Batterien, d. h. 226 500 Mann und 780 Geschütze. Somit sind die Russen an Kavallerie bedeutend überlegen, die Artillerie. E ßrma ftffche 414 i »M« W. p. W. 85 Psg. bi; , e, Jnghardi ’ August Wallenfels 'tplatz 1b. Telephon M acco-Hemden Jnterjacken Unterhosen Strümpfe Socken Handschuhe Shlips6 lerrenwäsche Ier Krieg zwischen Japan und Kußtand. Eine Meldung des russischen Generalstabes ist in Petersburg eingelaufen. Danach herrschte am 29. und 30. Mai in der Umgebung von Fongwang- tschöng Ruhe. Am 27. Mar begann die japanische Infanterie um 10i/2 Uhr abends von Kuandiansian aus einen Front- und Flankenangriff auf unsere Kosaken, welche eine Stellung bei Schaogo, 15Werst nordwestlich von Kuandiansian besetzt hatten. Unter dem Schutze der Dunkelheit eröffneten die Japaner ein anhaltendes, unregelmäßiges Feuer. Dom Beginn des Gefechts ab bemerkte man elektrifche Signalzeichen. Die Kosaken zogen sich zu Fuß bis zum Tschaulinpaß, zwei Werst westlich von Schaogo zurück, später nach Ainia- mino, 16 Werst westlich des Tschaulinpasses- Das Gewehrfeuer nahm am 28- Mai früh 2 Uhr ein Ende. Am Ende des Tschaulinpaffes, so fährt die Meldung fort, hörten die Japaner mit der Verfolgung auf. Am Morgen des 28. Mai erschienen die ersten Kolonnen einer japanischen Abteilung bei Ainia- mine- Sie gingen später auf die Höhen westlich Mnia- mine zurück. Um 10 Uhr vormittags stellten die Japaner sich in Schlachtordnung auf, zwei Bataillone mit einem dritten in Reserve. Um 11 Uhr traf eine Batterie auf der Stellung ein und eröffnete ein Schrapnellfeuer. Während des Marsches durch das Flußtal litt die japanische Infanterie, die in dichten Massen vorrückte, unter dem Feuer der Kosaken, llnt 11 Uhr 20 Min. gingen die Kosaken, die bemerkt hatten, daß die Japaner den rechten Flügel auf der Seite von Tajangkou umgingen, in guter Ordnung nach Saimantsi zurück. Das Feuer der Nachhut hörte nachmittags 2 Uhr auf. Der Verlust der Russen betrug zwei Offiziere und sieben Kosaken. Am 30. Mai rückten die Japaner in der Richtung auf S aim an tsi vor. Sie wurden dabei von Kosaken überrascht- Zurzeit des Abganges des Telegrammes waren die Japaner noch nicht ein getroffen. Am 29. Mai war die Stadt Sajan noch nicht von den Japanern besetzt. Auf dem Ufer bei Jnku, Kaitschu und Hfiunjuetschoeng herrschte Ruhe. Am 30. Mai gegen mittag begann unsere Kavallerie bei der Eisenbahnstation Vaganvopu ein Gewehrfeuer mit einer japanischen Abteilung, welche in Stärke von acht Kompagnien, acht Eskadrons und vier Mitrailleusen vorrückte. Während des Gefechtes machten unsere berittenen Sotnien einen glänzenden Angriff auf eine japanische Eskadron auf der linken Flanke der feindlichen Schlachtordnung und sprengte sie fast vollständig auseinander. Dann stürzten sie sich auf die Infanterie, mußten aber unter dem Feuer der Mitrail- leusen^urückgehen. Dem. Marsch der japanischen Infanterie, welche unsere rechte Flanke umgehen wollte, wurde durch das Feuer unserer Batterie Einhalt getan, welche dem Feinde beträchtliche Verluste beibrachte. Unsere Verluste sind noch nicht festgestellt. Nach unseren Ermittelungen sind ein Offizier und 21 Mann verwundet, 25 Pferde verloren. Räumung Dalnys. Die Russen räumten Dalny Hals über Kops, nachdem sie versucht hatten, die Stadt zu zerstören- Javanische Patrouillen berichten, daß mehr als 100 Gebäude, Kaferne- ments, Depots, Eisenbahn-, Telegraphenbureaus beschädigt sind- 200 Eisenbahnwagen wurden unbeschädigt vorgefunden. Die Russen zerstörten den großen Quai und sperrten die Einfahrt zum Hafenbassin mit versenkten Dampfern- Die Anlegebrücken litten nicht- Man glaubt, daß die Armee des Generals Oku Dalnv unverzüglich besetzen wird- Dor Port Arthur. Am 31. Mai morgens sandte Admiral Togo vier Kanonenboote, zwei Torvedobootszerstörer und zwei Torpedoboote nach Port Arthur, die dort unter heftigem Feuer der Strandbatterien eine sorgfältige Rekognoszierung vornahmen und feststellten, daß die Russen auf einem der beiden neuen Forts am Liautischan-Vorgebirge eine neue Scheinwerferstation einrichteten. Das Kanonenboot Nr. 3 wurde von einem feindlichen Geschoß getroffen, wobei ein Unteroffizier getötet, drei Mann verwundet und ein Geschütz beschädigt wurden, die übrigen Kanonenboote blieben unbeschädigt. — Auch die Russen zerstörten eines ihrer Kanonenboote, welche sie während des Kampfes um Nau- schau vom Talienwan aus gegen die linke Flanke der Japaner benutzten. Der Name des Schiffes ist unbekannt. Es dürfte der „Bobr" gewesen sein- Die Stärke der Streitkräfte. Hdndekticheii; beute vormittag die erste Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes durch den Prinzregenten in Gegenwart der Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses feierlich er* vollen Ladungen den weiten Umweg über Gießen zu machen, wodurch für sie eine jede Holzfahrt eine volle Tagereise in Anspruch nimmt. Dahingegen würde der Bau einer Straße von hier über die Lahn und die Eisenbahnstrecke Gießen- Wetzlar eine direkte Verbindung nach jenen großen Waldungen herstellen. Dem Verkehr überhaupt würde diese Straße auch zu gute kommen, da sie auch in die Hauptstraße Gießen- mit einem Stein auf sie loZgeschlagen habe. DaS | Motiv der Tat ist vielleicht darin zu suchen, daß die Eltern | des Mädchens auf Lösung des Verhältnisses, das übrigens nicht ohne Folgen geblieben ist, drangen. Groh hat sich noch gestern selbst der Polizei in Offenbach gestellt und wurde öffnet. — Der König von Dänemark traf hier heute nachmittag 6.15 Uhr von Leipzig kommend ein. Er wurde am Bahn- bof von dem Konsul Neuborger empfangen. Die Weiterreise erfolgt morgen nach Gmunden. Straßburg i. E., 31. Mai. Am Freitag den 3. Juni finket in den Morgenstunden eine i n te r n a ti o n a le w i s se n- schaftliche Ballonfahrt statt. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der jedem Ballon beigegebenen Instruktion gemäß den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt und an die angegebene Adresse sofort telegraphisch Nachricht sendet. Die Deutsche Abteilung der W elt-Aus stell- u n g wurde am 30. Mai durch den deutschen Reichskommissar Lewald feierlich eröffnet. Am Abend fand im Deutschen Hause ein von Lewald zu Ehren von Fräulein Alice Roosevelt ge- gebener Ball statt. Ausland. Paris, 31. Mai. Wie nunmehr feststeht, findet der Besuch des Königs von Italien in Paris im Oktober statt. — Im französischen Senat protestierte Halgan (Monarchist) gegen die Entfernung der Kruzifixe aus den Gerichtssälen, die er für ungesetzlich und das katholische Ge- wiffen verletzend erklärt. Lamarzelle protestiert gleichfalls. Der Justizminister erklärt, die Maßregel sei gesetzlich berechtigt: einer besonderen Gesetzesvorlage dazu bedürfe es nicht. Lascazes behauptet, daß zu dieser Maßregel, die das Gewiffen der Katholiken beleidige, die Mitwirkung des Parlamentes erforderlich gewesen wäre. Der Justtzminister verlangt hierauf einfache Tagesordnung, die mit 173 gegen 105 Stimmen angenommen wurde. Feistritz (Krain), 31. Mai. Heute fand in feierlicher Weise der Durchschlag des Tunnels statt, der eine zweite Eisenbahnverbindung mit Triest schafft und Krain mit dem Küstenland verbindet. Turin, 31. Mai. Der Senator und ehemalige Minister des Auswärtigen, früherer Botschafter Blanc ist abends gestorben. Madrid, 31. Mai. Zu Ehren der hier weilenden deutschen Offiziere, die dem Könige die Abzeichen eines deutschen Admirals überbracht haben, fand im Schlosse ein Festmahl statt, an dem der deutsche Botschafter, der Marineattachö, der Kriegs- und der Marineminister teilnahmen. f Budapest, 31. Mai. Der frühere Ministerpräsident Baron v. Banfy wurde in Szegedin mit einem oppositionellen Programm gegen den Kandidaten der liberalen Partei mit einer Mehrheit von 115 Stimmen zum Abgeordneten gewählt. Petersburg, 31. Mai. Die »Ruff. Telegr.-Ag/ meldet: Ein russischer Korrespondent teilte dem Londoner »Standard" die Nachricht mit, daß in Warschau sechshundert politische Verbrecher gehenkt, sowie daß aus Moskau nachts heimlich auf Umwegen 80 Särge mit Leichen Erschossener fortgeschafft worden seien. Wir sind ermächtigt, diese Nachrichten für durchaus falsch und jeder Begründung entbehrend zu erklären unter Hervorhebung der ganzen Lächerlichkeit der gegenwärtig in englischen Blättern gegen Rußland geführten Kampagne. Konstantinopel, 30. Mai. Die Konvention, durch welche die Türkei der deutschen Kabelgesellschaft die Konzession zur Legung und Exploitierung eines Kabels Constanza-Konstantinopel verleiht, wurde heute auf der Pforte unterzeichnet. Die Legung des Kabels wird bereits im nächsten Monat beginnen. Ans §rtaüt und Land. Gießen, den 1. Juni 1904. *' Paketeinsammlung. Es ist immer noch wenig bekannt, daß die Post, wie jeder Spediteur, auf Bestellung Pakete aus den Wohnungen abholen läßt. Man braucht nur ein offenes Schreiben, eine Karte oder einen Zettel mit den Worten: „Paket abzuholen bei (Name und Wohnung)" unfrankiert in den nächsten Briefkasten zu werfen oder einem Briefträger mitzugeben, und die Sendung wird bei der nächsten Bestellfahrt gegen eine Gebühr von 10 Pfg. vom Hause abgeholt. Das Verfahren ist also einfach und bequem. Wir empfehlen es deshalb besonders alleinstehenden Personen, denen ein Dienstbote nicht zur Verfügung steht. ** Sektion Gießen der Hess.-Nass. Bange- werks-Berufsgenossenschaft. Am Sonntag den 29. d. M. fand in Ful d a, im Ballhanssaale, die ordentliche jährliche Versammlung der SektionVI, Gießen, der Hessen- Nassauischen Baugewerks-Berufsgenossenschaft statt- Die Sektion faßt von der Provinz Oberhessen die Kreise: Gießen, Alsfeld, Lauterbach und Schotten: vom Regierungsbezirk Kassel die Kreise: Marburg, Kirchhain, Ziegenhain, Frankenberg und Fulda; vom Regierungsbezirk Wiesbaden die Kreise: Biedenkopf und Dillenburg. Außer den jährlich wiederkehrenden Gegenständen der Tagesordnung: Geschäftsbericht, Vorlage der Jahresrechnung, Wahlen zum Vorstände, der Delegierten usw-, hatte sich die Versammlung mit einem einschneidenden Anträge des Genossenschafts- bezw. Sektionsvorstandes zu befassen: nämlich der Anstellung eines technischen Aufsichts- und Rechnung s b e a m t e n für die Sektion. Während bisher für den Gesamtbezirk der Genossenschaft: Großherzogtum Hessen, Provinz Hessen-Nassau und Fürstentum Waldeck, drei Aufsichtsbeamte tätig waren, soll nunmehr jede der sieben Sektionen für sich einen solchen Beamten anstellen. In der Erwägung, daß die intensive Kontrolle der Bauten in bezug lauf die Beobachtung der für die Genossenschaft geltenden Unfallverhütungsvorschriften ein unabweisbares Bedürfnis geworden ist, stimmte die Versammlung dem Anträge zu. Wenn auch hierdurch weitere Lasten erwachsen, so wird doch zu hoffen sein, daß diese Maßregel auf die Verhütung von Unfällen günstig einwirken und ein Ausgleich durch Verminderung der Entschädigungen geschaffen wird- + Heuchelheim, 30. Mai. Vor allem im Frühjahr wird der Bau einer Straße von hier über die Lahn erwünscht. Bekanntlich decken die Bewohner der hiesigen Gegend wie der benachbarten Gemeinden jenseits der Lahn, wie Kleinlmden, Allendorf und Dutenhofen, ihren Holzbedarf vorzugsweise in den Oberförstereien Krofdorf und Strupbach. Alle diese Interessenten sind regelmäßig genötigt, mit ihren Wetzlar einmünden würde. § Alsfeld, 31. Mai. Zum Besten eines hier zu errichtenden Krankenhauses für den Kreis Alsfeld haben die Frauen und Jungfrauen unserer Stadt unter Leitung der Frau Bücking zahlreiche Handarbeiten gestiftet, die jetzt in der Gewerbeschule ausgestellt sind. Am 1. August soll eine Verlosung der Gegenstände stattfinden. Auch die kürzlich hier tagende Bürgermeisterversammlung des Kreises hat sich mit der Ff:age befaßt. F. Büdingen, 31. Mai. Um das neu zu errichtende Volsschullehrerseminar will sich nun auch unsere Stadt bewerben. Das Baugelände soll kostenfrei gestellt werden. sd. Darmstadt, 1. Juni. (Drahtbericht.) Das Großh. Hoflager wird Montag, den 6. ds. Mts. nach Jagdschloß Wolfsgarten verlegt. Der Gr o ß h e r z o g besuchte gestern abend zuni vierten male innerhalb 8 Tagen das Ausstellungsrestaurant der Künstlerkolonie und nahm dort mit 14 Personen das Souper. R-B. Darmstadt, 31. Mai. Der Gesamtvorstand des „Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein" setzte heute vormittag seine Beratungen fort Es wurde u- a. beschlossen, die erste Verlosung von Kunstwerken unter die Mitglieder bereits im Dezember d- I. zu veranstalten und gleichzeitig in Verbindung damit auch eine Kunstausstellung zu arrangieren, die den Charakter einer Wanderausstellung tragen und von Darmstadt aus auch in den anderen, dem Bezirk des Verbandes angehörigen Kunststätten gezeigt werde:: soll- Der Großherzog hat selber bereits eine Anzahl Künstler, die sich an der Ausstellung beteiligen können, namhaft gemacht- Auch der schon früher gehegte Plan Sr- Königl. Hoheit, im Jahre 1905 eine allgemeine Kunstausstellung in Darmstadt stattfinden zu lassen, ist durch die heutigen Beratungen wesentlich gefördert und der Verwirklichung näher geführt worden. Nach dem heutigen Diner der Mitglieder des Gesamtvorstandes bei Oberst ä la suite Frhrn. v. Hehl wurden teilweise Besichtigungen, teilweise Spaziergänge in die Umgebung unternommen- Mainz, 31. Mai. Ueber die Verhaftung des Raubmörders Kauertz erfährt das „M- Tgbl." noch folgendes: Gestern morgen etwa um halb 6 Uhr waren die Schutzleute Hahn II- und Heck auf einem Patrouillengang in der Anlage zusammengetroffen und sahen in geringer Entfernung einen jungen Mann mit einem Mädchen spazieren gehen. Das Auge der Beamten war durch die am Tage vorher eingetroffenen Nachrichten über den Kauertz geschärft. Sie gingen auf das Paar zu und wollten eine Ähnlichkeit mit dem im Steckbriefe Verfolgten entdecken. Hier hieß es rasch zugreifen, denn war es der Gesuchte, so konnte man sich von ihm alles versehen. Die Beamten hielten also das Paar an und fragten den Kauertz nach seinem Namen. Sehr entrüftet stellte sich dieser, und wollte wissen, wie man ihn auf offener Straße anhalten könne; er könne sich legitimieren. Aufgefordert, dies zu tun, griff er nach der Brusttasche des Rockes, die Beamten stellten sich zu beiden Seiten auf, jede Bewegung scharf beobachtend, doch waren alle Befürchtungen unnötig, der Mensch brachte wirklich nur seinen auf seinen richtigen Namen lautenden Militärpaß hervor. Im nächsten Augenblick hatte er auch schon Handschellen an. Dann fragten ihn die Schutzleute, ob er auch wisse, warum er verhaftet werde, und erhielten in frechem Tone die Antwort: „Nein!" Die Schutzleute forderten ihn auf, er solle nur gestehen, daß er in Köln das Mädchen ermordet habe, allein Kauertz gab ganz kaltblütig die Antwort: „Ich habe Euch gar nichts zu gestehen, höchstens dem Untersuchungsrichter, vor den ich jetzt ja komme." — An den Pfingstfeiertagen stürzte sich bekanntlich ein Schuhmacher aus der Schönbornerstraße von der Kaiserbrücke aus in den Rhein und ertrank. Seit diesem Tage zeigte seine etwa 50 Jahre alte Frau ein auffallendes Wesen und seit gestern früh ist sie spurlos verschwunden. Sie war zuletzt am frühen Morgen auf der Treppe im Unterrock und Nachtjacke gesehen worden. Die von ihrem Verschwinden benachrichtigte Polizei konnte bisher den Aufenthalt der Frau nicht ermitteln- Bingen, 31. Mai. Mit 7 gegen 6 Stimmen haben die Stadtverordneten in ihrer gestrigen Sitzung die Einführung einer kommunalen Bierabgabe beschlossen. fc. Wiesba den, 31. Mai. Hauptmann Hevmons, Chef der 7. Kompagnie des 80. Regiments, ist plötzlich einem Nervenschlag erlegen. Die Nachricht vorn Tode seines Vaters, die er vor einigen Tagen erhielt, erschütterte den sonst so kräftigen Mann derart, daß er einen Schlaganfall erlitt, von dem er sich nicht mehr erholen konnte. Heymons war ein überaus tüchtiger Offizier. Besonders hervorgetan hat er sich 1889 und 1890 unter Wißmann bei der Niederwerfung des Aufstandes in Deutschostafrika, wie aus der glänzenden Conduite ersichtlich ist, die der damalige Reichskommissar dem damaligen Premierleutnant Heymons gab. Der im 41. Jahre Verstorbene hat auch mehrere Jahre im 81. Regiment in Frankfurt a. M. gestanden. Wiesbaden, 31. Mai. Auf dem Grundstück des Fabrikanten Christian Kalkbvenner, Sch lach thausstraße 12, brach gestern abend gegen 11 Uhr ein Brand aus, wie er zum Glück in vielen Jahren hier nicht vorgekommen ist. Menschenleben waren indessen nicht gefährdet- Man nimmt an, daß die Entstehungsursache auf Selbstentzündung zurückzuführen ist- In Mitleidenschaft gezogen sind neben der Glasuren- und Farbenfabrik von Großhäuser u- Co., das Dampfhobelwerk Wiesbaden, die Kunstdruckerei Isenbeck und die medico-mechanische Fabrik von Rossel, Schwarz u- Co. Der Schaden wird im ganzen auf einige hunderttausend Mark geschätzt, der wohl zum größten Teil durch Versicherung gedeckt ist- Nicht versichert sollen einige Familien sein, die im Hause wohnten- Frankfurt, 31. Mai. Im Wald, in der Nähe der Erholungsstätte Oberrad, sanden gestern nachmittag Arbeiter ein bewußtloses Mädchen mit schweren Verletzungen am Kops. Die sofort herbeigerufene Samariterwache brachte die Verletzte ins Heiliggeisthospital. Sie ist die 19 jährige Arbeiterin Karoline Buschmann aus Offenbach. Bei ihrer Vernehmung gab sie an, daß ihr Bräutigam, der 27 Jahre alte Kesselschmied Michael Groh, sie zu einem Spaziergang in den Wald überredet, an entlegener Stelle sie gewürgt und heute nach Frankfurt transportiert. Das Mädchen schwebt in Lebensgefahr. Marburg, 31. Mai. Die „Oberh. Ztg." schreibt: In welch unglaublich fahrläss.iger Weise zuweilen Automobilfahrer handeln und dadurch Leben und Gesundheit ihrer Mitmenschen in Gefahr bringen, zeigte gestern abend ein Vorfall, der sich zwischen dem Wilhelms- Platz und dem sog- Dauberschen Schlößchen abspielte. Eine aus Mann, Frau und drei kleinen Kindern bestehende Familie fuhr dort langsam mit einem lleinen Handwagen aus der Richtung der Schwanallee kommend, nach der Stadt zu- Plötzlich vernahmen die Leute dicht hinter sich ein leichtes Fauchen, und sich umsehend, gewahrten sie in unmittelbarer Nähe in direkter Richtung auf sie zukommend ein Automobil- Die Mutter der Kinder besaß noch so viel Geistesgegenwart, um den Wagen mit den drei Kindern zur Seite zu reißen, in demselben Augenblick sauste auch schon das Automobil mit den höhnisch grinsenden Insassen vorbei- Das Oberhaupt der in Gefahr gebrachten und geängstigten Familie war aber auch nicht auf den Kopf gefallen, denn er sorgte dafür, daß die Polizei die Automobilisten im Nordviertel sofort um ihre werte Adresse ersuchte. Das übrige wird sich schon finden.________________________________________________________ Aer Koensbroech-Iasbach-Krozeß. (Nachdruck verboten.^ S. u. H. Trier, 31. Mat. Unter großem Andrange des Publikums und zahlreicher Vertreter der Presse fand heute vormittag vor der Zivilkammer des hiesigen Amtsgerichts die Verhandlung der Zivilllage des Grafen Hoensbroech gegen den Reichs- und Landtagsabgeordneten Kaplan Dasbach statt, bei welcher es sich um die vom Grafen Hoensbroech erhobene Forderung auf Auszahlung der vom Abg. Dasbach in einer Rixdorfer Volksversammlung ausgelobten Belohnung von 2000 Gulden für den Nachweis handelt, daß der Satz: Der Zweck heiligt die Mittel! in jesuitischen Schriften enthalten ist. Nach Eröffnung der Sitzung erhielt zunächst R.-A. Bettingen das Wort, um die Klage des Grafen Hoensbroech, die auf Zahlung von 2000 Gulden nebst 4 Prozent Zinsen vom 20. April 1903 ab lautet, eingehend zu begründen. Der Redner trug die Entstehung des Rechtsstreites vor. Es werde seit Jahrhunderten behauptet, daß die Jesuiten den Grundsatz aufgestellt hätten, der Zweck heilige die Mittel. Schon im Jahre 1852 habe deshalb der Jesuitenpater Roh einen Preis von 1000 Gulden ausgesetzt für die Erbringung des Nachweises, daß diese Behauptung irgendwie begründet sei. Am 31. März v. I. habe dann der Beklagte Abg. Dasbach in einer öffentlichen Versammlung in Rixdorf erklärt, er zahle das doppelte, nämlich 2000 Gulden, wenn ihm jemand den geforderten Nachweis erbringe, er zweifle jedoch nicht, daß diese Auslobung auch diesmal vergeblich sein werde. Daraufhin habe sich Graf Hoensbroech unter dem 10. April v. I. an den Beklagten gewandt und nach längerem hin und her sei das Beweisthema wie folgt präzisiert worden: „Jede an sich sittlich verwerfliche Handlung ist dadurch, daß sie vollbracht wird, um als Mittel zur Erreichung eines guten Zweckes zu dienen, sittlich erlaubt." Hierauf habe Graf Hoensbroech in einer besonderen Broschüre den bündigen Nachweis dafür erbracht, daß eine ganze Reihe Jesuitenoberer den obigen Satz gelehrt habe und im Anschluß daran die Auszahlung der aus- gelobten 2000 Gulden gefordert. Die Ablehnung dieser Forderung habe die heutige Klage gezeitigt. Hierauf erwiderte R.-A. K n e e r als Vertreter des Abg. Dasbach: Was den Prozeß an sich anlange, so hätte es Abg. | Dasbach sehr leicht gehabt, ihm überhaupt aus dem Wege zu gehen, indem er es abwartete, ob das Gericht bei seinem Nichterscheinen etwa zu einem Versäumnisurteil gelangt sein würde. Im übrigen sei aber auch deshalb in der Sache nicht zu der- j handeln, weil er die prozeßhindernde Einrede des Schiedsverttags zu machen habe. Nach § 661 des Bürgerlichen Gesetzbuchs handele es sich um eine Preisbewerbung. Das habe Graf Hoensbroech anerkannt, indem er es dem Beklagten anheimgestellt habe, die notwendigen Voraussetzungen für eine Preisbewerbung nachzuholen. Es handele sich aber in der vorliegenden Sache für den Abg. Dasbach auch noch um ein böheres Interesse und auch aus diesem Grunde sei er dagegen, daß sie vor einem ordentlichen Gericht zum Austrag komme. Da das Gericht garnicht in ! der Lage sei, sachlich zu einem Urteil zu gelangen, sondern sich Sachverständiger bedienen müsse, so bitte er um A b w e i s u n g | der Klage. Graf Hoensbroech: Ehe er sich zu der Sache fblbst | äußere, wolle er nicht unterlassen, der in der gegnerischen Presse aufgetauchten Behauptung entgegenzutreten, als ob er den vor liegenden Streit vom Zaune gebrochen habe, um einen reli- ■ giöfen oder konfessionellen Skandal heraufzubeschwören. Herr | Dasbach habe angefangen, indem er die 2000 Gulden ausgelob! habe, und es sei sein, des Grafen, gutes Recht gewesen, fid: auf diese'Auslobung hin zu melden. Er habe dies getan, weil seines Erachtens diese Frage sowohl eine kulturhistorische als auch literarische Frage ersten Ranges sei. Ihm komme es nur auf ein unparteiisches Schiedsgericht an, denn in letzter Linie handele es sich doch in der vorliegenden Frage nicht um eine religiöse oder konfessionelle Streitfrage, sondern um eine solche, die der gesunde Menschenverstand zu entscheiden habe. Abg. Dasbach: Er müsse behaupten, daß gerade Gras Hoensbroech die Oesfentlichkeit und die Presse zuerst mit diesen Dingen behelligt habe und aus diesem Grunde habe er Veranlassung genommen, mit seinen Ablehnungsanträgen bis zur heutiger. Verhandlung hinter dem Berge zu halten, damit es nicht wieder in der Presse heiße, er sei bemüht, die Sache zu verschleppen. Nach kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende sodann den Beschluß, daß das Gericht die prozeßhindernde Einrede des Schiedsgerichts abgewiesen und in die V e r b a n b ’ lung einzutreten beschlossen habe. Nach Ansicht de>s Gerichts habe allerdings ursprünglich die Absicht bestanden, die Sache einem Schiedsgericht zu überweisen. Damit sei aber nock nicht gesagt, daß dieses Gericht auch über die Auszahlung der 2000 Gulden zu entscheiden hatte, da es nur zur Prüfung bet Frage, ob der geforderte Nachweis als gelungen anzusehen sei, eingesetzt werden sollte. Dieser Nachweis sei also nicht der Rechtsstreit, sondern nur eine Nebenfrage. Aus diesem Grunde allein schon würde die Einrede des Schiedsvertrages unhaltbar sein. Es komme aber noch hinzu, daß es schließlich, wie aus den beiderseitigen Darlegungen hervorgehe, nicht zu einer Vereinbarung über das Schiedsgericht gekommen sei. Soweit erledige sich die ganze Sache und der Rechtsstreit als solcher gehöre vot das ordentliche Gericht. In der Nachmittagssitzung erllärt Abg. Dasbach, daß er da- Thema probandum in folgendem Wortlaut akzeptiere: „Jed- an sich sittlich verwerfliche Handlung ist dadurch, daß sie voll' bracht wird, um als Mittel zur Erreichung eines guten Zweckes zu dienen, sittlich erlaubt." Er bestreite aber, daß auch nut in einem einzigen der vielen Zitate, die Graf Hoensbroech bei- gebracht habe, der in vorstehendem enthaltene Grundsatz nieder« geschrieben oder gelehrt worden sei. Graf Hoensbroech: Term gegenüber bemerke er, daß dieser Grundsatz nicht immer wörtlick, wohl aber dem Geiste nach in allen diesen Zitaten enthalten sei und Dasbach habe ausdrücklich immer betont, daß es ihm gam gleich triftig sei, in welcher Form der Satz, an sich gelehrt worden sei. Dasbach: Es genüge ihm nicht, daß dieser Satz tiirtualiter eingeschlossen, sondern daß er formell ausgesprochen sei. Die>en Beweis müsse er nach wie vor fordern. I Bors.: Diese Forderung erscheine ihm nicht recht begrünt)ci darüber Äntrvort U bfl das ML baßda^ss---^ 3 »Koblenz- • 2MN &er. eirt'St/f auf ein * f ” cr=3 Unl ziere" ^QT01 3 kamen äs-z s-r.« eine L »•SflFSe i einen «S Berlin zurnckgekch bedenklich- • Kattonntz Fürsten Pleß 9e^’ ein Waldbrand, 30jährigen Hoc * W-en, 31- amtet her ersten öst bekanntesten und Sonntag der nuj von Men nach Sch- Vitterungsverhältu nach bet Dachstein haben- Heute sind des Vermißten in G umfassende Rettum Newyork, 3 Baltimore, Ma eigenen Hause, nac Enorme Verluste l Ursache des Selbs * Der erste : Frankreichs wu abgehalten. Die alt im Jahre 1899 unte unter der doppelten Sinne und der soz hat sich das bürget wälzend die Arbeitet weiterführten. Schon die VolksuniveMt t iMfiutbfen Unterricht Ter fangre/j begann die Volksuniversitäten der Klassen zum Zwei aber es wurde klar, ' vertreten war, als d ivurde darüber gesul sammenhangende Ser uehen seien. Auch den zwei letzten Stu iähig, ata was et Wünsche politischen Q inu?', den Zarismus, Trennung von Kirch maingiing der Fleis die Volksuniversitäter Hept, aus diesem 2- 3- 4- 5- -ZumGort E Gordon-Bennett-' ganges der Meldnnge Deutschland: 1- England: Oesterreich Italien: Frankreich Belgien: zeigten: &_ Schweiz: 7- Es erhalten fon Sri; Sä _ _ Au Landtag?, $ei der Kon eL Die W(t, x?Jmg d inneren S Mr Person nu?u und io biirfp?1 auch » pont £5eSn vor der ‘Jon, Sfttt Egg ^rden n- wichen Sei er stach S-.DbrÄ alle SAsI SW «fc <4 -Die S ba6T 5«! ’ife, 9'fteUt «„? «q 'M« 'Kr Btin ?* lle" wS# ibetn wL < w. •?b'4be Ä 'lcht hinter «sZr? bering, S ta «fa 5 Äifed R9£ tob sich M* r vorliegenden Sache m öheres Interesse und -- iaß sie vor einem oM i das Gericht garnck« WÄSji $sB rsF * LÄSL iiinbeMy1^ fjeufc- UH *sr-öSj , Dasbaü, da» v 7— schwarz) blau) gelb) 2— 9—15 3-10-16 4—11—17 5-12-18 6—13—19 England: Oesterreich Italien: Frankreich Belgien: Schweiz: Arbeiterbewegung. London, 31. Mar. Der Streik der Droschkenkutscher nimmt zu. Bei dem andauernden Regenwetter ist er erfolgreich. 1000 Kutscher von den sogenannten „privilegierten Droschken", welche in die Bahnhöfe eiuzufahren berechtigt sind, ferner auch die nicht zum Verbände gehörigen Kutscher traten heute in den Streik ein, was das auf den Bahnhöfen ankommende Publikum besonders unangenehm empfand. Der Gewerkverein der Kutscher hat seit zwei Tagen fast 2000 neue Mitglieder gewonnen. Die Heinen Droschkenbefitzer haben nachgegeben. üöU UOO Mark belaufen. Ein neues Preisausschreiben würde zn einem andern Resultat nicht führen. — Sir Henry E. Roscoe, der große englische Chemiker, feierte kürzlich die 50. Wiederkehr des Tages, an welchem er fein Doktorexamen inHei bclbercj bestand. Die Heidelberger Freie Studentenschaft landte bei Beginn dieses Semesters noch nachträglich ihre Glückwünsche und erhielt jetzt von dem greifen Jubilar die nachfolgende, auf Kartonpapier gefchriebene Antwort: „Mit den Gefühlen des größten Vergnügens und der größten Genugtuung habe ich die Glückwünsche der Heidelberger Freien Studentenickiast bei Gelegenheit meines Doktorjubiläums empfangen. Ich bin stolz darauf, mich zusammen mit den gegenwärtigen Mitgliedern der Studentenschaft als einen akademischen Bürger der Ruberto Carola zu betrachten und mich der herrlichen Tage zu erinnern, welche ich in Heidelberg „der Feinen" zu den Füßen jenes großen Meisters der Wissenschaft „unseres unvergeßlichen Bunsen" verbracht habe. Möge sein Beispiel von Ihnen Allen befolgt werden: möge sein hohes Ideal der deutschen Wissenschaft immer vor Ihren Augen stehen und möge so die Universität Heidelberg immer ein scheinendes Licht bleiben, welches mit den Wahrheiten der Wissenschaft in alle Welt hineinleuchtet. Henry E. Roscoe." Spielplan der Bereinigten Frankfurter Stadttheater. Schauspielhaus. Donnerstag den 2. Juni *): „Salome." Hierauf: „Wann wir altern." Zum Schluß: „Die Empfehlung." Freitag den 3. Juni: „Faust." Erster Teil. Samstag den 4. Juni: „Krieg im Frieden." Sonntag den 5. Juni: „Krieg im Frieden." Montag den 6. Juni: „Lumpaei Vagabundus." *) Anfang, wenn nicht anders benierkt, abends um 7 Uhr. angeruDte ver Tarwcye, oay örraj voensvroecy ita» vocy üet 1 einer Beweisführung streng an den Wortlaut seiner, Dasbach's Erklär- ungen gehalten habe. Er müsse endlich eine knappe und klare Antwort darüber erbitten, was denn dann eigentlich bewiesen werden solle, da das Gericht sonst genötigt sein würde, auch daraus seine Schlüsse zu ziehen. R.-A. Kneer wiederholt, daß sein Klient nähere ErHärungeu nickt abzugeben vermöge, bevor ein rechtskräftiges Urteil vorliege. Ter Vorsitzende verkündet darauf, daß das (Bericht seine Entscheidung in 8 Tagen fällen werde. Landwirtschaft. )( Aus der We11erau, 31. Mai. Tie Gewitterregen der letzten Tage haben das Wachstum der Feldfrüchte sehr gefördert. Ueberall ist man mit dem Vereinzeln der Zuckerrüben beschäftigt, in manchen Orten sind hierzu Ferien eingerichtet. Die Aussichten auf eine gleichgute Ernte der Zuckerrüben wie voriges Jahr sind sehr günstig. Ter Stand der Kartoffeln und des Weizens, dieser Haupterzeugnisse der Wetterau, berechtigt zu den besten Hoffnungen. ganges der Meldungen die nachstehende Reihenfolge: Deutschland: 1— 8—14 (Erkennungsfarbe weiß) grün) schwarz-gelb) Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Aus Berlin, 31. Mai, wird uns geschrieben: Zur großen Verblüffung der Berliner Börse ist heute das Projekt der Aufnahme der Berliner Bank in die Deutsche Bank gescheitert. Aber das Erstaunen über das Ereignis war freudiger Art. denn die Börse ist längst dahintergekommen, daß Bankenfusionen, so glänzend sie sich äußerlich darftellen, die Umsätze vermindern und die Macht der Finanzgrößen erhöhen auf Kosten der Kleinen. Die Börsianer liefen daher heute Bravo, als die Nachricht bekannt wurde. Zu denselben Bravorufen haben die Angestellten der Berliner Bank Anlaß: ihr Schicksal erschien, trotz beruhigender Versicherungen, durch die Verschmelzung großenteils ein recht ungewisses. Es mag sein, daß die „Flucht in die Oeffentlichkeit", die die Bankbeamten angetreten hatten, der Deutschen Bank den Verzicht auf die Ausführung ihres Planes nahelegte. Eine andere Auffassung geht dahin, daß der Deutschen Bank möglicherweise die Erörterungen peinlich waren, die sich an die in Aussicht genommenen Abfindungen knüpften. Das „Berk. Tagebl." ist der Meinung, daß der Banken-Kompensationsprozeß, wenn er auch noch nicht zum Stillstand gekommen sei, doch nunmehr den Höhepunkt überschritten habe. Wir sind nicht dieser Ansicht. Wir glauben vielmehr, daß bet Stein im Rollen ist, und daß noch eine größere Anzahl von Vereinigungen und Verschmelzungen vorgenommen werden wird, weil eben der Eine den Anderen an Kapitalmacht zu überbieten sucht. Die Deutsche Bank teilt bereits den Blättern mit, daß die Erhöhung des Grundkapitals um 20 Millionen Mark zur Stärkung der Be- ttiebsmittel zur Ausführung gebracht werden soll. Ein Keil treibt den anderen. Man wird bald von weiteren Kapitalerhöhungen der Berliner Konkurrenz hören. Tie Ironie des Schicksals fügte es übrigens, daß die Aktien der Berliner Bank, obwohl deren Leiter beglückwünscht wurden, ja, wie ein Börsenbericht meldet, Gegenstand von Ovationen waren, heute die ziemlich beträchtliche Einbuße von zwei Prozent erlitten. Der Kurs stellte sich auf 88. Glück und Unglück liegen auch in diesem Fall bei einander. Ob die Berliner Bank nach dem Intermezzo mit der Deutt'cken Bank nicht ihre Position verschlechtert hat, diese Frage wird von mehreren Seiten aufgeworfen. Ter „Lokalanz." weist auf den mißlichen Umstand bin, daß die Berliner Bank anläßlich der Verhandlungen zwei kauflustiger Banken den Einblick in ihre intimsten Verhältnisse gewähren mußte. Ganz recht, eine solche Preisgabe der Geschäftsgeheimnisse, bei aller möglichen Diskretion und Loyalität auf Seiten des Einblick Erhaltenden, ist stets unförderlich, sobald aus dem Projekt nichts wird. Insofern empfangen die Banken außerhalb Berlins, an die etwa einmal ähnliche Anträge oder Anregungen, wie bei der Berliner Bank, herantteten, eine beherzigenswerte Lehre. Die Deutsche Bank hatte sich die Rückzugspforte offen gelassen, daß der Uebernahmevertrag nur daun in Kraft trete, falls in der den Vertrag genehmigenden Generalversammlung kein Widerspruch gegen den Beschluß zu Protokoll gegeben werde. Es ist klar, daß die Deutsche Bank gegen die Möglichkeit langwieriger Anfechtungen des Vertragsschlusses sich fiebern mußte. Ebenso Har ist aber, daß eine Bank, der der Rückttitt erklärt wird, dadurch nicht eben an Nimbus gewinnt. Dies in der Tat tragikomische Schicksal, das die Berliner Bank betroffen, da sie sich schon im sicheren Hafen wähnte, dürste, wie bemerkt, nicht ohne Eindruck bleiben. Serichtssaal. 0 Marburg, 31. Mai. Wegen llebertr etung des Sprengstoff-Gesetzes hatte sich heute der Bergmann Heinrich Jung aus Günterod im Kreise Biedenkopf zu verantworten. Während der Neujahrsnacht wurde nämlich in diesem Orte so heftig geschossen, daß die Häuser zitterten und auch Fensterscheiben zersprangen. Die Nachforschungen führten zu dem Resultat, daß der obengenannte Bergmann, der in den Braunsteinwerken bei Gießen beschäftigt war, eine Dynamitpatrone entwendet und auch ohne Genehmigung Sprengstoffe in seiner Behausung aufbewahrt batte. Es wurde erzählt, daß sich die Burschen bei ihm das Sprengmaterial, mit welchem der Höllenlärm in der Sylvesternacht vollführt war, geholt hätten. Wegen Verdachts der Mittäterschaft machten deshalb auch mehrere Zeugen von dem Rechte der Zeugnisverweigerung Gebrauch. Ein 72 jähr. Greis Namens Rink, der ohne triftigen Grund den Eid verweigerte, wurde zu 30 Mark Geldstrafe verurteilt. Der angeHagte Jung hingegen wurde der Uebertretung des Dynamitgesetzes für schuldig erachtet und zu der geringft zulässigen Strafe von drei Monaten Gefängnis verurteilt. In der Konitzer Mordaffaire ist, so erfährt das „Berl. Tagebl.", eine neue überraschende Wendung eingetreten. Tie letzten Nachforschungen ergaben den gravierendsten Verdacht gegen den Arbeiter Maßlosf aus Könitz auf Grund aufgefundener halbverkohlter Uebcrreftc von Kleidungsstücken Winters. Maßloft sei bieier Tage in einer Halberstädter Fabrik ermittelt und von einem eigens zu diesem Zwecke dorthin gereiften höhern Beamten verhaftet worden. ■ Kunst und Wissenschaft. — Das Heidelberger Schloß. Im Badischen Landtag warf Abg. Wilckens (nl.) am 31. Mai die Frage der Erhaltung des Heidelberger Schlosses tn die Debatte im Anschluß an das Schreiben des Finanzministeriums über die Entwicklung der Heidelberger Schloßftage in den beiden letzten Jahren. Die Regierung habe sich auf den Standpunkt der Konservierung des jetzigen Zustandes des Otto-Heinrichbaues gestellt, durch Anbringung eines Daches, verbunden mit dem inneren Ausbau und Verglasung der Fenster. Wenn er für seine Person nun auch den jetzigen ruinenhasten Zustand vorziehe, so dürfe man vor der Restaurierung dock nicht zurückschrecken Ane vorn Oberbaurat Eggert-Berlin vorgeschlagene Eisenbetonkonstruk- tion, durch welche eine Versteifung und Erhaltung der Hos- fafsade zu erreichen sei, habe die Konferenz zurückgewiesen, ^etzt würden neue Gutachten über die Art der Verdachung erhoben, wobei er bitte, alle Ricktungen zu Worte kommen zu lasten. Abg Obkircher (nl.) halt es für dringend geboten, einmal ein internationales Preisausschreiben ergehen zu lassen, wie der Otto-Heinrichsbau in seiner jetzigen Gestaltting zu erhalten Jet. Finanzminister Becker erklärt, daß die Regierung sich ihrer hohen Verantwortlichkeit in dieser Frage wohl bewutzt 1«. Nach den neuesten Erhebungen dürfte heute als festgestellt zu betrachten sein, daß ohne Dachaufwand und ohne Verglasung der Fenster die Erhaltung unmöglich sei. Bei dem forstchrcitenden Verfall fei es geboten, fo bald wie möglich vorzugehen. Man werde sich also bemühen, die Fassade vor einem weiteren Verfall zu schützen. Das zwei'e und dritte Stockwerk werde aber unauv- gefübrr bleiben. Tie Kosten würden sich insgesamt auf etwa 7— — „ rot-gelb) Es'erhalten somit die drei deutschen Wagen, die berufen sein werben, den Gordon-Bennett-Preis zu verteidigen, die Startnummern 1, 8 und 14. Als Erster startet der Sieger des vorjährigen Gorben-Bennett-Nennens, Jeuatzy mit einem Daimler- Mereebes-Wagen. Der Start, der um 7 Uhr morgens beginnt, wirb in Intervallen von je 5 Minuten erfolgen. Um Kollissionen möglichst zu oermeiben, ist bie Bestimmung getroffen, baß an benAus- gangs-Kontrollstationen ber neutralisierten Orte bie Rennwagen in Intervallen von minbestens 2 Minuten abgelaffen werben, ber- qeftaÜ, baß, wenn gemäß ber für bie Neutralisation festgesetzten Zeit ein Wagen früher als 2 Minuten nach dem Letztabgelassenen abgelassen werben müßte, bie Neutralisationszeit bes zweiten Wagens um bie an zwei Minuten fehlenbe Zeit verlängert würbe. Vermischtes. • Koblenz, 31. Mai. An derselben Stelle, wo vor einigen Tagen der Expreßzug entgleiste, wurde wiederum ein Anschlag aus einen süddeutschen Schnellzug verübt; man entdeckte das Hindernis jedoch rechtzeitig und wandte dadurch weiteres Unheil ab. * Hannover, 31. Mai. Zu einem blutigen Ren- ko n t r e kam es hier in der letzten Nacht zwischen Offizieren des Beurlaubten st andes und Polizeibeamten. Baron v. Bodenhausen, Hauptmann a. D., Besser, Bergwerksdirektor Heye und ein Offizier a D. Rein- beld kamen gegest 3 Uhr morgens in lebhafter Unterhaltung aus einem Weinrestaurant und wurden von einem Schutzmann zur Ruhe ermahnt. Bald kam es zu Tätlichkeiten, wobei ein Polizeibeamter seinen Säbel zog und den Baron v. Dodenhausen über den Kops schlug. Es entstand eine Prügelei, die erst durch das Einschreiten mehrerer Polizeibeamter beendet wurde. Baron v. Bodenhausen mußte in eine Klinik überführt werden, wo die Aerzte einen komplizierten Schädelbruch und eine schwere Armverletzung feststellten. Die übrigen Herren wurden nach der Polizeiwache gebracht und nach Feststellung ihrer Personalien wieder entlassen. Sie sind heute strich wieder nach Berlin zurückgekehrt. Baron v. Bodenhausens Zustand ist bedenklich. * Kattowitz, 1. Juni. In dem Emanuelsanger, dem Fürsten Pleß gehörenden Walde, entstand gestern vormittag ein Wald brand, der bis zum Abend 200 Morgen 30jährigen Hochwaldes vernichtete. * Wien, 31. Mai. Thomas Maischberger, Beamter der ersten österreichischen Sparkasse in Wien, einer der bekanntesten und tüchtigsten Bergsteiger, wird seit Sonntag vermißt- Maischberger fuhr Samstag nachts von Wien nach Schladming Obwohl im Dachsteingebikt die Witterungsverhältnisse ungünstig sind, dürste er die Tour nach der Dachsteinmittelspitze über die Südwand versucht haben. Heute sind 12 Wiener Touristen und die Schwester des Vermißten in Schladming eingetroffen und haben eine umfassende Rettungsaktion eingeleitet. New York, 31. Mai. Ter Bürgermeister von Baltimore, Maelanes, erschoß sich gestern in seinem eigenen Hause, nachdem er erst 14 Tage verheiratet war. Enorme Verluste bei dem großen Stadtbrande sollen die Ursache des Selbstmordes sein- * Der erste Kongreß der Volksuniversitäten! Frankreichs wurde letzte Woche an zwei Tagen in Paris abgehalten. Die ältesten Gründungen dieser Art waren in Paris im Jahre 1899 unternommen worden. Sie litten von Anfang an unter der doppelten Tendenz der Volksbildung in bürgerlichem Sinne und der sozialistischen Propaganda. Im Laufe der Zeit .hat sich das bürgerliche Element mehr und mehr zurückgezogen, während die Arbeiter die Volksuniversitäten in eigenem Interesse weiterführten. Schon im Jahre 1901 definierte Charles Guievsse die Volksuniverfttät mir noch als „einen Arbeiterverein, der den passendsten Unterricht für freie Arbeiter einzurichten sucht." Ter Kongreß begann daher mit der Debatte über den Punkt, ob die Volksuniversitäten die Fusion der Klassen oder den Kamps ber Massen zum Zweck haben. Eine Entscheidung erfolgte nicht: aber es wurde klar, daß der sozialisttsche Klassenkampf stärker vertreten war, als die andere Dokttin. Eine lange Diskussion wurde darüber geführt, ob zwanglose Einzelvorträge oder zusammenhängende Serien über den gleichen Gegenstand vorzuziehen seien. Auch hier wurde kein Beschluß gefaßt. Erst in den zwei letzten Sttmden des Kongresses wurde dieser beschlußfähig, aber was entschieden wurde, das waren bloß fromme Wünsche politischen Charakters. Man brandmarkte den Kapitalismus, den Zarismus, den Krieg, den Alkohol, man forderte die Trennung von Kirche und Staat, den Achtstundentag, die Ermäßigung der Fleischpreise usw. Eine große Stärkung haben die Volksuniversitäten, deren Existenz meist auf schwachen Füßen steht, aus diesem Kongresse jedenfalls nicht geschöpft. Sport. — ZumGordon-Bennett-Rennen. Für den Start des Gordon-Bennett-Rennens ergibt sich nach Maßgabe des Ein- Kleine Ftnanzchrontk. Die Zigarettenfabrik Gg. A. Jasmatzi Akt. - Ges. in Dresden, hat im Jahre 1903 nach Abschreibungen im Gesamtbeträge von 115 779 Mark einen Verlust von 227 603 Mark. Auf neue Rechnung wird ein Verlust von 179161 Mark vorgetragen. — Es gehen Gerüchte von einer Fusion der Rheinischen Stahlwerke mit dem Bochumer Gußstahlverein. Es ist jedoch anzunehmen, daß es sich hier nur um eine Mutmaßung der Spekulation handelt. — Die Bergbau- Aktiengesellschaft Friedrich Segen a. d. Lahn wird 5 P r o z e n t verteilen; es ist dies das erste Geschäftsjahr als Aktiengesellschaft. Eingesandt. (Für Form und Jnbalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 1. Juni. Einsender dieses war bisher stets der unmaßgeblichen Ansicht, daß jedes außergewöhnliche Geräusch und Lärmen in den Straßen der Stadt, auch bei Tage, volizeilich verboten sei, namentlich dann, wenn hierdurch 9(nwobner der betreffenden Straßen nicht allein aufs äußerste belästigt, sondern ihnen jede geistige Arbeit geradezu unmöglich gemacht wird. Seit einiger Zeit sind im oberen Teile der Grünbergerstraße — Gegend der Wolfstraße — mehrere Buben mit Trommeln ausgerüstet, die faktisch „einen Stein erweichen, Menschen raieub machen können." Mit einer Ausdauer und Kraft, die einer besseren Sache würdig wäre, wirb tagaus tagein, vom frühen Morgen bis zum späten Abend von diesen zweifelhaften Trommelvirtuosen das Kalbfell — in einem Falle sogar aus Blech bestehend — gerührt, und wie gerührt! Falls nicht eine schleunige Abhilfe in dieser Hinsicht geschaffen wird, werden die Zinnnervermieter in der Grünbergerstraße sehr bald die betrübende Wahrnehmung machen müssen, daß ihre disponiblen Wohnungen von Leuten, die geistig zu arbeiten haben, was ja wohl bei der Mehrzahl unserer Ziinmermieter der Fall sein dürfte, plötzlich wie die Pest gemieden werden, wohl kaum zum Vorteil mancher Familien, für welche die aus der Zimmervermietung erzielte Summe oft ein wesentlicher Faktor ist. Auch Einsender dieses mußte bereits seine ihm sonst liebgewordene Wohnung ber lieben Straßenjugend wegen aufgeben. Ist denn für solche — gewiß recht unschuldige — Vergnügungen nicht Platz genug außerhalb ber Stadt ? auf dem Trieb :c. ? ober fällt es im lieben Gießen nur unter den Begriff: „Störung und Belästigung seiner Mitmenschen", wenn mal ein etwas übersideler Bruder Studio in vorgerückter Stunde feinen musikalischen Gelüsten in Form eines — wenn auch oft etwas unharmonischen — Gesanges Ausdruck giebt; in letzterem Falle müssen doch meist ohne Gnade einige Silberlinge in den Stadtsäckel geopfert werben. -ng- Gicßener landwirtschaftlicher Wetterdienst Voraussichtliche Witterung in Hessen für Donnerstag den 2. Juni 1904: Zeitweise starkwindig, zeitweise heiter, kühler, zunächst Gewitterregen, später vereinzelt Regenschauer. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Temperatur der Lahn und der Luft am 1. Juni 1904. Nach Reaumur gemessen mittags zwischen 12 und 1 Uhr. Wasser 16°, Lust 20°. Albert Rübsamen. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 1. Juni. Gestern fanden in zwei Kommunal- Wahlbezirken Ersatzwahlen statt. Im 32. Wahlbezirk wurde der sozialistische Redakteur Leid, im 40. Wahlbezirk der Privatdozent Dr. Leo Arons gewählt. Kiel, 1. Juni. Die gesamte aktive Schlachtflotte und 24 Torpedoboote traten gestern eine UebungSfahrt nach Neufahrwasser an. Die Flotte bleibt dort zwei Tage und kehrt am 6. ds. Mts. nach Kiel zurück. München, 1. Juni. In der gestrigen Kamm er - sitzung erklärte der Finanzminister von Riedel, ihm sei von einer ablehnenden Haltung Baierns in der Diätenfrage im Bundesrat nichts bekannt. Die bairische Regierung sei überhaupt prinzipiell nicht gegen die Diätengewährung, sondern stehe dieser durchaus freundlich gegenüber. Petersburg, 1. Juni. Bei der Ausfahrt von Dalny sank der Dampfer der mandschurischen Bahn, Nonni, nachdem er auf eine russische Mine aufgefahren war. Die Mannschaft wurde gerettet. Nur der Heizer fand den Tod. Petersburg, 1. Juni. Hier zirkuliert das Gerücht, daß auf den Grafen Lambsdorff ein Attentat verübt worden sei. Telephonischer Kursbericht. Frankinrt «. 31 o Im ~ Seife . 100.80 99.90 . 99.35 . 103.30 . 60.60 . 60.00 129.20 47.30 43.25 . 102.00 . 89.75 . 101.80 . 89.80 . 99.70 4% Oesterr. Goldrente . 4x,6% Oesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente . . 40/3 Italien. Rente , . . 4*/2% Portugieser , . , 30/. Portugiesen. . . . 1% C. Türken . . . Türkenlose..... 4% Griech. Monopol.-Anl. 4X),% äussere Argentiner 3ü/o Mexikaner 4i/2ty) Chinesen Electric. Schuckert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . Diskonto-Komniandii Darmstädter Bank Dresdener Bank . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn Lombarden . . Gotthard bahn . . Lanrahütte . . . Bochum .... Harpener . . . Tendenz: fest. 372% 30/9 3