Nv. 256 Erscheint täglich außer SonnlagS. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Familien» blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l/scheu Untvers^Buch- il Stein- druckere» (Pietsch Erben- Redaktion. Erpedtttoa und Druckerei: Echnlstratze 7. Adresse für DepescheM Anzeiger Gießen. Frrnsprechanschluß Nr. 6L Zweites Blatt« 153 Jahrgang GietzenerAnzeiger General-Anzeiger Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Älchole- u. Zweigstellen monatltd) 65 Ps.; durch diePost Mk.2.— vtenel- fährt. ausfchl. Beslellg. Annahme von Anzeigen für dle Lagesnummer bis vormtttags 10 Uhr. ZeUenpreiS: total ISP^, auSwärlS LV Psg. Brr^atwortlich tüt den poltt. und augem, Letli P. Witiko: für „Stadt and tanlr und „GerichtSsaalE, August Götz. für den Anzeigenteil: panS Beck. Samstag 31. Oktober 1903 BezngSpretS, monatuch75Pf^ viertel- iährlich URL 2.20; durch Iie heutige Yummer umfaßt 16 Seiten. SeKanntmachung. Betr.: Die Unterrichtskurse für die Fteischbeschauer. Wir bringen hiermit zur Kenntnis der Beteiligten, daß die Unterrichtskurse für Flerschbeschcmer in der Provinz Ober- Hessen am Montag dem 23. November 1903 im Städtischen Schlachthof zu Gießen ihren Anfang nehmen werden. Jeder Kursus wird einen Zeitraum von zusammen vier Wochen in Anspruch nehmen. Die Unterrichtsstunden werden tunlichst so gelegt werden, daß die vorhandene Eisenbahngelegenheit in möglichst großem Umfange zur Hin- und Rückfahrt benutze werden kann. Die bei uns bereits eingegangenen Meldungen werden an die Großh. Bürgermeisterei Gießen weitergegeben. Im übrigen sind die Meldungen zur Teilnahme an die Großh-. Bürgermeisterei Gießen zu richten. Hierbei empfehlen wir tunlichste Beschleunigung. Meldungen, die nach dem 12. November eintreffen, können nicht berücksichtigt werden. Gießen, den 30. Oktober 1903. . ___ Grohherzoglichcs Kreisamt Gießen. I. 23.: Dr. Heinrichs. Gießen, den 30. Oktober 1903. Betr.: Wie oben. Das Großheysgliche Krersamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Unter Bezugnahme auf die vorstehende Bekanntmachung empfehlen wir Ihnen, soweit dies noch nicht geschehen sein sollte, die Namhaftmachung der in Aussicht genommenen Fleischbeschauer, und zwar unmittelbar bei der Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. Da in den Gemeinden vielfach der Wunsch besteht, hinsichtlich der Fleischbeschauer unabhängig von den Nachbargemeinden gestellt zu werden, empfehlen wir, die Meldungen ohne Rücksicht auf die getroffene Einteilung in Bezirke vorzunehmen. Die Einberufung kann indessen selbstverständlich nur nach Maßgabe der räumlichen Verhältnisse des Gießener Schlachthofes erfolgen. Die Frist bis zum 12. November ist unbedingt zu wahren. I. 23.: Dr. Heinrichs. Bekanntmachung. Betr.: Die Stuttgarter Mit- und Rückversicherungs- Aktiengesellschaft. Der Stuttgarter Mit- und Rückversicherungs-Aktiengesellschaft ist durch Entscheidung des Kaiserlichen Aussichtsamtes für Privatverstcherung in Berlin vom 29. Mai 1903 die Zulassung zum Geschäftsbetrieb im Deutschen Reich erteilt worden. Gießen, 29. Oktober 1903. Großherzogliches Krersamt Gießen. ___________I. B.: Dr. Kranzbühler.____________ Amtliche Nachrichten über Viehseuchen. Bei einem Schweine des Metzgers Otto Unkel in Biedenkopf ist die Rotlaufseuche in Form von Backsteinblattern festgestellt worden. Es ist Stallsperre angeordnet. Dte Rotlaufseuche in Bottenhorn, Kreis Biedenkopf, ist erloschen. Weitere Krankheitserscheinungen sind nicht vorgekommen. ____________________________________ Kekanntmachung. In der Zeit vom 24. bis 31. Oktober 1903 wurden in diesiger Stadt gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 goldener Siegelring, 1 Brosche, 1 Rosenkranz, 1 Paar braune Glacehandschuhe, 1 Damengürtel, 1 Buch und 1 Packet mit Wäsche; verloren: 1 roter, gestrickter Geldbeutel mit 50 Mark Inhalt, 1 goldene Brosche, 1 Emailbrosche mit Perlen und 1 Weinzipfel. Entlaufen ist: 1 gelber Dachshund. Der Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben chre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 31. Oktober 1903. .Großherzogliches Polizeicunt Gießen. Hechler. Die Lösung der ungarischen Krise. Das ungar. Korr.-Bur. melbet: Die Bildung des ,Kabinetts ist zum Abschlüsse gediehen; dasselbe setzt sich wie folgt zusammen: Graf Tisza Präsidium und Inneres, Lukacs Finanzen, Hieronymi Handel, Tallinn Ackerbau, Berzeviczy Kultus, Generalmajor Nyiry Honved- ,Minister, Plosz Justiz, Cseh Minister für Kroatien. Die .Mitglieder des neuen Kabinetts werden am Dienstag den Kid leisten und sich am Mittwoch im Abgoordnetenhause vorstellen. Graf Tisza wird vorläufig auch den Posten a latere leiten. Es heißt, daß Fejervary für dieses Portefeuille ausersehen sei. c D. B. Ho. meldet uns aus Budapest vom 30. d. M.: In der heutigen Konferenz der liberalen Partei gab Graf Apponyi die Erklärung ab, daß er sich, entschlossen habe, das Programm des Grasen Tisza an zu n e h m e n und im Verbände der liberalen Partei zu verbleiben. Hierauf wurde das Programm des Neuner-Komitees mit dem Amendement des Grafen Tisza von der liberalen Partei angenommen. Wie ferner aus Budapest gemeldet wird, haben die Anhänger Szederkenyi's sowie parteilose Oppositionelle und einzelne Mitglieder oer Volkspartei in gemeinsamer Konferenz beschlossen, die Obstruktion im Abgeordnetenhause fortzusetzen. So scheint denn diese endliche Lösung der Krisis nach zahlreichen Konferenzen mit wechselvollem Ausgang einige Aussicht auf Bestand zu haben. Was am meisten Dauer dem Ausgleich verspricht, ist das Verbleiben des Grafen Apponyi und der meisten seiner Anhänger in der liberalen Partei sowie die Zusage des Grasen, Tisza zu unterstützen. Es war das Klügste, was die liberale Partei tun konnte, daß sie die Brücke zum Rückzug aus einer unhaltbaren Situation benützte. Die Festigkeit des Kaisers FranzJoses hat den Sieg davongetragen, die Hoheitsrechte der Krone, die Heeresinteressen sind trotz der Zugeständnisse von mehr formaler als praktischer Bedeutung voll gewahrt worden. In diesem Sinne schreibt man der „Kreuzztg." aus Wien: „Von Interesse ist es, die UrteÜe zu verzeichnen, die an zuständigen Stellen über das nun mit seiner Abänderung gutgeheißene ungarische Programm gefällt worden. Vor allem wird Gewicht darauf gelegt, daß nach der abgeänderten Bestimmung dieses Programm alles auf die Kommando- und Dienstsprache (im Heere) Bezügliche zu den Hoheitsrechten der Krone gehört und bleibt". Es könne daher von keiner der beiden Reichshälften einseitig ein Beschluß über die Kommando- und Dienstsprache gefaßt werden, sie bleiben unverändert' dieselben wie bisher, wie die Hoheitsrechte der Krone, betreffend die Armee, unangetastet bleiben." Die Grenze der Zugeständnisse an Ungarn ist, nach der Ansicht der beteiligten maßgebenden Kreise, fest und genau gezogen. Anders klingt es natürlich aus Budapest. Dort will man begreiflicherweise nicht zugeben, daß man auch nur einen Schritt zurückgewichen ist. Der Budapester Korrespondent des „Berl. Tagebl." erblickt in dem vom Kaiser genehmigten militärischen Programm Tisza's eine vollkommene Verleugnung des bekannten Chlopyer Armeebefehls. „Waren dorr die militärischen Hoheitsrechte des Monarchen als ererbt, also gleichsam als absolutistische, hingestellt, so wird nun in einer jeden Zweifel aus- jchließenden Weise festgestellt, daß dieselben nur verfassungsmäßig anerkannte Rechte sind, auf welche sich ebenfalls die Verantwortlichkeit des Ministeriums erstreckt." . . . Aus diesen Aeußerungen hüben und drüben läßt sich der Schluß ziehen, daß beide Teile von dem Erfolg ihrer Sache überzeugt sind; derartige Kompromisse werden mit Recht als am meisten gelungen angesehen. Noch wird zwar Graf Tisza manchen Strauß durchzufechten haben, indessen sind die ärgsten Schwierigkeiten überwunden. Auch Deutschland ist an der Beendigung der ungarischen Krisis interessiert: es darf erwartet werden, daß die dringende Frage des neuen Handelsvertrags mit 0est erreich - Ungarn nunmehr in rascheren Fluß kommt. Volitische Tagesschau. Besuch aus Mexiko. Ein Berliner Mitarbeiter schreibt uns unterm 30. Oktober: Ter mexikanische Minister des Auswärtigen ist dieser Tage vom Kaiser und vom Reichskanzler empfangen worden. Ueber den Zweck des Berliner Besuches lautet eine Darlegung von wohlunterrich^ teter Seite u. a. dahin, daß eine größereBeteiligung der deutschen Finanzweltin Mexiko durch Unternehmungen gewünscht wird. Gelegenheit zu gewinnbringender Kapitalanlage biete sich dort genug. Der Mexikaner behandele alles, was Deutschjland betreffe, mit der höchsten Achtung. Wie man deutschen Erzeugnissen den Vorzug giebt, so würde man die Beteiligung deutschen Kapitals drüben freudiger begrüßen, als d-ies bisher Amerika und England gegenüber der Fall ist, die mit Hunderten von Millionen in Mexiko engagiert sind. Für deutsche Fabrikant en und Exporteure dürste es interessant sein, zu erfahren, daß alle von Mexiko aufgegebenen Bestellungen baar bezahlt werden, entweder durch direkte Rimessen, oder durch Kommissäre in Europa. Allerdings erwartet man auch eine prompte und muster giftige Ausführung der Ordres! » , Zur Frage der Vivisektiou. Der niederösterreichische Landtag verhandelte am Freitag über den Dringlichkeitsan trag Lueger, in welchem Verwahrung gegen die Er klärung des Professorenkollegiums der Wiener Univerität eingelegt wird, die in der Frage der Vivisektion gegen das Eingreifen unkundiger Personen in den dazu berufenen Körperschaften Stellung nimmt. Im Antrag heißt es weiter, der Landtag möge beschließen, diese Erklärung zurückzuweisen und den Landmarschall zu ersuchen, beim Unterrichtsminister dahin zu wirken, daß das Professorenkollegium über die Rechte und Pflichten des Landtages ent- prechend belehrt werde. (Lebhafter Beifall.) Lueger begründet die Dringlichkeit und weist den Vorwurf zurück, als ob im allgemeinen gegen den Aerztestand gesprochen werde. Es wurden nur die Uebelstände, dte nicht geduldet werden können, vorgebracht. Der Landtag brauche sich nicht von den Professoren belehren zu lassen. Es müsse endlich einmal, wenn schon gegen die Vivisektion an Tieren aus wissenschaftlichen Gründen nichts eingewandt werden solle, ganz entschieden gegen die .Vivisektion an Menschen Protest erhoben werden. (Lebhafter Beifall.) Die Dringlichkeit wurde darauf angenommen. Bei der Beratung des Antrages selbst beantragen Schneider und Cattai einen Zusatz, dahingehend, der Landtag möge anregen, daß Mißbräuche in der Vivisektion aus gesetzlichem Wege beseitigt werden. Nach einem Schlußwort Luegers, welcher betont, es sei Pflicht, die Armen und Kranken vor verbrecherisch enExper im enten zu schützen, wird der Antrag dahin ergänzt, es sollten sämtliche zur Frage gestellten Anträge und Jnterepellationen sowie die Debatte über den Gegenstand selbst vervielfältigt und unter die Bevölkerung verteilt werden. Der Antrag Lueger wurde mit allen Zusatzanträgen angenommen. _ . ------------------11 ■-■!!" 1 ■"Si, Deutsches Keich. Berlin, 30. Oft. Der Kaiser hörte heute im Neuen Palais den Vortrag des Staatssekretärs des Reichsmarineamtes. — Morgen begibt sich das Kaiserpaar in Begleitung des Reichskanzlers Grafen Bülow nach Stettin. — Tie „Nordd. Allg. Ztg." widmet dem 40jährigen Regierungsjubiläum des Königs von Griechenland einen sympathischen Artikel. — General der Kavallerie, v. Massow, kommandierender General des 9. Armeekorps, unter Versetzung zu Offizieren ä la suite, ist zum Präsidentendes Reichsmilitärgerichts ernannt. Generalleutnant v. Bock- Pol ach, Kommandeur der 1. Division mit der Führung des 9. Armeekorps beauftragt, Generalmajor Gronau, Kommandeur der 2. Feldartilleriebrigade, unter Beförderung zum Generalleutnant zum Kommandeur der 1. Division ernannt. — Minister Bud d e erklärte den Vertretern des Komitees für den masurischen Schiffahrtskanal seine Sympathie für das Projekt. Für die nächste Session sei die Sache freilich noch nicht reif, er wolle sie aber nach Möglichkeit beschleunigen. — Die „Berk. Pol. Nachr." schreiben: Es sei sicher, daß den neuen Reichstage neben dem Reichshaushaltsetat auch eine Militärvorlage beschäftigen werde. — Die „Neue Pol. Korr." teilt auf Grund einer Information an maßgebender Stelle mit, daß demnächst ein Gesetzentwurf betreffend Reform desNeichsgerichts dem Bundesrat zugehen wird, dessen Ausarbeitung in den Händen des Reichsgerichtspräsidenten Dr. Gutbrod gelegen habe. — Bier- oder Tabak st euer sollen doch den Kern der ganzen Verhandlungen der Finanzministerkonserenz gebildet haben. Einstweilen soll aber der Gedanke der Tier- und Tabaksteuer vertagt sein; wenn aber alle andern Mittel, das Reich vor weiterer Verschuldung zu bewahren, scheitern sollten, dann wird der jetzt noch nach reiflicher Erwägung vollständig zurückgestellte Gedanke aufs neue auftauchen. Halle, 30. Oft. Auf ein Flugblatt der bürgerlichen Parteien zu den Stadtverordnetenwahlen hat ein hiesiger „Genosse" an einen zur Wiederwahl stehenden Stadtverordneten folgende Karte geschrieben: „Sie müssen doch ein großes Riesenrindvieh sein, daß Sie in Ihrem Flugblatt uns auffordern. Sie als Stadtverordneten zu wählen. Wenn Sie und Ihre kommunalen Vereinsbrüder nur noch einen Rest von Scham- und Ehrgefühl hätten, so blieben Sie mit Ihrer Einladung bei Ihresgleichen. Also merken ©ie hübsch auf: Lassen Sie Ihre Aufforderung bei uns hübsch beiseite! Ein zweitesmal schreibe ich Ihnen keine'Karte wieder; denn das sind ©ie und Ihre Konsorten nicht wert, sondern da schlage ich Ihnen ganz eklig das Fell voll; das ist das einzige, was bei Ihnen noch hilft." Karlsruhe, 31. Oft. Bei den Wahlmännerwahlen zum badischen Landtage erhielten die Mehrheit im Bezirk, Stadt Bruchsal die Demokraten, Stadt Pforzheim die Nationalliberalen, Schwetzingen-Mannheim die Demokraten, Stadt Mannheim die Sozialdemokraten, Weinheim-Bend- heim die Nationalliberalen, Stadt Heidelberg die Nationalliberalen, Amtsbezirk Sinsheim die Nationalliberalen, Stadt Konstanz die Demokraten, Waldshut-Säckingen das Zentrum, Stadt Freiburg das Zentrum, Stadt Lahr die Nationalliberalen, .Kehl die 9cationalläberalen, Stadt Rastatt die Nationalliberalen, Ettlingen-Rastatt das Zentrum, Bretten-Bruchsal die Nationalllberalen, Karlsruhe- Land die Konservativen, Durlach die Sozialdemokraten, Emmendingen die Nationalliberalen und Tauberbischoss- heim das Zentrum. Ausland. Brüssel, 30. Okt. Dem „Amtsblatt" zufolge ist die belgische mit der deutschen Reichsregierung in Verhandlungen getreten, welche eine Abänderung des am 6. Dezember 1891 abgeschlossenen deutsch!-belgischen Handelsvertrages bezwecken. — Die letzten aus Luzern eingetroffenen Nachrichten bezeichnen das Biefindenl der Gräfin^onyah nahezu als hoffnungslos. P aris, 30. Oft. Das Handschr eiben des Zaren an den Präsidenten Loubet beginnt folgendermaßen: „Ter Zar erneuert zunächst dem Präsidenten der Republik die Versicherung seiner herzlichen Zuneigung und gibt sodann der Genugtuung Ausdruck, die ihm selbst alles Glückliche bereite, was Frankreich begegne. In diesem Sinne hat der Zar mit der lebhaftesten Genugtuung das längste Abkommen mit England und die bewirkte Annäherung mit Italien entgegengenommen. In diesen Ereignissen erblickt der Zar ein neues Unterpfand des Friedens". — Ueber den Aufenthalt des Grafen Lamsdorff wcrLen in diplomatischen Kreisen Mitteilungen bekannt, die auf direkte AeuHarun gen des Grafen zurückgc führt werden. Danach soll Graf Lamsdorfs Herrn Delcasso versichert haben, die Abschjließung eines SchiedsVertrages mit England und Italien befriedige die russische Regierung umsomehr, als Frankreich damit nur der zuerst vom Zaren gegebenen Bewegung gefolgt sei. Be- Aüglich Macedoniens soll Lamsdorfs bemerkt buben, er hoffe, Frankreich werde sich wie Deutschland den Wünschen des Sultan gegenüber ablehnend verhalten, der die llebernahme der Kontrolle durch! alle Signatcw- !Mächte des Berliner Vertrages beantragt habe, um der iöstcrreichf-ungarischM Doppelkontrolle auszuweichen. Der Konflikt Rußlands mit Japan werde, wie der russische Minister bestimmt erwartet, friedlich beigelegt werden. — Vor dem Schluß der Arbeitsbörse gab es in den -Sälen und Korridoren blutige Kämpfe. Gin betrübendes Schauspiel war es, die der Rettungswagen harrenden verwundeten Schutzleute auf dem Boulevard hingelegt zu sehen. Fast jedes Gesicht war blutüberströmt; viele lagen mit zerschmetterten Gliedmaßen da. Die ^Rettungswagen kamen sehr spät. — In der Kammer kamen heute die Ruhestörung en bei der Arbeitsbörse zur Sprache Coutand :(Soz.) wirst dem Polizeipräsidenten Lepine vor, daß er Pie Arbeitsbürse von Polizeibeamten besetzen ließ und erklärt, weun er anwesend gewesen wäre, als die Polizei ^unschuldige Arbeiter niederschlug, hatte Lepine die Arbeits- börse nicht lebend verlassen. (Beifall bei der äußersten Linken.) Combes erklärt, er billige die vom Polizeipräsekten auf der Straße getroffenen Maßnahmen. Hingegen billige er nicht, daß die Polizeibeamten mit gezücktem Sabel itn die Arbeitsbörse eirrdraugen. (Beifall links.) Ans den Berichten der Polizeibehörde gehe hervor, daß die Schutz- Fleute ihre im Säulengang der Arbeitsbörse aufgestellten Kameraden in Gefahr glaubten und mit der flachen Klinge !zuschlagend, in das Gebäude eindrangen. Combes bemerkt. Die Untersuchung über den Vorgang sei eingeleitet. Wenn jemanden die Schuld treffe, werde er feine Pflicht tun. '(Beifall.) Rom, 30. Okt. Der Papst empfing gestern eine venezianische Patrizierin und äußerte beim Abschied: Wer weiß, ob ich Sie nicht in einem oder zwei Fahren in Venedig wiedersehe. Ein Bürgermeisterskandal. Noch ist über den Eisenacher Bürgermeisterskandal kein Mas gewachsen, und schon gibt es im Weirnarischen schon wieder eine,Kürgermeisteraffäre". Zur Revision des Jenaer Stadtbauplanes — die alte Musenstadt ist im Begriff, sich neuzeitlich zu verjüngen — war als Kapazität in diesem Fache Professor Henrici gewonnen worden, er legte aber plötzlich! die Arbeit nieder, und zwar, wie aus Deftigen Angriffen des Hausbesitzervereins auf den in Ur» taub abwesenden Oberbürgermeister Singer her- vorgrng, weil dieser ,chie Revision des Stadtbauplanes Hinterlistig zu vereiteln suche". In der betreffenden Vereinssitznng war es besonders Professor Weber, der äußerst scharf gegen das Stad tob erhaupt vorging. Jetzt ^veröffentlicht der Oberbürgermeister eine nicht minder scharfe Erklärung, die voraussichtlich die peinliche Angelegenheit dem richterlichen Urteil zuführen wird. Als nebensächlich und dem öffentlichen Urteil zu überlassen, bezeichnet er die Vorwürfe, er habe Professor Henrici absichtlich voll des süßen Weines in die Herrensitzung tut Hotel „Zur Sonne" geschickt, den Henrici- sichen Plcm monatelang liegen lassen usw.; ehrenrührig «oer sei der andere Vorwurf: „er habe Professor Henrici «röblichgetäuscht und denselben ohne Vorwissen, also Hinter dem Rücken d es Gemeind erats, dazu animiert, von der Stadt ein recht hohes Honorar FU verlangen, damit die Gemeindebehörden durch die Kostenhöhe von der Vornahme der Revision abgeschreckt würden". Das fei eine infam e Unter steltüng, wehhe die Akten Lügen straften. Wer nach Einsicht in dieselben es noch fertig bringe, ihn der ihm angedichteten perfiden Handlungsweise zu zeihen, der verdiene den Namen eines elenoen Schurken und gewissenlosen Ehrabschneiders, dem es ein leichtes sei, den Ruf der Stadt naify außen in hohem Maße zu gefährden, und aus niedrigsten Gründen, die nur persönlichem Haß entsprungen fein könnten, den ersten städtischen Beamten mit Kot zubewerfen. Schließlich fordert Oberbürgermeister Singer die Professoren Henrici und Weber, die er für die Urheber all dieser Anwürfe zu «halten scheint, dazu öffentliche auf, Rinnen fünf Da- gen klipp und klar für ihre, feine Beamtenehre tief berletzenden Beschuldigungen den urkundlichen oder zeugeneidlichen Beweis zu erbringen,, oder chre Behauptungen öffentlich unter Ausdruck des Bedauerns zu widerrufen". Man sieht dem Ausgang des Ehrenhandels, welcher die ersten Kreise der weimarschen Universitätsstadt aufs lebhafteste beschäftigt, mit Spannung entgegen. Aus Staöt und Land. Gießen, den 31. Oktober 1903. LU. In das Universitäts-Al bum haben sich bis Freitag den 30. Oktober neu eingeschrieben 111 Studierende, darunter 2 Theologen, 18 Juristen, 29 Mediziner, 12 Veteri- nürmediziner, 50 Angehörige der philosophischen Fakultät. Die erste Immatrikulation hat heute mittag stattgesunden. Das Verzeichnis der neu immatrikulierten Studierenden wird von Montag an fortlaufend veröffentlicht. — Die zweite Immatrikulation findet am 7. November statt. ** Das Promenadenkonzert fällt morgen aus. Unsere Regimentsmusik konzertiert morgen Sonntagabend im Cafe Leib (Theatersaal), worauf hierdurch aufmerksam gemacht wird. ** Durchgehende Pferde. Gestern nachmittag rannte das Pferd eines hiesigen Pferdehändlers mit einer Wagenscheere anhängend, die sich vom Wagen losgelöst hatte, die Frankfurtersttaße und den Seltersweg herunter und gefährdete Menschen und Fuhrwerke im höchsten Grade. Ein Arbeiter, der das rasende Tier am Seltersweg aufhalten wollte, wurde zu Boden geschleudert und erlitt Verletzungen am Kopfe. Erst in der Sonnenstraße konnte das Pferd, wo es stürzte, eingesangen und mit erheblichen Verletzungen dem Eigentümer zu geführt werden. — An demselben Nachmittag ging ein beim Ackern am Trieb scheu .gewordenes Pferd durch rannte die Gründ er gerstra ße herunter durch die Moltkesttaße nach dem Großen Steinweg, wo es von einem Soldaten aufgegriffen wurde. In diesem Falle wurden weder Personen noch das Pferd selbst beschädigt. ** Der Giestener Fußballklub 1900, seit kurzem Mitglied des deutschen Fußballbmtdes, der ca. 150 Kltcks von Deutschland und Deutsch-Oesterreich umfaßt, hat am letzten Sonntag feine Uebungsspiele wieder aufgenonr- men. Spielzeit ist von jetzt ab Sonntag nachimittags von 3 Uhr bis zur einbrechenden Dunkelheit. Der Umkleideraum ist im Schützenhaus. Der G F. C. hat für diesen Winter bereits mehrere Wettspiele mit auswärtigen Klubs in Aussicht genommen. Herren, die sich für die Bestrebungen des Klubs interessieren, werden gebeten, sich entweder zu ben Uebungsspielen ein find en zu wollen, oder sich um Auskunft an Herrn Willy Schwan, Mäusbnrg, zu wenden. L Ranstadt, 30. Ott Der hiesige Bahnhof der Ober hessisch en Eisenbahn liegt eine halbe Stunde vom Dorfe entfernt Auch die Nachbarorte Dauemheim, Dauernheimer Hos, Ober- und Niedermockstadt, die auf unseren Bahnhof angewiesen sind, haben einen weiten Weg dahin. Es bestand daher schon lange der Wunsch, den Bahnhof genannten Orten näher zu rücken. Es wurde ein Projekt au§gearbeitet, wonach der Bahnhof vor Ranstadt an das Straßen kreuz nach Mockstadt gelegt werden sollte. Dies war aber für Dauernheim mit dem fiskalischen Hof noch inrgünftiger als die bisherigen Verhältnisse. Es hätte einen großen Kostenaufwand durch Höherlegung des Bahndammes auf 3 Km. Länge und durch Erhöhung des Viaduktes an der Dauernheimer Straße verursacht, ohne alle Beteiligten zufrieden zu stellen. Da wurde der Vorschlag gemacht, die Bahnstrecke Nidda-Ranstadt mehr nach! Dauernheim zu rücken, sie soll, anstatt wie jetzt im Niddatal den Bogen nach links, nach rechts nehmen. Die ganze Bahnlinie würde den anderen Ortschaften näher gebracht, imb es könnte ein Platz zum Bahnhof gefunden werden, der für alle genannten Plätze näher und besser zu erreichen wäre. Der Viadukt konnte dabei weiter benutzt werden, ohne verärrdert werden zu müssen. Die Kosten dieses zweiten Planes sollen voraussichtlich die des ersten nicht iuefentlief), übersteigen. Die Gemeinde Dauernheim, durch deren Gemarkung die Lücke dann führen würde, ist bereit, das Gelände unentgeltlich zu stellen; auch vom Fiskus wäre dies zu erwarten. Jede der beteiligten 'Gemeinden ist, wie mir hören, bereit, einen namhaften Geldbetrag zu bewilligen. Darmstadt, 30. Ott Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin v o n Rußland, S. Kgl. Hoheit der Großherzog, Äre Königh Hoheiten Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen haben sich, wie die „D Ztg." berichtet, vormittags nach der Saalburg begeben und sind im Laufe dev Nachmittags auf Jagdschloß Wolfs garten zurück- gekehrt. — Am Dienstag abend wurde im Herrschafts-Foyer des Großh. Hoftheaters dem Kaiser und der Kaiserin von Rußland, dem Großherzog und dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich von Preußen durch Direktor Peterson aus Köln eine Neuerung, auf dem Gebiete der Staubentziehung mittelst Saugluft (Vacuum Cleaner) ans Teppichen, Möbeln u. dgl. m. im Betriebe vorgeführt. Der Apparat erregte lt. „D. Z." das größte Interesse der hohen fürstlichen Personen. Die Erfindung ist englischen Ursprungs, während die Herstellung und der Vertrieb der Apparate für Deutschland in den Händen der „Vacuum- Reckckger-Gesellschaft m. b. H" in Berlin liegt. sd. Darmstadt, 30. Ott Bei den Beratungen des Finanzausschusses brachte dem Antrag Ulrich bett. Beseitigung der Stempelsteuer und Deckung des Ausfalles durch eine Erhöhung der Progression der Einkommensteuer der Antragsteller eine Berechnung, die im Gegensatz zu der von dem Finanzministerium bereits veröffentlichten Berechnung, die Höchststeuerleistung bei einem Einkommen von 1% Million auf 130000 Mk. fesh- setzt. Man beschließt, die Negierung aufzufvrdern, auf Grund dieser Berechnung, eine Aufstellung vorzulegen, aus der zu ersehen ist, welche Mehreinnahmen hierdurch zu erzielen seien. — Der Vorstellung einer Anzahl D b er» le hrer, bett. Regelung ihres Besoldungsdienstalters, wurde, im Gegensatz zu der Meinung der Regierung, beschlossen, stattgegeben. — T>em Staatsverttag zwischen Baden und Hessen bett. Abtretung des Condominats Kürnbach in Baden gegen Eintausch entsprechender Waldungen und Zuzahlung von 175000 Mk. wurde mit 4 gegen 3 Stimmen zugestimmt. — Der Anttag des Abg. SchMttt betr. die Ausbildung der jungen Verwaltungsbeamten toirb einstimmig angenommen. — Die Vorstellung der Angestellten des Arbeitshauses Dieburg bett. Wohnungsgeldzuschuß wurde einstimmig, abgelehnt. — Die Beratung der Vorlage bett, den Hoftheaterumbau wurde auf Wunsch der Negierung auf eine spätere Sitzung verschoben. — Der Antrag Wolff und Genossen betr. Erwerbung von Weinbergen in mittleren und kleineren Lagen zu Staatseigentum wurde angenommen und die Vorlage der Steueraufieher bett. Gehaltsregulierung abgelehnt. Vermischtes. * Rom, 31. Okt. Vergangene Nacht geriet der Schnellzug Mailand-Rom in der Nähe von Parma auf ein Nebengeleise, wo vier mit Getreide beladene Eisenbahnwagen standen. Es erfolgte ein furcht b ar er Zusammenstoß. Mehrere Reisende sind leicht verletzt, unter ihnen der Senator Roux und der Deputierte Bruni- cardi. Die Untersuchung ergab, daß der Unfall b öswil- lig durch Personen herbei geführt wurde, die die Weichen umgestellt hatten. Der Zug konnte nach zweistündigem Aufenthalte die Fahrt fortsetzen und traf in Rom mit drei Stunden Verspätung ein. * Newyork, 30. Okt. Nach einem Telegramm aus Pueblo (Colorado) entgleisten ein Expr eßzug der Atchison-Dopeka and Santafe-Msenbahn auf der Brücke von Apishapa Man glaubt, daß es sich um einen Anschlag von Eisenbahnräubern handelt. Dte Nägel waren von drei Schienen entfernt. Die Brücke brach- zusammen. Die Lokomotive und vier Magen stürzten in den Fluß. 30 Personen sind verletzt. Gerichtssaat. b. Gießen, 30. Okt. (Strafkanrmer-Sitzung.) Der Tagelöhner C. B. übernachtete mit dem Tagelöhner Benkert von Z ürzburg in der Nacht vom 4. auf 5. Juni d. I. in einem gemeinsamen Zimmer in Friedberg. Des folgenden Atorgens benutzte B. die Abwesenheit seines Schlafkameradelr dazu, dessen Koffer zu erbrechen und sich verschiedene Kleidungsstücke des Beukert anzueignen. Er hat sich dadurch des schweren D i e b st a h l s schuldig gemacht und erhält dafür sechs Ntonate Gefängnis. — Ter Tagelöhner Th. K. von Ober-Erlenbach kam Ende August d. I. zu dem in Gießen wohnenden Obsthändler Giehl und fragte ihn, ob er ihm nicht Obst, das er in der Grünbergerstraße gesteigert hätte, abkaufen wolle. Giebl ging hierauf em und gab dem K. auf sein Verlangen zunächst 2 Mk. und des folgenden Tags 1 9)lf. als Vorlage, bekam aber niemals das gekaufte Obst zu sehen, da das Ganze Schwindel war. Urteil: Neun Monate Gefängnis wegen Betrugs. — Tie Strafsache gegen den vielfach vorbestraften Handelsmann I. L. von Alsfeld beschäftigte heute die Strafkammer längere Zeit. Ter Angeklagte kam am 6. Januar d. I. mit ntehreren Stück Vieh zu dem Piehmarkt nach Gießen. Am Vormittag des Atarttes verkaufte er nun eine Kuh an den Handelsmamr Albert Aron, wobei er auf Befragen zuficherte, daß die Kuh nicht huste. In der Tat bemerkts aber der Käufer auf dem Transport nach Hause und in seinem Stalle, daß die Kuh sehr stark huste. Die Kuh magerte völlig ab und hatte für den Käufer, da er die Milch der Kuh nicht verwenden wollte, da er befürchtete, die Kuh litte au Tuberkulose, gar keinen Wert mehr. Er strengte hierauf eine Zivilklage beim Amtsgericht Alsfeld an, das auch den Angeklagten zur Zurücknahme der Kuh verurteilte, wogegen dieser Bertlfung verfolgte. Das neben dem Zivilversahren laufende Strafverfahren endigte heute mit der Freisprechung des Angeklagten, die jedoch nicht, wie besonders betont wurde, darauf beruhte, daß das Gericht sich von seiner Unschuld überzeugt hätte, sondern einen hinlänglichen Beweis für seine Schuld, insbesolidere nach der Richtung, ab ihm bewußt war, daß die Kuh infolge des Hustens minderwertiger werden und damit eine Ber- Mögensschädigung für den Käufer eintreten würde, nicht als völlig erbracht ansah. — Heute hatte sich auch der am 5. Dezember 1885 geborene Maurer A. E. von Vilbel, der am Abend des 27. September d. I. den 17 Jahre alten Tagelöhner Johann Ackermann von Vilbel erstochen hatte, wegen Körperverletzung mit rötlichem Erfolg zu verantworten. Am Abend des 27. September lfd. Js. war Tanzmusik in der Hübner'scher Wirtschaft in Vilbel, die auch von dem Angeklagten, dem Ackermann und noch anderen jungen Burschen besucht wurde. Nachdem es dort schon geringe Differenzen zwischen dem Angeklagten und einem anderen jungen Burschen wegen angeblichon Stoßens beim Tanz gegeben hatte, verließen sie sämtlich zwischen 11 und 12 Uhr die Tanzmusik. Am Hause des Kaufmanns Schwarz trafen nun der Angeklagte, in dessen Begleitung noch 2 andere Burschen sich befanden, mit dem Ackermann und dessen Kamerad Neuberger zu- samnien. Hier begann nun der Angeklagte zunächst Streit mit Neuberger wegen des Tanzes und wurde hierbei unterstützt von einem mittlerweilen herbeigekommenen anderen Burschen. Ackermann kam rum seinem bedrängten Genossen zu Hilfe und trennte sie mit Gewalt. Die Details dieser kleinen Rauferei sind nicht mit Bestimmtheit festgestellt. Durch das Geständnis des Angeklagten steht jedoch fest, daß die Rauferei beendet war, als er aus Zorn und Rache das Messer nahm und es dem vor ihm stehenden kräftigen Ackermann tief mitten ins Herz stieß. Ackermann konnte sich mit Hilfe seines Freundes noch einmal erheben, brach aber dann zusammen unb blieb tot liegen. Das Gericht versagte dem Messerhelden, der so namenloses Unglück über eine achtbare Familie gebracht hat uni) so kaltblütig em blühendes Menschenleben vernichtete, mit Rücksicht auf die Brutalität und Unveranlaßtheit der Tat mildernde Umstände und erkannte auf eine Gefängnisstraßo von 4 Jahren. Gingrsantt Gießen, 31. Oktober. Die in der für alle Privatbeamten fo außerordentlich wichtigen Pensionsangelegenheit hier am Platze angestellten Erhebungen haben ein ungemein klägliches Resultat ergeben. Trotzdem in jedem Stadtteil, eine Anzahl Ausgabestellen für die Fragebogen eingerichtet waren und sich ein jeder Interessent einen solchen bequem beschaffen konnte, haben sich von den Hunderten von Pr-ivatangestellten kaum hundert der geringen Mühe unterzogen, das Formular auszufüllen und abzuliefern. Diese Gleichgiltigkeit gegenüber einer Sache, die, wenn sie gelingt, den d e ul s ch e n Privatangestellten, ihren Familien und ihr em ganzen Stande von unschätzbarem Werte fein wird, ist um so bedauerlicher, als nur d i e Menge der ein gje heu den Fragebeantwortungen der Maßstab für das Interesse fein kann, welches die Privatbeamten beseelt und nach rvelchem das Reichsamt des Jnnerrr seine Entschlreßungen treffen wird. Wer d ie außerordentliche Tragweite einer staatlichen Pensions- und Hinterbliebenen-Ver» sicherungiu dem angestrebten Umfange erkannt hat, darf sich seiner Pflicht, den Fragebogen auszufüllen, unter keinen Umständen entziehen. 9ioch rst es Zeit für jeden, den es angehtz feine Pflicht zu erfüllen. Herr Louis Lind, Zigarrengeschäft,Krrchenplatz, ebenso die Expedition dieses Blattes haben sich bereit erklärt, noch während der kommenden Woche die Fragebogen zur Verfügung zu stellen und ausgefüllt wieder entgegenzunehmen. Bemerkt wird noch, daß die Briefe nicht direkt an das Reichsamt gesandt werden dürfen, sondern- an die Ausgabestellen wieder abgeliefett werden müssen. Ein Privatbeamter. Die Paffanten des Wetzlarer Weges müssen von dem Bahnübergang ab bis zum „Rheinischen Hof" fast die ganze Zeit bei dem nassen Wetter durch den Schmutz des aufgeweichten Fußweges baden. Ter Weg war vor einiger Zeit noch schön passierbar, tnbem er festgetreten war; nun ist aber vor einigen Tagen die harte Oberfläche entfernt rooiben und betyalb aUeS aufgeweicht. Em halber Wagen voll Kies würde genügen, um jene stelle wieder passierbar zu machen. S. Märkte. Gießen, 31. Okt. Marktbericht. Auf heutigem Wocbenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1,00—1,15 Mk., Hühnereier 1 St. 7—8 Pfg., 2 Stck. 00—00 Pfg., Gänseeier 00—00 Pfg., Enteneier8—0 Pfg., Käse pr. Stck. 5—8 Pf., Käsematte 2 Stck. 5—6 Pfg., Erbsen pr. Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr.Paar 0,70—09,02)11., Hühner pr. St. 1,30—1,80 Mk^ Hähne pr. Stück 0,70—1,50 All., Enten pr. Stück 1,70—2,20 Mk., Gänfe pr. Pfd. 58—60 Pfg., Ochfenfleisch pr. Pfund 68—78 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 62—66 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfinrd 66—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 70—76 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 65—74 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,00—5,50 Mk„ Weißkraut per Stück 5—7 Pfg., per Zentner 1.30—1.60 Mk., Zwiebeln pr. Zentrier 4,50—5,00 All., Atilch per Liter 18 Pfg., Aepfel per Zentner 16 bis 20 Mk., in Körben 00—00 Pfg., Zwetschen Mk. 7.00-9.00 pr. Ctr., Trauben 00—00 Pfg. Telephonischer Kursbericht. 4% Oesterr. Goldrente . 4x/6% Oesterr. Silberrente 101.00 100.10 103.80 52.75 31.90 37.20 141 20 101.90 90.85 101.85 90.85 100.05 100.20 102.20 26.80 91.90 110.50 4% Ungar. GoldrenteJ 4v/o Itaüen. Rente . 41/, % Portugiesen . 3°/ Portugiesen. . . 1% C. Türken . . Türkenlose .... 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.15 4xk% äussere Argentiner —.— 372% 3% 3V.% 3% 372% 37o% Reichsanleihe do. Konsols . do. . . Hessen Oberhessen . 105.70 . 212.30 . 196.80 . 145.00 . 155.30 . 165.00 . 144.20 . 17.00 . 190.50 . 241.50 . 190.00 . 200.20 3% Mexikaner . . • 4%o/g Chinesen . . • Electric. Schlickert . * Nordd. Lloyd • • • Kreditaktien - . • Diskonto-Kommsndit, . Darmstädter Bank . . Dresdener Bank . . , Berliner Handelsges. . Oesterr. Staatsbahn . . Lombarden ♦ ♦ ♦ . Gotthardbahn .... Laurahütto ..... Bochum ...... Harpener ..... Tendenz: fest. Wo die Wirtschaft-Kass- nur erlaubt, einen billigeren Bohnenkaffee zu kaufen, hat e§ die Hausfrau in der Hand, dieses Getränk durch einen Zusatz von Kathreiners Malzkaffee wesentlich zu verbeffern. Kathreiners Malzkaffee gibt nämlich, abgesehen von seinen anderen guten und gesundheitsfördernden Eigenschaften, dem schwächsten Bohnenkaffee einen angenehmen, vollen Go- schm a ck, den man bald nicht mehr entbehren mag. Man geht dann ganz von selbst zu immer größeren Quantitäten Malzkaffee über, bis man schließlich die Entdeckung macht, daß Kathreiners Malzkaffee selbst, ohne jede Bei- mlschung von Bohnenkaffee, allein und rein genossen, baS vortrefflichste und wohlbekömmlichste Frühstücks- und Vesper-Getränk ist. M. Reiss Schuhen nnd Stiefeln Mstzer-Umi«! Eintritt 35 Pfg. Anfang 8 Uhr. Bier im Glas. Bier im Glas. -SW& Zweiggeschäft: Gießen, Bahnhofstraße 22. 6214 Gäste: Damen- Knaben- Mädchen- Kinder- Haupt-Geschaft: Louis Spier, Frankfurt a. 1 Frau Erika Wedekind Königl. Säxjhs. Kammersängerin aus Dresden. Herr Professor J. JKwast aus Berlin. leine Damen uni Herren! Ueberzeugen Sie sich von der Qualität der von mir geführten Waren. Sie werden solide Preise mit grösster Dauerhaftigkeit, Eleganz der Formen und gutem Sitz vereinigt finden. Zu zahlreichem Besuche ladet ergebenst ein 8169 Der Vorstand. für die moralische Auffassung Brauns und Mehrings in den Jahren 1887, 1890 und 1903 dienen sollten. Die Korrespondenz stehe in direktem Widerspruch mit den Ausführungen auf d em Dresdener Parteitage. Magdeburg, 3L Okt. Rittergutsbesitzer Brandt wurde von seinem Gutsinspektor auf dem Anstande bei der Rehjagd erschossen. Biwndt, der stillschweigend den Platz gewechselt hatte, entlastete sterbend den Schützen. Wien, 31. Oft. In ganz Südtirol ist ein jäher Wetterumschlag zu verzeichnen. Es regnet ohne Unterlaß. Die Etsch und ihre Nebenflüsse sind hoch angeschwollen und es droht Ueberschwemmungsgefahr. Belgrad, 31. Okt. Fürst Ferdinand von Dulgar ie u soll einen Selbstmordversuch verübt haben. Nach der einen Version hat er eine Revolverkugel auf sich Kietzen. Samstag, 7. November, von abends Vrd Uhr an: Georg Todts Konkurrenz-Zigarre Marke „Vita". Mausgraue Mexikos Md Vorstenkanden. Zigaretten in grosser Auswahl. Frankfurter Scfitifilagnr Giessen 12 Mäusburg 12 hat die grösste Auswahl in Herren- Stadt Marburg. Sonntag den 1. November, von nachmittags 5 Uhr ab: Tanz-Vergnügen. Streichmusik. [05407] Eintritt frei. Es ladet ergebenst ein Fritz Kremer. des Kichard Feldbaus aus Basel über das Thema: Dee Krieg der Zukunft Mittwoch den 4. November L I., abends 8x/2 Uhr iw Neuen Sualbau (früher Steins Garten). 8190 Der Vortrag wird durch Vorführung zahlreicher Lichtbilder erläutert. — Die Vereinsmitglieder mit ihren Familien, sowie die Mitglieder aller hiesigen zur Krieger-Kameradschaft „Hassia" gehörigen Vereine und ihre Familien werden hierzu kameradschaft- lichst eingeladen. Der Borstand. Gasthofzur Krone, Wehlar 7 Minuten vom Bahnhof — beliebter Ausflugsort, schöne Veranda und Gesellschaftszimmer. — Billard, Kegelbahn. Gutgepflegtes Münchener und Helles Bier. Erstklassige Weine. Prima Küche. 6m9 Besitzer Fr. Bormann. Cafe Leib (Theatersaal). Sonntag den 1. November: bend-Konzert ausgeführt von der 8188 Kapelle des Inf.-Reg. Kaiser Wilhelm (2. Grossh. Hess.) Nr. 116 unter Leitung des Grossh. Musikdirektors Herrn C. Krausse. Spielplan. 1. Frisch drauf los! Marsch, Lion. 2. Ouvert. Das Modell, SuppS. 3. Korso-Quadrille, Krausse. 4. Finale aus Maritana, Wallace. 5. Ouvert. Die Felsenmühle, Beissiger. 6. Es sang ein Vöglein im Lindenbaum, Eberle. 7. Valse bleue, Margis. 8. Perlen a. Meyerbeer’s Opermelodien, Fantasie, Schreiner, 9. Tscherkessischer Zapfenstreich, Machte. 10. Ständchen, Herfurth. 11. Sita- Mazurka, Lincke. 12. Berliner Plaudereien, Humoreske, Klein. sowie sämtliche Aussteuer-Artikel etnpsehle zu ganz besonders billigen Preisen. 8180 M. Kain, gegenüber der Stadtkirche. Georg Todt Zigmei-Kttsaiid hä Einen großen Posten fertiger Uh-, Beü-, Tisch-i.Iöimlwäsche Giessener Concert-Verein, I. Concert am Sonntag dem 1. November, abends 5 Uhr im Saale des Gesellschafts-Vereins. Dirigent: Grossh. Universitäts-Musikdirektor G. Trautmann. Solist: Kammersänger Weber, Darmstadt (Bariton). Orchester: Das Vereins-Orchester (Kapelle des Inf.-Regts. No. 116 „Kaiser Wilhelm II.", verstärkt durch andere geehrte Künstler). Programm. 1. Symphonie in Fmoll, op. 12 . , . Bich. Strauss. 2. Lieder am Klavier. 3. Ouvertüre zu „Iphigenie in Aulis . . . Ohr. W. Gluck. 4. Lieder am Klavier. 5. Vorspiel zu „Die Meistersinger von Nürnberg" Rich. Wagner. Eintrittskarten sind in der Musikalien - Handlung des Herrn Ernst Challier (Rudolph’s Nacht)1 für Studierende auch bei Herrn Hausverwalter Stork und abends an der Kasse zu haben. Zum Konzert: Sperrsitz Mk. 3.50, Eintrittskarte Mk. 2.50, Studentenkarten Mk. 1.—. Zur Hauptprobe (vormittags 11 Uhr): Eintrittskarte Mk. 1.—. Schülerkarte 50 Pfg. 8013 Das zweite Konzert findet am 15. November statt. Liebigshöhe. Sonntag den 1. November Grosse Tanzidnstignng bis 11 Uhr abends. (05451) Eintritt frei! abgeschlossen, nach einer zweiten sich die Pulsadern M öffnen verbucht. (Offenbar nichts als absurdes Geschwätz! D. Red.) w r Sofia, 31. Okt. Die Hauptstadt beginnt bie Anwesenheit der rückflutenden Freischärler zu fühlen. Nachts' verwundete ein Mazedonier den früheren zankowistischen Abg. Dospatski, der auf der hiesigen Hochschule das Stu- dium der Rechte absolvierte, tödlich Daspatski wurde öffentlich, beschuldigt, dem 2>ildiz Spionerrdienste zu leisten. New Y ork, 31. Okt. Der An arch ist Turn er protestierte beim Bundesgericht gegen seine Deportation nach England. Er'wolle kein Blutvergießen und predige die Anarchie, die viel mehr seine Religion bedeute. Das Gericht lehnte die Haftentlassung gegen Kaution ab. Auch das Bundesgericht in Washington dürfte nunmehr gegen Tunt er entscheiden, weil das Anar- chisten-Gesetz keine „Edel"-Anarchisten unterscheide. Jlcudh' Weisungen. Originaldrahtmeldungeu des Gießener Anzeigers. R. B. Darmstadt, 31. Okt. S. K. H. der Großherzog sowie die Kaiserin von Rußland trafen heute früh hier ein. Die Kaiserin begab sich nach dem Alten Palais, der Groß'herzog erteilte un Residenzschlosse Audienzen. Dann fand Frühstückstafel ber der Prinzessin Ludwig-Battenberg statt. Danach wurde ein Jagdausflug nach dem Kranichsterner Wildpark gemacht. — Minister Graf Lambsdorff trifft heute abend aus Paris wieder hier ein. Berlin, 31. Okt. Im ,Morw." veröffenllicht Bebel zu der Streitsache Bra un-Mehring Stellen aus Briesen, die der Korrespondenz entnommen sind, welche Dr Heinrich Braun im Jahre 1887 mit Kautsky pflog. Bebel erllärt dagegen, daß diese Schriftstücke als Maßstab Die ausgelosten Abonnementskarten sind bei Ernst Challier in Empfang zu nehmen; ebendaselbst Anmeldung neuer Mit- glieder (Abonnements für die ganze Saison Mk. 10.— bezw. 15.— feier des 11. Stiftungsfestes verbunden mit Theater, humristischeu Vorträgen und Bull im Cafe Leib. Eintrittskarte« sind im Vorverkauf bei den Herren Friseuren Kuhl, Wallthorstraße, und Wahl, Neustadt, zu haben: Herren- karteu (tnfL einer Damenkarte) 80 Pfg., Dameukarteu allein 30 Pfg.; an der Kaffe: Herrenkarten 1 Mk. pianos, pinget, flannoninms. Ständiges Lager von 150 Instrumenten aus rrur erstklassigen Fabriken. 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November, uachm. 2 Uhr: Sämtliche mr Disposition der Truppenteile und der Ersatzbehörden enckassene Mannschaften der Infanterie, sowie sämckiche Reservisten der Garde, Jäger, Kavallerie, Feld- und Fußartillerie, Pioniere, Eisenbahn-, Telegraphen- und Lustschiffertruppen. Am 9. November, vorm. 9 Uhr: Sämlliche Reservisten des Trains (einschließlich Krankenträger), Sanckäts- und Veterinärpersonals, Büchsenmachergehülsen, Oekono- mrehandwerter und Marine-Mannschasten, sowie zur Disposition der Truppenteile und Ersatzbehörden entlassene Mannschaften aller Waffen, ausschließlich Infanterie und die durch besondere Gestellungsbefehle dazu befohlenen Wehrleute. Befreiungsgesuche sind bis läugstens 8 Tage vor dem Appell auf dem Dienstwege (durch das Hauptmeldeamt) einzureichen und müssen durch die Bürgermeisterei, bezw. bei Beamten durch die Vorgesetzte Behörde beglaubigt sein, werden aber nur im dringendsten Notfälle genehmigt. Die Leute haben in bürgerlicher Kleidung zu erscheinen. Stöcke, Schirme, Pfeifen und Zigarren sind vorher wegzulegen. Die Militärpapiere (Patz mit eiugeklebter Äriegsbeor- peruug und Führungszeugnis) müssen zur Stelle sei». Sämtliche Mauuschasteu steheu im Laufe des ganzen Koutrolltages bis einschlietzlich Mitternacht unter dem Mitt« täraesetz. Gießen, den 28. Oktober 1903. 8185 Großherzo gliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. ev- Nüddingshausen, den 30. Oktober 1903. 8181 Rudolf Richter Hutmacher Giessen, Marktstr. 26. fiastwirtschafts-Enipfehlnng. Einem geehrten Publikum, sowie titl. Reisenden erlaube ich mir ergebenst ort • zuzeigen, daß ich unter Heutigem meine SastwIHsoltaft mit Tanzmusik eröffne. Es wird mein Bestreben sein, durch gute und reelle Speisen und Getränke bei reinlicher und höflicher Bedienung den werten Gästen gerecht zu werden, ihn geneigtes Wohlwollen bittend, zeichnet Hochachtungsvoll Müssig, Gastaus zur Linde. e ß1*' Spezia! Mat- u. Mützen- Geschäft. 8158 KgisklgUltkN. 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