Erstes Blatt Samstag 31. Oktober 1903 Schulstraße 7. Adrefje für Depeschenr Anzeiger Gtetzeu. Kerniprrchanschluß Nr. 51. 153. Jahrgang Nr. Z56 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien» blätter viermal In der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brü h t'scheu Untvers.-Buch-u. Steindrucke ret (Pietsch Erben) Redaktton, Erpedttton Gietzener Anzeiger rj7 General-Anzeiger 67 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen BezngspretSi monatlich 7b otertel- iährlich Mk. 2L0; durch Aohole- u. Zweigstellei- monatlich 65 Ps.; durch die Post Mk.2.— viertel- jährl. auLschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen ür die TageSnummer Dt5 vormittags 10 Uhr. ^eilenpreiS: lokal 12 Ps^ auSwürtS 20 Pfg. Veraalwortttch für den poltt and aÜgern. Teil- P. Ötttfo: für »Stadt and fcontr und .GenchtSsaal*. Auoust Götz; für den An- -eigentetl: HanS Beck. Zum Meformationsfest. „Luther der größte deutsche Mann, und die Reformation das größte weltgeschichtliche Ereignis", so hat unser Kaiser am 4. September zu festlicher Stunde in Merseburg bekannt. Dieses Bekenntnis flog mit Windeseile durch die deutfchen Gaue, und wo innnxr evangelische Herzen schlagen, da vernahmen sie es mit dankbarer Freude. Nun eines fiel dabei treuen deutschen Herzen schwer aufs Gemüt: daß über 13 Millionen deutscher Mitbürger dies Bekenntnis nicht teilen, daß ihre Empfindungen in scharfem Widerspruch damit stehen, und zwar heute mehr, als je. Kann man sich doch heute auf katholischer Seite unter Führung von Rom nicht genugtun in schärfster Verurteilung der Reformation, in der Herabwürdigung Luth-ers. Cs müßte nicht so sein. Es hat Zeiten gegeben, noch oor 100 Jahren, da waren fromme Katholiken mit den Evangelischen eins in der Hochachtung Luthers und in der Erkenntnis, daß die Reformation unserem deutschen Volke, und auch der kathio- lischen Kirche viel Gutes gebracht habe. Wie unbefangen man aus evangelischer Seite das Große und Gute, das sich in der katholischen Kirche findet, zu würdigen weiß, beweist die hohe Verehrung, die unser Kaiser tvotzseiner Begeisterung für Luther, dem Papst Leo XIII. entgegengebracht hat. Die großen Helden der katholischen Kirche, ein Augustin, ein Franz von Assisi, ein Vincenz de Paula, haben aus protestantischer Sette volles Verständnis und liebevolle Schilderung gefunden. Selbst einem so wenig sympathischen Manne, wie einem Ignatius von Loyola, sucht man im weitesten Maße gerecht zu werden, auch wenn man seine Schöpfung, die Jesuiten, bekämpfen muß. Man verschließt sich auch nicht der Tatsache, daß der deutsche Katholizismus 'heute auf "einer ganz anderen geistigen Höhe steht, als noch vor fünfzig Jahren, daß sein Eintreten für die Arbeiterbewegung und für die politische Freiheit, wenn auch zunächst aus dem Interesse der Kirche und ihrer Macht erwachsen ist und daran seine sehr bestimmte Grenze findet, ihn doch dem Protestantismus auf diesen Gebieten näher gebracht bat, wie z. B. der höchst erfreuliche Arbeiterkongreß, oer in dieser Wocbe in Frankfurt die katholischen und evangelischen Arbeiterorganisationen zusammengeschlossen hat, beweist. Umso bedauerlicher ist es, daß, von solchen erfreulichen Erscheinungen abgesehen, sich auf katholischer Seite immer stärker das Bestreben geltend macht, den Riß zwischen beiden Konfessionen zu vertiefen, auf allen Gebieten katholische Sonderorganisationen und Einrichtungen ins Leben zu rufen, die Katholiken von der gemeinsamen deutschen Geisteskultur nach Möglichkeit abzuschließen, wie es in grellster Weise aus dem bekannten Vorgehen des Bischofs Korum in Trier hervortrat. Das alles ist nur aus einem Grunde verständlich: man spürt auf katholischer Seite, so wenig man es auch meist eingestehen will, auf allen Gebieten des geistigen, des sozialen und politischen Lebens den Pulsschlag des Protestantismus, die Fortwirkungen der Reformation. Und mit Recht. Das tiefste, das Luther seinem Volke fiir alle Zeiten zu sagen hatte, faßt sich zusammen in jenes köstliche Wort, das er in dem Büchlein „Von der Freiheit des Ehristen- menschen" geschrieben hat: „Ein Christ ist durchs den Glauben ein freier Herr aller Dinge und niemand untertan, aber durch die Liebe ist er jedermann Knecht". Damit "hat er das Leitmotiv angeschlagen, das bald stärker, bald schwächer, bald bewußt, bald unbewußt, durch die ganze Entwicklung unseres Volkslebens seit der Reformation hindurchklingt. Das können auch die katholischen Deutschen, ob sie wollen oder nicht, nicht verleugnen. Wer sie können dessen nicht froh werden, weil dies Motiv bei ihnen durchkreuzt wird durch das andere: Der Sirene untertan und dem Manne in Rom, der sich den Stellvertreter Gottes nennt. So findet uns jedes Reformationsfest leider in Streit und Kampf. Mögen sich die Evangelischen durch die Erinnerung an Luther daran mahnen lassen, daß in diesem Widerstreit für sie kein Sieg zu holen ist nach katholischer Methode, o. h. durch alle die Mittel, die auf unsere Macht hinzielen. Damit sind freilich äußere Erfolge zu erzielen, wie die innere Politik des deutschen Reiches eben beweist. Wer dauernd Sieger bleibt nur, wer die größten innerlichen geistigen Wirkungen übt. Wenn der Streit der Konfessionen zum edlen Wettstreit würde: wer am besten die Erziehung unseres Volkes zu charaktervoller geistiger Freiheit und' Selbständigkeit und zugleich zur dienenden brüderlichen Liebe fördert, dann würde daraus trotz allem ein Segen für unser Volk erwachsen. Die Kirche der Reformation würde ihren Ursprung und ihr Wesen verleugnen, wenn sie fick) von dieser großen Aufgabe je ablenken ließe. Pm. Keer und Klotte. Die kaiserliche Verordnung über die Behandlung Betrunkener durch die militärisch en Borg e setzt en, über den Gebrauch der Waffe in dringender Not und äußerster Gefahr hat nunmehr aus Anlaß des Falles H ü s s en e r eine Ergänzung sowie genauere Feststellung erhalten. Die neuen Bestimmungen besagen nach einer Mitteilung der „Köln. Ztg.", daß eine unabsichtliche Berührung eines Vorgesetzten durch einen angetrunkenen Untergebenen nicht als tätlicher Angriff aufzusassen ist. Erst, wenn die Person des Vorgesetzten tatsächlich gefährdet ist, darf die Waffe gebraucht werden. Der Vorgesetzte soll vermeiden, betrunkenen Untergebenen Befehle zu erteilen, und deren Entfernung, wenn erforderlich, durch Kameraden bewirken lassend Die Schiffskommandanten sowie die Kompagnieführer hüben die neuen Bestimmungen alle vier Monate vorzutragen. ' Aus Stad! und Saud. Gießen, 31. Oktober 1903. '* Privatdozent Dr. Kißkalt. Der 1. Assistent am hygienischen Institut, Dr. med. Karl Kißkalt, der sich in der medizinischen Fakultät der Universität als Prioatdozent für Hygiene habilitiert hat, wurde geboren 1875 zu Würzburg, studierte von 1894—1899 in Würzburg, München und Berlin und promovierte 1898 in Würzburg mit „Beiträgen zur Kenntnis der Ursachen des Notwerdens des Fleisches beim Kochen". 1899 erlangte er in Würzburg die Approbation. 1899 bis 1901 wirkte er am Würzburger hygienischen Universitäts-Institut unter Professor Dr. K. B. Lehmann. Am hiesigen hygienischen Institut ist Kißkalt seit dem 1. Oktober 1901. Von seinen Schriften nennen wir: „Ueber lokale Disposition, Erkältung und Abhärtung" (Münch, med. Wochenschrift 1900), „Die Erkältung als krankheitsdisponierendes Moment" (Archiv für Hygiene Bd. 39), „Ueber die Absorption von Gasen durch Kleidungsstoffe" (Archiv f. Hygiene Bd. 41) und „Eine Modifikation der Grane'schen Färbung" (Zentralblatt für Bakteriologie Bd. 30). ** Personalien. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Neustadt i. O. Michael Pilger, Leonhard Thierolf, Georg Fritz und Heinrich Pilger L — In den Ruhestand wurde versetzt der Hausbeschließer am Justizgebäude in Gießen Heinrich Keller auf fein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste und Verleihung des Allgemeinen Ehrenzeichens mit der Inschrift: „Für langjährige treue Dienste. — Ernannt wurde der Gefangenwärter am Gefängnis in Darmstadt Martin Weyrich zum Gefangenausseher an dieser Anstalt. ** Gemäldeausstellung im Turmhaus am Brand. Durch eine Anzahl Gemälde, welche die Ausstellung im Turmhaus am Brand vorige Woche bereicherten, wurden die Mitglieder und Freunde des Kunstvereins aufs neue zu ihrem Besuche veranlaßt. Unter den neu ausgestellten Werken befinden sich viele, welche einen Besuch reichlich lohnen und dem prüfenden Auge einen befriedigenden Anblick bieten. Wir nennen von den 100 ausgestellten Gemälden besonders „Bauernhof in Arndsee" von Hoch- he imer-Berlin, mit vorzüglicher Perspektive und erfolgreichstem Studium von Licht und Luft; „Commersee bei Canoenabbia" von H Hacker-München, „Motive vom Gardasee" von N e t t i ch - Aiünchen, den „Alexanderplatz in Berlin", der besonders alle, die schon einmal in Berlin gewesen sind, interessieren wird, von W. Geißler -Berlin. Ein dankbares Motiv hat sich auch Kle e h aas-München zu seinem Bilde: „Schulausflug" gewählt. „Walpurgis-- morgen" von H arlfin g er-Wien zeigt gute Studien der Bewegung des menschlichen Körpers. Mit drei originellen Bildchen hat F. I ü tt n er-Berlin die Ausstellung beschickt. „Idyll" und „Märchen" von K. Heilig-München, „Bei der Toilette" von R. Epp-München, und „Junge römische blutter" von L. v. Lö ffts-München vervollständigen die Sammlung der Genrebilder. Auch die Landschaft ist gut vertreten; wir nennen nur: „Herbstnachmiltag" von F. Kallmorgen - Berlin. Auch Frucht- und Blumen- stücke sind nicht ausgeblieben; wir Heven hervor „Löwenzahn" von Dora C o mpt o n-London, „Stllllebeu" von Kaw er au -Berlin und ein „Fruchtstück" von Marie Felchner-Gießen. Einige flott gemalte Aquarelle auÄ Nachbarstädten Marburg, Limburg sowie von Schiffenberg und Badenburg hat G. Gehrhardt -Gießen ausgestellt, die ein besonderes Interesse verdienen. Der Besuch der Ausstellung kann nach vorstehendem bestens empfohlen werden. Wir bemerken noch, daß in den Kunstverein neu eintretende Mitglieder noch teilnehmen dürfen an der im Dezember stattftndenden Verlosung. ** Vier Jahreszeiten. Morgen, den 1. Novbr., finden in genanntem Lokale zwei große Spezialitäten-Vor- stellungen statt, worauf wir an dieser Stelle nochmals aufmerksam machen. S. Friedberg, 30. Okt. Gestern tagte hier unter dem Vorsitz des Kreisrats Fey eine Generalversammlung für die bisherige Sparkasse „Mathildenftift Friedberg- Butzbach", wobei die Orte des Bezirkes Butzbach abgetrennt und die selbständige Sparkasse „Mat hild en stift Butzbach" definitiv gegründet wurde. Zu dieser gehören u. a. die Orte: Gambach, Ober-Hörgern, Nieder- und Hoch-Weisel, Rockenberg, Griedel, Kirch- und Pohl-Göns, Münzenberg, Ostheim, Fauerbach und Hausen. — Im benachbarten Ober- Erlenbach fand heute unter großer Beteiligung der Gemeinde die Beerdigung des fiüheren Bürgermeisters I. Möglich statt. Er war 84 Jahre alt. R. B. Darmstadt, 30. Okt. Der Finanzausschuß und der P e t iti o n s au s sch u ß traten heute vormittag wieder zu längeren Sitzungen zusammen. Der erstere hatte namentlich wieder eingehende Besprechungen mit den Regierungsvertretern. Die wichtigeren befinitiöen Beschlüsse wurden jedoch für eine der späteren Sitzungen Vorbehalten. Gießener Stadttyenrer. Die berühmte Frau, von Schönthan und Kadelburg. Mehr als anderthalb Jahrzehnte ist es her, als den Herren Franz v. Schönthan und Gust. Kadelburg — in den letzten Jahren hieß die literarische Kompagnon-Firma Franz v. Schönthan u. Franz Koppel-Ellfeld — der gute Einfall kam, um die Idee von Schillers bekanntem Gedichte „Die berühmte Frau" einen modernen Schwank herumzuschreiben, nicht etwa ä la Moliöres „Gelehrte Frauen", behüte, so hoch verstiegen sich die Verfasser nicht, nein; ganz nach Art ihrer bekannten anderen Scherze, der „Goldfische" 2C., die ihnen so viel eingebracht haben, daß Herr von Schönthan eine prächtige Villa in Blasewitz bei Dresden beziehen und Herr Kadelburg dem anstrengenden schauspielerischen Berufe als gemachter Mann Valet sagen konnte, schufen sie diesen Schwank. Mit der ganzen Schwankliteratur von Hans Sachs bis auf Oskar Blumenthal waren sie schon im Jahre 1887 aufs engste vertraut und ihre „Fliegenden Blätter"-Studien waren damals schon phänomenal zu nennen. Darum (oder trotz dem?) macht sich der Schönthan-Kadelburgsche Schwank „Die ^berühmte Frau" ganz nett, und es ist nicht zu leugnen, daß in dem ganzen Stücklein ein frischer munterer, Ton herrscht, daß die Sprache gewandt und liebenswürdig ist und einzelne Szenen einer originellen, echten Komik nicht ermangeln. Gespielt wurde gestern bei gut besetztem Hause recht flott. Den Wildfang Herma spielte Frl. Hell berg. Das war wirklich ein „patentes" Mädel! Das lose Baroneßchen mit dem „Gardedeutsch" verlangt eine Darstellerin, die das hat, was man „Nace" nennt. Ob Frl. H. im Grunde das Temperament des Schelmes Herma hat, das hat sie bei ihren bisherigen Talentproben zu zeigen noch keine rechte Gelegenheit gehabt. Nach ihrer entzückenden Marianne in den , Geschwistern" wissen wir, daß sie nicht sowohl der Kunst der Schönthan und Konsorten, als vielmehr der eines Goethe gewachsen und für sie reif ist, und ihre gestrige Leistung schien das trotz allem wieder zu bestätigen. Ist aber Frl. H. selbst so wenig Wildling wie Goethes Marianne, dann war sie gestern um so bewundernswerter. Keinen der zahlreichen Pointen der Nolle mit ihren Knallbonboneffekten ließ Frl. H. unbeachtet. Sie kamen freilich mitunter um eine Idee anders heraus, als die Verfasser es sich gedacht haben mochten, weniger burschikos, mädchenhafter, darum aber anmutiger, lieblicher, liebenswürdiger, allerdings freilich auch ein ganz klein wenig angelernt. Die Figur ist etwas unwahrscheinlich, allein dafür ist sie eine echte und rechte Theaternaive, die immer das Wohlgefallen der Zuschauer hat, und das errang sich gestern Frl. H. wieder in vollstem Maße durch das frische fröhliche Leben und ihr süßes schmeichelndes Sümmchen, mit dem sie alles umstrahlte. Ob wohl Sprachforscher diese Figur später einmal als einen wertvollen Beitrag zur Geschichte des Werdeganges unserer vergardedeutschten Sprache ansehen werden, so wie man Molißres „Precieuses ridicules“ auf ihr eigentümliches Französisch untersucht hat? Geeignet dazu wäre sie; doch der Herren v. Schönthan und Kadelburg „Berühmte Frau" hat bald das hohe Alter von 20 Jahren erreicht; älter wird ein neuerer deutscher Schwank kaum, und es ist auch nicht gerade schade darum. Die Bekehrung des reizenden Kobolds gelang dem Onkel Traunstein des Herrn San dorff mit geringeren Schwierigkeiten als man hatte erwarten dürfen. Dieser Onkel Uli braucht doch nicht nur Ruhe und Haltung, sondern auch viel vornehm Gewinnendes und durch weltmännische Abgeschliffenheit Imponierendes. Unserem ernsten, stimmungsschweren und gediegenen Herrn Sandorff aber fehlt zu dergleichen Rollen die immerhin leichte und gefällige Art eines Lustspiel- Salonkavaliers. Schon sein merkwürdig dunkles Organ paßt zu keiner Art von Schönthan-Kadelburg'schen Lllädchenherzen- eroberern. In ganz anderer Weise fesselte Herr Direktor Siein- götter durch sein so elegantes und parkettgewohntes wie temperamentvolles Spiel das Haus. Er hatte sich die etwas schwierige, aber allerdings auch ungemein dankbare Kadelburg- Rolle des bis zu Dachsteins Rand verliebten, das liebe „Deitsch" ein wenig kraus gebrauchenden Schwerenöters aus dem Ungarlande, Grafen Bela Palmay, zugeteilt. Verständigerweise erschien er nicht, wie es manche andere Darsteller belieben, in ungarischer Nationaltracht, sondern als äußerlich sehr wohl- gebildeter Sohn der Pußta, in elegantem Wmterpelz mit Zylinder. Selbst die Sprache deutete nur wenig auf einen Ungar hin, sondern eigentlich nur der Schnurrbart ä la Mikosch. Sein prächtiges, frisches, natürliches Spiel erschöpfte die humoristischen wie die manchmal auch ein bischen sentimentalen Seiten dieser echten rechten Schwankfigur. Seine Partnerin, Frl. Hohl, besitzt für eine Ottilie gute Bühnenerscheinung und gute Haltung., Auch kam ihrer Rolle ihre überlegte Sprechweise zu statten. Frl. H. hat aber eine kleine Angewohnheit, die den Zuschauer auf die Dauer irritiert; sie läßt häufig ohne ersichtlichen Grund ihre Augen weg vom Bühnenraum, in den sie eigentlich allein gehören, ins Publikum abschweifen. Ihre Absicht dabei ist es wohl, mehr Fühlung mit dem Auditorium zu gewinnen; sie erreicht aber das Gegenteil dcynit, denn ihre Blicke lenken von der Szene, von Milieu und Stimmung ab, statt sie mit aller Jntensivität an sich zu fesseln. Die Tante Paula gab Frau Fischer mit recht sympathischer Charakteristik. Zuletzt — die „berühmte Frau" selber, die erst im Schlußakte in Aktion tritt, Frl. Kellermann, habe ich nicht mehr gesehen — Herr Conradi als verliebter alter Herr, dessen Herz nicht alt werden will, und über die Maßen fürtrefflicher Mädchenerzieher. Ja, dieser gute Baron Ottokar verlangt doch eigent- ttoit; »Noblj 1 Schlx 1 Wer arbeite! chen q( ober Lc 6 Her, i 1 £pe chen, ■ SM Dermisthles. 8142 seinen Arzt. 92 bracht hat. T°n aOaonenbemnblgnmCnben langsam^^hmsterben ber Aeinen M erfreut» Z Hefte find der beste Mrst. die Kunst! In diesen Heften aber finb- drei. Künste vereint, Poesie, Musik und Malerei, und zwar in der für ixe Kleinen T er.? CxAvt-o fivrh. Kat* hpffp Fünft» lich einen in Maske, Sprechweise und Haltung aristokraü- scheren Don Juan. Immerhin seien auch Herrn C. einige hübsche Einzelzüge gemütlicher Komik bereitwilligst zugesprochen. Das Zusammenspiel war wieder vortrefflich, und das ist eins der wesentlichsten Dinge für den Erfolg eines Theaterabends. P* W. Formarr (Schnupfenäther) klinisch erprobt und ärzllicherseits mehrfach als geradezu ideales Schuupfeuwittel bezeichnet! Bei leichten: Schnupfen Forman- Watte (Dose 30 Pf.) Bei starkem Schnupfen Forman - Pastillen (50 Pf.) zum Inhalieren mittels Riechgläschens. Wirkung frappant: Bei beginnendem Schnupfen fast unfehlbar. In allen Apotheken. Man frage Natur — Angesichts des bevorpehenden Weih nachts festes feien untere Leser auf die Publikationen dieser Vereinig- Die Werke der Nationakgalerie zu Berlin, der weitaus bedeutendsten Sammlung von Werken neuerer deutscher Maler in der Reichshauptstadt, durch die technischen Mittel des Farbenlichtdruckes zu reproduzieren und sie in weite Kreise zu tragen, ist seit langem das hoch verdienstvolle Bestreben der Der einigung der Kunstfreunde in Berlin. Die Nationalgalerie ist ja langst nicht mehr ein Bilderhaus, das uns auf seinen langweili- gen Wänden nur große Staatshandlungen breitspurig, charakterlos und devot erzählt. Unter der Direktion des Herrn v. Tschudi hat der höhere Dekorationsmaler der rem pathetischen Auffassung und Stimmung vom Range des Herrn v. Werner dort nicht mehr viel zu suchen; umsomehr aber der wahre Kunstfreund, der sich an unserer Hellmalerei erfreut, dieser Art von Malerei, die die Schönheit eines schlichten Natur ausschnittes zu erkennen und nachzugestalten sucht, die überall um sich schaut und rings in der Welt Silbertöne sieht, die sich in die Natur vertieft und auch im grauen Tagestone Schönheiten entdeckt. (Line ihrer neuesten Reproduktionen ist eine naturfrische thüringische Landschaft des leider zu früh verstorbenen verehrungswerten Meisters Paul Flicket, „Alte Erlen an der Schwarza" darstellend, das reise Werk eines bedeutenden Künsfters. Es ist Frühherbst. Die Erde beginnt sich schüchtern mit goldbraunen Farben zu schmücken. In den klaren Silberwellen des Flusses spiegeln sich schlanke Baun:rlesen, die ihre Aeste tief hinabtauchen in das Wasser und hoch enrporrecken in den grauen Himmel. Im Hintergründe sieht man die Umrisse eines Ortes. Aus der^ aanzen Landschaft atmet ein weicher, zarter, müder o O Awkatt fa-mrrfntnpn hifrp-rhprr hpr VervielfältigungDverfahrens repräsentieren. Die Bereung- ung macht ihren Mitgliedern nur Werke von wirklichem künstlerischem Wert zugängliche Die Mitgliedschaft steht jedermann gegen einen Jahresbeitrag von 20 Mark offen, wofür jährlich ein Normalblatt und im dritten Jahre eme ebensolche Prämie nach freier Wahl geliefert wird. Die Geschäftslokale der Vereinigung befinden sich m Berlin Martgrasenstraße 57 und Potsdmerstraße 23. —v. — Es ist ein Eigenes um die Macht der Musik. Selbst auf die allerjüngsten Menscherikinder wirkt sie in wunderbarer Weise. In chren einfachsten Formen spricht sie zu dem Empfinden selbst der unentwickeltsten Menschenseele. Und diese einfachsten Formen finden sich am schönsten in unterem Volksliede, das mit naiver Ursprünglichkeit und Canfatt, mit natürlicher Anmut und schlichter Liebenswürdigkeit geistige Feinheit und Schärfe, reiches Gefühl und kluge Verständigkeit in sich vereint. Eine sehr geschickte Auswahl Der reizendsten Volks- und Kinder lieber hat 3"r x e Merck getroffen, die in zwei mit seins innig stem Kunst- aesühl ausgestatteten Heften im Berlage von B. Schotts Söhnen in Mainz erschienen ist. Für Krnderstimmen gesetzt hat sie der bekannte Mainzer Musikdirektor Prof. Dr. Fritz Bold ach und mit Bildern geschmückt Ludwig v. Zumbusch Die farbigen Bilder geben den Heften den größten Wert Sie treffen in chrer kräftig und energisch zugreifenden und zugleich! gemütvollen Art in unver- aleichlicher Weise den kindlichen Geschmack, und obendrein stehen sie auf einer so hohen künstlerischen Stufe, vereinm sie mit vollendeter Anmut einen so gesunden Humor, daß vornehmlich durch sie diese Hefte einen Platz verdienen m der allerersten Reihe unserer gesamten Kinderbücherei. Wenige Bücher werden unseren Kindern einen besseren Dienst erweisen, nachhaltiger und gemütblldender auf sie wirken, als diese Hefte. In der steinigen Wüste des Lebens bilden sie ja, die Kleinen, für uns mit die lieblichsten Oasen, . find sie uns mit die holdesten Blumen des verlorenen , Paradieses, an denen der trübe Staub des Lebens noch nicht hastet, lind was wohl ist mehr geeignet, auch unsere Hektor Kwilecki in Paris recherchierte, bekundet, Frau Rames erklärte ihm nach Konfrontierung mit der Gräsin, diese sehe ihrer Besucherin zwar etwas ähnlich, spreche aber viel besser ranzösisch. Nach einem längeren Gespräch mit der Gräfin erkennt Zeuge Tard die außerordentliche Geläufigkeit an, mit der die Gräfin französisch spreche, doch sei ein fremder Akzent zu erkennen. In der Weiterverhandlung stellt Arbeiter P u k den Unfall der Gräfin mit ihrein Wagen wahrend der Schwangerschaftszeit, auf den sich auch die Anklage bezieht, viel harmloser hin als ftüher. Er erklärt, von fernem Schwager, der den Unfall auch sah, eines Besseren belehrt zu fein. Er fei völlig unbeeinflußt, weder er noch, fern Sckwager stehen in Diensten der gräflichen Familie. Die Harmlosigkeit des Unfalls behauptet auch der Kutscher Trymke. Hierauf wird die Verhandlung auf Montag vertagt. Die interessanteste Gestalt in dem großen Kindesunter- schiebungsprozeß ist jedenfalls die angeklagte Gräfin Kwilecki. Die „Voss. Ztg." entwirft von ihr folgendes Bild: In ihrer ganzen Erscheinung, in ihrer Art sich zu geben, durch das langstielige Lorgnon malles zu mustern, . was sich im Sitzungssaale befindet, als wollte sie fragen, was will di,eses Volk eigentlich hier — die große Dame aus der vornehmen Gesellschaft. Eine mächtige Portion Selbstbeherrschung ist ihr eigen, aber die Energie, die aus den noch immer schönen Zügen der Frau nnt dem üppigen weißen Haar spricht, scheint bisweilen einer vorübergehenden Erschlaffung zu weichen, dann hält die Gräfin die Hand vor die Augen, aber ihr Gehör rastet nicht und ihr Gehirn ist tätig, denn fällt eine Aussage, die ihr wichtig erscheint, so richten sich ihre schwarzen, funkelnden Augen durchbohrend auf den Zeugen oder die Zeugin. Es steckt eme mächtige Portion Rasse, Wille und Kraft in dieser Frau, das sieht man ihr auf den ersten Blick an, denn es spricht aus ihr ein in sich abgeschlossener Charakter. Keinen größeren Gegensatz kann man sich denken, als den zwischen der Frau Gräfin und ihrem Gemahl, der aber auch einen besonderen Typ vertritt. Schlank, elegant, etwas müde und blasiert, mit sorgfältig gepflegtem, am Kinn ausrasiertem Bart, gehört er zu den Erscheinungen, die man in Monte Carlo, auf den Rennplätzen, in den Chambres separees, kurz überall zu sehen pflegt, wo seidene Röcke rauschen und alte Sünder junge Sünderinnen zu finden pflegen. Großes Interesse scheinen die Verhandlungen für ihn nicht zu haben, vielleicht sind sie ihm nicht aufregend genug, und so beschränkt er sich darauf, seine Nägel zu betrachten. Nur gelegentlich streifen seine Blicke auch das Publikum. An einer Person im Saal hleiben die Blicke des Grafen aber nie haften, seine Frau scheint er nicht zu sehen, und die Gräfin lwt auch für den Mann, dessen Namen sie führt, keinen Blick. Sie beide sind für einander Luft. Beim Verlassen des Sitzungssaales vermeiden sie eine Begegnung. Ist das schon lange so, oder hat die Gräfin dem Gemahl dessen vop Gericht ausgesprochenes Wort: „Gewiß habe ich Verhältnisse gehabt, warum sollte ich. keine Verhältnisse habend übel vermerkt. Der späte Liebesfrühling, der dem Paar vor einigen Jahren in Italien erblühte, scheint jetzt wieder in Eis erstarrt zu fern. Graf Kwilecki hat auch darauf verzichtet, seinen Platz aus der Anklagebank neben seiner Gattin einzunehmen. Zwischen ihnen sitzt die H e b a m m e O s s o w s. Mit dem schlicht gescheitelten Haar und dem Heinen rötlich angehauchten Näschen hätte sie Wilh. Busch als Modell zu seiner frommen Selene gedient haben können. Diese Familienähnlichkeit ist in der Tat unverkennbar. Zur Rechten hat der Graf die Dienerin Bronislawa Chwiatkowska zur Nachbarin, eine unschöne Person mit stark hervortretenden Backenknochen, die gleichgiltig vor sich hinsieht und vollkommen unbekümmert scheint. Sie soll das angeblich untergeschobene Kind aus Krakau geholt haben und ist die Tochter der 78jährigen Dienerin Joseph a Kn oska, die dazu ihre hilfreiche Hand geboten haben soll. In einem Lehnstuhl zusammengesunken sitzt die alle Frau da, ohne irgend welche Anteilnahme an den Verhandlungen zu verraten. Bisweilen sinkt ihr Kopf auf die Bimst, sie scheint einzunicken, vielleicht träumt sie auch, die ganze böse Geschichte sei vorüber, und sie selbst wäre wieder glücklich in Posen. Und anders werden auch die Zeuginnen nicht denken, die man aus Posen zur Vernehmung nach, Berlin ge- ♦ Kiel 28. «Okt. „Ein vor sechsundzwanzig Jahren zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilter Maurer Namens Burmeister ist begnadigt unb gestern frcigclaffen worben. 1877 beteiligte er sich! an einem von seinem Vater angeregten Einbruch in bas Gehöft bes Miihlenpächters Kähler in Dahmsdorf. Der Pächter und seine Frau erwachten, und der Vater des Burmeister streckte nun beide durch Schüsse int Bette nieder. Nach der Entdeckung bei Mürber bestritt der Vater, ein übel beleumundeter und mehrfach vorbestrafter Mensch, die Tat- dagegen gestand der Sohn ein, daß er beide töt- liche Schüsse auf die Eheleute abgegeben habe. Das Schwurgericht in Kiel verurteilte beide zum Tode und w 11/2 Jahren Zuchthaus. Die Gnade des Königs Wandelle die Strafe in lebenslängliches Zuchthaus um. Der Vater tarb im Jahre 1896 in der Anstalt. Nunmehr versicherte der Sohn, der sich! im Zuchthaus stets tadellos geführt hatte, mit unverkennbarer Glaubwürdigkeit, daß nicht er, andern sein Vater b ei d e töt l i che Sch ü s s e a b- gefeuert hätte; er habe befürchtet, daß sein Vater bei einen vielen Vorstrafen dem Henker verfallen würde, wenn >ie Wahrheit an den Tag käme, und ihn durch die falsche Selbstbezichtigung vor dem Schafsot retten wollen. Nach anfänglicher Erfolglosigkeit hat der Sohn letzt aus ein erneutes Gesuch! die Begnadigung und die Freiheit er» langt. Durch feste Arbeit ist der jetzt einundsünszig- jährige Burmeister vor äußerster Not geschützt; seine ast neunzigjährige Mutter ist noch am Leben." lerische Erzieher bes Kindes unfo Wdenr geeignet, in Ehren zu erhallen, das durchaus Nicht das so arg ge- schmähte Ungetüm mit fletschenden Elesantenzah^n rst. son- bern ber liebe vertraute Freund, aus dem jeteS^euA auch ber Kinderherzen mitteilsam h«voriub«ln unb für alle ibre Schmerzen der rechte Ausdruck fmden lassen kann. - E. v Keyserling: Peter Hawel. Dcmna. (S. Fischer, Verlag, Berlin.) Geh. 2 Mk. Der „Peter Hawel teilt ganz auf dem Boden der Wirklichkeit. Cs ist em Eha^ rakter-Drama; die Gestalt des H^l^n ist Sroß gesehen, fna^ und fest gezeichnet. Peter Hawel ist em ^e^scher Gutsbesitzer von bäuerlicher Herkunft und bl^llchem lmipsm- den, — ein ganzer Mann, mit der Scholle, ^^.^beba^ untrennbar verknüpft lieber ihn wird die tückisch eines schönen Weibes Herr, einer unnutzen, dekadenten Seele. An dem K'ampf geht Hawel zu Grunde; er tötet die Frau und wird selbst der Mchter über i^ui gebrochenes Leben. Das Drama ist sehr wirksam gebaut, voll Spannung, und hat sich bereits vieler Orten die Bühne erobert. Auch in Gieß,en kommt das Drama vielleicht zur Aufführung. bie Tätigkeit des Allgemeinen D e u t s ch e n S p r a ch v e r e i n s herrfchen selbst in. gebildeten Kreisen noch vielfach ganz unrichtige Urteile. Nicht wenige glauben r B daü er die F r e m d w ö r t e r schlechthin auszurotlen strebe. Das'ist durch^s irri^ Der A. D. Sprachverein bekä.npst nur iwerilussiae Jremdwötter, nicht aber unentbehrliche. Unentbehrlich sind Fremdwörter für die der entsprechende deutsche Ausdruck ehlt, z. B. die Bezeichnungen für NaturerzeugniNe des Auslandes wie Kaffee, Tabak, Zigarre, Aiahagoni, Tee; ferner für fremde ^iere wie Hyäne, Lama, Elefant; für Gegenstände des Gewerb» üeikes fremder Völker wie PergamerU, Saffian, Buckskin, raffet; L^mb7 Spiele wie Schach Whis. Tennis, findet ; für aus. ländliche Miimen, Sitten und Einrichtungen nne Frank, Louisdor Fetisch Harem. Unentbehrlich sind auch die Lehnivorter, d H. fremde Wörter, die in Betonung und Aussprache deutsch geworden sind und sich eingebürgert haben, z. B. Kreuz (aus crux), finpser (eaprum), Schachtel (scatoh), Seide (seta), Segen (signmn), Mauer muras), gieqcl (flageUum), Banner (irzs. damusres, Grenze (poln.. rufj. granica), Grolle (ltal. grotta), «orte (fys. Sorte), usw. Aber aQIU unb qar entbehrlich sind Fremdwörter, für die es nn Deutschen völlig entsprechende Ausdrücke gibt, wie vis ä. vw ---- gegenüber, ä, = au oder je, Terrain = Gelände, Logis — Wohnung, Garantie — Bürgschaft, Gewähr, existieren = bestehen, exact — genau, und ' taufenb andere. WarnungI Die meisten Nachahmungen von Dr. Hommels Haematogen werden, um das D. K. P. No. 81,321 zu umgehen, mit Zuhilfenahme von Aether bereitet, ein Zusatz, der insbesondere für Kinder und Nervöse direkt schädlich ist. Um sicher zu sein, das aetherfreie Original-Präparat zu erhalten, verlange man stets ausdrücklich Dr. Hommel’s Haematogen und achte auf die Schutzmarke „Sau- Eingesandt. (Für Form und Inhalt aiiet unter Diejer Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 10. Oktober. Gegen Ende 1901 richteten über 100 Steuerzahler, Bewohner der südlichen, südöstlichen und südwestlichen Stadteile eine Eingabe um Unterfthrung des Bahnkörpers zwischen Ebel- und Stephanstraße an die Großh, Bürgermeisterei. Sie warten bis zur Stunde, daß das Gesuch der Stadtverordnetenversammlung zur Beratung und Beschlußfassung vorgelegt wird. Aber vergeblich! Noch heute ist ein Bescheid nicht eingettofsen! Im Namen und Austtag der Bittsteller von 1901, svwett sie noch am Leben sind: G. H. gende Löwin.“ _______________________ , König!. Preuss. 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Als die Neu- < gierigen von dem J-astnachtSspuk unterrichtet waren, zogen ; sie freudig von dannen. Der Prozeß wegen Kindesunterlchieöung gegen die Orafin Kwilecki. LV. Berlin, 30. Okt. Die Schwester der Zeugin Falkowska bestätigt die Aussage ihrer Schwester. Fräulein v. Wardeska habe sich! über die Gräfin beklagt und erllürt, sie werde alles Schlechte von der Gräfin sagen und sofort zur Hedwig Antuszewska gehen und chr alles erzählen, um die Gräfin schlecht zu machen. Ritter v. Ziegler bekennt sich zu der Vaterschaft zweier Kinder der Pareza und gibt die Möglichkeit zu, der Vater des angeblichen kleinen Grafen .zu sein. Wirtschaftsinspektor Kruger hat seine Wirtin aufgesordert, recht genau auf den Zu st an d de r Gräfin aufzupassen, das ein Kissen fern solle. Die Frau paßte beim Anziehen der Gräfin auf und berichtete auf das Be- stiuimteste, die Gräsin fei in anderen Umständen. Frau v. Hervath hat die Gräfin mehrere Tage vor der Geburt gesehen, wo sie unbesttellbar wie eine Frau in mideren Umstünden aussah. Sie hatte geschwollene Hände und ein verändertes Gesicht. Unter starker Bewegung im Saale werden der älteste Sohn der Cäcilie Heyer und der kleine Graf hereingeführt, beide weiß gelleidet, damll Rllter v. Ziegler fid), über die Aehnlichkeit äußere. Letzterer erllärt, er fei dazu außer stände, da er die Kinder bisher nicht gesehen habe. Es folgt eine Reche von Zeugen, darunter auch andere als Angestellle in Wroblewo, die übereinsttmmend bekunden, daß nach chrer festen Ueber- zeugung die Gräfin 1896 wirtlich in anderen Umständen war. Eine Zeugin will sogar von einer andern gehört haben, sie habe die Gräfin betastet und den Zustand be- stättgt gefunden. Polizeikommissar Tard bekundet: Im Jahre 1902 sei zu ihm ein H>err gekommen und habe ihn beauftragt, bei den Gummiwarenhändlern in Paris Nachforschungen «nzustellen, ob bei einem derselben im Jahre *1896 eine Frau die Anfertigung eines Instruments bestellt habe, das dazu dienen konnte, eine physische.Veränderung des Iörpers vorzutäuschen. Er habe in dem Bandagisten-Geschäft von Rognier u. Burnet die gewünschte Auskunft erhallen. Frau Burnet habe chm erzählt, im Jahre 1896 sei eine etwas korpulente Dame, die französisch mit etwas deutschem Akzent gesprochen habe, im Geschäft erschienen und Habe noch nach mitgebrachtem Maße einen Gummileib bestellt. Dies sei im Juli .oder August 1896 gewesen. Die Bestellerin sei etwa drei- bis viermal gekommen und habe dann das Instrument bezahll .nnd urttgenommen. Zeuge hat bann der Frau Burnet die Photographie der Gräfin Kwilecki vorgelegt und sie gefragt, vb sie darin (die Bestellerin des Gummileibes wieder- erkenne. Dies sei aber verneint worden. Frau Burnet haöe im Gegenteil gesagt, daß dies nicht jene Dame sei. Auf die weitere Frage, ob Frau Burnet das Maß aufgehoben, habe diese verneinend geantwortet. Der Zeuge hat auch Ermittelungen angestellt, ob Frau Gräfin Kwilecki zu jener Zell in einem der Pariser Hotels angemeldet gewesw ist; die Nachforschungen hatten aber ein negatives Ergebnis. Bei der Hebamme Ram es erschien 1896 eine mit deutschem Akzent sprechende Dame und forderte sie auf, zu einer bestimmten Zell einen neugeborenen Knaben zu besorgen, der nach dem Auslande solle. Die Rames machte die Dame namentlich auf die Notwendigkell einer förmlichen Erllärung vor der Polizei auflnerksam, worauf die Dame fortging und nicht zurückkehrte. Frau Rames erklärte, in (d er Photographie der Gräfin die Dame wiederzuerkennen. Der Verteidiger betont demgegenüber, daß Frau Rames, als ihr in Berlin die Gräfin gegenüber gestellt wurde, diese nicht wiedererkannt habe. Maler v. Krajen ski, der für den Grafen Ci o Ä Q Q N o u ar» « c Ä o 8> ss CD O Ä O 8> CD C 3 VD 4> d 5 *ti o 3 IS) £ JO C c c CD CQ CD 3> tSi vQ r- e E o x> a- <5 N- o c CD 5-> .5 85 'If1 K CD E C cä s 2 = >s^L S ,Z - rr s « s cs *« »ar» _ « c a? - ast *Ö JO o D * °»te CD O -*♦ Ä .. H | 00 "q. *2 S iE. CD Qft « C : e >o U S r« ■** Ä St o o *» * V :sr « s e «*. -c fi -st> Le *£" E e >— fs§ ®S*a- 5 W X) k E ■2 « <£ CD *g^"y CD D -5 i-3 ® UD .2 « c JO >srÄ * \O- c tD2 eu o ar» .* « Z 5Ä •£ o rr es ss *zr ~ KZI ?E ~ ZU. AK Jo _ 5* e.s? ^Sg c c •-■ ^3 c® -L cs ^JL c 9 Z 1""1 c s» ■-> E e> -9 ‘o • § 3 g »R ° s± ä .E o e$ eo o Ci eo O öd u «n XD- D- 3 » o JO M O c cs -2D C § rr' 7" k-D »H'— <3 « .— Ü CS j~ ,2 C N Pf? o _ Z. oo o 'S'Jt LD ü 5 $< o a -— CD "E er C : CQ 5 S Z a a so a-sG> 02 CJ sä ej 2> o Damen-Kleider-Besätze sind in allen Neuheiten der Saison vorrätig. Wir bieten eine besonders grosse Auswahl und fast konkurrenzlose Preise. 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