Nr. 203 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfifchen Landwitt die Siebener Samtlien« blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Untvers.-Buch- u.Steir> druckeret (Pietsch Erden- Redaktion. Spedition und Druckerei: Gchnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Kernsprechanschluß Nr. 51. Zweites Blatt. 153. Jahrgang Montag 31. August 1903 a VezngSpretSr monotli^75Pf.,viertel- Eichener Anzeiger , General-Anzeiger w Berantwortli^^Le Amts- und Anzeigeblatt str den Ureis Gietzen MM Air yeulige Wummer umfaßt 8 Seiteu. eilen. Das Aufstands gebiet im Orient hat sich in den letzten Tagen wieder gewaltig ausgedehnt, ja bis nach Kleinasien und Syrien sich erstreckt. Allerdings hat ich herau^gestellt, daß der amerikanische Bicekousul in Beirut nicht getötet worden ist. Es liegt bei der ersten Meldung ein Jrrymn Lor, der durch die Uebertragung desj chiffrierten Telegramms hervorgerüfen wurde. Es ist nur richtig, daß ein Attentat versucht wurde. Der Attentäter ist verhaftet, seine Persönlichkeit jedoch noch nicht fest- gestellt worden. Er sott auf den Vize-Konsul einen Gewehr- chuß abgefeuert haben, ohne zu treffen. Der Vati begab ich zum amerikanischen Vize-Konsul, um ihm sein Be- rauern über den Zwischenfall auszudrücken mit dem Verbrechen, alle Maßregeln zur Bestrafung der Schuldigen m treffen. Wie der amerikanische Gesandte Leishman aus Konstantinopel berichtet, hat sich'nach Duldungen der Konsuln in Kharput und Beirut die dorttge Lage weniger ernst gestaltet. Der Gesandte hat aber doch die Weisung erhalten, der Türkei amttich mitzuteilen, daß sie für jede gegen amerikanische Staatsangehörige begangene Ausschreitung als verantwortlich angesehen toürbe. Oe st erreich könnte bei internationaler Verwicklung heute kaum wagen, einzugreisen, denn ttüber als heute hat es seit dem Unglücksjahr 1866 in seinen inneren Verhältnissen nicht ausgesehen, trüber hat Kaiser Franz Josef, der sich anll Samstag von Budapest nach Wien begeben hat, noch niemals in seiner langen Regierungszeit der politischen Winter kampagne entgegen geschaut. Es ist leicht erklärlich, daß man erzählt, der alte Herr wäre durch die Los-von-Oesterreich-3iufe, die rings um ihn aus ungarischen, tschechischen, polnischen und kroattschen Kehlen ertönen, mürbe gemacht und spräche von Abdankungsabsichten. Man fürchtet für seine Gesundheit. Es läßt sich auch für ihn ttotz aller Beratungen absolut kein Ausweg erblrcken, dem Terrorismus der magyarischen Minderheit zu entfliehen. Seine Armee-Konzessionen sind der Obstruktion der Kossuchisten zu geringfügig, sie verlangen auch das Preis- aeben der deutschen Kommando spräche, die der Kaiser als ein noli me tangere betrachtet. Das allerschlimmste aber ist, daß die Zugeständnisse an Ungarn von den Tschechen und Polen unterstützt werden, narr weil sie hoffen, dann dieselben Zugeständnisse, namentlich Abschaffung der deutschen Amtssprache, verlangen zu dürfen. Damit wäre der Zerfall der Reichseinheit und das E n de d e r ü st e r r e i ch - ungarischen Großmachtstellung endgilttg b^ siegelt. Bezüglich Ungarns stimmen übrigens auch die deutsche Landwirtschaft und die deutsche Industrie Oesterreichs und mit ihnen maßgebende poli- ttsche Persönlichkeiten für eine baldige Trennung von Ungarn, dessen erdrückender Uebermacht im politischen Leben, die in gar keinem Verhältnis steht zu seinen Leistungen für den Gesamtstaat, man schon lange gründlich überdrüssig ist. Werden die ungarischen Forderungen bezüglich des Ausgleichs bewilligt, so steht — das sieht Minifterpräsidensl v. Körber klar vor Augen und cp hat den Monarchen darüber nicht in Zweifel gelassen — ein berechtigter Sturm der Entrüstung in Oesterreich bevor. Die Lage ist also un- Aer uatiorralsoziale Parteitag. > Unparttipolitis ches Stimmungsbild von Dr. Richard Wrede.) (Nachdruck verboten. Nach den zahlreichen und teilweise recht heftigen Erörterungen, die nicht'nur in der nattonalsozialen Partei über die Frage der Auflösung sich entspannen, konnte man von dem 8. nationalsozialen Vertretertag, der am 29. und 30. August in Göttingen stattgefunden hat, manche Sensation oder doch Ueberraschung erwarten. Aber diese Voraussicht ist nicht in Erfüllung gegangen. Es lag von Anfang an eine resignierte, müde Stimmung über der recht stattlichen Versammlung; die gewitterschwüle Spannung, die sonst großen Ereignissen vorherzugehen pflegt, fehlte. Zuschauer aus der Fremde waren so gut wie gar nicht erschienen, und von den nationalsozialen Kihrern ward mancher vermißt. Geheimrat Prof. S o h m aus Leipzig, der Bodenreformer Damaschke, der nunmehrige Hospitant der Freisinnigen Vereinigung H. v. Ger lach und natürlich der Gründer der Partei Dr. Fr. Naumann, das wären die bekannteren namenllich zu Erwähnenden, die anwesend waren. Von dem interessantesten Punkt der Tagesordnung, der sich unter dem Deckmantel ,Mittellungen über die finanzielle Lage des Vereins, verbarg, war selbst die .Presse ausgeschlossen; aber allerorten konnte man kurz nach der „geschlossenen Sitzung der Vertreter" es hören: „die Parteiorganisation wird aufgelöst; Naumann hat das zu Wege gebracht." Und so kam es denn auch. Der Anttag des Vorstandes, den Hauptverein aufzulösen, wurde am folgenden Tage einstimmig angenommen. Die Gründe, warum die einzelnen Vertreter dafür stimmten, waren ganz verschiedenartige, sich widersprechende. Dr. Naumann hatte erklärt: die National- sozialen haben keine „pavteiblldende Kraft"; die A r b e i t e r, die man hauptsächlich gewinnen wollte, lehnen einen „nationalen" Sozialismus ab; eine Konkurrenz gegen die Sozialdemokratie i st un-- möglich." Rian hat Naumann von links und rechts wreder- hvtt vorgeworfen, ' er feil kein Politiker, und das sagen ihm mit anderen Worten auch seine Freunde, die seine fehlende Ausdauer und sein rasches Versagen lebhaft beklagten und verurteilten. Ein empftudsamer, sentimentaler Qug ist Naumann eigen; manchmal blitzten aber dre Augen so hell und ein vergnügtes Schmunzeln gMg über das Gesicht, wie bei einem, der ein g u t e s G e s ch a f t gemach^ hat Der überraschend schnelle und unerwartete Entschluß Naumanns, zu liquidieren, nachdem man erst sieben Jahre öffentlich selbständige Polittk gemacht, kann auch als Au kühner Trick angesehen werten. Große polrtrsche Fra- aen müssen aber sub specie aeterur und nicht nach 7 Zähren beurteilt werden, diaumanns weitere Entwicklung wird erst die wahren psychologischen Motive seines llebergangs zum Wahlverein der Liberalen erkennen lllssrnr. Em merkwürdiger Mann, auf dessen Athletengestcht ern gutmuttg --«Ä&Wh*. ««BSE nannte, hat etwas erreicht, was er «Alte, dre Auslösung seines Hauptvereins; aber er hat den Anschluß ferner gesamten A n häng er an den „Vahlverern der Liberalen" durchMsetzen nrcht vermocht. Es srnd sehr harte Worte gegen diesen Bereut, dessen parlamentarische Vertretung die Freisinnige Vereinigung rst, ebenso gegen dsen „bürgerlichen Liberalismus" gefallen und nur 111 von den er schienenen 209 Vertretern haben sich dem liberalen Wah.lverern angeh schlossen. Eine starke Minorität ließ erklär«,, daß sie in national sozialen Gruppen und Ortsver- bänden bestehen bleiben und engere Fühlung nut einander nehmen wolle. Tie Nationalsozialen hatten sich gewohnt, rn 8^1»^ Naumann ihren einzigen Führer zu seh«, »nd auch «n ziemlichen Personenkult nut ihm getrieben. D^e unb^ sich überall mit Tatsachen, polttrschenRealrwten abzn- als Nationalsda^ab« er roonte auserstehen als ern neuerund gr ß ~ “ • Tas ist ihm nicht ganz gelungen. Güvrß wird ferne^ Arvert -nickt verloren sein, ein spaterer Historiker tviro vrei von den Nattonalsozialen als ,Mlwrdünger" reden Sen^ Mentalität darf es in der Politik ergerstlrcknrcht geben und wissenschaftlich-technische Urterle müssen erlaubt fern. Es wurde manches Auge feucht, als Naumanri W 5-cklunwort smack. Dos war aber auch' alles. Dhi tiutt ist man Morben; nicht urttnüMgl. nrcht cheatralrsch!, mit Resignation, weil der Führer und Gründer es wollte. werhaupt ohne Reisende. Dafür aber sprengten sre euren sogenannten Konventioncllzug in die Luft, m dem 18 türkische Reisende den Dynumitbomben der Banden zum Opfer gef-allen sind. Das Attentat hat nur deshalb eine relativ geringe Zahl von Opfern gefordert, well die Höllenmaschine, die wahrscheinlich jo gestellt war, daß die Explosion auf einer Brücke hatte eintreten müssen, durch Verspätung des Zuges auf einer anderen Stelle explodierte. Die Verletzungen der Verunglückten waren meist schwerer Natur. Der Vorfall hat in türkischen Regierungs- * kreisen natürlich sehr deprimierend gewirkt, da man Verwickelungen mit den Mächten voraussieht. Der Bahu- verkehr ist bereits wiederhergestellt. Der Ernst der Lrge erhellt auch daraus, daß in der türkischen Mllrtarschule gju Panaldi alte Schüler der letzten Jahrgänge ohne Examen zu Offizieren ernannt wurden, um den Truppenteilen überwiesen zu werden. Welcher Geist in diesen fortwährend neue Dörfer von Aufständischen zerstörenden türkischen Truppen steckt, die sich mit ihren anarchisttschen Stteichen hinter den Macedoniern nicht zu verkriechen brauchen, zeigt u. a dre freilich sofort wieder amtlich dementierte Meldung, daß von Soldaten eines am österreichischen Ko ns ul a t in Ues- küb vorüberziehenden Bataillons türkischer Truppen mehrere Male in das Fenster des Konsulats geschossen worden sein soll. Tie Sprache gewisser bulgarischer opposittoneller Blätter ivird inzwischen gleichfalls immer drohender gegen den Fürsten Ferdinand, dem antt- nationäle Politik und russenseindliche Gesinnung vorgeworfen wird, die leicht zum Verlust seiner Krone führen könnte, und eine Privatmeldung aus Sofia berichtet, daß dort ein Komplott gegen den Mrsten Ferdinand entdeckt worden sei. Man habe festgestellt, daß das fürstliche P wlais unterminiert sei. Die Polizei teilt diese Tatsache zwar in Abrede, doch hält die Bevölkerung sie für lvahr. Die Aufregung ist infolgedessen sehr groß. Ferner hat üt_ Konstantinopel die Polizei Ju- formattonen erhalten, daß ani Dienstag, dem Tage der Thronbesteigung des Sultans, von Bulgaren Attentate dort und in der Provinz geplant wären. Es wurden daher die umfassendsten Sicherheitsmaßregeln getroffen. Alle ankommenden und abreisenden Fremden in Konstantinopel werden einer strengen Durchsuchung unterworfen. — Fürst i Nikita von Montenegro äußerte sich bei BespreAmg ; der Lage in Macedonien, daß, wenn es der türtts^n Re- ; gierung nicht gelingen sollte, ihre eigenen Soldaten und : die Albanesen vor Gewalltättgketten zurückKuhalten, Serben und Montenegro sich nicht der heiligen Pflicht erreichen könnten, ihren bedrängten Glaubensgenossen zu Hllfe zu schvn jetzt falls der Blamierte dazustehen, alles auftecht 1 erhält. Später, wenn er auf die Anklage des Herrn von 1 Trotha, Hosmarschalls des Kronprinzen, Gelegenheit - haben wird, sein Wort einzuMen, und sein Redatteur Leid 1 vermutlich kleinlaut um mildernde Umstände bittet, ist i das Interesse an dieser Hunds tags geschichte schon wieder : so stark äbgeflaut, daß die Blamage dann nicht so schmerzlich' ist. Die Anllage wegen Majestätsbeleidigung gegen den „Vorwärts", sowie die Beleidigungsllage des 5)of- marschalls v. Trotha werden jedenfalls die sehr erwünschte Klarheit über die Angelegenhell bringen. Von den großen Kavallerieübungen in Altengrab ow reiste der Kaiser zu Truppenübungen nach Mainz, dem Exerzieren auf dem Mainzer „Sand" folgte die Parade des kurhessischen Armeekorps und die Paradetafel im Kasseler Schlosse, wo der Kaiser seine schöne, allerdings bei dem Passus von seiner Verantwortlichkeit mit der Verfassung nicht Leicht in Einklang zu bringende Rede von der Arbeit und zum Lobe des Oberpräsibenten Grasen Zedlitz hielt. Aus den Worten des Kaisers übrigens, daß, wenn die Not am höchsten ist, der Fürst zu dem Manne greifen müsse, der ihm der Rechte an Ort und Stelle zu sein scheine, glauben die „Bert. N. Nachr." ent- nehnien zu dürfen/ daß an maßgebender Stelle die Pole n- gefahr in Schles ien jetzt sehr e r n st genommen wird und die Ueberzeugung herrsche, der neue Oberpräsident Graf Zedlitz, müsse ihr energischer entgegentteten, als es sein Vorgänger Fürst Hatzfeld getan habe. Sorgen wegen Ministerernennungen macht sich der Kaiser zurzeit nicht, nachdem er die Ernennung des baju- varischen und als solchen wohl biersteuerfeindlichen und vermutlich agrarsreundlichen Frhrn. v. Stengel zum Staatssekretär des Reichsschatzamts vollzogen hat. Baron von Stengel wird Mitte September aus seinem Urlaub nach Berlin zurückkehren und dann die Amtsgeschäfte übernehmen. Sein Vorgänger Freiherr v. Thielmann hat nicht nur den Rang, sondern auch den Titel eines preußischen Staatsministers erhalten. Die Spekulationen auf eine Spaltung des Zentrums sind schon ost genug fchlgeschlagen und auch! über die Nippen ' des Zolltarifs hinweg hat das Zentrum seine Scharen geschlossen hinübergerettet in die 50. Jubel- Versammlung, die im schönen Köln über die Einheit und Größe der Zenttumssache schwelgte. Alljährlich bringen diese Kattzolikeutage dasselbe polittsche und geistige Menu ein wenig aktuell hergerichtet, das die Anhänger des Zentrums in Deutschland das Jahr über zu kosten haben. Besonders warm telegraphierte man entsprechend dem vorzüglichen Verhältnis zur Regierung an den Kaiser, und er hat auch etwas wärmer als sonst geantwortet. Pius X., der sich noch immer sehr sorgfältig für seine erste Encyklika an die Bischöfe mit dem Kardiualskollegium berät, hat der Versammlung wohl seinen Segen erteilt, sonst ober vorsichtig, wie er ist, geantwortet, ohne sonderliche Neigung für Deutschland und die deutschen Katholiken zum Ausdruck zu bringen, die chrerseits mit Recht in Anspruch nehmen, die unterwürfiMen Anhänger der durch den Papst, dargestellten Einheit der Kirche unter allen Katholiken zu sein. Abgesehen von der Lebhaftigkeit des Katholikentages ging es still in Deutschland her. Mit Genugtuung würde auch in Heereskreisen davon Notiz genommen, daß der überraschend milde, nur auf Festungshaft lautende Ur- teilssprüch über den Fähnrich Hüsjener, der den Kanonier Hartmann in Essen ohne ersichtlichen Grund erstochen hat, vom Neichsmilitärgericht in Berlin als innerlich unhaltbar an die Vorinstauz zurückverwiesen worden ist,' Ob die Frage des „Vorwärts" berechtigt ist, daß es von dem 19 jährigen Fähnrich jedenfalls zu viel verlangt war, seine Befugnisse bei der Untat zu überblicken, da nachträglich drei militärische Gerichte wochenlang sich darüber den Kopf zerbrochen haben, bleibe.dahingestellt. Für die Klarheit der betr. Vorschriften spricht der Widerspruch zwischen 3 Instanzen jedenfalls nicht. Aber andererseits^ rechnen diese Vorschriften auch mit dem Takt und der sittlichen Reife des milttärischen Vorgesetzten. Und qerade in dem Fehlen dieser Eigenschaften lagen ja bei Hüssener die tieferen Ursachen seiner unsinnig ftwolen Handlungsweise. Es wäre von größter Gefahr, wenn Charaktere in der Armee häufiger wären, die wie Hüssener aus dem Kriegshandwerk einfach die Freiheit zum Spiele mit Menschenleben abzuleiten suchen. Kriegsminister v. Emern ist der Rauheit und Roheit in Kasernen, wie sie die letzten Prozesse über Soldatenmißhandlungen zutage gefördert haben, mit.Schärfe entgegengetreten. Er hat ein persönlich mitfühlenies Verhalten namentlich gegen die eben in das Kasernenleben eingezogeuen Rekruten allen Vorgesetzten zu dringender Pflicht gemacht Veranlassung dazu bot ihm die Selbstmordstatistik im Heere die Ziffern auswies, die geeignet waren, den Ru und die'Popularität der Armee zu veeinttächtigen. Hoffentlich^ beachten alle Instanzen diesen Erlaß. Er kann unserer Armee nur von Nutzen sein. . . Wie aus dem Kriegshandwerk bei Barbaren eine wüste Mordbrennerei werden kann, dafür führen die jetzt wieder äu viel größerer Stärke angewach enen mmce- donstchen Nanden grauenvolle Leisp.cle auf Ganze Tistrikle äschern sie ein und aubern |te nut Pulver und Llei von Männern, Weibern -md Kindern Neuerdrn^ liabcn sie in der Gegend von Ucslub Gendarmen, Fcld- arbeiter und friedliche Mohammedaner ermordet, den L e u ch 11 u r m von Jniada, der Hafenstadt, oen die russifche Flotte jetzt verlassen hat, rn die Luft gesprengt usw. Ter Orientcxpreßzug von Wien nach Konstantrnopel wurde allicklicherweisc tagelang wegen mangelnden Vedarfs^uber- haupt nicht abgelassen und verkehrte m den letzten ^agen politische Wochenschau. Tamit der Unterhaltungsstoff in Mler Zeit mcht aus- aebe hat der „Vorwärts" ferne Hofllatch)geschichte uver das famose K - i s e r i n s e l P r ° j e k t auch noch w dre letzte Woche hinüvergeschleppt. Ob überhaupt etwai> daran rst, schwebt heute noch im Ungewissen. Ter „Vorwärts mm Ito ar alles beweisen, aber die Vermutung liegt nur allgU , nahe, daß er gründlich mystifiziert ist und nur, um nicht ck herab. Die folgenden sieben Wagen entgleisten. Das über, wofür Hessen die Ortschaft Michelbach erhält. gegen 6 Uhr siel von einem Wagen des Güterzugc Nr. 8778 em über 20000 Kilogramm schwerer Eisenbloi alt. Art wird einstimmig angenommen. Vom Kaiser ist aus bo3 HuLdigungstelegramm ein Llntworttelegramm eingegangen, welches lautet: „Se. Majestät der Kaiser und König haben mich zu beauftragen geruht, dem Deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschaftstage Allerhöchst Ihren wärmsten Dank für den fteundlichen Gruß auszusprechen. Se. Majestät freuen Allerhöchst sich über die treue Arbeit der landwirtschaftlichen 'Genossenschaften an der wirtschaftlichen Hebung der ländlichen Bevölkerung und werden die segensreichen Bestrebungen auf diesem Gebiete auch ferner mit Allerhöchst- ihrem landesväterlichen Interesse und Kaiserlichen Schutze begleiten, von Lucanus." (Lebh. Beifall.) Dann wendet sich der Genossenschaftsurg der Frage zu, in welcher Weise Genossenschaften die Deckung etwaiger Verluste unter Berücksichtigung der gesetzlichen Bestimmungen bewirken können. Nach längerer Aussprache nimmt der Genosseuschaftstag folgende Resolution an: „Da es nach dem zurzeit geltenden Genossenschaftsgesetz nicht möglich ist, eine nach Abschreibung des eigenen Vermögens und der Geschäftsguthaben verbleibende Unterbilanz im Wege des Umlageversahrens bet bestehender Genossenschaft zu decken, muß den Genossenschaften noch mehr als sonst empfohlen werden, für die Stärkung ihres Vermögens durch Festsetzung angemessen hoher Geschäftsanteile und reichliche Dotierung der Reserven Sorge zu tragen." Verbandsdirektor von Brockhausen-Stettin sprach dann über das „Verhältnis der ländlichen Kreditgenossenschaften zu den öffentlichen Sparkasse n." Nach einem Referat des Direktors der Buchführungs- genossenschast Euskirchen, Rittergutsbesitzer Krewel- Burgzievet empfiehlt der Genossenschaftstag zur Erzielung einer geordneten Buchführung der Landwirte die Gründung von landwirtschaftlichen Buchführungsgen o s s e n s ch a f t e n. Zur Frage der Heranziehung der Vorstandsmitglieder und der Rechner der landwirtschaftlichen Genossenschaften zur Alters- und Invaliden- Versicherung spricht sich der Genossensa)ajtstag dahin aus, daß die Vorstandsmitglieder nicht der Versicherungs- vflicht unterliegen sollten, weil sie Lohnarbeit nur in ven seltensten Fällen verrichten, vielmehr selbständige Im August 1823 erschienen die ersten Wagen dieser in Paris und wurden „Omnibus", d. h. Allen, dem öffentlichen Verkehr gewidmet. In London hielten sie 1824, in Berlin 1825 ihren Einzug. Hier hielten sie am Branden- Vermischtes. Niederlahnstein, 29. August. Heute nachmittag Aus Stad! und Kand. Gießen, den 31. August 1903. Die Omnibusse sind in diesem Monat 80 Jahre burger Tor und wurden nach ihrem Unternehmer, dem rüheren Hofagenten Kremser, benannt, welchen Namen die offenen Wagen für Landpartien noch heute führen. k- K l e i n - L i n d e n, 30. Aug. Ueberfahren wurde das dreijährige Töchterchen des Arbeiters Gg. Beppler von einem Bierfuhrwerk. Der Unfall ereignete sich heute tnittag; t>cid Kind trug derartige Verletzungen davon, daß es sofort in die Klinik nach Gießen verbracht werden mußte. Bad.-Nauheim, 30. Aug. Unterhaltungen. Dienstag den 1. September, nachmittags und abends von 8—10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kur- iäpelle. Abends Theatervorstellung: „Die Schmetter- ingsschlacht." Mittwoch, nachmittags von 4 bis ßi/2 Uhr und abends von 7%—93/4 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kapelle des Ulanenregiments aus Hanau; abends von 8—10 Uhr im Saale Symphonie-Konzert der Kurkapelle unter solislischer Mitwirkung der Opernsängerin Emmy Dommersdors aus Berlin. Donnerstag, nachmittags von 4i/a—gi/, und abends von 8—10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle; von 8—10 Uhr im Saale Tanz. Freitag, nachmittags von 4x/2—6% und abends von 8 bis 10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle; abends 8 Uhr Theatervorstellung: „Der Bibliothekar." Samstag, nachmittags von 4Va—6*/, und abends von 8—10 Uhr aus der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr im Saale Zaubervorstellung des Hofkünstlers Rud. Meunier- Selar aus Frankfurt a. M. Darmstadt, 29. Aug. Se. Kgl. H. der Großherzog empfingen heute zum Vortrag den Staatsminister Dr. Rothe und den Geh. Kabinetsrat Römheld, wohnten heute vormittag auf dem Truppenübungsplatz der Besichtigung des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116 durch den kommandierenden General bei und haben sich heute mittag zum Besuch der Prinzessin Ludwig von Battenberg nach Schloß tzeiligenberg begeben. Offenbach, 30. 9(ug. Von dem Besuche Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs tragen wir nach der „Offenb. Ztg." noch folgendes nach: Auf dem Wege zur herrlich geschmückten Villa Oehler wurde dem Großherzog vom Bureau- personal der Firma Oehler eine spontane begeisterte Huldigung dargebracht, über die er sichtlich freudig überrascht war. Er nahm dann zunächst das Innere der Villa mit ihren zahlreichen Kunstwerken, sowie den Wintergarten in Augen- chein und begab sich dann in den prachtvollen Garten, wo ich etwa 55 geladene Gäste eingefunden hatten. Bei Tee und reichbesetztem kaltem Buffet unterhielt sich der Großherzog in vottresflichster Laune besonders angeregt mit den anwesenden Damen. Ebenso aufmerksam aber lauschte er den meisterhaften Vorträgen des unter seinem Protektorat stehenden Turner-Sängerchors, von dem er gar nicht genug hören konnte. Als ihm das „Repertoire" der Sänger überreicht und er gefragt wurde, welches von den Liedern er zu hären wünsche, sagte er kurzweg: „Allel Den Beginn machte der Kienzl'sche Stundenchor vom Gesangswettstreit, weiter folgten „Schön Rottraut", „Guten Abend, guten Nacht", die „Villanella Neapolitana", „Steh' ich in finstrer Mitternacht", „Mach' auf des Herzens Fensterlein", „Schönster Schatz, mein Augentrost" und „Vineta". Den Beschluß machte, der besseren Akustik wegen in einem eigens hierfür errichteten Zelte vorgetragen, der gewaltige Meßner'sche Preischor „Siegesgesang nach der Varusschlacht". Der Großherzog, der dem Gesang mit der Partitur in der Hand folgte, war besonders von der hinreißenden Steigerung am Schluß sichtlich ergriffen und kargte dem Vorsitzenden des Chors, Karl Steuerwald, und seinem musikalischen Leiter, Musikdirektor Glück, gegenüber nicht mit Ausdrücken der höchsten Bewunderung für die herrlichen Leistungen der Sänger, denen er, wie er sagte, am liebsten noch stundenlang gelauscht hätte. Den Dank der Sänger brachte Reallehrer Stahl, der Vorsitzende des Turnvereins, mit einem Hoch auf den Landesfürsten aus, dem der Sängergruß sich anschloß. Fast zwei Stunden später, als ursprünglich beabsichtigt war, gegen 3/48 Uhr, erfolgte die Abfahrt des Großherzogs, während der Sängerchor auf Einladung des Geh. Rats Oehler noch un Garten blieb und die Gäste durch prächtige Lieder erfreute. * Der Schwein estall als Re t ter in der Not. Ein Bettler flüchtete in dem b a d i s ch - h e s s i s che n Ort Kürnbach vor einem badischen Polizisten in einen Schweinestall. Der Polizist eilte nach^ aber der Fechtbruder befand sich bereits auf hessischem Gebiet, denn mitten durch den Stall ging die Grenze zwischen Baden und Hessen. Ter Badenser rief nun den hesftschen Sicherheitswüchter herbei, der durch eine Hintertür in das hessische „Viertel" drang, Währeno der Badenser von Baden aus angrifs. Ter Bettler aber prügelte die Vertreter Badens und Hessens, von denen jeder, ihn haben wollte, mörderisch durch. Als man ihn nun deswegen vor Gericht stellen wollte, wußte lein Mensch, mi\ welchem Gebiete bi: Hiebe gefallen waren und ob der Fall an ras oavi-che voer hef,i,ch? Gericht zu verweisen sei. Solcyeu Berleg.nheiten ist übrigens für die Zukunft vorgebeugt, ocnii Kuruoa^ geht ganz an Baden Berggleis Köln-Frankfurt ist gesperrt. Verletzungen sind nicht vorgekommen, dagegen ist der Materialschaden erheblich. • Freienwalde a. d. Oder, 30. August. Der Arbeiter Schameika drang in die Wohnung der von ihm geliebten Frau Sommerfeld, tötete diese durch einen Schuß in die Brust und verletzte deren fliehende Tochter gefährlich durch einen Schuß in den Rücken. Der Täter wurde verhaftet nachdem er auch den Polizisten durch einen Schuß in den Arm verletzt hatte. * Brüs sel, 29. August. Auf Veranlassung des General- Prokurators wurde gestern abend die Frau eines hiesigen angesehenen Bürgers wegen Mordversuchs an ihrem Schwiegersohn verhaftet. Die Betreffende hatte einen Ringkämpfer beauftragt, den ihr lästigen Schwiedersohn zu ermorden, wofür sie ihm eine große Geldsumme angeboten hatte. Da man annahm, daß die Frau geistesgestört ist, wird sie vorerst einer ärztlichen Beobachtung unterzogen werden. * Cherbourg, 30. August. Hier wütete gestern em heftiger Südwest sturm, welcher großen Schaden anrichtete. Zahlreiche Fischerbarken gelten als verloren. Die Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt. * Budapest, 29. August. Auf der Besitzung der Gräfin von derOsten brannte ein Holzsägewerk nieder. Hierbei verbrannten ein Maschinist, 2 Arbeiter uud 8 Kinder. * Therese Humbert erhielt, nach einer Meldung aus Paris, die Vergünstigung, bis auf weiteres in der Concier- gerie zu bleiben, doch wurde ihr nicht gestattet, sich vom Gatten und den Brüdern, die im Zellenwagen nach dem Strafhause Fresnes gebracht wurden, zu verabschieden. * Die Eröffnung des Simplon-Tunnels, die, wenn nicht unvorhergesehene Schwierigkeiten eintreten, für das Jahr 1905 zu erwarten steht, soll durch eine große Ausstellung in Mailand gefeiert werden. Das Unternehmen oll wenigstens zum Teil einen internationalen Charakter ragen und seinen Schwerpunkt in einer Vorführung der Be- örderungsmittel in Land, Wasser und Lust finden. * Die Pest. Nach einer Meldung der „Frks. Ztg." aus Sidney sind inNeu-Caledonien bis zum 10. August 97 Pestsälle vorgekommen, von denen 8 7 tätlich verliefen. Landwirte, Kaufleute usw., die nur nebenbei dieses Anft bei der Genossenschaft ausüben. Auch die Rechner sollten nicht versicherungspflichtig sein, sobald die dienstliche Be- chäfttguug bei der Genossenschaft nicht ihren Hauptberuf bildet. Dann folgte ein Vortrag des Verbandsdirektors Rechtsanwalt Bangr atz-Landau über die Verantwortlichkeit solcher Vorstandsmitglieder für Majoritätsbeschlüsse des Vorstandes, welche in der Minorität geblieben sind. Er meint, daß ein solches Vor-, tandsmitglied dann entlastet sein dürste, wenn es beantragt, daß das Geschäft, bas es für verlustbringenb hält, nicht vollzogen werde und es bann sofort bem Aufsichtsrat und nötigenfalls auch der Generalversammlung ferne Bedenken mitteile. Damit hätte es die Sorgfalt eines gewissenhaften Kaufmanns angewandt. Es müsse aber, auch noch später, falls sich Gelegenheit dazu biete, alle Schritte zur Verhütung des Schadens tun. Der Genosseuschaftstag erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einver- tanden und empfiehlt den Genossenschaften, in den Statuten und Dienstanweisungen den Vorstandsmitgliedern entsprechende Einweisung zu erteilen. Zum Schluß erörtert dann noch der Generalsekretär Dr. Grabein-Darmstadt die Angriffe gegen die Tätigkeit der Konsumvereine als Rohstoffbezugs-Ge- nossenschaften. Damit ist die Tagesordnung erledigt und Geheimrat Haas schließt mit Dankesworten den 19. landw. Genossenschaftstag. * Eine sehr überraschende Erscheinung ist nach den • neuesten Feststellungen der Medizinalabteilung des preuß. Kultusministeriums der Rückgang der Geburtenziffer in Preußen. Er bettug 1876 für Preu- 3en noch 40,9 (von Tausend), ist 1900 auf 36,98 zurückgegangen und betrug 1901 nur 36,52. Berlin hatte 1876 noch eine Geburtenziffer von 46,0 auf Tausende, sie betrug 1901 nur noch 26,68. Dieser gewaltige Rückgang gibt sehr zu denken und ist die Annahme nicht unberechtigt, baß in Berlin die künstliche Verhütung ber Konzeption und die Unterbrechung ber -L-chwangerschaft eine größere Rolle pielen als vermutet wirb. Im allgemeinen haben die höchsten Geburtsziftern bic östlichen Bezirke unb Bezirke des Westens, welche eine hochentwickelte Industrie haben wie Arnsberg. Eine Zunahme der Geburtsziffer zeigen Marienwerder 42,56 (41,51), Danzig 42,59 (42,20),, Posen 41,05 (40,73), Trier 40,09 (39,65), Gumbinnen 36,98 (35,41), Stettin 36,39 (36,13), Köslin 36,30 (35,26), Aachen 36,13 (35,30), Königsberg 35,77 (34,66), Stralsund 34,98 (32,97), Osnabrück 34,15 (34,12), Hildesheim 32,52 (32,49), Aurich 32,09 (31,85), Frankfurt 31,79 (31,25), Lüneburg 30,75 (30,43). Aber wie gesagt, diese lleine Zunahme in einzelnen Regierungsbezirken gegen 1900 kann über die Tatsache nicht hinweg täuschten, daß die Geburtenziffer in Preußen ziemlich st ar k sin k t. Von 1896—1901 zeigen eine Abnahme der'Geburtenziffer 349 Kreise, eine, Zunahme 210. Letztere erstreckt sich fast ausschließlich auf das platte Land und vorwiegend auf den Westen. * Eine eigentümliche Ansicht von der Pflicht der Presse bekundete in der jüngsten Stadtverordnetensitzung der Bürgermeister Hirschfeld zu Ko bürg. Einige Stadtväter führten Klage darüber, daß der Magistrat oft außerordentlich wichtige Bekanntmachungen für die Bürgerschaft nur im Regierungsblatt veröffentliche und nicht in den Tageszeitungen. Das Regierungsblatt hat etwa 300 Auslage. Die Veröffentlichung im Regierungsblatt gegen Bezahlung eines höheren Zeilenpreises als desjenigen der Zeitungen ist eine Amtspflicht, die Veröffentlichung in den Tageszeitungen kann als ein Gnadenbeweis für die Zeitungsverleger betrachtet werden. Der Bürgermeister der Residenzstadt Koburg meinte nun, die Zeitungen könnten ja die Bekanntmachungen des Magistrats aus dem Regierungsblatt (natürlich umsonst) abdrucken. Eventuell erständen in Koburg noch mehr Zeitungen und dann würden die Unkosten für den Stadtsäckel noch größer. Die richtige Abfertigung gibt dem Bürgermeister nun das „Kob. Tageblatt", indem es schreibt: „Man kann wahrlich von der Presse nicht beanspruchen, daß sie die hiesigen amtlichen Bekanntmachungen unentgeltlich aufnimmt I Die Zeitungsoerleger muffen ebensogut ihre Steuern bezahlen und ihre Leute entlohnen, wie andere Geschäftsleute auch, und können daher ebensowenig unentgeltlich arbeiten wie diese." — Die „Saale-Ztg." in Halle druckt dieses Geschichtchen ab und fügt hinzu: Uebrigens teilen auch noch andere Bürgermeister und sonstige Verwaltungen die Ansicht des Herrn Hirschfeld in Koburg. Es gibt da nur ein Mittel, die Herren, welche fortwährend die Mitwirkung der Presse „kostenlos" für sich in Anspruch nehmen, zu bessern, nämlich sie bei Gelegenheiten, bei denen sie ohne Zeitung absolut nicht fertig werden können, einfach im Stiche zu lassen. Haltbar, und doch drangt der Wümsber Ham dal Sv e r-r tr äae auf gemeinsames .Handieln beider ftch immer feindlicher werdenden Reichshälften. Lchon Langer denn zwei Wochen bauert nun bie ungarische Krisis, ^e ist aber deute noch um keinen ZolL wetter gediehen als am .lnfang. Zu ber Zwischenzett, während welcher der uttiser in -öien toeOi, um den König von England zu empfangen, werden die Verttauensmänner der Krone unb der Opposition die Wege zur Bellegung der Krise zu ebnen suchen. Bon Men wttl dann der Kaiser wieder nach Pest zuruck- kehren In Wiener diplomattschen Kreisetl wird versichert, baß bei der Anweserchett deS Königs von England zwar eine Besprechung der Battan-Angelegenheiten Mttjmden wevde, daß aber kein Grund vorhanden sei, daraus zu schließen, daß England seine bisherige Reserve ausgeben werbe. Tie ,Miener Abendpost" begrüßt den heute, Älontag, in Men eiuttesfenden öiönig von England sehr herzlich. Sie schreibt: ,Mtt verehrungsvollen Sympathien heißt die Be- vötternng Mens den erlauchten Gast des Kaisers willkommen und begrüßt in dem Köiiig von England das Oberhaupt eines mächttgen, welliunspaiinenden Reiches, einer Nation von großer, reicher Lulttir, uud den Freund des Kaisers. Die herzlichsten Beziehun gen verbinden das englische Königshaus ürrd die habsburgische Dynastie. Dieselben Beziehungen kennzeichnen das polittsche Verhältnis der österreichisch-ungarijchen Rtonarchie zu dem ^nsel- reiche."___________________________ Aeulscher landwirtschaftlicher Keuossenschaftstag. IL Bonn, 28. August. In ber heutigen Sitzung wird die Debatte über die aeaenwärttge Lage und die Aufgaben der Winzer-Genossenschaften fortgesetzt. Geh. Regieruugsrat Ha a s- Darmstadt empftehlt zuni Zwecke der Förderung der Winzer- aenossenschaften die Abhaltung regelmäßiger Zusamnien- ttlnfte der Vertreter dieser Genossenschaften, sowie bic Bildung eines Sonderausschusses im Allgememeri Verbände. Pfarrer Winter- Hermersheim: Im AhrtaL fabriziert der Handel aus minderwertigeii Weißweinen und italienischen Ausschußtrauben einen Wein, der unter dem Namen Ahrrotwein 'in den Handel kommt und der im großen und ganzen noch besser schmeckt wie unser Ahrrotwein. (Heiterkeit.) Redner empftehlt die Schaffung eurer Zentralstelle, welche mtt dem Weinhandel in Verbindung treten soll. Wenn jemand regelmäßig einen Rotwein trintt, dann schmeckt er chm immer besser, bei dem Verschnittwein hat man nach 1 oder 2 Jahren genug und trmkt Weißwein. (Sehr nchttg.) Wir im Westen sind in Not, die Herren im Osten nicht. (Oho! Große Hetterkeit.)^ Der Genossenschaststag nimmt schließlich folgende R e - /olution an: ,^Jn Ansehung der Tatsache, daß durch die Mldung der Wmzergenossenschaften zwar eine bessere Kultur des Weinstockes, sowie eine sachgemäße Behandlung der Weine erzielt werden, es aber nicht gelungen ist, die dem Absatz des Weines entgegenstehenden großen Schwierigkeiten zu beheben erscheint es dringend notwendig, wettere Mittel zur möglichsten Besettigung dieser Schwie- rigketteu zu finden. Es ist zu erstreben, daß an stelle des bis jetzt durchgängig üblichen direkten Verkaufs der Weine an die Verbraucher eine Geschäftsverbindung mit dem Weinhmidel eingeleitet wird. Zur Förderung des Absatzes erscheint die Schaffung von Zenttal-Weinver- triebsstellen erstrebenswert, denen auch die Aufgabe zu- fallen würde, die wünschenswerte Geschäftsverbindung mit dem Weinhandel nach Möglichkeit anzubahnen. Zu dem Zwecke der Förderung der Interessen der Mnzergenossen- schasten empfiehtt sich die Abhaltung regelmäßiger Zusammenkünfte der Vertreter dieser Genossenschaftsart, sowie die Blldung eines Sonderausschusses im Allgemeinen Verbände. Zur Bttdung dieses Sonderausschusses wolle der Anwalt baldigst die erforderlichen Schritte einleiten." lieber die Milchverwertung und bie Betriebs- Unkosten bei denMolkereigenossenschaften berichtete Verbandsdttektor Oekonomierat P1 e h n - Berlin. Er beantragt, nachstehender Resolutton zuzustimmen: „Die Verwertung der DttLch in den Molkereigenossenschaften ist vielfach unbefriedigend, in den Molkereien desselben Be- zttks sehr wechselnd, ebenso der Betrag der Unkosten. Es ist dringend zu empfehlen, daß die Molkerei-Statistik in höherem Maße als bisher zur Vergleichung herangezogen und alle Mühe daran gewandt wttd, die Unkosten herabzusetzen und die Verwertung zu erhöhen." Die Resolution