Nr. 255 Erstes Blatt. 153. Jahrgang Freitag 30. Oktober 1003 brsHetut täglich . Ä BezngSpretSr außer Sonnlags. O ß* jQk CT monatlich7bPi^ viertel- MW DW s~s&v/lvllvllvl «lljvlUvl ss E™ W General-Anzeiger S®^ •Bx- Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Kietzen MWZ ^rrntprrd)anld)lu8s)lx.61. ty w jetqentctt: Han« Beck. Kekanntmachung. Die Schiller st raße, zwischen Asterweg und Nordanlage, wird wegen Vornahnw von Kanalisationsarbeiten von heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den* 30. Oktober 1903. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Zur Wiesbadener Wonarchenzusamrmnkunll. Tie russische Presse ist gegenüber Deutschland seit kurzem von ausgesuchter Liebenswürdigkeit des Tones. Tie Tage von Darmstadt scheinen also von heilsamstem Einflüsse in Rußland zu fein. Bemerkenswert ist aber auch, daß in russischen Zeitungen die Ausfassung auftaucht, die Kais er b e g e gn u n g in Wiesbaden sei als ein „Warnungszeichen'gegen Japan" zu betrachten. Deutschland wird trotzdem aber doch wohl nicht den Standpunkt unbedingter Neutralität in Oftasien verlassen. Die Betonung dieses Standpunktes durch deutsche offiziöse Organe scheint uns darauf berechnet, falschen Annahmen an bestimmter Stelle den Boden zu entziehen. Won „besonderer" Seite wird dem „Franks. Gen.-Anz." geschrieben: Die Wiesbadener Zwei-Kaiser-Begegnung entspringt dem freundschaftlichen Empfinden, das den Zaren und unseren Kaiser seit Jahren mit einander verbindet. Sie ist gewissermaßen eine Fortsetzung der Zusammenkünfte von Danzig und Reval, zuglerch aber auch eine wertvolle Bürgschaft für die guten diplomatischen Beziehungen, die zwischen Deutschland und Rußland bestehen und erprobt worden sind. Gerade in den letzten Tagen ist von selten interessierter Nationen darauf hingewiesen worden, daß Deutschtano in der Mandschureifrage seinen: östlichen Nachbar gute Dienste erwiesen habe. Das ist tatsächlich richtig. Mcht darin liegt aber das wichtigste Moment in dieser ganzen Frage, daß Deutschland eine neutrale Haltung einnahme, sondern daß es eine sogenannte Desinteressements-Erklärung ausdrücklich abgab und zwar zu einen: Zeitpunkte, an dem diese Erklärung nichl ohne Wirkung bleiben konnte. Als durch die öffentliche Kundgebung des deutschen Desinteressements bekannt wurde, daß auf eine Unterstützung Teutschlands nicht zu rechnen sei, veränderte sich mit einem Schlage die Sachlage für Rußland; die internationale Bewegung wurde ausgegeben und die ostasiatische Frage wurde dadurch sür Rußland in einem gewissen Sinne lokalisiert. Entspricht sonach die neutrale Haltung Deutschlands den natürlichen Verhältnissen, so war die öfsent- liche Erklärung doch immerhin ein realer Akt sreundnacybar- licher Gesinnung, die durch den Freundschaftsbund zwischen den beiden Kaisern nicht bloß symbolisiert, sondern zugleich auch getragen wird. Unsere Auslandspolitik bewegt sich also ganz in den Bahnen der wilhelmmischen Traditionen; der Draht zwischen Berlin und Petersburg ist Dank der sreundschastlichen Gesinnung der beiden Monarchen und des diplomatischen Geschickes ihrer Berater.fester als je. 'M kann — namentlich in der jetzigen mit internationalen Problemen reich erfüllten Zeit — kaum daran gezweifelt werden, daß in Wiesbaden auch politische Fragen zur Er- örterung kommen; insbesondere wird mit einer gewissen Geslissentlichkeit auf die schwebende Handelsvertrags- frage hingewiesen. Indes möchten wir glauben, daß diese wohl grade am wenigsten erörtert werden dürfte, nicht etwa weil sie von untergeordneter Bedeutung ist, sondern vielmehr deshalb, weil an der grundsätzlichen Bereitwilligkeit zur Fortsetzung des Handelsverkehrs kein Zweifel besteht. Viel Neues bringt uns diese ziemlich prätentiös zu- gestutzte Zuschrift eines Berliner Journalisten an das genannte Frankfurter Blatt allerdings nicht. Kölnische Wirtschaft. Vor dem Schwurgericht in Berlin wird seit einigen Tagen ein Prozeß wegen Kindesunter Schiebung verhandelt. Solche Prozesse sind nicht ganz selten. Was in diesem Falle das Interesse des Publikums so mächtig angelockt hat, daß, wie man uns aus Berlin schreibt, lange vor Beginn der Sitzungen keine Einlaßkarte mehr erhältlich war, ist das Besondere, daß ein gräfliches Ehepaar, von altem polnischen Adel, sich gegen die Anklage verantworten Muß, das Majorat durch Vortäuschung eines Sohnes der auf dies einstige Erbe Anspruch besitzenden Seitenlinie entzogen zu haben. Der Prozeß hat eine gewisse kulturgeschichtliche Bedeutung. Insofern, als die Aussagen ein Bild von dem Leben und Treiben der heutigen polnischen Aristokratie entwerfen, von sittlichen und sozialen Anschauungen, wie sie in diesen Kreisen gang und gäbe sind, und dies Bild seltsam genau dem längst in: Volk feststehenden Begriff von „polnischer Wirtschaft" entspricht. In Grandseigneur-Manier, mit Schulden überladen, doch mit vollen Händen verschwendend, unbekümmert um den morgigen Tag, leben auch heute noch polnische Edelleute, wie sie anno 1848 Mich. Jordan in der Frankfurter Nationalversammlung schilderte. Der Ton, den sie untereinander im Verkehr an schlagen, ist noch heute derselbe, vor keiner Derbheit zurückschreckende. Tie polnischen Eigentümlichkeiten, von denen Geschichte und Ueberlieferung zahllose Beispiele aufbewahrt haben, erhielten sich „frisch ivie am jüngsten Tag". Es gibt natürlich auch Ausnahmen. Im allgemeinen aber ist der Prozeß geeignet, die Romantik, die hier und da noch mit dem Polentum und besonders mit der polnischen Aristokratie verknüpft schien, gründlich zu zerstören. In der harten, scharfen Beleuchtung des Gerichtssaales verschwindet der Zauber des Standesunterschiedes. Daß die gräflichen Angeklagten eine viel bessere Figur machen, als etwa ein bürgerliches Paar aus mittleren Kreisen in der gleichen Situation machen würde, daß sie eleganter, distinguierter sich benähmen, als andere Sterbliche, läßt sich nur dann behaupten, wenn man die Phantasie zur Hilfe nimmt. Personen aus der Verbrecherwelt, die sich als Hochstapler den Freiherrn- oder Grafentitel beigelegt haben, spielen oft noch auf der Anklagebank einen Kavalier von voll- eudeter Echtheit. ' Ueber 2U0 Zeugen aus den verschiedensten Schichten der polnischen Bevölkerung erscheinen, wie man uns aus Berlin schreibt, vor den Schranken des Gerichts. Eine Galerie von Charakterköpfen präsentiert sich in den Warteräumen und Korridoren des Justizgebäudes. Verschlagenheit und Gutmütigkeit, Beschränktheit und List, National- w.s.wrrjffw., wumi ui ■ ■ i. u.. mmiuiii uw.i stolz im ärmlichen Gewände und sklavische Ergebenheit, Aberglaube, ein hervorstechender Mangel an Sauberkeit und Ordnungsliebe, Lebhaftigkeit der Sprache, des Mienenspiels, der Handbewegungen, das alles p betrochsten, findet sich für den Physivgnomiker reiche Gelegenheit. Zeichner uni) Schriftsteller sind geschäftig, die Stud:en fest- zuhalten. Im Brennpunkt des Interesses steht der kleine, nicht mit ganz unberechneter Koketterie gekleidete Knabe, um dessen Sein oder Nichtsein als Gras Kwilecki und einstiger Majoratserbe dieser gewaltige Apparat aufgeboten werden muß. Wenn man die bunte Gesellschaft von Volkstypen eine Weile betrachtet hat, dann begre:ft man doch einigermaßen, daß es sür die Deutschen in den Ostmarken nicht gerade eine „Lust" ist, mit der polnischen Bevölkerung zu leben. Das sind harte, schwer zu behandelnde Köpfe; das ausgeprägte Bewußtsein, einer bevorzugten „Nation" anzugehören, erleichtert auch nicht das friedliche Auskommen. Dieser Prozeß dürfte ähnlich wirken wie ein Blick hinter die Kulissen. Er wird die Polendebatten, die im Reichstag und im preußischen Landtag an der Tagesordnung bleiben, dem Verständnis näher rücken. Die wortgewandten Verteidiger des Polentums haben stets sehr geschickt die Seite der Poesie anzuschlagen verstanden, ein Ton, der in deutschen Herzen so leicht ein Echo findet. Jetzt kommt die Wirklichkeit, die Prosa zu ihrem Recht. Uoütische Tagesschau. Tabaksteuer. Herr v. Thielmanu, so schreibt die „Köln. Bolks- z t g.", hatte zwei Saiten auf seiner Violine: Bier und Tabak. Wenn man beides in Angriff nahm, so konnte man vielleicht hoffen, beiden Artikeln nicht allzu. wehe zu tun, und somit durchzukommen. Herr v. Stengel aber hat nur eine Saite auf seiner Finanzgeige: den Tabak! Als geborener Bayer durfte es niemals wagen, eine Erhöhung der Einnahnlen des Reiches aus dem Bier vorzuschlagen; das ist doch «ganz klar. Tut er auch nicht! Bleibt also nur der Tabak. Es ist zudem bekannt, daß Herr v. Stengel, so lange er noch bayerischer Bundesratsbevollmächtigter war, immer nur für die Einführung einer Tabaksteuer Stimmung zu machten suchte. So fehU aber eine Erhöhungj der Biersteuer in Bayern verhaßt ist, so sehr ist eine Erhöhung der Tabaksteuer in Norddeutschland, verhaßt, zumal wenn das Bier freigelassen und dem Tabak alles aufgebürdet werden soll. Diese eine Saite auf der Finanzgeige des Herrn v. Stengel reißt also, sobald man sie zum Tönen bringen will. Man soll bei Berufung des Herrn v. Stengel geglaubt haben, durch sie die bayerischen Mitglieder des Zentrums den Finanzplänen tder bayerischen Regierung geneigter zu machen. Dann hat man übersehen, daß man dadurch alle norddeutschen Abgeordneten in demselben Maße noch vorsichtiger machen mußte, als sie schon waren. Die Besserung der Stimmung der Bayern ist augenscheinlich ausgeblieben; aber die Vermehrung der Bedenklichkeit der Norddeutschen Ist trotzdem eingetreten. Der „Vorwärts" behauptet, nach bestimmten Informationen soll in der Tat der Pban bestehen, die Tabaksteuer allmählich so zu erhöhen, daß Konsumenten und Vivisektion und Knmaniiätsduselei. Von ärztlich erSeitewirdnus ge s ch rieben : Im „Gieß. Anz." lese idjt daß im Wiener Ge- /neinberat und niederösterreichischen Landtag eine Agitation gegen die Vivisektion in den Instituten der Wiener medizinischen Fakultät zu behördlichen Maßnahmen aegen Experimentieren an Versuchstieren geführt hat und daß die medizinische Fakultät hiergegen Protest erheben mußte. So ist denn der Streit um diese Lebensfrage der meoizinischien Wissenschaften, nachdem man den ^r an f für ter Antivivis ektions- Kongr eß mit seinen faden Witzen ärztlicherseits nicht ernst hatte nehmen kömien, in ein akutes Stadium getreten. Es besteht ja kein Zweifel, daß die physikalisckMätetische Heilweise, die Wasser-, Licht-, elektrische, Bewegungs- und Massagetherapie gegenüber der medikamentösen an Boden bedeutend gewonnen und eine voraussichtlich noch größere Zukunft hat. Mer nicht nur um die Einrichtungen von Arzneimitteln zu erproben, ist ja der Tierversuch unumgänglich nötig. Auch um die Wiriungswerse der verschiedenen Arten des Lichts, um die Krancheitserschernungen, welche die vielen ihrem Wesen nach erforschten Krankheitserreger verursachen und die W-irksamkeit der zu ihrer Bekämpfung hergestellten Sera zu studieren, kann die medizinische Wissenschaft seiner nicht entraten. Alle diese Experimente kommen aber in letzter Linie dem Menschen zu gute. Ich erinnere nur an die Herstellung Schutzpockenlymphe, bereu Zubereitung, um die Gesundheit des ZwisckMträgers feststellen zu können, alljährlich einer großen Menge von Kälbern das Leben Lostet, an die Herstellung des Diphtherieheilserums, das P f c r b e in ihrem Leib bereiten helfen, an bie verschiedenartigen Versuche, ein Tuber kuloseschutz- unb -Heilserum zu finben, welche jetzt Be hrin g in großem Maßstabe betreibt, worüber ber „Gieß. Anz." ja bes öfteren berichtete. t x Alle biese Prozeduren müßte mau zu verbieten trachten, wenn mau als Gegner der Vivisektion konsequent sein wollte. Denn eine wirtliche Vivisektion, ein Zerschneiden von Tieren bei lebendigem Leibe, gibt es ja nur in ganz verschwind end er Zahl, die ist aber in manchen Fällen, in der Physiologie, also derjenigen Wissenschaft, welche die Lsbensvorgänge erforscht, unentbehrlich. Selbstverständlich werden Die hierzu verwendeten Kaninchen, Katzen und Fixköter meist chloroformiert, wo nicht die Anwendung des Chloroforms u. dgl. Bedingungen schafft, welche Veränderungen in den zu beobachtenden Organen Hervorrufen würden. Tas Antivivisektionsgeschrei ist nur geeignet, das große Publikum, welches von diesen Dingen keine Ahnung hat, zu erregen. "Vivisektion, Grausamkeit, Roheit, Martern sind die Schilagworte, welche geeignet sind, in unserem nervösen Zeitalter ohne weiteres Gruseln und Gänsehaut zu erzeugen. . ES ist eben selbstverständlich, daß die Wirksamkeit und Wirkungsweise von neuen Arzneimitteln re. erfordert werden muß. Da dies an Menschen ja mit Recht nicht geschehen darf, so bleiben eben nur die Tiere. Jeder verständige Mensch muß begreifen, daß, wenn das Tierexperiment verboten würde, die Möglichkeit, in der medizinischen Forschung fortzuschreiten, einfach undenkbar wäre. Daß man darüber ein Wort verlieren muß, ist nur durch die herrschende Unkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse erklärlich. Bei alledem ist ber Tierversuch ja nur ein sehr mangelhafter Ersatz für ben eigentlichen Zweck, bie Erforschung ber Wirkung am Menschen. Da er aber zum Besten bes Herrn ber Schöpfung bestimmt ist, so kann man bie ganze Antivivisektionsbewegung nur als zwecklose Humanitäts- bufelei bezeichnen, so lange bie Herren Vivisettionsgegner nicht in ber Lage s:nb, einen Ausweg anzugeben, wie man bie Wirkung neuentbeckter Bazillen, ' neuer Arzneimittel, neuer Lichtstrahlen, neuer Impfstoffe auf den tierischen Organismus ohne Vivisektion im weiteren <&inne erproben kann. Ein Ausweg läge ja für die Vivisektionsgegner, welche sich so warm ber armen Tiere annehmen, daß sie bar üb er das Wohl ihrer Mitmenschen vergessen, sehr nahe, ist aber m. W. noch nicht von ihnen vorgeschlagen worben. Vielleicht halten bie Herren mit mir Die Vollstreckung des Todesurteils für eine ziemlich rasch verlaufende Vivisektion. Wenn man den zum Tode verurteilten Verbrechern freistellte, ob sie lieber geköpft oder zu Versuchen für medizinische Zwecke sich her- geben und damit vielleicht am Leben bleiben wollen» so glaube ich nicht fehlzugehen in der Annahme, daß sie das letztere wählen würden. Und ich glaube, daß der Forscher, welcher an einem so wertvollen Versuchstier experimentiert, es so lang wie möglich am Leben erhalten dürfte. Damit wären verschiedene Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Einmal wäre dami: die Todesstrafe bis zu einem gewissen Grade abgeschafft. Zweitens könnte die Vivisektion wesentlich eingeschränkt und drittens die Beobachtung direkt am Menschen gemacht werden. < Wenn die Vivisektionsgegner diese Parole auf ihre, Fahnen schreiben wollen, so würden sie damit ihre bisher wohl ziemlich zwecklose Agitation in praktische Bahnen lenken, ihre Ideale würden verwirklicht, ohne die sonst unvermeidlichen Nachteile für bie leidende Menschheit und nicht nur ich, sondern die Nlehrzahl der Aerzte, wir würden uns ihnen anschließen. Bis dahin aber ist dies für unH von einem Gesichtspunkt aus, welchem das Leben ein«1 Menschen über das eines Kaninchens geht, unmöglich.*) *) Es ist bemerkenswert, daß der östr. Unterrichts» m in ist er v. Härtel dem Dekan der med. Fakultät zu Wien nach neuesten Meldungen erklärt hat, er werde jede Störung der medizinischen Forschungen und jede Behinderung notwendiger Dier-Experi- mente unterdrücken. Das Professorenkollegium der Wiener medizinischen Fa kultät veröffentlicht folgende Erklärung: Das medizinische Pro- fessorentollegium verwahrt sich entschiedenst dagegen, daß die Frage der Tierversuche (Vivisektionen) von untunbigen Personen in einer dazu nicht berufenen Körperschaft (Landtag) zum Gegenstand der Erörterung und Beschlußfassung gemacht werde, ferner dagegen, daß reine Unterrichtsangelegenheiten, wie die Beftellnng von Assistenten, die Tätigkeit von Professoren an Kliniken und medizinischen Instituten, endlich die amtlichen Gutachten von Professoren in leichtfertiger und gehässiger Weise besprochen werden. Es sieht darin eine fchwere Schädigung wichtiger, für das allgemeine Wohl bestimmter und für dasselbe ununterbrochen tätiger Institutionen. D. Red. d. „Gieß. Ai:z." Produzenten das Tab akmon-opvl als eine Art Er- lösung betrad)ten würden. . Diese Meldung möchten wir vorerst mit einem großen Fragezeichen versehen. Neber das Duell hat, wie fdxm kurz bcriddet, am Mittwoch die preuß. Generalsynode verhandelt und eine Resolution angenommen, die das Duell als Sünde erklärt. Diese Resolution aber fand auch Widerspruch in der Generalsy-node. Der Referent Landeshauptmann a. D. Graf v. Win hin gerade -Bodcnstein verteidigte das Duell. Er könne trotz seines Alters nickst dafür einstehen, ob er nicht auch zur Waffe greife, wenn ihm eine so schwere Beleidigimg zugefugt werde, daß sie nacy seiner Heberzeugung nicht anders gesühnt werden könne. Er meinte: Wer das Duell verwirft, muß auch die Notwehr für Verwerflid) halten. Landrat a. D. v. Gerlach - Vollenschier wandte sich besonders gegen den Passus der Resolution, der das Duell für „Sünde? erklärt. Auch er stellt das Duell der Notwehr gleich Ein Krieg sei auch ein Zweikampf zwischen zwei Kaisern oder Königen. Er erörterte die Frage, ob der Mensch zum Töten berufen ist, oder nickst, und berief sich auf das Kapitel 21 des 2. Buch Mose. (Auge um Auge, Zahn um Zahn.) Das Duell sei eine juristische, nicht eine theologische Frage. Das Duell sei auch Notwehr, sowohl, weiter nichts/" Die Synode sei gar nicht befugt und geeignet, über die Duellftage zu entscheiden. Professor Dr. Kahl-Berlin meinte dagegen: Der Beschluß, den eine kirchliche Versammlung, wie wir es sind, saßt, der kann nur lauten: „Das Duell ist Sünde." Hnd gegenüber einer .Wandlung, die wir als Sünde erkennen, darf es auch keinen Vorbehalt geben. Der Vergleich des Duells nnt der Notwehr sei verfehlt. Die Notwehr ist die Abwehr eines ganz unmittelbar vorher erlittenen Angriffes, das Duell ist die wohlüberlegte beabsichtigte Körperverletzung oder Tötung. Hofprediger a. D. Stöcker rief den Verteidigern des Duells zu: Sie werden gegerrüber der Umsturzpartei so lange mit gebrochenem Schwert fechten, so lange Sie das Duell mit dem Christentum vereinbar erklären. Und Sie haben doch eine große Aufgabe in dem Kampfe gegen die Sozialdemokratie, die die Ausführungen der Herren sicherlich für ihre Zwecke benutzen wird. Reg.- Präs. v. Jagow-Marienwerder hätte es für wünschenswert geilten, wenn die Herren ihre abweichenden Ansichten durch Sitzenbleiben dokumentiert hätten, wie das bet der Behandlung der Duellfrage in der vierten General- synode geschehen. Deutsches Deich. Berlin, 29. Okt. Der Kaiser hörte heute im Neuen -Palais die Vorträge des Kriegsministers v. Einem, des Chefs des Generalstabes Grafen Schlieffen, des Chefs des Militär-Kabinetts von Hülsen-Häseler. — Um 12 Uhr empfing der Kaiser den Pater Cornelius aus Prag zur Entgegennahme seines Werkes über Monte Cosimo. An der Frühstückstafel nahm auch der Reichskanzler Graf Bülow teil. — Laut „Staatsonz." verlieh der König dem Justrz- m in ist er Dr. Schönstedt die Brillanten zum Großkreuz des Roten Adlervrdens mit Eichenlaub. — Das Organ des Bundes der Landwirte, die „Dtsch. Dagesztg.", behauptet, es tauchten neuerdings wieder Gerüchte auf von Ma chen schäft en gegen den Reichskanzler. Man nenne sogar schon mehrere Herren als seine vermutlichen Nachfolger und beschuldige wieder die agrarisch-konservative Fronde, auf den Sturz des Grafen Milow hinzuwirken. Für diese Beschuldigung liege, so beteuert das Matt, nicht der Schimmer eines Beweises vor. Wenn jemand tatsächlich in Kan^lerstürzerei arbeite, so seien es Kanalschwärmer und unbedingte Handelsvertragsfreunde. Der agrarisch-konservativen Fronde könne man höchstens nachsagen, daß sie versucht habe, den Kanzler zu stützen, aber nicht zu stürzen. In allen Kreisen der sogenannten konservativ-agrarischen Fronde sei nicht das Mindeste von Kanzlerstürzerei bekannt. — Der Reichstagsabg. Hansen hatte aufreizende dänische Lieder in der Zeitung ,Zeimdal" veröffentlicht. Abweichend vom Schöffengericht erkannte das Landgericht im Hinblick auf die von der obersten Zivilbehörde von <Ähleswig-Holstein erlassenen Verordnungen vom 12. Juli 1865 und 26. August 1866 auf eine hohe Geldstrafe. Hansen sockst diese Entscheidung durch Revision an. Das Kammergericht erkannte indeffen auf Zurückveisung der Revision. — Der antis. Reichstagsabg. KröseN hat nicht nur auf sein Pfarramt, sondern auch auf die Rechte des geistlichen Standes überhaupt verzichtet. — Nach den Mitteilungen eines sozialdemokratischen Provinzblattes soll Assessor Simon in Militscb als Vorsitzender Richter in einer Schöffengerichtsverhandlung den Gendarmen, der Zeuge war, gefragt haben, wie es komme, daß er immer nur sozialdemokratische Flugblattverbreiter angehalten und angezeigt habe. Auf die Antwort des Gendarmen, das sei auf Anordnung des Landrats geschehen, soll der Assessor gesagt haben: „Hebei* die Zulässigkeit dieser Handlung entscheiden nicht die VerwaltungZbelstirdeu, sondern das Gesetz und die Gerichte; eine Mlsnah-me für die Sozialdemokratie gebe es nicht, denn diese sei eine gleichberechtigte Partei wie die freisinnige und konservative." Assessor Simon soll später von der V erwa.lt ung derRichter- stelle entbunden worden sein, zugleich soll der Minister verfügt haben, daß Simon niemals wieder eine besoldete Richter stelle erhalten dürfe. Der „Vorwärts", dem wir diese Mitteilung entnehmen, fügt selbst hinzu, daß sie nicht ganz richtig sein könne. Man wird also gut daran tun, mit dem Urteile zurückzuhalten, bis die Angelegenheit genügenb geklärt ist. — Der Zusammentritt des Reichstages ist nach der „Dtsch. Tagesztg." vorläufig für den 1. Dez. d. I., per des preußischen Landtages für den 12. Januar nächsten Jahres in Aussicht genommen. — Die „National-Ztg/" meldet, die deutsch-schweizerischen Handels Vertragsverhandlungen ständen vor dem Abschluß der ersten Lesung. Die zweite Lesung erfolgt erst im Dezember, vermutlich wieder in Berlin. — Von preußischen Gebietsabtretungen an Bremen berichtet der „Lok.-Anz.": Die Fama will wissen, haß es sich um einen ca. fünf Kilometer langen, 600 Hektar großen Landstreisen längs des Weserufers der Weser handelt, und daß die hierfür zu zahlende Entschädigung 1 Million Mark beträgt. München, 29. Okt. Die Abgeordnetenkammer beendete die Generaldebatte des Etats des neuen Ver- kehrsministeriums. — Eine Maßregel gegen dasSchwänzen soll demnächst in der bayerischen Ab g e o rdn e t e n kam m er getroffen werden. Um das gewohnheitsmäßige Schwänzen gewisser Abgeordnetenkreise, namentlich bäuerlicher Zentrumsmänner und Sozialdemokraten, hintanzuhalten, oll bei allen Abgeordneten, die länger als fünf Sitzungen unentschuldigt fehlen, die TagegelderZahlung (10 Mark) eingestellt werden, ebenso bei Abgeordneten, die mit genügender Entschuldigung mehr als 14 Tage ern bleiben, und bei Beurlaubten bis zu ihrer persön- ichen Wiederanmeldung. Reick)stagsab geordnete, die zugleich dem Landtage angehören, bekommen für die Dauer der Abwesenheit zu den Reichstagsverhandlungen ebenfalls keine Tagegelder mehr, lieber die Anwesenheit der Abgeordneten wird ein Verzeichnis ge- ührt, in das sich die Abgeordneten täglich persönliche einzuzeichnen haben. Ausland. Paris, 29. Okt. In der Arbeitsbörse fand heute vormittag eine zahlreich besuchte Versammlung von Handlungsgehilfen statt, die sich für Abschaffung der SteUenvermrttelungsbureaus aussprach Die Polizei wollte die Teilnehmer art der Versammlung jerftreuen. Diese chleuderten Steine, Tische, Stühle und Gläser gegen die Beamten. Der Lärm dauerte eine halbe Stunde. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Schwefelsäure wurde auf die Polizeibeamten herabgegossen, welche an den Händen und im Gesicht Brandwunden erlitten. Versailles, 29. Okt. Del c ass6 gab heute dem Grafen Lamsdorff ein Frühstück Es waren geladen der russische Botschafter in Paris, Urussow, der Sekretär Lamsdorffs, der Konservator der Museen in Versailles und der Architekt des Schlosses. — In der nächsten Umgebung des Ministers des Aeußern ist man von dem Besuch des Grasen Lamsdorff sehr entzückt, weil das Handschreiben des Zaren an den s Präsidenten Loubet, wie hier an kompetenter Stelle ver- ichert wird, tatsächlich in ganz besonders warmen Ausdrücken abgefaßt war und die Freude über die Fortdauer der intimen Beziehungen zwischen beiden Regierungen in einer überraschend temperamentvollen Form ausspricht. Trient, 29. Okt. Gegen 200 italienische Studenten österreichischer Staatsangehörigkeit, die an dem Jrredentistenkongreß in Udine teilgenommen hatten, wurde der Hochverratsprozeß eingeleitet. Petersburg, 29. OU. Durch Auskünfte von beglaubigter Quelle wird festgestellt, daß die russisch-ja- lanische Kris e ernstlich auf dem Wege sei, bei gelegt zu werden. Aie ArSeiterunruhen in Bilöao. Nach den neuesten amtlichen Nachrichten über die Vorgänge in Mlbao (Spanien) begingen die Ausständigen am Mittwoch Gewalttätigkeiten in den Markthallen, Bäckereien und Kaufläden. Sie errichteten Barrikaden auf der Brücke San Antonio. Als letztere durch Militär gestürmt war, zerstreuten sich die Ausständigen nach allen Richtungen. Ferner drangen Ruhestörer in einen Kramladen und plünderten ihn. Sie bemächtigten sich eines Hauses und verschanzten sich in demselben, um sich gegen Polini Und Militär zu verteidigen. Die Zahl der Toten während des gestrigen Tages beträgt 5 nach Angaben der Militärbehörde, 7 nach denen des Präsekten. General Zappino tras mit einem Regimente Infanterie, zwei Eskadrons Kavallerie und einer Batterie Artillerie ein. Der Anblick der Stadt ist kläglich Brot fehlt. Die Lokomotivführer und Heizer drohen, sich dem Ausstande anzuschließen. Die Zeitungen sind nicht erschienen. In Arenas erstürmten die Ausständigen das K l o st e r der Trinitarier. Die Mönche flüchteten. Das Militär antwortete aus die Angriffe der Ausständigen mit Salven. Einige Personen wurden auch dort getötet, mehrere verletzt. Unter den letzteren befinden sich einige Soldaten. In dem Dorfe Sederpe warfen die AusstÄrdigen mit Steinen nach dem Wagen eines Fabrikbesitzers und verletzten den Kutscher. In der Kammer bezeichnete Salmeron die Tötung der Arbeiter bei den Zusammenstößen mit den Soldaten in Bilbao als Mord und verlangte die Entsendung einer Kammer-Kommission nach Bilbao, die dahin wirken solle, daß der Konflikt beendet werde. Ministerpräsident Billaverde erklärt, ein solcher Antrag würde die Kammer in einen Konvent umwandeln. Er 'verlangt volle Freiheit für sein Vorgehen und Verantwortlichkeit für seine Handlungen, über die die Kammer später urteilen könne. — Der Ministerrat beschloß, drei Kanonenboote nach Mlbao zu entsenden. IM Senate erklärte der Minister des Innern, alle Fabriken würden von Polizeibeamten beschützt. Der Minister erklärte dann, daß bei den Zusammenstößen 4 Arbeiter getötet, 15 Arbeiter sowie ein Leutnant, ein Unteroffizier und 2 Gendarmen verletzt worden seien und sagte schließlich, der Konflikt sei immerhin noch nicht beigelegt- Er werde andauern, so lange der Ausstand fortbestehe. Aus Stadt und Land. Gießen, den 30. Oktober 1903. * * In der nicht öffentlichenSitzung der Stadtverordneten wurden den städtischen Arbeitern Gratifikationen zur Anschaffung von Winterbedürfniffen in der Höhe von 2200 Mk. bewilligt. " Polizei bericht. Einem auswärtigem Herrn wurde gestern abend, während er sich in einer Wirtschaft in der Neustadt aufhielt, sein im Hofe stehendes Fahrrad entwendet. — In der Nacht vom 28. auf den 29. ds. Mts. wurde die über der Eingangstür eines hiesigen Restaurants befindliche Gaslaterne mutwilligerweise zerschlagen. Der Täter ist ermittelt und Anzeige gegen ihn erhoben. • • Berufung. Wie wir hören, haben sowohl der zu 12 Monaten Gefängnis verurteilte Vizefeldwebel Jeckel wie der Gerichtsherr Generalleutnant Frhr. v. Gall Berufung gegen das Urteil des hiesigen Kriegsgerichts eingelegt. Die Berufungsverhandlung findet demnächst vor dem Oberkriegsgericht zu Frankfurt statt. * * Maria von Magdala-Ausführung. Nachdem die nötigen neuen Dekorationen vom Theater-Verein bei dem Atelier Falck in Berlin in Bestellung gegeben sind und voraussichtlich in Bälde hier eintreffen werden, ist die Aufführung dieses hochinteressanten Heyse'schen Dramas auf Dienstag, den 17. November — als zweite Theatervereinsvorstellung — festgesetzt. Vormerkungen von Plätzen werden von jetz an von Herrn Challier entgegengenommen. Die Nachfrage nach Plätzen wird ja sicher außerordentlich,. groß sein. Als 3. Theatervereinsvorstellung werden Anzengrubers „Kreuz el- chreibcr„ mit Herrn Bauer aus Frankfurt a. M. gegen Ende November in Szene gehen, und endlich ist soeben ein Vertrag mit der Agentur Ledner in Berlin abgeschlossen worden, durch welchen Frl. Triesd) gelegentlich ihrer größeren Gastspielreise im Januar zu einem Gastspiel im Theaterverein am Mittwoch, den 6. Januar verpflichtet wird. () Dutenhofen (Kr. Wetzlar), 29. Okt. Die hiesig« Gemeinde hat mit der Königlichen Cisenbahn-Direktion zu Frankfurt einen Vertrag abgeschlossen, wonach der Haltepunkt Dutenhofen zu einer Haltestelle mit Güterverkehr erweitert wird. Ms Gegenleistung zaylt die Gemeinde zu den Kosten der neuen Einrichtung einen Barzuschuß von 15 000 Mark unter gleichzeitiger kosten- und lastenfreier Stellung des zu den Erweiterungsbauten erforderlick)en Geländes. Diese Güterverladestelle wird neben Duten- bösen auch den umliegenden Nachbargemeinden Klein- Linden, Lützellinden, Münckcholzhausen sehr willkommen ein. R.-B. Darmstadt, 29. Okt. (Eigener Draht* bericht.) Entgegen den Meldungen einer Frankfurter Korre- pondenz erfahren wir aus sicherster Quelle, daß der Kaiser nach dem Bestich in Wiesbaden nicht nach Darmstadt, ändern nur nach Wolfsgarten kommt, wo er am 5. November nachmittags eintreffen wird. Graf Bülow kommt nicht mit nach Wolfs garten. Die deutsche Kaiserin kommt bestimmt nicht nad) Wiesbaden. Worms, 29. Okt. Heute vormittag trafen, so teilt die „Worms. Ztg." mit, Se. Maj. der Kaiser von Rußland nebst hoher Gemahlin, der Großherzog von Hessen, Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen und Prinzessin Battenberg mit Tochter per Automobil von Wolfsgarten in Worms ein, um Ausgrabungen auf einem dem Reichstagsabgeordneten Freiherrn Heyl zu Herrnsheim gehörigen römischen und fränkischen Gräberfelde anzuwohnen. Die Fahrt von Wolfsgarten bis Worms dauerte zwei Stunden. An der Emst- Ludwigsbrücke war Frhr. Dr. Cornelius v. Heyl den hohen Herrschaften ebenfalls mittels Automobils entgegengefahren. Auf dem Gräberfelde der Heyl'schen Fabriken waren bereits seit mehreren Tagen römische und fränkische Gräber blos- gelegt worden und zwar vier Steinsärge und acht römische Holzsärge, ebensoviele fränkische. Der Zufall hatte es gewollt, daß die Ausgrabungen vom Glücke begünstigt waren; es wurden sehr schöne Älasgefäße, Bronzen, Krüge, Schmucksachen (Armbänder, Perlen, Gewandnadeln 2C.) und fränkische Waffen gefunden. Das Interesse, das den Aufdeckungen entgegengebracht wurde, war sehr rege; bei verschiedenen Gräbern stiegen der Kaiser von Rußland und der Großherzog selbst in die Grube, um Fundstücke zu Tage zu fördern. Die einzelnen von den hohen Herrschaften ausgegrabenen Gegenstände werden dem Zaren und dem Großherzog als Geschenke des Freiherrn von Heyl zugesandt werden. Sämtliche hohen Herrschaften sprachen sich äußerst befriedigt aus und betonten besonders ihre Freude, eine solch reiche Fülle von Gräbern und Fundgegenständen an dieser einen Stelle hier vereinigt gesehen zu haben. Die hohen Herrschaften begaben sich hierauf zu einem Frühstück in den Heylshof, von wo die Rückfahrt mittels Ertrazuges um 3 Uhr 15 Min. nach Wolfsgarten erfolgte. Der Heylshof hatte zur Feier des festlichen Tages Flaggenschmuck — deutsche und hessische Fahnen — angelegt. — In den nächsten Tagen wird Bildhauer Hirt mit seinem Gesamtentwurf für das Küchlerdenkmal in Worms eintreffen. Der Entwurf wird alsdann in dem kleinen Festhaussaale zur Ansicht und Begutachtung aufgestellt werden. 8. Gladenbach, 29. Okt. In der letzten Stadtverordneten - Versammlung wurde eine Mitteilung des Regierungspräsidenten in Koblenz bekannt gegeben, wonach ein Abschluß über die Nebenbahn Gladenbach— Hohensolms — Wetzlar in nächster Zeit noch nicht in Aussicht gestellt werden kann. Es entspann sich darüber eine lebhafte Debatte; u. a. wurde erwähnt, man habe inzwischen die den Verkehr ablenkende Biebertalbahn und die Bahn Gladenbach—Herborn gebaut und daraus erkläre sich die Unzufriedenheit unter den Bürgern, die mit Recht das Nachlassen der Märkte der Stadt Wetzlar auf diese Ursachen zurück- sührten. Es wurde von der Versammlung beschloßen, eine erneute Eingabe an die Behörde zu nchten. Kassel, 28. Okt. Heute fand hier eine Versammlung der deutschen Kornhaus-Kommission statt. Sämtliche deutsche Kornhäuser waren durch Delegierte vertreten. Aus den internen Verhandlungen ist hervorzuheben, daß über die Erneuerung der Mietsverträge der staatlichen Getreidelagerhäuser beraten wurde, ebenso über die Bildung der Getreidepreise, Trockenapparate, maschinelle Einrichtungen, Kostenfragen u.s.w. Ferner hielt der Direktor des Instituts für Gärungsgewerbe, Hoffman-Berlin, einen Vortrag über verschiedene Neuerungen auf einschlägigem Gebiete, wobei er insbesondere betonte, daß im Berliner Versuchskomhaus neuerdings ein Trockenapparat ausgestellt fei, welcher die Fähigkeit habe, auch das feuchteste Getreide wieder in den trockenen Zustand überzuführen. Diese Mittellung wurde von den anwesenden Landwirten mit Interesse aufgenommen. UermiWes. » Ko bürg, 29. Okt. Das Automobil des Großfürsten Cyrill von Rußland, in welchem dieser und die Großherzogin Victoria Melitta saßen, üb erfuhr bei Krumfeld das Gespann des Barons Düngern. Der Kutscher wurde herausgeschleudert und erlitt schwere Rippenbrüche; die Pferde gingen durch. * Breslau, 29. Okt. Aus Laurahütte wird gemeldet, daß der Grubenhauer Buchta dort gestern nacht eine ganze Hochzeitsgesellschaft mit Dynamit in die Luft sprengen wollte. Der Pferdekneckst Oleiok feierte seine Hochzeit mit der Tochter des Schaffners Goi. Buchta, der die Goi auch als seine Ehefrau heimführen wollte, feuerte nun während der Hochzeit zwei Explosionsschüffe auf die Goi'sche Wohnung ab. Einem Zufall ist es zu danken, daß beide Schüsse ihren Zweck verfehlten und nur eine Anzahl Fensterscheiben und ein Teil des Mauerwerks des Hauses zerstört wurden. Der Täter wurde verhaftet. * London, 29. Okt. In der Nähe von Hakodate (Japan) fand infolge Nebels ein Zusammenstoß zwischen u. bestrafen. TeBephomscher Kursbericht. . 26.86 3ü/q Mexikaner Tendenz: schwächer. 6*2 um 7 8 103.90 52.75 81.90 37.20 140 80 43.80 Schlußkurse. 209.80 219.40 145.12 189.12 199.25 91.80 111.20 104.90 210.20 196.40 144.50 154.00 162.80 143.00 16.60 190.00 237.00 189.00 189.90 Kommunion. Seelenamt für alle Verstorbenen der Reicheanleihe do. Konsole • do. . . Hessen Oberhessen 3Va% 3°/o 3'/,°/o 8% 3V6% . 102.10 . 90.95 . 102.00 . 90.85 . 100.00 . 100.20 . 102.10 bar verstümmelt, tot aufgefunden. " Newyock, 29. Okt. Bei Dean in Iowa ereignete /ich ein Eisen bahn Unfall, bei dem der Heilsarmeeobcrst , Holland sofort getötet wurde. Frau Booth-Tucker von der Heilsarmee wurde schwer verletzt und starb später.y Ferner wurden noch 15 Personen verletzt, darunter zweil lebensgefährlich. * Mit seiner Schwiegermutter durchgebrannt ist der Reservist S. aus Potsdam, der nach Beendigung der Manöver als Sergeant aus dem Dienst getreten war. S. war mit der 18jährigen Tochter des Potsdamer Hauseigentümers A. verlobt. Frau A., die selbst noch in den besten Jahren steht, hatte sich bei den häufigen Besuchen des stattlichen Marssohnes in diesen verliebt. Als er das letzte Mal in der Wohnung der Schwiegereltern erschienen war, hatte Frau A. dafür gesorgt, daß weder Gatte noch Tochter anwesend waren; wohl aber hatte sie sich vorher reichlich mit Geldmitteln versehen. Das Ende war, daß Frau A. nut dem Sergeanten verschwand. Bisher ist es dem betrogenen Ehe- manne und der getäuschten Braut nicht gelungen, den Aufenthaltsort des ungleichen Liebespaares zu ermitteln. • Vorsicht beim Alleinlassen von Kindern! In dec Wohnung des Arbeiters August Siepert in Berlin brach Feuer aus, wobei die Kleider der vierjährigen Tochter, die mit ihren beiden jüngeren Geschwistern allein in der Wohnung war, in Brand gerieten. Auf das Geschrei der Kinder drang ein Nachbar in die verschlossene Wohnung und löschte den Brand. Das schwer verletzte Kind wurde nach dec Sanitätswache IX und von dort nach dem Krankenhause I am Urban gebracht, wo es bald nach der Ankunft starb. — Ein Unfall aus ähnlicher Ursache ereignete sich in Leipzig. Den Tod durch Ersticken bezw. durch einen Genickbruch fand das im zweiten Lebensjahre stehende Söhnchen eines in der Merseburgerstraße zu Leipzig-Lindenau wohnhaften Markthelfers. Am Montag abend verließ die Mutter des Kindes auf kurze Zeit die Wohnung, als das Kind bereits im Bett! lag und schlief. Um ein Heraussallen des Kindes zu ver-’ hüten, steckte die Frau, wie es sehr oft gemacht wird, das Plättbrett in das Bett. Da das Brett länger war, stand es aus einer Seite etwas in die Höhe. Als die Frau zurückkehrte, fand sie das Kind in ganz eigenartiger Lage tot vor. Das Gesicht des Kleinen steckte in den Betten, der Hals befand sich in dem Zwischenraum zwischen Brett und Bett, die Beine hingen nach unten. Das Kind war offenbar in der Zeit, als die Mutter sich entfernt, erwacht und es hatte zum Bett herausklettern wollen, wobei es stecken geblieben ist und so den Tod gefunden hat. 41/ag/o Chinesen . . Electric. Sohnckort . Nordd. Lloyd . . Kreditaktion . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . « Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden , . < Gotthardbahn . . . Lanrahütte . . . Bochum . . . . Harpen er . . . 4°/a Italien. Rente . . . 4‘/2% Portugiesen . . . Portugiesen. . . . . 1% C. Türken . . . . Türkenlose 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 41/,% äussere Argentiner UliwerMts-NilchrichieA. — Durch Erlaß des Kaisers vom 6. Oktober wurde Professor Niehues für die Universität Münster ins preuß. Herrenhaus berufen. — Israelitische Rcligrousgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage. Samstag, den 31. Oktober 1903. Vorabend 4.45 Uhr. M o r g e n s 9.00 Uhr. Nachmittags 3.30 Uhr. Schrifterklaruug. Sabbathausgang 5.5" Uhr. —— Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Berliner Börse vom 29. Oktober 1903. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 3 7, Prozent. Anfangs- Oest. Kredit .... 209.90 Deutsche Bank . . . 219.40 Darmstädter Bank . . ™.7O Bochumer Guß . • . ^9.25 Harpener Bergbau . . 200.60 Schluß-Tendenz: Schwach. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 21. Sonntag nach Trinitatis, den 1. November. R e f o r m a t i o n s f e st. Kollekte für die Gustav Adolf-Stiftung. G o t t e s d i e n ft. In der Stadtkirche. Vormittags 9>/r Uhr: Professor D. Drews. Abends 5 Uhr: Pfarrer Schlosser. Beichte und heil. Abendniahl für Matthäus- und Markus- gemeinde. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten, für die Markusgememde bei Pfarrer Dr. Naumann, Südaiilage 8. Abends 8 Uhr im Konftrmandensaal: Vereinig iln g d e r konfirmierten m ä nn 1 i ch e n I u g e n d d e r M a 11 h ä u s° I gemeinde, ivozu auch die Neukonsirmierlen eingeladen werden. Die A n m e l d ii n g der Konfirmanden aus der Markilsgenieinde wolle man vornehnien am Donnerstag u ri d Freitag, den 5. und 6. November, jedesmal nachmittags von 3 bis 7r7 Uhr, bei dein neu ernannten Pfarrer Schwabe, und zwar im Pfarrhaus, S ü d a n l a g e 8. In der Johanneskirche. Vormittags 97» Uhr: Pfarrer Euler. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Lukas- gemeinde. Pfarrer Euler. | Abends 5 Uhr: Pfarrer Dr. Nau m a n n. Beichte und heiliges Abendmahl für die Lukas- und die Johannesgemeinde. Anmeldungen vorher bei deni Pfarrer jeder Gemeinde erbeteii. . , PJ Montag, den 2. November, abends 8 Uhr: B i b e l st u n d e im Konfirmändensaal der Johanneskirche. Pfarrer Eule r.. Tie diesjährige Dekanatssynode wird am Mittwoch, den 4?November, in Gießen abgehalten. Im Eröffnungsgottes- dienst, der vormittags 9 Uhr in der Johanneskirche ftaltfinbet, predigt Pfarrer Gluck aus Heuchelheim. Hieran schließen sich um 10 Uhr die Verhandlungen an, die im Konsirmandensaal der Johanneskirche gehalten werden und öffentlich sind. Freitag, den 6. November, nachmittags 57, Uhr, findet im Konsirmandensaal der Johanneskirche Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Lutasgemeinde statt. Pfarrer Eule r. Katholische Gemeinde. Samstag, den 31. Oktober 1903. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte. Sonntag, den 1. November. Allerheiligen. Vormittags von 6 7» Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. . um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Anstellung der heil. Kommunion. „ um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. Militärgottesdienst mit Predigt. „ um 9 7, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht. Nachmittags um 5*/2 Uhr: Rosenkranz-Andacht mit Segen, darauf Predigt und Andacht für die Ab- Neueste Melduugeu. Originaldrahtmcldungcn des Gietzcner Anzeigers. Berlin 26. Okt. Die Vereidigung der polnischen Keuaen int Pr o ze ß gegen die Gräfin K'w i l c cklvrrd von^heute ab unter Anwendung der von diesen gewohnten heimischen Zeremonien erfolgen. Aus diesem Anlaß ts ein Beipult und ein Kruzifix aus dem ^esangnts vr tat Sclmmraerickttssaal gebracht worden. An dem Betstuhl knieend werden dann die Zeugen in Anwescnh^t eines polnischen Geistlichen die Eidesformel ftc der Geistliche vorher noch einmal m nachdrücklicher -Weife auf die Heiligkeit und Bedeutung der vorzunehmende« eÄ $3W Lessingtlf-eater wurde das vicr- aktrge Drama „Z a p f e n st r eich" von B e her ter n (dem Verfasser von „Jena oder Sedan ) nut starkem Beifall dem deutschen Dampfer „Progretz- und dem der Nippen yusen Kaishalinie gehörenden Dampfer »Tekai Marn* statt. Letzterer sank. Die Zahl der Paffagiere und Mannschaft betrug 100, von denen 56 gerettet wurden. Paris, 29. Okt. Der ehemalige Bankbeamte Kurt Groß, der wegen Veruntreuung von 30000 Frcs. ' Äum Schaden eines Berliner Hauses verfolgt wird, ist hier aus Reqmsttion der deutschen Behörden verhaftet worden. Von der Summe wurde nur ein kleiner Teil vorgefunden. I » Paris, 29. Okt. Dem „Rappell" zufolge ist die frühere Kronprinzessin Luise von Sachsen schwer er. krankt und soll beabsichtigen, nach Lindau in das Schlag ihres Vaters zurückzukehren. Der Kronprinz von Sachsen babe sich telegraphisch nach dem Befinden der Prinzessin er- kündigt und die Absicht geäußert, sie dort zu besuchen. • Paris, 29.Okt. Als die Deputierten das Palais Bourbon verließen, schoß eine Frau, die am äußeren Gitter des Gebäudes stand, mit einem Revolver in die Lust. Die Frau wurde verhaftet; sie scheint geistesgestört zu sein.! Sie erklärte, sie sei von Grenoble gekommen, um in Paris Rechtsansprüche vor den Gerichtsbehörden zu verfolgen. * Wien, 29. Okt. Der^ hiesige Gynäkologe Professor Ghrebak wurde nach Luzern zu der erkrankten Gräfin Lonyay berufen. * Berchtesgaden, 29. Ott. Bet den Jagden des Prinzregenten Luitpold am Kammerlinghorn wurde, ein 70jähriger Treiber von einer stürzenden Lawine ersaßt und die steilen Abhänge hinabgeschleudert. Er wurde, furcht- Dic irrige Meinung, daß ein ttichttger Schnupfen gesund sei und den Ausbruch anderer Krankheiten verhüte, ist zu verwerfen' Der Schnupfen ist eine Krankheit wie jedes andere körperliche Leiden und muß sofort energisch bekämpft werden. Ein vernach- lcffsigter Schnupfen hat oft die schwersten Komplikationen im Gefolge, namentlich bet Kindern und Personen mit zarter Konstitution. Deshalb muß jeder Schnupfen vorn ersten Tage an sorgfältig behandelt werden. Als Mittel ist „Forrnan" anzuwenden, der Schnupfenäther, der ärztlicherseits mehrfach als geradezu idea l es Schnupf en mi t te l bezeichnet wurde. Forrnan ist em Konden- sationsprodttkt aus Formaldehyd und Menthol. Seine Anwendung ist eine sehr einfache. Bei leichtem Schnupfen genügt die forrnan- walte, die in kleinen, wohlfeilen Dosen verkauft wird, bet starkem Schnupfen wird der Formanälher (in Pastillenfonn) mittelst emes kleinen Riechgläschens inhalirt. Das Eigenartige seiner Lbtrkungs- wetse ift, daß das Mittel fast momentan eine Erleichterung un Köpfe und in den Nasengängen verschafft. Spart. — Lon don, 29. Okt. Thomas Lipton richtete am 27. Oktober ein Telegramm an den deutschen Kaiser, m dem er pcy erbot, den Pokal, den er für die i n t e rm a t to na 3ßfl wettfahrt über d en atlantischen Ozean gesttstet habe, mrückzuziehen, da er gehört habe, daß der Kaiser^ em abnhd)eö Anerbieten gemacht habe. Lipton fügte htnzu, dal; 5wet Rennen in demselben Jahre den Wünschen der Wettbewerber mcht cnt- sorechen würden. Kaiser Wilhelm erwtderte am 28 Oktober unter warmer Anerkennung des fportsmamuschen tahalten^ i Livtons, daß er allerdings durch den deutschen Botsaiafter tn Washington einen Pokal für die Wettfahrt über den Ozean zur Verfügung gestellt habe, daß er aber das m so rttterlicher Werse angebolene Zurücktreten Liptons im Interesse des schönsten Spor tes der Well gern annehme. -------- GerWssM. — Ein weiblicher Dippold. Wegen barbarischer Kindesmißhandllmg wurde von dem Schwurgerichtshofe m Exeter eine 40 jährige Frau namens Frances Alary ^.ay zu sechsnwnat- lichem schweren Kerker verurteilt. Die entmenschte Mutter, die zwei ihrer fünf Kinder, die 14 jährige Joan und dre 10 jahcrge Lychms, mit geradezu bestialischer Grausamkeit guälie, war ehemals Er- riehernl und ist eine sehr gebildete, mehrere ^prachei^ vollkonunen beberrfchende Frau/ Sie hatte eines der Kinder oft -rage lang m einem kleinen engen Kasten, woriir es weder llegen iroch stehen tonnte, eingesperrt gehalten, hatte es in kalten Llnternachten unbekleidet an den Gartynzaun angebmiden und die ganze Jcacot , 30. Okt. Bei der hiesigen Erstausführung erzielte Fritz Lienhards „Heinrich von Ofterdingen" starten, von Alt zu Akt stergenden Erfolg. Lo n d er sh au s e n, 30. Okt. Zwrfchen,einem arift^ kra tischen Herrn und dem Oberförster Ob art fand im Walde ein Duell statt, bei welchem Ebairt durch einen Schuß in den Unterleid verwundet wurde. L. Lissabon, 29. Ott. Wrzlich wäre es Heer beinahe zu einer p ex en ver b r e n n u ng gekommen, wenn die Polizei nicht noch rechtzeitig aus der Bildfläche erschienen, wäre. Eine Frau Maria da Eoncerdao stand nall)i । Ansicht ihrer getreuen Nachbarn und desgleichen nut dem, Gottseibeiuns un Bunde und fügte mit Hilfe dieses geschwänzten Gesellen ihrer 'Rachbarschast allerlei Unyerl zu. Deshalb rottete sich die Menge zusammen, um die „d^exe 12u verbrennen. Man drang in die Wohnung der ahnungslosen Frau ein, schlug alles kurz und klein und errichtete aus den Trümmern einen Scheit er hau f en. Dann band man der vom Teufel Besessenen Hande und Fuße, leM sie oben auf den H^aufen imb zündete ihn an. Die in^mschen benachrichtigte Polizei kam gerade noch recht, um die Unglückliches die bereits das Bewuptsem verloren hatte, vor dem Schlimmsten zu bewahren. Petersburg, 30. Okt. Die Ehunchusen überfielen bei der Station Fulardi einen Frachtdampfer, metzelten die ganze Bemannung nieder, griffen sodann zwei russische Wachtposten an mW töteten 45 Mann der Wache. Als 200 Mann der Bahnwache mit 2 Geschützen zur Bestrasuug der Ehunchusen am Tatorte emtrafen, hatten sich dieselben verschanzt, sodaß aus Charbin Verstärkung herbeigeholt werden mußte, um die Räuber zu Arbeiterbewegung. — In N e u n k i c ch e n i. Wests, kam es zu skandalösen Vorgängen. 15 Bahnarberter hatten die Arbeit eingestellt und begaben sich nach der Wohmrng des Bauführer^, wo sie sich gewaltsam Einlaß verschafften. Die Tumulte wurden! derart bedrohlich, daß die Polizei mit blanker Waffe enychreiten und Gendarmen telegraphisch herbeigcholt werden mußten. Mehrere Personen wurden verletzt, die-Hauptradelsfuhrer sind verhaftet word P'a x is 29. Okt. Die Arbeiter, welche in der Nahrungsmittelbranche beschäftigt sind, hielten heute nachmtttag abermals eine Sitzung in der Arbeiterbörse ab m deren Verlauf Drohrufe auf den Alunizipalrat, den Polizciprasekten und die Polizisten aus- gestoßen wurdeii. Als eine Flasche aus dem Fenster der Arbeiter- börse geschleudert wurde, wodurch em P olizrft verle tzt wu de, zog die berittene Munzipalgarde blank und ruckte vor. In diesem Augenblick wurden etwa 10 Flaschen aus !den Fenstern geschleudert, ohne icmand m treffen. Im Verlawe des darauf entstandenen Hand- gemeLandem'etwa 40 Personen und wurden mehrere, die aus der zweiten Etage der Halle der Arbeiter börse herabsprangen, verletzt. Tie Polizei rarnte spater die Arbetter- börse und nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Barcelona, 29. Okt. Infolge des Ausstandes der Gasarbeiter feiern aiich 15 000 Arbeiter anderer Industrien. Lemberg, 29. Okt. „Slowopolstt" zufolge wurden gestern in Stanislmr bei Ausschreitungen von Arbeitern aus Anlaß der Wahlen zur Bezirkskrankenkasse em Zchuler getötet, em Sicherheitswachmann schwer verwundet. Zur Wiederherftellmig der Riihe mußte Wlilitär einschreiten. _— gestorbenen. Montag, den 2. November. Allerseelen. Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegeichell zur heil. Beicht. Uhr: Die erste heil. Aiesse. Die zweite heil. Messe, vor und in jeder " heil. Messe Aiisteilnng der heil. Bereinigte Kunftseidenfabriken, Aktiengesellschast Fran»- surt a. M. Diese Gesellschast, die im Jahre 1900 gegründet wurde, mit einem Kapital von 27, Attllionen Mk arbeitet und deren Aktien an der F-rankfurter Börse eingefuhrt sind, soll gegenwärtig so glänzend beschäftigt fern, daß die Auftrage kaum bewältigtwerden können. Für das laufende Jahr wird ein ungewöhnlich günstiger Abschluß erwartet. Die bis zetzt gezahlten Tividendeii betrugen 5, 8 und 9 Proz. Die Aktien sind , im Juli v. Js. zum Kurse von 125 Proz. an der Frankfurter Börse em- aesührt worden und notiren gegenwärtig ca. 240 Proz., wahrend | sie noch anfangs d. Mts. 178/r Proz. standen! Drese ganz un-: natürliche Kurstreiberei, selbst bei den allerbesten Aussichten, soll daher kommen, daß der Begehr des Piiblikums nach den Aktien ein sehr großer ist, das Material aber sich tellwei e m festen Händen befindet und sehr schwer Stüde zu bekommen sind. Märkte. S Butzbach, 29. Okt. Der heutige ^roeinemarft war mäßiger als sonst befahren und besucht^> Es kostete das Paar Ferkel 35—40 Mk., Emlegeschweine 75 —100 Mk., ;e nach Qualität. " 1 Pfarrei. Nachmittags um 6'/. Uhr: Rosentranz-Andacht mit Segen. Schluß des Rosenkranzgebetes. über im Freien gelassen, hatte dem anderen snnoc einen Fmger fast qäiizlich abgebissen, weil er Achmutzig^ war, es an Armen und Beinen gefesselt, an einem Balken aiifgehangt und Stunden lang hängen lassen. Diese ^ur^^tbnl;en erregten die Be- völkerung der Stadt Exeter so sehr, day grope Menscheiimaffen vor dein Gcrlchtshause, als die Verurteilte ins Gefängnis gebracht werdeii sollte, eine drohende Haltung gegen sie annahmen und nur diwch polizeiliche Intervention von Tätlichkeiten abgehalten werden konnten. I Wetterbericht vom 29. Oktober. Verlauf der Witterung von Mittwoch bis Donnerstag. Das über England lagernde Tief ist unter starker Abflachung nach der Alpenl,°g°nd fle5ogcn 63 »ciurfad)te '”=9™ feiner schwachen SluSbilbunq bei einer Winddrehmig von 6ub über £D|t nach Nord nur Bewölkung, das Weller blieb trocken. Ein neues Ties ist übet Irland erschienen und durste uns wegen der östlichen Lage des Hochs kaum beeinflussen. Jin Nordosten Europas herrschte I strenge Kalte>eita unb Samstag teils heiteres, teils wolkiges nchigä Herbstwetter, stellenweise Nachtsrost wahrscheinlich. «p C p P l ß Preusjischc KonsolS. Wahrend, wie wir schon ermatziten, es als sicher anzusehen ist, dast das Deutsche Reich nächstes Früh, saht mit einer neuen Anleihe an den Geldmarkt herantreten wird, dürste Preußen auch dieses mal keine neue Anleihe ainnehmen. Tas Budget wird zwar, wie nian der „F. 3. lebreibt, ou$ dies-1 mal einen Fehlbetrag ergeben, aber dieser wird durch Streichungen und besonders Dank den Ueberschüssen der Staatsbahnen so minimal werden unb ganz verschwinden, daß man voraussichtlich von der Ausnahme einer neuen Anleihe wird absehen können. Güterwagen auf preutzifchen Bahnen. Eine Entscheidung darüber, wieviel Güterwagen für das nächste Etatsiahr fetten^ der preußischen Eisenbahnen angeschafit werden, ift bisher noch nicht l getroffen. Nach einem Berliner Börsenblatte seien deshalb alle darüber in Umlauf gesetzten Nachrichten als verfrüht zu be- S7o-- 4% Oestorr. Goldrente 476% Oesterr. bilberrente 100.90 4% Ungar. 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