Zweites Matt. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Die yestigr Kummer umfaßt 10 Setten. Gchxlstraße 7. Adresse für Deveschenr Anzeiger' «tetze«. Fernsprechanschluß Nr.dl» M iWtz in Rußland gelegentlich der Wiederkehr des Tages statt, am welchem Kaiser Wilhelm das durch die Brandkata- sttophe im Jahre 1901 zerstörte russische Grenzstädtchen Wysttten persönlich besuchte und durch seine Spende' die Wieder erbamnmg der Ortschaft ermöglichen half. Der Rabbiner schilderte in seiner Predigt die große Menschenfreundlichkeit des deutschen Kaisers und verrichtete zum Schluß für diesen und den Herren Gebete. — Der Generalmajor a. D. Cornelius Wvlf aus Metz ist heute nacht im hiesigen Zentralhotel am Herzschlag g c - störben. — Amtlich wird gemeldet, daß über das Gruben* Unglück auf Her Laurahütte am vergangenen Samstag an das Zivilkabinett des Kaisers Bericht erstattet wurde. Noch an demselben Abend traf aus Rominten ein Telegramm des Flügeladjutanten Fregattenkapitäns von Grumme ein, in welchem sich der Kaiser teilnehmend nach dem Befinden der Verunglückten erkundigte. Daraufhin wurde dem Kaiser gemeldet, daß, abgesehen von vier Toten, die dem Unfall zum Opfer gefallen seien, bei den Verletzten Hoffnung auf Genesung und völlige Wiederherstellung bestehe. — Der Gesamtausschuß des Handelsvertrags» Vereins beschloß in seiner gestrigen Sitzung, den Verein auch in Zukunft weiterbestehen zu lassen. — Die Handelsvertragsver Hand langen zwischen der Schweiz und Deutschland beginnen am 9. Okt. — Die „Germania" veröffentlicht heute abend den Wahlaufruf des Zentrum s für die preußischen Landtpgswahlen. Nach einem Rückblick auf die'verflossene Legislaturperiode wird als eine der wichtigsten gesetzgeberischen Aufgaben der Neuwahlen zum Abgeord- netenhause die gesetzliche Regelung der Schulunterhaltungs- pslicht bezeichne:, insbesondere müsse der konfessionelle Charakter der christlichen Volksschulen in Preußen gesetzlich, feftgelegt werden. Ferner wird Cinspruch erhoben gegen die Versuche, den Frieden unter der christlichen Bevölkerung zu stören, feiner für das Gedeihen des Vaterlandes notwendigen Erhaltung werde besondere Sorge zugewendet werden müssen. — In sechs- großen Versammlungen erstatteten die sozial demo kratischen Delegierten der Berliner Wahlvereine, darunter Bebel und Heine, Bericht über den Dresdener Parteitag. Es wurden Resolutionen angenommen, in denen die Beschlüsse des Parteitages gutgeheißen und gegen die unnütze Zeitverschwendung der persönlichen Auseinandersetzungen protestiert wird. Aryr. v. Aredek bereitet vor! Jü der Dienstagsitzung der bayerischen Abgeordnetenkammer erstattete der Mnanzminister Frhr. v. Riedel das Finanz-Expos^. Er bemerkte, daß.die anfänglich gehegten Befürchtungen glücklicherweise übertrieben wären. Man stehe noch lange nicht vor dem Ban ke- rott IN feder Budgetrede in letzter Zeit habe er die Notwendigkeit einer befriedigenden Entwicklung der finanziellen Beziehungen im ganzen Reiche und den Einzel- staaren hervorgehoben. Wenn das bisher im wesentlichen nicht geschah, so sind daran weder die Regierungen noch einzelne Personen schuld, sondern lediglich eine Reiheanßer- ordentlich ungünstiger Verhältnisse. Der Fi- nanzmiuister gab darauf der Hoffnung Ausdruck, daß es gelingen werde, mit der nächsten Finanzperiode für die Beamten und Bediensteten noch etwas zu erübrigen, wenn die Besserung der Eisenbahnerträgnisse und der Verkehrsverhältnisse überhaupt anhält und wenn allenthalben eine zielbewußte Sparsamkeit im Staatshaushalt beobachtet wird. Finanzminister - v. Riedel hat dann auch auf neue Reichssteuern vorbereitet. 9lach seiner Meinung werde es sich nicht umgehen lassen, für das Reich schon in nächster Zeit die eine oder andere neue Einnahme zu schaffen. Also, es wird nicht erst gewartet, wie man vielfach zur Beruhigung annahm, welche finanziellen LVirkungen die Neugestaltung des Zolltarifs cmsübt. nächster Seit" heißt nichts anderes als: in der nächsten Reich stags- jession. Um welches Projekt es sich handelt, Dürfte sich ja bald Herausstellen. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß das Bier als ein steigerungsfähiges Objekt unser sehen ist. Auf Form und Inhalt dieser Finanzreform kleiner Ausgabe darf man gespannt sein. Wir warm kürzlüh in der Lage, mitzuteilen, daß der Entwurf sich in Borbereitung befindet. 9tach den Andeutungen des Frhrn. v. Riedel scheint die Pointe der Finanzrefirm darin za bestehen, daß die Einzelstauten gegen die Dtöglichkeit geschützt werden sollen, daß die von ihnen an das Reich zu leistenden Beträge die Ueberweisungen des Reiches übersteigen. Den auch schon wiederholt vorgekommenen umgekehrten Fall, daß das Reich, den Einzelstaaten mehr überweisen kann, als es von den Einzel stauten fordert — diesen Fall möchte allerdings wohl jeder Finanzminister begrüßen. Oder soll dann das Reich das Mehr für sich behalten dürfen? Doch das ist spätere Sorge, ^.nächst interessiert Nam' und Art der „einen oder anderen neuen Einnahme des Reiches". Vielleicht ist es sogar die eine und die andere neue Einnahme des Reiches, wird dem Reichstag ein Steuerbouquet präsentiert zum Aussuchen? Kolonialpost. Berlin, 29«» Sept. Die Blättermeldung, der Gouver» neur von Samoa, Dr. Sols, würde demnächst von seinem Posten zurücktreten, wird der „Post" von unterrichteten Seite als völlig unbegründet bezeichnet. Eine sonderbare „SpionitiS". Aus Luxemburg bringt die „Patrie" Mitteilungen von jemand, der große Angst vor Spionen zu haben scheint und über „verkleidete Touristen" schreibt: Nn SAN erfd>et»t taget« außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener KamMem blätter viermal tn der Woche beigelegt. KotattonSdruck tu Verlag der Brühl 'schen Untvers.-Buch- u.Etetn- druckeret(Pietsch Erden) Kirche und Schule. — Wie die deutsche Lehrerzeitung in ihrer neuesten Nummer M berichten weiß, soll die hessische Schulbehörde mit dem Plane umgehen, die Seminar zeit für Lehrer von drei Jahren ans vier Jahre auszudehnen. Die Absolvierung einer Realschule soll zum Eintritt ins Seminar berechtigen. Doch sollten vorerst die Präparandenanstallen beibehalten werden, um die Seminare zu füllen. Auch sagt das genannte Schulblatt, daß die Behörde geneigt sei, den Seminar-Abiturienten ohne Unterschied des Zeugnisgrades den Besuch der Uni» versität zu gestatten. Ulm, 29. Sept. In der heutigen Mitglieder-Ver-* sammlung des Deutschen evangelischen Bundes teilte der Schriftführer Professor Dr. Witte im Jahresbericht mit, daß die Mitgliederzahl des Bundes sich im letzten Jahre von 156 000 auf 170 000 gehoben hat. — Auf das Huldigungstelegramm an den König von Wütttemberg ist von diesem aus Friedrichshafen folgende Antwort eingegangen: „Für die mir freundlichst übersandte Begrüßung seitens des evangelischen Bundes spreche ich meinen wärmsten Dank aus und wünsche der Versammlung den besten und einen segensreichen Verlauf." — Nach einer Meldung aus Paris weist der „Figaro" auf einen die letzte Papstwahl betreffenden Brief des Erzbischofs Kopp an einen seiner Pariser Freunde hin. Kopp stellt darin die ihm nachgesagte Einmischung in Abrede. Ec erklärt, er habe von keiner Seite Weisung zur Beeinflussung des Konklave erhalten, weder vom Kaiser noch vom Grafen Bülow noch von anderen politischen Persönlichkeiten. Mittwoch 3v. Seplemver 1903 yezugspeetSl monatl ich 75 viertel» jährlich ML. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.—viertel- fährt ausscht Bestellg. Annahme von Anzeigen ür die TageSnummer ^>tS vormittags 10 Uhr. ZellenpreiS: Lokal 12 Pl* auSwLrtS 20 Pfg. Vrramtwortttch für den pottt und augem. Teil; P. Witiko: für „Stadt und ßanb* und .Gerichtssaal": August Götz; für den Anzeigenteil: Hans Deck. Die Situation in Ungarn. Ter ungarische Ministerpräsident Graf Khuen-He- dervarygab am Dienstag wiederum feine Demission, da der Verlauf der Sitzung des Abgeordnetenhauses zeigfi, daß er auch einen Teil der liberalen Partei gegen sich habe. Die Unabhängigkeitspartei, welche die Einberufung der Sitzung verlangt hatte, nötigte chn, sich über die Er- klarungen zu äußern, die v. Körber im österreichischen Reichsrate betreff# des Verhältnisses zwischen Oesterreich und Ungarn in den Armeefra-gen abgab. Die Unabhängigkettspar Lei fand, daß Gras Khucn den ungarischen staatsrechtlichen Standpunkt nicht genügend gewahrt habe, und verlangte für heute eine neuerliche Sitzung, um Khirens Haltung z*u mtifieren. Tie Anhänger Apponyis und Banffys stimmten mtt ihr, woraus der Ministerpräsident schloß, daß er auch in der heutigen Sitzung in der Minorität bleiben werde. In den Eouloirs soll Präsident Apponyi erklärt haben, Graf Khuen habe eine geradezu schändliche Unkenntnis des ungarischen Staatsrechtes gezeigt. Graf Khuen wird seine Demission heute dem AbgeorDnetenhause £ur Kenntnis' bringen. Infolgedessen- unterbleibt die Reise des Grafen nacfy Wien, wo er beim Empfange des Kaisers Nikolaus die ungarije^ Regierung hätte vertreten sollen. In Streifen der Opposition wird die Demission mit großer Begeisterung begrüßt, während in den liberalen Kreisen diese Wendung schwere Bedenken erwectt, da man nun das Eingreifen einer schärferen Hand besorgt- Iriedenskiängr vom Aatkan. Wie die „Nationalztg." erfährt, wird an unterrichteter Stelle die Besserung der Lage auf dem Balkau anerkannt. Das stimmt mit den sehr günstig lautenden offiziösen Nachrichten aus Konstantinopel überein. Aber Der bulgarischen Regierung ist anscheinend doch noch nicht zu trauen. In Der Depesche aus Konstantinopel wird von den „Bemühungen" der bulgarischen Regierung berichtet, die maeedonische Komiteeleitung zur Einstellung der Bewegung zu veranlassen. Tie „'D^orDb. Attg. Ztg." hingegen lenkt hie Aufmerksamkeit auf eine von russischen Blättern „mit lebhaften Mißfallen verzeichnete" Rede des bulgarischen Ministers des Innern, worin folgende charakteristische Steile sich vorfindet: „Rußland hindert uns auf Schritt und Tritt, wir aber w e r b e n e s verstehen, unser Ziel unabhängig von ihm zu erreichen."' Der Zufall hat mich auf die Sdur einer Gruppe bentscher Offiziere geführt, tue auf einer Forsch- nngsscchrt (!) begriffen sind. Ich war mtt einem Freunde; die Offiziere fragten mich mn Auskunft. Ich habe mich« wohl gehütet, ihnen zu verraten, daß ich ihre Sprache verstehe. So ließen sie sich vor mir gehen und erzähllen alle ihre Angelegenheiten, ohne zu ahnen, daß mir kein Wort von ihrer Unterhaltung entging. Während unsere Internationalisten erklären, der Krieg, namentlich mit Deutschland, werde unwahrscheinlich, beschäftigt sich der deutsche Generalftab mit der Möglichleit eines Einfalls in unser Gebiet durch Luxemburg. Die Gruppe der deutschen Generalstabsoffiziere durchstreifte am 25. und 26. Septem'ber die Umgegend von Luxemburg, Esch, Etttngen und betrat unser Gebiet bei Audun le-Roman. Die deutschen Offiziere, acht an der Zahl, waren zu Rad und in Zivil. Die Aufzeichnungen, die sie machten, unb bie Erörterungen, die sie mtt ber Karte in der Hand über die Bodenbefchafsenheit anstelllerr, ließen keinen Zweifel über den Zweck ihrer Forschungen zu. Es handelt sich da nicht um einen getvöhnlichen Touristenausslug, sondern um eine regelrecht organisierte Studienreise. Den deutschen Offizieren steht es fiei, als Touristen auf unser Gebiet herüberzukommen rmd sich da umzusehen. Es wäre Zeit, daß unsere Offiziere auf dem annektierten Gelände von dem Rechte der Gegenseitigkeit Gebrauch machen könnten. Die deutschen Offiziere, von denen hier die Rede ist, sind über Longnyon um> Longwh auf luxemburgisches Gebiet zurückgekehrt. Heute am 26. September befinden sie sich in Luxemburg. Daß dieser Darstellung des von so höchgrabiger Spio- nttis befallenen Mannes Uebertreibungen cmhaften, ebenso sicher, wie es unmöglich ist, in der Darstellung ohne toeitere# das Falsche vom Richtigen zu sonderm Auf der Hand liegt jedenfalls die hohe Unwahrscheinlichkeit, daß ein ganzer Trupp Ofsiziere füb so verraten würde. Daneben darf man vermuten, daß diese Offiziere, wenn es wirllich solche gewesen sind, vielleicht mit vereinter Sehkraft den Angsthasen durchschaut und ihn dann zum Besten gehabt haben. _______ Deutsches Keich. Berlin, 29. Sept. Die „Danz. Ztg." toenbet sich gegen bie Darstellung der „Preuß. Korr." über die D an- z iger Arb eiterkund g ebung bei der Anwesenheit des Kaisers in Danzig. Es sei eine durchaus spontane Kmtd- gebnng der Arbeiter gewesen. Auf Sonder wünsche habe man begreiflicherweise in der Ansprache nicht eingehen können. Man tarn in den Zusammenkünften der Arbeiter- ansschüsse überein, aus zahlreichen Entwürfen eine kurze, allgemein gehaltene Ansprache des Sierra Glashagen zu wählen, nicht etwa, weil andere Wünsche als unberechttgt angesehen wurden, sondern wett, besonders für die erste derartige Kundgebung, die Glashagensche Ansprache für angemessener gehalten wurde. „Die übrigen wohlgemeinten und zu Papier gebrachten Wünsche mußten also für diesmal zurück gestellt werden, ziunal man den Kaiser doch nicht auf freiem Platze mit einem solchen detaillierten Wunschzettel überraschen konnte. Die ausgewählte Ansprache wurde dem Oberhofinarschallamte eirrgereicht und ohne Streichung genehmigt. Einen Passus wegen ber Rayonverhältnif s e, den nach Angabe der „Preuß. Korr." das 5^ofmarschallamL ge- sttichen haben söll, war in dem Entwurf der Ansprache nie enthallen. Auch^ in den Konferenzen wurden speziell die Rayonbefchrünkungen nicht besprock)jen, wie überhaupt die einzelnen Wünsche hier nicht zur Beratung stcmden. Ebenso äst in ber Unterhaltung der Arbeiter mit dem Kaiser diese Frage nicht berührt worden. Nachdem die Ansprache vom Oberhosmarschallomt genehmigt toar, wurde von dem Sprecher noch der Hinweis einzufügen gewmrscht, daß Kaiser Wilhelm I. durch seine Allerhöchste Botschaft vom 18. Rov. 1881 der Begründer unb Kaiser Wilhelm II. der Fortführer der Sozialpolitik sei. Dieser Wunsch ließ sich jedoch bei der Kürze der Zeit nicht mehr nach Berlin mitteilen, sodaß auch hier von einer Streichung nicht Die. Rede sein kann. — Ein feierlicher Kaiser-Gedenk-Gottesdienst fand auch in diesem Jahre in der Synagoge zu Wysti ten Politische Tagesschau. Das Brrsuchsgui Qnedna«. Das Versuchsgut Quednau in Ostpr. ist soeben von Pros. Dr. Backhaus, nachdem die vorgesteckten Ziele im wesentlichen erreicht und durch die im Frühjahr erlassene Publikation „Das Versuchsgut Quednau, ein Beispiel der angewandten modernen Betriebslehre ein gewisser Abschluß erzielt wurde, durch Verkauf in Privatbesitz übergegangen. Bei der Uebernahme des Gutes im Frühjahr 1900 stellte sich Prof. Dr. Backhaus die Aufgabe, alle Fortschritte der Technik und Wissenschaft in Quednau zur Anwendung zu bringen, darüber hauptsächlich wirtschaftliche Beobachtungen anzustellen unb so neue Grundsätze für bie Betriebslehre zu sammeln. Trotz größter Schwierigkeiten ist der erzielte Erfolg sehr beachtenswert. In den dreiJahren ber neuen Bewirtschaftung hat sich ber Rohertrag des Gutes mehr I# verb oppelt; anstatt des früheren VerIustes ist eine mäßige Verzinsung eingetreten und der bei dem Verkauf erzielte günstige Erlös hat auch bestätigt, daß die Einwendungen richtig waren. Allerdings hat sich- anderseits auch gezeigt, daß ttotz aller Mühe unb Arbeit in der Landwirtschaft zurzeit nur allmähliche und nur inäfüge Erfolge erzielt werben konnten. Der Emtewert des Gutes hat sich in runben Zahlen wie folgt gehoben: 1900 40 000 Mk., 1901 55 000 Mark, 1902 63000 Mk., 1903 75000 Mk. In ähnlicher Weise haben sich auch die Erträge der Viehhaltung unb des Nebengewerbes (Molkerei) erhöht. Schon diese Zahlen, die in der Verallgemeinerung bedeitten, daß in Deutschland die Milliarde Mark, die es zurzett jährlich für landwirtschaftliche Produkte an das Ausland zahlt, zum Teil von der heintt- ichen Landwirtschaft sehr wohl selbst Serbien! werden könnte, lehren, wie bebeutungsvoll die Quednauer Versuche sind. In Bezug auf Feldbearbeitung, Düngung, Anwendung der Elektrizität, Maschinenverwendung, Handhabung der Viehhaltung, der technischen Gewerbe sind eine Menge von Einzelergebnissen erzielt worden. Etwa 6000 Fremde haben in den drei Jahren Quednau besucht, und das genannte im Frühjahr von Prof. Dr. Backhaus herausgegebene Werk über Quednau hat in wetten Kreisen lebhaftes Aussehen erregt. Um so bedauerlicher ist es, daß es nicht möglich war, ein derartiges modernes Versuchsgut, das ohne die aerinaste Unterstützung durch den Staat oder landwirtschaftliche 'Korporationen lediglich durch private Mittel eingerichtet wurde, für die Allgemeinheit zu erhalten, um noch weitere Ergebnisse zu erzielen. Die Einigung aller Mächte über die Ssterreich- ungarisch-russisä-e Llttrcm, sowie die gleiä^autenden Berichte aller Mächte, machten, einer offiziösen Verlautbarung Aw- fafae, auf die Pforte einen außerordentlicl-en Eindruck. Auf diesen Eindruck und auf die airgebahnte Verständigung mit Bulgarien sind die Befehle zurückAufichren, die dre Pforte an den Gewerbeinspektor, sowre an alle Militär- und Zrvll- behorden erlassen hat, und welche dahin gehen, die bickga-- rische Bevölkerung niäsi zu vergewaltigen, sondern nur das Bandenunwesen energischer zu unterdrücken. Nachrichten aus Sofia zufolge sollen die bulgarische Regierung und die Kirchenbehörde bemüht sein, die Komiteelertung zur Einstellung der Bewegung zu veranlassen, indem sie darauf Hinweisen, daß bei einer Fortdauer der Baudenbewegung die bulgarische Bevölkerung in Äiacedonien teils ausge- nrerzt, teils sehr geschwächt werde. 3itm Wiederaufbau der in M.Uigen Dörfern der europäischen Türkei von bulgarischen Räubern niedergebranrrten Wohnungen der armen Bevölkerung spendete der Sultan aus seiner Privatschatulle 1000 türkische Pfund und ordnete sm, daß weitere 4000 Pfund von der Pforte zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt werdeu Tie Ausstand i-schen haben inzwischen die Stadt Lacfik im Distrikt Serres beseht. Ein Herbetgeeiltes starkes türkisches Militärkommando wurde mit Bomben beworfen und erlitt große Verluste. Die Entsetzung der Stadt ist noch, nicht gelungen. Aus StM und KmL. Gießen, 30. Sept. 1903. ** Der neue Taschenfahrplan für den Winter 1903/04 wird heute als Gratisbeilage den alten Abonneuteu des Gießener Anzeigers durch unsere Träger, Abhole- und Zweig- stellen übermittelt. Neu hinzugekommene auswärtige Abonneuteu erhallen den Tascheufahrplan Aloutag deu 5. Oktober durch unsere Zweigstellen. Postabouneuteu wird das Heft auf speziellen Wunsch zugeschickt. L.U. Die lateinische Sprache in der Matrikel ist auf Beschluß des Gesamtsenats durch die deutsche ersetzt worden. "Personalien. In den Nuhestcmd wurden versetzt der Steuerauffeher Heinrich Wagner zu Bingen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste, der Weichensteller in der Hess.-Preuß. Eisenbahngemeinschast Joh. Görnert zu Grünberg und der Weichensteller in der Hesst- Preußischen Eisenbahngemeinschast Johann Peter Mink zu Worms. *♦ EineSängerfahrt nach Gießen unternimmt am Samstag und Sonntag den 3. und 4. Oktober der höchster Männergefangverein zum Besuche des hiesigen Sängerkranzes. Ein Kommers am Samstag abend im Saale des Cafe Ebel vereinigt die Sänger. Mich Besichtigung der Stadr am Sonntag siüh soll ein Frühschoppen in Steins Garten genommen werden. Nachmittags ist Fahrt nach dem Gleiberg, wo die Sänger vereürt ihre Lieder erschallen lassen werden. Wünschen wir ihnen gutes Wetter und guten Verlauf, damit die auswärtigen Sangesbrüder sich gern der ftohen Stunden in Gießen erinnern. ** Naturseltenheit. Bei Verlagsbuchhändler Emil Roth steht im Garten ein Apfelbaum m Blüte. L Lollar, 29. Sept. Unser Turnverein feierte am Sonntag sein Ab turn en. Morgens um 9 Uhr begann das Vereinswettturnen und von 4 Uhr ab fand Schauturnen statt. Das hatte eine große Zuschauermenge herbeigelockt. An das Schauturnen schloß sich gegen Abend Konzert und Tanz an; später fanden noch turnerische Aufführungen bei bengalischer Beleuchtimg statt. Zum Andenken an das diesjährige Abturnen wurde eine photographische Aufnahme des Vereins vorgenommen. Die Mitgliederzahl unseres Vereins ist in letzter Zeit auf etwa 200 gestiegen. Zu dem Bau der Turnhalle stehen bereits 5000 Mk. zur Verfügung, nachdem kürzlich ein Turnfreund eine größere Summe gespendet hat. Man' gedenkt im nächsten Jahre den Bau einer Turnhalle in Angriff zu nehmen. f. Grünberg, 29. Sept. Die kirchliche Einführung einer Diakonissin wurde am Sonntag nachmittag durch den Vorsteher des Diakonissenhauses in Darmstadt, Pfarrer Deggau, üorgenommen. — Ein Konsortium hat sich gebildet, welches plant, aus Grünberg einen Luftkurort zu machen. Unsere Stadt wäre, so urteilt man, hierzu infolge ihrer schönen Umgebung und gesunden Lage sehr geeignet. Darmstadt, 29. Sept. Die „N. H. Vbl." schreiben .'rzürnt: Die Aufmerksamkeit, die ein Teil des Publikums den zurzeit hier weilenden Fürstlichkeiten zu teil werden läßt, fängt an nachgerade höchst beschämend für unsere Stadt zu werden. In geradezu widerwärttger Weise wurden beispielsweise heute vormittag wieder der Kaiser von Rußland und der Großherzog bei einem Spaziergange durch die Stadt von einer nicht weichenden Menschenmenge verfolgt und angestiert. Da jene müßigen Gaffer (und Koffern) nicht so viel Urteilskraft zu besitzen scheinen, um das Unangebrachte ihres Benehmens selbst einzusehen, seien sie hiermit darauf aufmerksam gemacht, daß sie sich auf diese Weise einer groben Taktlosigkeit schuldig machen, die geeignet ist, unseren Gästen den Aufenthalt in unserer Stadt gründlich zu verekeln und ihnen das Wiederkommen ein für allemal zu verleiden. — Der Brand in der Scheune des Landwirts Kaus ist auf feinen Herd beschränkt worden. Mainz, 29. Sept. Eine junge Zigeunerin mit ihrem erst wenige Tage alten Kind lief, wie das „M. Tgbl." schreibt, an einem der letzten Abende in den Straßen von Kastel herum und bat um Obdach, weil sie sich von ihrer Gesellschaft verirrt hätte. Mitleidige Leute gaben ihr und dem kleinen Kinde Essen und Trinken nnd für das fast nackte Kind auch Kleidungsstücke. Als die Zigeunerin satt war, bettelte sie sich noch Tabak, stopfte sich dann noch eine Pfeife und war dann nicht mehr zu halten. In einem Strohhaufen aus dem Felde nächtigte sie mit dem Kind und zog dann am frühen Morgen wohlgemut weiter, um ihre Gesellschaft zu suchen. Worms, 29. Sept. Nach einer der Handelskammer von der Eisenbahndirektion Mainz zugegangenen Mitteilung wird die 11,29 Kilom. lange, normalspurige Nebenbahnstrecke Worms-Gundheim mit den Haltestellen Herrnsheim, Abenheim und Gundheim am 1. Oktober für den allgemeinen Verkehr eröffnet werden. Die Annahme und Ab- settigung von Privatdepeschen ist auf dieser Strecke ausgeschloffen, ebenso die Beförderung von Sprengstoffen; im übrigen ist der Verkehr unbeschranll. (Worms. Ztg.) Frankfurt a. M., 29. Sept. Die 6. Bundesversammlung der deutschen Taubstummenlehrer nahm heute in der Loge ihren Anfang. Den Vorsitz führte Schulrat Walther-Berlin. Namens des Kultusministers sprach Geh. Oberregierungsrat Dr. Waetzold-Berlin, namens des Provinzial-Schul-Kollegiums Provinzial-Schulrat Dr. Otto, namens der württembergischen Unterrichtsverwaltung Regierungsrat Dr. Wahl-Stuttgart, namens der badischen Unterrichts-Verwaltung Oberschulrat Dr. Waag-Karlsruhe. Die Grüße der Stadt Frcuckfurt überbrachte Stadttat Grimm. Die Verhandlungen dauern zwei Tage. Herborn, 28. Sept. Alarmsignale der hiesigen Feuerwehr schreckten in der Nacht von Samstag zu Sonntag die Einwohnerschaft aus dem Schlafe. In Burg war in einer Herrn v. d. Heyden gehörigen Scheune ein größeres Feuer ausgekommen, welches auch das angrenzende, Fr. Rücker gehörige Wohnhaus ergriff und einäscherte. Dasselbe Schicksal erlitt auch das Herrn v. d. Heyden gehörige Wohnhaus. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In der vorletzten Nacht wurde in der Hauptstraße in Vilbel der 18 Jahre alle Maurer Jean Ackermann mit einem Stich in der Herzgegend in einer Blutlache tot aufgefunden. Die Polizei verhaftete mehrere junge Leute, darunter den 17 Jahre alten Maurer Eckert aus Vilbel, den man auf eine vor der Tat laut . gewordene Drohung als stark verdächtig hielt. Eckert soll den Mord bereits emgestanden haben. Die Ursache der Tat ist Eifersucht. Der G-iessen®^ ist die älteste und angesehenste Zeitung Ober- heffens und der umliegenden Gebiete, die täglich über alle Vorkommnisse in Stadt und Land, im Reiche und im Auslande erschöpfend unterrichtet und den reich- halligsten Nachrichtenteil besitzt. Den Reichstags- und Landtags- Verhandlungen wird breitester Raum in beson- H Z E & E B derer Ausgabe ein- geräumt. — Mit seinen Beiblättern „Gieß. Familienblätter" und „Der Hess. Landwirt" ist der „Gieß. Anzeiger" die unterhaltendste Zeitung unserer Provinz, die in der Vorzüglichkeit ihrer Quellen und der Gediegenheit ihres Inhaltes alle anderen Blätter Oberhessens wett übertrifft. Wer rasch und gut unterrichtet sein will, und eine gewissenhafte und trotz Vielseitigkeit übersichtliche Tageszeitung zn lesen liebt, die die neuesten Meldungen gleichzeitig mit den Großstadtblättern bringt, wer ein Blatt ernsthaften und gediegenen Charakters zu halten wünscht, der bestelle beim nächsten Postamt, den Brief- Wägern oder unseren Zeitungsträgern den Gießener Anzeiger, verbreitet in Stadt und Land in ganz Oberhessen bei dem kaufkräftigen Publikum. Vermischtes. • Kiel, 29. Sept. Bei einer Ruderpartie auf dem Westensee kenterte ein Boot. Beide Insassen ertranken. • Danzig, 29. Sept. Beim Entladen eines Revolvers durch den Cafsbesitzer Grabow in Neugarten entlud sich die Waffe. Das Geschoß traf das Buffetfräulein und tötete es. Grabow stellte sich selbst der Staatsanwaltschaft. * Plauen i. Vogtl., 29. Sept. Wie der „Vogtl. Anz." meldet, wütet in Falkenstein seit heute früh Großseuer im Stadtteil Oberer Anger. Bis heute nachmittag waren zehn Häuser niedergebrannt; eine Anzahl weiterer Gebäude stehen in Flammen. Der Schaden ist sehr groß. * Paris, 29. Sept. Auf dem Boulevard Madelaine wurde gestern eine 23jährige Arbeiterin von einem Automobil-Lastwagen überfahren und war auf der Stelle tot. — Der Künstler Elina wurde vom Direllor des Natto- nal-Museums berufen, um ein Gutachten über den berühmten Silberschatz des Bosco Reale abzugeben. Der Künstler erklärte in Gegenwart mehrerer Zeugen, daß dieser Silberschatz ebenso eine Fälschung sei wie die Tiara des Satta- phernes. * Paris, 29. Sept. Im Operationssaal eines Spttals erstach eine Wärterin aus Eifersucht ihren Ehemann. * Dux, 29. Sept. Die Tochter des Gutsbesitzers Hahn wurde heute früh, nachdem sie gestern für ihren Vater 6000 Kronen einkassiert hatte, in der Nähe der Stadtmauer an Händen und Füßen gefesselt und der Barschaft beraubt aufgefunden. Von den Räubern fehll jede Spur. * Der Leib-Pediater des Zaren. Anläßlich der Reise des Zaren an die europäischen Höfe teilen die russischen Blätter das Verzeichnis der Dignttäre und Domestiken mit, welche denselben zu begleiten beftimmt sind. Darunter befindet sich auch ein Würdenträger, der kaum in der Rangliste irgend eines anderen höfischen Gefolges Vorkommen dürfte, nämlich der „Leib-Pediater Korowin", welcher den Rang eines Generalmajors besitzt. Worin das Amt des „Leib- Pediaters" besteht, sagt fein Name; er hat unzweifelhaft die „Pedes", d. I). die Füße des Zaren, in seine fachmännische. Obhut zu ne()mcu. * Einc j liche Plauderei über die Ungeschicklichkeit ul' ftv."..ftst-,en Polizei veröffentlicht in der „Libre Parole" Xieon Landet. Die Polizei behauptet, sie besitze genaueste Auskünfte über alle titelreichen Glücksritter und Abenteurer, welche die großen Badeorte, wie Aix-leA-Bains, wo Eugönie Fougöre ermordet wurde, unsicher machen. Als ob die Leute, welche sonstige Gründe haben, der Polizei auszuweichen, ihre Agenten nicht witterten, und das notige Talent besäßen, um sie von der Führte abzulenken! „Diese internationalen Piraten find außerordentlich gewandt und geschickt", schreibt Daudet. „Ich habe ehedem einen in einem großen Schweizer Hotel' erraten, der mich durch seine Unverfrorenheit, seine Kunst, den Leichtgläubigen zu imponieren, den Papas, den Mamas und ihren Fräulein Töchtern zu imponieren, mit Bewunderung erfüllte. Er wußte durch eine andere Person eine harmlose Spielpartie mit einem Einsätze von 10 Centimes, bei der man in einer Viertelstunde 500 Franken verlor, in Vorschlag bringen zu lassen. Er hatte einen Wohltätigkeitsball mit Riesenkotillon und Souper an kleinen Tischen organisiert, sodaß der Wirt, der Jäger, der Groom beim Fahrstuhl und alle Kellner vor ihm Respekt hatten. Er war innig befreundet mit einer ehedem schönen und noch reichen Dame, die einem berühmten Romanschriftsteller vor etwa zwanzig Jahren als Heldin für eines seiner Werke vorschwebte. Auch besaß er eine teuflische Stärke. Eines Tages sagte er zu mir: Entschuldigen Sie mich, Herr Daudet, von Psychologie verstehe ich nichts, aber ich, kann ein Zehnfrankenstüct zusammenbiegen. Und er quetschte das Goldstück zusammen, als hatte er einen Hals zwischen feinen dicken Fingern. . . . Ich sand ihn letztes Jahr in einem großen Pariser Restaurant wieder, wo er mich nicht erkannte. Er dinierte in Gesellschaft einer englischen Familie, deren Vertrauen er, Gott weiß wie, gewonnen hatte. Tie wackeren Insulaner hörten ihm andächtig mit aufgerissenen Augen zu, wie er ihnen von der hohen Pariser Gesellschaft, weltmännischen Gebräuchen und feinsten Manieren erzählte. Ter jungen Frau empfahl er eine Zofe, die prächtig frisieren konnte, und dem Manne Reisekoffer mit geheimem Schloß — wahrscheinlich nicht so geheim, daß er selbst es in Abwesenheit des Eigentümers nicht ausmachen konnte. Einen Augenblick hatte ich Lust, an den Tisch heranzutreten und zn. den Opfern zu sagen: „Hören Sie nicht auf ihn! Ich kenne ihn, er wird Sie morgen ausrauben." Dann dachte id)j aber, es wäre doch unnütz, man würde mir nicht glauben, mich auf den nächsten Polizeiposten führen, und es würde dem schlauen Gauner gelingen, mich von den Gerichten, die mich als autisemlli- schen Nationalisten kennen, zum Maximum der Strafe wegen Verleumdung verurteilen zu lassen. So enthielt fefy mich, nicht ohne Gewissensbisse." Kunst und Wissenschaft — Als zweite Neuheit des Winterspielplans brachte das Frankfurter Schauspielhaus „Die beiden Schulen", Lustspiel in vier Auszügen von Alfred Capus. Frau Maubrun, die sich von ihrem Eduard scheiden laßt, weil er sie betrügt, ist im Begriff, ihrem früheren Verehrer die Hand zum Ehebund zu reichen, zieht aber schließlich dem andern den geschiedenen Gatten vor. Denn Eduard ist wenigstens lustig, der andere langwellig, und man kann, wie sie sagt, leider nicht mit dem einen bei Tag, mit dem andern bet dtacht zusammenleben. Rede und Gegenrede sind sehr witzig, die .Handlung aber ist um so dürftiger, und deshalb ließ auch die Teilnahme der Zuschauer oon Auszug zu Auszug nach, obwohl vortrefflich gespielt wurde und namentlich das geschiedene, schließlich wieder vereinigte Ehepaar durch Fräulein Lange und Herrn Bolz eine ausgezeichnete Wiedergabe fand. Landwirtschaft. Vom Wetzlarer Saat gutmarkt wird ge» schrieben: Im Lause der verflossenen Woche wurde hier zum erstenmale ein Saatgutmartt, verbunden mit Ausstellung, ab geh alten, woran sich ein großer Teil fortschrittlich gesinnter Landwirte des Kreises beteiligte. Unter anderem war es besonders interessant, die Erträge verschiedener älterer und neu eingesührter Sorten Getreide, und namentlich Kartoffeln, zu vergleichen. Hierbei gewahrte man, daß manche neuere gegenüber älteren nicht mehr ertragsfähigen Sorten bedeutende Mehr er träge erzielten. Dies gilt besonders von Hafer und Kartoffeln. Bei ersterem ist es besonders der Lrpowahaser, Schlanstädter und Anderbecker Hafer, welche sehr reiche (£rtrage lieferten. Unter den verschiedenen Kartofselsorten zeichneten sich besonders „Präsident Krüger", „Imperator" u. a. aus. Von 20 Saattnollen der erstgenannten £>orte wurden z. B. auf ca. 3 Ruten Ackerland 6i/2 Ztr. Knollen geerntet. Auch Ergebnisse verschiedener Düngungsversucye waren zu beobachten. So tonnte man Rüden, welche mit Chilisalpeter, Thomasmehl und Kainit gedüngt waren, von mehr als 10 Pfund seyen. Rot Rüben und Rettiche waren ausgestellt, welche mtt „Wagners Nährsalz" gedüngt waren, und 4 resp. 5 Pfund wogen. Ebenso waren bei allen anderen Gemüsearten ähnliche Erfolge erzielt worden. Es ist mit Freuden zu begrüßen, daß durch solche Augenscheinlichkeitsbeweffe manchem rückständigen Landwirtschastler begreiflich gemacht wird, wie er durch rationelleres Wirtschaften seine Produkte oft um mehr als das Doppelle steigern kann. Gerichtssaai. b. Gießen, 29. Sept. S t r a f k a in m e r s i tz n n g. Ter Schneider R. M., der bis Ende August ds. Js. als Geselle bei Schneider Herr arbeitete, soll diesem bei seinem Dienstaustritt eine Scheere und eine Anzahl Bestellzettel entwendet haben und mittels eines derartigen, die Firma tragenden Bestellzettels sich allerlei Waren im Wette von 11—12 Mark bei einem hiesigen Kaufmann erschwindelt haben. Er wird cher Unklage des Diebstahls freigesprochen, wegen Betrugs zu 8 Gefängnis verurteilt. — Die Strafsache gegen Schreiner I. wt. von Grünmgen und Genoßen beschäfllgte dre Strafkamlner schon einmal nrt Frühjahr d. Js. M., der sich bisher durch seine ylucht m die Schweiz der Aburteilung zu entziehen wußte, wurde heute von der Strafkammer zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Anklage lag folgender Tatbestand zu Grunde: Aus dem Heunweg von cmei- Konttollversammlung in Lich waren die aus Holzheim gebürtigen Burschen in Dorf-Gill eingekehrt; kurz vor ihrem Weggang erschienen auch die gleichfalls von der Ltontrollversammlung beim- kehrenden Burschen von Grüningen m der Wirtschaft und singen ohne jede Veranlassung eine wüste Schlagerei an, wobei zivel Holzheimer schwere Gehirnerschütterungen davoiitrugen; bis in die Behausungen voii Privatpersonen wurden die Holzheimer verfolgt und dabei tat sich der Aiigeilagle 3JL, der mittels eines sog. Totschlägers auf die Hollhewrer emschlug, besonders hervor. — Der Angeklagte Arbeiter F-K. von Eharlottenburg, der ohrte jede ersichtliche Veranlassung den Dtensttnecht Jaschke mit einem Messerstich aeaen das Ohr verletzte, echält eme Gefängnisstrafe von 6 Aronaten * auch wird auf Einziehung des Messers erkannt. — Der tuinnnmm A. B. "us Landeck, der Sohn angesehener mid wohl- iiabcnber Leute, fand, nachdem er m Hamburg eine mehrmonatige üreibeltsstrafe verdutzt imb von seinen Eltern, nn die er sich hieraus um Unterstützung geivcuibt, abgewiesen worben war, in Nibba in emetn dortigen Hotel Stellung. Später stellenlos geworderi, suchte er sich $ur($ eine Reihe von Schwindeleien seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Urteil: ent Jahr drei Monate Gefängnis. r. M a i n z, 29. Sept. Wegen schwerer Beleidigung des hiesigen Oberstaatsanwalts und eines Polizeikom- missärs wurde in der letzten Sitzung der Strafkammer des chiesigen Landgerichts die ehemalige Balleteuse und jetzige Kellnerin Gertrude Schmidt aus Darmstadt zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. In einer wegen falscher Denunziation gegen sie eingeleiteten Untersuchung rühmte sich die Schmidt gegenüber dritten Personen, ihr könne überhaupt nichts passieren, denn der Oberstaatsanwalt chabe in viel zu intimem Verkehr mit ihr gestanden. Tie Staatsanwaltschaft hat von diesen Äeußerungen der Schmidt Kenntnis erhalten und ließ diese verhaften. In der Untersuchung stellte sich sofort die Unwahrheit der gemachten Angaben heraus und in der gestrigen, unter dem Ausschluß der Oeffentlichkeit stattgehabten Gerichtsverhandlung, in welcher die verleumdeten Beamten als Zeugen erschienen waren, ergab sich, daß die Schmidt ihre Erzählungen .glatt erschwindelt hatte. Heidelberg, 29. Sept. Vom Kriegsgericht wegen militärischen Aufruhrs zu schweren Gefängnisstrafen verurteilte Soldaten haben Revision eingelegt. B e l g r a d, 29. Sept. Das Urteil im Rischer Prozeß wurde heute gefällt. Die Hauptleute Rowakowitsch unb Lazare- witsch wurden zu zwei Jahren Gefängnis und Verlust ihrer iCharge, Leutnant Dondarewitsch gn einem Jahr, die Oberleutnants lLagumerski und Protisch zu zehn Monaten, die Leutnants Todoro- witsch, Georgewitsch und Andritsch zu 8 Monaten, Major Wclischko- witsch und Hauptmann Lonvikewitsch zu einem Monat, die übrigen -Angeklagten zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Arbeiterbewegung. Berlin, 20. Sept. Die Bereinigung der Berliner Metall- ivarenfabrikanten entläßt, da die Streikenden die Arbeit mit Ausnahme der auf die Einigung eingegangenen 137 Firmen nicht wieder aufnahmen, heute abend alle Metallarbeiter, etwa 1200. — Infolge des „O m n i b u s st r e i f 3" fanden gestern abend abermalige Ausschreitungen statt. In der Ehausseestraße wurde eine größere Anzahl Glasscheiben der Omnibusse zertrümmert und mehrere Beamte und Bedienstete durch Steinwürfe verletzt. Auch in den südlichen Stadtgegenden fanden Exzesse statt. Ueberall wurden Drohrufe laut, so daß das Publikum von den Fahrten abstand. Die Polizei stellte die Ruhe wieder her. Mailand, 29. Sept. Die vereinigten Vorstände der nationalen Verbände der italienischen Eisenba hm beamten versandten Zirkulare mit der Aufforderung zur Einstellung des Betriebes, die morgen auf allen Hauptlinien, welche Mailand berühren, erfolgen soll. Trotzdem halt man eine Einigung im Laufe des heutigen Tages noch für möglich. Handel und Uerkeyr. Volkswirtschaft. Berliner Börse vom 2V. September 1903. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Prwat-Diskont 3»/4 Prozent. ' Die heutige Börse stand unter dem Eindruck der Newyorker and Londoner Kursmeldungen insofern, als die hiesige andauernde Strömung nach oben durch die flauen auswärtigen Meldungen aufgehalten wurde. In Anbetracht dessen kann die Stimmung an der heutigen Börse als recht fest bezeichnet werden. Der Vevkehr bewegte sich in bescheidenen Grenzen und nur in einigen besonderen Werten zeigte sich etwas mehr Lebhaftigkeit, so z. B. in Gotthard- bahn-Aktien und Schiffahrts-Aktien. Für letztere waren gut informierte Käufer bemerkbar. Renten lagen im Anschluß an den nichtigen Kurs für englische Konsols leicht abgeschwächt. Für Monlanwerte und Bankaktien zeigte sich wenig Interesse, doch waren die Kurse gut behauptet. Der Kassaindustriernartt verkehrte in strammer Haltung. Anfangs- u. Schlußkurse. Deft Kredit . —202.00 Deutsche Bank . . . 212.50 212.50 Darmstädter Bank . . 136.00 136.12 Bochmner Guß . . ♦ 179.90 1/8.90 Harpener Bergbau . . 184.25 184.10 Amerikas Eisen. Tag für Tag wird nun die Frage ventt- iliert, ob amerikanisches Eisen schon in der nächsten Zeit nach Europa und speziell auch nach Deutschland eingeführt wrrd. Vor wenigen Monaten wurde es als eine große Gefahr bezeichnet, wenn der Eisen- und Stahlexport nach den Vereinigten Staaten ins Stocken geraten sollte, und nun tritt diese Frage so ziemlich in den Hintergrund und es wird nur noch die andere lebhaft diskutiert, ob eine amerikanische Invasion zu erwarten ist. Wir haben schon mitgeteilt, daß vom Morganschen Schiffahrtstrust demnächst große Mengen von Eisen unb Stahl nach Europa transportiert werden sollen, wenigstens wurde dies von einem der Direktoren behauptet. Von der Verwaltung des Stahltrusts soll aber die Erklärung abgegeben worden sein, daß keine Veranlassung vorliege, sich um das mit Risiko und wenig Gewimt verbundene Auslandsgeschäft mehr als gewöhnlich zu bewerben. Hierin liegt ein Widerspruch zwischen Schiffahrtstrust und Stahltrust, wie sich überhaupt die ganze Angelegenheit noch sehr in der Schwebe zu befinden scheint. Man weiß drüben offenbar nicht recht, was man will und noch weniger was man vermag und nicht vermag. Die Furcht vor einer unmittelbaren amerikanischen Gefahr, die mehr in Börsen-, als in Jndustriekreisen gehegt wird, ist jedenfalls stark übertrieben. Deutsche Baut und die Petroleumiuduftrie. Es wird in Finanzkreisen viel besprochen, daß die Deutsche Bank die 2 Millionen Kr. neuen Aktien der Petroleum-Gesellschaft Schodnika übernommen hat. Es scheint, daß das Institut insbesondere ein Auge auf die Petroleumindustrie im Osten Europas geworfen hat. Bekanntlich ist die Bank auch an den Gruben Etole Romrnaine interessiert und es wird angenommen, daß sich dieselbe noch an weiteren Unternehmungen beteiligen und den deutschen Markt nach und nach von der Standard Oil Company befreien wird. Deutsche Auleiheu. Das 'Aettestenkollegium der Berliner Kaufmannschaft hat in feiner letzten Sitzung bte Frage des Kursstandes der 3prozentigen Anleihen einer Erörterung unterzogen und babei ebenfalls hervorgehoben, daß die ungünstige Kursentwicklung nicht nur auf das Anziehen der Geldsätze, fonbem auch auf die Wirkung des Börsengesetzes zurückzuführen sei, das eine Einschränkung des Börsenverkehrs herbeigeführt, die Kuliffe ausgeschaltet und dadurch den Zwischenhandel erschwert hat. Kohlenkontor. Unmittelbar nach Neugründung des rheinisch-westfälischen Kohlensyndikats soll ein Zusammenschluß sämtlicher seither am Kohlenverkehr über die Rheinhäfen interessirten Kohlengroßhandlungen zum Abschluß gelangen. Man war schon einmal zu gleichem' Zweck zusammengekommen und kurz nach Neujahr 1902 dem Abschluß nahe, jedoch scheiterte damals der groß- angelegte Plan an dem Widerstand einiger der größeren Firmen. Wie es aber bisher im Kohlenhandel gegangen ist. soll es nutzt weiter gehen können; derselbe ist total zerrüttet, die Preisschleuderei enorm. An dem Kohle,rkontor, das diesmal in Aussicht genommen ist, will sich auch das Kohlensyndikat direkt beteiligen. Ob etwas rus der Sache wird, werden wir ja bald sehen. Meteorologische Beobachtmrgen bet Station Gietzerr. September 1903. Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft i Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 29. 2« 747,5 20,2 13,1 74 sw. 4 Sonnenschein 29. 925 748,4 14,6 11,8 96 8. 1 Heller Himmel 30. 726 749,4 12,8 10,6 97 8. 1 Bew. Himmel Höchste Temperatur am 28.-29. Sept. 20,4° C. Niedrigste , „ 28., 29. , 9,8" O. Wöchentliche WerWim Todesfälle m der Stadt Gießen. 37. Woche. Vom 6. bis 12. September 1903. (Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (inkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 23,19, nach Abzug von 7 Ortsfremden: 9,66 °/to. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: hn vom Typhus KD 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr 1(D - Attersschwäche Brechdurchfall 1 2 1 2 — Krebs 2(1) 2(D —— —— Gehirnerweichung KD 1(1) Diphtheritis KD — - 1 (1) Herzfehler 1 1 —— — Verunglückung 2(2) 2(2) — — tötlicher Körperverletzung _____ 1(1) 1(1) — — Summa: 12 (7) 9 (6) 2 1 (1) Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Krcurke kommen. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeiude. Gottesdienst in der Synagoge, Sudan läge. Donnerstag den 1. Oktober: Bersöhrrrrrrgsfest. Dorabend: 6 Uhr. Predigt. Morgens': 7.30 Uhr. Predigt mit Seelenseier: 11.30 Uhr. Nachmittags: 3.15 Uhr. Thoravorlesung. Schluß-Predigt: 5J0 Uhr. Festesausgang: 6.45 Nhr. NB, Wahrend der Predigt ist der Eintritt nicht gestattet. Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben ««berücksichtigt.) L. L. Die schöne alle Stadt am Rhein wird leider amtlich immer noch „Eöln" geschrieben, nicht wie's gut deutsch wäre und wie's alle guten Kölner tun. Schiffslulchrichteu. Hamburg-Amerika Linie. Vertreter in Gießen S. Elsoffer, Marktstraße. Hamburg, 28. Septbr. Der Hamburger Schnell-Post- Dampfer „Moltke", Kapitän Dempwolf, ist am 26. September, 4 Uhr nachnu, wohlbehalten von Hamburg via Southampton und Eherburg in Newyork angenommen. Neueste Meldungen Originalbrahtmeldungeu des Gießener Anzeigers. Berlin, 30. Sept. In den anhaltischen Landtag ist bei den gestrigen Wahlen wiederum ein Sozialdemokrat gewählt worden. Frankfurt a. M., 30. Sept. Auf dem Börneplatz wurde in der vergangenen Nacht ein 18jähriger Slrbeiter namens Schmidt mit schweren Vertetzrmgen aufgefunden. Er starb auf dem Transport nach dem Heilig-Geist-Hospital. Er soll bei einer Schlägerei von Zuhältern erstochen worden sein. London, 30. Sept. Wie aus bester Quelle versichert wird, ist Lord Milner ein Minister-Portefeuille angeboten worden, jedoch hat sich derselbe Bedenkzeit erbeten. Man glaubt, daß die Krisis nicht vor Ende der Woche gelöst wird. London, 29. Sept. Eine große öffentliche Versammlung in Sanct James Hall nahm eine Resolution an, in der erklärt wird: 1. die Mißregierung in Mazedonien und das Mißlingen aller Versuche zur Einführung von Reformen unter türkischer Kontrolle mache es notwendig, daß die direkte Herrschaft des Sultans in den mazedonischen Provinzen aufhöre, 2. die von England in dem Berliner Vertrag übernommenen Verpflichtungen erfordern, daß England Schritte tue, um der Niedermetze l u n g von Nichtkämpfenden und der gegenwärtig verübten Plünderung Einhalt' zu gebieten und auf die anderen Vertragsmächte zu Gunsten der oben bezeichneten Politik ein- zuwirten, 3. wurdeHllfeleistung zur Abwendung der Hun g e rs- not für dringend notwendig erklärt und die Einsetzung eines Balkan-Komitees verlangt, um Notständen vorzubeugen. Unter den Rednern und Teilnehmern der Versammlung waren alle politischen Parteien und alle religiösen Bekenntnisse vertreten. — Die „Morning Post" meldet aus Tschifu: Eine Räuberbande raubte bei einem Einfall in Tokusan 15 reiche Chinesen, um ein Lösegeld zu erpressen. —■ Der „Morning Post" zufolge herrscht große Bestürzung im Palu- Distrikt, wo russische Truppen das koreanische ttf-er de§ Flusses besetzten. Ancona, 30. Sept. Der Anarchist Vechito wurde bei seiner Ankunft auf einem Dampfer verhaftet. Es wurden 2 Kilogramm Dynamit bei ihm vor'gefunden. Wien, 30. Sept. Das ,Fremdenblatt" bestätigt, daß anläßlich der Anwesenheit des Zaren und des Ministers des Aeußeren, Grafen Lambsdorff, die Situation im Orient neuerdings gründlich zur Erörterung kommen wird. Mmr drückt die Hoffnung cnls, daß das Land die gegenwärtige schwierige Situation überwinden und eine allmähliche Befferung der Lage eintreten werde. — Eine von der Parteileitung der österreichischen Sozialdemokraten abgehaltene Protestversammlung der Arbeiterschaft gegen den Zarenbesuch konnte die von Dr. Ellenbogen eingebrachte Resolution nicht annehmen, da die Versammlung durch den anwesenden Regierungsvertreter aufgehoben wurde. Asch, 30. Sept. Die wegen ihrer seltenen Kunstschätze und ihrer historischen Vergangenheit berühmte Kirche in Wunsiedel ist infolge Blitzschlages vollständig nieder- gebrannt. Klagenfurt, 30. Sept. Die bekannte Schauspielerin Marie Geislinger ist heute nacht auf ihrem Gute in Kärnten gestorben. Bozen, 30. Sept. Professor Mozellino aus Bacano ist in dem Sugaer Gebirge abgestürzt und blieb t o t. Sofia, 30. Sept. General Zontschew hat an 27 in Ost-Mazedonien stehende Freischaaren die Ordre gegeben, mit den kriegerischen Operationen zu beginnen. Zontschew selbst, der von den Bauern überall enthusiastisch begrüßt wurde, hatte in den letzten Tagen zwischen Melnik und Nevrokoy mehrere Gefechte zu bestehen. New-Port, 30. Sept. In einem Gesuch an die deutsche Regierung hat die Verwaltung der Cornrl- Universität sich bemüht, die Aufhebung der Verfügung zu erlangen, durch welche der Dozent der deutschen Sprache an der genannten Universität, Professor Fritz Pauls, angewiesen wurde, sich zum Einjährig-Freiwilligendienste im deutschen Heere zu stellen. Professor Pauls hatte bei seinem Besuch in Deutschland in diesem Sommer die Mitteilung erhalten, er müsse dienen, oder er werde expatriiert werden. Das Gesuch der Universitätsverwaltung hatte keinen Erfolg, ebensowenig die Anrufung des deutschen Botschafters in Washington. Telephonischer Kursbericht* Frankfurt 3W0 Reichsanleihe . . 101.05 8% do. ... 90— 3*/,% Konsols .... 101.55 3% do......90.01 31 /go/o Hessen .... 100.— 3^/,56 Oberhessen . . . 99.02 4% Oesterr. Goldrente . . 101.09 4^6% Oesterr. Silberrente 100.05 4% Ungar. Goldrente . . 99.03 4°/o Italien. Rente . . . 102.09 41/a% Portugiesen ... 50.08 8°/., Portugiesen. .... 30.85 1% C. Türken .... 3665 Türkenlose......133,02 4% Griech. Monopol «-Aul. 43.05 4äussere Argentiner —.— ». 2L., 30. September 1903. 30/o Mexikaner .... 27.62 4,/2% Chinesen . . . . 91.08 Electric. Schlickert ... 95.01 Nordd. Lloyd . . . . 102.02 Kreditaktien..... 202.02 Diskonto-Kommandit. . . 187.01 Darmstädter Bank . . . 136.04 Dresdener Bank .... 146.08 Berliner Handelsges. . . 153.09 Oesterr. Staate bahn . . . 138.07 Lombarden . . . , . 16.03 Gotthardbahn . . . . . 191.05 Laurahütte ...... 226.05 Bochum ....... 180.75 Harpener......186.00 Tendenz: fest. Die Kinder gedeihen i| Hervorragend vorzügHch^abei^^®^^ bewährt* bei & leiden Brechdurchfall, an Yerdauungs-^ A Diarrhoe Störung. W etc. c 5702 Das Kaiserliche GesrmdhettS-Amt und der Kaffee. Der ungeheure Import von Bohnenkaffee in Deutschland beweist, wie verbreitet dieses Genußmittel bei uns ist und wie wenig man sich in den weitesten Kreisen der Bevölkerung die Gefahren und Schad- llchketten klar macht, die der regelmäßige Genuß von starkem Kaffee mit sich bringt. Allen denen, tvelche sich von der nachteiligen Wirkung des Kaffees auf den menschlichen Organismus, namentlich auf Nerven, Herz und Magen bis jetzt rricht überzeugen ließen, möge eine soeben vom Deutschen Reichs-Gesundheits-Amt herausgegebene Spezial-Broschüre „D e r K a f f ee" zur Belehrung und Aufklärung dienen und zwar in ihrem eigensten Interesse. In dieser Broschüre warM das Kaiserliche Gesundheits-Amt, in dessen Namen hier die größten wiffenschaftlichen Autoritäten sprecheir, ernst und eindringlich vor dem regelnläßigen und übermäßigen Genüsse von Bohnen- kaffe. Auf Grund zahlreicher, eingehend geschilderter Fälle und Beobachtungen kommt das Kaiserliche Gesundheits-Amt zu dem Schluß: „Ein Getränk, welches bei Verwmdung kleiner Mengen doch schon die Anfänge der geschilderten Vergiftungs-Wirkungen in sich trägt, eignet sich nicht zum Genuß für Kinder, nervöse und Herzkranke Personen."— Es fft daher von größter Wichtigkeit, ein gutes Ersatzmittel für den Bohnenkaffe ausfindig zu machen. Unter den Produkten, welche bisher in den Handel famen, dürfte nach dem übereinstiminerrden Urteil aller Autoritäten, die sich hierüber geäußert haben (v. Pettenkofer, v. Ziemssen, Vrrchow, Eulenburg, Tobold 2c.), Kathreiners Malzkaffee als vollkonlmenster 5kaffe-Ersatz zu betrachten sein, weil er den Anforderungen der Hygiene, des Wohlgeschmackes und der Haushaltung gleichmäßig entspricht. ____AMTLICH GLIäZEND BEGUTACHTET:____ ®SALUTARI$S TOILETTE-FETT-SEIFE Otmbertroffen für baut- u retetpfiege r Rciu. «nd. sparsam C.Maurnann, Seifen- u. Parfämeriefabrik, Offenbach a.AL Versteigerung. Donnerstag de« 1. Oktober nachmittags 3 Uhr sollen dahier Marktplatz Nr. 20 (3um Adler) 1. Möbel aller Art, 3. eine Ladeneinrichtung und verschiedene Kurzwaren, 3. 30 Blumenkörbe, und 4. eine größere Partie Schuhwaren gegen bar versteigert werden. Gießen, 30. September 1903. '52J Seipel, Gerichtsvollzieher. AeWlsHen-AseWsl EMlerzer Gieren. Unsere neuen 7353 O nichts» Kimse beginnen am Dkensrrrg den 6. Oktober, abends 8y2 Uhr in unserem Vereinslokal, Frankfurter Hof. Unterrichtshonorar tt Alark. — Unterrlchtsdauer 3 Monate. Anmeldungen werden beim Beginn des Unterrichts entgegen» genommen. Der Vorstand. Giessen 9 Seltersweg 9. 3008 10 ©O O R. har Geld. X R 51k. zu ton | Ziehung garantiert 7. Oktober 1903 68i ;| der Deutsch - Kolonialen - Lotterie 2328 «ÄH 400001 Los 1 Mk.. 11 Lose 10 Mk. Porto u. Liste 25 Pfg. empfiehlt gj J. Stürmer, Loil.-Gcnorai-Aßent, Strassburg i. Lis. | und alle mit diesen Losen kenntlichen Verkaufsstellen. 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Zur Ginsütdierung gelangt: 7235 Berlioz e Des Heilands Kindheit. tim vollzähllges Erscheinen wird ersucht. <^cr Vorstand. Allen Freunden und Bekannten sagen beim Umzug R 9 nach dem Äuppen-Uebungsplatz Hagenau L E. herzlichst G Lebewohl! A 9 7348 Garnisou-Berwaltnugs-Snspektor @ L. Volker und Frau. * W Gasaneströoior.^en, Explosionen aasgeschlossen. Orossxrt. Züiswahl i. allen Preislagen. Anerkannt erste Market D< / Durch epochemachende Pa- <6, tente technisch wie hygienisch « idealstes Heinings-System. W- P Enrfl PI stör Nacht, Giessen. „„ Samstag den 3. Oktober ISO3 im Saale des Kaf^ Leiö: Winterfest bestehend aus Konzert, Theater, Gesangsvorträgen, Tauz. 7362 Eintritt 1 Mart. Anfang 81/, llhr. Der Vorstand. überall Stadt. Schlachthaus. greHxmt. Heute und morgen: Rmtzfieifch SO Kfz. irocfnen die Futzoodcufarbeu von Adolf Bieter, Drogerie, Marttstraße 5. 6144 Reizend! 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