Nr. 176 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gtefjtner Kamillen, blätter viermal in der Woche betgelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Untvers.-Buch- u. Stein- drucke re t (Pietsch Erden- Redaktion. Expedition und Druckerei: Gchulstratze 7, Adresse für Depeschenr «n-eiger Gieße«. Fernsprechanschluß Nr. 51. 153. Jahrgang Zweites Blatt. Donnerstag 3V. Juli 1903 Ä Ä PezugSpret-r d jOK WST d mVnatlich75Vf^viertel» Glchener Anzeiger i ” General-Anzeiger Verantwortlich für " ben polit- und alkgem, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen UDZ tF -Mr i u zetgenteil: HanS Beck. Die heutige Wummer umfaßt 8 Seiten. Dationatfoziate und Ureistnnige Bereinigung. Von Partei-Absplitterungen und Partei-Neugründungen ist so oft zu melden gewesen, daß es den Reiz oer Neuheit hat, wenn eine politische Gruppe auf die „glänzende Isolierung" vernichtet und sich einer größeren Gemeinsamkeit anschließt. Tie Nation alsoziale Partei hat den vernünftigen Schritt getan und den Uebergang in die Freisinnige Vereinigung beschlossen. Die neueste Nummer der ,Jpufe", des Organs der Na- rionalsozialen, bringt die Mitteilung, daß der Vorstand der nationalsozialen Partei mit der Freisinnigen Vereinigung wegen eventueller Verschmelzung bereits in Unterhandlung steht. Sie veröffentlicht folgenden Brief des Abg. Schrader an den Pfarrer Naumann: Berlin, den 27. Juli 1903. Sehr geehrter Herr Pfarrer! Am 21. Juli haben Sie im Auftrage der Mehrzahl der Mitglieder des Vorstandes des national-sozialen Vereins mir als dem Vorsitzenden des „Wahlvereins der Liberalen" mitgeteilt: daß Sie auf dem bevorstehenden Delegiertentage des nationalsozialen Vereins den Antrag stellen werden, auf eigene Parteitätigkeit zu verzichten und bei uns anzufragen, wie ich und die parlamentarisch tätigen Freunde uns zu einem etwaigen Anschluß ihrer Mitglieder und Vereine an den Wahlverein der Liberalen stellen würden. Darauf erwidere ich Ihnen ganz et- gebenst, daß ich von meinen parlamentarischen Freunden, denen ich mich anschließe, ermächtigt bin, Ihnen folgende Erklärung abzugeben: Wenn die Mitglieder der nationalsozialen Partei unter Ausgabe ihrer Stellung als selbständige politische Partei sich dem Wa hlverein der Li beraten durch Eintritt in denselben an sch ließ en, so sind sie uns als vollberechtigte Mitglieder willkommen. Dieser Erklärung Haven ausdrücklich zugestimmt: Sämtliche gegenwärtige Mitglieder des Reichstags und sämtliche Mitglieder des preußischen Abgeordnetenhauses der Freisinnigen Vereinigung, mit Ausnahme der Herren Ernst und Peltasohn, die bisher, weil auf Reisen, nicht zu erreichen waren. Ich hoffe aber, deren Zustimmung noch eher zu erhalten, als Sie von vorstehender Erklärung Gebrauch zu machen haben werden. Es steht selbstverständlich nichts entgegen, daß Sie die Namen der Zustimmenden mit der Erklärung beLanntgeben. Mit vorzüglicher Hochachtung ganz ergebenst gez. Schrader. Der Parteitag der Nationalsozialen, der Ende August in Göttingen stattfindet, wird dieses Aufgehen in die Freisinnige Vereinigung voraussichtlich sanktionieren. Pfarrer Naumann wird ihm folgende Anträge unterbreiten: 1. Mr lösen den Berliner Hauptverei naus und sehen in Zukunft den Wahlverein der Liberalen Schrader, Barth, Goth ein und ihre Freunde als unseren p o l i t i s che n Mittelpunkt an. Ein Gesinnungswechsel ist mit diesem Eintritt in eine befreundete Organisation nicht verknüpft, da wesentliche Unterschiede in politischen Hauptfragen heute nicht mehr bestehen. Es ist vorauszusehen, daß wir in dem Maß unserer Mitbetätigung im Lause der Zeit auch an der Leitung dieses politischen Körpers beteiligt sein werden. Die Bereitwilligkeit, uns willkommen zu heißen, ist auf der anderen Seite vorhanden. 2. Unsere Orts -und Provinzialvereine können bestehen bleiben und gliedern sich dem Mahlverein der Liberalen in derselben Weise an, wie sie es jetzt gegenüber dem nationalsozialen Hauptverein getan haben. Rudolf Sohm, der bekannte Leipziger Rechtspro- fessor, scheint mit diesem formalen Akt nicht ganz einverstanden zu sein. Er erklärt in der „Hilfe": „Ter Parteitag, ist gar nicht in der Lage, die Fortdauer der Partei zu beschließen . . . Wir stehen vor einer vollendeten Tatsache: eine nationalsoziale „Partei" besteht schon in diesem Augenblick nicht mehr." So wäre denn der Nationalsozialismus an seinem Ende angelangt, wenn auch selbstverständlich nur als Partei. In Baden freilich, wo die Nationalsozialen im letzten Jahre eine ziemlich lebhafte Agitation entfaltet und in den größeren Städten des Landes Ortsvereine gegründet, bei den Reichstagswahlen aber keine Kandidaten aufgestellt haben, sind sie durchaus nicht geneigt, die politische Selbständigkeit zu begraben. Auf einer am letzten Sonntag in Heidelberg abgehaltenen Konferenz beschlossen sie, sich durch Aufstellung eigener Kandidaturen in zwei oder drei Bezirken möglichst eifrig an den Landtagswahlen zu beteiligen. Der Verschmelzung mit der Freisinnigen Vereinrg- ung wollen die badischen Vertreter nur dann zusammen, wenn für die neue freisinnig-nationale Partei ein neuer, den nationalsozialen Ideen Rechnung tragender Name, z. B. sozialliberale Partei, gewählt wirb. . Professor v. Schulze-Gaevernitz in Freiburg t. B. allerdings stimmt dem Naumannschen Vorgehen freudigst zu. Er schreibt: , , t _ .. r Tie Entwicklung ist glücklich so wett, daß bie Nattonal- sozialen von einer der in Betracht kommenden politischen Gruppen nur noch durch den Namen getrennt sind. Die Verschmelzung mit der Freisinnigen Vereinigung wäre für die Nationalsozialen ein h o ch erfr eu l i cher Er,o lg. Sie gewännen damit eine kleine, aber a u s g e z eich n e t e p a r l a m e n t a r i sch e Vertretung. Mehr ist bei der Natur ihres Programms zurzeit überhaupt nicht möglich. Sie gewännen Parteiverbindung mit einer Dotitische Tagesschau. Die Reunkirchuer Rede des Bischofs Korum. Ter Bischof von Trier hat, wie wir gestern bereits kurz meldeten, im katholischen Dkännerverein in Neunkirchen eine Rede gehalten, in der er auch auf den vielbesprochenen Trierer Schulstreit zurückkam. Sie behandelte im übrigen besonders bas Verhältnis der katholö- scheu Arbeiter zu der Kirche und Geistlichkeit. Der Bischof führte u. a. alus: Seitdem der göttliche Heiland sich einen Arbeiter als Schützer seiner Jugend auserkoren hat, muß man anerkennen, daß auch unter dem einfachen Kleide des Arbeiters eine edle Seele wohnt. Die Arbeiter, wellchje in harter Tätigkeit ihr Brot verdienen, sind berufen, sich um den göttlichen Heiland zu scharen. Nachdem die Mrche Gottes ihrer Güter beraubt worben ist, ist es doppelt wunderbar, daß gerade in dieser Zett die Arbeiter des Saarreviers alles Hingaben, um chrer zeitigen Mutter, der Kirche, beizustehen. Ich, wünsche, daß die katholischen Vereine sich zusammenscharen, daß die Bereinsmttglieder eine heilige Phalanx bilden, um aus dem Plan zu erscheinen, wenn es gilt, die höchsten religiösen Güter zu verteidigen. Nie hat der katholische Adann gekargt, für sein Vaterland Opfer zu bringen, Geld und Blut hinzugeben für feinen1 König und die Ehre seines Vaterlandes; für sein irdisches Vaterland kämpft der Katholik mit Mut und Treue. Die katholischen Arbeiter sind den andern eben* bürtig, wo es gilt, als Stütze des Staates zu fechten. Mr Katholiken brauchen uns nicht zu schämen, wenn wtt jetzt sagen: wtt wollen unter unserer katholischen Fahne treu für Gott, König und Vaterlano kämpfen. Wir wollen andere nicht verletzen und verfolgen, wir wollen es auch nicht besser Haden als die anderen, aber so gut wie die anderen wollen wir es auch haben. Dasselbe Recht wollen wir beanspruchen, dieselbe Freiheit wollen wir genießen, die anderen so reichlich zu teil wird. Ich bedaure, daß wir Bürger desselben Landes uns nicht verstehen, daß wir Katholiken der Freiheit beraubt wurden, und man verlangt, daß wir unsere Ketten küssen. Mr sollten nicht mehr das Recht haben, unsere Kinder in voller Freiheit in unserer Religion zu erziehen? Mr sollten schweigen, wenn wir mit blutendem Herzen zusehen müssen, wie schon in die Seelen unserer! Kinder Gift gegen uns geträufelt wird? Ich habe nur einen Wunsch: bleibt einig, sorgt für Eintracht und brüderliches Zu jammenstehen. Wenn wir Katholiken einig sind, wenn wir überall die Rechte unserer Glaubensbruder verteidigen, dann sind wir unbesiegbar. Tumulte im ungarischen Parlament. Im Atzgeordnetenyause zu Budapest ereignete sich am Mittwoch gleich bei Beginn der Sitzung ein beispielloser Zwischenfall, der bisher noch nicht aufgeklärt ist und das Haus in tumultuarische Bewegung versetzte, sodaß nach der ersten halben Stunde dre Sitzung unterbrochen werden mußte. Abg. Dr. Papp legte auf den Tisch des Hauses 10 Tausend-Kronennoten nieder und erklärte, daß ihn der ehemalige Abg. Tienes nrit diesem Gel de habe bestechen wollen, damit er nicht länger an dem Obstruktionslainpfe teilnehme und Budapest verlasse. Tienes habe von 12 OOu Kronen 2uu0 Kr. als Provision zurückbehalten. In den Wandelgängen wurde mit* geteilt, daß DieneS, der „im Namen einer anonymen Excel l e n z" gehandelt haben soll, jetzt Bücherkolporteur sei und von e?mer Seite als Vertrauensmann angesehen werden könne. Abg. Lovasch berichtet, dag an den Direktor der Zeitung „Magyar Orszag", Aufrecht, eine Anfrage gerichtet sei wegen des Preises, den das Blatt fordern würde, Eßen und tüchtigen Tagespresse. Es wäre eine Ehre sie, einer politischen Gruppe zuzuzählen, welcher nner yngehörten, die mehr als alle anderen Deutschland in die Wege der Weltwtttschaft hineinführten: Bamberger, der Schöpfer der deutschen Goldwährung, S i e m e n s, der Begründer der deutschen Bank. Der zu früh verblichene Rösicke war der erste deutsche Großunternehmer, der eingehende Kenntnis der sozialpolitischen Gesetzgebung und ein warmes Verständnis für die Arbeiterbewegung besaß.' In sozialpolitischer Hinsicht bietet heute Dr. Barth vollste Gewähr. Auch die Nationalsozialen kommen nicht mit leeren Händen. Ihnen ist weithin die Blüte der deutsch en Jugend, wie der Universitätslehrer zu beobachten Gelegenheit hat. Sie besitzen politischen Schaffensdrang und eine leidenschaftlich ergebene Anhängerschaft. Sie werden weiter arbeiten, nun erst recht unter Fortbestand ihrer Organisatton, ihr bewährter Führer an ihrer Spitze, aber mit Anlehnung an einen befreundeten Parteiverband, hoffend, daß dieser ersten Verschmelzung aus der Linken weitere folgen werden. Prof. Schulze schließt mit einer schönen rhetorischen Wendung, wie sie einst Herder beliebte: „Verdienstvoll ist der Chemiker, welcher ein neues Element auffand, verdienstvoller derjenige, welcher die gemeinsame Natur bisher unterschiedener Elemente nachwies." Diese Hoffnung des Freiburger Professors hat leider schwerlich so bald Aussichten auf Erfüllung. Tie große liberale Partei ist ein schöner Wunfch, der nur d en Mangel hat, daß er von zu Wenigen geteilt wird. Vom „Berl. Tagebl.", das ein unermüdlicher Herold dieser Parteiverschmelzung ist, wird denn auch der Zusammenschluß der Nationalsozialen und der Freis. Vereinigung mit Freuden begrüßt, „weil er eine Etappe auf dem Wege der Einigung der Liberalen bedeutet". Bei weitem kühler verhält sich die „Voss. Ztg.", indem sie bemerkt: Tie finanzielle Kraft des Nationalsozialen Vereins müsse völlig erschöpft sein, denn in der Einladung zu dem Göttinger Vertretertage heißt es: „Eine Erstattung von Reisekosten durch unsere Hauptvereinskasse ist, entgegen der Gewohnheit früherer Jahre, diesmal nicht möglich." Mr möchten unsererseits dem Nationalsoz. Ver. als ein besonderes Verdienst anrechnen, baß. sie in nüchterner Erkenntnis der Tatsache, daß ohne ausreichende materielle Unterlage keine noch so ideal gerichtete Partei auf die Tauer existteren kann, mit Selbstverleugnung dem größeren und leistungsfähigeren Verbände sich gesellt. Tie Freisinnige Vereinigung kann sich beglückwünschen zu diesem Zuwachs von Intelligenz, Rührigkeit und Schaffenskraft, insbesondere auf sozialpolittschem Gebiete. Schließlich sei noch mttgeteilt, daß einem der bekanntesten Nationalsozialen, dem Vorsitzenden des Bundes deutscher Bodenreformer, Adolf Damaschke, zu Gunsten des Verbandes eine erhebliche Erbschaft zugesallen ist. Sie besteht in einem großen Miets Hause im Westen Berlins. Das wertvolle Vermächtnis ist dazu bestimmt, die Ideen des Vereins soweit lvie möglich in bie Praxis zu übertragen und auf diese Weise agitatomsch zu wirken. Es scheint jedoch, als ob sich der Abwicklung und Uebergabe der Erbschaft noch einige Schwierigkeiten entgegenstellen. Drittel seiner gesamten Ausfuhr, während Rußland nur 8—9 Prozent der deutschen Ausfuhr aufnimmt. Ferner gibt die Darlegung zu erwägen, daß Rußland den ihm von deutscher Seite gewährten Warenttedit sehr nöttg braucht, und daß es in anderen Ländern schwerlich so nachsichttge Gläubiger findet, wie bei uns. „Man hat sich im großen Publikum daran gewöhnt, bei der russischen Ausfuhr nach Deutschland meistens nur an Weizen und Roggen zu denken; demgegenüber kann nicht genug betont werden, daß auch die übrigen landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die Rußland uns liefert, recht bedeutend sind. Ich erinnere bloß an russische Kleie, die im Jahre 1901 einen Wert von fast 37 Millionen Mark hatte. Und dann die Hereinfuhr im Werte von 41,6 Millionen! Weiter die Riesenmeugen von Holz, die auf dem Memelstrome und der Weichsel nach Deutschland verflößt werden. Auch hier zeigt sich die Interessengemeinschaft zwischen Deutschland und Rußland in besonders klarer Weise. Rußland kann ftoh sein, daß es die gewaltigen Bestände seiner Waldungen so bequem an uns absetzt." Aber Rußland ist auch als Käufer aus das Ausland, und speziell auf Deutschland, angewiesen: „Rußland wird noch auf Jahre hinaus ein Abnehmer ausländischer Maschinen, Jnjirumente und Apparate sowie anderer Fabrikate sein." Den deutschen Maschinen wird aber in Rußland unbedingt der Vorzug vor den englischen gegeben, bie nach einem Bericht des englischen Konsuls aus Odessa den Ruf haben, „nur ein Engländer könne sie bedienen". Beiläufig sind in ru,sssichen Fabriken allein sieben Milliarden französisches Kapital festgelegt! Franb- reich hat aber nur ungefähr ein Zehntel der Einfuhr, die von Deutschland nach Rußland geht. Alles in allem: Rußland braucht den deutschen Markt „wie's liebe Broll^, und darum wird dieser neue Verttag unsere mindeste Sorge sein können. Wen vraucht Rußland? In seinen Volkswirtschaftlichen Studien aus Rußland erzählt der bekannte Staatswissenschastler Professor Dr. v. Schulze-Gaevernitz in Freiburg i. B. zur Kennzeichnung der Stellung, die der Deutsche in Rußland einnimmt, folgende Beobachtung: Der Bauer sagt halb mißtrauisch, halb bewundernd angesichts der Ernte, welche er auf den Feldern des Deutschen reifen sieht: „Ein listiger Deutscher, selbst' vom lieben Gott erzwingt er die Ernte!" Aehnliche naive Aeußerungen, die aber auch von einem gewissen Neid auf die Erfolge des Deutschen eingegeben sind, kann man in Charakterschilderungen bei Turgenjesf und anderen russischen Schriftstellern lesen. Der Deutsche zwingt dem Russen Achtung ab, in seltenen Fällen Neigung, bemerkt ein vorurtettsfteier Russe, der lange im Auslande gelebt hat. Mit diesen nationalen Eigentümlichkeiten jchemt auch die Regierung im Zarenlande zu rechnen, wenn sie plötzlich gegen den Nachbar unfreundliche Maßregeln ttisst. Was ist denn nur vorgefallen? welche politische oder wtttschaft- liche Verstimmung gab> den Anlaß zu solcher Revanche? fragt die Oeffentlichkeit und wundert sich, bie Antwort zu hören, daß alles in schönster Ordnung sei zwischen Berlin und Petersburg. Der Zar zeichnet vielleicht in demselben Augenblick einen unserer mllitärischen ober diplomatischen Vertreter in liebenswürbigster Weise aus. Die zweite Ueber- raschung ist, daß dies nicht den mindesten Einfluß übt auf den Kurs, den beispielsweise Herr v. Witte einzuschlagen für gut befunden hat. Man sagt der e n g l i s ch e n Politik nach, daß sie sehr sorgfältig jedes Gefühlsmoment ihren Berechnungen fernzuhalten wisse; dasselbe gilt von den Amerikanern. Noch viel kühler, nüchterner, rücksichtsloser gehen die russischen Staatsmänner vor. Es gibt für sie kein anderes Gesetz, als der Vortett. Ob Deutschland mit Rußland zu einem Handelsvertrag gelangt, entscheidet sich einzig danach, ob Rußland dabei seine Rechnung zu finden hofft. Erwägungen politischer Art — „traditionelle Freundschaft" — spielen demgegenüber eine nebensächliche Rolle. $n einem Vortrag, ben der Syndikus des Verbandes ostdeutscher Industrieller, Dr. W. Jo h n, in Berlin gehalten hat wird in interessanter Weise ausgeführt, daß Rußland geradezu gezwungen ist, einen neuen Handelsvertrag mit uns w schließen, weil Deutschland ein unvergleichlicher Staufer ist. Deutschland kauft von Rußland etwa ein a) b) b) c) c) Deutsches Keich. d) Aus Stadt und Land eitung zur Gründung und 3. Sie Ortsgruppe Gietze: „Politisches ABC-Buch', lungsgehilfen-Verbcindes Hut okratie", „Sozialdemokrat sammlung in Meßen das E der Rechte an der Universität Freiburg i. B. Dr. Wilhelm van Calker hat den Ruf als Nachfolger des am 1. Okt. in den Ruhestand tretenden ord. Prof. Dr. Heimburger an- in den Ruhestand den Charakter als „Förster" verliehen. ** Von der Landesuniversität. Der Privatdozent an der Partie. ** Ein seltsames Schauspiel wird Sportfreunden am nächsten Sonntag geboten werden, nämlich ein Rennen zwischen Reiter und Radfahrer auf dem Sportplätze an der Hardt. Texas Tex, ein amerikanischer Reiter, den seine Gesichtsfarbe gleich als Mexikaner kennzeichnet, hat einen Preis von 200 Mk. gesetzt. Herr Gennies hat sich erboten, das Rennen mit Texas Tex aufzunehmen. Auch Szenen aus dein Prärieleben der westlichen Teile Nordamerikas sollen geboten werden. Texas Tex, welchem die besten Zeugnisse aus allen größeren Städten Deutschlands zur Sille stehen, ist überall mit seiner Truppe mit größtem Beifall aus- ~ . Ersuchen gerichtet, die Sonntag s'ar 6 eit im Handelsgewerbe aus die Zeit von morgens 11 Uhr bis mittags 1 Uhr zu beschränken, somit also das Ossenhalten der offenen Verkaufsstellen in Gießen nur während diejer zwei Stunden zuzulassen. Die Kammer beschloß in einem Gutachten an die Großh. Bürgermeisterei Gießen sich gegen eine Aenderung dex jetzt geltenden Bestimmungen über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe auszusprechen, zumal auch in den Nachbarstädten ^"Anschluß d es Zuges 504 Gießen-Gelnbausen 6. Sitzung der Großh. Handelskammer Gießen, für die zkrcise Gießen, Alsfeld und Lauterdach. Arbeiten beantragt, bei der neuen Zusammensetzung der Bezirks-Eisenbahnräte in diesen eine besondere Vertretung der Binnenschiffahrt herbeiführen zu wollen. Wenn auch im Bezirke der Kammer die Binnenschiffahrt nlcht vertreten ist, so erklärte sich die Kammer doch prinzipiell mit dem Anträge einverstanden. und Smyrna. Tie Eingänge können während der Geschäftsstunden un Bureau der Handelskammer eingesehen werden. 7. Eingänge: Von der Eisenbahnverwaltung wird daraus hinge- wiesen, daß im Herbst voraussichtlich wieder sehr hohe Anfoärerungen an den Staatswagenpark gestellt werden und es sich im Interesse eines raschen Verkehrs empfiehlt, den Hausbedarf an Kohlen usw. für den Winter schon jetzt zu beziehen und nicht bis Anfang Oktober oder November damit zu warten. Auch ist tunlichst auf die volle Ausnutzung des Ladegewichts, sowie auf die schleunige Be- und Entladung der Wagen Bedacht zu nehmen. Festschrift der Zeitschrift „Der deutsche Cigarrenhand- ler, herausgegeben zur Jahresversammlung des Zentralverbandes deutscher Cigarren- und Tabakladeninhaber (enthält verschiedene Aufsätze über die Geschichte und Entwicklung der deutsci)en Cigarren- und Tabakindustrie, darunter einen Artikel „Gießen Gießen, 30. Juli 1903. •* Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Heinrich Bertaloth, seither Vizemachtmeister im 1. Großh. Drag.-Regt. (Garde-Drag.-Regt.) Nr. 23, das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, dem Forstwart der abnormalen Domanialforstwartei Rothen- Staatsanleihen", „Praktische Anleitung zur Gründung und1 Errichtung von Konsumvereinen", Die Irrlehren der Sozialdemokratie", .. tische Zukunftsbilder", „Jugenderinnerungen", „Im alten Reichstag", „Erinnerungen" rc. — Di' Herb st para de des Gardekorps findet als Fabrikationsort"). Von zuverlässiger Seite sind der Kammer Mitteid ungen zugegangen über die Einfuhr von Tuchen nach der Türkei, Absatzgelegenheiten für Metalle und Metallwaren nach Syrien, für die deutsche Eisenindustrie nach Japan, über die Geld- und Geschäfts- Verhältnisse in Veraeruz, über den direkten Import nach Portland, über Vorgänge in der nord amerikanischen Papierindustrie, über die mexikanische Exportkommission, über den Erfolg der Amerikaner im Export, über die sogen, deutsche Handelskammer in Bukarest und über zweifelhafte Firmen in London frMrrrr 1 OCm yuL|iiuuw, uu ........—i—i-----------' < f) 'Zirpen Winterfahrplan 1903/04 hat die Handels- berg II, Georg Braun zu Rothenberg aus Anlaß semer kammer folgende Aenderungen beantragt: | mit Wirkung vom 1. August 1903 an .erfolgten Versetzung Anschluß des Zuges 794 (Gießen ab 2.17 nachm.) an den Schnellzug 171 Frankfurt a. M-München. Anschluß des Zuges 531 Gießen-Fulda (Gießen ab 9.13 abends) an den D-Zug 74 Hamburg-Frankfurt a. M. und an einen Zug von Frankfurt a. M. Beibehaltung der Frühzugverbindung Alsfeld- Lauterbach-Grebenhain (Grebenhain an 7.13 morgens). Sicherstellung des Anschlusses zwischen Zug 1341 Burggemünden-Kirchhain (ab Burgaemünden 6.55 morgens) an den Schnellzug 79 nach Cassel in Kirch- toatn es die EiusteNung der Obstruktion befür- wortv. Als Anfragenden bezeichnet erben Redakteur eines Kcüpwrtageblattes, Arthur Singer, ^lbg. Thof beantragt die Einsetzung einer Kommission zur Untersuchung der ->or- fälle Der Antrag wird einstimmig angenommen. Um 1 Uhr erbebt sich der Ministerpräsident, um zu beantragen, die Erörterung über sein Programm zu unterbrechen und zui Verhandlung der Jndemnitätsvorlage überzugehen. Nach den ersten Worten erhebt die Obstruktion ein viertelstündiges ohrenbetäubendes Geschrei. Der Vizepräsident ist genötigt, die Sitzung au unterbrechen. Nach der Wiederaufnahme erhebt sich der Ministerpräsident wiederum, worauf der tobende Lärm neu beginnt Der Ministerpräsident steht zehn Minuten aufrecht, ohne ziun Wort gelangen zu können, und läßt sodann dem Schriftführer den schriftlichen Antrag überreichen, das Haus möge in die Verhandlung der Jndemnitätsvorlage ein* treten. Als dies die Obstruktion bemerkt, stürzen die Abgg. Rntkeni und Fay nach dem Präsidententisch und versuchen dem Schriftführer den Antrag zu entreißen. Dieser wehrt sich mit Gewalt gegen die auf ihn eindringenden Mitglieder der Obstruktion und nimmt das Blatt mit dem Antrag in die aridere Hand, doch gelingt es den Angreifern, von der anderen Seite das Blatt zu erhaschen und zu zerreißen. Indessen erhielt der Präsident eine zweite Ausfertigung des in zwei Exemplaren eingereichten Antrages. Der Antrag ist somit eingereicht. Die ^ribune nm den Präsidententisch füllt sich mit Abgeordneten beider Parteien, die in leidenschaftlichen Wortwechsel geraten. Es kam wiederholt zum Handgemenge zwischen Mitglie- deru der Obstruktion und der Regierungspartei. Unter großer Auftegung wurde die Sitzung unterbrochen und ernc geschlossene Sitzung anberaumt. Diese Sitzung, in welcher über die Bestechungsaftäre und über die angeblich geschafts- ordnungswidrige Einreichung des Antrags des Ministerpräsidenten verhandelt wurde, dauerte bis nach 4 Uhr. Dann wurden die Verhandlungen wieder öffentlich geführt ^m stürmischen Verlause der öffentlichen Sitzung meldet der der Kossuthpartei angehörige Abg. Paul Nessi, daß Martin Dienes jene Wechsel, die Nessi für den oppositionellen Magyar Orszag" girierte, zusammengekauft hat, um hierdurch auf Nessi eine Pression auszuüben. Nachträglich wird noch eine interessante Episode aus der großen Sturmszene bekannt. Als mehrere Abgeordnete die Präsidententribüne stürmten, rief ihnen PräsidentTal- lian zu: „Wer mich berührt, und damit die Wurde eines Präsidenten des ungarischen Abgeordnetenhauses verletzt, ist ein Kind des Todes", worauf der oppositionelle Abg. Poszgay erwiderte: „Einen Präsidenten, der ungesetzlich vorgeht, werfen wir von der Präsidententribüne herunter." In ungarischen Regierungskrcisen verlautet, daß Gras Khuen sich mit der Idee der Auslösung des Wgeordneten- hauses trage und ihm daher sicher die jetzigen Sturmszenen, die er durch seinen Antrag gesteigert hat, sehr gelegen kommen. Der bisherige Verlauf der Sitzung, deren Ende unabsehbar ist, hat bereits vier Ehrenaftären im Gefolge. $ a) Der Sprechbereich von Gießen und Alsfeld na chden! Meinlanden und Westfalen genügt zurzeit nicht den Bedürfnissen des Geschäftsverkehrs. Die Kammer hat daher seine Ausdehnung aus einige weitere Jn- dnstrieplätze beantragt und mit Rücksicht aus die starke Belastung der Fernsprechlinien Gießen-Frankfurt a. M. und Frankfurt a. M.-^löln die Herstellung einer direkten Linie Gießen-Köln in Anregung gebracht, da sich dann eine wesentliche Erweiterung des hiesigen Sprechbereiches ermöglichen läßt. Gleichzeitig hat! die Kammer u. a. die Ausdehnung des Alsfelder Sprechbereichs auf einige kurhessische Orte, sowie die Einbeziehung der Orte Bermutshain und Lichenroth in Vorschlag gebracht. Auf eine Beschwerde wegen Beschädigung von Gußwaren beim Aus- und Umladen auf der Station Gießen wurde der Kammer mitgeteilt, daß diese Beschädigungen in der Regel beim Rangieren der Wagen entstünden und daher nicht immer zu vermeiden seien; bei eigenem Verschulden leiste die Eisenbahnverwaltung aber regelmäßig Ersatz. Ter Mangel einer Vertretung der Kammer im Bezirks-Eisenbahnrat zu Köln hat sich in der letztens Zeit bei verschiedenen tarifarischen Maßnahmen, die die Interessen des KvmmerbezirkS berührten, unon-, genehm fühlbar gemacht. In Anbetracht der vielfachen geschäftlichen Beziehungen zu den Rheinlanden hat die Kammer die Entsendung eines Vertreters in den Bezirls-Gisenbahnrat zu Köln beantragt. In der Sitzung des Bezirks-Eisenbahnrats zu Frankfurt a. M. vom 28. Mai d. I. wurde beschlossen, einen Antrag auf Einlegung eines zweiten Schnellzugpaares Köln-Gießen zu befürworten. Die Kammer hat im Einvernehmen mit der Handelskammer zu Siegen beantragt, den ersten Zug von Köln vormittags gegen ? 10 Uhr in Gießen eintreffen zu lassen Aum Anschluß I ■ an den Schnellzug nach Hamburg und den Gegenzug im Anschluß an den von Halle-Kassel eintreffenden Schnellzug gegen 6 Uhr abends von Gießen abfahren zu lassen, sodaß er in Betzdorf die Fahrgäste des Schnellzuges Hagen-Betzdorf aufnehmen kann L e) Einem vielfach geäußerten Wunsche entsprechend, L brachte die Handelskammer die Ausgabe direkter Fahrkarten Gießen-Kissingen und umgekehrt in Vor- \\ £ef, 29^Jnli. Das ,Mpz. Tagebl." ist zu der ('rilärulia ermächtigt, idaß Profejlor Has; e nicht im Wahlkreis Dessau auf gestellt werden wird. genommen. a •• Pistolenduell. Wir lesen in der ^Franks. Ztg.", daß gestern vormittag hier zwischen Studenten ein Pistolenduell stattgefunden haben soll. Einer der Gegner soll ungefährlich verletzt sein. — Bereits vorgestern abend „ wurde dieses Gerücht in gewissen Kreisen verbreitet. Man (Gießen ab 5.50 morgens) an den Zug 213 Frank- erzählte sich, der Verletzte habe eine Beinwunde erhalten, furt a. M.--Elm. Etwas Bestimmtes hat sich bisher nicht ermitteln lassen. Herstellung eines Anschlusses zlvischen den ZugenI .. $inß Exkursion durch das unterirdische Ä9 Gelnbauft^Gießen^ ' fGießen unteniahm gestern nachmittag Geheimrat Professor Anschluß dc?Zug^6^ Giehen-En (Gießen Dr. Gassky mit etwa 20 seiner Hörer unter Führung deS ab 5.40 nachmtttagZ) an den Schnellzug Köln-Pcrris. Baumeisters Braubach. An der Mundung der Wieseck m die Sicherstellung des Anschlusses Gießen-Abendstem- Lahn, von wo die Besichtigung des Hauptsieles ihren Anfang Wetzlar in Abendstern um 8.25 morgens. nahm, verbreitete sich der Leiter unseres Tiefbauamtes über Sicherstellung des Anschlusses Lollar-Abendstern- Zweck und Art der Durchführung der Kanalisation, Gießen an Abendstern um 6.30 nachnnttags.^ ± worauf die Wanderung im gemauerten Siel von dort aus angetreten wurde, um mit der Benutzung des Einsteigschachtes am Dücker an der Wieseck wieder an das Tageslicht zu kommen. Aber gleich am andern Ufer stieg man wieder in die Tiefe, um an der Kaplansgasse, Ecke Bahnhofstraße, die Exkursion zu beenden. Besonders die Kreuzung an der Westanlage, wo der Schoorgraben unter das Siel hingeführt ist und wo die sinnreiche, aber höchst einfache Einrichtung getroffen wurde, dereinst mittels des Wassers der Schoor das Siel durch einen Ueberlauf in dasselbe, wenn nötig, reinigen und spülen zu können, erregte das Interesse der Teilnehmer iMarburg und Wetzlar eine längere ^8ertau^^^eit beftetyt1 AllSUMö. Ter vorliegende Antrag ist geeignet, den sonntäglichen Ver- Bier Iain 3 als möglich hin. Sie «einen, Balfour musß L 3 j.anbej§tammet jU Metz erblickt zwischen dem der öffentlichen Memnng nachgeben und stch lcht auf ine Bürgerlichen Gesetzbuches und dem 8 63 des Seite der Freihändler ftcHen ®d)uti.3«i'nner mußten t und regt die Auf- dann aus dem Kabinett ausschc,dem Der drescr Kombrnatwi . ^ -g^^ 2 Handelsgesetzbuches an, ist aber nicht in Betrackst gezogen, daß Chamberlam ebenso h g 8 ° tzaudlungsgehilsen, der durch zäh an seinem Amte hängt lute fern 0»ße8f »^6'06 »iS- ^l^tiebXXte8 ^004 an der Dienstleistung verhin- marcks es tat. Chamberlain wrrd wahrschernlrch tion feiner die ihm etwa zufließenden Beträge aus der Kran- Schutzzollpolitik zu retten suchen was zu retten rst und dn”rabeni Gehalte nicht abge- sich und die Welt damit vertrösten, datz der Rest spater kem uu^Unfallverstch wo em Frühstück geboten wurde. Morgen ftuh geht „Stein o> haltenen H o l z v e r k ä u f e n a u s d e n h e s s i, ch e n wieder in See. DninanialWaldungen sind außer den verkauften Mengen und den erzielten Preisen auch die Namen und Wohnorte der Käufer angegeben. Von einigen Holzhändlern wird daraus hingewie^en, daß eine Veröffentlichung Vrotokoll-Ausiua. Ider Namen der Käufer nicht im kaufmännischen Interesse Protokoll Auszug. unb bie Unterlassung ihrer Bekanntgabe befürwortet. Gießen, den 28. Juli 1903. ib schätz sich, dieser Anregung an und wird emen Anwesend die Herren: Kommerzienrat Koch, Vorsitzen- entsprechenden Antrag an die Großh. Regierung richten. der; Kommerzienrat Heichelheim, Balser Jhrmg, MtzA g. Tie Handelskammer zu Duisburg hat in einer Ein- Moll, Nowack, Rinn, Röhr, Schirmer, Schmall, Zurbuch, Bc an ben preußischen Herrn Minister der öffentlichen sowie der Syndikus Dr. Knipper. . ■ ----------' --------- o”^ww<,wUhuttrt 1 Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes mit- B e r l in, 29. Juli. Man meldet ans M o (Norwegen): Tie ,Zohenzollern" mit dem Kaiser an Bord ist heute abend nach Drontheim in See gegangen. — Die Kaiserin hat dem vaterländischen Frauen- Derein in der Provinz Posen als Bechllfe für seine Hilfs- tätigkeit zum Besten der Ueb erschwemmten 1000 Mark zukommen lassen. — Unter dem Vorsitz des FinanzmiUiiters Frhrn. von Rheinbaben fand heute im Finanzministerium unten Zuziehung von Vertretern der Minister der geistlichen An- aelegenheiten, der Landwirtschaft, des Innern und der öffentlichen Arbeiten eine Beratung über die aus Anlaß der diesjährigen Uebe schwemmunrgen in der Provinz Posen zu treffenden Maßnahmen statt. Für die nächsten Maßnahmen wurde der Betrag von 3000 0 0 Mk. als notwendig bezeichnet, von dem seitens des Finanzministers vorbehaltlich der nachträglichen Genehmigung des Landtags sofort 270000 Mk. ä fonds perdu zur Verfügung gestellt wurden, während die Vertreter der Provinz die Gewährung einer Beihilfe von 30000 Mk. ä fonds perdu eiten in Aussicht nehmen zu können. Im übrigen | chte Einverständnis, daß auch hier die Entschließung über die weiter erforderlichen Maßnahmen Vorbehalten bleiben müsse, bis die näheren Ermittelungen über den Umfang des Schadens und die Höhe der erforderlichen Beihilfen zum Abschluß gelangt sind. Wegen der Hoch^- wasserschädeu in der Provinz Brandenburg findet morgen unter Teilnahme des Oberpräsidenten von Potsdam und des Regierungspräsidenten in Frankfurt a. O. eine gleiche Beratung im Finanzministerium statt. — Heute konstituierten sich unter dem Vorsitz desStaats- sekretars Grafen Posadowsky etwa 80 Herren aus Berlin und Umgegend als Reichshilfskomitee zu Gunsten der durch das Hochwasser Geschädigten.! Der Kronprinz übernahm das Protektorat über die Tätigkeit des Komitees. Es sind sofort 35000 Mk. nach, Schlesien, 10 000 Mk. nach Posen und 5000 Mk. der Provinz Brandenburg überwiesen worden. — Der „Reichsanz." veröffentlicht die Ernennung des Regierungsrats Dr. Stühlmann unter Verlechung des Charakters als Geh. Regierungsrat zum Direktor des Biologischen landwirtschaftlichen Instituts in Amani in Deutschostafrika. I Gießen .... ~ , — Am 30. Juli vollendet der Führer der Freisinnigen I 2. Von der Großh. Regierung ist der Kammer ein Ent- Volkspartei Eugen Richter sein 65. Lebensjahr. Wurf von Bestimmungen, bett, bie Einrichtung und Ueber den äußeren Lebensgang des Genannten bemarkea den Betrieb der zur Herstellungvon Cigarren, wir kurz folaendes: In Düsseldorf, als Sohn eines Militär- Cigaretten, von Rauch-, Kau- und S-ch nupf- arztes Geboren, studierte Richter in Bonn, Heidelberg und tabak bestimmten Anlag en, sowie ein weiterer Ent- Berlin die RÄte, war 1859—1864 Regierungsreferendar, wurs, betr. die Regelung der Heimarbeit in der Ci- dann Reaierungsassessor in Düsseldorf. 1864 trat er aus garrenindustrie zur Begutachtung übersandt wordeu dem Staatsdienst, siedelte nach Berlin über, wo er journa- Tie Kammer hielt zwar die Ausdehnung der Verordnung listisch tätig war. Seit 1867 Mitglied des norddeutschen, auf die Cigaretten-, Rauch-, Kau- und Schnupftabakfabri- seit 1871 des deutschen Reichstages, seit 1869 des Preußin I kation und die Regelung der Cigarren-Heimarbeit für be- schen Abgeordnetenhauses. Seit 1885 ist er Herausgeber rechtigt, erklärte sich aber gegen einige Bestimmungen der ber ^aeinnnigen Zeitung. Er schrieb: „Das preußische Entwünfe, die zum teil als überflüssig und undurchführbar Staatsschuldenwesen und die preußischen Staatspapiere", und die Entwicklung der Cigarren- und- Dabatinoustne direkt ^Das neue Gesetz betreffend die Konsolidation preußischer gefährdend angesehen werden müssen. Staatsanleihen", „Praktische Anleitung zur Gründung und 3. Tie Ortsgruppe Gießen des deutschnationalen Hand- an die Stodtverordnetenver- Kunst und Wissenschaft. großen Üniversitätsjubiläum von 1886 darstellen. Kandwirtfchast Telephonischer Kursbericht. -Frankfurt ». J1M 30. Juli 476% Oesterr. Silberrento 100.80 4% Ungar. Goldrente , . 101.45 372% 3% 3V,% 3% 102.40 91.00 102.20 91.05 101.00 102*90 Reichsanleihe do. Konsois . do. . . Schiffsnachrichten. Norddeutscher Lloyd. Kleidung im Stiche lassen. Eine Kälte von 20 Grad machte den Aufenthalt in den Booten bedenklich, da man noch weit von Häfen entfernt war. Beim Kap Jork liegen zwar einige Hütten, doch sind diese nur vorübergehend bewohnt, weshalb die Schiffbrüchigen sich entschlossen, die weiter südlich gelegenen dänischen Kolonien aufzusuchen. Ein Boot erreichte nach 4 Tagen Umanak, ein anderes nach 5 Tagen Ritenback und die beiden letzten erst nach vollen 8 Tagen Godthaab. Alle 45, Mann waren sehr leidend. Gesicht, Hände und Füße waren erfroren; doch genasen sie unter der Pflege der dänischen Kolonisten und eines Arztes. Der Dampfer „Nor" überführte 14 Mann der schottischen Gesellschaft nach Kopenhagen, und der Dampfer „Godthaab" nimmt weitere 20 Mann mit nach " Schottland. Der Rest der Besatzung verblieb noch in der Offenbach, 29. Juli. Der Großherzog wohnte Pflege in Grönland und wird erst später befördert werden dessen mit ungebeugtem Mut die medizinischen Wissenschaften weiter. für ihre Darlegungen den Beifall der Konferenz. Die sich daran anschließende Debatte nahm einen sehr regen Verlauf. Mit einem kurzen Bericht über den Stand der Kreislehrerbibliothek durch Rektor Luerssen-Wetzlar schloß der amtliche Teil der Konferenz. werdend Die beiden Referenten Söhngen-Bonbaden und Hofmann-Neukirchen aus der Inspektion Braunfels ernteten gestern nachmittag prähistorischen Ausgrabungen in der Ro» | fönneMn* berstadt bei. genommen worden. Anfang der Rennen nachmittags 4 Uhr. Texas Tex hat seine werte Person und seine 5 amerika- schen Pferde auf Textors Terrasse bereits untergebracht. Am Freilag und Samstag nachmittag wird man die beiden Herren auf dem Sportplätze trainieren sehen können. oo« 40 -warm Forderung, sich Fr eitag 5 Uhr nachmittags in der Pauli- m nischen Kapelle des Vatikans gammeln, nm sich zum Konklave zu begeben. Huthändler und stud. med. Der „Bayerische Kurier" bringt folgende Notiz: Unter den Herren, die dieser Tage in München die sämtlichen medizinischen Examina bestanden haben, befindet sich auch ein junger Mann, der durch eisernen Fleiß und seltene Ausdauer im Kampfe gegen alle Hindernisse endlich sein Ziel erreicht hat. Der junge Mann war nämlich infolge verschiedener Schicksalsschläge genötigt, bisher ein kleines Hutgeschäft zu führen, studierte aber unter- r. Mainz, 29. Juli. Die hiesige Stadtverordnetenversammlung genehmigte heute abend in geheimer Sitzung gemäß den Anträgen des Finanz- und Bauauschusses den Ankauf der Mainzer Pferdebahn von der ^Süddeutschen Eisenbahngesellschaft" in Darmstadt. Einschließlich eines großen, der Süddeutschen Eisenbahngesellschast gehörigen Grundstückes in der Neustadt hier beträgt der Kaufpreis 1400 000 Mk. Die Pferdebahn geht am 14. Juli 1904 an die Stadt über, die jetzt vollständig freie Hand zur Anlage ihrer elektrischen Bahnen hat. Daß der friedliche Ausgleich zwischen der Stadt und der Süddeutschen Eisenbahngesellschast i zustande gekommen ist, ist hauptsächlich dem Abgeordneten! Dr. Schmitt zu danken, der bei zahlreichen Verhandlungen die streitige Sache in Wege zu leiten wußte, die einen Ankauf durch die Stadt ermöglichten. — Als Vertreter der Stadt Mainz auf dem Städtetag in Dresden wählten die Stadtverordneten Oberbgm. Dr. Gaßner, Dr. Bamberger und Baumeister Rühl. 3u/o Mexikaner . . . 472% Chinesen . . . Electric, bchuckert . . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. . Darmstädter Bank . . Dresdener Bank . . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatebahn . . Lombarden .... Gotthardbahn .... Laurahütte..... Bochum . , , ... Harpener .... Tendenz: fest. 372% Hessen . . . 373% Oberhessen . . 4% Oesterr. Goldrente . 1903. . 26.75 . 92.50 . 88.20 . 98.00 . 208.50 . 187.90 . 136.70 . 147.50 . 154.20 , 143.70 . 17.50 . 191.00 . 220.50 . 181.00 . 181.00 Wetzlar, 29. Juli. Auf dem heute abgehaltenen V i e h - markt waren 180 Stück Rindvieh und 660 Schweine aufgetrieben. X. U l r i ch st e i n, 29. Juli. Unserem „I a k 0 b i m a r k t e" ist Jupiter pluvius von jeher sprichwörtlich hold gewesen; diejenigen Jahre ohne seinen nassen Segen auf diesem Markt gehörten immer zu den Ausnahmen. Auch gestern regnete es und vorgestern und ganz besonders stark am heutigen dritten Markttage. Die Auffahrt am Rindviehmarkt wurde durch das Regenwetter in den frühen Morgenstunden des ersten und zweiten Markttages ganz bedeutend abgeschwächt. Wer mochte auch aus der Umgegend sein I Marktoieh dem strömenden Regen preisgeben? An Handelsleuten. fehlte es nicht. Die Preise waren für die wenig vorhandenen Stücke, die raschen Absatz fanden, hoch. Des schlechten Wetters ungeachtet war der gestrige zweite Markttag mit Schweinen recht gut befahren. Die Händler hatten nicht mehr unter dem Quarantäne- gebot der Seuchengefahr zu leiden und infolge dessen ihre gewohnten gefüllten Parks mit Ferkeln aufgestellt. Trotz des starken Angebots hielten sich die Preise auf der Höhe. Das Paar Jungschweine galt 45 bis 50 bis 55 Mk., zweiter Sorte 40 bis 42 bis 45 Mk.; Läufer kosteten pro Paar 80 bis 90 Mk. und 90 bis 100 Alk. — Der heutige dritte Markttag ist ein Volksfesttag für die nähere und weitere Umgebung, der trotz aller anderen Feste seine besondere Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesrllschaft. Sabbathfeier am 1. August 1903. Freitagabend 7L0 Uhr. Samstag Vormittag 8 Uhr. Nachmittag 4 Uhr. J Sabbathausgang 8.55 Uhr. Wochengottesdienst: Morgens 6 Uhr, abends 7.30 Uhr. Kriefkasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) H. B. „Das von dem und dem innehabende Logis ist m m^?leten" l1t ein schauerlich falsches Deutsch. Ein Logis wrrd rlntle gehabt, h a t aber selber doch nichts anderes inne als hrtaQ ikten!ß — ö802| Schön mobl. Zimmer Stäheres Löberstraße 8. mieten. GelterSweg 61. 08611 selbe die 1/1 Flasche zu 18 Pfennig 9 Suls-Mazosm... Karl TräMer 12 Maigafle 12 empfiehlt Schrcinermeister weröenj nach €af€ Ebel AijnMhel Ktelien-Gejuche Uevsclliedcnc r—— UMfMstlM - -* <>• ‘. itketiicludje : ■ Iu vermieten (Offene Stellen Außer den von mir seither geführten Bieren bringe jetzt auch Mainzer Mienßier beliebt wegen seines reinen, müden Geschmackes und weit es außerordentlich gut bekommt, zum Berkau, und emp,ehle das- Alters ö“----------- 5845 an die Expedition d. Bl. 03526) 1 Sopha, 1 runder Tisch, 1 Schreibpult, 1 Ladentisch, 1 Waschbütte rc. zu verkamen Südanlage 20. 03612] Aus 2 Mon. ein möbl.Zim. of. z. v. Grünbergerstr. 44, 2 Tr. 03530) Möbl. Zimmer zu vermieten. Stemflraße 17. 5816] Tücht. 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