Erstes Blatt Donnerstag 3V. Juli 1803 153. Jahrgang Teil: P flätttto: für »Stadt und Land^ und J8ertd>t6faale: August Götzi für den An- ietgentetl: Hans Beck. Nr. 176 Erscheint täglt* außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden Im Wechsel mit dem yekfischen Landwirt die Gießener Familien, platter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'jchen Untver^Buch- u. Stein- druckerer (Pietsch Erben) Redaktion. Expedition und Druckerei: Gchalftraße *!• Adresse für Depeschent Anzeiger Gießen. Kerniprechünschluß Nr. 5L Bezugspreis» monatlich75Pf„ viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch dlePost Mk. 2.—viertel- fährt, ausscht. Bestellg. Annahme von Anzeigen füt öie TageLnummer bis vormittags 10 Uhr. ZettenpreiSr lokal 12 Pf, auüwürts SO Pfg. Gietzener Anzeiger w General-Alyeiger a Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Das sozialdemokratische Reichstagsprästdium. Gießen, 30. Juli. Schon nach den vorletzten Reichstagswahlen, im Jahre 1898, hat man sich über die Doktor frage unterhalten, ob nicht der Sozialdemokratie in Rücksicht auf die Stärke ihrer Vertretung im Reichstag ein Sitz im Präsidium gebühre. Die Zunahme der sozialdemokratischen Mandate bei den letzten Wahlen, der umständ insbesondere, daß die Sozialdemokratie mehr als drei Millionen Wähler auf ihrer Seite gesehen und die zweitstärkste Fraktion geworden ist, hat das Thema von 1898 aufs neue zur Debatte gestellt. Diese Debatte hat seither Wochen gefüllt, es ist aber auch aus dem Strerte Bernstein-Bebel nichts besonderes herausgekommen. Am Montag hat sich nun in München der Führer öer bayerischen Sozialdemokratie, Herr v. Vollmar, über diese Präsidialfrage geäußert, und zwar mit einer mustergültigen Konsequenz. Das Thema hieß „Lehren und Folgen des Reichstagswahlergebnisses". Er legte also zunächst die prinzipielle Basis. Und er tat dies, indem er in der Kritik alle übrigen Parteien, von der äußersten Rechten bis zu den linksten Liberalen, zwischen diesen und der Sozialdemokratie einen unüberbrückbaren Graben zog, und auf der einen Seite gruppierte, was das sozialdemokratische Programm „eine einheitliche reaktionäre Masse" nennt, und auf der anderen Seite seine Partei: die er ein aus solidestem Material gebautes, jedem Angriff widerstehendes Fahrzeug nannte, „das sicy mit ruhiger Sicherheit auf der rechten Bahn bewegt und dem erstrebten Ziel zusteuert, der EroberungderpolitischenMacht zur Erlösung des unterdrückten Volkes". Und so lautete die Summe der weiteren Ausführungen: „wir haben alle Macht-- saktoren des parlamentarischen Lebens auszunützen, um unsere Ideale ins Leben zu setzen". In diesem Rahmen behandelte dann der Führer der bayerischen Sozialdemokratie das Thema: Beteiligung der Sozialdemokratie am Vizepräsidium im Reichstag. Das will besagen, daß die Sozialdemokratie auch nach den Anschauungen des Abg. v. Vollmar Sitz und Stimme im Präsidium der deutschen Volksvertretung lediglich unter dem Gesichtspunkte zu erstreben hat, inwieweit dieser Anteil am Präsidium ein Mittel auf dem Wege zum „Endziel" ist. Es sei, so sagte Herr v. Vollmar, parlamentarische Gepflogenheit, daß die größten Parteien im Reichstag den Präsidenten stellen; Ausnahmen sind freilich insofern vorgekommen, als dem Zentrum jahrelang das Präsidium vorenthalten worden ist. Wir Sozialdemokraten haben also jetzt ein Recht auf das Präsidium und müssen es'geltend machen. Zu den geschäftsordnungsmätzigen Pflichten des Reichstagspräsidiums gehören auch repräsentative, so der Besuch beim Kaiser. Wollen wir also unseren Anspruch ernstlich erheben, so werden wir diese Bedingunger füllen müssen. Die Frage lautet nur, ob für uns, die Sozialdemokratie, die Vorteile oder die Nachteile überwiegen. Für die Sozialdemokratie ist aber schon die bloße Teilnahme am Reichstagspräsidium agitatorisch wertvoll, und daun ist der Einfluß des Präsidenten wichtig für den Fall der „Vergewaltigung der Minderheit, wie wir sie bei den Zolltarisverhandlungen erlebt haben". Es würde, und da hat Herr v. Vollmar zweifellos recht, um die Prinzipien der Partei schlecht bestellt sein, wenn diese durch dre Berührung mit einem Fürsten erscyüttert werden könnten. Durch Besuche beim Reichsoberhaupt von feiten der Sozialdemokraten würden letztere viel zur Wahrung der Würoe des Parlamentarismus beitragen. — Bei Gelegenheit der Zeitungsdebatten, die im Anschluß i an die Darm st äd ter parlamentarischen Abende seit zwei 'Jahren von ein paar reaktionären Organen in Berlin und Hamburg höchst überflüssigerweise hervorgerufen wurden und bei denen jene Blätter sich Herausnahmen, unseren Landesherrn zu warnen und zu belehren, haben wir stets von dem entgegengesetzten Standpunkt aus dieselbe Ansicht wie Herr v. Wollmar vertreten; es müßte wahrlich um die monarchischen Prinzipien jämmeruch bestellt sein, wenn die kurze Plauderei eines Monarchen wie des hessischen mit einem Sozialdemokraten wie Herrn Ulrich sie erschüttern könnte. Und ebenso haben wir bereits vor Wochen, als man die Personensiage des nächsten Reichstagspräsidium zu erörtern begann, unsere Ansicht dahin ausgesprochen, daß durch die Wahl eines Sozialdemokraten ins Präsidium die parlamentarischen Sitten nur gewinnen könnten. Das deutsche Reich wird auch mit einer Handvoll Sozialdemokraten im Reichstage und einem sozialdemokratischen Präsidiumsmitgliede wahrlich nicht zu Grunde gehen. Bisher ist überdies mit Recht die Frage der Besetzung des Reichstagspräsidiums niemals eine andere Frage gewesen, denn eine solche, wie sie sich aus der Reichsver- sassung ergibt. Die Reichsverfassung kennt nur einen Reichstag, aber leine Fraktionen, und sie kennt nur 397 Abgeordnete, von denen jeder sich als Vertreter des gesamten Volkes, nicht aber als Parteibeauftragter fühlen, namentlich aber nicht als bezahlter Parteibeauftragter sein Amt ausüben soll. Parteidiäten sind direkt verboten. Die Verfassung kennt nur Beschlüsse der absoluten Mehrheit und daß diese Mehrheit auf diesem Wege auch den Präsidenten wählt. So wollen wir denn abwarten, wie sich die Mehrheit demnächst entscheiden wird. Jedenfalls ergibt sich, wenn man allem Brauche zuwider die Präsidialscage zu einer oIT5cnLpfütbcn wie eine ewige Krankheit jortcrbcn s ollen. ___— _ Ordnung. * Larvik, Norwegen, 29. Juli. Am Montag abend tmb in letzter diacht wurden Auss chr ei tun g e n g e g en den Polizeimeister Selicath wegen angeblicher rücksichtsloser Behandlung von Arrestanten verübt. Die Menge schlug die Fenster und Türen der Polizeimeisterwohnung und des Polizeibureaus ein und verletzte Polizeibeamte. Sechs Arrestanten wurden gewaltsam befreit. * M o n s, 29. Juli. Wahrend einer Truppen-Besichtrg- ung des 2. reitenden Jäger-Regiments durch General Graindel kam gestern ern Reiter zu Fall, wodurch vier nachfolgende Kavalleristen ebenfalls stürzten. Alle fünf trugen schwere Verletzungen davon. * Lissabon, 29. Juli. Wer dieser Tage durch die Straßen Lissabons wanderte, der konnte das wunderbarste aller Schauspiele sehen und anbeten, nichts weniger als die ,Himmelfahrt der Seele Papst Leos XHT. Warum sie den Umweg über Portugal gewählt hatte, wußte aller-' dings niemand zu erklären. Fromme Leute knieten dort und beteten und starrten unverwandt zum Himmel hinauf. Und wirklich, dort am westlichen Horizont in der Nähe der Sonne konnte man trotz des Tageslichts einen blinkenden Stern wahrnehmem Erne alte Frau behauptete, daß es dje Seele des toten Papstes sei, und das Volk glaubte ihr und sank auf die Knie. Vergeblich erklärten die Zeitungen später, daß jener Stern keineswegs der Papst, sondern der Abendstern Venus gewesen sei, der ausnahmsweise der klaren, durchsichtigen Lust wegen noch vor Sonnenuntergang sichtbar geworden sei, das Volk glaubte den Zeitungen nicht und schwört aufs Wunder. So wird denn Portugal um eine fromme Legende reicher sein. * Lemberg, 29. Juli. In Altsandek haben die Brüder Stephansti ihren dritten Bruder, mit dem sie in Erbstreirigkeiten geraten waren, ermordet und die Leiche auf die Eisenbahnschienen gelegt. Das Verbrechen wurde jedoch entdeckt. Dre Mörder sind flüchtig. * Baku, 29. Juli. Gestern standen in Balachany die Petroleumwerke in Flammen. 50 Bohrtürme und bin gen berufen. Von einem ungenannten, hochherzigen Gönner war von neuem eine beträchtliche Summe für Ausgrabungen aus dem „Trieb" zur Verfügung gestellt worden. Der Erfolg dieser Schürfung war ein hervorragender, wie denn überhaupt durch planmäßige Offenlegungen der vorrömischen und römischen Grab- bezw. Wohnstätten in der Umgebung von Gießen, das Bild der früheren Besiedelung immer llarer hervortritt und uns Einblick in eine längst verschwundene Kultur gestattet. Durch diese rastlosen Arbeiten hat die prähistorische Abteilung unseres Museums heute schon eine Bedeutung gewonnen, die sie würdig an die Seite mancher als hervorragend bekannten Sammlungen stellt. Immer ist noch viel zu tun; es steht zu hosfen, daß sich auch die Zahl der Gönner des Museums mit den erzielten Ersolgen mehrt, damit es nicht an Mitteln fehle, die erforderlich sind, alle die noch schlummernden Schätze vergangener Tage zu bergen. Daß Gießen ein selten günstiges Forschungsgebiet rst, hat uns zum Ueberfluß die in den letzten Wochen erfolgte Hebung selbst jungdiluvialer Knochenreste von Tieren aus der Eis- und Höhlenzeit am Ostabhange der Hardt nahegelegt. Ter Ausbau des alten Schlosses aus dem Brand wird eifrig gefördert, so daß die Einräumung des Museums in die neuen Räume wohl in nächstem Jahre stattsinden wird; dann erst werden unsere Sammlungen zur rechten Geltung und Würdigung gelangen. Wie diese herangewachsen sind, dafür sprechen Zahlen. Im Jahre 18<9 wies das Inventar 149 Nummern aus, heute sind sie zu der stattlichen Zahl 6122 angewachsen! Ter vorliegende kurze Abriß wichtiger Daten aus der Chronik des Oberhessischen Geschichtsvereins zeigt, wie anregend und fruchtbringend die Tätigkeit des Vereins von jeher war. Möge auch in Zukunft eine freudige Anteilnahme aller Berussschichten unserer Stadt und Provinz den Verein weiter begleiten. Kr. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Prioat-Diskont 3 Prozent. - Schlußkurse. 208.40 211.25 136.00 180.75 180.37 m. b. H. in Berlin Anfangs- Oest. Kredit.... 208.25 Deutsche Bank . . • 210.80 Darmstädter Bank . . 136.40 Bochumer Guß . . • 179.90 Harpener Bergbau . . 180.40 Schluß-Tendenz: fest. Gesellschaft für drahtlose Telegrahie (kombiniertes deutsches System „Telefunken"). Tie fahrbaren ^eld- stationen, die vor Kurzem von der Heeresverwaltung der Vereinigten Staaten von Amerika bezogen worden sind, haben jetzt bei ihrer Erprobung das Resultat ergeben, daß eine tadellose Te- legramnmbermittelung aus über 100 Kilometer über Land möglich gewesen ist. Die Gesellschaft hofft, daß sich, wie früher dre Marine der Vereinigten Staaten, so jetzt auch die Armeelettung definitw jür das deutsche funkentelegraphifche System entscheiden werde. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft Berliner VSrse vom 29. Juli 1903. Universitüts Nachrichten. Leipzig 28. Juli. In der Aula der Universität konstituierte sich in zahlreicher Versammlung ein Leipziger Zweigverem des A k a d e m i s ch e ii S ch ii tz v e r e i ii s. Der Berem bezweckt, un Interesse der Wissenschaft ihrer Arbeit und^des Publikums, bei dem Verlag, Vertrieb unb Absatz der wissenschaftlichen Li eratur em- zuwirken, um der Verteuerung der Schriftwerke zu steuern, den Absatz zii fördern ilnd die Autorcii gegen die wirtschaftliche Ueber- macht der Verleger beim Abschluß der Verlagsvertrage zu schützen. Die Gründilng des Vereins ist, wie ausdrücklich hervorgehoben wurde, den ivisselischaftlichen Produzeiiten aufgezwungen durch die Zustände des Buchhandels, die zu einer Preissteigerung der wissen- fchaftUchen Literatur geführt haben, welche für deren ferneres Gedeihen mit großen Gefahren verbunden fei. — Ein Examen für Tierzucht-In 1 pektoren ist an der Landwirtschaftlichen H o ch s ch u l e z u B e r l in eingerichtet worden. Es wird damit bezweckt, dem Tierzuchtbetriebe Manner zuzufuhren, die neben gediegenem theoretischen Wissen auch eine tüchtige praktische Erfahrung besitzen. Wenn auch bisher durch das Zusammenschlüßen einer größeren Zahl von Züchtern, bei denen gleichartige wirtschaftliche Verhältnisse sich mit einer gleichartigen Ausbildung ihres Tierzuchtbetriebes vereinten, und durch Bildung von Genossenschaften, Herdbuchgesellschaften usw. große Fortschritte auf dem Gebiete der Viehzucht zu verzeichnen waren, so traf dieses doch weniger in Gegenden mit vorwiegend Kleinbetrieben zu. Segensreich haben dort bisweilen Männer gewirkt, die ihre Genosseii mit Rat und Tat unterstützten und die her- züchterische,i Bestrebungen überwachten, ebenso landwirtschaftliche Wanderlehrer niid Tierärzte, allein das alles waren doch nur Not- behelfe, und mehr und mehr wurde der Wunsch nach der Mitarbeit gründlich vorgebildeter Tierzuchtinspektoren rege. Diesem Verlangen soll die Ailsbildung der Tierzuchtinspektoren Rechnung tragen. Zur Prüfung werden mir solche Kandidaten Hügel assen, welche die landwirtschaftliche Abgangsprüfung, die Prüfung für Lehrer der Landwirtschaft, oder die tierärztliche Approbations- Prüfung bestanden haben. Für Landwirte ist außerdem der Nachweis einer vierjährigen praktischen Tätigkeit in der Landwirtschaft erforderlich. Die Prüfungskommission besteht aus den vom preutz. Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten zu Examinatoren ernannten Dozenten der Landwirtschaftlichen und der tierärztlichen Hochschule unter Vorsitz des Rektors der Landwirtschaftlichen Hochschule. NavhtareservorrS sind verbrannt. Das Feuer wütet noch in verschiedenen Bezirken. Die Bohrtürme der Firma Nobel und der Kaspigesellschaft, sowie anderer Fwmen brennen. Wegen Wassermangels und Mangels an Löschvorrichtungen ist die Bekämpfung des Feuers unmöglich. Als Ursache des Feuers wird Brandstiftung angenommen. * Newyork, 29. Juli. In Lowell (Massachusetts) explodierten zwei Pulverwerke der United States Cartridge Company. 25 Personen wurden g e* tötet, ca. 100perletzt und 20 Häuser zerstört. Die Detona- tion wurde im ganzen östlichen Massachusetts gehört. *Die Manöverkatastrophe i n Bosnie n. Nach Übereinstimmetiden Berick)ten von Soldaten des 12. Infanterieregiments in Bilek beträgt die Zahl der Toten weit über 20, die der Erkrankten mehrere Hundert. Von 1200 Mann des Regiments sind nur 100 gesund, viele Soldaten wurden tobsüchtig. Die Soldaten berichten an ihre Eltern, daß sie sich nicht getrauen, vorläufig die ganze Wahrheit zu sagen. * Eine wunderbare Erscheinung für Mediziner und Laien bilden die zu s am m e n g c w ach s ene n Zwillingsschwestern Rosa und Josefa Blazek aus Streychoe (Böhmen), die zurzeit in Caslans Panop- rikum in Berlin Interesse erregen. Die beiden Mädchen sind in der Beckengegend zusammengewachsen, sodaß sie bezüglich ihrer Beinbewegung sehr behindert sind und sich nur seitwärts fortzubewegen vermögen. Im übrigen befindet sich das Schwesterpaar vollkommen wohl. Die inneren Organe der Zwillinge funktionieren, mit Ausnahme des Maftdarmes vollständig unabhängig von einander, sodaß von den beiden Mädchen jede ihre individuelle Ausbildung besitzt. Während die eine von ihnen schläft, kann die andere munter sein, und während die eine Hunger, Durst, Schmerzen oder dergleichen empfindet, kann die andere gerade die entgegengesetzten Empfitidungeü hegen. Tie Zwillinge sind am 20. Januar 1878 von einer 22 jährigen Mutter geboren, die zwei Jahre vorher, ein normal gebildetes Mädchen geboren hatte. Im Lftufe ihres bisherigen Lebens haben die Mädchen trotz chrer Mißbildung eine erstaunliche Fertigkeit und Flinkheit in ihren Belveg- ungen erworben, so daß sie sehr graziös zu tanzen ver- Umfassende Ausgrabungen fanden auf dem „Trieb" und in dem Gießener Stadtwald statt, und ergaben zum Tell eigenartige, wertvolle Funde. Ter Provinzialausschuß der Provinz Oberhessen und die StadtGießen verdoppelten in richtiger Würdigung des Wertes, den unsere Sammlungen und Be- trebungen für Land und Stadt darstellen, ihre Beträge. Tie Stadtvertretung von Gießen leistete außerdem einen einmaligen, erheblichen Beitrag zu den Kaufkosten >er Dr. Ktewitz'schen Münzsammlung. Für die römisch-germanischen Forschungen in Süd- und Westdeutschland ist neuerdings durch den Zusammenschluß einer großen Anzahl von Vereinen, zu denen auch der unfrige gehört, eine Zentralstelle geschaffen worden; ein Mitglied des Oberhessischen Geschichts Vereins ist stets in den Ausschuß delegiert. Das Museum mußte wegen Umbaus des Rathauses auf längere Zeit geschlossen werden; das alte Hous, die erste Unterkunft unserer Ludoviciana, wurde von der Stadt innen und außen wesentlich umgebaut. 1900. In Anerkennung seiner großen Verdienste um den Verein und seines Museums wurde in der Hauptmit- glieder-Versammlung am 22. November der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Gießen, der jetzrge Präsident des Großh. Ministeriums der Fttmuzen, Feodor Gnauth, zum Ehrenmitglied ernannt. 1901. Die neu hergerichteten Räume für das Museum konnten nunmehr im November dem Verkehr übergeben werden; die Ziffern der Besucher stiegen damit erheblich. Die durch Beschluß vom 12. Juni 1899 begründete Sektion für hessische Volkskunde ging ein, da eine neue Gesellschaft ohne Zusammenhang mit unserem Verein sich zu diesem Zwecke bildete. 1902. Ter Verein tritt mit einem jährlichen Beitrag dem Wetzlarer Dombauverein bei. Professor Dr. Gundermann, ein eifriger Förderer des Vereins und verdienstvoller Leiter mannigfacher Ausgrabungen in der Umgebung von Gießen, wurde nach Tü- Arbeitervewegung. Odessa, 29. Juli. Die Passagierdampfer der ruffischei^ Dampfschiffahrtsgesellschaft, deren Malrofen und Heizer in den Ausstand getreten sind, haben, mit Malrofen der Kriegsflotte bemannt, die regelmäßigen Fahrten wieder ausgenommen. Gerichtssaal. H i r f ch b e r g i. Schl., 29. Juli. Die hiesige Strafkammer verurteilte den Polizeisergeanten Franz B a r aus Liebau wegen widerr-echtlicher Verhaftung und Atißhandlung eines Glasmachergehilfen zu 9 Alonaten Gefängnis und zum Verluft der Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf drei Jahre. Konstanz, 29. Juli. Das Schwurgericht verurteilte heute nach dreitägiger Verhandlung den Seidenbandweber Gottried Brenner wegen Mordes, begangen an seiner eigenen Tochter, zum Tode, dessen Sohn Fridolin wegen Beihilse zum Morde bei verminderter Zurechnungsfähigkeit zu 6 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. , Vermischtes. * »erlitt, 29. Juli. Unter Vein Verdacht einer Soldaten mißhandln n >i ist der im lebten Luchre dienende Unteroffizier Breitenbach vom 4. ®arbe-9iegt- ment zu Futz verhaftet worden. A-n Dtenstag vor- mittag beging der F-iisilier Wtll von der 2. Kompante Selbstmord durcb Erschießen. In einem hinterlaßenen «riefe gab er ald ENund an, er sei von dem nun verhafte- ten Unteroffizier geschlügen worden. Die Untersuchung führte alsdann zur Verhaftung Breitenbachs. * Sankt Goar, 29. Juli. Heute früh ist an der Burg Rhet nsels bei Sankt Goar ein Teil nach der Bebemheuner Straße zu zus amm en g estu r z t. Menschen Uni) nicht verletzt. Die Strecke ist gesperrt • St. Johann, 29. Juli. Im Hotel zur Post erschoß sich nachts ein Oberprimaner, weil er von der mündlichen Prüfung zurückgewiesen worden war. • Dresden, 28. Juli. Beim Abbruch eines HailseS in per Pillnitzerstraße fand man unter dem Abräumeschutt einen menschlichen Schädel und Telle eines Skelettes. Der Schädel wies Verletzungen auf, welche darauf schließen lassen, daß der betteffende das Opfer eines Verbrechens geworden ist. Die Staatsanwaltschaft stellte fest, daß vor 2 0 Iah reu ein Einwohner dieses Hauses spurlos verschwand. Seine Ehe- frau lebt noch heute. * Dresden, 29. Juli. Der Geh. Kommerzienrat ViktorHahn von der Firma Eduard Rocksch 9bachj., wurde heute mittag wegen Verfehlungen gegen das Depot- Gesetz verhaftet. , M * Wermelskirchen, 29. Juli. An der Evangelischen Kirche brach heute mittag ein Gerüst, wobei zwei Dachdecker in die Tiefe stürzten. Der eine ist tot, der andere lebensgefährlich verletzt. * Würzburg, 29. Juli. Dem „General-Anzeiger" zufolge kam man hier auf dem hiesigen Kirchhofe jahrelang verübten Grabschändu ngen auf die Spur. Mehrere Leichenwärter öffneten Gräber, in denen Leichen in Zinksärgen beigesetzt waren, entwendeten und verkauften die Zrnksärge und verscharrten die Leichen wieder. Lahr (Baden), 29. Juli. Der Reichsbankvorstand Stolz hier hat sich infolge eines schweren Leidens zu erschießen versucht. Er lebt noch, wird aber kaum auf» kommen. Die Geschäftsführung ist jedenfalls in tadelloser Festsitzung des Oberhessischen Geschtchts-Vereins statt. Ter Staatszuschuß wurde infolge'des außerordentlich gewachsenen Schrifttauschverkehrs von 300 aus 500 Mark erhöht. 1897. Am 4. Februar starb der um die Geschichte und AlterMmskunde Oberhessens so hochverdiente Gekehrte Professor Dr. Otto Buchner, der dem Verein, dessen Aiitbegründer er war, als langjähriger Konservator des Museums seine ausgezeichneten Dienste geliehen hatte. 2em Beispiele anderer Vereine in Berlin, Mecklenburg, Bayern usw. folgend, nc^hm der Oberhessische Geschichts- Verein das weite und fruchtbare Gebiet der Volkskunde in fein Programm auf. Dieser Zweig feiner Tätigkeit wurde als eine besondere Sektion oem Verein angegliedert. Tie Inventarisierung der oberhessischen Archive wurde fortgesetzt. Eine Neuordnung des Museums wurde vorgenommen, nachdem die Stadt Gießen in bereitwilligster Weise neue Räume zur Verfügung gestellt hatte. Im Laufe des Sommers vollzog sich der Anschluß unseres Vereins an die historische Kommission für Hessen und Waldeck, die sich die Herausgabe von Quellen und Tarstellungen der hessischen und waldeckschen Geschichte zur Aufgabe gesetzt hat. 1898. Am 1. Ätärz verschied zu Kairo der Mitbegründer des Oberhessischen Geschichtsvereins und langjährige Münz- roart des Museums Dr. Ernst Klewitz, der sich große Verdienste um die Entwickelung des Vereins erworben hat. Tas Museum gedieh auch in diesem Jahre auf das günstigste, insbesondere nahm die Bürgerschaft offenkundig immer lebhafteren Anteil an demselben und bewies das durch zahlreiche Schenkungen und Zuwendungen. 1898. Provinzialdirektor Geheimrat Freiherr von Gagern wurde für seine Verdienste um den Verein einstimmig zum Ehrenmitglied ernannt. 1899. Die üblichen Veranstaltungen, Vorträge, Ausflüge erfreuten sich ständig stattlicher Beteiligung. mögen. * Die Wallfahrt des Zaren Paares. Das Zarenpaar begab sich am 26. d. M. nach der im Gouvernement Nischni-Nowgorod liegenden Sarow-Wüste, um den Festlichkeiten anläßlich der Verherrlichung des heiligen Seraphim und der Uebertragung feiner sterblichen Ueber- refte nach dem Diwejew-Kloster beizuwohnen. Diese Wallfahrt schien vor einer Woche noch in Frage gestellt zu sein, weil das Geständnis des Petersburger Metropoliten Antonius, daß von dem heiligen Seraphim nur die Knochen und das Kopfhaar gefunden wurden, daß sein Körper aber der Verwesung verfiel, am Zarenhofe unangenehm berührt hat. Denn ursprünglich wurde in den kirchlichen Organen von dem großen Wunder erzählt, welches in der völligen Erhaltung des Leichnams des heiligen Seraphim sich deutlich ausgedrückt haben soll. Mit Rücksicht jedoch auf die großartigen Vorbereitungen, welche für die Feier in Sarow bereits getroffen wurden, entschloß sich das Zarenpaar zum Antritt der Wallfahrt dennoch. Inzwischen hat beretts in Sarowo die Zeremonie der (Muinierung der Gebeine des helligen Seraphim und die Uebertragung derselben in die Sosimkirche unter großer Assistenz von Metropoliten und Bischöfen stattgefunden. Hier wurde auch die Umkleidung | des heiligen Seraphim vorgenommen. — Der russische „Re- I gierungsbote" erhält aus Sarowo die Nachricht von der Zeremonie der Umlleidung, in welcher es unter anderem wörtlich heißt: „Die Tettnehmer an der Zeremonie der Umlleidung bezeugen, daß der bewunderungswürdige Wohlgeruch, welcher den ehrlichen Ueberreften des heiligen Seraphim entströmte, alle Anwesenden verblüffte." Dasselbe russische Amtsblatt weiß zu berichten, daß am Grabe Sera- phims und an der in der Nähe befindlichen Quelle täglich Wunder geschehen, die in den Chroniken der Wüste verzeichnet werden. Lahme und alle Kranke werden gesund, sogar Blinde werden sehend. Tie Ansammlung von Wallfahrern hat in Sarowo schon jetzt ungeheure Dimensionen angenommen. In riesigen Baracken außerhalb der Wüste und der Klöster finden die Wallfahrer Unterkunft. Es wurden auch neue Straßen angelegt, um den Verkehr zu erleichtern. Die Kosten der Zeremonie, welche der Heilige Synod trägt, werden schon jetzt mit einigen Millionen Rubel beziffert. Die Zeremonie der Einsegnung der Gebeine Sera- ; phims in dem vom Zaren gespendeten Silberschrein wird in Gegenwart des Zarenpaares stattsinden. Däe Eröffnung der Festlichkeiten beginnt heute, am 28. d. M., gekettet werden sie vom Fürsten Schirinskij-Schichmatow, dem Pro- furator der Moskauer Synodalabtettung. Märkte. Limburg a. d. L., 29. Juni. Fruchtmarkt. Durch« schnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 13.80 Mk., Weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 11.10 Mk., Gerste 0.00 Mk., Hafer 7.00 Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. Sie können Hengstenberg’e Weinessig; beruhigt zum Einmachen sämtlicher Migfrüchte verwenden. 4286 itltM ne, Gießens her russische r in den Aus- Lotte bemannt, uz/uy'e. MO L25 B0.75 8037 Strait ammet ' aus «iebau I eines Glas- 1 zum Verlust ’ drei Jahre, ^urteilte dweber Gott- r eigenen ^eihüse zum ahren Zucht. >. H. in Berlin ahrdaren Feld- lurng der Bei- tö, hadeu jetzt te tadellose it> : Land möglich her die Marm einmg befinifo iben werde. itfl Turö Seiner Wch pater 7.00 1- > s SU ««tW Wem, bei ,n« |h$ uff ff 8 tote waren ße^b H(ein= let Oeuirt, ’ ?>- Ii!> WafHidie jMiit. "n Nuin, *Ulluiig \ , PPiobatioi 'Uder Nach. °"dwm,ch^ ! °°°> Pteuj, Zaminatoren ^erärzllichen ullchasllichen t Hochhel' ■'^cSlS iügung a* n hervorrage^ SS* S'"- ilunS „ Aj Mel» ,-rnd-n * SS*66 .* °u! }J Alt , j,'ii T» Äj# « TfconLN S.Tiejenbach cQ r-9 s S tö «ft <5 cn KSQ «ft <52 «ft «ft eo X (&<£ü <55 äp N- a - L CQ (0 C> 2 S >S\ «ft ÖP.2 R 2 CQ äP © CM <52 «ft O S® e § -2 ^>0 « CQ o 05 CQ O <55 jo C2 <5 CQ c. 8 « <52 « «ft s w «ft CQ 5 g>«ft c7 6Q . fs? <5 O | x >e cQ(j)i «ft ‘tr o <52 <7* <2 cg?‘5)*ft (0 Ä ■§ ‘s 'S Wir verkaufen so lange der Vorrat reicht: 5877 0.50 Mk. Mk. 1.35 Rote und gelbe Kinder-Knopf- und Schnürstiefel, Nr. 17—22 4.- Boxcalf-Damen-Knopf- und Schnürstiefel, gute Ausführung ä, Wichsleder-Mädchen-Knopfstiefel, Nr. 31—35 . Gelbe und rote Kinder-Schnürstiefel mit Lederkappe und Leder- 3.50 ä brandsohle, Nr. 27—30 Gelbe und rote Kinder-Schnürstiefel mit Lederkappe und Leder- ä brandsohle, Nr. 31—35 ä ä ä ä, ä ä ä, ä ä ä ä ä ä ä ä ä ä ä Kinder-Hausschuhe, Nr. 24—35, mit Fleck Wichsleder-Kinder-Schnürstiefel, Nr. 17—22 . Gelbe und rote Kinder-Halbschuhe, Nr. 17—22 2.50 3.75 6.— 7.50 Damen-Plüschpantoffel mit Fleck . . . . Damen-Lasting-Morgenschuhe mit Fleck . Damen-Lasting-Morgenschuhe mit Sohle und Absatz . Dameu-Lastiug-Knopfhalbschuhe mit Sohle und Absatz Damen-Lasting-Touristenschuhe .... Gelbe und rote Damen-Halbschuhe .... la. Kalbleder-Damen-Zugstiefel, Nr. 36 und 37 Rote und gelbe Damen-Knops- und Schnürstiefel. Gelbe und rote Herren-Lederpantoffel . Wichsleder-Herren-Zugstiefel .... 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