Nr. 100 trf* *elet täglich außer Sonntag». Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Hessische» Landwirt bie Gießener Kamillen« Hitler viermal tn der Woche betgelegt RoialwnSdruck n. Verlag der Brüh l'sch« Univech-Buch- a.bleiw' b rudern (4JieÖ ch lirbea) Redaktion, ErpedMo« und Druaereir Gchnlstraße 7. Adresse für Deveschenr Anzeiger Gießen. fcrrnlprt d)an1dilu§9hr 5L Donnerstag 30. April 1903 153. Jahrgang Zweites Blatt. GiehenerAnzeiger General-Anzeiger v vezasdpret»: monali>cd7bPi.. viertel« iädrlich AU. 2JO; durch Abhole- u. Zweigstelle« mona:hch 65 Ps>; durch die Post Mk.L.— otertcl* ■ L Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Lagednuniin« du» vormuiaga 10 Uhr. Zeilenpret«: total IJUU aufiivärt» 80 Psg. verantwortlich tüt den poltt. und allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MGZ Die heutige Kummer umfaßt 10 Seiten mit Mühe beschuwren konnte, und wurde fpater energisch zurückgewiesen. ' Zn der wackre selojl sieht das Zentrum nicht aus Seiten der Interpellanten; es hält dafür, daß Sine verunglückte Interpellation. Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 29. April: Sie baden sich nunmehr vollzählig zusammengefunden, die Dlänner von der Landwirtschaft. Vergessen ist angesichts der Wahlen der alte Span zwischen „reinen" Agrariern und Konservativen. Auch Herr v. Kröcher, der Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses, den die Bündlet vor kurzem noch im Zirkus Busch gar unsanft an* ließen, versäumt nicht, ins agrarifefc Horn zu stoßen: er hat der Znterpellation Gras Limburg wegen Kündigung der Handelsverträge nachträglich seine Unterschrift gegeben. Diese,chrennende Wißbegierde" der verhöhnten feindlichen Brüder: welch' Schauspiel — aber ach! ein Schauspiel nur! Die Herren kennen die Antwort ganz genau, die ihnen nach Lage der Dinge von der Regierung einzig und allein erteilt werden kann. Sie sind auch wie die heutige Sitzung erwies, unter sich durchaus nicht „versessen" darauf, diese Antwort un beschleunigten Verfahren zu erhalten. Denn als Abg. Dr. Bachem (Ztr.) eingangs der Sitzung zur schmerzlickfen Ueberraschung der in hellen Haufen erschienenen Tribünenbesucher den Antrag stellte, die Beratung der Interpellation einstweilen auszusetzen und erst die zweite Lesung der Krantenkasseunovelle zu beenden, da erklärte sich der Führer der Konservativen Abg. von Normann mit diesem Vorschläge einverstanden, in einem Tone, der nicht gerade Bedauern über die Verzögerung oarriet Die Regierung war von dieser Verschiebung des parlamentarischen Arbeitsplanes offenbar unterrichtet. — Staatssekretär Graf Posadowsky war am Bundesratstisch erschienen. Dies gab in den Kreisen der Interpellanten zu der beunruhigenden Vermutung Anlaß, daß nicht der f^ichskanzler die Interpellation beantworten werde. Tas möchte, so meinte man, der Bedeutung der Interpellation nach außen hin abträglich sein. Mittlerweile nahm die zweite Lesung der L:ankenversicherungsnovelle friedlichen Fortgang, vor nahezu leeren Bänken. Doch das Haus verließen die Abgeordneten nicht; die sozialpolitische Debatte könnte schnell zum Abschluß kommen, und dann war die Bahn frei für die Interpellation. • • • Die Rechnung war nicht unverständig, aber sie war ohne die Sozialdemokraten gemacht. Don dieser Seite lief nämlich ein Antrag auf namentliche Abstimmung über den Z 42 der Krankenversicherungsnovelle ein. Der Erfolg dieses Manövers entsprach dem Wunsche seiner Urheber: es wurde die Anwesenheit von nur 147 Abgeordneten, also die Beschlußunfähigkeit des Hauses festgestellt. Die Sitzung mußte abgebrochen unb eine neue auf 30 Minuten später anberaunti werden. Tagesordnung: Interpellation Graf Limburg. So kam man auf einem Umwege wieder zur ursprünglichen Tagesordnung zurück. • • • Der „größte" Moment sah in der Tat den Staatssekretär Graf Posadowsky am Regierungstisch was die Interpellanten mit umwölkten Stirnen gewahrten. Sie wußten zwar, daß Gras Bülow die Beantwortung der Interpellation ablehnen werde, aber sie hatten gehofft, daß er durch persönliches Erscheinen der „Bedeutung" der Anfrage gerecht werden und die Gelegenheit benutzen werde zu einer Programmrede für die Wahlen. Damit war es al jo nichts. Gras Bülow ließ durch den Mund seines Stellvertreters kurz und bündig erklären, daß er von staatsrechtlichen Bedenken abgesehen, aus dringlichen sachlichen Gründen ablehnen müf|e, mitzuteilen, ob und mann die Regierung die bestehenden Handelsverträge kündigen werde. Mit anderen Worten: die Verträge laufen so lange, bis neue Tarifverträge an ihre Stelle treten können. Darauf verließ Graf Posadvwsty den Saal, mit ihm entfernten sich die anderen Mitglieder des Bundesrats. Als Graf Limburg behauptete, das Unterbleiben der Kündigung werde „im ganzen Lande" Bedauern Hervorrufen, tonnte ihm Abg. Tr. Barth (fr. Bg.- entgegenhalten, daß dieses Bedauern sich wohl auf die agrarischen Kreise beschränken werde. Dr. Barth unterzog die in der Forderung der Kündigung der Handelsverträge sich äußernde „Moral" einer scharfen Kritik. Tas veranlaßte den Abg. Herold (Ztr.), seltsamerweise, die Linke auf „gewisse Prozesse" der letzten Zeit hinzuweisen, in denen ihre Anhänger sich nicht auf der Höhe der — geschäftlichen — Moral und Reellität gezeigt hätten. Tiefe ge- heimnisoolle und ungerechtfertigte Anspielung entsacyte links einen Sturm des Unwillens, den der Präsident nur ihn in das Papstgemach, an de ssenTürLeoselbst stand. Beide zogen sich zurück, nachdem sie sich durch Handschlag begrüßt hatten Tie Konversation dauerte 25 Minuten. Dann verließ der König den Vatikan, ohne Rom- pvlla zu besuchen, wie es sonst üblich ist, und kehrte auf den Petersplatz zurück, mit der Nationalhymne begrüßt, und fuhr unmittelbar nack dem Quirinalpalast, ohne, wie die Klerikalen gehofft hatten und wie es sonst bei Monarchenbesucheu üblich ist, vorher nochmals bie Botschaft zu berühren, ein Faktum, daS die Liberalen an- genehni berührte. Wie die Tellnehmer am Besuche des Königs Eduard im Vatikan übereinstimmend versichern, wurde die Politik im Gespräch des Papstes mit dem König nicht berührt. Auf der englischen Botschaft fand heute zu Ehren des Königs Eduard ein Festmahl statt, an das sich ein Empfang der englischen Kolonie anschloß. Die ösfenllichcn Gebäude waren heute abend festlich beleuchtet. yulitifdjr Tagesschau. Amerikanische Grausamkeiten aus den Philippinen. Aus Washington telegraphiett man der .Daily Mail* unter dem 27., daß das HriegSminifterium am gleichen Datum einen Bericht des amerikanischen Dbertommanbierenben Generalleutnant Miles veröffentlichte, den derselbe über seine letzte Untersuchung betreffs der angeblichen Schandtaten amerikanischer Offiziere und Soldaten auf den Philippinen einreichte. Während der Reise des Generals in den Philippinen beschwetten sich die Eingeborenen an verschiedenen Otten darüber, daß fie großen Grausamkeiten ausgesetzt worden seien. Bei einer Gelegenheit wurden 600 Leute in ein kleines Gebäude eingesperrt und viele von ihnen erstickten dott. Viele Eingeborenen wurden der Wasser- f o Iter unterworfen, an deren Folgen einige starben. Acht Eingeborene, die man zwang, als Führer zu dienen, wurden, als sie dazu nicht fähig waren, erschossen. General Miles fügt diesen Berichten hinzu: .Ich habe keinen Grund, einige dieser Klagen anzuzweifeln, in Wirklichkeit sind dieselben sogar durch Berichte von anderer Seite bestätigt roorben*. Der General teilt des weiteren mit, daß die Bevölkerung einer Insel, die man zwang, in einem Konzentrationslager zu leben, sich ihre Lebensmittel zu sehr hohen Preisen von einem Lieferanten kaufen mußte, an den man die Verpflegung des Lagers verpachtet hatte. Die gerichtliche Untersuchung dieser Z>er König von ßvgland in Aom. Rom, 28. April. Bei dem Festmahle, das gestern abend im Quiriual stattsand, brachte König Viktor Emanuel folgenden Trinkspruch in italienischer Sprache aus: „Ew. Majestät, die wir heute daS Glück haben, als unseren Gast zu sehen, entbiete ich mit innerster Befriedigung meinen Gruß. Seit den entferntesten Zeiten entwickelten sich herzliche Beziehungen zwischen meinen Vorfahren und den Herrschern, die Ew. Majestät auf Ihrem ruhmreichen Throne vorangingen In einer näher liegen den Zett, während der denkwürdigen Regierung der Königin und Kaiserin Diktvtta, Ew. Majestät verehrten Mutter, in dem Augenblicke, da inmitten ernster Ereignisse Italiens Geschicke der Entwicklung entgegenreiften, hatte Italien England beständig auf feiner Seite, im Glück wie im Unglück Und jetzt ruft bie Anwesenheit Ew. Majestät die alten und neuen Erinnerungen wach, Erinnerungen, die mir und meinem Lande heilig sind. Möge die zwischen beiden Völkern bestehende Freundschaft ewig währen und immer fester werden. Mit biefem Wunsche und in diesem Glauben wünsche ich der großen britischen Nation alles Glück und tttnke auf das Wohl Ew. Majestät, Ihrer Majestät der Königin und Kaiserin und der gesamten königlichen Familie Englands." Tie Musik spielte hierauf die englische Nationalhymne. König Eduard erwiderte in englischer Sprache: „Ew. Majestät wollen mir gestatten, meinen aufrichtigen und lebhaften Dank auszusprechen für die so sehr liebenswürdigen Worte, mit denen Sie meine Gesundheit auS» gebracht haben. Ich kann Ew. Majestät versichern, daß eS mir sehr angenehm gewesen ist, wieder einmal nach Rom zu kommen und Ihnen einen Besuch abzustatten. Ich hege das volle Vertrauen, daß die Gefühle gegenfeitiger Freundschaft, die seit so langer Zeit zwischen meinem Lande und dem Ihrigen bestehen, niemals aufhören werden. Alle beide lieben wir die Freiheit und freiheitliche anderes, als der Regierungsslandpunkt, den auch Abg. Dr. Paasche (nl.) vertrat. Sehr lebhaft im agrarischen «sinne engagierte sich dagegen Abg. v. Kardorfs (Rp.ft er bat sich durcb feine heutige Abkanzlung der Regierung die Anwartsck-aft auf bündlerische Wahluntersrützung erworben. Tas nagelte Abg. fRidjter (fr. Bp.), mit beißender Ironie der wieder gewonnenen Einigkeit zwisctien Bündlern und Konservativen gedenkend, unverzüglich fest. Am wirkungsvollsten tm Sinne der Interpellanten sprach Abg. Graf Kanitz (kons.), der sich heute ausnahmsweise der Waffe der Satire bediente, und zwar gegenüber dem Abg. Dr. Barth. Sämtliche Reden waren natürlich zum Fenster hinaus an die üldresse der Wähler gerichtet, und die Reden verdienen es, von den Wählern gelesen zu werden. Bieten fie auch ach!ich nichts 9teue£, so sind sie doch unter große Gesichtspunkte gefaßt und in ihrer Frische anregend. Auch das Schweigen der Regierung ist am Ende beredt: sie erachtet es als so selbstverständlich daß der handelspolitische Kurs der alte bleibt, daß sie aus eine feierliche Proklamierung dieser Wahlparole im Parlament verzichten zu können glaubt. In diesem Sinne hat die Interpellation trotz alledem klärend gewirkt; als Leidtragende stehen die vereinigten Konservativen und Agrarier da; die Legislaturperiode schließt, wie Abg. Richter heroorhvb, mit einem offenen Zwiespalt zwischen den Agrariern und der Regierung. TaS Schweigen der Regierung. Ein anderer Berliner Mitarbeiter schreibt uns unterm 29. April: Bei dem „Schweigen der Regierung" vor den Warnen scheint nack-gerade der „Kreuzztg." unheimlich zu werden. Fast Tag jur Tag giebt das konservative Organ zu bedenken, wie sehr die Autorität der Regierung leiden müsse durch teilnahmloses Verhallen angesichts Der nahenden Entscheidung. Nachdem der verlangende Ruf nach einer Wahlparole ohne Wirkung geblieben ist — obwohl doch die Konservativen eine solche "Parole, „Gegen die Sozialdemokratie, der Bequemlichkeit halber gleich fertig präsentieren —, versucht man es mit dem bewährten Mittel, die Autorität als bedroht hinzustellen. Die „Kreuz-tg." ist erbost über Mitteilungen der „Breslauer Ztg.", lvvnach Graf Bulow deshalb keine Parole ausgebe, well er eine solche von den Wählern für die künftigen Handelsverträge erhalten wolle. Wohin, so fragt die „Kreuzztg.", solle der Respekt des schlichten Wählers vor der Autorität der ^Regierung kommen, wenn ihm gesagt werde, der leiienbe Staatsmann erwarte von ihm die Direktive für seine nationale Handelspolitik? Das Schweigen der Regierung komme alle diesen Treibereien zu statten, ja, selbst der sozialdemokratischen Agitation. „Wir meinen, eS sollte nun doch allmählich in leitenden Kreisen die Erkenntnis reifen, daß es so nicht weitergehen könne". Nun, heute hat man un Reichstag gesehen, daß die Regierung weder mit Güte noch mit sanfter Gewalt sich zum Reden bringen, läßt. Liegt es denn wirllich im Interesse der Rechten, daß die Regierung zu den Wahlen Stellung nimmt? ES hieß einmal, eine feierliche KHiwgebung gegen den „Bund der Landwirte" fei geplant. Das war erfunden, aber nicht schlecht erfunden, denn die Meldung halle eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Die bündlerische Presse schrieb damals, sie habe gegen eine solche Kundgebung nichts einzuwenden. DaS ist erklärlich: bei einer wirtschaftlich so entschieden in der Opposition befindlichen Gruppe könnte die „Warnung" der Regierung eher zum Vortell dieser Gruppe als zum Nachteil ausschlagen. Etwas anderes ist es, wenn die Regierung eine allgemeine Wahlkundgebung erließe. Dann würde sicherlich mit aller Nachdrücklich kett darin festgestellt werden, welcher Wert auf die Hande ls- verttagSpolitik zu legen ist, und auf die Erhaltung ebenso guter wirtschastllck-er wie politischer Beziehungen zum AuS- land. Dadurch wäre doch sofort und deutlich ein entschiedener Gegensatz zu den Wahlkandidaten der Rechten zum Ausdruck gebracht, und von einem Wohlwollen der Behörden bei den Wahlen könnte feine Rede sein. Also, es ist für die Konservativen nützlicher, daß die Regierung schweigt, als daß sie spricht. Einrichtungen, und mit diesem großen Ziele vor uns, sind wir zusammen auf dem Wege der Zivilisation und des Fortschrittes einhergeschritten, gleichzeitig bestrebt, den allgemeinen Frieden ausrecht ui halten. Es ist nicht lange her, daß wir Seite an Seite gekämpft haben, und wenn ich auch der Zuversicht bin, daß eine Gelegenheit dazu nicht wiederkehren wird, Jo habe ich doch die Gewißhell, daß wir stets vereint sein werden für die Sache der Freiheit und der Zivilisation, wie für das allgemeine Wohl und die Wohlfahrt aller Völker. Ew. Majestät wollen gestatten, daß ich Ihnen noch- mals für Ihre so herzlichen Worte danke, besonders auch für den rührenden Hinweis auf das Andenken meiner geliebten Mutter und für die liebenswürdigen Worte, mit denen Sie der Königin Alexandra und der übrigen Mitglieder meiner Familie gedachten. Auch danke ich Ew. Majestät und Ihrer Majestät der Königin für die warme Aufnahme, die mir von Ihnen und Ihrem Volke von meiner Ankunft an zuteil geworden ist, eine Aufnahme, die ich niemals vergessen werde. Ich trinBe auf die Gesundheit Ew. Majestät und Ihrer Majestät der Königin." Die Festvorstellung im Argenttnatheater aus Anlaß der Anwesenhell König Eduards nahm einen glänzenden Verlauf. König Eduard, König Viktor Emanuel und Königin Helena trafen gegen 10i/s Uhr im Theater ein, wurden vom Bürgermeister empfangen und von der Menge mit lauten Zurufen begrüßt. König Eduard, der Admiralsuniform trug, hatte der Königin Helena den Arm gereicht. Als die Majestäten in der Loge erschienen, spielte die Musik „God save the King" und hierauf die italienische Nationalhymne. Lauter Beifall erscholl, als die Musik geendet hatte. Rom, 29. April. Bei Prächtigem Wetter unb lebhafter Teilnahme der Bevölkerung fand heute vormittag eine große Parade zu Ehren des Königs von England statt. Bald nach 8 Uhr fuhren der König und die könrglrchen Prinzen mit glänzendem Gefolge und einer Eskorte von Kürassieren nach dem Paradefelde. Kurz darauf tirafen der König von England und die Königin Helene, gleichfalls von Kürassieren eskortiert, ein und wurden vorn König, der inzwischen zu Pferd'e gestiegen war begrüßt Tre Musik spielte die englische und ine italienische Natwnal- bnmne, während die Volksmenge die Majestäten mit lauten Qurufen begrüßte. Die Parade, an der 20000 Mann unter dem Befehl des Korpskornmandeurs Besozzi tellnahmen, verlief glänzend. Der König von England sprach dem Könige wiederholl seine Bewunderung über die Haltung der Truppen aus. dtach Beendigung des Vorbeimarsches wren die Majestäten unter begeisterten Huldigungen der Bevölkerung nach dem Cuirinal zurück Sonia Eduard fuhr heule nachmittag 4 Uhr von der »malischen W'tschaft beim Cuirinal mit drei Personen feines Gefolges in zwei geschlosseuen Wagen nachdem Vatikan zum B e s u ch b e i m P a p st. Bis zu den Brucken bildeten Truppen Spalier. Don da ab war ein lleiner Ueberwach- un§dienst durch Pattouillen bis zum Vatikan angeordnet. Tie beiden Wagen, in denen der König und fern Gefolge fuhren, wurden durch Cabinieri zu Rad eskortiert. Beim Papst selbst war der König nur von Sir Harding beglellet. Ter Besuch ist programmmäßig verlaufen Komg Eduard trug die rote FeLmarschallliniform., Ter Dagenzug halle die Peterskirche bis zum Tamasushvfe umfahren, wo unter der großen weiß-gelben Flagge, die zum erftenmale bei solchen Gelegenhellen gehißt war, drei Kompagnien der Palatingardislen standen, befehligt von dem Nefren des ^‘aeleitetenItin"Dertragtoier Z-suLd Jii --»meiden fe£ D-S W nit-ti Fälle nimmt ihren Fortgang, ist aber dadurch erschwert, daß die Vorkommnisse so spät zur Sprache kamen. Los von Rom im Königreich Sachsen. Die Los-von-Rombewegung ist im Königreich Sachsen im Steigen. In den Jahren 1877—1900 sind 3350 Katholiken dort evangelisch geworden und nur 767 Evangelische katholisch. Besonders in den letzten Jahren scAvollen die Uebertritte aus der römischen Kirche besonders an. So wurden in Sachsen 1898 310, 1899 508, 1900 570, 1901 876 Katholiken evangelisch In Dresden stellen sich die Zahlen für die genannten Jahre so: 49, 75, 93 und 158 Uebertritte von Katholiken zur evangelischen Landeskirche. Im Jahre 1902 sind dieselben allein in Dresden auf 191 gestiegen. Wie es scheint, wird für das Jahr 1903 die Zahl Der Uebertritte sich noch höher stellen. In Siebenlehe z. B. sind viele katholische Schuhmacher aus Böhmen und Schlesien eingewandert. Tas katholische Pfarramt zu Freiberg erließ nun eine Bekanntmachung, nach der für die katholisch zu erziehenden Kinder allwöchentlich katholischer Religionsunterricht zu Freiberg erteilt wird. Damit waren aber eine Menge katholischer Familienväter nicht einverstanden, und es gaben bis jetzt 7 Familienväter ihre Austrittserklärung aus der katholischen Kirche schon protokollarisch ab. Mehrere werden noch folgen. Ter sächsische Adel weift zwar manchen Apostaten auf, das liberale sächsische Bürgertum ist ober rückgratfest, sodaß es mit dem, was die „Sächs. Bolksztg." am 16. Mai 1896 schrieb, noch lange Beine zu haben scheint. Es schrieb: „So wollen wir am 16. Juni von neuem recht innig zu unserem Schutzpatron St. Benno flehen, daß er bei Gott sich für uns verwende, damit die sächsischen Lande unter dem segensreichen Szepter des Hauses Wettin recht bald wieder zur Glaubenseinheit gelangen möchten, und daß in 10 Jahren, am 16. Juni 1906, das 800jährige Jubiläum des seligen Hinscheidens des heiligen Benno von dem im Glauben wiedergeeinten Sachsenvolke mit dankbarem Jubel begangen werden könne. St. Benno erwecke einen Ritter Georg uns in Sachsen, der siegreich dem Drachen sich zeige gewachsen." Dom AalLan. Nach einer amtlichen Meldung aus Belgrad hat ein Bataillon türkischer Linientruppen in unmittelbarer Nähe der serbischen Grenze seinLageraufgeschlagen und die die Chaussee nach Uranj beherrschenden Anhöhen besetzt. Diese Meldung veranlaßte bie Einberufung eines Ministerrates, der eine militärische Kommission nach Uranj entsandte, von deren Gutachten es abhängen wird, ob die serbische Grenze durch neuere Truppensendungen verstärkt werden soll. Zwei Kilometer nördlich von Saloniki wurde auf einen Militärzug ein Dynamitanschlag beruht Nach in Sofia eingetnoffenen halbamtlichen Nachrichten wurde nur die Lokomotive zerstört Nacd Meldungen des Komitees soll es auch Tote unb Verwundete gegeben haben. Die Frei sch ar des Wojwoben Mkola Detschew, der sich in beu Aktivnsbezirk von Koeprili begeben wollte, würbe am 24. April bei Smolenzi, Bezirk Radowischte, von ben Türken aufgerieben. Von 30 Mann entkamen bloß sechs. Tie letzten beiben Zusammenstöße von Türken mit Banben fanben bei Junus im Distrikt Jovv unb bei Taha- gora im Distrikt Petritsch statt Bei dem ersteren Zusammenstoß hatte die Bande vier Tote und vier Verwundete, bei bem letzteren 14 Tote und viele Verwundete. Die Verluste der Türken sind gering. Wie aus Läonstantinopel telegraphiert wird, erhielt die russische Botschaft die Nachricht aus Mitrowitza, baß die Personen, welche den albanesischen Soldaten Ibrahim zur Ermordung des russischen Konsuls Schterbina aufge- stachelt haben, verhaftet wurden. Die Botschaft glaubt zu wissen, baß es sämtlich österreichische Untertanen aus dem Grenzbistrikt seien. Tie „Frkf. Ztg." meldet aus Konstantinopel: Schakir Pascha, der Bali von Ueskueb, ist an der Spitze von 16 ^Bataillonen in Prizrend eingetroffen. Uebereinstimmend herrscht die Ueberzeugung vor, daß der Sultan, trotz Zusage, zu keinem Schlage gegen die Albanesen ausholen wird und trotz des Truppcnausgöbvts ben Weg friedlicher Verstäub igung mit ben Albanesen beibehält. Im Palais sind Depeschen verschiedener Führer von albanesischen Stämmen aus Scatari unb Dibra eingetroffen, welche bem Sultan Ergebenheit ausbrücken unb es ablehnen, mit ben rebellischen Albanesen zu kooperieren. Die Stürben haben in Diarbekir einen Aufstand inszeniert und es werben Massakres befürchtet. Beamte der englischen Botschaft sind behufs Uebemiahme der Leitung des englischen Konsulats nach Diarbekrr abgereist. Deutsches Keich. Berlin, 29. April. Der Kaiser hatte heute vormittag eine Konferenz mit dem Reichskanzler Grafen Biilow und hörte später die Vorträge des Generalinspektcurs der Festungen unb deS Kriegsministers v. Goßler. — Wie der »Lok.-Anz." berichtet, ist der Besuch Kaiser Wilhelms beim Vatikan auf den 3. Mai festgesetzt. An diesem Tage wird der Kaiser voraussichtlich in der Botschaftskapelle dem Gottesdienste beiwohnen unb von dort sich in die preußische Gesandtschaft begeben, um beim Gesandten v. Rotenhan das Frühstück einzunehmen. Von der Gesandtschaft auS fährt der Monarch nach dem Vatikan zum Besuch deS Papstes und kehrt von dort wieder in die Gesandtschaft zurück. Montag soll u. a. Empfang des deutschen Künstleroereins und der deutschen Kolonie m der Botschaft ftattfinben, währenb für ben 5. Mai ber Ausflug nach ber Benediktiner-Abtei in Monte Casino vorgesehen ist. An bemselben Tage finbet abenbS feierlicher Empfang auf bem Kapitol burch bie Stabt Rom statt. Die Abreise des Kaisers ist nach den bisherigen Bestimmungen auf den 5. Mai festgesetzt. — In Rom sind bereits die Wagen und Pferde Kaiser Wilhelms, die er zu dem Besuch beim Vatikan benützen will, mittelst Extrazuges eingetroffen. — Die Krankenkassennovelle soll nun doch noch Zustande kommen. ES Haden Besprechungen der Sozialdemokraten mit dem Zentrum stattgefunden und dieses soll bereit sein, den umstrittenen § 42 dahin abzuänbern, daß die Fälle grober Pflichtverletzung, in denen die Aufsichtsbehörde Vorstandsmitglieder entfernen kann, auf grobe Pflichtverletzung in ber Kassenführung beschränkt werden. Ferner soll die Bestimmung über die Dienstordnung ganz fallen gelassen werden. Es bleibt abzuwarten, ob es morgen gelingt, auf Grund dieses Kompromisses das Gesetz noch durch die zweite und dritte Lesung zu bringen. Der Antrag auf namentliche Abstimmung wird zurückgezogen. Bückeburg, 29.April. Der Kaiser traf heute abend hier ein und wurde auf bem Bahnhofe vom Fürsten Georg unb sämtlichen hier anwesenben Mitgliedern beS fürstlichen Hauses empfangen. Rach herzlichster Begrüßung erfolgte bie Fahrt zum Resibenzschloß. Im Schloßhofe war baB 7. Jäger- bataiQon aufgestellt. Später fanb im Palais ber Fürstin- Mutter ein Familiendiner und darauf im Resibenzschloß ein Hofkonzert statt. — Der Großherzog von Sachsen- Weimar würbe vom Kaiser zum General ernannt Mün che n, 29. April. Der König von Sachsen ist heute abenb von Wien aus hier eingetroffen unb auf bem festlich geschmückten Bahnhofe von bem Prinzregenten, ber bie Uniform feines sächsischen Regiments trug, allen bayrischen Prinzen, bem Ministerpräsibentcn, bem Kriegsminister unb ben Vertretern ber Staats- unb Stabtbehörben empfangen worben. Der König und der Prinzregent begrüßten sich aufs herzlichste, schritten die Front der Ehrenkompagnie ab und fuhren unter der Eskorde von schweren Reitern durch die festlich geschmückten Straßen nach ber Resibenz, wo sämtliche Prinzessinnen beS königlichen HauseS ben König begrüßten. — Heute abenb war im Schloß ein Familiensouper bes bayerischen Königshauses, an bem auch Prinz unb Prinzessin Ferbinanb von Bourbon, Prinz Ernst von Sachsen-Meiningen, Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg und Prinz und Prinzessin Friedrich von Hohenzollern teilnahmen. — Der Prinzregent ernannte den König von Sachsen zum Inhaber beS 15. bayerischen Jnfanterie-Regi- mentS, besten früherer Inhaber König Albert von Sachsen war. Wahl-Bewegung. Offenbach, 29. April. Der nationalliberale Landtags- abgeorbnete Schönberger hat nach ber »Frkf. Ztg." bie ihm für ben Wahlkreis Offenbach-Dieburg vom Bunb ber Landwirte angetragene Kandidatur abgelehnt. Herr Theodor Boehm teilt ferner der »Offenb. Ztg." mit, daß auch er nach reiflicher Ueberlegung die ihm angetragene Kandidatur für den Wahlkreis Offenbach-Dieburg aus Gründen persönlicher , geschäftlicher und politischer Natur desinitio ablehnen muß. Kassel, 29. April. Die Freisinnige Volkspartei lehnte eS in ihrer Hauptversammlung ab, »angesichts der gegenwärtig noch obwaltenden Verhältniffe" die Kandidatur Beinhauer (nationalliberal) im Reichstagswahlkreise Kaffel-Melsungen zu unterstützen. Ausland. Marseille, 29. April. Der Generalkonsul der Vereinigten Staaten soll erklärt haben, PräsidentRoose- velt werde demnächst nach Frankreich kommen; die Reise solle einen amtlichen Charakter tragen. Der Präsident solle von einem Geschwader begleitet im Juli in Cherbourg ein treff en. Biserta, 29. April. Die „Beamte d'Arc", mit dem Präsidenten Loubet an Bord, ist heute früh hier einge- troffen. Bald nach der Ankunft begab sich Präsident Loubet an Land, wo die Behörden usw. zum Empfange erschienen waren. Im Laufe des Empfanges erwiderte Loubet auf die Begrüßungsan spräche des Präsidenten der Handelskammer: „Es ist richtig, daß ein unangreifbares Biserta den gesicherten Frieden bedeutet. Um Ruhe zu haben, muß man sehr stark fein. Je stärker man ist, desto sicherer i Ü die Erhaltung des Friedens. Frankreich bedroht niemand. Frankreich will aber seine Interessen geltend machen und sie schützen auf allen Punkten Der Erde. Es erreichte dieses Ziel dank der feit dreißig Jahren ununterbrochenen Arbeit. Die Bündnisse, Freundschaften und Sympathien, die Frankreich zu erringen gewußt hat, beweisen, daß das erstrebte Ziel vollständig erreicht ist Die Anwesenheit von fünf fremden Geschwadern vor Algier, die gekommen sind, um den Präsidenten der Republik zu begrüßen, ist ein Beweis dafür. Die Entsendung einer amerikanischen Flot- ten-Division nach Marseille, die morgen dort das Staatsoberhaupt bei der Rückkunft begrüßen wird, ist ein weiterer Beweis. Die Beendigung der Arbetten in Biserta wird die Krönung unseres Programms fein, wenigstens was das Mittelmeer anbetrifft Wir können also die Wohltaten des Friedens genießen. Unsere Anstrengungen haben diese Ruhe wohl verdient" Am Abend ist Loubet unter dem Kanonensalut der den weiten Kriegshafen umgebenden Forts nach Marseille abgedcunpst. Aus AtM und Land. Gießen, 30. April 1903. -Kauf. Herr Georg Lauer, Wirt zum »Schwanen", kaufte das Grundstück am Neuen Weg 36 von der Frau Lehrmund Wtw. für 26 000 Mk. * * AuS dem Theaterbureau. Auf die heutige Wiederholung der am Sonntag mit so enormem Beifall aufgenommenen „Landstreicher" machen wir nochmals aufmerksam. — Morgen Freitag kommt die von vielen Seiten begehrte Operette „Boccaccio" zur Aufführung. Die Musik, die Franz von Suppe geschrieben, ist durch ihren Melodienreichtum berühmt, und der Text ist von zwerchfellerschütternder Wirkung. Den Boccaccio singt Frl. Stöger, Frt Bartl die Fiamette, die übrigen Hauptrollen befinden sich in den Händen von Frau Schatz, sowie der Herren Bruck, Gehring, Ganzert, Nolte unb Sommer. • * Gefangene Füchse. Wie uns mitgeteilt wird, wurden gestern im Jagdgebiet der Gemeinde Annerod nicht weniger als fünf Füchse auSgegraben. Es war eine Mutter mit vier kräftigen Jungen. Restaurateur Korndörfer beförderte sie auS der Fuchshöhle mit großer Gewandtheit in den Rucksack, worauf die seltene Beute unter dem fröhlichen Geleite der Jagdgesellschaft in den Zwinger des hiesigen Schliefklubs gebracht wurde, wo sich die Tiere den Verhält- nisten nach ganz wohl befinden. Niemand sollte versäumen, die kleinen Höhlenbewohner sich einmal anzusehen. * * 2 ie kürzlichen harten Nachtfröste haben den Obstbaumblüten, soweit man fest stell en konnte, doch nicht so großen Sdjahäi zugcfügt, wie man annahm. Die Aussichten kann man nicht als schlecht bezeichnen. Die gegenwärtige naßkalte Witterung ist allerdings der Frucht- bilbuug hinderlich. Hoffentlich gehen die drei Eisheiligen — 11., 12. und 13. Mai — gnädig vorüber. — AuS dem Militärwochenblatt. Rudolph, Oberlt. a. zuletzt im Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, vom 1. April d. Js. ab eine etatsmäßige Oberleutnantsstelle im Jnvalidenhause Berlin verliehen. )(Großen-Linden, 28. April. Auf dem Kalkwerk in unserer Gemarkung erlitt ein Arbeiter aus Allendorf (Lahn), der zwischen zwei Wagen geriet, einen schweren Beinbruch, sodaß er in die Gießener Minik gebracht werden mußte. § Södel (Wetterau), 29. April. Der 28fährige Man- rergeselle Göbel stürzte gestern in Melbach so unglücklich von einem Gebäude, daß er beide Beine brach. w. Darmstadt, 30. 2lpril. (Eigener Drahtbericht deS »Gieß. Anz."). Heute begann vor dem hiesigen Verwaltungsgerichtshof unter Vorsitz deS OberlandeSgerichtSrats Forch die auf 4 Tage berechnete Verhandlung gegen den vorläufig wegen einer Anzahl von Dienstwidrigkeiten vom Amte suspendierten Beigeordneten Wolff von Offenbach. Die Anklage vertritt Ministerialrat Best. Es sind bisher ca. 30 Zeugen geloben. Der Angeklagte Wolff ist erschienen, unb Rechtsanwalt Dr. Jäger, sein Verteidiger, beantragte im Interesse Wolffs öffentliche Verhandlung, worauf der Gerichtshof beschließt, nur die Presse, d. h. beschränkte Oeffentlichkeit, zuzulaffen. Ministerialrat Best giebt die Hauptpunkte der Anklage bekannt unb stellt nähere Begründung in Aussicht. Wolff habe eS an der nötigen Achtung gegen seine Mitmenschen, sowie an der notwendigen Objektivität und Wahrheitsliebe, die er als Beamter zu wahren gehabt hätte, fehlen laffen. Auch sein Ton und sein Verhalten der vorgesetzten Behörde, dem Kreis- amt gegenüber, unb die schweren, unwahren Beschuldigungen gegen Kreisrat von Hombergk, auch seine Thätigkeit als Ortsgerichtsvorsteher tc. veranlaßen bie Stacusbehörbe auf Dienstentlassung Antrag zu stellen. Darauf bestreitet der Angeklagte in längeren Ausführungen die meisten Punkte der Anklage. Die Aeußerungen rc. habe er nur in bestimmter Tendenz getan. (Das Nähere unb die Fortsetzung der Verhandlung bringen wir in ber nächsten Nummer. D. Reb.). Mainz, 26. April. S. K. H. der Groß Herzog traf heute abend gegen 7 Uhr hier ein und besuchte ein Konzert der Mainzer Liedertafel, in welchem Kapellmeister Weingärtner mitwirkte. Nach dem Konzert nahm der Großherzog das Souper bei dem Präsidenten der Liedertafel ein, der auch die Spitzen der Behörden, den Vorstand sowie die mitwirkenden Mitglieder der Liedertafel als Gäste bei sich hatte. Nach 10 Uhr verließ ber Großherzog Mainz wieder. Frankfurt, 30. April. Zu dem schon gemeldeten Eisenbahnunfall schreibt noch die „Kl. Pr.": Als der Schnellzug Nr. 39, Heidelberg-Frankfurt, der fahrplanmäßig um 7 Uhr 43 Min. auf dem hiesigen Bahnhof einlaufen soll, heute morgen auf die Main-Neckar-Bahnbrücke fuhr, sprang die erste Laufräderaxe der Lokomotive aus den Schienen. Der Lokomotivführer, der die Entgleisung fofort bemerkte, brachte den Zug am anderen Ende Der Brücke zum Halten. ES konnte zunächst nur festgestellt werden, daß die Schienen wie auch allem Anschein nach die Laus- räder der Lokomotive vollständig intakt geblieben waren; beschädigt hingegen war stellenweise der Holzbelag der Brücke. Die Passagiere des Zuges, die von bem Unfall erst Kenntnis erhielten, als der Zug stand und jede Gefahr beseitigt war, verließen den Zug auf der Brücke. Etwa eine Stunde später war die Laufaxe wieder in die Schienen eingehoben, und der Zug konnte in den Bahnhof fahren. Tas Gleis blieb auf weiteres gesperrt, lieber die Ursache der Entgleisung konnte bisher nocy nichts ermittelt werden; es steht nur fest, daß die Laufaxe der Lokomotive in der Kurve unmittelbar vor der Brücke aus den Schienen sprang, und daß die Räder dann neben den Schienen her auf dem Bohlenbelag entlang liefen. Die Spur der Räder auf den Holzschwellen ist deullich zu sehen. Das Gleis selbst war, wie eine spätere eingehende Untersuchung ergab, unversehrt geblieben; ob das auch mit den Laufrädern Der Lokomotive der Fall ist, wird in den Werkstätten festgestellt werben müssen. Daß nur die erste Laufaxe der Lokomotive aus den Schienen sprang, und daß wider alles Erwarten die schweren Triebräder nicht folgten, muß als ein ganz besonders glücklicher Umstand bezeichnet werden. Term ein schreckliches Unglück hätte es geben müssen, wenn auch die Triebräder entgleist wären und der ganze Zug sich ineinandergeschoben hätte. Die Brücke bildet nämlich mit ihren überaus starken eisernen Seitenträgem, die die Form einer Parabel haben, gewissermaßen einen Tunnel, aus dem es kein Entrinnen gibt. Wäre die Entgleisung nicht so glimpf- lich abgelaufen, so wäre vielleicht der Brückenkorper zerstört worden und der Zug in den Main gestürzt Daß eine unglückliche Wendung nicht eingetreten ist, ist vielleicht auch in erster Linie mit der Besonnenheit beb Lokomotivführers äu verdanken, ber bie Entgleisung sofort bemerkte und mit dev größten Vorsicht den Zug zum Halten brachte. — AßmannShausen, 29. April. Der hier allgemein unter bem Namen „Lustig" bekannte Schiffer Konrad Wilt- mann versuchte seinen Nachen an der Kaimauer festzumachen, glitt aber aus und ruffchte die schräge Mauer in den Rhein hinab. Bei dem Versuche, sich ans Land zu schaffen, versagten dem 59 jährigen Manne anscheinend die Kräfte und so verschwand der Unglückliche in den Wellen und ettrank. Kleine Mitteilungen aus Hessen unb ben Nachbarstaaten. Der gemeldete Einbruch in das Steuer- kommiffariatSgebäude in Friedberg stellt sich nur als ein Gerücht heraus, das gestern m der ganzen Stadt verbreitet war. Wahrscheinlich hat sich der Urheber einen sträflich dummen »Witz" leisten wollen. Vermischtes. • Leipzig, 29. April. Der Tabakhändler Ossipowitsch und der Agent Mexander Strauß, die als Vermittler von Geldgeschäften hier sehr bekannt sind, wurden heute verhaftet. Es handelt sich um Wuchergeschäfte und Beihilfe dazu. "Metz, 29. 2lpn(. Tie Einweihung des neuen Portals der Kathedrale, lieber das Pottal berichten deutsche und französische Zeitungen allerlei Wundergeschichten. Fest steht folgendes: An den beiden Seiten des Pottals sind in l*/3 Lebensgröße die Statuen der vier großen Propheten Jcsaias, Jeremias, Hesetiel und Daniel in monchsähnlicher Gewandung angebracht. Diejenige hcS Daniel trägt nun e . 102.40 371% 8% 37.% 3°/o 37«% Reichsanleihe do. Konsole . do. . . Hessen 8% Mexikaner . . 4%% Chinesen . . Electric, bei.ackert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit, Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Beniner Handelsges. Gestern Btaatsbahn . Lombarden . , . üottbardbahn . . . Laurabütte . . . . Bochum . . , . . Harpener .... Tendens: fest 4°/u Italien. Rente . . . 47, % Portugieeen , . . 3°/ Portugiesen. . . . 196 C. Türken . . . Türkenlose..... 4% üriech. Monopol.-AnL 41,. 96 äussere Argentiner Sammte, Velvets, direkt an Private. Man verlange Mostar. ÄS Krefeld. . 26.90 . 900 . 101.10 . 193.00 . 212.50 . 191.40 . 140.80 . 101.30 . 158.00 . 148.20 . 18.70 . 190.80 . 223.10 . 187J0 . 185.60 . 92.45 . 101.80 . 101.20 . 103.70 . 104.00 . 51.50 . 82.40 . 8230 . 132.80 . 44.95 ganz unverkennbar die Gesichtszüge deS Deutschen Kaisers. Cb eS wahr ist, daß der Kaiser über diesen .Architektenwitz*, wie die französischen Zeitungen die Freiheit deS Baumeisters nennen, sehr ungehalten sei und eure Aenderung der Statue befohlen habe, wird sich bald zeigen. Die hiesige Polizei hat einstweilen die öffentliche Ausstellung der zahlreichen photographischen Aufnahmen verboten, nichts- destoweniger wird das Portal mit der oberen Statue in seinem oberen Teil — der untere ist wieder mit einem Bretterzäune umgeben — für in- und ausländische illustrierte Zeitungen .geknipst^, und schon am Sonntag werden wohl die ersten Bilder erscheinen. • Vergiftet. Nach einer Meldung auS Torgau fand man m einem Zimmer, daS hmter der Wachtstube deS dortigen GarnisonarrefthauscS liegt, den HauSinspektor, Sergeant Re dell, mit einem jungen Mädchen vergiftet auf. Die beiden waren in den Tod gegangen, als sich ihrer ehelichen Verbindung Hindernisse entgegenstellten. • DaS Gerücht von einem Raubmord war am Dienstag abend in Lichtenberg bei Berlin verbreitet. Zu Grunde lag ,hm folgender Vorgang: Lin Bureauvorlteher Ernst D ittmann läßt sich von der ehemaligen Braut des Schlächters Emil Adam die Wirtschaft führen. Adam stellte ihm deswegen auS Eifersucht schon länger nach, lauerte ihm mit seinem Bruder, dem Schlosser Richard Adam, vor seiner Wohnung auf und verletzte ihn so schwer, daß er nach dem Krankenhaus am FnednchShain gebracht werden mußte. Der Ueberfallene erhielt mehrere Mesierstiche m die Brust und den Rücken, außerdem wurden ihm an der rechten Hand, mit der er das Mesier faßte, alle Sehnen durchgeschnitten. Die beiden Uebeltüter entflohen, wurden aber, da Dittmann sic erkannt hatte, in ihrer Wohnung später verhaftet und dem Untersuchungsrichter vorgeführt. • Duellierende Damen. In Moskau fand zwischen der Gattin eines hohen Militärs und der Arztwitwe Marie Wosikow ein Säbclduell statt, in dem die letztere eine schwere Verwundung am rechten Ann erhielt. Die beiden Duellantinnen schieden unversöhnt. Die Ursache des Zweikampfes bildete ein Wortwechsel, in dem die Arztwitwe ihre Gegnerin beschuldigte, Beziehungen zu einem jungen Offizier zu unterhalten. Als Zeugen fungierten bei dem Duell Freundinnen der beiden Duellantinnen. 37,-6 Oberhessen . 4-6 Oesterr. Goldrente 4',,96 Oesterr. bilberrente 101.05 496 Ungar. Goldrento . . 122.1"? . 102.70 . 92.85 . 102.60 Arbeiterbewegung. Lübeck, 29. April. Der im März begonnene AuSstand der Steinsetzer, Rammer und Hilfsarbeiter ist infolge beiderfetttgen Nachgedenä beendet worden. Petersburg, 29. April. In Mefched ist wegen emer Brotteuerung ein Voltsaufstand ausgebrochen. fcettesbttnft kt tsmlüifdjtn gtligionsgtftüfdjafl Eabbathfeier am 2. Mai 1908. Freitagabend 7.15 Uhr. Samstag Vormittag 8 Uhr. Nachmillag 4 Uhr. Sabbalhausgang 835 Uhr. Wochenqottesdienst: Morgens 6.30 Uhr, nachmittags 6.30 Uhr, abends 8.35 Uhr. Schiffsnachrichten. Red Star Linie. Der Poftdampfer .Vaderland" der Red Star Linie in Antwerpen ist laut Telegramm am 27. April wohlbehalten in New- ^)orf angekommen. des Kongresses statt. , . Rom, 30. April. Wie eS heißt, soll Kon 1 g Eduard, höchst überrascht durch die geistige Klarheit de» Papstes, geäußert haben, derselbe scheine t>3 und nicht 93 Jahre all zu sein. Am «bcnd übcrbrad)te an päpstlicher Gehettn-Kämmcrcr in der englischen für : König Eduard eine Photographie des Papstes mit ^ssen eigenbanDtger Unterschrift. Wie verlautet, ha: der Papst mit dem Honig über die Lage der Katholiken in Enßland gesprochen und mit großer Wärme der R'ömgin Bittorta gedacht, die er 1846 kennen gelernt habe. Der Papst soll der Hoffnung Ausdruck gegeben haben, daß iVönig Eduard den Katholiken dieselbe Freiheit erhatten werde, wie sie du> elbe unter der Königin Viktoria hatten. Ter,^Lsservatore fiomano" weift darauf hin, daß der Katholizismus ui Gnglant» feit Heinrich VIII. große Fortschritte gemaclst habe. Tie liberale Presse behandelt den Papslbesuch des Känigs kühl und betrachtet ihn als politisch unbedeutend. — Ter Besuch des deutschen Kaisers ist nunmehr dem Papst offiziell angemeldet worden. Sogleich nach der An- tunft des Kaisers wird sich Rampolla in die preußisch Gesandtschaft begeben, um den Kaiser willkommen zu heißen. An dem Frühstück, toelttyto am 3. Mai mittags 1 Uhr in der preußischen Gesandtschaft stattftndet, tverdeu der Kaiser und Rainpolla teilnehmen. Um 3 Uhr wird alsdann der Kaiser sich in den Vatikan zum Besuch des Papstes begeben. Lemberg, 30. April. Ein nachts in Putintynce aus» gebrochener Brand äscherte 227 Wohnhäuser ein. Die vom Brande im Schlaf überraschten Einwohner konnten nur das nackte Leben retten. Zwei Kinder kamen in den Flammen um, zehn Personen erlitten schwere Brandwunden. . c , , Taiiger, 30. April. Mehrere Perjonen, bic soeben von Arzila hier ankainen, melden, daß diese Stadt gestern morgen von den Riss-Kabylen unter Raisuli, dem Führer der Beniares, angegriffen wurde, wobei auf beiden Setten mehrere Personen getötet wurden. Die Stadt habe sich qut verteidigt, doch fehlten ihr Munition und Lebensmittel Der Pascha von Tanger sandte 200 Alaun, 20 000 Patronen und Lebensrnittel nach Arzila Die Flüchtlinge sind sehr erregt, daher ist es möglich daß die Lage nicht so ernst ist, wie berichtet wird. Mannheim, 30. April. Die Deutsche Petro- leum-Jmportgesellschaft erhöht die Preise um 40 Pfg. pro 100 Kilo. . Heidelberg, 30. April. Die Bah n ste t «sperr soll nunmehr auch in Baden eingeführt werden, und zwar zunächst auf den Strecken Mannheim-Heidelberg und Heidelberg-Karlsruhe, beginnend mit dem L Juni. Portsmouth, 30. April. Die Versuchs-Kommis,ion der Admiralität hat mit einem in Australien hergestellten, durch Elektrizität lenkbaren Torpedoboot zu- friedenstellende Versuche gemacht. Es scheint, daß dieses Boot große Vorteile vor den übrigen Systemen hat, da es von der Seite mittels des elektrischen Sttomes zu lenken ist. M a d r i d, 30. April. In der gestrigen geheimen una der (Dren-Präsidenten des internationalen Aerzte-Kongresses konnte noch keine Eimgung über den nächsten Kongreßort erzielt werden. Da amtliche Einladungen nickt Vorlagen, beschloß man, in Budapest, Stockholm, Athen, Amsterdam und Chicago an^ufragen. — yer Preis von Moskau fallt M e n t s chi kow vom Pasteurschen Institut zu, der Preis von Paris wurde per Acclama- tion dem Entdecker der Malaria-Infektton, Grasfi, zu- jcfprodicn. Tas Gartenfest im Sckloßpark verlief trotz x4 starken Windes glänzend. Heute fand die Schlußsitzung Gerichtssaal. Mainz. 28. April. Der katholische Pfarrer Schön Herr von Sprendlingen hatte sich vor der Strafkammer wegen einer Reihe von Beleidigungen und Anschuldigungen gegen den Bürgermeister Hoffmann und den Beigeordneten schnell zu verantworten. Ter Angeklagte stellte den Antrag auf Vertagung, da er eine Reihe wichtiger Entlastungszeugen, auf die er nicht verzichten könne, laden müsse. Er nannte die KreiSräte o. Hombergk und Süssen und verschiedene Einwohner von Sprendlingen als Zeugen. Die Erhöhung der Steuern sei ihm in die Schuhe geschoben worden, weil daS Schulgeld adgefchafft worden fei. Auch könnten verschiedene Zeugen von seiner weitgehendsten religiösen Duldung Zeugnis ablegen. Dom Vorsitzenden, Herrn LandgerrchtSrat Nees, wurde darauf hingewiesen, daß der Prozeß, der sich schon seit einem Jahre hinschleppe, endlich zur Erledigung kommen muffe. Ter Angeklagte habe genügend Zeit gehabt, die Zeugen zur «teile zu bringen. Pfarrer Schönherr entgeanet jedoch, daß es seinen Bemühungen nicht gelungen sei, einen Verteidiger zu erhalten und sein Antrag auf Stellung eines Offizialverteidigers fei mit der Be- Telephonischer Kursbericht« Frankfurt a. H., 30. April 1908. Neueste Meldungen, vriginaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Marburg, 30. April. Der hiesige außerordentliche Professor für klassische Philosophie, Tr. Georg Wenzel ist an die Berliner Universität berufen worden als Nach oloer des vor kurzem nach Königsberg berufenen Pro- essors Heintze. Wenzel wird sofort nach Berlin uber- iedeln, um noch in diesem Semester feine Lehrtätigkeit fiferTTn, 30. April. Jm Herrenhause haben Frhr. von Manteuffel und Graf Mirbach nach Rücksprache mit bei konservativen Fraktion den Antrag eingebracht, datz die preußische Staatsregierung aufgefordert werden soll, ihren Einfluß für die Kündigung der Handels- Verträge emzusetzen. Breslau, 30. April. Der außerordentl. Professor für semittsche Sprachen, Dr. Brockel mann ist zum ordentlichen Professor an der Universität Königsberg ernannt orünbung abgetönt worben, daß et fich selbst verteidigen könne. Dem Antrag auf Vertagung wurde ftahgegeben und Termin auf den 20. Juni anberaumt. Tie Anklage verttttt Herr 0dettlaatS- Qnroalt Dr. Schmidt, als Nebenkläger bcS Bürgermeisters Hoffmann tritt Herr Justi;rat Görz auf. tM. -rgbl.) Zandel und Uerkehr. Uolkswittschast Die Gründung einer Gtukausögeuoffeuschaft deutscher Zigarreuhäubler, welche bezweckt, ihren Mitgliedern gute und billige Tabakfabrikate und sämtliche einschlägigen Bedattsartikel zu beschaffen, sand dieser Tage in Berlin statt. Nach den Satzungen kann Mitglied jeder gesetzlich unbeanstandeteZigarrenhandler werden, der in Deutschland seine» Wohnsitz hat und etn offenes Tetall- oefchöft für eigene Rechnung und selbständig betreibt; ausgeschloffen tnb solche Händler, welche mehr als drei Filialgeschane unterhatten. Der Geschäftsanteil beträgt 100 Mk. Es wird beabsichtigt, sogenannte GenoffenschaftSmarken einzuführen, die jedes Mitglied beziehen kann. Tie betreffenden Zigarrendeta,lgeschäfte^ welche diese Marken führen, sollen durch Anzeigen, Plakate und Schilder in der Reklame unterstützt werden. Geschäfts-Verlegung und -Empfehlung. Mein Geschäft befindet sich jetzt 50 Bahnhofstraße 50 (a Ütt ffiepanlifle) und hatte mich bei Bedarf in Uhreu und optische« Artikeln, sowie in Ausführung von Reparaturen unter Zusicherung promptester Bedienung bestens empfohlen. Hochachtungsvoll 02124 Georg Koch, Uhrmchtk Hüll Lstikn, ° Schon a 90 Moderne neue Muster der leist erschienenen Neuheiten sind in jeder Preislage eingetroffen. Musterkarteu auf WonscL Solide Preise! 3590 Ernst Bloedner, Telephon 367. Prima erstklassige Fahrräder. Reellste Garantie. ClichS geeetxL geschützt. Zubehör- und Ersatzteile aller billigst Grossartige Auswahl. 3597 joh. Fr. Schaaf renommiertes Geschäft der Branche in Giessen Wetzsteinstrasse 44. Fluß- und Seefische J. M. Schulhof Telephon 119. Promoter Versandt nach auLw. Emma Seuling 45 Wetzsteiustraße 45. Billigste Ausnahmeprerse für la. verzinkte Eimer und Spülkannen, Wäsche-Leinen, 10 Meter von 18 Pfg. an, Wäsche-Klammern. [3533 Stadt. Schlachthaus. Freibank. Heule: ^ommtlflcitdj 50 pfg. 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