K recht schöne, SSOES hoch? wie jetzt." _ „Aus den Ausstellungen für die in Amerika zeitweilig ein geführte Einkommensteuer ergibt sich!, daß wahrend der letzten 11 Jahre, von 1876 bis 1887, die Zahl der Personen mit einem jährlichen Einkommen von 3150 bis 10 500 Mk. um mehr als 21 Proz. gestiegen, die 21000 bis 105 000 Mk. Einkommen haben, tatsächlich um 2,1 Proz. gefallen ist. Man darf dessen sicher sein, die Verteilung des Reichtums unter den gegenwärtigen Verhälllrissen greift geradezu reißend um sich und geht ganz von selbst in wohltuender Richtung vor sich Die wenigen Reichen werden täglich ärmer und die arbeitenden Klassen täglich reicher." „Der Teil des aus Arbeit und Kapital zusammen- geernteten Gewinnes, welcher heute den Arbeitern zu gute kommt, war niemals so groß und niemals so im Steigen begriffen, der aus dem Kapital gezogene Nutzen niemals so gering, wie gegenwärtig." Demgegenüber stellt er die Behauptung, daß es wünschenswert ist, wenn ein paar einzelne „Honigbienen" eine große Masse von Reichtümern in ihren Händen vereinigen, indem er schreibt: , „Tie paar hundert Millionen, die in der Hand eines Nabob vereinigt sind, würden, aus die Gesamtheit der Nation verteilt, nur eine sehr mittelmäßige Verbesserung der Lebensfrage jedes einzelnen her beiführ en; hingegen vermag der Reiche mit diesen Millionen einen ganz spezifi- chen Segen zu stiften. Der Mensch lebt ja nicht von Brot allein, fünf oder zehn Prozent mehr an Einkommen, über Tausende zersplittert, würde wenig oder gar nichts Gutes zur Folge haben, jedoch zu einem großen Fonds gehäuft und dann in der Art verwendet, wie etwa Eoopec sein Geld für das Cooper-Institut verwendete, bedeutet ein solches Vermögen Glück und Hilfe, für ganze Geschlechter." Carnegie selbst ist das beste Beispiel dieser Idee. „Es ist kein Akt der Seelengröße, noch ruht ein besonderer Nr. 354 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem hessischen Landwirt dle Gießener Familien, blätter viermal in der Woche betgelegL Rotationsdruck u. Verlag bei Brüh l'ichen Un wert ^Buch- u. Steindrucke rrt (Pretsch Erbens Redaktion. Expedition und Druckerei: «chnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fcrnlprechanschluß Nr. 51. Kirche uni) Kchute. Eltern und Kinder. In der „Köln. Volksztg.* führt ein hessischer Volksschullehrer bittere Klage darüber, daß auch m der Schule schon der blaue Montag zur Tatsache geworden sei. Er schreibt: Ich bin Montags jeder Zeit darauf gefaßt, daß eine große Anzahl, ja oft die Mehrzahl der Kinder schlecht oder gar nicht vorbereitet ist. deutschen Volksgemütes in innigster Berührung. Und er sieht als Humorist die Welt an, wie sie der Weltgeist selber ansehen müßte: um den Mund ein seines, leicht ironisches Lächeüi in der Brust das unendliche Mitleid. Das macht uns auch seine ,,P r i n z e s s i n F i s ch" so lieb und wert. Auch hier sind die Charaktere so lebenswahr, es steckt so viel treffliche Lebensweisheit in dem Buche, ein so milder Geist der Versöhnung, daß mun nur wünschen kann, daß es wie jedes andere Niaabesche Buch, in recht vielen Familien gelesen werden nwge. Mr können den Raabe- schen Schriften, die noch viel zu wenig bekannt sind, nur immer wieder die allerwärmste Empfehlung mit auf den Weg geben. Jedes der Bücher kostet hübsch gebunden 4 Mark. Sadismus und Masochismus von Dr. E. Laurent Autorisierte deutsme Ausgabe von Dolorosa. 272 Seiten großes Format. Mk. 5,—. H. Barsdorf in Berlin W 30. — Dies Werk eines französischen Arztes stützt sich zumeist auf französische Quellen und bietet daher dem deutschen Leser säst durchweg Neues, Unbekanntes. Es ist ein ernstes, auf wissenschaftlicher Busis ruhendes Buch, das bei dem heutigen Interesse für alles, was das Gebiet des Sadismus, Masochismus, Flagellantismus berührt, viel gekauft werden wird — aber es erfordert starke Nerven, denn es führt den Leser in schauerliche Abgründe des menschlichen Lebens. — Literatur und Wurstgeschäft. Wir lesen in der Voss. Ztg.": Friedrich Hebbel schreibt im Jahre 1854 an seinen Freund und Biographen Emil Kuh, als er dessen Charakteristik HebbelS" weder in den Buchhandlungen, noch in den Leihbibliotheken Breslaus gefunden hatte, sondern nur ,bei dem berühmten Wurst- und Materialwaren- Händler Dietrich aus der Schmiedebrücke", wo sie zu Einmüde von feiner Hände Arbeit heimeilt, um fernen Hunger, ein Ruhebedürfnis stillen zu können, statt dessen die Bibliothek aussucht, dort alle Tages- und Handelszeitungen aufmerksam studiert, um [idy über die Materialpreise und dergleichen zu orientieren. Daß er trotz dieser etwas pl-antasti- schen Volksbildungsprojekte, trotz seiner fürstlichen Schenkungen an Universitäten gegendieakad emische Bildung eifert, wundert uns nicht. Das lind wir bei Selfmademen gewöhnt, daß sie, einmal in der Lage, ihre Volks- schülbildung nach der humanistischen Seite hin vervollkommnen zu können, über die klassischen Studien die Nase rümpfen und dem Mademikertum Kraft und Saft absprechen. Es wirft ein recht merkwürdiges Licht auf den amerikatrischen Humanismus, wenn Carnegie zu der Behauptung kommen kann, die jungen Studenten wüßten alles mögliche über Odysseus und Agamemnon, kennten aber Shake- s p e a r e (!) und Milton n i ch t. Was er im allgemeinen über Arbeiterfürsorge sagt, ist sehr lobenswert; im übrigen erkennt er ganz richtig, daß dieser einigermaßen zum Schlagwort herabgesunkene Begriff, auch dahin zu verstehen ist, daß die Minderbemittelten auch ein wenig f ü r s i ch s e l b st s o r g e n, daß sie die ihnen offenstehenden Bibliotheken frequentieren, daß sie Lust an einem geistreichen Unterhaltungsspiel, an einer guten Lektüre finden. Interessant und lehrreich ist auch, was er über das Verhältnis von Arbeit und Kapital sagt; z. Bl: „Der Teil des durch Arbeit und Kapital gemeinschaftlich erworbenen Nutzens, welcher jetzt der Arbeit zufällt, war niemals so groß und dec dem Kapital zufallende Gewinnanteil niemals s,0' gering, wie heutzutage. Während der Gewinn aus Kapitalvermögen um mehr als die Hälfte gefallen, ja teilweise ganz verschwunden ist, waren, wie die Statistik nachweist, die Arbeitslöhne niemals so Gin Wapoleou der Geschäfte. Dieses Wort Balzacs ist in den letzten Tagen viel zitiert worden. Einer der stärksten Poeten der zweiten Republik hat — wenn auch nicht ganz einwandftei — die Tragikomödie eines Mannes geschrieben, den sicherer Urteils- blick und geniale Rücksichtslosigkeit zum Millionär gemacht haben, dem Menschen nur Zahlen, Ereignisse nur Conti in dem Hauptbuche seines Lebens sind. Der Tod des einzigen Sohnes, des Menschen, für den er ringt und kämpft, betrügt und vernichtet, dieser furchtbare Schlag zermürbt ihn nicht soweit, daß er sich von zwei schlauen Konkurrenten überrumpeln läßt. „Geschäft ist Geschäft.. . Die Komödie Octave Mirbeaus ist typisch für unsere Aera^. das goldene Zeitalter des Kaufmanns, das Wehr und mehr zu dämmern beginnt. Nie, weder zu den Zellen, da römische Reeder die „ultima Thule" zu chrer „Interessensphäre" rechneten, noch in den Tagen, da ein Fuggerscher Geldsack mehr vermochte, als ein kaiserlich deutsches Heer, hat das Wort vom „königlichen Kaufmann" mehr Berechtigung gehabt, als heute. Erst in der Morgenröte des zwanzigsten Jahrhunderts konnte eine Schrift erscheinen, die den stolzen Titel: ,Miuftnanns Herrschgewalt" trägt Die weltumspannende Macht des Kaufmanns, das Be- .wußtsein, daß der welle Blick eines einzigen fähigen Mannes mehr wert ist, als Haufen von „Rotz und Reisigen", läßt heute nach und nach das Klassenvorurteil schwinden. „Geschäft ich nicht bloße Kusse allein. Die Dollars sind nur die Schalen, der Kern der Sache aber liegt tiefer und bringt jedem Genüsse mit der Entwicklung höherer Fähigkeiten des Geschäftsmannes, welche beständig auf- gerufen, entwickelt und zur Reife gebracht werden. Solange Militarismus und barbarische Gewalt die Welt regierten, war die Verachtung für alles, was Geschäftsmann hieß, allgemein. Dock) wie ganz und gar hat das alles sich heutzutage geändert! Allerdings darf man nicht vergessen, daß diese Verachtung verhältnismäßig neueren Datums war, denn wenn wll in die Geschichte weiter rückwärts blicken, finden wir, daß die allen Familien auf nichts so stolz waren, als auf die Rolle, welche sie in der Geschäftswelt spielten. Wollsack und Kombüse prangen noch heute in den Wappen einzelner." Gin Buch» in dem solcbe Worte stehen, das Buch Andrew Carnegies, eines Mannes, der sich vom Klöppeljungen und Dampfkesselheizer zum Milliardär aufgeschwun- ■ren, der es von einem Wochenlohn von 5 Mk. zu einem Tageseinkommen von 160 000 M k. gebracht hat, können wir nur, so schreibt der „Frks. Herold", mit Freuden vor, daß einer so überzeugt nach dieser Maxime handelt, wie der Verfasser des Buches selbst. Man könnte einwenden, Carnegie haben keinen Sohn, den er zum Erben seiner immensen Reichtümer machen könnte (er hat nur eine Tochter); aber selbst wenn dem nicht so wäre, so ist anzunehmen, daß er trotzdem wenigstens den größten Teil eines Ueberslusses fortgeben würde, da er es für das „größte Unglück für einen jungen Mann" erachtet, einen „Korb mit Staatspapieren" zu erben. Arm müsse der Jüngling sein, wolle er ein tüchtiger Mann werden. Immer wieder betont er, wie glücklich der arm Geborene zn schätzen sei, immer wieder versichert er, daß Gehirnkraft, der meist gefragte Artikel in der gesamten Geschäfts- ivelt sei, daß keine Firma existiere, die nicht fortwährend auf der Suche nach geschäftlicher Tüchtigkeit Ware, daß es keinen jungen Mann gebe, der niemals Chance gehabt habe, im Geschäftsbetriebe etwas außerordentliches zu werden. Wern siele da nicht des großen Franzosenkaisers Wort — vom Marschallstab im Grenadiertornister ein? Mehr als diesen einen äußerlichen Berührungspunkt haben die beiden, der ehemalige Pittsburger Telegraphenjunge und der Kriegsschüler von Brienne. Beider Größe ist aus einer gährenden, stürmischen Zeit heraus geboren, Bonapartes aus der Periode der politisck)en Revolution der alten, Carnegies aus der Epoche der wirtschaftlichen Umwälzung der neuen Welt, beide haben es von niedrigem Abhängigkellsverhältnis zur Herrschaft über Tausende gebracht, beide waren rücksichtslos in. der Verfolgung chrer Ziele; daß um den Schottisch-Amerikaner weniger Blut geflossen als um den korsischen Franzosen — auch daß beiden das Land ihrer Erfolge nicht Vaterland war, ist ein auffallendes 3u) ammentreffen — liegt in der Natur der Sache; dock) siegreiche Sck)lachten hat auch Andrew Carnegre aufzu- weisen (man denke an den großen Streik in den Homestead- werten während der achtziger Jahre). Aber ein St. Helena hat der Stahlkönig nicht gesunden, wiewohl Rockeseller und Morgan willens waren, ihm um jeden Preis eines zu bereiten. Wegräumen wollten sie ihn, den Stein des Anstoßes auf ihrem Wege zum Stahltrust. „Der Trust hatte bereits alle wichtigen Bahnen und acht der ersten Stahlfirmen der Vereinigten Staaten mit einem K'apllal von Lstr. 118000 000 in Händen; jetzt machte er Anstalten, Carnegre zur Unterwerfung zu zwingen, Rocke- seller und Morgan über sandten dem Stahl könig ein Ultimatum ; es lautete dahin: er solle wählen zwischen einem Preis für seine Werke von Doll. 10000 000 oder Zerschmetterung. Das war unverschämt, denn der jährliche stutzen der Carnegieschen Werke betrug beinahe soviel, wie das Angebot. Carnegie antwortete mit der Drohung, für Doll. 3 000 000 neue Werke zu errichten, groß genug, um den Kampf gegen den Trust aufzunehmen. Außerdem drohte er mit dem Bau eigener Bahnen, um dem Trust als Eigentümer der von ihm erworbenen Bahnlinien die Spitze zu bieten. Das brachte Morgan und Rockeseller zur Besinnung. Carnegie erhielt von dem Trust 50 Millionen Aktien mit einer Zinsgarantie von mindestens 5 Proz.; er bezieht allein aus diesen Werken eine jährliche Einnahme von Mk. 50000000." So erzählt der deutsche Uebersetzer des Buches in der Einleitung. Es diene zum Beweis, daß der Mann, der das Wort vom „Empire os Busineß" prägte, auch das Zeug hat zu einem „Emperor of Busineß. 'M^ck^klinat aber auch gar zu neumodisch, saft Segen darauf, etwas hiuzugeben, was man selbst nicht , nur für eine allerdings länger behalten mag." e>o einfach das klingt und so selbst- fe,to2 ’ÄaUb r i fa r6 e tter, bet betjtW aM diese Wahrheit rst, es kmnmt gar selten) Wickelpapier benutzt wurde, Und begreiflicherweise darüber sehr gekränkt war: „Warum sehen Sie sich nicht näher in der Budicke um? Sie hätten bald Trost gefunden. Aus telegraphischem Wege habe ich ermittelt, daß dieser Dietrich fast die ganze moderne Literatur bei sich aufgestapelt hat, und daß ihm namentlich von meinen Werken nichts fehlt. Dabei begeht er gegen mich die Bosheit, daß er nur schlechte Ware hineinwickelt, während er Ihre Charakteristik höchst anständig nur als Emballage für Limburger Käse verwendet. Verdorbene Blutwürste werden in die erschüt- ternften Szenen der Maria Magdalena gepackt, Schinken,' der zu stinken anfängt, in die Judith, und Sck)malz, von der ärgsten Qualität, in die Genoveva. Einzig und allein das Trauerspiel in Sizilien liegt noch unberührt da, aber nicht, weil Herr Dietrich es schätzt, sondern weil noch keiner seiner Artikel so Übel riecht, daß er es, wie er behauptet, entsprechend plazieren könnte." — Ein sonderbarer Vorfall hat in Posen Aufsehen erregt. Der Hennigsche Gesangverein (eine Abteilung der Posener „Deutschen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft") veranstaltete dieser Tage ein LudwigWüllner- Konzert. Professor Hennig, der Leiter des Vereins, soll nun eine Anweisung gegeben haben, sämtlichen deutschen Zeitungen Posens die Einlaßkarten zu dem Konzert vorzuenthalten. Me deutsche Presse der Stadt Posen erflärte daraufhin einmütig, daß sie zum Hennigschen Gesangverein jegliche Beziehungen so lange aufheben werde, als die Angelegenheit nicht in zufriedenstellender Form geregelt sei. Als Ursache des sonderbaren Vorfalles sieht man Miß- helligkeiten an, die sich, zwischen Professor Hennig und dem Referenten des Posener Tageblattes vor einiger Zeit ergeben haben. begrüßen. „Streben Sie", so lautet Carnegies oberste Ermahnung, „streben Sie stets nach dem Höchsten, seien Sie König in Ihren Träumen, aber scheuen Sie zunächst auch nicht vor ganz untergeordneten Stellungen zurück. Es schadet dem Neuling nichts, wenn er nötigenfalls das Geschäftslokal ausfegt." Und dann warnt er vor drei Gefahren: Trinken, Spielen, Gefälligkeitswechsel. Cs muß gesagt fein, daß diese Grundsätze eigentlich keine neuen sind; aber Jie so eindringlich wiederholt zu haben, wie Carnegie das tut, ist auch ein Verdienst. Keiner hat aud) bis jetzt so eindringlich den Wert uiid die Pflickst vernünftigen Sparens betont. Neuartiger als all dies, amerikanischer wenn man will, mutet der Rat, alles in „einen Topf" zu tun, an. Tun Sie", sagt Carnegie, „tun sie alles in euren und denselben Topf und wachen Sie über diesen Topf. Wer drei Töpfe zu gleid)er Zeit tragen will, muß notwendigerweise einen davon auf dem Kopfe balancieren, und die Gefahr ist so groß, daß der Topf herabfällt. Mit anderen Worten: Ein Häuptsehler geschäftlicher Praxis ist der Mangel an Konzentration." Feuilleton. Paul HeYse: Romane und Novellen. Wohlfelle Ausgabe. Erste Serie: Romane Verlag der IG. Eottaschen Budchandluna Nachfolger, G. m. b. H. in ^tutt-1 gart. Die neue wohlfeile Ges amtausgab e von Paul Heys es Ji Oman en geht ihrer Vollendung entgegen. Kürzlich! ist der zweite Band des großen, viel gerühmten Rmnans „Mier- l i n" zur Ausgabe gelangt. Man darf es der Verlagshandlung Dank wissen, daß sie mit der Veranftalllrng dieser solid ausgestatteten und billigen Ausgabe der Verbreitung der Meisterwerke des Dichters neue Wege gewiesen hat. Wilhelm Rabe, der gemütvolle greise ^oet bart Braunschweig, den wir heute, nach dem Hingänge Gottfried Kellers und Theodor Storms, mit Hehse unfern größten Romandichter nennen, hat unlängst im Verlage von Otto Janke in Berlin SW. zwei seiner töstlichsten Werke ui neuer Auflage erscheinen lassen. In „Villa Schonow , nner Erzählung, die 1884 entstanden ist, wird em Wrmeister aus Berlin, der eine Vil a in der Provin erworben hat, um sie nicht in Wucyerhande geraten zu lassen, zum Schutzgeist eines jungen Liebespaares. .Hier ist das kleinstädtische Leben ungemein ergötzlich geschildert- Dieser gute Alle und seine treffliche Gönnerin und Beraterin, W Julia Kielitz, sind ein paar oer al er merkwürdigst en Käuze aus Raabes Werken, und das will wahr^ lickr viel heißen. Und man hat diese beiden alten wunderlichen Herrschaften von ganzem Herzen lleb, all ihre Son- derbarleiten und Sd)nurrp seif er eien, denn ihr innerstes Gmnütsleben legt der Dichter klar vor uns arw. Jl^m anderer deutscher Poet ist in die Philosophie des deutschen Klellibürgerä mit so weichem, warmen Herzen gedrungen vie Raabe. Er steht mit dem Höchsten und Tiefsten des Erstes Blatt. 153. Jahrgang Donnerstag 29. Oktober 1803 /WW X monaMch7bP^viertel» V MM, Bi ' ▼ . jährlich Mk. 2.20; durch Glehener Anzeiger« w General-Anzeiger y v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Aus MM und Kund. Gießen, den 29. Oktober 1903. ** Eine kostenlose Mahnung des Großh. Kreismutes gaben gestern unsere Schutzleute an zahlreiche Radler in der Stadt ab, welche die Radfcchrsteuer pro 1903 schuldig geblieben sind. Die Zahlung des Stempekbetrages von 5Mk. hat binnen einer Woche zu erfolgen bei Meldung der zwangsweisen Beitreibung, die aber Geld kosten wird und event. noch eine Bestrasung im Gefolge haben wird. **DieNolksvorstellungdesStadttheaters gestern abend wies eine überaus starke Besetzung des Zu- schauerraurns auf. Eine große ArrKahl von Besuchern mußte sich mit Stehplätzen begnügen. Die Aufführung der drei «Einakter fand großen Beifall; besonders die durch das untadlige Spiel des Frl. Hellberg als Marianne reizende Wiedergabe der „Geschwister" von Goethe. ** Der Wurstm acher aus Amerika. Dieser Tage ,erhielt ein hiesiger Fabrikant einen seltsamen Besuch In 'sein Arbeitszimmer trat ein stämmiger Riese, in dem herkulische Kräfte zu stecken schienen. Er stellte sich mit donnernder Baßstimme als Schlächtermeister aus Chicago vor, der eine Wurstfabrik zu eröffnen wünsche. Zu diesem Zwecke bat er sich in sehr dringlichem Tone die Kleinigkeit won 25000 Mark als Vorschuß aus. Als Referenz gab er eine renommierte Mannheimer Firma an. Die sehr energ- sche Art, in der der Fremdling von jenseits des großen -Teiches sein Anliegen vortrug, seine häufigen, im Brusttöne tiefster Ueberzeugung vorgebrachten Beteuerungen, daß „Kalbfleisch das beste" sei, wobei er regelmäßig mit seinen 'Simsonfänsten auf den Tisch schlug, daß das ganze Haus wackelte, wirkten auf den Gießener Herrn nichts weniger -als wohltuend, und er 'begann zu fürchten, daß sein un- 'heimliches Goliath-Visavis nur einen günstigen Augenblick ubwartete, um sein Begehr durch einen wvhlge^.elten Dolch- stoß zu bekräftigen. Der Herr gab schließlich, um den ge- sährlrchen Quälgeist loszuwerden, die Versicherung ab, daß er soeben gerade 500 000 Mark in ein neues Zellstossunternehmen gesteckt und daher keine größere Geldsumme flüssig habe. Und so mußte sich der fabelhafte Riese aus dem wilden Wesren schließlich unverrichteter Sache ungnädigst verabschieden. ** Das Gießener Universitätstaschenbuch, ,herausgegeben von der Hof- und Universitätsbuchhandlung August Frees, ist wieder prompt mit Beginn des neuen Semesters erschienen. Eine Hauptzier ist diesmal ein vorfrüheren Jahre. Richt zu vergessen sind dann noch die Sonderzüge für das hier einrückende Militär, im großen! und ganzen also eine große Arbeit, die geleistet werde« muß. Auch im tgl. Schloß dürfte die Zusammenkunft beider Monarchen mit den vielen Fürstlichreiten manches Kopfzerbrechen verursachen, das Unterbringen aller Herrschaften mit dem großen Gefolge wird natürlich noch viel schwieriger ein, wenn wirklich auch die beiden Kaiserinnen hierher kommen werden. Man sieht, wie viel Köpfe, wie viel Hände die zu erwartenden Festtage in Bewegung setzen werden; beteiligt sich nun auch die Bevölkerung durch Ausschmückung der Häuser usw., dann dürfte der Verlauf glänzend sein. a. Marburg', 28. Ort. Der nationalsoziale Verein hat in seiner gestrigen Sitzung, der Reichstags- abgeordneter von Gerlach beiwohnte, einstimmig beschlossenden Parteigenossen in Stadt und Land zu empfehlen, nur olche Wahlmünner zu wählen, die bereit sind, dem nationalliberalen Kandidaten Pros. Lehmann chre Stimme zu geben. Wenn dieser sich auch nicht zu der von den Rationaljozialen dringend erhobenen Forderung des Reichstagswahlrechts für den Landtag bekennt, so verlange er doch eine Reform des bestehenden Dreiklasjenwahlrechts. Seine sonstigen Forderungen seien derart, daß die Nationalsozialen ihm ihre entschiedene Unterstützung leihen könnten. — In einer öffentlichen, nur schwach besuchten Versammlung des Bundes der Landwirte sprach heute nachmittag der Bundesdirektor Dr. Dietrich Hahn über die Ausgaben des kommenden Landtags. Es bestätigt sich, daß die Bürrdler im Verein mit den Antisemiten dem von ttmser- vativer «Seite wieder aufgestellten Landrat von Negelein einen eigenen Kmrdidaten entgegenstellen werden. Ein bestimmter Viame wurde noch nicht genannt. Vermischtes. * Altona, 28. Oft. In der Gustavstraße erschoß heute nachmittag ein Steward eine Buffetiere, die er längere Zeit mit Liebesanträgen verfolgt hatte, von der er aber abgewiesen war. Ter Mörder tötete sich darauf durch einen Schuß in den Kopf. * Dessau, 28. Ott. Der herzogliche Kapellmeister Mikorey wurde auf der Straße von dem Opernsänger Kienlechner, der früher dort an der Hofoper tätig war, auf der Straße zur Rede gestellt und mit der Faust ins Gesicht geschlagen, zu Boden geworfen und mit Füßen getreten, well er angeblich Kienlechners Tätigkeit in Bayreuch einer abfälligen Kritik unterzogen haben soll. * Stuttgart, 28. Ott. Zu Ehren der Aufstellung des Denkmals für Franz Liszt in den königlichen Anlagen sand heute mittag bei der Herzogin Wera ein Essen statt, bei dem auch Liszts Enkel, «Siegftied Wagner, erschienen Ivar. Das Hoftheater feiert die Aufstellung des Denttnals durch eine 'Festvorstellung mit Liszts „Heftiger Elisabeth". * London, 28. Ott. Der deutsche Vizekonsul Otto Trond e wurde heute in der Hugh end cmsttaße in Glasgow mit einem Schuß in dem Kopfe tot aufgefunden. Seine Frau erttärte, ihr Mann habe in letzter Zeit ein eigentümliches Benehmen gezeigt. * Ueber Kaiser Friedrich und die akademische Jugend erzählt Herm. Müller-Bohn in der „Tägl. Rundschau" folgende Geschichte: In einem besonders nähen Verhältnis hat Kaiser Friedrich stets zur akademischen Jugend gestanden. Gern und oft wellte er in chrer Mitte, Me studentischen Bräuche dabei stets aufs genaueste befolgend. Als die Universität Königsberg, die älteste Preußens, am 18. Oktober 1861 dem Kronprinzen die höchste akademische Würde, das Amt eines Rector magni- sicus überttagen hatte, beteiligte sich der Kronprinz auch an dem Kommers, der am Abend desselben Tages in dem Sommerlokal der „Börsenhalle" zu Königsberg stattfand. Der offizielle Teil des Festes mit seinen Reden und Toasten war zu Ende und eine Pause eingetreten, während welcher die zahlreichen Teilnehmer in dem anstoßenden Garten die schon ein wenig heiß gewordenen Köpfe in der kühlen Abendluft badeten. Auch der Kronprinz, die Zigarre im' Munde, und die Hände nachlässig in den Taschen, trat in Begleitung des Oberpräsidenten v. Eichmann und des Polizeipräsidenten v. Maurach hinaus und ließ sich bei der Gelegenheft die draußen sich ergehenden Studenten vorstellen, jeden einzelnen mit einer liebenswürdigen Anrede erfteuend. Ta nahte sich auch eine etwas schwankende Gestalt, welche zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts die Unterstützung zweier Kommilitonen bedurfte. Erschreckt winkt Maurach den Begleitern ein energisches „Zurück!" zu, allein der Kronprinz hat die Gruppe bereits bemerkt und meint : „Warum zurück? Wenn ihm das Gehen schwer wird, will ich rhm entgegengehen. Und in der Tat macht er ein paar Schritte auf den schwer Geladenen zu, der nun notgedrungen vorgestellt werden mußte. „Sagen Sie mal, lieber Kommili- roite", wendet sich der Kronprinz in heiterster Laune an den keineswegs verdutzten Bruder Studio, „ich bemerke hier an den Mützen Ihrer Kommilitonen bald einen großen, bald einen kleinen Albertus (das von den Studenten Körngs- bergs silberne oder goldene Bild des Gründers der Universität), woher kommt das wohl?" ,,Ja, sehen «Lie, Königliche Hoheit", entgegnet ungeniert der akadenn.che Bürger in überströmender Biergemütlichkeit dem Prinzen auf die Schulter, „das kommt so: wer viel Geld hat, der kooft sich 'nen großen, und wer wenig hat, der kooft sich 'nen kleenen." „Na", antwortete nun der hohe Herr mit Schmunzeln, indem er sich zum Weitergehen wendete: „Sie haben sich aber 'nen großen gekooft." * Einen bitterbösen Ehe träum hat eine Berliner Schauspielerin soeben durchkosten müssen. Frl. B, die Tochter eines Berliner Agenten, lernte einen Sportsman kennen uiiü ging mit ihm ein Verhältnis ein), das zu einer Ehe führen sollte. Der Herr nannte sich Harry Jacsons und verfügte über reiche Mittel. Bevor er mit der Schauspielerin Hochzeit machen konnte, müßte er, wie er seiner Geliebten erzählte, eine Reise nach Mailand unternehmen, an die sich die Heirat anschließen sollte. Von Mailand erhielt Fräulein B. einen Brief, in dem ihr Zukünftiger mitteilte, daß er zu seinem Bedauern nicht nach Berlin reisen könnte. Dagegen wollte er sich mit Frl. B. in Straßburg treffen, von dort mit ihr nach Paris fahren, und hier sollte dann die Trauung stattfinden. Me Dame gab in vollem Verttauen ihre Theaterstellung auf, traf mit ihrem Verlobten in Straßburg zusammen und reiste mit ihm nach Paris, von wo beide die Rennen in Achtes Bains besuchten. Nun fand auch die freilich eigenartige Trauung statt. Jacsons mietete in Paris ein leeres Zimmer; als Trauzeugen waren zwei seiner Freunde, ein Deutscher und ein Franzose, zugegen; ein Geistlicher erschien und nahm die Trauung des Paares vor. Die Neuvermählten unternahmen nun ihre Hochzeitsreise, besuchten Ostende, Baden-Baden, Düsseldorf, Köln, Hoppegarten, Barmen, treffliches, aus der Münchener „Jugend" her allgemein bekanntes Lenbachsches PortE Bismarcks. Im übrigen ent- 1 hält es wieder ein vollständiges Vorlesungsverzeichnis und andere für die akadi Bürger wertvolle Angaben, wie die Pronrottonsordnung, die Preisaufgaben, eine Zusammenstellung sämtlicher hiesiger akad. Vereinigungen, einen Führer durch« die Stadt rc. Das Büchelcl)en steht allen Interessenten umsonst zur Verfügung und kann in der Buchjhandftmg in Empfang genommen werden. S. Lang-Göns, 28. Ott. Unser Bahnhof wftd gegenwärttg bedeutend erweitert. Die Arbeiten werden von Unternehmer Weimer-Gießen ausgeführt. Das Gelände ist Schalsteinfelsen, weshalb die Arbeiten nur lang- am vorwärts schreiten. Für den Umbau des Bahnhofs ind 200000 Mark vorgesehen. Der Provinzialdirektor und der Kreisbaurat aus Gießen wellten kürzlich hier, um das Gelände zu besichtigen, da die Verlegung einer Straße und eine Brücken er Weiterung erforderlich sind. w. Krofdorf, 27. Ott. Die auf Anregung des Kreisverbandes Wetzlar seit Herbst 1900 ins Leben getretenen Wanderbüchereien werden in diesen Tagen wieder zwischen den Gemeinden gewechselt. Die Wanderbüchereien ind vielfach verbessert worden. R. B Darmstadt, 28. Ott. S. K. H. der Großherzog kam heute vormittag nut derKaiserin von Rußland mft Automobil nach Darmstadt Während sich die Kaiserin ins Alte Palais begab, fuhr der Großherzog nach dem Residenzsclftoß, wo er eine Anzahl Audienzen erteilte. Mit dem 12 Uhr-Zug begaben sich beide Furstlichkeften wieder nach «Schloß Wolfsgarten zurück. — Dem Konzert des russischen Kir chensän g er cho r s, das heute nachmittag in der Hofkftche stattsand, wohnten die russischen Majestäten, der Großherzog, Prinz und Prinzessin Heinriche und Prinz Andreas mft Gemahlin bei. Das von der Kaiserin ausgestellte Progrcunm trug die Ueberschirift: „Einige kirchliche Gesänge, vorgetragen von den Sängern der kaiserlich russischen Hofkapelle rc." Der Sängerchor mft den überwiegend jugendlichen Knabensttmnren sang im ganzen 12 kleinere russische Lieder und Gesänge, deren ungemein feierlicher Ernst und Weihestimmung ergreifend auf die Zuhörer ellftvfttten. Die Gesänge, die beim Gottesdienst nur Telle einer langen, zeremoniellen Handlung sind, tragen naturgemäß auch meist einen starken monotonen Charatter, doch rufen andere wieder, wie das „Ottsche nasch", das russische „Vater unser" in der Musil von Schere- metjcw, oder das „^eiliger Gott, erbarme Dich unser" von Tschajkowsky, eine tief dramattsche Wirkung hervor. Von herrlicher Schönheit war auch der „Cherubim Lobgesang" von Tschajkowsky und mehrere kleinere Gesänge von Lwow und Bortnjausch. Die Sänger zeigten eine außerordentlich hoch entwickelle Gesangstechnik und Harmonie, und eine bewundernswerte Zungengeläuftgkeft entwicketten sie in dem „Hosspody pomlluj" (Herr, erbarme Dich.), das am Fest der Kreuzerhöhung 40mcU wiederholt wird. Der seriöse Baß, der l>ier stimm führ end eintritt, rief allgemeine Bewunderung hervor. — Eure große Ehre wurde der Dar mstäd ter Möbelfabrik und Kunftsalon durch den wiederholten Besuch des Kaisers und der Kaiserin von Rußland, sowie I. K. Hoheften des Großherzogs und Prinzessin Heinrich von Preußen nebst Großfürsten uird Prinzessinnen zu teil. Me hohen Herrschaften, welche fast eine volle Stunde in dem Etablissemenr verweilten, zeigten großes Interesse für die reichhaftige Ausstellrurg. eie sprachen sich wiederholt über die bedeutende Leistungsfähigkeft der rührigen Fftma in anerkennenster Weise aus und machten, wie schon ftüher auch diesmal bedeutende Ellrkäufe insbesondere für Rußland. Darmstadt, 27. Ott. lieber römische Baureste im Ried wftd der „Darmst. Ztg." geschrieberr: Im Lause der vergangenen Woche wurden in der Gemarkung von Klein-Rohrheim auf einem dem Gastwirt Herrn Gampel gehörigen Acker größere Mauersteine, Schieferstücke, Estrichbrocken, 5)0hl- und Flachziegel ausgepflügt, die einem größeren römischen Gebäude angehört haben müssen, das etwa 500 Meter von der im Jahre 1883 von Hofrat Kofler aufgefundenen römischen Straße (sog. Tra- jcmsstraße) entfernt ist, welche Aiainz über Kostheim und Ladenburg mit Basel verbunden hat. Da der Acker gerade zur Aufnahme von Wintersaat vorbereitet wurde, so wird erst nach geschehener Ernte eine Untersuchung der Stelle stattfinden. Weinheim a. d. B., 27. Ott. Vorgestern wurde, wie die „Worms. Ztg." schreibt, die 22jährige Dienstmagd Barbara Lang in Heddesheim ermordet. Der als mutmaßlicher Täter verhaftere, 19 Jahre alte Taglöhner Joh. Knapp von da leugnet die Tat. Die Leiche der Ermordeten wurde am Sonntag morgen auf einem Acker bei Heddesheim gefunden. Tie Hände des armen Opfers waren in den Boden eingewuhlt. Einige Schritte von der Leiche entfernt lag ein blutiges Rübenmefter. Bei der gestrigen Sektion |ani) man am Halse (leben Schnittwunden, darunter eine ca. zwei Finger breite, von einem zum anderen Ohre führende Wunde. Selbstmord ist ausgeschlossen. Knapp wurde am Samstag abend von etlichen Personen bei der Lang gesehen, mit welcher er schon längere Zeit ein Verhältnis unterhielt, das nicht ohne Folgen blieb. Es dürfte deshalb wohl anzunehmen sein, daß die in Aussicht stehende Alimentation den 19jährigen Menschen zu der verwerflichen Tat veranlaßt hat. viach der Sektion wurde Knapp in das Landesgefängnis nach Mannheim abgeführt. Bin gen, 28. Ott. Der 19 Jahre alte Techniker Friedr. Hohweiler aus Neustadt a. d. H. hatte nach einer Bierreise gewettet, innerhalb weniger Minuten vier S ch o p p e n n e u e n W e i n zu trinfen. Er löste seine Wette ein, verfiel aber kurze Zeit darauf in Bewußtlosigkeit und Krämpfe, von denen er erst nach 20stündiger Tätigkeit befreit werden konnte. Heute früh ist Hohwefter jedoch gestorben. Hohweiler war der einzige Sohn seiner Eltern und erst vor 14 Tagen nach Bingen gekommen. Wiesbaden, 29. Okt. Der Zusammenkunft der befreundeten Monarchen werden auch, wie jetzt verlautet, die Zarin und unsere Kais er in beiwohnen. Von Fürstlichkeiten sind der Groß her zog von Hessen, Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Prinz und ' Prinzeo'in Andreas von Griechen land bestimmt hier ■ zu ebwarten. So viel Militär, wie in der nächsten Woche > hier zusammengezogen wird, hat,^ so lesen wir im „Rhein. , Kur.", Wiesbaden wohl seit 1870 nicht mehr in seinen . Mauern gesehen. Es ist natürlich, daß das hier zu er* ; wartende Schauspiel eine ganze Anzahl Schaulustiger in unsere Stadt ziehen wird, es wird daher unserer Bahn- : Verwaltung eine große Aufgabe harren, die bei den schwierigen Bahnhofsverhaltnissen nicht unterschätzt werden darf. , Zu dem Andrang des Publikums, welches erwartet, richtig [ oefördert zu werden, tömnft für die Verwaltung die Unter* . bringung zweier Hofzüge von gewaltigem Umfange, dazu - der Güterverkehr, der jetzt so stark ist, wie noch in keinem Dieselbe Erfahrung machen viele andere Geistliche und Lehrer. Schon oft hötte ich Lehrer klagen: Am Montag ist mit meiner Klaffe gar nichts anzufangen. Was ist die Ursache? Die Eltern kümmern sich nach meinen Erfahrungen zum größten Teile gar nicht oder recht mangelhaft um ihre Kinder und darum, ob sie in der Schule etwas lernen. Ich kenne einen Lehrer, der sich bei einem Arbeiter über die Faulheit seines Sohnes (er ist 11 Jahre alt und kann noch nicht lesen) beschwerte. Er bekam eine Antwort, die ihm das Beschweren verleidet. Solcher Analphabeten kenne ich mehrere, zum teil im höheren Alter! Am Kirchweihfest oder bei anderen Festlichkeiten werden die Kinder von zahlreichen Eltern auf den Tanzboden mitgenommen, ja es wurde schon bemerkt, daß ein dreizehnjähriger Junge im Beisein der Eltern flott eine Tour mittanzte. Wenn die Reitschule (der Herr meint wohl das EKaruffell". D. Red.) fährt, sind die Kinder bis in die späte Nacht (10 Uhr und länger) an der Reitschule, sie haben Geld in der Hand, obwohl sonst arm. Wenn man aber am Montag morgen die bleichen Gesichter sieht und die müden Augen, dann möchte man lieber davonlaufen, als den ganzen Morgen unterrichten. Die Regierung sollte nicht die Erlaubnis geben, daß alle vier Wochen ein Witt Tanzvergnügen abhalten kann; zum mindesten müßte verboten fein, daß Schulkinder an solche Orte mitgenommen werden. Auch Vereine Könnten in dieser Hinsicht vieles wirken. Ich kenne Vereine, die mit Erfolg darauf gedrungen haben, daß an ihren Festlichkeiten kein Schulkind teilnehmen darf. Ier Frozeß wegen Kindesunker^chievung gegen die Krafin Kwilecki. EL Berlin, 28. Ott. Graf Hektor Kwilecki, Majoratserbe, falls der !Angettagte ohne mänrftiche Leibeserben sttrbt, sagt ans, ier habe nach dem Posener Zivftprozeß gegen seinen Vater auf Anerkennung des Kindes von einem Alaune aus Russischs- Polen die Nachricht erhalten, die Ossowska habe selbst den ^Meineid im Posener Prozeß eingestanden. Später teilte ihm ein Kaufmann Hechelsti mit, er wisse, woher der Knabe stamme. Mft seiner pekuniären Hllife ermittelte Hechelski iin Krakau namentlich, daß der Knabe das uneheliche Kind der Weichenstellerin Cäcilie Meyer war. Hierauf fuhr der Zeuge nach Krakau und machte dem Po- llizeich^s Mftteftung von der Kin d es unters chiebun g. Dieser legte der Meyer Photographien von Kindern vor imt dem Ersruhen, ihren Sohn herauszusuchen. Die Meyer bezeichnete den angeblicherr kleinen Grafen wegen der Ae hn- lichkeit mitihrem älteren, vom selben V ater stammenden Sohne. Auch in Paris habe er belastende Feststellungen gemacht. Auf die Fwage, welches pekuniäre Interesse er an dem Prozesse habe, erklärt der Zeuge, in glänzender Vermögenslage zu sellr. Das Majorat sei verlottert und werde für eine Generation keinen Ertrag geben. Er handle mft Rücksicht auf die Reinheft seiner .Famllie. Der Vater des Grafen Hektor sagt das Gleiche aus und erklärt außerdem, daß eines Tages an chn nach, dem ,^ Ci o Q QC s OD G CD CO P O c: 05 r>ft ÖS 'S •g_ "H C s c s c jO § ■5.— Ä O oft ä's., *«■» — X- .2 w s o ü C <2 CD ZZ » C? 2 CO o C5 c c . c rr C o $-> *2 TZ § r- Ä 'S st— .1- >— rr •r XX G> X5 CD :C ZZ •t ° «ft S-> €» s_. ZZ erf w o X) § § 2 s c 8 vo? Ä § *2* «r .5 c * A o § »ü Z & c? ZZ sw § I s ’S H x 2 e iS2 c E « X3 s SS o TS .8 ■3 a 8) 8 p< Z Ä & Z «ft L C o *S" o ISD. Saft « ft ZG - L - ßunjidiu -SD geimpft und nicht auf Tuberkulose reagiert. *arL hsiabunJ CD [>OCO C~ L— L- L- L- O CD L- L— L- D- OJ _______ bunmuwfl sgavZ rot Vogelsb. 11 ii 11 11 11 11 11 n „ Hrdb.-Nr. 11 V U V » tt II II v e 1 § stxsMsG 1O OCDCDCDODCOiOuDCvlip R uaqpjgaq pouhoM C2) f § . . „1 . _ .ffo 0 C-> 0 CQ M aOS an empfiehlt 7186 635.25 , Rich. Strauss. . Ohr. W. Gluck. empfiehlt 6183 Die Oberlehrerin: 1L. Moeser. 8117 Der Borstand. Ltzl Lose zu der am 11. November 1903 beginnenden Ziehung 05390 bei xk Mk. 3.50 7892 Krautfässer weingrün, billigst 7640 Gießen, 28. Oktober 1903. [8111 Der Vorstand. 7856 empfiehlt 8123 Der Vorstand. ’Bconwtex Versandt nach ausw. ' Victoria-Drogerie. Marktslraße 5. Unserer heutigen Ausgabe liegt ein Prospekt des Hamburger Engros-Lagers Alexander Salomon 8106 & lLo., Gießen, Schulstratze 4, bei. 7937 KgL 1301.50 534.60 62.10 Preisverzeichnisse gratis und franko. 1) 2) 3) friste taeliMsi Trarbaeher Mtatej 2. Chaussierungs-Ar. beiten 3. Pflaster-Arbeiten 4. Kanalanlagen Tagesordnung: Geschäfts- und Kassenbericht. Vorstandswahl. Verschiedenes. Finanz „NorLd Pol. I über d Reichski dem m Dergebimg von Kauardeiten. Die beim Ausbau der Schulstraße im Orte Kleinlinden ngtigen Arbeiten und Lieferungen sollen im Wege des schriftlichen Angebotes vergeben werden und zwar: Friedrich Schreiner Metzgermcister, Seltersweg 65. Ludwig Kohlermann, Bleichstraße 12. ' Brüder Scfimiül Seltersweg 83 NahmafchineuLager empfehlen Lantzsäuff-Lret-- masclnnen v. Seioel & Naumann, Junker & Nuh, Stück 70 Mark Kasse 1. Symphonie in Fmoll, op. 12 2. Lieder am Klavier. 3. Ouvertüre zu „Iphigenie in Aulis . Ansicht ohue Kaufzwang gestattet. Hermann Kats Hießen, Wäusburg 5. Schellfische la. lebendfrifch 7957 soeben eingetroffen bei IHL E. Jughae-dlt, Inh.: August Walleniels, Marktpl. 15. Telephon 390. Bazar zum ZLesten der Alice-Schule findet statt am 18., 19. und 20. November im Neven Mto Offerten wollen bis Dienstag den 3. Nov. d. Js., nachm. 2l/2 Uhr, auf der Großh. Bürgermeisterei Klcin- lindcn abgegeben werden, woselbst auch Voranschlag und Bedingungen einzusehen sind. Gießen, 28. Oktober 1903. I. A.: Rohrer, 8112 Kreisstraßenmeister. Georg Wallenfels Marktplatz 21. Fernsprecher 46. J. M. U«L»MlÜL>cht m Maaten ”«ud)8 nuitjue. Mini d Wen - Wt 1 stch in r 'Mihü ollen n( R-ich i 5s fetten Alle \ "itlji üt ch'd q, icher d-k ct "Weine" l°riui würbe j ^Uich °"-ha »er bi «tejet g ^,4 «net cn Holz-Verkauf in der Fürstlichen Obersörsterci Sich. Tie Fürstliche Oberförsterei Lich beehrt sich darauf hinzuweisen, daß sie zu dem bereits m vielen größeren Holzhandelsblättern bekannt gemachten submissionsweisen Holzverkauf in Gießen am 9. November l. I. 115 Fstm. Eichet-Schwellenholz, 180 Fstm. Gichen-Grubenholz, 25 Fstnt. Hautbuchen-Statnntholz, 350 Fstm. Kieiern-Bauholz, 260 Fstm. ^wiern-Grubenholz, 620 Fstnt. Fichten- Bau- und -Schnittholz, 2000 Stück Fichten-Bau- und -Gerüststattgen, 6000 Stück Fichten-Hopsen- re. Stattgeit und 12000 Stück Fichten-Reisstangen Hal ausschreiben lassen. Alle Interessenten tverden hiermit noch besonders auf den Termin nut dem s2lniiigeit aufmerksam gemacht, daß Gebote auf das distriktweise einfalleitde Holz ebettso zulässig sind, tute Gebote auf das ganze Quanttun des betreffenden Sortiments. Gartz freie Auswahl bletbt jedoch vorbehalten. Nähere Auskunft tvtrd gerne erteilt. Lich, den 26. Oktober 1903. 8058 _____________________________________Fürstliche £berförfterci. Giessener Concert-Verein. I. Concert am Sonntag dem 1. November, abends 5 Uhr im Saale des Gesellschafts-Vereins. Dirigent: Grossh. Universitäts-Musikdirektor G. Trautmann. Solist: Richard Breitenfeld, Mitglied des Frankfurter Opernhauses (Bariton). Orchester: Das Vereins-Orchester (Kapelle des Inf.-Regts. No. 116 „Kaiser Wilhelm II.“, verstärkt durch andere geehrte Künstler). Programm. Sus D Die pol Lillaver vom $u..^ jcheint!ion hindern uches a vefchE dem für sestl» W nur | Presse ang dieser Ta^ gewährte... M-n besuchst an unterri dch wechs yi monrr einevtA d ew m glanzvoll als die - bisher Freunden eines wir flid) guten und sehr rvohlbekömm- lichen Traubenweines empfehle ich meinen garantirt unverfätschicn Rotwein. Ders. kost, im Faß von 30 Ltr. an 58 Pfg. pr. Ltr. U. in Kisten v. 12 Fl. an 60 Pfg. pr. Fl. von ca. 3U Ltr. Jichalt eittfjt Glas. Als Probe vers. ich auch 2 vcrsch. Fl. p. Post. — Preis!, gratis u. fr. — Zahlreiche Anerkennungen liegen vor. Carl Tn. Oelimen, Coblenz a. Rhein, Grösster Rotweinversandt In Cobl. Am 11. November 1903 beginnt die erste Gewiuuzichuug der &7500001 Liederkranz. Sonntag den 1. November: 8119 AöendAntertzaltung im Neuen Saalbau, ftüher Steins Garten. Carl Schwaab. Ht—m— Schestfische lebendfrisch in Eispackung, treffen heute ein bei 7582 Georg Wallenfels Marktplatz 21. Telephon 46. 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