Montag 28. Dezember 1N03 1t. 803 Zweites Matt 153. Jahrgang 3>ie heutige Kummer «mfaht 8 Seiten. trtm kunft. dritten man ihm auch für diese Gabe dankbar sein. Andere Weihnachtssrenden bescherte das Stadttheater, namentlich an die Kleinen. In vielen Lokalen fanden Konzerte vor zahlreichem Publikum statt und verschönten ihm die Weihnachistage. Während der drei Feiertage war die hiesige Herberge waltsam gerettet. Recht oft hätte man auf diese dem „Weißen Rößl" nachempfundenen Hochgebirgsszenen die alten Worte anwenden mögen, die Mylius' Töchterlein Lore einem unliebsamen Freier gegenüber, einer zweiten verschlechterten Auflage des hochseligen Herrn v. Strietzow, schnippisch zitiert: „Ich langweile mich nie, man langweilt mich". Aber die Mehrzahl der Zuschauer jubelte über Herrn Mylius im Hemde. Im dritten und letzten Akte, in dem des Dr. Lindenburg Schweigen wegen Herrn Mylius' Schriftstehlerei mit Lore's ersehnter und sehnender Hand erkauft und durch ein recht ungeschicktes Mittel, nämlich einen albern wirkenden Florettgang, das Ueberfräulein aus Zürich von ihrem Petruccchio gezähmt wird, flauten Witz und Handlung noch mehr ab. Schließlich empfehlen sich zu Weihnachten als Verlobte die beiden Töchter Mylius' mit den Doetoren Linden- bürg und Mertens und der junge Bergführer Sepp mit seinem erst schwarzbchosten, dann über ihre rosa Ballschleppe stolpernden Regerl. Iokos wars, daß von Hamburg aus den Herren Kraatz und Real der Vorwurf gemacht wurde, daß sie, die doch hier so viel von der Strafbarkeit des Plagiats sprechen, den Hauptgedanken ihres Schwänkleins, nämlich die abgeschriebenen Briefe, die sie, die Frau Direktor Mylius, nur zu sehr erreichten, einem Roman von Fedor v. Zobeltitz entlehnt hätten. Darauf erwiderte Herr Kraatz, daß weder er noch sein Mitarbeiter Real den Zobeltitz'schen Roman kennten, und fügte, nicht ohne Berechtigung, hinzu: „Ja ums Himmelswilleu — ich kann doch unmöglich, wenn ich eine Idee habe, die gesamte dramatische unb Romanlilteratur Gießener StadttlMrr. Der Hochtourist. Schwank von Kraatz und Neal. Während der drei Feiertage w-ar die hienge Herberge wandernden Stationsgästen stark besucht. Am heiligen Abend erhielten 77 Handwerksburschen Verpflegung, am ersten Feiertag 52 und am zweiten Feiertag 44 freie Unter- Jn deu Küchen. Erhebende Weihnachts-gottesdienste wurden in allen Kirchen der Stadt abgehalten. Die Gotteshäuser waren bis auf den letzten Platz gefüM, ein Beweis, welche unwiderstehliche Zugkraft dieses älteste und herrlichste Fest jedes Christen, des GNvachsenen wie des eben schulpflichtig gewordenen Kindes, ausubt und Wohl stets ausüben wird, so lange die Religion der Liebe besteht. Die Andachten waren in gleicher Weise herzergreifend und erhebend. In den Kasernen. Am heiligen Abend fand in den Kirchen unserer Stadt Militärgottesdienst statt. Die Kompagnien unseres Regiments sind zwar durch die Beurlaubten stark gelichtet, aber die Mannschaften, welche nickt bei Mutter und Maid Weih-- nachten verbringen konnten, waren am Bescherabend echt kameradschaftlich beieinander Einer unserer Berichterstatter machte der 3. Kompagnie einen Besuch und erzählt, daß die Bescherung in der Kaserne überaus glanzvoll war. Hell brannte in der Stube der Lichterbaum, unter dem allerhand Geschenke für die Mannschaft ausgebreitet waren, welche als willkommene Gabe von dem Soldaten geschätzt werden. Nach Verteilung der Gaben, welche von der Kompagniemutter, dem stmst gestrengen Herrn Feldwebel, mit einer gemütvollen Ansprache eingeleitet wurde, setzte man sich, Unteroffiziere und Mannsckasten, zum gemeinsamen Abendbrot, ein nicht allzu kleines Fäßchen Bier wurde angesteckt, Unter dem Weihnachtsbaum. Gießen, 28. Dez. 1903. Nicht mit Unrecht hat einmal ein deutscher Poet gesagt, man erlebe im Grunde alles dreimal, zunächst in der Zukunft, dann in der Gegenwart und endlich in der Vergangenheit. Für das Zukünftige hoffen wir, die Gegenwart bringt das Geschehene, das Vergangene gibt uns die Er- innerung^ Heute, da die Weihnachtsglocken, ausnahmsweise nach drei Feiertagen, verklungen sind, läuten noch die Glocken der Erinnerung vom Weihnachts feste in unseren Herzen. Allenthalben erschien am Donnerstag das Christkind, es drang mit versöhnendem, friedvollem Schimmer auch in zahlreiche Stätten der Sorge und DLot und senkte Balsam in viele wunde und müde Seelen. Draußen nnd drinnen. Wer um mittag des ersten Weit-nachtstages hinauszog aus den dumpfen Mauern der Stadt, der schwärmte über des Winters Herrlichkeiten in Prosa oder wohl gar mich in Versen, denn es war wundervoll da draußen. Dem Reif war eine Freistatt aus den Simsen und Dächern der Häuser und Kirchen vergönnt, und auf den lichten, frisch grün en Feldern ober dem gesund braunen, in blendendem Sonnenlichte eigentlich mit allen Farben geschmückten Acker bliüte es wie Diamanten und lagerte wie zierliches araleenweißes Spitzengewebe eine zarte, spinnwebseine Schneedecke. Auf den Sttaßen war der Schmutz schon in den letzten Wochen infolge günsttger Witterungsumständ-e verscbwunden, nachdem man sich lange mit einem nicht geringen Aufwand von Heroismus hatte durckflämpfen müssen, wo es lange gequollen und gepatscht hatte unter den Füßen, als wenn man durch die ponttnischen Sümpfe oder durch die Sumpf strecken der Lüneburger Heide schritte, wo die Pferde wie keuchende Dampfkessel Plagvoll dahingestampft waren. Hier sah man ja nur wenig von den idealen Winterreizen draußen auf dem Felde, wo die Erde ihr lieblich goldig zartes Festkleid trug. Das winzige Mschen Schnee verschwand schon in den Vormittagsstunden, und es blieb hier der eigentliche Weihnachtszauber aus, der dock erst dann eintritt, trenn Mutter Erde ihre dickste weiße Winterrobe angelegt hat, wenn die Flocken unaufhörlich vom blaugrauen Himmelszelt heruntermirbeln und tanzen. Erst dann wird das Behagen im gesicherten, warmen, weihnachtlich geschmückten Heim von allen Men schon lindern doppelt angenehm em- psunden — ja dreifach angenehm, treirn noch mild waltende Frauenhände es verstehen, reiche Gaben der Küche und des Kellers in vorzüglicher Güte zu spenden. Aber gut gemeint hatte es der Weihnachtsmann mit dem Wetter, weitaus am besten am ersten Tage, und so konnte Volltische Tagesschau. Giuseppe Zanardelli f. Jü Maderno am Gardasee ist der frühere italienische Ministerpräsident Zanardelli am 2. Weihnachtsfeiertage gestorben. Der Verstorbene legte bekanntlich sein Amt als Kabinettschef nieder, als die Zarenreise nach Rom in diesem Jahre nicht zur Ausführung kam. Damals hieß es, Zanar- delli habe infolgedessen gehen müssen, und alle offiziösen Dementierungen fanden nur wenig Glauben. Bald aber häuften sich die Meldungen von seiner ernsten Erkrankung und es wurde bekannt, daß ein Magenkrebs, nicht der Zar den Rücktritt Zanardellis verschuldete. Zanardelli gehörte nocy zu den Kämpfern um die Einheit Italiens. In ihm hat sein Heimatland einen bedeutenden Staatsmann nnd Juristen verloren. Er war im Jahre 1829 geboren. Früh wirkte er journalistisch für die Sache eines einigen Italiens. 1876 wurde er zum erstenmale Minister, und im Jahre 1901 Ministerpräsident. Am 28. Oktober d. I. prfolgte sein Rücktritt. Er war ein Mann des Fortschrittes, der polittschen Freiheit des Volkes, ein treuer Anhänger des Dreibundes und trotzdem der Anbahner des jetzt in diesen Weihnachtstagen zwischen Italien und Frankreich abgeschlossenen Schredsgerichtsvertra ges. Zum Tvde Zanardeurs liegen heute noch folgende Nachrichten vor: Tie Dodeskunde traf in Rom in später Abendstunde ein und erweckte überall tiefste Trauer. Der König und die Königin erhielten die Nachricht im Theater, das sie sofort verließen. Ministerpräsident Giolittt sandte ein Beileidstelegramm nach Maderno in seinem Namen und dem der Negierung. Ter Präsident der Deputiertenkammer, Sian- cheri, sprach der Familie Zanardellis das Beileid der Kammer aus und teilte mit, daß er mit verschiedenen Mitgliedern des Hauses an der Trauerfeier teilnehmen werde. Ter Ministerrat beschloß, das Leichenbegängnis auf Staatskosten stattfinden zu lassen, ferner, daß bis zur Beisetzung die Flaggen auf allen Staatsgebäuden auf Halbmast zu hissen finb. Ministerpräsident Giolitti wird mit einigen Ministern persönlich an der Leichenfeier teilnehmen. Ter König sandte an die Schwester Zanardellis nachstehende Depesche: „Ich erfahre mit lebhaftem Schmerze, den Dvd des erhabenen Zanardelli, dem ich in großer Bewunderung und aufrichtiger Liebe verbunden gewesen bin. Italien verliert in ihm einen seiner besten Söhne, der sein ganzes Leben der Größe seines Vaterlandes geweiht hatte. Ich sende der betrübten Familie aus tiefem Herzen den Ausdruck meiner aufrichtigsten Teilnahme." Tie Leiche, geschmückt mit der Kette des Annunziaten- ordens, wurde in der Trauerkapelle zu Maderno aufgebahrt. Tie Drauerseierlichkeiten sollen am Mittwoch stattfinden. Beileidstelegramme sind auch vom Grafen von Turin, vom Herzog von Genua, dem Präsidenten des Senats und vielen politischen Persönlichkeiten eingegangen. durchlesen, ob ich nicht mit irgend einer Idee irgend eines Autors kollidiere?! ? Die Hauptsache ist doch, day die Ausführung, die ~ a«« A..f ! Figuren, die Hharaktere und der Dialog „Original" sind, und das Rachtkosturn als der Siömg m Fuldas „Talisman aus dec [^im „Hochtouristen" der Fall!! C’est le ton, qni fait 1& Leiter vor seinem Fenster. Tableau! Der zwecke Alt ist ge- nmsiaue! . . . Auf diese Art und 9* »Ue er als Weib nach dem Essen dampften ana) Zigarren, und es entstand unter den Leuten die schönste Gemütlichkeit. In den städtischen Schulen. Ern froher Tag war der 22. d. M. für die Zöglinge de- Mädchen- und Knabenhortes an den hiesigen Volksschulen. Hatte doch das Cbristkind auch sie nicht vergessen und ihnen seine schönen Gaben unter den strahlenden Christbaum gelegt. Um 5 Uhr versammelten sich die den Mädchenhort besuchenden Kinder in der Turnhalle der Stadt-Mädchenschule unter Leitting ihrer Lehrerinnen, und Hauptlehrer Schaaf hielt an sie eine kurz,e Ansprache, in der er der Bedeutung des Weihnachtsfestes als eines echten und rechten Kinderfestes gedachte und die Kinder ermahnte, ihren Lehrern und Lehrerinnen durch Fleiß und gutes Betragen die schönste Weihitachtsfreude zu bereiten. Nachdem die Kinder mehrere der Bedeutung der Feier angemessene Lieder und Dichtttngen borgetragen hatten, erhielten sie ihre Geschenke, und sttyhlenden Auges zogen sie von dannen. — Mit dieser Feier war auch eine Boscherrmg für die schwachbefähigten Kinder verbunden. Tie Lehrer- und Lehrerinnen der beiden städtischen Volksschulen batten aus ihren Kreisen die Mittel aufgebracht, die sie in den Stand setzten, auch diesen Kindern eine Weihnachtsfreude zu bereiten. Eine größere Feier veranstaltete in diesem Jahre der Knabenhort in der Tu.rnhalle der Stadr-Knabenschule. Hat er doch in diesen Tagen (15. Dez.) das 10. Jahp seines Bestehens vollendet. Auch bei dieser Feier wechselten Ölefänge und deklamatorische Darbietungen und zum Schluß wurde ein kleines Festspiel aufgeführt. Hauptleyrer Knauß gab in seiner Ansprache einen kurzen Rückblick über dieses erste Dezennium des Kuabenhortes. Er hob hervor, daß man an so bedeutsamem Tage Dank schulde dem Herrn, der unsere Geschicke leitet und auch aus dem Kuabenhort mänch gute Saat hat aufgehen lassen. Tmrk sprach er auch aus dem Rektor Hahn, dessen eifrigem Bemühen d!e Einrichtung des Hortes zu danken ist, ferner den Lehrern, die an dem Horte in oft reckt mühevoller Arbeit ihres Amtes walten, dann auch dem Stadtvorstand, der hiesigen Sparkasse und anderen edlen Spendern, die durch Bewilligung reicher Gaben den Hort lebensfähig erhalten. Auch deut Zeichenlehrer Gerhard, der für den Hort ein Bild gemalt („Anbetung der Weisen") und diesem für solche Veranstaltungen geschenkt hat, sowie auch der Familie des Hausver- watters Deck)ert sprach Herr Knauß seine Anerkennung für ihre Mühewaltung aus. Zum Schluß richtete er an die anwesenden Eltern die Bitte, die Lehrer bei ihrer mühevollen Arbeit zu unterstützen, in ihnen keine Gegner, sondern Freunde und Bundesgenossen zu sehen; nur dann könne das Er^iehungswerk so gedeihen^ wie alle Gutgesinnten es wünschen. — Tie an die Feier sich anschließende Bescherung konnte diesmal ganz besonders reichlich auS-- fallen dank der Opferfreudigkeit einer Anzahl von Freunden des Knabenhortes, die für den schönen Zweck namhafte Mittel zur Verfügung gestellt hatten. Zn der ProvinziabSiechen-Anstalt. Es war keine leichte Aufgabe, den Pfleglingen unseres Provinzial-Siechenhauses den Christabend zuzurichten, kam es doch darauf an, für 250 Männer und Frauen nicht nur Geschenke zu beschaffen, sondern es galt vor allem den Weihnachtsabend würdig zu begehen, um dadurch bei manchem der Insassen auszugleichen und möglichst vergessen zu machen das Empfinden, daß sie dieses Fest der Liebe fern von der Heimat, fern von Freunden und Verwandten feiern müssen. Schon Tage lang vor dem Feste hattew der Leiter der Anstalt, Dr. Markwald, die Schwestern, der Verwalter Lerch sowie das übrige Personal alle Hände voll zu tun. Tie Schwestewr hatten die ihnen zur Pflege Anderttauten veranlaßt, ihre Wünsche zu Papier zu bringen und tunlichste Berücksichttgung zugesagt. Dank der Mittel, welche die Provinz und die Stadt Greßen zur Verfügung gestellt hatten, sowie eine von privater Seite veranstaltete Mit litterarischen Ansprüchen wird niemand am W-ihncichtstage ins Theater gegangen sein, war dach die jüngste Saisonneuheit als Schwank bezeichnet. Wer gekommen war, wollte lachen nnd fand dazu Gelegenheit genug. Der Titel wirkt zudem als sommerliche Höhenlustremimszenz. Den Verfassern des tollen Schwankes lag es weniger daran, nach MoserS Vorbilde die Salontirolerei aufs neue lächerlich ’u machen. Sie griffen vielmehr das uralte Thema vom Pantoffelhelden auf, der gern ein bischen galante Wege wandelt und sie listig vor den Argusaugen seiner gestrengen Ehehälfte verbirgt. Herr Friedrich Wilhelm Mylms wird uns als Direktor einer Berliner Aktiengesellschaft vorgestellt. Obwohl Männer, die solche Posten bekleiden, sonst ernste Arbeiter zu sein pflegen, lernen wir in ihm einen kompletten Hanswurst kennen. Er hat schon in lungen Jahren wie Ibsens Baumeister Solneff, an Schwmdelanfallen gelitten. Qeht Sa er ein industrielles Etablissement leitet, mit schwindelhaft hoher Tantiöme, nach seinen Ausgaben zu schließen, reist der alte Schwindler allsommerlich nach Bayerns b,er- biederer Hauptstadt, setzt sich dort in fidele Gesellschaft und schreibt in den Briefen an seine Eheherrin m Berlin aus einem neuen Werke der Hochtouristik, versagt von Dr. Llnden- bura die schönsten Schilderungen von bedeutenden Hochtouren Keimten Hochtouristen Mylius den Ehrenkranz auf d.e verdutzte Stirn, ein Redakteur der „Stunde" interviewt ihn i und läßt den berühmten Bergsteiger für fein Blatt photo- 5 graphieren, wie er im Bergfexkostüm just die Zugspitze, ein c aus Stühlen, einer StubenlMer, schneeweißen Tisch- und I Betttüchern in seinen vier Wänden improvisiertes schroffes 1 Gipfelgebilde, erklimmt unter Asiistenz von zwei aus den Bergen von seiner Gattin extra zum Familienfeste ver- ‘ schriebenen namhaften Bergführer». > Dieser erste Akt war von derbkomischer Wirkung, und man lachte nach Herzenslust. Der zweite ist „Bauern- ! kumedi". Mylius soll in den oberbayerischen Bergen Proben : seiner Kühnheit und Gewandtheit ablegen und kommt natürlich in grüß he Verlegenheit, die dcirch das Erscheinen des echten „Hochtouristen" und Alpensportschriftstellers Dr. Lindenburg noch verstärkt wird. Dieser Akt verdankte fernen nach stärkeren Lacherfolg nur dem blödsinnigen Einfall der Autoren, den kugelrunden Herrn Mylius, den seine Leute auf schroffem Grat vermuten, durch nächtliche Familienfzenen aus süßem Schlummer im besten Berghauszimmer geschreckt, im Nachthemd aus dem Fenster der ersten Etage steigen zu lassen. Mylius wird nämlich unfreiwilliger Zeuge von den Lcebes- abenteuern seiner beiden Töchter. Die eine sieht er in den Armen jenes Schriftstellers Lindenburg, an dem er zum Abschriftsteller geworden ist, die andere, eine flach und flüchtig gezeichnete Züricher Studentin, eingebildete Männerhasserin und Vertreterin der Gleichberechtigung der Geschlechter, läßt sich vom jungen Rainthaler, dem Bergführer, in die stillverschwiegenen Berge führen. Mylius sieht die Liebesszenen seiner Töchter vor der ganzen Reisegesellschaft, die der Ruf, es sei die Studentin abgestürzt, aus dem Hause gejagt hat, sich abspielen, und wie ein Gespenst erscheint er, den jene da unten am wenigsten erwartet hätten, in einem weit ccxjy.ien Nachtkostüm als der Slönig in Fuldas „Talisman" auf der ___ c«;..— crAhfpnnl zwecke Akt ift ae- ' Erschein. ttgNch mit Ausnahme des Sonntag«. Q 9 Verantwortlich Kk den eflaemftntn Ml ,Wr merten „em KMIMKANAV * """" Anzeiger viermal wöchenlvch beigelegt. Der MW jg M 0 «C h - Ml KL R ILM fck JL RolattonSdruck und Verlag der VrSHHch« ^hesßiche Landwirt" erscheint monatltch einmal. D » V M Sr ® V ▼ V UnwerfttätLdruckeret (Pietsch Lrb«^ Antzm» General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen. Zum Schluß geben wir noch ein Poem wieder, das uns der von an teil. An der sich an einem f e P. W. sektionen nicht zu befinden schienen. sch' wo a D-" bei" d>e blfii u 3 9i 3 91 d v. Strietzow mit komischer Steifheit als vollendeter Fatzke. Auch Frl. Kellermann verdient als „gewesene Heroine vom Münchener Volkstheater" mit Anerkennung erwähnt zu werden, die das Landleben an der Quelle studiert und, um mit dem guten alten Ramspeck von Alsfeld zu reden, das schwere, aber ach so schöne Geschäft des Melkens der Kühe mit künstlerischer Hingebung und Ausdauer vollzieht. So hat denn auch bei uns „Der Hochtourist" ohne erhebliche Abstürze, die keine besonderen Rcttungsarbeiten erforderten, sein Probestück abgelegt ' zur sichtlichen vollsten Zufriedenheit der meisten Anwesenden, unter denen sich indeß verwunderlicher Weise die Koryphäen unser beiden Alpenvereins- 9U-' lag Un bru -lei < «bi gtt be 6e & El ste A bi lä hc al V b. A bi tr aa< in St Sei Do- rirr kan bei .... ,t der Porabeirde die ganze kaiserliche Familie beteüigt. Am Freitag morgen gingen der Kaiser, die Kaiserin und die kaiserlichen Stint)er zum Gottesdienst nach D g g-c N der Friedensttrclxe und lehrten auch zu FuW nach dcttc Neuen Palais zurück. An der Familien-Frühstückstafel nahmen die in Potsdam und Berlin weilenden Mitglieder des königlichen Hauses, der Erbprinz von Hohenzollern und Prinz Karl von Hohenzollern mit Gemahlin teil. Nachmittags unternahm die kaiserliche Familie einen Spaziergang im Park von Sanssouei, ebenso heute vormittag. Zur heutigen Frühstückstafel war der Flügeladjutant Fre- gatten-K'aPitän v. Grummer geladen. Nachmittags arbeitete der Kaiser allein. Zwischen dem Kaiser und dem Könige von England findet alljährlich zu Weihnachten ein eigenartiger Geschenkaustausch statt. Regelmäßig geht jedes Jahr am 21. Dezember von Windsor nach dem jeweiligen Sitz der kaiserlichen .Hofhaltung ein fertig angerichteter Eber köpf, ein Riesen-P lumpuddin g und eine Gewürzspeise. Der Kaiser sendet ebenfalls einen Eberkopf und eine Anzahl seiner neuesten Aufnahmen, eingerahmt und eigenhändig unterschrieben. Tie Bilder dienen als Geschenke für die Damen des engeren königlich englischen Hofhattes. Für die Kaiserin legt König Eduard stets zwei Flaschen Lawendelwasser bei, von welchem Parfüm die Königin stets zwölf Flaschen erhält. tra\ K'a Mil den Bei die feiti auch Sota tfiirf ruch bolle üben ä zi tr h 3' g b; R. B. Darmstadt, 28. Dez. (Drahtberichit.) S. K. H. der Großherzog hat die Feiertage still verbracht. Am heiligen Abend waren die Fürstlich Erbach-Schön berg- s ch e n, die B a t t e n b e r g i s ch e n und die griechischen Herrschaften im dienen Palais versammelt. Am ersten 'Feiertage besuchte der Großherzog bereits um 5 Uhr morgens den Gottesdienst in der Hofkirche. Dann begab er sich mit Hosprediger Er Hardt in die Herberge zur Heimat, wo er dem Geistlichen einen Hundertmarkschein überreichte und jeden der anwesenden Handwerksburschien mit einem blanken Markstück erfreute. Als die Leute kurz vor seinem Weggänge erfuhren, wer der gütige Spender war, brachten frei. hm ein dreifaches Hoch aus. Auch an den beiden andern Tagen besuchte der Großherzog den Gottesdienst in der Hofkirche. Am Meilen Festtage war er bei den Erbach- Schön berg scheu Herrschaften zu Gaste, am dritten waren diese und die anderen Fürstlichkeiten wieder im Neuen Palais. Potsdam, 26. Dez. Das WeihnachtSfest wurde am kaiserlichen Hofe in der seit Jahren hergebrachten Weise begangen. Nachdem der Kaiser am Donnerstag vormittag den üblichen Spaziergang in der Umgebung des Neuen Palais gemacht l-atte, begab er sich um 3 Uhr nach dem Kasernenrent des 1. Garde-Regiments zu Fuß. um hier den Bescherungen bei der Leibkompagnie und der 2. Kompagnie beizuwohnen. Währenddessen nahm die Kaiserin an der Bescherung für die Dienerschaft im Neuen Palais teil. Um 4 WVyc vereinigte sich die kaiserliche Familie mit den Damen und Herren der Umgebungen und Gefolge zu dem Wechnachtssestmahl, an das sich um 5 Uhr die Bescherung anschloß. Hier waren die Gejchenktaseln hufeisenförmig aufgebaut. Wie immer war je eine gewattige Tanne neben der Tafel der Majestäten und neben derjenigen der Damen und Herren aufgestellt. Sieben kleinere Weihnachtsbäume schmückten die große Längstasel. Zwar kann Prinz Adal- bert das Fest nicht bei seinen Ettern verleben, doch nahm Prinzessin Feodora von Schleswig-Holstein an der Feier ...... ".düng der Wcichhnachtsbäume hatte 15. d e tot na toti lick — Rich Wagners Parsifal in Newyork. Ein musikalisches Ereignis ist die Aufführung des Parsifal in Amerika, der bisher bekanntlich nur in Bayreuth gehört woroen ist. Ter erste Akt würbe von einem ernsten, fast andächtig zu nennenven uPblikum gehört. Die Damen trugen entjprechend der Gelegenheit, Empfangstoilette mit hoch- geschlossenem Kleid. Nur wenige Damen waren dekolletiert. Tie Bayreuther Tradition, nicht zu applaudieren, wurde gewahrt. Ebenso wurde der Beginn durch Trompetenstöße angetündigt. Tie musikalische Ausführung steht sicherlich auf der Hohe der besten, je gehörten Wagner-Oper. Nach Schluß des zweiten Attes wurden die Haupcharsteller stürmisch gerufen. Bon den Darstellern gebührt ort. T e r n i n a die Palme, die die überaus schwierige Rolle der Kundry mit unerreichten dramatischen Mitteln darstellte. Burgstaller gab den Parsifal ganz nach. Bayreuther Muster mit voll entfalteter präckstiger Stimme. Van Roys Am- fortas war ergreifend, Göritz war ein guter Klingsor nno Blaß ein lobenswerter Guruemanz. Kapellmeister Hertz feierte einen großen Triumph. Seme Wiedergabe oes Vorjpiels war hauptsächlich, die das Publikum in eine feierlich anoächttge Stimmung versetzte uno fein Werk im eigentlichen Festspiel bringt ihn in eine Reihe mit den ». dc C! de Ai ste ur sie sch M eii be: Ve Ch be je größten Wagner-Drrigenten. Die szenischen Esfette waren viel besser clls in Bayreuth- namentlich wirkte der Zaubergarten, dessen Schönheit selbst in den amerikanischen Ausstattungsstücken unerreicht dastand. Tie Blumen waren nicht, wie in Bayreuth, große Phantasiegewächse, sondern machten den Eindruck der Wirklichkeit. Die Blumenmädchen waren in lose Gewänder gehüllt statt des Versuches, sie Blumen darstellen zu lassen. Der Gralssaal, sowie Klings- ors Zauberschloß waren ebenfalls Meisterwerke der Inszenierung. — Aus Newyork erhalten totr heute vom Lalfau-Bur ean folgende s Telegramm: Das Blatt „The American" meldet, KaiserWilhelm habe an den Tenoristen Kraus ein Kabeltelegramm gerichtet, worin er ihm die Mitwirkung bei der Aufführung des „Parsifal" in Amerika verbietet. — MaxNeal, der eine Verfasser des „Hochtouristen", hat in München einen neuen Erfolg gehabt. Sein vier- aktiges Volksstück „Die Bauer n-Br u n h il d e" errang im „Deutschen Theater" einen sehr lebhaften Erfolg. Nach den beiden letzten Akten wurde der Verfasser wiederholt gerufen. — „Der keusche Casimir" nennt sich die Novität des Frankfurter Orpheums. „Der keusche Casimir" von Maurice Tesvalliöres und Antony Mars wurde im vergangenen Winter in Paris unter dem Titel „Maitre Nitouche" am döouveautes-Theatre viele Monate hindurch gespielt. Es ist eine ausgelassene Zote ohne Sinn und Verstand. — Die Direktion des Kleinen Theaters in Berlin hat anläßlich der bevorstehenden BuO. Ausführung des „N a ch t a s Y l" Maxim Gorki eingeladen, dieser Jubiläums-Aufführung beizuwohnen. Tie Hoffnung ist nicht unbegründet, daß der Dichter des „Nachtasyl" der Aufforderung Folge leistet und die Reise nach Tentschland unternimmt. schönen turnerischen Aufführungen der Musterriege am Barren. — Der Gesangverein „Ar i o n" feierte gestern abend jein Weihnachtsfest im „Benchardshäuser Hof". Gesangvorträge wechselten mit Tanz und theatralischen Aufführungen. Auch ein Weihnachtsbaum wurde angezündet, unter dem die zur Bescherung dienenden (.Wegen[taube bereit lagen. Ter schön geschmückte Saal war dicht besetzt. gl. Lollar, 27. Tez. Gestern abend führten Schüler der hiesigen Volksschulle aus allen Klassen das Weihnacht s s e st s p i e l „Liebe aus Erden", Dichtung von Elisabeth Douneß, zum Besten der Kleinkinderschule auf. Tre Dichtung behaitbett die Zeit der kindlich frohen Erwartung vor dem Feste, den Weihnachtsmarkt u. a., sodann den Weihnachtsabend selbst, wo das Christkind überall, beim „verlassenen Mütterchen, bei den Kranken und Verwaisten, bei Armen und Reichen", wahre Herzensfreude bereiten will. Ties wurde in zahlreichen, lebenden Bildern dargeftellt, welche jedesmal durch Teklamationen dreier Schülerinnen eingeleitet und erläutert wurden, den Engel der Liebe, des Trostes und die Freude darstellend. Zwischen die Hauptabschnitte waren dreisttmmige Gesangschöre der ersten Schulklasse eingeschaltet. Vorträge auf Harmonium mit Violinbegleitung füllten die Pausen. Tie Oberleitung und Einübung des schwierigen, aber sehr eindrucksvollen Stückes hatte Lehrer Da ab übernommen, w'lchem nebst den anderen Lehrern, die ihn bei der Einübung unterstützten, lebhafte Anerkennung gebührt. Tre Aufführung selbst ging flott von statten. Große und Kleine taten ihr Bestes. Man sah, Ivie sie atte mit dem Herzen dabei waren. Die umfangreichen Deklamationen der Mädchen waren sehr sicher und ausdrucksvoll, die Gesangsck)öre rein und präzis. Eine Versammlung von über 500 Personen, meist Eltern und Angehörige der Kinder, verfolgten mit großem Interesse die Ausführung bis zum Schlüsse. Infolge der zahlreichen Beteiligung war der materielle Ertrag recht befriedigend, aber größer ist hoffentlich der ideale Gewinn, nämlich eine schöne lebenslängliche Erinnerung der Kinder an das Weihnachts- sest 1903 und die Freude der Eltern an der reinen Freude unb Begeisterung der Jugend. h. Burkhards, 27. Tez. Wie alljährlich, jo fand aud; diesmal wieder eine Christvesper für beide Gemeinden des'Kirchspieles statt, und das Gotteshaus war dicht besetzt. Aus dem Altar stand ein präckstig geschmückter Christbaum. Verschönt wurde die Feier durch Vorträge und zweistimmige Lieder der Schuttinder, sowie Chorlicber des Kirchengcsang- vereirrs unter Leitung des Lehrers Rüohr. Bei Hofe. verkleidete Mann „Charleys Tante", jeder Offizier »Reif-Reislingen^ 2C? Die lustige Komödie der Irrungen war hier in Gießen von Herrn Conradi lebensvoll inszeniett, in der Aufführung zeigten sich freilich ein paar kleine Unregelmäßigkeiten, falsches Abtreten, verspätetes Erscheinen rc. Auch wäre man besser über einige Szenen des 2. und 3. Aktes schneller, flotter hinweggegangen. Das echte sprudelnde Schwanktempo hat eigentlich von allen unseren Künstlern nur Herr Conradi, der selber den falschen Alpenstürmer darstellte. Als un- genierter Hemdenmatz hatte er natürlich einen Extraerfolg, und auch sonst fühtte er seine ganze drastische Komik erfolgreich ins Treffen. Nur Herr Gronert noch tut es Herrn Conradi in der Flinkheit des Tones nach. Er stellte den Interviewer, eine Figur, die Herr Neal, der Redakteur eines Münchener Blattes vom Range der Scherlpresse, gezeichnet haben dürfte, in seiner ganzen Lächerlichkeit recht nett dar. Wohl zu viel gemessenes Pathos verwendete Frau Fischer auf die Nolle der Madame Mylius, erschien aber ganz distinguiett und jedenfalls eher passend in das Heim eines Berliner Großindustriellen als ihr Herr Gemahl. Auch Frl. Hell berg, der übrigens das Reformkostüm vorzüglich stand, nahm m. E. die Alice etwas zu schwer und ernst, nicht flott, nicht züricherisch genug, ohne neckischen und kecken Studentinnenfrohsinn. Herr Teleky machte aus dem alten Onkel Niertens eine ganz hübsche Charakterfigur, Herr San dorff war als Dr. Mertens frisch und lebendig, und auch Herr Tamke war als Lindenburg von ungezwungener Beweglichkeit. Mit derber fescher Komik und nicht ohne Pikanterie packte das stattliche Frl. Lembach das Regerl an, und sah hübsch und „gut gestellt" aus, nur leider waren ihre Liedchen gestrichen. Lieb und leicht hielt Frl. Grofirn älter die Lore. Recht gut war das Bergführerpaar der Herren Haag (der allein richtig bayerisch loslegte) und Acht erb erg, und Herr Pichler gab den neuen Herrn Nah uud fern. -i- Klein-Lind en, 27. Tez. Der Turnverein hielt gestern abend inder „deutjchienEiche" seine Weihnachtsfeier bei Konzert, theattalischen und turnerischen Aufführungen ab. Ehrenmitglied Lehrer Karcher gedachte in einer Ansprache der Gründung des Vereins im Jahre 1889 mit nur 20 Mitgliedern, deren Zahl schon 1900 auf 50 und jetzt auf über 100 gestiegen ist. Einen Beweis des regen Strebens geben die Preise, die die Turner bei den festlichen Veranstaltungen des Gaues errangen; es sind dies etwa 15 Preise. Ter Redner schloß mit einem Hoch auf die deutsche Turnkunst. An die Versteigerung des Weihnachisbanm.s schloß sich eine Verlosung. Besonderen Beifall ernteten die ^Fraa" eines alten treuen Mitarbeiters zugeht: Die Feiertag, je sein vorbei, Vorbei aach das Gerenne; Vorbei die Kuchebackerei Un nebebei das Flenne, Wann sitze blieb de Kucheteig, Die Küche gar verbrannte — Der Hausfraa sicher zum Verdruß Un alle Kaffeetante. Vorbei is aach all' das Gekrisch, Das Driber und das Drunner, Un leer nun aach der Weihnachtstisch Un 's Porlmannee — ka Wunner. Ich glaab, mei Ahler hott's die Tag E bische mehr wie toll Getriebe — Doch seggt er immer: „Ich täts Dir Un aach nor unsere „Kirn" zu liebe. Mei Mann kies mir en neue Hut, Denn setzt ich aach gleich uff (Er schteht mer wirklich gar zu gut), E Boa un en Musi. — En Regenschirm, e Garnitur Im neuste Jugendschtiel: Die schpart er uff bis nächstes Johr, Weils diesmal wär' zu viel. Von mir krooch er e Reiseplee, E Schachtel Teeringsseif, E Sigarrntasch, e Porlmannee Un aach e lange Peif, Un weiter noch geschlickte Schuh, En Schlafrock, zwei Paar Schlappe, Er den desür — un wirds aach tu — Die Rechnung selbst berappe. Der Schorsch, was unser Aeltster is, Krooch Schliewel, Schtnmp, Sackticher Un aach e Dutt voll Pefferniß', Vom Unkel Bilderbicher. Zwar mächt em's Lerne kaa Vergniege Die Zensur — na was soll ich schwätze — Er seggt, das tät am Lehrer liege Un aach am Vielzuschpäwersetze. Der Jingst, der Emil, krooch en Schlitte En Schottelgaul, en braune, Da holt er aach glei druff geritte — Ich tät selbst driber schtaune. Was aber störrisch Gäul' als kenne Des sollt' der Emil aach bald wiffe — Gleich bei dem erjchte Pferderenne Hat er den Plumb sack abgejchmisse. Das Liesche krooch e Poppeschtub, E Kich un aach en Poppewage; Doch hat von: Kochgeschirr der Bub Zwaa Dippe schon kapul gehaage. Un aach de Popp, die jchee, lüt not Am Krollekopp, im Kniegelenk, Ich glaab — eh ichs verseh — sie hott Schon morge ganz und gar de Krenk. Was all die Feiertäg getriebe, Un wie mer sich hat amefiert, Des schteht im Wocheblatt geschriebe Nach Tag un Schtund lokalnotiert. Doch leider is nid) angegebe, Wie viel gekost das Fest, das schee; Ich glaab, 's is mancher arg bemebe Im Kopp un aach im Portmannee. enmnntuito gaben die MtögNckMt, über die geäußerten Wünsche hinaus den alten Leuten eine Wcihuachtssreude zu bereiten. Für die Raucher Ritten einige Cigarren- und Tabakirrdustrielle in reichlicher Weise gesorgt, sodaß über Neujahr hinaus den Besckxeirktcn das Pfeifchen oder bie Cigarre nicht ausgehen wird. Originell tvar der Wunsch eines jüngeren Mannes, der vom Weihnachtsmann tveiler nichts begehrte als eine Sehnnrrbartbinde, während ein anderer den Wunsch hatte, eine Leberwurst zu besitzen. Gegen 41/2 Uhr war der Betsaal der Anstalt, im Männer- Hau zu ebener Erde, dicht besetzt. Das Kuratorium der Anstalt war durch die Stadtverordneten Larchgerichtsrat Dr. Schäfer und Schiele vertreten. Ein mächtiger Christbaum erinnerte daran, zrr welchem Zweck man hier versammelt war. Da ertönte, die Feier einleitend, das Weihnachtslied „Vom Himmel hoch", gesungen von einem, von dem Personal gebildeten gemischten Chor, der von einigen Pfleglingen verstärkt worden war und den die Sck)wester Leni einstudieü hatte, welche mit Geschick die abendlichen Gesänge leitete. Darauf verlas eine andere Schwester das Evangelium der frohen Botschaft Lukas 2, 1—14. Es erklang „Ehre sei Gott in der Höhe", woran sich der Schluß aus Lukas 2 anrechte. „Stille Nacht, heilige Nacht", so ertönte es von dem gut geschulten Chor. Hier Überwältigte manchen die Erinnerung und manche Trärre roltte den allen Leuten über die gerunzelten Wangen. Einer kurzen Dellamatton und erneutem Gesang folgte zine Ansprache des Lairdgerichtsrats Dr. Schäfer. Sie, die hier versammelt sind aus der Wetterau, aus dem Vogelsberg und aus dem Schützer Lande, so führte der Redner aus, fern von der Heimat begingen das erste Mal in diesem Hause das Fest der Liebe in Erinnerung an die Vergangenheit. Um ihnen zu beweisen, daß sie hier nicht verlassen sind, darum sind wir hierher gekommen, um gemeinsam mit ihnen den heiligen Abend zu begehen. Trösten Sie sich mit dem Gedanken, daß sie in diesem Hause ebenfalls und zwar einer größeren Gemeinde angehören, unter der Liebe und Einttacht herrschen muß, wenn der Einzelne in ihr sich wohl fühlen soll. Und nicht um Dankes willen seien die Gaben gespendet, sondern wenn damit erreicht wird eine fröhliche Weihnacht bei jedem Einzelnen, dann ist der Zweck der Gabe erfüllt Tas Weihnachtslied ,F) du fröhliche, o du selige" bildete ven Beschluß der WeihnaLtsfeter im großen Mannerbau. Tie Schwestern teitten darauf die Gaben aus, wobei man gerührt beobachtete, wie die rüstigeren Greise den weniger Mistigeren in Liebe beistanden. In demselben Rahmen bewegten sich die anderen Feiern im Äechenhanfe, welche neben anderen Gründen aus Mangel an einem größeren Versammlungsraum an Vier Stellen statt fanden und zwar sonst noch im Männer- pavillon, im Frauenpavillon und im Frauen bau. Jedenfalls nahm man allenthalben wahr, daß die Leute im Siechenhaufe in jeder Beziehung gut untergebracht sind, daß ihnen eine Pflege und Aufmerksam kett zutell wird, Wie sie sie bei ihren Angehörigen, sofern diese überhaupt in der Lage sind, ihnen solche zu gewähren, nicht besser haben können. Zn den Vereinen. Die 30jährige Jublläums-Bescherung beging der Verein Jugend freund am 20. Dezember in der Turnhalle der höheren Töchterschule. Die Vereinigung, welche sich überaus großer Syrnpaihien zu erfreuen hat, tonnte diesmal 32 Kinder vollständig einfleiben und hat während ihres Bestehens im ganzen 500 Kiirder zu Weihnachten mit Kleidung versorgt. Die diesmalige Feier, welche vom gemischten Chor der Bürgergesellschaft eingeleitet wurde, wonach Rendant Döring eine Ansprache hielt, zeichnete sick) dadurch aus, daß Herr Jaskowsky bem langjährigen Vorsitzenden Döring ein Diplom überreichte und dabei mit schlichten herzlichen Worten des Dankes dessen Verdienste um den Verein hervor hob und anerkannte, wie sehr der Verein seine Popularität der Tätigkell seines Vorsitzenden verdankt.