Nr. »01 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. dtotattondbrud u. Verlag der Brüh lachen Untoers.-Buch-u. Stein- druckerei (Pietsch Lrdech Redaktion. Gxpedttioa und Druckerei: Schnlftratze 7, Adresie für Depeschen: «»-eiger Gieße«. Kernsprechanschluß Nr. 5L Zweites Blatt. 158. Jahrgang Freitag 28. August 1903 Be-«g»pretSr ’^@T & monatlich 75Ps„ viertel» /HMv V Mgy DD v jährlich Mk. 2.20; durch Gietzener Anzeiger w General-Anzeiger " S Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen MM Are heutige Mmmer umfaßt 8 Seite«. Vom Tram. Ein gelegentlicher Mitarbeiter schreibt uns: , , „ Bei den Erörterungen über die neue Militär - dorlage ist einer Truppengattung bisher nicht Erwähnung getan warden, die auch allgemein eine ihrer militärischen Bedeutung entsprechende Beachtung seltener findet: des Trains. Er hcrt organische Beziehungen zur Kavallerie; Lesernsten der Reiterregimenter leisten ihre Uebungen beim Train ab, was beiläufig eine wesentliche Erweiterung der militärischen Kenntnisse zur Folge hat, da der Train ar Vielseitigkeit von keiner anderen Waffengattung erreicht wird. Es gilt nun als sicher, daß besonders auf Grund von Erprobungen beim Kaisermanöver eine Vermehrung der Kavallerie in Aussich t steht; neuerdings spricht man von der Ausgestaltung verschiedener Kavallerie-Brigaden zu Divisionen, wobei wohl mir die GrenAezirke in Betracht kommen wurden. Ist das der Fall, dann dürfte auch eine Vermehrung der Trainbataillone bevorstehen Die Heilige Schrift auf dem Diplomateutische. Der Gesamteindruck der Deutschen Katholikentage pflegt von Jahr zu Jahr der gleiche zu bleiben. Die Würdigung seiner allgemeinen Bedeutung steht bei Freund unb Feind fest, Lehrreich wird dieser Parteitag der Zentrumspartei jedoch immer wieder durch die Beobachtung von Einzelheiten, die den hinter der Szenerie waltenden Geist enthüllten. Ho trat unter anderem auf dem diesjährigen Katholikentag in Köln wiederholt das neue und auffällige Streben hervor, in einer an protestantische Denkweise eriuuernden Form das „Evangelium" auf den Leuchter zu stellen und die Bindung des Katholizismus an das Tridentinun^. den Katechismus romanus, die Tradition und die Unfehlbarkeit des Papstes in dogmatischen Fragen mit Stillschweigen zu übergehen. In der Eröffnungs-Ansprache des Justizrats Custodis findet man den von solcher Absicht diktierten Satz: „Das Evangelium ist die Grundlage auch unserer Politik." Das Wörtchen „auch' scheint dazu besfiurmt, den Versuch einer Bestreitung dieser Behauptung int Keime zu ersticken, denn dieses Wörtchen stellt ja auch; einer anderen Politik als der des Zentrums die Berufung auf das Evangelium frei. Der Redner warf dann die Frage auf: „Ob man heute noch auf dem Arbeitstische eines Staatsmannes die Heilige Schrift findet?" Welch ein Verlangen aus dem Munde eines katholischen Führers! Durch Jahrhunderte hat man die Bibel verfolgt und verboten, versteckt mußte sie werden vor den Augen der Jesuiten und der ihnen folgenden Dragoner, und lustig machte man siech in Rom übeer das Schristprinzip des Protestantismus und den Bibelglauben der Lutheraner. Indessen — uns kann dieses Verlangen nur recht sein. Auch wir würden es begrüßen, wenn die heilige Schrift einen Platz auf dem Schreibtisch? unserer Diplomaten fände. In solchem Falle wären wir überzeugt, daß das Verwerfliche der Verquickung von Religion und Politik unseren Staatsmännern wieder vermittelst der Bibel zum Bewußtsein käme. _______ 4 Uhr die Versammlung der Abgeordneten der Zweigvereine, bei welch letzterer Pfarrer Berck-Wald-Michelbach i. O. einen Vortrag über „Die Aufgaben und Arbeiten des Evangelischen Bundes" halten wird. Am Abend findet öffentliche Versammlung statt, in welcher der bekannte Vorkämpfer gegen den Ultramontanismus und begeisterte Redner Prof. Dr. Böthlingk - Karlsruhe über:„DieJesuitenund das Deutsche Reich" sprechen wird. — Am Vormittag des 2. September nimmt nm 8 Uhr die Sitzung des Vorstandes und der Vertrauensmänner des Hessischen Hilfsaus- schusses zur Unterstützung der evangelischen Bewegung rn Oesterreich chren Anfang. Um halb 10 Uhr findet Kst- gottesdienst statt, bei welchem Pfarrer Walter-Worms die Festpredigt hält. Um 11 Uhr beginnt die geschlossene Mitgliederversammlung des Hessischen Hanptvererns des Evangelischen Bundes mit der üblichen Tagesordnung. Hieran chließt sich ein gemeinsames Mittagessen. Die öffentliche Festversammlung findet um 3 Uhr statt; in derselben werden Privatdozent Lic. N i e b e r g a l l - Heidelberg über: „Der Protestantismus und Oesterreich", Vorträge halten. Hierauf Gesang und Schlußwort. Alle Evangelische, Mitglieder und Freunde des Evangelischen Bundes mit ihren Familien sind zu diesen Versammlungen eingeladen. Vertagung der Börsengesetzreform? Aus Berlin, 27. August, wird uns geschrieben: Dem Zolltarif zuliebe wurden bekanntlich in der verflossenen Parlamentssession einige gesetzgeberische Aktionen öertcgt. Nach der Darstellung einer Mwereln osfrMüser Offenbarungen gewürdigten Korrespondenz soll sich der Vorgang in der nächsten Session wiederholen, und M^r den Handelsverträgen zuliebe. Um für deren Verabschiedung Raum zu schaffen, wird angeblich von der Em- bringing besonders solcher Gesetzentwürfe Ab stand genommen werden, die den Konservativen wider den Strich gehen. Der Regierung, so heißt es, sei darum zu tun, die Kon)er- vativm Handelsverträgen geneigt zu machen, bei denen man voraussichtlich zu Agrarzoll-Konzessionen an dav Ausland sich verstehen muß. Zu den ,,Opfern soll dre schon im vorigen Jahr zuruckgestell^e vr s e n g e s etz - Novelle gehören. Im preußischen HLndelsMiNisterrum hält man nach nuferen Informationen das für unwahrscheinlich, weil der Entwurf der Novelle den Wunsche der BÄenrreise keineswegs voll entgegenkomme. Vre Ent- Die Zunahme der Sozialdemokratie m Den ländlichen Bezirken und die Konfessionen. Unzweifelhaft hat die Sozialdemokratie ihren großen Stimmenzuwachs bei den letzten allgemeinen Wahlen in erster Reihe den industriellen Bezirken zu verdanken, was ufy ja auch ganz von selbst versteht, da hier die Agitation ehr viel leichter ist, als in weit ausgedehnten Land- bezirken mit einzelnen Gehöften. Immerhin aber hat sie auch; in ländlichen Bezirken eine Zunahme zu verzeichnen, und es ist nicht uninteressant, daß dieser Zuwachs relativ in katholischen ländlichen Distrikten stärker ist als in evangelischen. In dem zum größten Teil evangelischen Regierungsbezirke Königsberg betrug die Stimmenzunahme der Sozialdemokratie (ohne den Stadtkreis Königsberg) 18 Prozent, im ganz evangelischen Regierungsbezirk Potsdam (ohne die beiden industriellen Wahlkreise Meder-Barnim nnb Teltow-Beeskow-Charlottenburg) 38 Proz., im Regierungsbezirk Frankfurt a. O. 36 Proz., in dem ganz evangelischen Pommern (ohne die beiden industriellen Kreise Ziandow-Greifenhagen und Stettin) 35 Proz., im Regierungsbezirk Breslau 18 Proz., in den Regierungsbezirken Magdeburg und Erfurt je etwa 30 Proz. In dem zu durchschnittlich dOProzentkatholischen Regierungsbezirk Münster, in dessen vier Wahlkreisen sämtlich die ländliche Bevölkerung überwiegt, betrug die Stimmenzunahme der Sozialdemokratie 800 Proz. und der Antell der Sozialdemokratie an der Gesamtstimmabgabe stieg von 2 Pwz. auf 11 Proz. IN den drei ländlichen Wahlkreisen des Regierungsbezirks Köln, nämlich in den zu 97, bezw. 89, bezw. 77 Proz. katholischen Wahlkreisen Bergheim-Euskirchen, Rheinbach-Bonn und Siegkreis-Waldbröl nahtn die Stimmenziffer der Sozialdemokratie um 160 Prvz. zu, im Regierungsbezirk Düsseldorf (mit Ausnahme der industriellen Wahlkreise Lennep, Elberfeld, Solingen, Düsseldorf, Essen und Duisburg) betrug die Stimmenzunahme 72 Proz., in den ganz katholischen und ländlichen altbayerischen Wahlkreisen (ausgeschlossen sind dabei die beiden großstädtischen Münchener Kreise) betrug die Zunahme 104 Proz. Im Großherzvgtum Baden endlim mit Ausnahme gerade der vorwiegend evangelischen und industriellen Wahlkreise Pforzheim, Karlsruhe und Mamcheim betrug der Stimmenzuwachs der Sozialdemokratie 75 Proz. Allerdings muß betont wsrden, daß hier nur von dem relativen Stimmenzuwachs gegenüber den Wahlen von 1898 die Rede ist; absolut genommen ist in allen den hier erwähnten Gebieten nicht so bald an einen Sieg der Sozialdemokratie zu denken, auch wenn sie bei den nächsten Wahlen in derselben Progression zunimmt. Wenn die katholische Kirche irgendwo Einfluß hat, so ist es doch auf dem platten Lande. Gerade hier aber ist der Stimmenzuwachs der Sozialdemokratie relativ stärker gewesen als in den städtischen und vorwiegend industriellen Gebieten. _______________ Märsche Tagesschau. Frankreich spendet den schlesischen Ueberschwernmttu. Die „Nordd. Allg. Zig." meldet: Der hiesige französische Botschafter hat dem Auswärtigen Amt im Namen des Präsidenten der französischen Republik als Beitrag zur Linderung der Not in den vom Hochwasser heimgesuchten Bezirken Schlesiens die Summe von 5000 Fran cs übergeben. Nichts kann die zwischen Paris mrd Berlin bestehenden angenehmen Beziehungen besser kennzeichnen, als diese Spende, die zugleich dem Edelmut des Präsidenten der Republik ein ehrendes Zeugnis ausstellt. Die Bekundungen warmherziger Teilnahme Kaiser Wilhelms an allen Katastrophen, die Frankreich! betroffen — es sei an den Bazarbrand 1897, die Verheerungen auf Martinique und das Untergrundbahn-Unglück erinnert, — sind in Frankreich also nicht ohne Eindruck geblieben. Besonders wertvoll erscheint die Spende des Präsidenten Loubet angesichts der Mißernte, unter der weite Bezirke der franzosisch-en Republik jetzt selbst leiden. Nach der Berechnung französischer Fachschriften 'beträgt der Verlust allein an Weizen gegen 300 Millionen Fran cs. Die Weinbauern sollen gar eine Milliarde verlieren. sich! damit einverstanden erklärte, daß eine unbestreitbar oringliche Reform aus Gründen der politischen Taktik nochmals ans die lange Bank geschoben wird. ' Der Traum von der Reichseisenbahngemeinschaft ist von dem konservativen .Grenzboten' wieder einmal geträumt worden. Sie schreiben u. A.: Die süddeutschen Staaten haben gleich Sachsen — Hessen ist ja der preußischen Eisenbahngemeinschaft beigetreten — ihe eigenen Lahnverwaltungen. Solche selbständige Verwaltungen stnd mindestens nicht billig, und von den 10 bayerischen Betriebsdirektionen könnte die Hälfte jetzt schon gespart werden. Auch sind die Betriebsergebnisse der süddeutschen Bahnverwaltungen finanziell zurückgegangen, und die Stimmen au§ dem württembergischen Landtage, die zu derselben Zeit, wo der bayerische Ministerpräsident in Stuttgart seinen Antrittsbesuch machte, nach Bayern herüberklangen und sich über die Umleitungen beklagten, waren nicht von übermäßiger Freundlichkeit. Es ist auch, ohne der Zukunft vorzugreifen, höchst wahrfcheinlich, daß Württemberg von den süddeutschen Staaten zuerst den Anschluß an die preußische Eisenbahngemem- schaft suchen wird. In einem solchen engeren oder weiteren Zusammenschluß, der jede Konkurrenz ausschließt und eine gemeinsame Berechnung der Betriebskosten ermöglicht, liegt auch die Zukunft unseres deutschen Eisenbahnwesens, da auf dem Gebiete des Verkehrs die Schaffung großer Bezirke und die Zunahme der Zentralisation immer notwendiger werden und kleine Verkehrsbezirke immer schwerer um chre Lebensberechtigung zu kämpfen haben. So würden auch die pfälzischen Bahnen, deren geplante Verstaatlichung an der keineswegs rosigen Finanzlage Bayerns scheitern dürfte, getrennt vom rechtsrheinischen Bayerri und umschlossen von den Bahnen anderer Eisenbahnverwaltungen immer aus den Kontakt mit diesen angewiesen sein, und es sei denn auch eine starke Strömung in der Rheinpfalz vorhanden, welche die pfälzischen Bahnen an die preußischen angliedern wolle. Es ist bezeichnend, diese Sprache in einem konservativen Organ Sachsens zu finden, wo die Mehrzahl der Konservativen der Eisenbahngemeinschast durchaus abhold ist. Kirche und Schule. ZurSonntagsheiligung. Eine berechtigte Mttc hat der Vorstand des evangelischen Pfarrervereins im Großherzogtnm Hessen den Leitern von Vereinen, Jnstitnten usw. zugehen lassen. Er bittet, sie möchsten bei Versammlungen, Verhandlungen, Ausstellungen usw., die an einem Sonntage stattfindetl, der Bedeutung der kirchlichen Feiertage und der Zeit des Gottesdienstes möglichst Rechnung tragen. . , t . — Die 8. Land esver sam'm Lung des Hessischen Hauptvereins des Evangelischen Bundes findet am 1. und 2. September in Groß-Umstadt statt. Am 1. September, nachmittags halb 3 Uhr, beginnt Die Sitzung der Vorstände des Hessischen Haupwereins, um Keer und Motte. Tas Ritterkreuz 1. Klasse mit der Krone des Großh. Hess. Verdienstordens Philipps des Großmütigen ist dem Major Clößner im 5. Rhein. Jnf.-Regt. Nr. 65 verliehen worden. ___________________ Kom Iriedöerger Uredigersemmar. Friedberg, 27. Aug. Wir lesen in der „N. Frdb. Ztg.": „Die anonyme Denunziation des hiesigen Prediger-Seminars in der „Franks. Ztg." wegen „völliger Anarchie" ist als eine grobe Unwahrheit zu bezeichnen. Soweit dieselbe die Anstalt selbst betrifft, ist estzustellen, daß die Kollegien und Hebungen im laufenden Semester ihren völlig geregelten Gang genommen haben, wie denselben zum teil ja die evangelische Gemeinde selbst in den öffenllichen Kandidaten-Predigten beobachten kann. Ein völlig lückenloser Kollegien-Befuch hat hier, wie auch an der Hochschtlle, kaum jemals stattgefunden, darin unterscheidet sich trotz der bestehenden Ällegien-Mlicht unsere Anstalt als eine akademische von anderen Schulen. Einzelne Ausschreitungen, die tatsächlich vorgekonunen und bei einem plötzlich eintretenden JnterregauM nicht ganz unerklärlich'sind, haben chre ernste behördliche Rüge gefunden. Soweit die genannte anonyme Denunziation eine persönliche Spitze hat, bekenne ich. iiüch dazu, als Vertreter biblisch-positiver Theologie 1896 von Kiel hierher berufen worden zu sein und, wie auf der Kanzel, so auch aus dem Katheder ans meiner lieber» zeugung kein Hehl gemacht zu haben, ohne dieselbe anderen auszuzwingen. Die fiaglichen Differenzen, soweit sie Anlaß zu einer Krisis gaben, waren praktisch-theologischer Art, homiletische Zweckmäßigkeitsfragen, die bereits cm vorigen Semester behördlich entschieden worden sind. — Was ferner meine persönliche Stellung zu Herrn Direktor Pros. D. Dr. Weiffenbach betrifft, dessen schwere Erkrankung auch ich persönlich tief beklage, so habe ich in der Oeffenllichkeit: 1) bei der Wiedereinweihung unserer Stadtkirche (1901: Gemeinde-Familien-Abend); 2) gegenüber den Angriffen der Evangelisten-Anstall St. Lhrischona (1901/02); 3) durch örtliche Anregung seiner 60jährigen Ge- burtstogs-JÄer (1902) so unzweideutige Beweise meiner persönlichen und kollegialischen Stellungnahme gegeben, daß niemand mehr, als ich selbst, deren Trübung durch praktisch-theologische Meinungsverschiedenheiten be- llagt hat, dre übrigens zum tell von außen in unsere Anstalt getragen und verschärft worden sind. —- Meine lehramtliche Tätigkeit schließlich ist nicht nur früher vom König!, preußischen Kultus-Aiinisterium durch meine Berufung in das „pädagogische Seminar für die Kandidaten des höheren Schulamts" in der Provinz Schleswig- Holstein (zu Mel), sondern noch! 1900 durch Großh. Ober- Konsistorium mit ausdrücklichen Worten und durch meine Ernennung zum 2. Professor des Prediger-Seminars anerkannt worden. Professor Schoeler, Pfarrer, zugleich i. V. der Großh. Direktion des Pred.-Sem." Ferner lesen wir in der „Dannst. Ztg.": In der „Franks. Ztg." ist ein Artikel über die derzeitigen Verhällnisse am Predigerseminar in Friedberg erschienen und auch in andere Zeitungen übergegangen. In einer der letzteren ist die Erwartung ausgesprochen: „lieber diese Darstellungen der „Franks. Ztg." ist wohl eine Aufklär- ungvonmaßgebenderStellezu erwarten." Dieser Erwartung zurzeit zu entsprechen, ist nicht möglich, da noch Verhandlungen schweben, welche ein Eingehen auf Einzelheiten ausschließen, und solches wäre bei Richtigstellung der Angaben des Artikels nicht zu vermeiden. Spätestens wird die voraussichtlich im Oktober zusammentretende Landessynode Anlaß geben, sich eingehend über die Angelegenheit auszusprechen. Der 50. Deutsche Katholikentag. IV. Köln, 27. August. In der heutigen vierten öffentlichen Katholikenver- ; sammlung verlas Präsident Dr. v. Ort er er folgendes, aus Schloß Wilhelmshöhe vom 27. Mgust datiertes Telegramm: „ , , r ~ . ee. Majestät der Kaiser und König haben den Huldlg- ungsgruß der diesjährigen Zubiläumsgeneraioeisamm-' lang der Katholiken Deutschlands mit Frendeji entgegen* : genommen und lassen das Präsidium ersuchen, der Generalversanimlung für den Ausdruck treuer Ergeben- Allerhöchsten Befehl: Geh. Kabinettsrat v. Lucanus. Zukunft erblicken. Redner brachte ein freudig ausgenom- Trier, 27. 9(ug. In Diesdorf erkrankten vier Arbeiter und eine Frau nach Genuß giftiger Pilze; einer Der letzte Wagen eines Stadt der aller Herzen gewonnen habe durch seine Freundlichkeit gegenüber jedermann, sein tiefes Verständnis für alles und seine unermüdliche Bereitwilligkeit, zu helfen, wo es galt. Die Gabe für die Ueberschwemmten solle der Ausdruck der Liebe und Dankbarkeit für seine Tätigkeit im Hessenlande sein. Graf Zedlitz-Trützschler dankte tief gerührt für die Anerkennung seiner Tätigkeit und auch zugleich im Namem der Provinz, welcher er jetzt seine Kräfte im aller- höchsten Auftrage widmen solle. ist gestorben. * Paris, 27. Aug. bahnz uges fing auf dem Bahnhöfe „Hotel de Ville" Feuer. Infolgedessen entstand eine große Verwirrung unter den Insassen, welche teils auf den Bahnsteig, teils auf die Schienen sprangen. Eine Dame erlitt einen Schädelbruch, ein Mann ■ brach bte Schulter. Die Dame ist ihren Wunden erlegen. * Krakau, 27. Aug. In Koniuchow zerschnitt em Pfarrer in einem Anfall von Wahnsinn mit einem Rasiermesser sich das Herz; er war sofort tot. Vermischtes. * Berlin, 27. Aug. Heute früh entstand in einet Spiritusfabrik in der Artilleriestraße eine heftige Explosion, diirch welche das ganze zweistöckige Gebäude zerstört wurde. Ein Heizer der Spiritusfabrik wurde von den Feuerwehrleuten so schwer verletzt aus den Trümmern gezogen, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Gerichlssaal. -i- Marvu r g, 28. August. Bor dem Schöffengericht rtmrbc heute ein Prozeß wegen Beleidigung durch die Presst gegen den verantwortlichen Redakteur der Oberhess. Ztg. verhandell. Grund der Anklage bildete eine während des Wahlkamp les in dem konservativen Organ erschienene Korrespondenz aus Wangershausen im Kreise Frankeuberg, m der behauptet worden war, der Assistent an der landwirtschaillichen Bersuchsslatioii, Dr. Gässel, habe gelegentlich einer Dienstreise für den natiouatsozialen Kandidaten v. Ger lach agitiert und Stimmzettel verieilt. Trotzdem nachgewiesen wiirde, daß der Kläger in einem Falle zwei Stimmzettel für den iiationalsozialen Kandidaten zur offenbaren Wctterverwendung aus- gegeben hatte, war das Gericht doch der Alisicht, daß die fraglichen Stellen iin Artikel, die Dr. Gässel Zellelverteileii iisw. vorwerfen, unwahr seien und veriirieille den Beklagten zii 50 Alk. Geldstrafe und in die Kosteii. Strafschärfend kam noch die Urteilsbegründung in Betracht, daß bei der konservativen Zusammensetzung des dem Tr. Gässel^vorgesetzten Vorstandes der Landwirlschaitslammer zu Kassel die Schädigung einer anders gearteten politischen Gesinniliig eilens der ersteren schwere Nachteile für diesen ziw Folge haben würden. Der Schutz des § 193 wurde dem Beklagten liicht zugewiesen, da das Gericht der Ansicht war, daß es sich bei dem Artikel nicht um Kritisierimg und Aufdeckwig öffentlicher Mißstände gehandelt hätte. Die von dem Beklagten vor Beginn der Berhandlung beantragte Vorladung eines weiteren Entlastungszeugen wurde abgelehnt. Gegen das Urteil soll Berufung eingelegt werden. Hanau, 27. August. Ein Nachspiel zu den letzten Reichstagswahlen bildete eine Privatklage, welche bei der letzten hiesigen Schöffengerichtssitzung zum Auslrag kam. Ver- chiedenc junge Leute in Niederissigheim waren unter sich in einen Wortwechsel geraten, und dabei tat der Landwirt Gärtner zu dem Sohn des Landwirts Gruner die Aeußerung, „er könne ganz ruhig ein, sein (des Gr.) Vater sei ein Sozialdemokrat und habe den Hoch gewählt^. Gr. sen. strengre gegen Gä. eine Privatklage wegen Beleidigung an, das Schöffengericht erkannte aber gegen den Angeklagten auf F r e i s p r e ch u ii g, da in dem Worte „Sozialdemokrat" keine Beleidigung zu finden sei. sechs Monate im Besitz, der Landwirte fein, die Mitglieder des Landespferdezuchtvereins oder der landwirtschaftlichen Provinzialvereine des Großherzvgturns fü^/ a) ^artoeife w prämiieren: 1. Preis 50 ML, 2. Preis 30 ML, 3. Preis 20 ML; b) einzelne Pferde: 1. Preis 30 Mk., 2. Preis 20 Mark, 3. Preis 10 ML 6. Abteilung: Fohlen kalten und warmen Schlages, a) dreijährige: 6 Preise von 50, 40, 30, 30, 20, 20 Mk.; b) zweijährige: 6 Preise von 40, 30, 30, -0, 10, 10M 7. Abteilung: Zuchtstuten kalten und warmen Schlages. Prämien für inländische Züchter, welche Mitglieder des Landespferdezuchtvereins finb._ Mutterstuten mit Fohlen oder nachweislich gedeckt. 8 Preise von 75, 50, 50, 40, 30, 30, 20, 20 Mk. In den Abteilungen 1—4 wird für im Privatbesitz befindliche Pferde, die nicht um Geldpreise konkurrieren, je ein Ehrenpreis gegeben. In den Abteilungen 2, 3 und 4 werden nur Händlerpferde und in den Abteilungen 5, 6, 7 nur Pferde zügelassen, die auf der landwirtschaftlichen Ausstellung nicht prämiiert worden sind. Der Prämiierungsplan, welcher die näheren Bedingungen enthält, ist von Herrn Oekonomierat Schlenke-Hardthos bei Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 12. Sonntag nach Trinitatis, den 30. August. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer S ch e u n e m a n n. Zugleich Christenlehre für die Neukonsirmierten aus der Markusgemeinde. Vormittags 9Va Uhr: Pfarrer Schlosser. Nächstkünftigen Sonntag, den 6. September findet BeichN und heil. Abendmahl für die Matthäus- und Markusgemeinde im Hauptgottesdienst statt. Anmeldungen dazu werden bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Ju der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler. Zugleich Christenlehre iür die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde. Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Beichte und heiliges Abendmahl für die Lukas- und die Joyannesgemeinde. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Sonntag abend 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechunc. im Konsirmandensaale der Johanneskirche. Ev. Johannes Kap. 8, ~ < ^stchsten Sonntag, den 6. September, kirchliche Feier bei ^»edanfestes. An diesem Tage wird nach allen Gottesdienstrn eine Kollekte zum Besteii der Kaiser-Wilhelm-Stiftung für deuische Invaliden erhoben werden. Katholische Gemeinde. Samstag, den 29. Augu st 1903. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit mr- hl. Beichte. Sonntag, den 30. Augu ft. 13. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6 V2 Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht " um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselbe!' Austeilung der heil. Kommunion. „ um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. „ um 9 V2 Uhr: Hochami mit Predigt. Nachmittags um 27, Uhr: Andacht. Israelitische Religionsgemenrde. Gottesdienst in der Synagoge, Südaniage. Samstag, d e n 29. A u g u st 1903. Vorabend 7 Uhr. Morgens 8.30 Ubr Nachmittags 4 Uhr. Schriftei kläruug. Sabbathausgang 8.05 Uhr. Mark erfordern. Die jetzige Orgel ist äußerst schadhaft unb unzureichend. Architekt Hofmann hob in seinen Ausführungen hervor, baß sich bei den Restaurierungsarbeiten der Kirche unvorhergesehene größere Schäden ergeben hätten. Wenn die Bauarbeiten bis jetzt langsame Fortschritte ge- macht haben, so liege der Grund dafür darin, daß bei den Renovierungsarbeiten von stilreinen Bauwerken eine Ueber- eilung stets der Sache schade. Die Ansicht, die Renovierungsarbeiten würden sich bis zum nächsten §erbft hinziehen und das Doppelte des Voranschlags kosten, ja noch über 100 000 ML. kommen, bestritt der Architekt und schätzte die Summe, um welche edr Voranschlag infolge der zu tage getretenen außergewöhnlichen Schäden überschritten werde, aus höchstens 10000 Mk. Einschließlich der Neubeschafsung eilier Orgel beliefe sich sonach die Bausumme aus ea. 66 000 Mark. Die Summe soll außer der Verzinsung mir 1 Prozent amortisiert werden. Architekt Hofmami hofft, daß die Kirche bis kommende Ostern ihrer Bestimmung übergeben werden rann. (B. Z.) a. Röthges b. Laubach, 27. Aug. Kürzlich gab es betrübte Herzen in unserer Schule. Lehrer Weisel, der länger als 10 Jahre in hiesiger Gemeinde gewirkt hat, nahm Abschied von seinen Schülern. Es ist ihm eine Stelle zu Planig in Rheinhessen übertragen worden. Die Liebe und Verehrung seiner Schüler, sowie die Dankbarkeit der Eltern begleiten den verdienstvollen Lehrer nach seinem neuen Wirkungsorte. Die hiesige Schulstelle wird aus Mangel an Schulverwaltern von benachbarten Lehrern bis auf weiteres versehen. s. Muschenh e im, 27. Aug. Unlängst sand hier Ge- meinderatswahl statt. Es standen sich wieder die zwei alten Parteien — weiß und blau — gegenüber. Weiß errang zwei Sitze, vertreten durch Metzgermeister Otto Roth und Schneidermeister Heinrich Becker LI., während „Blau" ich diesmal mit einem Sitze, vertreten durch Landwirt Karl Weisel II., begnügen mußte. Hoffen wir, daß bei den nächstjährigen Wahlen der Fehdehandschuh begraben ist und unserem Torfe der so sehr nötige Friede wiederkehrt. l. Büches, 26. Aug. D^trch das Unwetter am verflossenen Sonntag wurde unsere Kirchweihe auf einmal empfindlich gestört. Der Wind warf einen Teil des Tanz- unb, Trinkzeltes um, sodaß die Gäste mit Tischen, Stühlen, Flaschen, Gläsern, Zeltstangen und Zelttüchern ein unentwirrbares Durcheinander bildeten. Allmählich arbeiteten sich die Kirmesbesucher aus den fliegenden Zelttüchern heraus und niemand war verletzt. Nun aber ging es rasch daran, den Schaden auszubessern. Stangen wurden aufgerichtet, Zelttücher ergänzt unb festgemacht, unb die zerstörte Musikantentribüne wurde durch einen Erntewagen ersetzt. Mit erneuter Lustigkeit, als wollte man das Versäumte nachholen, wurde die Kirmes fortgesetzt. l. Geiß-Nidda, 26. Aug. Unsere Wasserleitung wurde nun definitiv dem Betriebe übergeben. Baumeister Kraft von Nidda prüfte den Hochbehälter unb übergab nach zufriedenstellendem Resultat die Leitung der Gemeinde. Frankfurt, 27. Aug. In einer geschlossenen Versammlung der Nationalsozialen von Hessen-Nassau begründete Pfr. D. Naumann in längerer Rede die Unmöglichkeit, nach. dem Ergebnis der Reichstagswahlen als selbständige nationalsoziale Partei weiter zu arbeiten. Der Anschluß an die freisinnige Vereinigung sei nach längeren Bedenken und Verhandlungen in die Wege geleitet worden. Die lokalen Organisationen sollten möglichst geschlossen eintreten. Die Kritik an der freisinnigen Vereinigung sei erklärlich, es werde natürlich auch von der anderen Seite an den Nationalsozialen kritisiert. Es sei aber die in erster Linie in Bettacht kommende liberale Partei, die für Volksrechte und sozialen Fort-« schritt eintrete. Die Fusion könne auch auf den ge- [ten Liberalismus einwirken zum Zusammenschluß in freiheitlicher und sozialer Richt- u n g. ^ann werde die Resignation der Nationalsozialen ein "r°rt|"^tt für die gesamte deutsche Politik. Nach langer, über Mitternacht währender Besprechung, in der die Be- denken sehr stark überwogen, wurde schließlich von vier eingebrachten Resolutionen folgende mit geringer Mehr- heit angenommen: „Die heutige Versammlung der Na- cionalsozialen spricht sich für den Vorschlag Nau- manns aus mit dem Wunsche, daß die nationalsozialen ^okalorgauisationen als solche und die „Hilfe" möglichst unverändert erhalten bleiben." Kassel, 27. Aug. Ein Älusschuß hiesiger Bürger überreichte heute nachmittag als Gabe des Hessenlandes und dem scheidenden Oberpräsidenten eine tunstterisch ausge,ührte Lioresse, zugleich mit der Liebes- gabe sur die Ueb er schw e m m t e n in Schlesien im Wrage üon 2 0 7 00 M art. Die Adresse spricht das Ge- suyt des Bedauerns aus über das Scheiden des Grasen, Aus Atuüt und Lund. Gießen, 28. August 1903. ** Professor Sievers trat Donnerstag abend mit 14 Teilnehmern eine Exkursionsreise nach Ost- und West- preußen an, für die etwa 17 Tage vorgesehen sind. Tie Fahrt geht zunächst über Berlin, Posen unb Tyorn ohne Unterbrea)ung nach, der ostpreußischen Seenplatte, wo danii die eigenttiche Exkursion beginnt. Dienstjubil äum. Der Großh. Steuerkommissa- riatsgehche Hermann Höpfner feiert am 1. Sept, sein 30jahriges Dienstjubiläum. Höpfner hat vom 1. Sevt. 1873 brs Erwe August 1901, also volle 28 Jahre, am Großh Steuerkommissariat Gießen gewirkt und ist seit dieser Zeit bei der gleichen Behörde zu Alsfeld tätig. i. Der Vortrag über 30jährige Erfahrungen in Hospitälern, den Schwester Friederike aus Frankfurt am Donnerstag abenb im Cafe Leib hielt, bot man uns berichtet, eine Fülle einfacher und wirkungsvoller Ratschläge. In eindringlicher Weise befürwortete die der Schule und Leben gestählte Schwester Friederike Nächstenliebe. ** Herbstpserdema rkt zu Gießen. Am 14. Sep- 5^L190n3r lchdot zu Gießen im Anschluß an die landwirt- jchaftliche Ausstellung Pferdemarkt mit Prämiierung statt. Der Fruhiahrsmarkt war mit etwa 350 Pferden befahren und von Händlern und Landwirten sehr gut besucht Es ?U^V^ faebeutetl£e Klluse abgeschlossen. Auch in diesem Herbst steht ein guter Markt zu erwarten. Die Prämiierungs- tpmmriiion besteht aus den Herren Oekonomierat Schlente- Hardtoof bei Gießen (Vorsitzender), Gutspächter Bene-Ober- weimar, Ocronomierat Hofsrnann-Hofgüll, Schlachthosdirek- tor ^r. Liebe-Gießen unb Gutsbesitzer Müller-Neuiwr. Bei der landwirtschaftlichen Ausstellung sind an Prämien für pferbe aus der Provinz Oberhessen 2730 Mark vorgesehen. 1. Abteilung: Reitpferde 1. Preis 30 Mk., 2. Preis 20 Mk. £ ^Aung: Wagenschläge (paarweise zu prämiieren): 1. I^^- Mk., 2 Preis CO Mk., 3. Preis 40 Mk. 3. Abteilung: Arbeitssthlage (paarweise zu prämiieren): a) schwere- 1 Preis 80 ML, 2. Preis 60 ML, 3. Preis 40 ML; b) leichte- Gießen zu beziehen. Butzbach, 27. Aug. Gestern fanden Sitzungen des hiesigen Kirchenvorstanbes und der Kirchengemeindeverttetung tatt, denen als Gäste Professor Meiioelssohu-Darmstadt als Musiksachverständiger und Professor Walbe-Tanmstadt als Denkmalspfleger, sowie Architekt Hofmann und Bau- ührer Schatte beiwohnten. Es wurde auf Befürworten der zugezogenen Sachverständigen von beiden Korporationen beschlossen, die Orgel in der Stadtkirche von ihrem jetzigen Standpunkte, der einen der schönsten Teile der Kirche bilde, zu dessen Freilegung zu entfernen und eine zu beschaffende neue Orgel unter Benutzung des jetzigen wertvollen Orgelgehäuses auf der Westseite des Chores anzubringen. Tiefe Anlage soll einen Gesamtkostenaufwaiid von 6000 menes Hoch auf den Kaiser aus. Hieraus sprach Frhr. v. Her kling - München über die oerftorbenen Männer der katholischen Wissenschaft, beginnend vom Jahre 1863. Frhr. v. Hertting führte in seinem Vortrag aus, die apologetische Wissenschaft dürfe nicht stumm bleiben, aber sie dürfe auch, nicht die reine Wissenschaft verdrängen; es gebe Berührungspunkte der Wissenschaft mit der Religion; aber es seien auch Disziplinen vorhanden, die nichts mit ihr zu tun hätten. Redner bemerkt, die Inferiorität der katholischen Wissenschaft beruhe zunächst auf der Vereinzelung der katholischen Gelehrten. Diese seien zu kleingläubig. Einen Gegensatz zwischen Glauben und wirklichem Wissen gebe es nicht. Hieraus ergriff Oberlehrer Kummer- Gelsenkirchen das Wort zu einem Vortrag über Volksbildung. Der Vor- trag war von Anfang an sehr breit angelegt. Als daher der Redner nach einstündiger Dauer des Vorttages und nach mehrmaliger 91dahnung des Präsidenten, seine Rede zu beendigen, noch immer kein Ende fand, klatschte die Versammlung an einer Stelle, die den Abschluß zu bilden schien, so lange und rief: „Schluß!" bis der Redner die Tribüne verließ. Dabei war die Versanunlung mit dem Inhalt des Vortrages durchaus einverstanden. Es war lediglich die Länge, welche ihr zu mißfallen schien. Die Tendenz des Vortrages gipfelte im wesentlichen in dem Satz: „Wir Katholikeri sind keine Bildungsfeinde, keine Rückwärtsler, wir sind moderne Menschen, wir können und wollen das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. In seiner Einleitung bezeichnete er indes charakteristischerweise Nietzsches Gedanken als den größten Schandfleck des 19. Jahrhunderts. Alsdann sprach der Präsident Dr. v. Ort er er das Abschiedswort zu der „herrlichen goldenen Versammlung", wie er sie nannte. Er zog das Resumo, indem er feststellte, daß die Versammlung alle Wege der Katholikenversammlungen seit 55 Jahren wieder durchschritten habe. Als bei Erwähnung des Wortes „Jesuit" ein Sturm des Beifalls losbrach, sagte er: Wir sind alle Jesuiten und ich bin ein Erzjesuit (Große Heiterkeit.) Er dankte bann besonders den Kardinalen Fischer und Ferrari, welch, letzteren er in lateinischer Sprache anredete. Der Präsidenft bat schließlich ben Kardinal Fischer um den Segen. Kardinal Dr. Fischer drückt hierauf in längerer Ansprache seine Freude über den schönen Verlauf der Tagung aus, besonders freute ihn die Kundgebung der A r b e i t e r, die nie der Part ei des Umsturzes verfallen würden; er b e klag e die Glaubens spaltung in Deutschland, die man als großes Unglück tragen müsse, aber wehe b em, b e r die Kluft erweitern möchte. In ber Schlußrede des Mailänder Kardinal-Erzbifchpfs Ferrari, welche die „Köln. Volksztg." in deutscher Sprache veröffentlicht, finden sich folgende Sätze: „Ich habe den ttesflichen Geist bewundert, der Sie alle erfüllt, wie Sie eintraten für das Recht der Kirche und für die Freiheit ber Jesuiten. Sie sind die Ulttamontanen, die bereit sind, unter den Fittichen bes kaiserlichen Adlers für die Re chte »i nb Freiheiten der Schlüssel Petri einzutreten. Muster unb Beispiele sind ihnen dabei die thebanischen Märtyrer. Sie haben treue Gefolgschaft ihrem Kaiser geleistet. Wenn auch nicht desselben Glaubens wie er, haben sie, auch, als sie wegen ihres Gewissens verfolgt wurden, nicht sich gegen den von Gott eingesetzten Herrn empört» Sie waren die tapfersten und die besten Soldaten, denn sie waren Christen, sie waren Ultta- montane. Mit Umarmungen unb Küssen ber beiden Kirchenfürsten schloß diese Endszene, an der die Versammlung durch stürmische • Gothaer Geldlotterie schon am 17 500 o»5e C siowahrs bie von eventuell 125 000 ober von 60 600 10 000 Mk. u. s. w. Wer lieh noch Xm ' ü . 25 000, beeilen, da bie Ziehung bestimmt am 2 mncl)te >icl> schon für 3 Mc. bei allen LofeveFans'sWn. '‘““^448 Rheinisches Technikum Lingen iür Maschinenbau unä Elektrotechnik. öLti beit allerhöchst ihren wärmsten Dank auszusprechen. Auf 1. Preis 60 ML, 2. Preis 40 ML, 3. Preis 20 ML 4 Ab- Allerhöchsten Befehl: Geh. Kabinettsrat v. Lncanus. teitung: Arbeitsschläge (einzeln zu pramueren : a) schwere: Nach der Vei'lesung erscholl stürmischer Beifall. Der 1. Preis 30 ML, 2. Preis 20 ML, 3. Preis la ^Rk.; b) leichte. Präsident bemerkte: Unsere Huldigung fand ein fteunbliches 1. Preis 30 ML, 2. Preis 20 ML, 3. Preis la E. 5 Üb- Echo. Mögen wir darin eine gute Vorbedeutung für die teilung: Arbeitsschläge: Diese Pferde muslen nachwewbar