Nr. 174 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Umverß-Buch- «.Stern- druckerei (Pietsch Erden) Redaktion. Expedition und Druckerei: Schnlstraße 7. Adresse für Depeschen: «u-eiger Gießen. Fernsprechanschluß 9tr. 51. Zweites Blatt. 153. Jahrgang Dienstag 28. Juli 1903 Gietzener Anzeiger ** General-Anzeiger "8> Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen BeHngSpret-, monatlich 76 Pf., viertel- jährlich Mt. 2L0 ; durch Aohole- tu Zweigstelle, monatlich 6o Pf.; durch die Post Mt. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen ür die TageLnummer bist vormittags 10 Uhr. ZeiienpreiS: total 12 Ps^ auswärts 20 Pfg. Äerantworrtich für den poltt und allgem. Zeil: P. Wittko: für , Stadt und Land^ und , Gerichtsj aal*: A « g u st GStz; für den Anzeigenteil: Hans Beck. E3 5>ie Heutige Kummer umfaßt 8 Kette». Wach dem Tode des Wapstes. Rrpm, 27. Füll Sa der Basilika „San Giovarnri- in Saterareo" ist heute ein feierlicher Dr anergottesdi e n st für Papst Lev Xm. abgehalten worden, an dem das diplomatische Korps, die klerikale Aristokratie, die Ritter des Malthesevordens, die Fmrrilie Pecoi nnd viele andere Personen teilnahmen. — Die Kardinalskongregation nahm heute die Aus- lösnng der Gemächer vor, welche die Kardinale während des Konklaves bewohnen werden. Die Räumlichkeiten in der gleichen Höhe mit der Sixtinischen Kapelle bleiben den kränklichen Kardinalen Vorbehalten. Das Kardinalkollegium hat sicherem Vernehmen nach einstimmig den Protest Pins IX. und Leos XIII. gegen die Usurpation des Kirchenstaates rmd die von der Regierung erlassenen kirchenfeindlichen Gesetze erneuert. Der Protest wurde gestern den Mächten mitgeteilt. Es heißt ferner, daß die Kardinale, die bei ihrer Ernennung den Eid geleistet haben, um die Rechte des heiligen Stuhls zu wahren, sich verpflichtet fühlten, während der Sedisvakanz diesen Akt, der übrigens reine Formsache sei, zu vollziehen. Paris, 27. Juli. Frau L o u b e t, welche kurz vor dem Tode des Papstes dessen Segen erhielt, hat als Dank dafür 15 000 Franks zum Peterspsennig gegeben. Die oppo- sittonelle Presse gibt ihre Unzufriedenheit über den Beschluß Telcasfes kuno, der morgigen Trauerseier für den Papst in der Nottedame-Kirche nicht beizuwohnen. Es soll dieser- halb eine Protestkundgebung gegen den Minister geplant sein. Volltische Tagesschau. Deutschland und Venezuela. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Nach Artikel 3 des am 7. Mai 1903 abgeschlossenen AK kommens zwischen Deutschland und Venezuela über die zur Feststellung der deutschen Reklamationen berufene Kormnission sind Reklamationen bei der Kommission vom deutschen Gesandten in Caracas bis zum 1. Julr 1903 anzumelden. Die Frist wurde bis zum ü. August 1903 einschließlich verlängert. Das läßt auf eine Beserung der Beziehungen mit Venezuela schließen. Die Aenderung des Abkommens mußte natürlich mit Genehmigung Venezuelas erfolgen. Das Manoveruuglück bei Bilek in ber Herze g o Win a, bei dem nach unseren Berichten 15 Mann des Infanterie-Regiments Schmidt Nr. 12 infolge Hitzschlags das Leben ließen, hat begreiflicherweise in der ganzen Habsburgischen Monarchie eine starke Aufregung erzeugt. Das Krregsministerium versichert, daß alle Marsch erleichterungen angeordnet, Vorsorge für Wasserbeschasf- ung gettofsen und wiederholte Marschpausen eingeschaltet worden waren, und dcke Ursache des Unglücks deshalb lediglich in der selbst für die dortige Gegend außergewöhnlich hohen Temperatur zu suchen sei, die während des letzten Teiles des Marsches von 22 Gr. bis 40 Gr. R. empjvr- schnellte. Wir verstehen es, wenn sich die öffentliche Meinung in Oesterreich-Ungarn mit dieser amtlichen Erklärung nicht begnügen wrll und weitere Untersuchungen fordert, die klarstellen sollen, wer für das erschütternde Unglück in dem öden, schattenlosen Karstgebiet verantwortlich zu machen ist. So hohe Temperaturen sind dort nichts Seb- tenes, und die Offiziere, welche die Marschübung von Dre- binje nach Bilek leiteten, mußten, wenn diese in der heißen Jahreszeit durchaus ausgeführt werden sollte, wenigstens dafür Sorge trägen, daß das Marschziel vor dem Eintreten der großen Hitze erreicht wurde. D^ konnte erreicht werden, wenn her Abmarsch anstatt um 6 Uhr bereits um 4 Uhr erfolgte und unterwegs keine Gefechtsübungen veranstaltet wurden. Denn für den 27 Km langen Wieg von Tre- binje nach Bilek waren sechs bis sieben Stunden veranschlagt worden. Den für das Unglück verantwortlichen Offizieren können umsoweniger mildernde Umstände zugebillegt werden, als sie mit den klimatischen Verhältnissen der Herzegowina durch längeren Anfencholl im Lande vertraut sein mußten, und Iber Weg von Trebinje nach Bilek, wie die „Seit" hervorhebt, schon wiederholt zu einem Passionsweg marschierender Abteilungen geworden ist. Schon beim Aufbruch der Truppe sandte die Sonne ihre glühenden Strahlen herab, und ein Arzt soll den Oberst auf die drohende Gefahr von Hitzschlägen aufmerksam gemacht haben. Als 450 Mann zusammenbrachen und auf der schattenlosen Straße unter den Gluten der Julisonne liegen blieben, dürfte der Oberst bedauert haben, der Mahnung'des Arztes kein Gehör geschenkt zu haben. Als Trebinje am 8. September 1878 eingenommen wurde, hat die österreich-ungarische Armee diesen Erfolg mit 9 Toten und 12 Verwundeten zu bezahlen gehabt; eine einfache Marschübung, an der drei Bataillone beteiligt waren, forderte 15 Tote und 450 Kranke. Wir verstehen es, wenn die „Neue Fr. Pr." angesichts dieses Vorfalls schreibt: „Es scheint, daß es an manchen Stellen der Armee an der richtigen Schätzung des Wertes eines Menschenlebens sehr bedenklich fehlt. Es scheint, daß es militärische Befehlshaber giebt, denen das Augenmaß für die richtige Abschätzung der Distanz zwischen Zweck und Mittel abgeht, die sich nicht gegenwärtig halten, daß das Leben des Soldaten der Verteidigung des Vaterlandes gehört, und daß es aus Kosten dieses großen und einzigen Zweckes der Armee geschieht, wenn das Leben des Soldaten schon der Vorbereitung zu seinem hohen Berufe geopfert wird. Daß der militärische Dienst rauy und streng sein muß, daß die Gewöhnung an das Ertragen von Anstrengungen und Strapazen mit zur militärischen Ausbildung gehört, versteht sich von selbst. Aber wer den Befehl führt, von oem muß gefordert werden, daß er den obersten Zweck nicht aus den Augen verliere und die Grenze ernzuhalten wisse zwischen militärischer Erziehung und mitwilliger Hinopferung des Soldaten. Wer das nicht versteht, oder hochmütig sich darüber hinwegjetzt, dec taugt nicht zum BefehlshÄer und muß unnachsichtlich entfernt werden. Ter unvergeßliche Kronprinz Rudolf war es, der die ebenso weise wie erhabene Lehre verkündete. Das kostbarste Kapital ist der Mensch Das gilt für keine Institution in so hohem Grade wie für die Armee und wird doch nirgends so oft vergessen wie in der Armee." Deutsches Keich. Berlin, 27. Juli. Ter Kaiser hat anläßlich der Aufnahme des Hafens von Dover in die Reihe der Anlaufhäfen der ttans ozeanischen deutschen Dampfer an den Generaldirektor Ballin der Hamburg-Amerika-Linie ein Telegramm gerichtet, in welchem er seiner Freude Ausdruck gibt über den mit dem Dampfer „Prinz Sigismund" glücklich vollzogenen ersten Versuch und weiter sagt: „Mit oer Aufnahme Dovers ist ein von englischer Seite an mich herangettetener Wunsch in Erfüllung gegangen, und es wird das sicherlich dazu beitragen, die so vielseitigen friedlichen Beziehungen der beiden Nationen noch weiter auszugestalten und enger zu knüpfen." — Wie oer „Post" berichtet wird, ist das Reiseprv- gramm des Kaisers bis zum Schluß der diesjährigen Kaisermanöver derart festgelegt, daß' die Ausführung des geplanten Ausfluges des Kaiserpaares in die Nordsee in diesem Jahre wohl ganz unterbleiben durfte. — Aus Kopenhagen wird telegraphiert: Das deutsche Kaiserpaar sandte zu dem Begräbnis der Lehns- gräfin Tanneskjold-Samsö prachtvolle Kranzspenden. — Nach einem Telegramm aus London hat der dorttge „Standard" erfahren, König Eduard werde im September von Marienbad nach Darmstadt kommen, den Zaren und die Zaritza zu begrüßen. Das deutsche Kaiserpaar werde dann auch von Wiesbaden aus am hessischen Hof eintrefsen, woraus der König in Wiesbaden einen Gegenbesuch mache. In Marienbad wird der König einen dreiwöchigen Kuraufenthalt nehmen. (Bgl. unseren heuttgen lokalen Teil.) — Vor uns liegt, so schreiben die „Alld. Bl.", die Visitenkarte unseres früheren Botschafters in Washington mit der alleinigen Aufschrift: Lebaron de Hol le den verwandt als Besuchskarre in den Bereinigten Staaten. Es ist wirklich reizend: Der frühere amtliche Vertteter des Deutschen Reiches führt sich französisch ein — empfahl sich ja wohl auch französisch? — Der jetzige, der Mann mit dem Diminutiv als Kosenamen, redet bei festlichen Anlässen, denen er amtlich beiwohnt, englisch und dabei werden unsere deutsch-amerikanischen Landsleute von hoher und höchster Stelle nachdrücklich aus den Wert ihrer deutschen Muttersprache hingewiesen und ermahnt, treu an ihr festzuHalten! — Sicherem Vernehmen nach soll im Laufe des nächsten Monats ein Vertretertag der Nation alsozialen einberufen werden, auf dem über die von Naumann angeregten Fragen ein endgültiger Beschluß gefaßt wird. — Wie aus Lübeck telegraphiert wird, hat der Senat ein Denkmals-Schutzgesetz nach dem Vor bilde Hessens aus gearbeitet. Gleiwitz, 27. Juli. Wegen des am 25. Juli bei der Stichwahl Zabrze im Anschluß an die Veröffentlichung von Wahlergebnissen vor dem Lokal des „Oberschles. Wanderers" entstandenen Krawalles wurde gegen 15 Arbeiter ans Zabrze Anllage wegen Landfriedensbruchs erhoben, von denen neun gestern verhaftet und gefesselt unter scharfer Bedeckung in das Gleiwitzer'Gefängnis eingeliefert wurden. Fünf weitere Verhaftungen stehen noch bevor. Bei der Abführung der meist verheirateten Arbeiter spielleu sich herzzerreißende Szenen ab. • * • Die Er gebnisse der Reich s tagswahleu. Mik farbigem Wghltableau. Preis 50 Pfg. Verlag von Herrn. Schoenfeld, Dresden. Diese Liste enthält die amtlichen Ziffern. Dem Büchlein dürste ein'großer Absatz sicher sein. Heer und Flotte. — Aus dem Militär wochen blatt, v. Heyden» reich, Oberlt. d. Res. des Großh. Heff. Train-Bataiüons Nr. 18 (Weimar), zum Rittmeister befördert; Henk, Oberlt. (I Darmstadt), Stifel, Lt. d. Landw. b. 3nf. 2. Aufgebots (Erbach) der Abschied bewilligt. ~ Ausland. Belfast, 27. Juli. König Eduard wohnte der Enthüllung des Denkmals der Königin Viktoria FeuiüetM. Zur Geschichte der Thronreden Kaiser Wilhelms I. In den „Erinnerungen an Graf Bismarck und sein Parlament 1867", die Wilhelm Oncken in ,,Belhagen und Klasings Mvnatshefterl" veröffentlicht, fiubet sich anläßlich der Geschichte der Thronrede, mit der der erste Reichstag des Norddeutschen Bundes eröffnet wurde, eine allgemein interessante Auseinandersetzung über die Art, wie Kaiser Wilhelm und Bismarck bei der Ausarbeitung der Thronreden zusammenwirkten. „Da ich selber", schreibt der Verfasser, „mit sehr vielen Menschen jahrelang hierüber im Irrtum war, da ich erst im Jcchre 1891 durch Fürst Bismarck selbst über die Entstehung der Thronreden seinerzeit die erste Aufklärung empfangen habe, die durch die „Gedanken und Erinnerungen" zum Abschluß gekommen ist, so muß auch an dieser Stelle einiges darüber gesagt werden. Aus Msmarcks münd'- lichen und schriftlichen Aeußerungen ergiebt sich für mich, daß die Thronreden seiner Amtszeit teils von ihm allein, teils von Wilhelm I. und ihm gemeinsam abgefafjt worden sind, und daß in dem Arrtell, den der letztere persönlich dazu beigesteuert hat, ein gutes Stück dessen lag, was ihren Erfolg ausmachte, weil er eben unmittelbar aus dem Herzen kam. „Seinem redlichen Sinne", sagt Fürst BiH- marck \in seinen „Gedanken und Erinnerungen", „und der Aufrichtigkeit seines Wohlwollens für andere, seiner aus denl .Herzen kommenden und von hohem Sinne getragenen Liebenswürdigkeit verdankte er es, daß ihm eine gewisse Leistung leicht wurde und gut gelang, oie der Verstandes- '.ätrgkeit konstitutioneller Regenten und Minister von Zeit zu Zeit viel Mühe macht. Mir selbst ist keine Arbeit unbehaglicher und schwieriger geweseii als bie Herstellung .;es nötigen Phrasenbedarss für Thronreden und ähnliche ileußernngen. Wenn Kaiser Wilhelnl selbst Prollamattonen redigierte oder wenn er eigenhändig Briefe schrieb, so yattein biejelben, auch wenn sie sprachlich inkorrekt waren, doch 1Tnmer etwas Gewinnendes, oft Begeisterndes. Sie berührten angenehm durch die Wärme seines Gefühls und die Sicherheit, die ans ihnen sprach, daß er Treue nicht nur verlangte, sondern auch gewährte. Jl statt de relatton füre; eine von den fürstlichen Gestatten, in Seele und Körper, deren Eigenschaften mehr des Herzens als des Verstandes die im germanischen Charatter hin und wieder vorckommende Hingebung ihrer Diener und Anhänger auf Msd und Leben erllären." Ein Beispiel veranschaulicht besser als die längste Auseinandersetzung, was hier gemeint ist. Weltgeschichttich ist die Thronrede vom 5. August 1866; herzergreifend ist darin der Rückblick auf den siegreich beendeten Krieg Ünd meisterhaft der Uebeftgang zur Bitte um Indemnität und zum neuen Norddeutschen Bunde. Der Text Bismarcks schließt mit den Worten: „Die Vorlagen, welche in dieser Beziehung behufs Einberufung einer Volksvertretung der Bundesstaaten erforderlich sind, werden dem Landtage unverzüglich zugehen." Jedermann sieht, daß damtt dre Thronrede nicht schließen konnte und daß ihr der würdigste Schluß gegeben ward, als der König, wie Sybel in der Urschrift entdeckte, eigenhändig hinzusetzte: „Meine Herren! Mit mir fühlen Sie, fühlt das ganze Vaterland die große Mchttgkeit des Augenblicks, der mich in die Heimat zurücksührt. Möge die Vorsehung ebenso gnadenreich/Preußens Zukimft segnen, wie sie sichtlich die jüngste Vergangenhett segnete. Das walle Gott!" Eine ganz ähu- llche Entstehung vermute ich bei der Thronrede, mit welcher König Wichelm am 24. Februar 1867 den ersten Reichstag des Norddeutschen Bundes eröffnet hat. Die Schlußsätze lauten: „Meine 5-erren! Ganz Deutschland, auch über die Grenzen unseres Bundes hinaus, harrt der Entscheidung, die hier getroffen werden soll. Möge durch unser gemeinsames Werk der Traum von Jahrhunderten, das Sehnen und Ringen der jüngsten Geschlechter der Erfüllung entgegengeführt werden. Im Namen verbündeten Regierungen, im Namen Deutschlands fordere ich Sie vertrauensvoll auf: helfeir Sie die groge nationale Arbeit rasch und sicher durchführen. Der Segeil Gottes aber, an welchem alles gelegen ist, begleite und fördere das vaterländische Werk!" Diese Worte gemahnen uns ganz und gar, wie der persönliche Herzenserguß, mit dem der König selber das politische Werk seines Ministers ausklingen lassen wollte/' Zrrm Heidelberger UniverfitätS-Jubiläum sandte aus Amerika ein „alter Herr" und treuer Freund der „Jugend" die nachsolgenden Verse: Heidelberg! Studenten-Vestel Stadt der Burschenherrlichkeit l Ach, in deinem trauten Neste Blut der Jugend Rosenzeit; Junger Mut und junge Liebe, Frisches Wagen, Sturm und Drang, Lose Streiche, flotte Hiebe, Liederhall und Becherklang! Zwar die gold'nen Stunden rinnen Und im Winde weht das Glück — Was dich liebte, muß von hinnen Und faum Einer kehrt zurück. Doch wie deines Schlosses Trümmer Heber dir bei Tag und Nacht Weben ihren Zauberschimmer Einer längst entschwund'nen Pracht — So umwebt in Freud' und Leiden Deine Söhne ewig jung, Der elltschwund'nen Burschenzeiten Leuchtende Erinnerung! („Münchener Jugend*.) "ofberichte der „Jugend". Seine Durchlaucht Fürs! Pipin, unser allergnädigster Herr, geruhten gestern vor dem Diner ein Bad zu nehmen, welches Höchstdemselben köstlich murrdete. Bei dem Diner saß Se. Durchlaucht zwischen Königin Isabella von Ari'agonien. — Der amerikanische Milliardär Vandergold trafen dieser Tage aus der Pacht „Corned beef;‘ im fürstlich Michel- burgischen Kriegshaven Dingsda ein, genchten den daselbstigen Landesherrn auf die Pacht ztl entbieten und unterhielten sich längere Zeit ebenso htlldvoll, als cordial nut Höchstdemselben. Mr. Vandergold jpracheir sich äußerst ivohllvollend über das Fürstentum Michelburg nnb seine vorzüglichen demolratisehen Einrichtungen aus. tmb später der Eröffnung des neuen Viktorüahospitals bei < iml> wurde überall begeistert von der Menge begrüßt. Auf dem v.utr 5wspital drängte sich eine arme Faxm durch . x>ie So'Urteil Ttno i mute vor beu königlichen )hktgcii. Sie ' wurde t>.. B. den ^erussen und kam unter die Rüder. Die , J-rau ty.rrte schwer verletzt nach dem Hospital gebracht. ■ Auf eine Adresse antwortete der ökünig: Mein höchster Ehrgeiz geht dahin, in die Fußtapfeüi meiner Mutter zu treten. Wie sie die Wohlfal)rt des Volkes, 1 das Gedeihen Irlands und bie Dlsrechterh-altnng des Fric- < derrs Liter den Rationen zu fördern, ist mein ständiges Ziel. ‘ Wien, 27. Juli. Wie die 2lbenbblätter melden, ist die i Ernennung des FreiHerrn v. Burian zum gemeinsamen t tzi-nav-minister erfolgt. „ : Betgrad, 27. Juli. Von einem Besuche des Ko- t nigs Peter am Grabe seines Großvaters in ( Topola wird telegraphiert: Rach Beendigung des Requiems ( empfing der König Gruppen und WOrdnungen aus der zu sauunengeslrömten Bevölkerung. Zu dem Frühstück waren < 100 Einladungen ergangen. Der König begab sich später in > das dortige Schulgebäude, von wo er dem im Freien ab- I gehaltenen Tanz des Volkes zusah und sich mit mehreren - Dorfbewohnern auf das leutseligste unterhielt. Um 5 Uhr > nachmittags wurde die Rückfahrt nach Belgrad angetreten. In Beantwortung einer Ansprache des Gemeindevorstehers gab Körrig Peter.btie Absicht kund, neben der jetzigen alten Kirche ein neues Gotteshaus zu erbauen. ^us Stadt uni) Land. • Gießen, 28. Juli 1903. ' - Hessisch-Thüringische St a at§ l otterie. In : der heutigen Ziehung der 4. Klasse fiel die Prämie von 50 000 Mk. auf die mit einem Gewinn von 1000 Mk. ge- . zogen« Nr. 55532 (nach Gonsenheim), ferner ein Gewinn von 40 000 Dck. auf Nr. 16638 (nach Offenbach), 20 000 Mk. auf Nr. 51 413 (nach Darmstadt), 10 000 Mk. auf Nr. 77435 (nach Offenbach), 5000 Mk. auf Nr. 10676 (nach Mainz), 3000 DU. auf Nr. 10966 (nach Alzey), 300 Mk. auf Nr. 94218 (nach Greiz), je 2000 Mk. auf Nr. 4491 (nach Mainz), 45055 (nach Darmstadt), 39853 (nach Mainz), je 1000 2Nk. auf Nr. 9726 14441 26658 33736 34068 (nach Helden berg en), 34960 41475 68379 84538. (Ohne Gewähr.) ** Eine MonarchenZusammenkunft in Darmstadt? Nach einer Meldung des „Berl. Tagebl." aus London wird die Zusammenkunft des Deutschen Kaiser- vaares mit König Eduard im September in Darmstadt erfolgen. Auch das russische Kaiserpaar wird um diese Zeit nach Darmstadt kommen. — Diese Nachricht wiederholt im wesentlichen nur, was wir schon vor Wochen mitteilen konnten, nämlich daß dre Hochzeit im prinzlich Batten- bergischen Hause mit besonderem Glanze gefeiert werden wird. ** Im Neuen Saalbau konzertierte gestern abend die Kapelle des 1. Hannoverschen Dragoner-Regiments. Der Besuch war verhältnismäßig gut. Das Konzert fand im Saale statt. ** Das Konzert unserer Militärkapelle zu Gunsten des „Jnvalidendank" findet heute abend im Saale bei Trescher und Schroedel statt. — Der Gesangverein Heiterkeit, welcher kürzlich am Gesang-Wettstreit m Bad Nauheim teilnahm und preisgekrönt zurückkehrte, feierte am Sonntag auf der „Schönen Aussicht" ein großes Sommerfest, welches Dank des günstigen Wetters sich eines guten Besuchs erfreute und bei Konzert und Kinderspielen recht schön verlies. Besonderen Beifall fanden die Gesangsvorträge, darunter auch das Preislied von Bad Nauheim. X. Rixfeld, 26. Juli. Vom besten Wetter begünstigt feierte der Hassiabezirk Lauterbach-Schlitz hier sein Jahresfest. Ein überladener Extrazug, von Schlitz ausgeheno, brachte die meisten Festteilnehmer hierher. Der Festzug nahm auf der Chaussee nach dem Bahnhof Aufstellung und bewegte sich durch die prächttg geschmückten Straßen des Torfes. Aus dem schön gelegenen Festplatz mtt dem Ausblick auf Wiesen, herrliche Wälder und den sanft ansteigenden Vogelsberg begrüßte der Be^irksvorsitzende Frieß von Lauterbach die Zeitgenossen und endete mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog. Die Festrede, welche den deutschen Gedanken von 1813 bis 1870 und das Ziel der Kriegervereine schilderte, hielt Pfarrer Kullmcmn von Altenschlirf. Hauptmann Waldecker überbrachte Öen, Gruß des Präsidiums der Hassia und pries in seiner Ansprache die deutsche Treue. Den Dank für das sestgebende Dorf brachte Kreisrat Tr. Wallau mit warmen Worten^zum Ausdruck. — Für die tanzlustige Jugend waren zwei Tanzböden gelegt, die auch tüchtig benutzt wurden. Die meisten Vereine fuhren in einem Extrazuge wieder zurück. () A u s d e m M o o s e r g r u n d, 27. Juli. Ter Bau einer Nebenbahn von Fulda aus wird gegenwärttg vielfach erörtert und bildete bereits das Thema von Versammlungen der Vertreter der in Betracht kommenden hessischen und preußischen Gemeinden in Freiensteinau. Nach dem angeregten Plane soll die neue Strecke von Fulda aus über den Südost-Abhang des Vogelsbergs führen und zwar nach Giesel, Jossa oder Hosenfeld in den Moosergrund, Ober- und Niedermoos, Freiensteinau, in das Tal der Salz, um bei Salmünster in bie_ Bahnstrecke Fulda-Frankfurt einzumünden. Ter neuen Strecke, die eine große Anzahl abgelegener hessischer und noch mehr preußischer Orte dem Verkehr anichließen würde, stehen allerdings nicht geringe Geländeschwierigkeiten entgegen. ][ Aus dem Kreise Lauterbach, 27. Juli. Die Behörden unseres Kreises sind seit Jahren bestrebt, für unsere Volksschulen neue Schulhäuser zu schaffen, die nach jeder Beziehung und besonders in hygienischer Hinsicht den Anforderungen unserer Zeit entsprechen. Auch in diesem Jahre wurden wieder eine Anzahl Neubauten bezw. Umbauten begonnen, während andere ihrer Vollendung entgegengehen. So erhalten z. B. Maar, Pfordt, Angersbach, A l t c n s ch l i r f, Freiensteinau neue, bezw. vergrößerte Schullokalitäten. Weitere Neubauten werden im nächsten Frühjahr in Angriff genommen. Durch fortgesetzte Errichtung neuer Schulstellen nimmt die Zahl der blassen stetig zu. Von Nachteil für das Schulwesen unseres Kreises ist leider der rasche Wechsel des Leyrerpersonals, besonders in den entlegeneren Orten. Es steht jedoch zu erwarten, daß durch das Gesetz betr. Vergütung für Lehrer an ent- leqencn Orten des Vogelsberges und Odenwaldes, welches die Annahme der Hammer gefunden hat, hierin eine Besserung erzielt wird. r. Mainz, 27. Juli. Während Städte von geringerer Ausdehnung und Einwohnerzahl wie Mainz schon ianae elektrische Straßenbahnen haben, sind die Bewohner von Mainz immer noch auf eine Pferdebahn angewiesen und zwar auf eine solche mit sehr mangelhaftem Betrieb. Der Grund dieser Rückständigkeit liegt in der langen Dauer der Konzession, welche die „Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft" in Darmstadt zum Betrieb der hiesigen Pferdebahn hat und in dem Umstande, daß genannte Bahngesellschaft bis jetzt nicht zu bewegen war, sich mit einem annehmbaren Preis zu einem Ankauf der Pferdebahn durch die Stadt zu begnügen. Das Angebot der Stadt und die Forderung der Eisenbahn- Gesellschaft gingen weit auseinander und zwar derart, daß man auf städtischer Seite schon glaubte, nur auf gerichtlichem Wege mit der Eisenbahngesellschaft auseinander kommen zu können. Die allerletzten Verhandlungen haben indessen doch ( eine Verständigung zwischen der Stadt und der Süddeutschen > Eifenbahngesellschaft über den Kaufpreis der Gesellschaft zur 1 Folge gehabt, sodaß vorbehaltlich der Zustimmung der Stadt- . Verordnetenversammlung der Anlage der elektrischen Straßen- 1 bahn hier keine Hindernis mehr im Wege steht und am 1. Januar 1904 die Pferdebahn der elektrischen Bahn wohl Platz machen wird. ! Mainz, 27. Juli. Von dem Unglücks fall bei , der Mainzer Regatta bringt das „Mainzer Tagebl." folgenden Bericht: Rach dem 13. Rennen trat ein jäher Witterungsumschlag ein, und ein heftiger Seitenwind, der durch Sprühregen noch unangenehmer wurde, warf die Wellen heftig aus. Trotzdem sammelten sich die Boote zum 14. Rennen am Start. Es sollten sich messen die „Jninor- Achter" der Mainzer Rudergesellschaft, der Mannheimer Rudergesellschast, des Heidelberger Ruderklubs, des Mannheimer Rudervereins „Amieitia" und des Mainzer Ruder- vereins. Ten Start bildeten Nachen, die jedesmal mit zwei Pionieren besetzt waren. Der Mainzer Ruderverein hatte bereits seinen Platz eingenommen und eben steuerte an ihm Otto Bügler das Boot der Mannheimer „Amieitia" mit den Herren Karl Hill, Emil Hötsch, R. Müller, B. Thurm, O. Geith, I. Schuck, Ernst Roblenz und Freyer vorbei, als ein heftiger Windstoß das leichte Rennboot seitwärts trieb. Es gehorchte weoer dem Steuer noch den Rudern, öndern fuhr rasch auf den Startnachen der Mainzer zu. Einer der Pioniere juchte es auszuyalten, während der andere Pionier das Mainzer Boot hielt, allein vergebens: die Mannheimer stießen jo heftig wider den Nachen der Pioniere, daß ihr Boot zerschellte und die Trümmer fort- geschwemmt wurden. Einen Teil davon fischte später der Polizeidampser aus. Tie Mannheimer klammerten sich nun an die eine Seite des Pioniernachens, der sich hierdurch enkte und Wasser sing. Inzwischen waren verschiedene Nachen und das Trainierboot „Greif" vom Frankfurter Ruderoerein zu Hülse geeilt uud konnten sieben von den Mannheimern retten. Ter achte, Namens Freyer, der erst kurz vor den Rennen für einen anderen eingesprungen war und, wie versichert wird, nicht schwimmen konnte, ließ das Pionierboot nicht los. Ter Nachen, der in kürzester Zeit immer mehr Wasser gefaßt hatte, schlug plötzlia) um und riß den jungen Mann mit in die Tiefe, aus der er nicht mehr auftauchte. Die beiden Pioniere Jüngst und Boos retteten sich mit knapper Not durch Schwimmen, was ihnen noch dadurch erschwert wurde, daß sich der ertrinkende Mannheimer an die Füße des einen angeklanunert hatte. Leider konnte der Pionier ihm nicht helfen, er mußte, selbst aus das äußerste erschöpsk, von seinem Kameraden Schröder, der in einem Nachen herbeigefahren war, aus dem Wasser gezogen werden. Eine Abteilung der Sanitätskolonne vom Mainzer Kriegerverein brachte dann die beiden Soldaten in das aus dem Regattaplatz errichtete Zelt und leistete ihnen dort die erste Hülse. Die Pioniere erholten sich indessen rasch wieder und kehrten in ihre Kaserne zurück, nachdem man ihnen von dort trockene Kleider gebracht hatte. Auch die gerettete Mannheimer Mannschaft kam ohne weiteren Schaden davon. Kurz vor dem Unglückssall hatte der Großherzog mit Gesolge das Fürstenzelt verlassen und die Rückreise nach Tarmstadt angetreten. Die Regatta wurde sosort abgebrochen und bie Schiedsrichterdampfer zogen ihre Flaggen ein. Auch die für heute angesetzte Vergnug- ungssahrt des Mainzer Rudervereins ist infolge des Un- glücksjalles abgesagt worden. Es standen gestern noch vier Rennen aus und zwar der „Junior-Achter", der „Zweier ohne Steuermann", der beschränkte „Gastvierer" und der „erste Achter", zu denen insgesamt 19 Boote gemeldet hatten. Eine Schuld an dem traurigen Unglücksfall trifft anscheinend niemanden, wenn es auch verwunderlich erscheinen muß, daß eine Rennmannschast jemanden unter sich aufnimmt, der nicht schwimmen kann. Die Mannheimer waren ganz verzweifelt und tief erschüttert über den jähen Tod ihres jungen o^undes, der der einzige Sohn eines Zollbeamten gewesen ist. Tie Leiche wurde noch nicht ge- ländet. Marburg, 27. Juli. Am Samstag abend wettete ein hiesiger Handwerker in einem Wirtschaftslokal um 60 Liter Bier, daß er acht Handkäse vertilgen würde. Beim vierten aber verließen ihn seine Kräfte und er mußte sein Unternehmen ausgeben. Die 60 Liter Bier werden von feinen Bekannten, mit denen er die Wette entging, wohl leichter vertilgt werden. (H. L. Ztg.) Kassel, 27.Juli. Ueber die Disziplinierung eines Postbeamten benchtet ein sozialdemokratisches Blatt: Der hiesige Oberpostdirektionssekretär Richard Wagner hat eine philosophische Schrift erscheinen lassen: „Aether und Wille oder Häckel und Schopenhauer", für die er von Häckel im November 1901 eine sehr anerkennende Zuschrift erhielt, an deren Schluß es heißt: „Ich hoffe, mich später einmal mündlich mit Ihnen darüber unterhalten zu können. Ich habe 6 Exemplare Ihres Buches an befreundete Denker, die sich für monistische Lösung der großen „Welträtsel" interessieren, geschickt. Mit besten Wünschen für guten Erfolg Ihrer Denkarbeit." Außerdem hat der junge Oberpostdirektionssekretär Spottverse über soziale Mißstände veröffentlicht. Diese gaben seinem Vorgesetzten, dem Geh. Oberpostrat Hoffmann, Veranlassung, ihm zu eröffnen, die gereimte Satire „Evangelium der Verachtung" sei so anstößigen und verwerflichen Inhaltes und widerspreche so sehr den Grundsätzen der Moral und Religion, daß es angebracht gewesen wäre, das Disziplinarverfahren auf Entlassung gegen den Beamten einzuleiten. Nur weil offenbare moralische Unreife vorliege, solle Abstand davon genommen werden. Er werde jedoch von jeder Beförderung ausgeschlossen, und bevor ihm wieder irgend eine , Gehaltserhöhung nach dem Dienstalter gewährt werde, sei eingehend an das Neichspostamt zu berichten. Der Dichter war damals nicht Sozialist. Er goß über das „Gleichheits- : Evangelium" dieselbe Lauge des Spottes wie über die sozial- > demokratische „Knüppel- und Hetzagltation" und den Zukunfts- taat mit vorhergehendem Kladderadatsch. Die Maßregelung des Beamten, der inzwischen von Kassel nach Hanau strafversetzt worden war, hatte nach der „Volksstimme" zur Folge, daß er sich jetzt seinen Vorgesetzten gegenüber zum Sozialismus bekannte. Er ist daraus vom Amt suspendiert worden und wird demnächjt ganz entlassen werden. Das Hochwasser der Oder und Weichsel. Infolge erneuten Steigens der Ober ift bie Straße zwischen Pirsch am und Neuhaus abermals überflutet. Um eine Verbindung herzustellen, haben bie Bewohner von neuern zu Kähnen ihre Zuflucht nehmen müssen. Die Hoffnung, baß das Hochwasser bald zurücktreten werbe, ist bei den beständig niedergehenoen Regengüssen sehr gering. Es wirb vielmehr nochmals Steigen des Wassers befürchtet. — Nach einer Meldung aus Thorn ist der Oberpräsident dort eiiigetroffen zu einer Informationsreise über bie in ben Weichselniederungen entstandenen Hochwasserschäden. Man schreibt uns aus Berlin, 27. Juli: Heber die staatliche Hilfeleistung für Schlesien erfahren wir noch das Folgende: Dem Grasen Bülow war durch Zeitungslektüre — der Kanzler liest die Presse nicht etwa in Ausschnitten, er verschmäht auch das Studium der radikalsten Blätter nicht — oer ungünstige Eindruck bekannt geworden über bie Gelassenheit der preußischen Regierung und das Anrufen der Privatwohltätigkeit. Graf JBütom ordnete sosort die Einberufung einer Sitzung des Staats- ministeriums an. Wir können seststellen, daß er nicht durch ein Telegramm von höherer Stelle zum Eingreifen veranlaßt worden ist; wohl aber bürste bie Annahme zutreffen, daß ein Tepeschenwechsel mit bem Kaiser über ben Betrag der Summe, die bem Ueberschwemmungsgehiet zuteil werden oll, stattgesunden hat." Der auf Geheiß des Ministerpräsidenten Grasen Bü» l o w zur Linderung der ersten Not sofort bereitgestellte Teilbetrag des 10 Millionenkredits beläuft sich auf 1600 000Mk. Ein neuer Artikel der amtlichen „Berl. Korr." betont, daß auf memge der Hochwasser hervorrufenden Faktoren das menschliche Können von Einfluß ist, und untersucht sodann die Frage, ob in diesem engen Rahmen bie Staatsverwaltung etwas zur Beseittguug unb Säuberung ber Hochwassergefahr Geeignetes versäumte. Die Darstellung hebt hervor, daß der eigens eingesetzte „Wasserausschuß" dahin urteilte, daß das jetzige preußische Fiußregnlier- ungssystem die Hochwassergefahren nicht nur nicht steigerte, sondern auch auf deren Verminderung hinwirkte, und erinnert an teils durchgeführte, teils vorbereitete umfangreiche Verbesserungen an der Oppa, Hotzenplvtz, Glatzer- neisse usw., an die Verwendung von ö Millionen zur Beseitigung Der durch das 1897 er Hochwasser herbeigesührten Schäden, sowie an das Gesetz betreffend die Regulierung der schlesischen Flüsse vom 3. Juli 1900, welches Staatsund Prolinzmittel bis zu 40 Millionen Mark zur Verfügung jicUtc. Seither, so fährt der Artikel fort, leistete die Provinzialierwaliung bereits ein erhebliches Stück Arbeit. Die Fertigstellung der Sperrmauer bei Mrarklissa ist Ende 1904 erwartbar. Die Projekte für die 50 Millionen Kubikmeter enthaltende Talsperre bei Mauer (Bör) und für viele andere Stauweiher, fmo teils fertig, teils in Arbeit. Das diesjährige Hochwasser beschädigte leider stark den kürzlich ferttggestellten Teil Der Regulierungs-arbetten an Der Freiü- walDauer Biele, der Landecker Biele unb ber Glatzer Neissa In ben Quellgebieten ber linksseitigen Oderflüfte wurde aus Grund des Gesetzes vom 16. September 1899 bie forst- miDrige Holznutzung unb die Neuanlage offener Gräben an den Gebirgshängen untersagt, und die Entwässerung von Moorflächen, Beackerung und Beweibung von Grundstücken und Die Beseitigung von Gräben verboten. Diese Maßnahmen, so schließt der Artikel, denen noch zahlreiche hinzugefügt werden könnten, zeigen wohl zur Genüge, wie sehr man allerseits bemüht gewesen ist, bie Hochwasser- schäben, soweit als überhaupt möglich, zu verhinbern. Der Kaiser sprach anläßlich der erstatteten Berichte über Die schweren Hochwasserschäden dem Regierungspräsi- Denteu von Oppeln, Holtz, das innigste Mitgefühl mit ben Geschädigten aus und wies auf die in Aussicht stehenden reichlichen Staaisbeihilfen in landesväterlicher Fürsorge hin Vermischtes. * Berlin, 27. Juli. Entgegen anderweitigen Meld» imgen hört das „Berl. Tgbl.", daß der Hauptangeklagte im Pommernbankprozeß, Schulz, Berlin nicht verlassen hat. Er weilt in Berlin und hat auch seinen Vetteidigern keinerlei Mitteilung über eine beabsichtigte Reise zukommen lassen. * Berlin, 27. Juli. Zu einem erbitterten Kampf zwischen einem Gerichtsvollzieher und Schutzleuten einerseits und L a u b e n 1 o l o n i st e n andererseits kam es auf einem Laubenterrain in der Landsberger Allee, welche sich „Kolonie vereinigter Bauern" nennt. Der Gerichtsvollzieher Larisch hatte im Auftrage eines Hauswirtes Die Laube eines auf dem erwähnten Terrain ansässigen Kolonisten gepfändet und dieselbe sollte nun gestern nachmittag um 4 Uhr meistbietend verkauft werden. Der Schuldner, welcher in der Laube ständig wohnt, hatte sie jedoch angeblich schon vor der Pfändung unter ber Hand verlauft unb Die „beiden" Besitzer der „Villa Sorgenlos", so nannte man das Bauwerk, hatten eine große Zahl von Freunben um sich versammelt, um die Versteigerung zu verhinbern. Als Der Gerichtsvollzieher erschien unb bie Leute auf ihren Rechtsirrtum aufmerksam machte, suchten biese einen Streit gewaltsam herbeizuführen. Plötzlich ertönte ber Rus: „Nun kann ber Tanz losgehen!" und im nächsten Moment schlug eine Rotte mit Fäusten und Knütteln auf ber Nichtsahnenden ein. An eine Verteidigung konnte Dieser nicht denken; er beschränkte sich vielmehr daraus, sein Gesicht mit den Armen zu schützen, erlitt aber dennoch ' blutende Verletzungen am Kopf. Aber auch bie erschienenen Bieter würben von ben Exzebenten bedroht unb räumten bah er in Begleitung des Gerichtsvollziehers schleunigst bas Feld. Ter Beamte requirierte von der Wache in ber Lanbsberger Allee polizeiliche Hilfe und kehrte mit drei Schutzleuten nach bem Versteigerungsort zurück. Zwischen chnen unb den Exzedenten, die ihrer Sistierung hes- tigsten Widerstand entgegensetzten, entspann sich nun ein neuer Kampf, der erst beendet wurde, als einer Der Schutzleute im Begriff war, von seiner Waffe Gebrauch zu machen. Jetzt erst.gelang es, die Hauptschuldigen zu sistieren, während verschiedene andere Teilnehmer an der „Jöaue'rn-* re Dotation" schon vorher die Flucht ergriffen hatten. Von ber Vornahme ber Versteigerung mußte Der Gerichtsvollzieher, ber ärztliche Hilfe in Anspruch nahm, vorläufig abftehen. • Langen dreer, 27. Juli. Ein schreckliches Unglück ereignete sich auf den hiesigen Drahtwerken. Das Ende eines glühenden DrahtwerkeS traf den Walzmeister Sanderbrink oberhalb der Brust und zerschnitt ihm die Schlagader, sodaß er in 5 Minuten verblutete. Der Verun- -glückte hinterläßt Frau und 5 Kinder. * München-Gladbach, 27. Juli. In der Kunst- tvollsabnk von Konrad Krcmenprot entstand infolge Selbstentzündung von Putzwolle ein Brand, der einen Schaden' von etwa 100 000 Mk. verursachte. • Kopenhagen, 27. Juli. Der Dampfer Vega, mit dem Nordenskjöld seine berühmte Forschungsreise unter* Dahm und der jetzt als Wallfischfahrer verwendet wurde, ist tm der Küste Grönlands durch Eismassen zerschmetter worden. Die aus 45 Mann bestehende Besatzung ist nad schrecklichen Leiden, nachdem sie 8 Tage lang in einem Bote umhergetrieben waren, bei der dänischen Kolonie Umanak gerettet worden. Glasgow, 27. Juli. Auf der Station Saint Enochs sand heute morgen ein Eisenbahnunglück statt, 13 Personen wurden getötet und 20 verletzt. Zwei Wagen wurden ineinander geschoben. Der Zug führte viele Ausflügler mit sich, die von der Insel Man zurückkehrten. * Paris, 27. Juli. Im Militärlager von Chalons hat sich gestern aus bisher unbekannten Gründen ein Hauptmann des 6. Kürrassierregts. ersch ossen. * Dieppe, 27. Juli. Während der vergangenen Nacht wurde eine hiesige Fischer-Schaluppe auf die Klippen von Pauly geworfen. Die 5 Insassen ertranken. * Mailand, 27. Juli. Die Baumwollspinnerei Poma in Biella ist total niedergebrannt. Der Schaden is bedeutend. 200 Familien sind brotlos. * Thalgau, 27. Juli. Während eines Gewitters schlug der Blitz in ein Bauerngut ein und zündete. Das Gw brannte vollständig nieder. Vier Kinder kamen in den Flammen um. * Budapest, 27. Juli. In der Gemeinde Zsebelz entstand bei der Lohnauszahlung zwischen rumänischen und, deutschen Feldarbettern eine Rauferei, bei der 3 deutsche Arbeiter getötet, 4 lebensgefährlich verletzt wurden. Tie Gendarmerie verhaftete die Rädelsführer. * Schisfsunter gang. Das norwegische Eisenschif „Theodora", von Rosario nach Hüll unterwegs, ging mit der ganzen Besatzung unter. * Kein Tag ohne Automobil Unfälle? Bei dem 100 Kilometer-Wettfahren von Automobilbooten in Paris geriet ein Boot in Brand. Die Insassen, Jngemeur Perignon und der Maschinist Große sprangen erschreckt ins Wasser. Große ertrank, wahrscheinlich in Folge eines Schlaganfalles. — In der Nähe von Rocroy stürzte ein Automobil, in dem sich Prinz Philipp Chimai befand, in einen Graben. Der Führer wurde getötet, der Prinz erlitt schwere Verletzungen an der Brust und wurde in ein benachbartes Landhaus gebracht, * Aus den Bergen. Beim Aufstteg auf die Rax- alpe stürzte ein junger Tourist namens Mahlmeier ab und wurde schwer verletzt und bewußtlos aufgefunden. — Im Fischleintal in den Sextner Dolomiten stürzte beim Edelweißsuchen em zwanzigjähriger Theologe namens Alfons Gottschlich aus Glatz in Schlesien ab. Er starb bald darauf. * Erdbeben in Italien. In Pontremoli wurde am 27. d. M. früh 3 Uhr ein Erdbeben wahrgenommen, welches sich gegen 5 Uhr mit größerer Heftigkeit wiederholte und einige Häuser der Umgebung beschädigte. Ein neues Erdbeben wurde um 11 Uhr verspürt. Zwei Personen wurden bei d^mselben^ leicht verletzt. Auch in Florenz, Pistoria, Lucca, Pisa, San Miniato, Pontedera, Empoli, Port-Maurizio, Cyivari, Modena, Piacenza, Padua, Patna und Turin wurde ein leichter Erstoß wahrgenommen. * Der Einsturz eines Theaters. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in der vorigen Woche in Arlon (Belgien). Während des Jahrmarktes gab das Theater Plays eine Vorstellung auf dem Marktplatz; alle Plätze waren besetzt und der Saal war so> voll, daß eine ganze Anzahl Zuschauer unter der Hitze litten. Plötzlich hörte man ein unheildrohendes Krachen, die Stufenbänke des Amphitheaters stürzten ein und zog-en die Zuschauer bei ihrem Zusammenbruch nach, sich. Eine unbeschreibliche Panik und eine allgemeine Flucht Hals über Kopf folgte. Ein Trupp Soldaten kam den Zuschauern zu Hilfe und suchte aus einem Durcheinander von Brettern und Materialien jeder Art eine Anzahl Verwundete heraus; einige davon sind sehr schwer verwundet. * Der Nachlaß der Königin Henriette von Belgien. Aus Brüssel wird gemeldet; Anwalt Charles Clerbaut hat, wie bereits gemeldet, eine Vorladung wegen gerichtlicher Erledigung des Nachlasses der Königin Henriette namens elf Pariser Geschäftssirmen, sämtlich Gläubiger der Prinzessin Louise von Koburg, zu Händen des Gerichtspräsidenten Dequesne, eingereicht. Außer dem König Leopold, der Prinzessin Klementine, dem Grafen und der Gräfin Lonyay ist auch Dr. Karl Ritter von Feistmantel, Präsident der Advokatenkammer von Niederösterreich als Kurator der Prinzessin Louise vorgeladen. Subsidiarisch wird nach eventueller Notwendigkeit auch die Vorladung der Prinzessin und des Prinzen Philipp von Koburg beantragt. Diese 11 Forderungen betragen 150 000 Fr. Vertreter der Gläubiger ist Paul Emil Janson. Ein identisches Vorladungsgesuch ist seitens der Wiener Firma Drecoll, ebenfalls Gläubigerin der Prinzessin Louise von Koburg, eingereicht worden. Diese For- eerung beträgt gleichfalls 150 000 Fr. Drecolls Rechtsvertreter ist der Anwalt Charles de Jungh. Falls Gerichtspräsident Dequesne diesen Gesuchen nicht Folge leistet, werden unverzüglich Schritte bei der Staatsanwaltschaft unternommen verden. * Die teuersten Zigarren der Welt sind, wie Newporter Blätter erzählen, 1500 Stück Havana-Zigarren, welche jüngst das Zollamt Newyorks passierten. Sie kosten 20 Mark pro Stück. Der für die kostbaren Glimmstengel verwendete Tabak ist im Vuelta Abajo-Distrikte in Central- ^"ba gewachsen und stammt von seit Jahren mit größter Sorgfalt gezogenen Pflanzen. Selbstverständlich werden für diese Zigarren nur vollständig fehlerfreie Blätter der besten Qualität verwendet, und die Zigarren werden von erfahrenen Arbeitern hergestellt, die nicht mehr als 8 Stück im Tag ertig stellen. Diese Zigarren sind 16 Zoll lang, und das lOOO wiegt ca. 30 Kilogramm. Jede Zigarre ist in japanisches Papier gehüllt und befindet sich in einem luftdichten Kästchen aus parfümiertem Holze. * Eine „Regenprobe" hat dieser Tage auf der Bühne des Breslauer Stadttheaters stattgefunden. Zum erstenmale ließ man dort den neuen Regenapparat spielen, der im Verein mit den an allen Ausgängen der Bühne befindlichen, durch einen Handgriff in Betrieb zu fetzenden Brausevorrichtungen jetzt die Gewähr dafür bietet, daß etwa auf der Bühne des Stadttheaters entstehende Brände rasch und sicher gelöscht werden können, und auch Personen mit brennenden Kleidern nicht mehr außerhalb der Bühne Rettung zu suchen brauchen. Der Regenapparat besteht aus einem an die städtische Wasserleitung angeschlossenen System von über dem Schnürboden parallel entlang gehenden, an der Untersette mit Löchern versehenen eisernen Wasserrohren, das von vier Stellen aus — und zwar jeder selbständig — in Tätigkeit gesetzt werden kann: von der Bühne, vom Schnürboden und von der Galerie aus durch einen elektrisch betriebenen Motor, der den sonstigen Wasserdruck von brei Atmosphären noch um fünf bis sechs Atmosphären verstärkt. Zu der Regenprobe hatten sich außer leitenden Vertretern der Baupolizei und der Feuerwehr zahlreiche Mitglieder des Magisttats und der Stadtverordnetenversammlung eingefunden. Da ein Guß aus dem Regenapparat alle Kulissen, Versatzstücke usw. einfach ruiniert, waren für die Regenprobe alle diese Dinge aus dem Wege geräumt, und sogar alles Tauwerk vom Schnürboden entfernt worden. Ter ganze, kolossale Bühnenraum lag frei da, nach dem Zuschauerrcrum hin durch den eisernen Vorhang abgeschlossen. Ter Fußboden war mit drei mächttgen, wasserdichten Planen vollständig bedeckt; nur an einer Stelle, in der Mttte des vorderen Bühnenrandes, hatte eine Plane eine runde Oesfnung, und unter dieser lag ein Abflußloch. Es herrschte ein reges Gewimmel von Feuerwehrmannschaften und Theaterarbeitern, bis alles so weit als möglich gegen unnützes Naßwerden gesichert war. Dann mußte sich alles von der Bühne zurückziehen, es erscholl das Kommando „Wasser marsch!" Es dauerte kaum 20 Sekunden — da kam ein richtiger Wolkenbruch. Es rauschte und klatschte aus den Boden hernieder, daß ganze Wolken von Wasser tröpsch en aufslogen, und bald war der Fußboden gehörig überschpiemmt. Nach dem Kommando „Wasser ljalt!" hörte der Wolkenbruch nicht so schnell auf, wie er gekommen war, sondern ging zunächst in einen etwas müderen Landregen über, während dessen die Feuerwehrleute schon mit den von der Sttaße her bekannten Gummisegern die aus den Plänen lagernden Gewässer dem Abflußloch zuschoben. Nachher wurde noch mit Hjlse des erwähnten Motors ein zwetter Regenguß auf die Bühne gesandt. Jedenfalls sah man bei dieser Probe, daß der Regenapparat auch den stärksten Bühnenbrand sicher sehr bald zu löschen vermag, und so bietet die neue Einrichtung dem theatervejucheriden Publikum eine wertvolle Bürgschaft für seine persönliche Sicherheit, ebenso wie auch den au: der Bühne und in den übrigen Theaterräumen beschäftigten Personen. Allerdings wird bei der kräftigen Wirkung des Apparates dann vieles, was das Feuer übrig läßt, durch Wasser vernichtet. Schon eine solche Regenprobe ist eine ziemlich kostspielige Sache. Mit dem Herausnehmen aller Züge (d. h. des Tauwerkes) aus dem Schnürboden waren viele Arbeiter sehr lange beschäftigt; jetzt ist das ganze Holzwerk des Schnürbodens vollständig naß, und wenn es erst leidlich wieder gettocknet sein wird, wird man es doch noch vollständig ein)elfen müssen, ehe man die Züge wieder anbringen kann. _________________________ UnwerjiMs-UachUchteu. Marburg, 27. Juli. Die Aula unserer Universität erhalt in nächster Zeit einen künstlerischen Schmuck. Während der Ferien werden nämlich in ihr Gemälde des Direktors der Düsseldorfer Kunstschule, Peter Jansen, die Szenen aus der hessischen Landesgeschichte darstellend, angebracht werden. Bonn a. Rh., 27. Juli. Oberpräsident Nasse ist aus Anlaß seines heutigen 50 jährigen Dienstjubiläus zum j u r i st i s ch e n Ehren-Doklor ernannt worden. Brüssel, 27. Juli. Eine junge Russin Namens Hosches- kova, hat mit großer Auszeichnung das Diplom als Doktor der sozialen Wissenschaft an der hiesigen Universität erworben. Ihre Disiertation behandelte „Die Frauenlöhne in Belgien". Bern, 27. Juli. Die gesamte Zuhörerzahl an der hiesigen Universität beträgt im laufenden Sommersemester 1407. Davon sind 443 weibliche Zuhörer. Ter Staatsangehörigkeit nach sind von den immatrikulierten Studierenden: 658 Schweizer, 328 Russen und 103 Reichsdeutsche. Der Heimat nach sind unter den immatrikulierten Studentinnen: 42 aus der Schweiz und 320 Russinnen. Davon sind 4 Juristinnen, 288 Medizinerinnen und 151 Ph ilophmnen. Von 288 Medizinerinnen sind 278 Russinnen. Von den 64 Auskultantinnen studieren 2 Medizin und 62 Philo- sophie. ______________ Landwirtschaft. Alsfeld, 27. Juli. Heber den Prämienmarkt schreibt die „Alsf. Oberh. Ztg.": Reges Treiben herrscht seit heute früh in unserer Stadt. Die Landwirtschaft hat das Wort. Und was sie uns sagen will, befriedigt in hohem Grade den Kenner wie den Laien, die an all den ausgestellten Pferden, dem Rindvieh, den Schweinen und Ziegen ihre Helle Freude haben. Jede dieser Gattungen wies Prachtexmplare auf, die das alte Züchter-Renomee unserer Landwirtschaft wieder einmal rechtfertigten. Der Auftrieb von Pferden war em beträchtlicher, ca. 300 Stück waren zur Stelle. Die Prämiierung des vorzüglichen Pferdematerials ging rasch von tatten und konnten eine größere Anzahl Preise zuerkannt werden. Rindvieh, Schweine und Ziegen waren zahlreich vertreten; auch diese Gattungen waren in Bezug auf Quantität und Qualität bestens beschickt. — Landwirtschaftliche Maschinen und Geräte hatten ausgestellt die Fttmen: Otto Emmel und Heinrich u. August Rößner; erstere Firma bringt u. a. praktische Erntestrike in öen Handel. Mit Erzeugnissen der .Ruferet warten die Herren Konrad Södler-Alsfeld und Fr. Köhler aus Zell auf. Herr Hein- Bornmann in Alsfeld zeigte einen elektrisch betriebenen „Älfa-Laval- Separator" zum Entrahmen der Milch, ferner Fahrräder- und Wasserspülungsklosets. Herr Karl Ramspeck (Inh.: Ad. Ramspeck) ist mit hauswirtschaftlichen Maschinen und Geräten vertreten. Herr L. Völzing aus Groß-Felda hat eine Ausstellung seiner berühmten Arbeits- und Luxusgeschirre veranstaltet. Die renommierten Patentkummete ohne Naht sind hier zu sehen. Herr Völzing fabriziert, wie man sieht, auch Ziegenbocks-Geschirre. Einen erfreulichen Beweis tüchtigen Strebens liefert Herr Wagnermeister Werner Geisel durch ein elegant gebautes sog. Break besserer Art. Das ent- prechende Geschirr dazu ist eine hübsche Arbeit des Herrn Sattlermeisters Bernhard Duchardt. — Das Wetter ist gut und der Wirt hat alle Hände voll zu tun, um die Hungrigen und Durstigen 511 befriedigen. Die Stadtkapelle W. Muller konzertiert, für allerhand onstige Unterhaltung ist Sorge getragen. Alles in Allem scheint auch der heurige Prämienmarkt den heften Verlauf zu nehmen. Nach einer soeben erschienenen Statistik über die sogenannte Schweinepest im Grobherzogtum Hessen sind im ganzen 53 Gemeinden mit 185 Gehöften verseucht. FauüUrn Nachrichten. Gestorben: Frau Rosine Meyer geb. Woog, Darmstadt. Frau Klara 9laljm geb. Cramer, Frankfurt a. 2JL Gerichtssaal. Wien, 27. Juli. Ter Bankdiener Franz KopetzHä, der seine Gattin mit einem Jagdgewehr erschoß, weil er sie aus der Untreue ertappte, wurde heute von: Schwurgericht frei- gesprochen. Die Geschworelten hatten die Mordfrage einstimmig und die To.tschlagsfrage mit elf Stimmen vernemt. Die Urteilsverkündigung wurde von dem Publikum, unter dem sich viele Frauen befanden, mit Beifall begrüßt. Arbeiterbewegung. Krimmitschau, 27. Juli. Die von der hiesigen e t i l - A r b e i t e r s ch a f t feit langem betriebene Forderung, lOstündtge Arbeitszeit in allen Betrieben, beschäftigte drei am Samstag abgehaltene Versammlungen, in welchen beschlossen wurde, den Gesaintvorstand des Textilarbeiter-Verbandes zu beauftragen, beim hiesigen Spinnerei- und Webereiverein dahin gehende Schritte zu unternehmen. Im Falle eines Streiks würden 76 060 Mk. Streikmittel nötia sein. Betroffen würden von dem Streik 73 Betrieb emtt3800A r b e it ern. Sport. 8. Gießen, 27. Juli. Bei dem Radrennen in Wißmar am Sonntag gtngen beim 15 Kilometer-Fahren P h. Bauer- Greß e n als Erster, L. Schmalz-Gießen als Zweiter, Wilh. Hamel-Greyen als Dritter über das Ziel. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 28. Juli. Ter Landwirtschaftsmirüster hat zur Hilfe bei den Arbeiten zur Wiederherstellung der zerstörten Wege und sonstigen Anlagen im U e v e r s ch. w e m m - ungsgebiet dem Oberpräsidium zwei Regiernrngsbvu- meisrer überwiesen. — Das Zentralkomitee des Vereins vom Roten Kreuz hat zur Beseitigung der Wohnungsnot im schlesischen Uederschwemmungsgebiet brei Töckerfche Baracken sowie einen entsprechenden Vorrat an Lagerungseinrichtungen nach Brockau bei Breslau gesandt. Hamburg , 28. Juli. Tie Leiche der Frau Schindler, der Gattin des durch Selbstmord geendeten Berliner Bankiers Schindler, ist in Grevenmühlen gefunden worden. Ein dortiger Bürger, oer Frau Schindler von einem früheren Aufenthalt in dem Kurort kannte, hat die Leiche rekognosziert. Breslau, 28. Juli. Der Kaiser spendete, wie die ,,Schles. Ztg." meldet, zu den Sammlungen für die von den Ueöerschw emmungen Betroffenen m Schlesien 10000 Mark. Breslau, 28. Juli. Zwischen Merzdorf und Ruhlauk wurde gestern abend, wie aus Landeshut gemeldet wird, ein über den Bahnübergang fahrender Wagen von der Maschine eines Zuges zertrümmert. 3 Personen sind tot, 2 schwer verletzt. London, 28. Juli. Wie „Morning Leader" aus gador (Marokko) berichtet, sind in der Provinz Sous am 17. ds. ernste Unruhen gegen die Juden aus- gebrochen. Mehrfach wurden die Judenviertel zerstört, viele Juden getötet und die Frauen entführt. Tie Lage in der ganzen Provinz sei sehr ernst. Rom, 28. Juli. Die vorbereitenden Ärbeiren der Kar- dinäle zum Konklave werden fortgesetzt. Den ganzen Tag über sieht man Equipagen mit Kardinälen durcy oie Straßen rollen umd bei den Gesandtschaften vorfahren. Wre verlautet, wird Gottt, obschon er der Kandidat Ram- pollas ist, von den Jesuiten bekämpft und zwar aus Ordens- Eifersucht, weil Gotti Karmelttaner ist. In einflußreichen Kreisen des heiligen Kollegiums trttt immer mehr der Wunsch nach einem Papst hervor, der mehr den religiösen als den politischen Charakter zur Geltung bringt. — Am Konklave werden, wie nunmehr feststeht, 62 Kardinäle teilnehmen und zwar 38 italienische und 24 ausländische Kardinäle. Celesta in Palermo entschuldigte sein Fernbleiben mit Altersschwäche und der australische Kardinal kann nicht mehr rechtzeitig ein treffen. Rom, 28. Juli. In Kardinalkreisen wttd auf das bestimmteste versichert, daß bereits im dritten Wahlgange und zwar Sonntag mittag die Entscheidung in der P a p st w a h l erfolgen wttd. Belgrad, 28.Juli. Die Schwestern der Königin Draga werden fick) im kommenden Semester an der Genfer Universität eins ch reib en lassen. Belgrad, 28. Juli. Es verlautet, der König habe vor der Abreise nach Topola anonyme Drohbriefe erhalten. Damit wiro auch das große Polizeiaufgebot bei der Abfahrt und Ankunft des Königs .ertlürt, was allgemein einen sehr schlechten Eindruck machte. Washington, 27. Juli. Man hat allen Grund zu der Annahme, daß der Vectra g, der die Handelsftellung Amerikas in der Ntandschurei endgiltig bestimmt, 00c dem 1. August zur Unterzeichnung fertig ist. Wie von zuständiger Seite erklärt wird, ist die Frage der Oeffnung neuerer mandschurischer Plätze für den Handel im Wesentlichen befriedigend mitChina geregelt. Es bleibt nichts mehr zu erledigen als der Zeitpunkt der Oeffnung. Pietermaritzburg, 27. Juli. Aus dem Zulu lande sind beunruhigende Nachrichten eingetroffen; Dmizulu soll sich unruhig verhalten. Familien sollen an die Küste gebracht worden sein. Teiephomsciher Kursbericht. Jb'rankturi u. .J., 28. Juli 37g% Reiöheanleihe . . 102.45 8% do. ... 91.00 8Ve% Konsole .... 102.05 3O/o do......91.05 372% Hessen .... 101.10 S 1/,% Oberhessen . . . —.— 4-6 Oesterr. Goldrente . . 102.90 41/6% Oesterr. bilberrente 100.80 4% Ungar. Goldrente . . 101.75 4°/j Italien. Rente . . . 103.30 4V8 % Portugiesen . . . 49.35 8% Portugiesen.....30.80 1% C. Türken .... 34 35 Türkenlose......131.60 4% Griech. Monopol.-Anl. 44.20 47, % äussere Argentiner 40.90 3u/o Mexikaner . . -U/gVo Chinesen . . Electric. ScLuckert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Ber.iner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden . . . Gottbardbahn . . . Laurabütte .... Bochum ..... Harpener .... Tendenz: fes iau3 . 26.90 . 92.20 . 90.50 . 98 00 . 208.30 187.25 . 135.95 . 147.10 . 154.20 . 143.20 . 17.60 191.30 . 220.00 . 180.50 . 181.60 als® Metall-Putzmittel Inhaber des (Safe Ebel. 5848 5834 Gießen, den 27. Juli 1903. Danksagung 5836 Dieburg, den 28. Juli 1903. 1 Iergeöung von AZauarbeilen. ITyh @ giO Die für den Neubau der Central-Waschanstalt bei ff” I II K II in neuen Kliniken erforderlichen Putzarbelten werden hier- <6» 3 ■ Rordanlage 38 leien g 5827 Nur der 0 Tüchtiger v - verschiedenes (Offene Stellen * Tüchtige zweite Arbeiterin» die auch zu garnieren versteht, ucht passende Stellung. Gefl. Off. unt. 5851 an die Exp. d. Bl. erb. 3451] 3-Zumnerwohnuug nn 4. Stock mit Abschluß und allem Zubehör per sofort zu vermieten. 9tordanlage 11. 51361 Eine 3-Zimmer- und eine 2-Zimmer-Wohnung mit ad- mv-1 geschlossenem Korridor und allem mit I Zubehör zu vermieten I Marburgerstraße 27. resleklantelt. 5705 Ernst Hachenberg, Nauuuternehmer, Ziemageu a.AY. 4934] Stube mit Kabinett zu vermieten. Neuenweg 82. Lager-Arbeiter zum sofortigen Eintritt gesucht. Gebr. Rosenbaum, Westanlage. Concessionäre der Aktiengesellschaft Metzelei* & Co. Gummiwarenfabrik und Asbestwerke, München. Niederlagen in Giessen: C. A. 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