^?r. 174 erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gleheuer Familien» blätter viermal in jß? Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh lachen Untvers.-Buch-u. Stein- druckerri (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlftratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Kernlprechanschluß Nr. 51. MWOFWFWih.WflMffl 153. Jahrgang Dienstag Ä8.JuN iS03 ML E Bezugspreis. V IW w monatliches Ps^ viertel- Siebener Anzeiger s w MW " * 3=:ji Amts- und AnzeigebIM für den Kreis Eichen MW in miwu.LHiii zeigenteil: yanS Beck. Uslüisthe Tagesschau. Ein parlamentarisches Streiflicht. Man schreibt uns aus Berlin, 27. JuLi: Die Fertigstellung des Reichshaushaltsetatsl soll, wie von gut unterrichteter Seite verlautet, in diesem Jahre so beschleunigt werden, daß der Reichstag bei seinem Zusammentritt den Et a t bereits vorfindet und die erste Lesung vor den Ferien veranstaltet werden kann, wie das früher üblich war. Wahrend der Zolltarif dem Etat voranging, wird danach der erste Handelsvertrag den Reichstag erst später, nach den Ferien, beschäftigen. Das Schwergewicht der parlamentarischen Verhandlungen dürfte also in die Zeit zlvischen Weihnachten und Ostern fallen, da hier die Spezialerörterung des Etats, die Handelsvertrags- debatten und die Beratung der Mi li t är v o r l a g e statt- ftnden werden. Das Programm ist reichhaltig und interessant; ob der Reichstag besser besetzt sein wird, muß nach den Erfahrungen der letzten Jahre gleichwohl bezweifelt werden. Andererseits wird die Beschlußfähigkeit mehr denn je erforderlich, da die Riederzwingung sozialdemokratischer Obstruktion bei den Handelsverträgen schwieriger sein dürfte, als beim Zolltarif. Eine Revision des Tarifs, wie die Sozialdemokraten sie fordern, ist ausgeschlossen. Aus Studt und KanL. Gießen, den 28. Juli 1903. Der Abdruck unserer Origiualmelduugen ist uur bei deutlicher Angabe der Quelle, „Metz. Anz.", gestattet. ** Au dienz. Se. Kgl. Hoheit der Groß Herzog empfingen am 27. Juli aus Jagdschloß Wolfsgarten den Reichskommissar für die Weltausstellung in St. Louis, Geh. Oberregierungsrat Lewald, in Audienz. ** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung Donnerstag, den 30. Juli 1903, nachmittags 4 Uhr. 1. Genehmigung von Rechnungen. 2. Daugesuch des L. Huhn für die Wetzsteingasse. 3. Desgl. des Peter Pfeiffer für die Neustadt 24. 4. Desgl. des H. Winn für die Liebigstraße; hier: Dispens. 5. Desgl. des Fr. Egly für den Brandplatz 10. 6. Desgl. von A. u. M. Körner für die Westanlage. 7. Desgl. des Ph. Reitzel für die Bahnhofstraße; hier: Dispens. 8. Desgl. des M. Abermann für die Plockstraße; hier: Dispens. 9. Desgl. des Ev. Arbeitervereins für den Wetzlarerweg; hier: Dispens. 10. Benennung der von der Marburgerstraße äbzweigenden Querstraße. 11. Beleuchtung des Platzes neben der Johanneskirche. 12. Den Straßen- kostenbeitrag des Kaufmännischen Vereins für den Platz neben seinem Vereinshaus. 13. Ausbau der Straße Mittelweg; hier: Straßenkostenbeitrag von I. L. Spieß. 14. Gesuch des Ziegenzuchtvereins dahier um Überlassung des städtischen Viehmarktplatzes zu einer am 8. August er. statt- sindenden Ziegenschau. 15. Genehmigung von Hand abgaben aus den städtischen Waldungen für 1902/03. 16. Das städt. Elektrizitätswerk; hier: Gesuch des A. Geisse um Zurückerstattung von Kosten der Zuleitung zu seinem Hause Seltersweg. 17. Gesuch der Friedr. Schäfer Ehefrau um Erlaubnis zum Schankwirtschastsbetrieb im Hause Neustadt 1. 18. Desgl. der Heinrich Bello ff III. Witwe inr Hause Weser- straße 8. 19. Desgl. des Louis Belloff zum Branntwein- verkauf über die Straße im Hause Neuenbäue 10. 20. Desgl. des H. Carle zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Neuenweg 28. 0 Bad-Salzhausen, 27. Juli. Das von hiesiger Kurverwaltung gestern, veranstaltete Konzert der Gießener Regimentskapelle erfreute sich eines zahlreichen Besuchs, auch von auswärts. Das reichhaltige Programm bot den Musikfreunden einen großen Genuß und sand allenthalben Beifall. ** „Ausgegebene Begräbnisstätte." Vom Vorstande der israelitischen Religionsgemeinde Gießen wird uns mitgeteilt, daß er in Gemeinschaft mit dem Landjudenschafts- vorsteher der Provinz Oberhessen seit Jahren wegen Wreder- inbesitznahme des Friedhofes zu Großen-Linden (vgl. unsere gestrige Nummer) Verhandlungen pflegt. Auch das Großh. Kreisamt Gießen, als vorgesetzte Behörde, hat sich mit der Angelegenheit befaßt und dieser Tage zur Sache geäußert. Die Bemühungen zum Wiedererwerb jener Begräbnisstätte dauern fort. *[ Jubiläums -Hauptversammlung der Pensio ns anstatt deutscher Journalisten und S ch r i j t st e l l e r. Sehr erfreulich ist die Anteilnahme der Städte an dem Jubiläum des zehnjährigen Bestehens der Pensionsanstalt. Außer München haben bis jetzt Ansbach, Augsburg, Freiburg i. Br., Fürth, Hannover und Würzburg Jubiläumsspenden gezeichnet. Von einer Reihe weiterer Städte sind Zuwendungen in Aussicht gestellt worden. Der Verband deutscher Journalisten- und Schriftsteller-Vereine hat auf Antrag des Vorortes Breslau der Pensionsanstalt 1000 Mk. überwiesen. Unter den weiteren Jnbiläumsspenden ist die S. K. H. des GroßHerzogs von Hessen hervorzuheben. Friedberg, 26. Juli. In der letzten Handels- kammersrtzung sprach man sich, nachdem die Regierung den Landständen eine Vorlage betr. Hagelversicherung hat zugehen lassen, die bezweckt, der Norddeutschen Hagelversicherungsgesellschaft cuif Gegenseitigkeit eine bevorzugte Stellung vor anderen Hagelversicherungsgesellschasten einzuräumen, im Jntereffe des freien Wettbewerbs dagegen aus. Ferner beschloß man, dem Ernst-Ludwig-Verein, dem Hessischen Zentralverein für Errichtung billiger Wohnungen beizutreten. Die Eisenbahnverwaltungen erheben z. Z. von den Empfängern von Wagenladungen Wagenstandgeld an Sonn- und Feiertagen und zwar auch in solchen Fällen, in denen dem Empfängern die Wagen an den den Sonn- oder Feiertagen oorausgehenden Tagen überliefert werden, daß eine Entladung nicht mehr möglich ist. Die Versammlung erklärt diese Uebung für unbillig und ungerecht und beschließt, bei der zuständigen Stelle vorstellig zu werden. Der Bund deutscher Nahrungsmittelfabrikanten und Händler hat an den Reichskanzler das Gesuch gerichtet, den im Zusammenhang mit § 10 des Nahrungsmittelgesetzes bestehenden sogenannten fliegenden Gerichtsstand zu beseitigen. Die Handelskammer ist in Uebereinstimmung mit dieser Eingabe ebenfalls der Ansicht, daß eine event. Bestrafung zunächst bei demjenigen Gericht erfolgen solle, in dessen Bezirk die strafbare Handlung ursprünglich vorgenommen wurde, nicht aber dort, wo sie gerade zur Kenntnis gelangt. Es wird beschlossen, die Eingabe zu urckerstützeu. Vom Bund der Industriellen ist zur Regelung der Flaschenftage dem Staatssekretär des Innern ein Flaschenschutz-Gesetzentwurf für das deutsche Reich unterbreitet worden. Die Kammer spricht sich ebenfalls für denselben aus. Die Handelskammer zu Koblenz hat bei dem preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten eine Eingabe eingereicht, die sich gegen die Einschränkung der Post- packetbesörderung mit den Schnellzügen richtet. Da auch in unserem Bezirk Klagen über Verzögerung von Packetbestellungen vorliegen und zahlreiche und wichtige In- tereffen auf dem Spiele stehen, beschließt die Kammer, die Eingabe energisch zu unterstützen. Die Kammer kann sich von Einführung einer Warenhaussteuer keinen Erfolg versprechen, da sie voraussichtllch auf Lieferanten und Konsumenten abgewälzt wird, jedenfalls aber nicht geeignet"ist, die Konkurrenz der Warenhäuser gegenüber den kleineren und mittleren Detailgeschäften zu beschränken. Auch würden durch die Steuer höchstens 3 Geschäfte in ganz Hessen getroffen werden, während die in dem benachbarten Frankfurt bestehenden großen Warenhäuser, deren Wettbewerb die hessischen Detaillisten am meisten schädigt, der hessischen Steuer nicht unterworfen werden könnten. Die Kammer fordert dagegen eine schleunige Reform unseres aus dem Jahre 1827 stammenden Gewerbesteuergesetzes. Dieses Gesetz trifft die kleineren Betriebe prozentual bis zum zehnfachen Satz der größeren Betriebe, und müßte die Reform des Gesetzes eine schärfere Progression nach oben bringen. Auf diesem Weg würden Filialgeschäfte, Konsumvereine, Warenhäuser, Hausierer und Versandgeschäfte entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit im Rahmen des Gewerbesteuergesetzes — ohne daß es einer Sonderbesteuerung bedarf — besteuert werden können. 0 Altenstadt, 27. Juli. Fünfzig Jahre sind es her, daß die Justizbehörde von Groß Larven nach Altenstadt verlegt ttfrtb das hiesige Haftlokal erbaut wurde. Darmstadt, 27. Juli. Die zweite diesjährige Schlußprüfung der Kandidaten der evangelischen Theologie hat heute vormittag in dem Amtsraume des Großh. Oberkonsistoriums ihren Anfang genommen. Es beteiligten sich daran sechs Examinanden, wovon zwei aus Starkenburg, drei aus Oberhessen und einer aus Rheinhessen sind. (D. Z.) Mainz, 25. Juli. Gegen die Animierkneipen wird die Bürgermeisterei als Lokalpolizeibehdrde dadurch Stellung nehmen, daß sie in allen Lokalen, die im Verdacht stehen, zu dieser Kategorie von Wirtschaften zu gehören, die Feierabendstunde wieder einführt, die für alle anderen Wirtschaften bekanntlich abgeschasft ist. — Zwei Knaben im Alter von sechs und sieben Jayren sind durch ein offen- stehendes Fenster in eine Schreibstube eingedrungen, wo sie aus einer Kaffe einen Geldbetrag stahlen. Nachdem sie dann in einer Wirtschaft einige Glas Bier getrunken und auch zu Nacht gespeist hatten, wurden sie errnittelt. Einen kleinen Teil des Geldes hatten sie bereits an „einen guten Freund" verschenkt. Ter Rest wurde bei ihnen noch gefunden. Bingen, 25. Juli. Seit gestern abend fehlt der Postunterbeamte Hecrer, der die in Bingerbrück für die andere Seite des Rheines eingelaufenen Postsachen auf dem Trajektdampfer nach Rüdesheim zu bringen hat. Der Beamte hat seinen Postjack usw. gestern abend noch ab- geliefert und ist auf das Schiss zurückgekehrt, doch war er in Bingerbrück nicht mehr auf dem Schiff. Man kann nur annehmen, daß der Mann unterwegs in den Rhein gestürzt und ertrunken ist. )( Marburg, 27. Juli. Die Genehmigung des Ministeriums zur Ausgabe von Marburger Stadtobligationen im Betrag von 5100 000 Mark zur Ablösung der alten Schulden und zur Bestreitung der Ausgaben für Erbauung von Schulen, Straßen und Ausführung sonstiger Projekte ist hier eingetroffen. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Feuilleton. Ei« Gang durch das Knnstgewerbe-Muserwr in Frankfurt a. M. (Original-Feuilleton des „Gieß. Anz.") In der jetzigen Hochflut der Reisezeit weWen sich die Besucher der Großstädte hauptsächlich den Gemäldegalerien, Archiven, Skulpturensammlungen usw. zu; einem Kunstgewerbemuseum schenken nur wenige der mit dem roten Reiseführer Ausgerüsteten Beachtung. Und doch ist es von großem Interesse, geschichtlich verfolgen zu können, wie die Kunst zu verschiedenen Zeiten bei verschiedenen Völkern in das tägliche Leben hineinzuspielen sucht, um es zu verschönern, behaglicher und gemütlicher zu gestalten. Ein flüchtiger Blick in das Museum des Frankfurter Kuust- gewerbevereins wird genügen, den Besucher zum Verweilen und genießendem Betrachten anzuregen. Gleich in dem Eingangsraurn wird das^ Interesse gefesselt durch die Vitrinen mit Medaillen und Plaquetten ranzösischer und deutscher Künstler. Unter den ftanzösi- schen Arbeiten mit dem vorwiegend zarten Linienschwung fällt der Charakterkops Emil Zolas auf; unter den deutschen Künstlern ist besonders A. Hildebrand mit drei ausdrucksvollen Medaillen.(Bismarck, Bode, Pettenkofer) vertreten. Der große Schauschrank in demselben Zimmer enthält Neuerwerbungen aus der Pariser Weltausstellun g. Eine Cntwickelungsgeschichte des Bucheinbandes stellt der zweite Raunr zur Schau. Die Wände zeigen die verwandte Kunst des Pressens, Prägens und Bemalens der Ledertapete. , Der anstoßende Saal ist die Nachbildung ernes^Re- naiNance-Zimmers aus dem Fürsteneck in der Fahr- asse nrit der gesamten echten Ausstattung und der in ^jps dem Origirrale nachgebildeten Decke. , Wü gelangen weiterschreitend in die Säle, welche den Kunstgewerbeschülern in scharfen Abgüssen ein reiches Bild der Geschichte der Bildhauerkunst bieten, von den Werlen eines Phidias urrd Praxiteles an bis zu den Meistern der italienffchen, deutschen und ftanzösi- scheu Renaissance. Saal 6, deffenMünde mib^7 Mattern des Monnmental- werkes „D i e R h e i n p r o v i n z" von dem bekannten poesievollen Maler der Rh ein land schäft Caspar Scheuren geziert sind, enchält eine Sonderausstellung der Br ü h l'schen Universitätsdruckerei .in Gießen. Der saubere, schärfe Truck mit den kräftigen, vornehm wirkenden modernen Schriften, der auch in den geschmackvollen Farbenzusammen- tellungen auf farbigen Papieren äußerst wirksam ist, ällt sofort angenehm auf bei all diesen Accidentien (llr- nnden Wer Ehrenwitgliedschaft, Tischkarten, Geschästs- empsehlungen, Kommersprogrammen, Mitglieder karten uff.) Ein Prachtstück dieser Ausstellung ist der Wandkalender für 1903, von Malter Georgi m München (aus der fugend" bekannt) entworfen. In seiner Entstehmrg durch Abdruck der einzelnen Farbenplatten (grau, gelb, blau, rot und schwarz) vorgeführt, ist er zugleich eine sinteressante Belehrung Wer die Technik des Buchdruckes. Wer Freude hat an gesckpuackvolleu, kräftigen und gediegenen Druckwerken, kommt hier auch auf seine Rechnung. — Wenden wir uns zurück, so finden wir neben dem Ein- gaugssaal die interessanten Leistiürgen der Jünger Vulkans, Schmiedearbeiten (Schlösser, Türklopser, Beschläge usw.) von der Gotik bis zur Neuzeit. In der Gewerbesammlung überrajchM die drei prWsivollen Gobelins neben einer Kollektion von koptischen Stoffresten aus ägyptischen Gräbern des 5—8. JahrhimdertS n. Chr., die der Freigiebigkeit des Herrn Leop. Sonnemann zu verdanken sind. Eine zlveite Sonderausstellung ist Arbeiten der Steglitzer Künstler-Genossenschaft gewidmet. Entwürfe für Plakate, Bucheinbände uslo. von Ehuickc, Exlibris, Mono gram ncc für Briefe und Uinschläge, Tischkarten und dgl. von Behre, sind besonders hervorzuheben. Ter große Saal 9 bietet in seinen vier Unterabteilungen, Gotik, italienffche uW deutsche Renaissance, 17. und 18. Jahrhundert, eine ermüdende Fülle von Möbeln, Truhen in reicher Schnitz- und Einlegearbeit, Gesäßen für soliden und poetischen Trunk (Steinzeug, Gläser) Majoliken u dgl. Auch das orientalische Kunstgewerbe hat einen besonderen Raum. Hier erfreuen türkische, persische und japanische Arbeiten in reicher Ornamentik und bunter Farbensülle das Auge. Kostbare Schätze birgt die Sammlung Linel, welche dieser kunstsinnige Herr gegen Gewährung einer Leibrente der Stadt Frankfurt geschenkt hat, sich^ Wer nur vier Wochen dieser Ehrengabe erfreuen konnte. Noch einen Augenblick schenken wir den Metallarbeiten, die unter anderem auch Nachbildungen der in Hildesheim und Bosco Reale ausgegpabenen Silberschätzc aufweisen, und scheiden dann mit dem Bewußtsein, viel des Schönen und Belehrenden genossen zu hWen, und mit dem Vorsatz, bald den Besuch zu wiederholen und die flüchtigen Eindrücke zu vertiefen. A. Sauer- Frankfurt „Herr Ober!" Ein Leser der „Frkj. Ztg." schrieb dieser Tage: „Vor einigen Tggen war es, daß ich in einem wohlbekannten Gasthof zu Eisenach saß. Mir gegenüber hatte ein junger Franzose Platz genommen, der mir von seiner Reise durchs thüringer Land erzählte. Wir waren noch nicht lange im Gespräch, als ein Herr in das Gastzimmer trat und mit dröhnender Stimme „Ober!" rief. Der Kellner befand sich just im anstoßenden Raum, und der ungeduldige Gast schrie noch einmal: „Ober!" Der Franzose sah mich verwundert an. „Verzeihen Sie, was ruft der Herr?" — „Der Herr", antwortete ich, „verlangt den Oberkellner, und weil er offenbar zu bequem ist, das Wort auszusprechen, gebraucht er die Abkürzung „Ober". Ter Franzose als ein Aiann von Lebensart erwiderte nichts darauf, sondenr lächelte nur - cm mokantes Lächeln, das ich durchaus berechtigt fand. „Tic Unsitte, die Kellner so zu titulieren", fuhr ich fort, „hat bei uns in Deutsch- Die Matrosen des hier ein: rückt sei! land derart um sich gegriffen, daß es endlich an der Zeit wäre, dagegen Einspruch zu erheben. Am ersten sollten die Kellner selbst das tun. Mit demselben Recht, mit Dem man den „Gerant" „Ober" ruft, mußte man die ihm unterstellten Kellner „Unter" benennen. Wir haben bei uns einen' Deutschen Sprachverein. Dieser zieht gegen jedes harmloje Fremdwort mit ungeheurem Äirm zu Feld und bringt Verdeutschungen zu stände, daß man einen saueren Geschmack im Mund bekommt. Tas kann man schwarz auf'weiß in der Zeitschrift lesen, die er herausgibt. Einer Sprachungezogenheit gegenüber, wie sie der Ruf .,Ober!" in unseren Wirtshäusern bedeutet, ist er völlig stumm." Dazu bemerkt die „Frks. Ztg." wörtlich: „Es ist das erstemal, daß uns gegen die in den allgemeinen Gebrauch übergegangene (? Die Reduktion des „Gießener Anzeigers.) Bezeichnung „Herr Ober" eine Klage zu Gesicht kommt. Wir sehen auch nicht recht ein, weshalb gerade diese nichts unzweckmäßige Abkürzung eine „Sprachungezogenheit" sein sollte. Weil man die dem „Ober" unterstellten Kräfte logischerweise „Unter" nennen müßte? Wer zwingt dazu? Wir haben Oberleutnants. Titulieren wir deshalb die diesen subordinierten Offiziere „Herr Unterleutnant?" Ueber- dies hat sich vielfach die Gewohnheit herausgebildet, daß man jeden Kellner mit „Herr Ober" anredet, daß also keiner Anlaß hat, sich gekränkt zu fühlen, es sei denn, der wirkliche „Herr Ober"' betrachte dies als eine Herabsetzung seiner Würde. Und was soll gar der Deutsche Sprachverein mit der Angelegenheit des „Herrn Ober" zu tun haben? Wir sind so gern bereit, diesen Verein in seinen sonstigen Bestrebungen preiszugeben, daß es uns Vergnügen macht, ihn einmal in einer Angelegenheit, an der er ganz unbeteiligt ist, in Schutz nehmen zu dürfen." Diese etwas boshafte Glosse der „Frkf. Ztg." wird u. E. überall da, wo man auf guten Geschmack im deutschen Ausdruck Wert legt, Unbehagen erregen. Die Abkürzung Ober" erscheint auch uns als eine sinnlose Sprach- w'drigkeit, die, ist es möglich, anszurotten der Deutsche Sprachverein allerdings berufen scheint, denn Nicht nur bic Reinigung unserer Sprache von Fremdwörtern, .andern namentlich auch für die Entwickelung und Ausbreitung eines guten Geschmackes m unserer Sprache Universums Nachrichten. Heidelberg, 26. Juck. ^ie hiesigen nicht! n c orpolierten Studenten hielten eine zahlreich besuchte Verlamm- luna ab, worin sie protestierten gegen die ihnen nur in sehr nerinqem Umfange gewährte Möglichkeit einer Beteiligung an den bevorstehenden I u b i l ä u m s f e i e r l i ch k e r t e n und ihre Zu- rückjetzung gegenüber den Korporationen. Man ivird ihr Verlangen begreiflich und gerecht finden, wenn inan bedenkt, daß in diesem Sommersemester öö7 Korporationsstudenten 1114 Mcht- inkorporierte gegenüberstehen, letztere also zwei Drittel der Studentenschaft repräsentieren. Die stärksten Verbindungen sind m diesem Sommer die Burschenschaft „Franconia" (mit 36), der „Ver- cul Deutscher Studenten" (33) und das Korps „^axoborusstcst (29 Mitglieder). Interessant ist, daß weder Burschenschaften noch Turnerjchaslen Theologen unter ihren Mitgliedern zählen, dagegen die Korps der „Saxoborussen" und „Vandalen" je einen. Ein hundertjähriges Korp s. In diesen Tagen feiert das K o r p s „S u e v i a" in Dl ü n ch e n sein 100. Stiftungsfest Nachbarstaaten. Ein verkannte« Blatt von Michel, angelo in Frankfurt a. M. wird von Emil Jacobsen in der Kunstchronik richtig bestimmt. Es handelt sich um ein im Städelschen Institut aufbewahrteS, dem FranccSco Ubertmi, qen. Bacchiacca, zugejchricdcne« Blatt; darauf finden uch ein ifiraucnkopf mit phantastischem Kopfichmuck und ein Knaben« topf, beide en face, sowie die Studie eines Bemes und eine« Ohres, alles mit Rotel gezeichnet. Man bemerkt auch em Wort in der charakteristischen, nicht zu verkennenden Handschrift Michelangelos. — In Wiesbaden starb der Geh. Hofrat Ülblon, vor Hülfen langjähriger Direktor des Hos- theaters, im 81. Lebensjahre. Sorge zu tragen, ist der Zweck dieses verdienstvollen Vereins, und es wäre wohl am Platze, wenn er feiner hier^und da wohl ein wenig zu heftigen und zu strengen ^>ud)t narf) Säuberung unserer Sprache von jedem Fremdwort noch mehr Maß auferlegen uno sein Augenmerk in höherem Grade aus Geschmacklosigkeiten oder „Sprachunge- zogenheiten" richten wollte. Stets hat sich der Verein bemüht, unsere Sprache nicht nur von allem Undeutschen, sondern amch von allem Schwerfälligen, schwülstigen, Unzeitgemäßen und Unebenen zu entlasten uno alles Leichte, Gefällige, Anmutige, Feingeschlifsene in ihr heroorzuheben. Darum sollte wahrlich keine seiner „Bestrebungen preis- gegeben" werden, der Verein sollte aber sich noch mehr als bisher bemühen, Einfluß auf breite Massen zu gewinnen und das Sprach g e f ü h l im Volke zu scharfen. Allerdings, wir haben O b e r leutnantö. Würde also ,^Herr Ober" nicht ebensogut „Oberleutnant" oder //Oberlehrer" wre „Oberkellner" bedeuten können? Wer sagt für „Herr Oberlandesgerichtsrat" „Herr Ober"? ^a nicht einmal die „nicht unzweckmäßige" Abkürzung dieses häßlich langatmigen Titels „Herr Oberrat" ist gebräuchlich Sagen wir ferner „Herr Unter" statt „Unteroffizier", oder Herr „Haupt" statt „Herr Hauptlehrer" oder „Herr Hauptmann" usw. usw.? Ist in Preußen die Anrede Herr Erster" für „Herr Erster Staatsanwalt" üblich? Gefiele es endlich wohl den Universitäts- oder Gymnasial- Professoren „Herr Universitäts" oder „Herr _ Gymnasial" angeredet zu werden? Griffe derartiger Unfug um sich, sagte man etwa allgemein „Gießener" oder „General" für den Gießener oder einen General-Anzeiger, in welches totfe Tohuwabohu gerieten wir da hinein! Soll denn unsere gute deutsche Sprache schließlich nur noch in so blöde zerrissenen Hachen Worten gestammelt werden? „Ober" für „Oberkellner" ist ebenso dumm wie „Auto" für ' Automobil". Leider gibts heute von dieser Sorte schon genug Verbalhornungen. Wenn man in Frankfurt Klagen über so albeme Verstümmelungen bisher nicht vernommen hat, so ist das nur ein Zeichen der leider immer mehr um sich greifenden Denkfaulheit und des geringen Vorhandenseins lebhafteren Sprachgefühls. Hier aber möge der Deutsche Sprachverein seine Tätigkeit einsetzen zum Vesten des guten deutschen Geschmacks! P. W. dieser Woche wurden die seit dem 3. Dezember v. I. vermißten drei Jäger von Jsenfluh (Lauterbrunnetal) auf- aekluden Der Bruder des einen Vermißten hatte sich am tzonutag nochmals aus die Suche gemacht, wobei er seine Nachforschungen in der Richtung vornahm, in welcher von Der letzten Hilsskolonne im Dezember Spuren gesunden worden waren. Er stieß aus einen Hut, ließ sich eine Kolonne von Hilfsarbeitern aus Jsenfluh mitgeben, und man begann, den Schnee wegzujchauseln. Tie drei Lerchen lagen noch aut erkenntlich im Schnee nebeneinander. Alle trugen noch Handschuhe, Oberstrümpse, einer von ihnen hatte noch das Gewehr in der Hand. Der Ort, wo die Leichen ge- unden wurden, liegt am Eggbaldeuhorn, zu oberst am Gantbach, zwischen Schwalmern und Lobhornerii, unweit der Stelle, wo man bei der letzten Suche im aezember noch Spuren saiid, aber wegen der gewaltigen Schneemaflen auf weiteres Vordringen verzichten mußte. Die drei ^agcr haben sich offenbar im Schneesturm verirrt, rutjchten dann hundert Meter ties ab und blieben aus einem kleinen Plateau erfroren im Schnee liegen. Ihrem Berufe nach waren es zwei Landwirte und ein Küfer. * D ie Schivester der Königin Draga im Vari^ts. Die jüngste Schwester Der Königin Draga, Die 25 jährige Gjena Lunjewitza, wird int September eine Rund- reise Durch alle europäischen Großstädte unternehmen unD Zürich, Wien, VuDapest, Frankfurt a. M., Berlin, Brussel besuchen. Sie tvill über die Mordnacht im Belgrader Konak Vorträge halten. Einer ihrer Freunde, ein serbischer Gutsbesitzer, hilft ihr über Die ersten finanziellen Schwierigkeiten hinweg. Ein Impresario ist eifrig an Der Arbeit, Engagements abzuschließen. Gjena Lunjewitza ist Damit beschäftigt, Das selbst erlebte unD ihr mitgeteilte Mcstenal zusammenzustellen. Ihre Vorträge sollen außer Den „Enthüllungen" über Die Mordnacht auch Den Einfluß schildern, Den Der jetzige König Karageorgewitsch auf Die Ereignisse ge- _ Botticelli und Die moderne Fr auenschön » beit. In London ist eine neue Biographie Botticellis erschienen. Streeter, Der Verfaffer, liefert eine Menge genauer Angaben und hübscher Bemerkungen über diesen italienischen Künstler, der, ivie er sagt, gegenwärtig von allen feinen Landsleuten am meisten unser Interesse sesselt. In der Tat ist er es, den man heute in den Uffizien von Florenz fast ausschließlich sucht und bewundert. Tie Photographien seiner Werke werden öfter1 verkauft als Die aller anderen Gemälde m Florenz und der kleine Saal, der Die Geburt Der Venus enthält, sieht jeden Morgen einen Schwarm von Pilgern aus aller Herren Länder ankommen, Die mehr an leidenschaftlicher Bewmiderung leifteit als die Reisenden, die sieh seit einem Jahrhundert in Dresden vor der sixtinischen Madonna prosterniereii. Die primitiveii Küiistler stehen heute m Gunst und seltsamerweise hat man durch eine merkwürdige Verwicklung von Ideen und Daten auch diesen Maler vom Ende Des XV. IahrhunDerts, Den Schüler Savanarola's, Den Rivalen unD Nachahmer LeonarDo da Vincis, zu ihnen gezählt. Nun ist es vor allem nicht Die Einfachheit, die uiis ait Botticelli bezaubert, er entbehrt derselbeii ganz und gar. Ebensowenig, sagt Streeter, war er ein korrekter Zeichner. Auch im Kolorit raar er schwach und nicht mehr als mittelmäßig in Der Komposition. Was ist es also, Das uns bei seinen Gemälden anzieht? Streeter schreibt viel dem unauslöschlichen Gefühl Der Melancholie zu, das sie in uns erwecken, obzwar es eine bloße Folge des Mangels fei. — Seme Vemis wie seine MaDonneii stnd verfehlte Existenzen, die einen haben Die Erde verfehlt, Die anDeren Den Himmel. Tas HauptverDienst Botticellis sieht Streeter in Dem Umstand, daß er der erste Maler gewesen ist, Der Die Kunst um ihrer selbst willen geschätzt hat und md)t wegen der Dargestellten Objekte. Er ist, sagt Streeter, ein Genie Der Dekoration. Daß er aber seit 30 Jahren der beliebteste und bewundertsie Maler Italiens ist, verdankt er wohl Dem besonDeren Typus, Den er währenD einer gewissen Periode seines Lebens gemalt hat, einem Typus, Der zufälliger Weise mit einem besondern, heute moDernen weiblichen Schönheitsideal zusammeniällt. Was uns so sehr an ihm gefallt, was uns wohl oder übel vor der Geburt Der Venus unD fernen Madonnen zur Entzückung zwingt, ist, daß in diesen Bildern, Die im übrigen recht mittelmäßige Kunstprodutte sind nnD von banaler Erfindungsgabe zeugeii, Die Personen Dieselben länglichen Gesichts- züge haben,' dieselben großen sinnlichen und melancholischen Augen, die uns in den Werken der englischen Maler voii Gansborough bis Rosetti hinreißen. Durch einen seltsamen Zufall — vielleicht begegnete er eines Tages diesem Modelle in Den Straßen von Florenz — hat Botticelli schon am Ende Des Quattrocento ein weibliches Schönheitsideal geschaffen, das vier Jahrhunderte später in unserem Herzen die mehr massiven Schönheitsideale Der Klassiker verdrängen sollte. Ucrinischtes. Stettin, 26. Juli. Ter Kaiser hat bei dem?, und 8 S 0 U n ded Schuhmachermeisters .erneu Bruder, den bekannten Rechtsanwalt Baur, schließlich sich selbst. B. war anscheinend geistesgestört. Der Amtsrichter harte ein Gehörlerden. Der Tater war unverheiratet, der erschossene Rechtsanwalt Baur hat e<5:5 bct «ft «ft CD UrV «ft ’S c w ÖQ «ft C'J CO c»s ® C? «ft «ft roie her Der Die T liierte iniltte , war Oest. Kredit . Deutsche Bank Darmstädter Bank Bochumer Guß . x afi chluß-Tendenz: ruhig. Schlußkurse. 208.10 210.40 135.75 179.10 182.00 N «ft M 5 o Anfangs- . 208.25 . 210.25 . 135.90 . 178.50 . 181.90 5 e « au( einem Herrn Des verrückter 2ie, mein eine ganz ler. „Hm, ehilse aber selbst ver> Straße fehlt ein brauchbarer Pfad, da der Fahrdamm bis nahe an den Graben heranreicht. Ter diesem zunächst liegende Sirenen des Dammes ist mit nicht eingewalzten Steinen frisch beschottert, der diesseitige Seitenstreisen dagegen unwegsam durch eine fortlaufende Reihe ausgekratzter Schmutzhaufen. Bleibt der Fahrdamm selbst. Hier können zur Not Fahrräder, Holzwägelchen, Schub- karren u. dgl. ausweichen; Wagen mit Kindern gehören aber schlechterdiligs nicht unmittelbar neben vorbeieilende Radfahrer und die Pferde der Last- und Persoiienfuhrwerke. — Alle diese Verhältnisse bildeten jüngst an Ort und Stelle den Gegenstand einer vernünftigen und friedlichen Erörterung zwischen einein einsichtigeri, freniidlichert Vertreter des Gesetzes (Fußgendarm- uiid einem ben Sportwagen nebst lebendigem Inhalt schiebenden Familienvater, der hiermit Dem Verschönerungsverein — dem er selbst angehört — uiid der Forstbehörbe eine wohlwollende Prüfung der Frage empfehlen möchte. den berühmten Roman „Die Verlobten" vonAlexander Dl a n z o n i. gen Ko» rer heuen Äsen- ne". „Tas Laden- leDer ober Der sich schrie Der *), «Men alligft in Mit Recht wird auf Wärnuiigstafeln das Befahren genannten Weges voli Radfahrern und mit Fuhrwerk verboten. Wenn aber linter letztereiii „Kinderwagen" namentlich angeführt werden, so bedarf das einer Anfrage. Darunter sind wohl die alten, ihrem ursprünglichen Zwecke entwachsenen Kinderwagen zu verstehen, die man vielfach mit Holz und dergl. beladen an Lejetagen auf den ~ unseres Stadtwaldes trifft? Um Wagen mit kleinen Kindern, von Kindermädchen, Müttern und gelegeiitlich aiich Vätern geschoben, kann es sich doch kaum handeln. Tenn wo anders foUten'Die fahren? Aus der anderen Seite der Leise Anfrage! Wan bekommt die Stadt Grüningc» Straßenbeleuchtung??? 11. g. A. w. g. Einer, bei dem das zwanzigste Jahrhundert schon begonnen hat. C «ft Meteorologische Beovachtungen der Station Gießen. «ft Meratur. Unterrichtsbriefe für das S e l b st st u d i u m der italienischen Sprache. Von Prof. G. Buonaventura und Dr. phil. Alb. Schmidt. Verlag von E. Haberland in Leipzig-R. 91. 6. Ausl. Einzelne Briefe und Probebriefe je 50 Pfg. — Tie vorliegenden Unterrichtsbriefe scheinen eine Widerlegung der Meinung zu bilden, fremde Sprachen ließen sich ohne Lehrer nicht erlernen. Es handelt sich bei Den HaberlanDschen Unterrichtsbriefen nach Den uns vorliegenden 2 ersten^ Heften zu schließen, um eine gediegene Arbeit, die einerseits dem Stande der modernen Sprach- Gingesandt. (Für Form und Jnha!i aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 26. Juli. Der Promenadeuwcg nach dem Schiffenberg und die Kinderwagen. Wissenschaften, andererseits Den Forderungen unserer heutigen Didaktik auf psychologischer Grundlage gerecht wird. Dabei wird Dem ernsten Studium noch eine angenehme Seite dadurch abgewonnen, daß Die unterrichtlichen Betrachtungen angeschlossen wer- heroorragendes Werk der italienischen Litteratur, an o «ft nweiMng iden Kunst und Wissenschaft. Auf einen eigentümlichen Fall von Idiosynkrasie macht eine Mitteilung von Prof. Dr. Rievel im letzten Heft Der Dt. med. Wachenschr. aufmerksam. Es handelt sich um das plötzliche Auftreten von Urticaria („9t c f f e l n") beim Genuß von Eiern bei einer Frau von 29 Jahren: das ganze Gesicht erscheint sofort verschwollen und Die Augen sind durch die geschwollenen Lider vollständig verschlossen; gleichzeitig besteht ein starkes Juckgefühl. Nach 30—45 Minuten verschwinden die Quaddeln vollständig, es hinterbleibt oftmals nur eine geringe graurote Färbung, die bis nach 24 Stunden wahrnehmbar ist. Tas Seltsame ist, daß die Eier in verschiedener Art der Zubereitung verschiedene Wirkung haben. Am heftigsten tritt Die Utiearia nach Dem Genuß von rohem Eigelb und Eiweiß auf; Küchen, Backwerk unD Eis re., Denen nur Spuren von Ei beigemengt sind, bedingen nach dem Genuß einiger Bissen mit Sicherheit Utiearia; Eierkuchen dagegen werden ohne Schaden vertragen. Von gekochten Eiern kann das gargekochte Eiweiß ohne Schaden genossen werden, während die geringste Spur Eigelb mit Sicherheit die Krankheit hervvorruft. Tiefe Idiosynkrasie ist vererb- b a r! Die kleine Tochter Der Patientin leiDet an demselben Uebel. Milch- und Fleisch-Eiweiß werben von beiden Teilen ohne Schaden genommen. . CQ «ft O & ±1 uenschon» [i6 erschienen. Angaben und ler, bet, * am m«s>e» ü-W wnbert $ als die «btt >e M®ebu« 7o°nPilg«- ibenW** , einem M Miierntereu ,« 3»“n I rt)UubetläLta c -conaub? m m die iC‘^en>= vüs M .«flf ,..Ä und 1 00>' - A|y ’t Son L‘Miitc. ging 'ct 4 f stehen. mit "Ileigen traten nom lte etioag axU Qui- lien. Sß Segentiir 3ug neigen st Äejahr jo Derben uieinjiog. - sie aber Berlin, 27. Juli. In ber heutigen Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank bemerkte Der Vorsitzende, Präsident Dr. Koch, anschließend an Die vorgetragene neue Wochenübersicht, daß Die große Anspannung am Quartalsschluß, Die ohne Die am 8. Juni vorgenommene Diskonterhöhung wohl noch größer gewesen wäre, erheblich nachgelassen habe. Jnbessen sei die Anlage noch immer nicht klein im Vergleich zum Vorjahre, unD trotz Der inzwischen erfolgten Einlösung Ser Schatzanweisungen um 58 Mill, höher, Die Wechselanlage allein um 98 Mill. Ter Metallbestand sei fast 100 Mill, geringer als 1902, die fremden Gelder um 26 Mill., Die Durch Barvorrat geDeckten 9loten um 72 Mill., um ebensoviel ist Die Notenreserve geringer. Tie fremden Wechselkurse seien nicht ungünstig, indessen sei der Zufluß des Goldes aus dem Ausland gering. Am offenen Markt sei der Diskont seit Mitte Juni aus nicht ganz klaren Ursachen doch etwas gestiegen. Eine Veränderung Des offiziellen Diskonts werde nicht beabsichtigt, zumal Ende Juli eine besonders große Anspannung nicht §u erwarten sei. Die Versammlung war mit diesen Ausführungen debattelos einverstanden. New-Nork, 27. Juli. An der Börse ist die Mitteilung ein- gegangen, daß bte Firma A. E. S. Hooley and Comp. die Zahlungen e i n st e l l t e. Märkte. Gieße», 28. Juli. Marktbericht. Auf heutigem Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1,00—1,20 50tf., Hühnereier 1 St. 6—7 Pfg., 2 Stck. 11—13 Pfg., Gänseeier 11—12 Pfg., Eiiteneier7—8 Pfg., Käse vr.Stck. 5—8 Pf., Kasematte2Stck. 5—6Pfg., Erbsen pr.Liter 21 Pfg., Linsenpr. Liter 32 Pfg., Tauben pr.Paar 0,80—l,00Mk., Hühner pr. St. 2,20—2,20 Mk., Hähne pr. Stück 0,65—1,50 Mk., Enten pr.. Stück 1,60—2,00 All., Gänse pr. Pfd. 54—60 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 68—78 Pfg., Kuh- und Rinbfleisch pr. Pfund 60—66 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 68—74 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 56—74 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 9,00—12 Mk., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 9,00—10,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Kirschen per Pfd. 3g—40 Pfg., Aepfel per Pfd. 0—00 Pfg., in Körben 00—00 Pfg. Trauben 00—00 Pfg. S c®* G 'r & 26.-27. „ 13,8° C. 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Die Bewirtschaftung der mit elektrischem Licht, Wasser- lertung, Tischen und Bänken versehenen Festhalle soll m öffentlicher Ausschreibung verpachtet werden. Geeignete Bewerber wollen ihre Angebote bis zum 3. August (einschließlich) verschloffen mit der Aufschrift „Pachtgebot aus die Festhallen- wirtschast" bei dem Unterzeichneten einreichen. — Die Perpachtungsbedingungen, welche zu unterschreiben und den 9(n=» geboten beizusügen sind, können in der Bahnhofsrestauration cingesehen, auch gegen Zahlung von 50 Psg. bezogen werden. Gießen, 28. Juli 1903. 6849 I. A.: Jean Kirch. Sodor Drucksachen aller Ar^ liefert in jeder gewünschten Ausstattung, stilrein und preiswert die Brühl'sche Universitäts-Druckerei, Schulstr. 7 Cafö Ebel. Heute abend 4910 voll;- und Zugendfeft Sonntag den 2. August 1903 tm Philosophenrvald "HW veranstaltet von der 7 Uhr: Rückmarsch der Kinder mit Musik nach der Stadt. Groher Juxplatz. Karussell. Schießbude re. 6 werden füt ein gutes «la» Bier, sowie prima Speisen Sorge tragen. 6797 Omnibusverkchr von und nach dem Feftplatz. Ki»trttt-p--i« pro A-rso» 25 Tfg. ’/io =£if" 10 *■ ...... .IUM«. Peo- Fest-flusschuss. . Der Postauflage unserer heutigen Nummer liegt ein Prospekt der „Zeit im Bild" bei, auf dessen interessanten Inhalt wir unsere Leser hiermit besonders aufmerksam machen. 6778 borgens 6 Uhr: Tagcs-Reveille durch die Stadt. Mittags 1 Uhr: -lufftellcu des F^stZUges auf dem Oswalds Garte«. jjV* Auf dem Festplatz werden drei Musikkapellen konzerttere«. Zum neuen Saalba« früher Steins Garten. Dienstag den 28. Juli: Grosses Extra-Konzert zum Besten des Invalidendank ausgeftlhrt von der 6820 Kapelle des Inf.-Reg. Kaiser Wilhelm (2. Grossh. Hess,) Nr. 116 unter persönlicher Leitung des Grossh. Musikdirektors Herrn C. Krausse. Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pfg. Bei ungünstiger Witterung im Saale. Vereinigung der vier WolMätigkeits-Mreine Hießen. Präzis 2 Uhr: Abmarsch durch die Stadt nach dem Festplatz, daselbst: Kinderspiele aller Art Selten I günstige Gelegenheit I für Hoteliers, Brautleute, Private. pssten Witz« BetttuMbleineil 160 bis 170 Ltm. breit, Rasenbleiche. Wjn HÄlkimi 82 C-tm. breit, schwerste Qualität. Llhlitzcr Aschzeuge, hunlitncher <öft 5575 zur Hälfte "WG des sonstigen Preises. Hermann Katz 5 Mänsburg 5. Otto Schaaf Gebrannten Einen großen Posten AMWe mil Schilykn in allen Grützen, sowie mehrere Dutzend Strümpfe, Socken uni Handschuhe verkaufe ^835 . । unb Ungeziefer aller Art wird PÄ1* mp KPIQP sicher vernichtet durch BlattlauS- 1 Ul ÄülOü ttuftur, Blutlaustinktur, Rico- Taschenapotheke, Blattseife, Zahn- tina, Schwefelpulver, Mäuse- und pasta, Zahnbürste, Stangen-Po- Rattengift, Wau-entod, Insekten« made, Fußschweißspiritus, Fuß- pulver, Tinoxa gegen Motten, schweißseife, Salrcyloaselrne rc. 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Zmbklkuiheu Montag, Mittwoch und Freitag von Vs9 Uhr ab bei [5837 K. Wilh. Gengnagel, Neustadt 45. Georg Wallenfels, Marktplatz 21. Telephon 46. Täglich von morgens 9 Uhr ab frische taliiMtatr - k«WM WttllKM. 8eitttl>erssn»liiß Donnerstag den 30» Juli, abends 872 Uyr. j&Sr I • Tagesordnung: 20Mriges Slistungsfest 1904. in eigener Brennerei stets frisch NB Es werden sämtliche Mitglieder gebeten, wegen gMmtdasW.MPsg. der Wichtigkeit der Tagesordnung zu erscheinen. [6846 und höher, empfiehlt 5177 Wetterauer la. gelbe Perle von I V Ä61" -lahnbürste» Ludwig Erb sowie Krister- u. Kleiderbürsten au Cckzell, (5711 unter Garantie der größten Halt- | »H <*41 . ” 1* Ecke der Goetheskraße. Id. |lO|tod)|*öhtung! IG I I / Prachtvolle,schoneSauerttrscheu Bratensteisch per Pfd. 35 Pfg. abzugeben, vorzüglich zum Ein- Suppenstctfch N „ 30 „ machen. Gärtner Pfeiffer, gy» s Q3557]Wilhelmstraße 16. Zwiebelkuchen ,edeu Montag, Mittwoch und Freitag von 9 Uhr ab. (5339 Friede*. 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