«I »11; n. um, Woriieiim eise ifi-7 .u*®niL 9 n._ Kofi ü-fiw. k Pf,. 1’011 h#"U »b nni ■ lenmg. ®4 abends 8 K; nng. Mich empfohlen. Ikr.tassd ien-Fabrik :runt von ctionsn aller Art •llt », Qtmdmrttlstn- BIcchlrtycr.Dach- laeer.BrückcD etc. Private und (01^ «"»«"Ä.nli, “• ifSg^WP* rAssaia !fS **2 'w «nübach- - Nr. 74 aufotr Sonniags. t«m (Siebener nötiger nxrben «m Wecklel mit bem Sktlilchrn tanbrolrt die Otetzevef Fomilleu- Häher Diermal tn der ±Jod)« txiflflCflL Rotationfbrucf u. Vertag der Brüht 'leben Unioerl-Buck- uSiein- b rudern (thertcb (i eben) SUbafnon, (trpröinae und ^ruderet: «djulörahr 7. Mbrtflt für Depeicben: •■teiger Gießen. ^rrnlprrAan»d>lufc J/r.5l. Samstag 28. März 1903 Zweites Blatt. 153. Jahrgang monatlich 76i>U piertel- iäbihd) Mk. 7J8O; durch Addote- u. Zwergstellen monatlich 65 Pl.; durch die Volt i’tf.t.—vierid- jährt. aiitlcbL Bestell-. Annahme oon Anzelqe» •ür die lagHnumin« dis Dormutaa» 1U Uhr. 3«lenprti<: lokal UtiU au»ivane 8U Big. Verantwortlich für ben polu. und allgem. Teil: U «Jittto. tüt »Stadt und Xdanb* und ^lLenchtejaaf. iluauft DLy. für den Are- reraentell: Bans Beck. GiehenerAnzeiger "'z General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen EX) Jle yimlige Kummer umfaßt 18 Sritnr Lche -efflfche Slandeüammer. 1LB. Darmstadt, 27. März. Präsident Graf ® ö r h, gen. v. Schlitz, eröffnet die heutige Sitzung um 10y< Uhr. Tas Haus genebmigt ohne Debatte die weiteren EtatSpositGnen des Ministeriums der Justiz und der Finanzen, dann die Positionen über Lnlcih.n uird Staatsschuld, Pensionen, Verhältnis zum Reich, Indisponible und reservierte Fonds, endlich den Voranschlag über die AuSgabebedürfnts,e der ersten Lummer, der nach dem Äntiag dcS Bureaus genehmigt wird. DaS hau* beschließt sodann auf Ansuchen der Regier- vng, auch int Geicl-Lstsverkehr mit den Behörden und Privaten von jetzt ab die neue Rechtschreibung zur An- wcndung zu bringen, und wählt sodann zum landständischen Mitglied jur die StunL-sll>uldenverwaltung den LkerkonsistorialprästdetUcn D. Goldmann, zu dessen Stellvertreter den LberlandeSgerichtspräs^enten a. D. Tr. Lnorr. Ta weUere Bcratungsgegenstände von der zweiten Lämmer noch nicht voclicgen, ver.agt sich das HauS auf SamStag vormittag 10 Uhr. Fast sämtliche Mitglieder der ersten Lämmer wohnten darauf auf dec reservierten Tribüne der zweiten Lämmer deren Beratungen bei, die sich um die Forderung für die technische Höchst ule drehten und einen teilweise erregten Verlauf nahmen. Zweite yksflsche SlandcLammer. Am Ministertisdy: Finanzmintster Gnauth, Mlnlste- rialräte Braun, o. Biegeleben. Präsident HaaS eröffnet die Sitzung um vy, Uhr. Im Sitzungssaal ist eine groge Marie au,ge,teilt, weld-e in grün- rot-schwarzen Farben die Frequcnz^ifsern der Besucher der Technischen Hochschule veranschaulicht. Tas Hous befchästiat sich ^utuiujfl mit Rückäuszerungen der 1. Kammer. Trese hatte die gestrichene Forderung von 4000 Ml. für Pflasterungserneuerung i m Hose de - Großh. Mar stall- wieder in den Etat eingestellt. Rainen- des Finanzausschusses beantragt Abg. Häusel Ablehnung der Forderung, und das Haus beschliesst demgemäß. Bei der Forderung für eine Sberförstereuvvhn- ung in Groß-Stcüihcim beantragt der Ausschuß Annahme des Beschlusses der 1. Kammer, das Haus bcjckließt mit allen gegen fünf Stimmen die Genehmigung des dafür geforderten Betrages von 10000 Mk. Die 1. Kammer hat ferner beschlossen, bei der PosUion „Vertretung tm Bundesrat" das von der ztoeiten Kammer beschlossene Ersuchen um das Eintreten der Regierung für Diätenbewil- lrgung an die RcichStagsobgeordneteti aozulchnen. Die L Lummer beschließt einsrunm.g, auf ihrem früheren Beschlüsse zu verharren, Weiter bat die 1. Kammer die abgelchntcn o2 000 Mk. für bauliche Veränderungen im Großh. Refidenzschlosse wieder in den Etat eingestellt. Abg. Häusel beantragt namen- der Lusschuß- mehrheit LKwiltigung der Forderung. Abg. Löolf (hest. Vp.) meint, die Forderung sei keine dringliche; er bedauere sehr, daß der Ausschuß plötzlich ohne Angabe von Gründen zu feinem Dcräiibetkn riksastuß ge- louunen sei. Eck>on um nickt im Londe den Eindruck hervor- zurulen, alS wären wir lediglich eine BcwtUigungSmaschine, ersuche er um Ablehnung. Finanzminisler Dr. Gnauth tritt mit warmen Worten für die Bewilligung der Forderung ein. Der beabsichtigte Umbau sei notwendig, um die allzu beschränkten 9iäumc besser auSnutzen zu können. Eine Ablehnung der Forderung könnte lcicht ali eine beabsichtigte Demonstration aufgefagl werden. Abg. Ioutz (parteilos'» spricht sich gegen die Forderung auS. Es handle sich hier nicht um die 32 000 Mk, sondern um die vielen dann noch weiter zu erwartenden baulichen Veränderungen. Abg. Dr. Schmitt (Ztr.) erhebt Protest gegen die Ausführungen des Finanzministers; eS liege der Kammer — und das sage er namens aller Mitglieder des Hauses — jede Absicl)t einet Temonstration vollständig fern. Er würde die Summe bewilligen, wenn das nötige Geld vorhanden wäre, aber jetzt veranlasse ihn die ungünstige Finanzlage und die Rüasicl>t auf bte Steuerzahler, tue Forderung abzulehnen. Abg. Hirsche! (Antis.) versichert, daß auf dem Lande keine Forderung so unsympathtscy ausgenommen worden sei, wie diese. Er bitte um Ablehnung. Abg. Bähr (hcis. Vp.) spricht ebenfalls gegen die De- willigung der Forderung, ninti möge damit warten, bis die Fiitatijlage eine beficre geworden sei. Finanzminister Dr. Gn a u t h veiteckigt kurz seine Ausführung über die Rotwendigkeit der Forderung, während Abg. Tr. Schmitt noch einmal sich dagegen äußert, baß man Mitglieder des Hauses für fähig l-a.te, s.e könnten mit der einjau-cn Ablehnung der 32OuU Mk. eine Demonstration gegen das Gcvßherzogliche Haus bcabstcht.gcn. Rach einigeu Bemertungen dec Abgg. Molt Han, Köhler und Weidner luuö die Forderung mit allen gegen drei Stimmen abgelehnt. Tafür summten die Abgg. Reinhart, Häusel und Tr. QhUficifu). Von den So- ziatoemotraten ivaren nur die Abgg. £rb und Berthold anwesend. TaS Haus lehnt endlich noch die wieder eingestellte Forderung für den Bau einer Forstmartwohnung bei Offenbach ab. Tie Regierungsvorlage, betreffend die Teilung belasteter (Grundstücke, wirb ohne Debatte nach den Ausschußanträgen genehmigt, ebenso die Regierungsvorlage, betr. die Abänderung des Gesetzes vom 3u. Avaust 1ö7u über die Aussühiung des deutschen Ee richt S- kostengesetzes und dec deutschen Gebührenordnungen für Gerichtsvollzieher und für Zeugen und Sachverständige. ES gelangt nun der Gesetzentwurf über.die Auosuhiung dcS Reichsgesetzes, bett. dieSchlachtvieh-undFleisch- beschauzur Beratung. TaS ^aus genehmigt ohne Debatte die Art. 1—ö, alsdann Art. U mit einem kurzen Zusatz- antrag des Abg. Kohler, und daraus ohne weitere Debatte den Rest des Gesetzentwurf- nach den Aueschußantcägen. (tiUr haben sämtliche vom Ausschuß vocgesch.agcne Lenderungen bereits zum Abdruck gebracht. D. Red.) Darauf wird der Antrag der Abgg. Tr. Fr c nah und (Ben., die Versicherung gegen ^agelschlag bett, ui Verbindung mit einer Vorstellung der Magdeburger Hagelveriicherungsgrsetlichaft im gleiten Betreff beraten. Dr. Frenay hatte beantragt, an die Regierung das Lrfuchen zu richten, daß sie mit einer auf Gegenieitigkeit gegründeten, jeben kapitali,tisck)cn Gewinn ausschtiegenden B-r,ichetungS- gcfellfd/ail einen ähnlichen Vertrag abschlicsten möge, wie dieS Württemberg, Baden und Elsast-Lothringen getan haben, und durch welchen den hessischen Landwirten die Möglichkeit geboten Wirb, sich gegen bic Folgen dcS Hagel- schlageS durch Zahlung fester Ptämien bei einer unter der Kontrolle der Grvsjb. Regierung in Bezug auf Verwaltung und Tarifierung sichendenGeg. u,eiti^k<.ib»gestllschast zu versichern. — Gegen büfen Antrag hat bic Magdeburger Hagel, versicherungsgesellfchaft durch ihre Petition Stellung genommen. Tte Grosth. Regierung hat dem AuSschust mitgeteilt, datz die Angelegenheit durch eine bereit- in bet Thronrede an* gekündigte, demnächst ben Ständen zugehende Vorlage ihre Erledigung finden wirb. TaS HauS beschliestt darauf dem AuSsehutzantrag gemäst, die Angelegenheit vorerst für erledigt zu erklären. L^znglich einer Vorstellung der Gendarmeriewachtmeister S-Witive Götz zu Lampertheim mn Eih^ ig ihre- A>itwen- und Lvaifengeldev empfiehlt der AuSschust, der Witwe aus ben Mitteln der StaatSunterstützungslasse eine enljprechenbe Unterstützung pro Jahr zuzuwenden. Die Abgg. Bähr und Seelinger wünsck-en über diesen Antrag hinauszugehen und der Äitwe die volle Pension zu bewilligen. TaS HauS gibt dem Ausschubantrag nach einigen Bemertungen dec Abgg. Häusel und Weidner feine Zufiimmung. Zur Beratung gelangt nun der Antrag Dr. Frenay und Genoisen, die Einquartierungslasten betr. Der Antrag bezweckt belanntlich, die Regierung zu ersuchen, bau sie mit aller Energie dahin mitten möge, daß endlich den durch bic übermäßigen, stets wicberlehrenden Einquartierungslasten geschädigten Mmeinben in der Umgegend von Mainz eine Entschädigung geivährt wird oder ourd) Errichtung von Baracken die EinauartiecungSlasten genommen werden. — Ter vierte Ausschuß, der sich nUt oct Angelegenheit eingehend beschäftigte, beantragt, die Großh. Regierung zu er|ud)en, auf baldniöglichste Anlegung des projektierten Truppenübungsplatzes hinwirken zu ivoHen und danach den Antrag bet Abgg. Frenay u. Gen. für erlebigt zu erklären. Abg. Dr. Frenay (Ztr.) erklärt sich im allgemeinen mit ben Ausführungen des Ausschusses einverstanden. Er könne mit Befriedigung konstatieren, daß die Einquartter- ungölaftcn schon etwas nachge,assen hätten. Er ersuche aber die Regierung, dahin zu wirken, daß die Gemeinden von den Einquariierungslaiten mögiid)ft gan* befreit werden. Tie Hauptsack-e aber fei, bau eine Erhöhung der viel zu mebrigeii Verpflegungsgelber erstrebt werde. Er hoffe, daß die diesbezüglichen Bemühungen der Regierung von Erfolg jein werden. Abg. Wolf stellt da- wiederholte Ersuchen an bk Regierung, dafür Sorge zu tragen, daß beim 18. Armeekorps bie Magazinoerpilegung m Wegfall kommt und die Menagegelder bar ausbezahlt werden. Abg. Senßselber meint, daß die in der Antrag-- bcgrüiibung berührten ftlagcn sich nicht nur auf Mainz bezögen, sondern für die All gemein he it gelten könnten. Redner gab dann verschiedene drastische Beispiele für die Mangclhastigk.it dec Magazinverpstegung. Abg. Tr. David bez. ichnet cS als geradezu kulturwidrig, daß man Schießplätze, anstatt in öde Ländereien, (!5ifferner ^hiötlljralrr. Tie Gercchtigkeit. Eine Komödie von Otto Ernst. (Vuchmi-gabk: i. bti 6. Tausend bei L. Siaackmann in Leipzig). Von allen den schönen Versprechungen, bie und vor Beginn der nun zu Ende gehenden Spielzeit gemacht wurden, ist jetzt, kurz vor Toresschluß, eine eingelöst. Sticht Schön- herr- überall mit gutem Erfolge gegebener wirkungsvoller .Sonnwcnbtag«, nicht Engels fein poetische- »lieber den Wassern', nicht Gorkis ,911410191* re. rc., Dichtungen, von denen uns diese ober jene noch ganz zuletzt in Aussicht gestellt worben war, ronebe un- geboten, fonbern man hat um mich eine- auch »foziaf gefälligen Ausdrucke- zu bedienen — da- .magere* Repertoire zum Schluß durch eine Preß- komödie verstärkt. Der Buchausgabe dieses Stückes ist ein lose- Blätichen beigegeben, das die Neberschnst trägt: .Eine Rezension al- Mottos in dieser heißt eS u. a.: Dornehiuer Ton gegenüber solchen Machiverken wäre eitel £itru6. Herr Sudermann, der geiireuge Lberrichier, verzeihe l Schlechte, plumpe etiide zimmern, Kalauer fabrizieren. Wwbchen derb kopieren, bie Maßen reizen, Tanienbe dtirch iohe Instinkle ms Verdienen bvmacii und auch noch aui unsere Achtung Anspruch machen — ba*3 ist zu viel verlaugt. Wenn ich so lange mu Cito Ernst im Echmuge waten muß — er nennt da- .Komödie" — so bade ich nicht den Willen und nicht die Kraft, auf ber kritischen Leier, wie Sudermann da- wünschte, nach fußen Tönen zu suchen. Dichterbrang und Kaßabraug sind grunbocrichiebene Tmge, und je inierarischer fid) Cito Ernst bei feinen Vorlesungen Qicbt, de,w widerlicher wirkt bas Gai^e. Und in me.chcm greulichen Rcvolverblatte steht dies ge» schrieben? Die Verlagsbuchhandlung des Herrn Ernst steht nicht an, das Blatt zu nennen; es ist die — ,Frkf. Ztg.' vom 11. November v. I......Und in ähnlicher Tonon schrieben m jenen Tagen, da Ernst'S .Gercchtigkeif zum ersten Male auf den weltbedcutenden Brettern erschien, alle deutschen Blätter vom Range »ind Ansehen der .Frankf.Zlg^ Niemand ivird dem Frankfurter L>eltblattc, der .Tagt. Rundschau dem .Tag" rc. rc. nachsagcn, daß sie sich etwa von den Knallbömbchen deS Herrn O. Emst getroffen fühlen können. 9latürlich nicht die Tendenz des Stückes verstimmte die meisten deutschen Rezensenten, sondern der betrübliche litlerarifche Niedergang dc- einst mit so großen Hoffnungen von der gesamten ernsthaften Kritik in der Litteratur begrüßten ehemaligen Hamburger VolksschuUehrerS, dem das frühe Lob der besten deutschen Blätter so zu Kopfe gestiegen ist, daß er mindestens Bemerkenswerte- auch glaubt leisten zii können aus einem, seinem eng begrenzten, in .erster Linie lyrischen Talente gänzlich femliegenden Gebiete, dem deS Dra- inaS und zumal der bramamdjen GesellfchaftSfaiyre, wozu dem Verfaffer der .Gerechtigkeit' neben sicherer Gestaltiings- kraft und nianchetn Anderen noch vor Allem dreierlei fehlt: Menschenkenntnis, Welterfahrung und — Gerechtigkeit, d. h. CbjchtDitäL Qn dec .größtm Sünde' führte sein Held Krieg gegen einen Pfarrer, der so absurde Gesinnungen hat, wie sie bei einem Geistlichen im realen Leben fd)lechterdmgS nicht vor- konimen können, und dagegen anzukämpfen ist cm Kinderspiel, es ist der Kampf gegen die Karnkalur eine- Geistlichen, wie sie sich Herr Ernst m seiner WcUunerfahrenheit vorstcllt, nicht etwa — daS glaubt wohl der Herr Lehrer a. D. — gegen die orthodoxe Getstlichkcit. Inder »Jugend von heute' füljrte uns Herr Ernst einige litlerarifche Jünglinge in verzerrter Fayon vor und glaubte damit bte ganze moderne Strömung tn der Kunst ad a euruum zu führen. In .FlachSmann als Erzieher' kämpft fein Held gegen einen Lchuloorsteher, der sich fern 91ml durch falsche Zeugnisse erschlichen hat, als Betrüger also bei ernsthaften Kämpfen überhaupt nicht in Frage kommt; und mit dieser erlogenen Komödie vermeinte er unsere gesamten deutschen Lchulvcryält- niffe zu kritisieren! Hier, in der .Gerechtigkeit', passiert ihm daS Riißgcschick, daß er im Kampfe gegen die Revolverblätter diese selbst als über bie Maßen bedeutend und machtvoll fchüdert so daß Fürsten bei ihnen vorfprechen und Generäle von ihren Mitarbeitern intervlcivt zu werden wünschen, daß sie imstande sind, hervorragenden Talenten das Leben zu vergällen, dabei jedoch das große Publikum m die Irre zu führen, — um hinterher alles zu widerrufen und an dcm vorgcführten Beispiel klipp und klar zu beweisen, baß diese vermeintliche Macht nur in der Einbildung Kurzsichtiger existiert. Tenn schließlich erringt ja trotz der unmöglichen Schuftereien auf der Redaktion des schon wegen deS starken sittlichen Gegendruckes in der Publizistik höchst unwahrscheinlichen ReooloerblatteS der Komponist Frank einen Riesenerfolg! Tag Publikum, so sagt uns doch gar deutlich der damit vor fernem Auditorium kmxende Herr Ernst, läßt fern Utteil absolut nicht »vergiften'; mögen Zeitungen schreiben, waS sie wollen, eS fragt nicht danach, und wer sich über Preßstirnmen aufregt, ist ein 9larr, — sogt der Herr Aiitor. So weist also Herr Ernst genau daS Gegenteil nach von dem, was et ut- sprünglich behauptet halte! Wozu aber bann ber Lärm? Und er selbst bietet ja das beste Beispiel für diesen Beweis. Tie gesamte eriislhafte Kritik hat alle seine Dramen mit Einmütigkeit abgelehnt, trotzdem finden sie sich fämtlich auf dem Repertoire der deutschen Bühnen unter den bevorzugtesten Stücken! Wer fröhnt da eigentlich dem Geschmack der großen Menge, bie Presse oder die Thealerdirektlonenf Kennte der Herr Lehrer a. D. em wenig die Litteratur- geschichte, dann würde er wissen, daß die ilHcnge zumeist die Tagesgrößen vergöttert, von Denen die ernslhasle Kritik nicht- wißen will; bie Genies aber sind von der 2)tenge fast fielt bei ihrem ersten Sluftreten verkannt worden, einzelne Re- zensenlen aber hat es fiel« gegeben, die dem Genie feine Bahn zu brechen verhalfen und deren einsame, allen Tage-lärm mißachienden Wege liebevoll verfolgten. Herr Ernst webt sich selber einen billigen Heiligenschein und fchimpil auf die Pieffe, weil sie ihn ehrlicherweise nicht loben konnte. Er proyt m seinem J'ac.UBe-Siücf nut eaionischcr Tugend und schreckt dabei in dem plumpen Arrangement, in bei Lkrupellosiigkeit feiner Mittel vor nicht- zurück, am wenigsten vor der Unwahrheit. Es ist keine Frage, daß von einer gewißen Sorte von Preße, die man ja fast allenthalben antrifft, ungemein viel Grund dazu gegeben wird, sie als verächiiiche Einrichtiing zu empki.iden, teils durch notorische Niederträchtigkeiten, teils durch höchst unfreiwillige Koiiiik ihrer Tonart, ihre auS jeder Zeile strotzende Unbildung und MinderbegabtheU. Eme Latyce auf diese Schund- und Lchandpresje wäre gar sehr am Plage, und jeder Autor, der diese Satyre mit fünft» en gebe weiter zu bedenken, daß von den Gemeinden für die persönlichen und sachlichen Ausgaben der Volkvjchub jährlich öi/2 Millionen geleistet wurden. Den technischen Nachmittags - Sitzung. Am Ministertisch: StaatünunisterRothe, Finanzminister Gnauth und ReglerungSkommissaricn. Präsident HaaS eröffnet die Sitzung anstatt um 31 2 * * * * */, Uhr erst um 48/4 Uhr, da vorher zwischen den einzelnen Paiicioorständen in Gegenwart des Staatsministers und des Ftnanzminlsters Besprechungen über die eoent. Bewilligung der Forderung für die Technische Hochschule stattfanden. Zur Geschäftsordnung erhält das Wort Abg. Reinhart: Er könne erklären, dass der grüßte Teil seiner Freunde für die Bewilligung der Forderung für die Technische Hochschule eintreten werde, wenn sich die Großh. Regierung bereit erkläre, eine weitere Erhöhung der Studiengelder für die außerdeutfchen Studierenden auch während des Sornrner- semesterS emtreten zu lassen, sodaß sich in den Einnahmen an Studiengeldern ein Mehr von etwa 60000 Mark ergebe. Abg. v. Brentano bemerkt, die Negierung habe schon die Erklärung abgegeben, daß mit der Bewilligung der jetzigen Lriveiterungsbauten alle Wünsche befriedigt seien und weitere Anforderungen nicht erhoben werden würden, sich auch bereit erklärt, die Sludiengelder für die Ausländer zu erhöhen, sodaß eine gute Verzinsung der jetzt aufzuwendenden Siimine erreicht wird, eS sind unsere finanziellen Bedenken gegen die Vorlage behoben. Wird nun auch noch seitens der Regierung eine befriedigende Erklärung auf die Anfrage deS Abg. Reinhart abgegeben, so werde er mit feinen politischen Freunden in dec Lage sein, für die Vorlage zu stimmen. Abg. Dr. Gutfleisch (frei).) hat in seinem und seiner Freunde Namen zu erklären, daß sie für die Be>oilligung der Forderung waren und auch bleiben würden, ohne Rücksicht auf die zu erwartende Regierungsantwort. Abg. Hirschel (Antis.) erklärt, er sei prinzipiell für die Bewilligung der Vorlage gcnresen und habe daher wohl nicht nötig, sich noch näher darüber zu erklären. Wenn jetzt seitens der Regierung eine entsprechende Erklärung abgegeben werde, 0 werde er und ein Teil seiner Freunde für die Vorlage stimmen. Sie wollten aber dabei keineswegs dem Institut die Lebensader unterbinden, sondern seien lediglich durch das Zweirnillionen-Defizit zu ihrer Haltung veranlaßt. Redner bedauert dann, datz die Regieruna einen von seiner Partei gemachten Vennittelungsvorscylag auf Be- willigung von 400 000 Mark abgelehnt habe, die zu not- wcndiaen Erweiterungsbauten dienen sollten. Abg. Schönberaer (nl.) nimmt der Vorlage aegen- über einen schroff ablehnenden Standpunkt ein uiw legt denselben näher dar. FrnanKMiuister Gnauth hält es für seine Pflicht, hier nochmals zu erklären, daß er nicht die Bedenken derjenigen teile, die unter Himveis auf die ungünstige Finannzlage die Forderung ablehnen wollten. Wenn die Finanzlage eine jo schlechte wäre, dann müßte doch noch verschiedenes Andere abgelehnt werden, was vielen der Herren sehr am Herren liege. (Heiterkeit.) Er habe schon die Zusich.rung gegeben, daß er an neue Steuern absolut nicht denke und er erkläre weiter, daß er jede Vcrcuil- wortung für die Bewilligung dieser Forderung gern übernehme. Abg. Dr. Heiden reich (nl.) weist darauf hin, daß er in dem Ausschuß das einzige Mitglied war, was gegen die Forderung stimmte. Er werde aber nach den Erklärungen der beiden Minister dafür stimmen. Merkwürdig sei, daß die anderen Herren, wie Hirschel und Molthan, im Ausschuß dafür und jetzt dagegen seien. Abg. Ulrich weist ebenfalls aus diesen plötzlichen Wandel in den Anschauungen hin, und plüoiert bann sehr lebhaft für Bewilligung der Regierungsforderung. Bei Ablehnung würde das Institut in Stagnation kommen, und das wäre sein Ruin. Die Erweiterungsbauten Hütten schon vor Jahren borgenommen werden müssen. Es sei doch unerhört, daß das größte Aud.torium der Hochschule eine Baracke fei, also die Technische Hochschule ein Barackenlager, das sei doch gar zu merkwürdig. Die Forderung sei genau so berechtigt, wie die für die Universität anstandslos bewilligten. Da noch zehn Redner zum Wort gemeldet sind, wird die Sitzung um H/i Uhr abgebrochen. Nächste Sitzung heute nachmittag 31/2 Uhr. Hochschulen verdanke die deutsche Industrie in der Hauptsache ihren großen Aufschwung, die Bewilligung der Forderung (ui daher Wirklich eine gute Tat. Abg. Molthan erklärt, daß er und seine Freunde auf ihrem ablehnenden Standpunkt verharren würden; an von Menschen bewohnten Orten anlege und dabei ganze Dörfer beseitiae. Er sei gegen die Aufforderung an bic Regierung, aus die Anlegung eines neuen Truppenübungsplatzes hinzuwirken. Abg. Kohler führt Klage darüber, daß die Auszahlung d er Verpflegungsgelder so spät erfolge. Ministerialrat Best betont, die Einquartierungslasten seien in den letzten Jahren Dank der durchgreifenden Maßnahmen der GeueralkommaiidoS wesentlich herabgemindert worden. Daß eine allgemeine Erhöhung der Verpslegungsgelder notwendig sei, halte auch die Regier- ung für empfehlenswert. Zu Der Frage über den Wegfall der Magazinvcrpflegung könne er sich nicht äußern,! es seien hierfür wohl in erster Linie militärische Gesichtspunkte maßgebend. Nach kurzen Bemerkungen der Abgg. Leun und Haas-Mainz kommt es noch zu einer persönlichen Ätos- einandcrsetzung zwischen den Abgg. Dr. David und Köhler, alsdann wird der Ausschußantrag mit großer Mehrheit angenommen. Nach einer kurzen Pause gelangt die von der ersten Kammer genehmigte Etatspositiou, für Erweiterungsbauten an der Technischen Hochschule Ö587G0 Mark zur Beratung. Abg. Hirschel legt als Referent deS Ausschusses die Gründe dar, die den Ausschuß bewogen haben, dem Beschluß der Ersten Kammer zuzustimmen. 0S fei das namentlich durch die Erklärung des Staatsministers ae- scheheil, der den Hochschuibau mit der jetzigen Bewilligung als abgeschlossen bezeichnet und die Erhöhung bei Studienaclder sür Auswärtige zu erhöhen sich bereit erhärt habe. Staalsminister Rothe führt aus: Nachdem die erste Annulier die Bor läge bewilligt hat, liegt die Entscheidung in der Hand der zweiten Kammer. Die Regierung lege der Bewilligung dieser Forderung die größte Bedeutung bei. Er fei überzeugt, daß das Haus das Institut nicht aufheben, sondern weiter fördern wolle, und dazu fei die Bewilligung absolut notwendig. Der Erweiterungsbau sei gemeinsam mit der Kammer iin Jahre 1901 beschlossen worden, die jetzige Vorlage sei nur eine Folge oieses Beschlusses. Er erkläre namens der Regierung auf bas Bestimmteste, daß dieselbe mit dem jetzigen Erweiterungsbau die Ausgestaltung der Techniscl>en Hochschule als abgeschlossen betrage und keinesfalls mit weiteren Forderungen dafür kommen werde. Die gewünschte Erhöhung der Studiengelder für Ausländer fei im Wintersemester 1901/02 eingetreten, und ergebe ein Mehr von 35 000 Mk, also mehr, als die Verzinsung der jetzt geforderten Summe ausmache. ES sei beabsichtigt, fofon nach der Fertigstellung der Erweiterungsbauleii, im Herbst 1904, eine weitere Erhöhung der allgemeinen Studiengelder eintreten zu lassen. Wenn also die Regierung durch die Bewilligung der Forderung in der Lage sei, das Jnstitiit auf seiner jetzigen Höhe zu erhalten, so werde durch die erhöhten Einnahmen ein vollständiger Ausgleich für die jetzige Forderung cintrcten. Er bitte deshalb dringend um Annahme der Forderung, die Regierung müsse jede Verant- Wortung für die euent Zlonsequenzen einer Verweigerung dieser Summe oblehnem Abg. Reinhart (nl.) tritt in wärmster Weise für die Bewilligung der Forderung ein. Er und seine politischen Freunde hatten schon einmal, im Jahre 1879, die Hochschule vor dem Untergang gerettet: die heutige Aktion gegen dieselbe sei ganz ähnlich. Redner wendet sich dann gegen die früheren Aeußerungen des Abg. Wolf und stellt einen interessanten Vergleich an zwischen den Bewilligungen für die Universität Gießen und denen für die Technische Hochschule. Für die Universität seien seit 1888 8051000 Maik, |ür die Hochschule dagegen nur 2 700 000 Mark vom Staate geleistet worden, wozu bann allerdings auch die Stadt Darmstadt noch eüua zwei Millionen bewilligt habe. Der Slaalszuschuß für jeden Studenten in Gießen betrage 874 Mark, für jeden Studierenden der Technischen Hochschule nur 168 Mark pro Jahr und er Abg. Weidner (Hess. Dp.) wendet sich mit persönlichen Bemerkungen gegen den Abg. Ulrich und erklärt dann, baß auch er nur aus finanziellen Gründen gegen die Bewilligung der Summe gewesen fei. Nach den heutigen Ausführungen des Staatsministers und des FinanzminssterS würde doch eine schwere Verantwortung darin liegen, auf dem oppositionellen Standpunkt zu verharren. AuS diesem Grunde werde er und seine Freunde für die Bewilligung der Forderung stimmen. Abg. Äorell (iraktionSloS). Er habe feine Stellung zu der Vorlage überhaupt nicht vorher festgelegt; er werde, wenn die Erklärung der Regierung ihn befriedige, für die Forderung stimmen. Abg. Bähr erklärt, daß er unabhängig davon, wie die Regierungserklärung ausfalle, gegen die Vorlage votieren werde. StaatSmiyister Rothe führt au8, er habe schon heute morgen dargelegt, daß, wenn ständischerseitS die angeforbertc Vorlage bewilligt werde, alsdann die Großh. Regierung bereit sei, vom Herbst 1904 ab eine Erhöhung der allgemeinen Studiengelder emtreten zu lassen. Sie sei auch bereit, den auS der Mitte deS Hauses von verschiedensten Seiten gegebenen Anregungen Folge zu leisten und gleichzeitig eine Erhöhung der Studiengelder für die außerdeutsihen Stu- bicrenben auch für bas Sommersemester emtreten zu lassen. Wir würden alsdann immerhin auf eine weitere Einnahme von 60 000—60000 Mk. zu rechnen haben. (Allgemeine Bravorufe.) Präsident Haas fragt, ob die zehn noch vorgemerkten Redner nun noch das Wort ergreifen oder nicht lieber verzichten wollten, Die Abgg. Langenbach, Erk, Dr. Giltst eis ch u. A. verzichten darauf, während die Abgg. Wolf, Bähr und Joutz das Wort verlangen und in längeren Ausführungen noch einmal ihren ablehnenden Standpunkt darlegen. Die Vorlage wird schließlich mit allen gegen 7 Stimmen angenommen. Dagegen stimmten die Abgg. Schönberger, Wolf, Joutz, Hauck, Bähr, Kipper und Brauer. Es werden sodann noch einige auS der Ersten Kammer zurückgelangte Positionen durch debattelose Zustimmung erledigt, worauf Präsident HaaS erklärt, daß damit der Ha uS- haltSetat für 1903/4 von der Zweiten Kammer definitiv verabschiedet sei. Auf der Tagesordnung steht nun noch Anfrage der Abgg. Langenbach und Genoßen über den Kaufmännischen Unterricht. Staatsminister Rothe verliest als Antwort hieraus eine längere Erklärung der Regierung, worin mitgeteilt wird, daß die Handelskammer Mainz bereits einen AuSbildungSkursuS ür Lehrer an kaufmännischen Fortbildungsschulen eingerichtet habe. Die Regierung habe deshalb zur Zell keine Veran- lasiung, auf diese Frage weiter emzugchen. Auf Antrag Langenbach soll die Regierungserklärung gebrueft unb barauf eine Besprechung ber Angelegenheit anberaumt werden. Es entspinnt sich nun noch eine längere Debatte übn die nächsten Sitzungen. Schließlich wirb der Antrag auf eine SamStagSsitzung abgelehnt und die nächste Sitzung auf Dienstag 10 Uhr anberaumt Schluß 6*/4 Uhr. Forman (Schnupfenäther) klinisch erprobt unb ärztlicherseits mehrfach als geradezu idcalcS Schnupfenmittel bezeichnet! Bei leichtem Schnupfen Forman-Watte (Dose 30 Pf.). Bei starkem Schnupfen Foman - Pastillen (60 Pf.) zum Inhalieren mittels RiechgläSchenS. Wirkung frappant: Bei be* guinenbem Schnupfen fast unfehlbar. In allen Apotheken. Man frage feinen Arzt. 1613 Ni 0 ne ChocoladeWaffeln ler ifchen Mitteln schüfe, würde von der Presse, die Herr Ernst zu achten oorgiebt. Dank und Sympathie ernten. Leider ist der selige SDlohöre schon lange tot, seine Spuren führen nicht diirch Ernsi'sche Kiitderschulstuben, und der große un- barmherzige Wahrheitsapostel des Nordens, Ibsen, führt sein Eeziermesfer anders als der Herr Lehrer a. D. Otto Ernst fein spanisches Röhrchen. Wenn bei so einem Revoloerblatte eine Redaktionssitzung stattsindet, dann ist daS, wie er glauben machen will, ein großer, ansehnlicher Stab, obwohl eS in Wirklichkeit zumeist ein kleines, untergeordnetes Organ mit armfcligcn Mitteln und in armseliger Verbreitung ist. Den großen, anltänbigcn Teil der Presse läßt Otto Ernst allerdings auch zu Worte fonuuen, aber die Tätigkeit des ,guten* Redakteurs ist so schattenhaft, energielos, man möchte fast sagen trottelhaft geschildert, daß er ganz e ndruckSloS bleibt. DaS meiste Material über die schlechte Presse, so sagte Otto Ernst in seinem Wiener Interview selber, habe er in —Frankreich gesammelt, und als deutsches Stück tischte er eS einem deutschen Publikum auf! Wenn eS ihm darum zu tun gewesen wäre, zu demonstrieren, daß die Kimst, die Kritik und die öffentliche SUlemung in zwiespältigem Verhältnis zu einander sich befinden, dann hätte Ernst nicht so tiefstehende, kaiim irgendivo zu findende Subjekte wählen dürfen wie die RedaklionSmitglieder der .Gerechtigkeit*, denen jeder sittliche Ernst fehlt, die ohne Urteil, ohne Geschmack, ja ohne einen Funken von Selbstachtung von den gemeinsten Motiven getrieben, einen Künstler zu unterdrücken bestrebt sind — bloß weil er die musikalische Mitwirkung einer Dame abgelehnt hat, die der Redaktion nahe sicht. Auf diese Art ist die unbestreitbar gute künstlerische Idee, einen nicht abzuleugnenden schweren Mißstand zu geißeln, deren ernsthafte Ausführung eine Tat wäre, nicht diirchzuführcn. Die Sentenzen und Scherze über Preßfreiheit unb Unfreiheit des kritisierten Künstlers bauern viel zu lange, kehren mit etlichen Varianten immer wieder unb wirken schließlich ermüdend. Die einzige LiebcSszene aber i't unsäglich lächerlich; ein junges Mädchen erscheint um , 10 Uhr abends in der Wohnung des von dem Revoloerblatte bejubelten jungen Komponisten, um ihm Rosen au bringen und nebenbei rührselige Gespräche mit ihm zu führen! Man wird sich freilich dann auch nicht wundem dürfen, daß dasselbe Fräulem am nächsten Abend schon die Braut deS Komponisten geworden ist! Das Spaßhafteste dabei ist, daß sie eins der neun Kinder eines Rebakuons- mitglicbeS gerade jenes Schandblattes ist, eines alten Herrn, der ohne Rücksicht auf seine und der zahlreicheii Semigen Zukunft der .Gerechtigkeit* empört den Rücken kehrt. — O deutsche Komödie, was tätest du ohne Schlußverlobung unb Verlobungöschluß! Hat man sich auch lange Zeil hindurch vergebens nach Stuck und Handlung umgesehen, die friedliche Aussicht auf saftige Hochzeitsfchüsseln macht alles wieder gut. Das Stückchen hat aber auch seine kleinen Vorzüge. Der 2. Auszug, der in der Redaktion ber „Gerechtigkeit" spielt, ist ganz amüsant, unb manches Aeußcilichc ist bem Milieu in einem ZeituiigSbetricbe ganz nett abg< guckt. Unb wenn es auch, wie in jedem anderen Berufe, in dem journalistischen eine foldje ausgesuchte Lumpeiibande wohl nur in der Einbildung des Herrn Ernst gibt, und ebenso eine solche Giftnudel von Zeitung, die ihre Feuilletoniubrik znm Rcdak» tionsspuctuapf benutzt, so ist bod) bie Lehre, bic der Ko- mödienschreiber sich selber gibt, ganz verständig. Ter von der Kritik heruntergemachte Künstler soll sich nicht aus Prcßpolemiken cinlaijen, sondern durch bessere und voll- tomnienerc Kunstwerke seine Tadler zu entwaffnen suchen! Zu rühmen sind ferner ein andauernd frischer Humor, flotte Szenenführung, mand'C musterhafte Episode, die prägnante Sdstagfertigkeit des Dialogs. Es hat etwas recht Zweifelhaftes, wenn auf der Bühne ein Künstler als fabelhaftes OK*nie, als der Töne Meister, als cm neuer Rid-ard Wagner auSposaunt wird, in feiner Persönlichkeitswuk^ng aber abjol.-t nichts Bezwingendes vom Autor mitbclommcn hat. Tiefe unbanibarc Figur dar- zuftellcn, lag gestern Herrn v. Stahl ob. Ta Herr Ernst es versäumt hatte, zu zeigen, welcl-c Welten in diesem Manne stccrcn, sodaß nia/t öaS mindeste zu spüren ist von dem Herzschlag eines musikalischen Lebens, so hatte sich Herr v. Stahl darauf zu beschränken, einen jungen Brausekops zu zeichnen, der nichts anderes tut als sich fort- wahrend ulki- Druckerschwärze zu erbosen, worin offenbar Herr Ernst bie Charakteristik beS KünstlertumS erblickt. Tiefe Ausgabe erfüllte Herr v. Stahl mit fd>önem Temperament und Frische, in edler Haltung und mit echten GefühlS- walluiigen. Den besonnenen, die impulsive Künstlernatur dämpfenden Freund hatte Herr Ger lach darzilftellcn. Dieser phantomisch-imaginär mit wenigen blassen Slrick)en aiigedemete „weiße" 'JiebaLeur ist schon vom Auivr zu kümmerlicher Passivität verurteilt, und Herr Gerlach gab ihn denn auch nicht weniger oberflächlid) als Herr Eriill selber. Tie mehr oder iveitigcr amüsanten Merle und Kerlchen von der „Gerechtigkeit", die unter sich und mit dem Verleger im schnodderigsten Tone verk.hr en, bereiteten als possenhafte Chargen unfern Tarsteliern viel Vergnügen. Ten Herrn Löhmann, der mit öffentlicher Meinung handelt, stellte Herr Becker leider recht matt dar. Die Rolle bietet Gelegenheit, einen kiobiaen Pr^tz Wil naivem Chnismus zu zeichnen, dem eine sehr starke Wirkung beschicden sein kann. Tiefer Sck>undb mt.be jitzer von verwegenster Niedrigkeit der Gesinliung ist von seiner Macht außerordentlich überzeugt, und pocht mit stärkstem Selbstbewußtsein barauf, baß feine „Gerechtigkeit" von allen bcn Tausenden und Abertaufenden gern geiefen wird, die an Klatsch und Skandal Vergnügen finden. Um so wirt- ungsvoller war dafür unter Herrn LöhmannS Pießban- bilcn Herr Ramfeyer als alkoholisierter Intellekt der Redaktion, eigentlich bad einzige Fettauge auf Herrn Ernsts breiter Wassersuppe, ein witziger Zeimn-Uebermensch mit spitzen Rcbcpseilcn. Ter Haup.gauner ber „G.rechtig- feit", ber Rezensent Struppmann bcs Herrn Steinert war auch nicht übel; indem er den Sarkasmus und die Boshastigkcit besonders kräftig unterstrich, hatte er den Beifall auf seiner Seite. Um die übrigen druckerschwärzlichen Gentlemcn machten sich uamemlid) die Herren Zober und Topfen verdient. Mit Aneik.irnung zu neiuu» sind endlich auch die Herren W^allmüller, Heypertz unb Kruse unb bie Damen Schmibt, Bünau unb Brücher. Siebe zur Sache war bei allen zu spüren. Könnte man nur mit bem Stück selbst auch einverjianben sein wi: mit ber gestrigen Aussühmna, bic mit lebhaftem Beifall ausgenommen würbe! Vielleicht kommt Herr Ern» selber noch einmal zu ber Einsicht, baß, wie Herrn Loh' manns, seine ganze „Gerechtigkeit" bes Zornes ber Edle» nicht wert ist. PW. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen •artenftrafce 1 ($Qrflmneffier«tQrMube) flimmer Rr. 14. t1« tlrbeiltnacfirofU bat bie Uuloabe, |r»«ld)en Ylrbettaebern unb tirbeirnebmrrn (Urbcitmi j,glich,r Art. Dienftbote» ,»» tcbrUegcii) unentfleliltd) Arbeit 1 Mausöurg ii. Krnst Bulscr. €x«l$lor Pntumatlc Anerkannt beste Qualitlts-Marka für Fahrräder und Automobile Hannoversche Qummi-Kamm-Co. Akt-Ges. Hannover-Llmmer l^hilisalpktcr ArWtttrniittcl Aaillit Stslilll-, Pllllll-, Rübkllchtli LhoniMchl Malzkcme nfw. auch in einzelnen Säcken bei 2331 A. Katz, Maiilatt 15. Portland-Cementfabrik „Germania“ AktieuGesellfchaft vormals H. Jlannke A. Co. Fabriken in 2220 Lehrte, Misburg, Suuigerloh empfiehlt ihre a. hervorragendes Fabrikat bekannte Marke „Germania**. 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