Nr. 300 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesflschen Landwirt die Gießener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'lchen Untvers.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Gchnlftraße 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Donnerstag 37. August 1903 Zweites Blatt. 153. Jahrgang GiehenerAnjeiger w General-Anzeiger v Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen Be^ngSpretSr monatnch75Ps., vierter jährlich Mk. 2L0; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Poft Mk.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen ür die TageLnummer .>iS vormMagS 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12 Ps^ auSwürtS 20 Psg. Verantwortlich für den pottt und allgern. Teil: P. Witiko- für „Stadt und Land^ und .GerichtSsaatE; August GStz; für der« Anzeigenteil: pan« Beck. Die Heutige Kummer umfaßt 8 Seiten. Kekamümachung. Bettr.: Feldberemiguug in der Gemarkung Gießen rechts der Lahn. In der Zeit vom 1. September l. Js. bis einschließlich 14. September l. I. liegen auf dem Bureau Großherzoglicher Bürgermeisterei Gießen die Arbeiten des III. Abschnittes von den Fluren 32 und 33, sowie von Teilen der Fluren 28, 29 und 30 obiger Gemarkung, nämlich: 1) 1 Heft Zuteikungsverzeichnis, 2) 4 Zirteilungskarten, 3) 1 Band Gütergeschoß, 4) 1 Heft Zusammenstellung der Gütergeschosie, 5) 1 Heft Geldausgleichungsverzeichuis, 6) 1 Heft Verzeichnis der Drainagekosten zur Einsicht der Beteiligten offen. Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet statt Dienstag, 15. September l. I., vormittags von 10y4 Uhr bis ir/4 Uhr, im Bureau Großherzoglicher Bürgermeisterei Gießen, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Die Einwendungen sind schriftlich abzufassen, zu begründen und auf Papier in Aktengröße (mindestens V2 Bogen) einzureichen. Friedberg, den 26. August 1903. Der Großherzogliche Feldbereinigungskommifsär: Spam er, Kreisamtmann. Bekanntmachung. Die am 20. Juli l. Js. angeordnete Sperre der Schanzenstraße wird hiermit aufgehoben. Gie.ßen, den 26. August 1903. Großherzogliches Pvttzciamt Gießen. I. V.: Roth. Oeringc Aussichten. Aus Kolon ial kreis en wird uns geschrieben: Wenn der Reichstag eine koloniale Forderung ablehnt, so wird dies in der Regel auf die Haltung des Zentrums zurückgeführt. Insofern mit Recht, als zumeist das Zentrum bei der Abstimmung den Ausschlag gibt. Weniger beachtet und hervorgehoben wird indessen die kolonialpolitische Haltung der Konservativen, die in den letzten Jahren eine gewisse Wandlung erfahren hat. Während früher die konservative Fraktion einstimmig für die K'olouialsorder- ungen der Regierung eintrat, versagte sie besonders wäh- rerw der verflossenen Legislaturperiode wiederholt der Regierung die Gefolgschaft. Man schätzt auf dieser Sette die Bedeutung der Kolonialpolitik offenbar nicht mehr so hoch ein wie früher, sondern stellt die finanziellen. Konsequenzen in den Vordergrund. Das hat der konservative Abg. Himburg in einer Wahlversammlung im Mai d. I. ja klipp und klar ausgesprochen: „Die Kolonial- .politik kostet uns zu viel. Wenn wir es vorher wußten, hätten wir am Ende die Finger davongelassen." Diese Worte sind bemerkenswert, denn Himburg zählt nicht zu den agrarische, sondern zu den Alt-Konservativen. Wohlwollend stehen der Kolonialpolitik auch im neuen Reichstage nur gegenüber die Reichspartei, die Nationalliberalen, ein kleiner Bruchteil des Zentrums, die Freis. Vereinigung und einige Wilde. Verwunderlich ist bei dieser Sachlage der O p t i m i s m u s des Grasen B ü l 0 w in Bezug aus das Schicksal kolonialer Projekte, z. B. das der ost- afrikanischen Zentralbahn. Bekanntlich sind selbst in kolo- nialen Kreisen die Ansichten über dieses Projekt geteilt; die Idee des Baues einer ostafrikanischen Sudbahn nach dem Nyassa-Sec findet mehr und mehr Mängel, auth 'im Reichstage. Graf Bülow aber hält, wie sein unlängst veröffentlichtes Schreiben an einen für koloniale Angelegenheiten sich interessierenden Verband erkennen läßt, an dem Zentralbahnprojekt fest, weil er in dem Bau dieser Bahn auch heute noch eine „Lebensfrage" für die M>lonre erblickt. Die Aussichten, daß diese Lebensfrage der Lösung zugeführt wird, sind beinahe gleich Null. Dolitische Tagesschau. Das kann gut werden! Tie Heftigkeit, mit der die „Vizepr äsideuten- frage" im sozialdemokratischen Laaer erörtert wird, steigert sich von Tag zu Tag. Wenn das so fort geht, dann muß es auf dem Dresdener Parteitag am 13. September zu einer beispiellosen „E n t l abun g" kommen. Am wildesten geberden sich die Anhänger Bebels, die „Alten". Einer von ihnen, der durch seine grobkörnigen Reden bekannte Abg. Zubeil, erging sich gestern in emer Berliner Versammlung in den schärfsten Angriffen gegen einen Führer der „Jungen", den Abg. Heine. Er suchte ihn als „eitlen Gecken" hinzustellen, der danach strebe, eine außergewöhnliche Bedeutung in der Partei zu erlangen. Aus diesen groben Klotz setzte Abg. §€iitc prompt den gehörigen Keil. Es giebt aber noch weit temperamentvollere „Genossen" als Zubeil in der Partei, von den heißblütigen „Geno,sinnen", wie Frl. Luxemburg u. a., ganz zu schweigen. Doch nicht der Parteitag allem wrrd sich höchst interessant gestalten, auch die geheimnisvolle ^Kaiser- in s e l - Angelegenhett" wird demnächst vor der Oesfentuch- kett entrollt werden, da der Hosmarschall v. Trotha, angeblich der Urheber des Projekts, die Beleidigungsklage gegen den „Vorwärts" angestrengt hat. Der verantwortliche Redakteur des Vorwärts ist bereits für heute (Donnerstag) zur Vernehmung geladen. Von dem 44. GeuosseuschaftStage der deutschen Erwerbs- und Wirtschastsgeuosieuschasteu wird aus Danzig geschrieben: In der ersten Hauptversammlung stand zunächst im Mtttelpunkt des Interesses der vom Verbandsanwalt Tr. Crüger erstattete allgemeine Bericht über die Lage des deutschen Genossenschaftswesens im allgemeinen und der des Verbandes im besonderen. Danach sind 218 Konsumvereine aus dem Allgemeinen Verband ausgetre ten, während es bei 130 noch unbestimmt sei, wie sie sich verhalten werden, sodaß aber jedenfalls dem Allgenreinen Verband noch rund 300 Konsumvereine treu bleiben werden. Des weiteren ist die Zahl der Genossenschaften im letzten Jahre von 21127 aus 22 512 gestiegen, und besonders groß ist die Ausgestaltung der Zentralisation auf dem Gedielte des Genossenschaftswesens. Tie wirtschaftlichen Verhältnisse haben sich nach mancher Richtung hin bei den Ge- nossenschasten bemerkbar gemacht, so ist bei den Kreditgenossenschaften Geldüberstuß zu verzeichnen infolge des schlechten Geschäftsganges bei ben Konsumvereinen, vielfach bei den Einzelmitgliedern ein Rückgang des Warenumsatzes, und besonders erschwert wurde die Aufrechterhaltung des Prinzips der Barzahlung. Auch die Baugenossenschaften hatten unter der wirtschaftlichen Krise zu leiden. Tie Entwicklung der Handwerkergenossenschaften ist auch im vergangenen Jahre verhältnismäßig schwach gewesen. Der Hauptversammlung wohnten als Vertreter des Finanzministers Bankdttektor Dr. Zierold, des Handelsministers Bergassessor Dr. Siller bei. Nach dem speziellen geschäftlichen Bericht für 1902 umfaßt der Verband 1435 Genossenschaften mit 883 088 Mitgliedern. Das gesamte Betriebskapital beträgt 903193 595 Mk. An die Erstattung des, Geschäftsberichts schloß sich eine längere Debatte, an welcher sich besonders auch der Vertreter der Reichsbank und des Handelsministers beteiligten. Des weiteren wurde die Ein- tragung des Verbandes in das Vereinsregister beschlossen und Tr. Crüger-Charlottenburg zum Vorsitzenden gewählt. Deutsches Reich. Berlin, 26. Aug. Der Kaiser machte heute früh in Kronberg mit dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen einen zweistündigen Spazierritt in den Wald am Altkönig. Zur Mittagstafel waren der Kommandeur des 18. Armeekorps, General v. Lindequist, und der frühere Leibarzt der Kaiserin Friedrich, Dr. Spielhagen, geladen. Der Kaiser ist heute nachmittag nach Wilhelms hü he abgereift und dort am Abend eingetroffen. Der Chef des Zivilkabinetts, v. Lucanus, der Chef des Militärkabinetts, Gras Hülsen-Häseler und Kriegsminister v. Einem sind ebenfalls dort angelangt. — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: „Unsere Erklärung, daß die Mitteilung über eine Auseinandersetzung zwischen dem Kaiser und dem Reichskanzler in der Jesuit en frage auf Erfindung beruht, genügt dem ,Michsb." nicht, er meint, wir dementieren nur, daß eine Auseinandersetzung auf Grund der Vorstellung des evangelischen Oberkirchenrates erfolgte. Demgegenüber sei chm nunmehr „schlicht und einfach", wie er will, gesagt: „Die Behaptung, daß zwischen dem Kaiser und dem Reichskanzler über die Frage der Aufhebung des, ß 2 pes Jesuitengesetzes überhaupt eine Auseinandersetzung stattgefunden hat, ist eine Lüge." — Tie Königin-Witwe MargheritavonJtalien, welche sich zurzeit auf einer Nordlandreise befindet, wird, dem Vernehmen nach auf Kaiser Wilhelms Einladung der Kaiserparade bei Erfurt persönlich beiwohnen, zu welchem Besuche die Königin-Witwe in den ersten Tagen des September von ihrer Seereise zurückkehren wird. Königin Margherita ist Chef des Jäger- Bataillons Nr. 11, das an der Kaiserparade teilnehmen wird. — Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen beabsichtigen, im Oktober einen längeren Aufenthalt im Süden zu nehmen. — Die „Berl. Pol. Nachr." berichten: Die Finanzminister der verschiedenen Einzel st aaten treten Ende September ober Anfang Oktober in Berlin zu einer Konferenz zusammen. Es handelt sich bei der Konferenz nicht um einschneidende prinzipielle Fragen, wohl aber um die Frage der Balanzierupg des Reich shaus- Halts-Etats. Weimar, 26. Aug. Ueber Verstimmungen und Dissonanzen am Hof wird den „Leipz. N. N." geschrieben: Anlaß zu der Reise der neuvermählten Großherzogin Karoline nach St. Moritz in der Schweiz habe nicht Blutarmut und Appetitlosigkeit der jüngen Fürstin gegeben, wie offiziös verbreitet worden, sondern tiefe Verstimmungen über gewisse Hofstaatangelegenheiten, die bestimmt austretenden Gerüchten zufolge auch eine Diffe - re nz mit dem Groß Herzoge selbst gezeitigt hätten. Eine Bestätigung sehe daö Publikum der sachsen-weimari- schen Residenz schon darin, daß der Großherzog, der nach der ersten offiziellen Hofnachricht die Schweizerreise seine Gemahlin nach St. Moritz .giiin-i haben sollte, nach einer späteren ossiziellen Nachricht tatsächlich nur bis Zürich mitgereist sei; ferner aber sei damals der Großherzog vom Bahnhof in Weimar, wie bisher unwidersprochen verlaute, zwar in d e m s e l b e n Z u g e w i e d i e Großherzogin, aber nicht in demselben Wagen abgereist. Als einziger Anlaß zu der Schweiherreise bleibe tatsächlich nur die seelische Verstimmung übrig, von der in Weimarer Kreisen sogleich nach der Abreise gesprochen worden sei. Stuttgart, 26. Aug. Welch ein Ton in sozial- demokratischen Versammlungen angeschlagen wird, dafür liefert einen Beweis ein Ausspruch der Genossin Frau Zetkin. Diese Führerin der sozialdemokratischen Frauenbewegung bezeichnete den Fürsten Bismarck als Obersauhirt. Ohne Widerspruch wurde diese Bemerkung von der Versammlung hingenommen. Kirche und Schule. Wie schon früher mitgeteilt, findet vom 21.—24. Sept, d. Js. in Braunschweig der 32. Kongreß für Innere Mission statt, zu dem alle evangelische Christen, Männer wie Frauen, eingeladen sind. Das Programm ist reichhaltig und die zur Verhandlung stehenden Themata sind zeitgemäß, d. h. sie berühren sich mit den in der Gegenwart die evangelische Christenheit' bewegenden Fragen. Die beiden Hauptthemata sind: „Die Aufgabe der Inneren Mission gegenüber der gegenwärtigen Gefährdung . der christlichen Lebensanschauung durch antichristliche Geistesströmungen" und „Die Innere Mission und humanitäre Liebestätigkeit". In den Spezialkonferenzen kommen zur Behandlung: „Die Prostitution und ihre Bekämpfung", „Tie Fürsorge für Fabrikarbeiterinnen", „Die Innere Mission und die Fortbildungsschule", „Der evangelische Christ und seine Zeitung". Keer und Awtte. Die Manöver der Großh. Hessischen Divi» sion und des 18. Armeekorps finden, wie schon erwähnt, im Kreise Wetzlar und Biedenkopf statt und setzen sich int Westerwald bis Herborn, Dttlenburg, Westerburg fort. Die 50. Infanterie-Brigade hat vom 29. August bis 2. September bei Rechtenbach, Münchholzhausen, Lützellinden und Allen- dors Gefechtsschießen, vorher findet Itegiments- und Bri- gade-Eexrzieren auch im genannten Gelände statt, nach dem Gefechtsschießen ist bei Wetzlar und Braunfels Divisionsmanöver. Die 116er befinden sich, zurzeit in Griesheim. Das Feld-Artillerie-Regiment Nr. 61 aus Darmstadt wurde am 25. August in Butzb ach einquartiert und rückt dann über Brandoberndorf in die Gegend von Hermannstein, Ehringshausen, Aßlar, Werdorf, wo am 3. September Gefechtsschießen mit scharfer Munition statt- findet. Ter Großherzog wird Anfangs September im Schloß zu Friedberg Wohnung nehmen, um von dort aus den Brigademanövern der 49. Brigade beizuwohnen. Ter kommandierende General v. Lindequist nimmt am 8. und 9. September in Wetzlar Quartier und besichtigt von dort aus im Gelände Rechtenbach die 50. Brigade. — In Wetzlar rückten am Mittwoch 3 Batterien des 61. Feldartillerie- Regiments ein, von denen 2 Batterien in Wetzlar-Niedergirmes einquartiert wurden, während die dritte nach Werdorf in Quartier kam. In militärischen Kreisen beschäftigt man sich schon lange mit der Umänderung unserer allzu bunten und glänzenden Uniformen, ohne daß man bisher zu bestimmten Entscheidungen über die Neu- bekleidung des Heeres gekommen ist. Einen interessanten Versuch über die Sichtbarkeit der verschiedenen Farben hat die Besatzungstruppe in Langfang (China) angestellt. Das Wochenblatt der deutschen Besatzung berichtet darüber: Es war bei Felddienstübungen schon öfter aufgefallen, daß die grauen Winteruniformen unserer Leute sich von den blauen Anzügen der Chinesen, die sich immer als Zuschauer ein- sinden, auf wettere Entfernungen gar nicht unterscheiden. Um nun festzustellen, welche Farbe von den in Tragung befindlichen Sachen sich am wenigsten vom Gelände abhebt, wurde ein kriegsstarker Zug formiert; die erste Gruppe trug unseren grauen Winteranzug, die zweite die alten blauen Litewken und schwarze Tuchhosen, die dritte Khaki, die vierte Mantel und die fünfte endlich Drillichzeug. Der Zug wurde geschlossen hinter entlaubten Sträuchern ausgestellt. Auf Entfernungen über 1300 Meter war das Ergebnis folgendes: Grau und Mäntel erschienen als gleichf- mäßig dunkle Flecke, während die Abteilungen in Khaki und Drillich sich nur wenig vom Erdboden und Hintergrund abhoben. Tas Zielen auf die beiden letzteren im Liegen und Knieen war sehr erschwert, da das Ziel zu undeutlich in der stimme sichtbar tu ar. Als die füns Gruppen später als Schützen vorgingen, war Bläu und Gran von einander gar nicht zu unterscheiden; die vorgehenden Schützen sahen gleichmäßig dunkel aus. Erst auf 500 Meter erschien das Grau etwas heller als das Tunkelbtau. Die grauen Mäntel boten sehr gute Ziele, da die Schützen als lange dunkle Streifen sichtbar waren. Khaki und Drillich boten ziemlich gleichartig auf allen Entfernungen ein schweres Ziel. Erleichtert wird das Zielen auf Schützen, die ohne besondere Deckung am Boden liegen, wenn sie das Gepäck trugen; die Tornister und besonders die schwarzen Kochgeschirre heben sich als dunkle Punkte im Gelände ab und bieten ein sehr gutes Abkommen. Tie Lehren aus dem traurigen Fall Bilek scheinen an manchen österreichischen Truppen führ ern spurlos vorübergegangen zu sein. So wird jetzt aus Graz, betannt, daß bei einem Uebungsmarsch. eines Teiles der bärtigen Garnison infolge Hitzschlages und der Strapazen sechs und neun zig Soldaten erkrankten. Die Mehrzahl wurde mit dem Rettungswagen nach Graz gebracht. Als die Biannschäft äußerte, sie hätte Durst, rief ein Hauptmann ihr zu: „Freßt Gras'" Ein Reservist Finsterwalder, Vater von fünf mindern, wurde irrsinnig. Ausland. Haag, 26. Aug. Sämtliche Mannschaften der 6. Feld- batterie haben den Gehorsam verweigert und entfernten sich aus der Kaserne. Sie wollten damit gegen die schlechte Behandlung seitens des Batteriechefs protestieren. Die Militärverwaltung hat umfangreiche Maßregeln getroffen, um ähnliche Vorgänge bei anderen Batterien zu verhindern. Paris, 26. Aug. Der Generalrat des Departements Eure et Loire hat den Wunsch geäußert, den Zoll auf Mais und Futtergetreide sowie auf Wo l l st o s f e aus Holland und Belgien um 25 Prozent zu e r h ö h e n. — Die Ankunft des Königs von Italien erfolgt zwischen dem 12. und 16. Oktober. Tte für den 13. Ott. geplante Einberufung des Parlameirts ist infolgedessen auf eine Woche verschoben worden. Basel, 26. Aug. In der heutigen Sitzung des Zio- aistenkongresses referierte Oppenheimer über die Art zionistischer Ansiedlungen im allgemeinen, besonders mit Rücksicht auf P a l ä st i n a. Die Debatte über das Ostafrika- Projekt wurde geschlossen, nachdem noch tzerzl und Nordau gesprochen hatten. Das Aktionskomitee stellte den Antrag, eine Kommission zum Studium des Ostafrika-Projektes zu wählen. Diese soll eine Expedition entsenden. Bei der Abstimmung stimmten 295 mit ja, 177 mit nein. Die dem Ostafrika-Projekt feindlichen Russen verließen demonstrativ den Saal. Wien, 26. Aug. Die „Allg. Ztg" sagt, das Unterbleiben des Wiener Besuches des Königs der Belgier sei eine Folge der Spannung zwischen dem Kaiser und dem König Leopold. Tie Veranlassung der Spannung seien die bekannten Vorfälle beim .Lode der Königin Henriette sowie das Vorgehen des Königs gegen die Prinzessin Luise von Koburg. Der Kaiser blieb absichlich länger in Budapest, um eine Begegnung mit König Leopold zu vermeiden, worauf dieser seine Wiener Reise aufgab. Mazedonien. Der bulgarische Ministerpräsident Petrow unterbrach plötzlich eine Wahlagitationsreise und kehrte nach Sofia zurück. Meldungen über verstärkte Bandenübertritte sollen seine Rückkehr veranlaßt haben. Tie in einem Meeting gefaßte Resolution wiederholt die Forderung betreffs eines christlichen Verwesers mit ständiger europäischer Kontrolle. Die Resolution wird den Vertretern der Mächte, dem serbischen und rumänischen Konsul, sowie der bulgarischen Regierung zugesandt. Eine macedonische Abordnung begibt sich nach den europäischen Hauptstädten, um die Berliner Siznatarmächte zum Einschreiten zu Gunsten Maeedoniens zu bewegen. Heber den Adrianopeler Aufstand wird gemeldet: Aufständische sprengten vorgestern das Postamt und die Kaserne int Torf Talaschmak in die Luft und machten 15 Gendarmen nieder. 25 Baschi- bozuts hatten ein heftiges Gefecht bei Gioktepe. Komiteebanden verbrannten die Getreideernten in den Dörfern Kavaklii und Jenidsche im Bezirk Kirkkilisse. Die zerstörten Telegraphenlinien zwischen mehreren Orten der Linie Kirkkilisse sind wiederhergestellt. Die Einwohner der von den Komiteebanden umstellten Dörfer Dokusjuk, Syklar, Kedikoi und Derekoi und anderen in der Umgebung von Kirkkilisse jlück)teten. Eine Rote der Pforte sagt in Beantwortung der Note der östreich-ungarischen Botschaft, daß Cdhib Pascha und Suleiman Pascha mit dem Kommando über die Maßnahmen zum Schutze der Orientbahnen, und zwar Letzterer mit dem Schutze der Saloniker Bahnlinie, betraut feien. Die Bahnhosswachen würden entsprechend verstärkt, um ähnliche Vorfälle' wie bei der Station Seleniko zu verhüten. — Infolge der jüngsten freundschaftlichen Vorstellungen seitens einiger diplomatischen Stellen erließ die Pforte Befehle an alle Zivil-, Militär- und geistlichen Behörden, dahingehend, Auswüchse des mohammedanischen Fanatismus sowie Ausschreitungen seitens der Truppen gegen die Bevölkerung zu verhüten. Die kompetenten Stellen werden für die Ausführung dieser Befehle verantwortlich gemacht. Wie verlautet, beabsichtigt die Pforte wegen der von den Komitees verübten Greueltateu im Sandschak Kirkkilisse und der hierdurch verursachten Massenflucht von Mohammedanern und Christen nach Konstantinopel bei den Großmächten und in Sofia ernste Beschwerden und Vorstellungen zu erheben, mit der Angabe, daß Beweise dafür vorliegen, daß Bulgarien zu der Bandetibewegung nicht nur die Bandenchefs liefere, sondern sie auch, in persönlicher und materieller Beziehung unterstütze. Zugleich werde die Pforte erklären, daß sie jedwede Verantwortung für alle Folgen ablehne. In der Mhe der Ortschaft Zinetieo 100 Kilometer von Konstantinopel ist eine bulgarische Bande aufgetaucht. Infolgedessen werden die umfassendsten Sicherheitsmaßregeln getroffen, um Konstantinopel vor einem Ueberfall zin schützen. Tie „Frkf. Ztg." berichtet aus Konstantinopel: Marschall Omer R u s ch d i Pascha, Kommandant der ma- cedonischen Otkupationstruppen, wurde ab gesetzt und nach Konstantinopel berufen. Seine Absetzung ist ein wesentlicher Erfolg der Militärpartei, welche den Marschall Omer mangelnder Umjidjt und Tatkraft beschuldigt. Ter Sultan bot das Oberkommando Eh dem Pascha an, der jedoch aus Rücksicht auf seinen leidenden Zustand ablehnte. Die türkische Regierung zu Tripolis befahl den Ankauf von Pferden für Maeedonien. Tie „9ieue Fr. Presse" meldet aus Konstantinopel, daß wegen des geringen Reiseverkehrs die vorläufige Einstellung des Orient-Expreßzuges Wien-Konstan- tinopel beabsichtigt ist. Die „Nat.-Ztg." schreibt anscheinend reichsoffiziös: Der bevorstehende Besuch, Pen der Zar dem Kaiser von Oesterreich in Wien abstatten wird, kann nur dazu beitragen, die volle Uebereinstimmung Oesterreich-Ungarns und Rußlands hinsichtlich des Zusammengehens der beiden Staaten, insbesondere in Bezug auf die Notwendigkeit, den macedonischen Aufstand rasch zu unterdrücken, durchaus zu bekräftigen. Tiesc Bemühungen finden zugleich von feiten anher er europäischer Großmächte entschiedene'Unterstützung. Aus Alüdl und Land. Gießen, 27. August 1903. Sc. Majestät Kaiser Wilhelm 11. hat gestern auf der Rückreise von Lronberg nach Kassel mit Sonderzug um 5,07 Uhr nachrn. die Station Gießen passiert. •* Ernennung. Der a.-o. Prof, an der Universität Königsberg Dr. Paul Gisevius mürbe lt. „Darmst. Ztg." zum orb. Professor der Landwirtschaft an der Universität Gießen ernannt. ~ „ „ , r . ** Der Universitätsbiener Ioh. Ruhl würbe, wie uns aus Darmstabt nach amtlicher Quelle drahtlich ge- melbet wirb, mit Wirkung vom 1. September in den Ruhestand versetzt und ihm bas silberne Kreuz bes Vcrdienstorl. cns Philipps bes Großmütigen verliehen unter Anerkennung seiner treu geleisteten Dienste. ** In Betreff ber Vorträge über Krankenpflege seitens einer „Schw ester Friederike" wirb uns von berufener Seite mitgeteilt, baß die Veranstalterin dieser Vorträge aus dem Darmstädter Diakonissenhaus aus- geschieben ist unb bie Vorträge mit ber Sache ber christlichen Diakonie nichts zu tun haben. . *» Der Gesangverein „Harmonie" brachte gestern abenb seinem Mitglieb August Albolb für 25jährige Mit- gliebschaft ein Stäubchen. Herr A. würbe burch Ueberreich- ung eines Diploms zmn Ehrenmitglieb ernannt. ** Dünsbergwettturnen. Am fommenben Sonntag finbet, wie wir bereits mitteilten, auf bem Dunsberg bas dritte volkstümliche Turnfest bes Gailes Hessen statt. Gleich ben über ganz Dcntschlanb verbreiteten berühmten Felbberg- turnfeften soll auch bas Dünsbergturnfest einen echt volkstümlichen Charakter tragen. Hoch auf ben Bergen, fern von bem Alltagstrubel ber Welt messen bie Jünger Jahns in frieblichem Wettkampfe ihre Kräfte unb ber Dünsberg soll eine Pflanzstätte bes echten beutschen Volkstums werben. Die Feste stehen im Dienst ber beutschen Turnerschaft unb omit im Dienste für da§ Vaterlanb. Es wäre zu wünschen, baß seitens ber Einwohner Gießens unb ber Umgebung bes Dünsbergs biesen Turnfesten, bie zu ben schönsten Hoffnungen berechtigen, bas größte Interesse entgegengebracht wirb. r Robhei m a. Bieber, 26. Aug. Auch im Kreise Biedenkopf hat sich ein Hilfskomitee ber burch Hochwasser Geschäbigten gebilbet unb finb zu Biebenkopf, Battenberg, Gladenbach unb hier zu Robheim Sammelstellen bei ben Bürgermeistern eingerichtet. Da unsere Lanblcute auch biesmal roicber ben Erfolg ihres Fleißes burch eine ziemlich gute Ernte belohnt sehen bürsten, so werben ich auch in allen Gemeinben unseres Kreises willige Geber inben, bie gern ein Scherflein zur Unterstützung ber Geschäbigten beitragen. k- Ettingshausen bei Lich, 25. August. Bei ber heutigen Beigeorbnetenwahl würbe Zimmermeister' Heinrich Seipp mit 61 Stimmen neu gewählt. Der seitherige Beigeorbncte G. H. Kell erhielt nur 39 Stimmen. Seipp ist erst 28 Jahre alt. Die Wahlbeteiligung war sehr lebhaft; von 116 Wahlberechtigten stimmten 100 ab. Homberg a. d. Ohm, 26. Aug. Am Sonntag fand hier eine Sitzung des Bezir ksau s s chu s ses Gießen, bestehend aus Vertretern der Ortsgewerbevereine Gießen, Lich, Grünberg, Lollar, Londorf und Homberg, statt. Tie Arbeiten der hiesigen Sonntagszeichenschule fanden, wie der Vorsitzende, Petri-Gießen, bemerkte, Anerkennung. Ter Antrag Geißler-Kempten, betr. gesetzliche Regelung einer Pensionskasse für je lb ständige Gewerbetreibende, fand Zustimmung. Bei Besprechung über das taatliche Submissionswesen, das in allernächster Zeit eine zufriedenstellende Regelung in Hessen erfährt, über Festlegung von Einheitspreisen für staatliche Ausbesserungsarbeiten und über engere Submission wurden verschiedene Klagen darüber laut, daß bei Vergebung von Arbeiten von den maßgebenden Baubehörden die einheimischen Hand- toerfer nicht immer in der Weise berücksichtigt würden, wie dies zu wünschen sei. Von feiten des Vorsitzenden wurde daraus hingewiesen, daß die Handwerkskammer stets bereit ei, berechtigte Klagen der Handwerker bei den zuständigen Behörden vorzubringen und für Abhilfe einzutreten. — Ein Probeabzug der Statuten der neu zu gründenden Handwerkergenossenschaft wurde den Vorsitzenden der einzelnen Vereine übergeben. Man war der Ansicht, daß das Interesse für diese Genossenschaft aus dem Lanlde noch recht gering sei. Tie Städte möchten zunächst der Frage erst näher treten. Tie Anmeldungen zur M eister - irüfung in Oberhessen sind heuer außerordentlich zahlreich; die Zahl 90 ist überschritten. Die theoretischen Prüs- ungen finden vom 7.-25. September in Gießen statt. Nach einigen Bemerkungen des Vorsitzenden über die Revision der Handwerksbetriebe, die in allernächster Zeit beginnt, und einer kurzen Ansprache des Beigeordneten Geibel-Hom- berg an die Mitglieder des Ausschusses wurde die Versamnv- lung geschlossen. Am Nachmittag unternahmen sämtliche Herren, denen sich der Vorstand und andere Mitglieder des hiesigen Ärtsgewerbevereins angeschlossen hatten, einen Spaziergang über ben Höchberg nach Schweinsberg. Der Besuch ber Amöneburg mußte leiber des starken Gewitterregens wegen ausgegeben werden. Darmstadt, 26. Aug. S. K. H. der Groß Herzog empfingen am 26. August u. A. ben Oberlehrer Professor Dr. Schmitt vom Gymnasium in Gießen, ben Kreisrat Dr. Wallau von Lauterbach, ben Hofrat unb Thcaterbirektor Varena von Königsberg i. Pr., ben Generaldirektor des Hof- theaters und der Hofmusik Werner. — S. K. H. der Großherzog werden nächsten Samstag, 29. d. M., weder Audienzen erteilen noch Meldungen entgegennehmen, sondern nur Vorträge im Rcsidenzschloß. Sprendlingen, 26. Ang. Heute nacht wurde das Schild und die N a ch, t s ch e l l e unseres Arztes, des ReichStagsabg. Dr. Becker in einer nicht wiederzu- gebenben Weise mit Menschenkot beschmiert, sodaß, wer den Arzt zur Nachtzeit rufen wollte, sich besudeln mußte. Mainz, 26. Aug. Eine s o zi al i stis che V e rs amm- lung beschloß die Entscheidung der gragc, ob der Posten eines Reichstags-Vizepräsidenten anzunehmen sei oder nicht, der Fraktion zu überlassen. Der Abg. Dr. David erklärte, er stehe auf dem Stanopunkte Vollmars. Bingen, 26. Aug. (5in Nachspiel zur Reichstagswahl bildet eine Beleidigungsklage, welche der nationalliberale Kandidat bes Wahlkreises Mainz- Oppenheim, Dr. Pag en stech er, gegen ben bauernbünd- lerischen Kandidaten Landtagsabg. Wolf angestrengt hat unb bic cum Schöffengericht zu Niederolm zum Austrag gelangt. Wolf, welcher im Wahlkreise Bingen-Alzey energisch uie Kandidatur des nationalliberal-antisemitischen Rechtsanwaltes Elaß im L^hhlkampse unterstützte, fühlte sich darüber verletzt, biajs Dr. Pagenstecher in seiner (Wolfs) Hei- matgemeiude Stadecken eine Wählerversammlung abhielt, um die Stimme der dortigen Wähler für die nationalliberale Sache zu gewinnen. Er richtete deshalb ein geharnischtes Schreiben an den Gegenkandidaten, worin er ihm u. a. Bauern, ang verwarf unb andere Schmeicheleien ungeschminkt vortrug, die den Gegner veranlaßten, eine Beleidigungsklage anzustrengcn. W o rm s, 26. Aug. Derer st enatronallrberale Arbeiterverein im Deutschen Reiche ist in einer fehr zahlreich besuchten Arbeiterversammlnng in hiesiger Stabt begründet worben. Ter ganz ausschließlich von Arbeitern ins Leben gerufene Verein soll Gelegenheit bieten, aus ber Mitte ber Arbeiterschaft heraus dauernden Protest ertönen zu lassen gegen die immer anmaßender auf tretende Sozialdemokratie. Ferner soll das Prinzip und Ziel der Vereiittg- ung sein, das gegenseitige Vertrauen, bas Interesse unb bie Zufriedenheit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu pflegen. Von einem Mitveranstalter ber Versammlung, einem Arbeiter, wurde betont, haß bie Veranstalter des Abends aus sich selbst heraus gehandelt und einen Rus an ihre Kameraden hätten ergeyen lassen, die intelligent genug feien, um die soziale unb politische Lage zu überblicken und dazu Stellung zu nehmen. Keine Anfeindung würbe sie schrecken in der Verfolgung ihrer Aufgabe, die nationaigefinnten Arbeiter von Worms in einem Verein zusammenzuhalten. Wie ber Vorsitzenbe vor Schluß der Versammlung mitteilte, haben sich zu bem Verein, abgesehen von 16 noch ausstehenden Beitrittslisten, bereits 800 bis 900 Mitglieder angemetbet. Wetzlar, 26. Aug. In der gestrigen Stadt- verordnetensitzung teilte ber stellvertretenbe Bürgermeister Hiepe mit, daß bie verstärkte Einquartierungskommission sich vollstänbig außer Stand sehe, die Mannschaften in solcher Höhe unterzu bring en, und ist dahin bei dem Lanbrat vorstellig geworden. Es wurde auch eine Em- gabe an ben Lanbrat gemacht zur Weitergabe an bie Division. In dieser Eingabe sind alle Gründe bargelegt, welche gegen die hohe Einquartierung sprechen. Es sind bie engen Verhältnisse ber Stabt bargelegt, ber Umstand, daß in diesem Jahre mehrfach Typhusfälle in ber Stadt vor- gekommen sind. Es wurde ferner der Bericht der Aerzte eingereicht, m welchem diese besonders auf diese Fälle Hinweisen. Der Lanbrat hat bie Eingabe sofort befürwortend weitergegeben, jedoch ist bisher eine Antwort nicht cingelaufen. Durch Verfügung bes Regierungspräsidenten sollen die Häuser, in denen in diesem unb vorigen Jahre TyphuSsälle vorgekommen finb, mit Militär nicht belegt werden. Alle diese Gründe sollen dem Divisionskommandeur mündlich vorgetragen werden. Auch soll mitgeteilt werden, baß die Bevölkerung über bie hohe Einquartierung sehr erregt sei. Die Verpflegung ber Truppen könne nicht so ausfallen, wie es von der Bürgerschaft geivünscht werbe. Stadtv. Kaiser sprach sich für eine Reform ber Einquartierungsfrage aus, es müßte em Ortsstatut ausgestellt werben. Es sprachen sich in biesem Sinne noch einige Stadtverordnete aus und es wird eine diesbezügliche Vorlage gemacht werden. Wetzlar, 26.Aug. Wegen der Angelegenheit I. Jaeod war eine Versammlung des hiesigen Vorschuß- und Kreditvereins cinberufen. Wie wir ben Berichten hiesiger Blätter entnehmen, stehen für ben Verein 22 786 Mk. auf dem Spiel, wovon nur 576 Mk. persönliche Schulden Jacobs bei dem Verein, ber Rest Wechsel seien, die Jacob stets in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer einer Ziegelei diskontierte. Wie weit bic Akzepte gefälscht seien, lasse sich zurzeit noch nicht feststellen. Den Gesamtpassiven in Höhe von 60—70 000 Mk. soll ein Warenlager von ca. 20 000 Mk. Erlösmcrt gegenüberstehen. Fulda, 26. Aug. Ein großes Feuer hat da.s Magazin der norddeutschen Wollkämmerei und die angrenzenden Stallungen unb Scheunen zerstört. Der Schaden wird auf eine halbe Million Mark geschätzt. Kleine Niitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In ben Ruhestand wurde versetzt der Monteur in der Hess.-Prcuß. Eisenbahngemeinschaft Karl Hinkel zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. September 1903 an. — Morgen, Freitag, werden cs 50 Jahre, daß in Grüriberg die neue Stadttirche eingeweiht wurde. Sie wurde an der Stelle erbaut, wo 1816 die alte Kirche, Marienkirche genannt, zusammenstürzte. Diese Kirche war eine ber ältesten Oberhessens; da aber zu ihrer Erhaltung nichts geschah, so erfolgte der Einsturz. Aus Anlaß ber vor fünfzig Jahren erfolgten Weihe der neuen Kirche findet am Sonntag ein Volks- und Jugcndsest statt. — In Hopfmannsfeld feierten Bürgermeister Grcb unb Frau dieser Tage die goldene Hochzeit. Vermischtes. * Hamburg, 26. Aug. Tie Leiche des Berliner Offiziers Grafen von Bondissin wurde mit durchschossener Schläfe aus der Alster gezogen. Vorgefundene Briefe ergaben als Grntid nnglüttliche Liebe. * Dresden, 26. Ang. Tie Deutsche S t ä d t e - Ausstellung wird bis Mitte Oktober verlängert. Der bisherige Reingewinn beläuft sich auf 100 000 Mark. * Kopenhagen, 26. Aug. Ein Deutscher namens Zweinert, der von der Kieler Polizei gesucht wird, wurde hier bei einem Einbrnchsdieb stahl ertappt und nach heftigem Kampfe, in welchem mehrere Personen verletzt wurden, verhaftet. * Paris, 26. Aug. In Remiremvnt ist gestern eine aus fünf Personen bestehende Familie infolge Genusses giftiger Pilze lebensgefährlich erkrankt. — Wie mitgeteilt wird, hat Jaques Lebaudy feine Aus' p r ü ch e an der marokkanischen Küste und dem Kap Jnby nicht aufgegeben, vielmehr zwei Anwälte mit ber Geltendmachung seiner Rechte beauftragt. Lebaudy beabsichtigt, den Handelsverkehr zwischen Algerien und Marokko über den von ihm anzulegenden neuen Hafen, den er „Troja" nennen wird, zu leiten. Gleichzeitig plant er die Schaffung einer Dampferlinie, welche bic kanarischen Inseln mit ber algerischen Küste verbinben soll * Sassari, 26. Aug. Ein Waldbrand mutet fen der Nacht vom 24. zum 25. August in ber Nähe von Avela 300 Hektar finb vernichtet. Tas Feuer droht sich auf ben Lanzen Forst ausznbehnen. Truppen sind zur frilfelciftuna abgegangen. * New York, 26. Slug. Ein Goldsucher, welcher bis zum Polarkreise vorgedrungen war, will U e h e r r p ft c der Andre eichen N o r d p o l e x p e d i l i o n gefunden haben und hat Teile einer Ballonhülle an- Baneouver mitgebracht. Er erklärte, dieselben an der Niackenziebai aufgefunden zu haben. 0 - .7 Die Em 6 führt nach einer Meldung aus OSna. druck infolge au!ja(tenber S-e.dersü,äge <>0 cd was! er 3m nördlichen Teile des Bezirks s,nd ch^e te Str ckewUer: schwemmt. u 1 s* s- bie in J Ten iun vergnüg nrini ioäW. dieser a berg Orte fr au^f0' bli-ben fiM dB (L; Lo Men Horden» erhaben verzeichl treten zi nicht za! Mer t bahn be Straßent eingeirelc Ko DampsÜ ähnlichen enlhalleni glücken daß der $ in den H Meinung ttatte roui welche d> Mann fot bei ben ; Platze ro La bei dem mannst) ist aus Bauun» Le der Mn Schmurc ihrer l Lei 9anf, 2r. Äinkerolls Umitänbe leinen Pei des Pe- he aus Zwe der Ferii F e st u n leihung 1 Wirt Pf, statlsand, Pa wegen l Franc- durch die Per an die tzjf Unfälle ober durch ^iieltious; Ichüjien en l'che AM ^tcii Zeit M wit v ^sendahndi pehoiA, jo Jtty ftieiiQei jJIPoÜioner ^ledi-ung ? wahrte, ?ung de stankt L'"> r,n9 dedr>n beizen H toiobe 0. Ui, fr Sie. *9611 u. m lachte |lni Sä -U 6 * Gräfin Moutignoss, bte ehemalige Krou- Prinzessin von Sachsen, kehrt von Schloß Ronno nach Lindau zurück, wenn ihr Vater, der Großherzog von Toskana, Lindau verlassen hat. * Studio auf einer Steif • • • Zwei gutgekleidete Fremde, von denen der eine sich für einen Regierungsbauführer, der andere für einen Dr. Phil, ausgab, kehrten dieser Tage m der Lehmannschen Gastwirtschaft zu Strausberg ein, ließen sich reichlich bewirten und machten hierbei mysteriöse Andeutungen über ein in dem nahegelegenen Orte Prötzel bevorstehendes Duell, das einige Tage später ausgefochten werden sollte. Die beiden jungen Herren blieben auch die Nacht über in der genannten Wirtschaft und ließen am anderen Morgen einen Wagen kommen, mit dem sie angeblich nach Prötzel fahren und von dort wieder nach Strausberg zurückkehren wollten. Als sie der Wirt aber aufjorderte, vorerst ihre etwa 18 Mark betragende Zeche zu bezahlen, stellte es sich heraus, daß sie keinen Pfennig Geld besaßen. Es wurde ein Schutzmann herbeigeholt, der die Zechpreller zunächst in das Polizeigesängnis einlieferte. Am anderen Morgen wurden sie dem Amtsgericht vorgeführt. Hier wurde durch ihre Vernehmung festgestellt, daß die Fremden Berliner Studenten waren, die in Prötzel einen Freund besucht, und unterwegs ihre gesamte Barschaft verjubelt hatten. Nach Feststellung dieses Tatbestandes wurden die Sistierten aus der Haft entlassen. Ten jungen Musensöhnen wird für dieses kleine „<5onrmer= vergnügen" noch ein gerichtlicher Denkzettel zuteil werden. Arbeiterbewegung. Solingen, 25. Aug. Der „Rhein.-Westf. Ztg." zufolge beschlossen die hiesigen Messerschleifer gestern abend, ihre Forderungen auf Erhöhung der Schleifpreise aufrecht zu erhallen und das von dem Verein felbständig aufgestellte Preisverzeichnis mit erhöhten Schleiferlöhnen am 4. September in Kraft treten zu lassen. Hebet die Fabrikanten, welche die neuen Preise nicht zahlen wollen, soll die Sperre verhängt werden. Hamburg, 26. August. Die Straßenbahn entließ 60 Rädelsführer der Straßenbahnbewegung. Die Angestellten der Zentralbahn beschlossen, sich der Bewegung anzuschließen. An 1800 Straßenbahner sind in den Zentralverband der Verkehrsarbeiter eingetreten. Kopenhagen, 25. Aug. Der Direktor von „bet forende Dampskibsselkabet" legte den Hafenarbeitern der Gesellschaft einen ähnlichen, das Verbot der Mitgliedschaft des Hafenarbeiterverbandes enthaltenden Kontrakt vor, wie die Arbeiter s. Z. nach dem mißglückten Ausstande unterschreiben mußten. Der Grund hierfür ist, daß der Direktor erfahren hat, die Arbeiter beabsichtigen wieder in den Hafenarbeiterverband, da die Gesellschaft ihrer Meinung nach den Kontrakt nicht gehalten hat. Die neuen Kontrakte wurden heute auf zwei Dampfern den Arbeitern vorgelegt, welche die Unterschrift verweigerten. Die Arbeit wird mit 40 Mann fortgesetzt. Die Gesellschaft ließ die im Hafen Anwesenden bei den Schiffen nicht beschäftigten Arbeiter durch die Polizei vom Platze weisen. Laibach, 26. August. Die gesamte, 1600 Mann zählende, bei dem Bau der Karalvankenbahn in Birnbaum, Bezirk Radmannsdorf, beschäftigte Arbeiterschaft ist ausständig. Der Ausstand ist auf die Ablehnung der achtstündigen Arbeitszeit seitens der Bauunternehmer zurückzuführen. Gerichtssaal. Leipzig, 25. August. Das Reichsgericht verwarf die Revision der Mietsfrau Caroline Przgodda in Roeblau, die vom Schwurgericht zu Allenstein am 14. Juni wegen Ermordung ihrer drei Männer zum Tode verurteilt worden ist. Leipzig, 25. August. Der vormalige Direktor der Leipziger Bank, Dr. G e n tz s ch, der im vorigen Jahre wegen betrügerischen Bankerotts und Bilanzverschleierung unter Annahme mildernder Hmstände zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde, ließ durch feinen Verteidiger, Justizrat Broda, die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragen. Heidelberg, 26. Aua. Die Studenten Ludwig Schmitt aus Zweibrücken und Emil Marx aus Schweinfurth wurden von der Ferienstrafkammer wegen Z w e i k a m p fs zu je 3Monaten Festungshaft verurteilt. Die Duellanten waren wegen Entleihung von Chemikalien hintereinander geraten. Der Mitangeklagte Wirt Pfaff aus Klemgemünd, in dessen Lokal der Säbelzweikampf stattsand, wurde freigesprochen. Paris, 26. Äug. Der frühere Bankdirektor Baleusi wurde wegen Unterschlagung von über 20 Millionen Francs zu einjährigem Gefängnis verurteilt. Die Strafe wird durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet. Eisenbahn-Zeitung. Berlin, 26. Aug. Ein Erlaß des preuß. Eisenbahnministers an die Eisenbahndirektionen weist darauf hin, daß die jüngsten Unfälle meist durch Außerachtlassung bestimmter Vorschriften oder durch Unaufmerksamkeiten veranlaßt sind. Er beauftragt die Direktiorispräsidenten, den Beamten genaueste Beachtung der Vorschriften einzuschärfen, sowie unausgesetzt und eingehend die pünktliche Ausführung der Vorschriften zu überwachen. — Qualmen der Lokomotiven. Nachdem in der letzten Zeit über das starke Qualmen der Lokomotiven beim Halten auf Bahnsteigen und in derNähe v o n Wohnungen vielfach mit vollster Berechtigung Klage geführt worden ist, hat die Eisenbahndirektion Frankfurt Anlaß genommen, dem Lokomotiv- persoual, sowie den Maschineninspektionen, Betriebswerkmeistereien und Stationen eine bereits früher erlassene Verfügung nochmals zur strengen Beachtung in Erinnerung zu bringen. Die Maschineninspektionen haben eine scharfe Kontrolle zu veranlassen und durch Belehrung des Personals in den Unterrichtsstunden und während der Fahrten darauf hinzuwirken, daß durch sachverständige Bedienung des Feuers das Qalmen nach Möglichkeit beschränkt wird. Landwirtschaft. Berlin, 25. Aug. Der „Reichsanz." veröffentlicht den Saalenstand im Deutschen Reich um Mitte August. Danach war, wenn 1 sehr gut, 2 gut, 3 mittel, 4 gering, 5 sehr gering bedeutet, der Stand von Winterweizen 2,7 gegen 2,7, Sommerweizen 2,6 gegen 2,6, Winterspelz fehlt gegen 2,1, Winterroggen 2,4 gegen 2,5, Sommerroggen 2,5 gegen 2,5, Sommergerste 2,5 gegen 2,5, Hafer 2.5 gegen 2,7, Kartoffeln 2,5 gegen 2,6, Klee 2,6 gegen 2,8, Luzerne 2,7 gegen 3, Wiesen 2,4 gegen 2,6 um die Mitte des Juli. Dazu führt der „Reichsanz." aus: In der letzten Berichts- Periode verzögerten und erschwerten das vorherrschend regnerische Wetter und die zeitweise empfindlich kalten Nächte die Erntearbeiten sehr. Vielerorts gingen schwere Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen und mehr ober minder starkem Hagelschlag nieder. Geklagt wird über Rostbildung, über vielfaches Aiistreten von Feldmäusen, über Lager des Getreides und beginnendes Auswachsen der Aehren. Die Ernte des Win t e r g e t r e i d es ist in Süddeutschland meist mit befriedigendem oder gutem Ertrage beendigt, in Norddeutschland steht noch viel Weizen und teilweise auch Roggen auf dem Felde. Die Sommerhalmfrüchte sind außer Hafer größtenteils gemäht, in Mittel- und Süddeutschland auch meist eingesahren. Der Stand des Hafers und der Kartoffeln besserten sich durch bie Niederschläge. Die Besserung im Stande des Klees und der Luzerne wäre noch größer, wenn nicht die Narbe nach dem ersten Schnitte infolge der anhaltenden Dürre fast versengt wäre. Ebenso litten in Preußen die Wiesen nach dem ersten Schnitt unter der sengenden Tageshitze und der lliedrigen Nachtlemperatiir. — T i e rz u ch t i n s p e k t o r e n. An der landwirtschaftlichen Hochschule und aii der tierärztlichen Hochschule in Berlin ist, wie bereits früher au der landwirtschaftlichen Akademie in BonnPoppelsdorf, eine Prüfung für Tierzuchtinspektoren zur Einführung gelangt Diese Prüfungen sind dazu bestimmt, junge Leute, welche Neigung und Anlage für tierzüchtensche Tätigkeit zu besitzen glauben, anzuregen, eingehendere Studien auf diesem Gebiete zu treiben. Zugleich soll ihnen Gelegenheit gegeben werden, einen Nachweis erfolgreicher wissenschaftlicher Vertiefung in die tierzüchterischen Spezialwiffenschaften durch das Bestehen einer Prüfung zu führen. Die Prüfungen sollen indessen lediglich den Zweck haben, festzustellen, daß der Prüfling mit den für den Beruf eines Tierzuchtinspektors erforderlichen wissenschaftlichen Grundlagen sich vertraut gemacht hat. Das Bestehen der Prüfung schließt indessen nicht ohne weiteres auch den Beweis der Befähigung für das Amt eines Tierzuchtinspektors in sich ein. Vielmehr ist hierzu noch der Nachweis erforderlich, daß auf tierzuchterischem Gebiete tm allgemeinen ober in einzelnen Zweigen tüchtige praktische Erfahrungen gesammelt worden sind. Insbesondere dürfte für das Amt eines Tierzuchtinspektors neben der wissenschaftlichen Beherrschung der tierzüchterischen Disziplinen und neben der Hebung in der praktischen Anwendung tierzüchterischer Grundsätze ein sicherer, durch Praxis gewonnener Einblick in die wirtschaftlichen Bedingungen der Tierzucht und in deren Beziehungen zum Ganzen des landwrrtfchaft- lichen Betriebes unerläßlich sein. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Berliner Börse vom 26. August 1903. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Das gestern bereits hier erwähnte argentinische Budget, welches heute bekannt wurde, und in der Tat äußerst günstige Momente brachte, veranlaßte die Spekulation zu großen Käufen per Kaffe und auf Prämie per spätere Termine. London zeigte von Anfang an feste, doch reservierte Haltung für Argentinier und meldete in der zweiten Börsenstunde ein kräftiges Anziehen des Kurses, worauf auch hier neue Käufe zu erhöhten Preisen statt- sanden. Die sonstigen Märkte verkehrten in ziemlich stiller, jedoch gut behaupteter Haltung. Auf dem Kassaindustriemarkt war durchgehends feste Tendenz bemerkbar, einige Spezialwerte erzielten nennenswerte Steigerungen, so z. B. Auer-Gasglühlicht, Phönix- Bergwerk, letztere auf gute Dividendentaxe, sowie die Werte der Elekrizitäts-Gesellschaften. Privat-Diskont 33/a Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. Oest. Krebst .... 202.40 202.12 Deutsche Bank . . . 211.40 211.50 Darmstädter Bank . . 135.30 135.37 Bochumer Guß . . . 182.60 182.90 Harpener Bergbau . . 181.60 182.30 Schluß-Tendenz: behauptet. Berlin, 26. Aug. In der heutigen Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank machte Vizepräsident Gallenkamp darauf aufmerksam, daß bei dem nächsten Quartalswechsel mit Rücksicht auf die regelmäßig wiederkehrenden Herbstbedürfnisfe und voraussichtliche bedeutende Anspruchncchme der Bank durch das Reich eine Diskonterhöhung werde in Aussicht genommen werden müssen. Hamburg, 25. Aug. Die von mehreren Blättern nach dem Londoner „Commercial Advertiser" gebrachte Mitteilung über eine gestern in London stattgehabte Zusammenkunft der Direktoren der deutschen transatlantischen Schiffahrts-Gesellschaften zwecks Beratung einer deutsch-englischen Kombination für den transatlantischen Verkehr ist vollkommen unbegründet. Generaldirektor Ballm, von dem in der Mitteilung behauptet wurde, daß er den Vorsitz bei der Zusammenkunft geführt habe, befindet sich zur Erholung im Süden. — Der „N. Hamb. Börsenhalle" zufolge beschloß das Syndikat deutscher Zucker- r affin er i en, für die Zeit vom 1. September an eine Herabsetzung der Anlandpreise um 15 Mk. für 100 Kilo. Der amerikanische Tabattrust. Etwa 40 große Havanna- Firmen haben sich dem amerikanischen Tabaktrust nicht angeschloffen und unter sich eine Antitrust-Liga gebildet. Diä „Südd. Tabakztg." berichtet nun, daß die Firma Bönicke u. Eichner in Berlin, die sich für den Vertrieb der Trustfabrikate interessiert haben soll, von den Antitrustfirmen aus diesem Grunde Waren nicht mehr geliefert bekommt. Märkte. § Gedern, 25. Aug. Der heutige S ch w e i n e m a r k t war gut befahren, jedoch stockte der Ha.rdel ungemein und viele Leute brachten ihre Ware wieder nach Hause. Ferkel wurden das Paar mit 38—40 Mk., EinlegsllMeine mit 80 bis 110 Mk. je nach Qualität, fette Schweine mit 45—46 Pfennig per Pfund (Lebendgewicht) verkauft. Limburg a. d. L., 26. Aug. Fruchtmarkt. Durchschnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 00.00 Mk., altes Korn 00.00 Alk., neues Korn 10.10 Alk., Gerste 0.00 Mk., Hafer 7.40 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Ack. Sport. — Der Frankfurter Automobil-Klub veranstaltet ein internationales Automobil-Rennen am Sonntag dem 30. August auf der Rennbahn am Oberforsthaus in Frankfurt a. M.________ Eingesandt. (Für Form und Inhalt aiit^ unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) R o d h e i m, 26. August. Wie ich höre, beabsichtigt die Verwaltung der Bieber- t a l b a h n, an den Stationsgebäuden in Rodheim, Bieber und Heuchelheim bauliche Veränderungen vorzunehmen. Die jetzigen, ihrem Zwecke entsprechenden Wartesäle sollen zu Wohn- räumen, und die Dienststuben des Personals zu Wartesälen, umgewandelt werden. So wünschenswert diese Umbauten tm Jnsereffe des Bahndienstes sein mögen, so ist doch zu bedenken, daß dem reisenden Publikum dadurch doch wohl manche Hnannehmltchkesten bevofttehen. Im nächsten Winter werden vielleicht unsere Arbeiter bei Kälte und Schneegestöber zu 40 ober 50 in einen 7—8 Qm. großen Raum zusammengepfercht, die morgens um 6 Hhr auf den Zug warten müssen. Aber noch nicht einmal alle die Schulen zu Gießen besuchenden Schüler von hier finden in diesem Wartesaal Platz. Uni) wohin sollen die oft nach Hunderten zählenden Mtt- glieber der Gießener Vereine sich flüchten, wenn sie tm Sommer einen Ausflug gemacht haben und von einem Gewitter überrascht werden? Braucht man Wohnungen für Dienstpersonal, so ist über den Dächern der jetzigen Gebäude doch Platz genug vorhanden. Das würde kaum mehr Geld kosten und im Interesse des Dienstes, des Bahnpersonals und des Publikums praktischer fern. Außerdem würden dadurch die Gebäude an Schönheit zweifellos viel ge° ro innen. -i- Goltrsdirnii der israelitischen Keligionsgrstllschast. Samstag, den 29. August 1903. Freitagabend 6.50 Hhr. Samstag Vormittag 8 Hhr. Nachmittag 4 Hhr. Sabbathausgang 8.05 Hhr. Wochengottesdienst: Morgens 6.3O Hhr, abends 6L0 Hhr. Neueste Meinungen. OriginaldrahtmeLdungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 27. Aug. Dem bekannten Vorkämpfer für eine Reform der Eisenbahntari.se, stellvertretendem Vorsteher des stenographischen Bureaus des Reichstages, Schriftsteller Dr. Eduard Engel wurde das- Prädikat Professor bei- gelegt. Berlin, 27. Aug. Um em Unglück wie auf der Metropolitaubahu in Paris zu verhüten, beabsichtigt die Verwaltung der B e r l i n e r H o ch - und Untergrundbahn folgende Maßregeln zu treffen. Die Tunnelstrecke soll elektrisch beleuchtet werden, sodaß es hell bleibt, auch wenn die Beleuchtung des Zuges versagt. Dem Zug- Begleitungs-Personal soll es möglich sein, an jeder Stelle der Bahnstrecke sofort den Arbertsstrom auszuschalten, sodaß einerseits alle Züge sofort halten müssen, andererseits daß die Geleise ohne Gefahr vom Publikum betreten werden können, da die Kontaktschiene stromlos ist. Berlin, 27. Aug. Gegen den Redakteur der „Hilfe", Gerhard Hildebrand, ist wegen eines Artikels betreffend die Dienstanweisung für die Kteis-Schul- Jnspektoren ein Zeugnis-Zwangsverfahren'ein- geleitet worden. Hildebrand wurde aufgefordert, sich heute zum Antritt der Zwangshast zu stellen. Halle, 27. Aug. In Mühlhausen wurde der junge Arzt Dr. S ch w a r z, der den am Samstag dort verstorbenen Arzt Dr. Schlott im Duell tätlich verwundet hatte, verhaftet. Das Duell war infolge eines Streites zwischen den Krankenkassen und den Aerzten zu stände gekommen. Köln, 27. Aug. In der dritten öffentlichen Generalversammlung des geschlossenen Katholikentags sprach Lensing über die Entwickelung der katholischen Literatur und Presse, Dr. Porsch erörterte die Geschichte der Zentrumsfraktion des Reichs- und Landtages. Ter Domini- kaner-Pater Damatikus' sprach über die katholische Wohltätigkeit und die Vereinigung der Vereine zum Charitas- Verbande. Hierbei schilderte er Pius L, der sich bisher stets als Vater der Armen erwiesen. München, 26. Aug. Tie 32. Hauptversammlung des Deutschen Apothekertages wurde heute unter dem Vorsitz des Korpsstabsarztes a. T. Salzmann eröffnet. Nach einer Anzahl von Begrüßungsansprachen seitens oer bayerischen Regierung, des preußischen Kultusministeriums, der Stadt München und verschiedener Apotheker und Korporationen wurde in die Tagesordnung ein getreten und die große Reihe der den Apothekevstand betreffenden Fragen erörteret. Einstimmig wurde die Resolution angenommen, die sich für die Einführung der Zwangsversicherung der Apotheker, und zwar der Alters-Jnvaliditäts-Hinterbliebenen-Ver- sicherung, auf dem Wege der Reichsgesetzgebung ausspricht. Eine längere Erörterung verursachte die Frage einer Reichch- arzneitaxe, bis schließlich mit großer Mehrheit der Antrag des Vorstandes angenommen wurde, nach dem der Deutsche Apothekerverein sich grundsätzlich für die Einführung einer Reichs arzneitaxe ausspricht, vorausgesetzt, daß die Taxe mindestens die Höhe der jetzigen Durchschnittssätze verschiedener deutscher Arzneitaxen sesthält. Ferner sprach sich: die Versammlung für beschleunigte Neuregelung der Apotheker-Vorbildung aus, wobei als Grundlage das Reifezeugnis des humanistischen oder Realgymnasiums wählen sei. Als Ort der nächstjährigen Versammlung wuroe Hamburg gewählt. Abenös fand zu Ehren der Versammlung eine Fesworstellung im Hoftheater statt. Kopenhagen, 27. Aug. An dem internationalen Radrennen nahmen sämtliche Berufsslieger mit Ausnahme Ellegards an dem Rennen um die Weltmeisterschaft teil. Das Hauptfahren gewann Grogna, das Prämienfahren und das Handicap Ruett. Im Herrenflieger-Rennen ging der Däne Axel Hansen als Erster durch Ziel. Zürich, 27. Aug. Der Redakteur der „Neuen Züricher Ztg.", Major Albert Wegmann, ist im Züricher See ertrunken. Die Leiche ist bis jetzt nicht gefunden. Belgrad, 27. Aug. Die Aufschrift „Guillotine für die serbischen Kön i g s m ö r d er", die sich auf einer Maschinensendung Ms Frankreich vorfand, soll ein deutsch, erBeamter bei dem Transport der Kisten durch Deutschland hinzugefügt haben. Sofia, 27. Aug. Entgegen den türkischen Anschuldigungen von Grausamkeiten, welche die AufständischLt verüben sollen, veröffentlicht die Autonomie die Namen von 65 Ortschaften, welche in den letzten Tagen von türkischen Truppen zerstört und deren Einwohner, Frauen und Kinder niedergemacht wurden. Sofia, 27. Aug. Aus dem macedonischen Aufstandsgebiet wirb berichtet: Tie Insurgenten vernichteten das Torf Hadschi Dalaschmak und machten 40 Mann der Besatzung nieder. Das Regierungsblatt „Nove Wek" wendet sich gegen die macedonisck^n Meetings. Tas Fürstentum werde sich unter keinen Umständen zur Störung des' Friedens hindrängen lassen. Sidi bel Abes, 27. Aug. Die prachtvollen Palmen- und Fichtenwälder von Telagh Tirman und Bossuet sind durch einen Brand fast gänzlich zerstört worden. Ein hesttger Weststurm nährt das Feuer, welches jich^ bereits auf eine Ausdehnung von 60 Kilometer erstreckt. Newyork, 26. Aug. Die drahtlose Telegraphie hat bei den gestrigen Jacht-Wettfahrten ein Fiasko er filtern Vier Gesellschaften hatten einen drahtlosen Dienst eingerichtet, indessen ist nur eine einzige Depesche über den Verlauf der Fahrten verständlich angekommen. Telephonischer Kursbericht« Frankfurt u. Ql.. 27. August 19u3. 3*/2% Reichsanleihe . . 101.80 3°/o do. ... 81.80 3V,% Konsole .... 101.35 3% do.....89.80 3V«o/l) Hessen .... 100.40 31/2^6 Oberhessen . . . 91.20 4% Oesterr. Goldrente . . 102.80 4l/6% Oesterr. Silberrente 100.50 4% Ungar. Goldrente . . 100.40 4°/j Italien. Rente . . . 102.90 4*/, 96 Portugiesen . . . 50.00 8°/. Portugiesen. .... 31.00 1% C. Türken .... 34 70 Türkenlose......128.20 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.00 41'. % äussere Argentiner 41.70 | 3% Mexikaner .... 27.20 4V29/o Chinesen .... 92.40 Electric. Sohuckert . . . 96.40 Nordd. Lloyd . . . . 101.50 Kreditaktien ..... 202.00 Diskonto-Kommandit. . . 187.70 Darmstädter Bank . . . 135.70 Dresdener Bank .... 146.20 Berliner Handelsges. . . 153.00 Oesterr. Staatsbahn . . . 139.00 Lombarden ..... 17.10 Gotthardbahn.....189.60 Laurahütte ...... 226.30 Bochum ...... 183.00 Harpener......181.50 Tendenz: fest. Wöchentliche WerW i>er Loörsfäöe in der Stadt Gießen. 33. Woche. Vorn 9.—15. August 1903. (Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (inkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 23,19, nach Abzug von 5 Ortsfremden: 13,53 °/Co. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom l.L Lebensjahr: 2.—15. Jahr Tuberkulose der Lungen 1 1 Tuberkulose des Darms 1(1) 1(1) -- Herzleiden 2(1) 2(1) — — Brechdurchfall 2 — 1 1 Blinddarmentzündung 1 (1) 1(1) . — — Lebensschwäche 3(1) — 3(1) —— Atrophie 1 — 1 —- Blutvergiftung 1 (1) — 1 (1) — Sumina: 12(5) 5 (3) 6(2) 1' Anm.: Die in Klanunern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankhett auf von auswärts uad) Gießen gebrachte Kranke kommen. t Die Beerdigung findet Freitag den 28. August, nachmittags V26 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. Louise Berber, geb. Mehl. Giessen (Ostanlage 20), den 27. August 1903. Todes-Anzeige. Gestern abend 3|47 Uhr verschied nach schwerem Kampfe, doch Gott ergeben, mein innigst geliebter, teuerer Mann Herr Carl Berger Kunstgärtner was ich Verwandten, Freunden und Bekannten mit der Bitte um stille Teilnahme schmerzerfüllt mitteile. E' ft ■ -r 'M>T«vV - Untermieten Hohversteigerung!| Samstag den 29. d. 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