Nr. 173 $rfd>tint tSgttch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien« blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh loschen Untvers.-Buch-u. Stein- druckeret (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Gchrrlftratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Zweites Blatt. 153. Jahrgang Montag 27. Juli 1903 Gietzener Anzeiger w General-Aiyeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen BezugspretSr monatlich 75Pf., viertel' jährlich Mk. 2.20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch dlePost Dtk.2.—viettel- lährl. ausschl. BesteÜg. Annahme von Anzeigen ür öte Tagesnummer jiS vorrnUtags 10 Uhr. v eilenpreiS: lokal 12 $1, auSwärtS 20 Psg. Vrrantwortltch für den polit und allgem. Teil: P. Wittko- für „Stadt und Land^ und .GerichtSlaatE: August Götz; für den Anzeigenteil: HanS Beck. 2 Kie heutige Wummer umfaßt 8 Seiten. Volttische Wochenschau. Politische Ferien — das kann man als lleberschrift über die Ereignislostgkeit der vergangenen Woche setzen. Mit Haldem Interesse verfolgt selbst der eifrige Geschäftsmann in der Sommerfrische, im Strandcafe oder in der Hängematte vor seinem Gebrrgshotel die Politik und den Kurszettel. Auch die Börse zeigt schwüle Sommerstille. Für die Presse aber ist die Zeit der platonischen Betrachtungen, der Spekulationen mit) Vermutungen angebrochen. Ein so bedeutsames, so tief in das innere Leben der europäischen Staaten eingreifendes Ereignis, wie der Tod des Papstes, das einzige bedeutende Vorkommnis der Woche, bot unerschöpflichen Stofs. Noch ein paar Tage wird man an Leos XIII. Leiche pomphafte Feste in der Peterskirche feiern. Frauen, Kleriker und Mönche drängen sich in der glutheißen Temperatur der alten Roma umher, um nur sagen zu können, sie hätten den toten Papst gesehen. Dann wenden sich diese theoretischen Erörterungen völlig von seiner Person ab- und das Interesse lenkt sich dem geheimnisvollen Wahlakt zu, aus dem der neue Leiter der römisch- katholischen Kirche hervorgehen soll. Unendlich viele Rätsel gibt dies Konklave der Welt auf. Nicht nur wer aus ihm hervorgehen wird, sondern noch mehr wie dieser kommende Mann sich zu den brennenden Fragen der päpstlichen Politik verhalten wird, ist zurzeit noch völlig unklar. So viel weiß man ja: ein Italiener muß es sein. Seitdem der Niederländer Hadrian VI. 1522—23 ein Jahr auf dem päpstlichen Thron saß, betrachtet die katholische Kirche den italienischen CharaÜer des Papsttums als unabänderliche Einrichtung. Ihr entspricht die Mehrheit von 39 Italienern rniter den 63 Kardinalen. Und diese Spekulationen darüber, welche Bedeutung der kommende Papst haben wird, haben mit ganz besonderem Eifer in Frankreich eingesetzt. Ter Plan der Trennung von Staat und Kirche liegt in Frankreich in der Luft, die Erregung im ftän- zösischen Klerus gegen die Kirchenpolitik der Regierung steigt immer höher. In Rom waren die Kardinale schon längst nicht mehr mit der Haltung Leos Frankreich gegenüber zufrieden. Es gehört ein außergewöhnliches Maß von Weisheit dazu, das Ähifflein der Kirche künftig um die ftanzösische Klippe herumzusteueru. Die Trennung von Staat und Kirche hat z. B. Mexiko bereits durchgeführt. Mit Ausnahme der Frauenerziehung in den höheren Ständen liegt in Frankreich, das Unterrichtswesen in Händen des Staates — und wer die Jugend hat, hat die Zukunft. Wenn man sich ferner darüber den Kopf zerbricht, ob die Spannung zwischen Italien und dem Vatikan einem verträglicheren Verhältnis Platz machen wird, so schießen hier die Hoffnungen vielfach sehr weit über das Ziel hinaus. Der italienische Staat wird niemals von der römischen Kirche anerkannt werden. Es setzen sich in ihr die Ansprüche des alten Cäsarentums auf die Weltherrschaft fort, die nur von Rom kommen kann. Die Mehrzahl der Kardinäle würde es als treulosen „Verrat" an diesen Ansprüchen des Papsttums betrachten, wollte ein Papst die Besetzung der Hauptstadt der kath. Christenheit durch eine weltliche Macht als unabänderlich anerkennen. Und doch gehörte dazu für den neuen Papst nicht viel mehr als ein wenig Mut und ein wenig mehr modernes Empfinden, als es trotz aller modernisierenden Anwandlungen Leos zu den eisernen Traditionen des Papsttums gehört. Die Kirche würde um nichts geschädigt, wenn sie sich an ihrer Anwesenheit und ihrem Schutze durch die italienische Regierung genug sein ließe, im übrigen aber den geistlichen Charakter ihrer Weltherrschaft betonte und damit auch amtlich den Zustand anerkennte, der von 1870 bis jetzt geherrscht hat Und vermutlich 1970 sich nicht geändert haben wird. Aber die katholische Kirche lebt von der Tradition, und so wird es der Nachfolger Leos weiter für seine Wicht halten, die 31/2 Mill. Lire, die der italienische Staat ihm bietet, stolz zurückzuweisen und dafür die höchst wunderliche Rolle des Gefangenen im Vatikan weiter spielen. Höchstens, daß er in der ebenfalls exterritorialen päpstlichen Villa in Gandolfo im Albanergebirge Sommerausenthalt nimmt und damit auch dem römischen Volke menschlich etwas näher tritt und daß er es vielleicht nicht mehr so natürlich wie Leo finden wird, daß protestantische Fürsten den Papst besuchen dürfen, nachdem sie vorher im Quirinal vorgesprochen haben, während katholischen die „Anerkennung Italiens" verboten ist, die in einem Besuch beim Quirinal enthalten ist. Auch das Papsttum muß schließlich kapitulieren vor geschichtlichen Notwendigkeiten. Aber niemand hat die Macht, die Illusionen zu zerstören, die im Klerus und Kardiualskollegimn sich foripflanzen. Nicht die Zukunft des Papsttums allein gab den Geistern und Federn den Stoff her zu theoretischen Betrachtungen in Ermangelung politischer Ereignisse. Die alten Kämpfe über eine Vereinigung der Liberalen wurden in den Organen der Linksliberalen weiter ausgefochten und mancher Tadel gegen Eugen Richters politische Stellung und mancher Einwurf gegen den Ton, der häufig aus der Freisinnigen Ztg." gegen Leute der eigenen Partei heraus- könt, wurden dabei laut. Aber wie wenig Leute von vielseitigem Wissen, von Temperament, von eigenen Gedanken und unermüdlicher Aufopferung für die öffentlichen Interessen heute gerade im Parlament vorhanden sind, dafür zeugte das so außerordentlich vielfach zum Ausdruck gebrachte Gefühl der Leere, das der plötzliche Tod eines so ausgezeichneten Mannes wie des Reichstagsabg. Roe ficke zurückgelassen hat. Völlig unvermutet hat ihn die Operation eines Darmleidens dahingerafft, von dessen Bestehen er erst wenige Tage vorher erfahren hatte. Wir haben nicht viel solcher Leute, die mit dem Genie des Kaufmanns das warme Herz des unerschütterlichen Arbeiterfreundes und die Begeisterung des großzügigen Politikers verbinden. Fast alle Parteien haben Palmen der Anerkennung auf seinem Grabe nieder^elegt. Es scheint fast, als sollte endlich einmal ein Stückchen des liberalen Ideals, für das Roesicke gekämpft, in Deutschland seiner Verwirklichung entgegengehen, die Landtags- wahlreform itn Bay eru ist im Gange ebenso wie die in Sachsen. Man staunt, wenn man vernimmt, daß in Preußen, das an Reform noch nicht $u denken scheint, das Landtagswahlrecht noch viel 'engherziger, viel pluto- kratischer ist als in jenen beiden Ländern. Wann wird die preußische Regierung mit der Macht sozialer Gründe vom Abgeordnetenhause die Abschaffung des veralteten Dreiklassenwahlrechts verlangen? Vielleicht wartet sie solange, bis die dritte Ablehnung der Kanalvorlage ihre Geduld erschöpft hat. Der Geist der Kanalvorlage wurde heraufbeschworen, als die entsetzliche Verheerung bekannt wurde, die die U e bersch w e m m u n g e n der Oder, Neisse und Warthe von neuem verursacht haben. Eine staatliche Stromregulierung in Gebieten, die fast in regelmäßigen Zwischenräumen von furchtbaren Ueberschwemmungen verwüstet werden, sollte schon seinerzeit in Preußen mit der Kanalvorlage durchgefuhrt werden. Die Konservativen wollten das anders. Jetzt nutzen sie die Lage aus und verlangen Stromregulierung ohne Kanäle. Nun wird die preußische Regierung hart sein und ihnen das Fleisch nicht ohne die Knochen zu kaufen geben. Zur Linderung des in Schlesien hervorgerufenen Notstandes hat das preuß. Staatsministerium in seiner Sitzung am Freitag einen Kredit bis zur Höhe von zehn Millionen Mark unter Vorbehalt der Genehmigung des Landtages zur Verfügung gestellt. Die Festsetzung dieses Betrages und die sofortige Flüssigmachung eines Teiles dieser Summe ist aus direkte Veranlassung des Ministerpräsidenten Grafen Bülow erfolgt. Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben hat sich am Samstag nach Breslau begeben, um in Gemeinschaft mit dem Vertreter des Oberpräsidenten und dem Lanoesharp-tmann über die Verwendung der zur Linderung der Ueberschwemmungsschäden in Schlesien bereitgestellten ganz außerordentlichen hohen Staatsmittel zu beraten. Ihm soll der Kultusrninister Srudt heute folgen. Daß der eigentlich zunächst zuständige Minister des Innern, der Frhr. v. Hammer st ein, der allzu behutsame Zauderer, dem Notstandsgebiete fern bleibt, ist auffallend. Da dürfte die Hand des Kaisers im Spiele sein. — Auch die gleichfalls arg heimgesuchte Provinz Posen hofft auf erhebliche Staatshilfe. — Im Kreise Glogau ist jetzt zu allem Unglück noch der Typhus ausgebrochen. In Wetterschütz ist der Lehrer Reich an Typhus gestorben. Auch in Dalkau kamen Typhusfälle vor. Die Epidemie brach im Anschluß an das Hochwasser aus und scheint mit ihm in Verbindung zu stehen. Der deutsche Kriegerbund und der preuß. Landeskriegerverband haben für ihre durch das Hochwasser geschädigten Kameraden aus ihrem Notstandssonds zusammen 10000 Mk. bewilligt und dem Provinzial-Krieger- verbande für Schlesien telegraphisch vermittelt. Dunkle Verschwörungsgerüchte, die in Sofia austauchten und in unmittelbare Verbindung mit der Abreise des Fürsten Ferdinand nach, Deutschland in die Oeffent- lichkeit geworfen wurden, haben sich, wie vorauszusehen war, als albernes Hundstagsgeschwätz erwiesen. Die „Agence Telearaphique Bulgare" erklärt, die Nachrichten von einer MiIitärvers ch wörun g gegen den Fürsten Ferdinand seien reine Erfindung, zu dem Svecke ausgestreut, düs Lage ui Bulgarien als beunruhigend hinzustellen. Tie Abreise des Fürsten (nach seiner deutschen Vaterstadt Koburg) sei im Gegenteil ein Zeichen der Ruhe im Innern des Landes und des Nachlassens der Spannung in den Beziehungen zwischen der Türkei und Bulgarien. In die Lage auf dem Balkan gewährt indes eine neue Note der bulgarischen Regierung an ihre Vertreter anderen Einblick, die die Aufforderung enthält, bei den Mächten vorstellig zu werden, daß diese mit Rücksicht auf die Kriegsgefahr bei der Pforte Schritte tun, um die Zurückziehung der türkischen Truppen von der bulgarischen Grenze und die Durchführung der Reformen zu veranlassen. Ein Friedensfest konnte Irland anläßilch des ersten Besuches Königs Eduards feiern. An dem Tage, wo CLuard VII. irischen Boden betrat, siel im Londoner Parlament mit 317 gegen 20 Stimmen das letzte Bollwerk der irischen Ausnahmegesetzgebung. Durch eine sehr loyale Rentenablösung ist künftig der i r i s ch e P ä ch t e r Eigentümer geworden. Des Königs Empfang stach daher auch glänzend gegen den früheren Besuch ab, als er als Prinz von Wales trübselig hinter dem steinreichen Kize- könig von Irland, dem Lord Dudley, in das Dubliner Schloß einziehen mußte. Die Bevölkerung feierte Eduard fast wie einen Befreier. Das Königspaar verließ am Samstag die S Hauptstadt Dublin und reifte zpm Besuch des Lord nderry nach Newtownards. Vlvr der Abreise befahl der König, daß dem Volke sein und der Königin tiefgefühlter Dank ausgesprochen werde für die Loyalität und die ,Zu- neigung, von der er während des Aufenthaltes in Dublin umgeben war. Der König spendete für die Armen Dublins 1000 Lstr. Ein seltsamer Chor der Friedensboten setzte in der vergangenen Woche seinen Fuß auf englischen Boden. Etwa 100 französische Senatoren und Deputierte trafen am Dienstagabend, einer Einladung des Commercial-Kvmitees des englischen Unterhauses folgend, zum Besuche in London ein. Sie sollten darüber beraten, ob nicht viele zwischen John Bull und Pa belle France schwebende Eifersüchteleien mit „Liebe" beigelegt werden könnten. Und die englische Presse empfing die Deputation, mit ostentativem „Bündnis-Jubel". Die Herren kehrten am letzten Samstag nach Paris zurück, bis aus einige, welche aus Privatgründen noch zurückblieben. Einer der Herren, Baron Destournelles, erhielt eine Depesche vom Sekretär des Königs Eduard, in der es heißt, der König schließe sich von Herzen den von Destournelles ausgedrückten Wünschen an, daß die guten Beziehungen, welche die französischen Parlamentsmitglieder soeben mit den Mitgliedern des englischen Parlaments geknüpft haben, zur Bese st igungdes Weltfrieden beitragen möchten. Man kann sich der Tätigkeit dieser Gruppe, die schon mit Belgien und Schweden in Unterhandlungen getreten ist, und ihres guten Willens aufrichtig freuen. Allzuviel Hoffnung darf man allerdings erfahrungsgemäß an solche Friedensaktionen nicht knüpfen. Sie werden die Verteidigung der Nationen durch eigene Waffengewalt leider niemals unnötig machen. Aber da sie die Fälle mehren, in denen bei Fragen untergeordneter' Bedeutung an Stelle des Säbelrasselns der Appell an das Schiedsgericht tritt, so erwerben sie sich für die Zivilisation immerhin das Verdienst, daß dadurch eine, wenn auch nur geringe Verlangsamung des Wettlaufs ein tritt, in dem sich heute in ihren militärischen Rüstungen die Völker Europas abhetzen. Und wenn dadurch Mittel für die Erfüllung anderer Kultur aufgaben frei werden, so wird es riiemcmL» gaben, der sich darüber nicht aufrichtig freute. Volttische Tagesschau. Kaiser und Papst. Die ftanzösische Einbildungskraft ist im Begriff, ein neues Wahngebilde auszuarbeiten, um von nun an unerschütterlich daran zu glauben, als wenn es die bestverbürgte, unbestreitbare Wirklichkeit wäre: Kaiser Wilhelm will fid) des Baticans bemächtigen! Er will einen Deu tschland ergebenen Kardinalzum Papst wählen lassen, um sich dann mit dem ihm verbündeten Oberhaupre der katholischen Kirche in die Weltherrschaft $u teilen. Diese Vorstellung eines Weltreichs, dessen zwei Häupter der Papst und der Kaiser, „diese beiden Hälften Gottes", sind, ist gedem gebildeten Franzosen geläufig; nicht etwa aus der Geschichte, sondern aus dem poetischen Schrifttum. Ein großes Selbstgespräch Karls V. in der .Gruft Karls des Großen zu Aachen, in Viktor Hugos „Hernani", das diesen Gedanken in den eindringlichsten romantischen Wendungen ausdrückt, gehört zu den volkstümlichsten Stücken der Werke Viktor Hugos. Jeder gebildete Franzose hat es gelesen, jeder hat es bej^ hallen und wenn man von einem Bündnis des Kaisers mit dem Papst zum Zwecke der gemeinsamen Weltherrschaft spricht, so^weckt man bei jedem einen Widerhall vertrauter Klänge. So erzieht ein Dichter sein Volk zu den seltsamsten politischen Anschauungen, die durch eine nüchterne Erkennb- nis der Tatsachen in der Folge fast nicht zu entwurzeln sind- Die Zeitungsleser jino für Las Märchen, das chnen ausgebunden wird, vorbereitet. Es leuchtet ihnen ohne weiteres ein, daß Kaiser Wilhelm die Hand aus die päpstliche Gewalt legen möchte. Es wundert sie nicht, das Selbstgespräch Karls V. aus „Hernani" in der Politik des deutschen Kaisers am Anfang des 20. Jahrhunderts wieder- zusinden. Sie sind überzeugt, daß im Konklave ein großartiger, weltgeschichtlicher Kampf zwischen dem deuffchen und französischen Einfluß ausgefochten wird und daß von seinem Ausgang die Gestaltung der Geschicke Frankreichs und Deutschlands, wenigstens in den nächsten Jahrzehnten, abhängt. Wie sie sich, das genauer, im einzelnen, ausmalen, ist nicht klar. So viel geht indes aus allen Ausführungen der Blätter hervor. Laß der Papst Deutschland hauptsächlich — oder ausschließlich — in der auswärtigen Polllit gegen Frankreich beistehen soll. Ein Delirium in seinen einzelnen Bestandteilen zu prüfen und zu kritisieren ist ein unfruchtbares Beginnen. Man hat sich ihm gegenüber lediglich beschreibend zu verhalten. Nach der französischen Vorstellung würde also ein deutsch gesinnter Papst die Beschützung der Katholiken im türkischen und chinesischen Reiche Frankreich entziehen und Deutschland übertragen und es scheint, daß dies für Frankreich einem neuen Verlust seiner wertvollsten Provinzen gleich kommen, für Deutschland einen gar nicht zu ermessenden Machtzuwachs bedeuten würde. Ferner würde ein Papst nach dem Herzen- unseres Kaisers seinen Einfluß auf die Regierungen — aus welche, wird nicht gejagt; die russische, englische, italienische und nordamerikanische können^ es jedenfalls nicht sein — in internationalen Fragen gegen Frankreich in die Wvg- schale meisten. Wenn im Gegenteil ein französisch gesinnter Papst gewählt wird, würden die Aussichten Frankreichs in der Weltpolitit so gut werden, daß selbst die Aufwerfung der elsaß-lothringischen Frage in den Bereich der Absehbarkeit gerückt wäre. Daß die Erfinder, Verbreiter und Pfleger dieses bunten Äiärchens Klerikale sind, braucht nicht erst gesagt zu werden. Uermljüstes. * Bochum, 26. Juli. Im katholischen Krankenhause verlangten 180 wurmkranke Bergleute stürmisch ihre Entlassung, da sie nicht krank seien und ihre Familien nicht darben lassen wollten. Den Bemühungen des herbeigerufenen Knappschaftsoberarztes ist es gelungen, die erregten Leute zu beruhigen. In den anderen Krankenhäusern haben sich ähnliche Vorgänge abgespielt. * Essen a. d. R., 26. Juli. Seit dem Tode des Geheimrats Kriipp wird mit den rein repräsentativen Posten aus den Krupp'schen Werken energisch ausgeräumt. In Kürze werden drei Herren, ein Oberstleutnant a. D., em Kapitän a. D. und ein Oberst a. D., aus dem Dienste der im vom Lebensjahr: 2.—15. Jahr Es starben Tuberkuose an: der DrielKasten der Reduktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) Unsere Herren Korrespondenten bitten wir dringend, alle Briese an uns st ets genügend zu frankieren zur Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nar Gießen gebrachte Kranke kommen. Zusammen: Erwachsene: Arbeiterbewegung. Kassel, 25. Juli. Tie Aussperrung der gesamten B a u a x b e i t e r, die die hiesigen Bauunternehmer für den Fall, daß die streikenden Schreiner die Arbeit nicht wieder aufnehmen würden, vorgesehen hatten, ist heute zur Tatsache geworden. Die ihre ______ Vermeidung unnützen Strafportos. Drucksachen aller Art liefert in jeder gewünschten Ausstattung, stilrein und preiswert die Brühl’sche Universitäts - Druckerei, Schulstr. 7 brud gemeldet wird, hat der verhaftete Hochstapler Mano- esco dem Untersuchungsrichter gestanden, daß er vor einigen fahren in Wien einen großen Diebstahl verübt habe; er cheint dies Geständnis abgelegt zu haben, um nicht nach Berlin ausgeliefert zu werden. Manolesco gab auch an, daß er nach seiner Flucht aus der Irrenanstalt Hcrzberge von einer bekannten Dame von Berlin Geldmittel erhalten habe, die ihm seine Flucht erleichtert haben. Universitäts Nachrichten. a. M a r b urg, 25. Juli. Zum Rektor der Universität für das Amtsjahr 1903/04 wurde der Professor der Theologie Dr Earl M i r b t gewählt. "Eisenbahn-Zeitung. Der Hamburg — Frankfurter D = Zu g Nr. 76, der früh 8,02 Uhr hier abaeht, fährt infolge Jeiner Lauge und starken Besetziinq vom 25. d. M. ab Gießen bis Frankfurt m zwer Tellen. Der zweite Teil wird etwa 10 Minuten später wie der eilte von hier abgehen. _______________________ Familien Nachrichten. Gestorben: Frau Kathinka Scheffel in Offenbach a. M. Firma scheiden. Die Herren bezogen em Gehalt von zusammen über 00 000 Mk. • Dresden, 26. Juli. Die Einladungen fürj>en anfangs September hier stattfindenden „Deutschen Städte- t o g* sind nunmehr an die Stadtvertretungen abgegangen. Emgetaden sind die 33 deutschen Städte nut über 100 000 Einwohner, die 40 Städte mit 50 000 bts 100 000 Einwohner und die 78 Städte mit 2 5 0 0 0 bis 50000 E in- w ohne r. Jede Stadt mit weniger als 100 000 Einwohnern ist berechtigt? zivet Vertreter zu entsenden; die Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern können für die ersten 100 000 Einwohner zwei und für jede ferneren angefangenen 100 000 Einwohner je einen Vertreter entsenden. Referieren werden u. a. Oberbürgermeister Adickes-Franksurt a. M. und Oberbürgermeister Beutler-Dresden über die sozialen Aufgaben der deutschen Städte, Professor Dr. Wuttke-Dresden über das Ergebnis der Deutschen Städteausstellung. "Parts, 25. Juli. In Thouars schlug gestern eui Automobil, welches eine Droschke überholen wollte, um. Die sechs Insassen wurden schwer verletzt. " Wien, 25. Juli. Auf der Lokalbahnftrecke zwischen Baden und Guntramsdorf überfuhr em Lokalzug ein die Geleise passierendes Fuhrwerk. Eine Person tuituc getötet, vier schwer verletzt. . "Lemberg, 26. Julr. In der Nahe von Jatmea kippte ein Boot, in dem sich 19 von einer Hochzeit zurückkehrende Bauern befanden, in dem hoch angeschwollenen Flusse uw, wobei der Bootführer, ein Brüderpaar, zwei Mütter mit je einer Tochter und eine nut einer Tochter ert ranken. Die übrigen wurden gerettet. • Budapest, 26. Juli. Die Löwenbändigerin Marguerita wurde, als sie im Tiergarten Vorstellungen gab, von ihren Löwen angefallen, die ihr einen Arm und mehrere Finger zerfleischten. " Tomsk, 26. Juli. Auf der sibirischen Eisenbahn entgleiste bei Esedajinsko ein Bahnzug, wobei fünf Personen getötet, sechs schwer und viele leicht verletzt wurden. Fünf Waggons wurden vollständig zertrümmert. " Der Vesuv. Ein starker Lavastrom, der oben 60 Meter breit ist und sich unten in mehrere Arme teilt, ergießt sich aus dem Krater des Vesuvs gegen Pompeji und Bosco Reale. Die mittlere Geschwindigkeit des Lavaflusses beträgt 6 Meter m der Minute. Vorläufig ist jedoch keine Gefahr vorhanden. , ♦ Ein Drama im Siechenhause. Im Armenasyl zu Essek gerieten zwei alte Leute, Michajl Klemm und Franje Pavosevic, miteinander in Streit, der zu Tätlichkeiten ausartete. Die beiden Greise regulierten einander mit Fußtritten mid Faustschlägen; schließlich versetzte Pavosevic seinem Gegner eim.i Hieb auf die Schläfe und Klemm brach lautlos zusammen. Einige Stunden später starb er; Pavosevic, der Epileptiker ist, liegt seitdem fast unausgesetzt in Krämpfen. * Der Hochstapler Manolesco. Wie aus Inns- VÄer weinen Teint MZW hatte wiederholt Gelegenheit, die „Herba-Seife zu empfehlen. Ich halte sie für ein vorzügliches kosmetisches Mittel gegen leichte Hantleiden und unreinen Teint, Blütchen und bergt., besonders für blonde Damen mit zarter Haut". Z. h. in all. Apotheken, Drogerien u. Pars. ___ meisten Bauten werden also von Montag ab still liegen. Die Gesamtzahl der ausgesperten Arbeiter betragt 3000. Krefeld, 26. Juli. Hier haben sämtliche Hilfsarbeiter der Piaiiofortfabrik Haine die Arbeit niedergelegt. Barcelona, 26. Juli. In emem Meeting, an welchem die meisten Arbeitervereinigilngen vertreten waren, wurde unter Androhung des G e n e r a l st r e i k s beschlossen, das verlangen zu fteUen, daß sämtliche wegen Streikangelegenheiten verhafteten Arbeiter iioch vor Ende dieses Monats in ^reibeit gesetzt werden müssen.____________________________ __ ____ yjöiljrutiidit WaM der Todesfälle in der Hindi Hießen. 28. Woche. Vom 5. Juli bis 11. 3uli 1903. (Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (infl. 1600 JJlann Militär) 'Sterblichkeitsziffer: 25,12, nach Abzug von 5 Ortsfremden: 15,46 ukt. Kinder Gerichtssuol. Ein erbitterter Feind der deutschen Sprache ist der Gntspächter Jakob Miotke aus Leohain. Der Herr hatte m Danzig vor dem Schöffengericht zu tun und weigerte sich, der deutschen Sprache sich bedielieii. Da nun aber festgestellt wurde, daß TIiotte Deutsch sprechen konnte, sah der Gerichtshof in dem Auftreten des Gutspächters eine Ungebühr und erkannte aus eine sofort zu vollstreckende Haftstrafe von drei Tagen. Handel und Uerkehr. Uolkülimlschaft. Stettin, 26. Juli. Ans die Eingabe des kaufmännischen Provinzialverbandes, betr. die Ueberlassung von Eisenbahngelande an die Deutsch °Amerikanische Petroleumgesellschaft □ur Errichtung von Santanlagen, ist nach der „llÜsee^Ztg. vom "Minister der öffentlichen Arbeiten folgende Antwort eingegangen : Die fgl. Eisenbahndlrektionen sind durch Erlaß vom 12. Dezember v. I. angewiesen, Anträgen auf pachtweise Ueberlassung von Eisenbahn gelände zur Herstellung von Petroleum- Tankanlagen nur unter der Voraussetzung zu entsprechen, bau a n b e r e u Unternehmern im Wettbewerbe bte Tiöglichkeit bleibt, auf benfelben Stationen gleiche Anlagen zu errichten. Tie Vermietung eisenbahn- ßskalischen Geländes zu solchen Zwecken ist dagegen zu versagen, wenn die Tankanlage der beantragenden Gesellschaft ein örtliches Monopol gewähren würbe. Loudon, 26. Juli. Die „American Tobacco E o. , deren Produkte durch die „Imperial Tobacco Co." hier verkauft werden, hat den P r e i s ihrer Zigaretten um o0 Prozent erhöht. Wie verlautet, sollen einige Penni) Lines von der Preiserhöhung ausgeschlossen sein. Lungen Herzfehler 3 (1) 1 (1) _3(1) — 1(1) Tarmkatarrh 1 — 1 Lebensschwäche 1 (1) — 1(1) — Altersschwäche 1 1 — — Gehirnerweichung 1(1) 1 (1) — — Verunglückung 1 1 (1) — Selbstmord tätlicher Körper- 3 3 Verletzung 1 (1) 1 (1) — — Summa: 13(5) 10 (3) 2(1) 1 (1), Dcrqevunq von Iauarveitm. I Mrgevung von Mauarveitm. | ö ö ö ,, r unter Lünweis auf den Ministcrialerlaß vom 16. Juni, ^U1QU1893 werden nachstehende, bei Erbauung einer Oberförster. Los 1: 5813 I. V.: Berth. 5790 Setanntinachung. I vetanntmachmg. In das Handels-Register In das Handels-Register wurde heute bezüglich der wurde heute bezüglich der C. Klingspor Firma ii Gießen eingetragen: 5807 [5811 beigetreten. ßtichener W Badeöfen M l Ä vber 75JD00 im Gebravch j HOUBEN'S ® rGASHEIZÖFEN j 57 1580 ' zu Kauf- 11 Uhr, dem Eröffnungstermine, emzureichen. Gießen, den 24. Juli 1903. Großh. Kreisamt Lauterbach. Dr. Wa11au. werden auf Grund des Erlasses Großh. Mmistermms der Finanzen vom 16. Juni 1892 folgende Arbeiten bezw. Licser- C. 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I., vormittags 11 Uhr, bei uns einzureichen, wo in Gegenwart etwa erschienener Bieter die Eröffnung stattfindet. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Alsfeld, den 25. Juli 1903. Großherzogliches Hochbauamt. Vorrat reicht, bezogen werden. Offerten mit bezeichnender Aufschrift sind auf genanntem Bureau bis Donnerstag den 20. August, vormittags Betr.: Besetzung der Stelle eines Kreisstraßenmeisters. Für den Bezirk Schlitz ist die Stelle eines Straßeu- mersters mit dem Amtswohnsitz in Schlitz bis spätestens zum 1. Oktober d. I. zu besetzen. Die Anstellung erfolgt zunächst auf einjährige Probe bei gegenseitiger emmonatticher Kündigung; Gehalt während des Probejahres 1800 Mark. Bewerber, welche die hessische Bauaufteherprüfung bestanden haben müffen und im Hochbau und Straßenbau Erfahrung besitzen, wollen sich bis zum 20. August d. Js. unter Vorlage von Lebenslauf und Zeugnisabschriften bei uns melden. Lauterbach, den 20. Juli 1903. „Eisenwerke Lollar Aktiengesellschaft zu Lollar" eingetragen: Die Herabsetzung des Akttenkapitals in Gemäßheit mann Hermann Klingspor dahier ist am 1. Juli 1903 der Firma als weiterer Teilhaber Großh. Baubehörde für die Universitäts-Neubauten. Becker. ■überall ungen öffentlich ausgeschrieben: A. Glaserarbeiteu. Los I: 18 qm Eichenholzfenster, , II: 130 , , III: 165 , , IV: 38 , B. 366 qm schmiedeiserme Fenster. ’lG.HOVEEN SOHN CARL, AACHENX ^ospecregmUs-.Verl-referan fast allen Plätzen 1170 qm Los 11: 2070 qm Angebotsunterlagen können auf unserem Zweigbureau, Step Haustr atze 18, eingesehen, Angebotsformulare (keine Zeichnungen) dorther gegen Selbstkostenpreis, soweit der des Generalversammlungs-Beschlusses vom 28. April 1903 ist durchgeführt. Das Aktten- Kapital beträgt nunmehr 2 110 000 Mark und ist geteilt in 2110 Stück auf den Inhaber lautende Aktien zu je 1000 Mark. [5823 Gießen, am 21. Juli 1903. Großherzogliches Amtsgericht. Frisch emgetroffen la. Lmmth. LchMMtäie per Pfund 94 Pfa. (03496 W. Ullrich, Schloßgasse 7. pvsseldorf1902 - Goldmedaille v.silbeme ötaatsmedaille . W Ortsgewerbeverein. Heneral-Iersammlung Dienstag. 28. Juli, abeuds SV2 Uhr. Restaurant Feidel. Tages-Ordnung. Jahresbericht; Rechnungsablage 1902/03; Voranschlag 1903/04; Vorstandswahl; sonstige Vereinsangelegenheiten. Zu recht zahlreicher Beteiligung lobet ergebenft ein 5739 Der Vorstand. Gießen, am 21. Juli 1903. Großherzogliches Amtsgericht. Räumungs Verkauf blS 5576 50*; IM Hermann Hatzi 5 Mäusburg 5. BrasektenS und Ungeziefer aller Art wird sicher vernichtet durch Blattlaustinktur, Blutlaustinktur, Rico- tina, Schwefelpulver, Mäuse- und Rattengift, Wanzentod, Insekten- vnlver, Tinoxa gegen 'üfotten, Phecontipulin gegen Schnaken, Holzwnrrnmittel, Schwadentod :c. 2C. 5692 2ldler-Drogerie Seltersweg 39. Otto Schaaf- Caf<5 Ebel. Heute abend 4910 ÖV* Stammessen. 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