Nr. 173 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Giehener Familien« dlüttcr viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der BrÜhlffchen Untvers.-Buch- ruSteia- druckerri (Pietsch Erbens Redaktion. Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. «dresie für Depeschenr Anzeiger Gießen. Kernsprechanschluß Nr. 51. Erstes Blatt. 153. Jahrgang Montag 27. Juli 1903 GiehenerAnzeiger General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt fiir den Kreis Gießen BezugSpretSr monatlich7öP1„ viertel- iäbrlich Mk, 2L0; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch die Poft Mk.2.—viertel- sährl. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die LageSnurnmer bis vormittags 10 Uhr. Zellenpreis: total 12^,, auSwürt» 20 Pfg. Verantwortlich für den poltt. und augrrn. Teil: P. Wittko- für »Stadt und &mb* und »GenchtSsaalE. Auaust Götz: für den Anzeigenteil: Hans Beck. Wach dem Tode des Papstes. Rom, 25. JuL Das diplomatische Korps im Vatikan. Der Dem Empfange der Mitglieder des beim heiligen Stuhle beglaubigten diplomatischien Korps duvchdas Kardinalskollegium hielt als Doyen der portugiesische Botschafter eine Ansprache. Kcrrdinalkämmerer Oreglia erwiderte u. a.: Die ganze Welt weint mit uns über den unersetzlichen Verlust. Das heilige Kollegium bereitet sich vor, das höchste seiner Prärogative auszuüben, indem es zur Wahl dessen schreitet, der als Statthalter Jesu Christi der Leiter der Kirche sein soll. Und in dem so wichtigen, feierlichen Augenblicke wird Gott uns ohne ;eden Zweifel seinen.ganz besonderen Beistand und seine; Gnade gewähren, die notwendig sind zur Erfüllung der schweren Ausgabe, die uns gestellt ist. Mit diesen Gefühlen verabschiedet sich am Vorabend des Konklaves das heilige Kollegium vom diplomatischen Korps, indem es ihm nochmals seinen sehr lebhaften Dank ausspricht. Die Beisetzung. Um 7 Uhr abends begann die Feier der vorläufigen Beisetzung des Papstes in der Peterskirche. Nach^m unter Vorantritt der kerzentragenden Pbnitentiare der Peterskirche das vatikanische Kapitel in der Peterskirche erschienen war, segnete der Dekan des Kapitels die Leiche ein' und stimmte das Miserere an, in das der Sängerchor einfiel. Sodann wurde die Leiche in feierlichem Zuge aus der Sakramentskapelle durch das Mittelschiff der Kirche um den päpstlichen Altar herum nach der Chorkapelle getragen. Boran schritten die Stabträger des Kapitels. Es folgten das vatikanische Seminar, die Pönitentiare und das Kapitel von Sankt Peter. Hinter ihnen trugen Mitglieder der Kapelle die Bahre mit der Leiche,^von Nobelgarden und Mitgliedern der Erzbruderschaft San Michele in Borgo umgeben, die brennende Fackeln trugen. Tie päpstlichen Hofwürdenträger, die Ehrenkämmerer und Prälaten und eine Abteilung der Palastwachen beendeten den Zug. Ihm schlossen sich zahlreiche Vertreter katholischer Vereine und Pfarrkörperschaften an. Die Leiche wurde mitten in der Chorkapelle mit dem Haupt gegen den Altar niedergestellt. In der Chorkapelle waren die Mitglieder des heiligen Kollegiums, die hier anwesend sind, bereits vollzählig versammelt. In der Kapelle nahmen ferner das diplomatische Korps, Vertreter des römischen Adels auf besonderen Bänken Platz Die übrigen Teilnehmer des Zuges stellten sich rechts und links von der Bahre auf, die Vereine und Körperschaften blieben außerhalb der Kapelle, deren Gitter darauf geschlossen wurde. Nunmehr eröffnete der Chorgesang die eigentliche Feier. Der Dekan des vatikanischen Kapitels erteilte'der Leiche, die er mit Weihwasser besprengte, die Absolution. Darauf trat der Major- domus an die Leiche des Papstes heran und bedeckte schweigend deren Antlitz mit einem weißen Schleier. Der Präfekt der Zeremonien deckte sodann den Körper mit einem rotseidenen Schleier zu und schlug die Enden des Bahrtuchs über ihm zusammen. Nobelgarden nahmen darauf die Leiche von der Bahre auf und betteten sie in^ den ganz mit kar- moisinfarbigem Samte ausgeschlagencn Sarge von Cypressen- holz. In dem Sarg wurden drei rotseidene Börsen niedergelegt, die so viel goldene bezw. silberne und bronzene Medaillen enthalten, als das Pontifikat des Verblichenen Jähre gedauert hat; ferner eine in Blei ein geschlossene Glasröhre mit einem Pergament blatt, auf dem der Lebenslauf und die Verdienste des Papstes geschildert sind. Nunmehr traten die Grafen Peeci, Fürst Rospigliosi, sowie die Befehlshaber der Schweizergardew und der Päpstlichen Gendarmen zum Fußrusse an den Sarg, heran. Tarauf wurde der Deckel des Sarges geschlossen und mit den Siegeln des Kardinalkämmerers Oreglla, des Kardinals Rampolla, des Erzpriesters der Basilika und des Majordomus versiegelt. Während alle Anwesenden in und außer der Kapelle laut beteten, wurde der versiegelle Sarg sodann in den Bleisarg gestellt und dieser verlötet. Auf dem Deckel des letzteren kündet eine Inschrift das Lebensalter, die Pontifikatsjahre und - den Todestag des Ver-^ jkorbenen an. Nach der Verlosung, während welcher der Kapitelsnotar eine auf den Dod und die Beisetzung des Papstes bezügliche lateinische Urkunde verlas, wurde auch der Meisarg versiegell und in einen dritten Sarg aus Ulmenholz mit dem Wappen des Papstes auf dem Deckel gestellt. Nach einer nochmaligen letzten Einsegnung wurde der Sarg von Nobelgarden unter Vorantritt des vatikanischen Kapitels und der Kardinale aus der Kapelle zu dem Sarkophage getragen, in dem die vorläufige Beisetzung des Pavstes stattfindet. In diesem von der Tiara überragten Behältnis über der Tür, die zur linken Empore der Chorkapelle führt, wird die Leiche des Papstes ruhen, bis das Grabmal an der in dem Testamente bestimmten Stätte in der Kirche San Giovanni in Laterana vollendet ist. Unter Absingung des Psalmes „Benedietus Dominus Deus Israel" wurde etwa um 9 Uhr abends der Sarg zur Höhe des Sarkophages emporgezogen und hier beigesetzt, während die Glocken der Basilika läuteten und vielstimmige Gebete und Gesänge den weiten Raum der Kirche erfüllten. Sogleich nach erfolgter Beisetzung schlossen Maurer die Oeffnung des Sarkophages, wobei nur die Grafen Peeei, Vertreter des Kapitels, ein Notar und einige Nobelgarden zugegen blieben, während alle übrigen die Kirche verließen. lieber dem Sarkophag ist ein kleines Schild mit der Inschrift: „Leo p. p. 13" angebracht. Um 1/2IO Uhr herrschte in und um Sankt Peter tiefe Stille. Das Testament des Papstes. Rom, 26. Juli. Der Kardinalvikar gab bekannt, daß er beauftragt sei, 50 000 Lir e aus der Hinterlassenschaft des Papstes an die Armen Roms zu verteilen. Das Testament des Papstes lautet: Da wir uns dem Ende unserer irdischen Laufbahn nähern, legen wir in diesem holographischen Testament unfern letzten Willen nieder. Vor allem bitten wir in Demut die unendliche Güte und das Erbarmen des ge- benedeiten Gottes, daß er uns die Irrtümer unseres Lebens verzeihe und unsere Seele gnädig ausnehmy zur ewigen Seligkeit; wir hoffen daraus besonders wegen des Verdienstes Jesu Christi des Erlösers und im Vertrauen auf sein hochheiliges Herz, den glühenden Ofen der Barmherzigkeit, die Quelle der Erlösung für die Menschheit. Wir flehen auch als Fürbitterin die heilige Jungfrau Maria, Mutter Gottes, unsere liebende Mutter an, und die Heiligen, die wir in unserem Leben besonders verehrten, als unsere Patrone, und indem wir Verfügung treffen über das uns gehörende Familiengut, setzen wir zum Erben unseren Neffen, Grafen Lü dovieo Peeei, ein. Vom Gut sind in Abzug zu bringen die unserem anderen Neffen, Grafen Richard, anläßlich seiner Verheiratung gegebenen Güter, desgleichen sind in Abzug zu bringen alle in Carpineto gelegenen Güter, welche Eigentum des Heiligen Stuhles sind gemäß unserer eigenhändigen Verfügung vom 8. Februar 1900. Wir haben im Testamente keine Verfügungen zu Gunsten unseres Neffen Camillo, unserer Nichten Anna und Maria, sowie der Söhne und Töchter unseres Bruders Giovanni Battista getroffen, da wir bei Lebzeiten für dieselben gelegentlich ihrer ^eirat schon in angemessener Weise gesorgt haben. Wir erklären, daß niemand aus unserer Familie irgendwie ein Recht an alledem geltend machen kann, was nicht in der gegenwärtigen Urkunde in Betracht gezogen ist, denn alles sonstige Gut jeglicher Art ist uns in unserer Eigenschaft als Pontifex zugesallen und ist daher — jedenfalls wollen wir, daß es so sei — unantastbares Eigentum des Heiligen Stuhles. Wir übertragen die genaue Vollstreckung unseres Willens den Kardinälen Rampolla, Moeenni und Cretoni und erklären, daß dies unser letzter Wille ist. Rom, im Vatikan, 8. Jnli 1900. Gio vaechin 0 Peeei, Leo p. p. xm. Das Testament ist auf großem Bogen von der Hand des Papstes geschrieben. Tie Schrift ist Nein, sehr deutlich und regelmäßig und weist keine Spur von Unsicherheit auf. Kardinal Kopp soll bei der letzten Kongregations-Sitzung einen bedeutenden Einfluß ausgeübt haben. Insbesondere soll ihm die Wahl Palmieris zum Leiter des Konklave zu verdanken sein. Palmieri ist Jesuit und Fran- zosenseind sowie Führer der deutschen Partei in Rom. Seine Ernennung wird als ein großerErsolg der deutschen Partei betrachtet. Nunmehr gelten die Chancen Vanutellis als Kandidat für die Papstwahl uüls die besten. Er dürfte beim ersten Wahlgange die meisten Stimmen auf sich vereinigen. Dagegen erklärte ein Pater, es zirkuliere das Gerücht, Rampolla habe sich mit Gotti verständigt, um die Wahl Göttis zu ermöglichen. Gotti werde alsdann F er rata zum Staatssekretär ernennen, während Rampolla das Amt des Präsekten der Propaganda übernehmen würde. Die Aussichten Göttis seien infolge dieser Kombination gestiegen In Rom tritt das bestimmte Gerücht auf, Rampolla habe zu Gunsten Göttis resigniert. Die Koalition zu Gunsten Vannutellis ist ein ballon d'essay, der von den Freunden Vannutellis aufgelassen wurde. Dagegen macht sich bei den Kardinälen viel Sympathie für den Kardinch Capecelatro bemerkbar, der als Zweitältester Kardinal in einem voraussichtlich kurzen Pontifikat den Boden für die Politik einem im Hintergründe stehenden Kardinale ebnen soll. UMische Tagesschau. Zur Kritik der Entartungstheorie. Im neuesten Hefte der „Zeitschrift für Sozialwissen» schäft" beendet der Bonner Hygieniker Professor Dr. Kruse eine Untersuchung über die Entartungstheorie. Hat Kruse bisher gezeigt, daß die Sterblichkeitsstatistik gegen eine angeblich bestehende Entartung spricht, so zieht er jetzt die Erkrantüngsstatistik zum Nachweise des Gegenteils heran. Und zwar fußt er auf der Erkrankungsstatistik des deutschen Heeres in der Zeit von 1868 bis 1898. . Bekanntlich sino in diesem Zeiträume die Anforderungen an die körperliche Vollkommenheit der Rekruten, zum mindesten was die Körpergröße anlangt, herabgesetzt worden, da man jetzt 50 bis 55 Proz. der Stellungspflichf- tigen in das Heer einreiht, gegen 40 bis 44 der früheren Zeit. Die Ansprüche im Dienst sind dabei nicht geringer als früher, konnten es auch durch die Einführung der zweijährigen Dienstzeit nicht werden. Letztere wiederum erhöht den Prozentsatz der im ersten Tienstjahre stehenden Soldaten, vermehrt also das Risiko des Erkrankens. Endlich ist die ärztliche Untersuchung der Soldaten sorgfältiger geworden. Das aclles find Momente, welche die Krankheitsstatistik ungünstig hätten beeinflussen sollen. Das Gegenteil aber ist eingetreten, für weitaus die meisten Krankheiten ist eine Verminderung jestzustellem Kruse schließt hieraus, daß nicht nur die hygienischen Einrichtungen des Heeres große Fortschritte gemacht haben, sondern daß auch das Menschenmate- rial widerstandsfähiger, d. h. freier von Fehlern, geworden ist. Häüd in Hand mit der Senkung der Krankenziffern geht allerdings eine Zunahme der Entlassungen wegen Dienslunbrauchbarteit und Invalidität um etwa 10 pro Mille. Das bedeutet, daß man im letzten Jahrzehnt dazu übergegangen ist, eine Reihe von Renten, die man früher noch bei der Fahne gehalten hätte, die aber damals meist den Lazaretten zur Last gefallen wären, vor der Zeit zu entlassen. Wenn das nicht geschehen wäre, würden die Krankenziffern allerdings etwas höher ausgefallen sein. Bringt man dafür auch einen noch so hohen Zuschlag in Rechnung, so bleibt der Gewinn an gesunden Soldaten, den das Heer gegen früher gemacht hat, nach Kruses Ansicht immer „ganz g^e w a l t i g". Bei dieser Gelegenheit sei kurz des Selbstmordes in der Armee gedacht. Es kamen 1868—69 auf 1000 Mann 0.65 Selbstmorde, in den Jahren 1881—85 0.64, in den Jahren 1886—90 0.53, in den Jahren 1891—95 0.49, in den Jahren 1896—98 0.39. Die Selbstmordziffer im Heere hat also regelmäßig abgejtommen ; das ist um so bemerkenswerter, als die Selbstmordziffer in der Gesamt- bevölkerung nicht gefunkelt, sondern, abgesehen von leichten Schwankungen, gleich, hoch geblieben ist. Der Eckstein der ganzen Entartungstheorie ist für viele, Z»ie geistlichen Mustkauffüyrungen des Gießener evangelischen Kirchengesangvereins werden mit Recht zu dem Besten gezählt, was in Gießen an musikalischen Genüssen geboten wird. In dem gestrigen, in der Stadtkirche abgehaltenen Sonntagskonzert zeigte es sich aufs Neue, wie gut, Herr Musikdirektor Drautmann seine Sängerschar geschult hatte. Die Aufführungen wurden eröffnet mit einer von Herrn Organist Gör lach meisterhaft gespielten Orgelphantasie über das altniederländische Volkslied „Wir treten zum Beten" von Beckmann. Im weiteren Verlauf des Konz^ts spielte der geschützte Orgelkünstler noch ein Jn^rmezzo des bekannten Komponisten Cyrill Kistler, und wußte, wie schon mit dem ersten, so auch mit dem zweiten Vortrag das leider nicht allzu zahlreich erschienene Publikmn in andächtiger Stimmung zu erhalten. _ Der evangelische aesangverein eröffnete die Reihe seiner Vorträge mit einem in altkirchlichem Stil gehaltenen Chor „Ehrist ist erstanden", der wesentlich dazu beitrug^ die andachtsvolle Stimmung der Zuhörer zu erhöhem ubri.ßen Nummern des Programms waren zum -ven ^ologechnge für Sopran, zum Teil Kompositionen für Chor, ^oli und Orgel. Für die Sologesänge war in Frau P^osesijor Schmidt aus Halle, einem früheren aktiven Mitglied des Vereins und einer Schwester des jetzt in Elberseld lebenden Tr. Haym, eine Künstlerin gewonnen, die nut ihren ui jeder Beziehung vollkommenen Leistungen den größten Anteil an dem ganzen schönen gestrigen Erfolge hat. Ein herrlicher Sopran von großer Kraft und 'sellenem Wohlklang paarte sich in glücklichster Weise mit einer auf höchster Stufe der Vollendung stehenden Textaussprache und mit einem seelenvollen, zu Herzen gehenden Vortrag. Die beiden Solovorträge „Kvmmt Seelen, dieser Tag" von Joh. Seb. Bach, und die Arie „Sei getreu" aus Niendelssohns Paulus waren sehr geeignet, big großen Vorzüge der Künstlerin im günstigsten Licht erscheinen zu las; en. Der Vortrag der zwei biblischen Szenen von H. v. Herzogenberg, ,chas kananäische Weib" und der „Seesturm" bildeten in ihrer Zusammensetzung — im „Seesturm" wirkte auch, ein Streichorchester mit — wundervolle Ensemblenummern. Tas Gleiche berichten wir von der Hymne für Sopransolo, Chor und Ochgel von Vöendelssohn und von der Schlußnummer, Cantate auf den 2. Sonntag nach Trinitatis, für Solo, Chor und Orgel. Ein großes Verdienst um das Gelingen des Konz^erts hat sich Herr Heinrich. Schiir- mer erworben, der nicht nur seine Tenorpartie in künstlerischer Weise durchführte, sondern auch für den erkrankten Baritonisten fast in letzter Stunde eingetreten ist. Die ganze Aufführung war, wie lvir schon andeuteten, wohl- gelungen, und das Publikum, das allen Einzelheiten andächtig folgte, verließ befriedigt das Gotteshaus. Pr. Amalie Skram, Professor Hieronymus, Roman, 2. Auslage, geh. 2 Mk. Vertag von Albert Langen in München. Ein geradezu kraftgeniales Werk liegt in diesem Roman vor, ver keinen Leser ohne eine tiefe Erschütterung und ohne das nachbleibende Gefühl der Ratlosigkeit, der Empörung und des Zornes aus seinen Banden frei läßt. Amalie ^kram ist eine moderne Denkerin, eine Kämpferin, eine Frau, die vieles weiß; aber sie ist auch eine glänzende Stilistin, die ohne alle Zwangsmittel Szenen und Episoden von wahrhaft dramatischer Kraft aufs Papier wirft. Die Jrrenhausszenen stehen in ihrer Genauigkeit und ruhigen Feinheit der Ausmalung in der modernen Litteratur jedenfalls ganz einzig da. Daß dieses Meisterwerk in verhältnismäßig so kurzer Zeit eine zweite Auslage erleben konnte, stellt dem deutschen Leserpublikum ein glänzendes Zeugnis aus. Im Verlage für Naturkunde zu Stuttgart erscheinen soeben die beiden ersten Lieferungen der 3. vermehrten Auslage von H e r m. Wagners Illustrierter Deutscher Flora (16 Lieferungen ä 75 Psg,). — Die Vorzüge dieses vortrefflichen Handbuches bestehen in seiner Vollständigkeit, in seiner klaren Darstellungsweise und ganz besonders in der von keinem ähnlichen populären Werk auch nur annähernd erreichten Reichhaltigkeit der Tex t ab b i l d u ic g e n. Wir beabsichtigen noch öfter auf das Werk und dessen fortschreitendes Erscheinen aufmerksam zu machen. Agnes S 0 r m a beginnt ihre diesjährige Winter- Gastspielreise am 1. Oktober mit einem mehrabendlichen Gastspiel am Stadttheater in F r a n f f u r t a. M. tote man weiß, die Annahme einer starken Sterger u n g der Nerven- und Geisteskrankheiten. Gewohn- lid) beruft man sich da puf das schnelle Wuchstnm der Anzahl von Irren, die in Anstalten Aufnahme gefunden haben. Drese iSrfdjrnrung beruht aber aus der zunehmenden Ueberzeugu.ng von der Notwendigkeit und Nützlichkeit der Anstaltspflege. So kam es, daß in der Zeit von 1871 bis 189o die Zal)t der in den Irrenanstalten Verwahrten um l>>0 Prozent st reg, während die Zahl aller Geisteskranken ui Preußen ui dem genannten Zeiträume nur um 16 Prozent zunahm. Die „Nervosität" als Zeitkrankheit betrachtet Abrufe nur als eine Kinderkrankheit" n u se r er u 11u r. Der Kulturmensch werde sich den veränderten Lebensbedingungen an- passen, der nervösen lleverreizung und Ueberbürdung fidji zu entziehen wissen, die nötigen Gegennrittel in Gestalt von Schulhygiene, Pflege des Spiels und des Sports, Vcr türmng der Arbeitszeit, Sonntagsruhe usw. ausfindig machen. Die „Dekadenz" in Literatur und 5lnii|t berührt, wie Kruse betont, nicht den Kern unseres VolksllimS: ihr Auftreten könne daher nicht als Vorzeichen eines Niederganges betrachtet werden: „In Wissenschaft und Technik, aus s o z i a l e m u n d w i r t s ch a f t l i ch e m Gebiete wird so viel gediegene Arbeit geliefert, die Bewegung, die durch unsere literarischen und künstleri s ch e n greise geht, ist s o k r ä s t i g, die K a m p f e s st i m m - ung, die unser öffentliches Leven beherrscht, ist jo gesund, daß man die genannten und andere geistigen und sittlichen Auswüchse immerhin in den Kauf nehmen kann." Bom Vermögen der deutschen Staaten. Die in den „Vierteljahrsheften zur Statistik des Deut- /chen Reichs" enthaltene Arbeit des Regierungsrats Professors Dr. Zahn uber die Finanzen der deutschen Bundesstaaten macht auch Angaben über die wichtigeren Bestandteile de-? Staatsvermögens. Gs handelt sich dabei einmal uni lieber schlisse früherer Jahre, soweit darüber noch nicht verfügt ist, sodann um das verfügbare und das bereits festgelegte Sraatcwermögen, ferner um Domänen, Forsten und Eisenbahnen, für welche Umfang und Anlagekapital, soweit möglich, angegeben ist. Bei den Ueberschüssen ans früheren Jahren hat nach Den jüngst abgeschlossenen Rechnungen Preußen die erste Stille inne mit 196,5 Mill. Mk. Bayern folgt an zweiter Stelle mit 55,3 Millionen Mart Ueberfchuß, dann tommen Baden mit 22,5, Württemberg mit 11,3 und Lübeck mit 7,9 Millionen Mart. In feinem der anderen Staaten erreichte der Ueberschuß 4 Millionen Mark. Das Deutsche Reich schloß im Jahre 1900 mit einem Fehlbetrag von 1,9 Millionen Mark ab. Das Staats -und Kapitalvermögen des Reiches belief sich am 31. März 1901 auf 549,6 Mill. Mk., darunter 120,0 Mill. Mk. Reichstriegs- schätz, 367,4 Mill. Mk. Reichsinvalidenjonds und 55,0 Mill. Mark Betriebsfonds (eiserne Bestände) bei der Reichshaupt- tafje. Tas Staatsvermögen Preußens betrug 321,9 Mill. Mark, darunter Reservefonds der Rentenbanten 16,9, Betriebsfonds "her Hauptverwaltung der Staatsschulden 7,9, Staats-Aktiv-Kapitalienbestand 58,3, Kapitalkonto der See- Handlung 34,4, Grundkapital der Zentral-Genossenschasts- kasse 50,0, Ansiedlungskommission 120,5, Dahrlehnsforder- ungen 13,1 und für Kleinbahnen 20,8 Mill. Mk. Tas Kapitalvermögen von Sachsen belief sich auf 121,0 Mill. Mk., das von Baden auf 70,0, von Bayern auf 54,6, von Württemberg auf 48,8, von Braunschweig auf 44,8, von Mecklenburg- Schwerin auf 18,7 Mill. Mk. In keinem anderen Staate erreichte das Staatsvermögen die Höhe von 15 Mill. Mk. Bei den Domänen ist ein Wert nicht anzugeben, vielmehr können hier nur Zusammenstellungen über die Größe gemacht werden. In allen Bundesstaaten sind 662 211 Hektar Domänen vorhanden, wovon 335 518 Hektar, also mehr als die Halste, auf Preußens entfallen. Ten zweitgrößten Domänenbesch hat MLcklenburg-Strelitz mit 58 700; dann folgen Mecklenburg-Schwerin mit 56 001, Bayern mit 42 567, Oldenburg mit 37 967, Braunschweig mit 2d 185, Anhalt mit 18 701, Baden mit 18056, Hessen mit 16 541 und Württemberg mit 9800 Hektar Domänen. Sachsen hat nur 3849 Hektar. Gar keine Domänen besitzen S.-Altenburg, Schwarzburg-Sondershausen, die beiden Reust, Schaumburg- Lippe, Bremen und Elsaß-Lothringen. Die Eisenbahnen der Bundesstaaten und des Reichs Haden eine Länge von 48 344,4 Km. und repräsentieren ein Aktienkapital von 12 330 Millionen Mark. Preußen ist daran mit 31453,3 Km. und 7807 Mill. Mk. beteiligt; auf Bayern entfallen 5881,7 Km. und 1387 Mill. Mk., auf Sachsen 3005,5 Km. und 872 Mill. Mark, auf Württemberg 1904,0 Km. und 602 Mlll. Mk., auf Baden 1539,3 Km. und 560 Mill. Mk., auf Mecklenburg- Schwerin 1127,2 Km. und 119 Mill. Mk. und auf Hessen 1064,5 Km. und 289,6 Mill. Mk. Bon den kleineren Staaten hatten nur Oldenburg, Sachsen-Weimar und Sachsen-Mei- ningen, Hamburg und Bremen Eisenbahnbesitz. Das Reich verfügt über 1640,0 Km. Eisenbahnen, die ein Anlagekapital von 619 Mill. Mk. haben. Deutsches Keich. Berlin, 26. Juli. Man -meldet aus Mo: Die „Hohenzollem" trat gestern nachmittag von Tiger-, muten aus die Rückreise an. Um 5 Uhr wurde vor dem Eingänge des Holandsfjords Anker geworfen. Ter Kaiser unternahm darauf mit Gefolge aus dem „Sleipner" einen Ausflug in diesen Fjord hinein nach dem Svartisengletscher. Um 2 Uhr nachts wurde Mo erreicht, wv ein mehrtägiger Aufenthalt genommen wird. — Die für den August geplante Seefahrt des Kaiserpaares mit dem Lloyddampfer „Kaiser Wilhelm II." ist verschoben worden. — Wie aus London gemeldet wird, ist zwischen Kaiser Wilhelm und dem König Eduard für den Herbst eine Zusammenkunft vereinbart worden. Es sei aber noch nicht bestimmt, ob sie in England, Deutschland oder Dänemark stattfinde. Ter König erhielt in der vorigen Woche ein Handschreiben des Kaisers, das sich auf den Besuch bezog und das in den herzlichsten Tönen gehalten war. — Der Kaiser hat an die Gattin seines verstör- zt-en en Religionslehrers Predigers Persius in< Potsdam von seiner Nordlandsreise folgendes Beileidstelegramm gerichtet: „An Frau Prediger Persius, Potsdam. Die Nachricht von dem Heimgang Ihres hochverehrten Gatten und diesen für Sie, gnädige Frau, unersetzlichen Verlust erfüllt mich mit aufrichtiger Teilnahme, und ich füge gern hinzu, daß nicht nur seine vierzigjährige Tätigkeit an der Heiligengeistkirche, sondern auch sein Wirken als Seelsorger in meinem Elternhause unvergeßlich bleiben wird. Wilhelm." Karl Gustav Adolf von Preußen vollendet am 27. Juli fein 15. Lebensjahr. Ter Prinz hat seine Namen nach seinem Taufpaten, dem llönig jOskar von Schweden. Wie alle Dreußi- chen Prinzen gehört Prinz- Oskar seit seinem zehnten Lebens- ahre als Leutnant dem 1. Garderegiment zu Fuß an, gleichzeitig steht er a la suite des 3. Garde^Grenadier- Landwehrregiments. Er ist Ritter des Schwarzen Adlerordens, des Hohenzollernschen Hausordens, des Rothen Adler- und des Kronenordens. Zurzeit weilt der Prinz bei feiner Mutter, der Kaiserin, in Kabinen zusammen mit dem jüngeren Prinzen Joachim und der Prinzessin Viktoria Luise. — In der Hedwigskirche fand gestern eine offizielle Gedenkfeier für den verstorbenen Papst statt. Die Kirche prangte in Tranerschmuck. Bon den Wänden hingen schwarze Belarien, der Hochaltar war von einem dichten Lorbeer- und Sluincnarrengcment umgeben. Die Kirche erstrahlte in Kerzenlicht. In der Mitte war unter einem Trauer-Baldachin der mit schwarzem Tuch bedeckte Katafalk ausgestellt. Auf ihm befanden sich Mitra und Schlüssel des Papstes, sowie das Kruzifix. U. a. erschienen Kultusminister Studt und Staatssekretär Graf PosadowSky. Die Honneurs machte Gras Talleyrand, der einzige Vertreter des römischen Malteserordens. Er empfing auch den als Vertreter des Kaisers erschienenen Erbprinzen von Hohenlohe. Ferner erblickte man unter den Trauergästen bleie Vertreter des diplomatischen Korps, der Parlamente, der Ministerien und des katholischen Adels. Die katholischen Studenten waren mit schwarz umflorten Bannern erschienen. Tas Requiem cclebrierte der Probst Neuber. Gesänge des Kirchenchors schlossen die Feier. — Der Rücktritt des Ministers des Innern Frhrn. v. H a m m c r ft c i n und des I u st i z m i n i st ers Schönstedt wird in den „Pos. Reuest. Nachr." angekündigt zugleich mit dem Bemerken, daß der frühere ion)erbattü)e Abg. Frhr. v. Manteuffel, der Landesdirektor der Provinz Brandenburg, Minister des Innern und ein „wohl- bekannter Präsident eines Oberlandesgerichts in den östich en Provinzen Justizminister werden soll. Der Rücktritt beider Minister ist bekanntlich schon vor Monaten angekündigt, damals aber Dementiert worden. — Ter frühere Staatssekretär des Reichsschatzamtes Wirkt. Geh. Rat v. Jacobi ist in Zinnowitz gestorben. — Gestern hat in der Schultheig-Brauerei die Trcmer- eier für den verstorbenen Generaldirektor der Brauerei, Reichstagsabg. Richard R o e f i ck e ftattgefunben. Außer den Angehörigen d er Familie waren erschienen Theodor Mommsen, der frühere Handelsminister Frhr. v. Berlepsch, Ministerialdirektor Thiel, Unterstaatssekretär Dr. Hopf, ferner die hier anwefenoen sJJiitglicber der freisinnigen Vereinigung, Mitglieder der frei)innigen Vottspartei und der sozialdemokr. Fraktion, sowie Vertreter der Berliner und der Potsdamer Handelskammer und des Verbandes deutscher Berufsgenoisenschaften. Pfarrer Geh hielt die Gedenkrede, in der er hervoryob, daß der Verstorbene zwar nicht auf dem Boden der Kirchenleyre gestanden, aber jederzeit die sittlichen Forderungen des Evangeliuins sich zur Richtschnur seines Handelns gemacht habe. Aus dem Petri- kirchhose, wo die Arbeiter der Schultheißbrauerei Spalier bildeten, erfolgte die Bestattung. Eine erdrückende Fülle von Kränzen und Blurnenspenden wurden auf dem frischen Hügel niedergelegt. — U eb e r den Empf an g des amerikanisch er: Eisenbahnkönigs Banderbilt durch die Spitzen der Behörden in Danzig wird in der „Rhein.-Westf. Ztg." und im „Hannov. Kur." geklagt. Die Blätter weisen daraus hin, daß dem Eisenbahnlonig auf kaiserlichen Befehl der Regierungsrat Korn zur Verfügung gestellt, der Regierungspräsident von Danzig und der wommanbeur der Leib- )usaren-Brigade General v. Mackensen Auftrag erhielten, ür die Begrüßung des amerikanischen Gastes Sorge zu ragen. In Danzig besichtigte Banderbilt, der nach der Rhein.-Westf. Ztg." 31 Jahre alt, nach dem „Hann. Kur." ein junger Mann von etwa 27 Jahren ist, die Sehenswürdigkeiten. Am Frühstück nahm der Regierungspräsident Jarotzky und Oberbürgermeister Ehlers teil. Dabei konzertierte die Kapelle des Danziger Fußartillerieregiments. Einer Einladung des Generals v. Mackensen Folge leistend, fuhr Banderbilt auch nach Langfuhr nach dem Leibhufaren- ofsizierskasino, wo er den Kaifersaal besichtigte. Zu dem Mahl, das Lakiderbilt an Bord feines Schiffes gab, waren u. a. General v. Mackensen, der Regierungsrat v. Jarotzky, der Oberbürgermeister Ehlers geladen. Bon Danzig begab sich Banderbilt zur Marienburg. Kirche und Schule. Zum Plan eines R e i ch s s ch u l a m t s hat sich der deutsche Gesandte in Bukarest in Der Antwort auf eine Eingabe des Verbandes deutscher Schulen in Rumänien dahin geäußert, daß die Anregung des Landesverbandes der deutschen Schulen Rumäniens wegen Einrichtung eines Atelde- amtes für deutsche Schulen im Auslande seitens des Reichskanzlers wohlwollend auf genommen morden sei. Heer und Flotte. Tie Hitzschläge bei den bosnischen M anö- vern. Bezüglich des Unglücks, welches das 12. Infanterie- Regiment während des Manövers in der Herzegowina betroffen hat, erfährt das offiziöse „Ungarische Korresp.- Bur." an maßgebender Stelle: Tie Mannschaften marschierten von Trebinje nach Bielek und stoaren mit allen Marfcherleichterungen versehen. Die Feldflaschen waren gep füllt. Wasser wurde auf einem Wagen nachgeführt. Die Hitze stieg auf 40 Grad Reaumur. Man beabsichtigte, das nahe gelegene Bielek sobald als möglich zu erreichen, um den Soldaten Rast zu gewähren. Einen Kilometer von Bielek jedoch wurden 11 Soldaten von Sonnenstich getroffen und starben. Die M ar o d en wurden auf Wagen nachgesührt; ihre Zahl ist noch nicht festge ft eilt, jedoch ist es unwahrscheinlich, daß die Ziffer so groß ist, wie sie in den Zeitungsberichten gemeldet wird. Strengste llntersuch.iing ist ein geleitet Die Verantwortung gegenüber den Schuldtragenden wird in größtem Maße an gewendet Ausland. Christiania, 26. Juli. Großes Aufsehen erregt hier, daß das Kriegsministerium einwllligte, die an Naturschön- heiten so reiche Insel „Ho v e d ö e n" am Einlauf von Ehristiania an eine französische Gesellschaft zum Preise von 750 000 Kronen zu verkaufen. Das Ministerium hatte der Stadt Ehristiania das Vorkaufsrecht gegeben: die Stadtoertretung lehnte das Anerbieten ab, sprach aber ihr tiefes Bedauern über den Verkauf der Insel zum Zwecke der Privatspekulation aus. Petersburg, 26. Juli. In Baku haben die Arbeiterunruhen einen immer größeren Umfang angenommen. Unter den Naphta-Jndustriellen herrsasi die Befürchtung, daß die Arbeiter die Petroleumvorräte und die Bohrlöcher in Brand stecken. Gestern war die Nachricht verbreitet, daß der Gouverneur von streikenden Arbeitern in seinem Hause geradezu belagert wird. Konstantinopel, 26. Juli. Der deutsche Geschäftsträger Frhr. v. Wangenheim und Gemahlin und der deutsche Gesandte in Athen Prinz Ratib or, die Prinzessin von Natibor und Gras v. Saurma mit Gemahlin geb. von Nadowitz waren gestern zum Diner nach dem Iildiz eingeladen. Sie wohnten hierauf in der Loge des Sultans einer Aufführung von „Boccaccio" bei. Der Sultan, der von bemerkenswerter Frische und in bester Stimmung war, verlieh den deutschen Gästen Ordensauszeichniingen. Washington, 26. Juli. Der Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und Dänemark über die Erwerbung der dänisch-westindischen Inseln durch die Union ist am 24. Juli durch Ablauf seiner Gültigkeitsdauer erloschen. Die Vereinigten Staaten werden wahrscheinlich keinen Vers n ch machen, einen neuen Vertrag abzuschließen, aber apch nicht dulden, daß Dänemark die Inseln an eine andere Macht abtritt. Aus Stadt und Land. Gießen, den 27. Juli 1903. * * Personalien. S. K. H. der Großherzog haben der Gemeindehebamme Ai a r ia Büch ler zu Lengfeld die ilberne Dledaille des Ludewigs-Ordens und dem Bürger-^ meister und Ortsgerichtsvorsteher Georg Bauer IV. zu Schlierbach im Kreise Bensheim das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" am Bande des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. * * 3uni Besten des Jnvalidendanks findet morgen am Dienstag, abends im Neuen Saalbau das bereits angekündigte große Extrakonzert unserer Militärkapelle statt. Bei ungünstiger Witterung ist das Konzert im Saale. Hoffentlich nimmt bei dem bevorstehenden Semester-Abschluß die Studentenschaft Anlaß, noch einmal recht zahlreich zu er-- cheinen. * * Das 30jährige Stiftungsfest feierte Samstag und Sonntag der Verein „Union". Am Samstag fand im Neuen Saalbau ein überaus zahlreich besuchter Festkommers tatt, dem sich am Sonntag nachmittag ein fiohes Treiben im Garten bei Trescher u. Schwede!, der zu einem Jahrmarkt geschmückt und hergerichtet worden war, anschloß. Am Abend fand eine Ueberbrettl-Vorstellung statt, die Stimmung und Appetit vorbereiteten für das darauf folgende ausgezeichnete Festessen. In den folgenden Stunden flügelten die Fest- und Tischgenossen auf den beweglichen Schwingen des Tanzes von der reich besetzten Tafel weg zu den Ge- ühlen der Erholung und der Zurückführung in den Zu- tand normalen Wohlseins nach einer reichlichen, gesegneten Mahlzeit. * * Ausflug des Bergmännischen Vereins. Um sich über die im Lahntal stark vertretene Mineralwasserindustrie und d-ie neuerdings hinzugekommene Koh- ensäuregewinnung aus eigener Anschauung ein genaues Bild zu machen, unternahmen die Mitglieder des hiesigen bergmännischen Vereins am Samstag eine Exkursion nach Selters-Löhnberg. Zuerst wurde der in der Nähe des Bahnhofs Löhnberg neu erbohrte Sprudel der Bohrgesell- chast „Hessen-Nassau" besichtigt. Dieser, in einer Teufe von 154 Meter erbohrte Sprudel bot den Besuchern einen ehr schösnen Anblick dar, und bald entfaltete sich eine Tätigkeit, die einer Trinkkur sehr ähnlich sah. Der stark kohlensäurehaltige Sprudel bringt pro Minute 400 Liter wohlschmeckendes Mineralwasser, welches er iy2 Meter hoch, auswirft, zutage. Die genannte Bohrgesellschaft, welche noch mehrere Konzessionen in der fraglichen Gegend besitzt, betreibt gegenwärtig noch zwei weitere Bohrungen, welch« nach Ansicht Sachverständiger ebenfalls ein gutes Resultat ergeben werden. Nunmehr ging man zum Hauptzweck der Exkursion, die Besichtigung des Mineralwasser- und Kohlensäure-Werks „Selters Sprudel Augusta-Viktoria" über, wo Direktor Neidhart die Führung der Gäste durch die einzelnen Anlagen übernahm. Zunächst wurde das Mineralwasserwerk, welches mit dem Selters-Sprudel auf der linken Seite der Lahn liegt, besichtigt. Mittels guter maschineller Fülleinrichtungen werden hier durch fleißige Mädchenhände täglich ca. 10000 Gefäße mit Wasser gefüllt und versandsähig verpackt. Die gefüllten Kisten werden mit Kähnen auf der Lahn nach Station Löhnberg gebracht, von wo aus der Bahnversand vor sich geht. Nach Besichtigung der sämtlichen maschinellen Einrichtungen zur Gewinnung und Füllung des Wassers begab man sich nach dem Kohlensäurewerk, wo neben Direktor Neid hart der Erbauer deÄ Werks, Ingenieur Eigel, es übernahm, den Zweck der einzelnen Maschinen und Apparate zu erklären. Das zur Verarbeitung kommende kohlensäureyaltige Wasser gelangt von dem Selters-Sprudel mittels einer durch die Lahn gehenden Rohrleitung nach dem Kohlensäurewerk, ferner wird dem dicht bei letzterem gelegenen Wilhelmsbrunnen Wasser zur Verflüssigung von Kohlensäure entnommen. In dem Kohlensäurewerk wird in großen Gefäßen dem Wasser die Kohlensäure entzogen und letztere durch eine Reihe maschineller Anlagen auf immer höheren Druck gebracht, bis bei einer Kompression von 60 Atmosphären die gasförmige Kohlensäure, gleichzeitig unter dem Einfluß stetiger Abkühlung, in die flüssige Form übergeht. — Nachdem die Besichtigung, an der die Anwesenden, namentlich auch die Damen, mit lebhaftestem Interesse teilnahmen, beendet war, forderte Direktor Neidhart die Besucher in liebenswürdiger Weise auf, an den gedeckten Tischen Platz zu nehmen, und bald erholte man sich bei einem Imbiß und einem Glas Bier von den vorausgegangenen Anstrengungen. Alsdann nahm Direktor Marx als Vorsitzender des bergmännischen Vereins das Wort, um dem Aufsichtsrat der Selters Sprudel-Gesellschaft und Herrn Neidhart den Dank der Teilnehmer für die Erlaubnis zur Besichtigung der Anlagen, die liebenswürdige Führung und bte freundliche Bewirtung auszusprechen. Im weiteren Verlauf des Beisammseins wurden auch die Verdienste der Herren Wildenhayn und Schütz, welche gerade am selben Tage vor sieben Jahren den Selters-Spruoel erbohrten und alsdann das Werk gründeten, herorgehoben, und daß auch der Erbauer, Ingenieur Eigel, gebüyrende Worte der Anerkennung sand, versteht sich ganz von selbst. Mittlerweile rüstete man sich zu dem programmmäßig vorgesehenen Spaziergang von Löhnberg nach dem herrlich gelegenen Weilburg, während dessen Direktor Wildenhayn die in geologischer Beziehung interessanten Gebirgsschichten er- llärte. In Weilburg verweilten die Teilnehmer Der Exkursion noch einige Stunden in feuchtfröhlichem, durch Gesänge und launige Toaste gewürztem, Beisammensein, bis sie mit dem letzten Zug zu den heimischen Penaten zurück- von 75 Jahren gestorben. Von Groß-Karben nach kehrten, jeder voll des Lobes über den schönen Verlauf des interessanten und lehrreichen Ausflugs. ** Ausgegebene Begräbnisstätte. Ein mehr als in einer Beziehung interessanter alter israelitischer Begräbnisplatz befindet sich in Großen-Lin den. Keine 200 Schritte von der Hauptstraße des Ortes entfernt liegen neben einander mehrere Grasgärten, mit Obstbäumen bepflanzt, unter denen mehrere Hunderte Israeliten den ewigen Schlaf halten. Die Gärten sind Eigentum von Privatleuten und jeder einzelne i umfriedigt. Inmitten der Gärten stehen hier und dort, teils in Gruppen, teils einzeln, mehr oder weniger vom Zahn der Zeit mitgenommene Grabsteine mit hebräischen Inschriften, darunter einzelne, deren Schrift kunstvoll in Hochreliefmanier ausgeführt ist. Es handelt sich um einen in der Mitte des vorigen Jahrhunderts aufgegebenen jüdischen Beerdigungsplatz, auf dem nicht nur die Gießener Gemeinde, sondern die zahlreichen Juden aus den umliegenden Dörfern, ja sogar bis tief aus der Rabenau und der Wetterau ihre Toten bestattet haben. Wie es gekommen ist, daß das Friedhofsgelände Privateigentum wurde, obwohl die Altvorderen hellte noch bestehender hoch angesehener Fanlilien dort ihre letzte Ruhestätte geflinden haben, ist schwer 311 sagen, jedenfalls haben die jetzigen Besitzer das Gelände von den Vorbesitzern rechtlich erworben. Bürgermeister Leun-Großen-Linden hat das Verdienst, dafür gesorgt zu haben, daß von dieser Stätte der Toten, um die sich als solche niemand künlmert, aller Unfug ferngehalten wird und daß die alten Denkmäler, welche noch vorhanden sind, nicht entfernt werden dürfen. Bemerkt muß allerdings werden, daß einige Frankfurter Famllien, welche aus hiesiger Gegend stammen, das Stück Erde, in dein chre Väter und Großväter ruhen, alls dem Privatbesitz zurück erworben haben und pietätvoll für die Erhaltung der Gräber der ihrigen sorgen. Um so mehr aber stimmt der Verfall der zahlreichen Gräber mit ihren halb versunkenen, mit Moos überzogenen oder verwitterten Grabsteinen, um die sich niemand kümmert, den Besucher dieses stillen Ortes wehmütig und nachdenklich. p. Lich, 26. Juli. Heute nachmittag veranstaltete der hiesige Kriegerverein ein Preissch eibenschieß en, wozu sich viele einheimische und auswärtige Berechner und Bewohnerinnen eingefunden hatten. Emgelcitet wurde das Fest mit einem Zug durch die Stadt uud Niederlegung eines Kranzes an dem Gedenkstein der 1870/71 gefallenen hiesigen Krieger unter einer erhebenden Ansprache. Den Siegern im darauf folgenden Preisschießen wurden 22 Preise zu teil, welche außer von Veremsmitteln auch von hohen Gönnern gestiftet worden waren, so von Sr. Durchl. dem Prinzen Ludwig und Sr. Durchl. dem Fürsten Karl zu Solms-Hohen- solms-Lich. Die Herrschaften beehrten auch den Festplatz mit ihrem Besuch. Die Festlichkeit nahm unter den alten Eichen am Ufer des nahen malerischen kleinen Waldsees mit Orchesterklängen und Zechgelage um 3 Uhr nachmittags viel versprechenden Anfang. Die Dauer war nach der Preisverteilung in dem Stein'schen Saale hier unter Gesang und Tanz um Mitternacht noch unbestimmt. (1) Wißmar, 26. Juli. Das Radfahrerfest, das gestern hier stattfand, brachte eine angenehme Abwechslung in unser Stillleben. Die Rennen begannen schon morgens gegen 8 Uhr. Der Festzug mittags durch das Dorf wurde viel bewundert. Auf einem sehr unterhaltsamen Festplatz, bei Forsthöser, vergnügte sich eine große Zahl von Teilnehmern, besonders jungen Mädchen in der schmucken oberhessischen Tracht, die während der Nachmittagsstunden ziemlich still auf den langen Bänken am Tische saßen und der über jede Beschreibung erhabenen Musik lauschten, die aber abends sehr lebendig und fröhlich wurden, als sie sich auf dem geräumigen Tanzboden im Feien ergingen. Das Fest verlief sehr schön. § Rockenberg, 26. Juli. Der hiesige Männergesangverein „Konkordia" feierte heute sein 50jähriges Jubiläum. Von den Gründern des Vereins leben noch drei: Sulzbach, Wetz und Nauheimer, welchen gelegentlich des Jubelfestes eine besondere Ehrung zuteil wurde. Der Verein zählt 75 Mitglieder. 1. Friedberg, 26. Juli. Auf der städtischen Seewiese fand heute nachmittag eine Nachfeier zur Kriegerdenkmalsenthüllung statt, die bei schönem Wetter einen guten Verlauf nahm und sich großen Zuspruchs erfreute. Das Kriegerdenkmal hat eine provisorische Drahtumzäunung erhalten. — Das langjährige Mitglied der Kreisschulkommission und des Kreisausschusses Heinrich Ruppel-Kloppenheim ist im Alter Vermischtes. * Konstantinopel, 26. Juli. Gestern nacht wurde bei Kilometer 76 der Orientbahnlmie zwischen Kubla-Burgas und Deseagatsch zwei Patronen gefunden. Ob dieselben Dynamit enthalten, ist noch nicht festgestellt. Der Eisenbahn 5 ug konnte rechtzeitig angehalten werden und kam mit 71/2ftünbigec Verspätung ohne Unfall hier an. * Wewyork, 26. Juli. In Danville (Illinois) stürmte ein Nolkshaufen das Gefängnis, um den schwarzen Angreifer einer weißen Frau zu lynchen. Die Gefängnis- Wächter schossen scharf, töteten einen Weißen und verletzten drei schwer. Der Volkshaufe gewann schließlich die Oberhand, trampelte einen Neger zu Tode und verbrannte einen andern, welcher einen Weißen verwundet hatte. *TieEhescheidungLeopold Wölflings. An den Mauern der Mairie der Genfer Gemeinde Veyrie-r war bis zum letzten Samstag folgendes Aufgebot affichiert: „Es wollen eine Ehe eingehen: Leopold Wölfling, ohne Prosession, aus Salzburg, Oesterreich,' wohnhaft in Vey- rier, Zivilstand unverehelicht, geboren in Salzburg 2. Dez. 1868, Sohn des Ferdinand Großherzog von Toskana und Erzherzogs von Oesterreich, sowie der Alice Marie Großherzogin von ßwskana und Erzherzogin von Oesterreich, und Wilhelmine Adamovic, ohne .Profession, aus Lundenburg, Oesterreich, wohnhaft in Veyrier, Zivilstand unverehelicht, geboren in Lundenburg 1. Mai 1877, Tochter usw." Seit 1. Juli wohnt Leopold Wölfling mit Fräulein Adamovic in Veyrier ,Lotet Beausejour". Der vormalige Erzherzog Leopold Salvator hat am letzten Samstag FÄiulein Adamovic geheiratet. Kaichen wird eine neue Kreis st raße erbaut. Die Kosten belaufen sich auf 88 000 Mk., von welcher Summe 38 000 Mk. auf die Gemarkung Groß-Karben entfallen. Bad-Nauheim, 26. Juli. Dienstag den 28. Juli, nachmittags und abends: Konzert der Kapelle des 2. Leib- Husaren-Regiments Kaiserin 2 aus Danzig. Abends Tanz. R. B. Darmstadt, 26. Juli. Das große Preis- schiehen der hiesigen Schützengesellschaft, das aus Anlaß der Einweihung des neuen Schießhauses von heute bis Mittwoch stattfindet, nahm heute nachmittag bei zahlreicher Beteiligung einen sehr günstigen Anfang; auch das damit verbundene allgemeine Volksfest war trotz des in den späten Nachmittagsstunden eingetretenen Regenwetters start besucht. Das Preisschießen begann auf 12 Scheiben, sowie auf Wildstand- und Tontaubenstand und wird in den nächsten Tagen fortgesetzt. Tie Ernst Ludwigscheibe ist heute'noch nicht benutzt worden. Se. Königl. Hoheit der Großherzog hat für Dienstagnachmittag seinen Besuch ansagen lassen und wird sich voraussichtlich auch persönlich am Preisschießen beteiligen. — Gleichzeitig fanden heute nachmittag auch die Rad-Rennen des Radfahrervereins Darmstadt statt. Die ersten Rennen verliefen sehr flott. Die späteren Rennen verunglückten aber sämtlich, namentlich das Motorrennen über 10 Kilometer infolge des Regenwetters; die meisten Fahrer stürzten auf der Asphaltbahn, einige trugen erheblich- Verletzungen davon. Groß-Gerau, 27. Juli. (Originaltelegramm des Gieß. Anz.") Gestern abend wurde zwischen Groß- Gerau und Dornberg auf der Verbindungsstraße an einem Bahnübergang der Wagen des Käsefabrikanten Cäsar Rothenberger II. aus Worfelden von dem um 9.45 Uhr in Groß-Gerau fälligen Mainzer Personenzug erfaßt und zertrümmert. Rothenberger wurde getötet, sein Unecht Roth tätlich verletzt unter dem Zuge hervoc- gezogen. bj Marburg, 26. Juli. Der Jäger der 4. Komp. derklnb 6 Min. 56 Sek., 2. Mainzer Ruderverein 6 Mm 56% Sek. VIII. Großherzogs-Vierer, Wanderpreis, geflutet vom Großherzog von Hessen: 1. Spindlersselder Ruderverein von 1878 6 Min. 44 Sek., 2. Ludwigshafener Ruderverein 6 Min. 46 Sek., 3. Mannheimer Ruderverein „Amieitia" 6 Min. 47 Sek., Mainzer Ruderverein 6 Min. 50 Sek. IX. Einer. Rheinpokal, Wanderpreis : Mainzer Rnderverein 7 Min. 28 Sek. (allein gefahren). X- 3 weiter Vierer, Ehrenpreis: 1. Mannheimer Ruderklub 6 Min. 52 Sek., 2. Spindlersselder Ruderverein von 1878 7 Min., 3. Wetzlarer Ruderklub 7 Min. 10 Sek., 4. Frankfurter Ruderverein 7 Min. 12 Sek. XI. Dritter Vierer, Ehrenpreis: 1. Frankenthaler Ruderverein 7 Mm. 14% Sek., 2. Rudergesellschaft Ruhrort 7 Min. 14% Sek., 3. Gießener Rudergesellschaft von 187 7 7 Mm. 22 Sek. X1L Jubiläums - Vierer, Jubiläumspreis : 1. Ruderklub „Allemannia" Hamburg 6 Min. 44 Sek., 2. Mannheimer Ruderklub 6 Mm. 48 Sek. XHL Zweiter Ginei', Ehrenpreis: 1. Frankfurter Rudergesellschaft Oberrad 7 Min. 43 Sek., 2. Kasteler Rudergesellschaft 7 Min. 43 Sek., 3. Bonner Ruderverein 7 Min. 52 Sek. — Nach Beendigung dieses Rennens hat die Regatta, welcher bis dahin der Großherzog v 0 n H e s s e n beigewohnt hatte, eine doppelt unangenehme Störung erlitten, indem ein heftiges Gewitter heranzog, infolge dessen das Achter-Boot des Mannheimer Rudervereins „Amicitia" durch einen hestigen Windstoß unigejagt wurde und deffen ganze Besatzung in den Rhein fiel. Durch rasche Hilfe wurden sieben Mann aus dem Boote alsbald wieder ins Trockene geschafft, während der achte Mann, der Schlagmann des Bootes, angeblich ein Herr Beier von Meißenheim, vermißt wurde. Nach längerem Suchen fand man den Mann unfern der Uwallstelle im Wasser. Von verschiedenen anwesenden Aerzten wurden sofort alle möglichen Wiederbelebungs- versuche angestellt, die indessen erfolglos blieben. 1. Rudergesellschast Ruhrort 7 Min. 54 Sek., 2. Kasteler Ruder- Gesellschaft 7 Min. 55 Sek., 3. Bonner Ruderverein 7 Min. 55 Sek., 4. Mainzer Ruderverein 8 Min 2 Sek. V. Zweiter-Ach ter: 1. Mannheimer Ruderverein „Amieitia" 6 Min 40 Sek., 2. Frankfurter Ruderverein 6 Min. 41 Sek., 3. Rudergesellschaft Worms 6 Alin. 45 Sek., 4. Mannheimer Rudergesellschaft 6 Min. 48 Sek. VI. Vierer ohne Steuer m n n n , Wanderpreis, gestiftet vom deutschen Ruderverband: 1. Ludwigshafener Ruderverein 6 Min. 17 Sek. 2. Mainzer Ruderverein 6 Min. 20 Sek. Zweiter Tag. VII. I u u i 0 r - V i e r e r, Ehrenpreis. 1. Mannheimer Ru- Markte. Grürrberg, 25. Juli. Frachtmarkt. (Durchschnitts- preis pro 100 Kilo.) Weizen 16.50 bis —Mk., Korn 15.48, bis 00.00 Mk., Gerste 00.00 bis 00.00 Hafer 14.00 bis 00.00 Mk., Erbsen 18.50—00 Mk., Linsen 00,00 Mk., Lein 00.00 Mk., Wicken 00.00 Mark, .Samen 20.72—20 Mk., Kartoffeln 10.00 bis 00.00 Mk. 1c. Frankfurt a. M., 27. Juli. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise: Weizen Ml. 16.75—17.00, Kurhessischer All. 16.75—17.00, La Plata Mk. 16.25—17.75, Kansas Mk. 16.25—17.75, Roggen (hiesiger) Mark 14.25—14.50, Gerste (Wetterauer) Mk. 00.00—00.00, Frankenfelder Mk. 00,00—00,00, Hafer Mk. 14.25—15.00, Mais Mk. 12.25—12.75 Weizenmehl 0 All. 25.75—26.25, 2. Qualität Mk. 23.75 bis Mk. 24.25, 3. Qualität Mk. 21.75—22.25, Roggenmehl 0 Mk. 22.25—23.00, 1. Qualität Mk. 20.25—21.25, Weizenkleie Mk. 9.00 bis Alk. 9.25, Roggerikleie All. 9.75—10.25, Maiskeime Mk. 10.25 bis All. 10.50, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 00.00—000.0. Alles per 100 Kg. ab hier. io. Frankfurt a. M., 27. Juli. (Telegr. Orig.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche Stotierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 476 Ochsen, 191 aus Oestreich, 39 Bullen, 0 aus Oestreich, 716 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 00 aus Oestreich, 182 Kälber, 134 Schafe und Hämmel, 1139 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgeivicht: Ochsen 1. Qualität69—72 Mk., 2. Qual. 65—67 Mk., 3. Qual. 60—63Mk.; Bullen l.Qual. 61 bis 62 Mk., 2. Qual. 57—59 Alk.; Kühe 1. Qual. 63—65 All., 2. Qual. 60—62 Mk., 3. Qual. 51—52 All, 4. Qual. 48—50 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber: 1. Qualität80—81 Pfg., Lebendgewicht 48—49 Pf., 2. Oual._ 69—71 Pfg., Lebendgewicht 40—43 Pfg., Schlachtgewicht 55—60 Pfg., Schafe: l.Qual. Schlachtgewicht 70—72 Pfg., 2. Qual. 66—68 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 59—60.Pfg., Lebendgew. 47 Pfg., 2.Qual. 00—58 Pfg., Lebendgewicht 46—00 Pfg., 3. Qual. 50—54 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. — Geschäft: bet Hornvieh gut, Ueberstand uubedeutend, bei Kleinvieh gut, kein Ueberstaiid. Gießen, 27. Juli. Radrennen. Bei dem gestrigen Rennen auf der Radrennbahn Sportplatz a. d. Haardt sind folgende Resultate zu verzeichnen : E r st f a h r e n , 2000 m == 5 Runden, offen für Herrenfahrer, welche bei einem öffentlichen Rennen noch keinen ersten Preis errungen hahen. Es starteten Grünhagen- Frankfurt a. 9)L, Roth-Niederrad, Rörig-Köln, Schönau-Ha iger, Fröhlich-Frankfurt a. M., Lauer-Gießen, Erb-Frankfurt, Belowsky- Frankfurt. Erster Sieger: Rörig-Köln in 3,1% Minuten, zweiter Grünhagen in 9,1% Min., dritter: Belowsky-Frankfurt in 3,1% Alin. — Eröffnungsfahren, 2000 m = 5 Runden, offen für alle Herrenfahrer. Im erstell Verlauf starteten Worms-Köln, Gierer-Mainz, Belowskn-Frankfurt, Grünhagen-Frankfurt. Sieger: Worms-Köln in 1,12 Min. Gierer-Mainz in 1,14% Min., Grün- Hagen-Frankfurt in 1,14% Min. Im zweiten Verlaus starteten Erb- Frankfurt, Reuß-Nürnberg, Rörig-Köln. Sieger: Reich in 1,26% Min., Rörig in 1,27 Alin. Entscheidungslauf, erster Sieger Worms- Köln in 3,22 Alin., zweiter Reuß-Nürnberg in 3,22% Min., dritter Rörig-Köln in 22'/» Mun — Vorgabefahren, 2400 m = 6 Runden, offen für alle Herrensahrer. Es starteten Rörig-Köln, Fröhlich-Frarckfurt, Erb-Frankfurt, Gierer-Mainz, Belowsky°Frank° furt, Grünhagen-Frankfurt, Reuß-Nürnberg, Worms-Köln. Erster Sieger Worms-Köln in 3,5% Min., ohne Vorgabe, zweiter Reuß- Nürnberg in 3,6 Min. mit 15 m Vorgabe, dritter Gierer-Mainz in 3,6% Min. mit 60 m Vorgabe. — Mannschaftsrennen, 6000 m = 15 Runden. Es konnte von jedem Verein bis zu fünf Mann gestartet werden. Gemeldet hatten Radrenn-Klub „Mars"- Frankfurt mit 4 Mann und Radklub „Germania"-Gießen mit 5 Mann. Sieger „Mars" mit 5 gegen 6 Punkten. — Großer Breis von Gießen, Dauerrennen mit Motorführung, offen ür Berufsfahrer. Das Rennen wurde in drei Läufen gefahren wie folgt: Erster Lauf 5 km = 12*, Runde, zweiter 10 km = 25 Runde, dritter 10 km = 62% Runde, also zusammen 40 km = 100 Runden. Es starteten Werner-Magdeburg, Möder-Berlin- Friedenau, Gräfe-Frankfurt a. Ai. Sieger in allen drei Läufen Gräf-Frankfurt, zweiter Möder-Berlin, dritter Werner-Magdeburg. Zeitdauer des dritten Laufes = 62% Runde^3,48 Alin. Zeitdauer der bestgefahrenen Runde — 400 m 23% Sek. — Das Rennen war gut besucht, die Tribüneii besetzt und reges Leban wogte auf dem Sattelplatz. Nach der Preisoerteilung im Saal hielt Tanz und Konzert die Besucher noch lange beisammen. r. Mainz, 26. Juli. Jubiläums-Regatta des Dl a i n z e r Ruderverein. E r st e r T a g. I. G a st - V i e r e r, Wanderpreis der Stadt Mainz: 1. Spindlersselder Ruderverein 6 Min. 56 Sek., 2. Mannheimer Ruderverein „Amizitia" 6 Min. 58 Sek., 3. Ludwigshafener Ruderverein 6 Min. 58% Sek. H. Doppel-Zweier ohne Steuermann, Ehrenpreis vom Mainzer Ruderverein: 1. Mainzer Ruderverein 7 Min. 25. Sek., 2.Ruderklub „Allemania" Hamburg 7 Mm. 28 Sek. DEL Ermunterungs-Vierer, Ehrenpr.: 1. Heidelberger Ruderklub 7 Min. 30 Sek., 2. Mainzer Ruder-Gesellschaft 7 Min. 37 Sek., 3. Gießener Ruder-Gesellschaft v 0 n 1 8 7 7 7 Miri. 38 Sek., 4. Koblenzer Ruderklub 7 Min. 53 Sek. IV. In nior-Einer, Ehrenpreis: Ururjlr MrwuuMl. Berlin, 27. Juli. Wie die Blätter melden, ist die Reise des Kultusministers Dr. S t u d t in das Ueberjchwem- mungsgebiet zur Besichtigung der gesundheitlich gefährdeten Gegenden um eine Woche verschoben worden. — Hier zirkulieren Gerüchte, daß der 5Aaupt-Angeklagte im Pommernbank-Prozeß Schultz, sich nach England begeben hat. — In einer Versammlung der Bauarbeiter wurde beschlossen, auf allen Bauten, wo der vertragsmäßige Stundenlohn von 45 Pfg. nicht bezahlt wird, die Arbeit einzustellen. Rom, 27. Juli. Infolge der großen Hitze ist eine Anzahl Kardinale erkrankt, darunter Eretoni, einer der Testamentsvollstrecker Leos, der infolgedessen kaum an dem Konklave teilnehmen wird. Dabei wird die drückende Schwüle täglich größer. Unter solchen Umständen kann das Konklave nur wenige Stunden dauern. Auch spricht man davon, daß aus Rücksicht auf die Gesundheit der Kardinäle die Krönung des neuen Papstes entweder bis zum Herbst verschoben wird oder sofort nach der Papstwahl abgehalten werden soll. Wien, 27. Juli. Gestern sanden hier und in der Provinz von Svzialdenrotraten einberufene massenhast besuchte Versammlungen der Arbeiter statt, in denen eine Resolution für die Einführung des allgemeinen und direkt e n W a h l r e ch t s beschlossen und angenommen wurde. Die Versanimlungen verliefen ohne jede Störung. 2. Hongkong, 27. Juli. Ein Agent des russischen Geheimdienstes, der in Peking eingetroffen ist, hat, wie von dort hierher gemeldet wird, in bestimmter Form ausgesprochen, der Krieg zwischen Rußland und I a - van werde binnen wenigen Tagen erklärt werden. Groß britannien und die Vereinigten Staaten würden an dem Kriege nicht beteiligt sein. des Hess. Jägerbatls. Nr. 11, v. d. Mühlen aus Remscheid, wurde gelegentlich eines Streites mit einem Kameraden von diesem angeblich durch einen Fußtritt so schwer innerlich verletzt, daß er gestern in der Klinik starb. [] Frankenberg, 26. Juli. Unter den Pferden des Landwirts Schneider und des Kreistierarztes Kalb hier ist die Notzkrankheit ausgebrochen. Von etwa einem Dutzend Pferden sind einige bereits eingegangen, die übrigen mußten erschossen werden.___________________ Generalversammlung des Deutsch-Oesterreichischen Alpenvereins. Bregenz, 26. Juli. • Der Deutsch-Oesterreichische Alpen-Verein hat dieses Jahr wieder eine Stadt in seinem eigentlichen Arbeitsgebiet zum Versammlungsort gewählt. Der Empfangs- abend mußte eine kleine Einschränkung erfahren, indem er einem sanften Schnürlregen zuliebe im Forscherschen Saale äbgehalten werden mußte. Die Kosten der Unterhaltung trug lediglich die Kapelle des „Hessen"-Regiments. Heute fand die Generalversammlung statt. Tie Versammlung wurde vom Zentralpräsidenten des Vereins, Professor Jpsen von Innsbruck geleitet. Statthaltereirat Posselt-Czarig-Jnnsbruck trug den Jahresbericht des Vereins vor. Nach demselben zählt der Verein jetzt 297 Sektionen mit 56 000 Mitgliedern, von denen in der Versammlung 173 Sektionen mit 3332 Stimmen vertreten waren. Der Verein besitzt gegenwärtig 308 Vereinshäuser in den Alpen, wovon 147 bewirtschaftet sind. Demselben unterstehen 1196 Führer und 220 Führeraspiranten und Träger. In den wissenschaftlichen Beirat wurde an Stelle des ausscheidenden Pros. Dr. Richter-Graz Dr. Geyer-Wien, ferner'in den Weg- und Hüttenbauausschuß die Herren Seifert-Nürnberg und Niepmann-Düsseldorf gewählt. Nach Genehmigung des Kassenberichtes für 1902 wird der Voranschlag für 1904 genehmigt, wonach die Einnahmen und Ausgaben mit 367 800 Mark bilanzieren. Für Vereinsschriften werden 199 600 Mk., für Weg- und Hüttenbauten 99 000 Mk., für Führerwesen 16 700 Mark, für wissenschaftliche Unternehmungen 6000 Mark, für Alpenpflanzgärten 1000 Mark und für Rettungswesen 4000 Mark vorgesehen. Tie Versammlung nimmt die Berichte des Zentralausschusses betreffend die Führerangelegenheiten, das neue Vereinsschloß und das Rettungswesen beifällig zur Kenntnis. In jüngster Zeit wurden 103 Rettungsstellen und 171 Meldeposten eingerichtet. Tie Auslagen für die neuen Schlösser und Schlüssel betragen 10 300 Atnrk. Hierdurch soll der aus 3 Millionen Mark zu schätzende Hüttenbesitz besser geschützt werden. Ter namens der Sektionen Berlin, Hamburg und München von Prof. Rothplatz-Mün- chen gestellte Antrag, der Zentralausschuß möge der nächsten Generalversammlung den Entwurf eines Statutes vorlegen, wonach die seitherige provisorische Kommission für das Führerwesen in eine ständige verwandelt werde, wurde einstimmig angenommen. Die diesjährige Vereinszeitschrift wird eine Ueberjichtskarte der westlichen Dolomiten und' eine Karte der Adamellogruppe enthalten. In Vorbereitung befinden sich Karten der Langkofel-Sella- gruppe, der Vbarmolatagruppe und der Allgäuer Alpen. Aus Antrag von Prof. Petersen-Frankfurt a. M. wird für die Jahre 1904 bis 1906 Innsbruck als Vorort und der dermalige Zentralausschuß daselbst wiedergewählt. Die nächstjährige Generalversammlung soll in Bozen stattfinden. Weitere Einladungen lagen vor von Bamberg, Baden-Baden und Elberfeld. Bei dem Festdiner brachte Ibsen auf den deutschen Kaiser und den Kaiser von Oesterreich einen Trinkspruchi aus. An beide Monarchen wurde ein Huldigungstelegramm abgesandt. Am Nachprittag wurde eine Fahrt auf dem Bodensee veranstaltet.______________________________________ Sport. Um mein grosses Lager in schwarzen und farbigen Um mein grosses i^ager in »c«w «•* ö ^SommerSchnhwarenK ^.hotPhPnrlP Artikel zu bedeutend herabgesetzten Preisen: V® . . Mk. 9.““ . . 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