Nr. 122 Urschet»« t-gltch au her eorauog*. Dem Lietzener Anzeiger »verden tm Wechsel mit dem kessische» tanöolrl bic tkfcentt SamUlen- dläNer mecmal tn der Woche beigetegt ftotattonfbrucf n. Vertag der Brüh l'schea Un uxck.-Buch- u. G-teiw brucfem (tiwtid) Erden) Schal,ratze T. Ubretzr für Depeschenr Anzeiger »letzen. UeriilvrrchanlchlutzNr 6L Mittwoch 27. Mai 1903 158. Jahrgang Zweites Blatt. vezagdpr»»»' monQluch7dPU, o»ettet« ifibrhd) 'M LL0: durch Abhole- u. Zwelgstell« monailtd) 6o *91.; durch tuePosl Mk.r.—vleri el- fährt, aueschl. Beslellg. Annahme von Anzeige, |üt Oie £nge»nummet biß vorrnUlagH 10 Uhr. ßetlcnpret«: lokal UUU ttutrodctl BO tilg. lie den traurigen Ruhm, der staatlichen Konsolidierung an erster Stelle entgegengearbeitet zu haben, darf Ungarn in Anspruch nehmen. Im östreichischen Abgeordnetenhause intervenierte der Kroate Vukovic wegen des Borgehens der Polizei gegen die slavischen Studenten bei der Demonstration gegen den Banns. Der Kroate Biankini richtet an den Prüf identen die Anftagc, warum die Audienz der dalmatinischen Abgeordneten beim Kaiser verweigert worden sei, und konstatiert, daß hierin eine Beleidigung der Kroaten im Hause liege. Der Ministerpräsident v. Körber rechtfertigt das Vorgehen der Regierung und wiederholt, daß die Berichte über die Toten und Verwundeten der Wahrheit nicht ent- fVredjen. Im ganzen gebe e» zwei Verletzte. Die Kroaten erheben hierbei minutenlangen Lärm, unterbrechen Körber stürmisch und rufen: „Szell hat Ihnen die Gewährung der Audienz verboten! Schande, Schande, FrechheitI Sie sind ein Lügner, ein Agent der Magyaren!" Der Lärm legt sich erst nach längerer Zeit. Die kroatischen Abgeordneten au» Dalmatien haben angesichts der Aussichtslosigkeit, eine Audienz beim Kaiser zu erlangen, den Beschluß gefaßt, ein Manifest an die kroatische Bevölkerung und die große Oefsentlichkeit zu richten, in welchem die Verhältnisse dargelegt werden sollen. Mit der Ausarbeitung des Manifestes wurde ein Ausschuß betraut , Das Matt Nom List wurde wegen ferner Angriffe gegen den Banus von Kroatien unter Sequestratur gestellt. Hagelversicherung. Ter Zweiten Kammer der Stände ist, wie wir bereits gestern kurz erwähnten, eine Regierungsvorlage betr. Hagelversicherung zugcgangcn. Tie Anregung dazu wurde seinerzeit vom Landtage gegeben, welcher die Negierung ersuchte, statistische llebcrsichtcn über Hagelschäden ic. fertigen zu lassen und im Haupworanschlag eine Summe zur Förderung der Hagelversicherung vorzusehen. Aus Grund ausgedehnter und gewissenhafter Ermittelungen ist die Regierung nun zu der lleberzeugung gekommen, daß das Gebiet des Großherzogtums für eine eigene staatliche Hagel- Versicherungsanstalt zu llein ist. Auch lehrt die Erfahr- una, daß fast alle bestehenden bedeutenderen Hagelversicherungsanstalten in Hessen Versicherungen annehmen, d« das Land im allgemeinen nicht besonders hagelgefahrlich ist. Bei diesem Sachverhalt besteht das richtige Mittel zur Beseitigung der schädigenden Wirkung der Hagelschläge darin, daß die Landwirte veranlaßt werden, von der Ver- sicherungögelegenheit burdnoeg Gebrauch zu machen. Dies sieht die Vorlage dadurch vor, daß sie vorschlagt, mit der grorddeutschen Hagelversicherungsgeiellfchaft auf Gegen- seitigleit einen Vertrag abzuschließen, der den Landwirten die Versicherung gegen feste Prämien ermöglicht Weiter ist beabsichtigt, auS festen Zuschlägen zur Prämie, die von der Gesellschaft mit der Prämie erhoben und zur Staat6- tasse abgeführt werden sollen, einen Hagelversicherungs- fonds anzusammeln. Ter so gebildete Hagelfonds wird verzinslich angelegt und auS ihm werden die SKichschüsse gezahlt, sodaß die .Versicherten von Nachschüssen ganz befreit sind. Um aber für alle Fälle gedeckt zu fein, wird vom Äaat ein Kredit zur Verfügung gehalten, aus dem bei Unzulänglichkeit der Mittel des Fonds das fehlende oor- geschossen werden kann. Solche Vorschüsse sind der ctaat»- lasse aus dem Fonds zu verzinsen. Ter StaatSkredit, dessen Höhe auf 100 000 Mk. zu bemessen sein wird, wird einen ideellen Bestandteil des Betriebstapiials der öaupt- staatskasse bilden. Tie Vorschüsse sind der Staatskasse zurückzuzahlen, sobald die Mittel deS Fonds dies zulässig erscheinen lassen. Ter tm Entwurf vorliegende Vertrag sichert sämtlichen versicberungsuchenden Landwirten die Versickerung gegen Hagelschlag zu, derselbe teilt Hessen in zwei Bezirke, welche je einen stimmberechtigten Vertreter zur Generalversammlung entsenden können, und verpflichtet die Gesellschaft, jederzeit in einer hervorragenden Stadt des Groß- Herzogtums — bis auf weiteres in Mainz — einen Generalagenten zu bestellen. Ueber die Zahl der Versicherten, die Höhe der Versicherungssummen und der Vorprämien legt die Gesellschaft jährlich eine kreisweise zusammengestellte Uebersicht vor. Ter Vertrag soll vorerst aus 10 Jahre abgeschlossen, gelten mit stlllschweigender Verlängerung aus je 1 Jahr, falls eine Kündigung nicht erfolgt Es wird beantragt, die Kammer wolle dem Vertrag sowie der Bill» ung des Fonds ihre Zustimmung erteilen. ^Mische Tagesschau. Prinz Friedrich Leopold von Preußen Kommandeur des 6. Armeekorps? Unser Berliner Mitarbeiter schreibt unterm 26. Mai: AuS Hofkreisen erfahre ich, daß an Stelle des Erbprinzen vonSachsen-Memingen zum kommandierenden General deS 6. (schlesischen) Armeekorps der Schwager des Kaisers, Prinz Friedrich Leopold von Preußen, in Aussicht genommen ist. Aus Gründen der Repräsentation kann bekanntlich nur eine hochgestellte Persönlichkeit für die militärische Oberleitung in BreSlau in Betracht kommen. Deshalb begegnete die Meldung, der Divisionsgeneral v. Woyrsch in Reiße fei zum KorpSkommandcur auSersehen, hier einigen Zweifeln. Ob die Kandidatur deS Herzogs Albrecht von Württemberg in Frage stand oder vielleicht noch steht, darüber ist Zuverlässiges nicht zu ermitteln. Als der Erwählte gilt in Hofkreisen, wie gesagt, Prinz Friedrich Leopold von Preußen, der im Falle seiner Berufung, über die eine Entscheidung ja bald getroffen werden wird, mit seinem gesamten Hofstaat nach Breslau übersiedeln dürfte. Herr v. Podbielski. Man schreibt unS auS Berlin, 26. Mai: Der preußische LandwittschaftSminister v. Podbielski hat eine Dienstreise nach der Provinz Posen angetreten. Momentan scheint er also nicht an der starken Ischias zu leiden, die ihm, der „Magdeb. Ztg.- zufolge daS Leben sauer macht und, je länger, je mehr, Rücttritlsgedanken nahe legt. Herr v. Podbielski soll in seiner burschikosen Art gelegentlich geäußert haben, daß er schon nach der Heuernte , verduften * wolle. DaS wäre vor den Neuwahlen zum preußischen Landtag, die im Herbst stattfinden, und vor der Aufstellung deS preußischen Etats. Sollte da nicht die Politik ein wenig hineinspielen? ES ist ein offenes Geheimnis, daß die Beziehungen der Konservativen zu Herrn o. Podbielski, ihrem ehemaligen FraktionSgenoffen, nicht mehr so freundschaftlich sind, wie früher. Man hatte ermattet, daß er die Forderungen der Landwirtschaft im Ministerium Bülow nachdrücklicher zur Geltung bringen werde, und man gab ihm dieS im Parlament ziemlich unverblümt zu verstehen, wenn auch nicht alle Vorhaltungen so grobkörnig auSfielen, wie die von feiten der Landbündler. Der hätteste Strauß steht Herrn v. PodhielSki erst noch bevor bei den Beratungen über die Handelsverträge. Die Konservativen im preußischen Landtag werben sich die Materie nicht entgehen lasten, ist es doch in diesem Parlament zur Gepflogenheit geworden, sich mit Reichsangelegenheiten zu befasten, ja, den leitenden Staatsmann selbst vor das preußische Forum zu zitieren, wenn in der Reichspolitik den Konservativen etwas wider den Strich geht. Richt unerwähnt darf schließlich bleiben die Möglichkeit deS Wiedererscheinens der Kan al v orl age. Durch sie »vor den Bauch gestoßen zu werden-, wird dein gesundheitlich nicht mehr taktfesten LandwittschaftSminister am wenigslen zusagen. Ein Grund, am Amt zu ,heben-, ist für Herrn v. Podbielski also nirgend ersichtlich. Deshalb kann eS mit seinem Abschied nach der Heuernte immerhin seine Richtigkeit haben. Sin Attentat gegen de» König von Spanien vor Gericht. Er dürfte noch erinnerlich sein, daß am Tage der Großjährigkeit des Königs (17. Mai 1902) ein gegen diesen geplantes Dynamit-Attentat rechtzeitig entdeckt und von der Polizei verhindert wurde. Rach derzeitigen Aussagen der Polizei war der Tatbestand folgender: Am 16. Mai erfuhr der Chef der Madrider Geheimpolizei, Laureano Diaz, daß der Schließer der Versicherungsgesellschaft ,La Jbenca-, deren Geschäftsrätime in unmittelbarer Rahe deS Kongresses liegen, Tynamitbomben auf bewahre, die während deS Vorüberziehens des königlichen Zuges nach dem Kongreßgebäude, woselbst die Eidesleistung üaitgeiunben hatte, gegen den kgl. Wagen geschleudctt werden sollten. Zn der Nacht deS 17. Mai drang die Polizei in die Wohnung deS Schließers und fand ein Packet mit sieben Tynanntbomben und eine Kiste mit sonstigen Sprengstoffen. Der Schließer erhärte, daß er diese Dinge von einem Freunde erhalten ncc, um sie in Gemeinschaft mit diesem auf den königlichen Wagen zu werfen, daß er das aber auf keinen Fall getan haben würde, da er, obgleich em überzeugter Republikaner, nicht imstande fei, einen Königsmord zu begehen. Diese und andere Aussagen des Schließers veranlaßten zahlreiche Verhaftungen. Bis auf den Schließer und seinen Freund sind aber alle Verhafteten in Freiheit gesetzt worden, nur gegen die Beiden wird die Anklage wegen eines versuchten Attentats aufrecht erhalten, die in den nächsten Tagen vor dem hiesigen Schwurgericht zur Verhandlung kommen wird. Die öffentliche Meinung zweifelte aber schon bald an der Darstellung der Polizei und die Preste kam zu der Ueber- zeugung, daß ba8 rechtzeitig vereitelte Attentat eine Erfindung des Chefs der Geheimpolizei und einiger in seinen Diensten stehender Spitzel sei. Man ist der Ansicht, daß die Bomben von Spitzeln in das Haus des Schließers der Versicherungsgesellschaft ,La Iberia- gebracht wurden, und zwar unter Mißbrauch beö Namens feines Freundes, der am Tage der Ucbergabe, die schon im Marz erfolgt fein foll, garnicht in Madrid anwesend war. Dies kann von emroanbflfreien Zeugen bestätigt werden. Der Schließer nahm daS fragliche Packet ohne Weiteres an und ohne sich über den Inhalt desselben zu vergewistern, da er im Glauben war, daß ein langjähriger Freund es ihm zur Aufbewahrung übersandte. Weiter scheint erwiesen, daß der Ches der Geheimpolizei Kenntnis von dieser Sache hatte ober diese gar veranlaßte, aber aus leicht begreiflichen Gründen mit der ,(Entbecfung- beS Verbrechens bis zur Nacht beS 17. Mai wartete. Man sieht der Gerichtsverhandlung mit größter Spannung entgegen. Die öffentliche Meinung ist näinlich davon überzeugt, daß das vereitelte Attentat eine Erfindung der Polizei ist, und daß die beiden Angeklagten, Greise von mehr als 70 Jahren, unschuldig sind. Prinzessin Luise von Totean» Von einem Teilnehmer an der am 23. Mat in bet Wiener Hofburg abgehaltenen Hofsoiree, an der zum ersten Male seit der sächsischen Hofafsäre Mitglieder der Familie Toscana teUnahmen, erfährt die „Sachs. Allg. Ztg.", daß der Hauptzweck des Besuches der Großherzogin von Toscana am Wiener Hofe die endgültige Regelung der Angelegenheit der Prinzessin Luise war. Gs haben feit längerer Zeit von toscanischer Seite die angelegentlichsten Bemühungen stattgefunden, ber Prinzessin nicht nur die Rückkehr auf östreichischen Boden zu enuirfen, sondern auch von maßgebender Stelle die Erlaubnis zu erhalten, daß bic Prinzessin in Oesterreich unangefochten dauernden Wohnsitz nehme. Man hat von toscanischer Seite an ein in der 9cähe von Salzburg belegenes kleines Jagdschloß gedacht, allen dahingehenden Plänen stand jedoch das einmal ausgesprochene Verbot des Kaisers, wonach die Printessm Luise nach Oesterreich nicht zurückkehren dürfe, hindernd im Wege Die Schwägerin der Prinzessin Luise, Erzherzogin Mario Josefa, intervenierte wiederholt beim Kaiser zu Gunsten der Prinzessin, an maßgebender Stelle glaubte man jedoch, den gehegten Wünschen nicht ohne weiteres entsprechen zu können, obwohl gerade von Seiten des Wiener HoseS auf König Georg von Sachfen bei der Erledigung anderer di« Affäre betteffenden Fragen ein persönlicher Einfluß gewonnen wurde, der den König zum Nachgeben in Sielen wichtigen Punkten bestimmte. Wie es heißt, ist zwischen der Prinzessin Luise und dem sächsischen Hose ein prinzipielles Abkommen vereinbart wdrden, aus dem manche der früheren Härten eliminiert erscheinen. In einer Privat- audienz, die der Kaiser der Großherzogin Alice gewährte, hat die Letztere darauf hingewiesen, daß Prinzessin Luise eine Andere geworden sei, ihren Schritt tief bereue und für die Zukunft nur den einen Wunsch habe, mit ihrem Kinde in der »Nähe der Mutter, nicht unter völlig fremden »Menschen leben zu müssen. Wegen des Kindes hoffe man vom sächsischen Hose eine günstige Erledigung der vorgebrachten Bitten; was die Rücktehr nach Oesterreich betreffe, möge dec Kaiser Gnade üben. Den innigen Bitten der Mutter willfahrend, soll nun der Kaiser gesagt haben: „Also gut, io mag die Prinzessin nach Oester^ reich kommen, aber nur, rvenn sie in einem Fraue n- flojter Ausnahme findet." Damit war die Audienz yi Ende. Der „Lot.-Anz." meldet heute aus Salzburg: Prinzessin Luise von Toscana verbleibt vorläufig in Lindau. Heer und Flotte. — Generaloberst Graf Haeseler hat sich durch einen Körpsbefehl vom 16. Armeekorps verabschiedet, worin eö heißt. .Wie ich mit allen Fasern de3 Herzens dem KörpS angehött habe, ist jedermann tm KorpS bekannt, ebenso, wie ich bemüht gewesen bin, die Ausbildung beS KorpS zu den höchsten Slnforberungen des Krieges zu steigern. In biesem Bestreben sinb wir eins gewesen; jeder an feiner Stelle hat beigetragen; ich hätte ohne bicnfifreubigeS, verständnisvolles Entgegenkommen nichts erreichen können. Ich spreche für diese Unterstützung meinen von Herzen kommenden Dank aus. Tie anerkennenden Wotte, welche 2e. Majestät am 16. und heute zum Armeekorps gesprochen haben, sind für mich em Abschluß gewesen — im Armeekorps mögen sie aber daS Bewußtsein befestigen, baß bie höchste »Pflichterfüllung die höchste Befriedigung ist, daß Erfolge nur erreicht werden können durch die Arbeit und daß die Einzelarbeit — Erziehung und Schulung — der erste schritt zum Siege ift* Wahl-Bewegung. — Für die Kandidatur Heyligenstaedt tritt in ihrer neuesten Nummer unbewußt die nichtsahnende antt- semttsch-bauernbundlerische , Volksmacht" der Herren Hirschei, Köhler-LangSdorf und Genossen ein. AuS dem Wahlkreise Gießen veröffentlicht sie eine Zuschrift, m der .baß fegen- bringende Kapital" der Herren Krupp, Gail und Heyligenstaedt gepriesen wird, die ihr Kapital ,rolliren" lassen, sodaß eS .bcllb hier, bald dort" ist. Im übrigen wird in derselben Zuschrift jenes Blattes Herr Krumm aufs heftigste des ^Bauernfanges" beschuldigt. — Dem Gießener sozialdemokratischen Redakteur Vetters, der zu einer in Laubach zu Gunsten der Kandidatur des Antisemiten Bindewald einberufenen Versammlung erschienen war, wurde, nachdenr er bereits s/4 Stunden lang die Anwesenden mit seinem Gerede gelangweilt hatte, daß Wort entzogen, worauf er zur Freude der Versammlung unter Protest das Lokal verließ. Wetzlar, 26. Mui. In Friedewald int Wahlkreise Wetzlar-Altenkirchen entwickelte in einer stark besuchten allaemeinen Wählerversammlung der nutionallibe- rale Kandidat, der bisherige Vertreter des Kreises, Krämer, unter großem Beifall sein Programm. Nach ihm sprach Professor Moldenhauer-Köln. Er hielt besonders mit dem Kandidaten der konservativ-bündlerischen Gruppe Pfarrer Heckenroth aus Altenkirchen scharfe Abrechnung. Auch die Redner aus der Wählerschaft tvandten sich entschieden gegen Heckenroths maßlose Angriffe gegen die nationalliberale Partei, sodaß der agitatorische Pfarrer dort keine guten Geschäfte machen wird. Deutsches Keich. Berlin, 26. Mai. Ter Kaiser traf heute nachmittag von Prökelwitz in Marienburg ein. Ter Kaiser sowie die Herren seines Gefolges fuhren nach dem Schloß. Auf dem Wege dorthin bildeten Schulkinder Spalier. Auf dem Schlostbos ließ sich der Kaiser den Brandmeister der hiesigen freiwilligen Feuerwehr, Monath, vorstellen, welcher sich bei dem Großfeuer am 6. lTezember '1902 besonders auszeichnete. Sodann erfolgte eine kurze Besichtigung des Schlosses. Um 4 Uhr 45 Min. fuhr der Kaiser nach Tan z i g weiter. Tort traf er bei regnerischem Wetter an der Schichau'schen Werft ein, worauf alsbald das Linienschiff glücklich vo m Stapel lief, nachdem der Stattt- halt/:r Fürst Hohenlohe-Langenburg das Schiff „Elsaß" geto.uft hatte. Nach kurzer Besichtigung der Schichau'schen Werft begab sich der Kaiser zur kaiserlichen Werft. Später fuhr er nach Langfuhr zum Besuch des Offizierkorps der Leibhusarenbrigade. Um Vs 11 Uhr erfolgte die Rückfahrt nach Potsdam. In der Taufrede führte der Statthalter Fürst Hohenlohe u. a. aus: In glorreicher Zeit ist dieses altdeutsche Laird nach langer Trennung vom Vaterlande durch Gottes allmächtige Fügmig und Kaiser Wilhelms des Großen starke Hand wieder mtt Deutschland vereinigt worden und blickt mit sicherem Vertrauen zum mächtigen Schirmherrn des Deutschen Reiches empor. Der Taufakt bekräftigt von neuem, daß das, was wir vor einem Menschenalter in heißem Ringen erworben haben, für alle Zeiten durch ein neues Band fest mit uns vereint bleibt. Wie dieser mächtige Bau im Frieden wie im Krieg der hehren Flagge unseres erhabenen Kaisers stets Ehre bereiten wird, so wird auch das Elsässerland immer fest zu Kaiser und Reich stehen. — Einige hübsche Worte des Kaisers von seinem Aufenthalt in den Reichslanden werden der „Köln. Ztg." mitgeteilt. Als nach der Begrüßung durch den Präsidenten deö Lothringer Bezirkstages auf dem Bahnhof der KreiSdirektor von Saargcmünd dem Kaiser mitteilte, daß 2000 Jungfrauen in Lothringer Tracht am Kaiser- denkmal seiner harrten, äußerte er scherzend: „Muß ich die denn nun alle küssen,'?" Und zum Bürgermeister Schuster, nach dessen Ansprache am Kaiserdenkmal: „Sorgen Sie dafür, daß sie alle tüchtige Soldatenmütter werden." Auf dem Gesechtsfelde gedachte der Kaiser auch der Garde-Füsiliere. Er fragte, ob nicht ein Maikäfer aufzutreiben fei; und als man endlich einen erwischt hatte, ließ chn der Kaiser in ein Schächtelchen packen und als fernen Gruß an ferne braven „Maikäfer" (der volkstümliche Name für das O^arbe-Füsilier-Regiment) senden. — Oberbürgermeister Kirschner tritt eine Reise nach Petersbur g an, um dort als Vertreter Berlins den Feierlichkeiten beizuwohnen, welche die russische Haript- stadt anläßlich seines 200jährige n Bestehens begeht. Wie der ,^Lokalanz." hört, hat die Reichsregierung zu erkennen gegeben, wie wünschenswert es chr Tm Interesse unserer Beziehungen zu dem Nachbarstaate fei, daß unter den Dertretcnen Städten auch die Hauptstadt des Deutschen Reiches repräsentiert werde. — Tie Maßregeln Deutschlands gegen die kanadischen Kampfziölle werden na-ch einer Meldung des ,Hamb. Storr." voraussichtlich im Laufe dieser Woche bekanntgegeben werden. — Tie „Berl. Storr." schreibt: Durch Verfügung der Minister des Kultus, der Finanzen, der Landwirtschaft, deS Innern und des Haiidels wurden den Berwaltungs- behörden -usammenfassende Ausführungsbestimmungen botr. Untersuchung des im Inland eingehenden Fleisches mitgeteilt, ivelche naincntlid) die Bestellung deS Beschauperfonals bei den Beschaustellen für das ausländische Fleisch, die Befähigung zur Vornahme der Untersuchungen rc. betreffen. Sodann wurde eine Anweisung erlassen betr. Ansatz, Nachprüfung und Verrechnung der Gebühren und Mo|ten für die Untersuchung des im Inland eingehenden FleifcheS. Ausland. London, 26. Mai. Die internationale Telegrap h e n k o n fe r e n z trat heute unter Anwesenheit von Vertretern sämtlicher Regierungen und Gesellschaften, die die internationale Telegraphentonvcntion unterzeichneten, zusammen. Die Konferenz, die vom Gcneralpostmeister Austen Chamberlain ei öffnet wurde, wird sich mit der Verbesserung deö telegraphischen Dienstes im Interesse des Publikums und mit der Herabsetzung der Gebühren beschäftigen. Der König wird die Teilnehmer an der Konferenz im Schloß Windsor empfangen. Brüssel, 26. Mai. Hier ist eine Liga zur Verteidig ungder b e l g i s ct) e n I n t e r e s s e n a m Kongo m der Bildung begriffen. Bis in die höchsten Streife hinein gibt man hier der Verstimmung über das englische Vorgehen gehen den Kongostaat unverhol>len Ausdruck. '.Dian Kalte bestimmt daraus gerechnet, daß England mit seinem Vorgehen gegen den Kongostaat wenigstens biS zum Ableben Leopolds II. warten werde Paris, 26. Mai. Der Abg. Meunier wird demnächst in bet Kammer einen Gesetzentwurf einbringen, betreffend *die Abschaffung der Sittenpolizei. — Der Miuisterrat beschloß, dem Antrag Berry, daß der Einfuhrzoll auf ausländisches Getreide herabgesetzt werden solle, entgegenzutreten. Nancy, 26. Mai. Wie es heißt, hat der verhaftete Spion Baliquet eiuge stand en, die Pläne des Zentralbureaus des Großen Generalstabes verraten zu haben. Seine Frau wurde auf freien Fuß gesetzt. Wien, 26. Mai. Der Zollausschuß setzte die Ber- handlungen bei Tarifklasse „Eisen und Eisenwaren" fort. Berichterstatter Pfaffinger beantragt eine Resolution, nach welcher der Roheftenzoll mit Rücksicht auf die amerikanische Konkurrenz in den Handelsverträgen nicht gebunden werde. Licht erklärt, Oesterreich-Ungarn könne mit einer Herabsetzung des Eisenzolles nicht vorangehen, am wenigsten im gegenwärtigen Zeitpunkte, wo sich die ausländische, namentlich die amerikanische Konkurrenz zu großen Kartellen vereinigt und die Zukunft der Welteisenproduktion noch eine ungewisse sei. Regierungsvertreter Rösler betont, die einheimische Eisenindustrie HÄe sich unter dem Zollschutz sehr gut entwickelt, und empfiehlt die Annahme der vorgescmagenen Zölle. — Wad) Meldungen aus Olmütz hat Erzbischof Dr. tohn die Berufung nach Rom erhalten und wird ich Anfang nächsten AionatS dorthin begeben. Belgrad, 26. Mai. 'Meldungen auswärtiger Blatter, daß die hiesige Polizei eine Verschwörung gegen den König Alexander, die vom Fürsten von Montenegro begünstigt worden wäre, entdeckt habe, wird von autoritativer Seite als jeder Begründung entbehrend bezeichnet. K o n st a n t i n o p e l, 26. Mai. In diplomatischen Kreisen ist man der Ansicht, daß der lange Urlaub des deutschen Botschafters, Frhrn. M a r sch al l v. Biber st ei n, der Vorläufer seines Abschiedsgesuches ist. — Vorgestern fließen türkische Truppen bei Radovischte, Wilajet Uestüb, mit einer bulgarischen Bande zusammen. Letztere verlor 17 Mann. Petersburg, 26. Mai. Viele Bürger erhielten Schriftstücke aufreizenden Inhalls gegen die Juden, jenen darin mit Vernich tung gedroht wird. Infolgedessen verlassen viele Familien für die Dauer der Veranstaltungen an den Jubiläums lagen die Residenz und begeben sich nach Finland ober in die Umgebung von Petersburg. Am letzten Feiertage ertönten auf dem Trödelmarkt, wo Juden Handel treiben, plötzlich Rufe: „Man will uns t o t s ch l a g e n". Eine furchtbare Verwirr un g ent- tand. Arbeiter durchzogen in Massen die Reihen des Marktes und die Folge war ein starkes Gedränge, das auf die Juden beängstigend wirkte. Alsbald erschien auch Polizei am Platze und befahl, sofort die Läden zu schließen. In wilder Hast kamen die Juden dem Befehle nach. — Der „RegierungÄote" schreibt: In einigen aus- ländischen Blättern sind Meldungen erschienen, welche die Unruhen, die am 19. und 20. April in Kischinew statt- anden, in falschem Lichte darstellen. Diese Meldungen beziehen sich auf einen Brief des Ministers des Innern, von Vlehwe, an den Gouverneur von Bessarabien, in dem der Gouverneur aufgefordert wird, ein Mlltel ausfindig zu machen, um dtwa ausbrechende Unruhen unverzüglich auf dem Wege der Ermahnung zu unterdrücken, ohne jedoch in den Waffen seine Zuflucht zu nehmen. Diese Meldungen sind erfunden. Ein Brief des Ministers des Innern an den Gouverneur von Bessarabien vorstehenden Inhalts ist nicht vorhanden. Eine Mitteilung, welche die bessa- rabischen Behörden auf Unruhen vorbereitet, ist nicht erfolgt. — Angesichts der bevorstehenden Jubiläumsfeier laufen hier allerlei beunruhigende Gerüchte um. ES yeißt, daß große Arbeiter-Demonstrationen ge- Kant und daß dazu auffordernde sozialistische Prollama- tionen gefunden worden seien. Die Fabriken werden daher angewiesen, an den Iubilänmstagen zu arbeiten und die Arbeiter fernzuhalten. Bereits im Lager weilende Truppen werden in aller Stille hier zusammengezogeu. Ueberdies cheint festzustehen, daß der Kaiser sich in keiner Weise an der Feier beteiligen wird. Es heißt sogar, daß er am Vorabend mit feiner Familie nach der Sarolvsch.er Ein- iedelei ün Gouvernement Tambow abreist. Melbourne, 26. Mai. In einer Rede, mit der er heute das Parlament eröffnete, führte der General-Gouverneur der australischen Eommon Wealth, Lord Tennysvn, aus, dringende einl-eimische Fragen ließen die sofortige Prüfung des von Chamberlain befürworteten Vorzugover kehrs nicht zu, obgleich die Minister dem Gedanken engerer Handelsbeziehungen innerhalb des Reichs günstig gegen üb er ständen. Aus Atadt und Kund. Gießen, 27. Mai 1903. — Personalien. S.K. H. der Großherzog haben dem Pfarrverwalter Wilhelm Schäfer zu Crumstadt, Dekanat Ederstabt, bie evangelische Psarr stelle ba selb st übertragen. — Das Ehrenzeichen für 'Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen dem Mitgliede der freiwilligen Feuerwehr zu Oder-HilberSheim, Adam Fischborn und dem Mckgliebe ber freiwilligen Feuerwehr bet Firma Dörr unb Reinhart zu Worms, Johann Schreiber. — Ernannt wurde der Hilfsdiener bei der Direktion der Hessisch-Thüringischen Staatslotterie, Hermann Gentsch aus Neusellerhausen bei Leipzig, zum Dienet bei der genannten Direktion. *• Die letzthin abgehaltene Staatsprüfung für Justiz und Verwaltung ist wieder einmal recht schlecht ausgefallen. Die Note 2 wurde gar nicht zuerkannl, mit 3 (gut) bestanden 4 Prüflinge, 7 Kandidaten sind durchgefallen, darunter einer zum zweiten mal. - Vom Arbeitsnachweis. Laut amtlichen Mitteilungen betrug im Monat April d. IS. die Zahl der an 7 hessischen Arbeitsnachweisstellen (Darmstadt, Gießen, Mainz 3, Offenbach, WormS) gemeldeten offenen Stellen 1403 für männliche und 788 für weibliche Arbeiter. Arbeltfuchende waren es 2283, bezw. 600. Besetzt wurden 807 Stellen für männliche und 264 für weibliche Arbeiter. •• Beschäftigung von GerichtLassessoren bei der Groß h. Landeß-Hnpothekenbank. Hessischen GerichtSassesioren, die sich bei der Landes-Hypothekenbank als Volontär beschäftigen wollen, ist, wie wir m einer Bekanntmachung deS Ministeriums der Finanzen in der „Darmst. Ztg." lesen, Gelegenheit geboten, sich im Hypothekenrecht, sowie in den Bankgeschäften auszubilden. Großherzogliches Ministerium der Justiz hat sich bereit erklärt, den zu diesem Zweck erforderlichen llrla.iv zu cneilen, falls nicht besondere Gründe entgegenjtehen. Bewerbungen sind an bie Ministerial- abtcüung für Finanzwirtschaft unb Eisenbahnwesen zu richten. — Aufruf für Kischinew. Von einem surcyrvaren Unglück ist bekanntlich bie 50 000 Seelen zählende jüdische Gemeinde in Kischinew heimgesucht worden. Tie gegen daS Leben und daS Vermögen der Juden dort verübten Greuel- toten haben eine Ausdehnung gewonnen, bie sofortige Hilfe für bie Unglücklichen erheischt. Viele würben unter ben schrecklichsten Qualen ermorbet, Hunberte verwundet, Frauen würben geschänbet, Kinber mißhanbell, tausenbe von Famüien sinb ber bittersten Not preisgegeben. Unbeschreiblich ist daS Elenb ber schwer Geprüften. Wie an anberen Orten Herz unb Hanb sich für bie unschulbigen Opfer ber entsetzlichen Verfolgungen geöffnet haben, so will man auch in Gießen nicht zurückstehen, wo es gilt, benen zu helfen, bie jetzt auf baS Erbarmen ihrer Mitmenschen angewiesen sind. Alle eblen Menschen mögen Gaben spenben für bie Verwunbeten, für bie zu Bettlern Geworbenen, für bie ihrer Ernährer beraubten Witwen unb Waisen. (Vgl. Inserat.) Butzbach, 26. Mai. Erne Anzahl Stubierenbe ber Technischen Hochschule in Hannover, bie auf einer größeren Exkursion begriffen sind, besuchte gestern auch unsere Stabt unb Umgegenb mit ihren SehenSwürbigkeiten. Dieselben übernachteten tm Hotel «Hess. Hof unb reiften heute zunächst nach Bab 9tauheim loeiter. (B. Zt.) m Nibba, 26. Mai. Am Sonntag abend war eine Frau von Ulfa mit ihrem siebenjährigen Töchterchen bei einem hiesigen Arzte gewesen. Auf dem Heimwege begegnete deren Fuhrwerk auf der Hungener Landstraße em Automobil. (Schon weiß man, daß eß ein Unglück gegeben hat. D. Red.) Vorsichtshalber stieg ber Fuhrmann, ber nichts gutes ahnte, ab unb nahm fein Pferb am Zügel. Als baß pustenbe Ungetüm jeboch in bie Nähe des Wagens gekommen war, warf baß scheu geworbene Pferb seinen Herrn über ben Hausen, rannte mit bem Wagen über ben Graben auf die Wiesen und kehrte bann auf der Straße nach Nidda zurück. Glücklicherweise wurde eß unterwegs von Passanten aufgefangen, sodaß die beiden Jnsaffen mit bem Schrecken davonkamen. Der Fuhrmann, der von dem Wagen überfahren worden ist, hat erhebliche Verletzungen baoongetragen. L Darmstaabt, 25. Mai. Auß dem ärztlichen Geschäftsbericht pro 1902, welchen bie Jnvalibenanstalt Gr. Hessen über baß von ihr eingeleitete Heilverfahren bei Lungentuberkulosen veröffentlicht hat, entnehmen wir, baß in ber in ihrem Eigentum stehenben (im Jahre 1901 in Betrieb genommenen) Ernst Ludwig-Heilstätte un Jahre 1902 538 männliche Lungenkranke behandelt worben sinb. Die Heilstätte verfügt über 122 Betten, trotzdem ist sie im Sommerhalbjahr nicht im Stande, allen Aufnahmegesuchen zu entsprechen, sodaß ein leil der Kranken in der Pension Krichbaum in Eberbach bei Reichelsheim untergebracht werden muß. In dieser unter der Leitung des Herrn Dr. Fischer in Reichelsheim stehenden Station wurden 1902 weitere 97 Pfleglinge wegen Lungentuberkulose behandelt. Die weiblichen an Lungentuberkulose Erkrankten werden in ber Pension Göttmann in Reichelsheim L O. (ärztlicher Letter Dr. Sell baselbst) verpflegt, im Jahre 1902 insgesamt 147 Personen. Von benjenigen Pfleglingen, welche bie vorgeschriebene dreimonatliche Kur burchgemacht hatten, konnte ein großer Teil als wesentlich gebessert unb roieber vollkommen erwerbsfähig, ja als gehellt entlasten werben. Bei vielen Pfleglingen konnte eine ganz bebcutenbe Gewichtszunahme (in einem Falle von 47l/s Pfund) konstatiert werden. Der Erfolg ber Kuren wird immer noch baburch etwas beeinträchtigt, baß sich bie Erkrankten nur schwer entschließen, sofort bei den ersten Anzeichen der schleichenden Krankhett bie Heilstätte aufzusuchen. Wenn burch das Fortschretten ber Krankhett bie körperliche WiberstanbSfähigkett schon stark gelitten hat, ist naturgemäß eine Besserung unb Heilung schwerer zu erzielen. Von den Leidenden, welche ihre Aufnahme beantragen, mästen daher immer noch viele, da bei ihnen die Tuberkulose zu wett vorgeschritten ist, alß für bie Anstaltsbehanblung ungeeignet abgewiesen werben. Offenbach, 26. Mai. Bei ber gestrigen Wahl* männerwahl zum hessischen Landtag, welche infolge der UnglltigkeitSerklärung beß ManbatS des sozialistischen Abg. Orb in ber ©cmeinbe Bieber (LanbkreiS Offenbach) stattfanb, siegten bei enormer Wahlbeteiligung bie sozialistischen Wahlmänner mit einer Mehrheit von runb 40 Stimmen über biefenigen beS Zentrums unb ber übrigen bürgerlichen Parteien. Eß wird auch gegen diese Wahl wegen grober Verstöße bei Aufstellung der Wahllisten Protest beim Landtag erhoben werden. Mainz, 26. Mai. BiS jetzt kamen zwei Fälle von Genickstarre beim 88. Inf.-Regt, vor, einer beim 1. unb einer beim 2. Bataillon. [] Marburg, 26. Mai. Ein hiesiger Taglöhner klagte heute früh roieber, roic schon seit längerer Zett, über Leib- schmerzen. Als er sich schließlich übergeben mußte, ging ein eidechsenartiges Tier (?) von ihm. Jedenfalls hat der Mann aus einer unreinen Pfütze Wasser getrunken und daß damals noch sehr minimale Tier mitverschluckt. (In anderen Märchen wird immer ber Mensch von ber Bestie verschluckt. D. Reb.) Frankfurt a. M., 26. Mai. Um seinen .Schatz* zu besuchen, lief ber Musketier Wilhelm Ze henb er von ben 1 1 6ern in Gießen zu Fuß hierher. Gestern abenb wurde er festgenommen unb seinem Truppenteil roieber zugesührt. Frankfurt, 27. Mai. Auf ben gestern nachmittag 2.40 Uhr hier abgehenben Schnellzug ber TaunuS- bahn rourbe wiederum oberhalb beß Redsiocker Hof eß an dem dortigen neuen Häuserblock ein scharfer Schuß, ber zweite innerhalb acht Tagen an berfclbcn Stelle, abgegeben« Daß Geschoß burchschlug eine Fensterscheibe eines Wagens brittcr Klaffe, ohne glücklicher Weise bie Jnsaffen zu treffen Tie Wieberholung biefer Schießerei läßt in Anbetracht ber sie begleitenden Umstänbe eher wie nicht auf Absichtlichkeit schließen. Hoffentlich gelingt es ber Untersuchung, ben Frevle zu ermitteln. Fran kfu r t a. M., 25. Mai. Soeben ist baß vom Vereinigten Musik- unb Preß-Außschuß heraußgegebene Fest- buch erschienen, welches ben im Gesangß-Wettstreit Mitwirkenben kostenlos zugeht unb für jeden anderen zum Preise von 1 Mk. erhältlich ist. Tas in geschmackvoller und künstlerischer Weise von bei hiesigen Firma Wüsten u. Schön- seid hergestellte Werkchen bringt außer dem Text der verschiedenen Lieder, die zum Vortrag gelangen sollen, aus- Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Anfangs- u. Schlußkurf e. der verltu, 26. Mau Dem .ReichSan-.^ zufolge wies in . IO8.80 21,9* C. 209.40 209.00 1S6L7 174.50 17737 . 102.03 . 91.07 . 101.08 . 91.08 . 101.02 . 100.06 . 103.03 DtfL Rrtbü . . Teutfche Bank Darmstädter Bank Bochumer Guß . . 209.40 . 208.75 . 186.40 . 174.00 . 176.80 Reicheanleihe do. Konsole . do. . . Heesen KriesKasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) V. Bei den Leuten grassiert das graueElendim höchsten fllhrliche Angaben über da« Fest selbst, ein Mitglieder. Verzeichnis der teilnehmenden Vereine sowie am Schluß einen mit Illustrationen gezierten Führer von Frankfurt sowie einen Stadtplan. Lin schwieriges Problem bot, nach den Mitteilungen des Fest-AuSschusicS, die Beleuchtung der Fest- Halle, doch ist eS glücklich gelüst worden. Die ganze Be- leuchtung erfolgt elektrisch. ES sind insgesamt vorgesehen: 720 Glühlampen i 25 NK und 50 Bogenlampen. Die An- brmgung der Beleuchtungskörper ist in inniger Verschmelzung nut der großzügigen Innendekoration durchgeführt. — Zu der Hauptprobe für daS BegrüßungSkonzert, welche am 2. Jun, aachm. 3 Uhr m der Festhalle stattfindet, werden an den bereits bekannten Stellen vom 25. Mai ab Eintritts- karten zum Preise von 3 Mk. und 1,50 Mt. auSgegeben. Dom Sonntag den 31. Mai ab findet der Kartenverkauf für alle Veranstaltungen nur noch an den Kasten des Festplatze« statt. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der kroatische Waldarbeiter Peter Nendullc, rvcto Sabljak, welcher am 16. November 1902 tm Vogelsberg einen Landsmann ermordet und beraubt hatte, wurde wie die ,3L Fr. Zig.* meldet, vom Ogulmer Gerichtshöfe zum Tode durch den Strang verurteilt. — In der Kron- prinzenstraße m Frankfurt mietete sich in einem Hause vor einigen Tagen ein Mädchen ein, daS inzwischen spurlos oer- schwunden ist. Nach vorhandenen Anzeichen »st daS Mädchen heimlich niedergekommen, die Bettwäsche hatte eS zu Kinder- Wäsche zerschnitten. Auch von dem Verbleib des Kinde« fehlt jede Spur. — In Bingen ist der am Anfang der 60er Jahre stehende Fleischermeister I. B. Schürzens, der frühere Obermeister der Fleischerinnung Bingen und jahrelanger Bei- geordnete der Stadt Bingen gestorben. — Der von Sprend- lingen verschwundene Gemeindeeinnehmer Weidmann be- findet sich bei Verwandten in Brüssel. — Schon seit etlichen Monaten darf in der evangelischen Kirche m Eimsheim, welche als baufällig erklärt wurde, kein Gottesdienst mehr gehalten werden, weshalb er gegenwärtig im Gemeindehause stattstndet. ES soll nun eine neue Kirche erbaut werden, aber man ist sich wegen de« Bauplatzes nicht schlüssig. — In O st- Hofen brannte gestern nacht daS Matenalienhaus an dem Güterbahnhof ab. Die Lntstehungsursache des BrandeS ist unbekannt. Höchste Temperatur am 3J/0 Mexikaner . . 4ViVo Chinesen . . Electric, bcLückert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatabahn . Lombarden . . . Gotthardbahn . . . Laorahütte . . . . Bochum . . , . . Harpeoer . . . . 3V«°/o S'/ü 3V,% 8°/0 8*/i% 103.06 5025 32.00 33.05 130.02 44.08 Meteorologische Beobachtungen der Ltatiou Gießen. Vermischtes. Berlin, 27. Mai. In der Wohnung des kaiserlichen Oberstallmeisters Grafen Wedel erhängte sich das 18jährige Stubenmädchen Piske aus Verzweiflung über Drangsalierungen durch das Wirtschaftsfräulein. * Halle a. d. S., 26. Mai. In der Dynamitfabrik in Reinsdorf bei Wittenberg wurden durch eine Explosion im Laderaum der Betriebsleiter, ein Lademeister und ein Arbeiter schwer verletzt. Ter Zustand des Laderneisters ist . 26.55 . 92.07 . 95.04 . 101 09 . 209.06 . 186.01 . 136.09 . 147.09 . 154.01 . 145.08 . 14.02 . 189.05 . 216.08 . 175.08 . 178.75 37,% Obertassen . 4-4 Oesterr. Goldrente 41Oesterr. büberrente 100.05 4% Ungar. Goldrente jeden, der an den folgenden trtrr AuSnahmetagen (18., 2L, 24. und 30. Mai einen enorm billigen Strohhut kauft — gratis! — ein Glas Laaerbier — gratis! Möbius." Jedenfalls ist diesen ttonkurren^Sladiatoren der Humor noch nicht ausgegangen. Grade. Hab in der ,Vol Halbjahr. Märkte. p. &d)ottcn, 26. Mai. Ta in den Orten Attenham und ftreienfeen bie Schweinepest emgelreten ist, vermutlich durch pandlervieh emgeschleppt, so ist für den am 2. Juni hier fiatt- rndenden Biehmarkt, der wegen ferner günstigen i*age (3. Psingst- eiertag) stets stark besucht war, der Auslrieb von Schweinen durch blesiges KreiSamt verboten worden, während der Rindvieh- und Bullenmarkt in der seitherigen Weise abgehatten wird. — Butzbach, 26. SÖlai. Durch die m vielen Orlen der Umgebung herrschetide S ch w e i n e p e st kann der für nächsten Tonners- tag, den 28. Mar, angesetzte Schweinemarkt hier nicht abgehalten werden; der Krämermarkt dagegen findet statt. 40/^ Italien. Bente . . , Portugiesen . . , 8*1/ r'oriagieicn. ... 1% C. Türken ... Türkenlose..... 4°/o kriech. Monopol.-AnL hausen wurde mit Steinen beworfen. Bremen, 27. Mai. Hier hoben die Dialer-, Tischler-, Glaser-, Schlosser- und Tachdeaermcister beschlossen, die Aussperrung ihrer sämtlichen Leute am Samstag vor- zunehmcn, falls die aussräiidigen stlenqmer nicht brS bäum wieder arbeiten. Leipzig, 27. Mai. Das Kriegsgericht verurteilte den Kanonier S t e i n m ü l l e r vom 78. Zeldartillerie-Regiment wegen Fahnenflucht und schweren Tiebstahls in 13 Fällen zu 15 Jahren Zuchthaus, 1U Jahren El-roerlust und Ausstoßung aus dem Heere. Lo ndon, 27. lUtaL Die amtliche Untersuchung des Handels mit südafrikanischen Lazarettdecken hat nach einer Kapstadter Meldung des„Tally Expreß" ergeben, daß unter Nichtachtung allgemeiner und spezieller Armee-Verordnungen MUllarbeamle 260 olX) entbehrlich gewordene Tecken an einen Buchmacher und einen nanttnen- wirt zum Preise von 20 Pjg. das Sluck verlaust l-aben. Ten verkaufenden Beanllen sei der gefährliche Eharalter der Tecken belannt gewesen. Die beiden Staufer hätten von beii Tecken 180 000 -stück weiter nach Englaiid abgesetzt und 2JjO Att. pro Stück erhalten. Tre schuldigen Behörden in Südafrika suchen einen Teil der Leranllvortung aus das Kriegsministerium abzuwälzen, indem sie behaupten, im Eintlang mit den Befehlen gehandelt zu haben, die ruuh Beendigung des Krieges peinlichste Sparsamlell geboten haben. London, 27. Mai. Die Morgenblätter veröffentlichen den soeben erschienenen Bericht der Kommission, welche im vorigen Jahre zwecks Einleitung einer Enquete über die englische Handelsmarine eingesetzt war. Die Blätter legen dem Bericht große Bedeurung bei. In Marinekreisen glaubt man, dap die Enquete der Handelsmarine einen Aufschwung verleihen werde. Unter anderem wird bemängelt, bau viele Kauffahrteischiffe junge Deutsche als Matrosen aiinehmen, welche fahnenflüchtig sind, imb bei ihrer Landung im ersten deutschen Hafen feftgenommen werden. Paris, 27. Mai. Die Blätter roiffen von einem neuen Grenz-Zwischenfall zu berichten. Zwei jugendliche Arbeiter aus Ioeuf hatten einen Ausflug nach MontoiS unternommen, welches aus deutschem Gebiete belegen ist. Sie wurden von deutschen Gendarmen angehalten, welche behaupteten, die jungen Leute seien auf deutschem Gebiete geboren und hätten sich ihrer Militärpflicht entzogen. Sie wurden verhaftet und erst nach zwei Stunden freigelafsen, nachdem ihre Papiere untersucht worden waren. Madrid, 27. Mau Eine große Menge Neugieriger hatte sich aus den Tribünen und auf den Straßen emgefun- den, welche die Automodilfahrer der Wettfahrt Paris —Madrid passieren sollten. 60 Tounsten-Auto- niobile trafen hier em. König Alfons und Prinz Heinrich waren am Ziele erschienen. Don den Ausflüglern ist Niemand verletzt. Saloniki, 27. Mat. Bei dem bei Mogila gefallenen Tandenführec Stevkow wurden Proklamationen gefunden, in denen die nomitees verständigt wurden, baß in Zukunft nicht nur Muselmanen, sondern auch Christen, die sich der aufständischen Bewegung nicht anjchlteßen, ermordet werden sollen. Weiter wurden bet Slev- kow Papiere gesunden, die Aufschluß über wichtige Pläne des mciccDont]cl)cn Komitees geben. 25.-26. Mai Arbeiterbewegung. ko. Frankfurt O.M., 25. Mai. Seit heitte morgen streiken hier die Spengler und Installateure. Sie fordern 9 */,- stündige Arbeitszeit, einen Mindesllohn von 3b Psg. pro Stunde im 1. Jahre nach beendeter Lehrzeit, von da ab bis zürn 21. Jahre 40 Psg. und für ältere Arbeiter 50 Psg • außerdem die bezüglichen Lohnausschläge bei Ueberstunden usw. An dem Streik dürsten ungefähr 850 Arbeiter beteiligt fern. Bei 15 kleineren Meistern wird zu den neuen Bedingungen gearbeitet. — Der ,Frkf. G.-A.' teilt dazu noch mit: Im Lause des geftvigeu TageS haben noch weitere Firmen die Forderungen der Behülfen annerkannt. Bis jetzt arbeiten 145 Behülfen bei 27 Firmen zu den neuen Bedingungen. Telephonischer Kursbericht. * rnukturi au 27. Mai 19u3 Temperatur der Lada und der Luft am 27. Mai 1903. Nach Reaumur gemessen mittags zwischen 12 und 1 Uhr. Wasser 15'/,°, Luft 19*. Albert Rübs amen. Harpener Bergbau «Lchluß-Tendenz: befestigt. hoffnungslos. x • Köln, 26. Mai. In dem im westfälischen Orte Nottulu belcgenen Martinistift, einer Anstatt für Verwahrloste bis zu 21 Jahren, sind Unruhen ausgebrochen, die gestern einen bedrohttchen Umfang annahmen. Aeltere Burschen überfielen mit Heugabeln und Schippen die ihres Amtes waltenden Brüder und verletzten mehrere derseweu tödlich. Gendarmerie mußte herbeigezogen werden. Sechs Anführer wurden teilweise einer Stefjer- ungsanstalt, tellweife dem Gefängnis überliefert * Thorn, 26. Mai. Der Kandidat der Polen für pen Reichstagswahltreis Thorn^rulrn-Bricsen, Cheftedaktcur BrekSki, wurde, da er der Aufforderung zum Anttttt einer wegen Beleidigung auserlegten ztoeimonatlichen Ge- füngnissttafe nicht nachgekommen war, verhaftet, und dem Amtsgerichtsgcsängnis zu Golleb zur Verbüßung der Strafe zugefül)rt. Brekski war im Begriff, eine Reise anzutreten. «München, 26. Mai. Ter LandgerichtsratDr. Guggenheim er, der die Frau eines Freundes ver- Shrte, mit diesem ein Pistolenduell hatte und zu stungshaft verurteilt, nach Verbüßung der Hälfte der Strafe aber aus Gesundheitsrücksichten aus der Festung beurlaubt wurde, hat mut die erbetene Entlassung aus dem Staatsdienst erhalten. Wie man hort, tritt Tr. Guggen- heimer in Privatdienste. • Paris, 27. Mai. Sie Schwurgerichtsoerhandlung gegeti die Humberts ist endgittig in der ersten Hälfte des Augusst anberaumt worden. * Paris, 27. Mai. Ter Sarg Zolas wurde au dem Monttnartte-Friedhof aus der provisorischen Gruft in das Erbbegräbnis übergeführt. * M adrid, 27. Mai. In VaLepenas explodierte eine von einem unbekannten Reisenden in einem Gasthause deponierte Kiste, die statt angeblicher Chololade 40 Kilogramm Pulver enthielt. Eine Frau und drei Äinbcr wurden getötet, 12 Personen schwer verletzt. Es wird ein Attentat vermutet. In der Bevölkerung herrscht große Bestürzung. . . * Arras, 25. Mal. Sei einer Hochzeit un Gebäude der Zitadelle brach Feuer aus, welches das ganze Gebäude ergriss. 27 Gäste, meist Tarnen, erlitten Brandwunden. Trei Frauen find ums Leben gekommen. 8 Personen sind schwer verletzt. „ . _ , . ♦ Bei den Judenmassakres in Kischinew ist, nach dem „Herren Konfektionär", auch ein gebürtiger Breslauer, Namens Arthur Stein, ums Leben gekommen. Stein siedelte vor 12 Jahren von Breslau zu einem Onkel nach Kischinew über und errichtete dort später ein Herrengarverobcgeschaft, das sehr gut ging. Trotzdem äußerte Stein in Briesen an seine Breslauer Verwandten ost, daß er sich in Rußland sehr unbehaglich fühle und bald nach Breslau zurückkehreu werde. Vor vier Wochen erst schrieb er an einen Vetter in Breslau, er habe Aussicht, sein Geschäft günstig verkaufen zu können und hoffe, dann noch zur Psingstzeit wieder in seiner Heimat sein zu können. Bald darauf brachen die Revolten in Kischinew aus und Stein kam auf schreckliche L6eise ums Leben. Zwei jüdische Frauen flüchteten in sein Geschäst, um sich dort zu verbergen-- der nachdringende Pöbel aber schlug alles kurz und klein, zündete das Warenlager an und zerrte die Frauen wieder auf die Straße heraus. Stein selbst wurde mit zerschmettertem Schädel tot ausgefunden. *ModernerKonturrenzkampf. Im „Colbitzer Wochenblatt" findet sich folgende Annonce: „Ta ein Re,taurantam Sophicuvlatz Strohhüte zum Engrospreise an seine Gaste abgiebi .entweder joli das eine Lockspeise sein, um sich Gage zu erhalten, oder sollen vielleicht die Betrefseuden für ihr Lokal Reklame lausen, ich aber meine auch nicht einpökeln wlll, oerscheute ich an. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungeu de« Gießener Anzeiger«. Potsdam, 26. Mai. Der Kaiser traf Hettle früh hier cm und fuhr nach dem Stadtschloffe, wohin sich auch die Kaiserin vom Neuen Palais begeben hatte. Berlin* 27. Mai. Beim Reichskanzler Grafen DÜ- low fand zu Ehren des vattrischen Ministerpräsidenten Freiheirn v. Podewils ein Tiner statt, an welchem die Mitglieder der bai)ri|‘d)cii Gesandtschaft smvie saottuche hier anwesenden preußischen Minister und Staatsfettetüre tcu- nahmen. dkach der Tafel blieben die Geladenen noch längere Zeit in anregender Unterhaltung mit dem Reichskanzler zusammen. , . Berlin, 27. Mai. Tie „dkatztg." bemertt zum Pro» zeß Hüssener: Es sei der Schluß nicht von der Hand u weisen, daß nicht nur ein Urte it gegen Hüssener^ andern auch gegen feine Instruktion gefällt wordeu. Anscheinend habe sich Hüssener durch die ihm zu teil gewordene Instruktion zu der Auffassung, die er bei unt nach Begehung der Tot gehegt, berechiigt gehalten. Ter a rin e-'-Sc r ro al tun g erwachse darnach mehr noch durch das Urtell als durch den Fall an sich die ernste und dringende Aufgabe schärfster Nachprujung in dieser Richtung. Es sei im Interesse der Marine Air wünschen, daß die Verwaltung aus den gewonnenen Lehren die Dollen Honjc- quelizen ziehe, um eine Wiederholung ähnlicher ereignijjc zu vermeiden. _ Nordhausen, 27. Mai. Unter dem dringenden Verdacht, einen Lustmord in Aschersleben an einem sechsjährigen itnaben verübt zu haben, wurde der Barbier Earstensen aus Flensburg verhastet. Später wurde noch ein üomplize Carftensen's festgelwmmen. Stralsund, 27. Mai. Eine m Batth abgehaltene Wählerverfammlung der oeremigten nationalen Parteien wurde von Sozialdemokraten Unterführung ihres Kandidaten Genzen in lumultuanscher Weise gestört. Tie Polizei mußte iuieberl)olt mit blanker Waffe einschreiten. Sämtliche Fenster des Saales sind zerttümmett. Der konservative ReichstagS-Kandidat Kammerherr v. Riepen-- Gerichlssaal. Leipzig, 26. Mai. Da« Reichsgerichts verhandelte heute über die Revision des Trakehner SchulprozesseS. Ta Sanitätsrat Paalzorv-Berlin, der am 24. Oktober 1902 wegen Beleidigung des Landstallmeisters v. Oettingen-Trakehnen zu 300 Atark Geldstrafe verurteilt worden war, am 5. April 1903 gestorben ist, kam nur die Revision des wegen Beihilfe verurteilten Lehrers Otto Nickel-Trakehnen zur Verhandlung. Ter Verteidiger, Rechts- anivalt Sonnenfeld-Berlin, rügt insbesondere die Nichtanwendung des Paragraphen 193 des Strafgesetzbuches, da Stickel dem Paalzow die Mttteilung nicht in der Absicht, v. Lettingen zu beleidigen machte. Ter Reichsanwall beantragt Verwerfung der Revision, well Nickel von dem Artikel vor der Veröffentlichung Kenntnis genommen bat Das Reichsgericht erkannte auf Aufhebung des Urteils und Zurückverweisung der Sache an das Landgericht I zu Berlin. Tas Gericht schloß sich den Ausführungen des Veneidigers insofern an, als es der Ansicht ist, daß in der bloßen Mitteilung einzelner Tatsachen durch Stickel an den Sanitätsrat Paalzow noch nicht eine Beihilfe zu der von Paalzow begangenen Beleidigung des Landstallmeisters v. Dettingen au erblicken fei, ba eine Beleidigung in einem verallgemeinernden Urteil bestehe. Mannheim, 26. Mai. Tas hiesige Kriegsgericht verhandelte heute gegen den Grenadier Walz aus Mannheim wegen Körpers erletzung mit nachgefolgtem Tode. Walz soll in der Nacht von Ostersonntag auf Montag den Kaufmann Max Berger aus Mannheim außer verschiedenen Verletzungen am Kopf auch einen Stich mit seinem Seitengewehr t n ben Unterleib versetzt haben, an dessen Folgen er st a r b. Ten Stich bestritt Walz, gab mdessen zu, infolge wiederholter Angriffe Bergers mit dem Seitengewehr geschlagen zu haben. Ter Vertreter der Anklage ließ selbst wegen des tölllchen Stiches die Anklage fallen, well Berger selbst m das Seitengewehr gerannt fein tonne und beantragte nur Strafe wegen Mißbrauch der Tienstwafie. Ter Vertreter des Angeklagten plaidierte für Freisprechung, weil glatte Notwehr vorliege. Das Gericht urteilte in diesem Sinne. Tas Publilum nahm diesen Urteilsspruch mit Beifall auf. berliner Börse von» 26. Mai 1903. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.» Troy maller Newyorker Schlußnotizen war die Haltung der heutigen Börse eine relanv feste; man eröffnete zwar infolge weiterer Provinzverkäufe unter gestrigen Schlußkurfen, doch stellte ich bald kräftiger Widerstand ein, da man allgemein den scharfen Jiudgang für übertrieben und überhastet hält. TaS beste Barometer für die Beurteilung der Position ist der Eaffamarkt, und dieser zeigte heute, daß die Angstverkause ziemlich beendet scheinen und tm allgemeinen der niedrigste Punkt erreicht ist. Tie Kurse teUen sich fast ausnahmslos über die gestrigen 9lotimmgeii, bei den meisten Werten sogar um mehrere Prozente. Gegen Schluß chwächten Serien-Türken sich leicht ab infolge unbestätigter Gerüchte, betreffend die Unififation. Prwai-Tiskont 3% Prozent. den Sie übrigens das folgende schone fingierte Inserat . .lolkswachf gelesen: .Tüchtige Tierbändiger! In der Redaktion des »Offenbacher Abendblattes" ist die Tollwut aiisgebrochen. Zur Bändigung des davon befallenen Subiekts werden mehrere handfeste Männer, die vor keiner Schmutzarbett zurückschrecken, gesucht." heutigen Sitzung des Zentralausschuffes der R e l ch s b a n k Präsident Tr. Koch noch darauf hin, daß der einige Tage lang um */, pLl. gefallene Privatdiskonl am offenen Markte wieder aus 3'/« pEL gestiegen feu Ter Geldmarkt habe trotz der Herabjetzung des Diskonts der Bank von England auf 3‘ , pEt. offenbar mit Schwierigkeiten zu kämpfen, zumal die Lage in Amerika nicht klar cu Indeiien, da die fremden Wechselturse etwas gefallen und auch bereit« Barrengold in das deutsche Zollgebiet emgesührl worden sei, läge ein Anlag zu einer Tiskontveränderung nicht vor, wiewohl eine weitere leichte Versteifung zu Ende des Atonats kaum zu vermeiden sei. Der Zentralausschuß genehmigte die Zahlung der A b s ch l a g s - D i v i d e n d e v o n V/< pEt. für bas erste Mai 1903. ""Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Fe»lchtigkeit Windrichtung V f Wetter 26. 2“ 749,6 21,8 8,6 44 NW. 2 Sonnenschein 26. 95i 750,0 13,5 9,4 82 NE. 2 veil. Dunmel 27. 7Ji 749,8 14,6 9,3 75 NE. 4 Sonnenschein Waschblusen, Kostümröcke, Unterröcke billigst. 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In Abteilung IV il VI können auch Händler und FadrikarUen, die nrcht in der Provinz Oberhessen wohnen, auSstellen. .„/wvx m!be nttt> Ehrenpreise sind im Betrage von ea. 16000 Alk. ausgesetzt, außerdem Medaillen und Ehrendivlome Alle Anmeldungen haben bis zum 1. Juli zu erfolgen. Ausgenommen sind: Geflügel, Produkte des Ackerbaues einschließlich Brauaersle, und Obst- und Gemüsebau, für welche der Endtermin aus den 20. 3uÜ festgesetzt ist. Das Nähere besagt die Ausstellung-- und Prämiirungs- ordnung, welche von der Geschäftsstelle des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen m Alsfeld, sowie von den Landw. Beztrksoereinen, den Zuchlvercmen, dem ^bstbauvereine, dem Blenenzuchtvereine, dem Gesliigelzuchi vereine il s. w. bezogen werden kann. 4293 Matador VORWERK' ^1 tf Qu Qj V* CD ro Jedes bessere Geschäft führt VORWERKE Ori ei rul.Ouali täten, die Original-Fabrikate, welche den Namen des Erfinders VORWERK oder die bekannte Fachermarke tragen: Velourschutzborde Mohair-Borde „Prlmlsslma“ Schweissblätter (Trlcot- und Gummi- Platten) Kragen-Einlage, spedell ..Practica** (mit Carton-Aufdruck, „VORWERK“) Nur die besten Zuth.iten für mein FÖeid sind die billigsten: Ich wünsche nur Geschäftseröffnung und Empfehlung! Mache hiermit einem verehrten Publikum und meiner werten Nachbarschaft bekannt, daß ich am 28. d. Ms. 61 Seltersweg 61 eine Bäckerei eröffnen werde. Es wird mein eifrigstes Bestreben sein, meine werten Kunden stets mit frtscher und schmackhafter Ware zu bebienen. Zu der bevorstehenden Pfingstbäckerei empfehle feinstes Blütcnmehl, la. KaiserauSzug. 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