Mittwoch »7. Mail »OS ISS Jahrgang (frfteS Blatt. Bbrrfl« für Develchau Anzeiger •icfcctu ^milprrd)anld)lu69h.6L Nr. 1Ä2 • rfeint täglich anher Sannlag«. Dem Gretzener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kessischra tanbmirt bie •itMntr foalllev* blältet oiernuil in der Woche de,gelegt. Rotattontbnid u. Verlag der Brühl'lchen Unwer1.-vuch- n.Vteur- brudrvd (Vieüch Erdech Ve>t,g4»rei,r monaisich?bPl^ otertefr Ehrlich SIL 8 JO; durch Abhole- u. Hroeiflfteaen monatlich 6o P1-; durch diePostMk.S.—viertel- jäbrL auSschl. Vestellg. Annahme von Anzeigen ür die Tagebnummer >»A DormUtaQi 10 Uhr. ;,etlenptet<: lokal UHU aueroärtt Vv TNg. Verantwortlich tüi den poltL und aügern. Teil. U Wittko. kür ,Stadl und tianb' und .Gerichts! aal': Aua u st GLtz; lüt den Anzeigenteil: Han« Beck. GietzenerAnzeiger M General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Politische Tagesschau. flöaig Eduard. Aug Verlin, 26. Mai, wird uns geschrieben: Aus bet hiesigen englischen Botschaft sind Nachrichten Über eine ungünstige Wendung an Befinden deS Königs, von der die .Liverpool Post' wissen will, nicht eingetroffen. Die Möglichkeit einer erneuten Operation wird in Anbetracht der Natur deS Leidens des Königs allerdings nicht in Abrede gestellt. Man hält zunächst für wahrscheinlich, daß nach den Besuchen deS Königs m Nom und Paris, bei denen körperliche Anstrengungen unvermeidlich waren, ein starkes Ruhe- bedürsnis sich geltend macht. Am zuträglichsten sollen für König Eduard bisher die Seefahrten gewesen sein, zu denen auch, wie eS heißt, die Leibärzte immer raten. Man rechnet für den Fall, daß ärztlicherseits gegen Eisenbahnfahrten im Laufe deS SommerS Bedenken geltend gemacht werden, mit einer Begegnung zwischen König Eduard und Kaiser Wilhelm in einer deutschen Seestadt, etwa in Kiel. Die Ankunft deS Königs Viktor Emanuel in London ist auf den 8. Juli festgesetzt worden. Drei oder vier Tage vorher trifft König Viktor Emanuel in Paris ein, um den Präsidenten Loubet zu besuchen. Die AutomobUsahrt Paris-Madrid. In der französischen Kammer fragte am Dienstag Congy (Nationalist) die Regierung betreffs der Automobilfahrt Paris—Madrid. Ministerpräsident EombeS erwidert, er erteilte die Genehmigung zum Rennen, weil sich die Antragsteller auf berechtigte Interessen der französischen Industrie beriefen. Die Unfälle seien nicht dem Mangel an Vorsichtsmaßregeln zuzuschreiben, son- dem lediglich der Schnelligkeit. Die Regierung sei nicht geneigt, ein neues Experiment zu gestatten, jedoch sei es nicht erforderlich, daß die Kammer äußerste Maßregeln beschließe unter dem Vorwande, daß eS sich um den Schutz von Menschenleben handle. Der Ministerpräsident fügt hinzu: Wenn die Automobilgesellschaft Schnelligkeit Spröden anstellen wolle, so muffe sie hieß auf einer ihr gehörenden Rennbahn tun. Die Kammer müsse darauf bedacht sein, die öffentliche Sicherheit und die Interessen der Industrie zu wahren. Nach kurzer Erörterung wird eine von dem Ministerpräsidenten erbetene einfache Tagesordnung angenommen. Wie dem .Bert. Tagebl.' aus PanS telegraphiert wird, werden anbauemb noch neue UnglüdBf&lle bekannt, die sich bei der Automobilfahrt am Sonntag morgen ereigneten. Der Rennfahrer Lesna erlitt bei Port de Pille mit seinem Motorzweirad einen Knöchelbruch, sodaß seine Rennfahrerkamere desinitio beendet ist. Auf der Präfektur Bordeaux hat man 8 Tote und mindestens 16 meist schwer Verletzte gezählt. Der Chauffeur Stead dürste bald wieder hergestellt sein. Dem Fahrer Barrow wurde der Fuß amputiert. Der Zustand Marcel Renault ist höchst kritisch. Im allgemeinen herrscht in Paris bie Ueberzeug- ung, baß die Aera der großen internationalen Automobilrennen endgiltig abgeschlossen ist. Im Hinblick auf diese ungünstigen Ergebnisse neigt man der »Rat. Ztg.' zufolge in Berliner Automobilisten- Kreisen der Anschauung zu, daß der Gordon-Bennett-Cup, um den in diesem Jahre in Irland gekämpft werden sollte, überhaupt nicht stattsinden dürste. ES waren Besttebungen im Gange, das Rennen um den Gordon Bennett-Cup im nächsten Jahre in Deutschland abzuhalten. An eine Realisation dieses Projektes ist nun kaum zu denken. Air Kluttat in tzffen vor dem Marine- Kriegsgericht. Kiel, 26. Mai. Die lebhafte Hafenstadt steht unter dem Eindruck des Prozesses, der heute vor dem Kriegsgericht der 1. Marine- Inspektion beginnt Den Gerichtshof bilden: Korvettenkapitän Starte (Vorsitzender), NlurinettiegSgerichtsrat Ta- maschke (Berhandlungsleiter), Hauptmann Graf v. Soden vom ersten Seebataillon, Oberleutnant Leonhardi von der ersten Werftdivision und Gerichtsassessor Wachsmuth (Bei- litzende). Vertreter der Anklage ist MarinekriegSgerichtsrat oe Bary, Verteidiger des Angeklagten Rechtsanwalt Stobbe (Kiel). Ter Angeklagte Fähnricy z. S. Robert H ü s s e n e r ist im Februar 1883 in Gelsenkirchen geboren und evangelischer Konfession. Er ist der Sohn des verstorbenen General- direltors des Gelsenkirchener Hütten- unb Bergbau Vereins. Er hat die Oberrealschule zu Schalke besucht und soll alsdann durch besondere Befürwortung in das Seekadettenkorps auf genommen worden sein. Am 21. März d. I. hatte er die Offiziershauptprüfung bestanden. Er ist zu den Osterferien auf Urlaub gereift. Am Oftersamstag nachts kam es zu der Bluttat, über bie schon wiederholt berichtet wurde. Ter von Hüssener getötete22jährigeAugust Hartmann hat bis 18v6 das Gymnasium in Essen besucht, ist alsdann in ein Essener Handlungshaus in bie Lehre und im Lttober 1902 in das siebente Fußartillerie- regimeni m Köln als Einjährig-Freiwilliger eingetreten. Ei soll ein sihr gutmütiger und ordentlicher Mensch gewesen sein. Kurz vor 9 Uhr wird der Anaeklagte von zwei Infanteristen auf die Anklagebank geführt. Er ist ein S habe, als daß, wenn er die Wa war aber nüchtern. Ich mochte noch hinzufügen, daß auch als Waffe gebrauch t w e r er gesagt habe, „es müsse auch Blut fließen, so habe er damit gemeint, daß der Arrestant verletzt, nicht getötet lverden könne. Der Angeklagte macht auf Anregung des Kriegsgerichtsrats de Bary die Bewegung nach, bie er beim ffe ziehe, diese ben müsse. Wenn nmal ein Mädchen ein Auge der 9 ' während einiger Stellen aus ben Briesen cm seine Mutter weinte und schluchzte der Angeklagte. Danach wird der Student des Bergfackes Lütscher als Zeuge vernommen. Auf dem Wege in bas Müllersche Lokal sei Unteroffizier Schröder bei einem Mädchen stehen geblieben Er sei deshalb mit Hartmann allein weitergegangen. Kaum hatten sie den Hausflur des Müllerschen Lokals betreten, da sei Hüssener an sie herangetreten simd habe Hartmann aufgefordert, ihm zur Wache zu folgen. Da Hartmann zögertt, habe er ihm zugeredet, dem Befehl seines Vorgesetzten Folge zu leisten. Hartmann habe sich auf dem Wege rur Warne von Hüssener losgerissen und sei geflohen. Er habe nicht ben leisesten Versuch gemacht, gegen Hüssener tätlich vorzugehen. Hartmann war wohl stark angetrunken, aber er tonnte ganz ruhig gehen und war meiner Ueberzeugung nach vollständig Herr seiner Sinne. Staatsanwalt Äriegsgc ichtsrar bc Bar.): Sie haben mir seinerzeit aufgegeben, daß Sie ziem . chtern n hprt n h i .-.-i f T.-rfÄ >l nf-rr'«' wnp • er dabei viele und schwere Weine und sei wahrscheinlich betrunken gewesen. Nacy einem Wortwechsel mit dem Hotel- direktor, wo die Hochzeit ftattfand, schmte ihn sein Vater nach Hause. Zu Hause tobte er und schoß mit einem Revolver: er bereute aber sein Verhalten sehr, als er ruhig geworden war. Aus bie Frage, ob ihm der Artikel 13 Absatz 2 betr. Den Gebrauch der Waffe betannt fei, erklärt . Hüssener, er lernte den Artikel bei Den üblichen Bor- waren. Haben Sic nicht auch o.el geturntenz , les un gen kennen, sei aber nicht näher über den selben hatte nur 2 0 Gras Bier getränten. Speit, instruiert worden. ’ L r 7^ loten. Wie kam das? Angeklagter: Das war in meinem 12. Jahre Das Mädchen stand hinter der Mauer eines Grundstücks, das an das meines Vaters grenzte. Ich wollte das Dkädchen erschrecken, warf einen Stock über bie Stauer und traf das Mädchen so unglücklich, daß das Ange zerstört wurde. Verhandlungsleiter: Erzähleu Sie mal ganz ausführlich die Vorgänge vom Samstag vor Ostern. Angell.: Ich kam am Samstag spat abends in lttsen eiligen Schrittes in die Brandaasse, um mich in das Schlütersche Lokal zu begeben. Da sich ich einen Soldaten, der stark angetrunken war, sodaß ihm der Speichel vor dem Mund stand, das Schlütersche Lokal betreten. Ich wollte verhüten, daß der Soldat noch mehr Alkohol zu sich nehme und womöglich Unfug verübe. Ich forberte deshalb ben Soldaten auf, mir zu folgen. Ter Soldat zöge-te. Darauf sagte ich: Ich fordere Sie dienstlich auf, mir zu folgen. Der Begleiter des Soldaten, Lütscher, redete diesem zu, meinem Befehl Folge zu leisten. Der Soldat nahm mich unter den linken Arm und Lütscher unter den rechten. Verhandlungsletter: Früher sagten «ie, der Soldat habe sich plump vertraulich benommen. Angeklagter: Das ist richtig. Nachdem wir etwa 20 bis 30 Schritte gegangen ivaren, riß sich der Soldat plötzlich los und wandte sicy mit erhobener Faust um, wdaß ich glaubte, er wollte mich schlagen. Ich zog daher sofort meinen Dolch. Da der Soldat flüchtete, rief ich ihm ,Halt" zu. Der Soldat stand aber nicht, ich schlug daher mehrere Male nach ihm und traf ihn beim zweiten Male auf die rechte Wange. Da aber der Soldat trotzdem nicht stand, so stieß ich ihn zweimal in den Rücken. In diesem Augenblick blieb der Soldat unter lautem Aufschrei stehen und sank sogleich dem Studenten Lütscher in bie Arme. Lütscher rief um Hütfe. ES kamen mehrere Leute herbei, darunter auch der Unteroffizier Schröder. Ich sagte' diesem sogleich, ich sei der Täter und forderte ihn auf, mich auf bie Wache zu begleiten. Wir begaben uns zunächst auf die Polizeiwache. Nachdeiy ich dort zu Protokoll vernommen, wurde ich in das Arrestgebäude im Essener Bezirkskommando gebracht. Es ist richtig, daß ich dem Polizeibeamten und auch dem Unteroffizier Schröder Zigaretten an geboten habe. Bald kam bie 'Nachricht, daß der Soldat gestorben fei. Ich hörte spater, daß es der Einjährig-Freiwillige August Hartmann aus Essen war. Ich kannte ihn aber nicht. Berhandlungsleiter : Hartmann kannte Sie aber und war auch Ihren Brüdern bekannt. A.: Das ist möglich. Hüssener gibt sodann zu, daß er ben Ausdruck brauchte: „Es war meine Pflicht!" Er beantwortet mehrere Fragen über die Lokal Verhältnisse in Essen in der Nähe des Tatortes und erklärt, baß er nicht anders gewußt Aus dem im weiteren Verlaufe der Berhandlunaen verlesenen Sektionsprotokoll geht hervor, daß her Tod infolge des von Hüssener mit dem Dolche geführten Stoßes erfolgt ist und daß keine Anzeichen von einem übermäßigen Alkoholgenussc und Erbrechen vorlicaem Hüssener erklärt auf Befragen, er habe nicht geglaubt, baß der Stich Hartmann habe täten können Er habe ben Fliehenden nur so verletzen ioollen, baß es ihm unmöglich getvesen sei, weiterzulaufen. ES wird bann bie Aussage des KapitäiileutnantS HanS Küsel verlesen, in dessen Kompagnie Hüssener eingestellt war. Hiernach war Hüssener bei den Kameraden wenig beliebt und aIS jähzorniger, unberechenbarer Charakter bekannt. Bezüglich der Behandlung Untergebener und deS Benehmens auf Urlaub, besonders in ben Jnbustriebczirken, sei verschiedentlich instruiert worben. Ob Hüssener diesen Instruktionen beigewohnt habe, sei nicht bestimmt festzustellen. Hüssener ist dies nicht erinnerlich. Auch von der Instruktion betreffend die Behandlung Betrunkener will er nur wissen, daß dieselben mit Vorsicht zu behandeln feien. Zeuge Oberleutnant zur See Weiße hat den Fählv- richen wiederholt in der Instruktionsstunde eingeschärft, nur in den dringendsten Fällen von der Waffe Gebrauch zu machen. Er habe allerdings einmal in der InstruktionS- ftunbe erklärt, in Danzig sei ein Offizier, der in Zivil ausging und von Soldaten und Zivilisten an gerempelt und geschlagen wurde, gezwungen worden, seinen Dienst zu quittieren, da der Täter nicht ermittelt werden konnte. Er, Zeuge, habe dabei gesagt, wenn der Offizier bewaffnet gewesen wäre, dann wäre es feine Pflicht gewesen, von seiner Waffe Gebrauch zu machen. Bei der Vernehmung des folgenden Zeugen, des Fähnrichs Conrad, wird auf Beschluß des Gerichtshofes der Angeklagte aus dem -Sitzungssaal geführt. Zeuge: Der Angeklagte war ein guter Charakter, aber sehr prahlerisch. Aus Antrag des Vertreters der Anklage wird auch der folgende Zeuge Brandes in Abwesenheit deS Angeklagten vernommen. Dieser bekundet, der Angeklagte sei sehr begabt gewesen. Berhandlungsleiter: Ihre Vorgesetzten sind darüber anderer Meinung. (Heiterkeit.) Nach kurzer Beratung beschließt der Gerichtshof, bie Briefe des Angeklagten zu verlesen. In dem Briefe an die Eltern des Erstochenen bittet der Angeklagte um Verzeihung. Er bedauert den traurigen Ausgang, aber seine „harte, harte Soldatenpflicht" habe ibn genötigt, so zu handeln. In einem Briefe an feine Mutter schreibt der Angeklagte u. a.: Gott, der Allmächtige, werde chn nicht verlassen, denn er habe nur jo gehandelt, wie er handeln mußte. Ich werde freimütig vor meine Richter treten und sagen, daß ich nicht anders handeln konnte. Wenn leg doch bestraft werden sollte, muß id) mich in mein Schicksal fügen. Ich werde bann ben Trost unb das frohe Bewußtsein haben, meine Ehre unverletzt erhalten zu haben. Sw ist doch das höchste'Gut, das der Mensch hat. Mir schwebt dabei die Rede des Geistlichen vor, die er beim Tod unseres in Gott ruhenden VaterS gehalten hat. Der Vater hat sein Bestes für feine Ehre und seinen Namen daran gesetzt. Wenn ich meinem guten Vater in allem gefolgt wäre, stünde es heute besser um mich. Wenn ich aber erst wieder in Freiheit sein werde, so werde ich mich bemühen, in die Fußstapfen meines Vaters zu treten. Gott, der bie Güte selbst ist, wird mein gutes Mütterchen nicht verlassen. Tu brauchst Dich, geliebtes Mütterchen, nicht zu grämen. Ich werbe sicher frei- gesprochen. Auf das Gerede der Leute braucht man nichts zu geben. Gott wird alles aufs beste lenken. Der Eesängnisschließer sagte mir, ich habe nichts zu befürchten; ich habe gehandelt, wie ich mußte. Ich vertraue dem Er- löser Jesus Christus. Soeben wird weine Zelle geöffnet und mir das Mittagessen gebracht. ES ist traurig, baß man einen Offiziers-Aspiranten einsperrt, der nur seine P fli ch t getan hat. Weshalb legt man drei Schlösser vor meine Tür? Ich werde nicht fliehen. Ich werde mit vollem Freimut vor meine Richter treten und Freisprechung verlanaen. Sollte ich dennoch verurteilt werden, so hätte ich allerdings den Namen meiner Familie geschändet. Gott der Allmächtige wird uns vor dem bewahren. Das Essen, das ich betomme, ist ganz gut. Meine Mitgefangenen sehen mit Neid darauf. Ich möchte ihnen gern etwas abgeben, aber es ist verboten. Ich werde, wenn ich erst entlassen bin, Nichttaucher unb Abstinenzler werden, soeben höre ich das Klingeln her Straßenbahn. Ich glaube, ein Mädchen sitzt darin, das iich sehr lieb habe, das ich aber leibet nicht heiraten kann. Ich habe dies auch dem Mädchen Stoßen gemacht hat. Et erklärt, daß er den Stich mit einem Exttadolch führte, an dem er die Spitze und beioe Schneiden schärfen ließ. Die Vorschrift über das Schärfen der Dolche sei ihm nicht bekannt. Eine Verabredung, schlecht grüßende Soldaten zu melden, bestand nicht. Kriegsgerichtsrat Tamaschke verliest den von Hüssener auf der Wache fertiggestellten Bericht, der sich im wesentlichen mit Husseners Aussagen deckt, und weift daruuf hin, daß von einer Verpflichtung zum Gebrauch der Waffe nicht die Rede sein könne, sondern nur von einer Berechtigung. Auf Aufforderung Damaschkes gibt Hüssener eine ausführliche Darstellung des Sachver Halts. Gelegentlich der Silberhochzeit seiner Ettern trank mittelgroßer, schlanker, hübscher Mann. Sein Gesichtsausdruck ist sehr ernst. Auf Befragen des Derhandlungsleiters gibt der Angeklagte Auskunft über seine Personalien. Er fei nur einmal wegen Unordnung in seinen Sachen^ mit Quartierarrest bestraft worden und einmal mit drei Tagen Mitteiarrest, weil er einen Kameraden in seiner Wohnung nächtigen ließ. Sonst habe er keine Disziplin ar- oder sonstige ©trafen erlitten. Er bekennt sich nichtschuldig. Bcrhand' hin geleitet Marinckriegsgerichtsrat Tamaschkc: Sie sind angeklagt der vorsätzlichen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang. Der Gerichtshof könnte auch wegen Totschlags erkennen. Richten Sie Ihre Verteidigung danach ein. Zunächst erzählen Sie einmal, welche Vorbildung Sie genossen haben. Angeklagter: Zch wurde anfänglich durch einen Privatlehrer vorbereitet unb besuchte bann die Realschule in Gelsenkirchen. Nach einem halben Jahr wurde ich längere Zeit krank ünd mußte deshalb die Schule verlassen. Nachdem tzchs genesen war, erhielt ich wieder Privatunterricht. Inzwischen waren meine Eltern von Gelsenkirchen nach Essen verzogen und ich besuchte 'das Realgymnasium in Essen bis zur Obersekunda. Dann trat ich in daS See- kadettenkorps ein. Verhandlungsleiter: Sßr Prüfungs atteft lautet: „Führung gut, stark affektiert, wenig wählerisch in seinem Privatverkehr, sehr aufgeregt. Wenn er diese Fehler ablegt, dann dürfte er sich zum Seeoffizier eignen." Ein weiteres Zeugnis lautet: „Führung gut, wenigbegabt, ist sehr aufgeregt im Wesen, eign el sich wenig zum Vorgesetzten." Durch Ihre Aschnrger am Büffet ein Fräulein Höfner war, die zu Hüssener, wie mir gesagt wurde, Beziehungen hatte. Es toiio behauptet, daß Hüssener gesehen habe, wie wir mit dem Weibe gesprochen haben inu> daß ihn das erregt habe. Verteidiger R.-A. Stobbe: Ist es richtig, daß Sie dem Hüssener Rache geschworen haben, daß Sre Ihren Freund Hartmann rächen wollten? Zeuge: Ich fürchte, daß in den Worten eine Bedrohung liegen könnte und verweigere meine Aussage. Angekl.: Ich habe keinerlei Beziehung zu dem Mädchen gehabt. Ich kenne sie gar nicht. Der Zeuge gibt zu, den Hüssener einen Mörder genannt zu baden. Staatsanwalt de Bary: Haben Sie mir nidjt gesagt, Sie könnten 30 bis 40 Glas Bier vertragen, ohne betrunlen zu sein? Zeuge: Jawohl, es käme ja aufein Pröbchen an. (Heiterkeit.) Verhandlungsleiter: Ich möchte den Zeugen darauf aufmerksam machen, daß das Gericht einen Zeugen wegen ungebührlichen Betragens in Ordnungssttafe nehmen kann. Tie Bemerkung war durchaus ungehörig. Glauben Sie, daß Hüssener Sie kannte? Zeuge: Er hat selbst Lu mir gesagt, daß er mit mir so manches Glas B-ier getrunken habe. Zeuge Kaufmann Weinberg kam bei dem Vorfall gerade vorbei, er hörte die Worte: ,Hch gebe Ihnen dienstlich den Befehl, zur Wache zu kommen. Hartmann habe Hüssener die Hand reichen wollen. Verhandlungsleiter: Welchen Eindruck machte das auf Sie? Zeuge: Einen freundschaftlichen, als ob die Beiden sich kannten. Der Zeuge glaubt, daß Hüssener, als Hartmann sich losriß, einen Stoß erhalten habe. Zeuge Lassenbeamter Schröder erscheint als Unteroffizier der Reserve. Er sagt aus: Als ich herzukam, war die Tat schon geschehen. Ich sagte: Wenn Hartmann Widerstand geleistet hätte, hatten einige Ohrfeigen genügt. Hüssener erwiderte: Dann hätte ich mich einer Soloatenmißhandlung schuldig gemacht. Hüssener gab mir eine Zigarette, ich glaube aber nicht, daß Hüssener selbst rauchte. Die Zeugin Frau Weißmann war auch bei dem Vorfall. Sie hat nicht den Eindruck gewonnen, daß Hartmann sehr betrunken war. Tie Zeugen Polizeisergeant Haschke und Wachtmeister Kuhnert, die den Angeklagten festgenommen und zur Wache geführt haben, sagen aus, daß Hüssener feine Tat damit gerechtfertigt habe, daß er seine Stanöesehre habe wahren müssen. Zeuge Rowecker, Geschäftsführer der Aschingerschen Bierguelle in Essen: An dem betreffenden Tage kam gegen 11 Uhr abends ein Kanonier und ein Unteroffizier ms Lokal, die mit dem Kellner Streit bekamen und schimpften. Ich sagte zu dem Unteroffizier: Sie sind hier nicket aus dem Exerzierplatz^ ich werde zur Wache schicken. Sie gingen nun weg, kamen aber bald wieder und verlangten Bier, was Ihnen verweigert wurde. — Staatsanw.: Haben Sie Hüssener an dem Abend in der Nähe des Lokals gesehen? — Zeuge: Nein. — Zeuge Sergeant Bonsafer: Um Weihnachten begegnete mir in Essen Hüssener in Begleitung einer Zivilperson. Ich ging vorbei. Ta drehte er sich um und sagte: Na, wollen Sie keine Ehrenbezeugung machen. Ich sagte, daß ich Sergeant vom Bezirkskommando fei, Hüssener sagte: Pardon, bitte um Entschuldigung ! — Musketier Rowecker: Im November ging ich an dem Angeklagten am Burgplatz in Essen vorüber, ohne chn zu grüßen, well icy ihn nicht gesehen hatte. Er stellte mich und sagte: Na, wirds bald! Zigarre aus der Schnauze! Wie heißen Sie? Er tat, als ob er mich aufschreiben wollte. Er ließ mich aber dann gehen. Angekl.: Ich habe nie jemand aufgeschrieben. — Musketier Woll- ner wurde am Charfreitag angehalten und gefragt, ob er die Marineuniform nicht kenne, was er verneint habe. Tarauf habe der Fähnrich gesagt, er solle mal ordentlich grüßen — Musketter Sienzle wurde vom Angeklagten auf der Straße gestellt: Na, keine Lust zum grüßen? — Eine Schlächtermeistersfrau Alfejohann sagte aus, in ihrem Geschäftslokal habe sie beobachtet, wie Hüssener einen Soldaten stellte. Er fuhr ihn an: Stehen Sie stramm, Sie Esel! Als der Soldat sich nicht gleich stramm stellte, sagte er: Stehen Sie gerade, sonst trete ich Ihnen vor den Bauch, daß Ihnen die Gedärme hinten hinauskommen! Als der Soldat Folge geleistet hatte, sagte Hüssener: Ich werde es dem Regiment melden, und schrieb den Namen in ein kleines Notizbuch. — Angell.: Ich habe niemals einem Soldaten gegenüber solche Ausdrücke gebraucht. — Leutn z. S. Weiße bestätigt, oaß solche Meldungen nicht erstattet seien. Er hat zwei Meldungen erftattet, und davon ist einmal ein Mann bestraft worden Tas Gericht beschließt, von der Vernehmung des Redakteurs Reißmann abzusehen, da die von dem Zeugen zu bekundenden Tatsachen unerheblich seien. Auf Befragen des Verteidigers giebt Zeuge Lutscher die Möglichkeit zu, gesagt zu haben, es könne hunderttausend Taler kosten, und der ganze Berliner Hof draufgehen, aber die Sache gegen Hüssener müsse in gewünschtem Sinne ausgehen. Staatsanwalt, Dtarinekriegsgerichtsrat de Bary, nimmt das Wort zur Vertretung der Anklage. Er hält den Beweis für die Schuldfrage erbracht. Wäre Hartmann sinnlos betrunlen gewesen, so hätte sich dieser doppelt strafbar gemack)t, denn es bestehe eine sehr vernünftige Instruktion, daß man nicht in dieser Weise gegen Betrunkene einschreiten dürfe. Es soll die Aüöglichlett vermieden werden, daß ein Vctruntener Widerstand leistet und sich schwer vergeht. Durch Katz und Weinberg sei erwiesen, oaß Hartmann keine Tätlichkellen verübt habe. Ter Angeklagte sei überhaupt erst merkwürdig spät mit der Behauptung yervorgetreten, daß er angegriffen worden sei. Rechllich sei es also Körper ve r l etzun g eines Untergebenen mit tödlichem Ausgange. Formell war der Angeklagte als Vorgesetzter zum Anhalten berechtigt, aber nicht zur Arretierung und auch nicht zum Waffen gebrauch. Auf alle Fälle war keine Abwehr eines Angriffs vorhanden, denn die Tat wurde verübt, als Hartmann auf der Flucht war. Wie bei den anderen Feststellungen, ist auch hier nur Prahlerei und persönliche Eitelkeit anzunehmen. Tie Be- trafung hat nach § 123 Abs. 3 zu erfolgen. Derselbe stellt ne Strafe auf 3—15 Jahre Zuchthaus fest, in minder chweren Fällen Gefängnis nicht unter 3 Jahren. Bon einem minder schweren Falle könne keine Rede fein. ES gebe wohl noch schwerere Fälle von Mißhandlungen, aber dieser Hall streife hart an Totschlag. Bei der Art und Gefährlich kett der Waffe mußte der Angeklagte sich überlegen, wie leicht der Tod emtreten konnte. Es muß oeshalb die Strenge des Gesetzes ein treten. Andererseits ist zu berücksichtigen, daß der Angeklagte cut junger, unreifer Mensch ist, wie seine kläglichen Briefe beweisen. Auffallend falfdje Begriffe, die er cingesogen, mögen die Veranlassung zu biejer Handlung gewesen fein. Mit Berück- Hichtigung aller dieser erschwerenden und nnlDemben Umstände beantragt der Staatsanwalt 6 Jahre Zuchthaus und Ausstoßung aus der Manne. Ter Verteidiger R.-A. Stobbe bittet von der Schwere des Erfolges der Tat bei der Beurteilung der Tat selbst zu abstrahieren. Ter Angeklagte hat zweifellos Hartmann nicht töten wollen und auch an die Möglichkeit nicht gedacht. Ter Reichstag habe sich infolge Interpellation eines Zentrumsabgcordneten mit dem Falle beschäftigt. Er nehme nicht Anstand, zu erklären, daß es von dem Staatssekretär des Reichsmarineamts vorsichtiger gewesen wäre, die Beantwortung vorläufig abzulehnen, bis der Urteilsspruch gefallen sei. Weiter bittet der Verteidiger, den Angeklagten für einen anständigen Menschen ru halten, der auch bei diesem schweren Fall nicht von der Wahrheit abweicht. Wir haben es, wenn auch unbeabsichtigt, mit beeinflußten Zeugen zu tun und müssen besonders die Aussagen des Zeugen Lütscher unter die Lupe nehmen. Nach einem reichsgerichllichen Erknntnis ist es nötig, daß der Nachweis erbracht wird, daß der Angeklagte die Instruktion gekannt bat, well ihm sonst der Dolus nicht nachgewiesen werden kann. Es fragt sich, ob der Angeklagte sich zu dem Vorgehen berechtigt hielt. Wird das bejaht, sv müsse man wegen des mangelnden subjektiven Verschuldens zu einer Freisprechung kommen. Er sei überzeugt, wenn Hartmann nicht getötet, sondern leicht verletzt worden wäre, wäre er wohl kaum unter Anklage wegen Mißhandlung gestellt worden, wenn er Hartmann hätte laufen lassen, dann wäre ihm feilend der Vorgesetzten der Vorwurf nicht schneidigen Vorgehens gemacht worden. Wenn Sie ihn bestrafen, so bestrafen Sie ihn zu Unrecht. Bestrafen Sie ihn wegen unrechtmäßiger Behandlung eines Untergebenen, aber nicht wegen bewußt rechtswidriger Körperverletzung. Daher beantrage ich in der Hauptsache Freisprechung und bitte, gegebenenfalls den Angeklagten nur wegen disziplinwidriger Behandlung eines Trunkenen zu bestrafen. Auf alle Fälle bitte ich um Anrechnung der Untersuchungshaft. Ter Kriegsgerichtshof verurteilte den Angeklagten Hüssener wegen körperlicher Mißhandlung eines Untergebenen mit tötlich em Ausgang unter Annahme eines minder schweren Falles zu einer Gefängnisstrafe von 4 Jahren und Te- grabation. Wegen Ungehorsams gegen einen Dienst- befehl wurde auf 14 Tage Gefängnis erkannt. Beide Strafen wurden auf 4 Jahre und eine Woche zusammenge- zogeu. Tie Woche Gefängnis wird durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet. Ter Angeklagte behält sich die Erklärung, ob er die Strafe antrUt oder Berufung einlegt, vor. Aus Stadt und Sand. Gießen, am 28. Mai 1903. ** Postalisches. Das britische Schutzgebiet Somaliland tritt vom 1. Juni ab dem Weltpostverein bei. Der Briefverkehr mit diesem Gebiete regelt sich von dem genannten Zeitpunkte ab nach den Bestimmungen des Vereinsdienstes. L Fried berg, 26. Mai. Die Gründung einer hö Heren Töchterschule wird voraussichtlich erst im nächsten Frühjahr vollzogen. Fast alle hiesigen Einwohner stehen der Sache sympathisch gegenüber. Da vorläufig kein geeignetes Lokal zur Verfügung steht, so vellautet, daß baS Wernersche Gebäude, in dem bereits früher ein Institut untergebracht war, in Aussicht genommen sei.— Die Mathild en-Stiftung Friedberg-Butzbach wirb vom 1. Juli ab den Zinsfuß für Darlehen auf Hypotheken auf 4 pEt., für Spareinlagen auf 3 Vs pCt. festsetzen. — In Heldenbergen fand am Sonntag die feierliche Grundsteinlegung des Kriegerdenkmals statt; das Fest der Einweihung und Enthüllung soll am 4., 5. und 6. Juli abgehalten werden. () Ermenrod, 25. Mar Bei einem Gewitter, das vorgestern nachmittag einer Temperatur von 20 Grad Reau- mur im Schatten folgte, schlug d e r B l i tz in die Nähe des „Eisenmannsberg"-Waldes in die Telephonleitung, die Ermenrod mit Ruppertenrod verbindet. Ter Blitz zerschmetterte zwei Stangen so gänzlich, daß die Splitter in weitem Kreise wie Strohhalme umherlagen, Trei andere Stangen wurden ebenfalls beschädigt und ungefähr 200 Dieter Draht unbrauchbar gemacht. § Mücke, 26. Mai. Gegenwärttg ist man auf unserem Bahnhofe mit der Errichtung eines eisernen Hochst eg es beschäftigt. Dieser führt vom Bahnhofe aus über Den Bahnkörper in nächster Nahe der Baiftschen Wirtschaft zur Sttaße von Merlau. Turch die Erbauung dieses Steges wird einem längst gefühlten Bedürfnis abgeholfen, das jetzt umso dringender ward, als der seitherige Fußpfad Zwischen Merlau und hier durch die neue Bahnlinie Mücke- Laubach in Wegfall kommt. Tie Erbauung der neuen Bahn macht rüstig Fortschritte, bereits liegt das Gleise bis Freienseen. Eine Fertigstellung der Bahn ist mllhin sicher in Diesem Sommer zu erwarten. §§ Aus dem Seentale, 26. Dlai. Tie Cbft* baumblüte hat nicht den Schaden genommen, den man für sie nach der Wetterlage befürchtet. Sie hat durch ihre Verspätung sehr rasch abgeblüht und jedenfalls durch das gleichzellige Erscheinen der Blätter genügend Schutz gefunden. Durch diese gleichzellige Blüte- und Vlattentroid» iung war der diesjährigen Baumblüte ihre sonstige Pracht verloren gegangen. In voller Schönheit blühen dagegen die Apfelbäume, aber gleichfalls wieder sehr rasch ab. Ta das schöne Wetter den Bienen guten Ausflug ermöglichte, so sind die ursächlichen Bedingungen einer guten Apsel- emte in der Tat vorhanden. § Grebenhain, 26. Mai. Gestern Abend wurde auf den Postillon der Abendpost Gedern—Grebenhain am sog. .Weidheckenteich, zwei Mal scharf geschossen, ohne den Mann zu verletzen. Wahrscheinlich hatte der Täter noch Mithelfer und einen Raubanfall geplant. Sofortige telephonische Nachricht ging nach Grebenhain und Gedern. Die Gendarmerie nahm eine Person fest; ob dies der Täter ist, konnte noch nicht festgestellt werden. e. La uterba ch, 26. Mai. Die Stadt erbaut ein neues Armenhaus; die Rohbauarbeiten belaufen sich auf 13 500 Mark. — Das hiesige Stationsgebäude erhält z. Zt. emen Erweiterungsanbau, der einen Wattesaal und em RestaurationSziNimer enthalten soll. Die Vergrößerung ist infolge des seit Eröffnung der neuen Strecke Lauterbach- Grebenham stets zunehmenden Verkehrs erforderlich geworden. — Die Gemeinde Pfordt erbaut ein neues Schulhaus, dessen Kosten sich auf ca. 35 000 DU. belaufen werben. f. Ehringshausen bei Alsfeld, 26. Mai. Unser Lehrer Hünergarth feiert morgen hier im Kreise seiner Kollegen, Freunde und Bekannten fern 5 0 jährig eS Dienst- jubiläum. Bereits am 4. April waren es 50 Jahre, daß Herr Hüneraarch in den Schuldienst trat. Er wirkte zuerst im Kreise Schotten, darnach 18 Jahre m Zeilbach, später in Heidelbach und wohnt jetzt fast 25 Jahre in unserem Otte. Er besuchte bis Frühjahr 1853 das Lehrerseminar Friedberg. Ter Jubilar erfreut sich noch der besten körperlichen und geistigen Frische und gedenkt noch einige Jahre im Dienste der Schule zu wirken. () Aus dem Vogelsberg, 26. Mai. Im Frankfurter „G. A." wurde dieser Tage berichtet. Der diesjährige Flieder habe keinen Duft, was wohl eine Folge der vorausgegangenen naßkalten Witterung sei. Für unsere Gegenden trifft diese Erscheinung nicht zu (in Gießen auch nicht). Der Flieder, Der zurzeit hier in voller Blütenpracht steht, hat seinen Duft wie immer. Nur verkürzen Die heißen Tage die Blütezeit der geschätzten „Bäumchesblume" allzusehr. lt. B. Darmstadt, 26. Mai. Se. königl. Hoheit der Groß Herzog gab heute nachmittag von 4 Uhr ab im Garten des neuen Palais ein großes Gartenfest, zu welchem über hundert Familien aus der hiesigen Gesellschaft geladen waren; sehr zahlreich war auch die Schar der in schmucken Hellen Sommerkleidchen erschienen Mädchen und Knaben. Als in dem prächtigen Gatten am neuen Palais die Geladenen versammelt waren, erschien der Großherzog mit Prinzessin Elisabeth an der Hand, der sich die Gräfl. Erbach-Schönberg- 'schen Kinder und die fürstlichen Damen anschlossen. Nach kurzer Begrüßung durch den Großherzog begab sich die Feft- gesellschast nach dem Hinteren Teil des Gattens, wo die Kapellen des 1. Großh. Hess. Jnf.-RegtS Nr. 115 und des 23. Drag.-Regts. konzcrtietten. Zur Belustigung für die Kinder wurden allerlei Spiele arrangiert. Mainz, 25. Mai. Zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau eines Justizgebäudes mit Drovin- zialarresthaus in Mainz wird seitens des Großh. Hess. Ministeriums der Justiz em Wettbewerb unter Architekten, die in Deutschland ansässig sind, ausgeschrieben. Für die besten Lösungen Der Aufgabe werden ausgesetzt: ein erster Preis von 5000 Mk., ein zweiter Preis von 4000 Mk., zwei Dritte Preise von je 2500 Mk. Ter Ankauf von roeiteren Entwürfen zum 5ktrage von je 1000 Mk. bleibt Vorbehalten. Das Preisgericht setzt sich aus 11 Herren zusammen. 8. Wetzlar, 26. Mai. Der Obst- und Gattenbau- oecein des Kreises hat in seiner letzten Generalversammlung für diesen Herbst einen Obstmarkt vorgesehen. Ein solcher Obstmarkt hat den Zweck, den Verkehr zwischen dem Odst- züchter und dem Obsckäufer zu erleichtern, um dem Odst- züchter für gutes Obst gute Preise zu sichern. Der Vettauf soll in der Weise geschehen, daß der Obstzüchter das zu verkaufende Obst an einem bestimmten Tage im Marktlokale auf stellt, woselbst der Käufer sich von der Qualität der Ware überzeugen und danach kaufen kann. Für die Einrichtung dieses Obstmarktes wurde bereits eine Kommission gewählt, bestehend aus Winterschuldirektor Eouttin, Lehrer Oster und Kreisobstbaulehrer Kilb. Unioersitats Nachrichten. Paris, 26. Mai. Der a.-o. Pros, der meb. Fakultät der Universität Toulouse, Barber, wurde vom UnterrichtSminister beauftragt, die Einrichtungen des medizinischen Unterrichtswesens an deutschen Universitäten, besonders aus dem Gebiete der Hals-. Nasen- und Ohrenkrankheiten zu studieren. Landwirtschaft. — Saaten st and des Deutschen Reiches um M i t t e Di a i. (Eingeklammerte Zahlen bedeuten Mitte April 1908.) Winterweizen 2,9 (3,2), Sommerweizen 2,4 (—), Winterspelz 2,4 (2,5), Winterroggen 2,8 (2,9), Sommerroggen 2,3, Sommergerste 2,3, Hafer 2,4, Klee 2,5 (2,5), Luzerne 2,6 ,2,6 , Wiesen 2,2 (2,5). Wegen der Auswinterung usw. ungepstiigte Fläche m Prozenten der Anbaufläche: Winterweizen 17,4 (13,9), Wmterfpelz 3,1 (2,6), Wlnterroggen 3,2 (2,2), Klee 3.4 (2,2), Luzerne 4,0 (2,7). In der ersten HätUe der abgelaufenen Berichtsperiode war die Witterung in gaiu Deutschland für die Vegetation ungünstig. Sie hinderte das Wachstum der Winterung, verzögerte die Einbringung der Frühjahrssaaten und rief vielfach Verkehrsstockungen hervor. Tie im vorigen Monat ziemlich verbreitete Mäuseplaye verschwand m- folge der naßkalten Witterung, dagegen wird mehrfach über häufiges Auftreten von Trahtwürmern, Maden usw. berichtet. Die fruchtbare Witterung im Mai verbesserte im Allgemeinen etwas den Stand der Wintersaaten, namentlich den des Weizeris. Sommersaaten wurden infolge der naßkalten Witterung im April meist verspätet zur Erde gebracht. Tie Frühjahrssaaten sind soweit auf- gegangen, entwickeln sich befttedigend und zeigen meist einen guten stand. Die Aussaat von Kartoffeln hat sich überall sehr verspätet. Klee zeigt nur teilweise guten Stand. Luzerne, deren Stand auch ,m allgemeinen befriedigt, machte nur geringe Fortschritte. Wiesen zeigen guten Graswuchs. Sport. M a i n 25. Mai. Vorgestern abend hielt der Ruderverein im Saal der Liedertafel eine Festfeier zum 25jähr. Bestehen des Vereins ab. 18 Delegationen auswärtiger Ruderoereine waren erschienen, die Glückwünsche und Geschenke darbrachten; aus Frankfurt Delegierte der Germania, des Frankfurter RudervereinS und der Rudergesellfchast Sachsenhausen. Schmutzige Küchenwäsche reinigt nichts bcfier und leichter als Gwth's Teigjen'e. Mit derselben gekocht, ist der Schmutz wie loeggeflogen. Kein Chlor. Anwendung nach Gebrauchsanweisung. Preis per Pfundpacket 20 Pfg. Alleiniger Fabrikant I. Gioth, Hanau a. M. 3735 Hengwtenberg’s Weinessig erhalten Sie bei den einschlägigen Geschäften, die auf gute Ware sehen. 4286 Lebcnoversichcruug. Die Allgemeine Versorg- ungs-Anstalt — Karlsruher Lebensversicherung — l)atte nach den vorläufigen TUttciluugcn im Jahre 1902 wieder sehr erfreuliche Ergebnisie. 9keu abgeschlossei» wurden 7140 Versicherungen über 32 640 000 Alk., dieser Aenzugang ist der höchste, den die Anstalt bisher in einem Jahre erzielt bat. Ter reine Zuwachs betrug 4080 Versicherungen über 19 540 00O Mk. Auf Ende 1902 ergiebt sich ein Versicherungsbestand von 116 660 Versicherungen über 495 680 000 Mk. Durch Ableben von 1061 Personen wurden im Jahre 19v2 4 940 000 Mk. fällig. Diese Sterblichkeit blieb um rund 34 pEt. hinter der Erwartung zurück, jo daß dem Jahresnberfchusse wieder cm großer Sterblichkeitsgewinn zufließt. 4163 Couverts mit Firma s Srüdl'scke Unmerfitäts=Druderci. Sieben. für die Anden in Kijchinerv! unb reblidic Bevölkerunasklasse acäracht. An 50 Personen sind hingemordet, viele Familien sind ihres Ernährers beraubt, erschreckend groß ist die Zahl der schwer oder leichter Verwundeten, tausende von Menschen sind durch die Plünderung besttz- und obdachlos geworden, und geraume Zeit wird vergehen, bis die schweren Wunden geheilt und gemcdnete^wirtschaft i)u Verbältnisse wieder hergestcllt sein werden. Aus eigener Kraft aber sind die schwer Heimgesuchten nicht imstande, alsbald wieder in ein geordnetes Erwerbsleben einzutreten. Es ist daher ein Rettungswerk m die Wege geleitet, an dem sich überall edle Menschen ohne Unterschied der Nationalität und des Religionsbekenutnisses beteiligen. Wir richten daher auch an unsere Mitbürger die ergebene Bitte, dieses Werk wahrer Menschenliebe durch gefall g Beiträge unterstützen zu wollen. — Zur Empfangnahme find bereit: 3-ÄF' N.Stamm, sowie die Expedition dieser Zeitung._________________ . Neu eröffnet! Neu eröffnet! . 6,62 fm, Warenhaus 2,20 A. Goldschmidt Giessen Schulstrasse 3 Schulstrasse 3 Bis Pfingsten! Ter Vorstand. 4179 Neu eröffnet! Neu eröffnet! 4287 per Saison 3 Mark. Knnf-Gesnchc Bit verkaufen In vexmreien melier und 10 bi5 14 m Länge . . . 26 Derbstangen von 8 bi« 11 em Mittendurch, messer und 9 bi« 14 m Länge' Morgen, Donnerstag, den 28. ®lat, finden, wie an- zekündlgl, die Wahlen zu den ttirchcngcmcindever- tretuugcn der vier evangelischen Gemeinden statt. Die Wähler sind eingeladen, chre Stimme zwischen 12 und 2 Uhr nachmittags abzugeben, und zwar die der Matthäus- und MarkuSgemeinde im Gemeindehaus, Kicchstraße 9, die der LukaSgemeinde im Konfirmandensaal, die der Johannesgemeinde in der Vorhalle der Johanneskirche.4298 Sa.: 55 Stück ----- 8,82 trn. Gebote hierauf find schriftlich oder mündlich bei dem Forstgartenaufseher Heinrich Dünner im Forstgarten abzugeben. Gießen, den 26. Mai 1903. 4294 Vroßh. Direktion des akademischen ForsttnstitutS: Dr. Heß. sLlegautcr Straßenrenncr 12/ sBrennabor) ein Zweisitzer für Herren (Cito) preiswert zu verkaufen [02576) tMausburg^. Holzverkauf. Im akademischen Forstgarten liegen folgende Nutzfiämme und -Stangen (Achten) zum Verkaufe: 30 Stämme von 11 bi8 21 cm Mittendurch- Bei Einkäufen von 1 Mk. an eine pustende Zugabe Bitte gefl. meine Schaufenster zu beachten I I>as Geschäft ist bis abends IO Uhr geöffnet zum Schlachten werden stets angekauft. (1790 ke-wler, Pferdemctzger. (OdülirflHlirnlioflit (öiffjcn. General-Versammlung Mittwoch, den 3. Funi 1903, abends 9 Uhr im H'ostkeüer. TageS-Ordnung: L Rechnungsablage und Bericht der PrüfungSkommisfion, 2. Beruht von dem Krankenkafienkongreß zu Berlin. kleine Mojjcln zum Füttern abzugeben [02586 Lndwigftraße 31. f£in gebrauchter Nasicnschrank V/ sowie eine alle Uontor-Ein» richtung zu kaufen gesucht. Cff. unter 02578 an die Exp. d. 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Offene Stellen Verschiedenes Für die Beweise herzlicher Teilnahme bei unserem schweren Verluste sagen wir innigen Ztellen-Gelnche Giessen, den 27. Mai 1903 der mindestens einen Teil von Cbcrbcneu für eine Kolonial» warenhandluug bereut haben muß. Cfferten mit Gehal^an sprächen und Zeugnisabschriften unter C. 155 F. .H. an Xu= dolf Moffe, Mannheim. Agathe Jaeger, geb. Lauer. Emilie Raab, geb. Lauer. Ludwig Lauer, stud. iur< Eduard Jaeger, Zahnarzt. Ludwig Raab, Rechtsanwalt. 4280 Eine Kaffeegroßhandlung mit eigener Röfteret sucht einen jüngeren 4262 ill.fr. Sei-»1.9 U.M.I. [4297] Danksagung Für die Beweise herzlicher Anteilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben 8426] 2 ineinandergeh^ möbL Zimmer zu verm. Goethestr. 54. Srllves, tiichtW NüSchcu nur für Hausarbeit, sofort gesucht. Krau Ernat Bloedner. 3920] Blockstraße 2. Reisender. Züng. Reisender zum Besuch von Ladengeschäften und Wirten von einer Zigarreusabrtt zum bald. Emtrm ges. 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