Nr. Ä78 PrjHetu« täglich außer Sonntags. Dem (Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Giehcner Kamillen- blätter oiermal tn der Woche betgelegt tRoiottoußbrud u. Ser- tag bei Brüh l'schen Unrverl.-Buch- u.6tein- drucke re» (Pietsch Erden) WeOattton, «Srptötttoa und Druckeretr Gchulstratze 1. Bldrelsr tüt Depelcheru Mnzetger Gieße«. 6rrmlDred)aitld)lu6 Nr 5L > :»j8, k Zweites Blatt« ISS. Jahrgang General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Donnerstag 26. November 1908 _ BezngSprero. E) monatlich 7b Pi., oterret- ährlich Mk. LL0' durch Äbhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pi., durch bie Post Mk. 2.— viertel- jähvL auSschl. BeNellg. Annahme oon Anzelgen für öle Lagesnununer bis oonntUagfl 10 Uhr. Zeilen preis total auStvünfl 80 tilg. tf3« v*al »e cl lt<£ tüx den v*>tit und atigern» Teil P Witiko für ,Ltadi und tanö' und lAerichtSsaal" August Götz, tüt Öen An- $etqentetl: £)an« Beck. Ile heutige Dummer umfaßt 8 Seiteu. H»om ueuen Ieichstag. D. B. Hd. meldet aus Berlin: Tas Präsidium des neuen Reichstages wird, wie bestimmt angenommen wird, weiter in den Händen des Grafen Balle str em bleiben. Für den Posten deserstenVizepräsidenten dürfte Graf Udo Stolberg-Wernigerode, als zweiter Vizepräsident von den Nativnalliberalen ein Ersatzmann für Büsina, der dem Reichstage fernbleibt, präsentiert werden, falls nicht die Sozialdemokraten als die zweitstärkste Partei Anspruch auf die Mitbesetzung des Präsidiums erheben. Wichtiger aber als die Personalsragen dünkt uns die parlamentarische Bescherung- die den Grafen Bülow beim Zusammentritt des Reichstags erwartet. In der langen parlamentsreieu Zeit hat sich soviel ereignet und nicht ereignet, daß das Fragebedürsnis der Volksvertretung zweifellos bedeutend sein wird. Ms Haupt- und Staatsaktion wird vieljach das Anliegen des I e s u i t e n a n t r a gs dargestellt, mit dem das Zentrum angeblich unverzüglich beim Reichskanzler vorstellig zu werden gedenkt. Es heißt, Graf Bülow sei andauernd bemüht, für die Aushebung des § 2 des Jesuitengesetzes eine Mehrheit im Bundesrat zu erlangen, und zwar jetzt insofern mit größerer Zuversicht aus Erfolg, als die Machtstellung des Zentrums durch die Besserung seiner Beziehungen zu den Konservativen-gestärkt erscheine. Tas trifft wohl mehr zu auf Preußen, als auf das Reich, und gerade in der Jesuitenfrage versagt ein beträchtlicher Teil der Konservativen dem Zentrum die Gefolgschaft. Wenn aber Graf Bülow in der Tat die widerstrebenden Bundesregierungen zu bekehren sich bemüht, so erwirbt er sich dadurch Anspruch auf den Dank des Zentrums und kann der Interpellation im Parlainent mit Gelassenheit entaegensehen. Doch die ausschlaggebende Partei denkt garnicht daran, den leitenden Staatsmann mit dem Jesuilenantrage zu überfallen. Ein führerrdes Mitglied der Partei versichert, daß man es mit der betreffenden Interpellation keineswegs eilig habe. Graf Bülow habe nach Meinung der Zentrumspolitiker bisher in dieser Sache nichts erreicht; es erübrige sich also, oie neue parlamentarische Kampagne mit einem Akte der Unfreundlichkeit gegen den Kanzler einzuleiten. Solche zarte Rücksichtnahme mag den Grasen Bülow immerhin erfreuen, in der Sache selbst aber wird sie ohne Einfluß bleiben, nämlich aus die widerstrebenden Einzelregiernngen. Und wenn das Zentrum die Jesuitenanfrage bis ans Ende der nächsten Tagung verschieben sollte, es würde keine andere Antwort vom Regierungstisch aus erhalten. Die Mehrheit -der Einzelregierungen will eben nicht vor der MachtstelltFeuilleton. Meister der Gegenwart. Im 14. Hefte der wundervollen Sammlung „Hundert Meister der Gegenwart, das fünf charakteristische Werke Wienerischer Kunst enthält (Vertag von E. A. Seemann in Leipzig) marschiert an der Spitze der jetzt 92jährige Rudolf v. Alt, der mit „der zittrigsten aller Hände noch Bilder malt", und von dem eine Figurenstudie aus dem Jahre 1843 in vortrefflicher Weise wiedergegeben ist. R. v. Alt ist der Maler des Wiener Stefansturrns; zum erstenmal porträtierte er diesen Altwiener im Todesjahre Goethes, 1832, als Zwanzigjähriger. Seitdem hat er ihn wohl hundert- und mehrmal abgebildet. Daß die Farbenpracht der Malerei seit M a r t a r t s Tagen in Wien nicht erloschen -ist, ja daß sie der Dämpfungen, die Makart, der mit seiner „Falkenjägerin" in mesem Hefte vertreten ist, aus der Pilotyschule mitbrachte, entraten kann, zeigen uns zwei andere koloristische Kunststücke der Wiener Sezession; eine im Zwielicht gemalte gedeckte Abendtafel von Karl Moll (Original in der Dresdener Gemäldegalerie) und ein Bild vom Wiener Fasching von Josef Engelhart. Und daß das Skizzenhafte nicht ein Charakteristikum der modernen Malerei ist, lehrt die Nachbildung der „Eismänner" von Karl Mediz, dessen Werk kürzlich der Wiener Modernen Galerie einverleibt worden ist. Mediz ist ein Meister der Detailausführung; die Härchen des Filzes, die Maschen eines Strumpfes, die Risse der Baumrinde malt er mit der größten Peinlichkeit. Welche Gegensätze bei der modernen Malerei zutage treten, zeigen die uns vorliegenden Heste 11—13 der oben erwähnten Publikation, die u. a. Stuttgarter, Münchener, Düsseldor- ier und Worpsweder Malerei vorfuhrt. Hier werden die verschiedensten Töne angeschlagen; .Landschaften, Figurenbilder, Seebilder von dLord und Süd, Frühling, Sommer, Herbst und Winter, Alter und Jugend, wechselt in bunter Fülle. Das schönste Heft ist das der Stuttgarter (11), die uns Lichtwirkungen von seltsamer Schön- L/eit zeigen. Das Werk, welches jetzt schon 70 Proben moderner Malerei darbietet, zeigt sich so reich und viel- qestaltig, daß es fast eine ganze Kunstausstellung ^u überbieten vermag Und dies alles, in echter Farbenerscheinung der Originale, für den Preis von 2 Nik. das Heft,, in einer Qualität, die kaum zu überbieten fein ^v-ird. Friedrich Spielhagen, Romane — Neue Folge. Wohlfeile Lieferungsausgabe in äO Heften ä 35 Psg. (Verlag Aon L. Staaämann in Leipzig.) Die Lieferungen 23 bis 30, »eiche uns vorliegen, bringen den Schluß des vromai.s n p f e r", sowie die vollständige Novelle „F a u st u l u s", 57Auslage, und den größeren Teil der 9kovelle „Herrin", ä. Auflaae. — Herrenmoral ist das Leitmotiv der Novelle img des Zentrums in diesem Falle die Flagge streichen. So liegen in der Tat die Dinge, und es ist anzunehmen, daß das Zentrum hierüber genau so unterrichtet ist wie Graf Bülow. Volitische Tagesschau. Eisenbahneiunahmen. Die Einnahmen der preußischen Staatseisenbähnen haben im Oktober d. I. eine Höhe erreicht, wie sie Veit mehreren Jahren in keinem Man ar festgestellt ist, unb der Ueberschuß im Vergleich zum entsprea)enden Monat des Vorjahres war um nahezu8Millionen Mark ganz beispiellos. Aus dem Personen- und Gepäckverkehr wurden 34 816 000 Mark vereinnahmt gegen 32674 000 Mark im Oktober 1902, also jetzt 2142 000 Mark oder 6,5 v. H. mehr. Ter Güterverkehr brachte 93 261000 Mk. gegen 88 217 000 Mark im Vorjahre, d. s. jetzt 5 044 000 Mk. oder 5,7 v. H. mehr. Tie Steigerung aus dem Personenverkehr war also verhältnismäßig bedeutender als die aus dem Güterverkehr, während in den voraufgegangenen Monaten stets der Güterverkehr den größeren Ueberschuß ergeben hatte. Unter Hinzurechnung der Einnahmen aus sonstigen Quellen (Verkauf von altem Material, Mieten usw.), die mit 7 958 000 Mark um 786 000 Mark über den vorjährigen lagen, ergibt sich eine Gesamteinnahme von 136 035 000 Mark gegen 128 063 000 Mart im Oktober 1902 und 122 475 000 Mk. im Oktober 1901, so daß gegenüber dem Vorjahre eine Zunahme um 7 972 000 wcark oder 6,2 (im September 5,3) stattgefunden hat. In den ersten sieben Atonalen des laufenden Rechnungsjahres haben die Einnahmen aus dem Personen- und Gepäckverkehr mit 276 324 000 Alark die vorjährigen um 12 803 000 Mark oder 4,9 v. H. übertroffen; die Einnahmen aus dem Güterverkehr waren mit 5 <8 484 000 Alark um 34 265 000 Mark oder 6,3 v. H. größer unb auch die Einnahmen aus sonstigen Quellen lagen mit 56 763 000 Diark um 2 062 000 Mark Über den vorjährigen. Tie gesamten Einnahmen betrugen hiernach in den sieben Rionaten 905 571000 Mk. gegen 656 441000 Mk. im gleichen Zeitraum des Vorjahres, sodaß der Ueberschuß des laufenden Jahres bisher 49 130 000 Mark oder 5,7 v. H. beträgt. Tie auf das Kilometer entfallende durchschnittliche Einnahme liegt mit 27 670 Mart um 1108 Aiark oder 4,2 v. H. Über der vorjährigen. Deutsches Reich. Berlin, 25. Nov. Ter Kaiser hörte heute den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts v. Lucanns und empfing später den Geheimen Oberhofbaurat Ihne. — Tie „Nat.-Ztg." erklärt gegenüber allen ungünstigen Gerüchten, daß nach besonderen von ihr eingezogenen Informationen keinGrund zu irgendwelchenBe- sorgnissen vorliegt. — Es ist nicket ausgeschlossen, daß der Kaiser, wie bisher regelmäßig bei Beginn einer Legislaturperiode, den Reichstag, am 3. Dezember eröffnet und die Thronrede ber lieft — Geheimrat Tr. Goedecke, Vortragender Rat im preuß. Finanzministerium, ist zum Geh. Obersinanzrat befördert worden. Er übernahm 1896 die Verwaltung des Landratsamts in Wetzlar und wurde am 1. April 1897 zum Landrat dieses Kreises ernannt. 1900 in das Finanzministerium einberufen, wurde er Geheimer Finanz rat und Vortragender Rat. — Ter Zenlralausschuß Berliner kaufmännischer, ge» werblicher und industrieller Vereine nahm in seiner gestrigen Sitzung einen Beschlußantrag gegen die Einführung von S chi f f a h r t s - A b g a b e n auf den freien Strömen an. — Tem Bundesrate soll ein Entwurf zur Neuregelung des Servistarifes und der Masseneinteil- ung der Orte zugegapgen sein. Stuttgart, 25. 4dov. Der Deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe hielt heute hier seine 5. Generalversammlung ab. Im Mittelpunkte der Verhandlungen standen die Berichte über den Verlaus der diesjährigen Arbeitseinstellungen. Der Vorsitzende, Baumeister Felisch-Berlin, stellte in seinem Jahresberichte als erste Forderung fest, daß streikende Arbeiter an anderen Orten nicht beschäftigt werden sollen. Die Anträge aus Errichtung eines Arbeitsausschusses, der bei Arbeitseinstellungen eingreisen soll, wurden angenommen. Zum Vorsitzenden wurde wieder Baumeister Fetisch, zum stellvertretenden Vorsitzenden Simon-Breslau gewählt. München, 25. 9Lov. Die Kammer der Abgeordneten verhandelte heute über den Antrag Müller-München (soz.), welcher dahingeht, das Kriegsminifterium zu ersuchen, dahin zu wirken, daß die Offiziere und Unteroffiziere, deren Mttschuld, fei es durch aktive Be- teiligung, sei es durch Mangel an pflichtgemäßer Beauf- sichttgung, an systematischen Soldatenmißhandlungen nachgewie.en ist, unnachsichtlich aus dem aktiven Heere entfernt werden. Nachdem Müller den Antrag begründet hatte, erklärten Lemo (Ztr.), Wagner (lib.) und Dürr (fr. Vg.) die Zustimmung ihrer Frattionen zu dem Anträge. Hierauf nahm der Kriegsminister das Wort. Er führte aus, er werde nach wie vor den leider in nicht geringer Zahl vor kommend en Soldatenmißhandlungen und dem Mißbrauch der Dienftgewalt mit aller Kraft entgegentreten. Er müsse gegen den Antrag aber ein formelles Bedenken erheben. Tie Entfernung aus dem Heere könne nach dem Rttlttärstrafgesetz nur auf „F austutu s". Die Ostsee, in deren Schilderung die alte Kraft des Verfassers sich voll bewährt, die schlichte Lotsen- jamilie auf dem Inselchen und die mit sattrischem Griffel gezeichnete Honoratiorengesellschaft der Heinen Seestadt bilden das Milieu. Der S^elb dieser Novelle ist ein Mensch, welcher ursprünglich gut und mit gewinnenden Eigenschaften cmsgestattet ist, aber an dem Mangel an Selbstzucht und ungezügelter Genußgier moralisch zu Grunde geht. Erstaunlich ist die Kraft, mit der Spielhagen noch heute die stürmischen Wallungen jungen heißen Blutes darzustellen vermag. — Das Bild des Ue her men fegen wird vervollständigt durch die Hauptsigur der zweiten Novelle „Herrin". Hier tritt uns als Held eine emanzipierte Frau entgegen, die im Getriebe der Welt Stellung und Geltung zu erringen sucht und im Kampfe danach des Sinnes für den Beruf und das häusliche Glück des Weibes verlustig werden muß. Das Herz kommt zu kurz bei dem Ringen der Frau von heute, denn überall und immer läuft dieser Kampf auf die Frage hinaus: Herr - oder Herrin? Björn st je r ne Björn son. Ein Fallissement, Schauspiel, geh. 2 Mk., Serlag von Mert Langen in München. Biörnsons Fallissement, in Gießen zuletzt bei einem Gastspiel Jürgensens auö Kassel aufgefÄhrt, ist seit langem ein Lieblingsstück des deutschen Volkes. Zieht man die Zeit in Betracht, in der das Fallissement geschrieben wurde, und erwägt man den Standpunkt, auf dem )id) damals die deutsche Dramatik befand, so wächst die Bewunderung^ für Björnson. „lieber unsere Kraft" ist erst dreizehn Zaire nach seiner Entstehung auf die Bühne gelangt, und oie Dichtung wirkt mit einer Frische, als wäre sie gestern geschrieben. So ist auch das Fallissement, das seit vielen Jahren unzählige Male über die deutschen Bühnen gegangen ist, jung geblieben, und die Freunde des Stückes werden es begrüßen, daß sie jetzt zu billigem Preise eine neue Ausgabe in hervorragender Uebersetzung und vornehmer Ausstattung erhalten ibnnen. Knut Hamsun, Muncken Vendt, Ein dramatisches Gedicht, geheftet 3 Mark. Verlag von Albert Langen in München. Tas umfangreiche Stück ist gern* in gereimten Versen von perlendem Fluß und eutzkKenoem Mohlklang geschrieben, deren Hebertragung der lieber» jetzerin so ausgezeichnet gelungen ist, daß man meinen könnte, eine deutsche ■Drigüialarbeit zu lesen. CharaSte- ristijch ist es, daß tz. sich zuw Helden seines dramati- jchen Gedichtes einen entlaufenenTheologen wählt, der Streiche über Streiche macht, der oft grnug mit dem G-ejetz in Konflikt gerät, dem man mit allen feinen Schelmenstücken in unserer Literatur vielleicht den Till Euien- jpiegel zur Seite stellen tonnte. Nur ist Muncken Vendl eine menschlich veniestere Gestalt, er wird zum Symbol des Menscyen überhaupt, jein Leben zum Symbol des menschlichen Lebens mit allen seinen Zufällen und seiner scheinbaren Sinnlosigkeit. Hamsun toe-iti, daß das Leben sich selber Zweck genug ist, darum liebt er es mit all seiner Buntheit. So hat er uns in seinem neuen Werl ein Abbild davon gegeben, reich an Farben, im Grundgedanken tief ernst, aber überwuchert von den Blüten seines originellen Humors, ein Werk, das in feiner Art nicht minder bedeutend ist, als etwa Ibsens Peer Gywt. Wer seinen Kindern ein fesselndes, höchst ergötzliches und gleichzeitig erziehendes Bilderbuch schenken will, dem empfehlen wir den „Strampelpeter" von K. Waldmann, illusttiert von H. Albrecht. Ter Verfasser schöpft einerseits die Unarten, denen er den Spiegel vorhalten will, aus der Wirklichkeit und läßt andererseits seiner Phantasie freien Spielraum, wo es gilt, die daraus entstehenden bösen Schicksale zu schildern und so ein möglichst abschreckendes Bild zu entwerfen. Ein wahrer Kinder- Psychologe, kennt er die Kindesseele gut und weiß, wo unb wie er die Kinder zu packen hat. Er weiß seine Ermahnungen so einzurichten, daß sie sich unwillkürlich einprägen. Die köstlichen humorvollen Bilder und Verse nehmen das Kind völlig gefangen, fesseln und unterhalten es. Auf 30 Seiten mit farbigen Bildern bietet das Buch zwslf Erzählungen in hübschen, leicht ins Ohr Sallenden Versen. Die Ausstattung ist vornehm und der Zreis von 2,5o Mk. billig. Wir empfehlen es allen Eltern aufs beste. (Verlag von Otto Maier in Ravensburg.) — Tie allgemeine Liebe, unb Zuneigung, welche die Heimgegangene Prinzessin Elisabeth in allen Schichten oer hessischen Deoölterung genoß, kommt nicht zum wenigsten auuj tn deut ausgedehnten Verkauf von Ansichtspostkarten zum Ausdruck, deren viele Tausende noch täglich gekauft werden. Jeder, auch der ärmste, nimmt das liebliche Bild der so früh Verblichenen zur Erinnerung nach Hanse oder sendet es an hesjische Freunde und Bekannte in der Ferne. Die mit Geburts- und Sterbetag versehenen Karten zeigen die kleine Prinzeß in verschiedenen Aufnah- men, im hessischen Nationattostüm aber im Arme ihres Vaters, unseres Erotzherzogs, in ballet ftigur, im Sttatzen- ober GeselischÄftSkletdchen, oder nur das reizende, an entzückende Kreuze-Dildchen erinnernde Kövfchcn. Desondere Deachtung bervienen die von bet Künstinstalt Lantz u. Balzar in ^arm^bt her gestellten Kurten nach den neuesten Porträt« aufnahmen des PrinzeßchenS, welckje die Heimgegangenc in dem ganzen Liebrerz unschul-SvOllen fvohen Kinoer- glücks fefityalten. — Irene Trie sch vom Deutschen Theater in Berlin wird, toie aus Berlin gemeldet wird, während ihres Mnter- Urlaubs srü den ganzen Januar eine Gastspielreise unternehmen. Die Künstlerin tritt in dieser Zeit in Köln, Bonn, Mainz, L>asel, München, Karlsruhe uiw in Frankfurt a. M. auf. — Gießen wirb hier nicht genannt. Trotzdem wollen wir hoffen, daß wir die große Kunsttertn im Januar auch bei uns sehen werden. Grund eines gerichtlichen Urteilsspruckjes erfolgen. Wenn die Tendenz des Antrages aber nur die sei, daß Soldaten- mißhandlungen mit der Entfernung aus dem aktiven Heere geahndet werden sollen, könne er sich gegen den Antrag nicht ablehnend verhalten. Ter Antrag ward einstimmig äugen o m m en.________________ Ausland. Brü ssel, 25. Nov. Ter Minister des Innern de Tvooz erklärte sich heute in der Kammer gegen jede Konzession aus dem Gebiete des W a h l r e ch t s sowie gegen die Ernennung sozialistischer Bür gern: ei st er. Paris, 25. 9Lov. Tie Armeekommission der Kammer welche den Gesetzentwurf über die z w e i j ä h r i g e D i e n st - zeit nahezu durchberaten hat, fügte eine Mititärtaxe für alle Untauglichen ein, welche nicht Krüppel siird, sowie eine Junggesellen steuer für Landwehrleute, die ledig geblieben sind. — Als die englischen Parlaments Mitglieder, die zur Erwiderung des Besuches, den französische Parlamentarier im Sommer in London ab statteten, heute in Calais landeten, richteten sie an den Präsidenten Loubet eine Depesche, in der sie ihrer Freude Ausdruck geben über das zwischen beiden Ländern bestehende herzliche Ein- vernehmen, das ein mrwidcrlegüarer Beweis aufrichtiger und dauernder gegenseitiger Freundschaft sei. Um 9 Uhr abends trasen die englischen Parlam.entarier in Paris ein. Bei ihrer Ankunft am Bahnhose wurden mehrere Ansprachen gehalten, welche die Befestigung der herzlichen Beziehungen der beiden Lander zu einander zum. Gegenstand hatten. In der Umgebung des Bahlchoses hatte sich eine zahlreiche Menschenmenge angesamnrelt, welche die Parlamentarier durch Zurufe begrüßte. — In der heutigen Sitzung des Generalrats des Seinedepartements wurde eine Petition angenommen, der Gene- ralrat solle sich für die schi e d S ger i ch tli che R e ge lun g von Streitsachen zwischen den Machten aussprechen. Die Petition Turot zu gmrsten der fortschreitenden Abrüstung wird abgeleynt. Der Antrag Galli in dem gefordert wird, daß der Wortlaut des im Jahre 1871 von Elsaß- Lothringen erhobenen Protestes in den Schulen angeschlagen werde, wird angenommen. Berthaut urrd Rogier (Svz.) beantragen, daß das Votum der Nationalversammlung von Bordeaux, wonach die Verantwortung sür den Krieg i m I a h r e 1870/71 dem Kaiserreich zur Last gelegt wird, in den Schulen angeschlagen werden soll. Dieser Antrag wird angenommen. Wien, 25. Nov. In der gesrrigen R e i ch s r a t s s i tz - ung ereignete sich, ein Zwischenfall, indem der Altdeutsche Stein bei wiederholten Zwischenrufen der Tschechischradikalen während der Rede des Ministerpräsidenten v. Körber rief, Abg. Fresl hat im Belgrader Konak Uhren gestohlen. Zur Rede gestellt, erklärte Stein, für seine Behauptung den Wahrheitsbeweis antreten zu wollen. Er nannte als Quelle zwei tschechische Journalisten. Fresl will die letzteren gerichtlich belangen. Newyork, 25. Nov. Nach einer Blättermeldung aus Panama ist die dortige Regierung bereit, einen großen Teil der kolumbischen Schuld zu übernehmen. — Nach Depeschen aus Puerto Plata flüchteten der Präsident Wos y Gil und die Minister bei der Ueber- gabe der Stadt Santo Domingo an Bord eines im Hafen liegenden deutschen Schisses. — Einem Telegramm aus Santo Domingo zufolge feuerten die Aufständischen gestern auf die im Hafen liegenden Leichterschiffe. Ein Dampfer der Hamburg-Amerika - Li nie, welcher Munition für das Re gier ungs fort auslud, erwiderte das Feuer, um die Löschung der Ladungen zu erleichtern. Aus Studt unii Kuuü. Gießen, 26. November 1903. — Zu Großherzogs Geburtstag waren gestern, wie man uns mitteilt, u. a. die Bureaus der Gerichtsschreibereien hier vormittags geöffnet. ** Polizeibericht. Am 24. d. M. abends wurde auf der Baustelle der Kanalisation in der Löwengasse ein der Firma Jäger u. Rumpf gehöriger gußeiserner Siedkeffel durch Steinwürfe demoliert. Der Täter ist in der Person eines Schlofferlehrlings ermittelt und angezeigt worden. — Vorgestern abend erschien ein fremder Mensch in einer Wirtschaft der Bahnhosstraße, zechte und bestellte verschiedene Runden Bier für andere Gäste, um sich dann, ohne die Zechschuld zu bezahlen, aus dem Staube zu machen. Anzeige wurde erhoben. — Vor einigen Tagen wurde ein Lindenb äumchen in der Westanlage stark beschädigt. Der Täter, welcher die Beschädigung mittelst eines Spatens ausführte, wurde ermittelt und angezeigt. ** Den Tod derPrinzessrn Elisabeth hat schnell eine Fülle von Legenden umsponnen, deren abscheulichste ein polnisches Blatt verbreitet, das natürlich nichts Eiligeres zu tun hat, als seinen Schwindel in alle Welt auszuposaunen und in eine Reihe deutscher Blätter zu lancieren. Der „Dziennik Poznanski" (Posener Tageblatt) bringt in seiner Ausgabe vom 25. November folgende Nachricht: Aus Wien wird uns gemeldet, daß der Tod der Prinzessin Elisabeth von Hessen in Skiernewiee nicht auf Cholera oder Typhus zurüctzusühreu ist, sondern aus eine Vergiftung mit Strychnin. Das Gift sei einer Speise beigemengt gewesen, und sei für den Kaiser und die Kaiserin bestimmt gewesen. Der Zar habe von der Speise nicht gegessen und fei gesund geblieben. Dagegen haben die Prinzessin und die Kaiserin von der Speise genossen. Tie Prinzessin sei plötzlich gestorben und die Kaiserin liege jetzt an den Folgen der Vergiftung trank darnieder. Eine haarsträubendere Schauermär ist wohl selten ersonnen worden. Aus Wien soll die Nachricht kommen, sie ist aber zweifellos von polnischen Zarenhassern erfunden, und es ist dringend von Nöten, daß von jeder Seite, die dazu in der Lage ist, diesem greulich bösen, falschen Gerüchte aller Boden entzogen wird. Gerade rechtzeitig kommt nun folgende Auslastung der „bleuen Hess. Volksbl.": Ter mancherlei törichten Märchen wegen, die um den Tod und die letzten Stunden der verewigten Prinzeß Elisabeth sich zu bilden begannen, haben wir an durchaus wohlunterrichteter Stelle Erkundigungen ein gezogen. Was die Ursache an dem schnellen Hinscheiden des armen Fürstenkindes war, wurde ja au Grund der ärztlichen Tepescyen auch in diesen Blättern schon verösfenilicht. Wie plötzlich die Krankheit, deren Keim ja, wie das bei Typhus durchaus keine seltene Erscheinung ist, schon längere Zeit im Körper des Kindes vorhanden gewesen sein mag, schließlich zum Ausbruch kam, geht schon daraus hervor, daß die kleine Hoheit sich noch am Samstag mit Radfahren vergnügte. Am Sonntag früh sprach man in der näheren Umgebung wohl von „einem verdorbenen Magen" der Prinzessin, doch kann von keinerlei ernsten Bedenken die Rede gewesen fein, denn nachmittags noch Vergnügten sich die kleinen Großfürstinnen und ihr Cvusmchen mit Öen Vor- jül/cungen eines Kinematographen. Aerztliche Aussicht fehlte ja keinen Augenblick, denn selbstredend war der Leibarzt im Schlosse. Tie Tage unseres Prinzeßchens waren gezählt und menschliche Kunst, Sorgfalt und Pflege konnten sie nicht verlängern. Von auswärts aber sucht man jetzt zu verbreiten, Se. Kgl. Hoh. der Gwßherzog sei in den Schreckensstunden, die ihm sein Kind raubten, garnicht in Skiernevice gewesen, sondern habe sich auf einem Jagdausfluge in entfernten Revieren befunden, wohin ihm eine Nachricht zu senden ganz unmöglich gewesen sei. Demgegenüber können wir hier auf das bestimmteste versichern, daß der besorgte Vater und hartgeprüste Fürst vom Moment der Erkrankung seines Lieblings an bis zu dessen letzten Atemzügen, also die ganze lange Nacht hindurch (Prinzeß- lein hauchte bekanntlich morgens um V2IO Uhr jein Seelchen aus) bei seinem Kinde war. Auch das russische Kaiserpaar weilte vom Aäorgengrauen an treulich stützend und tröstend an seiner Seite, jo unsagbar schwer beide, vor allem die Zarin, selbst mit litten unter dem herben Weh dieses harten Schicksalsschlages. ** Der erste Schnee ist heute hier niedergegangen. Ein trüber Himmel kündigte ihn früh morgens an. Gegen 12 Uhr flogen große Flocken in großen Mengen nieder, und die Geschäftsinhaber, die in erster Linie den rechten Winter herbeiwünschen, hegen beim Blick in das Flocken- gewirbel die Hoffnung, daß es auch bald etwas kälter werde. sd. Darmstadt, 26. Nov. (Drahtbericht.) Prinzessin Heinrich von Preußen verläßt heute abend, Prinzessin Ludwig von Battenberg morgen mittag, das Großfürstenpaar Sergius Samstag abend Darmstadt. Mainz, 25. Nov. Nachdem Einbrecher in mehrmaligen Besuchen das Gartenhaus eines hiesigen Privatmannes in der Nähe von Kostheini vollständig ausgeplündert hatten, fanden sie, als sie gestern Nacht wieder kamen, nichts zum Mitnehmen. Dafür ließen sie folgendes Schreiben zurück: „Ein jchönen Gruß an den Gartenbesitzer: Da wir unseren Besuch wiederholen und bald wiederkommen, so bitten wir, uns doch einige Flaschen Wein liegen zu lassen, damit wir bei unserem Besuche und unserer Arbeit auch unseren Durst löschen können." (M. Tgbl.) Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Hanau errangen in den Stadt- Verordnetenwahlen dritter Klasse die gemeinsamen Bürgerlichen über die sozialdemokratische Linke den Sieg. — In Mainz haben die Beisitzer des Gewerbegerichts beschlossen, für die Folge die Wahlen der Gewerbegerichtsbeisitzer an Sonntagen vorzunehmen. — Die Handelskammern in Fr a n k- urt und Darmstadt haben sich dem Protest der rheini- chen Handelskammer gegen die Einführung von Rheinschiff- ahrsabgaben angeschlossen. — Im Postgebäude zu Eber- tadt wurden von einem Unbekannten 4 Hundertmarkscheine zestohlen. Der Täter wird von der Großh. Staatsanwalt- chaft Darmstadt gesucht. — Trotz der täglichen Warnungen, kein Petroleum ins Feuer zu gießen, tat dies das 23jährige Dienstmädchen Marie Magdalene Rauch in Zornheim. Das Mädchen wurde dabei an Gesicht und Händen schwer- verbrannt und mußte nach Mainz in das Rochus Hospital gebracht werden. Vermischtes. * Berlin, 25. Nov. Infolge Unterganges seines Schiffes ist ein Fischer mit seiner Frau und Tochter bei Pilsum ertrunken. Der Sohn wurde durch ein Rettungsboot geborgen. • Berlin, 25. Nov. Auf der Vorortstation Stralau- Rummelsburg warf sich ein Mann mit seinen beiden Kindern auf d i e Schienen, als ein Zug einlief. Der Vater, und ein Kind sind tot, dem zweiten Kinde wurde das rechte Bein abgefahren. Der Beweggrund zu der Tat ist wahrscheinlich der vor wenigen Tagen erfolgte Tod der Ehefrau. * Berlin, 25. Nov. Als gestern eine Abteilung Mannschaften des 4. Garderegiments über eine Brücke in Moabit marschierte, trat plötzlich ein Mann aus dem Gliede und schwang sich über das Brückengeländer in den Kanal. Der die Abteilung begleitende Unteroffizier sprang sofort nach und rettete den Lebensmüden. j * Bonn, 25. Nov. Ein h ö ch st bedauerliches folgenschweres Versehen ist, wie die „Deutsche Reichszeitung" vernimmt, in der hiesigen U n i v e r s i t ä t s - frauenklinik vorgekommen. Eine noch nicht lange dort tätige frühere Schwester vom Roten Kreuz hatte die Nachtwache übernommen. Sie sollte einer Patientin, der Frau Major F. ein Schlafmittel reichen, vergriff sich aber in der Flasche und gab eine starke Dosis eines giftigen Präparates. Ob es der Kunst der Aerzte gelingen wird, die in hoher Lebensgefahr schwebende Dame zu retten, ist sehr fraglich. • Wien, 25. Nov. In derH 0 sburg entstand heute vormittag ein Schorn st einbrand,deri ndessen bald gelöscht wurde. * Küdara, 25. Nov. In dem benachbarten Pardubitz ist die gesamte Familie des Stationsvorstehers an Ver gistun g durch eine Pilzsuppe schwer erkrankt. Die beiden Kinder sind bereits geworben. 'DieneueDresdenerPrinzessinaffaire. Nach den „Dresd. Nachr. ist von einer Flucht der Prinzessin Schönburg-Waldenburg mit einem Bedienten keine Rede. Die Prinzessin lebt mit ihrem Gatten in Scheidungs- prozeß. Das Ehepaar befand sich seit dem vorigen Jahr in Steiermark und ist bereits seit dem Frühjahr getrennt. Nach einer Meldung ans Dresden ist binnen kurzem der Scheidungsprozeß vor dem Oberlandesgericht zu erwarten. — Wie aus Venedig gemeldet wird, richtete Don Carlos ein Rundschreiben an seine Anhänger, worin er den „T 0 d" der entflohenen Tochter mittcilt. Als vor Jahren eine andere Tochter, Prinzessin Elvira, mit dem Maler Folchi entfloh, tat Don Carlos das Gleiche. — Nach einer Meldung des Londoner „Daily Mall" aus Mentone weilt die Prinzessin gegenwärtig mit ihrem Kinde und der Baronesse Nostiz in Zurückgezogenheit in Sori an der italienischen Riviera. Die Prinzessin kam im September nach Rom und beriet sich dort mit mehreren Kardinälen. * Infolge Sturzes aus einem Automobil starb in London Sigmund L 0 ewe, ein Bruder des Ber- liner Großindustriellen Isidor Loewe. Eine für Immobilienmakler wichtige Entscheidung ällte am 14. d. M. die Strafkammer in Gießen in der Strafsache gegen den Immobilienmakler A I. wegen Betrugs. Im Jahre 1901 ging die Gastwirtschaft „zur Germania" in Lollar durch Vermittelung des I. von deren langjährigem Besitzer Heinrich Geißler VI. auf den Wirt Fritz Krämer für 46 500 Mk. über. Schon ein Jahr später sondierte I. bei Krämer, ob er nicht Willens sei, eine Wirtschaft zu veräußern, was dieser zunächst verneinte. Um ihn nun emem Besitzwechsel geneigter zu machen, machte I. dem Krämer das Anerbieten, für die Veräußerung des Anwesens zu dem Preis von 55 000 Mk. besorgt sein zu wollen, roemi er 3000 Mark Provision hierbei erhalte. Nach einiger Lieberlegung ging Krämer auf den Vorschlag em und unterschrieb später einen Revers, wonach er von dem Kauferlös 52 000 Nit. und I. als Provision für die Vermittelung des Verkaufs den Mehrerlös über 52 000 Alk. bis zum Betrag von 55 000 Mk. erhallen solle; es wurde noch ausgemacht, daß Krämer 60000 Mark anfordern solle. Auf eine Annonce hui meldeten sich nun bei I. als Kaufliebhaber die derzeitigen Inhaber der Germania. Nachdem sie auf eine Anfrage von I. den Bescheid erhalten hatten, daß er ein Kaufobjelt unter ausnahmsweise günstigen Bedingungen an der Hand habe, kamen te nach Gießen zu ihm. Hier ließ sie I. — ohne zunächst das Objekt zu nennen — einen Revers unterschreiben, in dem sie sich ür die Vermittelung des Ank au f s zur Zahlung einer Provisiion von 2 Prozent des Kaufpreises verpflichten, die nach dem Revers auch zu entrichten war, menn I. etwa auch vom Verkäufer eine Provision erhalte. Bei dieser Gelegenheit ließ I. auch verlauten, daß er eine Vergütung von Kramer erhalte, ohne jedoch näheren Aufschluß über ihre Höhe und Art zu geben. Noch am selben Tag tarn der Kauf in Lollar zu Staude, nachdem Krämer zunächst 60 000 Mk. gefordert und I. hierauf den Kaufpreis auf 55 000 2)1?. herabgedrüctt hatte. Später über die Atanipulationen des I. unterrichtet, verurteilte das Landgericht und Oberlandesgericht auf die Klage deS Kübler hin den J. zur Rückzahlung der Provision von 1100 Mark mit der Begründung, daß I. nach dem Gesetz feinen Anspruch auf Provision seitens des Kübler habe, da„ er dem Interesse dieses zuwider für den Verkäufer und sich tätig geroejen sei. — Die Strafkammer steht im wesentlichen auf dem Standpunkt der Zivilgerichte: auch sie erkennt an, daß der.Makler im Interesse beider Teile tätig fein und hierfür von beiden Teilen eine angemessene Provision beanspruchen kann, in einzelnen Fällen selbst darm, roenn die Provision von Seiten des Verkäufers eine besonders hohe ist, — vorausgesetzt, daß der Makler nicht durch ihre Stipulierung derartig für die Interessen des Verkäufers und seiner eigenen engagiert wird, daß für ihn für die Wahrnehmung der Interessen des Käufers kein Olaum mehr bleibt. Auch eine Pflicht des Maklers, dem Käufer Auskunft zu geben über die ihm vom Verkäufer zugesagte Höhe und die An der Provision besteht nach Ansicht des Gerichts nicht — wohl aber für den Makler die rechtliche Verpflichtung, die Wahrnehmung der Interessen des Käufers ab- zulehnen, wenn diese mit denen des Verkäufers oder des Maklers in unvereinbarem Gegensatz stehen, wie in gegebenem Falle. Ter Angeklagte hat dies nicht getan, obivohl er wußte, daß nach dem getroffenen Abkommen die Wahrnehmung feinerund des Verkäufers Interessen, die auf Erzielung des möglichst hohen Preises von 55 000 Mk. gerichtet waren, die die Käufer, die naturgemäß möglichst billig zu kaufen suchten, ausschlosfen. Dadurch, daß er das Abkommen verschwieg, hat er in den Käufern den irrtümlichen Glauben erweckt, daß er unbeeinflußt in gleicher Weise beider Teile Interessen wahrnehmen lueröe, und dadurch, daß er sich für feine Vermittelung eine den üblichen Satz von V2 Proz. übersteigende Provision von 2 Proz. des Kaufpreises = 1100 All. versprechen ließ, stillschweigend eine erhöhte Jnteressenwahrnehmung den Käufern zugesichert, — zwei Manipulationen, durch die die Käufer veranlaßt wurden, dem Angeklagten eine Vermlltelungsaebühr von 2 Proz. zu zahlen, auf die er, wie er wissen mußte, nach dem Gesetz keinen Anspruch hatte, da er in einer dem Interesse des Käufers völlig zillviderlaufenden Werse für feine und des Verkäufers Interessen taug war. Um diesen Betrag, dessen Erlangung er beabsichtigt hatte, Hal er den Käufer auch geschädigt, zumal der Wert des Objektes nicht einmal dem des Kaufpreises entsprach. Hätte der Angeklagte sich darauf beschränkt, ohne als Alakler aufzutreten, dem Käufer blos das Objekt zu nennen, so hätte ihm nach Ansicht des Gerichts em Anspruch von V» Proz. = der üblichen Provision, die ein Makler gewöhnlich vom Käufer hierfür erhält, gebührt, und insoweit hält das Gericht auch nicht für feslgestellt, daß der Angeklagte das Bewußtsein unt) die Absicht der Schädigung des Kübler hatte. Es erfolgt daher wegen dieses Betrugs Freisprechung, — desgleichen wegen des die Kausjumme von 52 000 Mk. übersteigenden Betrags — der Wert des Anwesens wurde nur zu 52 000 Mk. angenommen — da der Causal zusammenhang zwischen Täuschung und Kauf nidii für sestgestellt erachtet wurde. — Der Angeklagte wurde daher nm wegen Betrugs in Höhe von 825 Alk. = V/s Proz. der von Kübler gezahlteii Provision verurteilt. — Strafmildernd kam in Betracht die in Maklerkreis en vielfach herrschende recht laxe Auffassung über das Maß der Veraiitwortlichkeit, das durch Eingehung von Alakler- geschäften übernommen wird. ___ Getichtssaal. Gießen, 24. Nov. Straftammersi^nng. Nach» dem in der Ärassach^e gegen den Agenten A. I- von Gießen wegen Betrugs ein verurteilendes Erkenntnis des Gerichts von vier Vüonaten Gefängnis verkündet worden war, trat das Gericht in die Verhandlung gegen den,^9löhner Hrch. Sch. und den Rechtskonsulenten vnlgo Käser W. P. von Schlitz wegen Urkund en fälsch ungund Er- vrefsungsversuches. Die 15jährige Tochter des Sch Diente nämlich bei Bäckermeister Ludwig I- tn Schlitz als Dienstmädchen und war sehr widerspenstig.^,Ihre Dienstherrin aber, Lottchen I., übernahni der Wiider,penstigen Zähmung und versetzte ihr ah und $u „eine, zwei, auch drei Ohrfeigen". Ties gefiel jedoch der Letzteren so wenig, daß sie ihren Dienst ausgab und bei der Gendarmerie gegen, ihre Dienstherrin Strafantrag wegen körperlicher Mißhandlung stellte. Die Mutter der Dienstyerrin aber war eine verständige alte Frau und entschieden diplomatifch veranlagt. Sie sagte zu ihrer Tochter: „Lottchen, das darfst Du nicht wieder tun", dann ging sie zu der jungen Sch., gab ihr zunächst ein Geldgeschenk von vier Mark „für einen schönen neuen Rock" und brachte sie durch freundliches Zureden schließlich dahin, daß sie zu ihrer Dienstherrschaft zurückkehrte, aber nur für die Dauer eines Tages. Denn als sie abends nach 10 Uhr die Wohnung ihrer Dienstberr- schast verschlossen sand, verließ sie für immer ihre Stellung. Des anderen Tags aber erschien an ihrer Stelle ihr Vater, der Angeklagte Sch., und verlangte den chr zukommenden Lohn bis zum Schlüsse des lausenden Monats, und quittierte mit dem Vermerk „ahschläglich erhalten". Darauf wandte er sich an den Mitangeklagten, den damaligen stellenlose Küfer P., der sich int „Scylitzer Voten" einem geehrten Pudlikum von Schlitz und Umgegend zur Anfertigung von Steuerreklamationen und Schreibe-Artikel aller Art bestens empfohlen hatte. Dieser verfaßte nun einen Bries, in welchem es u. a. hieß: „Im Austrag des Herrn Sch ersuche ich Sie, sich mit diesem ahzusinven und dern Mädchen zu geben, was ihr gebührt", andernfalls war Anzeige, bei der Staatsanwaltschaft wegen Mißhandlung in Aussicht gestellt und auf eine zu erwartende hohe Strafe hin gewiesen. Dieser Brief trug als Unterschrift einen fingierten, mr- Sport. Veranstaltung ist gesichert. den könnte. Budapest, 26. Nov. Der evangelische Pfarrer Schultz in Jpolisag stellte sich, dem Gericht unter der Selbstanklage, 100 000 Kronen unterschlagen zu habe n. Kaschau, 26. Nov. Der Leutnant Alfred Spanil y vorn 34. Infanterie-Regiment wurde zum Infanteristen degradiert und zu sechsjährigem Nachdienen verurteilt, weil er in einem öffentlichen Lokal einen Skandal provozierte, wobei ihm der Sabel ab genommen wurde. ,entner Schlachtgewicht: Fette llk. 63—65; Kälber 1. Sorte ihr Aktienkapital erhöhen und das Bankhaus E. Heimann in sich aufnehmen wolle. Dem wird aber schon wieder widersprochen. Daß etwas im Gange ist, dürste wohl zweifellos sein, und daß es sich dabei in erster Linie um eine Kapitalerhöhung handelt, kann man auch annehmen, schon wegen der Engagements in Oesterreich mit den Petroleumgeschäften und weil die Dresdner Bank und der Schaaffhaufensche Bankverein als gewaltiger Konkurrent erscheinen, dem man die Spitze bieten muß. Markte. 'Frankfurt a. M., 25. Nov. _ - veranstaltet im Sommer 1904 eine Zuverlässigkeitsiahrt Frankfurt- Berlin für Kraftfahrräder. Eine mustergiltige Durchführung der Ueuepe Mrloiuigeu. Originaldraytmeldnttgen des Gießener Anzeigers. Berlin, 26. Nov. Die Kosten des beendeten polnischen Kindes-Unterschiebungs-Prozesses, die infolge des Freispruches der Staatskasse zur Last fallen, sollen 3o0- bis 400 000 Mark betragen. Das Kwi- leckische Ehepaar war gestern abend bei einem der Verteidiger, welcher der gräflichen Familie besonders nahe- steht, zn Gaste. Heute geben die freigejprochenen Eheleute in einem Weinrestaurant der Friedrichstadt ein Diner zu Et.-ren der Verteidigung. Morgen abend soll die Rückkehr Kunst und Wissenschaft. — Nach Blättermeldungen wurde Professor Moritz Schmidt in Frankfurt a. 2)L, der den Kaiser operierte, zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt. — Diese hohe Auszeichnung, so bemerkt die „Nall-Ztg.", darf als ein weiterer B e w e i s fürdiegelungene Operation beim Kaiser und für die fortschreitende Besserung im Bestnden angesehen werden. Arbeiterbewegung. Darmstadt, 25. Nov. Zu der Mitteilung über den Streik der Streckenarbeiter d-.r Dampfstratzenbahn wird noch berichtet, daß sämtliche Arbeiter einschließlich der Hauptschuldigen Vorarbeiter von der zuständigen Betriebsrnspektion sofort entlassen und ausgelohnt wurden. _ Lyon, 25 Nov. Tie ausständigen Tullarbeiter warfen gestern abend in dem Fabrikgebäude der Firma Charlier sämtliche Fenster ein. Hierbei wurden eine Arbeiterin und em Heizer schwer verletzt. Ohne Linde's Kaffee - Essenz schmeckt mir kein Kaffee mehr!" Gisendahn-Zeitung. Berlin, 25. Nov. An der heutigen letzten diesjährige Schnelliahrt der Studiengesellschait für e l e k t r i s ch e S ch n e l l - bahnen, bei der wiederum 200 Kilometer per Stunde erzielt wurden, nahmen u. a. teil: der diensttuende Generaladjutant des Kaisers Generalmajor von Loewenfeld, der Chef des Generalstabs General von Schliessen und zahlreiche Offiziere des Generalslabs. Berlin, 25. Nov. Der „Post" zufolge werden gegenwärtig E i s e n b a h n v e r f u ch s f a h r t e n mit g r o ß e r G e s ch w i n -- d^igkeit vom Verein deutscher Eisenbahnverwaltungen, Zentralsitz Berlin, auf verschiedenen Strecken des Reiches veranstaltet. sagen alle, bei denen Linde's Kaffee-Essenz regelmäßig verwendet wurde. 8000 v. Gießen, 26. Nov. (V i eh rn ark tb eri ch t). Auf dem dieswöchigen Viehmarkt standen zum Verkauf 700 Stück Milchkühe und Fetwieh, 25 Stück Gangochsen, 100 Kälber und 400 Schweine. Ter gleichzeitig in Butzbach stattgehabte Markt übte seinen Einfluß besonders auf den Schweinemarkt aus, während der große Viehmarkt in Fulda nicht nur die Zufuhr von Rindvieh aus den Kreisen Lauterbach und Alsfeld abschnitt, sondern auch einen gewichtigen Teil unserer Kundschaft an sich zog. Obschon der Markt etwas spät im Jahre liegt, war der Handel in Milchkühen diesmal nicht schlecht. Das Geschäft entwickelte sich zwar langsam, aber gegen den letzten Markt zogen die Preise für die Ware etwas an. Ebenso machte sich das Geschäft in Fettoieh ganz gut. Frankmrt und Wiesbaden tauften besonders gute, fette Rinder, und der Vorrat deckte nicht den Bedarf, so daß auch hier die Preise sich etwas hoben. Das Kälbergeschäst war allerdings flau, die Ware war nur zu gedrückten Preisen anzubringen. Es liegt dies ivohl an , dem vielen Wild, welches zur Zeit besonders in den großen Städten I auf den Markt kommt und allerdings billiger ist als Kalbfleisch. Das wenige am Markt befindliche Gangvieh ging nach der Provinz zu annehmbarem Preise ab. Der Handel in Schweinen war diesmal sehr schlecht. Es fehlte an Käufern. Die Verkäufer mußten trotz des recht geringen Vorrates, den sie zu Markt gebracht hallen, stark ab lassen, um die Tiere nicht wieder mit nach Haufe zu nehmen, jedoch gegen Schluß des Marktes kam etwas Leben hinein, ohne daß der Auftrieb ganz abgesetzt werden konnte. Es wurden ge- handell pro Stück: Kühe, srischmelkend und tragend 1. Qual. Mk. 450—500, 2. Qual. Mk. 370—420, 3. Qual. Mk. 270—3-J0; ältere Schlachtware Mk. 175—220; pro Zentner Schlachtgewicht: Fette Rinder L Qual. 67—69, 2. Qual. Mk. C« ------- (über 50 Psd. wiegend) Mk. 65—70, 2. Sorte (zwischen 40—50 Pfd. schwer) Mk. 59—63, 3. Sorte (leichtere Tiere) Mk. 53—56. I Fahrvieh ging fort pro Paar Mittelware Alk. 725—800, leichtere Tiere Mk. 630-700. Die Preise für Schweine bewegten sich pro Paar: Jüngere Ferkel Mk. 26—36, kräftigere Tiere Aik. 40—56, Springer Mk. 60—80, schwere Ware Mk. 90—110. Weihnachtsmarkt ist am 8.-9. Dezember d. Js. Am zwecken Markttage findet gleichzeckig Krämermarkt statt. = Allendors a. d. Lda., 25. Nov. Der hiesige Herdst- markt, welcher wieder einmal mit Rücksicht auf den preußischen Buß- und Bettag um acht Tage verschoben worden war, fand heute bei günstigem Wetter statt und war im ganzen gut besucht. Auf dem Viehmarkt zeigte sich jedoch eine etwas gedrückte Stimmung. Ferkel kosteten 20—30 Mk., größere 50—70 Mk. Schafe waren in großer Zahl vorhanden; Lämmer galten 24 Mk. per Paar. Auf dem Krämermarkte herrschte reges Leben. Limburg a. d. L., 25. November. Fru ch tm arkt. Durch- schncktspreise pr. Malter. Roter Weizen 13.52 Mk., altes Korn 10.09 Nck., neues Korn 00.00 Mk., Gerste 0.00 Mk., Hafer 6.24 Mk. Hafer alter 0.00 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. LserNchen Namen, welchen keiner der beiden Angeklagten geschrieben haben will. Doch gaben beide übereinstimniend zu, daß der Angeklagte P. den Brief verfaßt und dem Angeklagten vorgelesen hat, daß letzterer ihn alsbald in das Kouvert gesteckt und in den Briefkasten geworfen hat. Das Urteil des Gerichts geht dahin: Die beiden Angeklagten sind der versuchten Erpressung als nicht überführt anzu- sehen, denn zum strafrechtlichen Vorsatze der Erpressung gehört neben anderen Momenten auch das Bewußtsein des Täters, daß der durch Drohung erstrebte Vermögensvorteil ein rechtswidriger ist Im vorliegenden Falle aber muß als möglich zugegeben werden, daß beide Angeklagte bei Abfassung des Briefes der Ansicht waren, der jungen Sck>. stände in Wirklichkeit noch ein rechtlich begründeter, ----------—----- « -- . Anspruch aus ihrem Dienstverhältnis gegen ihre Dienst- wiegend nasse Wetter bis Ende Oktober anhielt und infolgebenen Herrschaft zu "Dagegen werden beide Angeklagte wegen Ver- die Fortsetzung und Beendigung der unterbrochenen Bestellungs- hpr Urkundenfälschung im Sinne der 88 967 268 arbeiten sehr verzögert wurden, trat im übrigen Deutschland um brechens her UrrunoenfRegung tm ^uine oer ZZ Oktober ein Umschwung zum Besseren em; schönes anhal- 270 St G. B. zu eurer Gefangnrsstrafe von je drer Wochen tenbe5 Herbstwetter förderte die Bestellung und begünstigte die Ent- verurteilt — Ein wirkliches „enfcmt terrrble rst unleugbar roi(f(anq per Wintersaaten. Aus allen Gegenden kamen Klagen der 36 Jahre alte Taglöhner Heinrich F. von Gießen, welcher über zahlreiches Auftreten von Feldmäusen. Fast ebenso verbreitet am 2. November in der Rodheimerstraße hier eine Kanne ist die Ackerschnecke. Die im September gesäten Saaten entwickelten mit neun Liter — Milch wegna hm, damit ins Feld sich dank der günstigen Witterung schön, haben sich kräftig bestockt flüchtete und dort einen Teil der Milch austrank, während und gehen gut in den Winter über. Die erst nach der langen er den Rest wegschüttete und die Kanne liegen ließ. Der Regenperiode gesäten Halmfrüchte lagen am Schluffe der Berichts- Angeklagte hat bereits eine große Anzahl von Vorstrafen Periode teilroeiie noch im Keime, tertt warea sie erst m en tz erlitten und befindet sich in strafrechtlichem Rücksalle, sodaß -agen auigelainen. eigentlich das Zuchthaus seiner harrte. Mit Rücksicht aber ~ “TZ ~~7 ___. auf den geringen Wert des gestohlenen Objekts billigt ihm Handel und Verkehr. VsikswMjlyasl. das Gericht mrldernde Umstande zu und verurterlt ihn zu _ Diskontogesellschaft Berkin. Die Kapitalerhöhungen einer Gefängnisstrafe von vier Monaten, dre er sofort an- liegen wieder einmal in der Luft, weil eine Periode des Aufschwungs erkennt. — In der Nacht vom L auf den 2. November un^ per allgemeinen Besserung der Wirtschaftslage auch in der sand auf der Dorsstraße zu Lollar zwischen Fabrikarbeitern Luft liegen soll. Das neueste Gericht, das über bie Diskontogesell- eine Rauferei statt, wobei das Messer wieder einmal I fchvft in Umlauf gesetzt wurde, lautet dahin, daß die Gesellschaft eine traurige Rolle spielte. Einer der Beteiligten erhielt :t“ ----- nicht weniger als siebzehn blutende Stiche aus den Kopf, iodatz er acht Tage lang bettlägerig war. Es haben sich weswegen heute die Former I. aus ESbi^ry (Dänemark), E. F. W. aus Primkenau und W. aus Groß-Dubberow lKr. Belgard) zn verantworten. Die Angeklagten sind geständig, die beiden erstgenannten erhalten je fünf Monate, der letztgenannte sechs Wochen Gefängnis. — Zum Schluß nimmt die 50jährige M. K., Eheftau des Buchhalters K. von Frankfurt a. Aä, auf der Anklagebank Platz, um sich vegen Betrugs zn verantworten. Im Jahre 1902 verkauften die Eheleute Ludwig Sch. ihr :wesen, das ,^otel taim Stern" in Nidda, an den Kaufm .n Mlhelm B und dessen damalige Verlobte, spätere Ehefrau Josephine K., die Tochter der Angeklagten, für den Preis von 30 000 Mk. Die Käufer hatten sofort eine Anzahlung von 6G00 Mk. zu leisten und den Bestand an Wein, Bier, Zigarren usw. zum Bettag von weiteren 2000 Mk. bar zu übernehmen. Die Verkäufer hatten selbst mtt finanziellen Schwierigkeiten z-u kämpfen und legten deshalb besonderes Gewicht daraus, einen zahlungsfichigen Käufer zu finden. Die Angeklagte I erklärte ihnen, in dieser Beziehung könnten sie vollständig beruhigt sein, chr Schwiegersohn sei ein sehr vermögender Mann, er Hube einem Schwager aushllfsweise 7000 Mk. geliehen, erhalte von seinem Vater 10 000 Mr. Heiratsgut und, wenn er das Hotel übernehme, nochmals 30000 Mk. I Aus diese Erklärung hin wurde alsdann der Kauf adge- jchlossen In Wirllühkett aber war der Käufer fast vermögenslos und konnte das Hotel nicht übernehmen., Die Verkäufer aber, die auf Zahlung von 8000 Dik. bestimmt gerechnet hatten, kamen in Vermögensverfall. Die Angeklagte hat während der Voruntersuchung stets bestrttten, die ihr zur Last gelegten Aeußerungen über die Vermögens- verhättnisse chres Schwiegersohnes getan zu haben; Ijeute gibt sie sie unumwunden zu, erklärt aber, chr inzwischen! verstorbener Schwiegersohn hcibe ihr diese Angaben gemacht. Sie habe selbst daran geglaubt, sonst hätte sie ihm ihre Tochter nicht gegeben. Eine größere Anzahl von Zeugen bestätigt, daß der inzwisck)en verstorbene B auch ihnen gegenüber die Angaben gemacht habe, er habe 7000 Mk. aus geliehen und erhalle von seinem Vater 10000Mk.Heirats- gut und 30 000 Alk. Existenzgut, sodaß sich schließlich die Wahrscheinlichkeit ergibt, daß die Angeklagte ihre Angaben in gutem Glauben gemacht had Dem übereinstimmenden Anttag der Staatsanwalljchaft und Verteidigung entsprechend erfolgt Freisprechung der Angellagten und Belastung der Staatskasse mit den Kosten des Verfahrens. Mainz, 25. Nov. Ein hiesiger junger Kellner hat die merkwürdige Angewohnheit, häufig D a m e n f l e i b e r zu tragen, cch der Nacht vom 6. September würbe er wieber einmal so auf- qeariffen unb ba es längst nach Mitternacht war, nach feiner Wohnung gefragt Da das „Fräulein" ungenaue Angaben machte unb behauptete, „Labenfräulein" zu fein, kam es auf bie Polizeiwache. Dort fand man bei ber Dame einen sechsläufigen scharf geladenen Revolver, womit sie sich angeblich auf dem Friedhof wegen Liebeskummer erschießen wollte, weil ihr „Schatz" sic verlassen habe. Es wurde dann ferner fesigestellt, daß der junge Mensch unter dem Nmnen einer hiesigen Kellnerin „feuerige" Liebesbrieie an einen Feldwebel schrieb. Nach dem Gutachten des Medizmalrats Dr. Risinger leibet ber junge Mann, der gestern vor dem hiesigen Schöffengericht stand, an Schwachsinn, unb sei für feine Streiche nicht verantwortlich zu machen. Ev erfolgte nach dem „M. Tgbl." Freisprechung. Landwirtschast Der „Reichsanzeiger" meldet: Saaten st and im Deutschen Reiche um die Novembermitte (wenn 1 sehr gut, 2 gut, 3 mittel, 4 gering, 5 sehr gering bedeuten): Winterweizen 2,3, Winterspelz 2,1, Winterroggen 2,3, junger Klee 2,3. Die entsprechenden Zahlen im Vormonat lauteten: 2,4, 2,1, 2,4 2,2; die entsprechenden Zahlen im November des Vorjahres: 2,6, 2,4, 2,8, 2,4. Während im nordwestlichen Deutschland das seit Anfang Oktober herrscheiide, über* mten y . Gerichts I unb Er- W' Wt M A * 1« ®c”11 K«ndarm? n das Wichen, °°° 'zu der junfyeinti x.rGs WZ ‘"Ä'.S “X btt , ro»Uen, J lel) iPÜttt eiS'tä Sinj unb > A ?n9teoerü |le «Ui en .'‘.k •w? *"9 X '® "e|M) C=erlantegtri[y: * “tower und sich tQt’ nnr.an, baß der von beiden teilen uu\w einzelnen Ä •60^ Vttläusers ein, Makler nicyt durchs und (eine , blue Wahrnehmung k -eidi. Auch eine W über bie ihm vom )Dl!wn besteht nach B 'm J-lafler ine recijtlidx ereßen des Käufers at- ufer- oder des Makler- gegebenem fjaöe. Je; i wußte, dog nach btm ünerunb des Muim W hohen tes Don r, die naturge/njg ihm- Tadurch, iüg et das äuiem den iwMlichen ercher Deijr beibet leite ch, daß er sich für feine '/r l'toi übersteigende : 1100 M. wrMen nnefrnung freu Häutern e öie5auser veranW ^gebühr von 2 noch dem besetz keim che des Äer5 voll: i ÄeÄLuzers ^nteiei1« IcuihMg er beabli^i )Umal der Verl bes tc* uiprach. balle bei U ■j,'aller auijutreren, dr» :;e ihm nach Ansicht >x üblichen Provision, to 1 erhält, gebührt, und eiiellt, öaß der AnM röiaung des Rublet xrmung, - ^9* [ ^enieigenben Lett^. 52 000 M. angenontmr laufchung unb 2 nie 'fllagie wurde daher m- ' der von Küble- „'Slam.«*» 4t tat rur Verteibigung einer unhaltbaren Pojrtwn auszufayren, eiu großer Mißbrauch ist. Pflicht unserer Justizverwaltung werde es sein, dafür Sorge zu ttagen, baß durch solche staatsanwaltschnsttichss Husarenstreiche inr Volke nicht noch weiteres Mißtrauen gegen unsere Rechtspflege wachgerusen werde unb daß sich nicht der Argwohn einncste, dre Ta^ unserer Schwurgerichte seien gezählt, wenn sie nicht nach der Pfeife der Anklagebehörde tanzen. Der „Vorwärts meint, die Beschränkung der Verteidigung, wie sre rm Prozesse zutage ttat, sei nur ein Ausfluß der allgemeiner^ Unterdrückung der Redefreihett, die in Deutschland^ jedem beschert ist, der nicht zu den offiziellen Kreisen gehört. Die „Morgenpost" berichtet noch, daß die sieudrge Anterl- nahme des Volkes an dern Freispruch, die in den Demonstrationen vor dem Moabiter Justizpalast zu so lebhaftem Ausdruck kam, sich abends in erneuten Kundgebungenn vor dem Hause, wo das gräfliche Paar nach seiner Haftentlassung abgesttegen war, zeigte. Dort hatte sich> eine große Volksmenge angesammelt, die wiederholl in stürmische Hochrufe ausbrach. Die Gräfin zeigte sich mtt ihrem Kinde am Fenster, was der Menge zu noch gesteigertem Jubel Anlaß gab. — Dem Hauptverteidiger Justtzrat Wronken wurde, als er nach Beendigung der SchMrgerichtssitzung mtt den Töchtern des Grafenpaares die Kranzlersche Kondttorei Unter den Linden aufsuchte, von ettter zahlreich angesam- melten Menschenmenge lebhafte Ovationen darge- bracht. — Wie nach dem „Lok.-Anz." verlautet, ist die 21/2- stündige Beratung der Geschworenen im Kwttecki- Prozeß darauf zurückzusühren, daß bezüglich der Angeklagten Ossows ka sich erhebliche Meinun gsdifs e- renzen in der SchMfrage ergaben. Berlin, 26. Nov. Der Reichstag wird voraussichtlich erst am 9. Dezember seine eigentlichen Beratungen aufnehmen können. Da am 8. ein katholischer Feiertag ist, ist die Abhaltung einer Sitzung am 7. nicht wahrscheinlich. Am 4. findet die Wahl des Präsidiums statt und einige Tage müssen die Abgeordneten für das Studium des Etats frei haben. Wie man annimmt, wird die Zahl der Interpellationen eine ungemein große sein. Vor den Weihnachts-Feiertagen bleibt nach der ersten Lesung des Reichshaushalts-Voranschlages schwerlich noch mehr Zeck als zur Crlediguirg des englischen 5Zrndels-Provisoriums! Stuttgart, 26. Nov. In der gestrigen zweiten Sitzung nahm der deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe einen Anttag au, nur solche Arbeiter einzustellen, welche im Besitz eines Arbeitszeug- nisses sind. Ms Ort der nächsten Versammlung- wurde Magdeburg gewählt. Wien, 26. 9öov. Zu der Annahme des Reform- Programms durch den Sultan, die gestern erfolgt ist, wird gemeldet, daß dieser plötzliche Umschwung darauf zurückzuführen ist, daß Oesterreich und Rußland der Türkei gedroht haben, das übernommerte Mandat in die Hände des europäischen Konzertes zurückzulegen. Goluchowsky habe erklärt, daß die von der Pforte verlangte Abänderung einiger Punkte der Resormforderungen erst nach bedingungsloser Llnnahme der Forderungen zugestanden wer- nach Wrobtewo erfolgen. Das graslrche Ehepaar wiro rm • Winter zur Stärkung der durch die lange ^^^suchungshaft Der deufiche Radiahrerbund angegriffenen Gesundhett eine Erhö^gsrerse nach oam ...<«« Sitten antreten. - Fast sämtliche Morgenblatter beschäftigen sich in langen Arttkeln mit dem Aus gange des Prozesses und ©eben durchweg chrer Genugtuung uber den Freispruch sämtllcher Angellagten Mrs- druck. Gleichzeittg werden aber auch heftrge Angrrfse gegen die Prozeßleitung, die Staatsanwaltschaft sowie die Art der V 0 r u n t er s u ch u n g erhoben. Tie „N a t.-Z t g." erblickt in dem Plattoyer der Staatsanwaltschaft eine starke Beeinflussung der Geschworenen und bezeichnet die Beeinflussung einzelner Zeugen wahrend ree Verhandlung als noch weit stärker. Man fiage pch erstaunt, ob ein solches Ausgelwt von Nicht-Beweismctterral vor den Geschworenen nötig war. — Die „Tägl. Rundschau hebt den schreienden Wtterspruck) zwischen der ossczrellen juristischen Auffassung des Falles und der Beurtettung durch das natürliche Rechtsempfinden besonders hervor. Me ,Berl. Reuest Nachr." bezweifeln, daß auch jettens eines gelehrten Richterkollegiums ein gleicher Ausgang zu erwarten gewesen wäre. Es werde ernste Aufgabe fern, die Erfahrungen des Prozesses für die im Werke besmdlrche Reform des Strafprozesses zu fruktifizreren. Die Sachver- stäudigen-Kommission wird Nlltte Dezember von neuem zu- sammentteten und sich dann, wie verlautet, zunächst mtt der Frage der Berufung beschäftigen. Die „Vo j j. Zt g. erllärt, das Verdikt der Geschworenen werde nicht der Todesstoß für das Institut der Geschtvorenengerichte sein, sondern das Ansehen des Schwurgerichts heben und dre lleberzeugung, daß die Erhalttmg und die Erweiteruna seiner Zuständigkeit notwendig sei, in wetten Krersen auch uuter den Berussjuristen festigen. Das ,^berl. Tage bl. wendet sich besonders scharf gegen die Staatsanwaltschaft und erklärt, es sei Pflicht der öffentlichen Mernung, mtt allem Nachdrrtck darauf hinzuweisen, daß solches Geschütz igung einer unhaltbaren Position aufzufahren, Mißbrauch ist Pflicht unserer Justizverwaltung Gingesandt. (Für Form und Jnhuci. alter unter dceser Rubrik stehender Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber • keinerlei Verantwortung.) Anfrage! Was hindert den Detaillisten-Verein, diejenigen Geschäfte, welche den Mitgliebern eines hiesigen Konsum-Vereins Extra-Vergünstigungen gewähren, im Gießener Anzeiger mit Namen zst nennen'? ^1» Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Donnerstag den 26. November, abends 8 Uhr, im oberen Konftrmandenfaale, Kirchstraße 9: Bibelstunde. Ps. 90. Pfarrer D. Schlosser. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage. Samstag, den 28. November 1903. Vorabend 4.30 Uhr. Morgens 9.00 Uhr. Nachmittags 3.30 Uhr. Schristerklärung. Sabbathausgang 5.15 Uhr. Gottesdienst der israelitischen KeligionsgestUschast. Sabbathfeier a m 28. N 0 v e m b e r 1903. Freitagabend 4.00 Uhr. Samstag Vormittag 8.30 Uhr. Nachmittag 3.30 Uhr. Sabbaihausgang 5.15 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 7.00 Uhr, abends 4.00 Uhr. Frisch eingetronen: Kaviar, Obst- und Gemüse-Konserven Car-ä Schwaabg Hoidelikatessengeschäit Telephon 265. 8131 Seltersweg 23. I Sängerkranz. Sonntag den 29. Movemßer, nachmittags 5 Mr zur Feier des 40jährigen Stiftungsfestes a ionzert im Wenen Saalöau (Steins Harten). Anmeldungen zu dem gemeinschaftlichen Essen müssen bis Freitag früh 10 Uhr bei dem Vorsitzenden angezeigt sein. Der Vorstand. Oewete C@^eggae! Kollegen, welche sich für fassens] in Interessieren, werden dringend gebeten, sich vor der Bewerbung mit einem der Unterzeichneten in Verbindung zu setzen, die Auskunft erteilen. 8817 Dr. Hartmann, Leipzig-Connewitz, Südstrasse 121 H. Vorsiztender des Verbands der Aerzte Deutschlands zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen. San.-Rat Dr. Keller, Cöln, Albertusstr. 12, Dr. Laspeyres, Bonn, Kaiserstr. 26, Dr. H. Koeppe, Giessen, Alicestrasse 3, Vertrauensmänner des Verbandes. 8814 Gießer oder Gießener? Gäste find willkommen. Titzmg te Atthess. ■ Donnerstag den 3. Dezember, abends 8‘/4 Uhr im unteren Saale deS Lafö Ebel. 1. Professor Dr. L. Günther über die deutsche Gaunersprache. 2. Professor Dr. O. Behaghel, der Name Offenbach. — Versteigerung. Dienstag den 1. Dezember sollen dahier 68 der 'Schäferei gehörige Schafe, darunter 48 zweijährige, von vormittags 10 Uhr ab versteigert werden. 8711 Dorf-Gill, den21. Nov. 1903. Adam Gorr III. 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