Nr. 121 •rltetet iLgllch au6« Sonn lag«. Dem (Siebener Anzeiger werben tm Wechsel mit dem Kesßsche, kaidwlrl btt •lebeeer zamilitn- HdHer viermal tn der Woche beigelegL Jbiattontbrurf e. Verlag der v e ü hl'lchen Unroed.-t$ud>- u.6tem- bcud; durch biePost Mk.l— otenel- lährl. au»id)L vellellg. Annahme von Anzeige» für die Tage«nun,mer bi» Dormitrngfl 10 Uhr. ßetlenprtti: total 11*ÜU au»rodet» 10 tilg, tiecunlroenitcb tüt den poltt und aQgem. teil; U Witiko für «Stadt und tianb* und ,(Lencht»1aalE. A uaust Tötz; für den tln- jeiqentetl: Han» veck. Air heutige Fummer umfaßt 8 Seiten. Volilische Tagesschau. Di« Bllßuag eitler protestaotlschen Partei für die bevorstehenden Wahlen soll nach einer Mitteilung bet deutsch-evanaelischen Lorr, vorbereitet und erst im letzten Lugenblick verhindert worden sein, „um niche in protestantischen Streifen daS nationale Wahlelend zu vermehren." Tie Manner, auf deren Einwirkung hin die Bildung Oer neuen Partei unterblieben ist, haben sich ein nicht geringes Verdienst erworben. Tie Vermehrung der parteipolitischen Organisationen um eine weitere, die naturgemäß zu einer reinen Lamps Partei geworden wäre, hätte gerade noch gefehlt! Schon jetzt geht das politische Leven Teutsch- lands ins Kleine und Kleinliche; man sieht vor lauter Parteien die Partei nicht. Sehr zur rechten Zeit aiebt der Zentrumsführer Frhr. v. Her kling eine Aeußerung des Kaisers bekannt, die in einem PriVorgespräch fiel: „Wir können doch nicht wie unsere Altvordern uns über religiöse Fragen die Löpfe einschlagen, wir müssen doch friedlich miteinander leben!" Tas trifft den Nagel auf den Stopf. Toch nicht nur auf protestantischer, sondern auch auf katholischer Seite möge man dieses Kaiserwort beherzigen und alles vermeiden, was die konfessionellen Gegensätze verschärft. Teutschland hat aller- wärts Neider und Hasser, es darf sich den Luxus weiterer innerer Zersplitterung nicht leisten. Sie Bildung der „Protestantischen Volkspartei" wäre gleichbedeutend gewesen mit der förmlichen Eröffnung des Kulturkampfes, und ein solcher könnte jetzt nur als nationales Unglück bezeichnet werden. Ter bayerische Ministerpräsident Frhr. v. Podewils ist am Montagabend in Berlin eingetroffen und am Bahnhofe vom bai-erischen Gesandten empfangen worden. Er stieg in der bayerischen Gesandtschaft ab. Reichskanzler Graf Bülow wird heute den bayerischen Ministerpräsidenten empfangen und ihm zu Ehren ein Tiner veranstalten, au dem außer den Mitgliedern der bayerischen Gesandtschaft die preußischen Minister, die Staatssekretäre und andere Bundesratsbevollmächtigte geladen find. Es ist kein Geheimnis, daß es in Bayern gewisse Persönlichkeiten gieot, die um jeden Preis Unfrieden zwischen München und Berlin haben wollen. Die Herren vom Bundesrat tauschten manchmal ihre Gedanken darüber auS. Sie fühlten sich dazu umsomehr veranlaße, als auch der bayerische Gesandte in Berlin, Graf Lerch en- e l d, in den Bereich dieser dem Zwiespalt dienenden Aus- treuungen gezogen wurde. Bald hieß es, Graf Lercheneid bleibe den Hoffestlichkeilen fern, weil chm die ,^Hof- luft" als zu ,preußisch" nicht zusage. Tann wieder sollte eine Spannung zwischen dem Vertreter Bayerns und dem Reichskanzler obwalten, die ersterem Rückttittsabsich- ten nahcgelegt und an der Isar Verstimmung hervorgerusen habe. Es trifft weder das eine noch das andere zu. So oft Graf Bülow un Reichstag weilte, sah man ihn in freundschaftlichem Gespräch auch mit dem bayerischen Gesandten. Ebensowenig ist Graf Lerchenfeld den Hoffestlichkeiten fern» geblieben. Weder in Berlin noch in München wird die beabsichtigte Wirkung dieser Quertreibereien erreicht — davon dürfte die Begegnung des bayerischen Ministerpräsidenten mit dem Reichskanzler Zeugnis ablegen —, wohl aber im Ausland, dem man Gelegenheit giebt zu hämischen Bemerkungen. Tas sollten die Störenfriede in Bayern sich vor Augen halten. Die Balkan-Unruhen. Lehrer Dimow, der mit Deltschew bei Banitza, 15 Kilometer nördlich von Seres, gekämpft und sich gerettet hatte, erzählt, daß die Türken auf die Nachricht, Deltschew stehe dort mit 15 Mann, das Torf durch 8U0 Reguläre und 200 Retter umzingelten. Nachdem Deltschew und sieben Genossen im Straßen kämpfe gefallen, und der Rest der Bande geflohen war, versammelten sie die Bevölkerung an einem Orte außerhalb des Dorfes, metzelten die Männer nieder, oergeroaltigten die Weiber oder führ- ten sie ab und steckten das Torf in Brand. Bon der ganzen Bevölkerung des Dorfes, das 115 Häuser zählte, wurden nur 15 Seelen gerettet Nach Timow hätten die Rebolutionäre der Idee eines allgemeinen Dolksaufftandes entsagt wohl werde man aber trachten, durch Banden die Tätigkeit der türkischen Streitkräfte und Europa bis zum Winter in Atem zu halten. Die Blatter melden von einem Stampf des Hauptmanns Stojonow bei Godlewo im Rasloggebiet Nach den Angaben der Pforte fand am Freitag in Smerder, Kreis Castorie im Vilajet Monastir ein großer Kampf mtt einer bulgarischenBande statt, welche vernichtet wurde. Nach in Wien eingetroffenen Telegrammen hatte diese sich eines Torfes am Presta-See bemächtigt. Die Missetäter verbargen in mehreren Häusern große Mengen Ty- namit und Munition. Eine Kolonne Soldaten schloß das Torf ein und eröffnete den Kampf, der 30 Stunden dauerte. Tie Eingeschlossenen warfen Bomben, welche mehrere Häuser in Brand steckten. Ter heftige,Wind schürte die Feuersbrunst, die das ganze Torf einäscherte. Nachdem das Feuer au»gebramit war, fanden sich 150 verkohlte Leichen von Aufständischen vor. Tie Soldaten hatten nur geringe Verluste erlitten. Aus Konstantinopel wird noch gemeldet: Tas Unifikations-Irade ist am 24. d. M. erlassen worden. Die kroatischen Unruhen. Aus Budapest wird telegraphiett: Im kroatischen Küstengebiete fanden weitere Unruhen statt. In Gribnik sammelte sich die Menge infolge deS Gerüchtes, daß man den Pfarrer verhaften wolle, zu besten Schutze an, stürmte das Gemeindeamt und die Schule und zerstörte deren Einrichtung. In Draga griff die Bevölkerung den verhaßten Gemeindepfarrer SgumbicS an, der zwei Schüsse auf die Menge abgab. In beiden Orten konnte erst Militär dte Ruhe wieder Herstellen. In Agram stehen die Hörsäle der Universität leer, die Studenten beschlossen, die Vorlesungen nicht eher zu besuchen, als bis ihnen für die Ereignisse am letzten Tage nicht volle Genugtuung geboten wird. In Jeleoje wurden die Telegraphenstangen abgesägt und die Drähte zerristen. In Cirkoenica und Tersato wurde demonstriett, weil der Gottesdienst für das Seelenheil eines bei den Kundgebungen Getöteten untersagt wurde. Sämtliche Briefkästen wurden erbrochen und des Inhalts beraubt. In Agram sind sämtliche Gefängniste umgestaltet worden. In St. Joses bei Buceari wurde der 76jahrige Pfarrer wegen Aufreizung von der Kanzel verhaftet. Bei feiner Ueberführung nach Bueeari gelang es ihm unter Mithilfe der Volksmenge, zu flüchten. In Novi wurde das ungarische Wappen und die Aufschrift am Postamt herabgerissen und besudelt, die Telegraphenstangen wurden umgestürzt und die Drähte zerristen. In Podzued wurde bei den Demonstrationen ein Bauer von der GenSdarmerie getötet, mehrere schwer verletzt. In Neugradicka wurden ebenfalls die ungarischen Embleme bejubelt. In Kaplvnitz wurde daS Schloß ZaSzinya deS BaronS Jenkey erstürmt und in Brand gesteckt. DaS Schloß deS Grundbesitzers Lanti in Cukovecke wurde auS- geplünbcrt. Auf Militärpatrouillen wurde nachts gc- fchosten; Kavallerie und Infanterie wurde zahlreich aufgeboten. Ministerpräsident v. Szell erklätte im Magnatenhause auf die Aufforderung des Grafen Esterhaczy, er solle endlich einmal energisch auftreten, damit nicht alles darnieder liege: Er, der Ministerpräsident, werde, so lange er baS Vertrauen ber Krone unb ber Majorität habe, seine Haltung nicht ändern. Wahl-Bewegung. k- AuS dem Kreise Lauterbach, 26. Mai. Für die Kandidatur Wallau fanden in den letzten Tagen sehr gut besuchte Wählerversammlungen in Stockhausen und Schlitz statt, deren Verlauf erwies, daß die Stimmung unter der ganzen Bevölkerung die denkbar beste für unsere Kandidatur ist. Den Ausführungen beS Dr. Wallau würbe an beiben Orten ber lebhafteste Beifall gezollt unb bie Wahl von verschiebenen Männern, auf beren Stimme in ihrem Berufs- unb Mitbürgerkreise gern gehört wirb, aufs wärmste empfohlen. So traten in Stockhausen bie Bürgermeister Rahn- Rixfelb unb Eichenauer-Stockhausen, sowie Oekonom Back- hauS-RubloS, in Schlitz Herr Paul Hoffmann-Schlitz unb Gutsbesitzer Fischer-Bernshausen, sowie Molkereimgenieur HarmS, unter freubigfter Zustimmung ber Anwesenben für die Wahl beS RreiBratB Wallau ein. (:) Ulrichstein, 25. Mai. Die erste Versammlung, in ber sich ber ReichStagSkanbibat Dr. Wallau auS Lauterbach seinen Wählern vorstellte, war sehr zahlreich besucht. Dr. Wallau fanb begeisterten BeifaL Amtsrichter Rausch, Ge- GerichtSschreiber Linb, Oekonom Pröscher-Selgenhof, Dr. Schmibt 21. A. sprachen für bie Wahl. ES waren auch sehr viele Wähler aus ben umliegenben Orten anwesenb. DaS Hoch, baS zum Schluffe auf ben Kanbidaten, besten vornehme sachliche KampseSweise allgemein angenehm berührt, von bem Vorsitzenben auSgebracht würbe, fanb begeisterte Zustimmung. Glückauf zum 16. Juni, ber uns jedenfalls endlich einmal einen Abgeordneten auS unserer Mitte bescheeren wird. — AuS Laubach schreibt man unS: Am Sonntag hielt hier der ReichStagsadg. Bindern alb eine Wahlrebe. Ein sozialdemokratischer Gegner auS Gießen versuchte vergebens bie Segnungen der Sozialdemokratie für bie Lanb- beoölferung barzustellen. Die Wahl Binbewalbs gilt als gesichert. (So? Das glauben wir boch nicht so ohne werteres, nach allen ben anberen Melbungen auS bem benachbarten Wahlkreise. D. Reb. bes Gieß. Anz.) Offenbach, 24. Mai. LanbtagSabg. Hauck hat zu Gunsten beS Dr. Becker feine Ranbibatur für die beoor- stehenbe ReichStagSwahl zurückgezogen. Hanau, 25. Mai. Don ben Anttfemiten würbe für ben Reichstagswahlkreis Hanau-Gelnhausen-Orb ber antisemitische Agitator Otto Hirschel aufgestellt. Es ist bieS bie sechste Kanbibatur für ben hiesigen Reichstagswahlkreis. Berlin, 25. Mai. Der ,ReichS-Anz." schreibt im nichtamtlichen Teile seiner heutigen Nummer: Einem Beschluß beS preuß. StaatSminifterium5 entsprechens sind bie Ressortminister ersucht worden, durch geeignete Anordnungen dafür zu sorgen, daß bei den bevorstehenden ReichstagSwahlen den Beamten ihres Reffotts bie Ausübung des Wahlrechtes an ben Tagen der Haupt-, Stich- unb Nachwahlen möglichst erleichtert werde. — Die .Nat.-Ztg." schreibt: Papst Leo Xlil. soll ben beutschen Bischöfen, wie ausroärtige Blätter meiden, bie Instruktion erteilt haben, bei ben bevorstehenben Wahlen für ben beutschen Reichstag ber Regierung jede Unter* IstÜ tzung zu gewähren. Zugleich wirb behauptet, die preuß. Regierung wünsche die Errichtung beS Postens eines päpstlichen Legates in Berlin. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, beruhen beide Meldungen auf Erfinbung. Deutsches Reich. Berlin, 25. Mai. Mtt Bezug auf bie falsche 5öe* hauptung, daß im Berlin er T v m neben Luther und Melanchthon auch ein Standbild Karls V. ausgestellt werden sollte, schreibt die ,,'Jiorbb. AUgem. Ztg.": „Wir sind in der Lage, einen Bescheid mitzuteilen, der in seiner Ironie nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig läßt. Ter Kaiser hat nämlich zu bem Zeitungsausschnitt am Rand bein er kt : „A u ß e r ä a r l V. sollen noch Diokletian, Nero, Torquemada und Alba auf gestellt werden. Auch Lucifer selbst ist in Vorschlag gebracht; man weiß bloß nicht recht, ob er an der Kanzel ober an ber Kaiserloge angebracht werden soll." — In einer Londoner Zuschrift wird der „Germania" beftätigt, daß britische Katholiken die Absendung emer Adresse an ben beutschen Kaiser planen. Die Unterzeichner versichern Kaiser Wilhelm, baß sie unaufhörlich baran arbeiten würben, alle Mißverständnisle zwischen England und Deutschland zu beteiligen und alle» za tun, um die Gefühle der Freunoschaft zwischen beiden Ländern zu erhalten. Tie Adresse geht aber nur von einem latholischen Blatte aus, das sehr wenige Katholiken hinter sich hat. Tic übrigen katholischen Blätter nehmen keine Notiz davon, sodaß bie Adresse, wenn sie überhaupt zu stände kommt, sehr wenige Unterschriften ausweisen wird. — König (rbuarb vpn England hat bem ersten S^rde-Tragoner-Regiment, dessen Ehef er ist, sein Oel- porträt in der Regimentsuniform geschenkt, das gestern mittag überreicht wurde. Aus dieser Anregung hatte bas Offizierkorps ben großbritannischen Botschafter Sir Frank Lascelles, den bisherigen Militärbevollmächtigten Oberst Waters, sowie die übrigen Herren der Botschaft zum Frühstück geladen. Vor demselben hielt ber Botschafter in englischer Sprache eine Anrede an ben Regimentskommandeur unb brachte zum Schluß ein Hoch auf Kaiser Wilhelm aus. Ter Kommandeur sprach bem Botschafter ben Dank des Offizierkorps für das Geschenk aus. Tie Dankrede schloß mtt einem Hoch auf König Eduard. — Zum Domherrn in Brandenburg soll, wie ein Mitarbeiter der „Brest. Ztg." erfahren hat, der Reichskanzler ernannt worden. (Tie Dom Herren stellen in Brandenburg find bekannttich Sinekuren, bie gute Einnahmen bringen.) — Tie Frage, wer von den preußischen Würdenträgern die meisten Orden hat, hat doch immerhin etwas Interesse. Ter Reichskanzler ist, wie einst selbst Bis- marck nicht, der mit Orden am meisten befäete Beamte, obgleich er sich immerhin schon mtt 53 Orden schmücken kann. 3 Orden mehr hat der Generaloberst v. Ha bnke, er wird aber von dem Grafen zu Eulenburg (Oberhof- mavschall), der in der Armee ben Charakter eines Generalleutnants hat, um 12 Crben geschlagen. Ter Chef des Militär-Kabinetts, Graf H ü 1 f e n - H ä s e 1 e r, bat bald 60 Orden und kann vielleicht den höchsten Record erreichen; den Feldmarfchall Grafen Waldersee und den Generalobersten Frhm. v. Lotz üeren 40 refp. 34 Orden: es liegt ja in der Natur der Sache, daß die Beamten, welche direkt um ben Kaiser sind, (Chef des Militär-Kabinetts- am häufigsten dekoriert werden. Ter Verteidiger von Peking, der damalige Oberleutnant, jetzige zweitjüngste Hauptmann im 1. Seebataillon, Graf v. Soden, hat bereits 10 Orden, darunter den Orden pour le meriie. — Tie Otavi -Gesellschaft, bie bisher mehr in Form einer Aktiengesellschaft bestand, wird ihr Kapital zum Zweck eines Bahnbaues in Deutsch-Südwestafrika von 1 Million auf 20 Millionen Mark erhöhen. Strelitz, 24. Mai. Der Großherzog und die Großherzogin von Mecklenburg-Strelitz können am 26. Juni auf den Dag ihres 60jährigen Ehejubiläums zu- rücfbliden. Im Lande werden bereits große Vorbereitungen zur festlichen Begehung dieses Tages getroffen, welche durch eine Kundgebung des Großherzogs wohl eine Einschränkung erfahren werden. Bonn, 25. Mai. Hier waren gestern Gerüchte über einen Attentatsversuch auf den jungen Herzogvon uobürg verbreitet. Zwei Angestellte horten Schüsse, auch sollen im Garten in ihrer 9iahe Kugeln in den Boden cingebrunaen fein. Ter Vorfall ist noch nicht aufaefiärt, indessen dürften junge Leute in der Nachbarschaft mit Teschings unvorsichtig umgegangen sein. Die Unglücksreunsayrt Aarts—Madrid. Heber ein förm liches Leichenfeld ist die erste Etappe des Automobilrennens Paris—Madrid hinweggegangen, und mit Blutspuren ist diese Strecke Paris—Bordeaux gezeichnet. Tie französischen nddiespanische Regierung haben angesichts der Katastrophe jetzt ihr Veto eingelegt Damit ist das Schicksal der Wettfahrt besiegelt. So sind denn die Millionen, bie von ber 2luto> mobilinbuftrie Frankreichs, Englands und Deutschlands in diese Fahrt hineingesteckt wurden, in den Wind geflogen. Man kann der französischen und der spanischen Regierung nicht^den Vorwurf ersparen, daß sie unerhört leichtsinnig dem Trangen des feudalen ftanzösischen und spanischen Automobilklubs nach Genehmigung der Wettfahrt entgegengekommen sind Jetzt den Brunnen zuzudecken, ist weiter nichts als eine Pflicht und Schuldigkeit gewesen.' Aber konnte die Heberlegung nicht vorher Platz greifen? Als vor zwei Jahren Die Fahrt Paris—Berlin einige wenige Unfälle im Gefolge hatte, waren Autonwbilrennen m Frankreich eine Zett lang verpönt, und von Berlin aus schloß man sich diesem Vorgehen an imb stellte den Auto- mobllismus, soweit er rennmäßig betrieben wird, auf den Index. Dann kam im vergangenen Jahre die Fahrt Paris— Wien. Tie französische Regierung ließ sich wieder erweichen, unb der Ausgana des Rennens, der ziemlich glimpflich ohne allzu auffällige Katastrophen verlief, schien ihr Recht gegeben zu haben. Unterdessen hat die AutomobU- industrre gewaltige Fortschritte gemacht, nicht zuletzt dan! den Rennen, die den Ansporn zu rastloser Konkurrenz bildeten. Die Rekordraserei trat in immer zunehmendem Maße m die Erscheinung. Eine Art Wahnsinnstaumel ergriff die Chauffeure, da möglichst jeder einen neuen Weltrekord aufstellen wollte, und — wie das die Kundigen lange vorausi'ahen — das Unglück blieb nicht aus. Die Nizzaer Woche ist ja noch in lebendiger Erinnerung. Trotzdem ist das Rennen Paris—Madrid nicht sofort dem Verbot verfallen. In dieser warmen Jahreszeit, wo die Rennwagen, werm sie die Chausseen dahinsausen, einen undurchdringlichen Staub hinterlassen, auf zum Teil miserablen Straßen — ganz zu schweigen von den schlechten kalkigen Straßen Spaniens — hat man die „Ritter von der Geschwindigkeit hinausziehen lassen im 100 Kilometertempo. Sport ist Sport. Wer sich ihm mit Leib und Seele verschrieben hat und den bravourös zu nennenden Mut besitzt, jeder Gefahr, die am Wege lauert, unerschrocken ins Gesicht zu blicken und, wenn es sein muß, sein Leben in die Schanze zu schlagen, muß das Schicksal walten lasten. Vlan kann auch verstehen, daß die Automobilindustrie einen so ungeheurer: Wert auf Automobilrennen legt und ihre vornehmsten Fürsprecher ins Gefecht schickt, wenn es einmal heißt: Dies Rennen muß verboten werden. In erster Reihe steht aber die Rücksicht gegenüber der unbeteiligten Vollsmasse. Automobilrennen in oer Fassung wie Paris—Madrid, zugeschnitten auf wahnwitzige Raserei, gehören nicht auf die Straße, dazu sind Rennbahnen da, und wo sie nicht bestehen, mögen sie, wenn der Industrie es notwendig erscheint, gebaut werden. Aber d:e Landstraße ist für solche gefährliche Vergnügungen nicht da. Noch so strenge Vorsichtsmaßregeln (und Paris—Madrid war gewiß sorgfältig vorbereitet) werden nie verhindern können, daß neugierige Zuschauer, die harmlos ohne Ahnung von den Gefahren des Töff-Töff, am Wege stehen, plötzlich in eine Katastrophe verwickelt werden. Darum tut es bei Zeiten not, dieser Art Rennen den Garaus zu macken. Das „Berl. Tagebl." hört, daß der deutsche Automobilklub Versuche unternimmt, die Regierung möge gestatten, daß der Gordon Vennett-Pokal, falls er in diesem Jahre in Irland von deutschen Wagen gewonnen werden sollte, im nächsten Jahr hier zum Austrag kommt. Es ist an der Zeit, schon jetzt davor zu warnen. Prinz Heinrich hat vor kurzem ein sehr schönes Wort über die Automobilisten gesprochen: „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst!" Darum fort mit den Straßenrennen. Touristenfahrer tun auch rhre Schuldigkeit. Die gestern bekannt gewordene Liste war höchst un- vollständtg; nach den heute vorliegenden wahrschernlich auch noch lückenhaften Nachrichten ist die Zahl der Toten und tödlich Verletzten auf 17 gefliegen. Außerdem sind 30 Personen mehr oder weniger schwer verletzt. Marcell Renault, der Sieger der Wettfahrt Paris- Wien, liegt anscheinend in Agonie, er hat einen Schädelbruch, auch beide Beine sind gebrochen. Er ist mit seinem Automobil gegen einen Baum geflogen, als er seinen Konkurrenten Thery überholen wollte. Angeblich soll der Arzt erklärt haben, seine Rettung sei möglich, doch ist er andauernd ohne Bewußtsein. Er ist Mitinhaber der Auto- mobilfabrit Nenault-Fröres. Als sein Bruder Louis Renault, der als Erster in Bordeaux eingetroffen war, das Unglück vernahm, ließ er sofort sämtliche Wagen der Firma aus der Wettfahrt zurückziehen. Der Fahrer Lorraine- Barrow, der einen Dietrich-Wagen lenkte, liegt in Libourne, ihm ist der Brustkasten eingedrückt und ein Schenkel zermalmt. Sein Zustand gilt als ziemlich hoffnungslos. Lorraines Mechaniker ist, wie bereits gemeldet, tot. Tot sind ferner folgende Personen: Wettfahrer Porter, dessen Automobil zwei Kilometer von Bouneval umstürzte. Porter lag unter dem Wagen. Der Autolnobilisl, der sich nicht bewegen konnte, verbrannte. Ferner Wetlfahrer Stad, der mit einem Dietrich-Wagen die anderen Automobile überholen wollte und dabei kollidierte; tot liegen 6lieb der von dem Automobll des Wettfahrers Tou.rang herabgeschleuderte und schwer verletzte Mechaniker; dann eine Frau, die bei Ablis die Chaussee überschritt und von einem Automobil ergriffen, und zermalmt wurde. Sodann kamen zwei Soldaten und ein Kind, nach anderen Meldungen ein Soldat und ein Kind um. Die Soldaten wollten bei Barbezieux das Kind von der Chaussee zurückhalten und wurden dabei selbst von dem Automobll Tourangs ergriffen. Bei diesem Unfall kam auch der schon erwähnte Mechaniker Tourangs um, während Tourang selbst schwer verletzt wurde. Schwere Verletzungen erlitt auch der Wettfahrer Georges Richard, der umstürzte und mehrere Rippen zerbrach. Vor der Abfahrt von Versailles wurden zwei Velozipedisten überfahren. Wie dem „Lok.-Anz." noch aus Paris berichtet wird, wurde der Sieger in der Fernfahrt Paris—Berlin, Fournier, bei dem Zusammenstoß seines Wagens aus dem Gefährt herausgeschleudert und verletzt. Er gab infolgedessen das Rennen auf. Fürst Albert von Monaco, welcher auf seinem Moto-Cyclet eine Tourenfahrt von Monaco nach Paris unternehmen wollte, kam dadurch, daß er einem Hunde ausweich en wollte, zu Fall und erlitt Verletzungen am rechten Arm unb am rechten Schulterblatt. Der mitfahrende Chirurg legte dem Fürsten einen Notverband an. Wie demselben Blatt aus Loudon gemeldet wird, kollidierten bei einem Automobil-Wettrennen von Postbeamten in Bristol zwei Wettfahrer, sodaß sie ins Publikum stürzten. Zwei Knaben wurden getötet, 10 Personen schwer verwundet. Einer der Wettfahrer trug ebenfalls schwere Verletzungen davon. Aus Libourne wird noch berichtet, daß dieFraueines Musiklehrers, welche sich mit ihrem Mann mit dem Fahrrad vor die Stadt begeben habe, um die Rennwagen vor beikommen zu sehen, von einem Automobil überfahren und tödlich verletzt wurde. In dem Senat und in der Mammer zu Paris wird die Regierung lucyen der Unglücksfälle interpelliert werden. Die Bevölkerung des «üdwestcns Frankreichs ist in so gereizter Stimmung, daß den Automobilisren ein anderer Rückweg nach Paris an geraten wird. Der deutsche Automobilwettfahrer Werner mit [einer Merxedes-Majchiue von 9» Pferdekräften gab ferne Fahrt auf infolge eures Defektes an seiner Maschine. Ebenso schied Atme. de Jast vor dem Beaknntwerden des Verbots von der Beteiligung auS. Die projektierte Illumination in Bordeaux unterblieb zum Zeichen der Trauer für die Unfälle. (Auü £xtui>t und Land. Gießen, 26. Mai 1903. — Personalien. S. K. H. der Gcoßherzog haben den Fritz Schultz aus Seddin zum Fachlehrer für Drechseln und Holzschnitzen an der Fachschule für Elfenbeinschnitzerei und verwandte Gewerbe zu Erbach u O. ernannt — Der Oberförster Georg Ohl zu Grebenhain wurde m gleicher Diensteigenschaft in die Oberförsterei Ober-Rosbach versetzt. — Ernannt wurde der Steueraufseheraspirant Bernhard Vogt aus Küllstedt zum Steueraufseher. — Eine Regierungsvorlage betr. Hagelversicherung ist soeben der 2. Kammer vorgelegt worden. Sie bezweckt den Abschluß eines Vertrages mit der Rordd. Hagel- versicherungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit in Berlin sowie die Bildung eines Hagelversicherungsfonds. *• Das Großherzogliche Regierungsblatt, Beilage Nr. 16, enthalt u. A.: Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern für das Etatsjahr 1903/04 genehmigten Kommunalbedürfnisse in den Landgemeinden des Kreises Gießen. t Butzbach, 26. Mat Die Arbeiten an der nenen Bahnstrecke Lich — Butzbach sind jetzt auf der ganzen Strecke — seit kurzem auch zwischen hier und Griedel — sehr energisch in Angriff gnnommen worden. Die Bahn soll bestimmt am 1. Oktober d. I. eröffnet werden. Die Weiterführung der Bahn über Lich, Bessingen, Ettingshausen und Queckborn nach Grünberg dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein. — Die Arbeiten an der St. Markuskirche schreiten rüstig weiter und dürsten bis Herbst vollendet sein. Die Kosten der Renovierung werden sich auf etwa 30—40 000 Mark belaufen. — Das Infanterie-Bataillon ist am Samstag nachmittag per Bahn wieder von Griesheim bei Darmstadt zurückgekehrt, wo es Schießübungen hatte. K. B. Darmstadt, 26. Mai. (Telegramm des »Gießener Anzeiger"). Der Deutsche Bühnenverein (nicht zu verwechseln mit der Genosienschaft deutscher Bühnenangehörigerl D. R.) ist seit gestern vormittag hier versammelt. Es haben sich bisher der stellvertretende Vorsitzende, Generalintendant Baron v. Perfall-München, Generalintendant Exz. Frhr. v. Plaggert-Wien, Exz Graf v. Seebach-Dresden, Exz. Dr. Tem p e ltai- Coburg, Frhr. v. Lede b our-Schwerin, Baron v. Puttlitz -Stuttgart, der Hess. Geh. Hofrat Max Staazmann-Leipzig u. a. eingestellt. Präsident Graf Hoch berg trifft erst am Mittwoch ein. Die bisherigen im Foyer des Hostheaters stattgehabten Beratungen waren mehr Vorbesprechungen und von vertraulicher Art. Nachmittags */,3 Uhr war gemeinschaftliches Essen im „Hotel zur Traube". Heute nachmittag 5 Uhr findet ein von der hiesigen Generaldirektion gegebenes Festessen ebendaselbst statt und für Mittwoch mittag sind sämtliche Teilnehmer zum Diner bei Sr. K. Hoheit dem Großherzog geladen. ed. Darmstadt, 26. Mai. (Originaltelegramm des „Gieß. Anz." Der langjährige Adjutant des verstorbenen Prinzen Heinrich von Hessen, Oberstleutnant Freiherr Moritz von Schenk zu Schweinsberg, eine in Sport- und Hofkreisen beliebte Persönlichkeit, ist gestern abend plötzlich einem Schlaganfall erlegen. Mainz, 25, Mai. Wegen Stellungnahme zum § 13a des Zolltarifgesetzes, der die Aufhebung des Oktroi in sich birgt, fand heute nachmittag in Mainz im Stadthause eine Vertreterversammlung derjenigen Städte statt, die von dieser Maßregel betroffen werden. Durch ihre Bürgermeister und Oberbürgermeister waren u. a. vertreten: Straßburg i. E., Markich, Colmar, Aschaffenburg, Würzburg, Koblenz, Schmalkalden, Rastatt, Offenbach a. M., Darmstadt, Freiburg i. B., Biebrich, Friedberg, Mainz, Esch- roege, Marburg, Fulda, Homburg v. d. H., Saarburg, St. Avold, Dieuze, Forbach, Ulm, Karlsruhe, Kassel, Wiesbaden, Metz, Dietenhofen, Hersfeld, Baden-Baden, Gießen, Hanau, Mörchingen und Worms. In den Beratungen wurde entschieden betont, daß der § 13a einen schweren Eingriff in die Landesgesetzgebung und die Selbstverwaltung der davon betroffenen 1392 Gemeinden bedeutet. Die Aufhebung des Okroi käme nur einigen Großhändlern zugute, während die durch die Aufhebung des Oktroi bedingte notwendige Steuererhöhungen nur die schwächer situierten Leute treffe. Als bezeichnend wurde darauf hingewiesen, daß die Aufhebung des Oktroi auf Mehl in Gießen nicht die geringste Brotoerbilli gung veranlaßt habe und daß deshalb daselbst demnächst das Oktroi wieder eingeführt werden solle. Die Beratungen gipfelten in einer von dem Oberbürgermeister Ernst Müller-Kaffel vorgeschlagenen Resolution, in der zunächst betont wird, daß der § 13a des Zolltarifgesetzes mit der Verfassung des deutschen Reiches in Widerspruch stehe, da diese die Zuständigkeit der Reichsgesetzgebung auf dem Gebiete des kommunalen Steuerrechts nicht erstrebt hat. Im Uebrigen wird das bereits Gesagte in der Resolution bestätigt und aufgefordert, unter allen Umständen dahin zu wirken, daß jenes Gesetz, welches 1910 in Kraft zu treten hätte, vorher wieder beseitigt wird. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In der Nähe von Kastel wurde die Leiche des MusketterS Schmidt II von der 8. Kompagnie deS 81. Infanterie-Regiments auf dem Eisenbahn-Geleise vorgefunden. Ob Unfall oder Selbstmord vorliegt, ist noch unbekannt. Vermischtes. 'Remagen, 25. Mai. Die gesammte Mannschaft eines hier vor Anker liegenden Schiffes wurde unter dem dringenden Verdacht verhaftet, einen jungen Mann in den Rhein gestürzt zu haben, der ertranf. • SoSnowice, 25. Mai. Hütteninspektor GorsenSki wurde hier ermordet aufgefunöen. Die Tat wurde auf Anstiften der Frau von ihrem Liebhaber mit dem Rasier- meffer verübt. Beide wurden verhaftet. • Petersburg, 25. Mai. Tolstoi dementiert die Nachricht, daß er 15 000 Rubel für die Juden in Kischinew gespendet habe. Kunst und Wissenschaft. Julius Lohrneyer f- Der empfindungsreiche, fein* sinnige Dichter und Begründer namhafter journalistischer Unternehmungen Julius Lohrneyer ist nun doch nach längerem Leiden, 67 Jahre alt, gestorben. 1835 in Neiße als Sohn eines Apothekers geboren, folgte Lohrneyer dem Berufe des Vaters. Als Apotheker in Elbing — et erinnert hier an Liebigs, Fontanes und Sudermanns Jugend, die auch in ihren Jugendjahren in lateinischen Küchen tätig waren — leitete er seine dichterische Begabung in die Wege des berufsmäßigen SchriftstellerMms. Zunächst fand er für seine formreiche Poesie ein Arbeitsfeld beim Kladderadatsch, in dessen Redaktion er eintrat. Eine Menge Leitgedichte des Kladderadatsch aus dem Ende der 60er Jahre ist von Lohrneyer verfaßt. Da die Statur des Poeten aber mehr ernst als humoristisch beanlagt war und die scharfe Satire des Kladderadatsch iciner Steigung nach Betätigung auf dem Gebiete des Gemütvollen nicht behagte, gründete Lohrneyer 1873 die große illustrierte Zeitschrift Deutsche Jugend. Hier vereinigte das Redaktionstalent des rührigen Mcumes alles, was sich mit Feder und Stift der Wett der Kleinen geistig und künstlerisch widmete. Daneben gründete er ein originelles Blatt für harmlosen Humor, den Schalk, der spater von unserem Ernst Eckstein redigiert wurde. Vor zwei Jahren gab der unermüdlich tätige, an Ideen stets reiche SJlann in der Deutschen Monatsschrift für das gesamte Leben der Gegenwart dem nationalen Gedanken auf allen Gebieten des Deutschtums eine Stätte der Aussprache. Sieben seiner öicjätigcu redaktionellen Tätigkeit fand Loh- meyer immer noch ^>eit zur poetischen Produktion. Seme „Gedichte eines Optimisten", die sich der naturalistischen Modeströmung eutgegeustellen, enthalten den reinsten Ausdruck seines dichterischen Wesens. Tiefe der Empfindung, vornehmes Pathos der Vaterlandsliebe, graziöser Wohllaut der Form — das sind die Vorzüge Loymeyerscher Poesie, über der zuweilen auch das Lächeln eines harmlosen Humors schwebte. — Ter Forschungsreisende Eugen Wolf in München wurde vom französischen Mimsler des Unterrichts und der schonen Künste zum Oltizier de l’histruction publique ernannt. München, 25. Mai. Gegen den Zeichner des Simpli» cissimus, Th. Th. Heine, ichwebl wegen des Titelbildes .Gesandten-Erziehung" in der längst konsiszierten Stummer des genannten Blattes em St rafver fahren. Neueste Mewmigeu. Originaldraytmcldungcu des Gießener Anzeigers. Berlin, 26. Mai. Der Präsident des mitteleuropäischen Motorwagen-VereinS, Graf von Talleyrand-Perigord erklärte in einer Unterredung mit einem Mitarbeiter der ,Nat.-Ztg.", daß die Straßcn-Rennen zwar zur Erreichung eines vollkommenen Motors, den man leider noch nicht habe, nach seiner Meinung unbedingt nötig seien, bei Privaten jedoch sei Schnelligkeit Wahnsinn. London, 26. Mai. Die Morgenblätter enthalten langt Artikel über eme Regelung der Automobil-Wettfahrten auf der Landstraße. Die Blätter drücken ihre Genugtuung auS, daß die spanische Regierung ebenfalls die Fortsetzung der Wettfahrt untersagt hat und ersuchen die englische Regierung, zu erwägen, ob nicht auch die Wettfahrten in Irland verboten werden sollten. In Londoner Automobilistenkreisen glaubt man, daß dies nicht geschehen wird, obgleich man auch hier die Unfälle der französischen Wettfahrer auf das lebhafteste bedauert. London, 26. Mai. „Morniug Leader" meldet aus New York: Ter großen Hitze der letzten Tage ist ein heftiger Cy klon gefolgt, welcher besonders Nebraska heimsuchte. Genauere Einzelheiten fehlen noch, da die Haupt-Telegraphen-Linie meist gestört ist. Zahlreiche Einwohner der Stadt Sä)rman sind unter den Trümmern ihrer Häuser begraben. Eine große Menge Vieh ist auf offenem Felde umgekommen. Ein Postwagen, in dem sich 12 Passagiere befanden, wurde umgeworfen, mehrere der Insassen schwer verletzt. Bisher sind über hundert Familien als obdachlos gemeldet. London, 26. Mai. Durch einen beim K^riegSministe- rium eingegangenen ausführlichen amtlichen Bericht aus Kapstadt über den Verkauf von mit Typhus-Bazillen infizierten Wolldecken werden hohe Militärbeamte schwer belastet, sodaß die peinlichsten Enthüllungen bevorstehen. In City-Kreisen verlautet, große Partten von vermutlich ebenfalls infizierten Decken wären auf dem Wege nach dem Kontinent und biete die Regierung alles auf, die Sendung nach London -urückzu- dirigieren. Paris, 26. Mai. Ein weiterer Unfall beiden» Automobil-Wettfahren wird aus St. Andrs de Culzac gemeldet. Ein Professo r und seine Gattin, welche sich auf den Weg machten, um der Wettfahrt zuzuschauen, wurden umgerannt. Ter Frau wurden beide Beine gebrochen. Ihr Zustand isst hoffnungslos. Wien, 26. Mai. Die „Neue Fr. Pr." meldet aus Ueskueb, daß am Sonntag im Walde bei Smerdosch-Balkan ein Zusammenstoß türlifcher Truppen mit bulgarischen Banden stattgefuuden habe, wobei 17 Bulgaren getötet wurden. Die übrigen flüchteten und wurden verfolgt. Im Kampfe der türkischen Kavallerie mit den Albanesen am 13. Mai wurden 13 Türken, darunter zwei Offiziere, getötet und 7 verwundet. Bon den Albanesen sollen etwa 100 Mann gefallen oder verwundet sein. Telephonischer Kursberichte 8*/t°/o Reichnanleihe . . 102.02 3n/0 do. ... 91.75 3V,°/c Konsols .... 101.09 3«/o do.....91.08 31/t°/o Hessen .... 101.02 3*/j% Oberhessen . . . 100.06 4% Oesterr. Goldrente . . 103.06 4* Oesterr. bilberrente 100.06 4% Ungar. Goldrente . . 102.01 4°/ Italien. Rente . . . 103.06 4*',% Portugiesen . . . 50.05 »0/ Portugiesen. .... 31.09 1% C. Türken .... 33 35 Türkenlose . . . . . 130.02 4% Grieoh. Monopo’.-Anl. 44.08 4' .% äussere Aigentiner —.— 3j/q Mexikaner .... 26.75 4,/i7o Chinesen .... 92.08 Electric, bobuckert . . . 95.00 Nordd Lloyd . . . . 101 75 Kreditaktien .... 209.03 Diskonto-Kommandit. . . 185.02 Darmstädter Bank . . . 136.09 Dresdener Bank .... 147.04 Beniner Handelsgos. . . 153 01 Oesterr. Staatabahn . . . 145.09 Lombarden ..... 14.05 Gottbardbahn ..... 190.00 Laurabütte ...... 215.00 Bochum ....... 173.09 Harpener......176.09 Tendenz: schwach. 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