ISS. Jahrgang Drittes Blatt Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen 8 Uhr, S3 irrigen ober (patte# (rin* ucbt. 8639 Nordanlaqe 21, HI. ES schiedenes in gewisser Weise auch sein Pfarramt, denn er hatte nie Theologie stu d iert, ja überhaupt nie ein e Univ ersität, nicht einmal ein Gymnasium besucht, sondern sämtliche Zeugnisse gefälscht. Zögling eines Predigerseminars mar er allerdings nach allen seinen Fälschungen gewesen, und als Hauslehrer bei einem adligen Herrn von großem Einflüße hatte er sich so beliebt gemacht, daß dieser ihn für eine Pfarrstelle empfohlen hatte. Ein paar Jahre darauf wurde wieder em oldenburgischer Pfarrer wegen großer Unterschlagungen gerichtlich belangt, und ihm folgte kurz danach der oberste Forstbeamte des Landes aus gleichem Anlaß ins Gefängnis. Auch diesmal, im Falle Ruh st rat - R eis, hat man sich nicht nur in allen Oldenburger Kaffeekränzchen und an allen mehr oder weniger soliden Oldenburger Stammtischecken, londern auch anderswo recht lebhaft für die Geheimnisse interessiert, die trotz der Gedächtnisschwäche mancher Zeugen in Oldenburg an das Tageslicht traten, und um so mehr fühlte man sich zu allerlei Betrachtungen und Vergleichen bewogen, als hier wie in Ford ach eine Strafe von sechs Monaten Gefängnis den betrüblichen Abschluß der Affäre bildete. Für sechs Monate Gefängnis kann man es auch schon riskieren, ein paar silberne Löffel zu stehlen. Dr. Ries, der Gymnasiallehrer von Oldenburg, wurde in dem Prozeß, der gegen ihn verhandelt wurde, selbst von denen, die er gekränkt hat, als ein ausgezeichneter Ehrenmann und als ein tadelloser Charakter, als ein zärtlicher Nr. Ä77 Vrscheint täglich außer Sonntags. £)em Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Kamillen» blätter viermal in der Woche beigelegt. Rolatto:.3bnict u. Verlag bei BrÜ h l'schen Untvers.-Buch-u.Stem- bruderei (Pietsch Erben) Vtedaktton. Ervedittoa und Druckerei: Vchalstratze 7, Adresse für Depeschenr tlnieiner Gießen. Hernlprechanschtutz vct. Sohn und tüchtiger Pädagoge geschildert. Em Einwand gegen diese Darstellung ist von keiner Seite erhoben worden. Anständig und ruhig lebte er dahin, lange Rächte hindurch pflegte er seinen schwerkranken Vater, und stets war er bereit, für seine Angehörigen Opfer zu bringen. Da wurde ihm plötzlich mitgeteilt, daß er in das Gehege der Kibitzeier versetzt worden sei, in das Städtchen Jever, das mit feinen fünftausend Einwohnern kaum halb so groß ist, als das bisherige Domizil des Leutnants Bilse und auch durch seine Lage am Sieltief nicht darüber Hinwegtäuschen kann, daß nur ganz eingefleischte Kibitzeieresser in der Versetzung dorthin eine freundliche und von Wohlwollen diktierte Beförderung erblicken dürften. Aiich Dr. Ries fühlte sich gekränkt und erbittert, als er trotz seiner glänzenden pädagogischen Leistungen die Kunde von seiner Versetzung erhielt und er glaubte um so sicherer, daß es sich hier um eine Art von Strafversetzung handelte, als er durch sein eifriges Eintreten für die soziale Hebung des Lehrerstandes sich unliebsam bemerkbar gemacht hatte. In solcher Stimmung schrieb er Briefe, die ihn erreichten, nämlich den Minister Ruhslrat, den er für den Urheber jenes Mißgeschicks hielt. Diese Briese wurden m einem Preßorgan veröffentlicht, das schon seinem Aeußeren nach nicht sehr rosig gebettet zu sein scheint und von einem Manne geleitet wird, der bei einem loyalen Blatte Oldenburgs Lokalredakteur gewesen war und wegen seines allzu selbständigen Auftretens von seinem unangenehmen Herrn Verleger derartig behandelt worden war, daß er hinging und ein Oppositionsblatt schärfster Tonart schuf. Daß Dr. Ries diesem Manne unter verschiedenen pseudonymen Bezeichnungen seine Artikel gesandt hatte, mar ja nicht sonderlich nobel. Immerhin ist das ein Vergehe«, das auch anderwärts vorkommt: Man glaubt gar nicht, wieviel anonyme und pseudonyme Briefe in einer Zeitungs-Redaktion einlaufen, wie oft „Einer für Viele" grimmige Anklage erhebt, obwohl er nur sein eigener Auftraggeber ist, wie oft ein Redakteur die schäbigsten Injurien erfährt, und wie selten der teure Leser m solchem Falle den Mut hat, seinen Namen zu nennen. Das ist eben eine Zeitkrankheit, wie jede andere auch; es zeugt von einem moralischen Tiefstand, der um so Übler ist, als ihn der Absender gewöhnlich nicht einmal zu ahnen scheint. Eine strafbare Handlung des Herrn Nies lag aber in diesem Verhalten nicht. Und doch ein halbes Jahr Gefängnis! Wofür? Weil «r einen Landrichter und einen Minister beleidigt hat. Die Ministerkränkung brachte ihm fünf Monate ein. Denn er hat wohl nachgewiefen, daß Herr Ruhstrat „gejeut" hat, daß er als Staatsanwalt, wenn er nach einer durchspielten Nacht in den Gerichtssaal trat, mit tiefempfundenen Pathos Gefängnis bis zu zwei Jahren gegen den armen Sünder beantragte, der „aus dem Glücksspiel eine Gewerbe macht", es wurde auch erwiesen, daß er sich eines abends fünfzehnhundert Mark von einem Mitsvieler entlieh, ein Umstand, der trotz der lnnsicht- Aus einer deutschen Residenzstadt Gießen, den 25. November 1903. Oldenburg, die Residenzstadt der nordwestdeutschen Großherzöge, hat wieder einmal reichen Stoff zu munterem Klatsch. Das ist dort oben in der hübschen Gartenstadt an der schiffbaren Hunte nichts Seltenes. Es ist manches faul in jenem Staate, und manche seltsamen Histörchen haben von dort aus die Runde durch die Blätterwelt gemacht. Zwar in jener „guten alten" Zeit, als der Kommandeur der oldenburgischen Brigade, der oberste Offizier des Landes, als ein S ch w i n d l e r entlarvt wurde, der Namen, Papiere, Orden re. re. in den Freiheitskriegen zu Beginn des vorigen Jahrhunderts einem sächsischen Offizier gestohlen und mit diesen als ehern, kgl. sächs. Hauptmann von Soundso in der Armee des weltfernen Ländchens Oldenburg sich hatte ein- stellen lassen, um dort bis zum Generalmajor und Vertrauten des Landesfürsten zu avancieren, — gab es noch keine Presse. Aber in dem letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts erfuhr es gar schnell alle Welt, als der Pfarrer Dr. Partisch ins Zuchthaus wanderte, nachdem man ihm, außer Unterschlagungen an zu wohltätigen Zwecken ihm zu- geflossenen Geldern, nachgewiesen hatte, daß, fast ebenso wie sein bei jenem General, alles von ihm erst oh len war, Name freilich nicht, wohl aber sein Doktor-Titel und werden hon K“' ^ereu Sur“ "«'IW. £fi. ro roc* HW« M ftagenbe Sergit™, IM sm cd)id|iraBe 5. zum 1. Tejencki * »m und Hausarbeit. Silhelmstratze 12, n. jangen w M -AOöOOOO, Mittwoch 25. November 1903 Be-naSpre.S^ monatlich 75P!^otertei- jährlich Mt. 2.20; durch Abhole. u. Zweigstellen monatlich 6o Pl.; durch ViePost Mk.2.—viertel- jährl. ausichl. Bettetlg. lich der Höhe der Einsätze bedenklich auftretenden allgemeinen Gedächtnisschwäche doch wohl darauf hindeute, daß es in dem Klub der Oldenburger Harmlosen recht angeregt zuging, es wurde scstgestellt, daß zwei Juristen und ein Offizier an jenen Spielabend um ihre Existenz gebracht wurden, man erfuhr auch, daß der Staatsanwalt es nicht verschmähte, selbst Referendare als Partner zu aeceptieren, und staunend vernahm man, daß Ausdrücke wie „Hornochse" und „Oberschaf" das Milieu angenehm belebten, weil, wie der Minister versicherte, „in Berlin aiich geschimpft wurde." Reihenweise traten die Amtsrichter und Landgerichtsräte als Zeugen auf, um zu bekunden, daß auch die Staatsanwälte in Oldenburg nicht frei sind von harmlosen Schwächen. So fügte sich Strich auf Strich zu einem Bilde, das auch durch die Verurteilung des Dr. Ries zu einer überaus harten Gefängnisstrafe nicht sympatischer geworden ist. Der Gerichtshof hat ihm die Wahrnehmung berechtigter Interessen aberkannt. Das ist nicht ganz verständlich. Denn die gegen seinen Wunsch und mitten im Schuljahr erfolgte Versetzung in das Jeverland hat nicht nur bei ihm, sondern auch bei allen seinen Kollegen den Eindruck einer Strafmaßregel gemacht, und diese Wirkung mußte um so schroffer hervortreten, als Ries durch seine Familienverhältnisse an Oldenburg gebunden war, als man andererseits ihn verhinderte, irgend eine andere Stellung anzimehmen. Nach der allgeuieinen Empsindimg liegt hier doch ivohl ein berechtigtes Interesse vor, das man ebenso in dem Umstande sinden darf, daß es für das gesamte Publikum doch kaum erwünscht fein kann, wenn der Vertreter der staatlichen Sittlichkeit die Nächte hindurch dem Hazardfpiel obliegt, und wenn dieser Staatsanwalt alsdann als Justizminister über Sitte und Ordnung zu wachen hat. Eine Geldstrafe oder doch Festungshaft hätte man in Anerkennung des Verdienstes, das sich Dr. Ries erworben hat, wohl als hinreichende Sühne seiner Taten bezeichnen können. Wir wissen nicht, wie es heute im Oldenburger Zioilkasino zugeht. Aber es i|t doch auch möglich, daß durch die Enthüllungen des entrüsteten Oberlehrers die Luft gereinigt und ein paar Leutnants und Referendare vor der Fahrt über das große Wasser und der praktischen Ausübung des Kellnerberufes oder selbst vor Strick und Pistole gerettet worden sind. Der Einblick, den der Prozeß Ries, der eigentlich ein Prozeß Ruhstrat war, in das Leben und Treiben Oldenburgs aufs neue gewährt hat, war fast ebenso unerfreulich, wie der Einblick in das Leben und Treiben von Forbach. Demi wenn hier auch nur das Spiel der Harmlosen sich anmutig präsentierte, so mutet es doch den schlichten Bürgern gar sonderbar an, wenn er erfährt, wie sich die creme der Gesellschaft die Zeit vertreibt, und wie Richter und Staatsanwalt, ehe sie Minister werden, im trautem Verein mit Referendaren bald „Meiner Tante" bald „Deiner^ Tante" ihre Huldigungen darbringen — oder mit „Gottes Segen be Annahme von Anzeigen iüi Die ixigesnummet bis Dormtuagfl 10 Uhr. »jeiienprelS; lokal 12 Vll auSrodclfl 20 Pig. den ooltt. and aUgcm-, Teil P Witiko für „Stadl and Land" und „Genchlöfaal". 21 »au st Gütz, tüt den Anzeigenteil £an« Beck. gespielt unv es fehlte nicht an lebhaften, zum Teil stürmischen Beifallsbezeugungen. Der neugierige Provinzonkel, Herr Philipp Klapproth (ober wie eine Figur des Stückes mit bosariiger Standhaftigkeit sagt: „Phinipp Knapproth", da ihm das l „neider noch nicht vonständig gelingt"), der mit entsetzten Blicken in einer harmlosen Abendgesellschaft sich in eine psychiatrische „Sommer"-Frische versetzt glaubt, hatte in Herrn Otto Conradi, der bei bester Laune war, einen zwerchfellerschütternden Tarsteller. D^r ausgezeichnete Komiker hatte ja auch genügend Zeit gehabt, die erheiternde Wirkung dllser Laussschen Possenftguc mit wahrhaft heimtückischer Gründlichkeit vorzuberetten. Ein ungemein komisches verkanntes Bühnengeuie mit dem „kneinen Zungeu- fehner" war Sperr Emil Tamke (ober sollen wir ihn heute „Emin" nennen? Er hatte ja auch gestern eine etwas afrikanische Frisur). Nur hätte er über sein verfehltes l nicht so glatt Hinwegeilen, sondern die Schwierigkeit, die ihm dieser Lümmel von Buchstabe mack)t, anoeuten sollen. Frau Augiche Fischer hatte sich als die abentcuergierige Romanschriftstellerin nicht allzu toll ausstafs tert. Herr Linzen markierte als rabiater alter Haudegen a. D. nicht über Gebühr den Tobsüchtigen, Frau I e n u h war aus der Jagd nach dem Schwiegersohn eifrig wie immer, und Herr Sandorff als Weltretsender frisch, frei und froh. Er erhob sich übrigen» mit seiner stattlichen Größe wie eine Giraffe über den' anderen zoologischen Inhalt res dunklen Erdteils. Ach wie merkwürdig doch, daß ein Mann, der heute mit Seehunden Skat spielt, morgen verschnupften Orang- utangs den Puls fühlt und übermorgen eine dritte Schlechtigkeit begeht, mit so einem Knoten wie Herrn Philipp Klapproth Arm in Arm den Sultan von Johore beehren will. Bon verblüffender Wirkung war es, wie er mit zwei Leoparden aus einmal hervorfprang, b. h. mit zwei wahnsinnigen Pelzen, in benen sich dermaleinst ein paar fürchterliche Dach- Hasen wvhlgesühlt haben mögen. Der Schöller — Laufs mag diesen Namen einer braven FremdenpLufion in Dornholzhausen bei Homburg entlehnt haben — des Herrn Haag schwankte launig vom Schwau^-enfionsoi rsieher zum verrückten Jrrenbänbiger hinüber. Die zärtlichen Verwandten des Herrn Klapproth treten gegen die genannten Figuren des Stückes sehr zurück, ebenso das Fräulein Friederike, die von einem zierlichen Fräulein Klock m ann dargesteltt wurde, die wohl eben erst die Theaterschule verlassen hat, auf der sie wenigstens gut sprechen gelernt zu haben scheint, und der Maler Kißling, den Herr Pichler darzustelien sich bemühte. Es soll schon weniger phlegmatische Farbenkoin ponisten mit kleineren Shlipsen gegeben haben. W 6,W| i. ——2^£Ü£i‘6it)cn io SjÄSüiJr- yttounöte^ ' beifällige Aufnahme. Tas Stückchen hatte einen berechtigten hübschen Erfolg, und der Direktor konnte am Schluß den Berfasser auf die Bühne stellen und sich in der Person seines Hauptdarstellers für den Beifall neigend bedanken. Frl° Hohl spielte die junge Flitterwöchnerin und butte gute Gelegenheit, ihren feinen Geschmack und ihre respektable Dühnengewandheit zur Geltung zu bringen. Mir werden lecher Frl. Hohl mit Ablauf dieses Winters schon wieder verlieren, ihr Engagement an das Großh. Theater in Oldenburg ist inzwischen perfekt geworden. Man wird das Scheiden des Frl. H. im Interesse unseres Stadttheaters lebhaft bedauern, zumal nach ihrer „Maria von Magdala", nach der es zum Beweise ihres starken Talentes und ihres bedachtsamen Bühnenernstes feiner weiteren Probe mehr bedarf. Wir haben in ihr eine Darstellerin kennen gelernt, deren Begabung nicht unbeträchtlich über eine gute Mittelmäßigkeit hinausragt. Nun wird sie in einem größeren Bühnenverb and e eine ihr gebührendere Stellung in der Theaterwelt finden. Vorläufig aber haben mir sie noch, und des wollen wir uns treuen. t Herr S t e i n g ö 11 e r gab den von ihm ersonnenen Ehemann mit frischem Temperament und großer Liebenswürdigkeit, aber er hatte sich doch wohl zu sehr auf sein gutes Gedächtnis verlassen, das ihn mitunter dermaßen im Stich zu lassen drohte, daß selbst die gebührende Galanterie gegenüber einem schönen Besuche um ein paar Meter zu kurz kam. Herr T a m ke, der eine Art von Anatole Schlum- merich darzuftellen hatte, stand hier wieder nicht am rechten Platze. Teil Vogel aber schloß Frau I e n n y ab, deren dralle Spreewälderdienstmago lautes Gelächter hervorrief. — Eine lauge Pause trennte die „Flitterwochen" von der Wiederervsiiiung der altrenommierten „Pension Schöller" Vielen Theaterfreunden ist der mehr als übermütige Schwant wohl langst bekannt. Aber man lacht doch immer über die unglaublich tollen Einfalle des früh verstorbenen Mainzer Karnevalpoeten. Tas Lachen ist ja auch —so meint Wildenbruch, der Haus- und Hofoichter Hohenzollerns, tu einem seiner Theaterstücke — für alle Leute, die sich satt- gegessen haben, ein vortreffliches Berdauungsmittel. Am Dienstag wurde im Theater schier unbändig viel gelacht. Selbst der Hungrige mußte lachen und der Hypochonder mußte, wenn er dieses „heillose Lachers hörte, ftunerü) vor i ich hin brummen: Diese Erde ist vielleicht doch wert, daraus ui {ein, wenn mau ihren Kindern mit einer solchen Kleinigkeit ein so großes Vergnügen bereiten kann. Es wurde gestern, mit wenigen Ausnahmen, zehr flott von ►t, Lumpen, Knoche», t, Mestng, Blei, Zink, :e„ Möbeln, Bette», eng, Sold- und Silbei- , Münzen und ÄuliM »Neuenweg ____ ^Tilirfcrin MusburgL^^ n!crmacheri»>!^ !«#*•,,t. UfoZ.’8*- uNber Hrtber * ' tÄnkM» k Girßener Stadttycater. Ein Schwankaberrd. ^er Einakter ist eine zeitlang als der Gipfel aller dramatischen Kunst gepriesen worden, und zwar nicht nur von asthmatischen Schriftstellern,. Daß sich auch rm knappen Rahmen einer dramatischen Miniatur,eiii Bckd de^ Lebens schassen läßt, das zeigten am Erofinungsobend dieser Welzeit drei Heroen deutscher Dichtung^ die nicht für Einakter schwärmten wegen kurzen Atemv und schwind- süchtiaer Phantasie. Aufs neue zu Ehren tarn unlängst der Einakter durch die Ucberbrettln und wenn auch diese von der Bildfläche verschwanden, die Buhnen werden dem Einakter immer treu bleiben, und das Publikum lvird ihn immer gern haben, zumal wenn der Tttel so verkickend ist wie den des Schwänkleins unseres neuen Direktors S t eru g o t t er. Bei dem Worte „F li 11 erwo chen" erpillt der w frau Herz ein banges Selben, stilles Hoffen und de. ^ünalinos Brust schwellt sich von süßen kühnen Zukunftsplänen ^Bei Verlobten nehmen die Gefühle schon festere Gestalt an und selig taucht sich Äug' in Äug'. Leute aber, die im Honiamond leben, stellen Vergleiche an enttäuschte Nemänner seuken still vor sich hin und wähnen den alten Satz aus Kleists „Michael t”“n” . STinrheit du regierft die Well, und der S>itz ist ein Höner weiblich« Mund". Manche ergrauten Ehe- WLL-GEM Einrichtung ein: Behüt' dich Gott, es war zu schon ge- ^iern führte der Direktor Steingötter W ^chwankpoeten Steingötter ein. Herr: St. glaubte mit Recht, daß sein hübsch ersonnenes und geschickt aufg^autes ^rk- lein auch an seiner eigenen Bühne freundliche Ausnahme finden könnte — er machte den Versuch und hatte Gluck damit Denn die humorvoll ausgemalten Verlegenheiten, in die der junge Eheherr Brunner durch einen harmlosen Zufall gerät, die mannigfachen Komplikationen, die 'icki um den so Verhängnis- wie m-raichen Namen „Emma Müller" mit der goldumränderten Visitenkarte sckstingen, die Kunst Steingötters, die Handlung immer dann, wenn an einem toten Punkte angelangt scheint, durch dieses ominöse Fräulein Emma wieder au,schnellen zu lassen alles das^ der gewandte Dialog , und me witzigen Einfalle Verjassers sicherten den „Flitterwochen eine überaus GietzeimAnMger General-Anzeiger •A. »v Neubau 1,1,1 en bei dlkk , ilh. Karnbach, cifliS ■rtl -l" 5 ist wegen Baum-Iund wollte deshalb diesen aus dem Wege gehen. Die gt, auf der Straße | Brüder seien ibm jedoch gefolgt und Chr. 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Kriegsgerichtsrat xint plaidierte auf Schuldig im Sinne der Anklage, er billigte dem Angeklagten zwar mildernde Umstände zu, beantragte aber 6 Wochen und 1 Tag Gefängnis. Das Urteil des Kriegsgerichts lautete indessen auf Freisprechung. Günter vom Leibgarde-Jnf.-Regt. Nr. 115 frevels an geklagt. Er ist beschuldigt, , . . zwischen Rimlos und §eMod 3 Apfelbäumchen mittelst eines scharfen Instrumentes derart beschädigt zu haben, daß bei einem der jungen Bäume die Krone abbrach. Der Angeklagte entschuldigt sich mit totaler Betrunkenheit und will von den Vorgängen der Nacht nicht das Geringste mehr wissen. Es ergab sichj jedoch, daß Günter zwar stark angetrunken, doch, wissend was er tat, mit einem Beil aus reiner Bestialität den Frevel begangen hat. In Rücksicht auf die Betrunkenheit beantragte der Ankläger eine Gefängnisstrafe von vier Wochen wegen Sachbeschädigung. Der Gerichtshof ging aber über den Antrag noch hinaus und erkannte auf sechs Wochen Gefängnis. — Angeklagt war der Gefteite der Reserve des Bezirks-nom- mandos Gießen, Wilh. Dingel von Grüningen, wegen chwerer Körperverletzung mittels rechtswidrigen Gebrauchs der Waffe. Ter Angeklagte ist noch nicht bestraft und erfteute sich eines vorzüglichen militärischen Führungs- zeugnisses; ein Attest seines Kompagnie-Chefs bestätigt ausdrücklich, daß Dingel ein besonders ftiedliebender, ruhiger Soldat gewesen sei, den man darum besonders mit der Ausbildung, der Rekruten betraut habe. Ter Tatbestand der Anklage ist der folgende: In der Nacht vom 2. Lis 3. August d. I. kam der Angeklagte, welcher damals auf Urlaub in seiner Heimat Grüningen war, auf der Torfstraße mit den Brüdern Chr. und Mlh. Wolf von dort aneinander. Dingel, der vollkommen nüchtern war, zog im ^aufe des Disputs sein Seitengewehr und schlug mit der flachen Klinge beiden über den Kopf; die Verletzungen waren nicht sehr erheblich. Der Gefteite Dingel trug von der Affäre eine blutige Wunde an der Stirn davon, welche anscheinend von einem S^ieh mit einem scharfen Gegenstand herrührte. Der Angeklagte erklärte, er habe in vöot- wehr gehandelt. Er habe an dem Abend friedlich nach Hause gehen wollen und an keinen Streit gedacht; da seien chm die beiden Brüder begegnet. Der eine habe, als er seiner ansichtig geworden war, ihm zugerufen: „da ist ja der kgl. preußische Gefteite". Er hatte mch dem Wolf früher in der Spinnstube einmal Streit gehabt Kriegsgericht. Gießen, 24. Nov. Am Montag verhandelte tagsüber das Kriegsgericht und zwar am Vormittag in 3 Fällen, bei denen die Verfehlungen der Angeklagten vor deren Eintritt ins Heer erfolgt waren. Der Gerichtshof war zusainmengesetzt aus demAtajor v. Schlemmer^, Hauptmann Großmann und den Oberleutnants Giese und Stephan. Im ersten Fall fungierten als Verhandlungsleiter Kriegsgerichtsrat Link, als Ankläger Kriegsgerichtsrat Dr. Heß. Der Angeklagte Julius Utecht, Kanonier von dem 25. Feldartillerie-Regiment Darmstadt hatte sich badurch der schweren Körperverletzung schuldig gemacht, indem er in Ober-Roßbach das fünfjährige Söhnchen des Schreinermeisters Ph. Schmidt vom Wagen herunter derart mit der Peitsche geschlagen hat, daß ihre Schnur sich um den Hals des Kindes verfing und einen mit Blut unterlaufenen Striemen verursachte. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Knabe den Utecht fortgesetzt, wenn dieser vorüberfuhr, beleidigende Aeußerungen zugerufen hat und daß der Vater des Kindes die Veranlassung dazu war. Das Gericht {billigte dem Angeklagten mildernde Umstände zu und erkannte auf eine Strafe von 15 Mk., welche im Un- vermögensfall mit 3 Tagen Gefängnis zu verbüßen sind. — In der zweiten Verhandlung ist der Dragoner Karl Ditschf- ler von der 5. Eskadron des Drag.-Rets. Nr. 24 Darmstadt geständig, einem Landwirt in D auern heim 3 Tauben weggesangen zu haben. Er wird wegen Diebstahls zu einer Woche Gefängnis verurteilt. — Der Gardist Kilian Weihnachts-Ausstellung in Kinder-Spielwaren einzuladen. und leicht '"'4 billig Blockstrasse 2. (8522) ::d 8700