Donnerstag SS. Ium 1903 Erstes Blatt. 153. Jahrgang ESS S3 E Schulstraße ?. Abreste tut Depeschen: Anzeiger Gtekcrr. Ferri Ivrcchanlchluß Nr. 5L Teil. V. iBtittoj tüt .Stadl und ticmb* und „Gerrc^sf aal": August Götz' tüx den Anzeigenteil: Pan« Beck. vezngdprets: monatlich7oPt., oiertel- fährltch Mk. 2.20; durch Abhole« u. Zweigstellen nionatlicl) 65 Pf.; durch üiePost Mk.2.— ötectcl- jährt. ouS|d)L Besrellg. Annahme von Anzeigen für öie LageSnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeUenpretS: total ILPI^ auSwärl» SO Pfg. 148 »r-chs»»« tügltch außer Comckag«. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Zamilieri« biättei viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'sehen Untoers.-Buch- u.Stein- brudectt (Pietsch Erben- GietzenerAMger M Gemral-Aiyeiger w Amts- und Anzeigebiatt für den Kreis Gießen KusöltLe. Man schreibt uns aus Berlin, 28. Juni: Mit dem erneuten An wachsen der so ziakbemo- kratischen Fraktion ist die Zahl der Parlamentarier wiederum gestiegen, dieDiätenausder Parteikasse beziehen. Es besteht lein Zweifel, daß die verstärkte äußerste Linke mehr denn je sich versucht fühlen wird, die Beschluß- fährgkeit des Hauses anzuzweifeln. Sie wird ja sehr oft in der Lage sein, die Beschlußfähigkeit herbeizuführen, indem sie Mann für Btann den Saal verläßt. Das würde für die Erledigung der wichtigen Vorlagen, die den Reichstag in der nächsten Legislaturperiode beschäftigen sollen, die grüßten Unzuträglich leiten im Gefolge haben. Zu begegnen wäre dem nur durch Einführung von Änwesenheitsgeldern oder durch Aenderung der Geschäftsordnung im Sinne der Herabsetzung der Beschlußfähigkeitsziffer. Starke Zweifel dürften am Platze sein hinsichtlich der Geneigtheil der Regierung zur Bewilligung von Diären. Denn die bei den Tariskornmissionsdiäten gemachten Erfahrungen lassen erwarten, daß die sozialdemokratischen Abgeordneten auch die auf sie entfallenden Plenar- Tagegelder der Parteikasse überweisen würden. Diese Kasse würde also bei der großen Zahl der sozialistischen Mandate und bei der Regelmäßigkeit, mit der die Mitglieder der äußersten Linken zumeist die Reichstagssitzungen besuchen, einen beträchtlichen und dauernden „Zuschuß aus Reichsmitteln" erhalten. Daß dies der Regierung nicht erwünscht sein kann, liegt auf der Hand. Im Oktober d. I. finden die N euw a h len zum preußischen Landtag statt, für welche die Sozialdem o - k r a t i e zum ersten Male eigene Kandidaten aufstellen will. Ihre Erfolge bei den Reichstagswahlen stellen eine energische Agitation auch für die Landtags wählen in Aussicht. Es wird infolge des Eingreifens der Sozialdemokratie eine stärkere Beteiligung der Wähler der dritten Klasse herbeigeführt werden, da die Freisinnigen, gegen die der sozialistische Vorstoß zunächst gerichtet ist, sich des neuen Gegners mit aller Kraft erwehren dürften. Wenn es — im günstigsten Falle — der Sozialdemokratie auch gelingen sollte, einige Abgeordnete in den preußischen Landtag zu bringen: Bedeutung lvird sie in diesem Parlament in absehbarer Zeit nicht erlangen. Zur Stichwahl liegen uns heute noch einige ycachrichten vor, die, wenn auch verspätet, doch des allgemeinen Interesses nicht entbehren. In Eberstadt wurde, wie man uns schreibt, am 23. d. M. im Saale von Metzger Görlach durch ein paar Herren des liberalen Wahlkomitees eine Wahlversammlung abge> halten. Zuerst sprach Reg.-Rat Dr. Metzler von Gießen und legte in längeren Ausführungen die Ziele der Sozialdemokratie und das Programm des Herrn Heyligenstaedt dar. Nach seiner mit großem Beifall ausgenommenen Rede sprachen noch Landgerichtsrat Schmeckenbecher, der ein Hoch aus das Vaterland ausbrachte, sowie Herr Haubach von Gießen, und man gewann allgemein den Eindruck, daß die Verstimmung über den Ausfall der Wahl zu Ungunst en Köhlers gewichen sei, und zu hoffen ist, daß auch hier viele Wähler für Herrn Heyligen- ftaebt stimmen werden. Der Vorstand des Krieger-Bezirks Nidda hat an sämtliche Kriegeroereinsmitglieder des Bezirks folgenden Appell gerichtet: Kameraden! Ihr wißt, daß alle nationalen Parteien ohne Unterschied der Richtung in unseren Kriegervereinen respektiert werden, dagegen ist für Leute, die die „internationale" d. t die vaterlandslose Sozialdemokratie unterstützen, fein Platz in unserer Mitte. Ueberlegt Euch das wohl, ehe Ihr am 25. d. Mts. Euren Stimmzettel ab- gebt!!! Wer seine Stimme einem Reichs- und Kaiser feind giebt, begeht Verrat am Vaterland und wird eidbrüchig gegen seinen Kaiser, dem er Treue geschworen hat. Deshalb gedenkt Eures Fahneneides! Glaubt einer von Euch den SoLialdemokvatLN wählen zu müssen, daun sei er ehrlich und scheide aus dem Kriegerverein aus, andernfalls wud er sich die Folgen selbst zuschreibeu müssen. Dies zur Mahnung und Warnung! In Beuern fand am 23. d. Mrts. eine Wählerversammlung statt, in der z)err Krumm sprach. Die Versammlung verlies sehr ruhig und Herr Krumm zögerte, unserem Gewährsmann zufolge, nicht, allen denen, die von der Sozialdemokratie nichts wissen wollen, die Wahl des Herrn« Heyligenstaedt zu empfehlen; niemandem aber sollte man den Vorwurf machen dürfen, er habe für Politik 'kein Interesse. Diese scheinbare Objektivität des Herrn Krumm war taktisch nicht übel angebracht und bürsre auf manchen der erschienenen Wähler Eindruck gemacht habem Ja, so verstehen es die Herren Sozialdemokraten, durch Schlauheit ihre Wähler einznfangen. Doch die liebe Unschuld tut nur so! Die am 16. Juni auf die sozialdemokratischen Kandidaten abgegebenen 3 Millionen 8 Tausend Stimmen verteilen sich aus die einzelnen Provinzen und Bundesstaaten folgendermaßen (in Klammern die Ergebnisse der 98er Wahl in Tausenden): Ostpreußen 55 Lausend (46), Westpreußen 19 Tausend (11), Berlin 218 Tausend (155), Brandenburg 244 Tausend (162), Pommern 55 Tausend (39), Posen 7 Tausend (5), Schlesien 174 Tausend (134), Provinz Sachsen 192 Tausend (148), Schleswig-Holstein 113 Tausend (83), Hannover 131 Tausend (98), Westfalen 140 Tausend (77), Hessen-lltassau 93 Tausend (74), Rheinprovinz 206 Lausend (1121 also Preußen 1647 Tausend (1142), Bayern 212 Tausend (138), Sachsen 443 Tausend (299), Württemberg 100 Lausend (62), Baden 72 Tausend (50), Hessen 69 Tausend (49), Niecklenburg 56 Tausend (47), Oldenburg und Braunschweig-Anhalt 82 Tausend (61), sächs. Herzogtümer 81 Tausend (62^, Fürstentümer 42 Tausend (34), Hansastädte 136 Dauseno (111), Elfaß-Lothringen 68 Tausend (52). Die Sozialdemokratie hat in Preußen 500 Ö00 Stimmen oder über 44 Prozent gewonnen, im übrigen Deutschland 400 000 Stimmen aber 41 Prozent, also in ganz Deutschland 900000 Stimmen oder fast 43 Prozent. Der Einzug Peters I. in Belgrad. Belgrad, 24. Juni. Um 10 Uhr vormittags verkündete Kanonendonner, daß der König serbischen Boden betreten habe. Bei der Einfahrt des Hofzuges intonierte die Atusik die National- hymne. Die Anwesenden brachen in stürmische endlose Zivio- rufe aus. Nach Einlaufen des Zuges wurde der König von der Regierung und Der Gemeindevertretung begrüßt. Der König schritt hierauf die Front der Ehren ko mpagnie ab und nahm die Vorstellung der Anwesenden, sodann an der Schwelle des Salons die des russischen Gesandten Tscharikow und im Salon die Vorstellung des österreich- ungarischen Gesandten Dumba und anderer Persönlichkeiten entgegen. Am Ausgang des Bahnhofes wurde der König von einer Abordnung Belgrader Damen begrüßt, während das Volk in erneute brausende Ziviorufe ausbrach. Beim Empfange auf dem Bahn Hofe richtete der Ministerpräsident an den König eine Ansprache. Diese sowohl, wie die verlesene Antwort des Königs riefen begeisterte Ziviorufe hervor. Der Ministerpräsident stellte hierauf die Minister, die anwesenden Generäle und sonstige Offiziere vor. Sodann wandte sich der König einer Abordnung der Stadt Belgrad zu. aus deren Mitte du Mitglied mit einer Ansprache Brot und Salz überreichte. Nachdem der König auch auf biete Ansprache mit leiser, von den Allernächststehenden nur verständlichen Stimme ein kurzes Manuskript ablesend, geantwortet hatte, begab er sich in den Bahnhofssalon, wo er außer den gemeldeten Personen auch die Gemahlinnen der Kabinettsmitglieder begrüßte. Vom Bahnhofe begab sbchf der König in feier- lichtem Zuge nach der Kathedrale: auf dem Wege dorthin bildeten Vereine, die Studentenschiaft, Institute und Truppen Spalier, hinter welchen sich eine dichte Menge aufgestellt batte. Die Spitze des Zuges bildete eine Abteilung Garvesoldaten, ihnen folgte in Galawagen der König Peter mit dem Ministerpräsidenten, im zweiten Wagen Dr. Fuadowitsch, bann die Offiziersabordnung, die den König hierher begleitet hatte, die übrigen Minister und zum Schluß eine Deputation der Skupschtina. Begeisterte Ziviorufe begrüßten den König, überall warf man ihm Blumen zu. Der König erwiderte, indem er freundlich lächelend salutierte. Nach Erteilung des Segens in der Kathedrale hielt der Metropolit eine Ansprache, in der er sagte: Alles, was sich aus (rrben ereignet, ist nur durch den Willen Gottes! möglich, so auch die Berufung des erhabenen Geschlechts Karageorgiewitsch und die Berufung König Peters. Bitten wir zu dem Allmächtigen, daß er das Wirken des erhabenen Königs Peter segne und uns König Peter viele viele Jahre erhalte, zum Wohle der Nation, damit das serbische Volk neugestärkt emporblühe. In der Kirche fiel es auf, daß der König dem Metropoliten die Hand nicht küßte, wie es bisher Sitte war. Von der Kathedrale fuhr der König nach dem neuen Konak, wo er kurz nach 11 Uhr eintraf. Inzwischen versammelten sich im Konak die Senatoren und die Abgeordneten. Senatsprüsidenl Welimirowitsch begrüßte den König namens der Versammlung mit einer Ansprache, in der er sagte, die Nationalversammlung, die zum ersten Male vor threm König vereint sei, heiße chn herzlich willkommen. Sre sei überzeugt, daß der König .den kulturellen und nationalen Fortschritt des Landes fördern werde. Bei diesen Worten brachen die Anwesenden in Ziviorufe aus. Der König antwortete, indem er allen herzlich für den warmen Willtommensgrutz dankte und feierlichst erklärte, im Einvernehmen mit der Natioü regieren zu wollen. Er bitte die Versammlung, überzeugt zu sein, daß er sein gegebenes Versprechen loyal halten werde. Der König schloß mit dem Rufe: „Hoch das serbische Volk!" Hierauf reichte der König jedem der Anwesenden die Hand. Als der König auf dem Balkon erschien, wurde er mit andauernden Ziviorusen begrüßt. Der König dankte durch Nicken mit dem Kopfe und zog sich dann in seine Gemächer zurück. Heute nachmittag machte der Stönig mit dem Obersten Nesitsch eine Rundfahrt durch die Stadt. Der König wurde überall lebhaft begrüßt. Am Abend erschien ein bürgerlicher Fackelzug vor dem Palaste und der Bürgermeister begrüßte den König. Die Stadt wurde festlich beleuchtet. Das Volk jubelt und aus den strahlenden Gesichtern spricht die Hoffnung auf eine bessere Zeit. Mit dem König trafen übrigens außer der Parlaments»- deputation und den zum Dienste kommandierten Offizieren noch sein Vertrauensmann und Privatserretär Dr. Jascha Nenadowitsch und Balugtschitsch ein, der als Anhänger Sara* georgiewitschs jahrelang im Exil verweilte. Von den zahlreichen Verwandten, die der König in Serbien hat, sah man niemanden bei dem Empfange. Die Tochter und zwei Söhne des Königs sollen in zehn Tagen mit dem Prinzen Arsen Karageorgiewitsch in Belgrad eintrefsen. Der englische Gesandte in Belgrad, Bonham, wird in kürzester Zeit wieder auf seinen Posten zurückkehren und dem König die Mitteilung machen, daß ihn die englische Regierung formell anerkenne. Mit dieser Mitteilung wird er jedoch in e ner gischer Form den Rat verbrnden, im Interesse seines Landes eine strenge Untersuchung über alle seiner Thronbesteigung vorausgegangenen Vorfälle einzuleiten und die im öffentlichen Gerichtsverfahren schuldig Befundenen der Strafe zuzn- sühren. Die „Nctt.-Ztg." schreibt anscheinend offiziös: Ueber bi* Dispositionen des deutschen Gesandten in Belgrad werden unrichtige Meldungen vorbereitet. Da der deutsche Gesandte beim König von Serbien beglaubigt war, sind durch dessen Tod die Funktionen des diplomatischen Vertreters Deutschlands erledigt. Wenn dieser zunächst in Betl- grab verbleibt, fc; geschieht dies behufs Erledigung der laufenden Geschäfte fotoie zum Schutze und zur Wahrung der deutschen Interessen. Das weitere Verhalten Feuilleton. Konzert in Bü d t n gen. Am Samstag, resp. Sonntag fand in Büdingen ein Konzert statt zum Besten des Mathildenhospitals. Es geht uns darüber, leider etwas verspätet, ein Bericht zu, dem wir aber gern noch einige Taten entnehmen, da dieselben für manchen unserer Leser von Interesse sein dürften. Es heißt darin u. a.: „Die Ausführenden waren Herr Hahn, Pianist aus Gießen, Fräulein Minna Heutzenröder aus Büdingen und Fräulein Ida Stammler aus Gießen (Sopran und Mezzosopran). Das Programm war intereffant zusammen- gestellt, ueichhaltig ohne zu ermüden. Herr Hahn, ein Schüler des Frankfurter Konservatoriums, in dem damals auch der jetzige llniversitätsmusikdirektor in Gießen, Herr Trautmann, als Lehrer der Harmonie wirkte, spielte Variationen in F-dur von Beethoven, Nocturne in F-moll und Walzer in As-dur, von Ehopin, Scherzo in E-moll von Mendelssohn und schließlich die Aufforderung zum Tanz von Weber. Wir haben den Eindruck, daß der junge Künstler die technischen Schwierig leiten des Klaviers weit hinter sich hat. Er spielte mit hinreißender Lebendigkeit und sand dann micber aus großer Leidenschaft den Weg zu unbeschreiblicher Weichheit und Süße des Tones. Wir Büdinger möchten Gießen beneiden, die Vaterstadt eines so frisch und krustig enrporslrebenden Talentes zu sein. Herr Hahn begleitete auch die Gesänge der Damen in Verständnis- voller Weise Diese brachten außer zwei Duetten von Mendelssohn noch eine Arie aus der Schöpfung, ferner Lieder von Brahms, Schumann, Löwe, Abt und Hildach zu Gehör. Beide Damen sind Schstlerümen der bekannten Gießener Sangesmeisterin, Fräulein Meta Buff, und kennzeichneten sich auch als solche durch Schönheit und Korrektheit der Tonbildung, Ausgeglichenheit der Stimme, sichere Beherrschung ^der Stimmmittel, durch Wärme und Innigkeit der Aufsagung und vornehmen Vortrag. Man war hier herzlich dankbar für den Genuß, den das liebenswürdige Trio den Büdingern bereitete, und wir geben gern dem Wunsche Ausdruck, daß wir die jungen Künstler bald wieder bei uns begrüßen und hören dürfen. Ein neues System für ben Dheaterbau. Professor Littmann in München, ber ben Plan und das Modell für einen Neubau des Stuttgarter Hoftheaters ausgearbeitet hat, ist hierbei auf Anregung deS Intendanten Baron Putzlitz dem Gedanken nähergetreten, den Typus für eine neue Theateranlage zu schassen, für das Theater nach dem „Toppelhaus"-Syftem ober dem „Svstem der beiden Häuser unter einem Dach", wie man es auch nennt. Auf einem hufeisenförmigen Grundriß rückten drei Bauteile: Opernhaus, Verwaltungsgebäude und Schauspielhaus, s,o nahe aneinander, daß sie unter eine gemeinsame Dachanlage zu liegen kommen, aber troi bem wahrt iedes der drei Bauwerke seine volle Selbständigkeit; das Opern- und das Schauspielhaus bieten sogar, da sie von drei Seiten vollkommen frei liegen, fast alle Vorteile von isolierten Anlagen dar. Die „Franks. Ztg." bemerkt über dieses Projekt: „Nichts hat ber günstigen Entwickelung, zumal der Schauspielkunst, in den letzten hundert Jahren. so sehr ge» schadet, wie die unzweckmäßig eingerichteten und übermäßig großen Theatergebaube. Tas Litlmannsche Projekt sieht ein Opernhaus für 1400 und ein Schauspielhaus für 800 Personen vor und damit scheint uns eine Norm gegeben zu sein, die für die Mehrzahl der deutschen Städte zutreffen dürfte. Giebt mau diesen Häusern die Einrichtung, tote sie von dem Zwecke, dem sie speziell dienen sollen, erfordert wird, rückt man sie unter möglichster Wahrung ihrer Isolierung so nahe aneinaitber, wie es irgendwie angeht, und schließt man sie an ein Verwaltungsgebäude an, das für das Personal die gleiche Verkehrsbequemlichkeit bar» bietet, so wirb man zu einem neuen Tyeatertypus kommen mit einem möglich st engen Zusammenschluß' des Ganzen bei möglichst selbständiger Entwickelung der Einzelglieder — und bariu liegt wohl ber Kernpunkt ber Littmannschen Problemlösung. „Im Spinnen winkel", der von uns bereits mit Merkennung genannte neue Roman des Berliner Bürgermeisters Georg Rercke (Verlag von Schuster und Löffler in Berlin), soll dramatisiert tu erb en und noch im Laufe dieses Herbstes au einer Berliner Bühne in Szene gehen. T r o n dch j c m, 23. Juni. Die Ziegle r s ch e Nord- pol-Expedition ist heilte an Bord der „Amerika" von hier abgejegell. Sie söhn Tepotmaterial mit sich. Falls das Schiss nicht weitet rann, wird gehofft, auf Franz Josefsland einen guten Hafen zu finden, ivo sich die „Amerika" ben Winter verankert, und von wo die Expedition mit Hunden fortgesetzt werben kann. fter deutsch en Regierung wird sich erst ergeben, sobald die Thronbesteigung des neuen Königs offiziell angezeigt worden H. Die Regierung reichte nach der Eidesleistung des Königs ihr Entlassungsgesuch ein. Es verlautet, daß eine Umbildung des jetzigen Ministeriums erfolgt. Vor allem soll der Schwager Dragos, der Minister Ma- schrn, zurücktreten, um die in seiner Person liegenden Schwierigkeiten zu beseitigen. Auf Anordnung des Königs wird ein Hausstatut ausgearbeitet behufs Begrenzung der Zugehörigkeit zur Königsfamilie und Bestimmung der Pflichten, Rechte und Titel der Verwandten. Eine mäßige Erhöhung d er Zivilliste ist wahrscheinlich. Ein Artikel des Pariser „Petit Journal" beschäftigt sich mit Michel Ri stit sch, der in der Mordnacht den General- adjutanten Petrowitsch niederschoß und jetzt anscheinend von König Peter zu großen Aufgaben ausersehen ist. Es wird in dem Pariser Blatt nun ein Erlebnis Ristitschs aus früherer Zeit aufgefrischt, das diesem „kommenden Mann" in Serbien in wenig angenehmer Erinnerung geblieben sein mag. Michel Ristitsch, der Sohn des ehemaligen Regenten von Serbien, wurde seinerzeit in demselben Petersburger Pagenuiftitut erzogen, in dem sich heute Serbiens Thronfolger befindet. Später kam er als Leutnant zu den Leuchtenberg-Husaren. s)taä) einer etwas lebhaften Szene in einem ^iaffeehause zu Petersburg wurde der Offizier eines Tages von dem polnischen Gutsbesitzer Kobierzycki aus Säbel gefordert. Das Duell begann. Beim zwecken Gange aber lies Ristitsch davon. Kobierzycki eilte dem Flüchtling mit dem Sabel in der Hand nach, holte chn ein und ries ihm zu: „Erdboden küssen oder der Kops fliegt vom Halse!" Ristitsch küßte gehorsam den Erdboden und wurde daun veranlaßt, seinen Abschied zu nehmen. Daraus tra, er in die serbische Armee ein. Aus Stadl und Kaud» Gießen, den 25. Juni 1903. Nachrichten aus Stadt und Land find uns stets willkommen und werden angemessen honoriert! ** Ein ganz raffinierter Schwindler hat kürzlich oon hier aus folgenden Coup ausgeführt. Er gab per Frachtgut auf je einem Frachtbrief zwei Packete Drahtstifte nach einer in der Nachbarschaft liegenden Station bahnlagernd auf und ließ sich über diese Sendungen Duplikatfrachtbriefe, auf denen er die Sendung, 1 Packet Drahtstifte, auf die zweite Reihe geschrieben hatte, abstempeln. Auf der ersten freigebliebenen Reihe der Duplikate wurde dann ein Waggon und aus der 1 517 Packete der Ware gemacht, ebenso wurde nachträglich die Waggonfracht auf den Papieren vermerkt. Dann begab sich der Schwindler nach der betreffenden Station, wo er auf Grund der Duplikate in beiden Fällen je einen Spediteur beauftragte, die 517 Packete Drahtstifte abzufahren und die entsprechenden Einzelfrachten dafür zu erheben. In beiden Fällen erhob er die angeblich vorgelegten Waggonfrachten. In der gleichen Weise sandte der Absender die beiden Packete Drahtstifte nach Gießen wieder zurück und versuchte hier vergeblich den gleichen Schwindel. Da zu befürchten steht, daß das Schwindelmanöver anderweit ebenfalls ausgeführt wird, ist Vorsicht geboten. - Zum Hoherodskopf. Am Sonntag den 5. Juli findet ein Haupt-Ausflug des Vogelsberger Höhcnclubs auf den Hoherodskopf statt. Dort giebt es Konzert und geselliges Zusammensein. * * »Sommer-Wohnungen im Vogelsberg" ist der Titel eines vom Vogelsberger Höhenclub herausgegebenen netten Büchleins, das in gedrängter Kürze die reiche Zahl der Luftkurorte und deren Wohnungs- re. Verhältnisse, sowie Ausflüge und Spaziergänge im Gebiete des Vogelsberges angiebt. Das Wcrkchen ist vom Zweigverein Schotten des Vogelsberger Höhenclubs kostenlos zu beziehen. - j- Udenhausen b. Grebenau, 24. Juni. Heute morgen machte ein hiesiger Einwohner, dem vor einigen Monaten schon einmal von einem unbekannten Täter, verinutlich aus Schabernack, zwei Fenster in der Nacht eingeschlagen wurden, die unerfreuliche Entdeckung, daß ihm 6 Stück Leinentuch, die auf der hinter seiner Wohnung liegenden Wiese zum Bleichen ausgebreitet und, wie üblich, angepflöckt waren, gestohlen worden sind, ohne daß eine Spur von dem Täter zu entdecken wäre. Da seit undenklicher Zeit hier Diebstähle nicht vorgekommen sind, vermutet man auch hier wieder einen Racheakt, trotzdem der Bestohlene allgemein behebt ist. 8 Groß-Felda, 23. Juni. Am vorgestrigen Sonntage feierte der hiesige, allgemein beliebte und weithin bekannte Gastwirt Kaspar Völsing mit seiner Ehefrau das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Kinder und Enkel waren herzugeeilt, dem Jubelpaar seine Glückwünsche darzu- bringcn, auch Dekan Wörißhöfcr in Vertretung der Kirchengemeinde, sowie andere Gratulanten von nah und fern. Dillenburg, 24. Juni. Im Jahre 1900 wurde das städtische Kurhaus — das Geschenk des verstorbenen Fabrikanten Fr. Schramm — eröffnet. Schon im folgenden Jahre wurde, da die Räume nicht ausreichten für die große Zahl der Fremden, ein benachbartes Gebäude gemietet und darin 13 Zimmer ausmöbliert. Da in diesem Jahre der Pachtvertrag mit dem Besitzer des erwähnten Gebäudes abläuft, machte der Magistrat die Vorlage des Anbaues eines Logicrhauscs an das Kurhaus. Die Pläne desselben wurden von der Frankfurter Firma Schaffner u. Albert ausgearbcitet. Nach einigen vorberatenden Sitzungen und Kommissionsbcratungcn, genehmigte gestern die Stadtv.-Ver- sainmlung einstimmig die Mittel zum Bau eines Logierhauses in Höhe von 53 000 Mk. Der westliche Anbau nach der Bismarckstraße zu soll einen weiteren Speisesaal und 18 Logierzimmer erhalten. Die Bauausführung wird der hiesigen Firma Rompf übertragen. Der Bau ist bis zum 1. Juni n. I. fertig und bewohnbar herzustellen. Auch in diesem Jahre erfreut sich unsere Sommerfrische eines guten Besuches von Erholungsbedürftigen sowohl als von Vereinen. Klein. :: • :i !j c j a u s dessen und den Nachbarstaaten. Bei dem Amtsgericht Wallmerod sind die beiden Richterstellen zu besehen. Es ist der Amts- richter Fohr nach Wetzlar, ver Amtsrichter Taaks nach Braunfels versetzt. — Für die Enthüllung des Darmstädter Goethe-Denkmals, die Dienstag, 30. Juni, nachm. 5 Uhr im Herrngarten stattsinden soll, wurde folgendes Programm ausgestellt: 1) Begrüßungsfanfare, 2) Festkantate nach Worten Goethes, komponiert von Prof. Arnold Mendelssohn, vorgetragen von dem akademischen Gesangverein an der Technischen Hochschule unter Leitung des Privatdozenten Dr. W. Nagel, 3) Ansprache des Vorsitzenden des Goethedenkmal-Ausschuffes, Oberstleutnants a. D. E. Gad, 4) Enthüllung des Denkmals, 5) Festrede des Professors Dr. Otto Harnack, 6) Besichtigung des Denkmals. Gerichtssaat. Gießen, 25. Juni. Bor unserer Strafkammer wurde gegen den 22 Jahre alten ehemaligen Gewerbe- akademirer E K. von Heidelberg, zuletzt in Friedberg, wo er das dortige Gewerbelchrinstitut besuchte, wegen Betrugs verhandelt. Die Verhandlung führte zwar zur Freisprechung des Angeklagten, gab aber ein betrübendes Bild jugendlichen Leichtsinns. Ter Tatbestand, welcher der Anklage zu Grunde lag, ist kurz der folgende. K. besuchte wohl vier Monate lang die staatliche Baugewerks- jchule in Idstein und lernte dort kurz vor der Versetzung einen gewissen L. aus Friedberg kennen, der sich ebenfalls für den Besuch des Instituts angemeldet hatte, und da er sehr unregelmäßig die Lehrstunden besuchte, schon nach 14 Tagen von der Anstaltsleitung unter den Schülern gestrichen wurde, wovon den Besuchern der Schule durch Anschlag am schwarzen Brett Kenntnis gegeben wurde. Da K. nicht versetzt worden war, veranlaßte ihn L., seinen Austritt aus der Anstalt anzumelden, was auch geschah. Um diese Zeit war L. volljährig geworden und erhielt, da die Eltern tot waren, sein Vermögen von rund 18 000 Mk. ausbezahlt. 9tun begann für die beiden jungen Leute, den Angeklagten und seinen Freund ein tolles Leben. Man kaufte em Grammophon für 300 Mk., mehrere Hunde für 500 Mk., ein Fahrrad, man spielte während der Ferien, wo man Idstein nicht verließ, im goldenen Lamm den großen Mann, machte Reiien nach Frankfurt. L. sagte dort für einen Wirt für 2000 Mark gut, die er sehr bald bezahlen mußte; er warf mit einem Wort das Geld "mit vollen Händen weg, sodaß sein Erbteil gewaltig zusammengeschmolzen war, als die beiden jungen Leute nach den Ferien nach Friedberg übersiedelten, um die Studien an der dortigen Gewerbeakademie wieder aufzunehmen, wo sich allerdings nur K. für die Vorlesungen als Hörer gemeldet hat. Rach Verlaus von fünf Aäonaten war das Erbteil des L. verjubelt, und dieser hatte noch Schulden obendrein gemacht. Als denen einziger Ausstand besteht eine Forderung an seinen ehemaligen Freund K., den Angeklagten, in Höhe von 1600 Mk., worüber dieser einen Schuldschein gegeben und sich verpflichtet hat, pro Monat 300 Mk. auf die Schuld abzutragen. Da dies aber nicht geschah, denunzierte der Gläubiger den säumigen Schuldner wegen Betrugs. Er behauptet nämlicy, er habe die Geldbeträge, darunter einmal einen Tausendmarkschein, an den Angeklagten nur gegeben, weil dieser ihm versichert habe, er habe von seinem verstorbenen Großvater, den er bis an sein Ende gepflegt, 60—80 000 Mk. geerbt, die er demnächst ausgezahlt erhalte. Weiter habe K. ihm versichert, er bekomme von seinem Vater in Heidelberg eine Villa überschrieben und wolle ihm mit dieser eine Sicherheit geben. Es wurde in der Beweisaufnahme festgestellt, daß der Angeklagte tatsächlich auch anderen Personen gegenüber mit der 60—80000 Mark-Erbschaft und ebenso mit einer Villa in Heidelberg renommiert hat. Der Gerichtshof war aber bei der Art, wie L. seine 18000 Mk. in ganz kurzer Zeit mit vollen Händen fortgeworfen hat, der lleberzeugung, daß das Renoinmieren des Angeklagten nicht für L. be- stümnend gewesen ist, als er diesem die Geldbeträge lieh. Man sprach den Angeklagten vom Betrüge frei, weil man der Ansicht war, L. habe dem K. die Summe als guten Kameraden gegeben, auch wenn dieser nicht von einer Erbschaft und von einer Villa gesprochen hätte. ü. v. Darmstadt, 23. Juni. Vor dem Schwurgericht wurde heute in emer Meineidssache, begangen von einem Mädchen bei einem Alimentationsprozeß, verhandelt. Die kaum 19 jährige, aber schon vier mal vorbeslraste Fabrikarbeiterin Marie W o t h aus Mühlheim a. M. hatte sowohl vor dein Amtsgericht in Offenburg, wie in der Berufungsinstanz zu Darmstadt ihr falsches Zeugnis eidlich bekräftigt, daß sie keinen Verkehr mit einer dritten Person gehabt hätte. Als sie nachträglich doch überführt wurde, legte sie em Geständnis ab. Die Anklage führte heute Staatsanwalt Dr. Wolff, die Verteidigung Rechtsanwalt Simon. Nach nahezu sechsstündiger Verhandlung wurde die Angeklagte zu 1 7» Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Wiesbaden, 24. Juni. Tas Schwurgericht verurteilte denGerichtssekretärTrupp wegen Unterschlagung von Amtsgeldern zu V/2 Jahren Gefängnis. Kassel, 24. Juni. P r o z e ß S ch m i d t. (Dritter Tag.) In der Fortsetzung der Beweisaufnahme wird heute zunächst der Konkursverwalter der Schmidtschen Masse, Arn- thal, vernommen. Er weist nach, daß von Schmidt 27 000 Mark Effekten vor seinem Weggange veräußert wurden, die er von seiner Frau erhalten haben will. Dafür, daß abgesehen von einer Hypothek ans den Grindelhof in Hamburg, Vermögensstücke beseitigt wurden, sand er keinen Anhaltspunkt. 700 000 Mark seien bisher aus der Schmidtschen Masse gewonnen, doch hofft Arnthal, diese Sninnie noch auf 800000 Mk. bringen zu können. Tie gesamten Forderungen an die Masse betragen 48 Millionen anertannter Forderungen, darunter 27 vom Konkursverwalter der Trebergesellschaft. Zeuge Rocholl, der die Hypothekeneintragung für Schmidts Tochter auf den Grindelhof besorgte, fand darin nichts Auffälliges. Er fand die Summe für Schmidts Verhältnisse, wie sie sich ihni damals darstellen mußten, bescheiden. Rechnungsrat Recket sagt aus über seine Revisionstätigkeit bei der Trebergesellschaft für den erkrankten Buchhalter Nordmann. Es ergab sich Ucberein- stimmung der Bilanzen und Saldi. Belege erhielt er nicht. Die Differenzen, die ihm aufstießen, seien nur solche gewesen, die überall vorkämen. Schmidt erteilte die Auskünfte bereitwilligst. Dr. Arnthal bekundet noch, daß Schmidt auf seine, des Zeugen, Veranlassung den Offenbarungseid geleistet habe, und er keine Veranlassung Hube, an der Wahrheit des Eides zu zweifeln. Die Zeugen Heuser-Kassel, ehemaliger kaufmännischer Leiter der ungarischen Tochtergesellschaft, und Dingelstedt, Direktor der Memeler Gesellschaft, sagen über die Verbindungen der genannten Gesellschaften mit der Trebergesellschaft ebenso aus, wie seinerzeit im Prozesse gegen die Auffichtsratsmitglieder. Dingelstedt war sz. scyristlich vom Angeklagten zu Bila nzsälsch- ungen aufgesor de rt worden. Der darauf bezügliche Brief wird verlesen, desgleichen die ablehnende Antwort der Direktion Memel. Alsdann wird der friihere Prokurist der Leipziger Bank, Wuthe, vernommen, der sich über die Vorgänge unmittelbar vor und am Abend des Zusammenbruchs der Trebergesellschaft, sowie über seinen vergeblichen Versuch, damals einen Einblick in den Stand der Bücher der Trebergesellschaft zu ewinnen, ausläßt. Zeuge schildert dann die Vorgänge in der Sitzung der Leipziger Baut mit den Herren der Trebergesellschaft, in der das Schicksal der Trebergesellschaft besiegelt wurde, während Schmidt in der folgenden Nacht aus Kassel entfloh. Ueber den Stand der verschiedenen Tochtergesellschaften der Trebertrocknung in Rußland, Norwegen, England und Galizien, die er besichtigte, läßt sich Zeuge als Sachverständiger aus. Zeuge Wuthe bekundet, daß die Anlagen in Frederlkstad und Lemberg sehr ungünstige Resultate ergeben haben. Zum heutigen Sitzungsschluß erfolgte die Verlesung des Urteils der Strafkammer des Landgerichts Kassel gegen die Mitglieder des AuffichtsratS der Trebergesellschaft, Sumpf und Genossen. Morgen fällt die Sitzung der Stichwahl wegen aus. Berlin, 24. Juni. Die dritte Strafkammer des Land- gerichts I verurteilte den Reichstagsabg. Stadthagen wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze zu 14 Tage Gefängnis. Stadthagen hatte in einer am 10. Juni 1902 abgehaitenen Volksversammlung die anwesenden Frauen aufge,ordert, unbekümmert um das in der Verordnung vom 11. März 1850 enthaltene Verbot, ihr Vereins- und Versammlungsrecht auszuüben, da die Verordnung ungiltig sei, weil sie gegen die Verfassung verstoße. Der wegen Abdrucks dieser Aufforderung im „Vorwärts" mitangeklagte Redakteur Leid wurde fteige- sprochen. Kiel, 24. Juni. In der heutigen Revisionsver» Handlung gegen den Matrosen Messerschmidt vom Schulschiff „Stein", der am 3. Juni wegen Körperverletzung mittels hinterlistigen Angriffs gegen den Fähnrich Abel zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt war, erkannte das Oberkriegsgericht auf die Berufung des Gerichtsherrn aus 4 I a h r e G e f ä n g n i s unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshaft. Die Berufung des Angeklagten wurde verworfen. Vermischtes. * Berlin, 24. Juni. Ter Pfarrer Granzin von der Berliner Nazarethgcmeinde we unter Mitnahme eines geladenen Revolvers verschwunden. Er hak bereits einmal einen Selbstmordversuch gemacht. Seine Wirtschafterin hat ihn vor dem Konsistorium Verun treu* uh gen und sittlicher Verfehlungen bezichtigt. Heute nacht wurde im Treptower Park die Leiche des Pfarrers ausgesunden. Granzin hatte sich dort gestern nachmittag erschossen. Er war den Blättern zufolge überarbeitet und über die Denunziationen seiner nervenkranken Wirtschaf- terin verzweifelt. Der Selbstmord erregt großes Aufsehen. G. hat fünf noch unmündige Kinder hinterlassen. ES wird dem Geistlichen auch vorgewcrfen, daß er ganze Ballen Stoffe, die zu Geschenken an arme Kinder bestimmt waren, für sich und seine Kinder verwandt habe. Heute früh gab es vor seiner Wohnung heftige Austritte. Tutzeudc von Müttern erschienen, um die von ihren Kindern in die Schulspartasse gezahlten Beträge zu erheben. Sie mußten jedoch unverrichteter Sache wieder abziehen. — Eine Besprechung der Mitglieder des Gemeindetirchenrats der Nazaret-Gemeinde ergab, daß die gegen Granzin erhobenen Beschuldigungen aus Wahrheit beruhen. * Altona, 23. Juni. Die 62jährige Witwe Krüger und ihr 28jähriger o h n vergifteten sich mit Morphium. Die "Familie hatte früher in guten Verhältnissen gelebt. Der Zustand beider ist hoffnungslos. * Hamburg, 24. Juni. Das Segelschiff Hans ist mit seiner fünf Mann starken Besatzung unter gegangen. — Ter Fisch d amp fer Alice ist an der isländischen Küste mit 25 Mani Besatzung untergegangen. * D o r t m un d, 23. Juni. Von einem Neubau stürz- ten infolge Gerüstbruches drei Leute ab; zwei wurden tätlich .verletzt, der dritte leichter. * A a ch e n, 23. Juni. In Lerviers zerstörte ein Brand die Baumwollspinnerei von Beltzer u. Co. Der Schaden beträgt etwa 50000 Frcs. Ein Arbeiter wurde durch niederstürzende brennende Wollballen tätlich verletzt. * München, 23. Juni. Auf offener Straße erstach ein Buchbindergehilse ein junges Mädchen, das er vergeblich mit Liebesanträgen verfolgte. Ter Vkörder wurde verhaftet. * London, 23. Ium. Das Kriegsgericht sprach die sieben wegen Mißhandlung des Civilisten Stanford in Kapstadt angeklagten Offiziere frei. * Brüssel, 23. Juni. Vergangene Nacht wurde loiederum ein Attentat auf den Expreßzug Paris- Brüssel versucht und zwar abermals in der Nähe der Station Feignies. Eine Schiene war losgeschraubt. Der Zug wurde noch rechtzeitig zum Stehen gebracht. Es ist dies seit kurzer Zeit der sechste Attentatsversuch auf den Expreßzug. * P aris, 23. Juni. Ein bei der Bergung der Toten des gesunkenen S ch i f f e s „L i b a n" beschäftigter Taucher verlor bei bem sechsten Tauchvcrfuch das Bewußtsein und starb. Ein anderer Taucher ist schwer erkrankt. Beiden war es vorher gelungen, bis in die Jnnenräume des Schiffes vorzudringen. Sie sahen durch die Kabincnlukeu eine Anzahl Leichen; sie brachten eine Kindesleiche und 10 Säcke mit Briefen und Paketen herauf. * Bologna, 24. Juni. Tr. Naldi versuchte sich im Kerker durch Aufschneiden der Pulsadern zu töten. Er schwebt in Lebensgefahr, dürfte jedoch am Leben erhalten werden. ' Graz, 23. Juni. In Windischgrätz wurde der Schuster Josef Robnik als Urheber des großen Brandes in Windischgrätz verhaftet. * Eine Duellgegnerin. Ein Fabrikb esitzer in Berlin war mit einem Oberleutnant zusammenge- raten und hatte ihm eine Forderung au f Pi st ölen zugehen lassen. Der Kampf sollte, nachdem auch der Ehrenrat einer studentischen Verbindung, bei der der Fabrikbesitzer „belegt" hatte, seine Zustimmung erteilt hatte, in aller Frühe in der Jungferuhaide stattsinden. Die Wagen mit Sekundanten, Zeugen und Aerzten waren zur Stelle, auch der Oberleuttiant war bereits auf dem Kampsplatz erschienen, nur der Förderer selbst kam nicht. Statt seiner traf endlich ein Bote ein mit der Nachricht, daß die Frau des Fabrikbesitzers den Zweikampf nich t erlaube. Unverrichteter Sache kehrten die Beteiligten um. * Ueber den Grundbesitz der deutschen Großstädte iixub eine Statistik veröffentlicht, der wir folgende interessanle Einzelheiten entnehmen. Berlin besaß darnach 1901 den größten Grundbesitz mit 13387 Hektar oder 71 Quadratmeter auf den Kopf der Bevölkerung. Es folgten Breslau mit 5125 Hektar (121 Quadratmeter), Stettin mit 4d69 Hektar (231 Quadratmeter), S t r aßbu r g i. E. mit 4600 Hektar (305 Quadratmeter >, München mit 4352 Hektar (8. Quadratmeter, Frankfurt a. M. mit 4434 Hektar (153 Quadratmeter), Köln mit 3654 Hektar (98 Quadratmeter), Leipzig mit 3402 Hektar (78 Quadratmeter), Danzig mit 3041 Hektar (216 Quadratmeters Aachen mit 2708 Hektar (200 Quadratmeter), Magdeburg mit 266o Hektar (116 Quadratmeter), Mannheim mit 2060 Hektar (146 Quadratmeter), Hannover mit 2052 Hektar (89 Quadratmeter), Dortmund mit 1637 Hektar (114 Quadratmeter), Stuttgart mit 1063 Hektar (60 Quadratmeter), Halle mit 1063 Hektar (68 Quadratmeter), C h e m n i fy mit 880 Hektar (42 Quadratmeter), Kiel mit 793 Hektar (68 Quadratmeter), Düsseldorf mit 560 Hektar (26 Quadratmeter), Dresden mit 472 Hektar (12 Quadratmeter), Kassel mit 454 Hektar (43 Quadratmeter), Charlotten bürg mit nur 430 Hektar (22 Quadratmeter), Karlsruhe mit 400 Hektar (41 Quadratmeter), Nürnberg mit 379 Hektar (19 Quadratmeter), Altona mit 337 Hektar (20 Quadratmeter), Elberfeld mit 307 Hektar (19 Quadratmeter), Essen mit 278 Hektar (14 Quadratmeter), Krefeld mit 134 Hektar (12 Quadratmeter), Barmen mit 128 Hektar (9 Quadratmeter), Posen mit 98 Hektar (8 Quadratmeter). Hiernach steht Straßburg mit 305 Quadratmetern auf den Kops an der Spitze; es folgen Stettin mit 231 Quadratmetern, Danzig mit 216 Quaüratinetern, Aachen mit 200 Quadrat- merecn, Frankfurt a M mit 153 Quadratmetern, Mannheim mit 146 Quadratmetern, Breslau mit 121 Quadratmetern, Magdeburg mit 116 Quadratmetern. * Verkaufte Ehemänner. Einen außergewöhnlichen Tauschhandel machten, wie eine englische Wochenschrift erzählt, vor einiger Zeit zwei Frauen der Mittelklasse in Birmingham; da sie nicht zufrieden waren mit dem Los, das sie in der Ehelotterie gezogen ■ hatten, tauschten sie chre Männer aus; aber eine der Frauen, eine geborene Schottin, bestand noch auf einer besonderen Prämie von 400 Mark, weil ihr Mann, der viel schmächtiger als der Gatte ihrer Freundin gebaut war, bedeutend weniger zu erhalten kostete. Nach vielem Feilschen wurde der Handel zur passiven Befriedigung der Mnner geschlossen, die augenscheinlich glaubten, daß jeder Wechsel nur besseres bringen könne. — Ein Bewohner Liverpools hinterließ seiner Witwe nach seinem Tode eine Gastwirtschaft. Da sie mit ihren Kräften allein das Geschäft nicht sortsetzen konnte, sah sie sich nach einem Manne um, und fand schließlich in der Person eines Wallisers einen nach chrem Wunsch. Leider war der Erwählte schon verheiratet, aber die Witwe ließ sich dadurch nicht abschrecken, trat mit seiner Frau in Verhandlung, und diese gab chre Zustimnrung, ibren angeblichen Herrn und Meister gegen eine Geldentschädigung abzutreten, was schließlich auch zur Zufriedenheit aller Beteiligten geschah. — Auf einem Jahrmarkt in Brünn traf der Mitarberter des englischen Blattes einst einen Riesen, einen Engländer von über sieben Fuß Größe, der von seiner früheren Frau an die Besitzerin einer uncher- reifenden Schaubude für 840 Mark verkauft worden war. Diese hatte ihn rächt nur zum Hauptanzieyungsstück ihrer Bude, sondern auch trotz des dagegenstehenden Gesetzes zu ihrem Gatten gemacht, und der schwache und gutmütige Riese hatte sich phlegmatisch dazu hergegeben. — Eine Gatten- auktiou fand gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Manchester statt. Eure Frau Nanrens Briee führte chren Mann auf den Marktplatz und verkündete öffentlich, sie wolle ihn an den Meistbietenden verkaufen. Der Marrn schien die Sache als einen kolossalen Spaß aufzufassen und zählte seine Fertigkeiten auf, die sich vom Stiefelmachen bis zum Flötenspielen erstreckten. Dann begann die Auktion; es erfolgten mehrere Angebote, und er ging schließlich für 20 Mark, ein paar Hühner und einen neuen Anzug in andere Hände über. — Im Jahre 1774 wurde der Ausrufer in Leeds von Mrs. Joanna Gruttley ersucht, den Verkauf ihres Mannes öffentlich zu verkünden. Er wurde von dem Beamten als guter Zimmermann und sehr ergebener Gatte »geschildert und richtig in einem Gasthaus zum Verkauf ^gestellt; aber trotz der Oeffentlichkeit der Auktion und seiner häuslichen Tugenden brachte er nur 5 Mark und eine Gallone Wach holderbranntw ein. * Das Gehirn eines großen Redners. Für die Beherrschung der Sprache soll es bekanntlich im urenfch- .lichen Gehirn einen ganz besonderen Teil geben. Nach den Untersuchungen von Broca ist zuerst auf ein bestimmtes Gebiet des Gehirns als auf das Sprachzentrum h.in- gewiesen worden, das sich, dadurch als solches ausweist, daß durch seine gelegentliche Verletzung das Sprachver- mögen beeinträchtigt oder zerstört wird. Die Erforschung des Gehirns und der Bedeutung seiner einzelnen Teile für die verschiedenen geistigen Betätigungen ist ein äußerst wichtiges Fe-lo der Wissenschaft, das gerade in der neuesten Zeit eine erhöhte Aufmerksamkeit gefunden hat. Man versucht sich jetzt nach Möglichkeit die Untersuchung von Gehirnen bedeutender Männer zu sichern, weil man allmählich durch das Studium der Entwickelung im Elnzelnen und durch sorgsarne Vergleiche genauere Anhaltspunkte zu gewinnen hofft. Letzthin ist wieder das Gehirn eines Mannes auf seinen eigenen Wunsch geprüft worden, dessen hauptsächliche Begabung in einer vollendeten Beherrschung der Sprache lag, nämlich des Pariser Dr. Laborde. Dieser Mann' war ein Meister der Beredsamkeit wie wenige, und als bekannt geworden war, daß sein Gehirn untersucht wäre, wurden alsbald zahlreiche Anfragen an den betreffenden Arzt gerichtet, ob nicht das Sprachzentrum in dem Gehirn von Laborde ganz besondere Anzeichen einer ungewöhnlich hohen Entwickelung gezeigt hätte. Dr. Pa- villault hat dies Interesse durch eine genaue Vcroffent- -lichuna seines Befundes befriedigt. Das Gehirn war an sich klein, und wog nur 1234 Gramm, dagegen zeigte sich eine sehr ungleiche Entwickelung der beiden Gehirnhälften, und zwar zu Gunsten der linken, wo der Hauptsitz der Sprache gesucht wird. In der dritten Stirnwindung der linken Gehirnhälfte hat Broca, nach dem diese Windung auch benannt worden ist, den geistigen Ursprung der Sprache vermutet, jedenfalls war diese Gegend bei dem Gehirn von Laborde so stark ausgebildet, daß es selbst einem Laien bei genauerer Betrachtung des Gehirns hätte erkennbar werden müssen. - Der Wahl Humor ist noch mcht tot. Eme Probe können wir bieten in nachstehendem poetischen Erguß, der sich auf einem der in Bocholt abgegebenen Stimmzettel fand: £)b ich wähle Euler- Oder em'n Genossen Bebels — Bezahl ich meine Steuern nich', So psänd't man meine Möbelsl" Der Aermsle mag wohl aus Erfahrung sprechen. — In einem anderen Wahlkreis enthielt der Stimmzettel folgenden Vers: Wähl' ich Lohen, Tuts nichts notzen, Wähl' ich Beck, Hats keinen Zweck. Wenn mans noch zur Stichwahl bringt, Fraßdorf aus der Urne springt. Doch gewählt muß heute jein Einer von den hübschen drei'»: Und ich nahm als Patriote Einen Zettel in die Pfote, Gebe meine wicht'ge Stimme, Wenn auch mit verhalt'nem Grimme, Unserm Kandidaten Lohen — Gebe Gott, es töt' 'was notzen!^ Kandwirtschast. 0 Aus de m Ohmtale, 24. Juni. Endlich hat man das Setzen der Hackpflanzen zu Ende führen können. So allgemein haben die Wurzelgewächse während des letzten Jahrzehntes nicht gefehlt wie Heuer. Dadurch verspätete sich das „Setzen" gegen die gewöhnliche Zeit. Man suchte den Bedarf an Hackpflanzen aus anderen Gegenden zu decken, wie aus der Gegend von Grünberg und Gießen. Das Hundert junger Pflänzchen wurde mit 25 bis 30 Pfennig bezahlt. Trotz dieses niedrigen Preises waren dieselben so begehrt, daß Langsinger solche nachts über dort rupften, wo sie nichts zu suchen hatten. Nachdem diese Kalamität vorüber ist, hat mit dem Heutigen die Heuernte hier begonnen. Das Heugras steht im allgemeinen gut, sodaß die Heuernte, gutes Wetter vorausgesetzt, befriedigende Ergebnisse erwarten läßt. Hannover, 24. Juni. Der Besuch der landwirtschaftlichen Ausstellung, die gestern geschlossen ist, hatte am vorletzten Ausstellungstage, an welchem die Besuchsziffer auf 198 407 gestiegen war, schon alle bisherigen Wanderausstellungen der Deutschen Land- wirtschaftsgesellschaft Ijierin übertroffen. Mit dem letzten Tage hat die Besuchsziffer 227 192 erreicht. Der Besuch der diesjährigen Ausstellung stellt sich um 58 677 Personen höher als der der Hamburger Ausstellung, die bis dahin die höchste Besuchsziffer auszuweisen hatte. Bekanntlich hat der Kaiser auf seinen verschiedenen Gütern gleichsam als Vorbild für die Landwirte Musterwirtschaften eingerichtet, so vor allem auf dem Rittergut Kadinen. Besondere Beachtung schenkte der Kaiser dabei der Spiritus-Industrie und der zweckmäßigen und praktischen Ausnützung desselben, indem er davon ausging, daß jedes größere Gut mit Brennerei für seinen landwirtschaftlichen Betrieb den Spiritus als .Kraftquelle ausnützen müßte. Zur Zeit besindet sich aus Kadinen ein von der Motorenfabrik Oberursel angekaufter Spiritus- pslug in Betrieb. Der eigentliche Pflug, ein sogenannter Kipppflug, erfordert die Aufstellung je einer Spirituslokomobile zu beiden Seiten des zu bepsiügenden Ackers, welche den Pflug mit Drahtseilen hin- und herziehen. Beim llmwechseln wird der Apparat einfach nach Art einer Schaukel auf der hinteren Seite in der Bewegungsrichtung heruntergelassen und der Sitz von dem Führer umgewechselt. Die Pslugarbeit wird allseitig als höchst zufriedenstellend und allen Ansprüchen genügend bezeichnet. Die Tiefe per Furchen betrug bis zu 14 Zoll. Besondere Beachtung wird den verschiedenen, mit Spiritus betriebenen landwirtschaftlichen Geräten aus der letzten Fachausstellung in Berlin geschenkt, und viele Grundbesitzer sind der Anregung des Kaisers bereits gefolgt. Jedenfalls verdient diese technische Errungenschaft in die wichtigsten, die Landwirtschaftlichen Erfindungen eingereiht zu werden. Der Saaten st and im Deutschen Reich um die Mitte des Juni betrug: Mnterweizen 2,8, Winterspelz 2,3, Winterroggen 2,5, Sommerroggen 2,5, Sommergerste 2,5, Hafer 2,5, Kartoffeln 2,7, Klee 2,5, Luzerne 2,7, Wiesen 2,5. Infolge der Trockenperiode im Juni erfolgte bei den meisten Früchten Stillstand und bei der Sommerung vielfach ein Rückgang des Saatenstandes, welchen die Meder- schlage der letzten Tage nicht auszugleichen vermochten. Bei Weizen ist eine Erholung unverkennbar, Spelz zeigt befriedigenden, teilweise guten Stand. Am besten hak sich Roggen herausgemustert Die Sommerfrüchte litten unter der großen Trockenheit Die letzten Niederschläge dürften einen Umschlag zum Besseren herbeiführen. Kartoffeln stehen nur zum kleinen Teile gut Klee findet nur vereinzelt gute Beurteilung. B u d a p e ft, 24. Juni. Der Saaten st audsbericht vom 20. Juni schätzt den Ertrag des Weizens auf 39,83 Milt Meterztr. gegen 38,8 am 10. Juni, des Roggens 12,20 gegen 11,72, der Gerste 12,10 gegen 12, des Hafers 11 gegen 10,80 Millionen Meterzentner. Universitäts-Nachrichten. r" — Der Deutsche Universitätskalender, den Professor Dr. Ascherson mit amtlicher Unterstützung herausgiebt, erscheint jetzt im Berlage von K. G. Th. Scheffer in Leipzig. Der Kalender enthält ein ausführliches Vorlesungsverzeichnis aller- deutschen Universitäten und der landwirtschastlichen Hochschulen, ferner der Universitäten der österreichisch-ungarischen Monarchie und der Schweiz; er bietet also die beste Uebersicht über alle im Bereiche der deutschen und der deutsch-französischen Universitäten im folgenden Semester gebotene» Vorlesungen. Daneben enthält er kurze Orientierungen über die betreffende ^>tadt und ihre Lebensund Preisverhältnisse, ihre wiffenschastlichen Institute, die Preisaufgaben, die akademischen Vereinigungen u. a. Der letztere Teil erfordert besonders eingehende Vorbereitung; er giebt aber, was uns kein anderer Handbuch bietet: eine vollständige Uebersicht über das studentische Verbindungswesen, die den „Ascherson" zu einem wichtigen Quellenwerk zur Universitätsgeschichle auch noch in späteren Jahrzehnten macht. Die 63. Ausgabe, für das Sommer- Semester 1003, ist eben erschienen (ungeb. Mk. 2.25). — Das Heidelberger Universitätsjubiläu in. Heber das bevorstehende Jubelfest der Raperto Carola werden jetzt weitere Einzelheiten mitgeteilt. Darnach wird bei dem Festakt ui der Aula als erster Redner der Rector inagnificentiesimuß der Universität, Großherzog Friedrich, das Wort ergreifen. Nach ihm werden der Kultusminister, die badischen Landesstände, die fremden Universitäten und die technischen Hochschulen zu Worte kommen, sodann die Stadt Heidelberg und sonstige offizielle Deputationen. Allen diesen Rednern wird der derzeitige Prorector Geheimrat Dr. Ezerny im Namen der Universität antworten. Tie eigentliche Festrede am 7. August in der neuen Stadthalle wird von Geh. Hosrat Dr. Erich Marcks gehalten werden. Die Ehrenpromotionen am 8. August werden ebenfalls in der Stadthalle verkündet werden. — Der 47. Schulmänner- und Philologen- Kongreß wird vom 6. bis 10. Oktober in Halle tagen. Vorträge werden halten: der Sekretär des deutschen archäologischen Instituts in Bonn, Professor Dr. Hülsen, über Forum Romanum; Prof. Keil in Straßburg über: Ein vergessener Humanist; Prof. Kern in Rostock über Die Landschaft Thessaliens und die Geschichte Griechenlands; Pros. Meyer-Lübte in Wien über Die romanischen Personennamen in ihrer historischen Bedeutung; Rektor Prosessor Dr. Muff in Psorta über Sophokles in der Schule; Pros. Panzer in F-reibnrg i. B. über Dichtung und bildende Kunst des deutschen Mittelalters in ihren Wechselbeziehungen; Privatdozent Dr. Petsch in Würzburg über Chor und Volk im antiken und neuen Drama; Prof. Sauer ui Gießen über Homerapotbeose des Archelavs; ferner über das Thema: Ein neues Hilfsmittel philologischer Kritik, Prof. Sievers m Leipzig und Prof. Skutsch in Breslau; Professor Bieler m Prag spricht über Friedrich August Wolf, Prof. Vollmer in '»lunchen über den Tuesauru« linguao latinao, Professor Dr. v. Winterfeld in Berlin über Aufgaben und Ziele der mittelalterlichen Philologie. Leipzig, 24. Juni. Dem Assistenten an der von Profeffor Eurschmann geleiteten medizinischen Klinik, Dr. Friedrich Rollo, ist auf Grund seiner am 20. Juni abgehaltenen Probevorlesung über ,Eoma bei Diabetes" von der medizinischen Fakultät der hiesigen Ilnioersität die venia legendi für interne Medizin erteilt worden. Rolly, geboren 1874 zu Osthofen, absolvierte das Gymnasium in Worms und studierte in Heidelberg imd München. Im Mai 1897 promovierte er in Heidelberg. Rolly war zuerst 'Assistent an der Heidelberger Kinderklinik, dann Assistent an der dortigen medizinischen Poliklinik. Seit 19ol wirkt er an der Leipziger medizinischen Klinik. Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Berliner Börse vom 24. Juni 1903. (Mitgeteilt von der Bank für Handel uiid Industrie, Gießen.) Infolge der beruhigten Berichte von der Newyorker Börse war auch an unserem 'Dtarfte heilte von Anfang an eine freundlichere Stimmung bemerkbar. Alan eröffnete auf den meisten Gebieten bereits über gestrige Schlußnotizen; London und Paris sandten feste Kurse für Goldminen, wodurch die Gejamttendenz am hiesigen Markt noch weiter beteiligt wurde. Am meisten profitierten Eijenwerte und Kohlenaktien, aui welche die günstigen Exportziffern stimulierend wirkten. Schifsahrtsaktlen waren melier erholt, während Banken bei geringen llmjätzen wenig Veränderung^ gegen gestern zeigten. Auf dem Rentenmarkt standen Serien-Türken, ivelche für Pariser Rechnung stark gekauft ivurden, wieder im Vordergrund des Interesses. Der Kassamarkt wies durchivegs größere Kursaufbesseruilgen aus. Privat-Diskont 3 6/e Prozent. Anfangs- u. Schlußkurje. Oest. Kredit .... 207 — 207.60 Deutsche Bank . . . 208.70 208.90 Darmstädter Bank . . 130.25 135.— Bochumer Guß . . . 174.30 175.20 Harpener Bergbau . . 181.50 181.75 Schluß-Tendenz: fest. Berlin, 24. Juni. W o l l m a r k t. Tie Zufuhr zum offenen Markt beträgt 2408 Ztr., gegen das Vorjahr etwa 2700 Ztr. weniger. Als Verkäufer sind 35 eingetragen, von denen nur 3 Produzenten, die aiideren Händler sind.' Der Aufschlag beträgt gegen das Vorjahr je nach Qualität 6 bis 15 Mk., für bessere Qualitäten sogar 20 bis 25 Mk. Die Zufuhr ist ziemlich geräumt. Die Festigkeit war dauernd. Die beste Ware erzielte 177 2)1f., feine 163, feine 'Mittelwolle 138 bis 155, Mutelwolle 118 bis 136, Sutikalwolle 105 dis 116 Mk. pro Zentner je nach Qualität und Wäsche in allen Sorten. Schmutzwolle war nicht am Platze. —Nach dem Schluß- bericht lagern auf dem Stadtlager etwa 22 000 Ztr., wovon 2 bis 3000 Zentner während des Wollmarktes verkauft wurden. Das Geschält auf dem Stadtlager war sehr ruhig. Die Preise stellen sich für feine Rückenwäsche aus 172 bis 190 Mk. pro Zentner, gute und mittelfeine 148 bis 169, schlecht behandelte und gekreuzte 127 dis 145, Rusticalwollen 115 bis 130, Schmutzwolle 50 bis 79, ungewaschene Tuch- und Stoffwollen 80 bis 90 Mk. Eine Einkaufsgenossenschaft m. b. H. der deutschen Cigarreuhändler ist in Berlin gegründet worden. Nach den Satzungen kann Mitglied jeder gesetzlich unbeanstandete Eigarrenhändler werden, der in Deutschland seinen Wohnsitz hat und ein offenes Detailgeschäft für eigene Rechnung und selbständig betreibt; ausgeschlossen sind solche Händler, ivelche mehr als drei Fikialgeschäfle unterhalten. Es wird beabsichtigt, sog. Genossenschaftsmarken einzuführen, die jedes SDlitglieb beziehen kann. Die Eigarren-Detail- geschäfte, welche diese Marken führen, sollen durch Anzeigen, Plakate und Schilder in der Reklame unterstützt iverden. Zum Direktor der Genossenschaft wurde der Vorsitzende der aus 300 Mitgliedern bestehenden „Neuen Vereinigung der Cigarrenhändler Berlins", Max Gödde, geroäl)lt - Das amerikanische Petroleummouopol. Während sich in dem wirtschaftlichen Leben der Vereinigten Staaten gegenwärtig kritische Vorgänge abspielen, hält es Rockefeüer an der Zeit, fein Petr oleum Monopol weiter auszudehnen. Die Standard Oil Co. sucht den deutschen Petroleumhandel noch mehr unter ihre Gewalt zu bekommen, als es schon ohnehin der Fall ist. Die üOstseeztg." schreibt hierzu: Wie aus einer größeren Anzahl von Berichten, die uns vorliegen, zu ersehen ist, arbeitet die Zweiggesellschaft der Standard Oil Co. des Herrn Rockefeller, die Deutsch-amerikanische Petroleum- Gesellschaft, durch ihre Agenten zur Zeit wieder mit Hochdruck, um die Kaufleute in den pommerschen Städten für ihre 'Monopolzwecke einzufangen. — Dieser Tendenz leistet, wie wir schon mehrfach aussührten, zum eigenen und zum allgemeinen Schaden Vorschub, wer sich durch die Lockimgen der Rockefellerfchen Gesellschaft einfangen läßt. Worauf cs dieser Gesellschaft offensichtlich ankommt, das ist die A u s s ch a l t u n g jeden Mitbewerbs, und es heißt denn doch an die Leichtgläubigkeit feiner Mitmenschen zu hohe Ansprüche stellen, wenn man glauben machen will, dies geschehe nur zu dem Zweck, der deutschen Bevölkerung billiges Petroleum zu liefern I Der Deutsch-amerikanischen Gesellschaft ihr Petroleum abnehmen, wenn sie eine billige Offerte macht, dagegen ist nichts einzuwenden; sich ihr als alleinigem Lieferanten vertraglich unterwerfen, darin liegt die Gefahr! Wer dies tut, schwächt bic Widerstandskraft seiner Erwerbs- genossen und hilft den Zeitpunkt vorbereiten, wo die amerikanische Gesellschaft die Mo n o p o l s ch lin g e zuzuziehen in der Lage ist, um einen deutschen Handelszweig z u erdrosseln. Wöchkutlichc slclierWder Todesfälle m der Stadt Gieße» 25. Woche. Vom 14. bis 20. Juni 1903. (Einwohnerzahl: angenommen zu 26900 (inkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 23,19, nach Abzug von 5 Ortsfremden: 13,53 °/«.. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom Tuberkulose der 1.(1) 1. Lebensiahr: 2.—15. Jahr Lungen Tuberkuose des 1(1) — —— Unterleibs 1 — — 1 Bronchitis 2 2 — — Krebs KD 1 (1) — — Herzfehler 2(2) 2(2) — — Artenosclerose 2 2 —— —— Gehirnschlagfluß KD Kl) — — Keuchhusten 1 — 1 — Altersschwäche 1 1 — — Summa: 12 (5) 10 (5) 1 1 Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Juni ■** 1 Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 24. 016 749,1 20,6 7,1 39 E. 4 Bew. Himmel 24. 9« 748,9 16,2 98 71 NNE. 25. n| S i 749,8 14,3 70 X. 2 Sonnenschein Hoc )stc Tcmperat ur am 23.— 24. In ii 20,7 u C. Niedrigste ■ • 23.- 24. , 7Po C. 4940 Mäusburg 12 * Blut- Armut Frauenkrankheiten filagenbeschwerden Nervenschwäche Verdauungsschwäche Blasen- und Nierenleiden Bleichsucht etc. 5026 Trinkkuren Im Hause mit Lamschelder Stahlbrunnen ärztlich wärmstens empfohlen. Glänzende Erfolge. Ueber- einstlmmend gerühmt vor allem die sehr bald bedeutend gesteigerte Esslust, Beseitigung schlechten Schlafes, Vermehrung der Harnausscheidung, auffallende Leichtverdaulioh- koit des Wassers, das die Zähne nicht angreift Resultat: Körperliches und seelisches Wohlbefinden, Arbeitsfreudigkeit, Lebenslust. — Ausführliche Mitteilungen über Heilerfolge, Gebrauch der Kur eto. kostenlos durch Lamscheider Stahlbrunn en, Boppard. uswerkauf Inventur- Unser sehr grosses Lager in anerkannt nur guten Qualitäten unterstellen wir einem 4924 zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Gros. 4671 Louis Treff 8z Co Tachgeschäft Dekorationen Fluß- und Seefische empfiehlt billigst 3405 3704 empfiehlt Luger: Frankfurt a. 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