Donnerstag 35» Juni 1903 Zweites Blatt. 153. Jahrgang ■ ■ Vezngvprelsr monatltch7bP1^ vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- lährl. ausjchU Bestellg. Annahme von Anzeigen ür tue LageSnurnrner atü vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12 PI, auswärts 20 Pig. Nr. 146 erfreut täglich außer SomrtagS. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfifchen kandwlct bte Siehener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der B rühl'schen Untverf.-Buch- u. Steindrucke rei (Piets ch Erben- Redaktion, ttrpeDitio* und Druckerei: Schul sr ratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Atetzea. Krrnsprechanschluß Nr. dl. GietzenerAnMger General-Anzeiger ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MUZ V -‘3K i vJF zeigenteil: Pan« Beck. ILe heutige Kummer umfaßt 8 Setten. -------r— > ......... ■ ..... NeichsLanzLer-KandrdaLeu. Em gelegentlicher Mitarbeiter schreibt uns aus Berlin: Bei dem am 27. d. M. in Kiel stattfindenden Stapel- kcmf des großen Kreuzers „Ersatz Kaiser" wird General- feldmarschatl Graf Waldersee die Taufrede halten. Das ist eine neue Ehrung des vom Kaiser mit Auszeichnungen Tcxä) bedachten ehemaligen Oberkommandierenden in China. Bet dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß es noch immer politische Kreise giebt, die die Laufbahn des Grafen Waldersee nicht für abgeschlossen halten, sondern in ihm den „kommenden Mann" sür das Reichs- kanzleramt sehen. Jetzt mehr noch als in früheren Jahren, weil nach Auffassung jener Kreise Deutschland Zeiten entgegen geht, die die DMöglichkeit eines schwerwiegenden Konfliktes zwischen Regierung und Reichstag in weit höherem Grade in sich schließen; eines Kanflikts z. B in Wehrfragen, den der Kaiser lieber durch einen General als durch einen Diplomaten zum Austrag bringen lassen würde. Ferner wird ins Feld geführt, daß die Grund- und Zwangslage der Bülow'schen Politik, das Angewiesensein auf das Zentrum eines Tages an maßgebender Stelle mißliebig empfunden werden tonnte, zumal in der ton- servativen Partei nach Zurückdrcingung der agrarischen Elemente der gouvernementale Charakter vieler zur Geltung kommen, und infolgedessen die Rechte als Regierungs- slütze lieber gesehen tverden dürfte. Es wird in diesem Zusammenhänge die Bemerkung der „Straßb. Post" von Interesse sein, im reichsländischen Armeekorps glaube niemand, daß dessen ehemaliger Kommandeur, Graf Haese- ler, seine Rolle bereits ausgespielt habe. Die kommende Zeit werde in dieser Beziehung 'wohl Ueberraschungen bringen. Also noch ein General als Reichskanzler-Kandidat! Sicher ist bei den Herren wohl nur, daß ihr vorgeschrittenes Lebensalter der Berufung ins höchste Reichsamt nicht entgegenstehen würde. Auch Fürst Hohenlohe zog als Greis ins historische Palais der Wilhelmstraße ein. Ob im übrigen allen diesen Mutmaßungen ein andrer Wert beizulegeu ist, als der einer Begleiterscheinung einer politisch, bewegten Periode, läßt sich natürlich zur Zeit nicht entscheiden. • • ♦ Von anderer Seite wird uns geschrieben: Eine Einladung zur Teilnahme am Stapellauf des „Ersatz Kaiser" ist dem Vernehmen nach auch an den Grafen Balow ergangen. Der Kanzler wird ihr zweifellos Folge leisten, sofern sein Befinden es zuläßt, und bei dieser Gelegenheit wohl dem Kaiser Vortrag halten über die durch die Wahlen geschaffene innerpolitische Lage. Es dürfte für den Monarchen erklärlicherweise von Wert sein, vor Antritt der dtordlandsreise diesen Vortrag entgegen» zunehmen, der möglicherweise zu tiefgreifenden Entschließ- iingen führt. Leichten Herzens wird sich Gras Bülow zu dieser Berichterstattung wohl kaum rüsten: der Horizont, der ihm vor wenig Aionden im schönen Sorrent bei der Lektüre altrömischer Idyllen so heiter erschien, beginnt sich zu umwölken. Rach den letzten Meldungen ist Gras Bülow von seiner Erkrankung bereits soweit wieder her- gestellt, daß er das Zimmer verlassen und Spaziergänge va feinem Park unternehmen kann. Volttischr Tagesschau. Ein konservativ-sozialdemokratisches StiHwahllompromiß. Man schreibt uns aus Berlin: Im biedern Schwabenländle ist — man höre und staune — ein konservativ-sozialdemokratisches Stichwahlkompromiß, mit konservativer Initiative versucht worden. Doch dort, wie anderswo, waren die Sozialisten ehrlich genug, dieses Kompromiß mit Entschiedenheit mm sich zu weisen. Jetzt bemerkt die „Nationalztg.", das Vorkommnis werfe ein bezeichnendes Licht auf die Herren Aararkonservativen, die vor königstreuer Entrüstung beinahe b er ft en, wenn Liberale in der Stichwahl nicht Mit lautem Hurra für Männer, wie Dr. Oertel, gegen den So- rialdemotraten eintreten wollen. Die „Kreuzztg." nimmt einstweilen zu der Angelegenheit, welche großes Aussehen erregen dürfte, keine Stellung. Oder sollte die Mrß- billiaung seitens des konservativen Blattes vielleicht in den folgenden Sätzen am Vorabend der Stichwahl enthalten sein' Tie gefährlichen Fvlgen einer starken Vermehrung der Zahl der sozialdemokratischen Abgeordneten sollten jedem Patrioten klar sein. Wer zu einer solchen-Vermehrung beiträgt, wird die Schuld an den Folgen nicht von sich abwälzen können." Man wird durch das konservative Anerbieten gegenseitiger Unterstützung, das die Sozialdemokraten abtehnlen, an die Hamburger Enthüllungen Bebels erinnert, über Abmachungen zwischen Zentrum und Soziock- demotratie bei den bayerischen Landtagswal)len, Abmachungen deren Schauplatz der Dom zu Bamberg gewesen sein soll. Tie Enthüllung war seinerzeit dem Zentrum recht unbequem, um so mcchr als der Pakt in diesem tSuWc zu stände kam. Andererseits hat sich das Zeillrum nicht ent- iernt so nachdrücklich für die Bekämpfung der Sozialdemokratie ausgesprochen, wie dies durch die Konservativen diesmal bei den Wahlen geschehen ist. Allerlei unzutreffende Gerüchte vom Zarenhofe waren in letzter Zeit im Umlauf. So hieß es, man habe einen An sch lag auf das Leben des russ i s ch en fraisers vereitelt, dann wieder sollte die Gefunbhert b e S Haren gegenwärtig st art erschüttert )i in. Gegensatz zu diesen Nachrichten wird nun aus Petersburg berichtet, daß diese Meldungen unzutreffend sind. Der Zar hat, so lesen wir in einem Berliner Lokalblatt, die Gestalt seiner Mutter, ist, wie ja bekannt, nicht groß und verhältnismäßig schlank gebaut, besitzt aber eine immense Ausdauer'und Arbeitskraft, ist unausgesetzt tätig; sobald die Negierungsgeschäfte ihn nicht in Anspruch nehmen, widmet er seine Zeit dem Sport ober anregender Konversation. So zurückhaltend — man möchte es fast schüchtern nennen — der Zar bei offiziellen Anlässen ist, so interessant und fesselnd oersteht er in kleinem Cerole zu vlaudem. Er tieft sehr viel und interessiert sich für alle Vorgänge. Wäre seine Gesundheit wirllich dermaßen erschüttert, wie sie so oft geschildert wurde, so würde sie ihm niemals eine so rastlose Tätigkeit gestatten. Eine bekannte Persönlicksteit aus der Umgebung des Zaren teilte mit, daß sich der Kaiser gerade jetzt außergewöhnlich wohl fühle. Sein körperliches Befinden lasse kaum etwas zu wünschen übrig. Abspannung nach anstrengender Arbeit empfinde schließlich jeder einmal. Gerüchte von Attentaten auf diese oder jene hochgestellte Persönlichkeit schwirren oft herum, doch spielt die Phantasie dabei die Hauptrolle, angesacht durch die ernsten Zeiten, die Rußland augenblicklich durchlebt. Tatsache ist allerdings, daß fast täglich Arretierungen mehr oder minder schwer politisch kompromittierter Persönlichkeiten, beson- oers Angehöriger der illtelligenten Klassen vorgenommen Serben. Von einem geplanten Attentat auf den Zaren ist jedoch dabei, wie schon erwähnt, keine Rede. Centralverband deutscher Cigarren- und Tabak-Ladeuinhaber. Ter dritte Verbandstag, der zurzeit in Köln statt- findet, beschäftigte sich in erster Linie mit dem 8 Uhr- Ladenschluß. Es lag ein entsprechender Antrag betr. Stellungnahme gegen den 8 Uhr-Ladenschluß und Absendung einer Petition an den Bundesrat vor. Folgender Beschluß der Dresdener Ortsgruppe wurde angenommen: Der Verbandstag erklärt sich für eine energische Bekämpfung der Bestrebungen für den 8 Uhr-Ladenschluß, der einen weiteren schweren Rückgang des Zigarrenhandlers bedeuten würde, und empfiehlt den einzelnen Ortsvereinen den Zusammenschluß mit anderen Detaillistengruppen. Alsdann gelangt folgender Antrag der Ortsgruppe Aachen zur Annahme: Der Zentralverband möge die Generalvertreter und Depositäre sämtlicher in Deutschland eingeführten ausländischen Zigarettenfabriken verpflichten, chren Abnehmern in ganz Deutschland einen Revers vorzulegen und von chnen unterschreiben zu lassen, wonach die Verkaufspreise und die den Wirten und größeren Abnehmern zu gewährenden Rabattsätze bei Abnahme von mindestens 100 Mark festgelegt werden sollen. Außerachtlassung dieser Bestimmung soll eine Konventionalstrafe von 300 Mark zu Gunsten der Kasse des Zentralverbandes nach sich ziehen. Die eventuell entstehenden Verhandlungen hätte der betreffende Generalvertreter rücksichtslos durchzuführen, wozu sich ihrerseits die Herren ebenfalls durch Revers und Konventionalstrafe zu verpflichten hätten." — Ein weiterer Beschluß lautete: „Ehrenpflicht eines jeden Verbandsmitgliedes ist es, Trust wäre nicht zu führen; sie lehnen daher auch jeden geschäftlichen Verkehr mit solchen Firmen ab, welche Vertretungen des Trusts übernehmen. Die Vertretungen der Firmen Hadjes Nash im, Dimitriiis usw. sind ganz besonders vom Verbandstage ins Auge zu fassen." Ueber die Trust- bekämpfung entstand eine stundenlange Debatte. Die Versammlung beschloß einstimmig, den Kamps gegen den Trust in Gemeinsch aft mit demDeutschen Tab ak-Verein mit Entschiedenheit und Ausdauer fortzuführen und beauftragte den Vorstand des Verbandes, zu dem Behufe durch Abordnung mehrerer Mitglieder (drei) zu dem Trustausschuß des Deutschen Tabakvereins mit diesem zu beraten, "wie die Bestrebungen des amerikanischen Tabaktrusts, das deutsche Tabakgewerbe dem amerikanischen Dollar dienstbar zu machen, erfolgreich abgewehrt werden können. Die Ergebnisse dieser Beratungen sollen den Vorständen aller Ortsgruppen jeweilig m vertraulicher Weise mitgeteilt werden. Der Kornzoll ist in England „vorläufig endgiltig" zu Grabe getragen worden, das heißt, er ist aus dem diesjährigen Budget gestrichen, und es wird von der englischen Wählerschaft abhängen, ob er in dem Haushaltsvoranschlag für das nächste Jahr wieder erscheinen soll oder nicht. Debatte und Abstimmung standen ganz und gar nicht unter dem Einflüsse der Chamberlainschen Ideen. Mr. Chaplin versetzte dem Prernierniinister einen empfindlichen Nadelstich, indem er sagte, er bezweifle nicht den Erfolg der Chamberlainschen Pläne, die „wie es den Anschein habe, auch von dem Premierminister befürwortet würden!" Diese Bemerkung wurde vom Hause mit lautem Gelächter und mit ironischen Beifallsrufen aufgenon men, aber der Angegriffene nahm sich nicht die Mühe, darauf zu erwidern. — Die „Times" greift in ihrer Besprechung den Schatzkanzler Ritschia äußerst heftig an. Das Blatt wirft ihm ll nauf- rich tigkeit und Unfähigkeit vor, sucht ihm allerhand Widersprüche in feinen Red"' nachzuweisen und ihn auf alle mögliche Weise lächerlich zu machen. Bei der Regelmäßigkeit und Heftigkeit, mA der diese Angriffe erfolgen, feit die Kontroverse zwischen bim Freihändlern und den Schutzzöllnern im englischen Ministerium zum offenen Ausbruch gefommeu ist, kann man sich bes Einbruckes nicht erwehren, daß damit ein bestimmter Zweck verfolgt wird, und zwar der, Ritchie, der offen und ehrlich als ein scharfer Gegner der Ehamberl. nsclim Ideen hervorgetreten ist, zum Rücktritt zu zwingen. Ritchie ist aber eine feste Stütze des Freihandels im Ministerium und sein Bükt tritt würde einen großen Triumph für Chamberlain bedeuten. Nach der Abstimmung zu urteilen, dürfte sich jedoch der Wunsch des Cityblattes kaum verwirllichen._____________________ Deutsches Reich. Berlin, 24. Juni. Der Kaiser ist heute an Bord der „Hohenzollern" kurz nach 6 Uhr in Kiel eingetroffen. Als das Schiff in den inneren Hafen eintief, setzten die Kriegsschiffe Toppflaggen und feuerten den Kaisersalut. Mährend die hohenzollern" an den langen Reihen der Kriegsschiffe vorbeifuhr, paradierten die Besatzungen der Schiffe und brachten Hurras aus. Auch die Besatzungen der amerikanischen Kriegsschiffe begrüßten die ,L-ohen- zollern" mit Hurras. Von den Flaggschiffen ertönte die Nationalhymne. Die „Hohenzollern" machte gegenüber der Marineakademie fest. Zahlreiches Publikum betrachtete von den Ufern der Föhrde aus das Einlaufen der kaiserlichen 2)acht. — Der Kaiser hörte auf der Fahrt von Brunsbüttel hierher die Vorträge des Chefs des Zivilkabinets und des Marinekabinetts. Beim Eintreffen in dem Hafen führte die „Hohenzollern" auch die amerikanische Flagge. Ter Kaiser stand auf dem Vorderdeck und salutierte andauernd. Nachdem die „Hohenzollern" festgemacht hatte, meldeten sich Prinz Heinrich, der Stationschef Admiral Köster und Oberst Dürr. Ferner empfing der Kaiser auf der „Hohenzollern" den Admiral und den Kommandanten des amerikanischen Geschwaders. — Die Kaiserin und Prinz Adalbert sind heute abend um 7 Uhr aus Plön in Kiel eingetroffen und begaben sich mittelst Salonpinafse an Bord der „Hohenzollern". — Admiral Co tton und die Kam- manoanten der amerikanischen Schiffe waren heute zur F-rühstückstafel ins Schloß geladen. Der Berliner und der römische amerikanische Botschafter sind in Kiel eingetroffen. — Die Ueberreichung des Bromberger Ehrenbürgerbriefes an den Reichskanzler Grafen Bülow hat der „Post" zufolge heute mittag stattgefunden. Zu diesem Zwecke hatten sich der Oberbürgermeister und der Stadtverordnetenvorsteyer von Bromberg im Reichskanzler- Palais ein gefunden. — Ueber den Stand der vorbereitenden Beratungen für die Verhandlungen zum Abschluß neuer Handelsverträge meldet der ,A!ok.-Anz.", daß die Besprechungen in den zuständigen Ressorts sich bisher beschränkt haben auf die Festsetzung der Verhaltungslinien für die deutschen UnterhäiMer, insbesondere au, die Festsetzung der Forderung, um welche die fremden Tarife ermäßigt werden sollen. Die Besprechungen sind noch nicht abgeschlossen. Die Vertragsverhandlungen werden schwerlich vor dem Herbst beginnen. — Dem nächsten Handwerkskammertage werden verschiedene Anträge von allgemeiner Bedeutung zur Beschlußfassung vorgelegt. Vor allen Singen ist die Schaffung eines ständigen Bureaus, einer Zentralstelle der deutschen Handwerks - und Gewerbekamme rn in Aussicht genommen. Die Quittmigskarten der Alters- und Invaliditäts-Versicherung sollen auf den Namen des Gesellen nur dann ausgestellt werden, wenn das Zeugnis über die bestandene Gesellenprüfung vorgelegt ist. Der Verband der deutschen Berufsgenossenschaften soll ersucht werden, sich gleichfalls dafür auszufprechen. Hinsichtlich der selbständigen Ausübung des M au r e r - und Zimmer- gewerbes ist in Aussicht genommen, eine ministerielle Entscheidung darüber herbeizuführen, daß im Baugewerbe nur derjenige als selbständiger Handwerker im Sinne des Paragraphen 129 der H.-O. anzus'ehen sei, der einfache Entwürfe, statistische Berechnungen, sowie Kostenanschläge an- fertigen kann. Hamburg, 24. Juni. An Bprd der flacht des Groß- Herzogs von Oldenburg sand gestern nachmlltag eine Besprech u n g in Schul ^chiffsangelegenheiten zwischen den Vorständen des Schulschiffvereins und des Vereins für Seefahrt statt. Nach der Sitzung wurde Generaldirektor B a l l i u zum Kaiser befohlen, um ihm Vortrag über die Entwickelung und Sage des Schiffahrts- tnistes zu hallen. Bremen, 24. Juni. Den ^unterbliebenen des verstorbenen Bürgermeisters Gröning ist vom Kaiser aus Cuxhaven folgendes Beileidstelegramm zugegangen: „Mit Ihnen trauere ich aufrichtig um den Entschlafenen. Mögen Sie bei dieser schweren Prüfung, Trost und Stärke in dem Bewußtsein finden, daß der Heimgegangene nach guter, erfolgreicher Arbeit, hochgeehrt von den Bürgern der Stadt, der er sein Leben gewidmet hat, die ewige Ruhe gefunden hat." Breslau, 24. Juni. Die Zahl der anläßlich bet Ruhestörungen in Laurahütte verhafteten Personen beträgt jetzt 16. Um morgen bei ber Stichwahl Zwischenfällen vorzubeugen, ist nach Zaborze Militär Der» legt. Lubwigsburg, 24. Juni. Prinz Bernhard, jüngster Sohn des Prinzen Max von Schaumburg-Lippe, ist g e ft o r b e n. Ausland. London, 24. Juni. !i II t e r h aus.) Black (lib.) richtet an den Staatssekretär Eragborne eine Anfrage, welche Schritte die Regierung getan habe, Deutschland zu v er an l as s en, die unterschiedliche Behandlung Kanadas fallen zu lassen, und ob in diesem Zusammenhang die Aufmerksamkeit Deutschlands aus die Gastfreundschaft gelenkt sei, welche es in den englischen o h t c .< ft a t i o n c n genieße. Eranborne erwidert, die Schriftstücke, wel d tun, was geschehen ist, würben bald veröffentlicht werden. Aus die zweite Anfrage antwortete er mit Wein. Auf eine andere Anfrage erklärt Chamberlain : Der Oberkommissar für Kanada erhob namens der kanadischen Negierung in den Jahren 1898und 1899 Vorstellungen wegen oer Tarifsrage, die durch den englischen Botschafter in Berlin zur Kenntnis der deutschen Regierung gebracht wurde. Im Jahre 1901, als sich die Vorstellungen als fruchtlos erwiesen hatten, besprach die kanadische Regierung die Angelegenheit mit dem deuL- schen Generalkonsul in nicht formeller Weise. Seit 1901 tft kein formeller Gedankenaustausch mit Kanada über den Gegenstand gepflogen. Paris, 24. Juni. Aus der deutschen Botschaft sand heute ein Diner statt, welchem unter anderem beiwohnten : Minister des Aeußern D e l c a s s 6, Kriegsminister Andrs mit Gemahlin, der Großt'anzler der Ehrenlegion General Florentin mit Gemahlin, Polizeipräfekt Lepine mit Gemahlin, der Generalsekretär des Elysee, General Dubois mit Gemahlin, der Schwiegersohn des Präsidenten der Republik de Saint Prix mit Gemahlin. Madrid, 24. Juni. Die Anwesenheit von 23 französischen Kriegsschissen in Cartagena wird allgemein als eine Kundgebung der Seeherr schastFrankreichs im Mittelmeer aufgesastt. Rom, 24. Juni. Heute nachmittag setzte der Papst im Thronsaal, umgeben vom Hofstaat unS den neuen Kardinalen, darunter Erzbischof Fischer-Köln, den Kardinalshut auf. Die in Begleitung des Erzbischofs Fischer weilenden Personen und andere deutsche Geistliche waren zugegen. Der Papst richtete an die Kardinäle freundliche Worte. Die Kardrnäle statteten hierauf Kardinalstaats- sekretär Ranrpolla einen Besuch ab. Zürich, 24. Juni. Heule begann in Anwesenheit von 600 Teilnehmern die Jahresversammlung der deutschen Gas- und Wasser-Fachmänner. Wien, 24. Juni. Eine gemeinsame Volksversammlung der deutschen Parteien hat einen Beschlußantrag folgenden Inhalts angenommen: Die Versammlung hält es für geboten, in allen Fragen, welche die nationalen Interessen des deutscheu Volkes und seine Stellung im Reichte berühren, ein einheitliches Vorgehen prnzustreben. Sie beschließt zu diesem Zwecke, einen aus 14 Mitgliedern bestehenden Vollzugsausschuß einzu- setzen, sowie and den Mitgliedern des Vollzugsausschusses einen engeren Ausschuß von 4 Mitgliedern zu entsenden. Letzterer wird ermächtigt, im Einvernehmen mit einem weiteren Ausschuß eine übereinstimmende Beschlußfassung der Vertreter des Verbandes in den erwähnten Fragen anzubahnen iuü> die so gefaßten Beschlüsse auszuführen. Sodann erfolgte die Wahl des Vollzugsausschusses und des engeren Ausschusses. — Der „Allgem. Korresp." zufolge ließen gestern österreichische Offiziere, welche serbischen Offizieren begegneten, deren Gruß ostentativ unerwidert. Budapest, 24. Juni, lieber die Zusammensetzung des künftigen Ministeriums unter dem Grafen Rhün- Hedervary verlautet in unterrichteten Kreisen, daß Hieronymi zum Handelsminister und Herzeviczy zum Unterrichtsminister ausersehen sei. Alle ädrigen verbleiben im Amte, der Honoedmrnister Fejervary werde jedoch demnächst aus dem Amte scheiden. Konstantinopel, 24. Juni. Infolge von Gerüchten über angebliche neue Komplo tte richtete die Pforte eine Anfrage an den Löali von Saloniki, welcher antiöortete, daß auch dort Gerüchte von einem geplanten Anschlag auf Saloniki in Umlauf seien. Es fei möglich, daß etwas versucht würde. Er habe alle Vorsichtsmaßregeln getroffen. Hilmi Pascba telegraphiert, daß bis zum 21. Juni die Zahl der verhafteten Bulgaren im Wilajest Saloniki 380, in Uesküb 280, in Monastir 460 betrage. Er habe die Befehle erneuert, die Voruntersuchungen möglichst rasch abzuschließen und habe überall öffentlich verkünden lassen, daß die Einwohner, welche von den Koniitees ea> haltene Waffen abliefern, straflos bleiberr. — Die Kurden griffen ein armenisches Kloster an in der Umgebung von Erzerum, plünderten es aus und töteten 6 Mönch e. Am nächsten Tage plünderten sie einige armenische Dörfer und töteten die angesehensten Bewohner. 26. deutscher Fleischerverbaudstag. Potsdam, 24. Juni. Heute begannen die Verhandlungen des 26. deutschen FleischerverbandStages. Als Vertreter des Handelsministers ist Geheimrat v. Seefeld erschienen. Aus Gießen ist der Meister Fritz Schlörb anwesend. Zunächst wurde der Geschäftsbericht erstattet, an den sich eine Erörterung über die Schädigung der deutschen Wurstfabrikation durch die rigorosen Bestimmungen anschloß, die sich gegen die Konservierungsmittel, auch gegen die absolut unschädlichen, richten. Dadurch werde die Konkurrenzfähigkeit der deutschen gegenüber der ausländischen Wurstfabrikation erschwert. Eine Reihe von Anträgen, die sich mit dem Fleischschaugesetz und der bevorstehenden Revision des Schlachthausgesetzes befassen, werden nach lebhafter Debatte dem Vorstände zur Bearbeitung überwiesen. Es wird in diesen Anträgen Herabsetzung der von den 'Fleischermeistern zu tragenden Fleischschaugebühren verlangt, ferner die Ausdehnung der Fleischschau auf alle Hausschlachtungen, sowie Beseitigung der die Fleischer und die Städte mit eigener Schlachthausanlage schwer schädigenden §§ 5 und 14 des preußischen Ausführungsgesetzes zum Fleischschaugesetz. Angenommen werden mit großer Mehrheit einige Anträge, die das sogenannte minderwertige Fleisch betreffen und sich namentlich gegen den Verkauf dieses Fleisches durch die Freibänke richten. Dadurch werde die Konkurrenz, die die Fleischer schon jetzt durch die Freibänke zu erleiden hätten, noch verschlimmert. Desgleichen gelangt ein Antrag der Berliner Innung zur Annahme, der die Einführung des Deklarationszwanges für alle Fabrikate aus Pferdefleisch verlangt. In der Diskussion wird u. a. der Vorschlag gemacht, man möge zur Deklaration die Signierung der Listen mit einem weit sichtbaren Pferdekopf verlangen. (Stürmische Hetterkeit.) Ein Antrag, der eine Reichsverordnung gegen das Schächten ivünscht, stößt auf erregten Widerspruch und wird abgelehnt. Schließlich wird beschlossen, wiederholt um Erleichterung der Bestimmungen über die Einfuhr a ns l ä n>»' s ch e n Viehes zu petitionieren. Ans Stadt and Kaud. Gießen, 25. Juni 1903. '* Personalien. S. K. H. der Groß Herzog haben die Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg Jakob Hofmann, Dr. Gottfried Haustädt und Dr. Otto Schwarz und die Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen Josef Stigell und Dr. Heinrich Marx zu Landgerichtsraten bei diesen Gerichten ernannt. — Dem Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt II Adolf Warthorst und dem Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen Karl Wiener wurde der Charakter als Amtsgerichtsrat erteilt. Ein Abonnements-Konzert unserer Militärkapelle ira Garten des neuen Saalbaues wird heute abend stattftnden. Da das Wetter etwas freundlicher geworden ist, wird es voraussichtlich trotz des Wahltages gut besucht werden. "Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Die Erneuerung der Lose zu der am 4. und am 6. Juli stattfindenden Ziehung dritter Klasse der 2. Hess.-Thür. Staatslotterie muß spätestens am 27. Juni geschehen. — Eine Erfindung unseres Schlachthofdirektors Dr. Liebe ist ein Schußbolzenapparat, welcher bei dem Preisbewerb in Leipzig mit einem der ersten Preise bedacht wurde. Er ist inzwischen noch derart verbessert und ausgeprobt worden, daß er wohl als bester der existierenden Apparate betrachtet werden kann. Er vermeidet die Gefahren und Nachteile, die der Gebrauch der Kugelschußapparate mit sich bringt. Er betäubt sicher und schnell und ist einfach in der Handhabung. Der Apparat vereinigt Kugel- und Bolzenwirkung. Um der Einführung der Schuß- bolzenapparate auch bei Kleinvieh, wie Kälber, Schafe, Häinmel, Ziege rc. die Wege zu ebnen, hat Dr. Liebe einen Schlachtschragen erfunden, durch den die Fesselung dieser Tiere sicher und schnell und ohne jede Tierquälerei vorgenommen werden kann. — Der Turnverein Gießen, gegr. 1846, veranstaltet, wie auch aus dem Inseratenteil ersichtlich ist, nächsten Sonntag auf dem Windhofe eine größere Festlichkeit mit turnerischen Aufführungen. Darauf seien Freunde der edlen Turnsache auch an dieser Stelle aufmerksam gemacht. - h. Alsfeld, 25. Juni. (Originaltelegr. d. „G. Anz.") Gestern sprach vor großer Wählerversammlung der freisinnige Rechtsanwalt Grünewald aus Gießen und empfahl die Kandidatur Wallau sehr warm. a d. Darmstadt, 25. Juni. (Originaltelegramm des „Gieß. Anz.') S. K. H. der Großherzog wird Sonntag den 5. Juli der feierlichen Einweihung der evang. ChristuS- kirche mit Gefolge beiwohnen. K.B. Darmstadt, 24. Juni. Die He ssische Vereinigung für Völkerkunde, die bekanntlich in Gießen ihren Sitz hat, hielt heute nachmittag unter dem Vorsitz des Prooinzialdirektors Dr. Breidert-Gießen in den Räumen der vereinigten Gesellschaft ihre Jahresversammlung ab. Der allgemeinen Versammlung um 5 Uhr ging eine geschäftliche Beratung voraus. Es wurde zunächst der Geschäftsbericht und darauf der Kassenbericht vorgetragen, die beide eine erfreuliche Entwickelung des Vereins konstatieren lassen. Nach einer längeren Beratung über die Abänderung der Statuten wurde zur Neuwahl des Vorstandes geschritten. Gewählt wurde zum ersten Vorsitzenden Prof. Dr. Strack, zum Stellvertreter Prof. Dr. Wünsch, zum Schriftführer Dr. Hepking, zum Stellvertreter Dr. Helm und zum Beisitzer Kaufmann Mettenheimer, sämtlich in Gießen. Ferner wurde noch ein Ausschuß von 14 Mitgliedern mit dem Rechte der Kooptation gewählt. Zu dem zweiten Teil der Versammlung hatte sich ein sehr zahlreiches Publikum von Damen und Herren eingefunden, darunter viele höhere Beamte, Geistliche und Lehrer aus allen drei Provinzen. Nachdem Prooinzialdirektor Dr. Breidert die Erschienenen herzlichst begrüßt hatte, hielt der neugewählte Vorsitzende, Prof. Dr. Strack, einen sehr instruktiven Vortrag über das Wesen der Volkskunde im Allgemeinen und die Aufgaben des Vereins im Besonderen. Der sehr beifällig aufgenommenen Rede folgte ein umfaßender, hochinteressanter Vortrag von Prof. Dr. Wünsch über den antiken und den modernen Geistesglauben. Wir kommen auf die Vorträge, an die sich eine längere Diskussion anschloß, in der nächsten Nummer noch ausführlicher zurück. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Tie Sachlage im Kreise Marburg ist dem „Vorwärts" zufolge so, daß, obwohl der Kandidat der Bündler dem nationalsozialen noch um etwa 1300 Stimmen voraus ist, die Genossen den Ausschlag für Gerlach geben könnten, und das Centralorgan der sozialistischen Partei meint, die Genossen werden nicht zögern, für Gerlach zu stimmen. — In vielen Orten des Kreises Dieburg haust zur Zeit die Diphteritis in der Kinderwelt. Vermischtes. 'Köln, 24. Juni. Auf dem Friedhöfe des benachbarten Jrnmendorf wurden frevelhafte Verwüstungen an- gerichtet. Eine große Zahl Kreuze und Denkmäler wurden zertrümmert und die Anlagen zerstört. — In Romerskirchen erstach ein Müller im Streit seinen Schwiegervater. Der Täter wurde verhaftet. ' Trier, 24. Juni. In den beiden letzten Nächten sank die Temperatur in der Eifel auf den Gefrierpunkt; auf den Höhen hat es gereift. • Halle a. d. S., 24. Juni. In Eckartsleben gerieten zwei in dasselbe Mädchen verliebte Brüder in Streit, wobei der jüngere den älteren mit einem Stuhl erschlug. • Harn bürg, 23. Juni. Dem neuen Kaiser Wil- helm-Denkmal fehlt die Inschrift. Auf der Stirnseite sind lediglich die Kaiserkrone, der Reichsschild und das Reichsschwert dargestellt, geschmückt mit dem Lorbeer des Sieges und der Palme des Friedens. Auf der Rückseite ist die Jahreszahl der Errichtung des Denkmals, umgeben von einem Kranze, angebracht. Hamburg sträubt sich gegen die offiziell gewünschte Bezeichnung „Der Große". Man hat in Hamburg anfangs daran gedacht, mit der Aufschrift „Dem großen Kaiser" einen Mittelweg zu wählen. Dieser Gedanke ist aber aufgegeben worden. ' Prinzessin Luise von Toskana hält sich auf Schloß Ronno in Südfrankreich als „Gräfin Monti Gnoso" auf. Dieser Titel ist im Einverständnis mit den Eltern der Prinzessin nach dem Namen einer Besitzung der Großherzogin von Toskana gewählt worden. Prinzessin Luise erzählte, daß ihr von dem Vater in Lindau vergeben worden sei. Ihn. Umgebung ist davon überzeugt, daß sie mit der Vergangenheit gebrochen habe und ein neues Leben beginne. Die Prinzessin hängt mit Liebe an ihrem Kinde. Ter Kronprinz von Sachsen ist über alles, was Mutter und Kind betrifft, unterrichtet. Seinem Wunsche, daß die Prinzessin längere Zeit in Ronno bleiben möge, entspricht diese gern, weil davon ihr ferneres Zusammensein mit ihrer Tochter abhängt. Der in der Umgegend von Ronno ansässige legitimistische Adel pflegt mit den Schloßbewohnern regen Verkehr, so daß es dem Gaste der Gräfin Sanet Victor auch an gesellschaftlicher Abwechslung nicht mangelt. Die vermögensrechtliche Regelung der Angelegenheiten der Prinzessin ist dank dem edelmütigen Entgegenkommen des Kronprinzen Friedrich August in befriedigender Weise durchgeführt worden. 'Etymologisches. In der Besprechung eines aus dem Dänischen übersetzten Buches: Kristoffer Nyrop: „Das Leben der Wörter" wird in der „Allg. Ztg." u. a. folgendes mitgeteilt: „Das Wort „K l gset" stammt von Hause aus dem Englischen und bedeutete dort ganz unverfänglich ein kleines Gemach. Wie wenig ihni ursprünglich der engere Nebensinn anhaftete, der dem geplanten „Klosetgesetz" seinen „anrüchigen" Beigeschmack gibt, zeigen die Verse des Lyrikers Christian Winther, in denen der „Junker Lenz" gepriesen wird: Seht, da tritt er leisen Schrittes Hervor aus dem Klosett, Hinter zarten Wolkenschleiern, Schüchtern, zart und nett. " Schmachvolle Lyncherei in Amerika. Die Vollstreckung des Lynchurteils gegen den Reger Georg White, der — wie bereits gemeldet — am Montag in Wilmington, nicht weit von Philadelphia, lebendig verbrannt wurde, gestaltete sich zu einem wahren Volksfeste, bei welchem namentlich die Teilnahme zahlreicher Frauen zu bemerken war. Die elektrischen Bahnen trugen dem Andrange des Publikums durch Einlegung von Sonderziigen Rechnung. Bei der Verbrennung Whites wurde eine Grausamkeit an den Tag gelegt, die selbst bei Lynchgerichten ungewöhnlich ist. Nachdem White von der Volksmenge aus dem Gefängnis geholt worden, welches die Polizei unter Benutzung ihrer Schießwaffen vergeblich zu verteidigen suchte, wurde er an den Ort geführt, wo er ein weißes Mädchen vergewaltigt und ermordet hatte. Auf dem errichteten Scheiterhaufen wurde er in aufrechter Stellung erhalten, bis das inzwischen entzündete Feuer seine Kleidung in Brand setzte. Dann wurde er mit dem Gesicht nach unten in die lodernden Flammen geworfen. Als die Stricke durch- gebrannt waren, gelang es White, für einen Augenblick mit mächtigem Sprunge dem Scheiterhaufen zu entkommen; er wurde jedoch wieder ergriffen und von neuem in die Flammen zurückgeworfen. Dann, als White kein Lebenszeichen mehr von sich gab, verließen die Zuschauer unter großem Johlen den Ort. ' „Von denen, die nicht alle werden', wird au3 Schwaben eine originelle Geschichte erzählt. In einem Provinz- blatt hatten sich einige Witzbolde eine Annonce geleistet, welche gegen Einsendung von 20 Mark ein Pulver verhieß, das, den Schafen eingegeben, deren Wolle verfeinern sollte. Ein pfiffiger Landwirt leistete den Betrag und erhielt ihn aber wieder zurück mit dem Bemerken: „Geehrter Herr! In einer Gesellschaft ist gewettet worden, man könne den größten Unsinn in die Zeitung setzen, es fänden sich immer Esel, welche darauf reinfallen. Sie sind bereits der zwanzigste, der sich gemeldet hat. Anbei Ihre Leistung retour. Mit ausgezeichneter Hochachtung (!)' u. s. w. * Die Siebenmillionenerbschaft. Der Bote Schwab vom städtischen Elektrizitätswerk in Dortmund sollte eine Erbschaft von sieben Millionen gemacht haben. Schwab besaß einen Freund, Heidemann, der auf einem Gute die Stelle eines Gärtners bekleidete. Heidemann kam in Geldverlegenheit und wußte, daß Schwab einige hundert Mark Ersparnisse besaß. Er log ihm vor, daß seine Braut in Nizza gestorben sei und ihm sieben Millionen Mark, die bei einer Bank in Berlin niedergelegt seien, vermacht habe. Schwab glaubte und borgte dem Freunde auf die „fette Erbschaft" hin nach und nach 800 Mark. Der Gärtner fertigte auS Dankbarkeit eine Art Dokument aus, in dem er Schwab und dessen Familie ferner sicherte und ihm für den Fall, daß er selbst sterben würde, großherzig die ganzen sieben Millionen vermachte. Mit der Zeit mochten aber doch in Schwab Bedenken auf steigen; er fuhr deshalb nach Berlin, um sich bei der betreffenden Bank nach den Millionen zu erkundigen. Hier erfuhr er bann, daß er das Opfer eines Schwindlers geworden war. Heidemann wurde in Hast genommen. * Ein hübsches Durcheinander hat der Metteur der „Lipp. Landesztg." in Detmold in der Nummer 142 angerichtet. Da heißt es: Kassel, 18. Juni. Gattenmordversuch. Unter der Anklage des versuchten Gattenmordes stand der Roßschlächter Karl Odenbach von hier vor den Schranken des Schwurgerichts. Odenbach, ein Zichälter, war beschuldigt, seine Ehefrau Elise Ldenbach, die von dem Gewerbe der Unzucht lebte, zu ermorden versucht zu haben. Ferner war er wegen Zuhälterei, weil er sich von seiner Frau ernähren ließ, wegen schwerer Körperverletzung und wegen Bedrohung seiner Ehefrau angeklagt. Der a r b e i l s s ch e u e Minifter hob die Ziele der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft hervor: Das Ziel, betonte er, ist Selbsthilfe. Wir Landwirte wollen es nicht fehlen lassen an emsiger Arbeit. . . . An anderer Stelle führt dann das Blatt diese Rede, die der Landwirtschaftsminister v. Podbielskr bei der landwirtschaftlichen Ausstellung in Hannover gehalten hat, wie folgt zu Ende: Gerade die Provinz Hannover in ihrer Vielseitigkeit in der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion ist besonders geeignet, den deutschen Landwirten zu zeigen, was auf den verschiedenen Gebieten geleistet wird. Ter brutale Bursche mißhan- delte und bedrohte seine Frau wiederholt mir blanker Waffe, wenn sie von ihrem schändlichen Gewerbe nicht Geld genug mir nach Hause brachte. Daß Herr o. Podbielski in die schlechte Gesellschaft des Roßschlächters Karl Odenbach aus Kassel geraten ist, wird er selbst am meisten bedauern; wenn er erfährt, mit wem er eS zu tun hatte, dürste zwischen ihm und dem Kasseler Schlächter „das Tischtuch bald zerschnitten" sein, und er verduftet — noch vor der Heuernte. Knall und Wissrnschasu Barmen, 24. Juni. Die Stadtverordneten haben beschlossen, die für den Sradrtheaterneubau erforderlichen Kosten im Betrage von 1 Millionen Mark bei der Barmer Sparkasse zu entleihen. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aüec unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Keine Lehrernot für Gießen! Gießen, 25. Juni. Seiten Samstag wurde gemeldet, daß um drei Lehrer- stsllen in Gießen sich nicht weniger als 60 Lehrer beworben haben. — Anschließend an diese Meldung kommt nun der Berichterstatter einer hiesigen Zeitung zu der Folgerung, daß „keine Lehrer not für Gießen besteh e." Ferner schließt er daraus: „Hiernach scheinen ovch die Annehmlichkeiten, Lehrer in Gießen zu sein, recht verlockend zu wirken und auch dieGehaltsverhältnisse unsererLehrer recht auskömmlich zu sein; denn sonst könnte man die vielen Meldungen zu den offenen Lehrer- steilen nicht begreifen." Es war ursprünglich nicht unsere Absicht, diese Notiz weiter zu beachten, und nur der Umstand, daß unser Schweigen falsch gedeutet werden könnte, veranlaßt uns, heute kurz auf sie einzugehen. Die Selbstachtung macht uns das allerdings schwer, denn es ist wenig lHre &u holen, wo man gezwungen ist, Stellung zu nehmen gegenüber einem Machwerk, in dem eine so „noble" Gesinnung sich offenbart, wie in dem vorliegenden. Unsere Ausführungen sollen sich daher auch darauf beschränken, nur einiges wenige zur Richtigstellung und zur Klärung der Situation — damit allerdings auch zur Kennzeichnung des Herrn Berichterstatters — vorzubringen. Wir haben allen Grund anzunehmen, daß der Herr Berichterstatter derselbe ist, der uns schon des öfteren mit seinem Wohlwollen öffentlich bedacht hat. Es ist chm bekannt, daß wir Lehrer schon seit längerer Zeit darnach streben, im Gehalt mit unseren Kollegen in den anderen größeren Städten Hessens gleichgestellt zu werden, da nach unserer Ansicht gleiche Vorbildung und gleiche Arbeitsleistung auch gleiche Bezahlung bedingen sollten. Ter Herr Berichterstatter macht nun offenbar ein Geschäft daraus, uns hie urid da einen „Trefft zu geben und in der Bevölkerung Gießens Stimmung zu machen gegen die „ewig unzufriedenen Schulmeister". Diesen letzteren Zlveck hat, — das liegt für jeden, der zwischen den Zellen zu lesen versteht, auf der Hand — auch die angezogene Notiz, in der er die große Zahl der Meldungen als Beweismittel dafür anführt, daß die Lehrer Gießens allen Grund hätten, mit ihrer glänzenden Bezahlung zuftieden zu sein. Dies zur allgemeinen Orientierung. Im einzelnen bemerken wir das Folgende: 1. Es waren nicht drei, sondern fünf Stellen zur Besetzung ausgeschrieben, darunter eine für Lehrerinnen. Zu diesen fünf Stellen haben sich 58 Bewerber gefunden, unter welchen acht aus Gießen selbst sind, so daß noch 50 auswärtige verblieben. Das macht für jede Stelle 10 bezw. 12 auswärtige Bewerber. Diese Zahl kommt uns bei weit üjer 2000 meldeberechtigten hessischen Lehrern und Lehrerinnen nicht gerade ungeheuerlich vor. Der Herr Berichterstatter, der ja über alle städtischen Angelegenhellen offenbar immer gut unterrichtet ist, möge sich gelegentlich einmal erkundigen, wie viele Meldungen schon in ähnlichen Fällen bei anderen städtischen Beamtenstellen eingelaufen sind. Vielleicht zwingt ihn dann sein Rechtlichkettsgefühl, auch Schlüsse zu ziehen, Vergleiche anzustellen und deren Resultat zu veröffentlichen. Gelingt es ihm übrigens, in unserer Stadt dem Grundsatz, dem er zu huldigen scheint: „Wir können genug bekommen, warum also die Leute so bezahlen, wie sie anderswo bezahll werden?" für alle städtischen Beamten und Bediensteten in allen seinen Konsequenzen Geltung zu verschaffen, dann wird er sich um die Finanzen Gießens unsterbliche Verdienste erwerben. 2. Zu der Annahme, daß unsere hiesigen glänzenden Besoldungsverhällnisse die Kollegen vom Lande nach Gießen zögen, erlauben wir uns, kurz folgendes anzusübren: Vor etwa 15 Jahren wäre dies vielleicht zutreffeno gewesen, denn damals war der Höchstgehalt eines Lehrers auf dem Land 1300 Mk., während er in Gießen 2400 Mk. betrug. Heute bezieht der Lehrer nach 30 Dienstjahren üi dem kleinsten Dorfe Hessens 2800 Mark, in Gieszen 3000 Mark. Die ganze Differenz, die also früher 1100 Mark betrug, hat sich heute auf nur 200 Mark reduziert. Bedenkt man nun, daß diese Differenz durch die gesteigerten Bedürfnisse des Stadtlebens reichlich ausgewogen wird, so muß man zu der Ueberzeugung kommen: die glänzenden hiesigen Gehaltsverhältnisse sind es wohl nicht, die die Lehrer nach Gießen locken, hierfür dürften vielmehr wesentlich andere Gründe maßgebend sein. Gießen ist zunächst infolge seiner günstigen Lage eine m lebhaftem Aufblühen begriffene Stadt. Sie wissen nun, verehrter Herr Berichterstatter, daß sich seit einem Menschenalter ein allgemeiner Zudrang nach den Städten be- merf'bar macht, und dieser Zug hat auch ansteckend gewirkt auf die Beamten. Demgemäß ist auch der Lehrer gern bereit, ein abgelegenes Dorf gegen eine Stadt, wie sie nun auch heißen möge, als Wohnsitz und Wirkungsstätte einzutauschen. vz t , Sodann ist Gießen durch die wohlwollende Fürsorge unserer Landesfürsten Sitz einer Universität. Daß der Lehrer, der als gewissenhafter Vater für feine Kinder auf die bestmögliche Art zu sorgen sich bestrebt, ganz besonders diesen Umitand bei )einer Entschließung in Betracht zieht, ist nicht nur erklärlich, sondern geradezu seine Pflicht (ganz wie bei anderen Leuten). Aus diesen zwei Gründen, Der» ehrtester Herr Gönner, scheint uns, die wir hierin wohl am meistep Erfahrung haben dürften, der Zudrang zu den hiesigen Stellen zu resultieren. (Warum hat ftch zu der Stelle für Lehrerinnen nur eine einizige Bewerberin gefunden, und zwar eine hiesige?) Das sind die zwei Hauptvorzuge Gießensl, die bewirken, daß es nie an Lehrern, nie aber auch an anderen Beamten fehlen wird, die gern nach Gießen gehen. Auf diese Vorzüge unserer Stadt kann auch die Bevölkerung mit Recht stolz sein; wir sind aber der festen Ueberzeugung: Der wahrhaft gebildete und rechtlich denke nde Teil unserer Bevölkerung wird niemals aus eine Stufe der Ge sinnung h e r a b st ei g e n, auf Der er bereit ist, diese Vorzüge als Drumph; aus AU spielen gegen M itbürger, die nichts Un- billtges zu erreichen streben. Wir aber glauben iti unserem Streben, oas Sie immer und immer wieder zu bekämpfen sich zur Aufgabe machen, nichts Unbilliges zu verlangen denn wir wollen — was wir nochmals b^ tonen — nur das, was man anderen Beamten und Bediensteten ohne weiteres zugesteht: Gleiche Bezahlung bei gleicher Vorbildung und gleicher Arbeitsleistung. Haben Sie Lust, Herr Berichterstatter, dagegen weiter anzukämpsen, dann nur zu! Fahren Sie wohlgemut in Ihrer seitherigen Weise fort, mit diesen Waffen gegen uns zu kämpfen. Sie leisten uns nur einen guten Dienst damit. Denn die Einsichtigen unter unseren Mitbürgern werden sich dann sagen: Die Sache unserer Lehrer muß eine gerechte fein, wenn ihre Gegner keine anderen Waffen haben und zu solchen Beweismitteln und Manipulationen greifen müssen, wie es der Herr Berichterstatter tut, um überhaupt gegen sie ankämpfen zu können. DerGreßenerLehrerverein. Gerichtssaal. R B. Darmstadl, 24. Juni. Der letzte Fall, der das Schwurgericht in seiner zweiten Periode beschäftigte, war ein Verbrechen der Notzucht., das erst vor 14 Tagen begangen worden war, also eine sehr schnelle Justiz erfuhr. Anaeklagt war der 35jährige Zigarrenarbeiter Georg Keller- rnann von Lampertheim, der, obgleich verheiratet, auf freiem Feld eine anständige Frau angesallen und ihr Geivalt anzutun versucht hatte. Als Ankläger trat Staatsanwalt Pfister auf, die Verteidigung führte Herr Rechtsanwalt Dr. Bender L Da der Angeklagte bereits vorbestraft ist und ein sehr schlechtes Familienleben führte, verneinten die Geschworenen die Bewilligung mit» dernder Umstände, woraus der Angeklagte zu drei Jahren Zucht- haus und sünf Jahren Ehrverlust verurteilt wurde. Breslau, 24. Juni. Die Postsekretärswitwe Gott- schling, die seit acht Jahren B e t r ü g e r e i e n un größten Maßstabe betrieb, wurde voin Landgericht zu zehn Jahren Gefängnis und 4800 Mark Geldstrafe oder welleren zwei Jahren verurteilt. handel und Uerkehr. Volkswirtschaft. — Geld-, Bank-- und Börscnwefen. Ein Handbuch für Bankbeamte, Juristen, KauslerUe und Kapitalisten sowie für den akademischen Gebrauch. 2. stark vermehrte Auflage. Verlag von Karl Ernst Poeschel, Leipzig 229 S. Preis 3.00 Mark. — Im 1. Abschnitt behandelt Obst das Geld, die Geldsurrogate—Wechsel, Checks, Anweisungen rc. — und die Währungsfrage. Der 2. Ab- schnitt bespricht die Geschäfte der Banken, wobei speziell das Effekten- und das Diskontoaeschäst eine ausführlichere Behandlung gefunden hat. Im letzten Abschnitt tvird die Technik der Börsengeschäfte an der Hand zahlreicher Beispiele geschildert und die Kategorien der Wertpapiere werden einer sachkundigen Besprechung unterzogen. Tie trotz wissenschaftlicher Gründlichkeit leicht faßliche und fesselnde Dariteilungsweise des Bank- und Börsengetriebes, welche zeigt, daß der Versasser nicht nur ein erfahrener Praktiker, sondern auch nationalökonomisch und juristisch geschult ist, macht das Werk zu einem praktischen Hand- und Nachschlagebuch für jeden, der mit Geld und Geldeswert zu tun hat oder sich über diese wichtigen wlltschastlichen Fragen orientieren will. Märkte. Limbnrg a. d. L., 24. Juni. Fruchtmarkt. Durchschnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 14.10 Mk., Weißer Weizen 00.00 9)IL, Korn 11.12 Mk., Gerste 9.00 Mk., Hafer 6.90 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. IÄülmlUaMchteni Verlobte: Mathilde Kleeblatt in Seligenstadt mit Louis Schierlmg in Marburg. Kirchliche Nachrichten. Katholische Gemeinde. Freitag abend 7,20Uhr wird derHochwürdigste Herr Bischof, von Büdingen kommend, hier eintreffen. Der feierliche Empfang findet nicht am Bahnhofe, sondern in der Kirche statt. Zu diesem (Smpfange wird die ganze Gemeinde eingeladen und gebeten, nicht an den Bahnhof zu gehen, sondern sich in der Kirche zu versammeln. Samstag vorn,. 7 Uhr wird der Hochwürdigste Herr Bischof die hell. Messe lesen. Zum Besuche dieser hell. Messe ist den Schillern und Schülerinnen aller Schulen die erste Schulstunde frei gegeben. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast. Sabbathfeier am 2 7. Juni 1903. Freitagabend 8 Uhr. Samstag Vormittag 8 Uhr. Nachmittag 4 Uhr. Sabbathausgang 9.85 Uhr. Wochengottesdienst: Dlorgens 6 Uhr, abends 8 Uhr. KriesKajlen der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) W. N. Jeder Kaufmann ist nach § 29 des Handelsgesetzbuchs verpflichtet, feine Firma und den Ort seiner Niederlassung zum Handelsregister anzumelden. Z. H. E. Also auch Sie haben bemerkt, daß jenes Winkelblättchen den in unserem Extrablatt unterlaufenen Fehler über die Stimmenzahl in AUen-Bufeck ebenso wie den unbequemen Druckfehler, der das Enderesultat der für Herrn Köhler abgegebenen Stimmen um 100 verkürzte, kaltlächelnd uns nachgedruckt hat. Herr, hilf ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Neueste Metduiiqru. Originaldrahtmcldungen des Gießener Anzeigers. B e r l i n, 25. Juni. Die Charlottenburger Stadtverord- neten-Versarnrnlung hat einen Antrag, auch Frauen zur Verwaltung des Armenwesens der Stadt heranzuziehen, dem Magistrat zur Erwägung überwiesen. Hamburg, 25. Juni. Im Prozeß wegen Konkurses der patriotischen Assekuranz-Kompagnie wurden die Direktoren: Holle zu 15 Monaten Gefängnis und 9000 Mark Geldstrafe, Schultz zu 6 Monaten Gefängnis uni) 3000 Mark Geldstrafe verurteilt. Garvers wurde freigesprochen. L. L o n c> v u, 25. Juni. Tas neue amerikanische Gesetz gegen Ra hrnngsmittelfälschung, das am 1. Juli dieses Jahres in Kraft tritt, wird nach einer Newyocker Meldung der „Times" den amerikanischen Importeuren ausländischer Nahrungsmittel, namentlich den Importeuren deutscher Weine, Unannehmlichkeiten bereiten. Vertreter von Importfirmen sind bereits beim Schatzamt gegen das neue Gesetz vorstellig geworden. Der Leiter deis chemischen Bureaus des Ackerbaudepartements Dr. Wiley, der Ernähr- ungsversuche mit borhaltigem Fleisch sowie Versuche mit deutschen und frauzöft,chen Weinen an|£eilte, wird binnen kurzem einen ausführlichen Bericht erstatten, worin die schädliche Wirkung solcher Nahrungsmittel nachgewiesen werden soll. L o n d o n, 25. Juni „Daily News" veröffentlicht einen Brief seines Johannesburger Korrespondenten über die Sage in Transvaal. Derselbe erklärt-.' daß die Lage in Südafrika fettens der Regierungspresse st-sterna tisch in falschem Lichte dargestellt werde. Er gibt die 9Jteinungen verschiedener Kolonialblätter wieder, um darzulegen, daß a llgemeine Unzufried enh eit über das Regime Millners herrsche. London, 25. 3um. Im Unterhause fand eine Versammlung der konservativen Partei statt, welche den Zweck hatte, das Z o llge setz Chamberlains zu prüfen. An der Versammlung nahmen etwa hundert Abgeordnete teil Es wurde eine Resolutton beschlossen, welche |tm zu Gunsten einer Enquete über die Zoll-Systeme ausspricht. London, 25. Juni Die „Morning Poft' meldet aus Tanger: Die Truppen des Sultans unter Clmenebhi erlitten bei Tazza eine schwere Niederlage. Jyr Verlust wird auf 300 Mann geschätzt. Prag, 25. Juni. In der "Mhe von Lößnig ist ein Zuckerschiff der nordwestlichen Dampfschiffahrtsgesell- schäft gesunken. Ueber 1000 Zentner Zucker sind verloren. Oedenburg, 25. Ium. Aufsehen erregt der Verkauf von 17 000 Joch Gräflich Zichyschen Besitzes und» des dazu gehörigen Artillerie-Schießplatzes inr Vezprimer Komitat an den Grafen Witzleben, einen Verwandten des deutschen Kaisers, um 4^ Millionen Kronen. Belgrad, 25. Juni. Der Eid , den der Kö n i g heute ablegte, hat folgenden Wortlaut: „Ich, Peter Karageorgie- wttsch, schwöre, indem ich den Thron des Königreiches Serbien besteige und die königliche Macht übernehme, bei Gott dem Allmächtigen und bei allem, was mir das Heiligste und Teuerste auf dieser Welt ist, daß ich die Unabhängigteit Serbiens und die Einheit Der staatlichen Verwaltung schützen, daß ich die V er f a ssun g des Landes un ver- letzlich erhalten, daß ich. nacy dieser und nach den Gesetzen regieren und daß icy in allen meinen Unternehmungen und Handlungen das Wohl des Volkes vor Augen haben werde. Indem ich diesen meinen Schwur feierlich vor Gott und Dem Volke tue, rufe ich Gott zum Zeugen an, Gott den Herrn, welchem ich vor seinem Richtersttchle Rechenschaft geben werde. So wahr mir Gott der Herr; helfe. Amen." — Nach dieser Eidesleistung begab sich der König direkt zur Truppenparade. An derselben nahmen die Militärakademie, die Jnfanterie-Unterosfiziersschule, das 6., 7., 8. und 18. Infanterieregiment, die Santtätstruppen sowie Kavallerie und Artillerie teil. Sofia, 25. Juni. Aus Küstendiel an der makedonischen Grenze wird gemeldet, daß die Türken ohne sichtbaren Anlaß den Die Straße nach Sofia beherrschenden Grenzpuukt Sultantepe mit vier Bataillonen, 30 Geschützen und vier Schwadronen besetzt haben. Newyork, 25. Juni. Die deutschen Landwirte sind auf ihrer Studienreise aus dem Westen zurückgekehrt. Sie beabsichttgen nach ihrer Rückkehr nach Deutschland einen ausführlichen Bericht über die Reise zu geben. Newyork, 25. Juni Dte Aeußerungen in der ame* rikanischen Presse über Kiel sind in allgemein herzlichem Tone gehalten. So schreibt der „Sun" in einem Leitartikel: Wir hoffen, daß kein Regentropfen auf beider Länder DJiarinollniformen fallen, daß die Festlichkeiten in Fröhlichkeit verlaufen, daß die Wettfahrten, ob Sieg oder Niederlage die gute Kameradschaft nicht beeinträchtigen möge. Telephonischer Kursbericht» jbrankiurt a. 2d. Juni ltiu3. 3’/j% Reiohsanleihe . . 105.05 SO/, do. ... 9L50 3*/,% Konsole .... 101.05 3Ü/O do. 91.50 3l/3°/o Heesen .... 101.00 8%% Oberhoeeen . . . 100.00 4-6 Oesterr. Goldrente . . 102.90 4x[6% Oesterr. Silberrente 100.25 496 Ungar. Goldrente . . 101.60 4°/j Italien. Rente . . . 103.30 4*/,56 Portugiesen . . . 50.00 !>0/ Portugiesen. .... 34.30 196 C. Türken .... 3420 Türkenloee 132.40 4% Orieoh. Monopol.-Anl. 45.20 41/, % äussere Argentiner —.— 8u/0 Mexikaner .... 25.85 4,/2°/o Chinesen .... 92.75 Electric, tiohuckert . . . 93.20 Nordd. Lloyd . . . . 99 50 Kreditaktien . ... 207.90 Diskonto-Kommandit. . . 184,80 Darmstädter Bank . . . 135.45 Dresdener Bank .... 146.30 Berliner Handelsges. . . 153,00 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.30 Lombarden .... 18.50 Gotthard bahn 192.40 Laurahütte 219.75 Bochum ...... 174.90 Harpener ..... 181.75 Tendenz: fest. Schiffsnachrichten. Red Star Linie. Der Poftdarnpser „Vaderland" der Red Star Linie in Antwerpen ist laut Telegramm am 22. Juni wohlbehalten in New- Pork angekommen. Bekanntmachung. Es wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß folgende Perfonen zu städtischen Leichenwärtern unb Leichenfrauen mit Wirkung vom 1. Juli 1903 ab bestellt worden sind: Jost, Heinrich, Kaplansgaffe 10. Sperling, Konrad, Sandgasse 36. Arndt, Katharine, Kaplansgaffe 10. Dürr, Elise, Marktplatz 8. Gorr, Katharine, Wolkenaasse 17. Schuchardt, Elisabetbe, Katharinengaffe 9. Wacker, Johannette, Mühlgaffe 19. Gießen, den 23. Juni 1903. 5039 Der Oberbürgermeister. __________________________Ai e c u m._________________________ LMmrtsWiche toftetag Achen vom 10.—13. September. Als Anhang zu dem für obige Ausstellung herauszugebenden Katalog soll ein Annoncenteil gedruckt werden. Es wird damtt den Ausstellern und sonstigen Finnen Gelegenheit gegeben, ihre Waren und Produkte roeitcreu Kreisen anzubieten. Annoncen können bis zum 15. Juli aufgegeben und die Bedingungen durch die Geschäftsstelle des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen zu Alsfeld bezogen werden. 5030 Der geschüstssührende Ausschuß. WiMM-Wetzemg. Freitag 26. Juni 1903 und folgende Tage, vormittags 9 Uhr und nachmittags 2 Uhr anfangend, tvcrde ich im Laden 22 Seltersweg 22 ca. 1500 Mar Schuchoaren als: Herren- und Damenstiefel in Boxcalf, Chenreaux, schwarz und gelb, Chic- und Spangenschuhe, Pantoffeln, Kinderstiefel in schwarz und gelb, Halbschuhc, Turn- und Gummischuhe, Sandalen, Arbertsschuke rc. öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigern. 03009 Emil Neuhof, Mtimtor m Kmksmt 11 Ji. NB. Das Lager ist großartig fortiori und findet jeder Jntereffent passendes hierbei. Rodheim a. d. Bieber, de« 25. Juni 1903. 03002 Die Beerdigung findet Freitag den 26. d. MtS., nachmittags 2 Uhr, statt. Todes-Anzeige Gestern mittag entschlief sanft nach kurzem, schwerem Leiden unsere unvergeßliche Gattin, Mutter, Großmutter und Schwiegermutter, die Gaftwirtirr Frn Elisabethe Bender im Alter von 67 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung Herrn Georg Simon sagen wir Allen innigste« Dank. Fm M. Simon Lebst Tochter. Gießen, den 24. Juni 1903. 5031 Für die überreichen Beweise auftichtiger Teilnahme bei dem Verluste unseres lieben Gatten und Vaters ■ Danksagung Ma,x*ie Johann Hess 5041 Für die vielen unS wohltuenden Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unserer lieben Tochter, Schwester und Schwägerin i Gießen, den 25. Juni 1903. den evangel. Schwestern für die liebevolle Pflege und Herrn Pfarrer Dr. Naumann für die trostreichen Worte sagt ttefgefühlten Dank Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wieseck, den 25. Juni 1903. 5036 Die Beerdigung findet Freitag den 26. d. Mts., nach mittags 2 Uhr, statt. Todes-Anzeige. Gestern verschied nach langem Leiden unser lieber Vater, Großvater und Urgroßvater ßm Johannes Schäfer IV. Landwirt im Alter von 86 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Philipp Schäfer. Stadt. Schlachthaus. Freibank. Heute und morgen: 5019 GchsenMsch 5t) Vis- LalbAnsch 50 M Prma LaMutter oum Einkochen 4760 Pfund 85 Psg. empfiehlt H. E. Zughardt ZchlibcnAMsiWlillechls Markt 15.________Telephon 390. FsMfleH ä Pfd. 30 Psg. 5042 Pferdemetzger. ..................................... CaföEbeJ. Heute aberrd 4910