Nr. 120 • reint tüglich außer Eormtofl*. Dem Tlebener Anzeiger werden im Wechsel mtt dem kefftschea Lon-wltt bie ftlebener Zamiliea- blätter viermal tn bet Woche de »gelegt. Rotntton«brucf n. Verlag bet Brüh l'schen UntoetL-Cud>- u.6ietrt- btudecei (Xittfld) Ifcrben) ttebofnxw, «jfpebttwn unb Druckerei: «chnlstraße 7. Ubrtfle für Depeschen: «nzetger •trfcnt. fcmtlprrdianldiliifcNr 5L Motttag ‘45. Mai 1 »03 153. Jahrgang (Erstes Blatt. Bezugspreis, monallich7dPl^ viertel» tfihrltdj 8.20; durch Abdote- u. Zweigstellen monatlich 6o Pl.; durch dlePostMk. 2.—viertel- 16t)tL auSschl. Destellg. Annahme von »nzetgen für bie Lagesnummer di» vormittag» 10 Uhr. Zeilen preis: total 18*Ü1W au»rodet» 80 tilg. Deranlroorltich füt den poltL unb auflem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MM Eichener Anzeiger “ General-Anzeiger v Volitische Wochenschau. Große weltpolitische Imtroürfe zu schmieden, ist unver- LußerlicheS Erbteil des britischen National-Charakters, „Lllenbo genraum für die angelsächsische Rasse"' der Wahlspruch des Angelsachsen diesseits und jenseits dcS Ozeans. Und so rasten weder England noch Amerika in der Verfolgung neuer kühner politischer Ideale. Amerika ging von der Eroberung der spanischen Kolonien energisch an das Werk der wirchchaftlichen Eroberung Südamerikas, der die politische dereinst folgen soll, so etfrig und laut das Tud? immer abgeleugnet wird. England aber, das soeben erst mühsam über den Berg des südafrikanischen Krieges gelangt war, läßt bereits den Blick schweifen in ein neues LZand seiner Traume: die wirtschaftliche Bereinigung des Mutterlandes mit seinen Kolonien, das großbritische Zoll reich. TaS bedeutsamste Ereignis der vergangenen Woche ist cs gewesen, daß die Seele des englischen Kabinetts, Minister Chamberlain selbst mit dem Finger in dieses Lcntd verwiesen unb es als den Endpunkt des politischen Weges bezeichnet hat, den das englische Wett- reich in den nächsten Jahren konsequent einzuichlagen hat. Chamberlain ist durch seine südafrikanischen Erfolge mutig gemacht. Er hat während des Krieges manche erfreuliche Wahrnehmung von dem Solidaritätsaefühl im großbriti- schen Weltreiche machen können. Australische Reiter unb kanadische Dollars fänden den Weg übern Ozean, um die Löcher wieder stopfen zu helfen, die Durentapserkeit so verheerend in die Fahnen des britischen Ruhmes geschossen hatte. Aber das alles waren für die Kolonien verhältnismäßig billige Anstandspslichten. Anders, ganz anders schaut das Bild der Eiicheit des britischen Reiches aus, wenn man heute dazu aufgcsordert wird, es durch bie Brille der wirtschaftlichen Interessen anzuschauen. Sie sind geradezu die Basis all der großen Staaten gewesen, die eng- lische Pionierarbeit in drei Erbteilen ins Leben gerufen Hal. Tiefe Basis burch eine Zollvereinigung mit England umzustürzen, darüber entscheidet nicht bie augenblickliche patriotische Aufwallung, sondern das fundamentale Interesse aller Bürger. Tie Kolonien werden sich einfach fragen, was hat Englanb uns zu bieten? Wenn wir Englanb Zollnachlässe gewähren, die andere Machte veranlassen, mit uns einen verheerenden Zollkrieg anzufangen unb bie Einfuhr unserer Waren womöglich zu unterbinden, so ist bieser Preis für ben schönen Traum bes Imperialismus denn boch zu hoch. Zunächst hat sich bas Tominion of (Sanaba am patriotischsten gezeigt. Rasch entschlossen hat es dem Mutterlanbe Vorzugszölle gewährt. Es ist da- mtt Vertrags brüchig gegenüber Deutschland geworben. Tenn es hat biese Vorzugszölle Deutschlanb nicht ein- geräumt, das mtt Großbritannien und allen seinen Kolonien im Meistbegünstigungsverhälttiis steht. Darauf konnte Teutschland nur mtt dem Gegenhieb antworten, kanadischen Waren, die nacl) Teutschland eingeführt werden ebenfalls die Meistbegünstigung zu entziehen und au ie seinen Gencraltarif anzuwenden. Kanada aber nimmt »en Fehdehandschuh auf unb belegt irunmehr Waren aus Deutschland unb all ben Ländern, die etwa ebenso vorgehen sollten wie Teutschland, mit burchschnittlich einem Tritte! höheren Zoll als jein Generallans festseßt- Kanada will also burch diesen Zuschlagstarif, bessen Bekanntmach- ung uns die letzte Woche gebracht hat, alle anbcren Länber Europas schrecken, die wie Teutsa)land, nicht sofort vor bem Geßlerhut ber „britischen Zollunion" ihre Reverenz zu machen Lust haben. Tie aubercu Handelsmächte, bie amtlich hervorragende Hanbelsinteressen in ben britischen Kolonien haben, werben sich wohl nach bem entschlossenen Vorgehen besDeutschen Reiches gleichfalls noch recht reiflich überlegen, ob sie an bem Aufbau eines riesigen groß- britischen Schutzzollbundes mithelfen sollen. Ist Großbritannien nicht schon mächtig genug? Zu all ben Blöcken, die man Chamberlain von feiten ber Kolonien selbst unb von feiten aller nichtbritischeu Mächte bei feinen hochfliegenben Plänen tn ben Weg rollen wirb, kommen Schlingen, bie feine eigenen engeren Lanbsleute ihm um bie Füße werfen. Kein geringerer als Lorb Balfour, ber Kabinettschef selbst, trägt die größten Bedenken, England wegen der Chamberlainschen Entwürfe in einen Zollkrieg mit der ganzen Welt zu stürzen und dem ohnehin gegen die deutsche und amerikanische Konkurrenz schwer ringen- ben englischen Handel neue Wunden äu schlagen. Rosebery, ber Führer ber Liberalen, ber sich doch immer noch ben Weg in bas englische Ministerium offen halten möchte, in bem auf jeden Fall künftig ein Chamberlain vertreten fein wird, hat trotzbem mit Emphase von neuem das alte englische Panier bes Freihandels gehißt. Tie Liberalen fast aus ber ganzen Linie schließen sich ihm an. Tas hindert aber nicht, baß bie Chamberlainsche Idee von nun an nicht toieber einschlafen wirb, sonbern auf Jahre hinaus bie Signatur ber britischen Wirtschaftspolitik bilden wird. Und diese Tatsache wird ihre Kreise weit in bie Wirtschaftspolitik ber ganzen Welt unb nicht zum mindesten in die des handelspolitisch so machtvoll aufstrebenden Deutschen Reiches hineinziehen. Aus dem handelspolitischen Gebiet droht bie Flamme ber Zwietracht hoch aufzulohen, gleichzeitig beginnt sie unter ben vereinten Anstrengungen ber türkischen Löschmannschaften unb ber helfenden Großmächte in der Tür - lei, auf die man seit Wochen in Europa mit so viel Bangen geschaut hat, immer mehr zu versiegen. In Maeedonien machen bie türkischen Truppen gegen Albanesen unb bulgarische Banben erfreuliche Fortschritte. Auf ber Kon- )t antinopler französischen Botschaft hat man ber Anzeige eines Dieners, wonach ihn ein Jnbivibuum verleiten wollte, eine Höllenmaschine in ber Botschaft zu legen und zur Explosion zu bringen, keine Bedeutung beigelegt. Auch Gerüchte, daß ein Attentat gegen die russische Botschaft vorbereitet worben sei und baß sich eine Mine bereits unter ber Botschaft befinbe, finb ohne jebe Bestätigung geblieben. Trotzdem hat bie Polizei die Ueberwachung ber Botschaft verschärft. Wie in Sofia verlautet, ist Boris Sarafow reichet in Bulgarien eingetrofien. Ties wirb als Beweis bafilr angelegen, baß sich bie Banben in Maeedonien in einer schwierigen Lage befinden. Unb sie werben roieber einmal barauf verzichten müssen, zu ben Raub- taaten im Balkan ein neues freies Maeedonien ober ein königliches Großbulgarien hinzuzufügen. Rach allerlei verdächtigem Donnergrollen im europäischen Wetterwinkel angeii also bie Wolken an, sich bereits zu teilen. Hoffentlich zaubert bald bie Frühlingssonne toieber einiges er- freuliche Leben auf die von türkischen, albanesischen und bulgarischen Pferden zerstampften Gefilde Macedoniens, damit Europa die Ruhe habe, bie es heute für wirtschaftliche Ausgaben wahrlich bnngenb genug nötig hat. Sonst brachte auf auswärtigem Gebiet bie vergangene Woche nur noch eine weitere Bestätigung ber Tatsache, daß Frankreich in seinem Kampf ben Anachronismus des Klosterwesens selbstbewußt und unbekümmert um alle Angriffe von rechts unb links weiterschreitet. Wahrend aber die französische Kirchenpolitik hart bis an die Grenze geht, hinter der die Umwandlung dec Kirche in einen freien Verein gleich jeder Gewerkschaft oder Wobl- tatigletts-Gefellfchaft liegt, behandeln wir in Deutschland den Pap|t als unfern besten Freund und erscheint der oeutfche Kaiser öffentlich Seite an Seite mit dem Abgesandten Sr. veiiigieit bei ber Einweihung bes Metzer Dom- portales. Richt weit vom Berliner Dome tagte in vergangener Woche roieber einmal ber Deutsche Kolonialrat. Man hat nichts darüber gehört, wie er sich zu ben Beschwerben über bie bureaukratische Verwaltung Samoas gestellt hat. Was er sonst verhandelte, hat, abgesehen von seinem Eintreten für bie ostafrikanische Zentralbahn kaum allgemein interessieren können. Lebhafter dagegen haben bie Veränderungen in den höchsten Stellen Schlesiens die öffentliche Aufmerksamleit noch weiterhin gefesselt. Tie Angelegenheit ber Verabschiedung des Erbprinzen von Meiningen hat sich endlich dahin geklärt, daß der Erlaß des Erbprinzen gegen die Solbateninißhandlungen sich als mit formalen im Heere festgehaltenen Grunds ätzen nicht vertragen hat. Ter Erbprinz schwächte die Autorität der Regimentskom- manbeure zu Gunsten ber bes Korpskommandeurs durch den Erlaß. Es bleibt daher zu bedauern, daß ber Erlaß sich nicht an jene birelt gerichtet hat. Er wäre bann ausrecht erhalten und hätte manchen Unteroffizier ober Feldwebel, der heute zu Mißbräuchen seiner Kornrnandogewalt neigt, veranlaßt, sich selbst strammer in Zucht zu halten. Nachträglich verlautet dazu, daß eine Kabinettsordre des Kaisers sich direkt gegen diesen Erlaß des Erbprinzen, gewendet habe. Tagegen verdient die Nachricht noch immer mit Vorsicht behandelt zu werden, der Erbprinz sei trotzdem zum General-Inspekteur ernannt worden. — Ter Erbprinz geht, — ihm ist der höchste Zivilbeamte der Provinz Feuilleton. Wenn e$ noch eines Beweises bedürfte, daß die neue Ausgabe von Stielers Handatlas (erscheint in 50 Lieferungen jede mit 2 Karten, zu je 60 Pfg.) einen bedeutenden Fortschritt in der deutschen Karthographie bedeutet, so wird er durch die Karten geliefert, welche die lo.—16. Lieferungen enthalten. Besonders die beiden Blatter, die den nördlichen Teil der Pyrenäischen Halbinsel in 1 : U/s Mill, dar stellen, zeigen, welch ein anschauliches Bill» von den Geländeverhältnissen durch den hier angeroenbeten Draunbruck für das Gebirge mit Unterstützung mner Schattenplatte erreicht werden kann. Ms vor 30 Jahren bie Karte von Spanien unb Portugal, gezeichnet von Earl Vogel, zum ersten Male erschien, erregte Üe ^wunberung bei Laien unb Fachmännern burch das plastt|che Brlb, ba» burch ben Dtpferstich erzielt worden war; die letzcge Ausgabe von O. Kvfftnahn nach ben neuesten Quellen berichtigt, wirb bie damaligen Eindrücke überttenen; es,md geradezu Musterblätter. Sie liefern den Beweis, bab Teutschland auf bem Gebiete ber Kartographie noch immer bie Führung bewahrt. Nicht roeniger Unterene nimmt Bl. 83, Wesl-Eanada in 1 :7Vs Mill., in Anspruch; bad von v>. Habenicht bearbeitete Blatt weist bie rafchen iZ-ortichrctte in ben weiten, zum Dell unwirtlichen Gebieten znnfchen 5>ubson-Dai unb Maska nach; die bisher als unerforscht ncltenben Gebiete finb dank ber Tätigkeit ber kanabischen Topographen unb Geologen stark zusammenge)chrumpft. Einen wesentlick)en Anteil an ber Belebung bieser oorich- ungstatigkeit ist ber Entdeckung der Älon bi le-©o Ib- felber nahe der Grenze von Maska zuzuschreiben. Das Ute Blatt, Nr. 85, bietet bie von H. Habenicht unb H. ©Sumann bearbeitete Uebersicht ber Vereinigten Llcmten und Mexiko in 1 :12V, Mill., ein Blatt, welches durch feine Klarheit eine Zierbe beS Atlas ist. Selma Lagerlöf, Die Königinnen von Kungahülla. Novellen. Inhalt: Wo einst bas große Knnaabälla stand — Tie Salbtömgm — Lig-id L-torrada - Lw- Margareta Frebttllla - Tie Konigtti auT ber Ragnhilbmsel.' Geheftet 2.50 Mk Verlag^ von Albert Langh in München Taß em neues ^chvon ^elma Lager- löf immer ein literarisches Ereignis allerersten Ranges ein wird, ist selbstverständlich. „Tie Königinnen von Kunga- LäUa" ber neue N-v-llcncyklus bie,er munbertorten „rau ift wieder ein Herrliche-I Such, das chr auch in a.eutsch. lanb Diele neue Freunde zu ben alten werden wird. 1er- bUben sind diese Novellen durch den geme;r.|amen SBoben, aus de« sie spielen. In einer Einleitung werben wir aus die Stätte geführt, an ber einst die sagenhafte mächttge Stadt Kungahalla stand. Sie ist vom Erdboden verschwunden, üppig wuchert über ihrem Grade ber Walb. Nur ein ein- amer Runenstein liegt ba. Wer seine Schrift entziffert, >em steigen sie auf, bie Bilder einer großen Vergangenheit. Unb Selma Lagerlöf versteht es, Runen zu lesen, nicht nur bie Schrift auf alten Steinen, nein, auch bie Rätsel- schrift menschlicher Seelen. Farbig, prächtig unb groß sind die Bilder, die fte vor uns auftollt, ob sie nun Vergangenheit ober Gegenwart schildert. Tenn ihre geroaltige Kunst ist über ber Zeit und wird bleiben unter dem besten aus allen Zeiten. . Jakob Wassermann, Der niegekuszte SDlunb — Hilperich. Zwei Novellen. Geheftet 2 Mk. Verlag von Albert Langen in München. Das große unb eigenartige Talent Jakob Wassermanns zeigt sich in biefen beiden Novellen von ber allergünstigsten Sette. „Ter nie- geküßte Munb" ist sicher eine der stimmungsstärksten Novellen aller Zetten. Tie Farbe, auf bie alles gestimmt ist, ist ein Silberton auf grau, bie Gestatten finb gleichsam mehr Symbole als selbsttätige Geschöpfe, bie Handlung sucht aus dem an schein en b unbedeutenden unb alltäglichen poetische Werte zu schaffen, unb das gelingt ihr in einer Weise, baß man hingerissen wirb von ber keuschen bichterischen Schönheit ber Novelle. Das schönste an ihr finb wohl bie Land° schaftsschilderungen, die so eindrucksvoll finb, baß man sagen könnte, bie Landschaft spielte fast persönlich m alles hinein. Unb dabei ist bie Hanblung mit einer großen Logik geführt, bas Jneinanoergreifen und bie Auflösung ber Schicksale ist beinahe wie ein Rechenproblem. — Die zweite 9tovelle „Hil- perich" zeigt biefelben Vorzüge, nur ist hier alles in höherem Grabe auf bas Charakterisierenbe unb Erzählerische übertragen. Dies neue Buch gehört zu Jakob Wassermanns besten unb wird sicherlich auch zu seinen erfolgreichsten gehören. Prinzregenten-Theater zu München. Nachdem im Laufe des Winkers die Modelle für bie neue dekorative Ausstattung von Richard Wagners „Götterdämmeriing" fertiggeftellt und von der Kgl. Hoftheater-Intendanz genehmigr worden war, ist Professor Bruckner in Coburg mit ber Ausführung bes zweiten unb dritten Aktes betraut worben. Tie Tetorationsprobeu zum Rhein g o lb" haben im Prinzregenten-Theater bereits begonnen, unb es roerben sowohl bie erste Szene ber Rhem- töroter wie „Nibelhemi" burch neue vom Ingenieur Julius Klein erfundene Beleuchtungs-Lpparete eine sz ir.sthe Vollkommenheit erhalten, roie sie fiajer noch auf ituier anderen Bühne geboten werden konnte. Tie 24 Festvorstellungen werden vom 8. August bis 14. September stattfinden Vivat Academia! Romane aus dem UniversttätS^ leben. Band 1. Du mein Jena! Roman von Paul Grabein. Verlag von Rich. Dong. Berlin W. 57. Preis broch. 2 Mk. — Eni wirklicher Genuß diese Lektüre! Mit einem Gefühl des Dankes gegen ben Verfasser legt man ben Danb nieder, nachdem man ihn gelesen. Du mein Jena! Das schöne Lied von „alter Burschenherrlichkett" bringt bem Leser bes Romans durch Herz unb Sinn, es läßt ihn nicht, und voll Spannung erwartet er bas Erscheinen ber weiteren Bände, von denen man nach dieser ersten Probe zu schließen wohl annehmen bars, baß auch sie ihn für schöne, unvergeßliche Stunben ins golbene Land ber Jugend und Phantasie, in bie herrliche Zeit, ba bas Land ber Zukunft für ben Jüngling noch ein Land der goldenen Träume war, hineinttagen werden. Wie sprudelt hier alles von Lebenswahrheit unb Lebensfreu be! Der männlich ernste Helb unb bie Freunde, bie Couleur mit allen ihren Füchsen unb Burschen, bie holden Mägbelein, unb bie prächtigen, ehrlichen Jenenser Philister unb endlich bie ganze schöne Landschaft selber an ber Saale Hellem Strande, bas alte traute Nest, dem der Verfasser, ber allem Anscheine nach hier bie schönsten Jahre feiner Stubienzeit verbracht hak, in biefem ersten Banbe ber neuen Sammlung „Vivat Academia!" ein Denkmal gesetzt hat. — Die Verlagshanblung hat bas Werk hübsch ausgestattet. Tie älteste, jetzt im 72. Jahrgang stehenbe Literaturzeitschrift, das „Magazin für Literatur", erscheint nunmehr in einem vollständig neuen modernen Gewand. Auch ber Inhalt entspricht diesem neuen Gewand, er ist in jeder Hinsicht ben mobernsten Bestrebungen auf dem 'Gebiet ber Literatur unb Kultur geroibmet, wie schon die Aufzählung bet wichtigsten Artikel erweist: „Roosevelt als Erzieher" von Anbreas Franken. „Vom notwen- bigen liebel" (zum Frankfurter Kongreß) von Prof. Sr. Mar Flesch, „Vom mobernen Drama" von August S t r i n b b e r g, „'Bicher Walzer" von W. Freb, „Die Erziehung zur Liebe" von Marie Gerbes. In ber neu eingerichteten Unterhaltiingsbeilage bes Magazins beginnt ber Abbruck bes Aufsehen erregenden unb hochmobernen neuesten Romanes von Ivette Guilbert „Die Halb- Alten", ferner ist Maria Ianitscheck mit einer leibenschaft- burchgiüytcli Skizze „In Schönheit, unb Robert Jafte mit einer psychologischen Erzählung „Tichterseele" Der- treten. Taran schließen sich '^bichte von Wilhelm Sübel, Lili v. Sommer, t.ilu o Strauß-Torney, Carmen Teja, ufro. Interessenten, welche die Zeitschrift noch nicht kennen, erhalten diese Nummer gratis unb franko von ber Geschäftsstelle bes Magazin Verlags in Leipzig-Reudnitz. Schlesien auf dem Fuße gefolgt. Man fagt, daß hinter dem Augenübel des Herzogs von Trachenberg iwch allerlei dunkle Differenzen des Ministeriums Bülow und des Oberpräsidenten in Sachen der Behandlung der schlesifchen Polen versteckt lägen. Ta man dem katholischen Fürstbischof dort gern evangelische prinzliche Kommandeure oder fürstliche Oberpräsidenten gegenüberstellt, so wird der Nachfolger vielleicht wieder ein Manu des höheren Adels sein. Mit dem Sommer hat in deutschen Landen auch die Zeit der Ausstellungen eingesetzt. Als ein machtvolles und stolzes Zeugnis oeutschen Bürgerfleißes, deutschen Gemeinsinns und tätiger Selbstverwaltung steht bie soeben eröffnete deutsche Städteausstellung in Dresden da, in der Hunderte von deutschen Städten uiü) Hunderte von Industriellen zu gegenseitiger Belehrung und Nachacht- ung ausstellten, was die deutschen Selbstverwaltungen in den letzten Jahrzehnten emsig für das geistige und leibliche Wohl der Bürger geschaffen haben. Sie liefert einen erfreulichen Tatbeweis dafür, wie im modernen Staate das freischaffende Bürgertum Anstöße zum kulturellen Fortschritt giebt, der die Nationen in sich festigt und sie aufwärts führt. Volttische Tagesschau. Immatrikulation des Herzogs von Sachsen-Coburg. Bei der Immatrikulation des jungen Herzogs von Sachsen-Coburg-Gotha hat der Rektor der Universität Bonn eine bemerkenswerte "Ansprache gehalten: Er wies auf die großen Rechte hin, die jeder Fürst ererbt, und auf die große Anhänglichkeit des deutschen Volkes an seine Fürstenhäuser als einen Schatz, der nicht nur ererbt, sondern erworben werden müsse, um ihn zu besitzen. Die Zeit, bis die Regierung auf seine jungen Schultern gelegt werde, solle der Herzog zur Vorbereitung auf feinen Beruf benutzen. Der fei herrlich, aber auch schwer, und eine staatsrechtliche Vorbildung sei zu ihm erforderlich. Der Herzog hat seine erste Jugendzeit nicht in Deutschland verlebt; möge er, das Gute der eng- lischen Erziehung in sich bewahren, aber ein d eut- scher Fürst — das müsse er sich selber sagen — könne nur der sein, der deutsch bis ins Innerste sei, deutsch denke und deutsch fühle. In der Schule der deutschen Armee habe der Herzog schon strenge Pflichterfüllung gelernt; jetzt trete er in die eigenartige Schule der deutschen Universität, die Verbindung ernsten Strebens mit heiterer Jugend froh lich keit, ein. Der Rektor sprach die Hoffnung aus, daß der Herzog hier Verständnis für alles Geistige und Achtung vor geistiger Arbeit erwerben möge, und schloß mit dem Wunsche, daß der fürstliche Student auch einst von sich sagen tonne, daß die Universität eine große erzieherische Wirkung ausübe. Wahlaufruf des Bundes der Landwirte. Der Bund der Landwirte hat nunmehr einen sehr langatmigen Wahlaufruf .erlassen, der mehr einer volkswirtschaftlichen Abhandlung als einem Wahlaufrufe gleicht. Es sind dcunn die altbetannten Argumente ausgeführt, die beweisen sollen, daß die Regierung auch jetzt noch die Caprivi- sche Handelspolitik gegen die Interessen der Landwirtschaft weiterzuführen gedenke. Mnigermaßen zusammengesaht werden die praktischen Gedanken des Aufrufs in den Schlußsätzen, worin der gesamte Bauernstand und ebenso der mit ihm Wirtschaftlich verbundene und zusammengehörende"' Bürgerst and aufgefordert werden, diesmal geschlossen bei den Wahlen auf den Plan zu treten. Es heißt darin, alle diejenigen, die entsprechend der Wirtschaftspolitik des Bundes der Landwirte die neuen Handelsverträge einer gleichmäßigen uni) alle berechtigten Forderungen berücksichtigenden Umgestaltung unterzogen und damit eine sichere Grundlage für die wirtschaftliche Weiterentwicklung Deutschlands geschaffen wissen wollen, mögen sich mit dem Bunde zu- sammenschließen. Die Freunde des Bundes der Landwirte würden damit für eine Gesundung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland sorgen und helfen, den einzig erfolgreichen Kampf gegen die Sozialdemokratie, nämlich den Kampf auf wirtichastlichcm Gebiet, siegreich zu beenden. Die Reichsregierung lasse den Bund der Landwirte darin im Stich, umso fester müßte der Zusammenschluß sein zum Heil des Vaterlandes. Aus Htuitt und Kund. Gießen, 25. Mai 1903. — Der Eisenbahn-Verein Gießen hielt am Sam8- kag abend im Felsenkeüer eine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Verkehrs-Inspektor Nordmann, eröffnete und leitete sie. Kaffen-Kontroleur Becker, der die Jahres-Rechnung einer genauen Prüfung unterzogen hatte, stattete ansteüe des inzwischen plötzlich verstorbenen Kassenwarts, Rendanten Helmers, den Rechenschaftsbericht ab. Da niemand Einspruch erhob, wurde dem Kaffenrvart sowie auch dem gesamten Vorstand Entlastung erteilt. Da alljährlich ein Teil der Vorstandsmitglieder ausscheidet, so mußte eine teilweise Neuwahl stattfinden und die wiederwählbaren Mitglieder wurden einstimmig wieder gewählt. Zum Kassenwart wurde der zukünftige neue Stations-Kassen-Rendant, der noch nicht ernannt ist, gewählt. Für den verstorbenen Bahnhofsarbeiter Weller und den Weichensteller Tränkner wurden Stations- gehülfe Rusag und Werkstättenschlosser Bonarius in den Vorstand neu gewählt. Eine längere Debatte entspann sich über die Veranstaltung des Sommerausflugs. Während einerseits für einen Ausflug nach den hiesigen Waldungen eifrig eingetreten wurde, wünschten andere einen Ausflug mit der Eisenbahn nach auswärts. Bei der Abstimmung erklärte sich die Mehrheit für einen Ausflug nach auswärts. Um allen Vereinsmitgliedern cS zu ermöglichen, einen Ausflug mitzumachen, würbe beschlossen, die Ausflüge an zwei auseinander folgenden Sonntagen, und da die Beteiligung sehr stark sein wird, mit je zwei Sonderzügen, auszuführen, lieber den Ort der Ausflüge konnte man sich vorerst nicht einigen; es wurden Bad-Nauheim und Dillenburg in Vorschlag gebracht. Die Wahl des Ortes wurde dem Vorstand überlassen; Dillenburg dürfte am meisten "Aussicht haben. Nach Schluß der Versammlung unterhielten sich die Mitglieder noch eine Weile bei einem guten Glas Bier. •* In der heißen Jahreszeit, der wir jetzt immer näher kommen, sind die SchutzeSmaßregeln gegen Blitzes- gefahr zu erwägen. Sie sind zwar oft genannt worben, doch werden sie vielfach nicht beachtet. Man vermeide alle frei liegenden erhöhten Plätze, stelle sich unter keine hohen oder alleinstehenden Bäume und Buschwerke :c.; man schütze bei Zeiten sein HauS durch eine richtige Blitzableiter-Anlage, um dem Blitz dadurch eine geebnete Bahn zu geben. Ein ast absoluter Schutz gegen die Blitzgefahr für unsere Gebäude ist ein guter Blitzableiter. Jedoch nur der Fachmann kann beurteilen, ob ein solcher allen Anforderungen genügt, die der heutige Stand der Technik verlangt. Deshalb ist e8 nötig, baß jeder Blitzableiter mindestens einmal im Jahre und be- onders zu dieser Jahreszeit geprüft wirb, ob er vor allem eine gut leitende Verbindung mit der Erde hat. Es ist im Interesse eines jeden Hausbesitzers, die Kosten einer sorg- ältigen Prüfung seines Blitzableiters nicht zu scheuen. Er kann dann mit sicherer Ruhe auch den schwersten Gewittern entgegensehen. Braunfels, 24. Mai. Prinz Eitel Friedrich hat durch seinen Adjutanten für die Zeit der Manöver mehrere Zimmer des hiesigen ,SchloßhotelS* mieten lasten. Darmstadt, 24. Mai. Wie von auswärts verlautet, wird der Zar von Kopenhagen im Sommer hierher kommen und sich von hier nach Rom Ende des Sommers begeben. Wiesbaden, 22. Mai. Oberbürgermeister Dr. v. Jbell wurde einstimmig und Bürgermeister Heß mit 44 von 48 Stimmen wiedergewählt. Dem Anträge des Wahlausschusses entsprechend wird das Gehalt des Oberbürgermeisters von 17 000 auf 20 000 Mk., das pensionsfähige von 12 000 auf 15 000 Mk., das Gehalt des Bürgermeisters von 9000 auf 12 000 Mk., der pensionsfähige Teil auf 10 000 Mk. erhöht. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Nassau wollte die 60jährige Schwiegermutter des Likörfabrikanten Gies mit Petroleum Feuer anzünden. Es enstand eine Explosion und die Frau erlitt solche Brandwunden, daß sie trotz rascher Hilfe nach zwei Stunden starb. — Auf der Saal bürg wurden vor einiger Zeit die Grundmauern eines Mithras-Tempels auf- gedeckt; bei den weiteren Aufräumungsarbeiten wurde jetzt auch ein reichverzierter Altarleuchter aus Bronze aufge- ünden. — Auf dem Standesamte zu Mainz wurde dieser Tage das dritte eheliche Kind einer am 3. Mai d. I. von ihrem Manne geschiedenen 18 jährigen Frau in das Geburtsregister eingetragen. Diese kaum dem KindeSalter entwachsene geschiedene Ehefrau gedenkt sich demnächst zum zweiten male zu verehelichen. Vermischtes. • Nürnberg, 23. Mai. Die Anmeldungen zum 10. Deutschen Turnfest haben die Zahl 15 000 bereits über- chritten. Viele Turnvereine haben zum Teil bereits wieber» )vlt Probewettturnen veranstaltet, um den einzelnen Turnern die richtige Selbsterkenntnis zu bringen und sie anzuspornen und weiter zu bilden. An Nichtmitgliedern von Turnvereinen werden Festkarten nicht abgegeben. Solche können sich nur Tages- oder Dauerkarten für den Besuch des Festplatzes bsen. Sie genießen ober auf Grund derselben die mit der Fesckarte verbundenen Vergünstigungen nicht und können insbesondere auch nicht am Jestzug teilnehmen und die hiesigen Sehenswürdigkeiten unentgeltlich besuchen. ZLäder. Karlsbad in der Westentasche" nennt sich ein originell e£ Merkchen. Tas eigentümliche Portemonnaie- Format (Druck der L. V. Enders schen Kunst-Anstalt in Sreutitschein,) nimmt unser Interesse in Anspruch. ,Larls- bad in der Westentasche" enthält alles, dessen der Fremde m der Thermenstadt und ihrer Umgebung bedarf. In praktischer Anordnung wird ihm hier auf mehr denn 400 Seiten ein Nachschlagebuch geboten. Chronik, Statistik, Beschreibung aller Gebäude, Anstalten und Sehenswürdigkeiten, alle Tarife, Tabellen, amtliche Nachrichten, Ausflüge, Fahrpläne, ein Hausschilderverzeichnis, sowie der Promenadenplan machen das Buch zu einem empfehlenswerten Führer. Kunst und Wissenschaft. Rothenburg o. d. T., 22. Mai. (Historisches Festspiel.) Die Aufführung findet am 1. Juni (Pfingstmontag) mit daraus folgendem Festtug und Feldlager statt. Durch Einlegen von Exlrazügen aus Nürnberg und Würzburg, welche abends wieder zurückgehen, ist es den Besuchern ermöglicht, früh abreisen, das Festspiel mit Zug und Feldlager besuchen und nachts wieder zu Hause sein zu können. Unwersitäts-Uachrichtru. In Greifswald feiert der Senior der cheologischen Fakultät, Kirchenhistoriker Konsistorialrat Professor Dr. theoL et phiL Otto Zöckler am 27. Mai seinen 70. Geburtstag. Zöchele ist zu Grün berg in Hessen geboren, ftubierie in Gießen, Erlangen und Berlin (1851—1855) und promovierte 1854 m Gießen zum Dr. pbü. Hier promovierte er 1856 §um Licentlaten der Theologie. Im Jahre 1856 habilitierte er sich m Gießen als Prioat- dozeiit und ivurde hier 1863 Extraordinarius. 1866 ernannte ihn die hiesige Universität zum Ehrendoktor der Theologie. Im Herbst desselben Jahres folgte er einer Berufung als Ordinarius für Kirchengejchichte und Nachfolger Dr. Herrn. Reuters an die Unwer- fität Greifswald. Bon seinen zahlreichen Schriften nennen wir ferne Hauptwerke : „Kritische Geschichte der Askese" (1863), „Hieronymus" (1865). „Geschichte der Beziehungen zwischeii Theologie und Naturwissenschaften", 2 Bde. (1877—79), „Handbuch der theologischen Wissenschaften-, (3. Aust, in 4 Bänden, 1899/1900). D i c ersten Abiturienten an den Thierärztlichen Hochschulen. In diesem Sommerhalbjahr sind nach deii neue» Bestimmungen an den Tierärztlichen Hochschulen nur Studierende neu immatrikuliert worden, die das Reifezeugnis besitzen. In Berlin sind es 16 Zivilsmdierende des er,len Semesters; die Zahl ist erheblich geringer als früher, wo der Durchschnitt etwa 40 betrug. Tie Gesamtzahl der Studierenden ist 488, darunter sind 113 von der Militärroßarzischule. In Dresden find 14, in Stuttgart 6 Smdierende immatrikuliert worben. In München giebt es im Sommer kein erstes Semester. Aus Hannover (7 ?) sind die genauen Zahlen noch nicht belanm. Sport. — Raven st ei n's Radfahrer- und Automobil- f ar ic der Umgegend Gießen-W etzlar-Marburg ist als Sonderausgabe der offiziellen Wcgekarte des beutfeheu Rad sahrerbundes erschienen. Sie reicht von Aschaffenburg-Mann tm Süden, bis oberhalb Göttingen im Norden; von Eifeuach-Äem- ingen ;m Osten bis Eoblenz im Westen. Auf einer Karte ocremigt ist also ein großes Gebiet dargestellt, das felbft bei febr ausgedehnten Fahrten den meisten Fahrern genügen dürfte. Unter Zugrundelegung des bekannten Liebe»ww'schen Kartenwerkes gibt diese Karte in leichtem Stemstiche Schicht, Orte, Bahne», Straßen, Wege, Hohenzahlcn, Flüsse u. s. w. i» Schwarz, Gebirge m braunen Schrägen, Wald in Grün, politische Abgrenzungen in zarte» Tönen. Dem besonderen Zwecke entsprechend bietet die Bearbeitung der Straßen in Rot alles, was den Rad- und Motoriahrrr trUeregieren kann: Deutliche Unterscheidung der Straßen nach Bedeutung und Güte; Entfernungsangaben bis auf 1 10 km genau, Steigungen, gefährliche Stellen. Dadurch, daß auch alle abseits der Hauptstraßen gelegenen Orte mit Zusahrtstraßen in der Karte enthalten find, können selbst die abgelegensten Plätze besucht werden. Tie Karte ist in allen Buchhandlungen sowie bei Ludwig Raven- stein's Verlag Frankfurt a. M. zu haben und kostet ausgezogen in Taschenformat Alk. 3.—. Versailles, 24. Mai. Heute morgen 3.30 fuhr der erste Rennwagen der Automobil wettfahrt Paris -Madrid ab. Er gehört Herrn Jarroth. Tie übrigen Wagen folgten sich mtt einer Minute Zwischenzeit. Im Ganzen nehmen 314 Wagen an der Wettfahrt teil. Tie Stadt ist seit gestern abend mit Neugierigen angefüllt, welche die ganze Nacht auf den Rennwagen verbrachten. Tie spanische Gesellschaft vom Roten Kreuz hat iimiassende Maßregel» getroffen, um bei Unfällen hilfreich eiligreifen zu können. Es sind 36 Sanitatsposten aufgestellt mit einem Personal von insgesamt 400 Mann; jeder Posten umfaßt 8 Krankenträger und zwei Radfahrer. Tie erste Etappe war Paris—Bordeaux nut 500 Kilometern, die zweite Bordeaux—Victoria mit 100 Kilometern nach Spanien hinein und die dritte Victoria—Madrid nut 400 Kilometer». Unter den Wettfahrern befindet sich auch eine Tarne. Wie ein Telegramm aus Chartres meldet, sind die ersten Automobile um 4 Uhr 14 Minute» durchgekommen. Re»ault, cm Bruder bc« Siegers der Fahrt Paris—Wien, der als dritter abgefahren war, Hatte Jarroth überholt. Ter an der Wettfahrt beteiligte Lorraine Barow prellte in der Nähe von Libourne gegen einen Baum. Ter Mechaniker wurde getötet, Barow schwer verletzt. Es verlautet, daß sich bei AngoulLme gleichfalls ein schwerer Umall ereignet Hai. Tie beiden Heizer eines Automobils sollen schwer verletzt, zw e i andere getötet worden fein. Bei Bouneoal stürzte ein Automobil beim Passieren eines Eisenbahnüberganges um. Tas Automobil fing Feuer. Ter Chauffeur starb infolge Brandwunden. Ein anderes Automobil überfuhr bei Ablis eine Frau, die sofort t o t war. Landwirtschaft. Bi»dapeft, 24. Mai. Nach dem S aa t ensta n ds b e richt des Ackerbauministeriums vom 20. ds. zeigen die Saaten seit dem letzten Bericht wenig Veränderung. Tie Frühjaateii von Winter- weizen stehen befriedigend bis gut. Spätsaaten kaum befriedigend. Roggen wurde durch die Fröste, die nach Mitte Mai eintraten, geschädigt itnd steht kaum befriedigend. Die mit Winter- und Sommergerste bestellten Felder zeigen eine^ gesunde grüne Farbe und dürften gute Qualitäten liefern. Ihr Stand ist gut. Hafer ist befriedigend. Tie Zuckerrübe entwickelt sich im allgemeinen gut, das erste Behaueu ist ,m Zuge. Raps steht schwach. Tte Maispslanze gedeiht üppig. Ter Weinstock steht gut. Für das übrige Obst finl die Aussichten schwach. Eisenbahn Zeitung. — Am 28. Mai wird an der Bahnlinie Gießen-Kob- lenz zwischen Ems und Nassau die neuerbaute Station Dausenau eröffnet. Handel und Verkehr. Kalkswittschast. Hamburg, 22. Mai. Tie Zwischendeckpreije auf den nordatlantischen Linien sind teilweise erhöht worden. Infolgedessen kostet die Fahrt gegenwärtig im Zwischendeck nach Newyork mit dem Schnelldampfer 170 Mk. uno mit dem Post- dampfer 160 Mk. Die Zwischendeckraten haben feit langer Zeit nicht die jetzt erreichte Hohe auigeroiefen. — Ldcuwäldcr Hartstciniudustrtcgescllfchafl. Der Aus- sichtsrat beschloß, eine Dividende von 4 */, pCt., gegen 4 pEt. im Vorjahre, in Vorschlag zu bringen. Die Gesellschaft beabsichtigt die Ausgabe weiterer Obligationen oder junger Aktien im Betrage von 300 000-400 000 Mk. — Türkische Tabaks-Regie-Gesellschaft. Die Einnahmen betrugen im April 1903 Ps. 19 900 000 gegen Ps. 17 700 000 in der gleichen Periode des Vorjahres. Gingesandt. (Für Form und Inhalt uuul uma Dieser Rubrik stehenden Artikel Übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Tie Anwohner der Stephan st raße erfreuen sich, seitdem der freie Platz zwischen der Kepler- und Bismarckstraße durch Enteignung als Eigentum an die Stadt Gießen übergegangcii ist, hauptsächlich an Sonn- und Feierlaaen eines schönen Anblicks durch die dort auigefahreiien zahlreichen Lastwagen, die mit dem Neubau der Universitätsbibliothek wohl nichts zu tun haben dürste». Ter Platz ist auch in seinem gegenwärtigen Zustande durch die dort lagernden Schutt- und Strohhausen, sowie durch die aufgeschichteten Baumaterialien keine Zierde für diesen Stadtteil. Unsere städtische Behörde müßte doch darauf sehen schon im Interesse der nahegelegenen Universität, daß derartige öffentliche Plätze in einem annähernd geordnete» Zustande sich behüben und der Anblick der dort Sonntags ausgefahrenen Lasttvagen sowohl den Bewohner» jener Gegend als auch Fremden erspart wurde. X. Y. Hchiffsnachrichtcn. Red Star Linie. Ter Postdampfer »Switzerland* der Red Star Linie in Antwerpen ist laut Telegramm am 19. Mai wohlbehalten in Philadelphia angekommen. In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz. Norddeutscher Lloyd. Bremen,20. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) De. Doppelschratiben - Postdampfer ,BreSlau*, Kapitän H. Feyen vom Norddeutschen Lloyd in Breme», ist gesterii 2 Uhr nachm. wohlbehalten in Baltimore angekommen. Bremen, 21. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Ter Topvelschrauben-Lchnellpostdampfer Kaiser Wilhelm 1L", Kapt. D. Hogemann vorn Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 11 Uhr vormitt. wohlbehalten in Newyork angekommen. WchkvMk Hfbrrlidjliirr (lobrstälir in öct Stabt 6i^tn. 20. Woche. Vom 10. bis 16. Mai 1903. (Einwohiier^ahl: angenommen zu 26 900 (mkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 19,32, nach Abzug von 6 Ortsfremden: 7,78 °/co. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.-15. Jahr Diphteritis KD — — I >1, Diarrhoe 1 — — 1 Neubilbung 2(1) 2(1) — — Peritonitis Kl) 1 (1) — — Bronchitis 1 (1) 1 1) — — Diabetes KD 1(1) —— — Pleuritis 1 1 — — Wassersucht KD Kl) — Krämpfen 1 — 1 — Summa : 10 (6) 7(5) — 3(1) Anne.: Tic in Klammem gesetzte» Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle m der betreffenben Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke komme». QvIUwIIwIUIICm»» vertane* Mwter. Eltec & Keussen, Handlung Krefeld. Gießen-Kob- Station 2 auienau ismrtschlist. eckpreije auf den e erhöht worden, n Zwischendeck nach und mit dem Post- >en feit langer Zeit -llschast. 2er Aul- A., gegen 4 pLt. im cbast beabjichtigt die llttien im betrage ; Die Einnahmen , ^§.11100 000 in :r Rubrik stehenden Publikum gegenüber Er -e beju^tnt. ‘Ä "S°!> «tiS s°»-°d-ZL 130nal von INS.' ltra9cr und Vut 600 £ ^Metern nach bpim't 400 «ich. Alne Tame. Die .Stuber des ^vbse'ahren 1DQv tnft ^rtQll|e wienern Ter L^v-rimue i bQ[- iroei ttwjte tin^ul0. ? U1£ Tas Brandwunden : '6rau, die fofort nstandsberich» ,e Maaten [eit den, raten von Dimer- kaum beiriedigend. - Mai einttaten, ge-' Winter- und Lom- ' griine Farbe und gut. Haier ist de- llgemeincn gut, dos '• Tie Maispstanze 15 übrige Obst lint erfreuen sich, seitdem larckstraße durch Ent 'N übergeaaugcn IN. schönen AnbliMurch die mit dem Neubau ; haben duriten. .stände durch die don rchdieauigeschichtettn S.SS SB-« ben Sm*1® , viel .eben an, nad) ohlbehaltrn m L, Kirchenplatz- chen Telegraph fiap,Tu^r" nachn'- estern 2 um Stapt vo>n , im 2-l5-^ ebensjahr- -- pjj veivet5’ tg> Ö -3 s »b S § 9 o LL s <9 5$ « L ÖJQ B9 4K GS 8 ’S O 10 --S D SN 5 2 S acoti) C9 » es C **~«ft •— G § -*-* 0$, — CU ü 'S 2" 2« r- E 3 3 6r L 3 D o K G s CO 3 3 E 3 'S' :O *— rj E 3 c6l S3 3 s-KKs £ E = % gs aß e: H=Ä EL£ Ä 7 (9 CM CM *E <9 s B? 3 •G - € s# N CM E 3 e 5 e 0 i s ■E 43 (9 «s» - CD eS’ L & «>e G .2*^ L 3 P £ fC 5 £ 2 =. = e Ml Z E >- c 3 - 5 r ” a E’tJS E« ex. 2 HD ° e & = P 2 es -E . Se s C7.2J 2 JO _t- , ■ « ^5= «C = 5 e« S|8S 5 'X'ä S >- «3 §D 3 •e* § 11? g » © = V «b 3 'S 3 S P 3 .E an a 3 'S» 3 = Ec. S Zs Ezj^Z 1-» c- ,3- <* 3 *-xQ LZ 3 5- W «' 3 C S> i?e Z.-V. c r O UZ 13 E3.Ä »LZ § J E « °2 »iiis K'Z^ZLZ». a»*6 * N S 2 2 = E ■- u 3 Sfflc 2 ES 3^. E€ « tr 'S 43^3 ZJ-'E' O certFä 3 3 m— h 43 ~S "Z E 2 2tE s>& 2 2 €5 V 2 0 3 C o ||§ o 2" E w 3 CO o 43 © S lS) o -2 2 3<9’S tJ S 3 7ZoZ o *E - 3 Z 3 3 ■- s u 5 ««- §2 S 2s SS a — ä e 3 -31 jQ E :2 of. ges. [02504 Earl Stückrath, Aiobeliabnk. PMsviimc bin ^tyrllllg ßC|üd)L | Lackierer Vogel, Tammsrrni.e 8. snnbetcs, tiilhligcsÄnoHcn für Haushalt ganz oder tagsüber gesucht. [02551] Neuen Baile V. 02537] Zuverläss. Krau oder Mädchen von 7—9 Uhr morgens gesucht. Bismarckstraße 26. 4243] Eine Weckfrau gesucht.________Hosdäcker Noll. 02541] Zuoerl. btiudermadcheu sofort gesucht. Marklstraße 27. 02542] Brav., lucht, wtadcheu sofort gesucht Sten»str. 10, 1 . 4241] Zg., reinl. Laufmädchen oder Frau zu 2 Tarnen alsbald gesucht. Franksurlerslraße 9, 11L Lehrmädchen aus guter Familie wird für ein hies. flottes Putz-, Woll- u. Weiß- waren-Eeschäsl per bald gesucht. Vergütung soson. O[fetten um. 9tr. 4245 an die Erped. d. Bl. ^mmiidjen £Ure L __Wilhclmstraße 21. 02502] Braves, zuverlässiges Mouatsmädchcu alsbald gesucht. Llebigslraße 88, 1 Treppe. 02517] tzlartcn - Arbeiterin oder Arbeiter aus mehrere Tage im Monat sofort gesucht. ___________Hosmannflraße 9. 02481] Dienstmädchen bei gutem Lohn sofort gesucht. Näh. Löber- straße 5 bei Fraii A. Müller. Ärnnes, WM Mögen nur für Hausarbeit, sofort gesucht. Kran Ernwt Bloedner, 3926]_______Blockstraße 2,_______ Tüchtiges ßlädchen welches gut lochen kann u. Hausarbeit versteht, aus I. Juli gesucht. 02469] Südanlage 14, part. StrllfMMW Wuchtiger Laudtvirt, Dice Wachtmeister der Reserve- Artillerie, sucht Stellung auf einem Gute oder sonstigen Vertrauensposten. Offerten nnler Nr. 02550 an die Exped. d. Bl. Zuverlässiger Man» gesetzten V Alters sucht zum L Juli er. Stellung als Lagerist und Expedient in einer hiesigen Zigarren- Kabrik. 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