Mittwoch, 25. Februar 1903 frMiftwt flgfi<6 mW M GomWag«. Di .flegen Kamil iendlSNer" werden dem Au-eiger v erma wöchentlich beigelegt. Der „hesstfche tanbBrtr*** erscheint monatlich einmal. Eichener Anzeiger 153. Jahrg. fUmnfn'crff'ii B, den efla#wt#*new loRt 1* ttttlte; tüt den flnaf'Qtninl C 8• C Rotationsdruck und Vertag M Vrs h '»^e» UnwerWtätsdruckete« iB'eisch General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen. Parlanicutarischc Perhandlniisic». Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 266. Sitzung vom 24. Februar. 1 Uhr. Bei Beginn der Sitzung sind 10 Abgeordnete anwesend. Am BundesrathStisch: Graf Posadowskh u. A. Die zweite Bcratbung des Etat- des Neichsamts des Innern tottb beim Rapud „ReichS-Gesundhcitsamt" fortgesetzt. Hierzu liegen vor: Die Resolutionen Sachse (Loz.) betretend Maßnahmen gegen die Wurmkrankhcit und Baumann (Ctt.) betreffend einheitliche Kontrole für den Verkehr mit Nahrungs- und Genußmitteln und Anstellung besonderer Beamten hierfür im Hinblick auf die Nothwcndigkeit einer besseren famtrole für Weine. Abg. Paasche (nat.-lrb.) spricht über die Maßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche. Die allzu strengen Spenrnaß.cg.ln schaden oft mehr als sie nützen. Ans meinem eigenen Wahlkreis, dem armen HunSrück, sind oft Klagen darüber zu mir gelangt. — Seü % Jahren beinahe sind dort die Markte gesperrt, worunter die Bevöltcrung zu leiden hat. Die Maul- und Klauenseuche ist aber dort bereits so gut wie erlofchen. Ich möchte vor Allem den Wunsch ausdrücken, daß bei diesen Sperrmaßregcln den wirth- schaftlichen Verhältnissen der Gegend doch mehr Rechnung getragen werde. Ein Bezirk, wie der des Hunsrück, kann eine Unterbindung der Märkte nicht ertragen. Es ist dringend nothwendig, daß eine Revision der Maßregeln betr. die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche, baldigst in Angriff genommen wird. WaS nutzt der Schutz gegen die Seuche, wenn dem armen Bauer dadurch Lasten auferlegt werden, die zu tragen er nicht fähig ist? Roch ein anderer Wunsch: Der deutsche Landwirthschastsrath 4at auch über den Milzbrand und ferne Bekämpfung verhandelt und ermittelt, daß der Milzbrand auch für Leben und Gesundheit der Menschen gefährlich werden kann, selbst wenn es sich nur um den Verkehr mit Häuten und Fellen handelt. Ich bitte das ReichS- gcsundheitSaml, dieser Sache besondere Beachtung zu schenken, Untersuchungen anstellen zu lassen und event. die nöhjigcn Maßregeln zu treffen. Abg. Dr. Südekum. Meme Freunde haben schon seit Jahren auf d»e Gefahren des Milzbrandes für die in der Haar, und Lederindustrie beschäfrigtcn Arbeiter aufmerksam gemacht. CS ist ja manches zur Bekämpfung derselben bereits geschehen. Doch liegen 6tc Verhältnisse do noch sehr im Argen. ES ist bedauerlich, daß die Reichsregierung sich nicht zu einem energischen Schritt entschließen kann und nicht einfach anordnet, daß daS gesammte in- und ausländische Material einer Desinfektion unterworfen werden soll. Welche Gefahren die Milzbrandinfektion für die Arbeiter mit sich bringt, erläutert Redner an zahlreichen Beispielen. Namentlich tn Pinsel- und Dürstenfabriken kommen geradezu grauenhafte Fälle der Krankheit vor. Die Bestrafungen der Fabrikanten, die gegen die bestehenden Vorschriften verstoßen, sind oft nur minimal. Ein Fabrikant, in dessen Fabrik viele Krankheitsfälle vorkamen, wurde nur zu 10 Mork Geldstrafe oerurtheilt. Kein Wunder, daß da die Gewissenhaft.gkeit der Fabrikanten nicht groß ist. Energisch verlangen müssen wir, daß auch das inländische Material desinfizirt wird, hier, wo es sich um Menschenleben handelt, können die Kosten keine Rolle smelen. Abg. Wehl (nat.-lib.j: Ich rede zum ersten Mal als junger Abgeordneter hier, da werden Sie wohl nicht ein Glaubcnsbekennt- niß als Abgeordneter von mir verlangen. Ich will keine Sonder- inicrciicn hier zur Sprache bringen, denn ich meine, die Pflicht des Abgeordneten ist es, die Interessen der Gesammtheit zu vertreten. Der Vorredner ist im Unrecht, wenn er den Unternehmern Lässigkeiten vorwirft. Namentlich seitens der Gerbereiindustrie wird die MÜzbrand-Gesahr nicht unterschätzt, ich stehe seit 37 Jahren in der Gerb-Industrie und kenne die Verhältnisse genau. Redner schildert eingehend die verschiedenen Methoden und Maßnahmen, die zur Bekämpfung der Milzbrandkrankhert getroffen sind. Eine Desinfektion in der Gerberei ist nicht durchführbar. Außerdem möchte ich darum bitten, im Interesse der Weißgerberei, die schon durch den drohenden hohen Quebraazo-Zoll des neuen Zolltarifs schwer bedrängt ist, bei einer Revision der BunöesrathS-Verordnung recht vorsichtig zu sein. (QJeifaü.) Abg. Hoftmann-Hall ssudd. Volksp., schwer verständlich), stimmt dem Abg. Süuelum u. Man könne bei dem Milzbrand gar nicht vorsichtig genug fein da diese Seuche kein lebendes Wesen verschone. Tie Ansteckungsgefahr sei so intensiv, iric kaum bet einer anderen Krankheit. In der Bekämpfung der Maul.^und Klauen, seuche habe man mit dem neuen Reichsgesetz einen Fortschritt gemacht. Tenn diese Seuche habe in der letzten Zeit einen so bedrohlichen Charakter angenommen, wie man ihn früher gar nicht iannte. Strenge Maßnahmen seien daher durchaus nothivendig gewesen. Die Besitzer müßten — wie dies auch jetzt vielfach geschehe — mit den Behörden und den Thierärzten Hand in Hand gehen. Andererseits dürfe man ihnen keine zu hohen Kosten auferlegen, da sie schon ohnehin durch die Seuche geschädigt seien. Tic Gesammt- heit, in deren Interesse die Bekämpfung liege, habe den kleinen Besitzer, der ein Cpfer bringe, voll zu entschädigen. Staatssekretär Graf Posadovvky: Was die Maul- und Klauenseuche l-ctrifft, jo ist es klar, daß vet der Bekämpfung derselben außerordentlich |d)iucv* Opfer dem Einzelnen auferlegt werden. J.>de,ien: in den Zahlen über die Abnahme der Erlran.ungen Liegt der beite Beweis dafür, wie segensreich für die Landwirrhschaft im Ganzen diese strengen Maßregeln gewirkt haben. Gerade im Bezirk des Hunsrück waren die Marktveroolc unbedingt nothwendig. Line zeüwcilige Aufhebung derselben hat die Seuchenzahl sofort '.rhöhl. Jetzt ist die Gefahr bereits so weit herabgemindert, daß Lrleichterungen der Sperrmaßregeln angeordnet werden kotinten. Line wesentliche Milderung derselben wird ilidessen insgesammt kaum möglich sein. Wir sind im Begriff, eine Novelle zum Vieh strichen- gcsbtz auszuarbeften, und werden dann alle einschlägig«.!! tilgen aufs Neue und Eingehendste prüfen. Ich bitte indeß, auf die größere Milde bei den Maßregeln keine zu große Hoffnungen zu setzen. Das Gesammtinteresse muß dem der Einzelnen vorangehen. Was die Milzbrandbekämpfung betrifft, so ist bereits Manches in dieser Richtung geschehen. Die Frage hängt auf» Engste zusammen mit der der Verseuchung der Flußläufc. Und diese wiederum wird einer Losung entgegengesuhrt durch ein jetzt schwebendes Streilverfahren zwischen Hohenzollern und Würtemberg wegen der Verunreinigung des MaieslusteS, dessen Ende abzuwarten ist. Was die verlangten TesinfektionSmaßregeln betrifft, so sind solche gegenüber dem Auslande bereits angeordnet. Von der Ausdehnung des Dcs- infektionszwangeS auf inländische Haare ist bis fetzt abgesehen worden, weil dis jetzt keine Infektion durch solche hat nachgewiesen werden können. Wenn verlangt worden ist, daß generell die Desinfektion durch strömenden Dampf angeordnet werden soll, so ist zu bemerken, daß letztere nur in großen Fabriken durchführbar ist. UebrigenS ist nachgewiesen, daß daS Kochen der Haare gleich wirksam ist. Man darf hier nur schrittweise vorgehen. Drakonische Maßregeln würden geradezu eine Katastrophe tn einer Masse von Kleinbetrieben Hervorrufen, was wir doch nicht verantworten konnten. Präsident Gras Ballesttem: Wir kommen nunmehr zum Essig. (Heiterkeit.) Abg. Münch-Ferber (nctt.-lib.) verlangt, daß die konzentrirte Essigsäure den Verkaufsbeschränkungen von Gift unterliegen solle. Er fuhrt eine Anzahl von Vergiftungfällen an, die durch d.n jetzig n sorglosen Verkehr mit Essig hervorgerusen oder möglich geworden sind. Medizinische Autoritäten hätten sich auch für jene Forderung ausgesprochen. Tas letzte Jahr allein habe 14 Todes, äll; gebracht. Man könne ja sagen: „Dafür kann der Essig nicht." Das sei richtig. Aber man bedenke: wenn ein Dienstmädchen einen Lied s- kummer oder anderen Kummer habe, so trinke eS ein'ach eine Flasche Essigsäure au8 und gebe nach einer Stunde ihren Geist auf. Derartiges müsse man verhindern. Hier sei ein Eingreifen der Regierung, zum Mindesten vorläufig eine Polizeimaßregel, nothwendig. Staatssekretär Graf Posaöowsty theilt mit, daß ein; allgemeine Regelung der Frage in Aussicht genommen sei und daß man diese vorläufig nicht durch eine einzelne Polizeimahregel prajubijiren lassen wolle. Abg. Baumann (Ctr.) begründet die von ihm eingebrachte Resolution und weist darauf hin, daß gegen die Verfälschung d.s WeinS eine strenge Ucberwachung der getragenen Maßregeln durch cigeni hierzu bestellte Beamte tm Jntereste der Ge,undheit der Konsumenten wie des Betriebs deS ehrlichen Weinbauern mw.dingt nothwendig sei. Die Kontrole dürfe sich aber nicht nur auf die Produzenten erstrecken, sondern müsse das ganze Reich und na.ncnt- lich die Händler in den Städten umfaßen, die die unerhörteste Weinpantscherei treiben. In den Schaufenstern in Berlin sa^e man Flaschen mit Wein zum Preise von 35 Pfg., 40 P g., 4ö Pfg. ausgestellt. Darm könne doch auch nicht eine Spur von Wein enthalten fein. ES sei die höch,te Zeit, daß da endlich eingeschritten werde. Abg. Fitz (nat.elib.): Wir haben beim Wein eine lieber Produktion, freilich nicht an Traubensaft, sondern an Zuckerwasser. Diesem Umstaiid haben wir die traurige Lage unseres Weinbaus zu verdanken. Wir müssen der Produttion von Kunstweinen einen Riegel vorschieben, dann aber auch den Konsum des Weins dadurch steigern, daß wir die Qualität deS WemS verbessern. Eine scharfe Konrrole ist hier nothwendig. Es ist da Manches besser geworden, so in der Pfalz. Die pfälzischen Weine haben jetzt nur noch mit Unrecht unter ihrem früheren schlechten Ruf zu leiden. Ich protestire 1 gegen diese üble Nachrede, vor Allem von Seiten Elsaß-Lothringens, das gar keinen Anlaß hat, noch über Andere zu reden. Ich schließe mich meinem Kollegen Baumann an und bitte die Regierung, für eine einheitliche Kontrole Sorge zu tragen. In Sonderheit würde ich ein Verbot der Hcrbstzuckerung warm befürworten. Man darf über die Interessen des Auslandes nicht die Interessen unserer heimischen Winzer vergessen. Ich bitte die Regierung, bei den Vertrags- Verhandlungen diesen Gciichtspunkt nicht außer Acht zu lassen. Abg. Schüler (Gtr.j verlangt einen energischen Schutz gegen die Weinschmiererei. Der Schnittwein mußte ennveder ganz verboten werden, oder man müßte höhere Zölle auf Wein festsetzen. (Wider- spruch bei den Sozialdemokraten.) Auch müßte man einen strengen Deklarationszwang einführen, und zwar nur im Interesse der Konsumenten, die jetzt etwas ganz Anderes bekämen, als sie haben wollten. Das Weingesetz ginge nicht weit genug. Abg. Dcinhard fnat.-iib.): Das Weingesetz hat da, wo e5 ausgeführt ist, doch recht gut gewirkt. Bei uns in der Pfalz unterliegt es keinem Zweifel, daß die gröbsten Auswüchse der Weinversälschung unterbunden sind. Wir haben Hunderte von Kellern untersuchen müssen, und dadurch ist Wandel geschaffen worden. Manches bleibt indessen noch zu thun. Namentlich gegen gewisse Sorten von Weinen, die aus Rosinen hergestellt werden, sowie gegen manche ausländischen Weine bedarf es noch ergänzender Maßregeln. Direkt nothwendig ist, daß die Kontrole sich nicht nur auf den Fabrikanten erstreckt. Auch die Händler müssen scharf bewacht werden. Im größten deutschen Staat, in Preußen, ist aber bi6 jetzt zur Ausführung des Gesetzes noch gar nichts geschehen. Die Kellerkontrole darf nicht Polizeiorganen überlasten bkiben, sondern muß in den Händen von Sachvcr händigen liegen. Gegen die ausländischen Ex- traittoeine kann auch in der Weise borge gangen werden, daß man beim Abschluß der Handelsverträge besondere Bestimmungen über dieselben trifft. Ich wurde mich sehr freuen, wenn der Vertreter des Reichskanzlers hierüber eine Erklärung abgeben wollte. Abg. Dr. yianfcnljorn (nat.Uib.J: Es i,i rich.ig, daß in Baiern zuerst mit der Ausführung des Weingcsetzes vorgegan^.n ist, aocr in einer Weise, die dem Zweck nicht dienlich war. - :c Koturole ist den Bürgermeistereien überwiesen worden, in deren Händen dort die Nahrungsmittelkontrole iiberhaupt liegt. Doch ist wenigstens in der Psalz ipäter die Kontrole durch Sachverftandige eingcsuhrt worden. In Preußen ist in der Thai am adcnucnig i^n geschehen, so daß die Verhältnisse dort eigentlich so lieg.n, wie vor Erlaß des Gesetzes. Diese Unoleichmäßigleu läßt eine reichsgesevlicue Regelung der Kontrole wünschenswerth erscheinen. Gerade in den großen Städten ist die Kontrole am allernothwendigslen. Sehr Ichädlich dem deutschen Weinbau ist die rnajsenbafte Einfuhr der Weintrauben aus dem Ausland. Besonders leiden E^aß-Loth- ringen und die Pfalz darunter. Es gicbt dort Distrikte, in denen in Folge der billigen ausländischen -riaubcn die heimischen unverkäuflich sind. Bei den tommenden Handelsverträgen inanen unbedingt Vorkehrungen getrosien werden, damit die iUerguii.iigungcn, die die ausländischen Trauben genug«.u, beseitigt werden und die Traubeneinfuhr nach Maßgabe der W.iiicinsui-r gcaaltet wird. Aehnlicl-cs gilt von den aus.änbifajcii rothen Vcrschnn.weinen. Die Hauptsache ist, daß eine scharfe, einheitliche Kontrole jur das ganze deutsche Reich cingefuhr: wird. Wenn Sie daher Den deutschen Weinbau schützen woben, jo nehmen Sie die Resolution an. Die Regierung wird uns dann hoffentlich bald ein Gesetz vorlcgen. lBeisall.j Geheimrath v. Schicker theikt mit, wie die Kontrole in Würtemberg gehandhabt wird. Das ganze Land ist in sieben Bezirke ein* getheilt, an deren Spitze cm besonoerer Beamter gestellt wird. Die Kontrole selbst wird bon Sachverständigen ausgefuhrt. Geheimrath Halley theilt mit, wie die Kontrole in Elsaß-Loth» ringen gehandhabt wird. DaS Weingcsetz werde dort vollkommen sinngemäß durchgeführt. Tie Kontrole erfolge nut besonderer Strenge. Es könne schwerlich noch mehr geschehen, alS bisher. Abg. Taobach (ütr.) tadelt, daß cS noch an vielen Orten an einer ausreichenden Kontrole fehle. Die Vermehrung deS WeinS durch Wasser werde noch m weitem Umfange getrieben. Winzer nnd Händler mühten angehalrcn werden, ein genau geführtes Buch über Ein- und Ausgänge den Konrroleuren vorzulegen, nur so könne eine wirksame Kontrole durchgcfuhrt werden. Eine Kontrole toste zwar Geld, aber wenn man Geld habe, um in menschenleeren Gegenden Afrikas Bahnen zu bauen, müße man auch Geld für eine einheitliche Weinkontrole haben. Sonst müßte man die ajrikanischen Bahnprojektc so lange zurückstellen, bis eine genügende Kontrole durchgcführt sei. Staatssekretär Graf Posadowvky: Der Vorredner hat die Frage der Weinkontr-le mit der der ostafr-kamschen Bahnen vertnüpft. (Weiterleit.) Ich glaube, wenn unsere Bahnen warten müßten, bis in Deui,chland gar kein schlechter Wein mehr verschäntt wird, so müßten sie doch etwa» zu lange warten. (Heiterkeit.! Ich kann nich ?ngeben, daß das neue Weingesez so geringe Wirkungen gezeitig. hat. Im Gegentheil, die Fachp^e se hat mehrfach anerkannt, daß die We-.iverfalschnng unter der Herrschaft dcS ; neuen Gesetzes sehr zurückgegangen ist. Auf die Fragen, die auf ! handelspolitischem Aemet liegen, kann ich hier nicht cn.gehen. Sie gehören auch nicht zum Kapitel ReichsgesundheitSamt. Für eine 1 einheitliche Gestaltung der Kontrole bin auch ich. Sie können versichert fein, daß ich für den Wein, der bloS im Keller wächst und keine ReblauSgefaqr zu fürchten hat, keine Sympathien habe. (Heiterkeit.) Auch ich glaube, daß die Polizeiorgane nicht geeignet find, ine Weinkontrole, wie die Nahrungsmift lkontrole überhaupt, auS^uführcn. Tie Verbündeten Regierungen find auch bereit, die in der Resolution gemachten Vorschläge in kommissarischen Verhandlungen zu erörtern. Indessen sind jetzt bereits die schwersten Bedenken gegen dieselben geäußert worden. Daß extra Reichsbeamte für die iüntrole angestellt werden, halte ich für ausgeschlossen. Die Sacke läßt sich nur so machen, daß die Kon.role durch ein allgemeines Rcichsgesetz geregelt wird, dessen Ausführungen den einzelnen Bundesstaaten überlassen wird. Daher meine ich: die Herren würden besser daran thuii, ihre Wünsche in den Einzel- land.agen zur Sprache zu bringen, und namentlich im preu ischen Landtag die sachverständigen Erörterungen vorzut.agen, die sie hier vorgetragen hoben. Ich kann fa doch nichts machen, wenn ich nicht die Mehrheit der Bundesregierungen hinter mir habe. Aba. Dr. Gröger (freif. Vp.) spricht sich gegen einen höheren Zoll auf Wein und Trauben au«. Dadurch würde man nur der Weinpantscherei Vorschub leisten. Dem Wunsche deS Staatssekretäre, die Sache in den Einzel land tagen zur Sprache zu bringen, werde Rechnung getragen werden. Eine Kontrole habe nur bann einen Zweck, wenn sie einheitlich für das ganze Reich eingeführt werde. Abg. Lucke (Bund der Landwirthe) fordert auch eine strenge, einheitliche Kontrole für das ganze Reich. Sonst werde der Handel sich dorthin ziehen, wo es keine iiontrole gebe, und Wein nach Art des „Stettiner Rothweins" wurde vielleicht in Lissa und Rawirsch fahrt» zirt werden. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Wallenborn (Etr.) und Fitze snat.-lib.) v e r t a g t sich das Haus. Auf Anregung des Abg. Paasche (nat.-lib.) erklärt Präsident Gras Lalle!«rem, daß die erste Lesung der Kranken- vcrsichcrungSnovelle unmittelbar nach Abschluß der 2. Derathung deS Etats des Reichsamt- des Innern auf die Tagesordnung kommen werde. Auf Anfrage deS Abg. Müller- Sagau (freif. Volksp.) bemerkt Präsident Graf Vallestrem, daß auch er den Wunsch habe, die Berichte Der Wahl^rüsungskommimon, die Ungiftigkeit der Wahl beantragen, baldm ^liehst auf die Tagesordnung zu setzen; er gebe aber zu bedenken, öuß bet der gegenwärtigen Besetzung des HauseS an eine vollständige Erledigung einer dieser Wahlprusungen doch nicht zu denken sei. Bemerken wolle er noch, daß er eS für seine Pflicht als Präsident halte, dafür zu sorgen, daß der Etat bis zum 1. April erledigt sei. Es sei b.s jetzt noch nie vorgekommen, daß der Etat im Reichstage nick: zur u.- icn Zett fertig gestellt fei. wolle das den Abgeorducicn b . gcnd ans Herz legen. Nächste Sitzung: T o n n e r ü a j 1 Uhr. (Fortsetzung der -wer. ;.n Bera.hung des ichsamtS des Innern.) Schluß 6% Uhr. Parlamentarisches. Berlin, 24. Febr. Reichstags-Präsident Graf Ballestrem ist von seiner Erkältung wiedcrhergestellt und hat die Präsidialgeschäfte in vollem Umfange wieder ausgenommen. Berlin, 24. Febr. Die Budget-Kommission des Reichstags lehnte mit 14 gegen 14 Stimmen die militär- technische Hochschule ab und nahm einen Antrag Paasche an, mit dem preußischen Kultusminister in Verbindung zu treten, ob eS nicht möglich ist, an der technischen Hochschule in Charlottenburg einen Erweiterungsbau zur Einrichtung militärtechnischer Kurse vorzunehmen. Die Kommission bewilligte auf Antrag Paasche 50 000 Mk. für ein ballistisches Laboratorium. Im preußischen Abgeorduetenhause wurde am Drens.ag die zweite Beratung des Eisenbahn- Et a t s fortgesetzt. Minister Budde griff wiederholt in die Debatte 'ein und bezeichnete es als seine vornehmste Aufgabe, Disziplin und Ordnung in der Eisenbahn-Verwaltung aufrecht zu erhalten. Im Laufe der Debatte bat Abg. Lotichius (nL) den Minister, Wiesbaden nicht die Bau- und Betriebsinspektion zu nehmen. Minister Budde erwiderte, die neu zu erbauenden Rheinbrücken in der Gegend der Mainmündung müßten schon aus strategischen Gründen der Direktion in Mainz und nicht derjenigen in Frankfurt a. M. unterstellt werden. Irgend eine sonstige Veränderung der beiden Tirektionsbezirre sei in keiner Wiche beabsichtigt. Kom Kalkan. Tie Annahme der Reformvorschläge seitens der Pforte erfolgte, wie nunmehr bekannt wird, nach dringender Empfehlung sämtlicher in Konstantinopel beglaubigter Botschafter. Nach Meldungen aus Ipek haben 3000 Albanesen in einem benachbarten Torfe eine Protest-Versammlung ab- gehalten und sind bann nach Ipek marschiert, wo der serbische Kaufmann Popowitsch ermordet und vom Telegraphenamt unter der Drohung, alle Beamte ermorden zu wollen, die Absendung einer Depesche an den Sultan erzwungen wurde, in welcher für den Fall der Einführung von Reformen mit einer allgemeinen Erhebung der Albanesen gedroht wird. Zn Konstantinopel verlautet, der Sultan werde auf Anraten mehrerer Mächte den ehemaligen Generalgouverneur des Libanon, Raum-Pascha, zum obersten Verwalter Mace- doniens ernennen. Wie das „B. T." aus Konstantinopel meldet, kam es daselbst mitten in der Stadt zu einem bewaffneten Konflikt zwischen neun in einem Hause befindlichen Bulgaren, die Mitglieder des macedonischen Komitees sind, uno der Polizei. Als letztere das Haus öffnen wollte, um die Leute zu verha,ien und Totumente zu beschlagnahmen, wurde sie mit Revolverschüssen empfangen. Es kam zu einem regelrechten Gefecht, bei dem sieben Bulgaren tödlich verwundet, drei Soldaten getötet und eine Frau sowie drei Kinder schwer verletzt ivurden. Die Aufregung in der Stadt war während des ganzen Nachmittags groß. Erst am Abend trat Ruhe ein. Zufolge Weigerung der Pforte, für die Rückstände der nach dem letzten Kriege an die russischen Untertanen zu entrichtenden Entschädigung Zinsen un Gesamtbeträgen von 950000 Psmid zu zahlen, überreichte die russische Botschaft inngst eine Note, in der sie dringend auf Anerkennung der Zinsenschuld besteht und vorfchlägt, die Ansprüche durch eine neue Kommission prüfen zu lassen. gknquda. Berlin, 24. Febr. Nach einer Meldung des deutschen Kommodore in den venezolanischen Gewässern sind die von den deutschen Streltkrästen weggenommenen venezolanischen Kriegs- und Handelssahrzeuge zurückgegeben worden. Washington, 24. Febr. (Reuter.) Bowen übergab den Vertretern Deutschlands, Englands und Italiens die Entwürfe von Protokollen, betreffend Ueberweisung der Frage der Vorzugsbehandlung an den HaagerSchiedshof. Aus £xini>t uno tzaiiö. Gießen, 25. Februar 1903. * * Ernannt wurde am 21. Februar der ordentliche Professor Dr. Wolfgang Mitterrnaier zu Bern zum ordentlichen Professor in der juristischen Fakultät der Landes-Universität mit Wirkung vom 1. April d. Z. an. * * Auszeichnung. Verliehen wurde am 29. Januar dem Gememdeeinnehmer und Kirchenrechner Jakob Peter Lehr zu Bullau das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für 50 jährige treue Dienste". * * Hessischer Zentralverein für Errichtung billiger Wohnungen. Nachdem das hessische Wohnungssür.orgegesetz vom 7. August v. I. am 15. Januar in Kraft getreten ist, hat der Vorstand des genannten Vereins in einer am 16. d. M. in Darmstadt abgehalteneu Sitzung beschlossen, nunmehr in eine kräftige Bewegung zur Hebung ber Wohnungsverhältnisse . bet minderbemittelten Klassen in Hessen einzutreteu. Die Führung der Vereinsgeschäfte iji im Einverständnisse mit dem Großh. Ministerium des Innern dem Landeswohnungs- inspektor Gretzfchel in Darmstadt nebenamtlich übertragen worden^ Ter von dem Genannten in der Sitzung vorgetragene Lätigteitsplan fand die Billigung des Voi.- standes. Dieser Plan sicht namentlich eine enge Fühlungnahme mit ahen Interessenten am K l e i n w o h n u n g s- b a u vor. Eine solche Fühlungnahme mit den Verwaltungsbehörden ergabt sico schon aus der amtlichen Stellung des Landeswo^nungsinspeü.ors; der Verein will ferner insbesondere mit den im Lande vorhandenen gemeinnützigen Bauvereinen, mit sozialpolitischen Vereinen, mit Vereinen der Arbeitgeber uno urbeiter und mit alten Ein zelDersonen, welche Interesse für die Zwecke des Vereins haben, in Verbindung freien und zur Verwirklichung der vorhandenen Bestrebungen auf Beßerung der Wohnungsverhältnisse der kleinen Leute durch Erteilung von Rat und Austunft iaci/gemäuer Art, Beswasfung des ersorder- lichen Materials an Statuten, Geschäft,anweisungen, Bauplänen, buru) Hanen von Vonragen usw. raik.äfi.g bei-' tragen. Ter V^remsoo^and hoff., bab baburci) insbesondere der gemeinnützige Wohnungsbau in Stadt uno Land einen kräftigen Aufschwung nehmen wird, umsonwhr als für denselben nunmehr auch Staatsmittel zu günstigen Bedingungen zur Verfügung stehen. Andererseits will der Verein auf dem Gebiete des Wohnungswesens auch auf- klärend wirken. Es soll dies u. a. in einer demnächst stattfindenden Hauptversammlung des Vereins geschehen, für welche als Referenten bereits hervorragende Männer gewonnen worden sind. Alle Zuschriften für den Verein sind an die Geschäftsstelle desselben in Darmstadt, Wilhelminen- straße 3, zu richten. ** Die ersteJahresversammlung des Bienenzüchtervereins fand am Sonntag in der Restauration Bauer statt. Der Vorsitzende hieß mit Worten des Dankes die zahlreich erschienenen Imker willkommen. Zunächst wurde zur Rechnungsablage geschritten. Der Vermögensstand ist befriedigend. Die Mitgliederzahl betrug im letzten Jahre 120. Ter Verein unterhält für seine Mitglieder ein Depot in den nötigsten Bienengeräten und Kunstwaben. Es wurde beschlossen, dasselbe auch in Zukunft beizubehalten und durch Neuanschaffungen zu ergänzen. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen wurde der angekündigte Vortrag — verbunden mit praktischen Vorführungen — über eine neue Tränkweise der Bienen gehalten. Daran schloß sich ein lebhafter Meinungsaustausch an. Der Vortrag dürste sicher viele Imker veranlaffen, den Tränkapparat, der für wenig Geld nebst Gebrauchsanweisung erhältlich ist, praktisch zu erproben. Die nächste Versammlung findet im April statt. XV. Dorf-Gill, 23. Febr. Der hiesige vor ca. drei Jahren gegründete Kriegerverein beschloß bei der diesjährigen Kaisergeburtstagsfeier die Anschaffung einer Vereins- fahne. Zu diesem Zweck wurde heute vom Vorstand des Vereins eine Sammlung bei den Frauen und Jungfrauen veranstaltet, welche die stattliche Summe von 429 Mark ergab. k. Freien-Steinau, 22. Febr. Bei der gestrigen Holzversteigerung in den freiherrlich Riedeselschen Waldungen, Distrikt Naxburg, waren die Preise erstaunlich hoch. Der Raummeter Buchenscheitholz kostete 9—9,50 Mk., Buchenprügel 8—8,50 Mk., Wellen 2—2,50 Mk. Die sehr hohen Preise sind den Umständen zuzuschreiben, daß die Naxburg vorzügliches Brennholz liefert und an der Staatsstraße liegt. Auch ist der Anschluß des Vogelsberges durch die Bahn Lauterbach—Grebenhain nicht ohne Einfluß geblieben. () Rudingshain, 22. Febr. Der 25jährige Sohn des in unserem Grunde wohnenden Müllers ging vorgestern gegen Abend in die Mühle, um dieselbe zu bedienen. Da er den Angehörigen zu lange ausblieb, glaubten diese, er wäre in das Dorf gegangen. Sie schickten nach ihm, er war aber nirgends zu finden; sie gingen wieder in die Mühle und suchten. Hier bot sich ihnen ein entsetzlicher Anblick, sie fanden den Körper zerrissen; der junge Mann war in das Kammwerk der Mühle geraten. Am Sonntag fand unter Beteiligung der ganzen Gemeinde die Beerdigung statt. Q Angersbach bei Lauterbach, 22. Febr. Mit dem Bau eines neuen Sch ul haus es wird in aller Kürze begonnen. Baumaterial ist bereits auf dem Bauplatz angefahren. Voraussichtlich wird der Neubau erst mit Beginn des Winterhalbjahrs 1904 in Benutzung genommen werden können. Derselbe soll zwei Schulsäle, zwei Lehrerwohnungen und eine Vikarwohnung umfassen. Mit Fertigstellung des Neubaues, vielleicht auch schon vorher, wird die sellher drei- klassige Schule m eine vierklassige verwandelt werden, denn die Zahl der Schüler der Unterklasie ist schon jetzt auf nahezu 100 gestiegen. || Nidda, 23. Febr. Gestern fand hier der Bezirkstag des Kriegerbezirksoerbandes Nidda statt. Der ungefähr 30 Jahre als Bezirksoorsitzender an der Spitze stehende Herr Philipp Bechtold, der sich großes Verdienst erworben hat, legte wegen vorgeschrittenen Alters sein Amt freiwillig nieder. An dessen Stelle wurde Oberamtsrichter Röm Held von hier gewählt, der früher Bezirksoorsitzender des Bezirks Ortenberg war, und allen Bestrebungen auf dem Gebiete des Kriegervereinswesens großes Interesse zeigte. T Darmstadt, 24. Febr. Vom 30. März bis 18. April d. I. wird an der hiesigen Turnlehrerbildungs- anftnlt unter Leitung des Großh. Turninspektors em Turnkursus stattfinden, der nicht nur für Lehrerinnen, sondern auch für solche Damen bestimmt ist, die nicht dem Lehrerberuf angehören. Klozetz tzrner. Leipzig, 24. Februar. Ter Vorsitzende verliest einen Brief Dr. Gentzsch's an Schmidt vom September 1899, nach dem die Leipziger Bank den Prospekt zwecks Einführung junger Treberaktien bei dcr Berliner Börse nicht unterschreiben werde, um bei der Zulassungsstelle fein Befremden zu erregen und in dem Gentzsch Schmidt ersucht, nicht jeden in die Bücher sehen zu lassen, damit das Leipziger Obligo nicht bekannt werde. Schmidt antwortete zujiimmend und teilte mit, er habe bereits ein Geheirnbuch angelegt, da die Konttir- renz versuchte, Angestellte zu bestechen. Auf Befragen bemerkt Exner, er habe, wie bekannt, bereits im Dezember 1898 Bedenken gefügt, ob es möglich sein werde, die Beziehungen zur Trebergesellschaft gedeihlich zu beenden. Er habe diese Bedenken Gentzfch und Sachsenroder mitgetcilt Letzterer habe ihn zu pes.imistisch gefunden und gewünscht, er, Exner, möge auf e.ner Urlaubsreife ausspannen. Nach seiner Rückkehr erfuhr Exner von Gentzsch's Einrichtung des Privatjckretariats, damit nicht jeoec die Beziehungen zur Trebergesellschaft inspiziere. Sachverständiger Plaut erklärt auf Befragen, ob Exner bei Anknüpfung der Kasseler Beziehungen )vrgfältig genug gehandelt haoe, die Verbindung habe anfangs vielleicht gut ausgesehen, dann habe sich aoer herausge,iellt, daß bereits die Treberbilanz vom 31. Januar 1895 gefälscht sei. Im November 189, hätte die Leipziger Bant die wahre Sachlage durchschauen müssen. Kommerzienrat Sieslind stimmt dem Vorredner zu. Sachverständiger Plaut bemerkt: Tie Errichtung eines Privatsekretariats sei an sich zulässig, im vorliegenden Falle aber offenbar geschehen, um Engagements ber Tre- oergeselischaft zu verheimlichen. Exner bestreitet dieses und erklärt sodann, er habe die Absicht gehabt, den Prokuristen Wutl)e zur Revision nach Kassel zu schicken, habe diesen Plan au, Widerspruck Schmidts hm jedoch auf gegeben. chäaul bunierit, Schmidt habe guLn Gründ hierzu gehabt, oa die 'tun,er ber Trebergesellfamst uno der Tocy- terroerfc sämtlich gefälscht waren. In der Generalversammlung vom März 1899 habe die Opposition den Plan gehabt, die Einsetzung einer Revisionskommission zu beantragen, diesen aber wieder aufgegeben, weil sie dessen Erfolglosigkeit vorausgesehen hätte. Darauf wird der Prokurist Wuthe vernommen, welcher beftreitet, daß durch das Privatsekretariat die Verheimlichung bewirkt sei, er habe stets dahin zu wirken gesucht, daß Schmidt erhöhte Sicherheit schäfte und nicht ohne vorherige Anzeige Wechsel auf die Leipziger Bank ziehe. Plaut erklärt, letzteres sei stets geschehen. Es hätte nur verhindert werden können, wenn Die Bank die Wechsel hätte protestieren lassen; darauf wäre aber der Zusammenbruch ber Leipziger Bank und bei Trebergesellschaft erfolgt. Zeuge Tirettor Schobruns bekundet, daß ihm Exner gestattete, alle Schriftstücke im Privatsekretariat zu lesen, nur dürfe er nichts in eine andere Abteilung bringen; daher habe er von der Erlaubnis keinen Gebrauch gemacht. Plaut bemerkt, die gefährdete Lage der Bank hätte jedermann daraus ersehen können, daß sie Wechsel zum Privatsatz der Reichsbank, also mtt Verlust, begab. Zeuge Schobruns weiß hiervon nichts. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung kommt noch zur Sprache, daß Exner bei Schmidt an fragte, weshalb er ihm nur Wechsel auf das Ausland, nicht auch gute schicke. Die Sachverständigen bemerken, Schmidt handelte in feinem Interesse, wenn er gute Wechsel anderweitig diskontieren ließ. Er habe die Wechselsumme alsdann sofort aus- bezohtt bekommen. Er hätte aber ein solches Verlangen nicht an die Leipziger Bank stellen können. Die Der Hand lung wird bann auf morgen vormittag 9 Uhr vertagt. Vermischtes. * Dresden, 24. Febr. Den „Dr. N. 91* wird aus Salzburg gemeldet: In hiesigen Hofkreisen glaubt man mit Bestimmtheit, daß der Papst die zwischen dem Kronprinzen von Sachsen und der Prmzesiin Louise geschlossene Ehe annullieren werde, nachdem diesbezügliche Gründe vorliegen, welche dem kirchlichen Gerichtshof in dieser Hinsicht vollkommen genügen dürften. D ie Zivilkleidung des Kaisers. Bei allen Empfängen, Festlichkeiten, Audienzen, Besuchen u. s. w. trägt der Kaiser bekanntlich Uniform. Bei den häufigen Reisen innerhalb des Deutschen Reiches ist er stets in militärischer Kleidung, und ebenso zu Hause in seinem Arbeitskabinett. So sehr aber der Kaiser die Uniform bevorzugt, immer kann er sie nicht tragen. So läßt sich bei dem Lawn-Tennis kein enger Militärrock tragen. Der Kaiser benutzt deshalb bei diesem Spott weiße Flanellanzüge. In der im Schloß Monbijou befindlichen Lawn-Tenms-Spielhalle ist der Kaiser stets in dieser Kleidung, über die er beim Verlassen des Gebäudes den langen Militärmantel wirst. Ferner werden während der Nordlandreisen, die der Kaiser zu unternehmen pflegt, von ihm und seiner Umgebung meist Zivilkleider benutzt. Ern Fachblatt, der „Herren-Kons.*, weiß nun über die Zivilkleidung des Kaisers folgendes mitzutellen: Es sind bräunliche und hellgraue Farben überwiegend vettreten. Bei den Regatten des kaiserlichen Jacht-Klubs in Kiel pflegt der Monarch die Vereinskleidung zu tragen, die aus doppelreihigem Sacco von blauen Tuch, weitem Beinkleid und blauer Mütze mit dem Abzeichen des Klubs besteht. Während der Kaiser bei den Besuchen frember Höfe fast immer in der Uniform des fremdländischen Regiments, besten Jnhnber er ist, reift, trifft dies bei den Reisen nach 6nglanb nur in Ausnahmefällen zu. Die Mitglieber bes englischen Königshauses legen nur bei offiziellen militärischen Festen bie Uniform an, währenb bie Benutzung ber Zivilkleibung bie Regel ist. Aus biesem Grunbe trägt ber Kaiser währenb seines Aufenthaltes in Englanb Zivilkleiber. Hier ist auch bie einzige Gelegenheit, ihn im Frack unb Smoking zu sehen. In früherer Zeit bezog ber Kaiser ben größten Test seiner Zwllkleibung aus Englanb. Seit einer Reihe von Jahren warb ber Bebarf jeboch in Deutschlanb gebeeft. Dabei ist PotSbam weit reichlicher mit Lieferungen bedacht als Berlin. Bei ber geringen Benutzung ber Zivilkleiber ist für biese un kafferlichen Haushalt nur eine verhältnismäßig kleine Summe vorgesehen. * Mün chen, 22. Feor. Postaniveijungen auf „©inen Pfennig" lautend, wurden heute der Post übergeben. Diese „riesigen" Beträge kamen aus dem Konkursverfahren gegen einen Architekten an die Gläubiger zur Verteilung. Es bezifferte sich die Verteilungsquote der nicht vorberechtigten Forderungen auf 0,78 Prozent. Ein hiesiger Rechtsanwalt, der 600 Mark zu fordern hatte, bekam der „Allg. Ztg." zufolge etwas über 5Vs Mark. An zwei Gläubiger wurden Po>ianweisungen mit je einem Pfennig, an einen mit zwei Pfennig, an einen mit vier Pfennig verschickt, und so ging's hinauf bis zum Bettag von fast einer Mark! Kunst und Wissenschaft. — Ter Großherzog von Baden hat dem Maler Pros. Wilhelm Trübner in Frankfurt a. 2JL bas Ritterkreuz erster Klasse nut Eichenlaub verliehen. Gerichts sunt. DuiSbnrg, 24. Febr. Ein Aussehen erregender Wahrspruch wurde in der letzten Sitzung des hiesigen Schwurgerichts abgegeben. Die Witwe Schulz hatte sich wegen M o r b e s, begangen an ihrem Ehemann, zu verantworte«. Tas Ehepaar lebte infolge der Trunksucht de§ Alanues schon seit Jahren in beständigem Umrieben, sodaß Zank und Streit sowie Mißhandlungen der Frau an der Tagesordnung waren. Als nun der 9)laim im November v. I. seine Frau wiederum schlagen wollte, ergriff die letztere den Leibgurt des Mannes, legte ihm denselben um den Hals und zog dann so lange an JDem Gurt, bis der unglückliche Ehemann erdrosselt war. Ter^Staatsanwalt beantragt die Bejahung der aus Mord lautenden Schuldiragen, die Geschworenen verneinten dagegen die Schuldsragen, da die Tat ün Affekt begangen worden sei. Jniolge- dessen mußte der Gerichtshof auf Freisprechung ber Angeklagten erkennen. Polnischer Unfug. Wie au5 Katkow itz telegraphiert wird, wurde daselbtt bet Redakteur der großpolnischen Zeitung, Gornoslazak, wegen groben Un'ugs zu vier Wochen Gesängms Dcnirtcih, weil das Blatt die Polen ausgeiordert hatte, dte Irr- screpten dcr Kattowitzer Ztg. zu boykottieren. Drucksachen aller Art liefert in jeder gewünschten Ausstattung. stilrein und preiswert die Brühl’sche Universitäts - Drqckerei, Schulstr. 7