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V 1 ___________________________** ^enteil: Pan« Beck Aie Areistnuige Bereinigung. Aus parlamentarischen Kreisen wird uns geschrieben: Die Freisinnige Vereinigung hat sowohl bei den Wahlen zum Reichstag, wie auch bet denen zum preußisch en Abgeordnetenhause verhältnismäßig am wenigsten gut abgeschnitten. Der Rückgang dieser politischen Gruppe datiert seit dem Tode ihres früheren Führers Heinrich Rickert. Man kann für die vielseitige Begabung Dr. Theodor Barth's, seines Nachfolgers, volles Verständ- nis haben, und wird doch zugeben müssen, daß ihm die Befähigung zum politischen Taktiker fehle. Diesem^ Mangel hat Dr. Barth es zuzuschreiben, daß er selbst weder in den Reichstag, noch in den preußischen Landtag zurück- kehrt. Fünf Jahre parlamentarisch rfaltgefteUt* zu sein, muß von einem politischen Führer schmerzlich empfunden werden, besonders wenn der Leserkreis der von ihm herausgegebenen Zeitschrift immerhin beschränkt ist, wie das auf die Dr. Barth'sche ,Nation" zutrifft. Die wenigen Abgeordneten der Freisinnigen Vereinigung nun sind in der neuen Legislaturperiode fast zur Bedeutungslosigkeit verurteilt. Auch der eine Repräsentant der national-sozialen Richtung, Abgeordneter v. Gerl ach, kann nicht das Kraut fett machen! Es fragt sich deshalb, ob die Freisinnige Vereinigung dem Interesse des Liberalismus nicht mehr dient, wenn sie ihre Eigenschaft als selbständige parlamentarische Gruppe auf = giebt und sich einer größeren Parteigruppe beigeseüt. Es braucht ja kein förmlicher Anschluß zu erfolgen. Dian kann sich fürs „Hospitiren" entscheiden. Durch die Sonder- bündelei ist dem Liberalismus schon beträchtlicher Schaden zugefügt worden. Es würde einen Schritt auf dem Wege zum Zusammenschluß der Liberalen bedeuten, wenn die Männer der Freisinnigen Vereinigung mit gutem Beispiel vorangingen. Politische Tagesschau. Zur Krankheit des Kaisers ist der volle Wortlaut der Ansprache von Interesse, mit der Professor Dr. Moritz Schmidt aus Frankfurt a.M. kürzliche tu der Berliner Laryngalogischen Gesellschaft die Begrüßung des Vorsitzenden, Geh^ Rats Prof. B. Fränkel erwiderte. Er sagte: . Das Eigentümliche an der Sache war nur der Trager des Polypen. Aber ich kann Sie versichern, es ist mir so gegangen, wie es bei solchen Operationen öfter geht: in dem Augenblick, wo ich mit dem Instrument im Kehlkopf drin war, habe ich ganz vergessen, wer vor mir saß, ich habe nur den Polypen gesehen. Der Patient war auch so liebenswürdig und hat so gut gehalten, daß die Operation als solche nicht s ch w e r w a r. Das, was mich aufrichtig freute, ist, daß die deutsche Laryngologie zu Ehren gekommen ist — nicht durch mich; das hätte jeder andere gerade so gut leisten können, aber durch die Umstände, die vorhergegangen sind. Es waren am Sonntag gerade 15 Jahre, daß ich mit dem Prinzen Wilhelm nach San Remo gefahren bin. (Hier liegt ein kleiner Irrtum vor, es sind 16 Jahre.) Seitdem bin ich öfter noch bet ihm gewesen, und so war es wohl ganz natürlich daß der Kaiser, nachdem die Sache nunmehr durch Dr. Jtberg entdeckt war, sich an mich gewandt hat. Aber daß die deutsche Laryngologie zu Ehren gekommen ist, das freut mich und zweitens freut es mich daß diesmal keine Mackenziade austzefuhrt worden ist. Ich glaube, Sie werden darin alle mit mir einverstanden {ein. Ich habe mir aber auch die größte Mühe gegeben, daß auch nicht ein Wort von der Sache transpiriert ist. Es datiert schon vor zwei Mon aten, wo ich den Kaiser zum erstenm ale untersucht habe. Damals habe ich gleich gesagt: nicht ein Wort, ehe die mikroskopische Unteriuchung des anscheinend gutartigenTumors wirklich vorliegt. So haben wir's gehalten, und ich glaube, das war diesmal das Richtige. . (Br avo!) ________ Deutsches Keich. Berlin, 23. Nov. Der Kaiser hörte heute den Bor- trag des Chefs dcs Ziöilkabmetts v. Lucanus und empfing später den Botschafter Frhrn. o Sternbura, den Admrrat v. Senden-Bibran und den Earl os Lonsdale. — Die für Ende dieses Monats m Aussicht genommene große Hofjagd in der Höhrde, welche wegen der Er- t r an kung des Kaisers aber ausgeschoben wurde, wird nun, soweit bis jetzt Manul H mn 17. und 18. nächsten Monats stattfinden. Dte für Anfang Dezember geplant gewesene Hofjago in den Forsten von Köntgs- Wusterhausen ist für dieses Jahr aufgegeben worden. — Nachdem der Kaiser Frredrtch-S.ttstuna für das ärztliche Fortbildungswesen dre landesherrliche Genehmigung erteilt worden tft fand am 21-November die konsumierende Sitzung der Stiftung statt Me Leitung des ärztlichen Beirats übernahm 'M>fesfor v. Bergmann. An den Kaiser wurde telegraphische Meldung über dre Konstituierung erstattet. Hierauf richtete der Kars er ein Telegramm an den Ehrenvorsitzenden Reichskanzler Grafen Bülow, in dem er seine Freride über die erfolgte Kon tituierurtg aussprichl: Es habe ihn mtt Besiiedtgung erfüllt daß es gelungen sei, das dem Andenken der hohen Entschlafenen gewidmete Werk in so kurzer Zeit auf eine gesicherte Grundlage zu stellen, zu organisieren und dadurch erkennen zu lassen, auf welch fruchtbaren Boden die An- fceaunaen seiner teuren Mutter zu einer besseren, wissenschaftlichen Fortbildung der Aerzteschaft gefallen seien. Der Kaiser wünschst, indem er allen an dem pietätvollen Werke Beteiligten dankt, daß die Sttftung, welcher er ein lebhaftes Interesse stets bewahren werde, sich alS Pflanzstätte ärztlicher Wissenschaft kräftig weiter entwickle und für das Volkswohl reichen Segen schaffe. — Der „Schiles. Ztg." zufolge ist der Vizeadmiral a la suite der Marine Graf Waldersee, ein Bruder des Feldmarschalls, gestern in Meesendorf, Kreis Neumark, gestorben. — Der Bundesrat überwies in seiner heutigen Sitzung den (vom Gießener Oberbürgermeister Mecum angeregte D. Red.) Antrag Hessens auf Zulassung einer Ausnahme vom Verbote der Sonntagsarbeit im Gewerbebetriebe dem zuständigen Ausschuß. — Gegenüber einer Meldung, nach der oie jetzt in Berlin geführten deutsch-russischen Handelsvertragsoerhandlungen voraussichtlich bereits Ende dieser Woche zu einem vorläufigen Abschluß gelangen, erfährt die „Ncttionalztg.", daß zwar die Meldung allzu optimistisch gehalten fern könne, aber doch der Stand der bezüglichen Ver- tjani)Lungen als gut bezeichnet werden darf. — Die Beratung des zu Anfang dieses Jahres dem Bundesrat zugegangenen Gesetzentwurfs betr. die Kauf- mannsgerichte, der in den Ausschüssen liegen geblieben war, ist jetzt wieder ausgenommen worden. Die Beratung sott so gefördert werden, daß der Entwurf in seinen Grundzügen, namentlich bezüglich des Anschlusses der Kaufmannsgerichte an die Gewerbegerichte, aus dem Bund^K.at unverändert zurückkommt. — Vor den besoldeten Wortführern des Bauernbundes hat vor einiger Zeit der württembergi- sche Minister des Innern v. Pis ch e k die Lanowirte gewarnt. hierauf hat jüngst nach der „Natioualztg." fceim Viehmarkt in Oehringen der Hauptreisende des Bundes in Württemberg, Redakteur Körner, geantwortet, es sei leichter, bezahlter Wortführer Seiner Majestät zu sein als der der Bauern. — Pfarrer a. D Dr. Naumann hat dieser Tage in München einen Vortrag gehalten. Es heißt darin, der Kaiser setze sein Jcy, in oie Mitte des Deutschtums, und das rein Persönliche komme in einer Schärfe und Bestimmtheit zum Vorschein, wie wir es seit den Tagen des ersten Napoleon in Europa nicht gesehen haben. „Es ist, als ob der Kaiser an Bismarcks Stelle getreten sei und ;ob das alte Ich mit dem wen en noch nächtliche Zwiesprache führe, und das neue Ich flutete trotz den folgenden Kanzlern über die deutschen Politiker hinaus, es flutete in andere Gebiete über, von denen in der Reichsverfas sang kein Wort steht. Allein das ist menschlich unö pshchologsscy erklärlich, es hat zu allen Zeiten nicht nur Könige, sondern auch große Künstler und Gelehrte gegeben, die auch andere Gebiete mit ihrem Ich zu füllen trachteten. Rubens und Richard Wagner sind solche Beispiele von überschießender P er s o n a 1 kr a.s t" — Die Beschlagnahme der Nummer 963 der „R h- Westfal. Ztg.", die wegen angeblicher Majestätsbeleidigung erfolgt war, ist nach einer Meldung aus Essen auf- gehoben worden. — Den „Verl. Pol. Nachx." zufolge sollen im Reichshaushaltsetat für 1904 vier Millionen Mark für die Vermehrung der Betriebsmittel der Reichseisenbahnen gefordert werden. — Bei den Charlottenburger Stadtverordnet e n w a h l e n der dritten Abteilung fielen j e chs Mandate an die Sozialdemokraten, während in zwei Bezirken noch Stichtvahlen notwendig sind. Wildpark, 23. Nov. Prinz H e i n r i ch ist heute nachmittag aus Darmstadt hier eingetroffen. Er begab sich nad)i dem Neuen Palais. Oldenburg, 23. Nov. Wie verlautet, begibt sich der Groß Herzog wegen einer geringen Herzaffe ktion, die üssolge von Influenza sich bemerkbar machte, demnächst auf 14 Tage nach Dresden in Behandlung von Dr. Reyher. Bonn, 23. Nov. Heute mittag wurde hier das neue Oberbergamtsgebäude ein geweiht. Minister Moller führte in [einer Ansprache u. a. aus, das Einvernehmen zwischen der Behörde und der Industrie sei nirgends so notwendig, wie im Bergbau. Der Bergbau habe von jeher in den Knappschaftskassen mufter- gUtige EinriaMngen zum Wohle der Arbeiter besessen. Diese Kassen seien der Ausgangspunkt für einen Teil der sozialpolitischen Gesetzgebung Deutschlands in der Krankenver- zicherung geworden. Weiter wies der Minister darauf hin, es scheine, als ob sich am Niederrhein ein neues großes Revier erschließe, wo die Zeche „Rheinpreußen" schon gewaltige Ausschlüsse gemacht habe und wo noch größere Aufschlüsse zu erwarten seien. Breslau, 23. Nov. Der Vorstand des Schlesischen Journalisten- und Schriftsteller-Vereins hat dieser Tage folgende Resolution gefaßt: „Der Oberbürgermeister hat in letzter Zeit zu wiederholten Malen, und zwar anläßlich der Theaterdebatte, Gele-genheit genommen, seiner Nichtachtung der Breslauer Preise in öffentlicher Stadtverord- neteusitzung scharfen Ausoruck zu geben. Da er es überdies unterlassen hat, für diese persönliche Ansicht, die aber durch die Stelle, von der sie vorgettagen wurde, ein besonderes Gewicht erlangte, irgend welche Gründe anzuführen, so empfindet der Vorstand des „Schlesischen Journalisten- und Schriftsteller-Vereins" die Angriffe des Oberbürgermeisters als grundlose Verunglimpfung der Breslauer Presse. Der Vorstand legt daher gegen dieses Vorgehen des Oberbürgermeisters öffentlichen Protest ein." Di ü n ch e n, 23. 9iov. Die Kammer beriet heute eine größere Zahl von Petttionen, welche sich gegen die etwaige Gründung eines Beamtenwarenhauses richten. Ter Petttionsausschuß beantragte, diese Petttionen der Staatsregierung zur Würdigung zu überweisen. Der Minister Freiherr von Feilitzsch erklärte, bei der etwaigen Gründung eines Beamtenwarenhauses werde die Staatsregierung prüfen, wie weit die Vorschriften, wonach den Staatsangestellten der Betrieb eines Gewerbes gestattet werden könne, Anwendung finden. Vorerst sei aber über die Organisation eines solchen Warenhauses nichts bekannt. Die Regierung sei daher nicht in der Lage, jetzt schon eine Entscheidung zu treffen. Die Staatsregierung würde die Gründung eines Beamtenwarenhauses als unerfreuliche wirtschaftliche Erscheinung betrachten müffen und dem Unternehmen keinerlei Unterstützung zu teil werden lassen. ___________________________ Ausland. Haag, 23. Nov. In der zweiten Kammer gab der Kolonialminister auf Anfrage der sozialistischen Abgeordneten die Erklärung ab, er könne die von den Deputierten angeregte Idee, einen bestimmten Teil der niederländisch e n &oIonien an eine andere Macht zu v er kaufen, um mit dem Gelde die Not, die unter einem Teil der eingeborenen Bevölkerung Javas herrsche, zu lindern, nicht in Erwägung ziehen. Paris, 24. Nov. ''(Kammer b er Abgeordneten.) Nachdem sich Minister Delcasse, zur Frage der Einschränkung der Rüstungen geäußert hatte, bemerkt ^ey- gues (Radikaler): Man hat diese Frage der Abrüstung auf dem Kongreß in Rouen auf Wunsch öer deutschen Delegierten ausgeschieden. (Länn auf der äußersten hinten.) Der Kongreß in Rouen beschloß, einen Protest der Entrüstung gegen die Verletzung der Völkerrechte. (Beifall auf der äußersten Linken.) Wir leiden ebenso sehr wie sie unter den Lasten, die der bewaffnete Frieden mit sich bringt, aber wir werden ihrem Anträge nicht zustimmen, weil oied unseren Verfall proklamieren hieße (Beifall) und weil wir unsere militärische Pflicht nicht vergessen wollen. Sie sprachen von wirtschaftlichen Interessen. Neun wohl, fcergeben Sie nicht, daß am Tage nach unserem Unglüa Deutschland seinen wirt- '.chajrlichen Aufschwung nahm. Wir wollen friedliebend sein, aber die y a n d a m D e g e n halten. Ver- gesfen wir daß die Di acht die Sckjutzwehr der Ehre und der Freiheit ist. (Lebhafter Beifall.) Paul Konstanz erklärte namens der Sozialisten, sie föniiten die Worte eines Ministers nicht billigen, der sage, Frankreich werde niemals einwilligen können, die Frage der Einschränkung der Rüstungen zu prüfen. Er, Konstanz, sei natürlich gegen die im Jayre 18/0 erfolgte Verstümmelung Frankreichs, aber er yave das Recht, von einer internationalen Verständigung der Ruagabe Elsaß-Loth- ringens an Frankreich zu erwartem Rom, 23. 9cov. Der soziattstische „Avanti" behaupten von dem neuen Artilleriematerial seien 450 Feld- und 130 Berggeschütze durch einen Fehler an der Lassette unbrauchbar. Der Schaden hieraus belaufe sich auf 20 Millionen Lire. Sofia, 23. blov. Zwei macedonisch e Desperados vollführten gegen den Millionär (Neschow, gewesenen Finanzminister und Chef der Nationalpartei, einen Ueberfall. Die Macedoiner drangen in Ge,chows Arbeitszimmer ein und verlangten von ihm die Unterschrift für zwei Schuldbriese zu 40 UüO und lu 000 Fr cs., indem sie zwei Revolver auf ihn anschlugen und drohten, durch em mitgebrachtes Kistchen, das angeblich D y n am i t enthalte, das Haus in die Luft zu sprengen. Geschow sah sich gezwungen, die Schuldbriese zu unterschreiben. Als aber em Abgesandter der beiden (Äpresser das Geld auf der Bant avyolen wollte, wurde er verhaftet. Petersburg, 23. Mv. Ein über den Gesundheitszustand der Kaiserin ausgegebenes Bulletin lautet: Die Kaiserin hat nachts mit Unterbrechungen geschlafen. Gestern abend Temperatur 37,4, Puls 70, heute morgen Temperatur 37,1, Puls 68. Der lokale Entzündungsprozeß enttoiaelt sich äußerst langsam. Das subjektive Empfinden ist genügend, der Appetit wird besser. Aas )Ulchtöare Anwetter am Samstag richtete auch in Sachsen schwere Verheer» u n g e n an. In Hall e a. S. wurden schwere Kupserplatteu von dem alten historischen Roten Turm abgehoben und weil weggeschleudert, die neue Pauluskirche, welche kürzlich im Beisein der Kaiserin eingeweiht worden ist, wurde schwer beschädigt. Auf der Grube von der Heydt wurde ein Schornstein umgeworfen, wobei ein Heizer erschlagen wurde. In Freiburg cu d. Unstrut wurde em Schornstein der Brauerei zertrümmett und der Dachstuhl vollständig zerstört, wobei viele Diajchinen beschädigt wurden. In Schkeuditz wurde die Turmspitze des Rathauses vom Sturme umgeknickt: viele Dächer wurden abgedeckt. In N a r s d o r f und Markranstädt wurden große Schornsteine niedergelegt und Dächer abgedeckt. In M i 11 i § wurde in der Fabrik von Schimmel u. Co. das Dach über einen Wasserbehälter gehoben und auf das Kesselhaus geschleudert. Die bedeutenden Hoizmassen flogen zum Teil auf ein Eisenbahngleis und hemmten zeitweilig den Verkehr. Mehrere Zentner schwere Stücke flogen hundert Schritte über den Bahnkörper hinweg. In Döbeln wurde im Teiche ein Mann ertrunken aufgefunden, von dem man glaubt, daß er vonl Sturm in den Abgrund geweht wurde. In Di a g d e b u r g wurde eine Anzahl Spiegelscheiben eingedrückt, Schaukasten herabgerissen, Garteneinfriedigungen und Bauplanken umgeworfen, Tele- graphenleitungS-rähte zcrriffen und in vielen Orten Bäume entwurzelt und auf die Straße geworfen. Ein Schiffer wurde durch den Sturm von einem Kahne in die Elbe geschleudert und ertrank. Bei Sten d a l wurden in den Dörfern Neuendorf, Karvitz und Schönebeck, dem „Altmärker" zufolge, vom Sturme Windmühlen niedergerissen. In Schönebeck wurde dabei der Besitzer der Mühle tötlich verletzt. — Aus Braunschweig meldet man: Auf der Grube „Fürst Bismarck" bei Völpke deckte der Sturm das Dach einer Arbeiterkaserne ab. Die Kaserne geriet in Brand. Die 70 dort schlafenden Arbeiter konnten sich nur mit größter Mühe, notdürftig bekleidet, retten. Viele erlitten schwere Brandwunden. Ein Arbeiter ist bereits gestorben. In Peine wurden infolge Einsturzes eines Schornsteines beim Walzwerk 5 Personen verletzt, davon eine tödtlich. — In vielen Teilen Schlesiens wurde gleichfalls großer Schaden angerichtet. In Laub an wurde ein Eisenbahnarbeiter durch einen herabstürzenden Dachstein erschlagen. Der Schnell- z u g G ö r l i tz -D r e s d e n ist durch umgestürzte Telegraphenstangen e n t g l e i st. Er wurde stark beschädigt. JmJser- g e b i r g e herrschen furchtbare Schneestürme. Große Waldbestände sind vernichtet. — Bei Zetel in Oldenburg wurde eine Mühle umgeweht und ein Müllerknecht erschlagen. Zwei Personen sind schwer verletzt. Im Kieler Hafen sank die Pinaffe des Hafenschiffes „Neptun" die Mannschaft ist gerettet. — Vor Scheveningen strandete ein östereichischcs Segelschiff. Die Mannschaft wurde gerettet. — Die norwegische Eisenbark „Eapella" aus Arendal ist auf der Fahrt von Arendal nach Tafelbay mit einer Holzladung bei Borberg an der Westküste Jütlands gescheitert. Die Besatzung von fünfzehn M a n n ist ertrunken. Ans Stadt und Land. Gießen, den 24. November 1903. — Herr Provinzialdirektor Dr. B r e i d e r t ist heute zu den Sitzungen des Zentralvorstandes der Arbeiterkolonien und der Verpflegungsstationen nach Berlin gereist. * • Pers onalien. Durch Entschließung des Großh. Ministeriums des Innern wurde dem Diplom-Ingenieur Otto Diesenbach zu Fürstenwalde a. d. Spree probeweise die Stelle eines Assistenten bei der Großh. Gewerbeinspektion Darmstadt übertragen. — Se.Kgl. Hoheit der Großherzog haben den Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Worms Ludwig Geiger zum Gerichtsschreiber bei.dem Amtsgericht Nidda ernannt. — Der Gerichtsschreiber bei den: Amtsgericht Büdingen Heinrich Born wurde aus sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt. * • Das Kaiserliche Postamt I teilt uns mit, daß morgen, also am Geburtstage S. K. H. des Groß Herzogs, bte Schalter nur wie cm den Sonntagen geöffnet sein werden. * * Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung Donnerstag, den26.November 1903, nachmittags 4 Uhr. 1_ Errichtung eines Wohnhauses bei der Gailschen Dampfziegelei. 2. Baugesuch des C. A. Kaufmann dahier für die Marburgerstraße. 3. Gesuch der Firma Kauffmann u. Co. um Frist zur Erbauung eines Vordergebäudes am Schiffen- bergerweg. 4. Straße neben dem Neubau der veterinärmedizinischen Institute. 5. Ausbau des Schiffenbergerwegs zwischen Licherr und Bergstraße. 6. Uebernahme der Unterhaltung von Kreisstraßenstrecken durch die Stadt. 7. Kaufvertrag mit Kaspar Heinzerling. 8. Bahnanschluß der Gießener Braunsteinbergwerke an die Oberhessische Eisenbahn. 9. Gesuch der 6. Kompagnie des Infanterie-Regiments Nr. 116 um Benutzung eines städtischen Feldwegs zu Zielübungen. 10. Vermietung von Räumen im Hause Neuenweg 2; hier: Mietverhältnis mit Fitzler. 11. Auffüllung der Gerbergruben in der ehemals Plantschen Hofraite. 12. Reinigung und Heizung der Schulbaracken am Hamm. 13. Ueberlassung der städtischen Wiesen hinter den Eichen an den Eisverein. 14. Genehmigung von Rechnungen. 15. Der Verkehr der Radfahrer aus öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen. 16. Anlegung eines topographischen Pfandregisters. 17. Zuschuß an den Ziegenzuchtverein. 18. Hundesteuer von den Versuchshunden der Kliniken. 19. Abhaltung der Brennholzversteigerungen. 20. Besetzung der Stelle eines Feuervisitators. 21. Gesuch des A. Geisse um Rückerstattung von Kosten für Verlegung der elektrischen Leitung bis an sein Haus. 22. Die Rechnung der Löberschen Stiftung für 1902/03. 23. Der Voranschlag derselben für 1903/04. 24. Die Rechnung der Plockschen Stiftung für 1902/03. 25. Gesuch des A. Wallenfels dahier um Erlaubnis zum Kleinhandel mit Branntwein im Hause Marktplatz 15. 26. Gesuch des August Michel dahier zum Branntweinoerkauf über die Straße im Hause Walltorstraße 29. 27. Gesuch des W. Amend dahier um Erlaubnis zum Schankwirtschaftsbetrieb im Hause Bahnhof- üraße 66. 28. Gesuch des Karl Seipel dahier um Erlaubnis zum Wirtschastsbetrieb in der Kaserne Licherstraße 65. 29. Gesuch des Karl Heinrich Adolf Stückrath im Hause Marburgerstraße 27. * * Kreisstraßenmeister Senßfelder und Frau feierten gestern im engsten Familienkreise ihre silberne Hochzeit. * * Sturz vom Dach. Vom Neubau der katholischen Kirche stürzte heute früh gegen 8 Uhr der Dachdeckermeister S ch m a l l ab, als er beim Aufziehen von Dachpappe einen Fehltritt tat. Er war sofort tot. * * Sturmschäden. Im Bergwerkswald an der Börnschesschneise in der Nähe von Klein-Linden hat der gestrige Sturm große Verheerung angerichtet und eine große Anzahl starker Fichten mit mächtigen Erdbällen ausgehoben und umgestürzt. Auch in den Waldungen bei Lich, Steinbach und Hattenrod wurden zahlreiche Bäume niedergerissen. * * Uebcr die Alto hol frage hielt gestern Rittergutsbesitzer Smith aus Niendorf in der hiesigen Turnhalle einen Vortrag. Die Zahl der Zuhörer war nicht groß, aber der Vortragende sprach darum nicht minder begeistert. Er sei iid) bewußt, welche Schwierigkeiten zu überwinden seien, und wie wenig Interesse man noch diesem Gegenstände entgegenbringe, der eine Frage des Familienlebens, ja unseres deutschen Volles bedeute. An einer Menge von Beispielen juchte der Vortragende die Wirkungen des Alkohols zu zeigen. Einmal werde der Mensch selbst durch diesen Genuß geschwächt und verliere mehr oder minder an seiner Fähigkeit geistigen Schaffens. Die Folgen des Alkohols zeigten sich am klarsten in der jährlichen enormen Zahl von Verbrechern, die nur der Alkohol zu ihrer Tat getrieben habe. Und wie der Einzelne, so leide auch die Familie darunter, in der der Vater dem Alkohol ergeben sei. Leider trügen, so meinte der Redner, auch die Äerzte, die den Alkohol als Heilmittel verordneten, große Schuld daran, daß es so schwer werde, dieses Laster zu bekämpfen. Der Redner verlas mehrere Urteile abstinenter deutscher Aerzte, die es den Aerzten für unverzeihlich anrechnen, wenn sie den Alkohol verschreiben. Freilich koste es eine große Ueberwindung, alkoholischen Getränken zuweilen zu entsagen, z. B. wenn es in Gesellschaft unangenehm, oder sogar als ein Verstoß gegen die Höflichkeit empfunden werde, mit einem sogenannten uncommentmäßigen Stoff aus das Wohl des Gastgebers, oder der Hausfrau zu trinken; ferner wenn Stammtischgenossen, oder sonstige Freunde mit ihren ftetigen Hänseleien unablässig bemüht seien, den guten Vorsatz wieder zu vernichten. Der Vortragende forderte schließlich unbedingte Abstinenz, kein Mittelweg, eine bloße Mäßigkeit, könne helfen, denn der Genuß des Bieres oder Weines bleibe eben für den Menschen stets ein Gift. An den Vortrag, der etwa 6/4 Stunden dauerte, schloß sich eine Diskussion über die Alkoholbewegung, die Bestrebungen des Guttemplerordens und ähnlicher Vereine am ** Hessisch e V ereinigung für Volkskunde. Zum ersten Mitgliederabend hatten sich gestern abend im unteren Saale des Cafe Ebel über ICO Personen eingefunden. Ter Vorsitzende, Prof. Dr. Strack, gab einen kurzen Ueb erb lick über das letzte Vereinsleben, wobei er hauptsächlich der Versammlung in Darmstadt gedachte, und berichtete, daß in Gießen der Verein nun das 1000. Mitglied erreicht habe und daß auch anderwärts im Reich Fortschritt zu verzeichnen sei; gestern habe er Mitteilung darüber bekommen, daß ein rheinisch-westfälischer Verein für Volkskunde mit dem Sitz in Dortmund gegründet worden sei. Er gab darauf das Wort Prof. Dr. Wünsch zu seinem Vortrag über einen Odenwälder Zauber- spiegel, der diesem von Prof. Olt überreicht worden war. Prof. Wünsch gab, indem er den merkwürdigen Gegen- zirkulieren ließ, eine Beschreibung davon: ein kreisrundes Stück Fensterglas liegt in einer Lederkapsel auf einem mit Zeichnungen und Inschriften versehenen Stück Papier und einer kleinen Schicht (£rbe. Römer und Griechen kannten schon den Gebrauch der Zauberspiegel; ursprünglich war es ein Wasserspiegel, in welchem man allerlei geheimnisvolle Weissagung sich vorspiegelte. Es war das niemals mit eigenen Augen gesehene Bild der eigenen Person, das dem primitiven Menschen den Glauben eingab, der Spiegel berge auch andere Tinge und könne auch das Geheimnis der Zukunft lüften. Besonders glaubte man in dem Spiegel das Mittel zu besitzen, verborgene Schätze zu entdecken. Noch heute, so versicherte der Vortragende, gibt es bei uns Leute, die einen solchen Zauberspiegel heimlich benutzen und sich nur darum hüten, etwas davon zu verraten, weil sie besorgen, verlacht zu werden. Im Jahre 1868 wurde bei einer Auktion in Paris ein Zauberspiegel für 25 000 Frau es verhandelt . . . Pros. Wunsch knüpfte au seinen Vortrag die Bitte an die Anwesenden, ähnliche Gegenstände, die man hier und da in den Rumpelkammern finden könne und die für die Volkskunde sehr schätzbare Seltenheiten darstellten, dem Verein zu übergeben. — Nach Prof. Tr. Wünsch hielt der Archivar des Vereins, Dr. Koch, einen sehr interessanten Vortrag über das Feld seiner Tätigkeit, die Anlage des neu angelegten Archivs. Ein Schrank, ein Tisch und ein Stuhl, das ist alles, was man an Mobiliar dort braucht. In dem Schrank werden alle Einsendungen, die dem Verein zugehen, auf sorgsame, zweckdienliche Weise registriert und inventari- jiert, zunächst nach dem Kreis und dem Ort der betr. Mitteilung. Indem schließlich die Durchsicht all des Materials ein interessantes Studium wird, mancherlei Stichworte ergibt, unter die die Mitteilungen registriert werden, kann der Archivar interessante Beobachtungen machen über die Art, in der die Einsender ihre Aufgabe ausgefaßt haben und den Zweck, den sie damit im Auge haben. Der Zweck all der Arbeiten und 'des Archivs liegt nicht in der nüchternen wissenschaftlichen Forschung imd in einfacher Registrierung, sondern in der liebevollen, intuitiven Er- faj)ung des Volkstümlichen. Freilich sollen die Einsender -ich die Sache nicht so einfach vorstellen; es genügt nicht, etwa zu jagen: Das Wesen der Menschen in jener Landschaft ist sehr ernst. . . Solche bloße Reflexionen führen zu nichts. An mehreren Beispielen wußte der Vortragende die Anlage des Archivs interessant und unterhaltend vorzuführen. Heiterkeit erregte die Berichtigung, die Dr. Koch hinterher mit seinem Humor anbrachte: der erwähnte, nützliche Schrank existiert für unser Archiv noch nicht in Wirklichkeit, sondern nur in der Einbildung des Vorsitzenden und des Archivars; man behilft sich jetzt noch mit einer einfachen Llommode. Wenn auch die Schätze des Archivs noch nicht alle nutzbar gemacht und veröffentlicht worden find, so liegt doch in der sorgsamen Inventarisierung die Gewähr, daß nichts verloren geht und die Saat nur darauf wartet, daß man sie zum Treiben und Wachsen bringen werde. Darum ist es wünschenswert, daß, wenn in Kürze wieder neue, verbesserte Fragebogen ins Land hinaus gehen, recht viele Mitteilungen eingehen möchten, r— Der Vorsitzende sagte Dr. Koch mit herzlichen und sehr anerkennenden Worteii Dank für den hübschen Vortrag in dem er so fesselnd und unterhaltend den an sich spröden Stoff bewältigt habe. Die verdienstliche Fürsorge des Archivars verdiene das höchste Lob. — Zum Schluß erzählte Prof. Dr. Strack von einer neuen Sammlung oberhessischer Volksrätsel, die in den nächsten VereinÄlättem veröffentlicht werden sollen. Nach einer kurzen Einleitung über den Ursprung der Rätsel, die in den Anfängen der Poesie selbst gesunden werden und vielleicht insofern überhaupt die erste Poesie sind, als sie sich an eine Gesamtheit von Menschen richten, führte uns der Vortragende in eine wirkliche, belustigende Rätselsitzung „Wann ist der Müller ohne Kopf in der Mühle?" Niemand wußte es. „Wenn er zum Fenster hinausguckt." So ging es weiter und oft erheiterte man sich über die Derbheit dieser geistigen Hebungen unserer altvorderen Oberhejsen. Merkwürdig und interessant ist, daß die in den meisten Fällen sehr einfachen und anspruchslosen 9lätjet Jahrhunderte hindurch im Volke lebendig geblieben )inb. Ter Vortragende gab aucd verschiedene Variationen einzelner Rätsel wieder, vom Menschen, vom Reiter, der Kuh (worin vom Schwanz als dem „Zujchmeißer" gesprochen wird), der Schnecke u. a. m. Ter Vortragsabend hat allen Teilnehmern Delehrung und anregenbe Unterhaltung geboten und allgemein befriedigt. § Butzbach, 23. Nov. Die gestern nachmittag im Gasthaus „zum goldenen Löwen" veranstaltete Versammlung der Ortsgruppe Butzbach und Umgebung vom Oberhefs. Ob st bau verein mar gut besucht. Dem interessanten Vortrag des Obstbailtechnikers John-Friedberg folgte eine Gratisverlosung von Obstbäumchen an die Mitglieder. — Heute begann der einst so bedeutungsvolle zweitägige Katharinen- Markt hier, welcher am Nachmittag reges Leben und Treiben in unser Städtchen brachte. Trotzdem herrschte aus dem Krämermarkte keine besonders große Kauflust und auf dem Juxplatze mehr mittelmäßiger Zuspruch, sodaß man einige Budenbesitzer klagen hörte: „Die Märkte werden immer schlechter!" Auch die einheimischen Ladenbesitzer hatten nur mittelmäßige Einnahmen. Dagegen waren die Gasthäuser und Wirtschaften gut frequentiert. Bei Eintritt der Dämmerung begannen in den Ballfälen des „Hessischen Hofes" und „goldenen Löwen" die Musikanten ihre verlockenden Weisen und bald bewegten sich fröhliche Paare im Tanze. Erst zu vorgerückter Stunde begaben sich die auswärtigen Besucher auf den Heimweg. Groß-Steinheim, 23. Nov. Nachdem schon im September d. I. im Main bei Klein-Krotzenburg mehrere Pfeiler einer ehemaligen Römerbrücke nachgewiesen merben konnten, gelang neuerdings die Aufdeckung auch eines Landpfeilers dieser verschwundenen Verkehrsstraße am linken Stromufer. Die auf Veranlassung der hessischen Behörden vollzogenen Nachgrabungen ergaben das Vorhandensein von 8 Pfeilerpfühlen von genau derselben Beschaffenheit, wie die der früher freigelegten Pfähle. Die Länge der im September geborgenen Eichenpfähle schwankt zwischen 75 Zentimeter und 2 Meter. Die meisten derselben sind mit durchweg etwa 35 Zentimeter langen, zwei-, mitunter auch dreilappigen Eisen-Pfahlschuhen versehen. Im ganzen wurden bis jetzt etwa 45 vortrefflich erhaltene eichene Pfähle aus ihrem vielhundertjährigen Ruhebette an das Tageslicht gefördert. Die Römerbrücke, deren Ueberrefte nach längeren Nachforschungen nunmehr unzweifelhaft konstatiert werden konnten, dürfte auf 7 bis 9 Land- und Strompfeilern geruht haben. (D. Ztg.) Mainz, 23. Nov. Wahrend bisher nur unkontrollierbare Gerüchte über eine dritte besoldete Beigeordnetenstelle die Stadt durchschwirrten, hat die Sache jetzt festere Gestalt dadurch gewonnen, daß gestern der Seniorenkonvent der Stadtverordneten sich mit der Angelegenheit beschäftigte. Bei der Natur der Sache konnten Beschlüsse nicht gefaßt werden, da hierzu zunächst die Parteien selbst und die Bürgernieisterei gehört werden muffen. Einig war man sich darin, daß eine weitere Arbeitskraft nötig sei, die am besten durch einen Beigeordneten gestellt werden könne. Also wir> es wohl auf dem Wege gehen. (M. Tgbl.) Wiesbaden, 23. Nov. Der Landwirt Johann Georg B e ch t in Delkenheim feierte gestern feinen hundertjährigen Geburtstag. Am Vorabend brachte ihm die Kapelle des 87. Infanterie-Regiments aus Mainz, welchem der Jubilar zu nassauischen Zeiten angehört hatte, ein Ständchen dar. Landrat von Hertzberg überbrachte im Auftrage des Kaisers eine Denkmünze. Gestern mittag erschien Flügel-Adjutant Oberst von Jacobi aus Wiesbaden, um im Auftrage des Kaisers das Verdienstkxeuz sowie als persönliches Geburtc» tagsgefchenk des Kaisers eine kostbare Kaffeetasse mit dem Reliefbild des Kaisers sowie 300 Mk. in Bar zu überreichen. Ter Großherzog von Luxemburg spendete als früherer Landesherr eine Kiste Kabinetswein. Sämtliche Kriegervereine hatten Deputationen geschickt zur Begrüßung des alten Veteranen. Ems, 23. Nov. Den Meldungen verschiedener Blätter über die Möglichkeit eines Kuraufenthalts des Kaisers in Ems liegt bis jetzt offenbar nur die Tatsache zu Grund, daß man in Ems einen solchen Besuch sehr gern sähe und dementsprechend vermittels persönlicher Beziehungen für alle Fälle die Aufmerksamkeft auf Ems zu lenken sucht. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Darmstadt sind die Streckenarbeiter der Dampsstraßenbahn in den Ausstand getreten. Sie forderten, daß die Verwaltung sich verpflichte, sie den ganzen Winter über zu beschäftigen, was abgelehnt wurde. — In Badenheim ereignete sich ein bedauerlicher Unglücks- fall. Der 81jährige Landwirt Franz -Kehr war im Begriff, Schweine zu füttern, rutschte dabei aus und fiel in die Dung- grube. Von Nachbarn wurde er zwar noch lebend herauL- gezogen, starb jedoch einige Stunden später. — Der Rennfahrer Drescher ist unter Hinterlassung bedeutender Schulden aus Mainz verschwunden. Bom Oldenburger Minister-Beleidigungsprozetz. In der Begründung des Urteils, dus wie wir mitteilten, gegen Dr. Ries auf 6 Monate, gegen Bier-- mann auf 1 Jahr Gefängnis lautet, heißt es: Ter Gerichjtshof hat in dem,Zeu"-Artikel, tn dem gesagt ist: die Spielleidenschaft trage nur zur Beförderung bei, und Gymnasialdirektor Frühstück habe seine Beförderung nur dem Umstand zu verdanken, daß er dem Minister beim Spiel Geld geliehen, eine arge Beleidigung des Ministers gefunden; die Beweisaufnahme hat auch ergeben, daß die Behauptung vollständig unwahr ist. Es ist allerdings der Nachjweis geführt worden, daß vor langen Jahren im hiesigen Zivilkasino hin und wieder Hazard gespielt worden ist, an dem auch der Minister R u h st r a t sich beteiligt hat. Daß der Minister sich dabei besonders hervorgetan hat, ist nicht nachgewiesen. In dem Artikel, in dem dem LarcdrickMr Haake vorgeworsen wird, er heuchle Frömmigkeit, um Karriere zu machen, hat der Gerichtshof eine sehr schwere Beleidigung gefunden. Wegen der Beleidigung des Landrichters Haake ist auf drei Monate, wegen der Beleidigung des Ministers Ruhstrat auf fünf Monate Gefängnis erkannt und diese Strafe auf sechs Monate Gefängnis zusammengezogen worden. Bei der Strafzumessung ist einmal die Schwere der Beleidigungen, der Umstand, daß diese aus dem Hinkerhäll kamen, und einen Mann von solche exponierter Stellung wie den Minister trafen, andererseits aber betreffs des Dr. Ries, dessen bisherige gute Führung, der Umstand, daß ihm der MinisteL verziehen hat und auch, daß er sich offenbar in bent Glauben bestück)en hat, er sei mit Unrecht strafversetzt, in Betracht gezogen worden. Die Wahrnehmung berechtigter Interessen konnte den Angellagten nicht zuge- Telephonischer Kursberichte Frankfurt a. fll«. 24. November 1903. 3l/g% Reicheanleihe . . 102.15 3 n/0 do. ... 91.06 3V,% Koneolß .... 101.70 30/q do......90.95 31/2°/o Hessen .... 100.55 31/i % Oberhessen . . . 100.00 4% Oesterr. Goldrente . . 102.85 41/5-6 Oesterr. Silberrente 101.00 4-6 Ungar. Goldrente . . 100L0 4°/q Italien. Rente , . . 103.70 41/2-6 Portugieser . . . 64.20 8°/u Portugiesen.....32.10 1-6 0. Türken .... 37L0 Türkenlose...... 145 60 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.55 4V--6 äussere Argentiner 42.60 3% Mexikaner .... 26.3t W/e Chinesen .... 91.45 Electric. Sohnckert ... 112.50 Nordd. Lloyd . . . . 104.75 Kreditaktien ..... 211.90 Diskonto-Kommandit. . , 197 Z0 Darmstädter Bank , . . 147.60 Dresdener Bank ...... 159.30 Berliner Handelsges. . . 165.00 Oesterr. Staatabahn . . . 143.25 Lombarden ..... 17,40 Gotthardbahn ,1 . . . . 190.50 Laurahütte...... 237.50 Bochum ....... 188HO Harpener ...... 204L5 Tendenz: ruhig, tz Wer sein Geld praktisch für Weihnachtsgeschenke ausgeben will, der taufe sich in einer Apotheke, einem Droguerv ober Parfümerie-Geschäft ein Dutzend Myrrholin-Seise für M. 6.— und lasse sich für die beigegebenen Gutscheine das erste Album des Myrrholin-Welt-Panorama „Europa" in 400 Bildern kommen. Hierdurch hat man neben dem einen Geschenk, der kostbaren von Autoritäten der Wissenschaft für die Gesundheits- und Schönheitspflege der Haut anerkannten Myrrholin-Seise, auch noch ein zweites Geschenk das prächtige dauerhaft gebundene Myrrholin-Album, das für sich allein einen Wert von 9)1. 4.— hat und Jedem der es besitzt große Freude bereitet. Das Album liegt in der Expedition des Blattes zur Einsicht aus. stand cm werden. — Der Tagespreise kann im übrigen in dieser Beziehung keine Ausnahmestellung eingeräumt werden. Bei dem Angeklagten Biermann ist erwogen worden, daß seine Zeitung lediglich die Tendenz hatte, in der Oefsent- lichkeit Skandal zu machen. Es kam ihm lediglich darauf an, die Ehre anderer in den Schmutz zu ziehen, und zwar betrieb er das gewerbsmäßig. Cs ist deshalb, wie geschehen, erkannt worden. Vermischtes. * Berlin, 23. Nov. Auf einem Neubau in Pankow wurden heute früh der Maurer Barisch und dessen (beliebte mit Schußwunden im Kopse tobt aufgefunden. • Halle a. S., 23. Nov. Gestern ertränkte sich der Hauptpastor Fung in ^Trotha unmittelbar vor dem Gottesdienst. Die Tat ist in einem plötzlichen Anfall von Irrsinn geschehen. * Saargemünd, 23. Nov. Ein gewisser Mailfers aus Wurfweiler wurde unter dem Verdacht verhaftet, den gemeldeten Raubmord auf der Landstraße begangen zu haben. Man sand bei ihm Patronenhülsen und eine Geldsumme von 300 Mk. vor, über die er sich nicht ausweisen konnte. * Ein ehemaliger Leidensgefährte des Kaisers. Unter dieser Spitzmarke wird aus Liegnitz geschrieben: Vor 17 Jahren litt der hiesige Pastor prim. Pohl an dem gleichen Kehlkopsleiden wie der Kaiser. Pastor Pohl äußert sich über den Verlauf seiner Krankheit: Im Jahre 1886 war ich an demselben Leiden erkrankt. Infolge von Ueberanstrengung in meinem Amte stellte sich schon um die Osterzeit eine immer mehr zunehmende Heiserkeit ein, die keinem der angewendeten gebräuchlichen Mittel weichen wollte. Im Monat Mai konsultierte ich den verstorbenen Professor Dr. Sommerbrod in Breslau, einen mir nahestehenden Studiengenossen, der mir sosort eröffnete, daß ich auf dem linken Stimmbande (oder wie es jetzt heißt: Stimmlippe) einen Polypen habe, den er aber nicht entfernen könne, weil er nach seiner Ansicht noch nicht operationsfähig sei, vielleicht wurde sich die Operation im Herbste vollziehen lasten. Nur mit großer Mühe war ich noch imstande, einigermaßen deutlich zu sprechen, bis der Professor mir überhaupt jegliches Sprechen untersagte, was freilich leichter befohlen als befolgt werden konnte, da ich trotzdem meines Amtes wallen mußte. Endlich — um die Mitte des Monats September — begab ich mich wieder nach Breslau. Die Operation, die kaum eine Minute dauerte, wurde glücklich vollzogen, und ich wurde des Störenfriedes, eines bohnenförmigen Polypen, ledig. Nachdem ich noch eine vierzehntägige, aber strenge Enthaltung von jeglichem Sprechen hatte über mich ergehen lassen müssen, besserte sich mein Zustand sichtlich, und ich gelangte wieder in den Vollbesitz meiner Stimme. Meine Stimme ist wieder hell und klar, nur eins habe ich nicht völlig wiedererlangt, nämlich die früher besessene gute Singstimme, aber es geht auch ohne sie." * Die Prin ze s sin Friedrich, Ernst von Schoenburg-Waldenburg ist, wie der Dresdener Korrespondent des „B. B.-C." aus „absolut zuverlässiger Quelle" erfährt^ seit 14 Tagen mit ihrem Kutscher verschwunden. Andauernde Nachforschungen haben noch keine Anhaltspunkte über ihren gegenwärtigen Aufenthalt ergeben. Die im 28. Lebenswahre stehende Prinzessin Alicia, die jüngste Tochter des Prinzen Carlos von Bourbon, ist seit 1897 mit dem Prinzen Friedrich Ernst von Schönburg- Waldenburg vermählt. Dieser Ehe ist im Vorjahre ein Sohn entsprossen. Wie erinnerlich, hat vor Jahren eine andere Tochter des Prinzen Carlos, die Prinzessin Elvira, durch ihre Flucht mit dem Maler Folchs ebenfalls sensationelles Aufsehen erregt. * alt's Maul und sing die Wacht am Rhei n." In einer bei dem preußischen Finanzminister v. Rheinb ab en stattgehabten Abendgesellschaft hatte der Humorist Otto Reutter außer anderen Couplets auch ein damals von ihm neu verfaßtes Lied gesungen, in welchem die Freigebigkeit des Finanzministers gegenüber dem Militärfiskus und seine Sparsamkeit bei den übrigen Posten des preußischen Etats satirisch behandelt wird; unter anderem tritt auch! ein armer D 0 rfs ch u lm eister auf, der in beweglichen Worten den Finanzminister um Gehaltszulage bittet. Der Minister bescheidet jedoch den Petenten abschlägig und bemerkt dabei: „Halt's Maul und sing die Wacht am Rhein." Die Teilnehmer der Abendgesellschaft, unter ihnen der glossierte Gastgeber, amüsierten sich darüber köstlich. Nicht so die Polizei, welche Otto Reutter den öffentlichen Vortrag dieses Couplets verbot. Aus Beschwerde bei den zuständigen höheren Instanzen ist dieses Verbot jetzt rückgängig gemacht und der öffentliche Vortrag dieses Liedes gestattet worden. Kunst und Wissenschaft. Paris, 23. Nov. Die Akademie der Wissenschaften veröffentlicht eine Mitteilung des Dr. Biraud, wonach es gelungen ist, durch X-Strahlen eine gennsse Form des Krebses zu heilen. Die angesteüten Versuche haben ein günstiges Resultat ergeben. Buenos Aires, 23. Nov. Die argentinische Korvette „Uruguay" brachte die Mitglieder der Nordenskjöld'schen Erpedition zurück. Die .Antarctic" ist im Februar durch Eispressungen zertrümmert worden. Es steht aber fest, daß die Eh arcot-Erpe ditio n nicht unterbrochen wird. Eharcot drückte darüber seine Freude aus, daß Nordenskjöld und seine Begleiter gefunden sind. Die Erpedition wird sich nun selbst wissenschaftlichen Forschungen widmen und sobald als möglich nach Grcchamshorn abgehen. Universitäts-Nachrichten. Berlin. 23. Nov. Eine Versammlung der Professoren der Berliner Universität beschloß am Sonntag mit 40 gegen 10 Stimmen die Gründung eines Zweigvereins des akademischen Schutzvereins, der gewisse Einrichtungen des Verlags- und Sortimentsbuchhandels bekämpft. — Nach einer Meldung aus Innsbruck wurden die Vorlesungen an der freien italienischen Universität, die heute hätten beginnen sollen, behördlich verboten. Gerichtssaal. d. Mainz, 24. Nov. Erste Strafkammer vom 23. November. Der Land- und Gastwirt Otto Krebs aus Heidesheim ist der Weinfälschung angeklagt. Er soll seinen Weinen unreinen Stärkezucker beigesetzt und dre Meine durch Wasserzusatz überstreckt haben. Der Angeklagte bestrettet dies, er will nur Stärkezucker bei seinem Haustrunk, dem Tresterwein, verwendet haben, bei dem übrigen Mein nur guten Zucker. Seine Weine seien bei der (Ätt- mchme der Proben noch nicht verkaufsfertig gewesen, er Ijwbe sie mit extrakthaltigen verstechen wollen. Er habe stets nur guten Wein verkauft. Aus der Beweisaufnahme ging hervor, daß der Angeklagte bei einem in Heidesheim veranstalteten Wettbewerb, bei dem 22 Proben ein- ,gingen, den besten Wein hatte. Die Gutachten der Sachverständigen Prof. Dr. Mayerhoser und Dr. Stern-Kreuznach gingen dahin, daß ein Teil der Weine des Angeklagten mit Stärkezucker vermengt und überstreckt waren. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 300 Mark Geldstrafe und in die Kosten, außerdem wurde die Einziehung von 6137 Liter Rot- und 4763 Liter Weißwein verfügt. Hanau a. M., 23. Nov. Vor der Strafkammer stand der frühere Kaplan Knipp aus Aachen unter der Anklage, in der Zett von 1901—1902 als Erzieher in der Knaben-Zwangserziehungs-Anstatt in Samdorf eine Reihe von Stttlichkeitsv erb rechen an Zöglingen der Anstatt begangen zu haben. Ter „Frkf. Ztg." zufolge lautete das Urteil unter Einbeziehung der dem Angeklagten am 4. März d. I. in Dresden wegen gleicher Vergehen zudiktierten zweijährigen Gefängnisstrafe auf 6 Ihre Gefängnis. Arbeiterbewegung. Lyon, 23. >iöov. Als aus ständige Tüllarbei- ter heute in drohender Haltung vor der Fabrik eine Kundgebung veranstalteten, feuerte der Fabrikbesitzer vier Revolverschüsse auf sie ab. Die Ausständigen antworteten mit Steinwürfen und zertrümmerten die Fensterscheiben. Infolge dieses Verhaltens beschlossen sämtliche TüllmLeiter, in den Ausstand zu treten. Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Berliner Börse vom 24. November 1903. (Mitgeteill von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Prinat-Diskont 31/, Prozent. Anfangs- u. Schlußkurfe. Deft Kredit . 212.40 212.— Deutsche Bank |. . . 220.50 220.75 Darmstädter Bank . . 146.60 147.12 Bochumer Guß . ♦ ♦ 189.20 189.37 Harpener Bergbau . . 203.50 204.75 Tendenz: Fest. Gießen, 24. Nov. Marktbericht. Auf heutigem Wocbenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1,20—0.00 Mk., Hühnereier 1 St. 8—10 Vfg., 2 Stck. 00—00 Pfg^ Gänseeier 00—00 Pfg., Enteneier8—0 Pfg., Käse pr. Stck. 6—8 Pf^ Käsematte 2 Stck. 5—6 Pfg., Erbsen pr.Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg^ Tauben pr.Paar 0,70—09,0Mk., Hühner pr. St. 1,30—1,80 Mll, Hähne pr. Stück 0,70—1,50 Mk^ Enten pr. Stück 1,70—2,20 Mk., Gänse pr. Pfd. 50—60 Pfg^ Ochsenfleisch pr. Pfund 68—78 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 62—66 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfturd 66—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 70—76 Pfg^ Hammelfleisch pr. Pfund 65—74 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,00—5,50 Alk., Weißkraut per Stück 5—7 Pfg., per Zentner 1.30—1.60 Mk., Zwiebeln pr. Zentner 4,50—5,00 Alk^ Milch per Liter 18 Pfg., Äepfel per Zentner 16 bis 02 Alk., in Korben 00—00 Pfg. Nüsse 100 St. 40 Pfg. Krirskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) K. H. L. 36. Das eingebrachte Gut haftet den Gläubigern der Frau für deren Verbindlichkeiten. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Mittwoch den 25. November, vormittags 9V3 Uhr: Zur Feier des Geburtstags Sr. Kgl. Hoheit des GroßherzogS: Vereinigter Militär- und Zivilgottesdienst. ________________________________ Pfarrer Euler. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. London, 24. Nov. Eine furchtbare Feuersbrunst wütete gestern abend in dem Stadtteil Eattel-Lane. Um Mitternacht waren 300 Feuerwehrleute zur Bekämpfung des Feuers ausgerückt. 12 Häuser wurden gänzlich zerstört. Das Stadtviertel ist hauptsächlich von Papierhändlern bewohnt. L. London, 23. Nov. Wie aus Pretoria gemeldet wird, ist am Donnerstag in Klerksdorp die Gemahlin des ehemaligen Bnrengenerals Cronje gestorben. Die Verstorbene fiel bei Paardeberg mit ihrem Manne in hie Hände Lord Roberts und hat bis zur Beendigung des Krieges an der Seite ihres Mannes auf St. Helena in englischer Gefangenschaft geschmachtet. Mailand, 24. Nov. In der berühmten Kathedrale in Monza wurde ein Einbruch verübt. Schmuck- und Kunst-Gegenstände von großem Werte wurden entwendet. Wien, 24. Nov. In dem Judenprozeß von Kischinew verlangte vor dem Zeugenverhör der Berliner Antisemit Schmakow, die Juden müßten den Eid in der Synagoge bei schwarzen Kerzen und mit dem Gebetsmantel ablegen, sonst fei ihnen nicht zu trauen, welcher Antrag aber abgelehnt wurde. Der Bürgermeister von Kifchinew bestritt, daß die Polizei sich geweigert habe, während der Ausschreitungen zu intervenieren. Ebenso beharrten die Offiziere, welche zum Einschreiten bei den Straßen-Krawallen berufen wurden, dabei, daß ein Anlaß, einzuschreiten, nicht vorhanden war. L. Newyork, 24. Nov. Professor Gottheit von der Columbiauniversttät, ein Freund Professor Marmorets, wurde von letzterem benachrichtigt, er habe den Prinzen Heinrich Pleß von Tuberkulose geheilt, nachdem die Hofärzte den Kranken bereits aufgegeben hatten. L. New York, 23. Nov. Ein gegen den Bauunternehmer Ferguson in der Nähe von Washington von zwei kroatischen Lttbettern verübtes Akten tat erinnert in seiner planmäßigen Ausführung an die Taten der Nihilisten. Ferguson fuhr in einem leichten Wagen, den er selbst kutschierte, die Landstraße entlang, als plötzlich mitten auf dem Wege gegenüber einem Gebüsch ans der Erde heraus eine Explosion erfolgte und Wagen, Pferde und Insassen in die Lust sprengte. Bei der Untersuchung der Oertlichkeit sanden Geheimpolizisten eine sechs Fuß tieft Höhlung in der Landstraße, von wo aus ein schmaler Kanal in ein seitwärts gelegenes Gebüsch führte. In dem Gebüsch wurde eine elektrische Batterie entdeckt, die mit der Höhlung durch einen LettungSdraht in Verbindung stand. In der Höhlung befanden sich offenbar die Sprengstoffe, die, von der Batterie aus zur Entzündung gebracht, die Explosion bewirkten Die Entzündung muß gerade in dem Augenblick erfolgt sein, als die Pferde mit den Hufen die Höhlung berührten. Einzelne Teile der Pferdekadaver wurden bis aus 500 Pards weggeschleudert. Wegen vorgerückter Saison verkaufen wir unseren Vorrat in Damen- und Kinder-Konfektion von heute ab 8761 zu bedeutend ermässigten Preisen. Meyerhoff & Goslar 13 Kreuzphtz 13. vormals S. Weimersheim Nachf. 13 Kreuzplatz 13. Heute morgen verschied zu Bayreuth unsere Mutter Frau Friederike Bartholomae im 83. Lebensjahr. Prof. Bartholomae. 8767 Giessen, 24. November 1903. W'' M. Todes-Anzeige. Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß der Herr über Leben und Tot unseren lieben, guten, unvergeßlichen Sohn Die Beerdigung findet in aller Stille Mittwoch den 25. November, nachmittags 2 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. 8766 Blumenloenden werden dankend abgelehnt. im zarter: Alter von beinahe 4 Jahren nach kurzem, schwerem Kranksein heute abend 8 Uhr seinen zeitlichen Leiden enthoben und zur ewigen Herrlichkeit ausgenommen hat. Die tiefbetrübten Angehörigen: Famsiie E. Rffiuth« Gießen (Ludwigstraße 44), den 23. November 1903. Bei Hüften Heiserkeit beweisen zahlreiche « i l Anerkennungen fbie N-riLgUchkelt von PxrschlelDÄVgj Jtzleibs berühDteo Ästhmsa- Bonbons 12% Alliumsait, 88% Raffinade. Wirkung überraschend! Zu haben in Schachteln ä 1 Mk. und Beuteln ä 30 Pfg. bei [8407 E. Elschbach, Drogerie. Zur Aufklärung! Das berühmte „Kölnische Wasser" wurde nicht von einem „Farina" erfunden, sondern!695von Johann Pani Feminis in Cöln, der 1737 Geschäft und Geheimnis seinem Neffen Johann Anton Farina hinterließ, durch den das Original- sabrikat dann i$en Namen „Zur Stadt Mailand“ erhielt. Dieses unbestrittene Originalhaus änderte 1885 die Firma Farina in „Jos. Ant. Neumann zur Stadt Mailand" und liefert heute noch die berühmte Originalmarke des Erfinders »Zur Stadt Mailand“, welche allein ausgezeichnet wurde durch den höchsten deutschen Preis: „KgL Preuss. Staatsmedaille“. Hauptdepot: W. 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