Dienstag 24. November 1903 153. Jahrgang Drittes Blatt Nr. 276 General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen. verantwortlich für den allgemeinen MU P. Witiko; iür den Anzeigentell: H. Rotationsdruck und Verlag der Brü hk'lchen Universitätsdruckerei (Pietsch Erden)» «Letzen. Jung-Deutschland in der Südsee. Kolonial- Erzählungen für jung und alt von C. F alten hör st. Illustriert von R. Trache. Dresden, Verlag von Alexander Köhler. — Band 1: Der D ew arra -Millionär. In Leinwand gebunden, mit Deckelbild, 1.50 Mk. — Mit diesem Bändchen eröffnet der unserer Knabenwelt wohlbekannte Verfasser eine neue Reihe von Erzählungen unter obigem Gesamttitel. In der Erzählung „Der Dewarra- Millionär" führt er uns in den Bismarck-Archipel, und zwar auf die Insel Neu-Mecklenburg. Mitten unter den wilden Kanaken hat ein junger deutscher Kaufmann für ein deutsches Handelshaus eine Faktorei gegründet, um Ko^ra und Schildpatt einzutaufchen. Der eingeborene Händler, auf den er angewiesen ist, ist durch seinen ungeheuren Besitz von Dewarra oder Muschelgeld der Häupt- ling des Dorfes geworden, der die geheimnisvollen Duk- Dut-Tänzer rufen darf. Nach seinem plötzlichen Tode wäre unser Landsmann beinahe den menschenfresserischen Gelüsten der Kannten zum Opfer gefallen. Eine deutsche Strafexpedition erscheint, und schließlich lernen die Eingeborenen sich wohl fühlen unter der Deutschen Herrschaft, mit der Sicherheit und Recht bei ihnen eingekehrt ist. Tie gewandt geschriebene Erzählung führt trefflich in das fremdartige Leben auf der Kanakeninsel ein. Sie wird nicht nur der Jugend, sondern auch erwachsenen Lesern Freude bereiten. — Band 2: Tie Tanzdiebe. In Leinwand gebunden, mit Deckelbild. 1.50 Mk. Die Besicht von ihrem künstlerischen Wert und erfreut sich an den koloristischen Feinheiten, die den Reiz der getreu wiedergegebenen natürlichen Farbenpracht überraschend erhöhen. Endlich hat zum ersten Male Tr. Greiner, das jüngste Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie, Proben seiner Kunst dem Gießener Publikum vor- geführt. Auf dem ungewöhnlichen Umwege über die Theologie zur Kunst'gelangt, stellt er sich resolut auf den Boden der Modernsten, auch insofern als er in mehr als einer Technik, als Graphiker und als Bildhauer, sich betätigt. Schöne Proben einer kräftigen Begabung sind besonders die beiden breit und großartig behandelten Marmorbüsten, der Johanneskopf, die ausdrucksvolle „Resignation". Mythologische und symbolische Zeichnungen, die an die Grifselkunst Klingers und seines Schülers, des anderen Greiner, erinnern, beweisen jedenfalls respektables Können, Ideenreichtum und Sinn für dekorative Wirkungen im höchsten Sinn. Die weitere Entwicklung dieses hessischen Künstlers wird man mit gespanntem Interesse verfolgen. 'cheint dort von Worten zu Taten übergehen zu wollen. Ob große oder kleine Getreidelagerhäuser gebaut werden : ollen, darüber scheinen die Meinungen, wie aus der Unter- : Haltung im hessischen Bauernverein in Friedberg hervorging, geteilt zu feilt. Gegen wirklich große Getreidelagerhäuser scheint der Umstand zu sprechen, daß wir deren in der Provinz Oberhessen höchstens zwei brauchen könnten und daß diese für den größten Teil unserer oberhessi- schen Landwirte zu entfernt liegen würden. Denn die Getreidelagerhäuser sollen nicht allein Getreide aufnehmen, gegebenenfalls nasses, unverkäufliches Getreide trocknen und rasch in marktfähige Ware umwandeln, sondern sie sollen es auch ermöglichen, von diesen Stellen aus die Genossenschaftsmitglieder mit Dünge- und Futtermitteln zu versorgen, damit sie nicht unter allen Umständen genötigt ind, diese Bedarfsartikel in ganzen Wagenladungen zu beziehen. In der Hauptversammlung des Provinzialvereins werden geeignete Redner biejc Fragen ausgiebig behandeln, damit Klarheit über die Zwecke der Getreidelagerhäuser in der Provinz geschaffen werde. Findet die Frage der Errichtung von Getreidelagerhäusern den Beifall und das Interesse der landwirtschaftlichen Bevölkerung Oberhessens, dann erst- sollen Getreidelagerhausgenossenschaften gebildet und weiter vorgegangen werden. Nicht leicht ist die Auswahl der Eisenbahnstationen, an denen mit Geleiseanschluß ~ Getreidelagerhäuser errichtet werden könnten. Hierbei ist ausschlaggebend das Interesse, welches die Genossenschaften der Umgebung solcher Stationen der Ausführung entgegenbringen. ** Militär an Wärterverein. Ter vor kurzem provisorisch gegründete Zweigverein deutscher Militär-Anwärter und Invaliden für Gießen und Umgegend hielt am Sonntagnachmittag im Lenz'schen Felsenkeller eine zahlreich besuchte Versammlung behufs definitiver Gründung des Vereins ab. Zum Vorsitzenden wurde Obertelegraphen- Assistent FuchD gewählt. Ter Verein bildet einen Zweig des seit längeren Jahren bestehenden Hauptverbandes der deutschen Militär-Anwärter und Invaliden mit dem Sitze Berlin, der bereits über 18000 Mitglieder zählt. Zweck desselben ist u. a. hauptsächlich die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage feiner Mitglieder, und es liegt daher im Interesse der Militär-Anwärter und Invaliden, möglichst zahlreich einem Zweigvereine dieses Verbandes beizutreten, zumal der Verband mit den verschiedensten Zentralbehörden und den namhaftesten Abgeordneten der gesetzgebenden Körperschaften des Reichs unos her deutschen BstnmAstaaten erfolgreiche Fühlung genommen und auf diesem Wege schon viel zur Verbesserung der Lage seiner Mitglieder beigetragen hat. )( Am 31. Tezember 1903 verjähren, wie man uns mitteilt, sämtliche Forderungen der Kaufleute, Fabrikanten und Handwerker für Waren oder Arbeiten, die für eineü^Geschäfts- oder Gewerbebetrieb in der Zeit vor dem 1. Januar 1900, also noch unter Giltigkeit des früheren bürgerlichen Rechtes, geliefert worden sind. Wer 1899 und noch früher an einen Tetaillisten Waren, an einen Handwerker Rohstoffe usw. geliefert hat, verliert seine Forderung, wenn er bis Ende des Jahres die Verjährung nicht durch Klage, Zahlungsbefehl, Erwirkung eines Anerkenntnisses, auch, durch Abschlagszahlungen, unterbrochen oder dem Schuldner weitere Gestundung erteilt hat. Außerdem verjähren am 31. Dezember d. I. die Forderungen der Kaufleute, Fabrikanten, Handwerker, Fuhrleute, Gastwirte, Lot- Nolttische Tagesschau. Sozialdemokratische Höflichkeiten. Das Leipziger Genossenblatt, die „Volksztg.", schreibt unter der Spitzmarke „Eine Lausbuberei": „Tie „Ma inzer Volks z t g." saugt sich die Be*- hauptnng aus deu Fingern: „Die Genossen Eisner und Stampfer haben den Ausschluß Mehrings und Jaeckh aus der Partei „wegen ehrloser Handlungen" beantragt. — Gegen diese Lausbuberei wird bei der Mainzer Parteiorganisation Beschwerde erhoben werden. Tie Mainzer müssen endlich einmal vor die Frage gestellt werden, wie lange der gemeingefährliche Zustand noch andauern soll, daß ein grüner I u n g e ein Parteiblatt für seine D r e ck s ch l e u d e r e i e n m i ß b r a u ch e n darf. Wer noch in den Flegeljahren steht, braucht kein Schießgewehr zu tragen." Darauf antwortete die „Mainzer Dolksztg." in entsprechender Tonlage: „Zur Orientierung der Mainzer Parteigenossen sei mitgeteilt, daß wir die obige Notiz der „Magdeb. Volks- ztg." entnommen haben. Tre Erwiderung aus das ekelhafte Geschrei der „Leipz. Volksztg." fassen wir in zwei Worte zusammen: Pfui Teufel!" Aus Stad! und SanL. Gießen, 24. November 1903. ** Der Direktor der Verbandsgen ossen- schäften des Großherzogtums, Geh. Regierungsrat H aas in Darmstadt erließ — so schreibt man uns — dieser Tage eine Aufforderung an die Verbandsgenosfenschasten Ober- hessens, worin er bekannt giebt, daß zum Zweck der Belebung des gemeinsamen genossenschaftlichen Bezuges von landwirtschaftlichen Bedarfsstoffen und der Verhütung der Zersplitterung der Kräfte auf diesem Gebiet kürzlich eine Landwirtschaftliche Hauptgenossenschaft für Ob erb essen, e. G. m. b. H., mit dem Sitz in Friedberg gegründet worden sei. Bereits 27 Bezugs- und Absatzgenossenschaften sind der Haup genvssenschaft angeschlossen, eine größere Zahl neuer Bezugsgenossenschaften i|t in der Bildung begriffen. Nachdem der Hessische Bauernbund seine Tätigkeit aus dem beregten Gebiet zu Gunsten der Hauptgenossenschaft eingestellt hat, muß es erwünscht jein, daß tunlichst bald ein dichtes Netz von örtlichen Be zu gs g e n o ss en s cha f t en im Anschluß an die Hauptgenossenschaft gezogen werde. Denn im Anschluß an die Hauptgenossenschaft ist beabsichtigt, den Absatz der landwirtschaftlichen Erzeugnisse hier ebenfalls einheitlich zu organisieren und zu diesem Zweck an geeigneten Punkten Kornlagerhäuser zu errichten, welche zugleich, für den Bezug von Dünger und Futtermitteln dienen sollen. Das ist der Hauptinhalt des Ausschreibens. Wie schon im „Gieß. Anz." bekannt gegeben wurde, findet am 2 6. N o v., n ach m. 2 Uhr, in Steins Garte n in Gießen (Neuer Saalbau) die Hauptversammlung des landwirtschaftlich en" Vereins für die Provinz Oberhessen statt. In dieser Versammlung wird die Frage der Nützlichkeit und Notwendigkeit der Anlage von Getreidelagerhäusern besprochen. Die Anregung dazu ging vom landwirtschaftlichen Bezirksverein Alsfeld aus. Tort hat man die Frage neuerdings wiederholt behandelt und man terietolletteure, Makler, Privatbcamten, gewerblichen Ar° beiter, Aerzte, Rechtsanwälte, Hebammen, öffentlichen oder privaten Unterrichtsanstalten, öffentlichen oder Privat- lehrer für nicht zum Gewerbebetriebe gelieferte Werke und Arbeiten, Speise und Getränke, Gehalt, Lohn und onstiae Vergütungen aus dem Jahre 1901 (zweijährige Verjäbrung nach § 196 Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs v Auch wegen dieser Forderungen muß also in der oben ' angegebenen Weise die Verjährung unterbrochen werden. x. Großen-Linden, 22. Nov. Die Renovier- un q unserer Kirche soll im nächsten Jahre in Angriff genommen werden. Dieses Gotteshaus ist wohl die älteste Kirche Hessens und eine der ältesten Deutschland und wurde im Anfang des 10. Jahrhunderts von schottischen Mönchen erbaut. Da sie baufällig ist uud bedenkliche Risse zeigt, lassen sich die Wiederherstellungsarbeiten nicht langer aufschieben. Man beabsichtigt, das Gotteshais wieder im ursprünglichen Kreuzstil herzustellen. Der Staat soll einen namhaften Beitrag zur Renovierung in Aus.icht gestellt haben. _ , , i. Ranstadt, 23. Nov. Bei der am Samstag abge- haltenen Jagd im hiesigen Walde hat sich einer der Herrn anwesenden Schützen, ein Herr aus Ortenberg, arg versehen. Ein 18 jähriger Treiber kam mit einem geschossenen Reh auf Sem Rücken aus dem Dickicht und erhielt eine volle Ladung in die Stirn. Ein anwesender Arzt konnte ihn sofort verbinden. § Vom oberenVogelsberge, 23.Nov. Ein flottes Geschäft machen gegenwärtig Private und Gemeinden durch Verkauf von Christ bäum chen. Händler aus der Frankfurter Gegend kaufen diese massenhaft auf und ganze Wagenladungen gehen nach den Bahnstationen. Durchschnittlich werden die Bäumchen mit 22—25 Pfg. bezahlt. — In einer Anzahl Dörfer wütet gegenwärtig unter den Schweinebeständen die Notlaufseuche. Darmstadt, 23. Nov. Wie die „Darmsi. Ztg." mü- teilt, ist durch Entschließung des Neichsamts des Innern vom 3. d. Mts. der höheren Bürgerschule zu Langen mit rückwirkender Kraft für ihre zu Ostern l. I. der Abschlußprüfung unterzogenen Schüler die Militärberechtigung verliehen worden. (**) Ems, 23. Nov. Am Samstag nachmittag um ’/2 5 Uhr, als gerade em schweres Gewitter über unsere Stadt zog, trug sich auf der rechten Lahnseite, unmittelbar hinter dem Kurhaus, ein Bergrutsch zu. Der Hof des Hotels „Europäischer Hof" wurde mit Felsmassen total überschüttet. : Zwei von den Arbeitern, die dort beschäftigt waren, um die bereits dort drohenden Bergstürze zu hemmen, wurden v ersch üttet und g etötet. Beide waren verheiratet. Sieben Arbeiter sind verletzt worden und mehrere andere trugen kleinere Verletzungen davon. Ludwigshafen, 21. Nov. Ter 32 Jahre alte verheiratete Fabrikarbeiter Adam Dittler von Rheingönheim ; hatte den regelmäßigen Abendzug auf der Hauptbahnstrecke verpaßt, für den er eine Wochenkarte hatte. Um doch schnell nach Hause zu kommen, wollte er den Lokalzug Ludwigs- ; Hafen-Darmstadt benutzen, aber das hierfür nötige Billet ; für 10 Pfg. nicht lösen. Als der diensttuende Schaffner kurz wohuer der deutschen Karolineninsel Yap in der Südsee sind ein harmloses Völkchen. Wie große Kinder leben sie dahin. Tän^e aufzuführen, ist ihre größte Freude. Neue Tänze zu ersinnen, gewährt höchsten Ruhm. Zwischen zweien der eingeborenen Tanzmeister soll ein Wettstreit stattfinden. Jeder will einen neuen Tanz erfinden, und es soll sich zeigen, wer der Größere von ihnen ist. Jeder der beiden aber belauscht heimlich die Tanzübungeu, die der Gegner mit seinen Leuten abhält, um diesem die Idee des neuen Tanzes zu stehlen. Das führt zu heileren ©eenen und ernsten Verwicklungen, die der Versa,ser in humorvoller Weise darzusteilen versteht. Diese neue Erzählung Faltenhorst's wird mit großem Vergnügen gelesen werden, und sie verdient es auch; denn sie gewährt nicht nur ausgezeichnete Unterhaltung, sondern auch eingehende Belehrung über Natur und Leben, Sitten und Gebräuche in jener weltfernen Besitzung Deutschlands. D eutsch e Götter- und Heldensagen. Für bit Jugend erzählt von H. Möbius. Mit Buchschmuck von Arpad Schmid h alnm er. 4. Ausl. 448 Seiten. Geb. 3 Mk. Dresden, Verlag von Alexander Köhler. — Tas vortrefflich ausgepattete Buch hat sich bei unserer Jugend gut eingebürgert und ist durch den neuen Bilderschmuck von dem bekannten Zeichner der „Jugend" auch in dieser Hinsicht auf die Höhe der Zeit gebracht worden. In schöner, schlichter Sprache erzählt die Verfasserin die großen Urberichte'aus dem religiösen Glauben und Fühlen der alten Germanen, sowie die halb mythischen Heldengestalten aus den Kampfzeiten unseres Volkes. Auch die Nibelungensage hat in diesem Buche eine gedrängte und anmutige Form erhalten. In seinen zahlreill)en Beispielen deutscher Innigkeit und Gemütstiefe, deutscher Heldenhaftigkeit und Stärke ist das Buck ein „Jungbrunnen", dessen Kenntnis für unsere Jugend viel mehr erforderlich ist, als die Bekanntschaft mit den Sagen fremder Völker. Tas in Anbetraaft des Gebotenen billige Buch bildet ein wertvolles Geschenk, das wir jeder deutschen Familie, die es noch nicht besitzt, auf den Weihnachtstisch wünschen. Kater M a u z. Abenteuer eines Katers von Adolf Thiele. Mit Bua faMuck von Gadso Weiland. Verlag von C. I. E. Volckmann, Rostock. 2 Mk. Ein allerliebstes Tierepos in Versen ä la Busch, das Alt und Jung viel Freude machen wird. Humor, finnige Schilderung, komische Szenen und ein anspreciMnder mooerner Buchschmuck von Gadso Weiland, dem Schssrrebeker Zeichner, heben das hübsch aus- gestattete Buch über die Alltagsproduktion hinaus und machen es zu einem Kabinettstück für Groß und Klein, wie für Tier- und Katzenfreunde. Kunstverein. Gießen, 24. Nov. Den größten Teil des AusstellungAsaales im Turmhaus am Brand füllen diesmal Bilder und Skizzen dcs bekannten, im Jahre 1901 verstorbenen Soldaten- und Schlachtenmalers Faber du Faur. Tie Skizzen überwiegen, und nicht immer betrachtet man sie mit reinem Genuß, weil sie oft über ganz flüchtige, nur für den Künstler selbst verständliche und verwertbare Fixierung malerischer Eindrücke nicht hinausgehen und zu wenig erraten lassen, wozu sie sich endgiltig gestalten sollten. Die ausgeführten Gemälde, besonders die größten, „Bazeilles" und die „Ambulanz bei einer Barrikade", zeigen den Maler als tüchtigen Meister auf seinem Gebiet, das Beherrschung der Massen und die Fähigkeit, durch die Gesamterscheinung lebhaft bewegter Körper zu wirken, dringender verlangt, als glatte Ausführung von Einzelheiten. Als vielseitige Künstlerin zeigt sich neben diesem Spezialisten Frau ZN. Bethe-Löwe, die eine ansehnliche Serie von Portrats, Landschaften und Genrebildern ausgestellt hat, neben denen eine farbige Reproduktion der jetzt im Museum von Barmen befindlichen „Christlichen Märtyrers die Historienmalerei großen Stils vertritt. Eine ä.hnliche, schlicht und ohne Rührseligkeit vorgetragene Stimmung wie aus dieser ergreifenden M-ärtyrerszene spricht aus dem Bilde der Kranken, an deren Lager die Mutter angstvoll sitzt, ^m Übrigen kommt vor allem § eiter teit und Lebenslust zum Mort. Drollige Amoretten tummeln sich um einen zum Brunnentrog umgewandelten Marmor jarkophag, dem Froschkönig begegnet auf sonniger Z^se am Bach aay Prinzeßchen, Landschaften ans dem Hochgebirg und^Üüni Meeresstrand, teils in kräftig charakteristischen Siizzen, teils in feiner, stimmungsvoller Durchbildung, Figurenstudien von packender Lebendigkeit, denen die liebevoll beobachtete Umgebung soaleich eine ausgesprochene Bild- wirkuna verleih, geben Zeugnis von reifer Kunstlerschaft. Sehr anziehend sind auch die vortrefflichen Bildnisse, unter denen das einer Dame im Köstüm des 17. Jahrhunderts, das des Baseler Archäologen Bersoulli und die frischen Kinderporträls besondere Pachtung ucrbienen Eine kleine, aber liebenswürdige Spezialität vertritt Fräulein T. Go tz l^-lorenz') mit ihren Blumen- und ^ruchtstucken. Der- gleichen ist Teilungen wie unserer nichts Seltnes und ii . erneinen wenig Beachtung. Hier aber lehrt ui... . .-g-r Mick, das, man es nicht mit Liebhaberkunw , bat, und je mehr man >tch m diese tteinen iuierie .-i,desto mehr Überzeugt man Ersch-im »glich mit Ausnahme de? Sonntags. V aaä X AA Di. „Siebener ZamiUenbliitter" werden dem fi/ll HX gW BzeL J'l! MM Q ® B BZ 8 Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der I Ä 8 -Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal. V vor der Haltestelle „Silberner Kops" herbcikam, sprang D. sofort ab, ruschtte wohl infolge der nassen lehmigen Landstraße aus, wurde vom Zuge erwischt, ihm der Kops vollständig zermalmt, der Leib aufgerissen und beide Beine gebrochen, sodaß der T o d auf der Stelle eintreten mußte. Der Getötete, der selbst die Schiulid an dem schweren Unglück trägt, hinterläßt eine Witwe urrü vier unversorgte Kinder. (Pf. R.) Der Arozcß wegen Kindesunlerkchcvung gegen die Gräfin Kwihckt. XVIII. Berlin, 23. Nov. Dem Prozeß wohnte heute der I u st i z m i n i st e r bei. Vernommen wird das aus Warschau geladene Ehepaar Levell. Ter aus Krakau geladene Zeuge Hauvtmann Ziegler lehnte sein Erscheinen ab, da ihm die Zeugengebühren nicht hoch genug seien. Ter Ehemann E w e l l, Sohn der verstorbenen Hebamme Levelt, sagt aus, seine Mutter sei 1897 zu einer Entbindung nach Berlin gefahren und habe bei der Rückkehr erklärt, sie sei so erkältet gewesen, daß sie die Entbindung nicht habe vornehmen können; sie bedauerte, daß sie somit nicht mehr Geld verdienen konnte. Es sei möglich, daß seine Mutter eine Ausrede gebraucht habe, um so den Angehörigen zu verheimlichen, daß sie viel verdient habe. Es sei richtig- daß seine Mutter auf dem Sterbebette nach ihm geschickt habe, dabei habe sie aber nicht von einem wichtigen Ereignis gesprochen, denn er habe sie bei seinem Eintreffen schon tot vorgefunden. Ter Zeuge schildert, wie ein gewisser Rittet, der ihm von einer in Berlin liegenden Erbschaft erzählte, 1 Jahr später an ihn herangetreten sei, um ihn über jene Entbindung auszuforschen. Seine Verbindung mit dem Ehepaar Koezorowski beschränke sich darauf, daß er, als -er in den Zeitungen die Behauptung las, seine Mutter habe jene Entbindung vorgenommen, den Kosczorowskis mitteilte, daß dies mit den Mitteilungen seiner Mutter nicht übcreinstimmte. Dann sei im Frühjahr ein Mann gekommen, der 3000 Rubel auszählte und von ihm ein Geheimnis wissen wollte. Er lehnte os ab. Hierauf sei ein zweiter Mann gekommen, der sich als Vetter der Gräfin Kwilecki vorstellte und ihm ebenfalls Geld bot. Der Zeuge habe aber erklärt, daß er allenfalls nur vor Gericht aus sagen würde. Der Zeuge erkennt in dem letztgenannten Besucher Hechelski wieder und legt eine Photographie seiner Mutter vor, die von dem Arzt Dr. Kosinski und der Zeugin Lanczcwska wiedererkannt wird. Tie Ehefrau Ewell bemerkt, sie glaubte sofort, die Krankheitsgeschichte chrer Schwiegermutter war nur eine Entschuldigung, weil sie keine Geschenke mit- bruchie. Auf die Frage eine^» Geschworenen beziffert Graf Kwilecki die an die LeveU gezahte Summe auf 800 Mk., was Tr. Rosinski nach dem Brauche in polnischen Adels- jamUien als nicht zu viel erklärt. Auf eme wertere Beweisaufnahme wird allseitig verzichtet und diese geschlossen. Ter Vorsitzende formuliert die Schuld fragen. Hierauftritt eine einstündige Pause ein, woraus die Plaidoy er s beginnen. Unter kolossalem Audrange des Publikums beginnt der Staatsanwalt Tr. Müller sein Plaidoyer. Er betont zunächst das schlechte Verhältnis der Gatten, ihre wachsenden Geldverlegenheiten und hebt die schwierige Lage der Gräfin und der Komtessen im Falle des Dodes des Grafen hervor, ferner die damaligen verfänglichen Aeußerungen der Gräfin, sie müsse ein K i s s e n vor den Leib bi n- den, und die aus alledem resultierende Sonderbarkeit des intimen Verkehrs in Montreux. Ter Staatsanwalt beleuchtet sodann das eigenartige Verhalten der Gräfin bei der Geburt trotz des ihr bekannten Verdachts des Agnaten, wodurch die Zweifel neue Nahrung fanden. Tiefe Zweifel wurden durch die Zeugenaussagen nicht erschüttert. Tie von den Zeugen bekundeten Schwanger- jchaftsmerkniale sind nach dem Urteil der medizinischen Sachverständigen nicht entscheidend. Tie Zweifel würden besonders daourch verstärkt, daß die Gräfin sich weder nach dem Wagenunfall, noch bei .der Entbindung ärztlich untersuchen ließ. Tie Pariser Sache sei faul, die Gräfin breite geflissentlich einen Schleier darüber. Sie müsse sich bork unter falschem Namen ausgehalten haben. Es komme ferner in Betracht, daß die Gräfin die ihr ganz unbekannte Levell zur Entbindung nahm. Zur Verurteilung genügten Zweizel nicht, dazu gehörten Beweife. Nach der Beweisaufnahme luime es atnr k e i n e m Z w e i f e l unter- liegen, daß der kleine Graf, der am 22. Dezember in Krakau geborene Sohn der Cäcilie Meyer sei. Wer die Aus.agen der Hedwig Anourszewsm anzweifle, solle bedcnten, daß sich diese unmöglich alle Einzelheiten aus den Jrngern -aug^n konnte, ^uocm lief; sie altes dies aujzeicymn, ehe bte Nachsor,elMNgen durch Hechelski m Fluß kamen. Alle ihre Behauptungen habe die Beweisausnahme bestätigt. Es sei ferner festgeftellt, daß die alte An- durszewska wieoerholt 1896 abwe.end war. Wie könne ein Zeuge wissen, dag sw am Tage der Entbindung nicht abwe.end war. Gegenteilige Behauptungrn eruärten fiel) aus dem Bildungsgrade der Zeugen, die nicht die Fähigkeit be.üßen, zu unterscheiden, was sie wißen und was sie zu wissen glauben. Auf die Aehulichkeits.rage sei nichts zu geben, da ein in der Umgebung schöner Sa)Western aujwaa/.ender Knabe naturgemäß stch diesen assimiliere. — Ein weiterer Beweis für die Wahrheit der Aussagen der Hedwig liege in der einwands,reten Mitteilung ihrer Schwägerin übci den von ihr geufincien, an ihre Schwiegermutter gerichteten Brief, ferner in der Angabe des Namens Bonczkowsia, unter oem die alte Anbruszewska in Krakau weilte, und in der Identität der Handjchrift in Briesen der alten A. mit der Handschrift des Anmeldezettels. Die Beweise seien so zwingend und überzeugend, daß die Geschkvorenen, wenn sie twch mehr Beweise forderten, dem Diei angefeindeten Schwurgerichtsoersahren direkt das Todesurteil sprechen touroen. (Unruhe auf der Ges chworenen bank.) Der Staatsanwalt schloß mit dem Anträge auf Verurteilung. Hierauf toird die Verhandlung auf morgen vertagt. Vermischtes. • Hagen (Wests.), 23. Nov. (Amtlich.) Heute morgen kurz nach 3 Uhr überfuhr der Uebergabezug (Rangierzug) 8221 m Gleis 64 des Güterbahnhofes Hagen den Prellbock, wodurch die dahinter stehenden Wagen mit Bremshäuschen beschädigt und der im Bremserhäuschen sitzende Bremser erdrückt wurde. Die Beschädigung des Geleises imd des Materials ist sehr gering, jedoch war das Ver- bmdungsgeleise für Güterzüge von Hagen-Eckesei nach Hengstei mehrere Stunden gesperrt. Der Betrieb ist inzwischen in vollem Umfange wieder aufgenommen. * Ein sonderbarer Schwärmer besuchte neulich die Aufführung der „Braut von Messina" im Breslauer Stadttheater. Nach der ersten ^zene erhob sich, so erzählt die dortige „Morgenztg.", ein von einer sehr hübschen Dame begleiteter schlanker Herr im Parkett und protestierte laut gegen die unerhörte Rücksichtslosigkeit der Leute auf der Bühne, die immerfort sprächen, anstatt zu fingen. Vom Beschließer auf den Korridor genötigt, erklärte der fanatische Gesangesfreund in immer erregterem Tone, er wolle sein Geld zurück haben, wenn nicht sofort gesungen würde. Er wolle eine Oper hören, nicht das langweilige Gerede. Da gerade Schillers Geburtstagsfeier war, konnte dem Ansinnen leider nicht Folge geleistet werden, sonst hätte vielleicht die Direktion rasch „Die verkailfte Braut" von Smetang an Stelle der verratenen und verkauften Braut von Messina eingeschooen. So entfernte sich der Herr mit seiner Dame unter erneutem Protest. Wahrscheinlich hatte der Kassierer noch einen kleinen Ansturm zu bestehen, den er hoffentlich siegreich abgeschlagen hat.f ^nrikfllirn öer Wdaklian. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) Herrn Pfarrer H. Ihre Korrespondenzen sind leider absolut unleserlich. B. 114. Derartige Stellenvermittelungsbureaus giebt es in Gießen unseres Wissens nicht. Wenden Sie sich an den Vorstand des Kau'mänmschen Vereins in Gießen. Eine „Dienerzeitung" haben wir in keinem Zettungskatalog finden können. F. B. Die Frage läßt sich schwer beantworten, weil da sehr verschiedene Faktoren mitjprechen. Bei der Infanterie pflegt das Emjährigenjahr einen Aunvand von ca. 1000 Alk. zu verursachen, wenn der Einjährige nicht am Wohnorte ferner Ellern seiner Militärpflicht genügt Alle übrigen Waffengattungen beanspruchen erheblich höhere Kosten, dos Doppelte und Dreifache, wenn nicht, je nach den ^ebcnsgewohnheiten, noch mehr. „Henneberg-seide“ — für alle Toiletten-Zwecke! — zollfrei! Muster an Jedermann 7519 Nur direkt v. Seidenfabrkt. Henneberg, Zürich. Ich schnitt' es gern in alle Aindeu em, O daß ich meine Heiserkeit und den abscheulichen Husten nur durch Fays ächte Sodener Miueralpastilleu losgeworden bin. lieber Nacht fast ist das Wunder geschehen und die ganze Geschichte hat nur 85 Pfg. gekostet. Und das soll nun jeder wissen, damit ein jeder weiß, was er zu tun hat, wenn ihn ein Katarrh oder auch nur ein Husten mit obligater Heiserkeit befällt: Er soll „Sodener" kaufen. In jeder Apotheke, Drogen- und Mineralwasser-Handlung zu haben. 6911 © O ■ Üie sitzen wie halten wie wie •1'$ Giessen 58 Bahnhofstrasse 58. Giessen 58 Bahnhofstrasse 58. ist die Empfehlung durch die eigene Kundschaft Lassen Sie sich von Ihren Bekannten, die Springmann’s Schuhwaren tragen, erzählen . Prtiswirilrttit 8737 Springmann’s Schuhwarenhaus ist durch günstige Abschlüsse in der Lage, die Preise für sämtliche Schuhwaren vollständig konkurrenzlos zu halten. W Springmann’s Schuhwaren Springmann’s Schuhwaren Springmann’s Schuhwaren immer neue Freunde erwerben. 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